Sonntag, 28. August 2016
Mein Heftpflaster
...nie mehr
7 November 09:20
Liebe Malou
Ich danke dir ganz herzlich für die guten Geburtstagswünsche. Und auch
für das sms, das gestern plötzlich hereingeflogen ist. Und dass sie am
6. November Schweden beflaggen, ist mehr als richtig. Natürlich tun
sie das auch ein bisschen wegen dem reformierten König mit seiner
katholischen Tochter, die ich doch im St. Peter in Rom gesehen habe.
Wir beziehen uns auf solche Dinge in einem Satz oder zwei. Das ist
merkwürdig, wenn man bedenkt, wieviel Freud und wieviel Leid in
solchen Ereignissen für die Betroffenen gelegen haben mögen.
Ja, du bist mein Heftpflaster Malou. Du bist diejenige Person, die
noch in meine tiefere Vergangenheit gesehen hat. Ich merke langsam,
wie es ist, solcherart von der Vergangenheit abgeschnitten zu sein. Es
wird nie mehr möglich sein, sich voll zurückzuerinnern. Ich meine in
einer Art, wie es eine Familie tut, wenn alle gemütlich zusammen
sitzen und einer fragt: weisst du noch?. Natürlich kann man sich
zurückerinnern. Aber die Erinnerungen werden nicht mehr ergänzt von
andern Familienmitgliedern um sie zu einem vollen Bild zu
komplettieren, vielleicht um Irrtümer aus dem Weg zu räumen, um starke
Gefühle der Gemeinsamkeit aufkommen zu lassen.
...
Samstag, 27. August 2016
Abstinenz und Reise nach Mekka
date 18 September 10:11
subject: Wohlbehalten?
Liebe Malou
Ich habe Deine Abstinenz-Mails gelesen und diese Lektüre hat mich sehr berührt. Ooch, Du musst ziemlich gelitten haben, wie ich sehe und höre. Das tut mir leid. Und ich bin wirklich ganz gerührt, wie Du diese Pein beschreibst und sie mit dem Alkoholismus vergleichst, oder mit der Grippe, der man mit einem Chapman Lutscher kaum begegnen kann. Eigentlich könnte ich ein bisschen beleidigt sein, dass Du mir so was zutraust. Aber ich weiss, dass das vielleicht mehr Dein Problem ist als meines.
Es gäbe so viele andere mögliche Gründe, weshalb Du im Moment kein Mail bekommst: mein PC ist defekt, ich bin krank im Bett (daran hattest Du gedacht), ich bin für ein paar Tage ortsabwesend, etc. Na ja, Du wirst denken, dass man in jeder Situation ein kleines Mail schreiben kann. Aber ich glaube, wir Männer denken eher so, dass wir - wenn wir schon ein Mail schreiben - ein richtiges Mail schreiben sollten. Und das braucht eben seine Zeit.
Nur einen Punkt muss ich doch sehr streng und strikt korrigieren: ich schicke Dir keine Mail-Passagen, die ich schon für eine andere Person geschrieben hätte. Genau das Umgekehrte kommt manchmal vor. Ich verwende Gedanken und Figuren, die ich in meinen Mails an Dich gefunden habe, in anderen Zusammenhängen. Das sind zwar nicht Mails, aber zum Beispiel Gespräche oder so ähnlich. Die Mails an Dich sind für mich oft ein Ideen-Pool. Ich komme dabei auf Gedanken und Denkfiguren, auf die ich sonst nie gekommen wäre. Und das hatte ich immer gemeint, wenn ich sagte, die Mailerei sei für mich wie ein Tagebuch.
Ich kann Dich verstehen, wenn Du manchmal den Eindruck hast, es sei kein direkter Dialog. Da hast Du, so glaube ich, manchmal recht. Gelegentlich schreibe ich irgendwie einfach für mich, was mir hochkommt. Aber immerhin bist Du dabei der Anlass. Das ist doch - man höre und staune - die causa prima, der Hauptgrund. Ohne Dich würde ich überhaupt nicht schreiben. Und dann haben wir auch wieder direkte Dialoge, nicht wahr? Ich weiss schon, dass Du diesen direkten Dialog sehr magst. Du hast oft - vorsichtig - darauf hingewiesen, wenn ich nicht direkt auf Deine Fragen oder Deine Gedanken reagiert habe.
Deine Abstinenz-Mails haben mich an eine Szenerie bei uns zuhause erinnert. Vor einigen Jahren war S auf Wunsch ihrer Mutter mit ihr auf die Pilgerreise nach Mekka gereist. Das ganze sollte ungefähr 10 Tage dauern. Und wir glaubten, dass auch die Kinder diese kleine Abwesenheit gut ertragen könnten. Und dann geschah es, dass S nach 10 Tagen anrief und mitteilte, dass sie 2 Tage später käme. Und nach 2 Tagen rief sie wieder an und vertröstete uns wiederum auf später. Hinter diesen Telefonaten verbarg sich eine aufregende Geschichte, die S uns erst später erzählte. Tatsache war, dass ihr Pass verschwunden war. Alle Pilger - und es handelt sich dabei um mehrere 100'000 innerhalb dieser Zeit - geben bei Ankunft den Pass ab und erhalten ihn wieder bei der Abreise. Die Pässe werden pro Reisegruppe (die Pilger reisen immer in Nationen-Gruppen) in einem grossen Plastiksack verstaut. Und in eben diesem Sack fand sich dann Ss Passport nicht mehr. Und das war eine schlimme Zeit für B.. Sie hatte schon während der 10 Tage sehr grosse Sehnsucht nach ihrer Mama. Und als sie dann nicht heimkam, wurde es immer schlimmer. Sie hat abends geweint und ich musste sie jeweils notdürftig trösten und lange Geschichten vorlesen. Da hatte ich in meiner Not die Idee, ihr ein grossformatiges Tagebuch zu schenken, und ihr zu empfehlen, ihrer Mama Briefe zu schreiben und Zeichnungen zu machen in jenen Momenten, wo sie sich besonders nach ihrer Mutter sehnte. B. war immer ein eifriges Kind gewesen und hat diese Idee gut akzeptiert und eifrig geschrieben und gezeichnet. Und das hat ihren Schmerz doch ein bisschen gemildert.
Ich glaube auch, dass man oft von der vermissten Person Verhalten übernimmt, um näher bei ihr zu sein. Freud hat das studiert und gezeigt, wie in der Entwicklung des Kindes daraus Ich und Über-Ich entstehen.
