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Donnerstag, 9. Juli 2015
Dienstag, 7. Juli 2015
Fliegen-Mail
...
Und vielleicht noch mehr als Wolfowitz ärgert mich hier in meinem
Büro die Fliege, die herumfliegt, ohne mich vorher gefragt zu haben.
Ich hasse das. Vielleicht deuten Fliegen den kommenden Frühling an.
Tut nichts, ich hasse sie. Vielleicht gehören sie zur Natur und zu ihrer
erstaunlichen Überlebenskunst. Tut nichts, ich hasse sie. Früher war
ich niemal so empfindlich. Visp war bekannt für die Fliegen.
Eigentlich war unter Wallisern Fliege der Nickname für einen Visper.
Und es gab einen kleinen Witz, den wir als Kinder gerne und lachend
erzählt hatten. Es gab damals in Visp an der Bahnhofstrasse die
Bäckerei Abegg. Jedermann holte dort sein Brot. Und natürlich
kauften wir Kinder beim Abegg unsere Süssigkeiten. Abegg hatte
diese wunderbaren, riesigen Moorenköpfe, wie wir sie nannten,
supersüss und superklebrig. Sie kosteten damals eine Kleinigkeit
von 20 Rappen, was natürlich für unser Budget keine Bagatelle
war. Aber sie schmeckten wirklich wunderbar, diese schneeweisse
Eiweiss-Zucker-Masse, und rundum der knackige Schokoladenmantel.
Ich habe den Gechmack noch heute auf der Zunge. Aus diesen
Gründen war Abegg für uns Kinder ein bemerkenswerter Ort.
Doch der kleine Witz: Da soll eines Tages ein bessere Frau in die
Bäckerei Abegg gekommen sein, eine Doktorsfrau von einem dieser
Chemikern der Lonza. Sie schaute sich kritisch um und fragte dann
die rundliche Frau Abegg, wieviel denn dieser Heidelbeerkuchen
koste. Frau Abegg wedelte und bliess die vielen Fliegen vom Kuchen
weg und stellte fest, dass dies ein ganz normaler und kostengünstiger
Apfelkuchen sei.
Und vielleicht noch mehr als Wolfowitz ärgert mich hier in meinem
Büro die Fliege, die herumfliegt, ohne mich vorher gefragt zu haben.
Ich hasse das. Vielleicht deuten Fliegen den kommenden Frühling an.
Tut nichts, ich hasse sie. Vielleicht gehören sie zur Natur und zu ihrer
erstaunlichen Überlebenskunst. Tut nichts, ich hasse sie. Früher war
ich niemal so empfindlich. Visp war bekannt für die Fliegen.
Eigentlich war unter Wallisern Fliege der Nickname für einen Visper.
Und es gab einen kleinen Witz, den wir als Kinder gerne und lachend
erzählt hatten. Es gab damals in Visp an der Bahnhofstrasse die
Bäckerei Abegg. Jedermann holte dort sein Brot. Und natürlich
kauften wir Kinder beim Abegg unsere Süssigkeiten. Abegg hatte
diese wunderbaren, riesigen Moorenköpfe, wie wir sie nannten,
supersüss und superklebrig. Sie kosteten damals eine Kleinigkeit
von 20 Rappen, was natürlich für unser Budget keine Bagatelle
war. Aber sie schmeckten wirklich wunderbar, diese schneeweisse
Eiweiss-Zucker-Masse, und rundum der knackige Schokoladenmantel.
Ich habe den Gechmack noch heute auf der Zunge. Aus diesen
Gründen war Abegg für uns Kinder ein bemerkenswerter Ort.
Doch der kleine Witz: Da soll eines Tages ein bessere Frau in die
Bäckerei Abegg gekommen sein, eine Doktorsfrau von einem dieser
Chemikern der Lonza. Sie schaute sich kritisch um und fragte dann
die rundliche Frau Abegg, wieviel denn dieser Heidelbeerkuchen
koste. Frau Abegg wedelte und bliess die vielen Fliegen vom Kuchen
weg und stellte fest, dass dies ein ganz normaler und kostengünstiger
Apfelkuchen sei.
Sonntag, 5. Juli 2015
das Wichtigste
subject Re: Du siehst..
