Sonntag, 30. April 2017

O hur härligt majsol ler ..




(hier)

kannst du sehen wie man feiert und die Lieder hören
die man am 30 April und am 1. Mai singt



und heute
 natürlich auch andere Aktivitäten

hier in Göteborg









Valborg 30 April

 (R)




Lieber ...,

Du weißt vielleicht dass der letzte April bei uns gross gefeiert wird. Es ist Valborgsmässo- afton, der Abend an dem man den Frühling willkommen heisst und die Finsternis verjagt. Überall zündet man Feuer an und Männerchöre singen die typischen Lieder, die mich immer so nostalgisch machen wie z.B. "Sköna maj välkommen" oder "Oh, hur härligt majsol ler" (Oh, wie herrlich die Maisonne lächelt). Die Sänger tragen dabei die weissen Sängermützen (sehen aus wie unsere weissen Studentenmützen die man bekommt wenn man das Abitur bestanden hat). Ich liebe diesen Abend und diese Lieder, denn ich bin damit aufgewachsen. Mein Onkel war Sänger in einem Männerchor und sein bester Freund war der Dirigent dieses Chores. So fuhren wir an solchen Abenden von Feuer zu Feuer und ich hörte diese schönen Lieder wieder und wieder. Nachher wurde noch die ganze Nacht "gefestet". Besonders in Uppsala (und auch anderen grossen Universitätsstädten) wird Valborg sehr gross gefeiert. Ich erinnere mich noch gut an solche Abende in Uppsala wo ich im Schein des Feuers die schönen Lieder und die Rede an den Frühling hörte und vielleicht die nähe spürte von jemanden in den ich ein bisschen verliebt war und der dann zu demselben Fest eingeladen war. Alle Studentnationen haben s.g. "gask" an diesem Abend und daneben werden auch viele private Feste veranstaltet. Am nächsten Tag kommt dann noch der grosse "majmiddag" zu dem sich auch alle Professoren und Honoratiores einfinden. Es ist sehr feierlich und alle tragen ihre weissen Mützen, die mit der Zeit immer weniger weiss aussehen (d.h. eine schöne Patina bekommen ) :-)

Hier zu Hause legen wir am Valborgsmässoafton, wenn wir nach Hause kommen eine Platte auf mit den typischen Liedern. Es ist eine alte etwas raspige Platte aber es macht nichts. Im Gegenteil, es hört sich an wie das Knistern des Feuers und macht das ganze noch mehr authentisch.

Nun, also an diesem Abend bin ich noch schnell mit Anna zum Heimatmuseum gegangen um das Feuer anzusehen. Nachher kam noch das übliche Feuerwerk das dieses Jahr sehr imponierend war. Vielleicht hatte man noch Raketen von der Neujahrsfeier übrig. ;-)

Wir sind nicht so lange geblieben, weil ich am nächsten Morgen früh aufstehen musste um den Bus nach Prag zu nehmen.


(Mai 2000)

Donnerstag, 27. April 2017

Re: Alva Myrdal


Ämne: Re: Alva Myrdal
Datum: den 8 maj  10:02

Lieber ...,
Das Paar Gunnar und Alva Myrdal haben lange Zeit hindurch das Kulturelle Leben in Schweden dominiert. Immerzu hat man über sie geschrieben. Über ihre Karrieren und über ihr Privatleben. Das spätere wurde so dargestellt, dass man es gern als Vorbild haben wollte. Sich lieben und doch so frei voneinander zu sein, dass eine berufliche Karriere, bei der man nicht immer zusammenleben musste, möglich war.

Und dann kam der grosse Schock, als ihre "Missgeburt" von Sohn, seinen Roman über seine Kindheit in dieser Familie schrieb. Die Eltern waren alt und konnten sich nicht mehr richtig verteidigen gegen die groben Anklagen. Sie mussten sogar zuhören, wie er im Rundfunk laut aus seinem Buch vorlas. Wegen diesem Buch von ihm, glaube ich, haben die zwei Töchter ihre Bücher über die Familie geschrieben. Sie wollten den Ruf ihrer Eltern wiederherstellen.
Ich glaube es könnte interessant sein für dich diese Bücher zu lesen. Zu sehen, wie ein und dasselbe Geschehen so verschieden erlebt wird von den Kindern. Meine persönliche Reflektion ist, dass der Vater insgeheim von diesem Jungen enttäuscht war. Er war nicht so, wie er sich seinen Sohn gewünscht hatte und ich glaube eine solche Einstellung kann man nicht verbergen. Das Kind fühlt sie instinktiv.
*
Ich bin überrascht davon dass du mir auch Abendmails geschrieben hast. Ich dachte immer ich hätte einen grossen Vorteil, dir am Abend schreiben zu können, wenn ich frei bin über meine Zeit zu verfügen. Ich glaube sogar, dass ein Morgen- und ein Abendmail sich unterscheiden. Vielleicht schreibt man das letztere mehr mit der anderen Gehirnhälfte. Wsarum hast du sie nicht gleich abends abgeschickt?
*
Ja, ich habe es selbst bemerkt dieses "hinter sich bringen". Es klingt nicht gut, aber manchmal denke ich wirklich so über das Leben.. aber auch wirklich nur manchmal. Und ich habe es stehenlassen weil ich wusste, dass du darauf reagieren würdest. ;-)
*
Wie meinst du, hast du dein Bett im Wohnzimmer aufgestellt? Oder schläfst du auf dem schönen Sofa ein? Auch bei mir kommt es öfters vor, dass ich spät in der Nacht, so um zwei Uhr, runterschleiche und das Licht und den Fernseher ausschalte, vor dem K eingeschlafen ist. Ich muss sagen, dass ich das nicht besonders mag. Zwar gönne ich es mir, in meiner Freizeit ziemlich bohemisch zu sein. Aber es gibt Grenzen.
*
So, nun muss ich mich schon beeilen.
Wenn du dazu kommst, schreib mir noch ein paar Zeilen. Heute habe ich wieder eine Konferenz mit dem Männertrio, die so sehr gegen einander intrigieren. Manchmal amüsiert es mich, dabei zuzusehen, aber meistens erschrecke ich über die Niedrigkeit der menschlichen Natur.

Ich Grüsse dich nochmals lieb,
Marlena


Gruss


Subject: Gruss
Date: Thu, 8 May


Liebe Marlena
Ach, wie Du das sagst, ... das Leben hinter sich bringen ..., das klingt wie
eine Pflichtübung, etwa so, wie man in einen sauren Apfel beissen muss. Ja,
ich finde es auch ein interessantes Thema, das eigentlich erst in den
letzten Jahren wieder hochgekommen ist. Oder vielleicht habe ich es erst in
den letzten Jahren entdeckt.
Meine Schwäche dabei ist, dass ich selbst so schwer Gewohnheiten entwickle.
Ich finde, für ein gutes Leben braucht es stabile Gewohnheiten. Sie bilden
das Gerüst der Existenz, sozusagen die Primärkonstruktion des Hauses. Aber
ich bin ein Typ, der gerne nach der Laune lebt. Und das ist vielleicht in
sich eine Art Stil, hat aber keinen ;--)
Wie Du vielleicht bemerkt hast, stehe ich mal eine Zeitlang um 06.00h auf,
dann wird es für einige Zeit 7.00h. Früher habe ich die Mails an Dich abends
geschrieben, jetzt tue ich morgens in der Früh. Es gibt viele Dinge, die so
laufen. Und das finde ich eigentlich nicht so besonders gut, wenn ich mein
Leben überblicke. Aber wenn ich mitten drin bin (im Leben) merke ich es
kaum, oder eben, habe das Bedürfnis nach Wechsel. Das ist eine Art
Unstetigkeit, die viele Nachteile hat. Früher hatte ich gedacht, das sei
eben eine Art künstlerische Natur, die den Moment und die absolute Gegenwart
über alles setzt. Aber mit den Jahren merke ich, wie sehr man momentanen
Dingen ausgesetzt ist, wie sehr das eben unstet wird, wie mühevoll es ist,
die Dinge zu Ende zu bringen. Du hast das sicherlich bemerkt, wie sehr im
manchmal im Moment irgend einer Idee nachhänge und Absichten habe, die
dann aber in späteren Momenten wieder verschwinden, weil neue Dinge
auftauchen. Am stärksten wirkt das zwischen Arbeit und privaten Plänen.
Wollte ich nicht ein Kinderbuch machen in einer vielleicht ruhigeren Phase?
Ich mache mich also dran. Aber plötzlich kommt in der Arbeit eine neue Aufgabe,
eine Stressphase oder irgend was, und alles Private wird wieder zurückgedrängt.
So schwanke ich auf den Wellen und führe nur schwer meinen Kurs. Das ist es
doch wohl. Und schliesslich ärgere ich mich, dass ich dies oder jenes nicht
wirklich vollendet habe.
Kurz und gut, das Thema finde ich interessant, weil es an meinem Leben noch
Vieles auszubessern gibt.
Aber, und das ist vielleicht das Wichtigste: die Lebenskunst ist eine Kunst,
worin es keine Spezialisten gibt. Jeder kennt sich da aus. Der eine
intuitiv, der andere mit vielen ausgeklügelten Gedanken. Dein Gefühl, Dich
in solchen Dingen nicht besonders auszukennen, ist nicht nötig. Es gibt
keine Spezialisten in dieser Sparte.
*
Ja, ich habe die Möglichkeit, vom Bett zu fernsehen. Aber eigentlich würde
ich das nicht sonderlich empfehlen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass
ich im Fernsehraum schlafe. Beim Nachmittagsschläfchen ist das sehr gut. Es
gibt keine bessere Möglichkeit, die Gedanken von der Arbeit und den
Alltagssorgen abzuziehen und bei einer leichten Talkshow einzuschlafen. Das
ist geradezu himmlisch.
Aber abends kann es schon mal passieren, dass ich um 02.00h aufwache und
der TV immer noch läuft. Das ist nicht gut und ich versuche es zu vermeiden,
so gut es geht.
Aber die Erkenntnis bleibt: es gibt Sendungen, die sind prima zum
Einschlafen. Andere sind interessant und halten wach. Und die dritten sind
irgendwie aufregend und machen eher nervös. Aus diesen drei Fläschchen
wähle ich, je nachdem, ob ich schlafen, wachen oder Sensationen will. Doch
Sensationen will ich eigentlich kaum mehr.
*
Wer sind die beiden Alva und Gunnar Myrdal? Erzähl mir bitte in ein paar
Sätzen davon. Ich möchte nicht ihretwegen ins Internet. Offenbar haben alle
ihre griechischen Tragödien. Und manchmal sind sie nicht mal griechisch,
sondern sehr persönlich und lokal gefärbt.
*
Und schliesslich noch Deine Verliebtheit als Lebensprinzip. Ich glaube, ich
verstehe schon einigermassen, was Du meinst, diese Liebesbegabung. Ich
weiss auch, was Du meinst, wenn Du sagst, sie sei nicht primär sexuell.
Trotzdem kann man das aber doch Erotik nennen, denke ich, weil ja Erotik
auch nicht primär sexuell sein braucht. Oder nicht? Ich glaube, für Männer
ist Sexualität und Erotik vor allem auch eine Entspannungsdroge. Das
jedenfalls dachte ich, als wir mit dem Klatsch der Levinsky-Geschichte
überschüttet wurden. Eine sexuelle Geschichte befreit am schnellsten vom
Alltagsstress und den vielen Gedanken, was noch an Arbeit zu tun sei. Es ist
eine Möglichkeit der kurzen Erlösung. Und viele männliche Seitensprünge
hängen wahrscheinlich damit zusammen. Die armen Männer können anders
kaum mehr abschalten. Auf jeden Fall wenn ich Lust auf eine kleine Affäre
habe, dann ist es meist der Druck. Aber ich halte mich doch ziemlich zurück.

