den 26 september 2003 15:57
Re: Irdisch..
Liebe Marlena
Ja, Du hast recht. Ich habe ein Bild von Dir. Ich wusste allerdings nicht mehr, dass das von Anacapri stammte. Ich habe es noch immer und schaue es mir vor dem Schlafengehen an. Du stehtst so vor einem Hauseingang. Du hast mir sogar zwei davon geschickt, wenn ich mich recht erinnere, einmal ganze Statur, das andere mal nur Brustbild. Na klar hab ich das noch. Und deshalb kannst Du auch davon ausgehen, dass die schwedischen Sirenen immer noch wirken.
*
Allerdings habe ich den Link nicht verfolgt, den Du geschickt hast. Ich habe einfach nicht soviel Zeit. Vielleicht ein andermal. Es sieht hier im Büro noch aus wie im Vorzimmer des Himmels. Ich sollte etwas aufräumen. Eigentlich hatte ich noch mit dem Samstag gerechnet. Aber der fällt jetzt ja wohl aus. Ich muss mich darum auch jetzt kurz halten.
Ich hoffe, Du hast eine gute Zeit. Wenn es im Hotel die Möglichkeit gibt, werde ich mal mailen. Sicherlich werden meine Töchter auch eine solche Gelegenheit suchen. Und wenn ich durchs warme Mittelmeerwasser wate, denke ich an Dich. Darauf kannst Du zählen.
ich küsse Dich zum Abschied.
Mit lieben Grüssen
...
Mittwoch, 31. August 2011
Irdisch...
Ämne: Irdisch..
Datum: den 26 september 2003 09:25
Lieber ...,
Doch, ich habe dir damals ein Bild geschickt, wo du mich im Haus von Axel Munthe sehen kannst... auf Anacapri. Ich weiss es noch, weil es das erste Foto war, das nicht aus meiner Jugend stammte. Ich erinnere mich daran, weil deine Reaktion darauf etwas originell war. Damals hast du noch unter dem Einfluss schwedischer Sirenen gestanden. ;-)
*
Ja, ich kenne das mit der Wurst. Darfst es nicht zu oft sagen, denn ich möchte es manchmal vergessen. Auch K warnt mich davor. Aber ich denke ich werde wohl einmal in der Woche zu Lidl fahren um mir frisches Gemüse zu besorgen, solange sie nicht ihre Preise den unseren anpassen. Und gestern waren so wahnsinnig viel Leute dort, dass wir sicher einiges aus ihrem Sortiment verpasst haben. Was ich nicht verpasst habe, waren alle früheren Schüler von unserer Schule, die sich in dieser Periode dort etwas extra Geld verdienen. Ein paar hat man direkt nach dem Abitur fest angestellt und eine sogar als Chefin, die sich mit der Ausbildung der anderen befassen soll. Ich fragte eine junge Frau, ob sie auch deutsches Brot hätten (leider nicht) und merkte dabei, dass auch sie aus Deutschland importiert war. Man kann das deutlich an der Aussprache hören. Ganz neben dem Kaufhaus liegt ein riesiges rundes Miethaus mit drei Wohnstöcken. Dort wohnen viele Immigranten, Asylsuchende u.a. Man sah viele davon unter den Kunden und ich dachte, sie freuen sich sicher besonders denn sie werden ihre Lebensmittelkosten ziemlich verringern können und müssen ihre Waren auch nicht weit tragen.
*
Ach, armer Mausfreund, ich ziehe dich immer auf die Erde herunter aus deinen höheren Sfären. ;-) Ich hoffe du verzeihst es mir.
Heute hört man viel im Radio von der Büchermesse in Göteborg. Hast du dir den link angeschaut, den ich dir geschickt habe? Sicher sind auch Schweizer unter den Schriftstellern repräsentiert.
*
Anna hat mir eine Instruktion geschickt wie man den "Tiny Personal Firewall 5.0" auf seinem Computer installiert. Wir haben ihn schon seit langer Zeit hier aber Å. und G. möchten gerne einen Firewall installieren, der ihren Computer vor Eindringlingen bewahrt. Hast du auch einen an deinem PC zu Hause? Wenn nicht kann ich dir auch damit behilflich sein. Wie heisst firewall auf deutsch?
*
Jetzt klärt sich der Himmel schon etwas auf. Herrlich, dass es Freitag ist.
Gerade kommt ein Rapport von den Gerichtsverhandlungen die jetzt begonnen haben. Schon gestern hat die Polizei mit Champagner gefeiert, dass sie den Mord gelöst habe. Es ist traurig, dass Anna Lindh einem solchen Mann zum Opfer fallen musste. Göran Persson hat grosse Schwierigkeiten ihren Nachfolger zu bestimmen. Wer kann schon diese Frau ersetzen?
*
Du bist bestimmt schon in Gedanken bei deiner Reise. Ich glaube, dass ihr auch stille Oasen finden werdet, die noch nicht zu sehr vom Tourismus geprägt sind. Vielleicht könnt ihr ein Auto mieten und selbst etwas herumreisen in der Gegend. Und schön, dass du wieder mal mit den "Kindern" zusammen sein kannst. Es ist ein komisches Gefühl, sie nicht mehr zu Hause zu haben und doch ist es manchmal als hätte die ganze Zeit, wo man eine "Kinderfamilie" war, garnicht exisitiert. Kannst du das verstehen?
*
Ich lasse dich für jetzt. Komme vielleicht später heute noch einmal wieder.
Alles Gute wünsche ich dir,
G++
Marlena
Datum: den 26 september 2003 09:25
Lieber ...,
Doch, ich habe dir damals ein Bild geschickt, wo du mich im Haus von Axel Munthe sehen kannst... auf Anacapri. Ich weiss es noch, weil es das erste Foto war, das nicht aus meiner Jugend stammte. Ich erinnere mich daran, weil deine Reaktion darauf etwas originell war. Damals hast du noch unter dem Einfluss schwedischer Sirenen gestanden. ;-)
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Ja, ich kenne das mit der Wurst. Darfst es nicht zu oft sagen, denn ich möchte es manchmal vergessen. Auch K warnt mich davor. Aber ich denke ich werde wohl einmal in der Woche zu Lidl fahren um mir frisches Gemüse zu besorgen, solange sie nicht ihre Preise den unseren anpassen. Und gestern waren so wahnsinnig viel Leute dort, dass wir sicher einiges aus ihrem Sortiment verpasst haben. Was ich nicht verpasst habe, waren alle früheren Schüler von unserer Schule, die sich in dieser Periode dort etwas extra Geld verdienen. Ein paar hat man direkt nach dem Abitur fest angestellt und eine sogar als Chefin, die sich mit der Ausbildung der anderen befassen soll. Ich fragte eine junge Frau, ob sie auch deutsches Brot hätten (leider nicht) und merkte dabei, dass auch sie aus Deutschland importiert war. Man kann das deutlich an der Aussprache hören. Ganz neben dem Kaufhaus liegt ein riesiges rundes Miethaus mit drei Wohnstöcken. Dort wohnen viele Immigranten, Asylsuchende u.a. Man sah viele davon unter den Kunden und ich dachte, sie freuen sich sicher besonders denn sie werden ihre Lebensmittelkosten ziemlich verringern können und müssen ihre Waren auch nicht weit tragen.
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Ach, armer Mausfreund, ich ziehe dich immer auf die Erde herunter aus deinen höheren Sfären. ;-) Ich hoffe du verzeihst es mir.
Heute hört man viel im Radio von der Büchermesse in Göteborg. Hast du dir den link angeschaut, den ich dir geschickt habe? Sicher sind auch Schweizer unter den Schriftstellern repräsentiert.
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Anna hat mir eine Instruktion geschickt wie man den "Tiny Personal Firewall 5.0" auf seinem Computer installiert. Wir haben ihn schon seit langer Zeit hier aber Å. und G. möchten gerne einen Firewall installieren, der ihren Computer vor Eindringlingen bewahrt. Hast du auch einen an deinem PC zu Hause? Wenn nicht kann ich dir auch damit behilflich sein. Wie heisst firewall auf deutsch?
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Jetzt klärt sich der Himmel schon etwas auf. Herrlich, dass es Freitag ist.
Gerade kommt ein Rapport von den Gerichtsverhandlungen die jetzt begonnen haben. Schon gestern hat die Polizei mit Champagner gefeiert, dass sie den Mord gelöst habe. Es ist traurig, dass Anna Lindh einem solchen Mann zum Opfer fallen musste. Göran Persson hat grosse Schwierigkeiten ihren Nachfolger zu bestimmen. Wer kann schon diese Frau ersetzen?
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Du bist bestimmt schon in Gedanken bei deiner Reise. Ich glaube, dass ihr auch stille Oasen finden werdet, die noch nicht zu sehr vom Tourismus geprägt sind. Vielleicht könnt ihr ein Auto mieten und selbst etwas herumreisen in der Gegend. Und schön, dass du wieder mal mit den "Kindern" zusammen sein kannst. Es ist ein komisches Gefühl, sie nicht mehr zu Hause zu haben und doch ist es manchmal als hätte die ganze Zeit, wo man eine "Kinderfamilie" war, garnicht exisitiert. Kannst du das verstehen?
*
Ich lasse dich für jetzt. Komme vielleicht später heute noch einmal wieder.
Alles Gute wünsche ich dir,
G++
Marlena
Dienstag, 30. August 2011
ein knapp goldenes Jubiläum
den 26 september 2003 08:01
Re:
Liebe Marlena
Nein, ich bin nicht nachsichtig mit Deiner Sprache. Sie ist einfach gut. Und auch, dass sie nicht bildhaft sei, stimmt keineswegs. Manchmal übersetzt Du schwedische Redensweisen. Auf jeden Fall finde ich ab und zu ganz blumige Ausdrücke, die ich gerne ins Deutsche übernehme. Beispielsweise die Rede von einem "dünnen Süpplein" habe ich längst adoptiert.
*
Und es freut mich, dass du jetzt auch Deine Salamiwurst hast. Das ist wirklich die Krönung der Zivilisation ;--) Nein, Spass beiseite, manchmal ist ein Stück Wurst nicht schlecht, obwohl S. findet, das sei mehr oder weniger die Dekadenz der Nahrung, wenn man sich überlegt, was alled in einer solchen Wurst "verwurstet" ist. Und das ist wahr, es ist bestimmt mehr drin, als wir alle glauben können. Ich persönlich mag am liebsten die Bratwürste. Sie sind hell und sind gewürzt mit Kräutern. Die schmecken gut und wenn man sie gebraten hat, denkt man, die Dinge, die drin sind, sind mindestens etwas gebacken worden. Aber dazu braucht es natürlich auch Senf. Deutschen Senf finde ich sehr gut.
*
Deine Wienreise scheint wirklich weit weg. Findest Du nicht, dass Du lange vorher anfangen musst zu planen, ich meine, über die Pläne reden, mit Wiener Freunden, mit Deinen Leuten und so fort? Nur so wird das Projekt langsam Formen annehmen. Aber ach, das ist nicht meine Sache, das zu sagen.
Aber in Sorrento war nie ein Treffen in Aussicht. Ich meine, ich habe mich nie in Gedanken damit beschäftigt, nach Sorrent zu fahren. Ich wusste nicht, wo das ist. Aber ich habe immer noch Deine Karte von dort. Sie ist so schön klassisch, wie man sie nicht mehr so oft findet. Aber weitere Bilder hast Du mir nie geschickt, weder von Sorrento, noch von Capri, noch in Axel Munthes Haus auf Anacapri. Offenbar hast Du mich ziemlich aussen vor gelassen. Nun, ich war ja mit der Postkarte glücklich. Es scheint in der Tat eine wundervolle Gegend zu sein.
*
Und im Januar unser Jubiläum? Wie sollen wir das feiern? Das ist schon bald ein goldenes, nicht wahr? In den schnelllebigen Mail-Verhältnissen sind 4 Jahre eine halbe Ewigkeit. Und man kann sich kaum vorstellen, wie sehr wir in dieser Zeit gealtert haben. Bestimmt sind wir in dieser Zeit sehr weise geworden. Vielleicht haben wir vor allem an unseren Kindern bemerkt, wie wir 4 Jahre hinter uns gebracht haben. Damals waren sie noch im Gymnasium, brav zuhause, und wir standen vor der Frage, wie lange sie abends in den Ausgang gehen dürften. Und heute sind sie mehr unterwegs als zuhause. An den Kindern bemerkt man den Lauf der Zeit am besten. Und sie selber, die Kinder, merken wohl kaum, wie schnell diese Zeit vergeht. Die Erwachsenen mit ihrem unspektakulären Alltagsleben erscheinen ihnnen ja immer gleich und alltäglich, monoton sozusagen. Bestimmt haben sie den Eindruck, die Welt bleibe ewig ungefähr so, wie sie ist. Mindestens war mein Eindruck damals so. Es gab nur ganz wenige Momente, in denen ich den Eindruck hatte, die Welt würde einen Sprung vorwärts machen. Wirklich nur ganz selten. Für mich war die Welt eine langsame alte Dame, die sich nur mit Mühe und keuchend vorwärts bewegt. Günter Grass würde sagen, sie sei eine Schnecke.
Wir müssen eine Idee suchen, wie wir das feiern können. Im tiefen Januar! Weshalb weisst Du das eigentlich so genau. Hast Du die ersten Mails immer noch gespeichert? Ich habe sie nur noch in vager Erinnerung. Bestimmt sehr vage. Aber wir hatten mal darüber gesprochen, deshalb sind sie vielleicht noch ein bisschen lebendiger im Gedächtnis. Ich weiss nur noch, dass ich von Deinem Namen Marlena irgendwie fasziniert war. Er war nicht völlig fremd, aber doch ein bisschen. Das versprach einen Aufbruch in fremde Horizonte. Dann war es wohl auch das Schwedische. Wir haben hier eine sehr positive Vorstellung von Schweden. Schweden ist für uns Schweizer wie die ältere Schwester. Und natürlich haben wir Männer noch aus der Jugend eine blühende Vorstellung von den Schwedinnen mit ihren langen Beinen und den unverschämt blonden Haaren. Sie müssen etwas Betörendes haben, wie die Syrenen bei Odysseus. Schweden, das ist irgendwie das Vorzimmer zum Paradies. Und schliesslich hast Du noch dieses Foto geschickt, das mich vollends eingenommen und angebunden hat. So, siehst Du, habe ich angedockt. Und als ich dann realisierte, dass ich es hier mit einer waschechten Studienrätin zu tun habe, habe ich auch gehofft, dass es irgendwie hinhalten könne. Nachhaltigkeit, heisst das in der Sprache der Grünen. Na ja, mit einer Sutdienrätin wird man doch bestimmt ein paar Themen finden, worüber man sprechen kann. Ecco, und so war es.
*
Vielleicht hast Du eine Idee, ein knapp goldenes Jubiläum zu feiern?
*
Heute ist wieder Mal Freitag und knapp vor Weekend. Ich habe noch nicht gepackt. Und am Samstag werden wir schon im späteren Vormittag abfahren. A's Freund bringt uns nach Zürich, von wo wir fliegen. Ich bin gespannt, wie es dort in der Türkei sein wird. Hoffentlich ist nicht alles zu kommerziell. Das mag ich nicht so besonders. Es sollte noch einen lokalen Charakter haben.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
G&K
...
Re:
Liebe Marlena
Nein, ich bin nicht nachsichtig mit Deiner Sprache. Sie ist einfach gut. Und auch, dass sie nicht bildhaft sei, stimmt keineswegs. Manchmal übersetzt Du schwedische Redensweisen. Auf jeden Fall finde ich ab und zu ganz blumige Ausdrücke, die ich gerne ins Deutsche übernehme. Beispielsweise die Rede von einem "dünnen Süpplein" habe ich längst adoptiert.
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Und es freut mich, dass du jetzt auch Deine Salamiwurst hast. Das ist wirklich die Krönung der Zivilisation ;--) Nein, Spass beiseite, manchmal ist ein Stück Wurst nicht schlecht, obwohl S. findet, das sei mehr oder weniger die Dekadenz der Nahrung, wenn man sich überlegt, was alled in einer solchen Wurst "verwurstet" ist. Und das ist wahr, es ist bestimmt mehr drin, als wir alle glauben können. Ich persönlich mag am liebsten die Bratwürste. Sie sind hell und sind gewürzt mit Kräutern. Die schmecken gut und wenn man sie gebraten hat, denkt man, die Dinge, die drin sind, sind mindestens etwas gebacken worden. Aber dazu braucht es natürlich auch Senf. Deutschen Senf finde ich sehr gut.
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Deine Wienreise scheint wirklich weit weg. Findest Du nicht, dass Du lange vorher anfangen musst zu planen, ich meine, über die Pläne reden, mit Wiener Freunden, mit Deinen Leuten und so fort? Nur so wird das Projekt langsam Formen annehmen. Aber ach, das ist nicht meine Sache, das zu sagen.
Aber in Sorrento war nie ein Treffen in Aussicht. Ich meine, ich habe mich nie in Gedanken damit beschäftigt, nach Sorrent zu fahren. Ich wusste nicht, wo das ist. Aber ich habe immer noch Deine Karte von dort. Sie ist so schön klassisch, wie man sie nicht mehr so oft findet. Aber weitere Bilder hast Du mir nie geschickt, weder von Sorrento, noch von Capri, noch in Axel Munthes Haus auf Anacapri. Offenbar hast Du mich ziemlich aussen vor gelassen. Nun, ich war ja mit der Postkarte glücklich. Es scheint in der Tat eine wundervolle Gegend zu sein.
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Und im Januar unser Jubiläum? Wie sollen wir das feiern? Das ist schon bald ein goldenes, nicht wahr? In den schnelllebigen Mail-Verhältnissen sind 4 Jahre eine halbe Ewigkeit. Und man kann sich kaum vorstellen, wie sehr wir in dieser Zeit gealtert haben. Bestimmt sind wir in dieser Zeit sehr weise geworden. Vielleicht haben wir vor allem an unseren Kindern bemerkt, wie wir 4 Jahre hinter uns gebracht haben. Damals waren sie noch im Gymnasium, brav zuhause, und wir standen vor der Frage, wie lange sie abends in den Ausgang gehen dürften. Und heute sind sie mehr unterwegs als zuhause. An den Kindern bemerkt man den Lauf der Zeit am besten. Und sie selber, die Kinder, merken wohl kaum, wie schnell diese Zeit vergeht. Die Erwachsenen mit ihrem unspektakulären Alltagsleben erscheinen ihnnen ja immer gleich und alltäglich, monoton sozusagen. Bestimmt haben sie den Eindruck, die Welt bleibe ewig ungefähr so, wie sie ist. Mindestens war mein Eindruck damals so. Es gab nur ganz wenige Momente, in denen ich den Eindruck hatte, die Welt würde einen Sprung vorwärts machen. Wirklich nur ganz selten. Für mich war die Welt eine langsame alte Dame, die sich nur mit Mühe und keuchend vorwärts bewegt. Günter Grass würde sagen, sie sei eine Schnecke.
Wir müssen eine Idee suchen, wie wir das feiern können. Im tiefen Januar! Weshalb weisst Du das eigentlich so genau. Hast Du die ersten Mails immer noch gespeichert? Ich habe sie nur noch in vager Erinnerung. Bestimmt sehr vage. Aber wir hatten mal darüber gesprochen, deshalb sind sie vielleicht noch ein bisschen lebendiger im Gedächtnis. Ich weiss nur noch, dass ich von Deinem Namen Marlena irgendwie fasziniert war. Er war nicht völlig fremd, aber doch ein bisschen. Das versprach einen Aufbruch in fremde Horizonte. Dann war es wohl auch das Schwedische. Wir haben hier eine sehr positive Vorstellung von Schweden. Schweden ist für uns Schweizer wie die ältere Schwester. Und natürlich haben wir Männer noch aus der Jugend eine blühende Vorstellung von den Schwedinnen mit ihren langen Beinen und den unverschämt blonden Haaren. Sie müssen etwas Betörendes haben, wie die Syrenen bei Odysseus. Schweden, das ist irgendwie das Vorzimmer zum Paradies. Und schliesslich hast Du noch dieses Foto geschickt, das mich vollends eingenommen und angebunden hat. So, siehst Du, habe ich angedockt. Und als ich dann realisierte, dass ich es hier mit einer waschechten Studienrätin zu tun habe, habe ich auch gehofft, dass es irgendwie hinhalten könne. Nachhaltigkeit, heisst das in der Sprache der Grünen. Na ja, mit einer Sutdienrätin wird man doch bestimmt ein paar Themen finden, worüber man sprechen kann. Ecco, und so war es.
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Vielleicht hast Du eine Idee, ein knapp goldenes Jubiläum zu feiern?
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Heute ist wieder Mal Freitag und knapp vor Weekend. Ich habe noch nicht gepackt. Und am Samstag werden wir schon im späteren Vormittag abfahren. A's Freund bringt uns nach Zürich, von wo wir fliegen. Ich bin gespannt, wie es dort in der Türkei sein wird. Hoffentlich ist nicht alles zu kommerziell. Das mag ich nicht so besonders. Es sollte noch einen lokalen Charakter haben.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
G&K
...