Liebe Malou
Du sagst ".. nichts Neues im Moment". Gehst du denn davon aus, dass ich das Neuste hören müsste oder möchte? Davon gehe ich nun ganz und gar nicht aus. Ich bin eher interessiert am Ältesten, an dem, was zuunterst liegt, am Fundament im Boden sozusagen. Das Neueste ist meist das Ephemerste (gibt es ein solches Wort? Wenn nicht, dann sollte man es erfinden. Ich weiss, dass es Ephemeriden gibt. Ist das nicht ein wundervoller Name. Die Eintagsfliege ist eine Art davon. Eine merkwürdige Gruppe von Lebenwesen, diese Ephemeriden! Erinnern akustisch an die Hesperiden in den griechischen Sagen).
Ist das nicht merkwürdig: Das, worauf man während des Tages fixiert ist, das Operative sozusagen, ist das Unwichtigste und das, was am schnellsten im Vergessen verschwindet. Was ist denn dann das Wichtigste? Irgendwie das Strategische, der Lebenssinn, sozusagen das Geschäftsziel des Lebens. Und was ist das?
Freitag, 3. Juli 2015
8 juli (8.22, 10:15, 14:22, 17:10)
den 8 juli 08:22
Re: Aus dem RL
Liebe Marlena
Vielleicht bist Du bereits am Packen? Möglicherweise stehen die Koffern schon im Korridor neben der Eingangstüre? Und im Parterre sind die Läden geschlossen? Der Schlüssel beim Nachbar? Na ja, vielleicht seid Ihr gar schon unterwegs in den hohen Norden. Ich habe kürzlich im Fernsehen wieder einige schwedische Landschaften gesehen. Sie sind überwältigend gross.
Wenn sich mit der Erderwärmung das Klima ändert, so wird es in Schweden wohl ungefähr werden, wie es heute bei uns ist. Und bei uns, so habe ich gehört, wird das Klima wie am Mittelmeer. Ich habe schon daran gedacht, im Garten Artichocken zu pflanzen, und vielleicht ein paar Olivenbäume? Aber ich werde mich zurückhalten, daraus einen Weinberg zu machen. Es ist weniger wegen des Weines, als vielmehr wegen der Arbeit. Ich weiss, wieviel Arbeit Rebstöcke machen. Mein Bruder hat früher mitten in den Rebbergen gewohnt. Und am meisten ist mir da jeweils aufgefallen, wie die Rebbauern schon im kalten Januar und Februar von morgens bis abends in den Reben arbeiten. Das ist kein Vergnügen, und wenn man eine gute Flasche öffnet, sollte man sehr wohl daran denken, wieviel Schweiss dafür vergossen worden ist. Natürlich gilt das mehr oder weniger für die Walliser Weine, die an steilen und beschwerlichen Hängen wachsen. Im Elsass braucht man öfters Maschinen für die Bearbeitung, und das geht dann natürlich viel leichter vor sich.
*
.In den letzten Tagen habe ich einen biographischen Roman von Janosh gelesen. Er hat ausgezeichnete Kinderbücher gemacht und dafür auch grosse Preise gewonnen. Ich habe mal ein Kinderbuch rezensiert und für ungenügend befunden, weil ein Zirkusdirektor und sein Gehilfe sich bloss besoffen haben, als Leo ausgebrochen war. Dass dieser Leo kein wirklicher Löwe, sondern bloss ein Floh war, das hat mich nicht von meinem harten Urteil abgehalten. Ich fand es schwach, den Kindern den Suff als Problemlösung vorzuschlagen. Und jetzt, in der Biographie, sehe und höre ich, wie sehr wohl auch Janosh dem Alkohol zugetan ist. Er lebt offenbar heute auf Gomera, allein in einem Haus ohne Wasser und Elektrizität. Und er beklagt sich etwas, dass die Frauen ihn im Leben immer abgelehnt hatten. So etwas hätte ich aus seinen Geschichten niemals angenommen. Seine Geschichten strotzten von Leben und Fantasie, waren gut erfunden und gut erzählt. Ich muss sie wieder mal hervorsuchen und sehen, wie sie jetzt wirken, nachdem ich über das schwierige Leben des Autors gehört habe. Er war in Polen unter ärmsten Verhältnissen aufgewachsen. Sein Vater zuerst Mineur in der Grube, später Textilhändler und zu gewissem Reichtum gelangt. Er hat exzessiv gesoffen und dann jeweils seine Frau geschlagen. Und sie hat, sozusagen als Handpfand, den kleinen Janosh vor sich hergehalten, damit, wenn er zuschlage, er seinen Sohn schlage. Und der wollte seine Frau und nicht seinen Sohn schlagen. Seinen Janosh schlug er zu anderen Zeiten und aus anderen Gründen. Kurz und gut, es scheint eine schreckliche Jugend gewesen zu sein. In Polen war damals die deutsche Sprache noch präsent, und so kam Janosh nach Deutschland, machte eine Ausbildung an einer Kunstschule, und wohnte schliesslich am Ammersee in einem selbstgebauten Atelier. Er hätte 30 Jahre gebraucht um einzusehen, dass er nicht Maler werden könne, weil er nicht malen kann. Er ist aber ein guter Zeichner, und seine Illustrationen der Kinderbücher haben mir immer gut gefallen.
