Sonntag, 23. Januar 2022

Wir sind die Seinen

 


Der Tod ist gross.
Wir sind die Seinen
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
 
 
(Rilke
 
 
 
 
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Donnerstag, 20. Januar 2022

QUANTUM SATIS ??????

 


Ronda


Liebe Malou
Ich komme gerade aus meiner Wohnung. Bin daran, das grosse Büchergestell an die Wand zu schrauben. Das ist etwas mühsam, wenn man keinen Handlanger hat. Aber wird schon gehen. Anfangs muss ich etwas langsam vorgehen, damit ich nicht zuviele falsche Löcher bore. Später wird es dann schon rascher von der Hand gehen.

Ich habe dieses Büchergestell von meinen Eltern geerbt. Mein Vater ist gerade dran, alle Bücher abzustossen. Er war nie ein grosser Leser. In seinem Büchergestell standen immer bloss der grosse Brockhaus und Churchills zweiter Weltkrieg. Ich habe ihm mal ein Buch von Hemingway
geschenkt. Ich glaube, das hat er schliesslich auch gelesen. War autobiographisch. Und der abenteuerlich Machismo eines Hemingway hat Männern seiner Generation offenbar gefallen. Mir ja auch noch ein bisschen. Haben wir uns schon gekannt, als ich sein "Tod am Nachmittag" nochmals gelesen habe? Wir waren damals in Andalusien in den Ferien und ich hatte die dezidierte Meinung, ich müsste mich doch eingehend mit dem spanischen Stierkampf auseinandersetzen. Und das habe ich ja auch, irgendwie. Aber so richtig 1:1 habe ich mich nicht an einen Stier gewagt. Ich habe sie bloss von weitem auf der Weide beobachtet. Und einmal, in einem feinen Hotel in Cordoba habe ich mir einen Stierschwanz zum Essen bestellt. Das habe ich dir bestimmt erzählt. Ich war sehr erstaunt, als sie mir dieses riesige Ding auf dem Teller aufgetragen haben. Es war ein ziemlicher Apparat. Hat aber prima geschmeckt irgendwie an einer dunkeln Sauce. Soweit zu den Büchern.

Ich muss weiter meine Liebe. Wünsche dir noch einen schönen Tag.
Allerliebste Gs und Ks und Qs (jetzt wissen wir, was Q meint: quantum satis natürlich)








Donnerstag, 13. Januar 2022

Wie findest du meinen Bosch?

 

Ist er nicht hübsch? 


Wenn man seine Bilder anschaut, wird man in eine göttliche Position versetzt. Die Welt sieht aus wie ein grosses Spielzeug, wie eine Puppenstube mit diesen vielen kleinen Krabbelmenschen, die sich in ihrer Existenz abmühen. Das ist es ja doch, was man Transzendenz nennt. Diese Sicht hat mich immer wieder fasziniert und irgendwie habe ich die Überzeugung, dass dies ein sehr aktueller Blickpunkt wäre. Ich glaube, solche Bilder wären heute eine grosse Attraktion. Wir haben diese Sicht sozusagen aus den Satelliten wieder entdeckt.
Und das Gute daran ist doch wohl auch hier eine Art Spiegelbild. Wir versetzen uns als Menschen in einen Punkt „ausserhalb unserer Welt“, um uns selbst mit unseren Unvollkommenheiten aus Distanz zu betrachten. Das ist es, was uns auch als Individuen gut tut. Es tut uns sehr gut, obwohl man diesen Kunstgriff in der Psychologie der letzten 50 Jahre total übersehen und vergessen hat. Mindestens in der praktischen Psychologie.

...



Sonntag, 9. Januar 2022

Ist es so ???

Ämne: Drogen u.a.

Lieber ...,
Liebe ist Gefühle und Wissenschaft ist Vernunft, und nie treffen sich die beiden. Oder?
Falsch.
Die Tatsache ist, dass das Wissen über das Gefühlsleben des Menschen, inkl. der Liebe, in den letzten Jahren dramatisch zugenommen hat. Der Grund sind vor allem die enormen Fortschritte in der Gehirnforschung, die dazu geführt haben, dass ein Gefühl heutzutage neben der Psychologie auch medizinisch und biologisch erklärt werden kann.