Übrigens hatte S in Mekka die Suche dann auf eigene Faust übernommen. Die Behörden waren dazu nicht in der Lage. Na ja, wir kennen ja den Fatalismus der Orientalen! Und schliesslich hatte sie ihren Pass im Sack einer türkischen Gruppe gefunden. Offenbar haben die Türken einen ähnlich roten Pass wie wir Schweizer. Es war wirklich ein Drama, diese Reise nach Mekka. Ich gebe ihr oft den Titel: ‚Reise ins Mittelalter’!
Wir haben hier wunderbares Herbstwetter. Es ist wirklich sehr schön. Und auch die Tauben auf dem Dach scheinen diese milde Situation zu geniessen. Sie hocken dort oben und plustern sich ein bisschen auf in der Sonnenwärme.
Am liebsten würde ich von Deinem Pflaumensylt kosten. S hat die Zwetschgen, die ich ‚öffentlich’ gepflückt hatte, ebenso gekocht, dann gesiebt und gefroren. Das ist wirklich fantastisch gut zu Vanilleeis. Ich mag diesen Geschmack über alles, besonders dann im Winter.
Sollten wir - nach unserer Abstinenz-Geschichte - ein paar Regeln entwickeln, wie wir mit solchen Unterbrüchen umgehen sollten? Eine mögliche wäre, so wie es Du gemacht hast: man schreibt mal weiter, auch wenn noch keine Antwort kommt.
Ich muss jetzt an die Arbeit. Es ist beinahe Mittag, und ich habe noch nichts gemacht.
MLGUKK
...
--------------------
Subject: PS
Date: Sat, 18 Sep 19:34
Dieses Mail vom Donnerstag habe ich erst heute gefunden. Es lag bei den Junk Mails.
Sieht alles ein bisschen chaotische aus, nicht wahr?
Grüsschen
...
Freitag, 26. August 2016
Give me one reason...
Subject: Torsdag = Donnerstag
Tor, ein altnordischer Gott (in Deutschland bekannt unter dem Namen Do'nar)
Lieber ...,
Ein herrlicher Herbsttag, so wie du sie am liebsten magst. Alles wäre so schön, wenn mich nicht plötzlich die mail-abstinenz plagen würde. Ich betrachte sie klinisch und wundere mich über ihre Kraft. So muss sich ein Alkoholiker fühlen, der keinen Alkohol findet, ein Raucher, der versucht von seiner Last frei zu werden. Doch dieser Letztere hat den Vorteil zu seiner Sucht zurückkehren zu können, wenn es ihm beliebt.
Von einer CD höre ich Tracy Chapman. Das ist wie ein Lutschbonbon gegen Grippe. Ich meine es schmeckt zwar gut, hilft aber kaum. Doch man kann seine Gedanken damit betäuben.
"Give me one reason".
Nächste Woche schon wirst du vielleicht deine Reise nach Rom antreten. Ich glaube, es wird ein wunderbares Erlebnis werden. Vielleicht sogar noch schöner als damals New York. Und ich weiss, dass du das Beste daraus machen wirst. Wenn es schon keinen guten interessanten Reiseführer gibt, samle doch Material für einen eigenen. Jetzt hast du eine gute Digitalkamera und das photographische Auge fehlt dir auch nicht. Ich wünsche dir wunderbares Spätsommerwetter.
Soll ich? Soll ich nicht? Ich denke falls du krank zu Hause liegst brauchst du etwas Ermunterung.. vielleicht drücke ich auf die Taste "send".
OK.
Mit einem lieben Gruss,
Malou
ohne Flügel
Ämne: undsoweiternebenbeibemerkt?
Lieber ...,
Ich fühle mich wie ein Vogel ohne Flügel. Mein Auto ist oben in der Werkstatt. Eigentlich nur eine Bezinstation aber sie haben auch ein wenig Reparatur. So lasse ich mir ein Loch im Auspuff reparieren und das Öl wechseln. Der Mann wird anrufen, wenn er damit ferig ist.
Hoffentlich bald.
Morgen früh nehme ich meine Freundin I. und ihren Sohn Sebastian mit nach L. S. ist ein bisschen neugierig wie es in einem Studentenkorridor ist, und Anna wird uns herumzeigen.
Jetzt kam der Anruf und man will dass ich das Auto abhole. Also muss ich schon los.
Ich grüsse dich lieb und schicke dir eine Menge Dinge, die unsere §§§ eigentlich verbieten.
Einmal ist keinmal. ;-)
Malou
Donnerstag, 25. August 2016
wirklich 18.00 Uhr ...
Ämne: RE:
Liebe Malou
So wissen wir nun der Stand der Weltgeschichte. Die Griechen sind Europameister und Roger Federer ist Wimbledon Sieger. Damit können wir Schweizer ziemlich zufrieden sein, denn es war ein Match auf des Messers Schneide. Ich habe zwar nur einen Teil davon gesehen. Aber ich habe ziemlich gebangt für unseren Federer, der hier ganz in der Nähe wohnt. Er ist allerdings nur 50% Schweizer. Seine Mutter ist Südafrikanerin, wie ich mal in einem Interview vernommen habe. Und ein Kollege aus meinem Club hat ihm die Wohnung vermittelt, die er jetzt hat. Er wollte nämlich in einen anderen Kanton umziehen. Und das wäre doch ziemlich schade gewesen wegen der Steuergelder, die wir hier verloren hätten.
Und die Griechen, hast Du sie gesehen? Ich hatte wirklich ein bisschen Mitleid mit den Portugiesen. Sie waren meine Favoriten. Und ich finde es ein wenig unanständig als Gast in einem fremden Land, derart rücksichtslos einfach zu gewinnen und nicht dem Gastgeber den Vortritt zu lassen. Das ist schlechter Geschmack, nicht wahr. Aber die Griechen kennen in sportlichen Dingen keine Skrupel. Das wissen wir seit den ersten olympischen Spielen, die sie erfunden haben. Sie stellen den Sport über alles.
Und so gehen wir in eine neue Woche. Und die Mühle beginnt wieder von vorne. Das Wetter hat auch etwas abgekühlt. Es ist bedeckt und vielleicht knapp 20°. Ist das eigentlich normal, dass das Wetter so unbeständig auf und ab pendelt? Früher hatten wir doch mal warme Sommer und kalte Winter, oder täusche ich mich da?