Ich war wirklich etwas erschüttert, zu bemerken, wie sehr ein Werk im Vordergrund so lebendig und voller Vitalität und Ideen sein kann, während der Autor im Hintergrund aber doch ziemlich schwächlich und unglücklich dahin vegetiert. Das zu sehen war überraschend für mich.Was mir bloss aufgefallen war, dass das kleine Foto, welches man oft in den Büchern findet, etwas undeutlich war und den Autoren mehr versteckte als wirklich zeigte. Er wirkte dort irgendwie jämmerlich, und ich hatte mich immer gefragt, weshalb man nicht ein besseres Foto genommen habe. Diese Tatsache scheint mir jetzt einigermassen aufgeklärt. Er ist ein Typ, der nicht in Erscheinung treten will. Und das erklärt wohl auch, warum er bei Frauen immer wieder sosehr abgeblitzt war. Mit einem Wort, ein armer Kerl.
*
So bleibt mir die Hoffnung, dass Ihr noch nicht wirklich abgereist seid.
Ich wünsche Dir einen schönen, sonnigen Tag, wie er auch bei uns über der Landschaft schwebt.
Mit lieben Grüssen
...
-------
Ämne: Frische..
Datum: den 8 juli 10:15
Lieber ...,
Ich wollte dir gestern abend schreiben aber ich war zum Umfallen müde. Sag, wie ist das möglich, wenn man so frei ist und tun kann was man wünscht? Natürlich sind wir noch nicht abgereist. Wie könnte ich fahren ohne vorher von dir gehörig Abschied zu nehmen.. ? ;-)
Heute bin ich früh aufgestanden. Früh jetzt im Sommer bedeutet vor sieben Uhr. Die anderen haben noch fest geschlafen während ich mein Auto zu der nahen Tankstelle gebracht habe um meinen Auspuff reparieren zu lassen. Gerade hat man angerufen, dass es nun fertig ist. Nicht schlecht so nahe zur Hilfe zu haben.
Bei dem kleinen Spaziergang nach Hause habe ich die obere Strasse genommen, ”gamla vägen” (der alte Weg). Es war sicher einmal die einzige Landstrasse die den Ort mit der Umgebung verband. Jetzt gibt es da noch einige alte Häuser und schöne neue Villen. Und die kleine Kanadierin und ihr Mann haben eines dieser alten Häuser gekauft und werden am 1. August dort einziehen. Es sieht ein bisschen nach Pfefferkuchenhaus aus mit einem Garten wie ein Dschungel. Ich glaube dort werden sie sich wohl fühlen mit ihren drei Katzen. Oder eigentlich: die Katzen werden sich wohlfühlen mit ihnen, denn man hat den Eindruck dass sie die ”Herren” der Familie sind. Bisher haben sie in einer modernen schönen Wohnung gewohnt aber leider hat man im Nachbarhaus alle möglichen Asylsuchenden einquartiert, davon viele junge Leute zwischen 20 -25 die allein dort wohnen und nicht die Nachtruhe ihrer Umgebung respektieren.. nicht zu sprechen vom Tag. Es war den beiden unmöglich tagsüber zu Hause studieren zu können ohne Ohrenschutz. Und jetzt freuen sie sich auf das kleine Häuschen in diesem sehr ruhigen Villenviertel. Ich hatte ihr versprochen Mitte August auf ihre Katzen aufzupassen (wir sind mehrere die diese Arbeit teilen) und es passt mir ganz ausgezeichnet, dass sie dann nur einen Schritt von mir wohnen werden.
*
Interessant was du von dem Schriftsteller schreibst. Ja, man kann sicher nicht immer ein Werk mit seinem Autor identifizieren. Man weiss überhaupt selten was sich im Leben anderer Menschen abspielt.
