Der Ausflug an den Vogelsee heute war herrlich. Eigentlich haben wir noch nie einen so windstillen und warmen Tag um diese Jahreszeit dort erlebt. Vom Parkplatz geht man cirka einen Kilometer durch die Felder zu einem grossen Aussichtsturm. Und von da aus kann man alle die vielen Vögel gut studieren. Es gibt tausende von Gänsen auf den Feldern rundherum und auf dem See so alles was du dir an Wasservögeln vorstellen kannst. Heute haben wir auch den Rohrdommel gehört. Das ist immer etwas ganz besonderes.
Kennst du den Laut? (hier) Man denkt an irgendein Urtier aber absolut keinen Vogel. Dieses Mal haben wir auch ungewöhnlich viele Kraniche gesehen und das hat mich an etwas aus meiner Zeit in Uppsala erinnert.
Meine Eltern kannten ein älteres Paar. Sie waren irgendwann vor dem 2. Weltkrieg nach Schweden gekommen (aus Deutschland). Die Frau hatte noch den letzten Deutschen Kaiser gekannt und hatte viele signierte Fotos von der kaiserlichen Familie in der Stube stehen. Nun waren sie beide alt und etwas hilflos. Der Mann war blind geworden und sass im Rollstuhl. Seine Frau hatte auch auf tragische Weise ihr eines Bein verloren. Als sie jung waren und ihr erstes Kind erwarteten waren sie an einem Mittsommerabend durch die Altstadt von Stockholm spaziert und ein betrunkener Fahrer hat sie angefahren sodass sie ihr Kind und ein Bein verloren hat. Zu diesen Leuten ging ich ab und zu um dem alten Mann ein bisschen aus Zeitungen vorzulesen und seine Frau damit etwas zu entlasten. Er sass da in seinem Rollstuhl, blind und gelähmt und trotzdem erschien er mir als einer der lebendigsten Menschen die mir begegnet waren. Sein Geist strahlte geradezu. Er konnte vieles aus der klassischen deutschen Literatur auswendig und einmal fragte er: Kennt das kleine Fräulein "die Kraniche des Ybikus" Ich hatte noch nie davon gehört und so liess er mich das lange schöne Gedicht hören. Ich kann noch heute sein Gesicht vor mir sehen.
Mit der Zeit bekam ich so viel zu tun mit den Studien dass ich mehr selten hingehen konnte. Und wenn man mir sagte dass er immer wieder fragte: Kommt das kleine Fräulein bald wieder? dann tat es mir weh und ich fühlte mich schlecht.
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Ach ja, ich habe sehr viele ganz junge Brennesseln gefunden und habe sie schon vorbereitet für morgen. Es ist wie du sagst, eine wirkliche Delikatesse, die wir einmal im Jahr essen.
Für Samstag wird K einen Lammrücken zubereiten. Morgen am Karfreitag essen wir Lachs und die Nesselsuppe. Übrigens ist der Karfreitag bei uns auch ein grosser Feiertag an dem nicht gearbeitet wird. So ist es wohl nicht am Kontinent unten, oder?
Dieses "unten" erinnert mich gerade an was. Ja, es ist so wie du schon vermutest. Wir hier oben haben absolut den Eindruck dass wir auf euch hinunterschaun. Ihr liegt sozusagen uns zu Füssen ;-) Ich habe einmal einen interessanten Artikel darüber gelesen, wie die Franzosen ihr eigenes Land kontra die übrigen Länder betrachten. Da ist mir erst klargeworden dass ja nicht alle auf die anderen hinuntersehen können - aber aufsehen zu uns "barbarischen kleinen Randstaaten" tun sie deswegen wirklich nicht, die lieben Franzosen. Wenn ich den Artikel wiederfinde werde ich dir Teile daraus übersetzen. Er war sehr witzig.
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Du hast mir eine Telefonnummer gegeben. Ist das in dein Büro? Und du willst, dass ich dich da mal anrufen soll? Antwortest du dann sofort oder muss ich erst nach dir fragen? Es wäre schon schön einmal deine Stimme zu hören.
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Freitag:
Ich schicke dieses mail nun ab damit du es noch zum Frühstückskaffee bekommtst.
Es ist teilweise bei Vollmond geschrieben. Für das was ich bei Vollmond schreibe bin ich nicht ganz verantwortlich. ;-)
Liebe Grüsse
in Maladi
Marlena


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