Ja, auf dem Foto siehst Du sehr vergnügt und brav aus, aber auch offen für
das Leben. Es ist doch wunderbar, eine 1000ste zu finden, die eine solch
gute Figur abgibt und mit Freude mitmacht. Das ist ein ideales Medienstück.
Und ist wirklich schön, dass Du das Foto immer noch hast. Solche Dinge muss
man wirklich scannen. In weiteren 20 Jahren ist das Papier nämlich total
vergilbt und absolut zerstört. Im PC behält das Bild hingegen seine ewige
Schönheit.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...

Montag, 24. April 2017

Du polierst meine Gedanken ..


Ämne: Kunterbunt..

Lieber ...,
Wie kann ich dir danken für dein schönes Mail? Ich frage mich immer wieder, was für ein glücklicher Stern dich in meinen Weg geführt hat.

Zuerst möchte ich dir sagen, dass ich dich keineswegs als einen Lehrer betrachte. Nicht in dem Sinne, wie du meinst. Für mich ist es etwas sehr positives. Du kennst dich in so viel Dingen gut aus und bereicherst mich mit deinem Wissen. Und ich bin dir sehr dankbar dafür. Nur muss ich eben manchmal lachen über das, was ich selbst schreibe, denn ich äussere mich ab und zu über Dinge, von denen ich nicht besonders viel weiss. Aber du bist lieb. Polierst meine Gedanken und machst sie so schön, dass ich sie kaum wiedererkenne und zu guter letzt sogar stolz bin darauf. Ich liebe dich dafür. Doch gerade dabei kommt mir auch der kleine Verdacht, dass du nicht ganz ehrlich bist. So wie ein Lehrer Lob verteilen kann mit einer bestimmten Absicht.. nicht weil das Lob berechtigt ist. Wie dem auch sei: Es werden schöne Mails daraus. Und das ist ja das wichtigste, da wir nur durch das Wort für einander existieren.
Du weisst doch, dass mich das Thema interessiert. Vielleicht ist es sogar das interessanteste Thema, das es gibt. Wie man das Leben so gut wie möglich hinter sich bringt.

Was habe ich dir längst gesagt? Aber, schau dir doch noch einmal das Bild von dem ordentlichen kleinen Mädchen an. Siehst du darin eine zukünftige "amoureuse Professionelle"? Ich habe nicht wenig gelacht über diesen Scherz.

(---)

Übrigens, auf dem Portrait hinter mir siehst du keinen König sondern einen der Honoratiores unserer Nation. Professoren und andere prominente Mitglieder der Nation bleiben Mitglieder als Senioren. Ja, ich sehe sehr anständig aus dort. Genau wie es meiner Tante gefallen hat, mit Perlenkette und aufgestecktem Haar. Oh, meine arme Tante, wenn sie sehen könnte, wie ich heutzutage herumgehe. Aber es ist eine andere Zeit. Jeans sind fast zur Uniform geworden nicht nur für junge Leute. Aber vielleicht ist es auch ein Protest gegen meine Erziehung. Das glaube ich fast.

*

Hier beginnt es nun grün zu werden. Du weisst, diese ersten kleinen hellgrünen Blätter, die wie hauchdünne durchsichtige Schleier an den Bäumen aussehen. Immer wieder bin ich ganz hingerissen von diesem Anblick. Und im Garten beginnen die Tulpen und die Narzissen aufzublühen (heisst es so?). Der Rasen ist schon ganz grün. Die Johannisbeer- und Stachelbeersträucher sind auch schon grün aber die Obstbäume lassen nocht auf sich warten. Ich denke bei euch dort unten muss alles schon viel früher sein.
*
Dieser Roman, den du gern schreiben möchtest, interessiert mich. Weisst du, ich glaube Glück und Unglück laufen parallel in unserem Leben, wie zwei Eisenbahnschienen. Man ist nicht glücklich oder unglücklich. Man ist beides zugleich.
Ich bin sehr neugierig auf ein neues Buch über die Familie Myrdal, das heute in unserer Lokalzeitung (die grösste in Schweden!) rezensiert wird. Alva und Gunnar Myrdal, die ich in meiner Jugend irgendwie als Vorbild hatte für eine gute Ehe. Bis ihr Sohn einen Roman über seine Eltern schrieb. Auch die beiden Töchter haben übrigens Bücher über ihre Kindheit geschrieben. Aber das seine war grausam. ".. er schrieb "seine Wahrheit" auf Strindbergsche Art um su verletzten und zu töten".
Ich frage mich, ob seine Bücher ins Deutsche übersetzt sind. Das neue Buch ist von Kerstin Vinterhed geschrieben und hat den Titel "Liebe im 20. Jahrhundert". Man nennt es eine moderne griechische Tragödie. Es handelt u.a. von der Schwierigkeit Karriere und Familienleben zu vereinigen.
Falls es dich interessiert kannst du in http://www.google unter Jan Myrdal oder Gunnar Myrdal (der Sohn) suchen.
*
Oh, du Glückspilz! Kannst vom Bett aus fernsehen. Hast du ein eigenes Schlafzimmer? Und falls du einschläfst, läuft der Apparat die ganze Nacht weiter? Du siehst ich mache mir ganz konkrete Vorstellungen. ;-)
*
Die kleine Schweizerin ist wieder lange nach der letzten Stunde zurückgeblieben. Sie scheint ihren Aufenthalt hier bei uns sehr zu geniessen. Unglaublich wie gut das Mädchen die Sprache beherrscht nach so kurzer Zeit. Und heute hat sie mir auch von ihren Lateinstudien in der CH erzählt, die sie wieder aufnehmen muss, wenn sie nach Hause kommt.

Nun muss ich schliessen.
Mit lieben Grüssen,
Marlena

PS Ich muss mir wieder ein Rechtschreibungsprogramm installieren. Auf Schwedisch schreibt man "karriär" und "parallell". Diese kleinen Unterschiede finde ich am schwierigsten.


Sonntag, 23. April 2017

Tough Viking




Gestern in Göteborg





















Re: Glück?


Date: Wed, 7 May 08:22

Liebe Marlena

Ja, das ist ein lustiges Foto. Ich liebe solche Fotos, diese vergilbten
Dinger, die vom Leben und von den langen Zeiten erzählen, die darüber
hinweggegangen sind. Schön, dass Du es aufbewahrt hast.

(---)

Ich glaube, das schliesst genau an unsere kleine Diskussion des
Lebensglückes, die Dir erscheint wie ein Gespräch zwischen Schüler und
Lehrer. Letztere Aussage hat mich übrigens erstaunt, und eigentlich hat sie
mir auch nicht gefallen. Weshalb Lehrer und Schüler? Könnte ich Dir irgend
etwas beibringen? Nein, das ist niemals so. Wenn meine Sätze vielleicht
etwas lehrerhaft klingen, dann deshalb, weil ich mich selbst zu überzeugen
suche. Ich suche doch Erkenntnisse, oder zumindest Aussagen, die
einigermassen hinhalten. Und dann mag es ein wenig klingen wie in einer
Lektion. Aber es ist, streng genommen, eine Auto-Lektion.

Ich glaube, die beiden Aspekte, die Du erwähnst, sind wirklich sehr
zutreffend. Einerseits wählen wir den Filter nicht ganz alleine. Aber, und
das behaupte ich einfach so in die frische Morgenluft hinaus, ohne beweisen
zu können, ich behaupte, dass man sich anstrengen sollte, den Filter selbst
zu wählen. Das gilt gerade für Menschen, die vielleicht bei Geburt eine
leicht dunkle Variante in die Hand gedrückt bekommen haben. Wir sind
vielleicht nicht ganz frei. Aber wenn irgendwo noch eine kleine Wahlchance
besteht, dann doch hier und dann muss man sie nutzen. Und wenn das gelingt,
dann ist es so, wie wenn man beim Gehen mit einem Fuss einen leicht
kräftigeren Schritt tut als mit dem anderen. Das ändert die Gehrichtung nur
ganz wenig, wirklich nur minimal , vielleicht 1 oder 2°. Aber nach 20km ist
man dennoch an einem völlig anderen Ort als wenn man das nicht getan hätte.
Man muss doch als Mensch nach diesen kleinen Lücken der individuellen
Freiheit Ausschau halten, vor allem in Zeiten, da sie einem in einem Genom,
in einem 'Buch des Lebens' - wie sie sagen - festschreiben wollen.

Und Dein zweites Argument ist jenes, dass es vielleicht genügte, 'nicht
unglücklich' zu sein, damit die schönen Momente eine Chance haben. Das
finde ich sehr feinsinnig gedacht. Der Gedanke gefällt mir überaus gut. Ich
glaube, ich habe so was ähnliches bei John Stuart Mill gelesen, der sich
Gedanken gemacht hat, was das Ziel des Staates sei. Und, wenn ich mich
richtig erinnere, war sein formuliertes Ziel das möglichst grosse Glück für
möglichst viele. Und das Glück besteht für Mill in der Vermeidung von
Unglück. Oder so ähnlich. Mill war im Leben ein Langweiler, aber in seinen
Gedanken war er exzellent. Nein, jetzt erinnere ich mich genauer, ich habe
es bei einem antiken Römer gelesen. Der Name kommt mir im Moment nicht.
Aber ich war erstaunt gewesen, weil das Image dieses römischen
Lebensphilosophen eigentlich ziemlich ruiniert war unter heutigen Menschen.
Man hält ihn für einen puren Lustmenschen, während er doch eigentlich ein
sehr vernünftiger Unglückvermeider war. Seine Anhänger wurden Schweinchen
genannt, und ich glaube, es war vor allem die Katholische Kirche, die ihn
schlecht gemacht und alles Negative angedichtet hat. Ja, nicht unglücklich zu
sein, bedeutet ja eine Art von Freiheit. Und in dieser Freiheit ist man offen, für
die schönen und glücklichen Momente des Lebens. Das ist wirklich die
Philosophie, die ich in meinem fiktiven Roman vertreten würde. Brauchte
man dazu zwei Figuren, die eine, die das schafft und die andere, der es
misslingt.
*
Bitte, Marlena, sag nicht, Du fühlst Dich wie das kleine Kind vor dem
Lehrer? Weshalb eigentlich? Weil Dich das Thema gar nicht interessierte?
Dass Du eine amoureuse professionelle bist, das hast Du mir längst gesagt.
Das ist ja doch die Idee, während der ganzen Lebenszeit einigermassen
droguée zu sein. Ist das nicht eine Lebenseinstellung ähnlich derjenigen
Casanovas. Muss man sich da nicht ständig neu verlieben? Ist das möglich?
Ist das nicht äusserst anstrengend? Ich bin da etwas skeptisch. Aber ein
Ziel kann das natürlich sein. Es ist eine konsequente und intensive
Verwendung der Erotik im Leben, nicht wahr?
*
Es ist nicht so, dass S nicht weiss, wann sie geboren und wie alt sie ist.
Sie weiss das ganz genau. Aber sie ist mehr oder weniger die einzige, die es
weiss. Ich habe einen schönen Blumenstrauss heimgebracht. Ich hatte ihr
vorgeschlagen, dass wir auswärts essen sollten. Aber S. wurde bereits zum
Mittagessen von einer Freundin eingeladen. Und abends wollen wir wirklich
nicht mehr so viel essen. So haben wir das Vorhaben verschoben. Gestern war
sie dann nochmals zum Essen eingeladen und hat begeistert erzählt, wen sie
noch alles im Restaurant gesehen und angetroffen hat. Ich glaube, sie hat es
genossen. Jedenfalls hatte ich ein Telefonat zugehört mit J., dem
holländischen Freund, den S. noch aus Teherans Tagen kennt. Das hat alles
ziemlich zufrieden geklungen, also offen für das kleine Glück des Tages
(s.o.).
*
Gestern war ich über Mittag in Basel. Es war ziemlich warm, und ich bin über
den Rhein nach Kleinbasel gefahren. Das ist der neuer Teil der Stadt, dort,
wo die ärmeren Leute gelebt haben. Heute ist dort die Atmosphäre so wie
irgendwo im Ausland. Es gibt viele Frauen mit Schleier, viele türkische
Restaurants, auch zunehmend Schwarze. In der Dämmerung der Mittagswärme
so zu flanieren, als ob ich im Ausland wäre, das habe ich genossen. Zufällig
bin ich schliesslich an ein Buchantiquariat geraten, und konnte nicht
widerstehen, in der staubigen Höhle zu schnuppern. Der Raum war vollgestopft
mit Gestellen, die bis zur Decke reichten, so dass nur sehr enge Schluchten
übrig blieben, worin man sich durchzwängen musste. Ich liess mir die
Felswand mit den Kunstbüchern zeigen. Die Bände standen dichtgedrängt. Und
wehe, wenn du einen herausgezogen hattest, du konntest ihn kaum wieder
zurückstellen, denn die übrigen Bände schlossen schnell die Reihe, als ob
sie ihre Plätze eifersüchtig verteidigten. Und einige musste ich
herauszerren, wenigstens, um die Preise kennen zu lernen. Die Preise waren,
um es kurz zu machen, 30 bis 50% zu hoch. Ich dachte, er glaubt, Unikate
oder Erstausgaben in seinem Laden zu führen. Da war ein Fotoband über
Ferdinand Hodler, den bekannten expressionistischen Schweizermaler, für Fr.
120.- Die Fotos waren zwar gut, ich hatte die meisten davon noch nie
gesehen. Aber ein Buch für Fr. 120.- aus einem Antiquariat. Na ja,
vielleicht für eine Ausgabe aus den Zeiten Gutenbergs. Aber doch nicht ein
Band aus Mitte letzten Jahrhunderts.
Ich habe mir dann zuviel Gedanken gemacht, wie schnell ich wieder raus soll,
wie ich mich verabschieden sollte. Sollte ich etwas über die Preise sagen?
Soll ich gleich gehen oder noch etwas umschauen? Würde ich vielleicht
unerwarteterweise noch etwas Lustiges finden? Kurz und gut, ich zog mich
nach etwa 10 Minuten aus der Unterwelt zurück, ging rasch an ihm vorbei, der
beim Eingang in ein Buch vertieft gemütlich in einem Lehnstuhl lag. Ich
liess ihn nicht fragen, ob ich was Bestimmtes gesucht hätte. Aber ich
glaube, er war nicht mal enttäuscht. Er verabschiedete sich kurz und wandte
sich dann wieder seinem Buch zu. Kunststück, der Kerl hat einiges zu tun,
bis er seinen Laden leergelesen hat!