Montag, 29. August 2011
Lidl, Liebe, Hanf und Buchmesse
Ämne: So billig!
Datum: den 25 september 2003 22:43
Lieber ...,
Ich freue mich über deine Komplimente für mein Deutsch. Und doch fühle ich, dass es nicht perfekt ist. In einer Fremdsprache kann man sich eben nicht 100%-ig ausdrücken, wie man will. Die Bildsprache fehlt einem. Ich merke es oft, wenn ich statt des Ausruckes, den ich auf schwedisch gewählt hätte, und der meiner Meinung nach genau sagt was ich fühle, auf eine ziemlich heimgemachte Sprache angewiesen bin. Nun ja, du hast dich schon daran gewöhnt und du bist sehr nachsichtig.
*
Hatte ich dir gesagt, dass ich mich von M. verleiten liess, schon heute zu Lidl zu fahren? Also habe ich sie nach der Arbeit bei ihr zu Hause abgeholt und wir sind hingefahren. Oh Gott! Es gab fast keinen Platz für das Auto und das Geschäft war so voll, dass man an niemanden vorbeigehen konnte. Ich habe festgestellt, das vor allem das Gemüse und Obst unglaublich billig waren im Verhältnis zu unseren Preisen. Z.B rote Paprika kostet kaum 15:- Skr/kilo. Ich habe sie neulich in unserem Geschäft für 48:-/kg gesehen. Blumenkohl kostet jetzt 25:-/kg in unseren Geschäften und bei Lidl 9.90/kg. Du siehst, der Unterschied ist riesig. Und ich kam mit einer grossen Tasche voll von Waren heraus, die mich unter 100:- Skr gekostet haben. (Also cirka 12 Dollar) Darunter gab es u.a. Salamiwurst, eine Schachtel Cognacgefüllte pralinen, Milch, Yoghurt, Apfelsinenjuice, Vichywasser (6 x 1½ liter) und wie gesagt viel Gemüse. Ich sag nur, arme Händler in der Gegend. Sie haben harte Konkurrenz bekommen.
Später bin ich noch zu einem kleinen Nachmittagskaffee zu M. gegangen. Sie hatte ein starkes Bedürfnis über ihre Liebe zu sprechen und ich habe ihr gern zugehört. Ich glaube es hat sie wirklich hart erwischt.. vielleicht auch ihn. Ich habe nie in meinem Leben mit weder Frauen noch Männern über private Dinge in Fragen Liebe gesprochen - und auch hier nicht. Ich wundere mich immer, wenn ich höre, dass sich Leute intime Dinge erzählen und denke dabei, das kann nicht möglich sein. Dagegen höre ich gern wie gut und schön sie diesen Mann sieht und wie sie geradezu strahlt vor Glück. Ach, Liebe ist wirklich eine schöne Kraft, die Menschen aufblühen lässt.
M hatte einen ganz wunderbaren Kuchen gebacken und vorher haben wir ein Lachstoast gegessen. Sie hat, wie du schon weisst, auch eine Katze. Schon das macht, dass ich gern eine Weile aus meinem Schema ausbreche und hingehe.
*
Lache gerade über ein Mail von einem früheren Kollegen, der sehr verbal ist. Im Moment mehr herbal als verbal, wie er selbst meint. Geht im Wald herum und zeichnet vorhistorische Stätten auf die noch niemand gesehen hat und ist gerade dabei in seinem Garten grünes auszurotten, was aus der Komposterde hervorgewachsen ist. Manches hat Blätter wie Entenfüsse anderes wie Heringkiemen. Und dabei hat er auch unverhofft eine Hanfpflanze entdeckt, aus der er sich nun, weil er seine Pfeife aus der Raucherzeit weggeworfen hat, einen Joint rollen wird mit einer Seite aus seinem "Psalmbuch" (Buch mit Kirchenliedern). Ich denke das wird himmlisch schmecken. ;-))
*
In Göteborg findet im Augenblick eine grosse Buchmesse statt und viele meiner Kollegen, besonders diejenigen, die in schwedisch unterrichten, sind heute dort. Ich beneide sie ein wenig darum. Viele Schriftsteller kann man auch dort sehen und hören. Gudrun wird mir wohl morgen davon berichten.
Hier kannst du ein wenig darüber lesen (auf englisch)
http://www.bok-bibliotek.se/indexeng.htm
*
Nein, ich habe noch nicht konkret an eine Wienreise gedacht. Und auch nicht davon gesprochen mit meinen Freunden dort. Während des Schuljahres habe ich sowieso nicht die Möglichkeit dorthin zu fahren. Und wenn ich mal fahre, dann will ich es richtig erleben und etwas länger dort sein. Aber wie du es so beschreibst, klingt es sehr verlockend. Ich wage garnicht daran zu denken. Damals in Sorrento war ich noch mutig und hätte dich gern gesehen.. aber mit der Zeit bin ich etwas ängstlich geworden.
Weisst du, dass wir im Januar 4-jähriges Mailjubiläum feiern? Es ist kaum zu glauben! Ich denke, wir haben einander in dieser Zeit mehr gesagt als man sich normal in einer langen Ehe erzählt. Es ist schön, dich als Gesprächspartner zu haben. Und wie gesagt, das Schreiben wird immer leichter.
Hast du das Babybild, von dem du mir erzählt hast gescannert? Ich würde es sehr gern sehen. Ich frage mich, was ich eigentlich mit den Bildern gemacht habe, die ich in Sorrento und auf Capri fotografiert habe. Kann sie nicht mehr am PC finden. Hast du noch eins davon? Das in Axel Munthes Haus auf Anacapri? Oder hast du sie auch verloren?
*
Im Fernsehen läuft wieder ein "Dokument utifrån". Diesmal geht es um eine Zelle von einer Terroristengruppe, die mit Al Quaida liiert ist. Ein algerischer Journalist hat sie infiltriert und zeigt wie es dort zugeht. Ich werde es mir gleich ansehen.
Jetzt ist man ganz sicher, den Mörder von Anna Lind gefasst zu haben. Und es handelt sich natürlich um einen psychisch kranken, wie erwartet. Doch wurde er nie als so gefährlich betrachtet, dass man ihn einsperren musste. Es gehen viele ähnliche herum in unserer Gesellschaft.
*
Nun lasse ich dich wieder, mein lieber Mausfreund. Ich wünsche dir einen schönen Tag morgen.
G+K,
Marlena
Datum: den 25 september 2003 22:43
Lieber ...,
Ich freue mich über deine Komplimente für mein Deutsch. Und doch fühle ich, dass es nicht perfekt ist. In einer Fremdsprache kann man sich eben nicht 100%-ig ausdrücken, wie man will. Die Bildsprache fehlt einem. Ich merke es oft, wenn ich statt des Ausruckes, den ich auf schwedisch gewählt hätte, und der meiner Meinung nach genau sagt was ich fühle, auf eine ziemlich heimgemachte Sprache angewiesen bin. Nun ja, du hast dich schon daran gewöhnt und du bist sehr nachsichtig.
*
Hatte ich dir gesagt, dass ich mich von M. verleiten liess, schon heute zu Lidl zu fahren? Also habe ich sie nach der Arbeit bei ihr zu Hause abgeholt und wir sind hingefahren. Oh Gott! Es gab fast keinen Platz für das Auto und das Geschäft war so voll, dass man an niemanden vorbeigehen konnte. Ich habe festgestellt, das vor allem das Gemüse und Obst unglaublich billig waren im Verhältnis zu unseren Preisen. Z.B rote Paprika kostet kaum 15:- Skr/kilo. Ich habe sie neulich in unserem Geschäft für 48:-/kg gesehen. Blumenkohl kostet jetzt 25:-/kg in unseren Geschäften und bei Lidl 9.90/kg. Du siehst, der Unterschied ist riesig. Und ich kam mit einer grossen Tasche voll von Waren heraus, die mich unter 100:- Skr gekostet haben. (Also cirka 12 Dollar) Darunter gab es u.a. Salamiwurst, eine Schachtel Cognacgefüllte pralinen, Milch, Yoghurt, Apfelsinenjuice, Vichywasser (6 x 1½ liter) und wie gesagt viel Gemüse. Ich sag nur, arme Händler in der Gegend. Sie haben harte Konkurrenz bekommen.
Später bin ich noch zu einem kleinen Nachmittagskaffee zu M. gegangen. Sie hatte ein starkes Bedürfnis über ihre Liebe zu sprechen und ich habe ihr gern zugehört. Ich glaube es hat sie wirklich hart erwischt.. vielleicht auch ihn. Ich habe nie in meinem Leben mit weder Frauen noch Männern über private Dinge in Fragen Liebe gesprochen - und auch hier nicht. Ich wundere mich immer, wenn ich höre, dass sich Leute intime Dinge erzählen und denke dabei, das kann nicht möglich sein. Dagegen höre ich gern wie gut und schön sie diesen Mann sieht und wie sie geradezu strahlt vor Glück. Ach, Liebe ist wirklich eine schöne Kraft, die Menschen aufblühen lässt.
M hatte einen ganz wunderbaren Kuchen gebacken und vorher haben wir ein Lachstoast gegessen. Sie hat, wie du schon weisst, auch eine Katze. Schon das macht, dass ich gern eine Weile aus meinem Schema ausbreche und hingehe.
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Lache gerade über ein Mail von einem früheren Kollegen, der sehr verbal ist. Im Moment mehr herbal als verbal, wie er selbst meint. Geht im Wald herum und zeichnet vorhistorische Stätten auf die noch niemand gesehen hat und ist gerade dabei in seinem Garten grünes auszurotten, was aus der Komposterde hervorgewachsen ist. Manches hat Blätter wie Entenfüsse anderes wie Heringkiemen. Und dabei hat er auch unverhofft eine Hanfpflanze entdeckt, aus der er sich nun, weil er seine Pfeife aus der Raucherzeit weggeworfen hat, einen Joint rollen wird mit einer Seite aus seinem "Psalmbuch" (Buch mit Kirchenliedern). Ich denke das wird himmlisch schmecken. ;-))
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In Göteborg findet im Augenblick eine grosse Buchmesse statt und viele meiner Kollegen, besonders diejenigen, die in schwedisch unterrichten, sind heute dort. Ich beneide sie ein wenig darum. Viele Schriftsteller kann man auch dort sehen und hören. Gudrun wird mir wohl morgen davon berichten.
Hier kannst du ein wenig darüber lesen (auf englisch)
http://www.bok-bibliotek.se/indexeng.htm
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Nein, ich habe noch nicht konkret an eine Wienreise gedacht. Und auch nicht davon gesprochen mit meinen Freunden dort. Während des Schuljahres habe ich sowieso nicht die Möglichkeit dorthin zu fahren. Und wenn ich mal fahre, dann will ich es richtig erleben und etwas länger dort sein. Aber wie du es so beschreibst, klingt es sehr verlockend. Ich wage garnicht daran zu denken. Damals in Sorrento war ich noch mutig und hätte dich gern gesehen.. aber mit der Zeit bin ich etwas ängstlich geworden.
Weisst du, dass wir im Januar 4-jähriges Mailjubiläum feiern? Es ist kaum zu glauben! Ich denke, wir haben einander in dieser Zeit mehr gesagt als man sich normal in einer langen Ehe erzählt. Es ist schön, dich als Gesprächspartner zu haben. Und wie gesagt, das Schreiben wird immer leichter.
Hast du das Babybild, von dem du mir erzählt hast gescannert? Ich würde es sehr gern sehen. Ich frage mich, was ich eigentlich mit den Bildern gemacht habe, die ich in Sorrento und auf Capri fotografiert habe. Kann sie nicht mehr am PC finden. Hast du noch eins davon? Das in Axel Munthes Haus auf Anacapri? Oder hast du sie auch verloren?
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Im Fernsehen läuft wieder ein "Dokument utifrån". Diesmal geht es um eine Zelle von einer Terroristengruppe, die mit Al Quaida liiert ist. Ein algerischer Journalist hat sie infiltriert und zeigt wie es dort zugeht. Ich werde es mir gleich ansehen.
Jetzt ist man ganz sicher, den Mörder von Anna Lind gefasst zu haben. Und es handelt sich natürlich um einen psychisch kranken, wie erwartet. Doch wurde er nie als so gefährlich betrachtet, dass man ihn einsperren musste. Es gehen viele ähnliche herum in unserer Gesellschaft.
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Nun lasse ich dich wieder, mein lieber Mausfreund. Ich wünsche dir einen schönen Tag morgen.
G+K,
Marlena
echte Liebe oder bloss Libl
.
den 25 september 2003 14:04
echte Liebe oder bloss Libl
Liebe Marlena
Das freut mich, dass Dein Deutsch hervorsprudelt wie Seltzer-Wasser. Ich habe mir Dich nie anders vorgestellt als flüssig deutsch schreibend. Wirklich nie. Stets musste ich mich warnen, dass ich vielleicht doch ein bisschen viel von Dir erwarte, seitenlange Mails in deutsch. Aber auch Deine Bemerkung anfangs, dass Du Mails schreibst, indem Du das Wörterbuch auf den Knien blätterst, habe ich nicht sonderlich ernst genommen. Und als ich Dich dann am Telefon gehört habe, musste ich mir recht geben. Dein Deutsch klingt wie von einer Deutschen. Es war so klar und deutlich gesprochen, dass ich nur staunen konnte. Es hörte sich wirklich sehr schön und bestimmt an, und überhaupt nicht so, wie Fremdsprachler sich meist vage ausdrücken.
*
Der Morgen ist geworden, wie er sich angekündigt hat. Blauer Himmel, warmer Sonnenschein, also so, wie man sich die Herbsttage wünscht. Ich war in Basel, sollte nachmittags eigentlich nach Luzern. Aber das tue ich nicht. Ich muss einige Arbeiten hier beenden, und dann gehe ich heim und mache mir einen schönen Abend. Unser Weekly fällt aus, weil Walter eine Sitzung hat. Das ist doch alles ideal so. In Basel habe ich ein paar Komplimente bekommen für die Zeichnung einer Gratulationskarte. Eine Mitarbeiterin erwartet ein Kind, und der Chef dort hatte mich gebeten, doch eine Zeichnung zu machen. Sie wollten ihr und ihrem Mann ein Nachtessen offerieren. Und die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden als Baby Sitter auf das Baby aufpassen. Ich habe versucht, die Leute darzustellen, wie sie auf einer Matratze einen kleinen Säugling in die Höhe heben. Und jetzt sind sie dran, zu raten, wer denn wer sei auf der Zeichnung. Ich sollte in der Tat vorsichtig sein mit solchen Zeichnungen. Man verärgert damit bloss für Jahrzehnte jede Menge von Leuten.
*
Morgen werde ich mit T.H. essen gehen. ...
*
Momentan habe ich Lust auf etwas Süsses. Soll ich jetzt Liebe oder Lidl suchen? Früher hätte ich eine Zigarette geraucht, oder eine Pfeife. Aber mit dem Alter weiss man gar nicht mehr, was man tun sollte. Nur noch sugarless Chewing-Gum kommt mir in den Sinn! Und das ist wirklich nicht ein Lebenshöhepunkt.
*
Hast Du Deine Wien-Reise schon näher geplant. Ich wette, Du hast es nicht getan. Aber vielleicht hast Du schon mal Deine Bekannten dort drüben vorgewarnt, dass Du mal anreisen könntest. Du musst mich früh genug informieren, damit ich Dich einhole. Dann werden wir im Prater auf dem Riesenrad in den Himmel steigen (und natürlich auf der anderen Seite wieder runter), und wir werden uns 'fesch' finden und Kaffee mit Schlagobers geniessen über der Kronenzeitung. Und im Sacher würden wir Torte schlecken. Ach ja, ich glaube, die Wiener wären schon in Ordnung. Sie haben von allen Europäern am meisten orientalischen Einschlag. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie die Ungarn. Und sie haben - nicht zu vergessen - ein solides jahrhundertealtes Unbewusstes, mit dem man ausgesuchte Sprachspiele spielen kann. Am Institut in Zürich, wo ich Familien- und Ehetherapie Ausbildung gemacht hatte, gab es einen Arzt aus Wien. Er war sehr gemütlich. Und er hiess Hofmann, wenn ich mich nicht täusche. Ich kann mich noch an die Situation erinnern, als er erzählt hatte, weshalb und wie er Therapeut geworden sei. Er sei mal an einem Sonntag im Prater gewesen. Dort hätte es aus dem Krieg viele Bombentrichter gehabt, die mit Regenwasser gefüllt waren. Plötzlich sei jemand in ein solches Loch gefallen. Und er sei am Rand gestanden und habe hilflos zugeschaut, Mut zugerufen und gute Ratschläge gegeben. Auf jeden Fall habe sich die Person retten können. Und er hätte da ja wohl eine therapeutische Rolle gespielt: am Rand hilflos fuchtelnd und selbst nicht wissend, was eigentlich das Richtige zu tun sei.
Das hat mir einigermassen eingeleuchtet.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
...
den 25 september 2003 14:04
echte Liebe oder bloss Libl
Liebe Marlena
Das freut mich, dass Dein Deutsch hervorsprudelt wie Seltzer-Wasser. Ich habe mir Dich nie anders vorgestellt als flüssig deutsch schreibend. Wirklich nie. Stets musste ich mich warnen, dass ich vielleicht doch ein bisschen viel von Dir erwarte, seitenlange Mails in deutsch. Aber auch Deine Bemerkung anfangs, dass Du Mails schreibst, indem Du das Wörterbuch auf den Knien blätterst, habe ich nicht sonderlich ernst genommen. Und als ich Dich dann am Telefon gehört habe, musste ich mir recht geben. Dein Deutsch klingt wie von einer Deutschen. Es war so klar und deutlich gesprochen, dass ich nur staunen konnte. Es hörte sich wirklich sehr schön und bestimmt an, und überhaupt nicht so, wie Fremdsprachler sich meist vage ausdrücken.
*
Der Morgen ist geworden, wie er sich angekündigt hat. Blauer Himmel, warmer Sonnenschein, also so, wie man sich die Herbsttage wünscht. Ich war in Basel, sollte nachmittags eigentlich nach Luzern. Aber das tue ich nicht. Ich muss einige Arbeiten hier beenden, und dann gehe ich heim und mache mir einen schönen Abend. Unser Weekly fällt aus, weil Walter eine Sitzung hat. Das ist doch alles ideal so. In Basel habe ich ein paar Komplimente bekommen für die Zeichnung einer Gratulationskarte. Eine Mitarbeiterin erwartet ein Kind, und der Chef dort hatte mich gebeten, doch eine Zeichnung zu machen. Sie wollten ihr und ihrem Mann ein Nachtessen offerieren. Und die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden als Baby Sitter auf das Baby aufpassen. Ich habe versucht, die Leute darzustellen, wie sie auf einer Matratze einen kleinen Säugling in die Höhe heben. Und jetzt sind sie dran, zu raten, wer denn wer sei auf der Zeichnung. Ich sollte in der Tat vorsichtig sein mit solchen Zeichnungen. Man verärgert damit bloss für Jahrzehnte jede Menge von Leuten.
*
Morgen werde ich mit T.H. essen gehen. ...
*
Momentan habe ich Lust auf etwas Süsses. Soll ich jetzt Liebe oder Lidl suchen? Früher hätte ich eine Zigarette geraucht, oder eine Pfeife. Aber mit dem Alter weiss man gar nicht mehr, was man tun sollte. Nur noch sugarless Chewing-Gum kommt mir in den Sinn! Und das ist wirklich nicht ein Lebenshöhepunkt.
*
Hast Du Deine Wien-Reise schon näher geplant. Ich wette, Du hast es nicht getan. Aber vielleicht hast Du schon mal Deine Bekannten dort drüben vorgewarnt, dass Du mal anreisen könntest. Du musst mich früh genug informieren, damit ich Dich einhole. Dann werden wir im Prater auf dem Riesenrad in den Himmel steigen (und natürlich auf der anderen Seite wieder runter), und wir werden uns 'fesch' finden und Kaffee mit Schlagobers geniessen über der Kronenzeitung. Und im Sacher würden wir Torte schlecken. Ach ja, ich glaube, die Wiener wären schon in Ordnung. Sie haben von allen Europäern am meisten orientalischen Einschlag. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie die Ungarn. Und sie haben - nicht zu vergessen - ein solides jahrhundertealtes Unbewusstes, mit dem man ausgesuchte Sprachspiele spielen kann. Am Institut in Zürich, wo ich Familien- und Ehetherapie Ausbildung gemacht hatte, gab es einen Arzt aus Wien. Er war sehr gemütlich. Und er hiess Hofmann, wenn ich mich nicht täusche. Ich kann mich noch an die Situation erinnern, als er erzählt hatte, weshalb und wie er Therapeut geworden sei. Er sei mal an einem Sonntag im Prater gewesen. Dort hätte es aus dem Krieg viele Bombentrichter gehabt, die mit Regenwasser gefüllt waren. Plötzlich sei jemand in ein solches Loch gefallen. Und er sei am Rand gestanden und habe hilflos zugeschaut, Mut zugerufen und gute Ratschläge gegeben. Auf jeden Fall habe sich die Person retten können. Und er hätte da ja wohl eine therapeutische Rolle gespielt: am Rand hilflos fuchtelnd und selbst nicht wissend, was eigentlich das Richtige zu tun sei.
