... die grosse Elchwanderung
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Damals als wir nach Luleå flogen übernachteten wir zuerst in der zentral
belegenen Wohnung meines Schwiegervaters. Am nächsten Morgen nahmen wir
den Bus in nördlicher Richtung. Noch 70 Kilometer mussten wir fahren.
Es war ein schöner sonniger Tag als ich zum ersten Mal zu dem Haus kam
wo ich seitdem so viele schöne Sommer verbracht habe. Ein Mann kam uns
auf dem Hof entgegen und schloss mich in seine Arme und sofort fühlte
ich mich zu Hause. Es war mein lieber Schwiegervater.
Vom Bus aus fand ich wohl die Landschaft etwas karg. Platt und steinig
kam sie mir vor. Viel Wald. Aber als ich den Fluss sah war ich
überwältigt von der Schönheit der Natur. Von der grossen Bauernküche
sieht man direkt hinunter auf den Fluss hinter dem Haus.
Es dauerte viele Jahre bevor ich begriff warum das Licht dort so
besonders ist. Der Fluss reflektiert nämlich die Sonnenstrahlen und
beleuchtet somit das Laub der Bäume auch von unten. Deswegen badet die
ganze Natur in Licht. In einem späteren Mail werde ich dir erzählen wie
wir dort unsere Ferien verbringen.
*
Du hast mich gefragt was ich mit dem Turmbauen meine. Ich glaube du
weisst es schon, aber kann es natürlich trotzdem erklären. Du machst dir
ein Bild von mir, verleihst mir verschiedene Eigenschaften und ich
werde dadurch immer "vortrefflicher" in deiner Fantasie. Wenn ich dir
dann schreibe kann es passieren dass du einiges wieder streichen musst
also könnte man sagen dass ich mit meinen "Steinen" dein Gebäude etwas
zerstöre. Ich glaube wenn du mich selbst "bauen" könntest, würde es ein
sehr schöner Turm werden.
Und an diesem schönen Traumgebäude würdest du dann hochklettern und versuchen den Himmel zu erreichen..
Kennst du dieses Rilkegedicht?
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
....
Ich verlasse dich nun für heute (d.h. den PC aber sicher noch nicht dich)
Gute Nacht, mein lieber Mausfreund
Marlena
Das ist für dich Marlena, ... Es ist für mich das
Sinngedicht
unserer Freundschaft.
"Wer seines Lebens viele Widersinne
versöhnt und dankbar in ein Sinnbild fasst,
der drängt die Lärmenden aus dem Palast,
wird anders festlich, und du bist der Gast,
den er an sanften Abenden empfängt.
Du bist der Zweite seiner Einsamkeit,
die ruhige Mitte seinen Monologen;
und jeder Kreis, um dich gezogen,
spannt ihm den Zirkel aus der Zeit."
Rilke Berlin-Schmargendorf 1899