Und danach hatte ich Lust, noch in die Jugendbibliothek zu fahren, um einige
Bände zum Rezensieren mitzunehmen. Yves hatte mir gesagt, dass rund um
Ostern neue Bücher eintreffen würde. Doch dort wurde erst um 14h geöffnet.
Ich wartete eine gute halbe Stunde in der Nähe, ging noch in ein
Elektronik-Geschäft, um einen Katalog zu holen, weil S. einen zusätzlichen
TV kaufen möchte. Um 14h ungefähr war dann Y. dort. Ich gehe immer vom
Parkplatz her zu seinem Bürofenster, und wenn er da ist, kommt er an die
hintere Türe, mir zu öffnen. Dass er da sein musste, das hatte ich schon um
13.20h gesehen, weil er seine Bürotüre offen gelassen hatte. Kurz und gut,
ich transportierte um die 25 Bücher nach Hause und liess nochmals so viele
dort in einem Sack stehen, um sie bei Gelegenheit, wenn ich mit dem Auto
käme, abzuholen. Als ich um etwa 15h wieder im Büro angekommen war, hatte
ich das Gefühl, einen warmen Sommertag in der Stadt verbracht zu haben.
Weißt Du, was ich damit meine. Wenn es wirklich warm ist, dann ist man ein
bisschen dämmerig, schwebend, in sich verschlossen, mit reduzierter
Empfindlichkeit und ohne grosse Interessen. Dämmerig ist wirklich das beste
Wort. Man kann dann vor sich hin sein wie ein Tier. Und das ist schön. Der
Zwang, zu denken, ist für einen Moment ausgeschaltet. Die Leitungen sind
leer und hängen durch. Das ist wunderbar!
*
Ich habe abends, vom Bett aus, eine kurze Zusammenfassung des Hockey-
Matches Schweden-Schweiz gesehen. Das erste Drittel war noch ausgeglichen.
Dann hat sich die Übermacht der Schweden immer mehr gezeigt. Der Sprecher
war der Meinung, die Schweden wären eben doch eine Klasse besser gewesen.
Und so habe ich zufrieden in den Schlaf gedreht. Ich habe den Sieg Deinen
Landsleuten gegönnt. Und ein bisschen habe ich mich zurückerinnert an die
Zeiten, da wir als Buben in Visp die Hockey-Matches besucht hatten. Es war
eine reine Volksbewegung. Keiner hätte sich in unserem Alter erlauben
können, nicht hinzugehen. Ich erinnere mich, wie unser Lehrer damals
versucht hat, uns zu überreden, mal zur Abwechslung nicht an einen Match zu
gehen und stattdessen ein Taschenbuch zu kaufen. Ein typisches
Lehrer-Projekt. Er hat uns sogar vorgerechnet, wieviel mir dabei noch an
Geld sparen würden, und wie sehr wir doch alles in allem profitieren
könnten. Heute muss ich zugeben, dass er Recht hatte, aber damals wusste ich
überhaupt nicht, was er damit meinte. Ich kann mich noch zurückerinnern, mit
wie viel Hingabe ich damals die Live-Reportagen am Radio hörte. Man konnte
daraus fast nichts entnehmen, es war das reine Geschnorre, lautes Rapping
mit dem Versuch, das Geschehen auf dem Eis zu schildern. Doch habe ich mir
später immer wieder überlegt, wie wenig man sich wirklich ein Spiel aus
einem solchen Wortschwall vorstellen kann. Man kann es nicht. Es ist nur das
Bedürfnis, just in real time zu wissen, wann ein Tor gefallen ist. Alles
andere ist Zeitfüller.
Mit anderen Worten, ich gratuliere Dir und Deiner Nationalmannschaft. Und
ich gebe zu, dass Ihr Nordischen auf dem Eis eher zuhause seid als wir hier
in Mitteleuropa.
*
Ich hoffe, es sei nicht wieder eine Lektion zusammen gekommen.
Und ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...



Freitag, 21. April 2017

Über Glück und seine Rezepte



Foto: Chris


Liebe Marlena

Ja, das Glück, wer es unbedingt haben will, der hat es schon verloren. Und wer vielleicht gar nicht daran denkt, dem fällt es zu. Ist Glück nicht einfach eine Konstruktion.
Glück ist sozusagen eine Kategorie der Geschichtsschreibung, oder Biographie-Schreibung, müsste ich hier sagen. Ich werde nicht müde, an die alten Leute zu denken, die noch den Krieg erlebt haben, und die über diese alten Zeiten so begeistert und mit Hingabe erzählen, als ob es das grösste Glück gewesen sei. Sie erzählen strahlend, wie sie gehungert haben, wie sie sich gegenseitig aufeinander verlassen mussten, welche Mühen das Leben mit sich gebracht hatte und so weiter und so fort. Es gibt für uns Jüngere nichts, woraus wir schliessen könnten, dass das Leben damals besser oder positiver gewesen sein könnte. Es liegt alles nur in der Erzählung jener älteren Leute.
So heisst das doch, das Glück sei sozusagen die Sauce ihrer Erzählung, das Beigemischte, das Bindemittel, das Dressing würde man vielleicht auf Englisch sagen. Während das Leben gut oder schlecht, positiv oder negativ sein kann, so ist es jeder Mensch, der das alles schliesslich in die Hand nimmt und zu seinem Vorteile mit seinem selbst gewählten Farbfilter anschaut. Und dann kommt es so heraus, dass Optimisten Glückskinder sind und Pessimisten Pechvögel. Ist das nicht so? Ist es vielleicht zu sehr psychologisch interpretiert?

Wenn es denn so wäre, müsste man sagen, das Glück liege nicht im Leben, sondern im Blut. Und es ist doch wirklich nicht ganz ohne, zu behaupten, man würde schon den Kindern bis zu einem gewissen Grade ansehen können, ob sie glückliche oder unglückliche Menschen würden. Klar, vielleicht ist das Blut noch nicht ganz fertig. In der Pubertät gibt es noch starke Veränderungen. Die kindliche Naivität und Fröhlichkeit verschwindet plötzlich und es kommen Hemmungen zum Vorschein und Sorgen über irgendwelche Dinge.
Aber ich halte daran fest, dass das Glück eine Sache des Dressing sei. Es gibt französisches, italienisches und jenes mit Knoblauch. ;--) Und vielleicht ist es ja auch etwas vermessen, gleich das grosse Glück zu wollen. Vielleicht müssen wir uns damit begnügen, zufrieden zu sein. Wie die Mrs Dalloway auf dem Bett liegend zu ihrer Tochter sagt: Glück ist eine Sache von Momenten. Und in diesem Glücks- Moment durchdringt es die ganze Zukunft. Aber wirklich dauert es nur einen kurzen Moment. Die Mächtigkeit hat das Glück, indem es in diesem Moment die ganze Vergangenheit und Zukunft überstrahlt. Es ist wie ein Infrarot-Strahler, der im Moment angestellt ist. Aber sobald du den Schalter drehst, ist alles wieder ganz normal und - von Weitem besehen - grau in grau.
Ich habe einen Philosophen gefunden, der sich mit der Lebensphilosophie auskennt und sich dort spezialisiert hat. Ich habe auch schon mit ihm gemailt. Er lebt in Berlin und hat viel Michel Foucault studiert. Sein Buch ist zwar nicht sehr lebendig und erlebnismässig, sondern eher eine Systematik. Aber ich habe sie sehr gerne gelesen. Zumindest habe ich bei ihm erkannt, wie sehr zum Glück das Unglück gehört.

Vor 5 Jahren habe ich nicht gewusst, dass Unglück, die negativen Seiten, das
Leiden im Leben so wichtig sein kann. Wenn man es sich unvoreingenommen anschaut, kann man sagen, das Leben sei eine Wellenbewegung. Mal fühlt man sich oben im Glück, mal unten im Pech. Und die grosse Frage ist, wie Du über diese Wellenfahrt erzählst. Erzählst Du von den Höhen und Spitzen, oder kostest Du die Tiefen und Pechsträhnen aus? Aber die Wellenberge sind nur möglich, weil es dazuwischen auch Wellentäler gegeben hat. Wenn es eine steife Linie gewesen wäre, könntest Du weder über Glück noch über Unglück reden. Du wüsstest nicht, was das ist. Aber die Wellen sind es. Sie sind wie Sonnen- und Regentage. Jeden Tag Sonne, das ist schon fast grauenhaft, auf jeden Fall ist es nicht einmal ein Gesprächsthema. Perser können nicht über Sonnenwetter reden. Höchstens im Winter, wenn sie etwas Schnee haben.
Unglück ist also, wenn man es so anschaut, reculer pour mieux sauter, der Anlauf für das Glück. Und je tiefer du durch musstest, desto höher wird später das Glücksgefühl sein.
Wer das so zu betrachten vermag, und darin liegt vielleicht das Paradox, der wechselt förmlich seine Perspektive und meint schliesslich, das eigentlich Glück im Leben sei das Pech. Das Pech erlaubt mir erst, Glück zu erleben, an vergangenem Glück zu freuen, oder mich auf das neue Glück vorzubereiten.
Habe ich Dir nicht kürzlich erzählt, dass man das Glück sogar empirisch erfragt hat bei zwei Extremgruppen: bei durch irgend einen Unfall Körpergelähmten und bei Lottogewinnern? Und das Resultat: beide sind nach einem halben Jahr ungefähr gleich glücklich oder unglücklich. Lottogewinner mit ihrem Geld haben nach der Gewöhnung mehr die Sorgen, die sie spüren. Und Gelähmte können im Rollstuhl genauso glücklich sein wie wir alle.