Das hat mir einigermassen eingeleuchtet.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen
...
Sonntag, 28. August 2011
Papst, Vögel und Liebe u.a.
Datum: den 25 september 2003 08:46
(ungekürzt)
Lieber ...,
Danke für dein frühes schönes Kaffee-mail. Hat prima geschmeckt. Auch hier sieht es aus ein ziemlich schöner Herbsttag zu werden. Draussen leuchtet alles noch ganz grün und das Thermometer zeigt 12 grad. Gestern früh war es nur 2.
Es ist lustig dass du gerade jetzt vom Papst schreibst. Ich habe nämlich heute morgen im Bett ein langes Interview gehört mit meinem damaligen Studentenpater Lars Rooth, SJ. Er sprach über die Gesundheit (oder sollte man sagen die Krankheit) des Papstes, der es jetzt, neben allen schon bekannten Leiden, auch mit dem Magen zu tun hat. Ich glaube er ist dem Ende Nahe. Aber nach Pater R. hat er einen starken Willen und ein ungebrochenes Intellekt. Nur sein Körper will nicht mehr. Und da er sich nicht nur von Kardinälen, sondern von Gott selbst ausgewählt meint, will er eben nicht dieses Vertrauen brechen.
Pater Rooth, der viele Jahre im Vatinkanradio gearbeitet hat war sich sehr ähnlich. Seine Stimme klang etwas älter aber seine Art zu sprechen war dieselbe. Du erinnerst dich vielleicht, dass er der Sohn eines früheren Reichsbankschefs ist und der erste schwedische Jesuit seit der Reformation. Damals sah ich ihn als einen unbeschwerten jungen Mann mit viel Humor. Und ich werde nie vergessen, die Rauchringe, die während eines seriösen Vortrages, plötzlich über den Tisch schwebten. Ich dachte manchmal: Wäre er nicht Priester geworden dann hätte er sich wohl gut als Playboy gemacht. Das sollte er hören! ;-))
*
Gerade hat mich M. angerufen. Gestern abend, hat sie zum ersten Mal ihre grosse Jugendliebe wiedergesehen. Vor einigen Wochen hat er sie plötzlich angerufen und gestern hatte sie ihn zu sich eingeladen und nun ist sie verliebt, wie ein kleiner Teenager. Ich gönne es ihr und freue mich mit ihr. Es ist langweilig, ohne Liebe zu leben. :-) Wir haben uns verabredet für heute Nachmittag und werden zusammen zu Lidl fahren um uns ihr Sortiment anzusehen.
*
Du liebst deine Tauben. Ich kann nicht dasselbe sagen von den Elstern und Dohlen, die hier täglich in grossen Scharen vorbeiziehen und manchmal auch Halt machen. Früher mochte ich die Elstern, aber seitdem ich sie erwischt habe, wie sie die kleinen Vöglein aus dem Nistkasten gezogen haben, war es aus mit meiner Liebe. Aber die kleinen Vöglein freuen mich immer. Im Moment sitzt eine kleine Blaumeise hier am Fenster. Ich vermisse meine Wellensittiche sehr, wenn ich sie sehe. Und wenn ich im Kaufhaus das Regal mit dem Vogelfutter sehe möchte ich instinktiv hingehen und solches kaufen.
Vielleicht schaffe ich mir doch noch ein paar neue an. Nur tut es eben weh, wenn sie sterben. Das hält mich am meisten davon ab.
*
Die Polizei glaubt nun fest, dass sie den richtigen Mörder von Anna Lindh erwischt haben. Er hat sich nach der Tat sofort das Haar schneiden lassen und (dem Gerücht nach) hat er auch um psychiatrische Hilfe gebeten, ist aber abgewiesen worden. Na ja, das kann von den Zeitungen erfunden sein. Jedenfalls hat er einmal seinen Vater mit einem Messer überfallen und ernstlich verletzt. Die Polizei ist sehr verschwiegen. Man kann sie verstehen, wenn man bedenkt, wie sie den vorigen in der Presse ausgehängt haben. Schon hat eine heftige Diskussion über die Gesetzte der Pressefreiheit und über die Ethik der Medien begonnen.
*
Jetzt fliegt hier eine ganze Menge von kleinen Kohlmeisen und Blaumeisen herum. Gerade sass eine auf der Rose, die fast zum Fenster hereinragt. Sie sind fleissig in ihrem Sammeln von kleinem Ungeziefer und jeder Garten sollte sich glücklich schätzen über ihre Anwesenheit.
*
Jetzt beginne ich erst richtig aufzuwachen und ich werde mich gleich an die Arbeit machen.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena
Weisst du, so unbehindert und schnell wie jetzt habe ich früher nie deutsch geschrieben. Du bist ein ausgezeichneter Lehrer. :-)
Samstag, 27. August 2011
Re: So ist es. (3) .. kleine Sophistereien
den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.
...
Meine Kaffeetasse ist halb leer, dh. noch halb voll! Du kennst diese metaphorische Redeweise über Optimisten oder Pessimisten. Das Glas ist für einen Optimisten halb voll, für einen Pessimisten halb leer. Und weisst Du, was ich sage? Kommt drauf an, was im Glas ist. Ist es ein Schierlingsbecher oder ein Glass goldgelben Malvoisiers. Das ist die grosse Frage. Das meint doch, es gibt rund um jede Frage Fragen höherer Ordnung. Wenn man Richtung Basel vorwärts geht, sich dabei aber im Eisenbahnzug nach Olten befindet, wird man eben doch nicht in Basel, sondern hinten im Perron von Olten ankommen. Die höhere Frage schlägt die untere. Ist eine Frage der Mächtigkeit. Oder andersherum gesagt: wenn man auf dem falschen Weg geht, ist es besser, man ist nicht zu wirksam und nicht zu schnell im Schritt. Aber das sind vielleicht doch bloss kleine Sophistereien, nicht wahr?
*
Zu meinem letzten Schluck wünsche ich Dir einen schönen Tag. Es it jetzt ziemlich hell geworden, auf jeden Tag sieht man schon den Taubenschwarm, der um den Kirchturm kreist. Nein, es ist nicht richtig, sie kreisen vor dem Turm. Woran sie sich bloss halten? Manchmal machen sie auch eine liegende Acht. Die Natur ist eine wunderbare Angelegenheit!
Mit lieben Grüssen
...
Re: So ist es.
...
Meine Kaffeetasse ist halb leer, dh. noch halb voll! Du kennst diese metaphorische Redeweise über Optimisten oder Pessimisten. Das Glas ist für einen Optimisten halb voll, für einen Pessimisten halb leer. Und weisst Du, was ich sage? Kommt drauf an, was im Glas ist. Ist es ein Schierlingsbecher oder ein Glass goldgelben Malvoisiers. Das ist die grosse Frage. Das meint doch, es gibt rund um jede Frage Fragen höherer Ordnung. Wenn man Richtung Basel vorwärts geht, sich dabei aber im Eisenbahnzug nach Olten befindet, wird man eben doch nicht in Basel, sondern hinten im Perron von Olten ankommen. Die höhere Frage schlägt die untere. Ist eine Frage der Mächtigkeit. Oder andersherum gesagt: wenn man auf dem falschen Weg geht, ist es besser, man ist nicht zu wirksam und nicht zu schnell im Schritt. Aber das sind vielleicht doch bloss kleine Sophistereien, nicht wahr?
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Zu meinem letzten Schluck wünsche ich Dir einen schönen Tag. Es it jetzt ziemlich hell geworden, auf jeden Tag sieht man schon den Taubenschwarm, der um den Kirchturm kreist. Nein, es ist nicht richtig, sie kreisen vor dem Turm. Woran sie sich bloss halten? Manchmal machen sie auch eine liegende Acht. Die Natur ist eine wunderbare Angelegenheit!
Mit lieben Grüssen
...
Re: So ist es. (2) .. in Brig
den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.
*
Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit für Dich. Nachher muss ich an meine Arbeit. Ich bin heute speziell früh ins Büro gefahren, damit ich das noch machen kann. Der Himmel wird langsam hell, und ich glaube, wir haben nochmals einen milden und schönen Herbsttag zu erwarten. Gestern hatte ich am Fernsehen ein paar Videoaufnahmen gesehen von der grossen Ueberschwemmung vor 10 Jahren in Brig. Hast Du davon gehört. Das war eine grosse Katastrophe, weil die Saltina, der kleine Bach, der vom Simplon herunterkommt, in Brig beim Hotel Couronne von einer Brücke etwas aufgestaut worden ist, und deshalb über das Ufer getreten war. Man hat noch nie solche Bilder gesehen in der Schweiz. Das ganze kleine Zentrum der Stadt war mit Geröll und Steinen überflutet, fast bis zu den Fenstern des 1. Stockes reichte dieses Gelage. Und die ganze Schweiz hat in Solidarität mitgeholfen und Geld gesammelt. Heute hat Brig ein autofreies Zentrum und viel an Freundlichkeit gewonnen. Im Radio hatte man Leute interviewt, die ich gut kenne. Etwa Cäsar Jäger, ein Mitglied des Krisenstabes, den ich gut aus dem Militär kenne. Ich habe einige Dienste mit ihm gemacht und ihn als umtriebigen und aktiven Typen kennengelernt, .sehr gutwillig und hilfsbereit. Oder den Chef der Feuerwehr, der aus Visp kommt und dort in jungen Jahren dieses hübsche Mädchen geschwängert hatte, das er später nicht heiraten wollte, dieser kleine Skandal, der damals eben ein grosser war. Man merkt, wenn man Gespräch mit Leuten aus dem Wallis hört, dass die Menschen dort deutlicher an eine höhere Macht glauben als hier. Sie sind natürlich den Bergen mit ihren eigenen Gesetzen, mit Gefahren und Witterungen bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Das macht es vielleicht? Jedenfalls hat Frau Gemmet, die Chefin des Hotels Du Pont, so geredet. Und es hat mich berührt, weil ich darin die alte Mentalität wiederfand, die ich von meiner Jugend her kenne. Natürlich tut der Dialekt seinen Teil dazu. Die Leute in Brig haben eine solch charakteristische Sprache, wie sonst kaum irgendwo in der Schweiz. Und es gibt Redewendungen, sprachliche Gesten, die Art, eine Verlegenheit zu überbrücken: sie gehen tief in meine Erinnerungen.
*
Re: So ist es.
*
Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit für Dich. Nachher muss ich an meine Arbeit. Ich bin heute speziell früh ins Büro gefahren, damit ich das noch machen kann. Der Himmel wird langsam hell, und ich glaube, wir haben nochmals einen milden und schönen Herbsttag zu erwarten. Gestern hatte ich am Fernsehen ein paar Videoaufnahmen gesehen von der grossen Ueberschwemmung vor 10 Jahren in Brig. Hast Du davon gehört. Das war eine grosse Katastrophe, weil die Saltina, der kleine Bach, der vom Simplon herunterkommt, in Brig beim Hotel Couronne von einer Brücke etwas aufgestaut worden ist, und deshalb über das Ufer getreten war. Man hat noch nie solche Bilder gesehen in der Schweiz. Das ganze kleine Zentrum der Stadt war mit Geröll und Steinen überflutet, fast bis zu den Fenstern des 1. Stockes reichte dieses Gelage. Und die ganze Schweiz hat in Solidarität mitgeholfen und Geld gesammelt. Heute hat Brig ein autofreies Zentrum und viel an Freundlichkeit gewonnen. Im Radio hatte man Leute interviewt, die ich gut kenne. Etwa Cäsar Jäger, ein Mitglied des Krisenstabes, den ich gut aus dem Militär kenne. Ich habe einige Dienste mit ihm gemacht und ihn als umtriebigen und aktiven Typen kennengelernt, .sehr gutwillig und hilfsbereit. Oder den Chef der Feuerwehr, der aus Visp kommt und dort in jungen Jahren dieses hübsche Mädchen geschwängert hatte, das er später nicht heiraten wollte, dieser kleine Skandal, der damals eben ein grosser war. Man merkt, wenn man Gespräch mit Leuten aus dem Wallis hört, dass die Menschen dort deutlicher an eine höhere Macht glauben als hier. Sie sind natürlich den Bergen mit ihren eigenen Gesetzen, mit Gefahren und Witterungen bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Das macht es vielleicht? Jedenfalls hat Frau Gemmet, die Chefin des Hotels Du Pont, so geredet. Und es hat mich berührt, weil ich darin die alte Mentalität wiederfand, die ich von meiner Jugend her kenne. Natürlich tut der Dialekt seinen Teil dazu. Die Leute in Brig haben eine solch charakteristische Sprache, wie sonst kaum irgendwo in der Schweiz. Und es gibt Redewendungen, sprachliche Gesten, die Art, eine Verlegenheit zu überbrücken: sie gehen tief in meine Erinnerungen.
*
Re: So ist es. (1) Comics
den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.
Liebe Marlena
Ja, das gäbe einen guten Comic ab, beim Koffer zu stehen und sich mit dem Beamten über das neue Pyjama zu wundern. Aber Comics sind ein wenig abhängig von Action. Wenn die Leute nur dastehen und innere Erlebnisse haben, so kann man das schlecht zeichnen. Ich mag am liebsten die Zeichnungen, die keine Worte mehr brauchen. Oder aber bloss eine kurze, lakonische Wortblase, aber nicht mehr.
In letzter Zeit habe ich eine Idee für ein Comic über den Papst im Kopf. Ich sehe, wie man den armen Mann vor einer jubilierenden Menge durch die Strassen führt. Es kann ja auch das Papamobil sein. Und gleich dahinter stösst ein tüchtiger Trupp von Kardinälen einen fahrbaren Spital, angeschrieben in grossen Lettern 'Ospedale', eine riesige Anlage auf kleinen Rädern. Und ein paar Ärzte und Krankenschwestern eilen mit den Transfusionen und den Fiebermessern hinterher. Na ja, ist ein bisschen hart für den alten Mann. Aber ein fahrbares Ospedale zu zeichnen, das reizte mich ein bisschen. Aber ich weiss noch nicht so genau, wie sowas aussieht.
*
Schön, mitte Woche hast du Deinen strengsten Tag, dann ist die Woche so gut wie vorbei, nicht wahr? Ist ein feines Gefühl, sich ab Mittwoch abend nur noch auf Zwetschgen, Garten und die schönen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Ja, vielleicht habe ich es gut, keine solche Haushaltpflichten zu haben. Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, Dinge zu tun, bei denen man den Kopf frei hat für die stillen Gedanken. Das vermisse ich. Respektive ich weiss, dass ich bei solchen Tätigkeiten viele Gedanken haben könnte un dass sich dabei viele offene Fragen lösen könnten. Und zum Schluss hat man zwei Dinge auf einen Schlag: einerseits hat man die Arbeit beendet, und auf der anderen Seite hat man ein paar Ideen im Kopf oder einige Fragepunkte haben sich wie im Nichts gelöst. Im Militärdienst hatte ich oft ein solches Gefühl. Oder Spaziergänge haben oft diesen Effekt. Ich versuche, mich mit dieser Motivation ab und zu zu überzeugen, das Geschirr zu waschen oder kleine Dinge zu tun. Ich sage mir, sie sind ein Geschenk, ein Angebot des Lebens, mir ein paar Gedanken machen zu können. Wenn man bloss bequem herumsitzt, hat man keine neuen Ideen.
*
Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit ...
Re: So ist es.
Liebe Marlena
Ja, das gäbe einen guten Comic ab, beim Koffer zu stehen und sich mit dem Beamten über das neue Pyjama zu wundern. Aber Comics sind ein wenig abhängig von Action. Wenn die Leute nur dastehen und innere Erlebnisse haben, so kann man das schlecht zeichnen. Ich mag am liebsten die Zeichnungen, die keine Worte mehr brauchen. Oder aber bloss eine kurze, lakonische Wortblase, aber nicht mehr.
In letzter Zeit habe ich eine Idee für ein Comic über den Papst im Kopf. Ich sehe, wie man den armen Mann vor einer jubilierenden Menge durch die Strassen führt. Es kann ja auch das Papamobil sein. Und gleich dahinter stösst ein tüchtiger Trupp von Kardinälen einen fahrbaren Spital, angeschrieben in grossen Lettern 'Ospedale', eine riesige Anlage auf kleinen Rädern. Und ein paar Ärzte und Krankenschwestern eilen mit den Transfusionen und den Fiebermessern hinterher. Na ja, ist ein bisschen hart für den alten Mann. Aber ein fahrbares Ospedale zu zeichnen, das reizte mich ein bisschen. Aber ich weiss noch nicht so genau, wie sowas aussieht.
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Schön, mitte Woche hast du Deinen strengsten Tag, dann ist die Woche so gut wie vorbei, nicht wahr? Ist ein feines Gefühl, sich ab Mittwoch abend nur noch auf Zwetschgen, Garten und die schönen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Ja, vielleicht habe ich es gut, keine solche Haushaltpflichten zu haben. Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, Dinge zu tun, bei denen man den Kopf frei hat für die stillen Gedanken. Das vermisse ich. Respektive ich weiss, dass ich bei solchen Tätigkeiten viele Gedanken haben könnte un dass sich dabei viele offene Fragen lösen könnten. Und zum Schluss hat man zwei Dinge auf einen Schlag: einerseits hat man die Arbeit beendet, und auf der anderen Seite hat man ein paar Ideen im Kopf oder einige Fragepunkte haben sich wie im Nichts gelöst. Im Militärdienst hatte ich oft ein solches Gefühl. Oder Spaziergänge haben oft diesen Effekt. Ich versuche, mich mit dieser Motivation ab und zu zu überzeugen, das Geschirr zu waschen oder kleine Dinge zu tun. Ich sage mir, sie sind ein Geschenk, ein Angebot des Lebens, mir ein paar Gedanken machen zu können. Wenn man bloss bequem herumsitzt, hat man keine neuen Ideen.
*
Jetzt habe ich noch eine Kaffeelänge Zeit ...
Freitag, 26. August 2011
So ist es
Ämne: So ist es.
Datum: den 24 september 2003 17:54
Lieber ...,
Endlich ist der Mittwoch vorüber, d.h. mein strengster Arbeitstag, und ich kann mich ausruhen und es etwas locker nehmen.
Ja wirklich, die NZZ ist eine sehr gute Zeitung. Die Welt ist manchmal sprachlich etwas leichter und mehr unseren Abendzeitung (wie sie früher hiessen), ähnlich. Jetzt kann man sie online lesen schon am frühen morgen. Man muss nur etwas kritisch sein dabei und nicht alles für wahr nehmen.
Weisst du, ich muss lachen wenn ich dich vor mir sehe, wie du neben dem Zollkontrollanten mit grossem Interesse den Inahlt deines Koffers studierst. Hast du dann nicht auch "oh" und "ach" und "nein, sowas?" gesagt?
Man müsste es in einer Comics-serie zeigen. Und viele Männer würden sich in dieser Situation erkennen und darüber freuen.
*
Ach, wie schön dass du manchmal an den PC gehen kannst. Dann kann ich dir auch in dieser Zeit schreiben. Ich denke du wirst wohl kaum Zeit haben längere Mails zu senden aber vielleicht doch ab und zu ein kleines Lebenszeichen. Darauf freue ich mich. Und du kannst mich nicht die ganze Zeit mit dem kleinen allein lassen. Er braucht dich doch auch. Hast du wieder gekauft, da du dich interessierst?
Hier sehe ich gerade:
+/- Köp Sälj Aktie
+0.4 46.5 46.6 ABB Ltd
Ich hätte kaum was verdient, wenn ich verkauft hätte, denn wir müssen viel Steuer zahlen für den Gewinn.
*
Ich muss ein bisschen Ordnung ins Haus bringen. Durch meine "Ausflüge" in letzter Zeit war ich kaum zu Hause und viel ist liegengeblieben. Du hast es gut, chéri. Brauchst dich nicht um diese kleinen alltäglichen Dinge zu kümmern.
*
Ich schick dir das nun, falls du noch im Büro bist. Wünsche dir noch einen schönen erholsamen Abend,
Marlena
Datum: den 24 september 2003 17:54
Lieber ...,
Endlich ist der Mittwoch vorüber, d.h. mein strengster Arbeitstag, und ich kann mich ausruhen und es etwas locker nehmen.
Ja wirklich, die NZZ ist eine sehr gute Zeitung. Die Welt ist manchmal sprachlich etwas leichter und mehr unseren Abendzeitung (wie sie früher hiessen), ähnlich. Jetzt kann man sie online lesen schon am frühen morgen. Man muss nur etwas kritisch sein dabei und nicht alles für wahr nehmen.
Weisst du, ich muss lachen wenn ich dich vor mir sehe, wie du neben dem Zollkontrollanten mit grossem Interesse den Inahlt deines Koffers studierst. Hast du dann nicht auch "oh" und "ach" und "nein, sowas?" gesagt?
Man müsste es in einer Comics-serie zeigen. Und viele Männer würden sich in dieser Situation erkennen und darüber freuen.
