Preis für Übersetzerin Carlsson den
15 oktober 2002 10:52
Die 63-jährige Übersetzerin Maria Carlsson wird mit dem diesjährigen Helmut-M.-Baern-Übersetzungspreis ausgezeichnet. Die in Hamburg lebende Carlsson erhalte den mit 12'000 Euro dotierten Preis für ihre Übersetzungen des amerikanischen Autors John Updike, sagte eine Sprecherin der Jury in Freiburg. Besonders gewürdigt werde ihre Übersetzung des im vergangenen Jahr in Deutschland erschienenen Updike-Romans "Gertrude und Claudius". Carlsson übersetzt seit Anfang der 60er Jahre englische und amerikanische Autoren.
Ämne: Nur ein Hauch..
Datum: den 15 oktober 2002 15:29
Lieber ...,
Ich fahre nun nach Linköping. Es ist grau und regnerisch und ich werde wohl die Geschwindigkeitsgrenzen einhalten müssen.
Komme heute Abend zurück um dich zu "behaften". Heisst es so?
Mit einem lieben G und ebensolieben K (wahlfreie Sorte),
Marlena
Montag, 31. Mai 2010
Frühsommerwetter
Liebe Marlena
...
Wir haben heute allerschönstes Frühsommerwetter. Gestern Morgen
war es noch kühl. Aber im Laufe des Tages wurde es immer wärmer.
Und nun: strahlend blauer Himmel ohne ein Wölklein. Ich denke, alle
Pensionisten werden fiebrig und da und dort etwas zitterig ihre
Wanderstöcke suchen und hinaus in die strahlende Natur eilen. Man
erkennt sie von weitem, diese Glückspilze unserer Gesellschaft: sie
sind alle braungebrannt und euphorisch vergnügt und - weil oft etwas
schwerhörig - laut. Dagegen wirken wir Büromäuse bleich und grau,
schon fast leicht invalid. Aber ich glaube, ich werde heute unser
Weekly vorziehen und mit N und seinem Hund auch hinaus in die
Natur gehen. Er geht ohnehin jeden Tag, und mir tut ein solcher
Spaziergang auch gut. Ich bewege mich ja doch ein bisschen zuwenig.
Letzten Do war er bei mir und hat mir geholfen, das Pult
hinaufzutragen. Das war eine Herkulesarbeit, weiss Gott. Und ich
muss mich bei ihm revanchieren. Werde mal sehen, was sich machen
lässt.
...
Wir haben heute allerschönstes Frühsommerwetter. Gestern Morgen
war es noch kühl. Aber im Laufe des Tages wurde es immer wärmer.
Und nun: strahlend blauer Himmel ohne ein Wölklein. Ich denke, alle
Pensionisten werden fiebrig und da und dort etwas zitterig ihre
Wanderstöcke suchen und hinaus in die strahlende Natur eilen. Man
erkennt sie von weitem, diese Glückspilze unserer Gesellschaft: sie
sind alle braungebrannt und euphorisch vergnügt und - weil oft etwas
schwerhörig - laut. Dagegen wirken wir Büromäuse bleich und grau,
schon fast leicht invalid. Aber ich glaube, ich werde heute unser
Weekly vorziehen und mit N und seinem Hund auch hinaus in die
Natur gehen. Er geht ohnehin jeden Tag, und mir tut ein solcher
Spaziergang auch gut. Ich bewege mich ja doch ein bisschen zuwenig.
Letzten Do war er bei mir und hat mir geholfen, das Pult
hinaufzutragen. Das war eine Herkulesarbeit, weiss Gott. Und ich
muss mich bei ihm revanchieren. Werde mal sehen, was sich machen
lässt.
Samstag, 29. Mai 2010
hektische Periode
Re: Schwesterherz
Lieber ...,
Freitag Abend:
Es ist schon wieder spät geworden. Eigentlich möchte ich wieder in die Federn und weiterschlafen. Aber dann denke ich dass vielleicht mein kleines Brüderchen morgen früh wie gewöhnlich seine Zeitung im Internet liest und in die Mailbox schaut.. ich weiss wie traurig eine 0 aussehen kann. Hast du wirklich noch nicht meine Mails von heute gesehen? Ich gebe zu sie waren ziemlich kurz. aber ich habe eben die Zeit genommen die mir zur Verfügung stand.
Du kannst dir sicher garnicht vorstellen wieviel Arbeit es in den letzten Wochen gibt. Meine Abiturienten stehen kurz vor ihrem Examen. Es tut mir schon jetzt ein Bisschen leid dass ich mich bald von ihnen trennen muss. Die Woche in Prag hat noch seines dazu getan dass es mir schwer fallen wird. Fürs Wochenende habe ich mir ihre Examensprüfungen in Französisch mit nach Hause genommen um sie zu korrigieren. Dann muss ich noch etwas extra Material zusammenstellen für ein paar andere, die so ganz nahe an "Nicht genügend" sind und gern noch eine extra Prüfung machen wollen um zu zeigen dass sie sich verbessert haben.
Daneben wird es noch einige Konferenzen geben da noch so viel Probleme ungelöst sind.
Du weisst dass wir im Herbst mit einem ganz neuen Gymnasium starten und die Stundenpläne sind noch nicht richtig festgelegt. Neue Kurse, neue Lehrbücher und ich weiss nicht was noch alles.
*
(den 21 maj 2000 01:49)
Lieber ...,
Freitag Abend:
Es ist schon wieder spät geworden. Eigentlich möchte ich wieder in die Federn und weiterschlafen. Aber dann denke ich dass vielleicht mein kleines Brüderchen morgen früh wie gewöhnlich seine Zeitung im Internet liest und in die Mailbox schaut.. ich weiss wie traurig eine 0 aussehen kann. Hast du wirklich noch nicht meine Mails von heute gesehen? Ich gebe zu sie waren ziemlich kurz. aber ich habe eben die Zeit genommen die mir zur Verfügung stand.
Du kannst dir sicher garnicht vorstellen wieviel Arbeit es in den letzten Wochen gibt. Meine Abiturienten stehen kurz vor ihrem Examen. Es tut mir schon jetzt ein Bisschen leid dass ich mich bald von ihnen trennen muss. Die Woche in Prag hat noch seines dazu getan dass es mir schwer fallen wird. Fürs Wochenende habe ich mir ihre Examensprüfungen in Französisch mit nach Hause genommen um sie zu korrigieren. Dann muss ich noch etwas extra Material zusammenstellen für ein paar andere, die so ganz nahe an "Nicht genügend" sind und gern noch eine extra Prüfung machen wollen um zu zeigen dass sie sich verbessert haben.
Daneben wird es noch einige Konferenzen geben da noch so viel Probleme ungelöst sind.
Du weisst dass wir im Herbst mit einem ganz neuen Gymnasium starten und die Stundenpläne sind noch nicht richtig festgelegt. Neue Kurse, neue Lehrbücher und ich weiss nicht was noch alles.
*
(den 21 maj 2000 01:49)
Freitag, 28. Mai 2010
Proust - de Botton
Ich habe für mich - du wirst schmunzeln Malou - ein kleines
Taschenbuch für die nächte Zeit gefunden. Es heisst "Wie Proust Ihr
Leben verändern kann", von einem Schweizer namens Alain de Botton.
Du weißt ja sicher, wie Proust in der Vergangenheit gerührt hat.
Nichts anderes hat er gemacht. Noch seine Madelaine hat er in der
Vergangenheit gegessen. De Botton hat in Cambridge studiert und lebt
in London. Er schreibt ein bisschen maniriert und intellektuell. Das
mag ich. Das Buch fängt so an: 1. Wie man das Leben heute liebt
"Es gibt wenig, dem sich der Mensch mit grösserer Hingabe widmet als
mit dem Unglücklichsein. Hätte ein böser Schöfper uns nur in die Welt
gesetzt, damit wir leiden, dürften wir uns zu Recht damit brüsten,
diese Aufgbabe mit Begeisterung erfüllt zu haben. Dabei gibt es
wahrhaftig genug Gründe, untröstlich zu sein: die Vergänglichkeit des
Fleisches, die Unbeständigkeit der Liebe, die Verlogenheit im Alltag,
die Kompromisse zwischen Freunden, die lähmende Wirkung der
Gewohnheit. Angesichts derartiger Misstände sollte man meinen, dass
wir nichts sehnlicher herbeiwünschen müssten als unsere eigene
Auslöschung."
Du siehst, ich bin auf dem Weg der Besserung.
(7 Juni 2000)
Taschenbuch für die nächte Zeit gefunden. Es heisst "Wie Proust Ihr
Leben verändern kann", von einem Schweizer namens Alain de Botton.
Du weißt ja sicher, wie Proust in der Vergangenheit gerührt hat.
Nichts anderes hat er gemacht. Noch seine Madelaine hat er in der
Vergangenheit gegessen. De Botton hat in Cambridge studiert und lebt
in London. Er schreibt ein bisschen maniriert und intellektuell. Das
mag ich. Das Buch fängt so an: 1. Wie man das Leben heute liebt
"Es gibt wenig, dem sich der Mensch mit grösserer Hingabe widmet als
mit dem Unglücklichsein. Hätte ein böser Schöfper uns nur in die Welt
gesetzt, damit wir leiden, dürften wir uns zu Recht damit brüsten,
diese Aufgbabe mit Begeisterung erfüllt zu haben. Dabei gibt es
wahrhaftig genug Gründe, untröstlich zu sein: die Vergänglichkeit des
Fleisches, die Unbeständigkeit der Liebe, die Verlogenheit im Alltag,
die Kompromisse zwischen Freunden, die lähmende Wirkung der
Gewohnheit. Angesichts derartiger Misstände sollte man meinen, dass
wir nichts sehnlicher herbeiwünschen müssten als unsere eigene
Auslöschung."
Du siehst, ich bin auf dem Weg der Besserung.
(7 Juni 2000)
Donnerstag, 27. Mai 2010
Torquato Tasso
Ich war heute in Basel. Es ist sommerlich heiss und man hat den Eindruck, die Ferien liegen in der Luft. Doch die Schule dauert hier noch 3 Wochen bis Ende Juni. In den Buchhandlungen liegen überall Reiseführer auf. Ich habe rasch in einen über den Golf von Neapel gekuckt. In Sorrento gibt es ein Denkmal von Torquato Tasso, der hier 1544 geboren ist. Das weißt du vielleicht schon. Goethe hat ein Schauspiel über ihn geschrieben. Es handelt sich um die Frage des Künstlers in der Gesellschaft. Das egozentrische Geniebild des Sturm und Drang wird hier in einem klassischen Ausgleich zwischen Ich und Welt harmonisiert.
Tasso war ein Dichter der Hochrenaissance. Er vereinigte altrömische Ueberlieferung und christlich romantischen Sinn im Epos La Gerusalemme liberata. Es behandelt die Eroberung Jerusalems durch das Heer der Kreuzfahrer. Nach siebenhäriger Krankheit wurde er vom Fürsten Gonzaga von Mantua entlassen. In dieser Zeit hatte er noch seine I dialoghi verfasst. Er war ein tief unglücklicher Mensch. Nichts und alles ist vom tiefen Elend in seinem Epos zu
*
Tasso war ein Dichter der Hochrenaissance. Er vereinigte altrömische Ueberlieferung und christlich romantischen Sinn im Epos La Gerusalemme liberata. Es behandelt die Eroberung Jerusalems durch das Heer der Kreuzfahrer. Nach siebenhäriger Krankheit wurde er vom Fürsten Gonzaga von Mantua entlassen. In dieser Zeit hatte er noch seine I dialoghi verfasst. Er war ein tief unglücklicher Mensch. Nichts und alles ist vom tiefen Elend in seinem Epos zu
*
:-)
Gestern habe ich geschmunzelt, meine liebe Marlena. Du hast mir am Morgen gesagt, dass du aus dem Haus gehst und wann du am Abend zurückkommst. Das ist wie eine Internet-Ehe. Ich habe abends auf dich gewartet. Doch um halb sieben musste ich dann gehen. Ich habe angenommen, dass du sehr müde bist. Die ersten Ferientage machen einen oft mehr müde, weil man die viel Bewegung und frische Luft gar nicht mehr gewohnt ist.