Liebe Marlena, Du siehst, Du hast mich an einem Thema erwischt, welches mich brennend interessiert. Und wenn ich ein Schriftsteller wäre, ich würde darüber einen Roman schreiben, nämlich den Menschen zu zeigen, dass Glück eine ganz persönliche Konstruktion ist. Jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich. Glück gehört dem Tüchtigen, sagt man auch, und meint dasselbe. Aber wir modernen Menschen, die wir vom teuren Sozialstaat verwöhnt sind, erwarten das Glück oft von aussen, als ein Geschenk. Und dagegen müsste man beten, dass uns die Vorsehung vor dem Pech schützen möge, einen Hauptgewinn im Lotto zu machen.
Lotto ist ja für viele Menschen die Glücksagentur. Wenn sie Glück erwarten, dann von dort. Und dabei würde ein Mensch, wie er Anfang des letzten Jahrhunderts gelebt hatte, bei einem Durchschnittseinkommen von heute wie ein König leben.

Lustig, gerade gestern habe ich ein kleines Büchlein aus meinen Büchern geholt: De vita beata von einem gewissen Seneca, von dem Du bestimmt auch schon gehört hast. Er war der Hausphilosoph und Erzieher Neros, hatte also jede Menge Gelegenheiten, unglücklich zu sein, und hat sich auch selbst schliesslich umgebracht, urrömisch und urmännlich im Bade, wenn ich richtig informiert bin. Bestimmt würde er heute sagen, wenn er mitreden könnte, dass er sich glücklich wähne, dass sein damaliger Suizid so gut geglückt sei.

"Über das glückliche Leben". Es ist zwar ein wenig umständlich geschrieben, und - verständlicherweise - nicht in jeder Beziehung so, wie wir heute denken. Aber es sind ein paar interessante Überlegungen und Gesichtspunkte in. Und natürlich mag ich es, wenn ich neben dem deutschen Zitat noch das lateinische habe. Manchmal klingen die Lateiner ja so kurz und so gut und prägnant, wie man es heute mit unseren Sprachen nicht mehr sagen kann.

Kurz und gut: Marlena, soll ich alles in allem sagen, Glück sei die erste und die wichtigste Lebenslüge? So vielleicht würde es Nietzsche formulieren, mit seiner Neigung zur Entlarvung. Aber eine solche Aussage verleitet schon wieder zum Unglücklichsein. Wir brauchen eine Definition, die selbst mithilft, glücklich zu sein. Deshalb finde ich den Begriff des Dressings, den ich oben gefunden hatte, gar nicht schlecht. Er klingt pragmatisch und ein bisschen kulinarisch. Das versteht jeder Mensch.

Das also war die Familiensparpackung über das Glück, seine Rezepte und
dessen vier Seiten. Ich hoffe ...



Donnerstag, 20. April 2017

Ostern 8 Jahre später





Liebe Malou

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Es hat geschneit letzte Nacht. Eine feine Schneedecke liegt auf den Wäldern rund um L. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, es sei November. Das Wetter macht, was es will. Aber im Moment ist es noch egal. Wichtig wird es um Ostern. Hoffentlich kommt bis da etwas Frühlingsstimmung auf. Wir haben im Sinn, ins Tessin zu fahren. Du weisst, das ist die Sonnenstube der Schweiz, wie man so sagt, vielleicht die älteren Menschen sagen. Peter und Norma haben uns eingeladen, bei ihnen zu wohnen. Ich hoffe, dass das alles klappen wird.

...

(5. März)



Dienstag, 18. April 2017

Post scriptum



den 25 april  23:34
 Post scriptum


Liebe Marlena

Bei mir hat es in der Tat gewirkt! Es funktioniert! Du schaust mich mit fragenden Augen an?

Unser §2 wirkt wie ein Depotpräparat, das der Arzt unter die Haut setzt und das seine Wirkung langsam abgiebt. Unsere maladi gibt mir tatsächlich eine gewisse innere Zufriedenheit und ein Gefühl der Heiterkeit. Es ist, wie wenn du einen kleinen Schatz mit dir herumträgst. Und wenn dich etwas enervieren will, so merkst du bald, dass das nicht so schnell läuft, weil es doch daneben Dinge und Werte gibt, die viel wichtiger sind und die viel dauerhafter hinhalten. Also bei mir hat es gewirkt, meine Liebe, und ich glaube, dafür muss ich mich bei dir bedanken. Wie denn kann ich das tun?

Ein zweites habe ich bemerkt. Es ist soetwas wie ein "drittes Auge", das einen begleitet. Ich habe oft Dinge gesehen, beispielsweise in der Natur, von der ich weiss, dass du dich ihr nah fühlst, und ich hatte den spontanen Wunsch, sie dir zu zeigen, zu wissen, wie die sie sehen würdest. Morgens um halb sechs hat eine Amsel im Garten so laut und künstlerisch gesungen, dass ich nur an dich denken konnte. Ich glaube, vor einem Jahr hätte ich sie überhaupt nicht gehört. Oder aber, ich war mir nicht sicher, welche Vogelart denn so singt. So habe ich mit Peter darüber geprochen und er hat mir bestätigt, dass das eine Amsel sei. Eigentlich wusste ich schon, wie sich eine Amsel anhört. Aber ich hatte während Jahren nicht mehr darauf geachtet.In diesem Zusammenhang kommt mir meine gute Grossmutter ins Gedächtnis, die Frau Direktor, wie man sie hier in L. nannte. Wenn immer sie bei uns in Visp zu Besuch war, hat sie während der ersten Tage darüber geklagt, dass sie so schlecht schlafen könne, weil bei uns die ganze Nacht eine Nachtigall ihre Liebeslieder singt. In der Tat hatten wir in unserem grossen Garten eine Nachtigall. Und leider habe ich in meinem damaligen Alter sehr schlecht darauf geachtet, denn sie lag nicht wirklich im Horizont meiner Interessen. Doch heute gäbe ich einiges darum, mich erinnern zu können, wie sie wirklich geklungen hat. Und wenn ich eine Amsel höre, denke ich stets, es muss der Nachtigall sehr ähnlich gewesen sein. Kennst du dich in Vogelstimmen aus? Oder weiss Anna es? Sind Nachtigall und Amsel nicht vielleicht verwandt? Beide schlagen irgendwie, ihr Pfeiffen purzelt auf eine Art durch die Luft, es ist mehr ein Schlagen als ein in die Länge ziehen. Also, ich kann es nicht besser beschreiben.

So warst du mein drittes Auge. Und ich glaube, man schaut oft genauer hin, man merkt sich die Dinge, die man erlebt, anders, wenn ein drittes Auge mit dabei ist. Das ist für mich irgendwie eine neue Erfahrung. Vielleicht habe ich sie früher in meinem Leben auch schon gehabt, aber ich habe sie nicht gewusst.

Heute sind wir in guten 3 Stunden aus dem Tessin zurückgefahren. A hat die ganze Strecke den Wagen gesteuert. Es war sehr bequem, hinten zu sitzen und ein bisschen zu plaudern oder die Landschaft anzuschauen. Normalerweise sehe ich nicht viel, wenn ich selbst am Steuer sitze. Und B  sass neben ihr und zusammen haben sie diese Rap-Musik auf Tapes gehört und gespasst und geplaudert wie zwei Freundinnen. Es war schön zuzusehen. Sie sind beide erwachsen geworden. Und B hat viel Humor und Charme. Früher haben sie sich oft gestritten. Heute scheinen sie einen besseren Draht zueinander zu haben. Sie lehnen sich gegenseitig Kleidungsstücke aus.

 *
Irgendwo haben wir einen kleinen Zwischenhalt gemacht und ein paar Ostereier gegessen. Die waren meine Kunstwerke. Ich habe sie am Freitagabend in Zwiebelschalen gekocht. Meine Mutter hat jeweils noch Kräuter mit alten Strümpfen darauf geheftet, um schöne Muster zu erzeugen. Soviel Zeit hatte ich leider nicht. Aber ich habe darauf geachtet, dass sie etwas unterschiedlich gebräunt sind und habe nachträglich etwas Margarine eingeschmiert, damit sie einen netten Glanz bekommen. Und sie waren in der Tat ganz ansehnlich. Es waren 30 und sie füllten gerade einen Karton. Aber wir konnten im Tessin nicht alle essen. Und so haben wir die Restlichen wieder zurückgeführt und einige davon auf der Gotthard-Autobahn verdrückt. Vielleicht tut ihr dasselbe auch in Schweden. Wir schlagen hier die Eier gegeneinander, wie ein kleiner Wettbewerb, und sehen, wer das härteste Ei für sich gewonnen hat. Und natürlich gibt es dabei zahlreiche Tricks und Spässe. Und zum Schluss verschluckt man diese staubigen Dinger, wenn man sie denn nicht mit etwas Maionnaise befeuchten kann.

(---)

Morgen muss ich wieder arbeiten. Heute abend bin ich noch rasch ins Büro gekommen, um die Post durchzuschauen (unter uns gesagt, eigentlich die Mails). Na ja, ich musste auch noch Benzin tanken. Und als ich ins Büro kam, war ich angenehm überrascht, dass das Büchergestell immer noch da steht. Ich hatte die Umstellung während der paar freien Tage schon wieder vergessen.