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Ach, wie schön dass du manchmal an den PC gehen kannst. Dann kann ich dir auch in dieser Zeit schreiben. Ich denke du wirst wohl kaum Zeit haben längere Mails zu senden aber vielleicht doch ab und zu ein kleines Lebenszeichen. Darauf freue ich mich. Und du kannst mich nicht die ganze Zeit mit dem kleinen allein lassen. Er braucht dich doch auch. Hast du wieder gekauft, da du dich interessierst?
Hier sehe ich gerade:
+/- Köp Sälj Aktie
+0.4 46.5 46.6 ABB Ltd
Ich hätte kaum was verdient, wenn ich verkauft hätte, denn wir müssen viel Steuer zahlen für den Gewinn.
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Ich muss ein bisschen Ordnung ins Haus bringen. Durch meine "Ausflüge" in letzter Zeit war ich kaum zu Hause und viel ist liegengeblieben. Du hast es gut, chéri. Brauchst dich nicht um diese kleinen alltäglichen Dinge zu kümmern.
*
Ich schick dir das nun, falls du noch im Büro bist. Wünsche dir noch einen schönen erholsamen Abend,
Marlena
Re: Geschwind
den 24 september 2003 15:59
Re: Geschwind
Liebe Marlena
Ja, die NZZ ist wirklich erste Klasse. Sie hat doch vor nicht zu langer Zeit einen Preis als zweitbeste zeitung weltweit erhalten, gleich hinter der New York Times. Und wenn ich zur Abwechslung mal die Weltwoche lese, eine Zeitung, die ich als Gymnasiast gerne gelesen hatte, dann kommt mir das alles vor wie ein dünnes Süpplein (wie Du sagen würdest). Natürlich muss man bei der NZZ aufpassen, weil sie doch ziemlich konservativ und wirtschaftsfreundlich ist. Aber ich bin eben in einem Alter, da man ziemlich 'konservativ und wirtschaftsfreundlich' ist.
*
Ich kann Euch nur raten, dass ihr den Täter gefunden habt. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.
*
Ja, ich glaube, wir fahren am Samstag Abend. Und ich habe mir vorgenommen, dieses Mal selbst zu packen. Dann weiss ich, wieviele Socken ich mithabe. Na ja, neben den Socken noch die anderen Dinge. In NY war ich nicht sicher, was mir S. alles eingebackt hat. Und als sie mich in Kloten kontrollierte, habe ich zum ersten mal hineingesehen. ich war ebenso neugierig wie der Agent von Continental Airways.
*
Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich im Hotel ab und zu an den Computer gehen. Na ja, ich muss doch unser ABBaby beobachten. Und ich hoffe doch sehr, dass Du es in der Zeit nicht fallen lässt.
*
Hier ist es kühl geworden. Man denkt jetzt an heisse Marroni und diese Art von nahrhaften Dingen, die man gerne essen würde. Kennt Ihr das im Norden diese gebratenen Kastanien, die gut und süsslich schmecken? Sie sind herrlich, auf der Strasse zu essen. Und im Restaurants gibt es Vermisselles, das zu Würmern gepresste Kastanien-Puree. Ich glaube, ich muss gleich eines kaufen.
*
Ich wünsche Dir einen schönen ABend.
Mit lieben Grüssen
...
Re: Geschwind
Liebe Marlena
Ja, die NZZ ist wirklich erste Klasse. Sie hat doch vor nicht zu langer Zeit einen Preis als zweitbeste zeitung weltweit erhalten, gleich hinter der New York Times. Und wenn ich zur Abwechslung mal die Weltwoche lese, eine Zeitung, die ich als Gymnasiast gerne gelesen hatte, dann kommt mir das alles vor wie ein dünnes Süpplein (wie Du sagen würdest). Natürlich muss man bei der NZZ aufpassen, weil sie doch ziemlich konservativ und wirtschaftsfreundlich ist. Aber ich bin eben in einem Alter, da man ziemlich 'konservativ und wirtschaftsfreundlich' ist.
*
Ich kann Euch nur raten, dass ihr den Täter gefunden habt. Alles andere wäre eine herbe Enttäuschung.
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Ja, ich glaube, wir fahren am Samstag Abend. Und ich habe mir vorgenommen, dieses Mal selbst zu packen. Dann weiss ich, wieviele Socken ich mithabe. Na ja, neben den Socken noch die anderen Dinge. In NY war ich nicht sicher, was mir S. alles eingebackt hat. Und als sie mich in Kloten kontrollierte, habe ich zum ersten mal hineingesehen. ich war ebenso neugierig wie der Agent von Continental Airways.
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Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich im Hotel ab und zu an den Computer gehen. Na ja, ich muss doch unser ABBaby beobachten. Und ich hoffe doch sehr, dass Du es in der Zeit nicht fallen lässt.
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Hier ist es kühl geworden. Man denkt jetzt an heisse Marroni und diese Art von nahrhaften Dingen, die man gerne essen würde. Kennt Ihr das im Norden diese gebratenen Kastanien, die gut und süsslich schmecken? Sie sind herrlich, auf der Strasse zu essen. Und im Restaurants gibt es Vermisselles, das zu Würmern gepresste Kastanien-Puree. Ich glaube, ich muss gleich eines kaufen.
*
Ich wünsche Dir einen schönen ABend.
Mit lieben Grüssen
...
Donnerstag, 25. August 2011
Geschwind
Ämne: Geschwind
Datum: den 24 september 2003 13:24
Lieber ...,
Ach, wie seid ihr schnell in eurer Presse. Gerade habe ich im Radio von der Freilassung des bisher Verdächtigten erfahren und schon steht es in der NZZ. Félicitation!
Man hat einen neuen festgenommen der unter stärkerem Verdacht steht. Dem Ton nach, scheint die Polizei nun ziemlich sicher zu sein, den richtigen gefunden zu haben, obwohl sie mit Worten nicht diese Ansicht ausdrücken wollen, bevor sie noch mehr wissen.
Ach, du verschwindest bald :-( Wann fährst du genau? und wie lange muss ich es ohne dich aushalten? Schwere Zeiten für Mausfreunde.
Das nur schnell jetzt. Ich muss zurück an den Arbeitsplatz.
Mit einem lieben sonnigen Gruss,
Marlena
Datum: den 24 september 2003 13:24
Lieber ...,
Ach, wie seid ihr schnell in eurer Presse. Gerade habe ich im Radio von der Freilassung des bisher Verdächtigten erfahren und schon steht es in der NZZ. Félicitation!
Man hat einen neuen festgenommen der unter stärkerem Verdacht steht. Dem Ton nach, scheint die Polizei nun ziemlich sicher zu sein, den richtigen gefunden zu haben, obwohl sie mit Worten nicht diese Ansicht ausdrücken wollen, bevor sie noch mehr wissen.
Ach, du verschwindest bald :-( Wann fährst du genau? und wie lange muss ich es ohne dich aushalten? Schwere Zeiten für Mausfreunde.
Das nur schnell jetzt. Ich muss zurück an den Arbeitsplatz.
Mit einem lieben sonnigen Gruss,
Marlena
Re: So, so ..
den 24 september 2003 07:49
Re: So, so..
Liebe marlena
Eben ist mir ein halbes Mail davongeschwommen!
Und dabei habe ich nichts Spezielles gemacht. Es ist ärgerlich. Vielleicht sollte ich mich wieder dran gewöhnen, erst auf ein W Dokument zu schreiben, um es dann ins Mail hineinzukopieren.
*
Ich hatte mich im Mail bereit erklärt, Dir Deine Viktoria Pflaumen zu pflücken, oder auch vom Boden aufzuheben. Ich mag Zwetschgen wirklich. Sie müssen aber noch etwas hart und knackig sein. Zu weich, das ist nicht meine Sache. Diese würde ich für einen Früchtekuchen vorschlagen. Dabei kann man den Saft entweder verdunsten, oder aber mit Nussmehl aufsaugen lassen. Bestimmt habe ich Dir schon mehrmals erzählt von unseren Pflaumen im Visper Garten. Oder jene erstklassige Sorte im grossen Garten in O. Ich glaube, jenes waren die besten, die ich je gegessen hatte. Und dabei waren sie auch riesengross. Und - nebeibei gesagt - hatte ich in NY einmal, auf dem Markt in Union Square, unter vielen Früchten ein halbes Kilo Zwetschgen gekauft. Sie waren recht gross, und lang. Sie liefen auf beiden Enden geradezu spitz zu. Ich glaube, diese Form hat mir gefallen und mich verführt, sie zu kaufen. Sie machten mir einen sehr robusten Eindruck. Und sie schmeckten gut, obwohl sie am Anfang fast noch etwas zu grün waren.
*
Ihr habt den Black out überstanden? Als ich davon im Fernsehen hörte, habe ich gedacht, ihr wolltet die Amerikaner imitieren, damit sie sich wegen ihres alten Systems nicht zu sehr genierten. Ich nehme an, dass es in 9 Monaten auf den Strassen überall kleine Schwedinnen und Schweden in Babywagen zu sehen geben wird. Vielleicht war es eine Aktion der Regierung gegen die demographische Überalterung? Irgendwas muss man doch unternehmen, damit die Grossmamis und -papis nicht überhand nehmen. Die Leute sehen an ihren Fernsehapparaten soviel Sex, dass sie ihn für sich geradezu vergessen.
*
'Fesch' ist ein süddeutscher Ausdruck, vielleicht münchnerisch, und oesterreichisch. In der Schweiz nennt man eine Person attraktiv, gutaussehend ... oder ähnlich. Du siehst, wir haben keine wirklich lokalen Ausdrücke. Nur im Wallis gäbe es einige davon. Aber die versteht man hier kaum. Sie sind dort oft auch vom Französischen beeinflusst. Man spricht beispielsweise von einem 'superben' Jungen. Auch einen Mann könnte man so nennen. Eine Frau würde man 'hübsch', 'flott' oder ähnlich bezeichnen.
*
Die Woche geht vorwärts wie wild. Schon bald werden wir abfliegen. Ich habe mir vorgenommen, dieses mal selbst zu packen. Dann weiss ich auch, was ich mithabe. Und man muss sich die Ferien etwas vorstellen im Geist, wenn man packt. Das ist eigentlich ein schönes Vorspiel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Auf meiner Reise nach Amerika habe ich erstmals in meinen Koffer geschaut, als sie mich in Zürich Kloten kontrolliert haben. Der Kerl hat sich zwar Mühe gegeben, aber dennoch eine Unordnung gemacht. Es ist ein komisches Gefühl, wenn fremde Leue in der eigenen Wäsche herumhantieren, nicht wahr?
*
Heute ist der Himmel etwas heller. Eine leichte Bewölkung liegt wie ein dünner Vorhang dort oben. Aber die Sonne wird schon hindurch gelangen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Re: So, so..
Liebe marlena
Eben ist mir ein halbes Mail davongeschwommen!
Und dabei habe ich nichts Spezielles gemacht. Es ist ärgerlich. Vielleicht sollte ich mich wieder dran gewöhnen, erst auf ein W Dokument zu schreiben, um es dann ins Mail hineinzukopieren.
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Ich hatte mich im Mail bereit erklärt, Dir Deine Viktoria Pflaumen zu pflücken, oder auch vom Boden aufzuheben. Ich mag Zwetschgen wirklich. Sie müssen aber noch etwas hart und knackig sein. Zu weich, das ist nicht meine Sache. Diese würde ich für einen Früchtekuchen vorschlagen. Dabei kann man den Saft entweder verdunsten, oder aber mit Nussmehl aufsaugen lassen. Bestimmt habe ich Dir schon mehrmals erzählt von unseren Pflaumen im Visper Garten. Oder jene erstklassige Sorte im grossen Garten in O. Ich glaube, jenes waren die besten, die ich je gegessen hatte. Und dabei waren sie auch riesengross. Und - nebeibei gesagt - hatte ich in NY einmal, auf dem Markt in Union Square, unter vielen Früchten ein halbes Kilo Zwetschgen gekauft. Sie waren recht gross, und lang. Sie liefen auf beiden Enden geradezu spitz zu. Ich glaube, diese Form hat mir gefallen und mich verführt, sie zu kaufen. Sie machten mir einen sehr robusten Eindruck. Und sie schmeckten gut, obwohl sie am Anfang fast noch etwas zu grün waren.
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Ihr habt den Black out überstanden? Als ich davon im Fernsehen hörte, habe ich gedacht, ihr wolltet die Amerikaner imitieren, damit sie sich wegen ihres alten Systems nicht zu sehr genierten. Ich nehme an, dass es in 9 Monaten auf den Strassen überall kleine Schwedinnen und Schweden in Babywagen zu sehen geben wird. Vielleicht war es eine Aktion der Regierung gegen die demographische Überalterung? Irgendwas muss man doch unternehmen, damit die Grossmamis und -papis nicht überhand nehmen. Die Leute sehen an ihren Fernsehapparaten soviel Sex, dass sie ihn für sich geradezu vergessen.
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'Fesch' ist ein süddeutscher Ausdruck, vielleicht münchnerisch, und oesterreichisch. In der Schweiz nennt man eine Person attraktiv, gutaussehend ... oder ähnlich. Du siehst, wir haben keine wirklich lokalen Ausdrücke. Nur im Wallis gäbe es einige davon. Aber die versteht man hier kaum. Sie sind dort oft auch vom Französischen beeinflusst. Man spricht beispielsweise von einem 'superben' Jungen. Auch einen Mann könnte man so nennen. Eine Frau würde man 'hübsch', 'flott' oder ähnlich bezeichnen.
*
Die Woche geht vorwärts wie wild. Schon bald werden wir abfliegen. Ich habe mir vorgenommen, dieses mal selbst zu packen. Dann weiss ich auch, was ich mithabe. Und man muss sich die Ferien etwas vorstellen im Geist, wenn man packt. Das ist eigentlich ein schönes Vorspiel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Auf meiner Reise nach Amerika habe ich erstmals in meinen Koffer geschaut, als sie mich in Zürich Kloten kontrolliert haben. Der Kerl hat sich zwar Mühe gegeben, aber dennoch eine Unordnung gemacht. Es ist ein komisches Gefühl, wenn fremde Leue in der eigenen Wäsche herumhantieren, nicht wahr?
*
Heute ist der Himmel etwas heller. Eine leichte Bewölkung liegt wie ein dünner Vorhang dort oben. Aber die Sonne wird schon hindurch gelangen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
So, so..
Ämne: So, so..
Datum: den 23 september 2003 19:21
Lieber ...,
Ach, was bist du für ein Schlaumeier. ;-) Wenn du ein mail nicht beantworten willst, dann tust du als hättest du es beantwortet.. aber irgendwie ist es eben nicht angekommen. Na ja, macht nichts. Du hast ja dann noch einen zweiten Saum genäht und so wird die Mailerei schon halten.
Ja, ich denke du musst ziemlich fesch ausgesehen haben in deinem schwarzen Anzug. Und sicher hast du auch die Blicke der Damen angezogen. Natürlich ohne es selbst zu bemerken. Wer interessiert sich schon für so weltliche Dinge.. :-)
Haha... so siehst du eine Seele? Als ich Kind war glaubte ich zu wissen wie Seelen aussehen. Du weisst bei Fischen gibt es so was silbriges.. ist es die Schwimmblase? Und heisst die nicht so was ähnliches? Ich weiss wirklich nicht mehr wie ich auf den Gedanken gekommen bin, dass das eine Seele sei. Jedenfalls ist sie zart und silberfarben.. weit von deinem dicken ballonähnlichen Ding dass im Höllenfeuer zerplatzt.
Seele hat übrigens mit dem Wort See zu tun.
*
Es ist etwas kalt geworden hier zu Hause. Glaube ich muss die Wärme eine Weile anstellen. Es hat so sehr gestürmt heute Vormittag, dass in ganz Südschweden und sogar Teilen von Dänemark die Elektrizität ausgeschlagen war. Alles war schwarz. Züge blieben stehen, Leute blieben im Lift stecken u.s.w. Erst nach vielen Stunden hat man wieder Strom gehabt und man weiss immer noch nicht was eigentlich den Stromausfall verursacht hat. Du siehst, unsere Gesellschaft ist sehr verletzlich.
Zum Glück war bei uns hier alles normal.
*
Ich bin etwas erkältet und werde mir einen warmen Tee machen. Hab noch eine Menge Vorbereitungen für morgen, denn ich bin am Nachmittag in der Stadt gewesen. Das hat mich ziemlich müde gemacht.
Der Himmel schimmert leicht rosafarben. Es sieht wirklich schön aus. Ich sollte wohl die Pflaumen hereinholen, die alle heruntergeblasen sind vom Sturm. Für die kommende Nacht hat man uns vor Frost gewarnt in unserer Region. Na ja, vielleicht mache ich es noch etwas später. Oder ich ruf die Nachbarin an. Aber die ist wahrscheinlich genau so wenig aufgelegt sich damit zu beschäftigen. Warum bist du nicht hier? Du liebst doch diese grossen herrlichen Pflaumen so sehr. Die Sorte heisst Victoria.
*
Nun muss ich schliessen, damit ich mit der Arbeit fertig werde.
So grüsse ich dich lieb und hoffe, dass du morgen wieder da bist.
Marlena
Mittwoch, 24. August 2011
Totenfeier und Seelen
den 23 september 2003 18:08
Nochmals an diesem Tuesday..
Liebe Marlena
Und schon ist wieder Dienstag Abend. Ich habe die Totenfeier überlebt. Es war ein bisschen traurig zu sehen, wie wenig alte Kollegen an seinem Begräbnis waren. Aber wahrscheinlich hat er in den letzten 12 Jahren kaum mehr Kontakt gehabt. Seine Frau ist ein bisschen zu dominant gewesen und hat wohl alles diktiert. Auch die Abdankung war ein bisschen zu religiös, sogar hebräisch haben sie gelesen. Sie ist irgendwie jüdisch oder halbwegs jüdisch, wenn es sowas überhaupt gibt.
Aber er war ein guter Kerl, begabt, hat sich vielleicht ein bisschen zusehr zurückgehalten, und ist - wie ich heute gehört habe - deswegen oft unglücklich gewesen. Das kann ich mir gut vorstellen. Er war wirklich sehr mild und konnte sich überall gut anpassen. Und er hat so ein Mascherl getragen, wie anfangs der oesterreichische Regierungsmann Schüssel. Eine Fliege auf gut Deutsch. Take him for all in all: he was a man. Das ist irgendwo von Shakespeare.
*
Sterben ist nicht so schwer. Überleben ist bestimmt schwerer.
*
Und dann bin ich - in meinem schwarzen Anzug, so dass alle Damen genauer hingeschaut haben - noch in die Stadt gefahren und habe mir - vielleicht zum Trost - ein zweites Büchlein von Tabucchi gekauft. Ich hatte es seit langem im Auge. Auf dem Deckel steht, es sei eine Liebeserklärung an Lissabon. Der Titel heisst Lissabonner Requiem. Ich glaube, ein Requiem ist jetzt gut. Na ja, von Zeit zu Zeit braucht man einfach Liebeserklärungen, sei es für Lissabon, sei es für Streuselkuchen.
*
Tabucchi schreibt etwas Schönes gleich zu Beginn. Er schildert das Gespräch zwischen dem Ich und einem Losverkäufer. Ich, der Intellektuelle spricht vom Unbewussten. Der Losverkäufer meint, er habe kein Unbewusstes, er habe eine Seele. Das Unbewusste sei etwas Mitteleuropäisches, vielleicht ein Rest aus Wien des 19. Jahrhunderts. Das ist gut gefühlt. Dort unten haben sie bestimmt nur katholisch tropfende Seelen. Ich stelle sie mir so als kleine Wölklein vor, mit drei Ausbuchtungen, wie ein Michelin-Männchen. In der Mitte ist das Ich, oben das Üeber-Ich und im Keller das ES, also das Unter-Ich. Das ist die Architektur (natürlich wieder mitteleuropäisch konstruiert) dieser Seele. Und sie ist sehr wie Gummi und lässt sich nach Bedarf auch noch ein wenig aufblasen. Und bestimmt schwimmt sie auf dem Wasser. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass sie schwimmt. Ich könnte mir niemals vorstellen, dass eine solche Seele wirklich untertaucht. Seelen schwimmen obenauf, soviel ist klar. Und wenn die Person stirbt, dann zwängen sie sich durchs Fenster oder die kleine Öffnung, die man in den Walliserhäusern genau für diesen Zweck macht, und fliegen hinauf. Natürlich mit Ausnahme jener, die gleich vom Fenster hinunter fallen in die Hölle. Dort, wenn ich es mir plastisch vorstell, platzen sie in der Hitze wie Ballone.
*
Du siehst, Antonio Tabucchi inspiriert mich ein bisschen. Ich glaube, wir sind seelenverwandt.
*
Und jetzt muss ich endgültig schliessen. Der Tag ist vorbei. Die ABB Aktien leicht gesunken, aber nicht sosehr, dass man sich deswegen eine schlaflose Nacht veranstalten sollte.
Ich wünsche Dir einen feinen Abend.