Ich hoffe, eure 5. Jahreszeit ist bald um und der wirkliche Frühling kommt hervor. Hier bei uns blühen die Kirschen. Von denen gibt es hier in der Gegend sehr viele. Und die Bäume unten auf dem Platz, den ich aus dem Fenster überblicke, schlagen aus. Sie tragen schon ein feines Grün. Und die Jungen sind mit ihren Roller-Blades und den Skates unterwegs. Und sogar die alten Leute werden die Milde des Frühlings in ihren Knochen ein bisschen spüren.
Ich maile diese Portion. Dann hast du vielleicht was zum Kaffee. Oder bin ich schon zu spät.
Ich denke an Dich, meine ferne Mausgeliebte
i.M.
Ich hoffe, eure 5. Jahreszeit ist bald um und der wirkliche Frühling kommt hervor. Hier bei uns blühen die Kirschen. Von denen gibt es hier in der Gegend sehr viele. Und die Bäume unten auf dem Platz, den ich aus dem Fenster überblicke, schlagen aus. Sie tragen schon ein feines Grün. Und die Jungen sind mit ihren Roller-Blades und den Skates unterwegs. Und sogar die alten Leute werden die Milde des Frühlings in ihren Knochen ein bisschen spüren.
Ich maile diese Portion. Dann hast du vielleicht was zum Kaffee. Oder bin ich schon zu spät.
Ich denke an Dich, meine ferne Mausgeliebte
i.M.
Mittwoch, 26. Mai 2010
Körper und Seele
Liebe Marlena
...
Weißt du, was mir in den Sinn gekommen ist, nachdem im Antonioni Film wieder von den Seelen die Rede war, auf die man warten muss. Ich habe gedacht, für den Fall, dass wir zwei uns mal treffen würden, dass wir dann hingegen auf unsere Körper warten müssten, weniger auf die Seelen, die ja nun ihren Ort bereits erreicht haben, aber auf die Körper, die noch weit zurück zu sein scheinen. Wir werden dann unsere Seelen mal vorläufig an irgendwelchen Kleiderbügeln aufhängen, damit sie hängen und warten, bis auch die Körper eingetroffen sind. Das gäbe auch einen hübschen Cartoon mit den hängenden Seelen, hängend, aber doch nicht schlapp, bitte sehr! Und wenn die körper eingetroffen sein werden, dann müssen wir wohl noch auf die 20kg Gepäck warten. Alles braucht seine Zeit.
*
Diesen Morgen war ich ziemlich beschäftigt. Ich habe lange ...
*
Ich hoffe, jetzt von dir etwas im Netz zu finden. Ich bin schon ganz heiss, zu hören, wie es geht und was du tust. Sicherlich machst du nichts anderes als italienische Wörter zu repetieren. Am wichtigsten sind doch diese vielen verschiedenen Teigwaren. Wenn ich eine italienische Karte anschaue, hat es soviele verschiedene Namen dafür, das man nie weiss, was sie schliesslich auf dem Teller bringen werden. Es ist also gut, darauf einige Energie zu verwenden. Und sonst wird dir ja Anna noch weiterhelfen. Und für einen Flirt mit dem Bagnino oder so, da lass mal lieber deiner kleinen Tochter den Vortritt. Sie muss ja wielleicht noch etwas mehr üben!
*
Ich hoffe, du hast meine Adresse bekommen. Ich werde mein Büro informieren, dass ich mit meiner Kusine Marlena, einer Kusine zweiten Grades, um exakt zu sein, dass ich mit ihr eine Wette abgeschlossen habe, wer sich gegenseitig aus den Ferien die schockierendere Postkarte zustellen können wird. Sie werden mich sicherlich alle unterstützen und der Meinung sein, deine Karte sei wirklich nur halb so schockierend, wie sie in Wirklichkeit sicherlich sein wird ;-----))).
Deinen Scherz fand ich sehr lustig und pfiffig. Das mag ich sehr, meine Liebste. Ich könnte dich dafür umarmen.
Und mit einigen ziemlich saftigen Küssen versehen. Doch eben leider müssen wir vorerst auf unsere leiblichen Hüllen und aufs Gepäck warten.
Ich wünsche dir eine gute Zeit.
Mit liebsten Grüssen
...
...
Weißt du, was mir in den Sinn gekommen ist, nachdem im Antonioni Film wieder von den Seelen die Rede war, auf die man warten muss. Ich habe gedacht, für den Fall, dass wir zwei uns mal treffen würden, dass wir dann hingegen auf unsere Körper warten müssten, weniger auf die Seelen, die ja nun ihren Ort bereits erreicht haben, aber auf die Körper, die noch weit zurück zu sein scheinen. Wir werden dann unsere Seelen mal vorläufig an irgendwelchen Kleiderbügeln aufhängen, damit sie hängen und warten, bis auch die Körper eingetroffen sind. Das gäbe auch einen hübschen Cartoon mit den hängenden Seelen, hängend, aber doch nicht schlapp, bitte sehr! Und wenn die körper eingetroffen sein werden, dann müssen wir wohl noch auf die 20kg Gepäck warten. Alles braucht seine Zeit.
*
Diesen Morgen war ich ziemlich beschäftigt. Ich habe lange ...
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Ich hoffe, jetzt von dir etwas im Netz zu finden. Ich bin schon ganz heiss, zu hören, wie es geht und was du tust. Sicherlich machst du nichts anderes als italienische Wörter zu repetieren. Am wichtigsten sind doch diese vielen verschiedenen Teigwaren. Wenn ich eine italienische Karte anschaue, hat es soviele verschiedene Namen dafür, das man nie weiss, was sie schliesslich auf dem Teller bringen werden. Es ist also gut, darauf einige Energie zu verwenden. Und sonst wird dir ja Anna noch weiterhelfen. Und für einen Flirt mit dem Bagnino oder so, da lass mal lieber deiner kleinen Tochter den Vortritt. Sie muss ja wielleicht noch etwas mehr üben!
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Ich hoffe, du hast meine Adresse bekommen. Ich werde mein Büro informieren, dass ich mit meiner Kusine Marlena, einer Kusine zweiten Grades, um exakt zu sein, dass ich mit ihr eine Wette abgeschlossen habe, wer sich gegenseitig aus den Ferien die schockierendere Postkarte zustellen können wird. Sie werden mich sicherlich alle unterstützen und der Meinung sein, deine Karte sei wirklich nur halb so schockierend, wie sie in Wirklichkeit sicherlich sein wird ;-----))).
Deinen Scherz fand ich sehr lustig und pfiffig. Das mag ich sehr, meine Liebste. Ich könnte dich dafür umarmen.
Und mit einigen ziemlich saftigen Küssen versehen. Doch eben leider müssen wir vorerst auf unsere leiblichen Hüllen und aufs Gepäck warten.
Ich wünsche dir eine gute Zeit.
Mit liebsten Grüssen
...
Natur oder Kultur?
Subject: Re: die russischen Puppen
Liebe Marlena
Du bist wirklich absent-minded im Moment. Du willst doch nicht etwa behaupten, du würdest immer noch Rasen mähen? So einen Riesenrasen (typischer deutscher Stabreim) werdet ihr doch wohl nicht haben rund ums Haus. Aber ich habe schon bemerkt, dass euer Haus und Garten sehr gepflegt sein muss. Das ist es bei uns nicht. Bei uns halten sich Kultur und Natur die Waage. Man weiss nie so genau, wer gewinnt im nächstem Augenblick. Ist es die Natur, die alles überwachsen lässt, die darauf los grünt und uns wirklich über den Kopf wächst. Oder ist es die Kultur, die Hand des Gärtners. Der englische Garten ist eine gute Balance zwischen den beiden. Der französische ist etwas überkultiviert, zentralistisch und barock. Auch schön, aber lässt der Natur fast kein Wort mehr.
Aus meiner Tuja wollte ich so ein französisches Kunstwerk schneiden. Doch ich komme nicht gut heran, und jetzt sieht es aus wie ein riesiger Rasierpinsel, weder französisch noch englisch, sondern schlicht unförmig. Aber die Rosen, die rund daran herumhängen, sind doch lustig und dekorativ.
*
---
*
Und jetzt wirst du mein Mittagsmail bekommen. Ich warte ja immer noch auf dein Megamail. Wann denkst du, dass es soweit ist. Vielleicht im Herbst, nach den grossen Ferien?
Ach Marlena, ich mache nur Spass. Ich wünsche dir eine gute Zeit.
Mit ziemlich grosser Liebe
...
Liebe Marlena
Du bist wirklich absent-minded im Moment. Du willst doch nicht etwa behaupten, du würdest immer noch Rasen mähen? So einen Riesenrasen (typischer deutscher Stabreim) werdet ihr doch wohl nicht haben rund ums Haus. Aber ich habe schon bemerkt, dass euer Haus und Garten sehr gepflegt sein muss. Das ist es bei uns nicht. Bei uns halten sich Kultur und Natur die Waage. Man weiss nie so genau, wer gewinnt im nächstem Augenblick. Ist es die Natur, die alles überwachsen lässt, die darauf los grünt und uns wirklich über den Kopf wächst. Oder ist es die Kultur, die Hand des Gärtners. Der englische Garten ist eine gute Balance zwischen den beiden. Der französische ist etwas überkultiviert, zentralistisch und barock. Auch schön, aber lässt der Natur fast kein Wort mehr.
Aus meiner Tuja wollte ich so ein französisches Kunstwerk schneiden. Doch ich komme nicht gut heran, und jetzt sieht es aus wie ein riesiger Rasierpinsel, weder französisch noch englisch, sondern schlicht unförmig. Aber die Rosen, die rund daran herumhängen, sind doch lustig und dekorativ.
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Und jetzt wirst du mein Mittagsmail bekommen. Ich warte ja immer noch auf dein Megamail. Wann denkst du, dass es soweit ist. Vielleicht im Herbst, nach den grossen Ferien?
Ach Marlena, ich mache nur Spass. Ich wünsche dir eine gute Zeit.
Mit ziemlich grosser Liebe
...
Dienstag, 25. Mai 2010
ein wirklicher Mensch
Subject: Re: Pour elle seule, hélas!
Lieber ... !
Ich habe deinen schönen langen Brief nocheinmal durchgelesen. Du versuchst mich u.a. zu überzeugen dass es dich nicht gibt in meinem Leben. Dass du nur Text bist, nur irgendein Fantasieprodukt von mir. Alles das will ich nicht akzeptieren. Für mich bist du ein wirklicher Mensch. Du bist wirklicher als viele der Menschen die ich fast täglich sehe, deren Gesten und Mimik ich beobachten kann, deren Stimme ich kenne. Sie sind alle nicht so wirklich für mich wie du. Erst wenn man etwas liebt wird es eine Realität in unserem Leben. Und du bist Realität für mich. Du bist so wirklich dass ich dich über 2000 Km fühlen kann. Und so wären wir eigentlich wieder bei der grossen Frage gelandet: existieren wir überhaupt? und wie können wir unsere existens beweisen?
Nun mache ich einen Gedankensprung und lande sofort bei dem Ziel meiner Therorie: "J'aime, donc je suis" und dann noch "Je t'aime, donc tu es". Und nun mache ich nicht nur Spass. Ich glaube sogar dass, so lange wir einen verstorbenen Menschen lieben gibt es ihn auch noch.
---
Lieber ... !
Ich habe deinen schönen langen Brief nocheinmal durchgelesen. Du versuchst mich u.a. zu überzeugen dass es dich nicht gibt in meinem Leben. Dass du nur Text bist, nur irgendein Fantasieprodukt von mir. Alles das will ich nicht akzeptieren. Für mich bist du ein wirklicher Mensch. Du bist wirklicher als viele der Menschen die ich fast täglich sehe, deren Gesten und Mimik ich beobachten kann, deren Stimme ich kenne. Sie sind alle nicht so wirklich für mich wie du. Erst wenn man etwas liebt wird es eine Realität in unserem Leben. Und du bist Realität für mich. Du bist so wirklich dass ich dich über 2000 Km fühlen kann. Und so wären wir eigentlich wieder bei der grossen Frage gelandet: existieren wir überhaupt? und wie können wir unsere existens beweisen?
Nun mache ich einen Gedankensprung und lande sofort bei dem Ziel meiner Therorie: "J'aime, donc je suis" und dann noch "Je t'aime, donc tu es". Und nun mache ich nicht nur Spass. Ich glaube sogar dass, so lange wir einen verstorbenen Menschen lieben gibt es ihn auch noch.