Mit einem lieben Gruss

IM
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Montag, 17. April 2017

Back in town


den 25 april 21:58
 back in town

Liebste Mausfreundin

I am back in town. Ja, es waren schöne, knapp vier Tage. Zwei davon hatten wir wunderbares Wetter. An einem hat es geregnet. Aber wir hatten es lustig zusammen und haben und mit Essen und Trinken und lustigen Sprüchen verwöhnt. Ich werden dir später näher darüber erzählen. Auf jeden Fall weiss ich jetzt, wie du Recht hast mit den Kilometermails. Es ging mir viel von dem durch den Kopf, was du mir gesagt und erzählt hast. Und es entsteht im eigenen Kopf eine Art von Zwiegespräch, so dass ich am Schluss nicht mehr sicher war, was ich dir schon erzählt habe und was noch nicht. Vor allem wenn man mit Tätigkeiten beschäftigt ist, wo der Kopf frei ist, geschieht das gerne. Normalerweise habe ich während der Arbeit nicht soviel Möglichkeit, meine Gedanken spazieren zu lassen. Aber beim Rasenmähen am Freitag, oder beim Packen, oder bei ähnlichen Dingen geschieht das leicht. Das er gibt die Kilometermails, die nie geschrieben werden. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dir die Hausarbeiten sind, wo so etwas geschieht.
Aber wir haben im Tessin viel gesehen und erlebt und da und dort hatte ich das Gefühl, ich möchte dir, oder auch euch allen dort "oben", dh. deiner ganzen Familie, das zeigen, wenn ihr es denn von eurem Hochstand herunter nicht schon längst gesehen habt. Und im Gespräch musste ich mich hin und wieder zurückhalten, dass ich nicht vom Vogelsee oder auch von andern Dingen aus Schweden erzählt habe.
Und natürlich habe ich auf dich angestossen, Marlena, mit einem exquisiten Pinot Noir von Clavien aus Sion, natürlich einem Walliser, schon 10 Jahre alt (obwohl man in der Regel die Walliser nicht so alt werden lässt). Er war wunderbar, und ich habe mich wirklich einen Moment aus dem Gespräch zurückgezogen, und habe an Euch in Schweden gedacht. Und im Ferienkatalog, den mir Norma heute gezeigt hat (sie wollte zeigen, wo sie in der Türkei in den Ferien waren) habe ich das Angebot in Schweden und die Fotos zweimal angeschaut. Aber nein, ich habe keine Pläne gemacht, Marlena. Es war nur so mein Interesse.
Ich danke dir für die nette Karte mit dem wunderschönen und feinen Schmetterling. Er passt zu dir, meine Liebe. Oft, wenn ich an dich gedacht habe, sind mir vor allem deine Feinheit und dein zarter Umgang ins Bewusstsein gestiegen.
Du hast Gelegenheit, für eine Woche zu verreisen. Dazu beglückwünsche ich dich. Es ist gut, ein bisschen Tapetenwechsel zu haben, wie wir im Deutschen sagen. Das bringt neue Energie und neue Erlebnisse. Ich werde auf dich warten, meine Liebe.
Jetzt sende ich dir diese paar Zeilen, um mich bei dir sozusagen zurückzumelden. Oder sagen wir, um mir eine kleine Umarmung zu erlauben.
Je t'embrasse ma chère amie
...




Samstag, 15. April 2017

Ostersamstag in Schweden


an alle lieben Leser




Glad Påsk!


Frohe Ostern 

Happy Easter 
 
Joyeuses Pâques

*

Und nochmals:


Nein doch, ich leide keine Not. Auch bei uns ist das Haus voll von Schokolade und anderen Süssigkeiten zu Ostern. Ich hoffe nur, dass bald ein paar Osterhexen (zu Hexen verkleidete Kinder) kommen, damit ich die Bonbons loswerde, bevor ich sie alle aufesse. Die Kinder überreichen Zeichnungen mit Osterwünschen und erwarten sich dafür Belohnung in Form von süssen kleinen Ostereiern und anderen ähnlichen Dingen.




Und jetzt waren sie gerade hier. Eine kleine Gruppe von lustig verkleideten Kindern. Die kleinsten wurden von ihrer Mutter geführt. Anna hat ihnen ihre Körbchen mit Süssigkeiten gefüllt. Die allerkleinsten konnten sich nicht zurückhalten bei diesem herrlichen Anblick und haben gleich ihre kleinen Händchen in die gefüllte Schale hineingestreckt. Und mit so vielen süssen Osterwünschen kann es doch nur ein schönes Osterfest werden.




Weisst du, dass nur 16 % der Schweden zu Ostern in die Kirche gehen? Einige wissen nicht warum man Ostern feiert. Was sind wir für ein Land geworden?

Ich muss wieder weg. Schreibe mehr sobald ich dazu komme.

Mit lieben Gs und Ks,
Malou

Freitag, 14. April 2017

Schöne Ostern





Subject: Schöne Ostern

Liebe Marlena
Vielleicht schaust du noch einmal rasch rein. Und da möchte ich dich mit einem kleinen Gruss überraschen. Er ist ein absolutes suplément, eigentlich bin ich schon weg.
Heute ist Karfreitag. Das ist das Ende der Fastenzeit und das Ende unserer Melodramatik! Ab Ostern fangen wir ein neues Leben an, froh und sachlich und ohne zu Leiden. Wir dürfen einfach nicht MEHR wollen, als wir haben. Es ist doch so schön genug. Ein wichtiger Teil des Lebensglückes besteht darin, sich bescheiden zu können. Davon bin ich ziemlich überzeugt, auch wenn es nicht immer gelingt.
Du siehst, ich bin an der Programmatik. Ohne gleich alle §§§ umzuformulieren. Sie sind immer noch gut und wir lassen sie gelten. Wenn du einverstanden bist.





Wir fahren morgen früh ins Tessin. Das ist schon südlich der Alpen und in seiner Vegetation ganz anders. Dort blüht es schon überall und es hat Palmen und schöne Blumen und unendlich viele Deutsche. Unsere Freunde wohnen in einem kleinen Dorf oberhalb Locarno  ...
*
Es war schön, unser Karfreitagschat, es waren tolle 50 Minuten. Ich hab es genau gemessen. Und es war ruhig und ohne Hast, nur die paar Minuten, die es bei dir nicht ordentlich gelaufen ist. Es war lieb von dir, um 12 rasch hereinzukommen, oder war es 11h? Ich wollte soeben mein Mail abschicken und habe gedacht, dass du auf irgend ein Zeichen wartest. Ich versuche mir euch immer so vorzustellen im Haus in der Nähe des Waldes, wo die Hasen und die Elche einander gute Nacht sagen. Du sollst nicht denken, ich wolle dich irgendwie für mich allein. So selbstbezogen und gierig bin ich glaube ich nicht. Ich kann sehr gut akzeptieren, dass du in erster Linie für deine Familie da bist. Und dass du Rücksicht nehmen musst mit dem PC und dass du noch 100 Dinge tun musst, die man als Hausfrau und Mutter und Berufsfrau einfach tun muss. Und dass du dir die Zeit zum Schreiben vom Schlaf stehlen musst, macht mich nicht glücklich.
Ich möchte einfach viel mehr von dir hören. Du hast das Gefühl, ich weiss schon viel. Aber die Crux mit dem Wissen ist die: je mehr du weißt desto mehr möchtest du noch dazu wissen. Deshalb doch sind die Unwissenden die glücklichsten Menschen.
Vielleicht bin ich auch bloss sehr ungeduldig? Dann verzeih mir. Nimm es einfach als meine Sympathie für dich und für euch alle und als mein Interesse. Ich habe schon soviele Fragen gestellt und soviele Themen angeschnitten, die irgendwo verschwunden sind. Du hättest vielleicht Jahre, das alles zu beantworten. Wahrscheinlich verursache ich das Problem, weil ich einfach zuviel und zu schnell will. Dann gib mir gerade noch einmal die Absolution.
*
Und wie gesagt, das wird jetzt alles gut. R nimmt es nach Ostern ganz langsam und ist glücklich über jede Zeile, die er von Marlena erhält, ohne soviel zu erwarten. Jede Zeile ist ein Geschenk. Jedes Wort ist mehr als kein Wort. Und manchmal sendet sie ja sogar noch Bilder, und die sind bekanntlich "mehr als tausend Worte", wie wir im Deutschen sagen.
*
Ach, Marlena, wenn ich da auch manchmal ein bisschen jammere, es ist eine schöne und aufregende Sache, unsere maladi. Und wenn du versprichst, du wollest helfen, daraus eine ruhige Sache zu machen, so weiss ich gar nicht, ob ich das überhaupt so will. Wahrscheinlich habe ich zwischendurch ganz gerne ein bisschen Aufregung und Sensation.
Ich wünsche euch dreien wirlich ganz schöne und warme und fruchtbare Ostern
Und dir Marlena, ein besonders prächtiges Osterei.
Wir hören uns wieder nach Ostern.
 i.M.
...


den 22 april 17:15
Re: Schöne Ostern



Mein lieber Mausfreund!

Ja, ich habe nocheinmal reingeschaut und deinen lieben kleinen extra Brief gefunden. Es hat mich sehr stark berührt.. Irgendwie habe ich gefühlt dass du mir noch etwas schreiben würdest.. und auch ich wollte dir so gern noch ein Mail schicken aber konnte leider nicht mehr. Es fällt mir immer schwer von dir zu gehen wenn wir gechattet haben.

Nun bist du vielleicht an deinem Ziel angekommen und verbringst schöne ruhige Stunden in netter Gesellschaft. Es gibt eigentlich nichts schöneres als das. Dann ist das Leben so wie es immer sein sollte.:-)
Wir fahren erst morgen weg und kommen wohl spät am Montag Abend nach Hause und am Dienstag geht es wieder los. Sicher werde ich dann extra viel arbeiten müssen da ich wahrscheinlich am 1. Mai für eine Woche verreise. Ich werde dich sehr vermissen.

Nun wünsche ich dir noch ein paar richtig schöne angenehme Ferientage im Tessin.
i.M.
Marlena



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Donnerstag, 13. April 2017

Der Ausflug ...

Fortsetzung



Der Ausflug an den Vogelsee heute war herrlich. Eigentlich haben wir noch nie einen so windstillen und warmen Tag um diese Jahreszeit dort erlebt. Vom Parkplatz geht man cirka einen Kilometer durch die Felder zu einem grossen Aussichtsturm. Und von da aus kann man alle die vielen Vögel gut studieren. Es gibt tausende von Gänsen auf den Feldern rundherum und auf dem See so alles was du dir an Wasservögeln vorstellen kannst. Heute haben wir auch den Rohrdommel gehört. Das ist immer etwas ganz besonderes.
Kennst du den Laut? (hier) Man denkt an irgendein Urtier aber absolut keinen Vogel. Dieses Mal haben wir auch ungewöhnlich viele Kraniche gesehen und das hat mich an etwas aus meiner Zeit in Uppsala erinnert.

Meine Eltern kannten ein älteres Paar. Sie waren irgendwann vor dem 2. Weltkrieg nach Schweden gekommen (aus Deutschland). Die Frau hatte noch den letzten Deutschen Kaiser gekannt und hatte viele signierte Fotos von der kaiserlichen Familie in der Stube stehen. Nun waren sie beide alt und etwas hilflos. Der Mann war blind geworden und sass im Rollstuhl. Seine Frau hatte auch auf tragische Weise ihr eines Bein verloren. Als sie jung waren und ihr erstes Kind erwarteten waren sie an einem Mittsommerabend durch die Altstadt von Stockholm spaziert und ein betrunkener Fahrer hat sie angefahren sodass sie ihr Kind und ein Bein verloren hat. Zu diesen Leuten ging ich ab und zu um dem alten Mann ein bisschen aus Zeitungen vorzulesen und seine Frau damit etwas zu entlasten. Er sass da in seinem Rollstuhl, blind und gelähmt und trotzdem erschien er mir als einer der lebendigsten Menschen die mir begegnet waren. Sein Geist strahlte geradezu. Er konnte vieles aus der klassischen deutschen Literatur auswendig und einmal fragte er: Kennt das kleine Fräulein "die Kraniche des Ybikus" Ich hatte noch nie davon gehört und so liess er mich das lange schöne Gedicht hören. Ich kann noch heute sein Gesicht vor mir sehen.
Mit der Zeit bekam ich so viel zu tun mit den Studien dass ich mehr selten hingehen konnte. Und wenn man mir sagte dass er immer wieder fragte: Kommt das kleine Fräulein bald wieder? dann tat es mir weh und ich fühlte mich schlecht.
*
Ach ja, ich habe sehr viele ganz junge Brennesseln gefunden und habe sie schon vorbereitet für morgen. Es ist wie du sagst, eine wirkliche Delikatesse, die wir einmal im Jahr essen.




Für Samstag wird K einen Lammrücken zubereiten. Morgen am Karfreitag essen wir Lachs und die Nesselsuppe. Übrigens ist der Karfreitag bei uns auch ein grosser Feiertag an dem nicht gearbeitet wird. So ist es wohl nicht am Kontinent unten, oder?

