Sonntag, 14. August 2016

Irgendwie hast du ja recht ...



Lieber ...,
Na ja, irgendwie hast du ja recht. Ich werde auch wütend, wenn ich die Chefs unserer grossen Konzerne sehe. Und gerade heute habe ich gehört, dass die vermögenen Schweden nun ebenso reich sind wie die vermögenen Amerikaner. In den früheren Angaben hatte man vergessen das Vermögen, das sie im Ausland verstecken mitzuzählen. Aber man darf nicht vergessen, dass sich niemand etwas mitnehmen kann dorthin, wo wir alle schliesslich landen.
In dem italienischen Himmel.. ;-)))
Dies nur kurz jetzt..
Kuss
Malou


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Liebe Malou
Wenn ich das schon höre "irgendwie hast du ja recht".
N E I N   Malou,
ich habe total recht. Ich habe sowas von recht.  Nein, die Wirtschaft ist uns total aus den Fugen geraten. Es ist ungefähr so wie im Europa des 19. Jahrhunderts, bloss heute weltweit. Mindestens in den Industriestaaten. Und die armen Staaten werden ärmer, das hören wir fast täglich in den Nachrichten.
"Man kann gar nicht soviel essen, wie man kotzen möchte".
Weisst du Malou, ich glaube, wir gehören zum Mittelstand. Und wir müssen uns gegen solche Verhältnisse zur Wehr setzen. Die armen Menschen können das nicht und tun es nicht. Aber wir können es, obwohl wir mit unseren Löhnen eigentlich gut leben können. Wir sind nicht unter Druck. Trotzdem müssen wir uns dagegen wehren, weil es einfach pervers ist.
Wir haben hier feines Herbstwetter, ziemlich mild, aber doch irgendwie dezemberig. Es ist angenehm und schön, fast so schön wie unter einem italienischen Himmel.
Ja, wir müssen den italienischen Himmel fördern. Es gibt ihn ja schon ein bisschen. Der Papst rasselt mit dem Schlüsselbund. Er kontrolliert sozusagen den Eingang. Ich frage mich, ob man auch im Bikini in den italienischen Himmel treten kann. Dabei kommt mir eine lustige Walliser Sage in den Sinn. Sie erzählt von Seline, die früh Verstorbene. Die Eltern überlegen sich, dass es nach all dem Schmerz auch nützlich sei, jemanden im Himmel zu haben, der sich auskennt. Wenn sie selbst dann einmal eintreten, unvorbereitet, vielleicht in den Werktagsschuhen, dann wird Seline sie in Empfang nehmen und ihnen zeigen, wie es dort oben so läuft, wie man den lieben Gott ansprechen soll und all die anderen wichtigen Dinge.
Am Radio besprechen sie gerade das Problem der Gratiszeitungen, Pendlerzeitung nennt man sie. Es gibt schon ungefähr 4. Sie liegen überall auf, besonders auf den Bahnhöfen. Ich pflege darüber zu sagen "sie sehen aus wie Zeitungen, sind aber in Wirklichkeit keine Zeitungen". Das heisst, sie äussern sich nicht über Politik, sie geben keine Hintergründe und sie machen keine Kommentare. Neuigkeiten kann man überall bekommen. Aber Meinungsbildung und Differenzierung des Urteils, das geschieht nicht. Gerade heute ist eine neue Variante zum ersten mal erschienen. Ich habe sie mir angeschaut. Sie ist ein bisschen differenzierter als die anderen, aber nicht wirklich gut. Ich glaube, ich bleibe bei meiner NZZ am Wochenende.
Ich wünsche dir einen prima Tag
Liebe Gs und Ks und Qs
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