Es ist wirklich 18.00h in meinem Leben. Ich habe es, nach einiger Überwindung, ausgerechnet. Eigentlich wollte ich es nicht so genau wissen und wollte sagen, es sei vielleicht 17.00h. Aber es ist 18.00h, man muss den Dingen ins Auge schauen. Und um 22.00h ist Schlafenszeit! Aber ich will ja gar nicht jammern. Ich will bloss feststellen, was los ist. -- Ich glaube, Du hast recht. Man muss sich die Zeit gut organisieren. Sie läuft wie Sand durch die Finger. Und die meisten Menschen, die in Pension sind und die ich kenne, behaupten, sie hätten weniger Zeit als früher. Vielleicht hängt damit ein wenig die Torschlusspanik zusammen. Aber natürlich fliesst die Zeit ungemein rasch, wenn man nicht acht gibt. Und nur, wenn man ein volles Programm hat, erscheint der Tag wirklich lang. Ich will mir also Mühe geben, besser zu planen in Zukunft. Bisher habe ich ungeplante Zeiten immer sehr genossen. Ich mag das sehr, einfach zu sehen, was auf mich zukommt. Aber ich werde hier ein hartes Regime aufziehen.
(---)
Heute morgen habe ich aufgeräumt und einige Tonnen Papier weggeschafft. Zum Glück haben wir einen kleinen Container hier im Büro, der vom Hauswart wöchentlich geleert wird. Das ist sehr praktisch und angenehm. Man hatte, als die PCs eingeführt wurden, gelobt, wie viel Papier man damit sparen könne. Ach, ich sage Dir Malou, wenn man positive Prognosen hört, dann sollte man sie geradewegs in derselben Richtung, aber als Warnung verstehen. Entwicklungen machen im Grunde keinen Sinn. Entwicklungen lösen vielleicht kleine Probleme, die man nicht hätte, wenn es keine Entwicklungen gäbe. Jede einzelne Verbesserung mag, für sich betrachtet, als kleine Verbesserung gelten, als klitzekleine vielleicht. Aber das Gemisch aus all diesen kleinen Schritten, das ist nicht ein grosser Schritt, sondern das ist bloss ein beliebiges Herumgetreten.
Na Malou, mit Deinem awiw heizest Du mir wieder mal tüchtig ein. Besonders wenn die awiws mitten in der lauen Nacht rund ums Bett flattern. Ich schlafe zur Zeit wieder ruhiger. Die Heilpraktiker behaupten ja, dass das alles auch mit der Ernährung und mit dem Sympathikus und Parasympathikus zusammenhängt. Nun, ich bin froh, wenn sich meine beiden Sympathiki wieder besser verstehen und im Zweifelsfall auch einigen können.
Ich wünsche Dir einen feinen Wochenanfang.
Mlgukuswnbm
..
Mittwoch, 24. August 2016
Re: alles was du willst
Ach, du mein lieber Mausfreund, du versprichst mir awiw - aber über dieses awiw hast du keine Macht. Wenn der liebe Gott will, oder alle anderen guten Mächte.. und auch dann glaube ich nicht an ein "awiw". Es ist zwar mein innerster Wunsch. Oder lass mich sagen der innerste Wunsch meiner Gefühle. Aber mein Verstand sagt mir, dass "awiw" nur ein "vl-awiw" sein kann. Und in diesem VL bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem Dasein. Könnte es eigentlich besser sein?
Es regnet alle fünf Minuten und obwohl das Gras noch etwas nass war vorhin, bin ich hinausgegangen und habe es gemäht. Es liess sich tun und ich habe ein wenig Bewegung dabei bekommen. Ich glaube das fehlt mir am meisten. Doch ich werde es nachholen. Vielleicht muss ich mir irgendeinen Stundenplan machen, oder was meinst du?
Ach, es ist doch wirklich noch nicht 18.00 Uhr in deinem Leben. Ich rechne damit, dass du über 80 wirst, und dass du noch sehr viel Schönes und Neues erleben wirst. Und ich möchte davon hören (oder besser lesen) bis meine eigene Uhr 00.00 schägt. Das ist vielleicht awiw.
Das hindert jedoch nicht, dass ich mir auch Gedanken weit darüber hinaus erlaube. Besonders, wenn ich nachts aufwache und nicht sofort wieder einschlafen kann. Dann tue ich in Gedanken awiw mit dir. Doch davon merktst du nichts. Schade eigentlich. :-)
Heute Abend ist Fussballfinale. Das werde ich mir ansehen. Und als Nachspeise werde ich schwedische Erbeeren essen. Das gehört zu dieser Jahreszeit und wir genieesen es reichlich.
Ich bin nun in meinen Papieren und anderen Dingen so weit vorgedrungen, dass ich fast in meinen Jugendjahren gelandet bin. Es ist eine spannende und zeitweise aufregende Reise in die Vergangenheit. Und dabei denke ich auch an alte Freunde, die nun schon gestorben sind. Ich habe mir immer nach unseren schönen Festen die Reden schriftlich geben lassen. Auch solche habe ich nun wiedergefunden. Sie sind von richtigen Meistern geschrieben und enthalten alles was man sich von einer Rede wünschen kann. Und es tut ein Bisschen weh.. das nochmals zu lesen.
Ich muss leider schon aufhören. Wenn du wüsstest, wie lang meine Mails wären, wenn ich ungestört meine Zeit am PC wählen könnte. Meine Gedanken sind oft bei dir.
Mit lieben Grüssen und einem zärtlichen Kuss ...
Malou
Dienstag, 23. August 2016
am Ende der Fahnenstange
Liebe Malou
„…awiw“ sollst Du haben.
Ja, die Gréco ist ein Grossmütterchen geworden. Aber in dieser Sendung auf einem französischen Sender hat sie auch gesungen. Und ihre Stimme ist immer noch sehr fest und rhythmisch aufregend und jung. Die Juliette hat in ihren Erzählungen viel Luft genommen. Sie hat erzählt, dass sie sozusagen wie ein Mann gelebt habe. Das heisst, sie konnte bei den Männern mit den Fingern schnippen, und sie sind ihr gefolgt (bis ins Bett, so muss man wohl annehmen). Sie hat sehr positiv geredet über ihr Alter und geschildert, wie sie ihren Ruhm immer noch geniesst.
Was Du über die Erlebnistiefe des Alters sagst, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten oft, wie ich mich frage, dass ich in meiner Jugend gewisse Dinge viel grösser und viel schöner erleben konnte. Ich glaube, damals gab es einen weiten Horizont der Erwartungen. Alle diese Ereignisse hatten eine Bedeutungsdimension in die Zukunft. Und die war gross und weit und wichtig. Heute denke ich oft: und das war alles? Die Menschen sind doch - alles in allem - sehr menschlich! Na ja, sie sind alle sehr mittelmässig, mich selbst eingeschlossen! Du siehst, ich habe das Gefühl, am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein. Na ja, nicht ganz, aber immerhin. Wenn man das Leben als einen Tag nimmt, ist es ungefähr 18.00h heute. Was Wunder, wenn man sich vornimmt, an diesem milden Abend bis 22.00h noch ein bisschen auf die Pauke zu schlagen?