Dieses "unten" erinnert mich gerade an was. Ja, es ist so wie du schon vermutest. Wir hier oben haben absolut den Eindruck dass wir auf euch hinunterschaun. Ihr liegt sozusagen uns zu Füssen ;-) Ich habe einmal einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie die Franzosen ihr eigenes Land kontra die übrigen Länder betrachten. Da ist mir erst klargeworden dass ja nicht alle auf die anderen hinuntersehen können - aber aufsehen zu uns "barbarischen kleinen Randstaaten" tun sie deswegen wirklich nicht, die lieben Franzosen. Wenn ich den Artikel wiederfinde werde ich dir Teile daraus übersetzen. Er war sehr witzig.
*
Du hast mir eine Telefonnummer gegeben. Ist das in dein Büro? Und du willst, dass ich dich da mal anrufen soll? Antwortest du dann sofort oder muss ich erst nach dir fragen? Es wäre schon schön einmal deine Stimme zu hören.
*
Freitag:
Ich schicke dieses mail nun ab damit du es noch zum Frühstückskaffee bekommtst.
Es ist teilweise bei Vollmond geschrieben. Für das was ich bei Vollmond schreibe bin ich nicht ganz verantwortlich. ;-)

Liebe Grüsse
in Maladi
Marlena

Mittwoch, 12. April 2017

Je t'aime, donc tu es.


Subject: Re: Pour elle seule, hélas!

Lieber ...!

Ich habe deinen schönen langen Brief nocheinmal durchgelesen. Du versuchst mich u.a. zu überzeugen dass es dich nicht gibt in meinem Leben. Dass du nur Text bist, nur irgendein Fantasieprodukt von mir. Alles das will ich nicht akzeptieren. Für mich bist du ein wirklicher Mensch. Du bist wirklicher als viele der Menschen die ich fast täglich sehe, deren Gesten und Mimik ich beobachten kann, deren Stimme ich kenne. Sie sind alle nicht so wirklich für mich wie du. Erst wenn man etwas liebt wird es eine Realität in unserem Leben. Und du bist Realität für mich. Du bist so wirklich, dass ich dich über 2000 Km fühlen kann. Und so wären wir eigentlich wieder bei der grossen Frage gelandet: existieren wir überhaupt? und wie können wir unsere existens beweisen?
Nun mache ich einen Gedankensprung und lande sofort bei dem Ziel meiner Therorie: "J'aime, donc je suis" und dann noch "Je t'aime, donc tu es". Und nun mache ich nicht nur Spass. Ich glaube sogar dass, so lange wir einen verstorbenen Menschen lieben gibt es ihn auch noch.
*
Du musst ein bisschen nachsichtig sein mit mir. Manchmal kenne ich nicht die richtigen Valöre der Ausdrücke oder Wörter die ich verwende. Ich habe z.B. dieses "lach mich kaputt" im Swisstalk gehört und dachte es wäre so ungefähr "ich finde es sehr spassig und muss herzlich darüber lachen". Dachte es wäre so ein Ausdruck den man häufig verwendet. Ich habe ihn auch nur über diesen Einfall mit der Zelle mit Mäusen und Ameisen benutzt wo wir Armen dann noch dazu gezwungen waren eine schmale knarrende Pritsche zu teilen. Hättest du dich nicht so sehr bewegt, dann hätte sie wahrscheinlich weniger geknarrt ;-)

Manchmal sagst du "lass uns nicht diskutieren", oder sogar "streiten" und ich verstehe plötzlich nicht was du damit meinst denn ich habe es nicht so aufgefasst. Wir drücken uns so gerade und konkret aus hier bei uns. Nicht wie die Franzosen, die ich meinen Schülern immer als Vorbild für sprachliche Finesse gebe. Wir hatten mal Besuch von einem Franzosen zu Hause in Uppsala und als er unseren Kater erblickte sagte er: Il me semble qu'on lui ait enlevé ses attributs mâles. Ein Schwede hätte gesagt: Er ist wohl kastriert?
Du hast übrigens die École Normale Supérieure genannt. Ja, ich weiss was das ist. Mein damaliger "petit ami" (du weisst der mit dem Foto), ging auf diese Schule. Es scheint mir als ob die meisten berühmten Franzosen dort studiert haben.

Der Ausflug an den Vogelsee heute ...



Date: Fri, 21 Apr 05:43:13

Ich glaube, wir haben ..

fortsetzung



Marlena, ich glaube, wir haben noch ein kommunizierendes Gefäss gefunden, neben Paris, neben dem Fegefeuer, neben dem Latein, neben den gleichaltrigen Kindern, neben der Pädagogik, neben Rilke. Ich bin sicher, du hast keine Ahnung, was das sein könnte. Nun denn, es sind die Rosen und der Löwenzahn im Garten. Davon könnte ich dir auch ein Liedlein singen. S sticht auch Löwenzahn mit dem Eisen aus dem Rasen, und macht sich die Nägel kaputt, während ich das eher unnötig finde. Die Rosen sind mein Ressort, die Blumen des reinen Widerspruchs. Ich habe vor etwa 5 Jahren 4 Stöcke gepflanzt. Und jetzt leben noch drei davon. Einer ist etwas kränkelnd. Ich versuche auch, ohne Chemie auszukommen. Die wunderbar grünen und blühenden bürgerlichen Gärten sind ja die grössten Giftgruben Europas. Ich versuche also, die Läuse mit Brennesselwasser zu vertreiben. Aber das braucht leider alles viel Zeit. Und diesen Schorf, den sie auf den Blättern haben, bringe ich überhaupt nicht weg. Aber ich liebe sie, die Rosen. Sie sind dunkelrot, hellrot und apricot, würde ich sagen, ziemlich ungenau nichtwahr? Dazu muss ich dir eine kleine Geschichte erzählen.
Ich habe dir von Professor Emil Staiger erzählt, die Kapazität in deutscher Literaturgeschichte und in existentialphilosophischer Hermeneutik, der Kenner Rilkes und Goethes und all dieser Grössen. Er war schon älter damals, ein kleiner Mann mit einem etwas grossen Kopf, wenn er dort oben auf dem marmorenen Rednerpult in der schönen Aula der Zürcher Universität dozierte. Dort hatte einmal Churchill nach dem Krieg gesprochen und das vereinte Europa propagiert. Aber es hat bei uns Schweizern nicht eingeschlagen. Eine Studentin erzählte mir, dass sie gleich in der Nachbarschaft Prof. Staigers ihr Studentenzimmer habe. Und sie beobachte den kleinen Professoer jeden Sonntag Morgen, wie er mit einer grünen, frisch gebügelten Gärtnerschürze auf Zehenspitzen fast aus dem Haus trete und in den Garten wandle - geradezu rituelle Gebärden - um dort eine Rose, eine einzige, zu schneiden und sie mit abgespreiztem Finger - so wie die Damen die Teetassen zum Mund führen - mit preziöser Geste ins Haus zu tragen. Das ist ein schönes Bild und passt zu Staiger. Und wenn es nicht wahr war, so war es gut erfunden.

Und du wirst es vielleicht noch weniger glauben, Marlena, aber ich tue in Erinnerung an dieses Bild dasselbe. Gut, ich tue es vielleicht nicht gerade am Sonntagmorgen, gut, ich trage keine grüne Schürze, gut, ich spreize vielleicht nicht den kleinen Finger. Aber ich finde es schön, immer - oder fast immer - eine einzige Rose auf dem Tisch zu haben. Ich habe früher einmal für S, als ich noch sehr verliebt war, eine kristallene Vase gekauft, eine Kugel praktisch, mit einem langen, dünnen Rohr. Dort findet gerade eine Rose Platz. Ich schneide alle Blätter weg und lasse nur das oberste, damit das Grün einen schönen Kontrast zur Blüte macht. Ich gebe ein bisschen Zucker ins Wasser. Und dann steht sie da und besonders schön ist, wenn sie - vor dem dunkeln Hintergrund der Möbel - vom Spot angeleuchtet wird. Anfangs ist sie knackig und fest und steif wie ein junges Mädchen. In der zweiten Woche wird sie voluminös, locker und vielfältiger, wie eine Frau im besten Alter. Und schliesslich lässt sie sich etwas gehen, gibt da und dort ein Blatt ab, verliert ihre Kräfte, bis man sie wieder erlösen muss. Das ist schön und ungefähr ein Zyklus von guten 14 Tagen. Bis dann ist draussen im Garten wieder eine neue Blüte herangewachsen. So leben wir mit den Blumen des reinen Widerspruchs, und sie sind mein Job geblieben. Ich ziehe die Dornen der Rose den Zähnen des Löwen eindeutig vor. Soviel Mut hätte ich nie, gegen eine riesige Löwenmeute mit Löwenzähnen anzugehen. Ich bin ein ziemlich feiger Mensch.
*
Brennesseln finden auch wir rund um unseren Garten herum gerade. Es gibt da eine Wiese, die ist ziemlich voll an den Rändern. Brennessel deutet auf guten Boden hin, nicht wahr? Die Brennessel-Suppe macht ihr zu Ostern? Wir lieben sie auch und sie sei sehr gesund, behauptet S, blutreinigend. Und einmal hatten wir sie in Basel mit kleinen Wachteleiern drin, in einem schicken Restaurant, als jemand seinen 50sten gefeiert hat. Das war wirklich sehr köstlich und exquisit, aber eben, leider nur alle 50 Jahre möglich. Erzähl mir später vom Vogelsee und eurem Ausflug. Ich glaube, du bist ein Familienmensch, Marlena, ein richtiges Hausmütterchen. Bist du das nicht? Und dass du deine Mails unter Lebensgefahr schreibst, bricht mir das Herz bringt mich ziemlich in die Bredouille. Wie kann ich soviel Schuld auf mich nehmen? Ist denn zweimal lebenslänglich nicht genug? Willst du mich im Fegefeuer zum Inventar machen, zur Kommode des Teufels, oder zu seinem Adjudanten? Willst du mich schlussendlich à point haben und gar kein bisschen seignant? Ungefähr so hart wie ein gedörrter Hering, falls ich mir unter einem gedörrten Herring hier als Alpenländer überhaupt das Richtige vorstelle? Ich bitte dich Marlena, mach mich nicht unglücklich! Schalte schleunigst den PC aus und wähle 061 xxx 50 91. Soll ich dir die internationale Verbindung heraussuchen? Und lass zweimal läuten! En cas de guerre, wie abgemacht!
Doch dass ihr um diese Jahreszeit schon Gewitter habt, erstaunt mich sehr. Bei uns gibt es sie im Sommer, wenn die Temperatur sehr hoch ist. Aber noch nicht um diese Zeit.
*
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend, meine Liebe
Gruss

...

Dienstag, 11. April 2017

Pour elle seule, hélas!