*
Es ist bewölkt aber doch eine frische angenehme Luft die den Rosen, die jetzt so schön blühen, besonders gut bekommt. Ich werde mich nun auf den Weg machen und mein Auto holen.
Schreibe dir vielleicht später noch ein paar Zeilen. Jedenfalls ist es mein Wunsch, das tun zu können.
So grüsse ich dich lieb und danke dir nochmals für dein schönes Frühstücksmail.
Ich wünsche dir einen herrlichen sonnigen Tag,
Marlena
----------
Ämne: Hilfe!
Datum: den 8 juli 14:22
Lieber Mausfreund,
Was machst du mit deiner freien Zeit? Hoffentlich was anderes als ich.
Ich sitze oben in Annas Zimmer und habe gerade die Papierberge in Angriff genommen. Mein mathematisches Können sagt mir, dass ich, wenn ich in demselben Tempo weitermache, eventuell bis zum Schulstart damit fertigwerde. Es ist, im Gegenteil zu der Arbeit mit den Büchern neulich, eine langweilige Arbeit. Grammatische Übungen, Zeitungstexte und eine Menge extra Material zu jedem Stück im Lehrbuch.. Oh Gott! Vielleicht sollte ich alles unangesehen in einen grossen Müllsack stecken und damit auch meine armen Schüler im kommenden Jahr davon befreien. Aber ich bin nun mal ein "Eichhörnchen", wie man bei uns sagt, dass sich gern Dinge aufhebt. Es könnte ja sein, dass...l
Und jetzt fühle ich, dass ich eigentlich ein wenig Stimulantia brauchen würde um weitermachen zu können. Ein Mail von dir würde es tun. Oder ein doppelter Whisky.. ;-)
Anna und K sind in den Wald hinaus gezogen. Es ist das erste mal seit ewig, dass sie zusammen einen Waldlauf machen. Und so nehme ich die Gelegenheit wahr, wenigstens ein Mail zu schreiben, wenn ich schon keines finde.
Der Himmel hat sich etwas aufgehellt. Weisst du, ich finde es immer noch wie ein Wunder, dass wir so zentral so ländlich wohnen können, dass man so in die weite Natur hinaussehen kann ohne einen Menschen gegenüber zu haben.
Mein Auto ist wieder OK und so fühle ich mich wieder frei - zu fahren wohin ich will und wann ich will. Fehlt eben nur der Willen. ;-)
Ich werde mir nun auch eine kleine Pause im Garten gönnen bevor ich ins Papierchaos zurückkehre. Ach, könntest du meinen Hilferuf hören. Aber du bist vielleicht irgendwo unterwegs und machst die Gegend unsicher. Ja, sowas traue ich dir zu.
Übrigens merke ich dass Pessoa sehr oft seine "Kapitel" mit einer kleinen Betrachtung über das Wetter beginnt. Ich glaube, wenn man nicht seine Gedanken auf etwas besonderes richten muss dann ist man mehr aufmerksam auf den Himmel.
Ich gäbe was drum, wenn ich dich nun sehen könnte bei deinem Vorhaben.
So grüsse ich dich nochmals lieb.
SK
Marlena
---------
den 8 juli 17:10
Re: Hilfe!
Liebe Marlena
Ach was, seit wann trinken Eichhörchen Whisky? Noch gar doppelte?
Ich war in Basel heute Nachmittag und bin eben zurückgekehrt. Und jetzt werde ich heimfahren, um schleunigst mein Nachmittagsschläfchen zu nehmen.
Ich hatte heute Glück. Ein Kollege hat für mich gearbeitet und mir eine Instruktorin gesucht für eine Fortbildung, die wir im Herbst machen werden. Ich bin ihm dankbar, denn ich hätte wohl lange herumsuchen müssen. Und dazu kommt es so dem Staat viel billiger, weil es sich um eine seiner Mitarbeiterinnen handelt.
So will ich den heutigen Tag geniessen, als ob ich hier soviel wie in einer ganzen Woche gearbeitet hätte. Ich meine, ein anderer hätte das. Ich muss mich ein bisschen anstrengen, meine Effizienz zu schätzen und zu loben. Sonst tut das ja niemand, weil es kein Mensch wirklich bemerkt. Merkst du schon, wie es stinkt. Tut nichts, auch Gestank riecht manchmal recht interessant.