Mit lieben Grüssen
...
-----------
den 23 september 2003 18:09
Re: Nochmals?
Ja, dann habe ich das erste nicht abgeschickt.
Das ist gut möglich. Mann weiss ja nicht, was alles passiert in diesen Tagen.
Aber es waren zwei, am Schluss, das musst Du doch zugeben!
Gruss nochmals
Bis also.
...
Nochmals an diesem Tuesday..
Liebe Marlena
Und schon ist wieder Dienstag Abend. Ich habe die Totenfeier überlebt. Es war ein bisschen traurig zu sehen, wie wenig alte Kollegen an seinem Begräbnis waren. Aber wahrscheinlich hat er in den letzten 12 Jahren kaum mehr Kontakt gehabt. Seine Frau ist ein bisschen zu dominant gewesen und hat wohl alles diktiert. Auch die Abdankung war ein bisschen zu religiös, sogar hebräisch haben sie gelesen. Sie ist irgendwie jüdisch oder halbwegs jüdisch, wenn es sowas überhaupt gibt.
Aber er war ein guter Kerl, begabt, hat sich vielleicht ein bisschen zusehr zurückgehalten, und ist - wie ich heute gehört habe - deswegen oft unglücklich gewesen. Das kann ich mir gut vorstellen. Er war wirklich sehr mild und konnte sich überall gut anpassen. Und er hat so ein Mascherl getragen, wie anfangs der oesterreichische Regierungsmann Schüssel. Eine Fliege auf gut Deutsch. Take him for all in all: he was a man. Das ist irgendwo von Shakespeare.
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Sterben ist nicht so schwer. Überleben ist bestimmt schwerer.
*
Und dann bin ich - in meinem schwarzen Anzug, so dass alle Damen genauer hingeschaut haben - noch in die Stadt gefahren und habe mir - vielleicht zum Trost - ein zweites Büchlein von Tabucchi gekauft. Ich hatte es seit langem im Auge. Auf dem Deckel steht, es sei eine Liebeserklärung an Lissabon. Der Titel heisst Lissabonner Requiem. Ich glaube, ein Requiem ist jetzt gut. Na ja, von Zeit zu Zeit braucht man einfach Liebeserklärungen, sei es für Lissabon, sei es für Streuselkuchen.
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Tabucchi schreibt etwas Schönes gleich zu Beginn. Er schildert das Gespräch zwischen dem Ich und einem Losverkäufer. Ich, der Intellektuelle spricht vom Unbewussten. Der Losverkäufer meint, er habe kein Unbewusstes, er habe eine Seele. Das Unbewusste sei etwas Mitteleuropäisches, vielleicht ein Rest aus Wien des 19. Jahrhunderts. Das ist gut gefühlt. Dort unten haben sie bestimmt nur katholisch tropfende Seelen. Ich stelle sie mir so als kleine Wölklein vor, mit drei Ausbuchtungen, wie ein Michelin-Männchen. In der Mitte ist das Ich, oben das Üeber-Ich und im Keller das ES, also das Unter-Ich. Das ist die Architektur (natürlich wieder mitteleuropäisch konstruiert) dieser Seele. Und sie ist sehr wie Gummi und lässt sich nach Bedarf auch noch ein wenig aufblasen. Und bestimmt schwimmt sie auf dem Wasser. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass sie schwimmt. Ich könnte mir niemals vorstellen, dass eine solche Seele wirklich untertaucht. Seelen schwimmen obenauf, soviel ist klar. Und wenn die Person stirbt, dann zwängen sie sich durchs Fenster oder die kleine Öffnung, die man in den Walliserhäusern genau für diesen Zweck macht, und fliegen hinauf. Natürlich mit Ausnahme jener, die gleich vom Fenster hinunter fallen in die Hölle. Dort, wenn ich es mir plastisch vorstell, platzen sie in der Hitze wie Ballone.
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Du siehst, Antonio Tabucchi inspiriert mich ein bisschen. Ich glaube, wir sind seelenverwandt.
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Und jetzt muss ich endgültig schliessen. Der Tag ist vorbei. Die ABB Aktien leicht gesunken, aber nicht sosehr, dass man sich deswegen eine schlaflose Nacht veranstalten sollte.
Ich wünsche Dir einen feinen Abend.
Mit lieben Grüssen
...
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den 23 september 2003 18:09
Re: Nochmals?
Ja, dann habe ich das erste nicht abgeschickt.
Das ist gut möglich. Mann weiss ja nicht, was alles passiert in diesen Tagen.
Aber es waren zwei, am Schluss, das musst Du doch zugeben!
Gruss nochmals
Bis also.
...
Bloss etwas Kontakt...
den 23 september 2003 11:38
Nochmals an diesem Montag..
Liebe Marlena
Jetzt ist es ziemlich dunkel geworden. Das wirkt herbstlich und passt zu einer Beerdigung. Im Wallis sind Beerdigungen schöne Feste, die sehr lustig ausgehen. Aber hier, in diesen protestantischen Gebieten, haben sie die Feste vergessen. Hier geht alles ziemlich trocken zu und her. Wie gesagt, hier verstehen sie vielleicht viel von den Göttern, aber wenig von den Menschen! Ich werde mich vorsehen und einen grossen Schirm mitnehmen. Na ja, ein bisschen muss man doch auch an die Menschen denken!
*
Vor mir steht immer noch eine Beige von Büchern, die ich zu rezensieren habe. ...
*
Jetzt hat es begonnen zu regnen. Die Tauben fliegen aber noch immer mit Eifer ihre Runden. Es muss die Aufregung vor dem Abflug sein. Ob sie ihre Koffer schon gepackt haben? Es wird wirklich trüb und herbstlich. Jetzt kann man vollends Rilke und die müden Astern zitieren ...
*
Wir machen Mitte Oktober einen Apero auf unserem Dienst. Es ist im wesentlichen für unsere Ehemaligen. Und dazu habe ich jetzt gerade noch einige Kollegen eingeladen, die auch schon in Pension sind. Ich weiss nicht, ob sie kommen, aber ich stelle mir vor, dass es für die pensionierten schön ist, zu kleinen gesellschaftlichen Anlässen eingeladen zu werden. Sie plaudern gerne und lassen ihre alten Zeiten aufleben. Und wir zeigen ihnen ein bisschen, wie es heute ist. Wir haben keine hohen Ansprüche. Bloss etwas Kontakt. Und dieses Jahr machen wir das erstmals. Es ist ein Probelauf. Vielleicht laden wir nächstes Jahr dann hohe Würdenträger und wichtige Leute aus der Industrie ein. Ich glaube, man sollte sich mehr Zeit nehmen für solche Kontakte. Sie sind das halbe Leben.
*
Und jetzt wünsche ich Dir nochmals einen schönen Tag. Doppelt genäht hält besser, sagt man hier in gut schweizerischem Dialekt.
Mit lieben Grüssen
...
------
Ämne: Nochmals?
Datum: den 23 september 2003 12:40
Lieber ...,
"Und jetzt wünsche ich Dir nochmals einen schönen Tag. Doppelt genäht hält besser.."
So beendest du dein letztes mail, mein lieber Mausfreund. Aber du hast keineswegs doppelt genäht.. fast nur ein wenig geheftet. Hast du vergessen ein Mail abzusenden?
Hier scheint die Sonne nach einem stürmischen grauen Morgen. Es ist herrlich!
Ich muss wieder an die Arbeit.
Warte auf den zweiten Saum.
Liebe Grüsse
Marlena
Nochmals an diesem Montag..
Liebe Marlena
Jetzt ist es ziemlich dunkel geworden. Das wirkt herbstlich und passt zu einer Beerdigung. Im Wallis sind Beerdigungen schöne Feste, die sehr lustig ausgehen. Aber hier, in diesen protestantischen Gebieten, haben sie die Feste vergessen. Hier geht alles ziemlich trocken zu und her. Wie gesagt, hier verstehen sie vielleicht viel von den Göttern, aber wenig von den Menschen! Ich werde mich vorsehen und einen grossen Schirm mitnehmen. Na ja, ein bisschen muss man doch auch an die Menschen denken!
*
Vor mir steht immer noch eine Beige von Büchern, die ich zu rezensieren habe. ...
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Jetzt hat es begonnen zu regnen. Die Tauben fliegen aber noch immer mit Eifer ihre Runden. Es muss die Aufregung vor dem Abflug sein. Ob sie ihre Koffer schon gepackt haben? Es wird wirklich trüb und herbstlich. Jetzt kann man vollends Rilke und die müden Astern zitieren ...
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Wir machen Mitte Oktober einen Apero auf unserem Dienst. Es ist im wesentlichen für unsere Ehemaligen. Und dazu habe ich jetzt gerade noch einige Kollegen eingeladen, die auch schon in Pension sind. Ich weiss nicht, ob sie kommen, aber ich stelle mir vor, dass es für die pensionierten schön ist, zu kleinen gesellschaftlichen Anlässen eingeladen zu werden. Sie plaudern gerne und lassen ihre alten Zeiten aufleben. Und wir zeigen ihnen ein bisschen, wie es heute ist. Wir haben keine hohen Ansprüche. Bloss etwas Kontakt. Und dieses Jahr machen wir das erstmals. Es ist ein Probelauf. Vielleicht laden wir nächstes Jahr dann hohe Würdenträger und wichtige Leute aus der Industrie ein. Ich glaube, man sollte sich mehr Zeit nehmen für solche Kontakte. Sie sind das halbe Leben.
*
Und jetzt wünsche ich Dir nochmals einen schönen Tag. Doppelt genäht hält besser, sagt man hier in gut schweizerischem Dialekt.
Mit lieben Grüssen
...
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Ämne: Nochmals?
Datum: den 23 september 2003 12:40
Lieber ...,
"Und jetzt wünsche ich Dir nochmals einen schönen Tag. Doppelt genäht hält besser.."
So beendest du dein letztes mail, mein lieber Mausfreund. Aber du hast keineswegs doppelt genäht.. fast nur ein wenig geheftet. Hast du vergessen ein Mail abzusenden?
Hier scheint die Sonne nach einem stürmischen grauen Morgen. Es ist herrlich!
Ich muss wieder an die Arbeit.
Warte auf den zweiten Saum.
Liebe Grüsse
Marlena
über das Rezensieren
den 23 september 2003 11:38
Liebe Marlena
...
Vor mir steht immer noch eine Beige von Büchern, die ich zu rezensieren habe. Nach den Herbstferien kommen schon die Herbst- und Winterbücher. Sie ist für die Vorweihnachtszeit terminiert, so nehme ich an. Dann werde ich mir eine zweite Portion holen. Ich nehme immer um die 50 Bücher mit. Ich sei ihr wichtigster Rezensent, haben sie mir kürzlich gesagt. Nun ja, ich nehme mir auch nicht soviel Zeit pro Buch. Mit den Jahren hat man ein bisschen Routine. Und wenn ich die Rezensionen meiner Kolleginnen und Kollegen lese, dann stelle ich fest, dass sie viele Wörter brauchen und gar nicht soviel sagen. Das ist die nützliche Uebung bei dieser Art von Tätigkeit. In einem Text von ungefähr 10 oder 15 Zeilen muss man jedes Wort überlegen, ob man es braucht oder ob man es auslassen kann. Das ist nicht so wie in den Mails, in denen man locker drauflosschreiben kann. Viele Dinge kann man indirekt, oder mit ein paar Adjektiven sagen. Es erinnert mich ein wenig an meine Arbeit als Student, als ich am Psychologischen Institut Kurzgutachten zu schreiben hatte. Auch damals musste ich kurz halten und auf das Wesentliche beschränken. Es ist sehr hilfreich, wenn man das mit einer gewissen Leichtigkeit schafft. Ich mache das gerne. Es ist eine kleine Abwechslung. Und zum Schluss hat man diesen kleinen Text als Produkt, woran man sich ergötzen kann.
*
Liebe Marlena
...
Vor mir steht immer noch eine Beige von Büchern, die ich zu rezensieren habe. Nach den Herbstferien kommen schon die Herbst- und Winterbücher. Sie ist für die Vorweihnachtszeit terminiert, so nehme ich an. Dann werde ich mir eine zweite Portion holen. Ich nehme immer um die 50 Bücher mit. Ich sei ihr wichtigster Rezensent, haben sie mir kürzlich gesagt. Nun ja, ich nehme mir auch nicht soviel Zeit pro Buch. Mit den Jahren hat man ein bisschen Routine. Und wenn ich die Rezensionen meiner Kolleginnen und Kollegen lese, dann stelle ich fest, dass sie viele Wörter brauchen und gar nicht soviel sagen. Das ist die nützliche Uebung bei dieser Art von Tätigkeit. In einem Text von ungefähr 10 oder 15 Zeilen muss man jedes Wort überlegen, ob man es braucht oder ob man es auslassen kann. Das ist nicht so wie in den Mails, in denen man locker drauflosschreiben kann. Viele Dinge kann man indirekt, oder mit ein paar Adjektiven sagen. Es erinnert mich ein wenig an meine Arbeit als Student, als ich am Psychologischen Institut Kurzgutachten zu schreiben hatte. Auch damals musste ich kurz halten und auf das Wesentliche beschränken. Es ist sehr hilfreich, wenn man das mit einer gewissen Leichtigkeit schafft. Ich mache das gerne. Es ist eine kleine Abwechslung. Und zum Schluss hat man diesen kleinen Text als Produkt, woran man sich ergötzen kann.
*
Montag, 22. August 2011
Tod eines Mitarbeiters
Ämne: Saurday night feaver
Datum: den 18 augusti 2001 23:41
Liebe Marlena
Es ist Samstag Abend. Die Mädchen sind ausgegangen. In Basel feiern sie ein patriotisches Fest. 500 Jahre Basel seit dem Beitritt zur Eidgenossenschaft.
Und ich sitze hier in der Küche und koche Linsen und Bohnen für die nächste Woche!!
Das ist fast so schlimm wie Protestbügeln. Dazu trinke ich einen Chardonnay. Das mildert die Härte des Schicksals. Eigentlich würde ich gerne mit Dir anstossen. Aber Du weißt ja, es ist ein wenig weit!
Ich bin daran, die nächste Woche vorzubereiten. Montag und Dienstag bin ich an einem Kurs. Er wird durch meine Direktion organisiert. Und ich kann Dir nicht erklären, weshalb sie dazu zwei ganze Tage einsetzen. Ich glaube, die Fragen, die man dabei besprechen muss, könnte man in einem halben Tag bewältigen. Und zu allem Überdruss wollten sie meine beiden Leiter auch noch einladen. Wir hätten dazu 6 Arbeitstage opfern sollen. Das ist der reine Luxus. Und die Schreibtischtäter dort drüben wissen nicht, was sie tun.
So haben wir beschlossen, dass ich von unserem Dienst allein am Kurs teilnehme. Ich bin überzeugt, dass das bei weitem reicht. Aber wir werden sehen. Man soll nicht überheblich sein.
Am Freitag haben wir ein kleines Bürofest organisiert. Ein ehemaliger Mitarbeiter hat eine schöne Stelle am Waldrand ausfindig gemacht. Er organisiert Tische und Bänke und wird zusehen, dass wir einen Grill und ein Feuer zur Verfügung haben werden. Ich habe mich bereit erklärt, die Getränke zu organisieren.
Doch vorher kommen wir in der Kirche zusammen, um unseres Mitarbeiters zu gedenken, der Ende Juli verstorben ist. Ich glaube, ich habe Dir davon erzählt. Ein ehemaliger Kollege spielt auf der Orgel. Ich soll unseren lieben Hans mit Worten würdigen. Und sein Freund wird auch noch ein paar Dinge sagen.
Es ist merkwürdig, was geschieht. Seit ich mich mit unserem Hans beschäftige, kommt er mir immer näher. Er war gebürtiger Oesterreicher und kam aus der Nähe Tirol. Und die letzte Woche habe ich versucht, mehr über ihn in Erfahrung zu bringen. Ich habe mit seinem Chef gesprochen. Und ich werde versuchen, nächstens noch mit seinem Freund Kontakt aufzunehmen.
Aber alles in allem staune ich darüber, wie sehr tote Seelen Macht über uns haben. Ich versuche, ihn zu verstehen, und ich merke dabei, dass er mir näher gestanden hat, als ich es je bemerkt hatte. Ach, das ist schwierig zu erklären.
Hans war ein guter Psychologe, aber er war schwach in Administration. Ich meine, er hat viele Probleme verursacht, weil er oft die administrativen Dinge nicht berücksichtigt hat, die notwendig gewesen wären. Sein Chef oder ich selbst hatten immer wieder Probleme deswegen. Das hat mich nicht sonderlich geärgert, aber ich hatte Angst, dass einmal ein Skandal entstehen könnte. Das wollte ich natürlich vermeiden.
Doch heute, da Hans tot ist, denke ich, er war wirklich ein sehr menschenfreundlicher Typ. Oder müsste man sagen „human“? Und die Tatsache, dass er alle administrativen Dinge vernachlässigt hat, finde ich im Nachhinein geradezu sympathisch. Es betont seine Menschlichkeit. Und wenn ich die Briefe nachlese, die er geschrieben hat, sehe und höre ich, wie poetisch und sensibel er war. Das wusste ich eigentlich schon immer. Aber heute fällt es stärker ins Gewicht.
Kurz und gut: ich versuche, einige Gedanken zu formulieren, die ich in der Kirche vor Mitarbeitern, vor Geschwistern und Freunden von Hans sagen könnte. De mortuis nihil nisi bene. Das ist mir klar. Aber es fällt mir nicht schwer, Gutes zu sagen. Es fällt mir erstaunlich leicht!!
Im Hintergrund läuft der Fernseher mit einem spanischen Programm. Das heisst viel Musik und dramatische Posen, wie es die Spanier lieben. Sie haben manches gemeinsam mit den Persern. Die Islamische Kultur ist seit dem Mittelalter in Spanien eingedrungen.
Ist das Leben nicht merkwürdig? Ich habe mir nie vorgestellt, dass es so wechselhaft und gelegentlich so dramatisch sein kann. Ich kann es kaum in Worte fassen. Und ich hätte mir nie vorgestellt, dass mich der Tod eines meiner Mitarbeiter so traurig machen könnte. Es ist schliesslich nicht zufassen. Ich habe in den Akten ein altes Foto von Hans gefunden. Da sieht man ihn mit knapp 30 Jahren. ... Hans neigt sich schräg ins Bild hinein, und sein optimistischer Blick verrät, dass er sich zutraut, alle Probleme dieser Welt zu lösen. Ach, ich weiss, wie es damals war, nach den 68er Jahren. Und jetzt ist er tot, unser armer Hans.
Wenn ich diese Zeiten zu überblicken versuche, werde ich ziemlich melancholisch. Es er-innert mich an Baudelaire und sein hochempfindliches Sensorium für die Vergänglichkeit. Man sollte fähig sein, das Leiden in Worte zu fassen. Das kann ich leider nicht.
Es gibt ein kleines Gedicht von Rilke, das mir immer durch den Kopf geht:
Der Tod ist gross.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Du wirst es kennen. Rilke hat viel über den Tod nachgedacht. Er war ein Existenzialist avant la lettre. War nicht Rilkes Mutter Oesterreicherin. Ich glaube, dass sie nach der Scheidung mit ihrem Sohn nach Oesterreich zurückgekehrt ist. Ist das so?
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende
Mit lieben Grüssen
..
Datum: den 18 augusti 2001 23:41
Liebe Marlena
Es ist Samstag Abend. Die Mädchen sind ausgegangen. In Basel feiern sie ein patriotisches Fest. 500 Jahre Basel seit dem Beitritt zur Eidgenossenschaft.
Und ich sitze hier in der Küche und koche Linsen und Bohnen für die nächste Woche!!
Das ist fast so schlimm wie Protestbügeln. Dazu trinke ich einen Chardonnay. Das mildert die Härte des Schicksals. Eigentlich würde ich gerne mit Dir anstossen. Aber Du weißt ja, es ist ein wenig weit!
Ich bin daran, die nächste Woche vorzubereiten. Montag und Dienstag bin ich an einem Kurs. Er wird durch meine Direktion organisiert. Und ich kann Dir nicht erklären, weshalb sie dazu zwei ganze Tage einsetzen. Ich glaube, die Fragen, die man dabei besprechen muss, könnte man in einem halben Tag bewältigen. Und zu allem Überdruss wollten sie meine beiden Leiter auch noch einladen. Wir hätten dazu 6 Arbeitstage opfern sollen. Das ist der reine Luxus. Und die Schreibtischtäter dort drüben wissen nicht, was sie tun.
So haben wir beschlossen, dass ich von unserem Dienst allein am Kurs teilnehme. Ich bin überzeugt, dass das bei weitem reicht. Aber wir werden sehen. Man soll nicht überheblich sein.
Am Freitag haben wir ein kleines Bürofest organisiert. Ein ehemaliger Mitarbeiter hat eine schöne Stelle am Waldrand ausfindig gemacht. Er organisiert Tische und Bänke und wird zusehen, dass wir einen Grill und ein Feuer zur Verfügung haben werden. Ich habe mich bereit erklärt, die Getränke zu organisieren.
