Dienstag, 30. August 2011

ein knapp goldenes Jubiläum

den 26 september 2003 08:01
Re:

Liebe Marlena
Nein, ich bin nicht nachsichtig mit Deiner Sprache. Sie ist einfach gut. Und auch, dass sie nicht bildhaft sei, stimmt keineswegs. Manchmal übersetzt Du schwedische Redensweisen. Auf jeden Fall finde ich ab und zu ganz blumige Ausdrücke, die ich gerne ins Deutsche übernehme. Beispielsweise die Rede von einem "dünnen Süpplein" habe ich längst adoptiert.
*
Und es freut mich, dass du jetzt auch Deine Salamiwurst hast. Das ist wirklich die Krönung der Zivilisation ;--) Nein, Spass beiseite, manchmal ist ein Stück Wurst nicht schlecht, obwohl S. findet, das sei mehr oder weniger die Dekadenz der Nahrung, wenn man sich überlegt, was alled in einer solchen Wurst "verwurstet" ist. Und das ist wahr, es ist bestimmt mehr drin, als wir alle glauben können. Ich persönlich mag am liebsten die Bratwürste. Sie sind hell und sind gewürzt mit Kräutern. Die schmecken gut und wenn man sie gebraten hat, denkt man, die Dinge, die drin sind, sind mindestens etwas gebacken worden. Aber dazu braucht es natürlich auch Senf. Deutschen Senf finde ich sehr gut.
*
Deine Wienreise scheint wirklich weit weg. Findest Du nicht, dass Du lange vorher anfangen musst zu planen, ich meine, über die Pläne reden, mit Wiener Freunden, mit Deinen Leuten und so fort? Nur so wird das Projekt langsam Formen annehmen. Aber ach, das ist nicht meine Sache, das zu sagen.
Aber in Sorrento war nie ein Treffen in Aussicht. Ich meine, ich habe mich nie in Gedanken damit beschäftigt, nach Sorrent zu fahren. Ich wusste nicht, wo das ist. Aber ich habe immer noch Deine Karte von dort. Sie ist so schön klassisch, wie man sie nicht mehr so oft findet. Aber weitere Bilder hast Du mir nie geschickt, weder von Sorrento, noch von Capri, noch in Axel Munthes Haus auf Anacapri. Offenbar hast Du mich ziemlich aussen vor gelassen. Nun, ich war ja mit der Postkarte glücklich. Es scheint in der Tat eine wundervolle Gegend zu sein.
*
Und im Januar unser Jubiläum? Wie sollen wir das feiern? Das ist schon bald ein goldenes, nicht wahr? In den schnelllebigen Mail-Verhältnissen sind 4 Jahre eine halbe Ewigkeit. Und man kann sich kaum vorstellen, wie sehr wir in dieser Zeit gealtert haben. Bestimmt sind wir in dieser Zeit sehr weise geworden. Vielleicht haben wir vor allem an unseren Kindern bemerkt, wie wir 4 Jahre hinter uns gebracht haben. Damals waren sie noch im Gymnasium, brav zuhause, und wir standen vor der Frage, wie lange sie abends in den Ausgang gehen dürften. Und heute sind sie mehr unterwegs als zuhause. An den Kindern bemerkt man den Lauf der Zeit am besten. Und sie selber, die Kinder, merken wohl kaum, wie schnell diese Zeit vergeht. Die Erwachsenen mit ihrem unspektakulären Alltagsleben erscheinen ihnnen ja immer gleich und alltäglich, monoton sozusagen. Bestimmt haben sie den Eindruck, die Welt bleibe ewig ungefähr so, wie sie ist. Mindestens war mein Eindruck damals so. Es gab nur ganz wenige Momente, in denen ich den Eindruck hatte, die Welt würde einen Sprung vorwärts machen. Wirklich nur ganz selten. Für mich war die Welt eine langsame alte Dame, die sich nur mit Mühe und keuchend vorwärts bewegt. Günter Grass würde sagen, sie sei eine Schnecke.
Wir müssen eine Idee suchen, wie wir das feiern können. Im tiefen Januar! Weshalb weisst Du das eigentlich so genau. Hast Du die ersten Mails immer noch gespeichert? Ich habe sie nur noch in vager Erinnerung. Bestimmt sehr vage. Aber wir hatten mal darüber gesprochen, deshalb sind sie vielleicht noch ein bisschen lebendiger im Gedächtnis. Ich weiss nur noch, dass ich von Deinem Namen Marlena irgendwie fasziniert war. Er war nicht völlig fremd, aber doch ein bisschen. Das versprach einen Aufbruch in fremde Horizonte. Dann war es wohl auch das Schwedische. Wir haben hier eine sehr positive Vorstellung von Schweden. Schweden ist für uns Schweizer wie die ältere Schwester. Und natürlich haben wir Männer noch aus der Jugend eine blühende Vorstellung von den Schwedinnen mit ihren langen Beinen und den unverschämt blonden Haaren. Sie müssen etwas Betörendes haben, wie die Syrenen bei Odysseus. Schweden, das ist irgendwie das Vorzimmer zum Paradies. Und schliesslich hast Du noch dieses Foto geschickt, das mich vollends eingenommen und angebunden hat. So, siehst Du, habe ich angedockt. Und als ich dann realisierte, dass ich es hier mit einer waschechten Studienrätin zu tun habe, habe ich auch gehofft, dass es irgendwie hinhalten könne. Nachhaltigkeit, heisst das in der Sprache der Grünen. Na ja, mit einer Sutdienrätin wird man doch bestimmt ein paar Themen finden, worüber man sprechen kann. Ecco, und so war es.

*
Vielleicht hast Du eine Idee, ein knapp goldenes Jubiläum zu feiern?
*
Heute ist wieder Mal Freitag und knapp vor Weekend. Ich habe noch nicht gepackt. Und am Samstag werden wir schon im späteren Vormittag abfahren. A's Freund bringt uns nach Zürich, von wo wir fliegen. Ich bin gespannt, wie es dort in der Türkei sein wird. Hoffentlich ist nicht alles zu kommerziell. Das mag ich nicht so besonders. Es sollte noch einen lokalen Charakter haben.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
G&K
...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen