Dienstag, 27. Februar 2018

Gedanken .. am frühen Morgen


"Wenn ich so zurückdenke ..."

Liebe Malou
Weisst du, wie merkwürdig es ist, wenn man früh morgens um sieben durch die dunkeln windigen Strassen geht und
von allen Seiten durch irgendwelche Feuchtigkeiten eingeweicht wird? Puh, es ist ein unangenehmes Gefühl.
Aber in der Eisenbahn ist es dann schon ein bisschen angenehmer. Man kann noch 10 Minuten einnicken bis L.
Aber eigentlich sollte man doch erst um 8 Uhr zur Arbeit gehen. Vor 7 Uhr sind es die Arbeiter, hat man früher
gesagt. Und um 7 Uhr hat - auf die Sekunde genau - in Visp das Horn der Lonza geheult. Sekundengenau um 7, um 12, um 13 und um 17 Uhr. Das gehörte einfach zum Dorf. Und man brauchte den Kindern auch keine Uhr mitzugeben.
Sie haben selbst bemerkt, wann sie abends um 17 zuhause sein sollten. Und dann, um 17.10h ungefähr, kamen die Personalbusse. Sie kamen alle ziemlich laut und einer
hinter dem andern durch die Eisenbahnunterführung
herauf, fuhren geradeaus bis zur Hauptstrasse, die Kantonsstrasse heisst, und bogen dann nach rechts
Richtung Raron Gampel Steg. Das spielte sich täglich ab
und gehörte sozusagen zum Dorfbild. Wenn der Alarm zwischendurch mal ging, dann konnte man sicher sein,
dass im Werk irgendwas Ungewöhnliches passiert war,
eine Explosion, ein Brand. Das kam gelegentlich vor.
Und ich stellte mir vor, dass all die Chemikerfrauen im
Dorf, deren Männer dort drüben in den Labors arbeiteten, den Atem anhalten würden, bis sie wussten, was wirklich passiert war. Manchmal gab es Unfälle, meist mit
Verbrennungen oder Vergiftungen.

Aber ich selbst fühlte mich dieser Fabrik und ihrem Alltag nicht sehr verbunden, denn mein Vater arbeitete nicht dort, sondern mitten im Dorf, in einem alten schweren Steinhaus, das früher mal vielleicht ein Hotel gewesen sein mochte. Die Walliser Kraftwerke waren eine eigene Einheit der Lonza und hatten kaum etwas mit der Chemie zu tun. Ein- oder zweimal im Jahr hatte mein Vater eine Sitzung in Basel, wo der Hauptsitz der Lonza ist. Er war dann jeweils ein bisschen gespannt, musste früher aufstehen, um in Brig den Morgenzug zu erwischen. Und abends kam er heim und brachte den Nebelspalter mit, den er auf der Fahrt gelesen hatte. Das war das Vergnügen von uns
Kindern. Der Nebelspalter war eine Zeitschrift voller Cartoons und Scherze, damals noch von sehr guter
Qualität. Man konnte diese Zeitschrift in den Warte- 
zimmern der Zahnärzte finden. Dort aber machte sie
weniger Spass, weil man ja doch den Schmerz und die Unannehmlichkeiten der Behandlung vor sich hatte.

Ja, immer, wenn ich so zurückdenke, kommen auch
diese Lebensgefühle auf, die ich damals hatte. Ich
war wirklich zufrieden und fühlte mich zuhause. In
Visp oder Brig kannte ich viele junge Leute, viele nicht
näher, eher so vom Sehen her. Jede Person, die man
sah oder traf, konnte man orten. Man wusste, aus
welcher Familie sie kam, wo sie wohnte und wie die
privaten Umstände waren. Alles war irgendwie
übersichtlich. Die Schule lief gut. Die Lehrer wussten,
was sie von mir erwarten konnten. Und wenn die
Leistung mal kriselte, drückten sie ein Auge zu. Der
Alltag ging regelmässig voran. Ab und zu hatten wir
Jungen ein Fest, eine Einladung, ein Musikfest
vielleicht, was etwas Aufregung in die katholische Kontemplation brachte. Das Oberwallis - man sieht das, wenn man von den Bergen herunterschaut - ist wie ein
grosses Zimmer, geschützt und abgeschlossen gegenüber dem Rest der Welt. Und in jenem Alter, so gegen das
Abitur hin, fühlten wir Jungen uns alle auch sehr gescheit und hatten den Eindruck, wir hätten den Durchblick wo immer er nötig sein sollte. Die Schule schürte dieses
Gefühl, sprach von uns als von der kommenden geistigen Elite. Ja, es war alles ziemlich kleinkariert und heimelig.

