Samstag, 1. April 2017

ein Gnadenbild


Ämne: Zugabe
Datum: den 4 mars  15:48

Liebe Marlena
Soeben bin ich von Basel zurückgekommen. Jeweils dienstags findet im
Kunstmuseum über Mittag eine Führung statt. Und ich wollte sie mal
austesten. War prima.
Ich muss noch herausfinden, wer dieser Typ war. Er hat über Bildtypen
gesprochen und anhand von 4 oder 5 verschiedenen Bildern gezeigt, was er
damit meint. Es gibt ja doch Historienbild, Gnadenbild, Votivbild, Kultbild
etc. Davon am interessantesten finde ich das Gnadenbild. Es wird in seiner
Bedeutung ähnlich aufgefasst wie eine Reliquie. Es lebt von der Aura seiner
Herkunft, seiner Hand, seiner Darstellung. Doch die Darstellung ist
vielleicht am wenigsten wichtig dabei.

Es ist schon merkwürdig, wie sich die katholische Kirche noch nicht von den
Wundern distanziert hat. Wunder sind immer noch zu erwarten und zu haben.
Aber sie müssen offiziell im Vatikan approbiert werden. Es kann nicht jeder
daherkommen und sich auf ein Wunder berufen. Und je weiter die Wissenschft
voranschreitet, desto weniger bestehen die Möglichkeiten, dass man Wunder
erleben kann.

Ja, diese Stunde über Mittag war wirklich sehr interessant. Ich frage mich
bloss, wieviel davon ich behalten kann. Man sollte diese Art von Gedanken
irgendwie ins Langzeitgedächtnis überführen. Aber das geschieht nicht.
Du wirst lachen, einige der vielen älteren Leute habe ich früher auch in der
Vorlesung gesehen, die ich mit A zusammen besucht hatte. Es scheint,
dass ich hier in eine Gesellschaft gerate, die sich bloss in Museen und
unter Kunstexperten herumtreibt.
Ich bin noch ganz voll davon.

Wünsche Dir einen schönen Nachmittag.
Mit einem lieben Gruss
...



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