....
So, ich schicke dieses Ding ab. Sonst hängt es hier bloss herum.
MlGukuawdw
...
„…awiw“ sollst Du haben.
Ja, die Gréco ist ein Grossmütterchen geworden. Aber in dieser Sendung auf einem französischen Sender hat sie auch gesungen. Und ihre Stimme ist immer noch sehr fest und rhythmisch aufregend und jung. Die Juliette hat in ihren Erzählungen viel Luft genommen. Sie hat erzählt, dass sie sozusagen wie ein Mann gelebt habe. Das heisst, sie konnte bei den Männern mit den Fingern schnippen, und sie sind ihr gefolgt (bis ins Bett, so muss man wohl annehmen). Sie hat sehr positiv geredet über ihr Alter und geschildert, wie sie ihren Ruhm immer noch geniesst.
Was Du über die Erlebnistiefe des Alters sagst, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten oft, wie ich mich frage, dass ich in meiner Jugend gewisse Dinge viel grösser und viel schöner erleben konnte. Ich glaube, damals gab es einen weiten Horizont der Erwartungen. Alle diese Ereignisse hatten eine Bedeutungsdimension in die Zukunft. Und die war gross und weit und wichtig. Heute denke ich oft: und das war alles? Die Menschen sind doch - alles in allem - sehr menschlich! Na ja, sie sind alle sehr mittelmässig, mich selbst eingeschlossen! Du siehst, ich habe das Gefühl, am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein. Na ja, nicht ganz, aber immerhin. Wenn man das Leben als einen Tag nimmt, ist es ungefähr 18.00h heute. Was Wunder, wenn man sich vornimmt, an diesem milden Abend bis 22.00h noch ein bisschen auf die Pauke zu schlagen?
....
So, ich schicke dieses Ding ab. Sonst hängt es hier bloss herum.
MlGukuawdw
...
Montag, 22. August 2016
ein kleines Bild
Lieber ...
---
Ich muss dir etwas komisches erzählen. Ich habe ein ganz kleines
winziges Bild gefunden, was in einem Automaten von mir gemacht
wurde. Es muss damals gewesen sein, als ich gerade zu meiner Tante
geschickt worden war .. für eine kurze Zeit, wie ich glaubte. Nun habe
ich es mit dem Scanner vergrössert. Und wenn ich das Bild betrachte
werde ich traurig. Weiss garnicht wie das kommt. Ich fühle mich als
hätte ich eine grosse Schuld diesem kleinen Mädchen gegenüber, als
hätte ich ihr Leben nicht richtig verwaltet. Findest du das nicht sehr
komisch? Oder ist es eine normale Reaktion?
Jedenfalls trage ich ein kleines Tweedmäntelchen und auf dem Kopf
einen etwas dunklen Hut. Ich frage mich, ob Kinder wirklich so
gekleidet waren damals oder ob nur meine Tante nicht wusste, wie
man Kinder anzog. Mein Haar ist in Zöpfe geflochten, die vorn über
den Mantel runterhängen. Und dann sieht man meine ganz hellen
Augen, die so unschuldig in die Welt schauen.
Ach, ich bin sentimental. Übrigens bekomme ich manchmal ein
ähnliches Gefühl., wenn ich kleine Kinder anschaue. So als hätte ich
ein grosses Mitleid mit ihnen, wenn ich daran denke, was ihnen das
Leben antun kann.
Doch Schwamm drüber. Es ist fantastisch, wie schnell man aus einem
winzigen Bild eine Vergrösserung machen kann. Hast du ein kleines
Bild aus deiner Kindheit? Schick es mir, ich meine leihe es mir eine
Weile aus und ich werde dir ein Portrait davon machen. :-)
...
Mittwoch, 17. August 2016
Tall talk
Liebe Malou
Lass mich dir wieder einmal ein
ausgewachsenes Mail schreiben. Ich glaube, heute morgen habe ich Lust
und ein bisschen Zeit dazu.
Immer, wenn ich mir dich vorstelle,
sehe ich dich still in einem warmen Häuschen in winderlicher Landschaft.
Du bist am Fersehen, am Bügeln, Telefonieren oder Lesen vielleicht. Du
bist still und zufrieden in deiner gemütlichen Situation. Und K stelle
ich mir vor irgendwo in einem anderen Raum, mit irgendwas wie PC, TV
oder einem anderen Projekt beschäftigt. Aber es ist alles ruhig und
friedlich und geht seinen gewohnten Gang, ohne Aufregung, ohne zu grosse
Überraschungen. Du hast es doch gut mit deiner Frühpensionierung Malou,
nicht wahr?
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts bringen.
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts bringen.
Und so versuche ich einfach, die
Dinge, die anstehen, zu erledigen. Vielleicht haben wir Männer die dumme
Angewohnheit, dass sie bei all ihren Dingen, die sie zu tun haben, den
Eindruck geben wollen, es sei etwas Grosses, Wichtiges, Dringliches und
Einzigartiges. Ja, das glaube ich irgendwie nach all den Jahren, dass
wir Männer uns mit diesen Tätigkeiten und Pflichten selbst beschweren
und selbst erhöhen wollen. Deshalb machen wir sie schwierig und
wichtig und dringlich und weiss was alles. Unsere Gefühle dienen dazu,
die Geschäfte aufzublasen, mit denen wir zu tun haben. Ich sehe das bei
meinem Mitarbeiter. Bei ihm ist es überdeutlich. Jedes Mail, das er
schreibt, versieht er mit dem Zeichen "besonders wichtig". Jedes! Ich
bin nicht so. Aber ich bin eben auch ein Mann, also werde ich diese
Angewohnheit auch ein bisschen mit mir tragen.
Was wäre wenn es anders wäre. Wir
Männer würden uns unwichtig, leichtgewichtig, unbedeutend, unwürdig
vorkommen. Es würde uns die Bedeutung fehlen, die wir uns im Kontakt mit
anderen Leuten wünschen. Wir könnten ja dabei nicht über schwierige,
dringliche, wichtige und bedeutende Dinge erzählen, womit wir gerade
beschäftigt seien. Ja, wir wären so leicht und unbedeutend, dass jeder
Windstoss uns dahinblasen könnte.