Lustig, da kommt mir ein merkwürdiges Ereignis in den Sinn. Ich war frisch am Kollegium, vielleicht 14 Tage oder
so. Ich fühlte mich dort noch sehr fremd in diesen alten Gebäuden mit den Lehrern in Soutanen.
Da gab es an einem Mittwochnachmittag für die ganze
Schule eine Kinovorstellung im Stadtkino Brig. Es waren
eine Unmenge Schüler, grosse und kleine, die dort vor
dem Eingang warteten. Und die paar wenigen Lehrer
hatten Mühe, die Übersicht zu behalten und ihre
Schäflein zu dirigieren. Jedenfalls sassen wir schliesslich
in diesem alten, etwas unterkühlten Kino und starrten auf eine flimmerne Riesenleinwand. Der Film hiess 'Moses',
oder 'die 10 Gebote' oder so ähnlich. Ich verstand das alles kaum. Wie konnte man an einem gewöhnlichen Wochentag einfach so in ein dunkles, leicht vergammeltes Kino sitzen? Ich konnte mich auch nicht wirklich auf den Film konzentrieren, denn rundum war soviel Unruhe und Getue. Und alles war ein bisschen ärmlich und schmutzig und improvisiert. Ja, ich hatte wirklich den Eindruck, ich wäre in dieser Schule in einen falschen Film geraten.

Ich glaube nicht, dass meine Töchter je solche oder
ähnliche Gefühle in der Mittelschule hatten. Hier in
L. gab es ein modernes helles Schulgebäude. Und die
Lehrer, Männer und ebensoviele Frauen, sind moderne aufgeschlossene Leute ungefähr von dieser Welt.

Ja, lustig, diese Erinnerungen. Man könnte darüber Filme drehen. Und sie würden pittoresk und romantisch wirken ungefähr so wie alte italienische Heimatfilme.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende. Hast du eine Einladung? Lässt du dich einladen? Du musst doch auch
ein bisschen tun, was deine Seele braucht. Das wünsche
ich dir wenigstens.
Liebe Gs und Ks

Das ist Sehnsucht ...


Lieber ...,

"Und das ist Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt."



Ich hoffe dieses schöne Gedicht berührt dich eben so stark wie mich.
Was wäre die deutsche Poesi ohne unseren Rilke?

Ich grüsse dich lieb und schreibe dir bald mehr.

Malou



Sonntag, 25. Februar 2018

Danke ..




21/2  

Lieber ...,

Danke für dein Mail, oder lass mich sagen Tagebuchblatt.
Die Schneeglöckchen blühen schon seit langer Zeit hier im
Garten. Also seid ihr wohl nicht viel Weiter gekommen mit
dem Frühling als hier. Wenn wir unsere Runde machen über
die Felder, hören wir auch schon überall den Gesang von
kleinen Vöglein..
Nein, Aufräumen ist nicht mein neues Hobby geworden.
Das ist ein Missverständnis.
Ich schicke dir diesen kleinen Gruss in deine Isolierung
hinein.
Mit lieben Gs und Ks
Malou



Präzisierung

Liebe Malou
Klar, bei uns stehen die Schneeglöcklein auch schon lange
herum. Aber soweit ich gesehen habe, waren sie noch
geschlossen. Jetzt öffnen sie sich.
Ich möchte mit dieser Aussage bloss verhindern, dass ihr im
hohen Norden früher Frühling habt als wir hier in Mitteleuropa.
Wir mögen es nicht, als "Frühlings-Verlierer" dazustehen ;-)