Liebe Mausfreundin

Ich habe mir dieses Gefängnis nochmals angekuckt, nur weil du sagst, die Zensur hätte etwas strenger sein sollen. Was meinst du denn damit, meine Liebe? Findest du, es sei nicht jugendrfrei? Ich bitte dich, mehr Zensur als Gefängnis gibt es überhaupt nicht. Gefängnis ist die strengste Zensur, hat absolut nichts zu tun mit real-life. Das ist virtual-life bei Wasser und Brot in Reinkultur. Das ist der Vorhof des Fegefeuers.
Kennst du das Fegefeuer? Ich meine, ich frage nicht, ob du es aus eigener Erfahrung kennst, sondern ob dir der Begriff bekannt ist? Als katholische Seele musst du das Fegefeuer kennen. Ich war immer begeistert vom Fegefeuer und ich habe immer bedauert, dass die Protestanten nicht eine ähnlich praktische und gutgeheizte Institution haben. Das Fegefeuer wurde erst im Spätmittelalter von der Pariser-Schule erfunden. Weiss nicht mehr, wer die Führer waren: Albertus Magnus, Thomas von Aquin? Damals kam in Europa der Handel auf. Und bisher hatte es nur Himmel und Hölle gegeben für die guten und die armen Seelen. Himmel und Hölle, das war sozusagen der soziale Wohnungsbau, nur das Nötigste für einfache Leute. Aber Händler und Kaufleute sind nicht mehr so einfache Leute, die kommen in der Welt herum, die haben Ansprüche, die wollen ein bisschen Komfort, die haben schon etwas feinere Manieren. Und für sie hat man an die Zweizimmerwohnung mit Himmel und Hölle noch ein Fegefreuer angebaut. Es ist sozusagen der Korridor und das Vorzimmer. Es ist für all die, für die noch nicht klar ist, ob sie in den Himmel oder in die Hölle kommen. Im Fegefeuer hast du noch einen Verhandlungsspielraum. Und das ist doch das, was die Handelsleute des Spätmittelalters gewohnt waren. Sie wollten handeln und - wie sagt man - bargain, sie wollten markten und feilschen mit dem lieben Gott. Sie waren nicht gerne vor vollendete Tatsachen gestellt. Das war nicht ihr Leben. Und so hat man im sozialen Wohnungsbau noch einen Korridor, das Fegefeuer, angebaut. Und dort können die armen Sünder leiden und braten und dampfen bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. Und dann wird sich entscheiden, ob sie ihre Sünden abbüssen konnten, oder ob sie dann doch lebenslänglich bekommen würden. Natürlich wurde damit auch nötig, die Theorie etwas zu differenzieren. Wer gelangte direkt in die Hölle und wer hatte noch eine Chance via Fegefeuer. Kurz und gut, es galt ein paar neue §§ zu erfinden, um den Verkehr im Jenseits übersichtlich zu gestalten und allzuviele Pannen zu vermeiden. Ich glaube, nirgends sind Himmel und Hölle so menschlich und heimatlich eingerichtet wie bei den lieben katholischen Seelen. Und es würde mir nichts ausmachen, auch eine davon zu sein. Ich hätte bestimmt einen Fensterplatz im Fegefeuer. Zweithinterste Reihe womöglich. Aber vielleicht nehmen sie mich ja nicht, weil ich keine echte katholische Seele bin. Ich wäre im Fegefeuer einer dieser Immigranten ohne "green card". Das wäre sehr schlimm, da will ich doch lieber versuchen, gleich direkt in den Himmel zu kommen.
Soviel zum Fegefeuer.
Das ist wohl mein Bild für virtual-life. Ich versuche mich damit abzufinden, ganz im vitual-life zu bleiben, nicht auszubrechen, dem Wärter vor dem Eingang keinen Verdacht zu liefern. Es gibt nichts ausser den Text. Lass uns Paris und Rom und Wien vergessen. Wir sitzen auf unseren knarrenden Pritschen. Und ich weiss gar nicht, wie du heute morgen wieder davon herunter gekommen bist? Ich muss noch geschlafen haben.
Unter uns gesagt, ich habe auch nicht gewusst, dass es im Gefängnis so gemütlich sein kann. Und weißt du, als ich angefangen habe zu schreiben, habe ich davon überhaupt noch nichts gewusst. Ich habe mich bloss gewundert, wieviele Seiten Mails wir schon haben. Das gab die Assoziation der Ordner, der Gerichtsakten quasi. Dann kam die Erinnerung, dass du mal von lebenslänglich gesprochen hast. Und dann, na ja, du weißt schon, schiesslich hast du dich ja selbst über das Schlupfbett geärgert. Es ist ein bisschen wie im Traum, die Bilder kommen wie von selbst. Ich bin echt erstaunt, wie das funktioniert. Aber das Gefängnisbild finde ich schön. Ich glaube, ich stelle einen Antrag auf doppelt-lebenslänglich. Was müsste man wohl dafür "ausgefressen" haben? Vielleicht Bigamie?
Ich könnte dir jetzt erzählen, wie Friedrich Dürrenmatt eine schöne Rede gemacht hat, als Pavel, der tschechische Präsident und ehemalige Schriftsteller, bei uns in der Schweiz zu Besuch war. Ich glaube, es war Dürrenmatts letzte Rede. Er hat wunderbare Reden geschrieben und gehalten in seinem Leben. Echt komisch und kritisch. In der Pavel-Rede vergleicht er die Schweiz mit einem Gefängnis, weil wir nun ja ein konservatives Land sind und nicht zu Europa gehören und und viele Schweizer gegenüber Fremden recht mistrauisch sind. Aber davon muss ich dir ausführlicher ein andermal erzählen.
Kehren wir zu unseren wundervollen, knarrenden Pritschen zurück. Du fragst dich immer wieder, liebe Marlena, ob es mich wirklich gibt. Es gibt mich nicht wirklich, sondern nur virtuell. Ich bin für dich ein Wesen dieser neuen Cyber-Kultur. Ich komme nicht aus der alten Raum-Zeit-Kultur, Raum und Zeit als PRINCIPIUM INDIVIDUATIONIS. Damals, in unseren alten Zeiten, hatte jedes Individuum und jedes Ding einen eindeutigen Koordinatenpunkt in der 4 dimensionalen Raumzeit. Etwas konnte nicht gleichzeitig sein und nicht sein, oder konnte nicht etwas sein und gleichzeitig etwas anderes sein. Heute ist das anders. Du hast es ja immer geahnt: ich bin hier in Basel, aber abends bin ich für einige Zeit in Stockholm, und gelegentlich surfe ich im Net, und dabei bin ich Ruedi und Harro (dieser widerliche Kerl) und wer weiss, vielleicht noch ein paar andere unapetittliche Typen? Das ist virtual-life. Es ist wie in den Nachthimmel schauen. Du siehst die Sterne, aber du kannst nicht sicher sein, dass es die Sterne gibt. Vielleicht erreicht dich bloss ein letzter Lichtstrahl und morgen ist es aus. Man kann wirklich nichts mehr genau wissen. Und es könnte immer auch anders sein.
Wir armen Seelen hängen ja so an der Wirklichkeit, ohne zu wissen, ob es sie auch gibt oder ob das nicht alles vielmehr Hirngespinste sind.
Ich glaube, es ist das soziale Leben, das soziale SPIEL sozusagen, das unsere Wirklichkeit aufbaut. Es ist wie mit den Sprachen. Andere Sozietäten haben andere Sprachen und andere Wirklichkeiten. Die Perser nicken, wenn sie nein sagen wollen. Und du könntest verzweifeln, wenn du das nicht weißt. Und wenn sie dich zum Kaffee einladen, musst du erst dreimal ablehnen und bedauern, bis du dann doch gehst und eigentlich nie was anderes gewollt hast, als einen Kaffee zu trinken. Die Perser haben echt viele §§§§ in ihrem sozialen Umgang, das kann ich dir sagen, Marlena. Bei Partys oder Anlässen machen sie Fotos, und die Menschen stehen steif nebeneinander und lächeln in die Kamera. Es gibt totlangweilige Fotos, aber sie machen sie immer wieder. Mittlerweile denke ich, es geht ihnen nicht um das Foto, es geht darum, mit der Kamera zu zeigen, dass es ein aussergewöhnlicher Moment ist, und dass man es schätzt, beisammen zu sein. Man könnte glattweg eine Kamera ohne Film dafür benutzen oder sonst eine leere Blechbüchse.
Es gibt also nichts ausserhalb des Textes. Wer hat das gesagt, Lacan, oder Derrida, es war sicherlich einer dieser elitären französichen Intellektuellen, die an der Ecole Normale Supérieure studiert haben, und die ich über alles bewundere? Sie heisst doch so, ENS, nicht wahr? Viele französischen Geistesgrössen waren an dieser Schule.
Alles, was existiert, existiert nur im Text. Und auch ich existiere für dich nur im Text. Damit musst du dich begnügen, meine Liebe. Wenn du dich verliebst, verliebst du dich in einen Romanhelden, von dem du noch nicht weißt, ob er in einem seiner verrückten Abenteuer umkommt, sich vielleicht mit einem A. oder C. duelliert und für den Rest des Romans in den Zeilen herumhinkt und den rechten Arm in der Schlinge trägt, oder ob er eher munter in einem Fortsetzungsroman alt, senil und dement wird, um ganz langweilig und monoton in einem bürgerlichen Bett dahinzuscheiden.
Ich glaube, Verlaine hat das auch begriffen. Seine Geliebte ist ziemlich deutlich eine virtuelle Geliebte. Hör mal an: " et qui n'est, chaque fois, ni tout à fait la même
Ni tout à fait une autre". Ist diese Unschärfe nicht genau die Virtualität? Und so bin ich für dich.
*
Liebe Marlena, vielleicht liest du das jetzt so, als ob ich dir etwas erklären wollte. Ich will dir nichts erklären, ich verstehe es selbst nicht genau. Ich versuche sozusagen zu überlegen. Es ist gut, schriftlich zu überlegen, dann muss man langsamer denken! Ich versuche, mir das auszumalen. Und es ist zum ersten Mal. Es ist neu für mich. Ich weiss es noch nicht, was ich hier schreibe. Ich bin eben am Entdecken. Deshalb geniesse ich es auch, zu schreiben und zu wissen, dass ein lieber Mensch das nachher liest, begeistert vielleicht ist, vielleicht auch verzweifelt und schimpfend, dass man das Zeug kaum verstehen könne.
Ich glaube einfach, dieses real und dieses virtual ist heute eine wichtige Dimension in der Zeit der Postmoderne. Es gibt einen cultural turn. Und die Welt wird sich rapide verändern und sie wird nicht mehr sein, wie sie gewesen ist. Und das Fegefeuer vielleicht auch nicht mehr.
*
Du schreibst:" Weisst du, ..., ich lache mich halb kaputt über deine lustigen Einfälle. Deine Fantasie ist unbezahlbar." Ach Marlena, ich möchte nicht einfach lustige Einfälle haben. Es sind vielleicht ein paar lustige dabei, aber ich hoffe, sie sind manchmal komisch, ironisch, tiefsinnig, geistreich, mit einer tieferen Bedeutung, wenn man ihr nachgeht, manchmal mit einem Anflug von Weisheit, luzide wäre ein schönes Wort, das mir gefallen würde, aber das sind sie vielleicht nun doch nicht gerade. Vielleicht habe ich einfach zu hohe Ansprüche? Aber ich nehme dein Kompliment gerne aus deinem schwedischen Mund entgegen und es freut mich. Ich weiss, wie du das meinst. Und ich bitte diesen schwedischen Mund, nicht zu sagen, er "lache sich halb kaputt". Das klingt so schlimm, wie von einer Studienrätin zu sagen, sie sei süss. So etwas lassen wir die Putzfrau sagen, oder die Frau am Kiosk, die mir am Samstag die NZZ verkauft und mit deren Stimme man die 5 Stockwerke Treppenhaus bis zum Dach füllen kann. Ich würde dich gerne küssen, wenn ich sowas sage. Ich würde das alles in einen süssen, feinen Vorabendkuss verpacken. Aber wir sind im Text und nur im Text! Und womöglich die Zensur! Wir kommen noch auf den Index! Tu comprends?
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Marlena, ich glaube, wir haben noch ein kommunizierendes Gefäss gefunden, neben Paris,
neben  ...



Montag, 10. April 2017

Re: Retrospektiv



Mein lieber Mausfreund!

