Da kommt mir eine lustige Szene in den Sinn, die ich in Spanien erlebt habe, mehrmals erlebt, notabene. Jeweils um die Mittagszeit inklusive Siesta pflegte ich ins Hallenbad schwimmen zu gehen. Ich wollte damit der starken Sonne ausweichen. Das Hallenbad war als Ruhezone deklariert, weil es auch für Leute gedacht ist, die aus der Sauna oder dem Hammam kommen. In der Tat konnte ich dort im spiegelglatten, ruhigen Wasser schwimmen, bis die jungen Spanier kamen. Das waren zwei Gruppen, die eine von etwa 8 jungen Mädchen (oder Frauen), die andere von knapp weniger Burschen. Sie hatten es aufeinander abgesehen. Aber weil Spanien ja in dieser Hinsicht als ein eher strenges Land angesehen werden muss (Vieles hat mich ans Wallis und meine Jugend erinnert), konnten diese beiden Gruppen nicht jeweils individuell Kontakt machen und locker plaudern oder sich necken, wie das etwa Schweizer Jugendliche tun würden. Nein die beiden Gruppen haben sich in komplizierter Choreographie ganz langsam angenähert, haben sich aber nie gänzlich vermischt und aufgelöst, sondern sind immer diese zwei Gruppen geblieben. Das Gespräch blieb bloss innerhalb der eigenen Geschlechtsgruppe. Erst nach 2 oder 3 Tagen gab es einzelne Wortwechsel zwischen den Gruppen. Und es hatte sich das Spiel entwickelt, dass ein paar Jungen einige Mädchen einzeln von hinten in den Hüften packten und langsam auf den Rücken gedreht und ins Wasser tauchten, ungefähr so, wie man das bei Tangotänzern sieht. Die Jungens fühlten sich wie wahre Matadore, und die Mädchen schienen das köstlich zu geniessen. Das war für mich als Mitteleuropäer eine komische Geste, und ich hätte mich definitiv dagegen gewehrt, wenn ein Junge so was mit meiner Tochter getan hätte. Und man kann sich vorstellen, wie diese jungen Leute die Badehalle mit einer amourösen elektrischen Energie und einem lauten und ziemlich aufgeregten Gezwitscher erfüllt haben. Von der versprochenen Ruhe war keine Spur. Ganz im Gegenteil.
Aber ein bisschen habe ich sie auch beneidet, diese jungen Leute, um der Wahrheit die Ehre zu geben.
Mit lieben Grüssen
Donnerstag, 4. Februar 2010
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