Ach, wir haben hier auf der Stelle wirklich ein Durcheinander.
Ich muss mir ein Sandwich beschaffen und dann weiterarbeiten.
Einen schönen Tag wünsche ich dir
LGK

Freitag, 23. Februar 2018

Nach der Mahlzeit




 21/2

Liebe Malou
Nein, ich war längst nicht mehr im Büro, als dein Mail eingetroffen ist. Ich gehe jetzt oft rund um 16h auf den Zug. Auf der anderen Seite bin ich ja schon um 7h morgens hier. Das genügt. Definitiv.
---
Gestern musste ich feststellen,dass mein Ladegerät fürs Handy nicht mehr funktioniert. Im Moment bin ich völlig isoliert, wie einer auf der Nordpol Expedition, weil die Batterie am Boden liegt. Es ist ein dummes Gefühl. Aber ich habe in Basel zur Zeit weder ein Telefon noch einen Internetanschluss. Jetzt muss ich mich tagsüber mit dem Telefon oder mit Mails behelfen. Vielleicht kann mir Walo helfen. Er ist mein technischer Berater. Und - lustig - er kauft meist 2 Apparate gleichzeitig, damit er sich nicht ärgern muss, wenn irgend ein Teil ausfällt. Er ist auch Spezialist, solche Dinge zu flicken. Erinnerst du dich? Als mein Mac Computer zuhause in Brüche ging, hatte er per Ebay eine neue Festplatte kommen lassen und das Ding ausgewechselt. Dieser Mac funktioniert heute immer noch. Aber  ich brauche ihn nur noch selten. Früher hatte ich dort meine grosse Dokumentation registriert. Aber seit ich ausgezogen bin, habe ich das aufgegeben.
Wir haben hier graues Regenwetter. Temperatur bis 10°, sagt mir gerade das Radio. Ja, ich glaube, der Frühling hat begonnen. In Genf gibt es irgendwo auf einem alten Platz vor einer alten Kirche einen Kastanienbaum. Und jedes Jahr, wenn dort die erste Blüte aufbricht, verkünden die Genfer den Frühling. 2006 soll das schon im Dezember passiert sein. Dieses Jahr habe ich es vor ein  paar Tagen gehört. Jedenfalls sind in Bs Garten hinter dem Haus die Schneeglöcklein bereit zum Blühen. Und manchmal sieht man schon die Amsel mit seinem Weibchen. Ich habe sie zwar noch nicht singen hören, aber B meint, sie hätte sehr wohl. Ich freue mich auf den Gesang der Amsel. Das habe ich erst in den letzten Jahren entdeckt. Und ich geniesse es jedesmal, wenn mir der virtuose Gesang zu Gehör kommt.
Jetzt habe ich mir ein Kaffee geholt, eigentlich ein latte macchiato. Das ist diese schaumige Mischung von Kaffee und Milch, von der ich immer behaupte, es sei die einzige Art Kaffee, die man mit dem Löffel essen kann. Die Italiener haben diesen eigentlich für ihre Kinder erfunden. Aber hier in der Schweiz ist er inzwischen grosse Mode geworden. Vor allem im Winter ist er gut und irgendwie magenfüllend. Versteht sich, bei soviel Luft wie er enthält. Im Sommer würde ich doch einen Espresso mit einem Glas Wasser vorziehen.
Heute Morgen muss ich nochmals einige Bewerbungen lesen. Gestern haben sich 2 Personen vorgestellt. Beide sind nicht überzeugend. Ich weiss nicht, was M mit diesen knapp 100 Leuten gemacht hat. Es wird doch jemanden geben, den wir brauchen können.
Ich wünsche dir einen schönen Tag und viel Vergnügen bei deinen Umräumungen.
Liebe Gs und Ks
...

Donnerstag, 22. Februar 2018

Re: Post-Projekte




20/2

Lieber ...,

Ja, du hast recht. Am besten ist es, mit praktischen
Pflichten des Alltags beschäftigt zu sein.
Du sagst du wirst traurig, wenn du zurück schaust. Vielleicht
würde es S trösten, wenn sie das wüsste. Ich denke oft an sie
und frage mich wie es ihr geht.