Ich habe in den paar Tagen, da ich
zuhause lag und meine Lungenentzündung auskuriert habe, gezeichnet. Die
Zeichnungen sind klein. Aber ich habe sie mit Stiften koloriert.
Vielleicht kann ich ein paar davon scannen, dann werde ich sie dir
zeigen? Sie sind so wie damals die Zeichnung mit der Dame, die bügelt,
und mit den armen Seelen an der Wäscheleine. Erinnerst du dich? Anna
hatte dich gefragt, ob du das seist, diese Dame, die da einigermassen
elegant auf Stand- und Spielbein die verknitterten Sprechblasen bügelt.
Ja, das ist nun auch schon wieder einige Jahre her. Ach, wie die Zeit
vergeht. Und auf gar keine Weise lässt sie sich stoppen oder auch nur
bremsen!!
Nächste Woche habe ich Ferien. Hier
in der Gegend wird Fastnacht sein. In Basel selbst kommt sie dann eine
Woche später. B macht in Bern Fastnacht. Bern hat als reformierte
Stadt allerdings keine lange und echte Fasnachtstradition. Ich glaube,
die Protestanten hatten damals nach der Reformation das wüste Treiben
und Trinken verboten. Aber seit einigen Jahren hat man in Bern doch
angefangen, Fastnachten zu etablieren und feiern. Und was B und ihre
Gruppe dabei machen, zeigt doch, dass es nicht bloss ein wildes
Strassenfest ist, sondern kulturell auch ansprechend. (---)
Ich selbst will in diesen
Ferientagen noch meinen Keller durchsehen. Ich habe dort noch einige
Kisten mit Büchern und Dingen, die ich vielleicht auspacken sollte. Du
siehst Malou, ich bin auch nach einem Jahr noch nicht 100% eingerichtet.
Aber ich muss auch dafür sorgen, dass ich nicht zuviele Dinge in meine
engen vier Wände stelle. Ich bin schon heute an der obersten Grenze. Ich
mag das eigentlich. Aber es wird alles ein wenig eng. Das schlägt sich
mit der Zeit auf die Seele nieder. Wahrscheinlich sollte ich einige
Bücher weggeben. Aber ich habe ungeheure Schwierigkeiten damit. Es gibt
viele Bücher, von denen ich weiss, dass ich sie niemals mehr in meinem
Leben werde lesen können oder wollen. Und dennoch macht es mir Mühe, sie
einfach so wegzugeben. Ich habe sogar etliche, um nicht zu sagen viele,
die ich noch nicht gelesen habe. Darunter sind zahlreiche Bildbände
über Maler aus den verschiedensten Stilepochen. Ach, es ist verrückt,
wenn man Bücher auf Vorrat kauft. Es ist wirklich verrückt. Ein Freund
von mir hat das Prinzip, dass er alle Bücher, die er gelesen hat,
schliesslich weitergibt. Er schenkt sie Bekannten und Freunden in der
Hoffnung, dass auch sie sie lesen würden. Er hatte mir vor einigen
Jahren auch eins gegeben. Aber ich habe es nocht nicht gelesen. Vorne
drin steht geschrieben "Kreta" und eine Jahrzahl. Wahrscheinlich hatte
er den Band in den Ferien am Meer gelesen. Und natürlich findet man ein
Buch, welches man am schönen Meeresstrand in wundervollem Sonnenschein
lesen kann, ein besonders gutes Buch. Eigentlich sollte man diesen
ersten Eindruck durch eine zweite Lektüre an schweizerischen Regentagen
nochmals testen. Bestimmt wirkt die Geschichte dann ganz anders. Aber er
hatte es gut gemeint mit mir. Vielleicht werde ich es mir ja noch
vornehmen. Es ist ein italienischer Autor und heisst irgendwie "die
Entstehung der Welt von Gott geschrieben" oder so ähnlich. Ist das für
eine Katholikin nicht ein bisschen blasphemisch?
Jetzt will ich langsam zu einem Ende kommen, sonst wird das Mail zu schwer und gewichtig und bedeutsam.
Ich wünsche dir einen feinen Tag Malou
Mit lieben Gs und Ks
...
...
Zwischengrüsslein
Liebe Malou
Jetzt bin ich wieder hier im Büro. Mein PC ist allerdings noch
nicht in Ordnung. Sie mussten einen Defekt an der Festplatte beheben.
Und ich schreibe hier von einem fremden PC. Aber dennoch. Das Leben
Variante A beginnt wieder und ich hoffe, ich kann das bewältigen. Es ist
viel liegengeblieben in diesem Monat. Und es war in der Tat ein ganzer
Monat. Eine enorm lange Zeit.
Hoffentlich bist du so glücklich wie möglich. Und möglichst
glücklich. Das ist für alle Menschen ja einigermassen diesselbe
Geschichte.
Ich muss jetzt dringlich an meine Arbeit. Sie brüllt und schreit dass es nur so hallt durch den Urwald.
Ich wünsche dir einen guten Wochenanfang
Liebe Gs und Ks
...
Dienstag, 16. August 2016
Zwischendurch
Liebe Malou
Ich sitze nur ein paar Sekunden hier
vor dem PC. Und will die Gelegenheit nutzen, dir zu schwören, dass ich
noch lebe. Einigermassen lebe. Vielleicht aus dem letzten Loch pfeife?
Nein, mein Doc ist zufrieden, will aber, dass ich noch bis Ende Woche zuhause bleibe.
Und die Docs haben eben heute mehr
zu sagen als die Pfarrherren. Deshalb werde ich mich einigermassen dran
halten. Es ist ja durchaus auch schön, zuhause zu sitzen und ein
bisschen herumzuhängen, vielleicht lesen oder zeichnen. Aber man wird
eben mit der Zeit ein wenig träge. Schade! Die Zeit zerrinnt durch die
Hand, und man erreicht nicht viel.
Immerhin.
Ich hoffe, es geht dir gut Malou.
Und du bist glückllich.
So sehr glücklich wie möglich.
Mit lieben Grüssen
Re:
Ja, mein lieber Mausfreund. Ich bin so glücklich wie möglich. :-)
Das kann ich behaupten ohne zu lügen.
Ja, du siehst, das frei sein muss gelernt werden.
Liebe Gs und Ks
Malou
(falls du noch dort bist)
Das kann ich behaupten ohne zu lügen.
Ja, du siehst, das frei sein muss gelernt werden.