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Montag, 24. Mai 2010
Weinmariniert
Ämne: Mi-abend
Datum: den 28 april 2004 18:58
Lieber ...,
War dieser Tag sensationell? Nein, wirklich nicht. Vielleicht ausgenommen das Wetter. Aber trotz der herrlichen Sonne war der Wind eisig. ...
Ich habe das kleine Buch wiedergefunden, das unser Schulwesen beschreibt und kritisiert. Ich hatte es mir extra in der Bücherhandlung bestellt und dann am nächsten Tag war es veschwunden und K schwieg nur, wenn ich ihn danach fragte. Jetzt habe ich es wieder. Aber nun ist es "weinmariniert". Es hat nämlich in Wein gelegen, den K darüber vergossen hatte. Hast du jemals ein weinmariniertes Buch gelesen? Åke wird ganz lyrisch, wenn er von dem Buch spricht. Nicht wegen der Marinade sondern wegen dem Inhalt. Ich wünsche es gäbe eine Übersetzung ins Deutsche. Ich würde sie dir glatt schicken.
Deine Bilder sind wirklich sehr gut. Früher habe ich ja schon gewusst wie gut du kopieren kannst aber dass du auch so schöne Landschaften malst, war neu für mich. Eigentlich sollte ich nicht so schreiben, wie ich es tue. Ich meine, ich kenne deinen heimlichen Traum und mein Lob muss dich eher traurig stimmen. So fühlte ich es jedenfalls oft, wenn man mir sagte, dass ich absolut Sängerin werden sollte. Es war mein grosser Mädchentraum und zwar fühlte ich mich geschmeichelt aber da war gleichzeitig ein Gefühl von Machtlosigkeit und dass ich etwas verpasst hätte.
Aber du hast Recht, man muss viel Geduld und auch Glück haben, bevor man mit Kunst sein Geld verdienen kann. Ich bereue nicht meine Berufswahl, obwohl ich sie dem Zufall verdanke.
*
So, ich lasse dich wieder und bin schon neugierig auf deinen Tag ausserhalb des Büros.
Wünsche dir einen schönen Abend,
mit Gs und Ks,
Malou
Datum: den 28 april 2004 18:58
Lieber ...,
War dieser Tag sensationell? Nein, wirklich nicht. Vielleicht ausgenommen das Wetter. Aber trotz der herrlichen Sonne war der Wind eisig. ...
Ich habe das kleine Buch wiedergefunden, das unser Schulwesen beschreibt und kritisiert. Ich hatte es mir extra in der Bücherhandlung bestellt und dann am nächsten Tag war es veschwunden und K schwieg nur, wenn ich ihn danach fragte. Jetzt habe ich es wieder. Aber nun ist es "weinmariniert". Es hat nämlich in Wein gelegen, den K darüber vergossen hatte. Hast du jemals ein weinmariniertes Buch gelesen? Åke wird ganz lyrisch, wenn er von dem Buch spricht. Nicht wegen der Marinade sondern wegen dem Inhalt. Ich wünsche es gäbe eine Übersetzung ins Deutsche. Ich würde sie dir glatt schicken.
Deine Bilder sind wirklich sehr gut. Früher habe ich ja schon gewusst wie gut du kopieren kannst aber dass du auch so schöne Landschaften malst, war neu für mich. Eigentlich sollte ich nicht so schreiben, wie ich es tue. Ich meine, ich kenne deinen heimlichen Traum und mein Lob muss dich eher traurig stimmen. So fühlte ich es jedenfalls oft, wenn man mir sagte, dass ich absolut Sängerin werden sollte. Es war mein grosser Mädchentraum und zwar fühlte ich mich geschmeichelt aber da war gleichzeitig ein Gefühl von Machtlosigkeit und dass ich etwas verpasst hätte.
Aber du hast Recht, man muss viel Geduld und auch Glück haben, bevor man mit Kunst sein Geld verdienen kann. Ich bereue nicht meine Berufswahl, obwohl ich sie dem Zufall verdanke.
*
So, ich lasse dich wieder und bin schon neugierig auf deinen Tag ausserhalb des Büros.
Wünsche dir einen schönen Abend,
mit Gs und Ks,
Malou
Sonntag, 23. Mai 2010
Pfingstrosen
Siehst Du, wie die Pfingstrosen blühen? Es sind von allen Blumen die ersten, die ich in meiner Jugend irgendwie bemerkt habe. Vielleicht mal von den Hortensien abgesehen, die ich seit der Beerdigung meiner Mutter irgendwie kannte. Pfingstrosen haben Ameisen, deshalb vielleicht habe ich sie mir gemerkt. Und ich erinnere mich an ein Bild Manets mit schönen Pfingstrosen. Sie sind schön, wenn sie blosse Knospen bilden und sie sind schön, wenn sie in barocker Fülle sich offen den warmen Pfingsttemperaturen hingeben. Siehst Du Malou, ich bin ja wirklich nicht gerade ein guter Blumenkenner. Aber zu den Pfingstrosen habe ich ein kameradschaftliches Verhältnis gefunden. Und ich frage mich, weshalb wir in unserem Garten keine Pfingstrosen haben.
Ich wünsche Dir schöne Pfingsten.
MlGuK
Samstag, 22. Mai 2010
Pfingsten - damals im Wallis
Liebe Malou
Die deutsche Sprache reicht nicht aus, um unser Wetter zu beschreiben. Dazu würde man eine Menge Kraftausdrücke benötigen und sie in die Luft hinaus donnern. Es ist wirklich saukalt und unfreundlich. Ich habe - habe ich das nicht schon mal geschildert, um dich zu Tränen zu rühren? - ich habe unsere Tomaten wieder zurück unter die Plastikdecke geschickt. Das will heissen: vor ein paar Tagen hatte ich den Plastik entfernt und pro Pflanze einen Stock eingesteckt. Das sind so gewundene Metallstöcke, die der Pflanze Halt geben, ohne dass man sie binden muss. Aber dann vor 2 Tagen, als ich die Wetterprognosen für Pfingsten gehört hatte, habe ich alles wieder abgebaut und zugedeckt. Das ist ein Rückzug um knappe zwei Monate. Ist das nicht wahnsinnig.
Aber ich muss gestehen, gleich heute Morgen, bei Wind und Wetter, ist mir eine Erinnerung aus meiner Jugend zurückgekehrt. Und wenn ich es mir genau überlege, hängt das mit dem Wetter zusammen. Damals, in der Zeit der Sekundarschule, hatten wir jeweils an Pfingsten ein Pfadfinderwochenende. Man zog aus mit Zelt und Kochgeschirr und hat das längere Wochenende von Pfingsten in Gottes freier Natur verbracht. So haben wir verschiedene Gegenden des Wallis kennengelernt. Ich erinnere mich an den Pfinwald, diesen altertümlichen südlichen Wald, der die Sprachgrenze bildet, und der in alter Zeit ein fast unüberwindliches Hindernis voller Räuber und Weglagerer gewesen war. Als wir dort in den Zelten lebten, war feines Wetter. Und sonntags waren die Gebüsche voller Liebespärchen, die sich auf ihren Wolldecken am Boden gütlich taten. Das Wallis war damals - ist es wohl noch heute - sehr konservativ. Und die jungen Leute durften nicht einfach so 'karisieren', wie sie es nannten. Also zogen sie sich in den Pfinwald zurück.
An einem Pfingstwochenende, eben an jenem, das mir jetzt wieder in Erinnerung ist, da fuhren wir hinauf in die Derborence. Derborence heisst ein Roman von Ramuz, dem bekannten Westschweizer Schriftsteller. Und das Gebiet ist bekannt wegen seines kleinen Sees, wegen des Bergsturzes, der sich vor längerer Zeit dort einmal ereignet hatte, und wegen der Tatsache, dass das ganze Gebiet heute unter Naturschutz liegt. Wir waren also um die 20 junge Leute dort oben. Und mindestens während eines Tages hat es geregnet und war kalt, dass wir uns entschlossen, in die Berghütte zu gehen, um uns ein bisschen aufzuwärmen und auszutrocknen. Wir stiegen also in dieses Haus hinauf. Dort war ein alter Mann mit einem Mädchen, die uns freundlich empfingen. Vielleicht war es wirklich diese Kälte, die dafür verantwortlich war, dass ich mich augenblicklich in diese charmante junge Frau verliebte. Ich weiss nicht mehr wie sie ausgesehen hat. Ich weiss nicht mehr, wie wir mit ihr und ob überhaupt gesprochen haben. Ich weiss bloss noch, dass mich die Situation an die Szenen aus dem Jugendroman 'Heidi' erinnerten. Und ich weiss noch, dass sie mir das ganze Wochenende nicht mehr aus dem Kopf gingen. Und es war kalt und unfreundlich, und die Wolken hingen tief den Berggipfeln entlang, so dass man den Eindruck hatte, man lebte unter einem Pfannendeckel.
Es gibt eine hübsche Kurzgeschichte von Heinrich Böll mit dem Titel 'Die ungezählte Geliebte'. Darin hat ein junger Mann im Nachkriegsdeutschland die Aufgabe, die Fussgänger zu zählen, die eine Brücke benutzen. Er tut das geflissentlich und genau, doch er erlaubt sich die Freiheit, jedesmal, wenn seine geheime Liebe passiert, sie nicht mitzuzählen.
(date 2 June 2006 07:33)
Die deutsche Sprache reicht nicht aus, um unser Wetter zu beschreiben. Dazu würde man eine Menge Kraftausdrücke benötigen und sie in die Luft hinaus donnern. Es ist wirklich saukalt und unfreundlich. Ich habe - habe ich das nicht schon mal geschildert, um dich zu Tränen zu rühren? - ich habe unsere Tomaten wieder zurück unter die Plastikdecke geschickt. Das will heissen: vor ein paar Tagen hatte ich den Plastik entfernt und pro Pflanze einen Stock eingesteckt. Das sind so gewundene Metallstöcke, die der Pflanze Halt geben, ohne dass man sie binden muss. Aber dann vor 2 Tagen, als ich die Wetterprognosen für Pfingsten gehört hatte, habe ich alles wieder abgebaut und zugedeckt. Das ist ein Rückzug um knappe zwei Monate. Ist das nicht wahnsinnig.
Aber ich muss gestehen, gleich heute Morgen, bei Wind und Wetter, ist mir eine Erinnerung aus meiner Jugend zurückgekehrt. Und wenn ich es mir genau überlege, hängt das mit dem Wetter zusammen. Damals, in der Zeit der Sekundarschule, hatten wir jeweils an Pfingsten ein Pfadfinderwochenende. Man zog aus mit Zelt und Kochgeschirr und hat das längere Wochenende von Pfingsten in Gottes freier Natur verbracht. So haben wir verschiedene Gegenden des Wallis kennengelernt. Ich erinnere mich an den Pfinwald, diesen altertümlichen südlichen Wald, der die Sprachgrenze bildet, und der in alter Zeit ein fast unüberwindliches Hindernis voller Räuber und Weglagerer gewesen war. Als wir dort in den Zelten lebten, war feines Wetter. Und sonntags waren die Gebüsche voller Liebespärchen, die sich auf ihren Wolldecken am Boden gütlich taten. Das Wallis war damals - ist es wohl noch heute - sehr konservativ. Und die jungen Leute durften nicht einfach so 'karisieren', wie sie es nannten. Also zogen sie sich in den Pfinwald zurück.
An einem Pfingstwochenende, eben an jenem, das mir jetzt wieder in Erinnerung ist, da fuhren wir hinauf in die Derborence. Derborence heisst ein Roman von Ramuz, dem bekannten Westschweizer Schriftsteller. Und das Gebiet ist bekannt wegen seines kleinen Sees, wegen des Bergsturzes, der sich vor längerer Zeit dort einmal ereignet hatte, und wegen der Tatsache, dass das ganze Gebiet heute unter Naturschutz liegt. Wir waren also um die 20 junge Leute dort oben. Und mindestens während eines Tages hat es geregnet und war kalt, dass wir uns entschlossen, in die Berghütte zu gehen, um uns ein bisschen aufzuwärmen und auszutrocknen. Wir stiegen also in dieses Haus hinauf. Dort war ein alter Mann mit einem Mädchen, die uns freundlich empfingen. Vielleicht war es wirklich diese Kälte, die dafür verantwortlich war, dass ich mich augenblicklich in diese charmante junge Frau verliebte. Ich weiss nicht mehr wie sie ausgesehen hat. Ich weiss nicht mehr, wie wir mit ihr und ob überhaupt gesprochen haben. Ich weiss bloss noch, dass mich die Situation an die Szenen aus dem Jugendroman 'Heidi' erinnerten. Und ich weiss noch, dass sie mir das ganze Wochenende nicht mehr aus dem Kopf gingen. Und es war kalt und unfreundlich, und die Wolken hingen tief den Berggipfeln entlang, so dass man den Eindruck hatte, man lebte unter einem Pfannendeckel.