K ist unterwegs mit ein paar Flaschen Wein für T, die er ihr

schuldet, weil sie besser getippt hat bei den wöchentlichen
Pferderennen. Das ist aber nur eine Ausrede. T ängstigt sich

um ihre Gesundheit und ich glaube er will sehen, wie es ihr
geht. Ich bin froh, dass er guten Kontakt hat mit seinen
früheren Freunden und Kollegen. Er braucht es.

Heute ist der Himmel grau hier, aber K hat mich doch

am  Vormittag zu einem Spaziergang über die Felder
überredet. Wenn  es windstill ist, ist es auch bei diesem
Wetter herrlich. Man sieht bereits die ersten Frühlings-
zeichen in der Natur. Die Rosen am  Eingang haben
schon Knospen angesetzt. Das habe ich noch nie zu
dieser Jahreszeit erlebt. Die Haselnussbäume tragen 
schon Kätzchen. Mit anderen Worten, die schlimme
Zeit für Pollenallergiker hat bereits begonnen.
Aber bei euch in der Schweiz ist der Frühling schon
länger gekommen denke ich.

Ich weiss nicht ob du noch da bist... aber vielleicht

doch.  Also sende ich dir sofort  meine Nachspeise ab.
Ein kleiner Kompott, süss und bitter zugleich.

Nochmals mit lieben Gs und Ks
Malou 

Mittwoch, 21. Februar 2018

So...



20/2

Lieber ...,

So, da bin ich nun. Musste noch schnell etwas erledigen
unten im Zentrum nach K's Abfahrt.

Du bist also auch ein solches Eichhörnchen wie ich? :-)
Ich besitze ja nicht diese riesige Garderobe,  weil ich zu viel
kaufe, sondern eben weil ich fast nie etwas wegwerfe.
Als ich die Kleiderkammer ausgeräumt hatte, sahen die
anderen drei Zimmer oben aus wie Rümpelkammern. Ich
bin auch daran in Annas Zimmer umzuändern. Dort hatte
ich seit K's Einzug hier alle Kleider aus den Garderoben, die
ich ihm überlassen wollte, verwahrt.  "Wo es eine
Abstellfläche gab, stellte ich etwas ab.."   um meinen
Lieblingsautor zu zitieren. ;-) 
*
Jetzt hatte ich ein langes Telefongespräch. Manchmal bilde
ich mir ein, dass Leute merken, wenn man nicht reden will
und deswegen das ganze richtig lange hinausziehen. :-)
*
Vielleicht schreibe ich über Dinge, die du garnicht hören
willst und bin still über das andere. Ich danke dir, mein
lieber Mausfreund, dass du besorgt bist um mich. Ich weiss,
dass ich dir alles anvertrauen kann und ich bin froh, dass es
dich noch in meinem Leben gibt.

Du solltest keine Angst haben vor der Pensionierung. Freue
dich doch auf das grosse Glück deine Zeit bald frei gestalten
zu können. Ein Zeitmillionär zu werden, wie du es
manchmal nennst.

Ach, ich schicke dir dies nun schon ab und schreibe dann
weiter. Will, dass du es noch heute bekommst.

Bis bald
mit Gs und Ks
Malou

Dienstag, 20. Februar 2018

Post-Projekte



20/2

Liebe Malou

(---)

Ich fange langsam an, Post-Projekte zu erfinden. Lernberatung, Malen, Schreiben, Globetrotten ?  Ich weiss es noch nicht. Jemand hatte mir kürzlich gesagt, ich müsste jetzt wissen, was ich tun will nach der Pensionierung. Da bin ich ein bisschen erschrocken. Aber vielleicht war es ein wenig Bluff?
Jetzt muss ich rasch einen kleinen Lunch einkaufen. Und bald geht es hier weiter. Du schickst mir ein Mail heute Nachmittag, nicht? Ich freue mich darauf.
Liebe Gs und Ks
 ...