Doch vorher kommen wir in der Kirche zusammen, um unseres Mitarbeiters zu gedenken, der Ende Juli verstorben ist. Ich glaube, ich habe Dir davon erzählt. Ein ehemaliger Kollege spielt auf der Orgel. Ich soll unseren lieben Hans mit Worten würdigen. Und sein Freund wird auch noch ein paar Dinge sagen.
Es ist merkwürdig, was geschieht. Seit ich mich mit unserem Hans beschäftige, kommt er mir immer näher. Er war gebürtiger Oesterreicher und kam aus der Nähe Tirol. Und die letzte Woche habe ich versucht, mehr über ihn in Erfahrung zu bringen. Ich habe mit seinem Chef gesprochen. Und ich werde versuchen, nächstens noch mit seinem Freund Kontakt aufzunehmen.
Aber alles in allem staune ich darüber, wie sehr tote Seelen Macht über uns haben. Ich versuche, ihn zu verstehen, und ich merke dabei, dass er mir näher gestanden hat, als ich es je bemerkt hatte. Ach, das ist schwierig zu erklären.
Hans war ein guter Psychologe, aber er war schwach in Administration. Ich meine, er hat viele Probleme verursacht, weil er oft die administrativen Dinge nicht berücksichtigt hat, die notwendig gewesen wären. Sein Chef oder ich selbst hatten immer wieder Probleme deswegen. Das hat mich nicht sonderlich geärgert, aber ich hatte Angst, dass einmal ein Skandal entstehen könnte. Das wollte ich natürlich vermeiden.
Doch heute, da Hans tot ist, denke ich, er war wirklich ein sehr menschenfreundlicher Typ. Oder müsste man sagen „human“? Und die Tatsache, dass er alle administrativen Dinge vernachlässigt hat, finde ich im Nachhinein geradezu sympathisch. Es betont seine Menschlichkeit. Und wenn ich die Briefe nachlese, die er geschrieben hat, sehe und höre ich, wie poetisch und sensibel er war. Das wusste ich eigentlich schon immer. Aber heute fällt es stärker ins Gewicht.
Kurz und gut: ich versuche, einige Gedanken zu formulieren, die ich in der Kirche vor Mitarbeitern, vor Geschwistern und Freunden von Hans sagen könnte. De mortuis nihil nisi bene. Das ist mir klar. Aber es fällt mir nicht schwer, Gutes zu sagen. Es fällt mir erstaunlich leicht!!
Im Hintergrund läuft der Fernseher mit einem spanischen Programm. Das heisst viel Musik und dramatische Posen, wie es die Spanier lieben. Sie haben manches gemeinsam mit den Persern. Die Islamische Kultur ist seit dem Mittelalter in Spanien eingedrungen.
Ist das Leben nicht merkwürdig? Ich habe mir nie vorgestellt, dass es so wechselhaft und gelegentlich so dramatisch sein kann. Ich kann es kaum in Worte fassen. Und ich hätte mir nie vorgestellt, dass mich der Tod eines meiner Mitarbeiter so traurig machen könnte. Es ist schliesslich nicht zufassen. Ich habe in den Akten ein altes Foto von Hans gefunden. Da sieht man ihn mit knapp 30 Jahren. ... Hans neigt sich schräg ins Bild hinein, und sein optimistischer Blick verrät, dass er sich zutraut, alle Probleme dieser Welt zu lösen. Ach, ich weiss, wie es damals war, nach den 68er Jahren. Und jetzt ist er tot, unser armer Hans.
Wenn ich diese Zeiten zu überblicken versuche, werde ich ziemlich melancholisch. Es er-innert mich an Baudelaire und sein hochempfindliches Sensorium für die Vergänglichkeit. Man sollte fähig sein, das Leiden in Worte zu fassen. Das kann ich leider nicht.
Es gibt ein kleines Gedicht von Rilke, das mir immer durch den Kopf geht:
Der Tod ist gross.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Du wirst es kennen. Rilke hat viel über den Tod nachgedacht. Er war ein Existenzialist avant la lettre. War nicht Rilkes Mutter Oesterreicherin. Ich glaube, dass sie nach der Scheidung mit ihrem Sohn nach Oesterreich zurückgekehrt ist. Ist das so?
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende
Mit lieben Grüssen
..
Gunnar und Alva Myrdal
Ämne: Re: Alva Myrdal
Datum: den 8 maj 2003 10:02
Lieber ...,
Das Paar Gunnar und Alva Myrdal haben lange Zeit hindurch das Kulturelle Leben in Schweden dominiert. Immerzu hat man über sie geschrieben. Über ihre Karrieren und über ihr Privatleben. Das spätere wurde so dargestellt, dass man es gern als Vorbild haben wollte. Sich lieben und doch so frei voneinander zu sein, dass eine berufliche Karriere, bei der man nicht immer zusammenleben musste, möglich war.
Und dann kam der grosse Schock, als ihre "Missgeburt" von Sohn, seinen Roman über seine Kindheit in dieser Familie schrieb. Die Eltern waren alt und konnten sich nicht mehr richtig verteidigen gegen die groben Anklagen. Sie mussten sogar zuhören, wie er im Rundfunk laut aus seinem Buch vorlas. Wegen diesem Buch von ihm, glaube ich, haben die zwei Töchter ihre Bücher über die Familie geschrieben. Sie wollten den Ruf ihrer Eltern wiederherstellen.
Ich glaube es könnte interessant sein für dich diese Bücher zu lesen. Zu sehen, wie ein und dasselbe Geschehen so verschieden erlebt wird von den Kindern. Meine persönliche Reflektion ist, dass der Vater insgeheim von diesem Jungen enttäuscht war. Er war nicht so, wie er sich seinen Sohn gewünscht hatte und ich glaube eine solche Einstellung kann man nicht verbergen. Das Kind fühlt sie instinktiv.
*
Ich bin überrascht davon dass du mir auch Abendmails geschrieben hast. Ich dachte immer ich hätte einen grossen Vorteil, dir am Abend schreiben zu können, wenn ich frei bin über meine Zeit zu verfügen. Ich glaube sogar, dass ein Morgen- und ein Abendmail sich unterscheiden. Vielleicht schreibt man das letztere mehr mit der anderen Gehirnhälfte. Wsarum hast du sie nicht gleich abends abgeschickt?
*
Ja, ich habe es selbst bemerkt dieses "hinter sich bringen". Es klingt nicht gut, aber manchmal denke ich wirklich so über das Leben.. aber auch wirklich nur manchmal. Und ich habe es stehenlassen weil ich wusste, dass du darauf reagieren würdest. ;-)
*
Wie meinst du, hast du dein Bett im Wohnzimmer aufgestellt? Oder schläfst du auf dem schönen Sofa ein? Auch bei mir kommt es öfters vor, dass ich spät in der Nacht, so um zwei Uhr, runterschleiche und das Licht und den Fernseher ausschalte, vor dem K eingeschlafen ist. Ich muss sagen, dass ich das nicht besonders mag. Zwar gönne ich es mir, in meiner Freizeit ziemlich bohemisch zu sein. Aber es gibt Grenzen.
*
So, nun muss ich mich schon beeilen.
Wenn du dazu kommst, schreib mir noch ein paar Zeilen. Heute habe ich wieder eine Konferenz mit dem Männertrio, die so sehr gegen einander intrigieren. Manchmal amüsiert es mich, dabei zuzusehen, aber meistens erschrecke ich über die Niedrigkeit der menschlichen Natur.
Ich Grüsse dich nochmals lieb,
Marlena
Sonntag, 21. August 2011
Lebenskunst und Entspannungsdroge
Subject: Gruss
Date: Thu, 8 May 2003 07:41:36 +0200
Liebe Marlena
Ach, wie Du das sagst, ... das Leben hinter sich bringen ..., das klingt wie
eine Pflichtübung, etwa so, wie man in einen sauren Apfel beissen muss. Ja,
ich finde es auch ein interessantes Thema, das eigentlich erst in den
letzten Jahren wieder hochgekommen ist. Oder vielleicht habe ich es erst in
den letzten Jahren entdeckt.
Meine Schwäche dabei ist, dass ich selbst so schwer Gewohnheiten entwickle.
Ich finde, für ein gutes Leben braucht es stabile Gewohnheiten. Sie bilden
das Gerüst der Existenz, sozusagen die Primärkonstruktion des Hauses. Aber
ich bin ein Typ, der gerne nach der Laune lebt. Und das ist vielleicht in
sich eine Art Stil, hat aber keinen ;--)
Wie Du vielleicht bemerkt hast, stehe ich mal eine Zeitlang um 06.00h auf,
dann wird es für einige Zeit 7.00h. Früher habe ich die Mails an Dich abends
geschrieben, jetzt tue ich morgens in der Früh. Es gibt viele Dinge, die so
laufen. Und das finde ich eigentlich nicht so besonders gut, wenn ich mein
Leben überblicke. Aber wenn ich mitten drin bin (im Leben) merke ich es
kaum, oder eben, habe das Bedürfnis nach Wechsel. Das ist eine Art
Unstetigkeit, die viele Nachteile hat. Früher hatte ich gedacht, das sei
eben eine Art künstlerische Natur, die den Moment und die absolute Gegenwart
über alles setzt. Aber mit den Jahren merke ich, wie sehr man momentanen
Dingen ausgesetzt ist, wie sehr das eben unstet wird, wie mühevoll es ist,
die Dinge zu Ende zu bringen. Du hast das sicherlich bemerkt, wie sehr ich
manchmal im Moment irgend einer Idee nachhänge und Absichten habe, die dann
aber in späteren Momenten wieder verschwinden, weil neue Dinge auftauchen.
Am stärksten wirkt das zwischen Arbeit und privaten Plänen. Wollte ich nicht
ein Kinderbuch machen in einer vielleicht ruhigeren Phase? Ich mache mich
also dran. Aber plötzlich kommt in der Arbeit eine neue Aufgabe, eine
Stressphase oder irgend was, und alles Private wird wieder zurückgedrängt.
So schwanke ich auf den Wellen und führe nur schwer meinen Kurs. Das ist es
doch wohl. Und schliesslich ärgere ich mich, dass ich dies oder jenes nicht
wirklich vollendet habe.
Kurz und gut, das Thema finde ich interessant, weil es an meinem Leben noch
Vieles auszubessern gibt.
Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste: die Lebenskunst ist eine Kunst,
worin es keine Spezialisten gibt. Jeder kennt sich da aus. Der eine
intuitiv, der andere mit vielen ausgeklügelten Gedanken. Dein Gefühl, Dich
in solchen Dingen nicht besonders auszukennen, ist nicht nötig. Es gibt
keine Spezialisten in dieser Sparte.
*
Ja, ich habe die Möglichkeit, vom Bett zu fernsehen. Aber eigentlich würde
ich das nicht sonderlich empfehlen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass
ich im Fernsehraum schlafe. Beim Nachmittagsschläfchen ist das sehr gut. Es
gibt keine bessere Möglichkeit, die Gedanken von der Arbeit und den
Alltagssorgen abzuziehen und bei einer leichten Talkshow einzuschlafen. Das
ist geradezu himmlisch.
Aber abends kann es schon mal passieren, dass ich um 02.00h aufwache und der
TV immer noch läuft. Das ist nicht gut und ich versuche es zu vermeiden, so
gut es geht.
Aber die Erkenntnis bleibt: es gibt Sendungen, die sind prima zum
Einschlafen. Andere sind interessant und halten wach. Und die dritten sind
irgendwie aufregend und machen eher nervös. Aus diesen drei Fläschchen wähle
ich, je nachdem, ob ich schlafen, wachen oder Sensationen will. Doch
Sensationen will ich eigentlich kaum mehr.
*
Wer sind die beiden Alva und Gunnar Myrdal? Erzähl mir bitte in ein paar
Sätzen davon. Ich möchte nicht ihretwegen ins Internet. Offenbar haben alle
ihre griechischen Tragödien. Und manchmal sind sie nicht mal griechisch,
sondern sehr persönlich und lokal gefärbt.
*
Und schliesslich noch Deine Verliebtheit als Lebensprinzip. Ich glaube, ich
verstehe schon einigermassen, was Du meinst, diese Liebesbegabung. Ich
weiss auch, was Du meinst, wenn Du sagst, sie sei nicht primär sexuell.
Trotzdem kann man das aber doch Erotik nennen, denke ich, weil ja Erotik
auch nicht primär sexuell sein braucht. Oder nicht? Ich glaube, für Männer
ist Sexualität und Erotik vor allem auch eine Entspannungsdroge. Das
jedenfalls dachte ich, als wir mit dem Klatsch der Levinsky-Geschichte
überschüttet wurden. Eine sexuelle Geschichte befreit am schnellsten vom
Alltagsstress und den vielen Gedanken, was noch an Arbeit zu tun sei. Es ist
eine Möglichkeit der kurzen Erlösung. Und viele männliche Seitensprünge
hängen wahrscheinlich damit zusammen. Die armen Männer können anders kaum
mehr abschalten. Auf jeden Fall wenn ich Lust auf eine kleine Affäre habe,
dann ist es meist der Druck. Aber ich halte mich doch ziemlich zurück.
Ja, auf dem Foto siehst Du sehr vergnügt und brav aus, aber auch offen für
das Leben. Es ist doch wunderbar, eine 1000ste zu finden, die eine solch
gute Figur abgibt und mit Freude mitmacht. Das ist ein ideales Medienstück.
Und ist wirklich schön, dass Du das Foto immer noch hast. Solche Dinge muss
man wirklich scannen. In weiteren 20 Jahren ist das Papier nämlich total
vergilbt und absolut zerstört. Im PC behält das Bild hingegen seine ewige
Schönheit.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Date: Thu, 8 May 2003 07:41:36 +0200
Liebe Marlena
Ach, wie Du das sagst, ... das Leben hinter sich bringen ..., das klingt wie
eine Pflichtübung, etwa so, wie man in einen sauren Apfel beissen muss. Ja,
ich finde es auch ein interessantes Thema, das eigentlich erst in den
letzten Jahren wieder hochgekommen ist. Oder vielleicht habe ich es erst in
den letzten Jahren entdeckt.
Meine Schwäche dabei ist, dass ich selbst so schwer Gewohnheiten entwickle.
Ich finde, für ein gutes Leben braucht es stabile Gewohnheiten. Sie bilden
das Gerüst der Existenz, sozusagen die Primärkonstruktion des Hauses. Aber
ich bin ein Typ, der gerne nach der Laune lebt. Und das ist vielleicht in
sich eine Art Stil, hat aber keinen ;--)
Wie Du vielleicht bemerkt hast, stehe ich mal eine Zeitlang um 06.00h auf,
dann wird es für einige Zeit 7.00h. Früher habe ich die Mails an Dich abends
geschrieben, jetzt tue ich morgens in der Früh. Es gibt viele Dinge, die so
laufen. Und das finde ich eigentlich nicht so besonders gut, wenn ich mein
Leben überblicke. Aber wenn ich mitten drin bin (im Leben) merke ich es
kaum, oder eben, habe das Bedürfnis nach Wechsel. Das ist eine Art
Unstetigkeit, die viele Nachteile hat. Früher hatte ich gedacht, das sei
eben eine Art künstlerische Natur, die den Moment und die absolute Gegenwart
über alles setzt. Aber mit den Jahren merke ich, wie sehr man momentanen
Dingen ausgesetzt ist, wie sehr das eben unstet wird, wie mühevoll es ist,
die Dinge zu Ende zu bringen. Du hast das sicherlich bemerkt, wie sehr ich
manchmal im Moment irgend einer Idee nachhänge und Absichten habe, die dann
aber in späteren Momenten wieder verschwinden, weil neue Dinge auftauchen.
Am stärksten wirkt das zwischen Arbeit und privaten Plänen. Wollte ich nicht
ein Kinderbuch machen in einer vielleicht ruhigeren Phase? Ich mache mich
also dran. Aber plötzlich kommt in der Arbeit eine neue Aufgabe, eine
Stressphase oder irgend was, und alles Private wird wieder zurückgedrängt.
So schwanke ich auf den Wellen und führe nur schwer meinen Kurs. Das ist es
doch wohl. Und schliesslich ärgere ich mich, dass ich dies oder jenes nicht
wirklich vollendet habe.
Kurz und gut, das Thema finde ich interessant, weil es an meinem Leben noch
Vieles auszubessern gibt.
Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste: die Lebenskunst ist eine Kunst,
worin es keine Spezialisten gibt. Jeder kennt sich da aus. Der eine
intuitiv, der andere mit vielen ausgeklügelten Gedanken. Dein Gefühl, Dich
in solchen Dingen nicht besonders auszukennen, ist nicht nötig. Es gibt
keine Spezialisten in dieser Sparte.
*
Ja, ich habe die Möglichkeit, vom Bett zu fernsehen. Aber eigentlich würde
ich das nicht sonderlich empfehlen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass
ich im Fernsehraum schlafe. Beim Nachmittagsschläfchen ist das sehr gut. Es
gibt keine bessere Möglichkeit, die Gedanken von der Arbeit und den
Alltagssorgen abzuziehen und bei einer leichten Talkshow einzuschlafen. Das
ist geradezu himmlisch.
Aber abends kann es schon mal passieren, dass ich um 02.00h aufwache und der
TV immer noch läuft. Das ist nicht gut und ich versuche es zu vermeiden, so
gut es geht.
Aber die Erkenntnis bleibt: es gibt Sendungen, die sind prima zum
Einschlafen. Andere sind interessant und halten wach. Und die dritten sind
irgendwie aufregend und machen eher nervös. Aus diesen drei Fläschchen wähle
ich, je nachdem, ob ich schlafen, wachen oder Sensationen will. Doch
Sensationen will ich eigentlich kaum mehr.
*
Wer sind die beiden Alva und Gunnar Myrdal? Erzähl mir bitte in ein paar
Sätzen davon. Ich möchte nicht ihretwegen ins Internet. Offenbar haben alle
ihre griechischen Tragödien. Und manchmal sind sie nicht mal griechisch,
sondern sehr persönlich und lokal gefärbt.
*
Und schliesslich noch Deine Verliebtheit als Lebensprinzip. Ich glaube, ich
verstehe schon einigermassen, was Du meinst, diese Liebesbegabung. Ich
weiss auch, was Du meinst, wenn Du sagst, sie sei nicht primär sexuell.
Trotzdem kann man das aber doch Erotik nennen, denke ich, weil ja Erotik
auch nicht primär sexuell sein braucht. Oder nicht? Ich glaube, für Männer
ist Sexualität und Erotik vor allem auch eine Entspannungsdroge. Das
jedenfalls dachte ich, als wir mit dem Klatsch der Levinsky-Geschichte
überschüttet wurden. Eine sexuelle Geschichte befreit am schnellsten vom
Alltagsstress und den vielen Gedanken, was noch an Arbeit zu tun sei. Es ist
eine Möglichkeit der kurzen Erlösung. Und viele männliche Seitensprünge
hängen wahrscheinlich damit zusammen. Die armen Männer können anders kaum
mehr abschalten. Auf jeden Fall wenn ich Lust auf eine kleine Affäre habe,
dann ist es meist der Druck. Aber ich halte mich doch ziemlich zurück.
Ja, auf dem Foto siehst Du sehr vergnügt und brav aus, aber auch offen für
das Leben. Es ist doch wunderbar, eine 1000ste zu finden, die eine solch
gute Figur abgibt und mit Freude mitmacht. Das ist ein ideales Medienstück.
Und ist wirklich schön, dass Du das Foto immer noch hast. Solche Dinge muss
man wirklich scannen. In weiteren 20 Jahren ist das Papier nämlich total
vergilbt und absolut zerstört. Im PC behält das Bild hingegen seine ewige
Schönheit.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Alva Myrdal
Ämne: Alva Myrdal
Datum: den 8 maj 2003 07:50
Guten Morgen, mein lieber Mausfreund,
Hoffe dass es bei dir auch so schön aussieht, mit strahlender Sonne.
Ich habe eine Adresse gefunden wo du über Alva Myrdal lesen kannst.
http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/myrdal/36bio.htm
Ich wusste garnicht dass sie in Genf Kinderpsychologie und Pädagogik studiert hat.
Hast du das gewusst?
Wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena
----
Datum: den 8 maj 2003 07:50
Guten Morgen, mein lieber Mausfreund,
Hoffe dass es bei dir auch so schön aussieht, mit strahlender Sonne.
Ich habe eine Adresse gefunden wo du über Alva Myrdal lesen kannst.
http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/myrdal/36bio.htm
Ich wusste garnicht dass sie in Genf Kinderpsychologie und Pädagogik studiert hat.
Hast du das gewusst?
Wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena
----
Re: weekend
(R)
Ämne: Re: weekend
Ämne: Re: weekend
Datum: den 9 maj 2003 13:14
Lieber ...,Bin ich wirklich schon mal wortkarg gewesen? Kann ich mir garnicht vorstellen. Und ich bin mir auch garnicht bewusst, dass ich dir diesmal viel geschrieben hätte.