Ich nehme auch einen Whisky, nebenbei. Ich habe immer eine kleine Notreserve in meinem Schrank. Nun ja, es ist ziemlich unklar, was als Not zu bezeichnen wäre. Not ist eben, zu was man notfalls greift. Eben Whisky.
Ich danke Dir für Deine luftigleichten Mails und ich würde Dich umarmen, wenn ich könnte.
Mit einem lieben Gruss
...
Re: Aus dem RL
Liebe Marlena
Vielleicht bist Du bereits am Packen? Möglicherweise stehen die Koffern schon im Korridor neben der Eingangstüre? Und im Parterre sind die Läden geschlossen? Der Schlüssel beim Nachbar? Na ja, vielleicht seid Ihr gar schon unterwegs in den hohen Norden. Ich habe kürzlich im Fernsehen wieder einige schwedische Landschaften gesehen. Sie sind überwältigend gross.
Wenn sich mit der Erderwärmung das Klima ändert, so wird es in Schweden wohl ungefähr werden, wie es heute bei uns ist. Und bei uns, so habe ich gehört, wird das Klima wie am Mittelmeer. Ich habe schon daran gedacht, im Garten Artichocken zu pflanzen, und vielleicht ein paar Olivenbäume? Aber ich werde mich zurückhalten, daraus einen Weinberg zu machen. Es ist weniger wegen des Weines, als vielmehr wegen der Arbeit. Ich weiss, wieviel Arbeit Rebstöcke machen. Mein Bruder hat früher mitten in den Rebbergen gewohnt. Und am meisten ist mir da jeweils aufgefallen, wie die Rebbauern schon im kalten Januar und Februar von morgens bis abends in den Reben arbeiten. Das ist kein Vergnügen, und wenn man eine gute Flasche öffnet, sollte man sehr wohl daran denken, wieviel Schweiss dafür vergossen worden ist. Natürlich gilt das mehr oder weniger für die Walliser Weine, die an steilen und beschwerlichen Hängen wachsen. Im Elsass braucht man öfters Maschinen für die Bearbeitung, und das geht dann natürlich viel leichter vor sich.
*
.In den letzten Tagen habe ich einen biographischen Roman von Janosh gelesen. Er hat ausgezeichnete Kinderbücher gemacht und dafür auch grosse Preise gewonnen. Ich habe mal ein Kinderbuch rezensiert und für ungenügend befunden, weil ein Zirkusdirektor und sein Gehilfe sich bloss besoffen haben, als Leo ausgebrochen war. Dass dieser Leo kein wirklicher Löwe, sondern bloss ein Floh war, das hat mich nicht von meinem harten Urteil abgehalten. Ich fand es schwach, den Kindern den Suff als Problemlösung vorzuschlagen. Und jetzt, in der Biographie, sehe und höre ich, wie sehr wohl auch Janosh dem Alkohol zugetan ist. Er lebt offenbar heute auf Gomera, allein in einem Haus ohne Wasser und Elektrizität. Und er beklagt sich etwas, dass die Frauen ihn im Leben immer abgelehnt hatten. So etwas hätte ich aus seinen Geschichten niemals angenommen. Seine Geschichten strotzten von Leben und Fantasie, waren gut erfunden und gut erzählt. Ich muss sie wieder mal hervorsuchen und sehen, wie sie jetzt wirken, nachdem ich über das schwierige Leben des Autors gehört habe. Er war in Polen unter ärmsten Verhältnissen aufgewachsen. Sein Vater zuerst Mineur in der Grube, später Textilhändler und zu gewissem Reichtum gelangt. Er hat exzessiv gesoffen und dann jeweils seine Frau geschlagen. Und sie hat, sozusagen als Handpfand, den kleinen Janosh vor sich hergehalten, damit, wenn er zuschlage, er seinen Sohn schlage. Und der wollte seine Frau und nicht seinen Sohn schlagen. Seinen Janosh schlug er zu anderen Zeiten und aus anderen Gründen. Kurz und gut, es scheint eine schreckliche Jugend gewesen zu sein. In Polen war damals die deutsche Sprache noch präsent, und so kam Janosh nach Deutschland, machte eine Ausbildung an einer Kunstschule, und wohnte schliesslich am Ammersee in einem selbstgebauten Atelier. Er hätte 30 Jahre gebraucht um einzusehen, dass er nicht Maler werden könne, weil er nicht malen kann. Er ist aber ein guter Zeichner, und seine Illustrationen der Kinderbücher haben mir immer gut gefallen.