Es gibt eine hübsche Kurzgeschichte von Heinrich Böll mit dem Titel 'Die ungezählte Geliebte'. Darin hat ein junger Mann im Nachkriegsdeutschland die Aufgabe, die Fussgänger zu zählen, die eine Brücke benutzen. Er tut das geflissentlich und genau, doch er erlaubt sich die Freiheit, jedesmal, wenn seine geheime Liebe passiert, sie nicht mitzuzählen.
(date 2 June 2006 07:33)
Freitag, 21. Mai 2010
Spiel - Teil des Lebens
Was man von den Persern lernen kann? Ich erkläre es Dir: im Iran gibt es ein Nationalspiel. Sie nennen es Daïs, hier geht es unter dem Namen Backgammon. Jeder spielt dort Backgammon, die Kinder, die alten Leute, der Onkel mit der Tante, der General mit dem Sergeanten. So habe ich auch Backgammon gelernt, als ich nach Persien kam. Ich habe mir die Regeln gemerkt – die nicht sonderlich kompliziert sind – und habe angefangen. Doch auch wenn man die Regeln weiss, kann man in Persien noch nicht wirklich spielen. Das Wesentliche am Spiel läuft ausserhalb des Brettes. Die Perser plaudern, erzählen, lenken dich ab, machen Witze, nehmen dich auf die Schippe, bringen dich aus dem Konzept, lassen dich unkonzentriert spielen, kidnappen deine Aufmerksamkeit, so dass du die schlimmsten Fehler machst und einfach nur verlieren kannst. Ich, als solider Schweizer, bin immer davon ausgegangen, das Spiel finde auf dem Brett statt, innerhalb eines wohldefinierten Rahmens. Mitnichten, das Spiel findet im ganzen Leben statt. Hier bahnen sich die Spielzüge ab. Perser verstehen das Spiel viel weiter, als Teil des Lebens überhaupt.
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Soweit mein Sonntagstagebuch, liebe Marlena. Du kennst mich schon bald besser als ich mich selbst. Ich hoffe, du hast heute eine gute Zeit...
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Soweit mein Sonntagstagebuch, liebe Marlena. Du kennst mich schon bald besser als ich mich selbst. Ich hoffe, du hast heute eine gute Zeit...
Mittwoch, 19. Mai 2010
Pilgerreise nach Meshed
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Ich habe viel von den Persern gelernt. Persien ist bekanntlich eine alte Kulturnation. Und auch wenn sie in moderner Zeit mit ihren Fundamentalisten in negative Schlagzeilen geraten ist, so war Persien immer sehr tolerant gegenüber Andersgläubigen und Menschen fremder Herkunft. Als ich in Teheran war – das war noch vor der Revolution - , da gab es Armenier, die meist Christen sind, da gab es Juden, da gab es Inder, Afghanen, auch Kurden. Oder später, als wir einmal auf einer Pilgerreise nach Meshed waren, da gab es ganze Harems aus Arabien. Das kannst du dir nicht vorstellen, Marlena. Ein solcher Harem ist wie ein Schwarm Gänse. Wenn nichts Sonderliches geschieht, ist das ein Geräuschpegel wie der einer Schulklasse bei der Stillarbeit, etwas Gemurmel und Geplauder, eine Geräuschwolke, die den Schwarm einhüllt. Wenn sich der Schwarm übrigens nicht mehr vorwärts bewegt, z.B im Flughafen stehenbleibt, dann sitzen die Frauen nach und nach einfach auf dem Boden ab. Und wenn sie aufgeregt werden, werden ihre krächzenden Stimmen lauter, und sie schimpfen und schaukeln sich gegenseitig in ihrer Nervosität in die Höhe, genau wie ein Gänseschwarm. Das ist für uns individualistische Europäer urkomisch und archaisch. Noch dazu, dass diese Frauen alle zusammen mit schwarzen Tüchern verhüllt sind und auch die Augen hinter einem Netz verborgen halten. Es gibt keinen Blickkontakt von Auge zu Auge, von Mensch zu Mensch, wie wir das gewohnt sind. Das wirkt für uns aufgeklärte Geister sehr mittelalterlich und auch ein bisschen – sie mögen mir verzeihen - animalisch.
Was man von den Persern lernen kann? Ich erkläre es Dir: ...
Ich habe viel von den Persern gelernt. Persien ist bekanntlich eine alte Kulturnation. Und auch wenn sie in moderner Zeit mit ihren Fundamentalisten in negative Schlagzeilen geraten ist, so war Persien immer sehr tolerant gegenüber Andersgläubigen und Menschen fremder Herkunft. Als ich in Teheran war – das war noch vor der Revolution - , da gab es Armenier, die meist Christen sind, da gab es Juden, da gab es Inder, Afghanen, auch Kurden. Oder später, als wir einmal auf einer Pilgerreise nach Meshed waren, da gab es ganze Harems aus Arabien. Das kannst du dir nicht vorstellen, Marlena. Ein solcher Harem ist wie ein Schwarm Gänse. Wenn nichts Sonderliches geschieht, ist das ein Geräuschpegel wie der einer Schulklasse bei der Stillarbeit, etwas Gemurmel und Geplauder, eine Geräuschwolke, die den Schwarm einhüllt. Wenn sich der Schwarm übrigens nicht mehr vorwärts bewegt, z.B im Flughafen stehenbleibt, dann sitzen die Frauen nach und nach einfach auf dem Boden ab. Und wenn sie aufgeregt werden, werden ihre krächzenden Stimmen lauter, und sie schimpfen und schaukeln sich gegenseitig in ihrer Nervosität in die Höhe, genau wie ein Gänseschwarm. Das ist für uns individualistische Europäer urkomisch und archaisch. Noch dazu, dass diese Frauen alle zusammen mit schwarzen Tüchern verhüllt sind und auch die Augen hinter einem Netz verborgen halten. Es gibt keinen Blickkontakt von Auge zu Auge, von Mensch zu Mensch, wie wir das gewohnt sind. Das wirkt für uns aufgeklärte Geister sehr mittelalterlich und auch ein bisschen – sie mögen mir verzeihen - animalisch.
Was man von den Persern lernen kann? Ich erkläre es Dir: ...
Dienstag, 18. Mai 2010
ein "Sonntagsmaler"

Wenn ich Zeit habe, male ich in Öl. Ich bin ein Hobby-Maler, ein Sonntagsmaler, wie die Deutschsprachler sagen. Vor Jahren habe ich mir ein Bild von Rubens kopiert. Das war vor ziemlich genau 20 Jahren. Damals habe ich diese, meine jetztige Stelle angetreten und vorher eine Woche frei genommen. In dieser Woche habe ich das Bild „Krieg und Frieden" von Rubens kopiert. Ich glaube, das Original hängt in London. Ich muss es mir mal anschauen, um zu sehen, welches von beiden besser ist ;-) Diese dunkle Tafel hängt jetzt in unserer guten Stube. Fast ein echter Rubens und wenn der Versicherungsmann kommt, will er immer unsere Versicherungssumme erhöhen ;-), stell dir vor. Diese barocke Malerei ist sehr raffiniert aufgebaut. Es schaut alles lebendig und sinnlich, fast spontan, aus, doch dahinter ist sehr viel Planung und Berechnung. Ist im Grunde alles Reklame für die Kirche. Barock, dass ist als Gegenreformation die grosse Zeit der Propaganda in der Kunst. Und dabei ist nun nicht allzu viel Askese und Autarkie, als wählerischer Gebrauch der Lust. Barock ist der reine Überfluss, das Füllhorn, die erotische Szene u.s.w. Übrigens könnte man auch von dem Haus, in dem wir wohnen, sagen, es stamme aus dem Barock. Es sieht zwar nicht aus wie Versailles oder Schönbrunn, ein bisschen bescheidener, aber auf jeden Fall stammt es aus der Zeit vor der französischen Revolution, also aus dem ancien régime.
Sonntagsapéro ganz locker
Subject: Sonntagsapéro ganz locker
Liebe Marlena
Scharfsinnig wie Du bist, hast Du bemerkt, dass ich gelegentlich asketische Vorstellungen pflege, etwa die der Wüste, wo es Melonen braucht, oder die der Strasse zwischen den beiden Paradiesen, dem vergangenen und dem zukünftigen. Nun ja, die Askese, in der kynischen Lebenskunst die Selbstgenügsamkeit, da habe ich schon viel Sympathien für. Stell dir mich vor als Diogenes im Fass, der nach den Leuten spuckt und sogar mit den Huren kopuliert. Und dies in der Oeffentlichkeit und bei Sonnenschein, den Diogenes mehr schätzt als Alexanders Wunscherfüllung. Oder dann die Stoa mit ihrem Gebot der Selbstaneignung und Selbstkontrolle, wo es zum Ziel wird, gegenüber Entbehrungen gelassen zu sein. Freisein vor Unruhe als Ataraxia und Gelassenheit. Das sind Qualitäten, die wir im modernen Leben gut gebrauchen können. Was soll ich dazu sagen. Seneca, als Stoiker, habe ich immer geschätzt. Und er ist soweit gegangen, dass er sich, immer stoisch und die Ruhe in Person, sich selbst im Bad umgebracht hat. Man muss sich dabei allerdings ein römisches Bad vorstellen, grosszügig gebaut, und keinesfalls so ein Minibad, wie wir es heute in den Wohnungen haben, wo die Badewanne direkt neben dem Lavabo und dem Föhn, dem After Shave und der Zahnseide. Nein, das wäre nichts für einen stilvollen Selbstmord. Ich würde den auch nur in einem echt römischen Bad zelebrieren.
Doch daneben mag ich das Dionysische, die Lebenslust und die Sinnlichkeit. Ich liebe die Stilepoche des Barock sehr. Vielleicht bin ich sogar ein barocker Mensch. Jedenfalls gibt es Leute, die sagen, was ich schreibe, wirke barock. Und das ist natürlich auch sehr katholisch. Daran ist kaum etwas Protestantisches. Vielleicht habe ich Dir das noch nicht erzählt, Marlena. Wenn ich Zeit habe, ...
Liebe Marlena
Scharfsinnig wie Du bist, hast Du bemerkt, dass ich gelegentlich asketische Vorstellungen pflege, etwa die der Wüste, wo es Melonen braucht, oder die der Strasse zwischen den beiden Paradiesen, dem vergangenen und dem zukünftigen. Nun ja, die Askese, in der kynischen Lebenskunst die Selbstgenügsamkeit, da habe ich schon viel Sympathien für. Stell dir mich vor als Diogenes im Fass, der nach den Leuten spuckt und sogar mit den Huren kopuliert. Und dies in der Oeffentlichkeit und bei Sonnenschein, den Diogenes mehr schätzt als Alexanders Wunscherfüllung. Oder dann die Stoa mit ihrem Gebot der Selbstaneignung und Selbstkontrolle, wo es zum Ziel wird, gegenüber Entbehrungen gelassen zu sein. Freisein vor Unruhe als Ataraxia und Gelassenheit. Das sind Qualitäten, die wir im modernen Leben gut gebrauchen können. Was soll ich dazu sagen. Seneca, als Stoiker, habe ich immer geschätzt. Und er ist soweit gegangen, dass er sich, immer stoisch und die Ruhe in Person, sich selbst im Bad umgebracht hat. Man muss sich dabei allerdings ein römisches Bad vorstellen, grosszügig gebaut, und keinesfalls so ein Minibad, wie wir es heute in den Wohnungen haben, wo die Badewanne direkt neben dem Lavabo und dem Föhn, dem After Shave und der Zahnseide. Nein, das wäre nichts für einen stilvollen Selbstmord. Ich würde den auch nur in einem echt römischen Bad zelebrieren.
Doch daneben mag ich das Dionysische, die Lebenslust und die Sinnlichkeit. Ich liebe die Stilepoche des Barock sehr. Vielleicht bin ich sogar ein barocker Mensch. Jedenfalls gibt es Leute, die sagen, was ich schreibe, wirke barock. Und das ist natürlich auch sehr katholisch. Daran ist kaum etwas Protestantisches. Vielleicht habe ich Dir das noch nicht erzählt, Marlena. Wenn ich Zeit habe, ...