Ja doch, es ist wirklich bald vier Jahre.. na ja genauer gesagt 3,5 Jahre her, das wir uns kennengelernt haben. Man sagt dass das ungefähr 25 Jahre im RL entspricht. Und es freut und wundert mich zugleich, dass wir immer noch so beharrlich miteinander korrespondieren.
Aber weisst du, neulich einmal, als du geschrieben hast du hättest dir vorgenommen "ein Mail pro Tag" zu schreiben, da bin ich etwas erschrocken. Wenn ich mir so was vornehmen würde, würde ich es sofort als eine Pflicht betrachten und es würde mich in Stress bringen. Es klingt auch etwas ähnlich wie "eheliche Pflicht" oder lass uns sagen "virtuelle Pflicht". Gott sei Dank habe ich immer noch grosse Lust dir täglich, manchmal sogar mehrmals täglich, zu schreiben. Und es ist mit der Zeit sogar etwas leichter geworden. Wie kann ich dir das erklären? Früher waren meine mails immer viel länger als die, die du schliesslich an deinem PC gefunden hast. Es stand unendlich viel zwischen den Zeilen. ;-) Ich habe gelernt mich etwas leichter zu zensurieren..
*
Ach, oben unter dem Dach also? Genau wie ich. Sogar ein schräges Dach, das dem Schlafzimmer ein bisschen den Eindruck von einer Hütte verleiht. Irgendwie kuschelig und gemütlich. Und mein Fernseher steht in dem grossen Allraum, der fast das ganze obere Stockwerk ausmacht. Neben dem Schlafzimmer liegt dann noch Annas Zimmer (heutzutage meine Rümpelkammer, ja leider!) und ein kleines Badezimmer samt Garderobe. Eigentlich eine Kammer. Und vom Fenster im Allzimmer habe ich Ausblich über die Felder und den Garten. Es gibt auch einen Balkon. Du siehst, ich habe ein eigenes kleines Appartement, nur für mich allein. Aber wenn ich dir schreibe tue ich es hier unten in K's Büro an dem kraftvollen PC. Oben habe ich auch nicht Internetanschluss.
*
Ja, du hast Recht. Das Wort "bohemisk" gibt es nicht im Deutschen. Eines von den schönen Wörtern die kein direktes Gegenstück haben auf deutsch. Und doch ist es ein so vielsagendes Wort. Du solltest es ganz einfach importieren. :-) Ich habe übrigens schon öfters Wörter verwenden wollen, die keine direkte Übersetzung haben. Sie zu beherrschen ist die Seele einer anderen Sprache zu kennen.
*
Ach, eigentlich hatte ich ja nicht Alva Myrdal als Vorbild. Aber diese Ehe, mit zwei freien Persönlichkeiten, die trotz der räumlichen Entfernung (kam ja öfters vor) zusammenhielten, hat mir imponiert. Vielleicht ein Bisschen wie Sartre und de Beauvoir, aber die späteren hatten wohl keine sexuelle Beziehung. Das finde ich auch etwas komisch. Du nicht?
*
Es ist lustig, wie ich dich konkret vor mir sehen kann. Du schreibst mir so schön von deinem Alltag, dass ich dich wirklich beobachten kann. Ich sehe dich auf den Strassen von Basel, in der Sonne, ein wenig von Wind umweht und ich schmunzle wenn du plötzlich vom Weg abweichst und in einen Bücherladen hineinschlüpfst. Wie lustig du das beschrieben hast, wenn du ein Buch herausnimmst aus dem Regal.. Für solche und ähnliche Schilderungen sollte man dir einen Nobelpreis in Literatur verleihen. Kümmere dich nicht um die Sils-geschichte. Sicher waren nicht besonders begabte Leute in der Jury. Persönlich finde ich du solltest deine Memoiren schreiben. Tust du ja übrigens schon und ich hebe sie auf. Denn ich bin ganz sicher, dass sie einmal später gelesen werden, als ein literarisch hochstehendes Zeitdokument wenn nicht anders.
*
Ja, die Kinder sind wirklich unsere Achillesferse. Das ist sehr gut ausgedrückt.
*
Ich glaube heute spielt Schweden gegen Slowakien, die Weltmeister. Oh, das wird spannend und aufregend. Werde wohl K ab und zu die Augen (oder Ohren) zuhalten müssen, damit er keinen Herzschlag erleidet. Leider haben wir nicht TV3, die die Sendungsrechte aufgekauft haben. So wird er sich mit dem Radio begnügen müssen. Aber du hast die Möglichkeit es zu sehen. Wirst du das tun?
*
So lasse ich dich nun, mein lieber Mausfreund. Und ich hoffe, dass du mir bald wieder schreibst und nicht nur aus Pflicht.
Mit lieben Grüssen
Marlena
PS Will nicht unser zweites Thema vernachlässigen: Sonne und leichter Wind!
Freitag, 19. August 2011
Ich möchte jemanden einsingen ...
Ämne: Gute Nacht, chéri..
(...)
Zum Schluss möchte ich dir noch ein Gedicht von Rilke senden. Den Anfang kennst du schon, aber wie es weiterging, hatte ich damals vergessen. Dies ist wirklich was ich nun tun möchte:
Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüsste: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe gross
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
Ist es nicht schön, mein Liebling?
Ich wünsche dir eine gute Nacht. Bleib nicht zu lange auf. Du weißt doch: der Schlaf vor Mitternacht...
S+K+H
Deine Marlena
Donnerstag, 18. August 2011
Don't break my heart..
Subject: Vaya con dios
Date: Mon, 15 May
Liebe Marlena
Immer am Montag Mittag haben wir unser Club-Essen. Wir treffen uns um 12h und um 13h beginnt der Vortrag. (...) Diese Club-Essen finden überigens in einem Hotel in Basel statt, welches zur Radisson SAS Gruppe gehört. Ich bin also wenigstens einmal pro Woche in Skandinavien zuhause. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn kein Schwedisch gesprochen wird und auch keine spezielle nordische Nahrung auf den Tisch kommt. Aber vielleicht wird es mal Schwedische Wochen geben, und dann werde ich doppelt einbacken.
Aber vor dem Essen, und das wollte ich dir eigentlich erzählen, hatte ich ein paar Minuten Zeit, um in einen Musikladen zu eilen. Ich habe sie gefunden: Vaya con dios. Und jetzt, im Moment, sitze ich im Büro, leicht verschwitzt vom vollen Magen und der Mittagssonne und höre dein Don't break my heart... Ich stelle mir vor, dass du das mit deiner Lis Assia Stimme singst. Was mich daran berührt hat, ist das Schmerzvolle, das sticht ein bisschen ins Herz. Sind es nicht Schmerzschreie, auf einem lyrischen Hintergrund? Das irritiert mich ein bisschen, weil ich den Song sosehr mit dir in Verbindung bringe. Aber darin ist auch viel vitalität. Das versöhnt mich wieder ein bisschen. Doch am meisten erstaunt an dieser CD hat mich das Cover-Bild, diese Frau, wie du mir gesagt hat. Ich nehme mal an, sie sei die Lead-Sängerin. Weißt du wie sie heisst? Sie hat im Wesentlichen denselben Blick, den du auf deinem Foto hast, auf beiden Bildern, die ich von dir habe. Auf dem dritten sieht man deine Augen ja nicht. Es ist dieser Blick in die Weite, der so etwas wie Sehnsucht ausdrückt. Marlena, diese Augen sind mir auf deinen Bildern rasch aufgefallen und als ich diese CD in den Händen hatte, war das wie eine plötzliche Bestätigung. Ach, Marlena, deine Sehnsucht muss wirklich sehr gross sein. Ich will jetzt nicht sagen, die Sehnsucht nach mir, aber doch die Sehnsucht nach etwas, was du tief vermisst. Es ist dieser Gedanke, der mich im Moment bedrängt. Und ich frage mich, wie ich etwas davon stillen könnte. Ich bin natürlich froh, dass diese Musik insgesamt eher eine optimistische Note hat, mit viel Kraft und - wie gesagt - Vitalität. Sonst könnte ich geradezu Angst um dich bekommen.
*
Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?
Ich küsse dich innigst
...
http://www.youtube.com/watch?v=QWlTa6Ftrt8
Date: Mon, 15 May
Liebe Marlena
Immer am Montag Mittag haben wir unser Club-Essen. Wir treffen uns um 12h und um 13h beginnt der Vortrag. (...) Diese Club-Essen finden überigens in einem Hotel in Basel statt, welches zur Radisson SAS Gruppe gehört. Ich bin also wenigstens einmal pro Woche in Skandinavien zuhause. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn kein Schwedisch gesprochen wird und auch keine spezielle nordische Nahrung auf den Tisch kommt. Aber vielleicht wird es mal Schwedische Wochen geben, und dann werde ich doppelt einbacken.
Aber vor dem Essen, und das wollte ich dir eigentlich erzählen, hatte ich ein paar Minuten Zeit, um in einen Musikladen zu eilen. Ich habe sie gefunden: Vaya con dios. Und jetzt, im Moment, sitze ich im Büro, leicht verschwitzt vom vollen Magen und der Mittagssonne und höre dein Don't break my heart... Ich stelle mir vor, dass du das mit deiner Lis Assia Stimme singst. Was mich daran berührt hat, ist das Schmerzvolle, das sticht ein bisschen ins Herz. Sind es nicht Schmerzschreie, auf einem lyrischen Hintergrund? Das irritiert mich ein bisschen, weil ich den Song sosehr mit dir in Verbindung bringe. Aber darin ist auch viel vitalität. Das versöhnt mich wieder ein bisschen. Doch am meisten erstaunt an dieser CD hat mich das Cover-Bild, diese Frau, wie du mir gesagt hat. Ich nehme mal an, sie sei die Lead-Sängerin. Weißt du wie sie heisst? Sie hat im Wesentlichen denselben Blick, den du auf deinem Foto hast, auf beiden Bildern, die ich von dir habe. Auf dem dritten sieht man deine Augen ja nicht. Es ist dieser Blick in die Weite, der so etwas wie Sehnsucht ausdrückt. Marlena, diese Augen sind mir auf deinen Bildern rasch aufgefallen und als ich diese CD in den Händen hatte, war das wie eine plötzliche Bestätigung. Ach, Marlena, deine Sehnsucht muss wirklich sehr gross sein. Ich will jetzt nicht sagen, die Sehnsucht nach mir, aber doch die Sehnsucht nach etwas, was du tief vermisst. Es ist dieser Gedanke, der mich im Moment bedrängt. Und ich frage mich, wie ich etwas davon stillen könnte. Ich bin natürlich froh, dass diese Musik insgesamt eher eine optimistische Note hat, mit viel Kraft und - wie gesagt - Vitalität. Sonst könnte ich geradezu Angst um dich bekommen.
*
Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?
Ich küsse dich innigst
...
http://www.youtube.com/watch?v=QWlTa6Ftrt8
Re: Glücklich?
.
Ämne: Wieder Montag..
Lieber ...,
Es ist bereits Montag morgen. Ich bin frei, aber trotzdem in Stress. Es gilt vor midsommar noch einige Papiere von Verwaltungen zu bekommen, die ich für eine Versicherung brauche. Sowas mag ich nicht. Zwar sind wir kein Oststaatsland auf diesem Gebiet, denn es geht meistens ziemlich rasch und man verlangt keine Bestechungsgelder. Doch manchmal ist es riesig schwer jemanden telephonisch zu erreichen. Die Leute sitzen dauernd in "Konferenzen", wie sie es nennen, sie trinken Kaffee oder sie sind nicht wo sie eigentlich sein sollen. Na, ich denke du kennst sowas auch, oder gibt es das nicht in einem so effektiven Land wie das eure?
*
K hat gestern Abend angerufen. Der Flug war verspätet, weil sie irgendwo zwischenlanden mussten und er war zu müde um noch am Abend hierherzufahren. Man hatte nun auch seine Wohnung fertiggestellt, d.h. neue Wasserleitungen, neue Ventilation und statt Badewanne eine moderne Dusche. Das letztere hatte er sich gewünscht. Es ist übrigens Mode geworden in Schweden, nicht mehr eine Badewanne zu haben, sondern lieber eine Duschkabine. Wo doch eine Badewanne so schööön ist! Bald gehören wir hier zu den wenigen, die einen solchen Luxus besitzen. :-)
*
Nein, mein lieber Mausfreund, leider kann ich noch nicht feiern. Es wird noch einige Zeit dauern, bevor ich mich pensionieren lassen werde. Dagegen geniesse ich schon jetzt das Gefühl der "grossen Freiheit", die auf mich wartet. Mein Zimmer oben ist im Moment in eine Destruktionsanlage verwandelt. Und ich finde interessante Dinge in den Papierbergen. Fühle mich fast ein wenig wie ein Goldgräber.. ;-))) Bei einem Fussballspielt lässt es sich vortrefflich damit arbeiten.
Heute ist der Himmel ganz ohne Wolken und die Sonne strahlt schon herrlich. Ich hoffe, dass es auch wieder etwas wärmer wird.
Du hast so viele mögliche und unmögliche Fragen gestellt. Ich glaube ich brauchte den Rest meines Lebens um sie beantworten zu können. So nach und nach werden die Antworten in meine Mails hineintropfen. Ich bin glücklich. Es gibt viel in meinem Leben, was schwer ist, aber wenn ich mich mit meinen Freundinnen vergleiche, so muss ich mich zu den privilegierten zählen. Verliebtsein erhöht wesentlich das Lebensgefühl. Und ich bin immer noch verliebt in dich, obwohl doch die Wissenschaft diesem Gefühl nur vier Jahre gibt. ;-) Ich habe keine andere Erklärung, warum ich als absolut schreibfaules Ding, täglich Lust habe dir mails zu senden. Du bist, glaube ich, meine grösste Glücksquelle, mein lieber ....
Du hast einen besonderen Tag heute und sicher anderes im Kopf. Ich wünsche dir viel Spass mit dem Club und das übrige wird auch glänzend laufen. Da bin ich sicher.
Mein Kaffee wartet auf mich in der Küche. So lasse ich dich für heute.
Mit lieben Gs und Ks,
Malou
Ämne: Wieder Montag..
Lieber ...,
Es ist bereits Montag morgen. Ich bin frei, aber trotzdem in Stress. Es gilt vor midsommar noch einige Papiere von Verwaltungen zu bekommen, die ich für eine Versicherung brauche. Sowas mag ich nicht. Zwar sind wir kein Oststaatsland auf diesem Gebiet, denn es geht meistens ziemlich rasch und man verlangt keine Bestechungsgelder. Doch manchmal ist es riesig schwer jemanden telephonisch zu erreichen. Die Leute sitzen dauernd in "Konferenzen", wie sie es nennen, sie trinken Kaffee oder sie sind nicht wo sie eigentlich sein sollen. Na, ich denke du kennst sowas auch, oder gibt es das nicht in einem so effektiven Land wie das eure?
*
K hat gestern Abend angerufen. Der Flug war verspätet, weil sie irgendwo zwischenlanden mussten und er war zu müde um noch am Abend hierherzufahren. Man hatte nun auch seine Wohnung fertiggestellt, d.h. neue Wasserleitungen, neue Ventilation und statt Badewanne eine moderne Dusche. Das letztere hatte er sich gewünscht. Es ist übrigens Mode geworden in Schweden, nicht mehr eine Badewanne zu haben, sondern lieber eine Duschkabine. Wo doch eine Badewanne so schööön ist! Bald gehören wir hier zu den wenigen, die einen solchen Luxus besitzen. :-)
*
Nein, mein lieber Mausfreund, leider kann ich noch nicht feiern. Es wird noch einige Zeit dauern, bevor ich mich pensionieren lassen werde. Dagegen geniesse ich schon jetzt das Gefühl der "grossen Freiheit", die auf mich wartet. Mein Zimmer oben ist im Moment in eine Destruktionsanlage verwandelt. Und ich finde interessante Dinge in den Papierbergen. Fühle mich fast ein wenig wie ein Goldgräber.. ;-))) Bei einem Fussballspielt lässt es sich vortrefflich damit arbeiten.
Heute ist der Himmel ganz ohne Wolken und die Sonne strahlt schon herrlich. Ich hoffe, dass es auch wieder etwas wärmer wird.
Du hast so viele mögliche und unmögliche Fragen gestellt. Ich glaube ich brauchte den Rest meines Lebens um sie beantworten zu können. So nach und nach werden die Antworten in meine Mails hineintropfen. Ich bin glücklich. Es gibt viel in meinem Leben, was schwer ist, aber wenn ich mich mit meinen Freundinnen vergleiche, so muss ich mich zu den privilegierten zählen. Verliebtsein erhöht wesentlich das Lebensgefühl. Und ich bin immer noch verliebt in dich, obwohl doch die Wissenschaft diesem Gefühl nur vier Jahre gibt. ;-) Ich habe keine andere Erklärung, warum ich als absolut schreibfaules Ding, täglich Lust habe dir mails zu senden. Du bist, glaube ich, meine grösste Glücksquelle, mein lieber ....
Du hast einen besonderen Tag heute und sicher anderes im Kopf. Ich wünsche dir viel Spass mit dem Club und das übrige wird auch glänzend laufen. Da bin ich sicher.
Mein Kaffee wartet auf mich in der Küche. So lasse ich dich für heute.
Mit lieben Gs und Ks,
Malou
Mittwoch, 17. August 2011
Dienstag, 16. August 2011
Glücklich?
Juni 2004
Liebe Marlena
---
Ob ich glücklich sei? Das ist eine gute Frage. Nun, ich glaube, ich habe mit den Jahren gelernt, meine Gedanken ein wenig zu steuern. Und damit kann man auch die Glücksgefühle herbeiholen oder verdecken. Ich glaube, ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben. Natürlich habe ich auch Unglück erlebt. Aber das ist kein Nachteil. Und heute habe ich mir meine kleine Ecke eingerichtet mit den Dingen, die ich mag: die Familie, Lesen und Schreiben, Zeichnen und Malen und Mailen, Schlafen und Dösen, ein paar Freunde und Freundinnen. Wenn ich in Pension gehe, werde ich wieder im Garten arbeiten und vielleicht einige Dinge im Haus flicken oder erneuern. Der Faktor, der mein Glück am meisten stört, das ist die Zeit. Sie geht einfach zu schnell. Meine Interessen sind zu weit. Die Zeit ist immer viel zu knapp. Sie rieselt mir zwischen den Fingern davon. Vielleicht liegt das an meiner grossen Begabung, zu faulenzen. Ich faulenze nicht so, dass ich nichts tue. Ich faulenze, indem ich etwas tue, aber ohne bestimmtes Ziel. Ich bin verliebt in die wirklich unwichtigen Dinge im Leben. Ich kann mich in Kleinigkeiten verlieren, bloss aus einer Laune heraus. Ach, was kann ich Dir noch erzählen über mein kleines, bürgerliches Glück. Ich hatte immer die Überzeugung, dass ich ein fantasievoller und kreativer Mensch sei. Ich kann mich in Fantasien verlieren und weite virtuelle Landschaften durchwandern. Und ich bin nicht sonderlich anspruchsvoll. Ich meine, ich habe auch eine gute Neigung für das Asketische. Ich kann einen ganzen Abend bei bloss Mineralwasser diskutieren, brauche dazu keinen Wein noch irgendwelche Snacks. Die einfachen Lösungen machen mir gerade Freude. Ich glaube, die grossen Dinge im Leben sind einfach. Die Kompliziertheiten zeigen, das etwas noch nicht genügend entwickelt ist, noch im Anfangsstadium, im Versuch steht. Auch die genialen Dinge sind im Grunde einfach. Ich bin - um es in einem Wort zu sagen - genial ;--))
Das genügt für heute. Ich meine, so was musst Du erst mal verdauen, nicht wahr? Erzähl mir über Dein Glück. Auf einer Glücksskala von 0 bis 10, wo liegst Du? Und geht es eher auf- oder eher abwärts? Welches sind die Dinge, die Dich am meisten freuen? Was fehlt Dir im Leben am meisten? Was würdest Du im nächsten Leben anders machen? Welche Person ist für Dich am wichtigsten gewesen? Möchtest Du im nächsten Leben wieder eine Frau werden? Und auf welchem Kontinent? Welches war Deine grösste Fehlentscheidung? Und was Deine glücklichste Entscheidung? Was würdest Du an Dir ändern, wenn Du könntest? Körperlich? Psychisch? Geistig?
Na ja, Du siehst, es gibt viele Fragen dazu.