Liebe Gs und Ks
Malou
(falls du noch dort bist)
Montag, 15. August 2016
Himmlische Studien
Liebe Malou
ja, mein letztes Mail hat mir die
Idee geöffnet, dass man eigentlich eine empirische Studie machen könnte,
wie sich die Menschen den Himmel vorstellen. Das wäre sozusagen eine
Erforschung des Himmels. Und ich bin überzeugt, es gibt italienische
Himmel, französische Himmel, deutsche Himmel und vielleicht sogar
Schweizer Himmel. Bei uns hätte es Geranien vor den Fenstern! Und im
Menueplan überdurchschnittlich viele Käsespeisen. Das wäre eine lustige
Untersuchung für eine Doktorarbeit.
Liebe Grüsse
...
Lieber ...,
Ach, was bist du lustig. Interessiert dich der Himmel so sehr?
Ich kenne keinen einzigen Menschen, der das irdische Leben
gern gegen einen Himmel austauschen würde. Und gute
Käsefondues oder Geranien kann ich doch auch in der
Schweiz haben.
Aber deine Vorstellung von dem italienischen Himmel fand ich
so lustig, dass ich sie auch Anna habe lesen lassen. Ich schicke
ihr manchmal speziell lustige Produkte deiner Fantasie als
erbauliche Lektüre. Ich weiss, dass du nichts dagegen hast. Sie
braucht etwas Übung in der deutschen Sprache, sonst vergisst
sie alles, was sie in der Schule gelernt hat.
Ja, die Italiener. Ich kann mir gut vorstellen, was sie aus einem
Himmel machen könnten. Chaos ist dabei ein mildes Wort.
Meinen ersten Einblick bekam ich damals, als ich als 15-jährige
meine Sommerferien in Saalbach bei einer Bekannten meiner
Eltern verbrachte. Sie arbeitete dort im Sommer als Ärztin.
Meistens machte sie Hausbesuche bei ihren Patienten. Doch
eines Tages kam ein Italiener, der im Hotel nebenan Urlaub
machte, in ihre Praxis, die zugleich unsere Wohnung war.
Er hatte sich etwas gebrochen oder vielleicht nur verstaucht.
Aber er kam nicht allein. Hinter ihm drängte sich eine ganze
Sippe herein, die bald den ganzen Raum füllte. Man hörte sie
laut „herumlamentieren und palavern" wobei sie wild
gestikulierten. Die Situation war ähnlich wie wenn ein Fuchs
in den Hühnerhof kommt.
Nein, .., vor diesem Himmel würde ich mich nicht anstellen.
Aber.. na ja, vielleicht könnte ich es akzeptieren, wenn ich wüsste,
dass ich dich dort wiederfinden würde. :-)
(---)
Es ist schon wieder spät geworden. Ich sende dir dies nun unten
ab, damit du etwas zum Morgenkaffee bekommst.
Wünsche dir alles Liebe und Gute
Mit Gs und Ks wie immer
Malou
...
Lieber ...,
Ach, was bist du lustig. Interessiert dich der Himmel so sehr?
Ich kenne keinen einzigen Menschen, der das irdische Leben
gern gegen einen Himmel austauschen würde. Und gute
Käsefondues oder Geranien kann ich doch auch in der
Schweiz haben.
Aber deine Vorstellung von dem italienischen Himmel fand ich
so lustig, dass ich sie auch Anna habe lesen lassen. Ich schicke
ihr manchmal speziell lustige Produkte deiner Fantasie als
erbauliche Lektüre. Ich weiss, dass du nichts dagegen hast. Sie
braucht etwas Übung in der deutschen Sprache, sonst vergisst
sie alles, was sie in der Schule gelernt hat.
Ja, die Italiener. Ich kann mir gut vorstellen, was sie aus einem
Himmel machen könnten. Chaos ist dabei ein mildes Wort.
Meinen ersten Einblick bekam ich damals, als ich als 15-jährige
meine Sommerferien in Saalbach bei einer Bekannten meiner
Eltern verbrachte. Sie arbeitete dort im Sommer als Ärztin.
Meistens machte sie Hausbesuche bei ihren Patienten. Doch
eines Tages kam ein Italiener, der im Hotel nebenan Urlaub
machte, in ihre Praxis, die zugleich unsere Wohnung war.
Er hatte sich etwas gebrochen oder vielleicht nur verstaucht.
Aber er kam nicht allein. Hinter ihm drängte sich eine ganze
Sippe herein, die bald den ganzen Raum füllte. Man hörte sie
laut „herumlamentieren und palavern" wobei sie wild
gestikulierten. Die Situation war ähnlich wie wenn ein Fuchs
in den Hühnerhof kommt.
Nein, .., vor diesem Himmel würde ich mich nicht anstellen.
Aber.. na ja, vielleicht könnte ich es akzeptieren, wenn ich wüsste,
dass ich dich dort wiederfinden würde. :-)
(---)
Es ist schon wieder spät geworden. Ich sende dir dies nun unten
ab, damit du etwas zum Morgenkaffee bekommst.
Wünsche dir alles Liebe und Gute
Mit Gs und Ks wie immer
Malou
Sonntag, 14. August 2016
Irgendwie hast du ja recht ...
Lieber ...,
Na ja, irgendwie hast du ja recht. Ich werde auch wütend, wenn ich die Chefs unserer grossen Konzerne sehe. Und gerade heute habe ich gehört, dass die vermögenen Schweden nun ebenso reich sind wie die vermögenen Amerikaner. In den früheren Angaben hatte man vergessen das Vermögen, das sie im Ausland verstecken mitzuzählen. Aber man darf nicht vergessen, dass sich niemand etwas mitnehmen kann dorthin, wo wir alle schliesslich landen.
In dem italienischen Himmel.. ;-)))
Dies nur kurz jetzt..
Kuss
Malou
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Liebe Malou
Wenn ich das schon höre "irgendwie hast du ja recht".
N E I N Malou,
ich habe total recht. Ich habe sowas
von recht. Nein, die Wirtschaft ist uns total aus den Fugen geraten.
Es ist ungefähr so wie im Europa des 19. Jahrhunderts, bloss heute
weltweit. Mindestens in den Industriestaaten. Und die armen
Staaten werden ärmer, das hören wir fast täglich in den Nachrichten.
"Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte".
Weisst du Malou, ich glaube, wir
gehören zum Mittelstand. Und wir müssen uns gegen solche Verhältnisse
zur Wehr setzen. Die armen Menschen können das nicht und tun es nicht.