Diogenes
Ämne: vom hündischen Leben ...
Mein Schatz
Ich glaube, so etwas liebst Du zu lesen. So schreibe ich es für Dich ab.
Diogenes von Sinope, der "Hund"
In zwei Schritten, zwei Schülergenerationen ist die stolz getragene sokratische Armut auf den Hund gekommen. Der Sokrates-Jünger Antisthenes erhob den stadtbekannten abgewetzten Mantel des Meisters zur Kulttracht der Konsumverächter - je zerschlissener, desto edler -; und der Antisthenes-Jünger Diogenes brachte zu dem zerlöcherten Outfit noch seine berüchtigte Schamlosigkeit hinzu - je anstössiger, desto besser. Antisthenes hatte seine Philosophie noch gepredigt; Diogenes inszenierte sein Leben als ein fortwährendes öffentliches Aergernis.
Die Zeitgenossen nannten ihn "KYON", den Hund, und wer ihn darauf ansprach, bekam diese hübsche Auskunft: "Weil ich, die mir etwas geben, anwedle, die mir nichts geben, anbelle, die mir lästig fallen, beisse", und damit mochte er auf den frechen Frager losgefahren sein. Denn tatsächlich wusste jedermann, worauf der Spitzname zielte: "Er war gewohnt", umschreibt sein Biograph das vornehm, "alles auf offener Strasse zu verrichten, sowohl was die Korngöttin Demeter als auch was die Liebesgöttin Aphrodite betraf."
Zur Ersten ist anzumerken, dass der Input auf offener Strasse damals gerade so verpönt war wie der Output. "Als Diogenes einmal mitten auf dem Markt sein Mittagessen auspackte, riefen die Umstehenden in einem fort: "Du Hund!", "Du Hund!" "Ihr selbst seid die Hunde", rief er zurück, "wie ihr mich hier beim Essen umlagert!" Diogenes verstand es meisterhaft, den Spiess umzudrehen und die Lacher auf seine Seite zu bringen. "Bei einem Essen warfen einige Gäste dem Diogenes ihre abgenagten Knochen zu, eben wie einem Hund. Ohne einen Augenblick zu zögern, sprang er auf, hob das Bein und pisste sie an, eben auch wie ein Hund."
Von Sokrates "im Supermarkt" gibt es das schöne Wort, das noch heute jeden unerbetenen Versandhauskatalog zum Glücksquell werden lässt: "Wie viele Dinge gibt es doch, die ich nicht brauche!" Diogenes hat diese sokratische "Autarkie", diese Selbstgenügsamkeit auf die Spitze getrieben. Der Philosoph in der Tonne brauchte so gut wie nichts; als er einmal einen Knaben aus der hohlen Hand trinken sah, soll er seinen Holzbecher hervorgeholt und fortgeschleudert haben. Für die verwöhnte Gesellschaft jener Zeit konnte dieser Bursche nur Verachtung übrig haben. "Als ein reicher Bürger ihn durch sein teuer eingerichtetes Haus führte und ihm verwehren wollte auszuspucken, wie dieser hörbar Anstalt dazu machte, spuckte Diogenes ihm gerade ins Gesicht und erklärte, einen gemeineren Ort habe er im ganzen Haus nicht finden können."
Neben dem Grobschlächtigen steht einiges Feinere. Die Anekdote, in der Alexander der Grosse ihn fragt, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne, und Diogenes der Hund vor seiner Tonne liegen bleibt und erwidert: "Einen kleinen: Geh mir etwas aus der Sonne!", ist wohl grandios erfunden. Doch da ist dieses feine Strassentheater: Wie er am hellichten Tage mit seiner Laterne über den Markt geht, hier einem, da einem ins Gesicht leuchtet, kopfschüttelnd weitergeht, so lange, bis einer ihm das Stichwort gibt: Was er da, am hellichten Tag, mit seiner Laterne wolle? "Ich suche", sagt er da, "einen Menschen." Und da ist jenes andere kleine Theter, in dem dieser ewige Belferer vor dem grossen Theater sein eigenes Leben spielt: Die Komödie ist zu Ende, die Zuschauer strömen heraus, und Diogenes kämpft sich, mit den Armen rudernd, durch den Menschenstrom zum Eingang durch, wieder bis einer ihm sein Stichwort gibt: Warum er denn jetzt hineinwolle, da alle anderen herauskämen? Und dann das Selbstbekenntnis des Alternativen: "Nichts anderes treibe ich doch in meinem ganzen Leben."
Auf die Frage, was für ihn das Schönste sei, soll Diogenes einmal gesagt haben: "Die Freiheit, alles ausleben, alles aussprechen zu können." Ein Leben lang gegen den Strom schwimmen und, wenn's sein soll, auch mal gegen den Wind pissen und spucken: Diese demonstrative, provokative Missachtung aller Konventionen hat auf Mitwelt und Nachwelt mächtig gewirkt. Eine vieltausendköpfige Meute von vagabundierenden "kynikoi", hündischen Kynikern im zerschlissenen Mantel, mit wild wucherndem Bart, sind diesem Ur-"Hund" gefolgt, und in der Gegenwart sind aus den ja bloss unverschämten Kynikern schliesslich noch die menschenverachtenden Zyniker geworden. Noch die Studenten, die vor dreissig Jahren auf den Rektoraten mancher Alma Mater ihre hündischen Markierungen placierten, waren Nachhut dieser Meute.
Ein Namensvetter, Diogenes Laertios, hat das Leben dieses "Hundes" beschrieben oder eher seine Aussprüche gesammelt; darin ist viel hündisches Knurren und Kläffen, gewiss auch manches Unterschobene. Verlässlich echt, weil so gar nicht hündisch, scheint dieses doppeldeutige, aufschlussreiche Wort: "Einer gab ihm zu bedenken: "Viele lachen über dich." "Aber ich", erwiderte er, "lache nicht über mich."" Diogenes ist in hohem Alter in Korinth gestorben. Noch ein halbes Jahrtausend später hat Pausanias am Stadttor zum Isthmus hinaus das Grabmonument gesehen, das die Jünger des "Hundes" ihrem Guru dort eingerichtet hatten: Eine Säule stand darauf mit einem Hund obenauf, und der war dann doch aus kostbarem parischem Marmor.
Ich küsse Dich ein weiteres Mal
...
Mein Schatz
Ich glaube, so etwas liebst Du zu lesen. So schreibe ich es für Dich ab.
Diogenes von Sinope, der "Hund"
In zwei Schritten, zwei Schülergenerationen ist die stolz getragene sokratische Armut auf den Hund gekommen. Der Sokrates-Jünger Antisthenes erhob den stadtbekannten abgewetzten Mantel des Meisters zur Kulttracht der Konsumverächter - je zerschlissener, desto edler -; und der Antisthenes-Jünger Diogenes brachte zu dem zerlöcherten Outfit noch seine berüchtigte Schamlosigkeit hinzu - je anstössiger, desto besser. Antisthenes hatte seine Philosophie noch gepredigt; Diogenes inszenierte sein Leben als ein fortwährendes öffentliches Aergernis.
Die Zeitgenossen nannten ihn "KYON", den Hund, und wer ihn darauf ansprach, bekam diese hübsche Auskunft: "Weil ich, die mir etwas geben, anwedle, die mir nichts geben, anbelle, die mir lästig fallen, beisse", und damit mochte er auf den frechen Frager losgefahren sein. Denn tatsächlich wusste jedermann, worauf der Spitzname zielte: "Er war gewohnt", umschreibt sein Biograph das vornehm, "alles auf offener Strasse zu verrichten, sowohl was die Korngöttin Demeter als auch was die Liebesgöttin Aphrodite betraf."
Zur Ersten ist anzumerken, dass der Input auf offener Strasse damals gerade so verpönt war wie der Output. "Als Diogenes einmal mitten auf dem Markt sein Mittagessen auspackte, riefen die Umstehenden in einem fort: "Du Hund!", "Du Hund!" "Ihr selbst seid die Hunde", rief er zurück, "wie ihr mich hier beim Essen umlagert!" Diogenes verstand es meisterhaft, den Spiess umzudrehen und die Lacher auf seine Seite zu bringen. "Bei einem Essen warfen einige Gäste dem Diogenes ihre abgenagten Knochen zu, eben wie einem Hund. Ohne einen Augenblick zu zögern, sprang er auf, hob das Bein und pisste sie an, eben auch wie ein Hund."
Von Sokrates "im Supermarkt" gibt es das schöne Wort, das noch heute jeden unerbetenen Versandhauskatalog zum Glücksquell werden lässt: "Wie viele Dinge gibt es doch, die ich nicht brauche!" Diogenes hat diese sokratische "Autarkie", diese Selbstgenügsamkeit auf die Spitze getrieben. Der Philosoph in der Tonne brauchte so gut wie nichts; als er einmal einen Knaben aus der hohlen Hand trinken sah, soll er seinen Holzbecher hervorgeholt und fortgeschleudert haben. Für die verwöhnte Gesellschaft jener Zeit konnte dieser Bursche nur Verachtung übrig haben. "Als ein reicher Bürger ihn durch sein teuer eingerichtetes Haus führte und ihm verwehren wollte auszuspucken, wie dieser hörbar Anstalt dazu machte, spuckte Diogenes ihm gerade ins Gesicht und erklärte, einen gemeineren Ort habe er im ganzen Haus nicht finden können."
Neben dem Grobschlächtigen steht einiges Feinere. Die Anekdote, in der Alexander der Grosse ihn fragt, ob er ihm einen Wunsch erfüllen könne, und Diogenes der Hund vor seiner Tonne liegen bleibt und erwidert: "Einen kleinen: Geh mir etwas aus der Sonne!", ist wohl grandios erfunden. Doch da ist dieses feine Strassentheater: Wie er am hellichten Tage mit seiner Laterne über den Markt geht, hier einem, da einem ins Gesicht leuchtet, kopfschüttelnd weitergeht, so lange, bis einer ihm das Stichwort gibt: Was er da, am hellichten Tag, mit seiner Laterne wolle? "Ich suche", sagt er da, "einen Menschen." Und da ist jenes andere kleine Theter, in dem dieser ewige Belferer vor dem grossen Theater sein eigenes Leben spielt: Die Komödie ist zu Ende, die Zuschauer strömen heraus, und Diogenes kämpft sich, mit den Armen rudernd, durch den Menschenstrom zum Eingang durch, wieder bis einer ihm sein Stichwort gibt: Warum er denn jetzt hineinwolle, da alle anderen herauskämen? Und dann das Selbstbekenntnis des Alternativen: "Nichts anderes treibe ich doch in meinem ganzen Leben."
Auf die Frage, was für ihn das Schönste sei, soll Diogenes einmal gesagt haben: "Die Freiheit, alles ausleben, alles aussprechen zu können." Ein Leben lang gegen den Strom schwimmen und, wenn's sein soll, auch mal gegen den Wind pissen und spucken: Diese demonstrative, provokative Missachtung aller Konventionen hat auf Mitwelt und Nachwelt mächtig gewirkt. Eine vieltausendköpfige Meute von vagabundierenden "kynikoi", hündischen Kynikern im zerschlissenen Mantel, mit wild wucherndem Bart, sind diesem Ur-"Hund" gefolgt, und in der Gegenwart sind aus den ja bloss unverschämten Kynikern schliesslich noch die menschenverachtenden Zyniker geworden. Noch die Studenten, die vor dreissig Jahren auf den Rektoraten mancher Alma Mater ihre hündischen Markierungen placierten, waren Nachhut dieser Meute.
Ein Namensvetter, Diogenes Laertios, hat das Leben dieses "Hundes" beschrieben oder eher seine Aussprüche gesammelt; darin ist viel hündisches Knurren und Kläffen, gewiss auch manches Unterschobene. Verlässlich echt, weil so gar nicht hündisch, scheint dieses doppeldeutige, aufschlussreiche Wort: "Einer gab ihm zu bedenken: "Viele lachen über dich." "Aber ich", erwiderte er, "lache nicht über mich."" Diogenes ist in hohem Alter in Korinth gestorben. Noch ein halbes Jahrtausend später hat Pausanias am Stadttor zum Isthmus hinaus das Grabmonument gesehen, das die Jünger des "Hundes" ihrem Guru dort eingerichtet hatten: Eine Säule stand darauf mit einem Hund obenauf, und der war dann doch aus kostbarem parischem Marmor.