Ich küsse Dich
Liebe Marlena
---
Ob ich glücklich sei? Das ist eine gute Frage. Nun, ich glaube, ich habe mit den Jahren gelernt, meine Gedanken ein wenig zu steuern. Und damit kann man auch die Glücksgefühle herbeiholen oder verdecken. Ich glaube, ich habe viel Glück gehabt in meinem Leben. Natürlich habe ich auch Unglück erlebt. Aber das ist kein Nachteil. Und heute habe ich mir meine kleine Ecke eingerichtet mit den Dingen, die ich mag: die Familie, Lesen und Schreiben, Zeichnen und Malen und Mailen, Schlafen und Dösen, ein paar Freunde und Freundinnen. Wenn ich in Pension gehe, werde ich wieder im Garten arbeiten und vielleicht einige Dinge im Haus flicken oder erneuern. Der Faktor, der mein Glück am meisten stört, das ist die Zeit. Sie geht einfach zu schnell. Meine Interessen sind zu weit. Die Zeit ist immer viel zu knapp. Sie rieselt mir zwischen den Fingern davon. Vielleicht liegt das an meiner grossen Begabung, zu faulenzen. Ich faulenze nicht so, dass ich nichts tue. Ich faulenze, indem ich etwas tue, aber ohne bestimmtes Ziel. Ich bin verliebt in die wirklich unwichtigen Dinge im Leben. Ich kann mich in Kleinigkeiten verlieren, bloss aus einer Laune heraus. Ach, was kann ich Dir noch erzählen über mein kleines, bürgerliches Glück. Ich hatte immer die Überzeugung, dass ich ein fantasievoller und kreativer Mensch sei. Ich kann mich in Fantasien verlieren und weite virtuelle Landschaften durchwandern. Und ich bin nicht sonderlich anspruchsvoll. Ich meine, ich habe auch eine gute Neigung für das Asketische. Ich kann einen ganzen Abend bei bloss Mineralwasser diskutieren, brauche dazu keinen Wein noch irgendwelche Snacks. Die einfachen Lösungen machen mir gerade Freude. Ich glaube, die grossen Dinge im Leben sind einfach. Die Kompliziertheiten zeigen, das etwas noch nicht genügend entwickelt ist, noch im Anfangsstadium, im Versuch steht. Auch die genialen Dinge sind im Grunde einfach. Ich bin - um es in einem Wort zu sagen - genial ;--))
Das genügt für heute. Ich meine, so was musst Du erst mal verdauen, nicht wahr? Erzähl mir über Dein Glück. Auf einer Glücksskala von 0 bis 10, wo liegst Du? Und geht es eher auf- oder eher abwärts? Welches sind die Dinge, die Dich am meisten freuen? Was fehlt Dir im Leben am meisten? Was würdest Du im nächsten Leben anders machen? Welche Person ist für Dich am wichtigsten gewesen? Möchtest Du im nächsten Leben wieder eine Frau werden? Und auf welchem Kontinent? Welches war Deine grösste Fehlentscheidung? Und was Deine glücklichste Entscheidung? Was würdest Du an Dir ändern, wenn Du könntest? Körperlich? Psychisch? Geistig?
Na ja, Du siehst, es gibt viele Fragen dazu.
Ich küsse Dich
Montag, 15. August 2011
Iran III (2)
...
Und bei Euch oben in Schweden, wie geht es denn. Ich habe immer noch deinen Schönen Bericht im Sinn von der Beerenernte. Ich frage mich, wie sie in Deutsch heissen. Sind es irgendwie Verwandte der Maulbeeren. Diese werden ja wohl auf Euren geographischen Breite nicht mehr gedeihen. Es ist ein Strauch bei Euch, nicht ein Baum, nicht wahr. Und sie wachsen vor allem wild?
Es scheint, dass Deine Arbeit jetzt deutlich wieder begonnen hat. Und jetzt bist du wieder in deinem alten Dreieck eingebunden, meine liebe Marlena. Da muss man sich die Zeit wieder einteilen. Ich selbst bin immer ein bisschen verloren in diesen ersten Tagen, wenn ich wieder unter dieses Arbeitsregime komme. Und irgendwie komme ich mir anfangs ganz verlassen vor. Aber mit der Zeit wird es sich geben, und dann bin ich wieder drin.
*
Ich hoffe, es geht auch blendend in Schweden. Ich habe überigens am Kaspischen Meer einen Perser getroffen, der in der Nähe Stockholms als Zahnarzt arbeitet. Wir haben ein bisschen diskutiert. Und natürlich habe ich dabei sehr an Dich gedacht. Ich erzähle Dir ein andermal davon.
Für heute küsse ich Dich wie eh und je, wie immer, und ich umarme dich sanft
...
Und bei Euch oben in Schweden, wie geht es denn. Ich habe immer noch deinen Schönen Bericht im Sinn von der Beerenernte. Ich frage mich, wie sie in Deutsch heissen. Sind es irgendwie Verwandte der Maulbeeren. Diese werden ja wohl auf Euren geographischen Breite nicht mehr gedeihen. Es ist ein Strauch bei Euch, nicht ein Baum, nicht wahr. Und sie wachsen vor allem wild?
Es scheint, dass Deine Arbeit jetzt deutlich wieder begonnen hat. Und jetzt bist du wieder in deinem alten Dreieck eingebunden, meine liebe Marlena. Da muss man sich die Zeit wieder einteilen. Ich selbst bin immer ein bisschen verloren in diesen ersten Tagen, wenn ich wieder unter dieses Arbeitsregime komme. Und irgendwie komme ich mir anfangs ganz verlassen vor. Aber mit der Zeit wird es sich geben, und dann bin ich wieder drin.
*
Ich hoffe, es geht auch blendend in Schweden. Ich habe überigens am Kaspischen Meer einen Perser getroffen, der in der Nähe Stockholms als Zahnarzt arbeitet. Wir haben ein bisschen diskutiert. Und natürlich habe ich dabei sehr an Dich gedacht. Ich erzähle Dir ein andermal davon.
Für heute küsse ich Dich wie eh und je, wie immer, und ich umarme dich sanft
...
Iran III (verlockendes Angebot)
Subject: Iran III
Date: Tue, 15 Aug
Liebe Marlena
Letztes mal habe ich, so glaube ich, die Anrede vergessen. Weißt du, ich habe teilweise zuhause geschrieben, und ich wollte nicht gleich allen zeigen, dass ich meiner Marlena schreibe. Und zum Schluss, beim hineinkopoeren ins Hotmail, habe ich es wohl vergessen. Tut mir leid, meine Liebste. Nimm es nicht tragisch. Machst Du doch nicht, oder?
Heute ist mein zweiter Arbeitstag. Und ich bin immer noch nicht richtig im Geschäft. Ich bin zwar auch heute sehr früh erwacht und schon um 530h im Büro gewesen. Aber es geht alles noch ziemlich harzig. Das ist nich so wie bei Dir. Wenn die die neuen Gesichter siehst, dann packt es dein Herz und du bist wieder Feuer und Flamme für Deinen Beruf. Ich sehe hier fast nur Papier, und das packt mir nicht das Herz.
Habe ich Dir schon erzählt, dass eine Tante von S mir einen Job in Teheran angeboten hat. Sie ist Professorin für Psychologie an der Universität Teheran und sie ist sehr bekannt im Land, weil sie oft an Radio und Fernsehen auftritt. Sie hat gesagt, von den 60 Millionen Persern würden sie mindestens 40 Millionen kennen. Aber du weißt ja, die Perser schneiden manchmal auch ein bisschen auf. Aber trotzdem hat sie mir das Angebot gemacht, zusammen eine Klinik namens Pasdaran zu führen. Pasdaran ist das bürgerliche Quartier, wo wir gewohnt haben. Sie meint, es gebe hier genug reiche Leute und es gebe auch genug Probleme. Ich habe zwar kleine Einwände gemacht, dass man ja doch schon ein bisschen die Sprache sprechen sollte als Psychologe, oder dass man die kulturellen Bedingungen bestens kennen müsste. Aber sie fand, dass sich das alles schon geben würde und dass wir sehr erfolgreich sein könnten. Gerade in Schulpsychologie hätten sie zur Zeit im Land einen grossen Bedarf. Man würde mich sicherlich auch als Berater beiziehen. Und weil sie selbst im Gremium sitzt, das Praxisbewilligungen erteilt, sieht sie überhaupt keine Probleme.
Du siehst, wie es läuft. Es ist schon verlockend, eine solche Möglichkeit zu haben. Schliesslich ist das Leben und vor allem die Arbeit machmal ein bisschen grau hier in Basel. Aber andererseits gibt es hier die Sozialversicherungen, die Krankenversicherungen und all die Dinge, die wir nun schon soviele Jahre bezahlt haben. Ich war ja nie ein allzu grosser Abenteuerer und ich bin auch nicht mehr unbedingt in einem Alter für sensationelle Abenteuer. So haben wir uns zwar sehr begeistert gezeit, aber bedauert, dass unsere Kinder zuerst ihre Studien beenden müssten. Und das braucht nocht 5 bis 7 Jahre. Und das wäre ja dann bald einmal mein Pensionsalter. Dann sehen die Perspektiven wieder anders aus. Da würde ich ein solches Engagement schon wagen, mit einer guten Pension, in Schweizerfranken ausbezahlt. Man könnte sie ja praktisch mit 10 hochrechnen. Da hätte ich Leben wie ein Krösus in Teheran, mit meiner blossen Rente aus der Schweiz. Ich könnte damit noch einen ganzen Haushalt mit Gehilfen und Dienern unterhalten. Das wäre alles kein Problem.
Na ja, Marlena, du siehst, wie man so ins Träumen kommt. S weiss auch zu erzählen, dass viele UNO-Experten, mit denen sie damals zusammengearbeitet hatte, sagten, das Teheraner Klima wäre sehr angenehm. Viele von ihnen wollten sich nicht mehr versetzen lassen.
Es gäbe auch viele andere Möglichkeiten im Iran.
---
Und bei Euch oben in Schweden,...
Date: Tue, 15 Aug
Liebe Marlena
Letztes mal habe ich, so glaube ich, die Anrede vergessen. Weißt du, ich habe teilweise zuhause geschrieben, und ich wollte nicht gleich allen zeigen, dass ich meiner Marlena schreibe. Und zum Schluss, beim hineinkopoeren ins Hotmail, habe ich es wohl vergessen. Tut mir leid, meine Liebste. Nimm es nicht tragisch. Machst Du doch nicht, oder?
Heute ist mein zweiter Arbeitstag. Und ich bin immer noch nicht richtig im Geschäft. Ich bin zwar auch heute sehr früh erwacht und schon um 530h im Büro gewesen. Aber es geht alles noch ziemlich harzig. Das ist nich so wie bei Dir. Wenn die die neuen Gesichter siehst, dann packt es dein Herz und du bist wieder Feuer und Flamme für Deinen Beruf. Ich sehe hier fast nur Papier, und das packt mir nicht das Herz.
Habe ich Dir schon erzählt, dass eine Tante von S mir einen Job in Teheran angeboten hat. Sie ist Professorin für Psychologie an der Universität Teheran und sie ist sehr bekannt im Land, weil sie oft an Radio und Fernsehen auftritt. Sie hat gesagt, von den 60 Millionen Persern würden sie mindestens 40 Millionen kennen. Aber du weißt ja, die Perser schneiden manchmal auch ein bisschen auf. Aber trotzdem hat sie mir das Angebot gemacht, zusammen eine Klinik namens Pasdaran zu führen. Pasdaran ist das bürgerliche Quartier, wo wir gewohnt haben. Sie meint, es gebe hier genug reiche Leute und es gebe auch genug Probleme. Ich habe zwar kleine Einwände gemacht, dass man ja doch schon ein bisschen die Sprache sprechen sollte als Psychologe, oder dass man die kulturellen Bedingungen bestens kennen müsste. Aber sie fand, dass sich das alles schon geben würde und dass wir sehr erfolgreich sein könnten. Gerade in Schulpsychologie hätten sie zur Zeit im Land einen grossen Bedarf. Man würde mich sicherlich auch als Berater beiziehen. Und weil sie selbst im Gremium sitzt, das Praxisbewilligungen erteilt, sieht sie überhaupt keine Probleme.
Du siehst, wie es läuft. Es ist schon verlockend, eine solche Möglichkeit zu haben. Schliesslich ist das Leben und vor allem die Arbeit machmal ein bisschen grau hier in Basel. Aber andererseits gibt es hier die Sozialversicherungen, die Krankenversicherungen und all die Dinge, die wir nun schon soviele Jahre bezahlt haben. Ich war ja nie ein allzu grosser Abenteuerer und ich bin auch nicht mehr unbedingt in einem Alter für sensationelle Abenteuer. So haben wir uns zwar sehr begeistert gezeit, aber bedauert, dass unsere Kinder zuerst ihre Studien beenden müssten. Und das braucht nocht 5 bis 7 Jahre. Und das wäre ja dann bald einmal mein Pensionsalter. Dann sehen die Perspektiven wieder anders aus. Da würde ich ein solches Engagement schon wagen, mit einer guten Pension, in Schweizerfranken ausbezahlt. Man könnte sie ja praktisch mit 10 hochrechnen. Da hätte ich Leben wie ein Krösus in Teheran, mit meiner blossen Rente aus der Schweiz. Ich könnte damit noch einen ganzen Haushalt mit Gehilfen und Dienern unterhalten. Das wäre alles kein Problem.
Na ja, Marlena, du siehst, wie man so ins Träumen kommt. S weiss auch zu erzählen, dass viele UNO-Experten, mit denen sie damals zusammengearbeitet hatte, sagten, das Teheraner Klima wäre sehr angenehm. Viele von ihnen wollten sich nicht mehr versetzen lassen.
Es gäbe auch viele andere Möglichkeiten im Iran.
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Und bei Euch oben in Schweden,...
Sonntag, 14. August 2011
Nichts von dir ist trivial
Ämne: Nichts von dir ist trivial
Datum: den 22 augusti
Lieber ...,
So ist es mir auch schon gegangen. Ich habe einen Brief geschrieben (oben in Norrland) und als ich ihn abschicken wollte kam ich nicht in den Hotmail. Aber weißt du, chéri, du hättest mir den Gutenachtkuss in den Swisstalk legen können. ...
Ja, ich schreibe dir gern auch auf französisch. Ich habe übrigens, in der Zeit die ich mit dir schreibe, herausgefunden, dass ich eine ganz verschiedene Einstellung zu den Sprachen habe. So möchte ich z.B. wenn ich genau sein will und wirklich exakt ausdrücken will, wie und was ich meine, dies auf deutsch sagen. Wenn ich französisch schreibe, habe ich manchmal den Eindruck dass es mehr die Schönheit der Worte als die Wirklichkeit dahinter vermitteln könnte. D.h. ich könnte ohne weiteres eine schöne Formulierung wählen - nur weil sie mir eben gut gefällt - und ignorieren, dass sie nur so ungefähr das sagt, was ich eigentlich meine. (Sorry, ich bin umständlich heute ;-)
*
Ach was bist du für ein lieber Vater. Wie würde die Menschheit aussehen wenn alle es so gut hätten wie deine Töchter. Aber diese Beschreibung von dir selbst als "einen sehr wechselhaften, abwechslungsfreudigen, wenn nicht gar wankelmütigen bis flatterhaften Typen" macht mich ein wenig ängstlich. So hatte ich mir dich kaum vorgestellt.
Ich selbst bin ja auf eine Art erzogen worden gegen die ich immer noch ein wenig revoltiere. Alle diese Regel, Vorschriften und Verbote. Alle diese "muss", machen dass ich nunmehr nichts mehr "müssen" will. Ich sträube mich dagegen. Und ich versuche Anna einzuprägen dass es kein "muss" gibt. Vielleicht sollte ich bei dir in Therapie gehen ;-)
Und wenn ich dir so was schwulstiges "ich-bezogenes" geschrieben habe dann kommt mir am Ende immer die Lust zu sagen "und es könnte wiederum ganz anders sein" einen Ausdruck den ich mal in einem Mail von dir gesehen habe und mir sehr gefallen hat. Er passt sicher sehr gut zu einem Krebs, der ja wenn er einen Schritt vorwärts gegangen ist plötzlich wieder zurückgeht.. das was man im französischen "lunatique" nennt. So steht es jedenfalls in den Horoskopen der Krebse. Aber es muss nicht alles stimmen. Man sagt doch ich sei sehr häuslich und doch kenne ich kaum einen anderen Menschen der so gern wie ich alles verlassen würde, um nur immer weiter in die Welt hinaus zu fahren.. immer unterwegs sein zu neuen Zielen. Auch schlafe ich am besten in fremden Betten (allein natürlich ;-).
Ach, Schatz, das wird aber heute ein komisches Mail. Vielleicht sagt es Dinge über mich die du noch nicht wusstest und vielleicht zerstöre ich dein liebes Bild von Marlena.
Ich habe übrigens gemerkt dass du fast ein wenig allergisch bist gegen "Schatz". Aber sag, ist es nicht noch schlimmer mit dem Wort "meine Liebe". Ich weiss nie, wie du es meinst denn es bedeutet entweder "ma chère" oder "mon amour". Dagegen ist doch Schatz nur eindeutig, oder? Ich hab es übrigens nie früher verwendet. Hab es von jemanden im ST gelernt.:-)
Und "azzi zam", wie klingt das in deinen Ohren? Ich hatte Angst du würdest den ST im Iran öffnen und denken es macht nichts weil ja die Person neben dir kein Deutsch kann und das erste Wort was er sehen würde wäre dieses "azzi zam" und er würde staunen darüber dass dich jemand Liebling nennt.
Ich schicke dies nun ab denn ich möchte dass du es vor Büroschluss bekommst.
Schlaf gut heute Nacht, mein Liebling. Und bevor du einschläfst komme ich schnell vorbei und gebe dir einen schönen Gutenachtkuss.
In maladi
Deine Marlena
Datum: den 22 augusti
Lieber ...,
So ist es mir auch schon gegangen. Ich habe einen Brief geschrieben (oben in Norrland) und als ich ihn abschicken wollte kam ich nicht in den Hotmail. Aber weißt du, chéri, du hättest mir den Gutenachtkuss in den Swisstalk legen können. ...
Ja, ich schreibe dir gern auch auf französisch. Ich habe übrigens, in der Zeit die ich mit dir schreibe, herausgefunden, dass ich eine ganz verschiedene Einstellung zu den Sprachen habe. So möchte ich z.B. wenn ich genau sein will und wirklich exakt ausdrücken will, wie und was ich meine, dies auf deutsch sagen. Wenn ich französisch schreibe, habe ich manchmal den Eindruck dass es mehr die Schönheit der Worte als die Wirklichkeit dahinter vermitteln könnte. D.h. ich könnte ohne weiteres eine schöne Formulierung wählen - nur weil sie mir eben gut gefällt - und ignorieren, dass sie nur so ungefähr das sagt, was ich eigentlich meine. (Sorry, ich bin umständlich heute ;-)
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Ach was bist du für ein lieber Vater. Wie würde die Menschheit aussehen wenn alle es so gut hätten wie deine Töchter. Aber diese Beschreibung von dir selbst als "einen sehr wechselhaften, abwechslungsfreudigen, wenn nicht gar wankelmütigen bis flatterhaften Typen" macht mich ein wenig ängstlich. So hatte ich mir dich kaum vorgestellt.
Ich selbst bin ja auf eine Art erzogen worden gegen die ich immer noch ein wenig revoltiere. Alle diese Regel, Vorschriften und Verbote. Alle diese "muss", machen dass ich nunmehr nichts mehr "müssen" will. Ich sträube mich dagegen. Und ich versuche Anna einzuprägen dass es kein "muss" gibt. Vielleicht sollte ich bei dir in Therapie gehen ;-)
Und wenn ich dir so was schwulstiges "ich-bezogenes" geschrieben habe dann kommt mir am Ende immer die Lust zu sagen "und es könnte wiederum ganz anders sein" einen Ausdruck den ich mal in einem Mail von dir gesehen habe und mir sehr gefallen hat. Er passt sicher sehr gut zu einem Krebs, der ja wenn er einen Schritt vorwärts gegangen ist plötzlich wieder zurückgeht.. das was man im französischen "lunatique" nennt. So steht es jedenfalls in den Horoskopen der Krebse. Aber es muss nicht alles stimmen. Man sagt doch ich sei sehr häuslich und doch kenne ich kaum einen anderen Menschen der so gern wie ich alles verlassen würde, um nur immer weiter in die Welt hinaus zu fahren.. immer unterwegs sein zu neuen Zielen. Auch schlafe ich am besten in fremden Betten (allein natürlich ;-).
Ach, Schatz, das wird aber heute ein komisches Mail. Vielleicht sagt es Dinge über mich die du noch nicht wusstest und vielleicht zerstöre ich dein liebes Bild von Marlena.
Ich habe übrigens gemerkt dass du fast ein wenig allergisch bist gegen "Schatz". Aber sag, ist es nicht noch schlimmer mit dem Wort "meine Liebe". Ich weiss nie, wie du es meinst denn es bedeutet entweder "ma chère" oder "mon amour". Dagegen ist doch Schatz nur eindeutig, oder? Ich hab es übrigens nie früher verwendet. Hab es von jemanden im ST gelernt.:-)
Und "azzi zam", wie klingt das in deinen Ohren? Ich hatte Angst du würdest den ST im Iran öffnen und denken es macht nichts weil ja die Person neben dir kein Deutsch kann und das erste Wort was er sehen würde wäre dieses "azzi zam" und er würde staunen darüber dass dich jemand Liebling nennt.
Ich schicke dies nun ab denn ich möchte dass du es vor Büroschluss bekommst.
Schlaf gut heute Nacht, mein Liebling. Und bevor du einschläfst komme ich schnell vorbei und gebe dir einen schönen Gutenachtkuss.
In maladi
Deine Marlena
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