Aber wir können es, obwohl wir mit unseren Löhnen eigentlich gut leben
können. Wir sind nicht unter Druck. Trotzdem müssen wir uns dagegen
wehren, weil es einfach pervers ist.
Wir haben hier feines Herbstwetter,
ziemlich mild, aber doch irgendwie dezemberig. Es ist angenehm und
schön, fast so schön wie unter einem italienischen Himmel.
Ja, wir müssen den italienischen
Himmel fördern. Es gibt ihn ja schon ein bisschen. Der Papst rasselt mit
dem Schlüsselbund. Er kontrolliert sozusagen den Eingang. Ich frage
mich, ob man auch im Bikini in den italienischen Himmel treten kann.
Dabei kommt mir eine lustige Walliser Sage in den Sinn. Sie erzählt von
Seline, die früh Verstorbene. Die Eltern überlegen sich, dass es nach
all dem Schmerz auch nützlich sei, jemanden im Himmel zu haben, der sich
auskennt. Wenn sie selbst dann einmal eintreten, unvorbereitet,
vielleicht in den Werktagsschuhen, dann wird Seline sie in Empfang
nehmen und ihnen zeigen, wie es dort oben so läuft, wie man den lieben
Gott ansprechen soll und all die anderen wichtigen Dinge.
Am Radio besprechen sie gerade das
Problem der Gratiszeitungen, Pendlerzeitung nennt man sie. Es gibt schon
ungefähr 4. Sie liegen überall auf, besonders auf den Bahnhöfen. Ich
pflege darüber zu sagen "sie sehen aus wie Zeitungen, sind aber in
Wirklichkeit keine Zeitungen". Das heisst, sie äussern sich nicht über
Politik, sie geben keine Hintergründe und sie machen keine Kommentare.
Neuigkeiten kann man überall bekommen. Aber Meinungsbildung und
Differenzierung des Urteils, das geschieht nicht. Gerade heute ist eine
neue Variante zum ersten mal erschienen. Ich habe sie mir angeschaut.
Sie ist ein bisschen differenzierter als die anderen, aber nicht
wirklich gut. Ich glaube, ich bleibe bei meiner NZZ am Wochenende.
Ich wünsche dir einen prima Tag
Liebe Gs und Ks und Qs
...
Donnerstag, 11. August 2016
Dienstag, 9. August 2016
Wer weiss, was morgen ist ...
Liebe Marlena
Vielleicht kennst Du dieses Foto: "James Dean on Times Square". Es stammt von 1955. Das ist auch das Jahr des Todes von James Byron Dean, als er an einem Septemberabend mit seinem Porsche Speedstar auf der Highway 466 mit einem Ford Sedan zusammenprallte. Das Ereignis erinnert ein bisschen an Camus.
Nun habe ich persönlich mit James Dean eigentlich ganz und gar nichts am Hut. Ich habe nie ganz begriffen, weshalb man ihn hochstilisiert hat, wo er doch bloss 173 gross und Brillenträger war. Wahrscheinlich war er wirklich sehr kurzsichtig, und schaute deshalb in die Welt mit einer Mischung aus jugendlichem Missmut und Aufsässigkeit. Aber wird man damit schon zum Giganten, zum Rebellen? Tatsache ist, dass Dean zum Vorläufer unserer Jugendbewegung gemacht worden ist, zum 68er avant la lettre. In seinem dunkeln Mantel schleicht er hier über den leeren Times Square. Und die späteren Generationen finden in dieser Zufälligkeit eine jugendliche Gebärdensprache, einen baudelairschen Helden, der die ganze juvenile Ungeduld und Aggressivität, diese moderne Mischung aus Nervosität und Schüchternheit in die Welt schreit.
Auf dem Foto sieht er unscheinbar aus. Es ist regnerisch und unklar. Bei seinem dunkeln Mantel hat er den Kragen hochgeschlagen. Eine Chesterfield steckt zwischen seinen Lippen. Weshalb eigentlich Chesterfield? Es muss Morgen sein, denn der Times Square ist mehr oder weniger leer. Und wir alle wissen, dass die New Yorker ungefähr viertel vor zehn für ihren ersten Starbucks Kaffee anstehen. Und hier hat der junge Kerl schon eine Zigarette im Mund! Hinten erscheint die grosse Reklamewand, das Markenzeichen des Times Square. Sie verschwindet im Grau des Nebels und des Regens. Und die Eisengitter rechts, die den Verkehr regeln, entsprechen mit den provisorischen Abschrankungen links. Es sieht alles nach purer Zufälligkeit aus. Und im grauen Asphalt reflektiert sich der missmutige Jüngling, der zum Vorreiter der Teenager werden soll. Es gibt ein ähnliches Foto von Cartier-Bresson, das Giacometti in Paris zeigt. Doch mindestens war damals Giacometti ein bekannter Mann. Hier ist aber auf dem morgendlichen Broadway nur ein kleiner Narziss unterwwegs, der noch selbst kaum weiss, wer er ist. Und vielleicht ist er zu diesen nassen Morgenstunden auch noch nicht ganz wach. Er hat Theater und kleine Rollen im Fernsehen gespielt. Berühmt wird er im Kino werden. Ein Film ist bereits abgedreht: "Rebel without cause". Das ist sozusagen sein ästhetisches Programm. Im Kino Astor, das man auf dem Foto linkerhand sieht, wird seine Uraufführung stattfinden.
Alles kann zum Mythos werden. Auch ein junger, zerknitterter Mann auf dem morgendlichen Broadway, der sich irgendwo einen faden und überzuckerten Kaffee sucht. Ein Mythos ist eine Botschaft. James Dean wurde zum Mythos gemacht, das den Nerv der Zeit traf. Eine Botschaft des jugendlichen Aufbegehrens. Es blieb ihm, dem jungen Narziss, erspart, alt, hässlich und ungeschickt zu werden. "Lebe schnell, sterbe jung und habe einen schönen Leichnahm", soll er oft aus dem Film "Knock on Any Door" zitiert haben. Es ist wie eine Regieanweisung für seine Selbststilisierung.
Offenbar war er eitel, was man doch von einem Rebell nicht direkt erwartet. Einmal, so wird erzählt, soll er versucht haben, als Fotopose Michelangelos David einzunehmen. Ein David des 20. Jahrhunderts? Auf jeden Fall waren bisher Brando und Presley die noch etwas unentschiedenen Idole. Und jetzt wird es Dean, der Jugend nicht als Unreife, sondern als eigentlichen und wahren Seinszustand deklariert. James Dean ist der Anfang des Teenager Kultes. Und dabei war er zum Zeitpunkt dieses Fotos längst ein purer Twen. Dazu war er längst tot. Aber Tote, so weiss man, leben eben etwas länger!