Ich küsse Dich ein weiteres Mal
...
Montag, 17. Mai 2010
"damals - in NY"
Ach es ist lieb Marlena, was Du schreibst vom Vergnuegen, hier in
NY dabei zu sein. Ich habe schon da und dort mal ein Mail geschrieben
von hier. Und auch S. hat natuerlich ihre Mails bekommen. Aber
niemandem habe ich soviel erzaehlt wie Dir. Und es war auch fuer
mich ein Vergnuegen, aber auch eine schoene Moeglichkeit, die Tage
ein bisschen zu verarbeiten. Man muss ja doch aufpassen, dass man
nicht viele Kleinigkeiten zu schnell wieder vergisst. Es ist schoen, sie
Dir zu erzaehlen. Und spaeter, vielleicht in zwei oder drei Jahren,
werden wir uns gegenseitig ansprechen und auf eine Erinnerung
hinweisen, mit den Worten: " damals, als wir zusammen in NY waren,
weisst Du noch ...."
Ich gehe jeden Morgen ueber den Broadway zum Kurs. Letzthin
waehle ich die Strasse mit den Antiquitaetengeschaeften. Sie hat
etwas edles an sich und wirkt irgendwie sauberer. Der Verkehr hier
in NY ist sehr diszipliniert. Letzthin bin ich bei rot ueber die Strasse
gegangen. Die Autos halten an und niemand scheint sich darueber
zu aergern. Es ist erstaunlich, in dieser grossen Stadt. Ich glaube,
es haengt viel an den Taxifahrern.
NY dabei zu sein. Ich habe schon da und dort mal ein Mail geschrieben
von hier. Und auch S. hat natuerlich ihre Mails bekommen. Aber
niemandem habe ich soviel erzaehlt wie Dir. Und es war auch fuer
mich ein Vergnuegen, aber auch eine schoene Moeglichkeit, die Tage
ein bisschen zu verarbeiten. Man muss ja doch aufpassen, dass man
nicht viele Kleinigkeiten zu schnell wieder vergisst. Es ist schoen, sie
Dir zu erzaehlen. Und spaeter, vielleicht in zwei oder drei Jahren,
werden wir uns gegenseitig ansprechen und auf eine Erinnerung
hinweisen, mit den Worten: " damals, als wir zusammen in NY waren,
weisst Du noch ...."
Ich gehe jeden Morgen ueber den Broadway zum Kurs. Letzthin
waehle ich die Strasse mit den Antiquitaetengeschaeften. Sie hat
etwas edles an sich und wirkt irgendwie sauberer. Der Verkehr hier
in NY ist sehr diszipliniert. Letzthin bin ich bei rot ueber die Strasse
gegangen. Die Autos halten an und niemand scheint sich darueber
zu aergern. Es ist erstaunlich, in dieser grossen Stadt. Ich glaube,
es haengt viel an den Taxifahrern.
nur ein Lächeln lang...
Liebe Marlena
"... und dich besitzen, nur ein Lächeln lang,
um dich an alles zu verschenken, wie einen Dank". (Rilke)
Ja, dieses Zitat habe ich gerne gehoert. Ich mag das mehr als Rumi.
Rumi muss ich noch entdecken. Aber ich glaube, Rilke kann man
ebenso gut zitieren. Er hat nicht nur tiefsinnige Dinge gesagt, er hat
sie auch besonders schoen gesagt. Das finde ich bei Rumi nicht.
Rumi hat vielleicht den Reiz des Exotischen. Na ja, ich werde suchen,
ob da was dahinter ist.
Heute war ich ueber Mittag im Strand Buchladen am Broadway.
Und ich habe mir ein Buch ueber Balthus angeschaut. Er hatte
einige Jahre in der Schweiz gelebt, war ueberigens ein polnischer
Adeliger, wie ich irgendwo kurz gelesen hatte. Dennoch scheint er
ueberall bekannter als in der Schweiz. P. der Architekt hat ein
kleines Museum im Dorf oberhalb Sierre fuer ihn gestaltet. Und
in diesem Buch gab es ein Foto von Rilke mit einer Frau, ich weiss
nicht mehr, wer sie ist. Da bist Du mir in den Sinn gekommen und
unsere Rilke-Phase. Und heute abend zitierst Du einen sinnigen
Gedanken.
Du wirst Lachen, aber wenn ich an meinen Tod denke, dann wuensche
ich mir auf meiner Todesanzeige ein paar Zeilen von Rilke. Ich habe
sie mir zuhause irgendwo aufgeschrieben. Ich glaube, ich muss sie
mal S. mitteilen. We never know. Sie sind wirklich schoen und fuer
die Ewigkeit gedacht. Aber vielleicht werde ich, bis es soweit ist, noch
ein Rumi Gedicht finden??
...
(den 29 augusti 2003 03:58)
Samstag, 15. Mai 2010
Mrs Dalloway
Liebe Marlena
Aber ich wünsche mir die Tage gleich golden, nicht bloss
goldumrandet. Richtig überflutet mit Gold.
*
Ich habe Dich geschlagen. Echt, Du bist auf den zweiten Platz
verwiesen! Darin hast Du die Nase nicht vorne! ;--))
Du wirst es auch kaum erraten, was ich hier meine. Es ist vielleicht
auch nicht so wichtig, wie ich es jetzt mache. Aber ich habe gestern
abend, kurzentschlossen und aus dem Bauch heraus, den Film
The Hours gesehen. Und ich bin in der Tat begeistert. Die
Verknüpfung dreier Frauenschicksale - alle sind sie Frauen von
diesem hellen, anglosächsischen Typ - ist wirklich gut gemacht,
sehr abwechslungsreich und höchst komplex. Am meisten liebte
ich Meryl Streep (so heisst sie doch?) als Mrs Dalloway 'im besten
Alter'. Sie ist herrlich, wenn sie mit ihren grünen Handschuhen in
Küche und Stube herumfuchtelt. Und ist bis zu den Ohren voller
Gefühle, Hoffnungen ebenso wie Enttäuschungen. Virginia Woolf
im 19. Jahrhundert, die mit ihrem Mann in Richmond England lebt,
ist wirklich so eckig und ein bisschen fremd wie eine schizoide Person.
Man hat Mitleid mit ihrem Mann, der sich einsam für sie aufopfert.
Aber die Situationen im Haus, auf dem alten Bahnhof, in den
Strassen oder bloss im Garten sind hinreissend schön. Das scheint
wirklich altes englisches Pflaster zu sein! Und die dritte Frau lebt
einen langweiligen American Way of Life, liest Woolfs Roman und
ist ein bisschen verloren in dieser künstlichen Vorstadtwelt der
kleinen Einfamilienhäuschen im Süden Amerikas. Später stellt sich
heraus, dass ihr kleiner Sohn, dem sie auch etwas hilflos und linkisch
begegnet, der grosse preisgekrönte und aidskranke Schriftsteller war.
Mit anderen Worten, die drei Frauen leben zu verschiedenen Zeiten.
Doch ihre Schicksale berühren sich immer wieder.
Ich bin noch ganz begeistert von den schönen Bildern und der
Komplexität, die zum Denken anregt. Ich werde auch S. empfehlen,
hinzugehen. Ich habe mir ja den Montagabend ausgesicht. Das Kino
war bloss zu einem Viertel besetzt, aber zumeist mit jungen, Popcorn
knackenden und kichernden jungen Mädchen. Offenbar ist der Film
jugendfrei. Und das ist er ja wirklich. Ich glaube, dass Du ihn rasch
auch sehen solltest. Wenn Du mir dann erzählst, was Du gesehen hast,
dann kann ich ihn ein zweites Mal durchgehen. Vielleicht kannst Du
auch herausfinden, woher der Titel stammt. Hours, was ist damit
gemeint? Einmal liegt Meryll Streep mit ihrer Tochter auf dem Bett
und siniert über ihre Vergangenheit. Sie redet über das Glück im
Leben und stellt fest, dass es ein Moment war. Es war ein Moment,
wo man meint, jetzt ist das Glück da und es werde immer mehr. Aber
das Glück war nur dieser eine Moment. Ich glaube, das ist sehr gut
beobachtet. Ist nicht der ganze Film eine Frage nach dem Lebensglück
und was wir uns gegenseitig dafür bedeuten können? Wir leben für
den anderen, damit der andere nicht stirbt. Na ja, Du musst es Dir
selbst anschauen.
---
Ich wünsche Dir einen goldüberlaufenen Tag
Mit einem lieben Gruss
...
(Date: Tue, 1 Apr 2003 08:49:14 +0200)
Aber ich wünsche mir die Tage gleich golden, nicht bloss
goldumrandet. Richtig überflutet mit Gold.
*
Ich habe Dich geschlagen. Echt, Du bist auf den zweiten Platz
verwiesen! Darin hast Du die Nase nicht vorne! ;--))
Du wirst es auch kaum erraten, was ich hier meine. Es ist vielleicht
auch nicht so wichtig, wie ich es jetzt mache. Aber ich habe gestern
abend, kurzentschlossen und aus dem Bauch heraus, den Film
The Hours gesehen. Und ich bin in der Tat begeistert. Die
Verknüpfung dreier Frauenschicksale - alle sind sie Frauen von
diesem hellen, anglosächsischen Typ - ist wirklich gut gemacht,
sehr abwechslungsreich und höchst komplex. Am meisten liebte
ich Meryl Streep (so heisst sie doch?) als Mrs Dalloway 'im besten
Alter'. Sie ist herrlich, wenn sie mit ihren grünen Handschuhen in
Küche und Stube herumfuchtelt. Und ist bis zu den Ohren voller
Gefühle, Hoffnungen ebenso wie Enttäuschungen. Virginia Woolf
im 19. Jahrhundert, die mit ihrem Mann in Richmond England lebt,
ist wirklich so eckig und ein bisschen fremd wie eine schizoide Person.
Man hat Mitleid mit ihrem Mann, der sich einsam für sie aufopfert.
Aber die Situationen im Haus, auf dem alten Bahnhof, in den
Strassen oder bloss im Garten sind hinreissend schön. Das scheint
wirklich altes englisches Pflaster zu sein! Und die dritte Frau lebt
einen langweiligen American Way of Life, liest Woolfs Roman und
ist ein bisschen verloren in dieser künstlichen Vorstadtwelt der
kleinen Einfamilienhäuschen im Süden Amerikas. Später stellt sich
heraus, dass ihr kleiner Sohn, dem sie auch etwas hilflos und linkisch
begegnet, der grosse preisgekrönte und aidskranke Schriftsteller war.
Mit anderen Worten, die drei Frauen leben zu verschiedenen Zeiten.
Doch ihre Schicksale berühren sich immer wieder.
Ich bin noch ganz begeistert von den schönen Bildern und der
Komplexität, die zum Denken anregt. Ich werde auch S. empfehlen,
hinzugehen. Ich habe mir ja den Montagabend ausgesicht. Das Kino
war bloss zu einem Viertel besetzt, aber zumeist mit jungen, Popcorn
knackenden und kichernden jungen Mädchen. Offenbar ist der Film
jugendfrei. Und das ist er ja wirklich. Ich glaube, dass Du ihn rasch
auch sehen solltest. Wenn Du mir dann erzählst, was Du gesehen hast,
dann kann ich ihn ein zweites Mal durchgehen. Vielleicht kannst Du
auch herausfinden, woher der Titel stammt. Hours, was ist damit
gemeint? Einmal liegt Meryll Streep mit ihrer Tochter auf dem Bett
und siniert über ihre Vergangenheit. Sie redet über das Glück im
Leben und stellt fest, dass es ein Moment war. Es war ein Moment,
wo man meint, jetzt ist das Glück da und es werde immer mehr. Aber
das Glück war nur dieser eine Moment. Ich glaube, das ist sehr gut
beobachtet. Ist nicht der ganze Film eine Frage nach dem Lebensglück
und was wir uns gegenseitig dafür bedeuten können? Wir leben für
den anderen, damit der andere nicht stirbt. Na ja, Du musst es Dir
selbst anschauen.
---
Ich wünsche Dir einen goldüberlaufenen Tag
Mit einem lieben Gruss
...