So beginnt der Artikel von dem ich dir berichtet habe. Man hat ihn geschrieben anlässlich eines internationalen Wissenschaftsfestivals, der am Sonntag in Göteborg abgeschlossen wurde und der als übergreifendes Thema gerade die Liebe hatte. Professoren in Molekylärbiologi, Psychologen, Antropologen, Zoologen, Nahrungsexperten und Sexologen, alle sprachen sie über dieses Thema. Und am weitesten ist diese Forschung gekommen was die "flüchtige Natur der passionierten Liebe" betrifft.

Als Experte auf dem Gebiet (von R.S. dazu ernannt) muss ich doch etwas protestieren gegen die Zeitramen, die man dafür aufstellt. ;-)) Ich kenne Leute, die diese Grenze weit überschritten haben. Oder ist es so, dass die Leidenschaft ewig anhält wenn das Objekt nicht zu haben ist?

Jadoch, ich würde dir gern eine gute Dosis von Fenyletylamin senden. Schickst du mir ja auch in fast allen deinen Mails. ;-) Und wenn ich nun in einem halben Jahr wirklich dagegen immun werden sollte, wie es die neue Wissenschaft behauptet, so werde ich mich in Zukunft mit Oxytocin begnügen. Das scheint mir eine etwas erträglichere Droge zu sein. Gewohnheitsbildend, oder habit-forming, wie sie es nennen. Und beruhigend.

*
Der Vortrag heute Vormittag war ganz gut. Es war der Rektor von KTH (königliche technische Hochschule) in Stockholm, Physikprofessor, der über das Bildungswesen sprach. Über die Zukunft, die Globalisierung u.a. Er war ein guter Redner und ein Mann mit viel Pondus, der öfters den Machthabern behilflich ist. Das hat er so ein bisschen vorsichtig erwähnt, ohne dass es eigentlich gestört hat. Früher war er auch Rektor in Linköping. Die Zeit verging ziemlich schnell. Am Nachmittag waren wir dann in Gruppen versammelt und haben über unsere Arbeit diskutiert. Wir haben viel geredet und nichts gescheites gesagt. P, der Lateinlehrer, hat das Protokoll geschrieben. Er kann sowas vortrefflich. Und er hat ein paar Papiere mit schönen Worten gefüllt. Jemanden werden sie sicher dupieren.
*
Übrigens enthält Schokolade Fenyletylamin. Wenn du 15 Kilo davon isst, wirst du schwer verliebt sein. *s*    Ein Mail von dir und ein wenig Kakao tut es auch :-)

Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag.
Marlena 

 

 

 

Samstag, 8. Januar 2022

Ach, nein ...

Chat:

Liebe Malou, ich hatte keine Zeit mehr zu antworten, ich musste den Zug erreichen. Das habe ich noch mit Mühe und Not geschafft.

Lieber ...,
Ich hatte auch keine Antwort erwartet. Weisst du, wenn ich dieses grüne Ding am Rand hier sehe, das mir sagt dass du gerade am PC bist, so ist es als würde ich dir auf der Straße begegnen. Und warum sollte ich dann in eine andere Richtung schauen anstatt dich zu begrüssen? So einfach ist das.
Klar ich vermisse deine Mails sehr. Sie gaben mir Inspiration zum schreiben. Wo soll ich mir diese jetzt holen?
Heute Morgen schaute zum ersten Mal seit ewig die Sonne hervor. Und wir haben gleich einen langen Spaziergang über die noch schneebedeckten Felder gemacht, das erste mal seit Wochen. Es war herrlich. Man braucht die Bewegung und die frische Luft und vor allem das Licht glaube ich.

...

Weisst du, mit dir im Chat fühle ich mich manchmal wie auf einer Berg- und Talbahn. In Mails hat man eine bessere Kontrolle über das, was man dem anderen zukommen lassen will. Im Chat habe ich manchmal den Eindruck du liegst wirklich auf der Couch und bist vielleicht selbst erstaunt über das, was du dich sagen hörst.

Ich dachte du hast nun schon einen festen Entschluss gefasst, wie du dein neues Leben gestalten möchtest... und dann plötzlich scheinst du einzusehen, was du alles hattest und nun zu verlieren drohst. Ich weiss wovon du sprichst, denn auch ich habe für und gegen gewogen. (schlechtes Deutsch, ich weiss... sorry!) Und ich weiss wie angenehm es ist nichts mehr im Leben beweisen zu müssen. Außerdem liebe ich meine Freiheit. ...  Ach, es ist schwer dir das zu erklären. Vielleicht ginge es leichter, wenn ich dich vor mir hätte.