Montag, 19. Februar 2018

Donnerstag, 15. Februar 2018

Nostalgischer Gedanke


Liebe Malou

---

Ich lebe mit dem Gedanken, dass ich hier bloss mehr etwa 1 Jahr arbeiten werde. Das alles macht mich also nicht mehr wirklich heiss. Meine Pensionierung ist ein nostalgischer Gedanke, das weisst du Malou. Sehr sogar, denn das Ende verführt dazu, auch an den Anfang zu denken, an die damaligen Hoffnungen und Freuden vor 25 Jahren, an die Zeit, als die Kinder klein waren, an viele Situationen mit der Familie, an den Umbau des Hauses, die Samstage mit Gartenarbeit, das Zopf-Backen im Holzofen, die Besuche von Freunden, die Liebe ....  Es erinnert mich stimmungsmässig an die Schrift 'La dernière classe' von Daudet, die von diesem französischen Lehrer im Elsass erzählt, der seine letzte Stunde gibt, damit die Schüler dann fortan in die deutsche Schule gehen sollten. Ich glaube wenigstens, dass der Inhalt so läuft. Wir haben im Gymnasium nur den Anfang gelesen, mussten ihn sogar auswendig lernen.
 
Ich versuche vorwärts zu schauen. Wenn ich zurück schaue, wird mir schwindelig und traurig zumute. Ich habe bemerkt, dass ich mich besser auf den Moment und die etwas kleineren Dinge konzentriere. Am besten ist es, mit praktischen Pflichten des Alltags beschäftigt zu sein. Nun ja, man tut, was man kann. 
 
---

Samstag, 10. Februar 2018

Pause


Götheborg in Luleå

"im Winter vom Sommer zu träumen ist ein gutes Zeichen"

oder?






Donnerstag, 8. Februar 2018

Du hast recht


Liebe Malou
Ja, du hast recht. Nur ein einziges solches Aufnahmegespräch wäre unfair. Doch Malou, du weisst doch, dass wir Schweizer - wie die Schweden nota bene - einen unbändigen Hang zur Perfektion haben. Es gibt neben diesem Gespräch noch andere Prüfungen verschiedenen Fächern.  ...

(---)
 
Jetzt ist die Direktionssitzung vorbei. Es war etwas viel Gerede. Ich glaube, der Chef geniesst es ab und zu, mit seinen Leuten zusammenzusitzen um ein Gefühl der Gemeinsamkeit entstehen zu lassen. Er macht dann viele komische Bemerkungen und die Lacher seiner Mitarbeiter sind dann wie Medizin für ihn. Natürlich gibt es Leute, die immer besonders früh und besonders laut lachen. Ich gehöre nicht dazu. Aber wenn es wirklich lustig ist, lache ich durchaus und gerne mit. Nicht immer aber ist es lustig.
 
Gestern Abend war ich in der Stadt. Immer donnerstags sind die Geschäfte abends geöffnet. Ich wollte mich nochmals in den Kleiderläden umschauen. Jetzt bin ich doch in der Situation, dass ich mich wieder selbst einkleiden muss. Früher hatte S dafür geschaut. Ich habe mir gestern ein Hemd und einen Pullover gekauft. Der Pullover ist fast pink, stell dir vor. Und eine Hose probiert, die mir sehr gut gefallen hätte (camel-farbig, Manchesterstoff), die aber doch eine Nummer zu klein war. Schade. Sie hat mir gut gefallen und wäre dazu im Preis halbiert gewesen. Aber macht nichts. Jetzt schaue ich mich eben weiter um.

Heute ist es hier regnerisch hier im Raum Basel, aber nicht sonderlich kalt. Irgendwie merkt man in der Luft, dass die Fasnacht nicht allzu weit ist. Liegt es am Licht? An den Temperaturen? An den Menschen? Es scheint mir ganz deutlich, dass die Tage wieder länger werden und die Temperaturen ansteigen, obwohl, wie wir wissen, diese Temperaturen schon generell etwas zu zu hoch sind. In einer Woche machen die Basler ihre Fasnacht.  ... 
Vielleicht stehe ich früh auf und schaue mir den Morgenstreich an. Ich habe ihn erst einmal im Leben gesehen. Damals war ich mit meinem Vater von Visp nach Basel gereist. Hat mir aber wegen der vielen Menschen und dem Gedränge nicht gefallen. Es gab soviele Leute, dass die Schaufensterscheiben eingedrückt worden sind. Und ich als kleiner Knirps war irgendwie mitten im Getümmel und tief unten zwischen den Hintern und Bäuchen anderer Leute. Das war wirklich nicht besonders.
 