(Date: Tue, 1 Apr 2003 08:49:14 +0200)
*s*
subject *s*
Lieber ...,
Keine Angst. Ich lasse Anna nur Dinge lesen, die puren literarischen
Wert haben. Das Kind muss schliesslich mit dieser Sprache in
Kontakt bleiben um nicht alles zu vergessen, was sie in der Grund-
schule während drei Jahren gelernt hat. Und ich weiss, dass sie sehr
intelligent ist und auch die kleinen Nuancen versteht. Doch dein Mail
von heute war ein Grenzfall und so habe ich deinen Rat befolgt.
Übrigens, Anna lässt sich nicht verderben. Damals, als sie Support bei
der Community war, wo sich dann schliesslich rund eine Million geile
Teenager herumtrieben, hat sie alles gelernt.. das arme Kind. Aber sie
ist ein kleiner Engel geblieben.
---
Heute habe ich einen ganz wunderbaren Rhabarberkuchen gebacken.
Schmeckt herrlich!
Soll ich dir das Rezept geben??? :-)
---
Sexboxen nennst du die Dinger und das ist ein sehr passender Namen
aber die öffentliche bezeichnung "Verrichtungsboxen" finde ich auch
unglaublich lustig. Es muss ein grosser Humorist sein, der diesen
Namen erfunden hat.
Schön, dass du auch bald Ferien hast.. wenigstens so halb um halb. In
deinem schönen Büro zu sein ohne den Zwang hart arbeiten zu
müssen, muss herrlich sein.
...
Lieber ...,
Keine Angst. Ich lasse Anna nur Dinge lesen, die puren literarischen
Wert haben. Das Kind muss schliesslich mit dieser Sprache in
Kontakt bleiben um nicht alles zu vergessen, was sie in der Grund-
schule während drei Jahren gelernt hat. Und ich weiss, dass sie sehr
intelligent ist und auch die kleinen Nuancen versteht. Doch dein Mail
von heute war ein Grenzfall und so habe ich deinen Rat befolgt.
Übrigens, Anna lässt sich nicht verderben. Damals, als sie Support bei
der Community war, wo sich dann schliesslich rund eine Million geile
Teenager herumtrieben, hat sie alles gelernt.. das arme Kind. Aber sie
ist ein kleiner Engel geblieben.
---
Heute habe ich einen ganz wunderbaren Rhabarberkuchen gebacken.
Schmeckt herrlich!
Soll ich dir das Rezept geben??? :-)
---
Sexboxen nennst du die Dinger und das ist ein sehr passender Namen
aber die öffentliche bezeichnung "Verrichtungsboxen" finde ich auch
unglaublich lustig. Es muss ein grosser Humorist sein, der diesen
Namen erfunden hat.
Schön, dass du auch bald Ferien hast.. wenigstens so halb um halb. In
deinem schönen Büro zu sein ohne den Zwang hart arbeiten zu
müssen, muss herrlich sein.
...
Re: Zzzzzz
subject Re: Zzzzzz
Liebe Malou
Ist schon ein bisschen merkwürdig, dass du gerade jene Mails deiner kleinen Tochter zu lesen gibst, die absolut nicht jugendfrei sind. Pass auf, dass du sie nicht verdirbst.Und ich rate dir auch ab, dieses Mail herumzureichen. Das kommt nicht gut heraus, und die Leute würden denken, du korrespondierst vielleicht mit einem südeuropäischen Pornospezialisten.
...
date 19 June 2005 10:32
Zzzzzz
subject Zzzzzz
Lieber ...,
Eigentlich sollte ich wohl noch schlafen.. schau mal auf die Uhrzeit.
Aber weisst du, nach diesem sonnigen Tag ist es oben so warm, dass
ich jetzt die Balkontür weit aufstellen musste um die frische Nachtluft
hereinzulassen und während dessen kann ich dir ein kleines
Nachtmail schreiben.
Ich habe mich sehr über deine Mails heute gefreut. Das erste war so
lustig, dass ich es Anna lesen liess. Auch sie hat sich köstlich
amüsiert über deine "Gedankenkette" betr.. der "Verrichtungsboxen".
Welch ein Wort! *s*
Ich war heute (na eigentlich gestern) sehr effektiv und bin fertig
geworden mit dem Aufräumen im "storehouse" und Carport. Jetzt
sieht es auffällig ordentlich und sauber aus dort und ich war nach
verrichteter Tat ganz zufrieden.
Hier wächst es, "dass es knackt", wie wir es nennen. Bald hat man den
Eindruck in einem Djungel zu leben. Auch die Disteln auf dem Feld
des Bauern sind schon ziemlich gewachsen - aber erst im Herbst
werden wir darüber fluchen.
Es ist übrigens ganz hell draussen und man sieht das saftige Grün
durchs Fenster hier. Bald werden auch die Rosen anfangen zu blühen.
Die Knospen sind schon ziemlich gross.
Es ist eine wunderschöne Zeit.
Weisst du, ich weiss nicht ob ich besonders ortodox bin in meiner
Religion. Ich gehe mehr nach dem Gefühl, zweifle manchmal an der
"unsterblichen Seele" aber dann denke ich an einige Verstorbene, die
ich geliebt habe, und es ist als ob es sie wirklich noch gäbe.
...
Ich hoffe du hast eine gute Nacht gehabt, wenn du dieses Mail findest.
Jetzt ist die Luft schon angenehm hier im Haus und ich gehe
nochnals zurück ins Bett. Ich schreibe dir morgen nochmals.. an
meinem letzten ungestörten Tag am Computer. :-)
Wünsche dir alles Gute,
mlG
Malou
date 19 June 2005 02:31
Lieber ...,
Eigentlich sollte ich wohl noch schlafen.. schau mal auf die Uhrzeit.
Aber weisst du, nach diesem sonnigen Tag ist es oben so warm, dass
ich jetzt die Balkontür weit aufstellen musste um die frische Nachtluft
hereinzulassen und während dessen kann ich dir ein kleines
Nachtmail schreiben.
Ich habe mich sehr über deine Mails heute gefreut. Das erste war so
lustig, dass ich es Anna lesen liess. Auch sie hat sich köstlich
amüsiert über deine "Gedankenkette" betr.. der "Verrichtungsboxen".
Welch ein Wort! *s*
Ich war heute (na eigentlich gestern) sehr effektiv und bin fertig
geworden mit dem Aufräumen im "storehouse" und Carport. Jetzt
sieht es auffällig ordentlich und sauber aus dort und ich war nach
verrichteter Tat ganz zufrieden.
Hier wächst es, "dass es knackt", wie wir es nennen. Bald hat man den
Eindruck in einem Djungel zu leben. Auch die Disteln auf dem Feld
des Bauern sind schon ziemlich gewachsen - aber erst im Herbst
werden wir darüber fluchen.
Es ist übrigens ganz hell draussen und man sieht das saftige Grün
durchs Fenster hier. Bald werden auch die Rosen anfangen zu blühen.
Die Knospen sind schon ziemlich gross.
Es ist eine wunderschöne Zeit.
Weisst du, ich weiss nicht ob ich besonders ortodox bin in meiner
Religion. Ich gehe mehr nach dem Gefühl, zweifle manchmal an der
"unsterblichen Seele" aber dann denke ich an einige Verstorbene, die
ich geliebt habe, und es ist als ob es sie wirklich noch gäbe.
...
Ich hoffe du hast eine gute Nacht gehabt, wenn du dieses Mail findest.
Jetzt ist die Luft schon angenehm hier im Haus und ich gehe
nochnals zurück ins Bett. Ich schreibe dir morgen nochmals.. an
meinem letzten ungestörten Tag am Computer. :-)
Wünsche dir alles Gute,
mlG
Malou
date 19 June 2005 02:31
Donnerstag, 13. Mai 2010
Basel, Rom - und Bärlauch
Na ja, ich war in Basel und bin flaniert wie in einer fremden Stadt, erst in Kleinbasel, dann in den gewohnten Gefilden. Alle Menschen scheinen unterwegs zu sein, alle wollen nach dem Winter hinaus an die frische Luft, die Geschäfte sind voll, die Strassenbahn ist voll, die Cafés sind voll, alles ist voll. Ich glaube, am liebsten flaniere ich in unbekannten Städten, mit dem Gefühl, nicht zu wissen, was rund um die Ecke kommt, unter Menschen, die eine fremde Sprache sprechen, denen man zusehen kann wie fremden Tieren, so stelle ich mir eine schöne Stadt vor. Habe ich Dir schon erzählt, dass ich wieder angefangen habe, von Rom zu träumen? Vielleicht im Herbst? Auf jeden Fall habe ich angefangen, in meinem Rombuch herumzublättern und auf der Piazza del Popolo herumzustreichen. Kennst Du diese Piazza. Es hat zwei Kirchen am Ende, die genau gleich aussehen: Zwillingskirchen. Sieht prima aus. Ob ich wohl gehen soll? Na ja, ich weiss nicht. Ich denke immer, man sollte mindestens ein Jahr dort wohnen. Das wäre gut. Und wahrscheinlich wegen diesen römischen Fantasien habe ich in Basel beinahe ein Kochbuch mit Mittelmeer-Menues gekauft. Ich konnte mich in letzter Not wegreissen. Die Fotos waren wunderschön und appetitanregend. All diese Oliven und Fische und der Knoblauchgeschmack!! Gar nicht zu sprechen vom Vormittag: um 11h konnte ich mich nur mit Mühe neben dem Restaurant Union vorbeisteuern, wo sie Spaghetti mit Bärlauchpesto servieren. Bärlauchpesto stelle ich mir himmlisch vor. Ich muss S sagen, dass wir dieses jahr wieder mal tüchtig Bärlauch sammeln sollten. Wir haben im Garten irgendwo. Er schmeckt leicht nach Knoblauch, nicht wahr, und bringt uns im Frühling unsere Säfte in Bewegung.
"Ich habe das Password"
Meine Mailüberschrift
"Ich habe das Password" bezog sich auf dieses kleine Gedicht:
..
Ich kann die Rätsel alle dir
der Schöpfung sagen;
denn aller Rätsel Lösungswort
ist mein, der Liebe.
..
Oder dieses:
..
Liebende sehen die Dinge so,
wie sie wirklich sind.
Denn sie sehen mit der Klarheit
des göttlichen Lichts,
und ihre Liebe spricht die Mängel frei.
..
Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke, fern von unserer
Einstellung, dass Liebe blind macht.
"Ich habe das Password" bezog sich auf dieses kleine Gedicht:
..
Ich kann die Rätsel alle dir
der Schöpfung sagen;
denn aller Rätsel Lösungswort
ist mein, der Liebe.
..
Oder dieses:
..
Liebende sehen die Dinge so,
wie sie wirklich sind.
Denn sie sehen mit der Klarheit
des göttlichen Lichts,
und ihre Liebe spricht die Mängel frei.
..
Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke, fern von unserer
Einstellung, dass Liebe blind macht.
Rumi
Ämne: Ich habe das Password
Datum: den 28 augusti 2003 09:29
Liebster Mausfreund,
Wieder ein so schönes Mail von dir. Wie du weisst, finde ich deine
Mails früh am Morgon und dann habe ich es oft schon eilig zu Arbeit.
So auch heute. Aber damit du schon beim Aufwachen etwas von mir
findest, schicke ich dir Gedichte von Rumi auf deutsch. Sie sind schön
und eines davon wollte ich besonders für dich reservieren.
Wenn du die Bilder betrachtest kannst du noch besser verstehen
warum er gerade in NY geschätzt ist. So viel ich verstehe war Rumi
verliebt in einen Derwisch und seine Gedichte sind aus dieser Liebe
entsprungen.
Viel Spass beim lesen und ansehen. Und ich wünsche dir einen
schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
Marlena
Ämne: und noch die Link
Datum: den 28 augusti 2003 09:30
...
Love,
M.
Datum: den 28 augusti 2003 09:29
Liebster Mausfreund,
Wieder ein so schönes Mail von dir. Wie du weisst, finde ich deine
Mails früh am Morgon und dann habe ich es oft schon eilig zu Arbeit.
So auch heute. Aber damit du schon beim Aufwachen etwas von mir
findest, schicke ich dir Gedichte von Rumi auf deutsch. Sie sind schön
und eines davon wollte ich besonders für dich reservieren.
Wenn du die Bilder betrachtest kannst du noch besser verstehen
warum er gerade in NY geschätzt ist. So viel ich verstehe war Rumi
verliebt in einen Derwisch und seine Gedichte sind aus dieser Liebe
entsprungen.
Viel Spass beim lesen und ansehen. Und ich wünsche dir einen
schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
Marlena
Ämne: und noch die Link
Datum: den 28 augusti 2003 09:30
...
