Liebe Marlena
...
Und ich habe diese hübsche sprachliche Wendung nur
wegen dir gefunden, wegen dieser Marlena, 2000 km
weit weg irgendwo im kühlen Norden. Und natürlich
dank unserer (platonischen) Intimität und den ziemlich
dichten Gefühlen und den malvoisiierenden Vorstellungen,
die wir beide hier gärtnern. Ich danke Gott, dass es dich
gibt. Ohne dich wäre ich ein bisschen einsamer und
verlorener auf dieser Erde.
Hör mal an, Rilke hat mich erstaunt:
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiss: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.
Ich finde das ganz enorm. Hörst du, er tröstet ihn,
er möchte ihm helfen, er will bereit sein, im Dunkeln
einen Drink zu reichen, hörst du das? Er sieht noch
eine kleine Überlegenheit seines Nachbars, aber es
ist doch ein Nachbar, der Gott heisst, fast schon auf
gleicher Ebene. Beinahe mit ihm angestossen hat er.
Und das war mindestens vor 100 Jahren geschrieben.
Grossartige Brüderschaft!
Mit einem allerliebsten Gruss
…