Und bei euch. Habt ihr Fasnacht? Ich glaube nicht, dass du davon je erzählt hättest. Nicht wahr? Jedenfalls wünsche ich dir eine gute Zeit.

Liebe Gs und Ks
...

Dienstag, 6. Februar 2018

Februar



Lieber ...,

Danke für dein liebes Mail. Sind die Aufnahmegespräche gut
gegangen? Weisst du, eigentlich finde ich diese Beurteilungen
in so kurzer Zeit ziemlich grausam. Es gibt doch Leute, die kurz,
wie ein Stern aufleuchten können, und dann wieder erlöschen.
Klar, manche sind vielleicht nicht geeignet und man kann es
gleich deutlich sehen und sie ausschliessen.. aber wer "die Beste"
ist, lässt sich doch so nicht feststellen.

Wie schön, dass an dem Zug, den du nimmst Visp steht und 
ich verstehe gut, dass es dir "ein Gefühl der Heimat, der
Gemütlichkeit und Vertrautheit" schenkt. Visp spielt eine
bedeutende Rolle in deinem Leben. Ich glaube sogar auch
mich hättest du ohne Visp vielleicht garnicht "gefangen".
Haha... du lachst über dieses Wort in dem Zusammenhang.
Aber es liegt doch ein wenig Wahrheit darin.

Heute morgen schien hier die Sonne ganz herrlich. Wie
gut das tut. Für morgen hat man uns Schneesturm und
Verkehrschaos angesagt. Und S wollte mit mir in die Stadt.
Sie hat schon etliche Versuche gemacht mich mitzukriegen
und ich habe meist auf das schlechte Wetter hingewiesen.

Ich wünsche dir einen schönen Tag.. obwohl der halbe
schon vorbei ist.

Lass von dir hören,...
Mit lieben Gs und Ks in Qs
Malou





Freitag, 2. Februar 2018

Ein Traum



Ich habe mir eine Kassette geholt heute, auf der einige
von  PaulVerlaines Gedichten von einer wunderbaren
Männerstimme vorgelesen werden. Ich habe mich ganz
einfach danach gesehnt sie wieder zu hören.  ---
Verlaine  träumte von einer Frau die ihm die nötige Ruhe
schenken könnte. In unserer Zeit hätte er vielleicht eine
Mausfreundin gehabt. ;-)

Hier eins seiner schönen, musikalischen Gedichte:

Mon rêve familier

Je fais souvent ce rêve étrange et pénétrant
D'une femme inconnue, et que j'aime, et qui m'aime,
et qui n'est, chaque fois, ni tout à fait la même
Ni tout à fait une autre, et m'aime et me comprend.

Car elle me comprend, et mon coeur transparent
Pour elle seule, hélas! cesse d'être un problême
Pour elle seule, et les moiteurs de mon front blême,
Elle seule les sait rafraîchir, en pleurant.

Est-elle brune, blonde ou rousse? - Je l'ignore.
Son nom? - Je me souviens qu'il est doux et sonore
Comme ceux des aimés que la Vie exila.

Son regard est parreil au regard des statues,
Et pour sa voix, lointaine, et calme, et grave, elle a
L'inflexion des voix chères qui se sont tues.


*


Und hier Hermann Hesses  brillante Übersetzung
des Gedichtes "Mon Rêve Familier" von Paul Verlaine.
Die schwierige Aufgabe, sowohl Klang wie Inhalt des

Gedichtes bei der Übersetzung zu beachten, ist Hesse
meisterlich gelungen.


Nach Paul Verlaine

Ich träume wieder von der Unbekannten,
Die schon so oft im Traum vor mir gestanden.
Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar
Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar.

Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen
Und kann in meinem dunklen Herzen lesen.
Du fragst mich: ist sie blond? Ich weiß es nicht.
Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht.

Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt
Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt –
Wie eines Name, den du Liebling heisst
Und den du ferne und verloren weißt.
Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben
Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.

Hermann Hesse