Ich grüsse dich lieb wie immer
mit Gs und Ks und Qs
deine Mausfreundin
Malou
...
 
 
 
(R)


Regel für ein Mausleben

...
Und für unsere Maus-Freundschaft habe ich schon 3 §§§ zu offerieren:

§1 ...dass unser Kontakt uns beide von innen erleuchtet, so dass wir für unsere Lieben der Familie und unsere Leute der Umgebung eine geheinmisvolle Serenität ausstrahlen können.

§2 Es darf nie etwas Negatives für unsere Nahstehenden bedeuten.


§3 En cas de guerre 
sonnez deux fois.


Ist doch fantastisch, ein echter bilateraler Vertrag! Wir können mit einem Glas Champagner darauf anstossen!

§3 kommt überigens aus einer Anekdote, die man sich vom provinziellen Bern, der Bundeshauptstadt der Schweiz vor dem ersten oder aber auch dem zweiten Krieg erzählt. Offenbar hatte man im Aussenministerium im kleinen Bern nur eine Hausglocke. Und weil die Zeiten schwierig und die internationalen Spannungen gross waren, so hatte man unter die Drucktaste der Glocke eben diese Anweisung hingeschrieben: En cas de guerre sonnez deux fois. Damit wussten sie im Aussenministerium, dass sie etwas rascher erwachen sollten. So ungefähr die Andekdote. Und so schlage ich als §3 vor: wenn zwischen uns ein Missverständnis, ein Problem, ein Streit entsteht, dann müssen wir uns das gegenseitig signalisieren. Dann müssen wir vielleicht für einen Moment und etwas deutlicher auf die Metaebene. Und zum Schluss dann die Friedenspfeife, wie du vorschlägst, können wir geradezu als §4 nehmen. Bist du damit einverstanden? Verstehtst du, was ich damit meine? Das ist alles Prophylaxe, wie man so schön sagt.
 
 
 

Sonntag, 2. Januar 2022

Maladi

 

Lieber ...
Ich suche vergebens nach einem schönen Wort das "LIEBE" ersetzen könnte. Warum nicht "maladi"? Niemand würde je verstehen um was es geht und ausserdem ist es inhaltlich verwandt mit "maladie" Es ist eine Zusammenschmelzung von unseren Namen. ... Maladi ist ein schönes Wort, klingt wie Musik und passt gut zu unseren Gefühlen.
Sollen wir unsere LIEBE mit einem Glas Champagner taufen? Oder hast du Einwendungen gegen diesen Namen, Chéri?"





Liebe Marlena
Maladi finde ich absolut super. Wir sollten dieses schöne Wort wirklich begiessen bis es pudelnass ist, wie bei einer grossen Schiffstaufe. Man muss gar nicht viel erklären zu diesem Wort. Wir zwei wissen alles, was drin steckt. Es ist grandios, ich gratuliere der Patin, die den Namen gefunden hat. Er wird uns wie Honig auf der Zunge liegen. Maladi wird wie ein Turm vor unseren Augen aufragen. Und sie wird sich als fröhliche Melodie durch unsere Jahre ziehen. Ich finde, wir sind wirklich ein fantastisches Team, Marlena, und eine solche Maladi, wie wir sie hier pflegen und geniessen, wird es auf dieser Welt keine zweite geben. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und dazu hat Maladi eine Affinität zum Französischen, das ist auch sehr gut getroffen. Und die Silben machen, wie du zeigst, einen Sinn. Ach, es ist praktisch ein Zauberwort. Und dass auch ein Hauch von maladie drin ist, eine kleine melancholische Note, finde ich besonders reizend, bricht die Farbe um eine Nuance. Ich kann uns nur zu diesem Kunstwerk beglückwünschen. Und wenn ich irgendwann und irgendwo auf dieser Welt ... ein Weinglas in der Hand haben werde, so werde ich mit dir anstossen. Du wirst es hören am schönen hellen Klang der Gläser. Ich bin sicher, du wirst es hören. Und natürlich werde ich auch meinerseits genau in die Lüfte horchen, ob ich irgendwann einen solchen kleinen Kristallkuss höre. Und ich werde dir später die Uhrzeit sagen.