Ich war wirklich etwas erschüttert, zu bemerken, wie sehr ein Werk im Vordergrund so lebendig und voller Vitalität und Ideen sein kann, während der Autor im Hintergrund aber doch ziemlich schwächlich und unglücklich dahin vegetiert. Das zu sehen war überraschend für mich.Was mir bloss aufgefallen war, dass das kleine Foto, welches man oft in den Büchern findet, etwas undeutlich war und den Autoren mehr versteckte als wirklich zeigte. Er wirkte dort irgendwie jämmerlich, und ich hatte mich immer gefragt, weshalb man nicht ein besseres Foto genommen habe. Diese Tatsache scheint mir jetzt einigermassen aufgeklärt. Er ist ein Typ, der nicht in Erscheinung treten will. Und das erklärt wohl auch, warum er bei Frauen immer wieder sosehr abgeblitzt war. Mit einem Wort, ein armer Kerl.
*
So bleibt mir die Hoffnung, dass Ihr noch nicht wirklich abgereist seid.
Ich wünsche Dir einen schönen, sonnigen Tag, wie er auch bei uns über der Landschaft schwebt.
Mit lieben Grüssen
...
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Ämne: Frische..
Datum: den 8 juli 10:15
Lieber ...,
Ich wollte dir gestern abend schreiben aber ich war zum Umfallen müde. Sag, wie ist das möglich, wenn man so frei ist und tun kann was man wünscht? Natürlich sind wir noch nicht abgereist. Wie könnte ich fahren ohne vorher von dir gehörig Abschied zu nehmen.. ? ;-)
Heute bin ich früh aufgestanden. Früh jetzt im Sommer bedeutet vor sieben Uhr. Die anderen haben noch fest geschlafen während ich mein Auto zu der nahen Tankstelle gebracht habe um meinen Auspuff reparieren zu lassen. Gerade hat man angerufen, dass es nun fertig ist. Nicht schlecht so nahe zur Hilfe zu haben.
Bei dem kleinen Spaziergang nach Hause habe ich die obere Strasse genommen, ”gamla vägen” (der alte Weg). Es war sicher einmal die einzige Landstrasse die den Ort mit der Umgebung verband. Jetzt gibt es da noch einige alte Häuser und schöne neue Villen. Und die kleine Kanadierin und ihr Mann haben eines dieser alten Häuser gekauft und werden am 1. August dort einziehen. Es sieht ein bisschen nach Pfefferkuchenhaus aus mit einem Garten wie ein Dschungel. Ich glaube dort werden sie sich wohl fühlen mit ihren drei Katzen. Oder eigentlich: die Katzen werden sich wohlfühlen mit ihnen, denn man hat den Eindruck dass sie die ”Herren” der Familie sind. Bisher haben sie in einer modernen schönen Wohnung gewohnt aber leider hat man im Nachbarhaus alle möglichen Asylsuchenden einquartiert, davon viele junge Leute zwischen 20 -25 die allein dort wohnen und nicht die Nachtruhe ihrer Umgebung respektieren.. nicht zu sprechen vom Tag. Es war den beiden unmöglich tagsüber zu Hause studieren zu können ohne Ohrenschutz. Und jetzt freuen sie sich auf das kleine Häuschen in diesem sehr ruhigen Villenviertel. Ich hatte ihr versprochen Mitte August auf ihre Katzen aufzupassen (wir sind mehrere die diese Arbeit teilen) und es passt mir ganz ausgezeichnet, dass sie dann nur einen Schritt von mir wohnen werden.
*
Interessant was du von dem Schriftsteller schreibst. Ja, man kann sicher nicht immer ein Werk mit seinem Autor identifizieren. Man weiss überhaupt selten was sich im Leben anderer Menschen abspielt.
*
Es ist bewölkt aber doch eine frische angenehme Luft die den Rosen, die jetzt so schön blühen, besonders gut bekommt. Ich werde mich nun auf den Weg machen und mein Auto holen.
Schreibe dir vielleicht später noch ein paar Zeilen. Jedenfalls ist es mein Wunsch, das tun zu können.
So grüsse ich dich lieb und danke dir nochmals für dein schönes Frühstücksmail.
Ich wünsche dir einen herrlichen sonnigen Tag,
Marlena
----------
Ämne: Hilfe!
Datum: den 8 juli 14:22
Lieber Mausfreund,
Was machst du mit deiner freien Zeit? Hoffentlich was anderes als ich.