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Gruss
Donnerstag, 4. August 2016
Ausflug im Wallis
date 6 August 17:59
subject Re: :-)
Liebe Malou
Unser Chat gestern war sehr gut. Fandest du das auch? Ich habe es sehr genossen und es war schade, dass ich hinausgeflogen bin. Aber wir waren ja ziemlich lange dran und haben die heikelsten Fragen elegant gemieden.
Heute habe ich einen Ausflug ins Wallis gemacht. Es war allerding ziemlich schlechtes Wetter. Erst jetzt, am Abend, wird es wieder heller und die Sonne kommt zum Vorschein. Zeitweise war es ziemlich kalt, sogar im Eisenbahnwagen.
Ich war in Brig und fand bestätigt, was ich schon immer gewusst habe: es ist ein Nest.es gab da zwar irgend ein kleines Velorennen mit viel Lärm durch die Lautsprecher. Aber sonst war es irgendwie ausgestorben, langweilig, gottverlassen. So habe ich nur ein kleines Sandwich gegessen und bin weiter das Tal hinunter Richtung Lausanne. Und schliesslich weiter via Neuchatel und Solothurn wieder Richtung Basel.
Es gibt im Zug ja viel zu beobachten. Und ausserdem habe ich natürlich viel Lektüre mitgehabt. Das ist die beste Beschäftigung im Zug, neben dem göttlichen Schlaf. Den habe ich auch ausgiebig genossen.
Und jetzt bin ich gerade im Büro und bereite meinen Montag vor.
Ich wünsche dir einen prima Sonntagabend und natürlich Wochenanfang.
Liebe Grüsse
Mittwoch, 3. August 2016
Der Rat einer Expertin.. ;-))
date 5 August 09:52
subject :-)
Lieber Mausfreund,
Nein, komischerweise bin ich nicht das geringste eifersüchtig, was
mich selbst etwas erstaunt.. Im Gegenteil finde ich es wunderbar,
dass du mich nun auch ein wenig an deinem Privatleben teilnehmen
lässt. Was man tun soll, wenn man in eine solche Situation gerät?
Freue dich während es dich "lebendig" macht und gib dem ganzen die
Zeit, die es braucht, um vorüberzugehen. Das ist der Rat einer
Expertin.. ;-)) Kann so zwei Jahre dauern.
Unter meinen Freunden, meist Männer, gibt es einen, der immer wieder
mit solchen Problemen zu tun hat. Es ist fast als könnte er nicht
leben ohne ein spannendes Verhältnis nebenbei zu haben. Und wenn mit
der Zeit sein Interesse nachlässt, hat er Probleme die Damen
loszuwerden und klagt mir sein Leid. Er ist Oberarzt in einem
Krankenhaus und natürlich umgeben von vielen hübschen jungen Frauen,
die zu ihm aufsehen und sich verlieben. Selbst meint er, dass es
gerade diese Bewunderung ist, die er braucht.
Ich muss mich nun fertig machen, um mit Anna in die Stadt zu fahren.
Die Geschäfte schliessen Samstags früher. Doch ich komme nachher
nochmals ins gmail und schreibe mein Mail fertig.
Bis dahin alles Liebe und einen freundschaftlichen Kuss (du weisst wohin),
Malou
Ecco
date 5 August 08:53
subject Ecco
Liebe Malou
Das war eine kleine Überraschung, dich plötzlich in einem chat zu treffen. Lustig, dass du gedacht hast, ich hätte getrunken. Ich war so nüchtern wie eine Tasse kalter Kaffee. Aber in guter Stimmung und noch einigermassen wach. Ich hatte den Eindruck, du bist fast ein wenig erschrocken. Und dann war plötzlich zu Ende.
Wir haben hier kühles Wetter. Es ist kaum mehr 13°. Schnee liegt bis 2000m herunter, hat mir jemand erzählt. Ich weiss gar nicht, wie jetzt unsere Bohnen im Garten schimpfen. Bohnen lieben die Wärme und sind auf solche Schocks sehr empfindlich. Nu ja, wir werden sehen.
Erzähle mir noch ein bisschen vom Norden. Hat sich was verändert. Gibt es immer noch diese vielen Fische im Fluss? Ich habe noch das Bild in Erinnerung, auf dem du in einem dicken Pullover vor dem Fluss stehst. Und dahinter hört man das Rauschen sozusagen.
Ich habe jetzt noch 2 Wochen Ferien. Habe mir gedacht, dass ich ein wenig in der Schweiz herumreise. Ich will dies und jenes ansehen und mich ein bisschen vergnügen. Man soll ja doch den Schweizern auch ein bisschen Aufmerksamkeit gönnen. Alle reisen in den Ferien heutzutage noch am gleichen Tag, da die Arbeit endet, los irgendwo in südliche Orte wie Spanien, Italien, Griechenland oder sogar weiter. Und dabei kann es hier in der Schweiz recht heiss und schön sein. Mittlerweile kommen die Inder und die Chinesen zu uns auf Besuch. Sie besuchen Luzern, fahren auf den Pilatus oder sogar zur Jungfrau hinauf und sind, wenn ich recht höre, ganz begeistert. Aber sie wollen ihre eigenen Mahlzeiten. Die Hotels mussten umstellen. Sie essen nicht Kartoffeln und Wienerschnitzel oder Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti. Darin sind sie noch nicht sehr entwickelte Touristen. Ähnlich wie die Deutschen, die auch auf der ganzen Welt ihre eigenen Würstel essen wollen. Und auf der Jungfrau stehen sie mit ihren Sandalen im Schnee und staunen, wie rutschig die Schweiz in Wirklichkeit sein kann.
Ja, mein Harem. Du hast recht. Ich bin ziemlich im Stress. Aber das wird auch vorbeigehen. Ich habe mich ein bisschen verliebt in eine Ärztin aus Zürich. Und ich weiss noch nicht recht, was ich damit anfangen soll. Es gibt mir viel Freude und Energie. Aber eben, du kannst dir ja schon vorstellen in meiner Situation .... Im Moment ist sie in Buenos Aires. Sie ist passionierte Tango-Tänzerin und geniesst es dort offenbar.
Es ist schön, eine alte Mausfreundin zu haben, der man alle Sünden beichten kann. Schreib mir bald und sei nicht eifersüchtig!
Herzliche Grüsse und Küsse
...
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chat
Dienstag, 2. August 2016
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