Es ist schon spät geworden an diesem ungewöhnlich schönen Tag. Die Luft war so mild heute dass sie mich plötzlich an schöne Sommerabende in Italien erinnerte. Ganz windstill auch. Ich habe wirklich fleissig gearbeitet im Garten. Der ganze Rasen ist voll von Löwenzahn den ich mit einem Eisen entferne. Wir streuen nicht gerne Gift. Dann habe ich noch die Rosen beschnitten und auch ein paar Sträucher, deren Namen ich nicht weiss auf deutsch.
Das Gras beginnt, wenigstens stellenweise, ziemlich lang zu werden und die Knospen an den Obstbäumen sind schon gross. Bald ist sie hier, die lange ersehnte Jahreszeit, wenn alles wächst und blüht.
Wir haben im Moment ein prächtiges Gewitter mit Blitzen, die den ganzen Nachthimmel erhellen und respekteinjagendem (?) Donner. Vielleicht sollte ich den PC abstellen? Aber ich riskiere mein Leben für dich, mein lieber Mausfreund. Sonst glaubst du vielleicht sogar doch dass ich wieder eine Notlüge erfinde um meine Stille zu erklären.

Danke dir herzlich für die schönen Briefe heute. Ich werde sie gleich im Bett nocheinmal durchlesen. Die Dissertation (oder war es Dissektion?) unserer Mausliebe. Ach, Schatz, wie bist du lieb. Wir haben "das Schönste" im Leben gefunden und sogar ewig soll es sein, "until death do us part" oder wie es heisst. Ich kann manchmal kaum glauben dass es dich wirklich gibt obwohl mich deine Mails doch ständig davon überzeugen. Ja, ich printe sie und manchmal wenn ein Brief von dir in meinem Schoss liegt streiche ich zärtlich mit der Hand über das Papier als wäre es ein Teil von dir.. :-)
Ich habe mir eine Kassette geholt heute, auf der einige von Verlaines Gedichten von einer wunderbaren Männerstimme vorgelesen werden. Ich habe mich ganz einfach danach gesehnt sie wieder zu hören. Vielleicht schicke ich dir einmal ein Band mit etwas Musik und dann werde ich dir auch die Vertönung von diesem Gedicht mitschicken und natürlich ein paar Auszüge aus dem Faust, damit du einmal die fantastischen Stimmen der Schauspieler hören kannst.
Verlaine hatte ein ziemlich turbulentes Leben mit viel Alkohol u.a. Er träumte von einer Frau die ihm die nötige Ruhe schenken könnte. In unserer Zeit hätte er vielleicht eine Mausfreundin gehabt. ;-) Hier eins seiner schönen, musikalischen Gedichte:

Je fais souvent ce rêve étrange et pénétrant
D'une femme inconnue, et que j'aime, et qui m'aime,
et qui n'est, chaque fois, ni tout à fait la même
Ni tout à fait une autre, et m'aime et me comprend.

Car elle me comprend, et mon coeur transparent
Pour elle seule, hélas! cesse d'être un problême
Pour elle seule, et les moiteurs de mon front blême,
Elle seule les sait rafraîchir, en pleurant.

Est-elle brune, blonde ou rousse? - Je l'ignore.
Son nom? - Je me souviens qu'il est doux et sonore
Comme ceux des aimés que la Vie exila.

Son regard est parreil au regard des statues,
Et pour sa voix, lointaine, et calme, et grave, elle a
L'inflexion des voix chères qui se sont tues.

*
Es ist wieder ein neuer Tag. Plötzlich weiss ich es. Ich weiss was du tun solltest. Diplomat werden. Ein Topdiplomat, der um die Welt reist und mit seinen Worten das Unmögliche erreicht.
Ach, ich wusste nicht, wie schön es in einem Gefängnis sein kann :-)
Vielleicht hätte man etwas zensurieren sollen. Aber dann wäre es wohl weniger schön gewesen.
Weisst du, ich lache mich halb kaputt über deine lustigen Einfälle. Deine Fantasie ist unbezahlbar.
*
Heute wird ein sehr schöner Tag. Wir werden vielleicht zu einem grossen Vogelsee in der Nähe fahren. Das tun wir immer um diese Zeit. Und dann werden wir junge Brenn-nesseln pflücken, denn eine Brennesselsuppe gehört auch zu unserer Osterfeier, mit einem darin schwimmenden Ei.

Bleib mein allerliebster Mausfreund und schreib mir bald wieder
Deine süchtige Mausfreundin
Marlena

***

In dem Blog "Semsakrebsler", der beste Blog seiner Art und ein
grosser Freudenspender, gibt es die von Hermann Hesse brillante
Übersetzung des Gedichtes "Mon Rêve Familier" von Paul Verlaine.
Die schwierige Aufgabe, sowohl Klang wie Inhalt des Gedichtes
bei der Übersetzung zu beachten, ist Hesse meisterlich gelungen.


Nach Paul Verlaine

Ich träume wieder von der Unbekannten,
Die schon so oft im Traum vor mir gestanden.
Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar
Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar.

Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen
Und kann in meinem dunklen Herzen lesen.
Du fragst mich: ist sie blond? Ich weiß es nicht.
Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht.

Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt
Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt –
Wie eines Name, den du Liebling heisst
Und den du ferne und verloren weißt.
Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben
Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.




20 april  08:40

Retrospektiv



Re: retrospektiv


Liebe Marlena
Heute wollte ich dein Mail wiederlesen, wo du deinen Alltag schilderst. Ich bin jetzt hier auf Seite 309, und dieses Mail habe ich auf ungefähr Seite 260 gefunden. Und dabei hatte ich den Eindruck, es wäre erst kürzlich gewesen.
Beim Suchen habe ich auch ein paar meiner Briefe wieder gelesen. Ach was soll ich dazu sagen? Ich finde, ich schreibe manchmal wirklich lustig, dass ich selbst wieder lachen muss. Manchmal bin ich fast etwas erstaunt, dass ich sowas geschrieben habe. Und wenn ich mit meinen Gefühlen in der Weltgeschichte herumspritze, dann kommen sie gerade wieder und ich würde es nochmals ganz gleich sagen.
Ich schreibe wirklich frisch von der Leber weg und es ist fast nichts gelogen. Gelogen ist nur, dass ich so vergnügt sein kann, während du gar nicht da bist. Das ist der einzige Lug und Trug. Sonst schreibe ich wirklich direkt von meinem Herzen und via meine Fingerbeeren. Es geht ziemlich schnell und ich schäme mich manchmal sehr, welche Fehler ich mache. Aber sie entstehen, weil ich die Tastatur nicht genügend anschlage. So fehlen einfach Buchstaben, Endungen. Ach du wirst das mit deinen scharfen Lehrerinnenaugen sofort merken. Es tut mir ein bisschen leid, aber dann doch nicht so sehr, dass ich es ändern könnte, dass ich alles nochmals detailliert Korrekturlese. Da müsste ich eine Sekretärin anstellen dazu. Normalerweise korrigiert meine Sekretärin, die Liz, meine Briefe. Sie ist perfekt in der Rechtschreibung. Ihr entgeht gar nichts und ich bin froh, dass ich sie habe. Sie passt genau zu mir. Ich habe die Fantasie und die Formulierungen, und sie bringt es in eine Form, so dass alle beeindruckt sind. So erreichen wir viel zusammen.
Ich habe mich gefragt, was du machst mit allen diesen Mails, die du ausdruckst. Verbrennst du sie oder steckst du sie in einen Ordner? Er muss ja schon ziemlich dick sein. Ich hoffe, all diese Aussagen werden nie vor Gericht gegen mich verwendet. Ich kriegte lebenslänglich, wie du. Und wir würden als Gnadensakt eine gemeinsame Zelle erbitten. Möchtest du dann auf der Pritsche zum Fenster schlafen, oder lieber zur Türe hin, wo nachts die Mäuse durchhuschen? Bist du sehr empfindlich gegenüber den Ameisen, die vorne am kleinen vergitterten Fenster hereinkommen? Und das alte Brot, willst du zuerst daran lutschen, damit es etwas weicher wird und wir es teilen können, oder soll ich diese Aufgabe übernehmen. An der Wand machen wir Striche, jeden Tag einen. Für lebenslänglich braucht es eine grosse Wand. Also fangen wir ganz oben links an wie an der Wandtafel im Klassenzimmer. Und wer macht am Morgen das Bett? Ist das deine Sache, deine als Frau. Oder herrscht im Gefängnis Gleichberechtigung? Ich würde sagen, wir wechseln ab. Und wenn ich mal dran bin, dann mach ich dir am Stamstag ein Schlupfbett, und wenn wir nach Mitternacht auf unsere Pritsche kriechen, weil wir uns so lange Geschichten aus unserem Leben erzählt haben, dann schimpfst du, weil du nicht ins Bett kommst. Und dann lachen wir Tränen und ich lade dich ein, in meine Pritsche zu kommen. Sie ist verdammt eng, diese Gefängnispritsche, und wir sind beide froh, dass du ein schlankes Ding bist. Und wenn wir etwas wackeln, was sich ja ab und zu geben soll, dann ächzt und knarrt die Pritsche, so dass die Wache vor der Türe stehen bleibt und horcht, ob wir vielleicht einen Ausbruchversuch machen. Und dann halten wir uns einen Moment den Atem an und halten uns so sehr, wie sich nur zwei Verliebte halten können. Und dann geht die Wache weiter und unsere Pritsche knarrt, als ob sie etwas zu reklamieren hätte. Doch da gibt's nichts zu reklamieren.
Ach Marlena, jetzt sind wir im Gefängnis gelandet. Wie kommen wir da wieder raus? Tut mir leid, ich hoffe, ich habe dich nicht schockiert. Ich meine bloss wegen der paar Ameisen.
Ach so ja, meine Frage war, was machst du denn mit den vielen Mails. Ich frage dich, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie dick die Beige ungefähr ist. Wir sind doch erst im 4. Monat. Stell dir vor im 9. Monat. Nach einem Jahr, nach 20 Jahren. Habt ihr eine grosse Garage? Oder denkst du eher an die Müllabfuhr?
*
Ach Marlena, erzähle mir auch ein bisschen über Anna. Ich glaube, sie ist deine liebste Person. Ich würde sie gerne kennenlernen. Oder einfach wissen, was sie für dich bedeutet und wie du dich mit ihr verstehst. Unsere Kinder sind ja unsere grossen Zukunftshoffnungen. Aus praktisch einer Zufälligkeit geboren, bauen sie sich selbst hinauf wie ein Turm, wenn es gelingt, der ein Leben lang stattlich dasteht und hinhält. Oder vielleicht erzählst du mir über deine Freunde, vielleicht über K, was mich mit dieser Abkürzung immer an Kafka erinnert, oder über deine Kusinen, mit denen du wie Schestern gelebt hast. Oder erzähle mir von Verlaine. Ich glaube, das machst du bald, da du den Gedichtband geholt hast. Habe ich recht. Auf jeden Fall freue ich mich darauf.
Du hast gestern gesagt, du hast nicht immer, oder noch nicht den Mut zu erzählen. Es braucht keinen Mut. Ich erzähle doch nichts weiter. Ich schlucke alles in mich hinein. Es bleibt nur ein Teil dieses unseres Textes. Ich möchte dich auch nicht ausfragen, das wäre doch sehr peinlich. Aber das weiss ich schon, bei dir braucht das Formulieren ein wenig Anstrengung. Du musst einfach nur an dich denken und es hochkommen lassen. Meine Töchter sind manchmal etwas eklig mit S, wenn sie etwas nicht genau sagen kann und sinnnt, wie das zu tun. Sie sagen "Komm schon, spuck es aus, komm schon" wie der Kriminalbeamte beim Verhör. Echt eklig können die kleinen sein, und dann lachen wir alle zusammen.
Ich schicke dir das, damit dein Ordner voll wird.
Und packe meine lieben Grüsse mit ein, und ein paar Küsse, wenn es denn noch Platz hat. Reserve, sozusagen
G+K


den 19 april 2000 18:37