Ich sitze oben in Annas Zimmer und habe gerade die Papierberge in Angriff genommen. Mein mathematisches Können sagt mir, dass ich, wenn ich in demselben Tempo weitermache, eventuell bis zum Schulstart damit fertigwerde. Es ist, im Gegenteil zu der Arbeit mit den Büchern neulich, eine langweilige Arbeit. Grammatische Übungen, Zeitungstexte und eine Menge extra Material zu jedem Stück im Lehrbuch.. Oh Gott! Vielleicht sollte ich alles unangesehen in einen grossen Müllsack stecken und damit auch meine armen Schüler im kommenden Jahr davon befreien. Aber ich bin nun mal ein "Eichhörnchen", wie man bei uns sagt, dass sich gern Dinge aufhebt. Es könnte ja sein, dass...l
Und jetzt fühle ich, dass ich eigentlich ein wenig Stimulantia brauchen würde um weitermachen zu können. Ein Mail von dir würde es tun. Oder ein doppelter Whisky.. ;-)
Anna und K sind in den Wald hinaus gezogen. Es ist das erste mal seit ewig, dass sie zusammen einen Waldlauf machen. Und so nehme ich die Gelegenheit wahr, wenigstens ein Mail zu schreiben, wenn ich schon keines finde.
Der Himmel hat sich etwas aufgehellt. Weisst du, ich finde es immer noch wie ein Wunder, dass wir so zentral so ländlich wohnen können, dass man so in die weite Natur hinaussehen kann ohne einen Menschen gegenüber zu haben.
Mein Auto ist wieder OK und so fühle ich mich wieder frei - zu fahren wohin ich will und wann ich will. Fehlt eben nur der Willen. ;-)
Ich werde mir nun auch eine kleine Pause im Garten gönnen bevor ich ins Papierchaos zurückkehre. Ach, könntest du meinen Hilferuf hören. Aber du bist vielleicht irgendwo unterwegs und machst die Gegend unsicher. Ja, sowas traue ich dir zu.
Übrigens merke ich dass Pessoa sehr oft seine "Kapitel" mit einer kleinen Betrachtung über das Wetter beginnt. Ich glaube, wenn man nicht seine Gedanken auf etwas besonderes richten muss dann ist man mehr aufmerksam auf den Himmel.
Ich gäbe was drum, wenn ich dich nun sehen könnte bei deinem Vorhaben.
So grüsse ich dich nochmals lieb.
SK
Marlena
---------
den 8 juli 17:10
Re: Hilfe!
Liebe Marlena
Ach was, seit wann trinken Eichhörchen Whisky? Noch gar doppelte?
Ich war in Basel heute Nachmittag und bin eben zurückgekehrt. Und jetzt werde ich heimfahren, um schleunigst mein Nachmittagsschläfchen zu nehmen.
Ich hatte heute Glück. Ein Kollege hat für mich gearbeitet und mir eine Instruktorin gesucht für eine Fortbildung, die wir im Herbst machen werden. Ich bin ihm dankbar, denn ich hätte wohl lange herumsuchen müssen. Und dazu kommt es so dem Staat viel billiger, weil es sich um eine seiner Mitarbeiterinnen handelt.
So will ich den heutigen Tag geniessen, als ob ich hier soviel wie in einer ganzen Woche gearbeitet hätte. Ich meine, ein anderer hätte das. Ich muss mich ein bisschen anstrengen, meine Effizienz zu schätzen und zu loben. Sonst tut das ja niemand, weil es kein Mensch wirklich bemerkt. Merkst du schon, wie es stinkt. Tut nichts, auch Gestank riecht manchmal recht interessant.
Ich nehme auch einen Whisky, nebenbei. Ich habe immer eine kleine Notreserve in meinem Schrank. Nun ja, es ist ziemlich unklar, was als Not zu bezeichnen wäre. Not ist eben, zu was man notfalls greift. Eben Whisky.
Ich danke Dir für Deine luftigleichten Mails und ich würde Dich umarmen, wenn ich könnte.
Mit einem lieben Gruss
...
Mittwoch, 1. Juli 2015
neue Verbindung Dänemark - Schweden
Date: Sat, 01 Jul 2000 08:38:38 GMT
Liebe Marlena,
Heute oder morgen wird die Verbindung zwischen Dänemark und
Schweden eingeweiht, nicht wahr, oder dem Verkehr übergeben?
Wie heisst es, Öresund oder so. Dann brauchen die Elche nicht mehr
nasse Füsse zu bekommen, wenn sie nach Dänemark auswandern
wollen. Dann können sie in Kolonnen über diese Brücke wandern
und in der Mitte noch ein schönes Picknick machen ;--)
Wenn ich dich jetzt in Stockholm besuche, könnte ich dies trockenen
Fusses. Nun ja, das wäre ja schon bisher möglich gewesen, aber mit
einem grossen Umweg, nicht wahr? Aber jetzt könnte ich wirklich
gleich meine Pantoffeln anbehalten. Das ist doch ein gutes Gefühl.
Ich werde es mir überlegen.
*
(den 24 maj 2000 01:05)
Lieber Mausfreund,
Zum Elch. Am Wochenende ist, wie du schon weisst, der dänische Elchstamm ausgestorben.;-) D.h. die Dänen haben gar keinen gehabt, aber dann ist eben ein schwedischer Elch rübergeschwommen und nun ist dieser arme Elch von einem Zug überfahren worden.
Wir vergleichen eigentlich nie Menschen mit einem Elch. Er ist der König des Waldes und bei den Elchkälbern lacht man über die langen Beine. Sie sehen so unbeholfen aus damit als würden sie jeden Augenblick umfallen. Die Beine stehen oft in alle Himmelsrichtungen. Tun sie das bei dir auch? Übrigens kann ich nicht verstehen warum die Ausländer immer so verrückt sind nach diesen Tieren.
(den 24 maj 2000 01:05)
Ankunft im hohen Norden
Wenn wir am zweiten Tag der Reise so gegen 14.00 Uhr ankommen, haben wir sofort unsere bestimmten Aufgaben die schnell erledigt werden müssen. Wenn das Gras sehr hoch ist (es kann einen halben Meter sein im schlimmsten Fall) nimmt K die Sense. Erst verstauen wir natürlich all unser Gepäck im Haus. Dann trage ich alle Matratzen hinaus in die Sonne da sie vom Winter etwas feucht sind und schliesslich klettert K aufs Dach um den Deckel vom Schornstein abzunehmen damit wir im Ofen Feuer machen können. Wasser wird im Brunnen geholt. Die alte Wanduhr wird aufgezogen. Sie tickt so gemütlich. Die Vögel werden auf ihren Platz gestellt. Es scheint ihnen sehr gut zu gefallen in der grossen hellen Bauernküche wo von allen Seiten das Licht hereinstrahlt. Und dann zuletzt, pflücke ich auf der Wiese den Blumenstrauss, der in einem kleinen Korb neben der Tür verkünden soll dass wir nun zu Hause sind und alle herzlich willkommen heissen. Und man kommt. Von nah und fern. Die meisten jungen Leute sind doch in den Süden ausgewandert. Aber im Sommer kommen sie ”nach Hause” und dann tauchen sie auf, Ks Freunde aus seiner Kindheit u.a. (einige haben auch in Uppsala studiert) und man erzählt sich bei einer Tasse Kaffee was man in dem vergangenen Jahr erlebt hat oder spricht von Erinnerungen aus der Kindheit. Jedes Jahr werden wir auch von Kusinen und Nachbarn eingeladen und mein Verehrer ;-)) steht immer bereit wenn ich die Post hole um ein paar Worte zu wechseln. Manchmal kommt auch jemand aus dem Süden zu Besuch und bleibt dann meistens so eine Woche. Es ist ein stilles erholsames Leben und es ist komisch, obwohl man fast nichts zu tun hat, fliegen die Tage nur so dahin. Übrigens haben wir früher auch immer Tennis gespielt in Kalix aber im letzten Jahr sind wir etwas faul gewesen. Vielleicht auch das Alter ;-))
Ich darf nicht vergessen zu sagen dass wir auch viel am Fluss unten sind. Anna schwimmt jeden Tag in dem meistens eiskalten Wasser und K geht abends runter um ein paar ”Harre” (wie sie nun wieder auf Deutsch heissen können?) zu fischen. Es ist ein kleiner Lachsfisch der sogar den Lachs übertrifft im Geschmack. Nur soll man ihn so frisch wie möglich essen und manchmal können wir es nicht lassen und braten sofort ein paar, leicht paniert in Butter, wenn K damit vom Fluss kommt. Ich habe früher auch viel gefischt und vielleicht werde ich es diesen Sommer wieder mal versuchen. Ich möchte gern das Anna einmal fühlt wie spannend es ist.
*
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