Love,
M.
Mittwoch, 12. Mai 2010
das Wetter
Lieber ...
*
Lustig was du über das Wetter als Gesprächsthema sagst. Ich glaube,
wenn man etwas über das Wetter sagt, so sagt man eigentlich meistens
etwas über sich selbst.
Ich beginne z.B. nicht mein Mail mit den Worten "Heute bin ich müde
uns lustlos". Stattdessen sage ich "heute ist der Himmel grau". Und
ich meine dasselbe. OK. Es ist schön, wenn das Wetter mit unserem
Inneren harmoniert. Schlimm ist es wenn man sich traurig fühlt im
Sonnenschein. Kommt zum Glück selten vor. :-)
*
*
Lustig was du über das Wetter als Gesprächsthema sagst. Ich glaube,
wenn man etwas über das Wetter sagt, so sagt man eigentlich meistens
etwas über sich selbst.
Ich beginne z.B. nicht mein Mail mit den Worten "Heute bin ich müde
uns lustlos". Stattdessen sage ich "heute ist der Himmel grau". Und
ich meine dasselbe. OK. Es ist schön, wenn das Wetter mit unserem
Inneren harmoniert. Schlimm ist es wenn man sich traurig fühlt im
Sonnenschein. Kommt zum Glück selten vor. :-)
*
Rosen
Bei uns sind die Rosen in vollem Gange, sozusagen. Nein, so kann man es natürlich nicht sagen. Sie sind in Blüte. Sie sind in voller Pracht. Oder so. Ich habe kürzlich einen Film gesehen über englische Rosenzüchter. Das hat mich fasziniert, und irgendwie spiele ich mit dem Gedanken, in der Pension einen hübschen Rosengarten anzulegen. Einen schönen englischen Garten, mit diesem feinen Rasen und dem üppigen Grün rundum, das schaffe ich vielleicht nicht. Wir haben weniger Regen und etwas wilderes Klima als die Engländer. Aber annähernd wäre das schon möglich. Sie machen dort drüben jede Menge Wettbewerbe und Gartenausstellungen und Fotobände usw. Und das Schöne dabei ist, dass die Rosen in einer natürlichen Umgebung blühen. Es sind nicht diese steifen, hoch designten Blüten, die man hier kaufen kann, Baccara-Rosen oder wie sie heissen. Nein, sie wachsen in Gruppen wie Schafe und leben mitten im Grün des Gartens. Wirklich sehr schön. Da war eine Frau. Sie hat ihr gesamtes Vermögen in diesen Garten gesteckt. Ihr Mann schneidet täglich den Rasen und arbeitet nachts als Taxichauffeur, um das Vergnügen zu finanzieren. Ist das nicht faszinierend? Faszinierend nicht solche Rosen, aber einen solchen Mann ???
MLG
Dienstag, 11. Mai 2010
Salvador Dalí
Liebste Marlena
---
Ich habe angefangen, eine Biographie über Salvador Dali zu lesen. Ich habe sie so bei Gelegenheit gefunden, ohne zu suchen, und habe sie gleich gekauft. Er war ja ein so komischer Kerl. Aber schon nach den ersten paar Seiten wird deutlich, dass er eigentlich ziemlich krankhaft war. Ich hatte immer gedacht, er stilisiere seine Persönlichkeit und inszeniere seine Theater mit Absicht und Berechnung. Aber offensichtlich hat ihn seine Familiensituation schon in jungen Jahren ziemlich verdreht, und er scheint auch ziemlich darunter gelitten zu haben. Und hat andere leiden lassen. Seine surrealistischen Bilder sind unter diesen Voraussetzungen ein ziemlich adaequates Abbild seiner Weltanschauung. Er musste gar nicht mehr zuviel konstruieren. Doch ich urteile vielleicht jetzt ein bisschen zu früh. Lass mich erst weiterlesen, Marlena. Ich hoffe, ich habe genügend Zeit, um das zu schaffen. Ich möchte nämlich bald mit meinem Römer Projekt anfangen. Hast Du denn schon angefangen? Ich habe mittlerweile soviele Bücher über Rom in meiner Bibliothek gefunden, dass ich mich etwa 2 Jahre damit beschäftigen könnte. Ich werde sehen, was sich machen lässt.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit. Und schreib mir bald, ma chérie, so süss und spontan, wie Du es kannst.
KKK
Samstag, 8. Mai 2010
Beyeler Museum
---
Ich war vorgestern im Beyeler Museum. Das ist jenes Privatmuseum in der Nähe Basels, ein wunderschöner Bau mit meist ausgezeichneten Ausstellungen. Doch es hat nur so gewimmelt von Leuten. Das mag ich nicht. Wenn man sich schon in der Garderobe gegenseitig in die Quere kommt, och, das mag ich überhaupt nicht. Aber schliesslich haben sich die vielen Leute in den grossen Räumen verteilt. Und es war eigentlich nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Die Standardausstellung Beyelers mit einigen Giacomettis, ein paar Impressionisten, Picassos, Klees etc. Aber dann gab es da noch eine Ausstellung der Kunstsammlung der UBS. Die hatte ich noch nie gesehen. Es gab ein grosses Bild von Lucian Freud, du kennst ihn. Ich mag ihn eigentlich nur wegen seiner Technik. Die Bilder könnte ich zuhause nicht aufhängen, obwohl seine Porträts sicherlich nicht schlecht sind. Aber diese Nackporträts mag ich nur, weil ich sein Können und vielleicht noch ein bisschen seinen Mut bewundere. Er hat einen guten Dreh gefunden, Fleisch darzustellen. Und das ist bestimmt nicht allzu leicht. Stell dir vor: Fleisch, das bloss so rosa aussieht. Wie kann man es plastisch darstellen, so dass das Knochengerüst durchscheint, und dass man neben den Licht und Schatteneffekten auch noch die Adern darunter sieht. Das macht er nicht schlecht. Und die Leute, die er malt, sind auch keine schönen Menschen. Und dann liegen sie so ausgebreitet da wie die Tiere. Da steht er vielleicht in der Tradition seines grossen Onkels?
Kurz und gut, ich habe diesen Lucian Freud mehr oder weniger übergangen und habe mir die anderen Stücke der UBS angeschaut.
30 December 2005
Ich war vorgestern im Beyeler Museum. Das ist jenes Privatmuseum in der Nähe Basels, ein wunderschöner Bau mit meist ausgezeichneten Ausstellungen. Doch es hat nur so gewimmelt von Leuten. Das mag ich nicht. Wenn man sich schon in der Garderobe gegenseitig in die Quere kommt, och, das mag ich überhaupt nicht. Aber schliesslich haben sich die vielen Leute in den grossen Räumen verteilt. Und es war eigentlich nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Die Standardausstellung Beyelers mit einigen Giacomettis, ein paar Impressionisten, Picassos, Klees etc. Aber dann gab es da noch eine Ausstellung der Kunstsammlung der UBS. Die hatte ich noch nie gesehen. Es gab ein grosses Bild von Lucian Freud, du kennst ihn. Ich mag ihn eigentlich nur wegen seiner Technik. Die Bilder könnte ich zuhause nicht aufhängen, obwohl seine Porträts sicherlich nicht schlecht sind. Aber diese Nackporträts mag ich nur, weil ich sein Können und vielleicht noch ein bisschen seinen Mut bewundere. Er hat einen guten Dreh gefunden, Fleisch darzustellen. Und das ist bestimmt nicht allzu leicht. Stell dir vor: Fleisch, das bloss so rosa aussieht. Wie kann man es plastisch darstellen, so dass das Knochengerüst durchscheint, und dass man neben den Licht und Schatteneffekten auch noch die Adern darunter sieht. Das macht er nicht schlecht. Und die Leute, die er malt, sind auch keine schönen Menschen. Und dann liegen sie so ausgebreitet da wie die Tiere. Da steht er vielleicht in der Tradition seines grossen Onkels?
Kurz und gut, ich habe diesen Lucian Freud mehr oder weniger übergangen und habe mir die anderen Stücke der UBS angeschaut.
30 December 2005
Montag, 3. Mai 2010
nochmals Botanik
Der Abend war auch deshalb gelungen, weil viele ihre Kinder oder die Älteren ihre Enkelkunder mitgenommen haben. Es macht immer eine lustige und angenehme Stimmung, wenn Kinder herum sind. Sie machen die Situation menschlich. Unsere zwei Töchter wollten allerdings nicht mitkommen. Die Kinder waren im allgemeinen auch im Alter zwischen 5 und vielleicht 10. Sie hatten viel Charme und man konnte sehen, wie die Grosseltern vor Stolz glänzten, wenn sie sie vorstellen konnten.
Die Attraktion des Abends war nun aber dieser Kran. Mit einem grossen Metallkorb konnte er 4 Personen auf einmal etwa 40 m in die Höhe heben. Alle konnten einmal dort hinauf und sich umschauen. Die Kinder waren besonders interessiert, und manche gingen sogar zweimal hinauf. So konnte uns Prof. Körner sein Untersuchungsprojekt erklären. Es geht eigentlich darum, zu studieren, wie sich der Wald infolge des Kohlendioxits verändern wird. Der Kran dient einfach dazu, die Bäume besser und bequemer zu studieren. Man hat auf den Bäumen dort beispielsweise eine Schneckenart gefunden, die bisher noch kaum untersucht worden ist. Und dies einfach darum, weil man bisher kaum auf die Bäume gestiegen ist. In diesem Korb fühlt man sich beinahe wie ein Vogel im Wald. Man sieht die Bäume von oben. Er hat auch erklärt, wie die Blätterstellung sich verändert. Die Blätter unten im Wald haben tendenziell zuwenig Licht und stellen sich ganz flach, die Blätter oben haben tendentiell zuviel Licht und stellen sich deshalb ein bisschen in die Höhe. Christian hat es wirklich sehr gut und verständlich geschildert. Im Grunde machen die Blätter der Pflanzen eine ständige Gratwanderung zwischen Verhungern und Verdursten. Wenn sie ihre Poren öffnen, nehmen sie viel Kohlendioxit auf. Dann haben sie viel Nahrung, aber durch die Poren entweicht dann auch viel Wasserdampf, den sie abgeben. Dann würden sie also vertrocknen. Und wenn sie die Poren schliessen, behalten sie mehr Dampf, aber sie kriegen nicht genug Nahrung. Dann würden sie also verhungern. Es geht darum, dieses Gleichgewicht ständig neu einzustellen, und es scheint, als ob die Bäume mit einer Art von Computer ständig neu berechneten, wie sie ihre Porenöffnungen einstellen sollten. Und das Projekt untersucht, wie sich Pflanzen verändern würden, wenn vielleicht in 100 Jahren viel mehr Kohlendioxit in der Luft wäre. Dann wäre es möglich, dass die Blätter ihre Poren mehr verschliessen würden, also weniger Wasser abgeben. Dann würde mehr Wasser im Boden bleiben. Dann würde bei grossen Regenfällen das Wasser weniger versickern, sondern mehr den Hang hinunterfliessen. Es wäre also denkbar, dass sowas zu mehr Überschwemmungen führen könnte. Das ist das Untersuchungsthema des Projektes. Aber die geniale Idee war, diesen Kran mitten im Wald aufzustellen, um an die Baumkronen erhanzukommen. Und es gibt offenbar schon andere Universitäten, die am Projekt interessiert sind und den Kran auch für Fragen benützen möchten, die sie selbst untersuchen. Beispielsweise diese Schneckenart, die man dort gefunden hat, soll näher untersucht werden.
So haben wir also gut gegessen und getrunken, netten sozialen Kontakt gehabt, und dazu einige interessante Informationen aus der modernen Biologie erhalten. Das war ein interessanter Abend. Und manchmal hatte ich das Gefühl, du wärst dabei. Und ich habe mir gelegentlich vorgestellt, wie du dich unter diesen Leuten bewegen würdest. Und ich habe mir dein freundliches Wesen vorgestellt (ich erinnerte mich an die Italobar und die kleine Laura), und wie du mit deinem Charme zur freundlichen Stimmung beigetragen hättest. Ich habe es mir wirklich da und dort vorgestellt. Siehst du, Marlena, das ist mein Foto, das ich mit mir trage. Es ist beinahe schon ein Video, obwohl ich nicht so genau weiss, wie du dich bewegst und welches deine Gesten sind. Aber so ein bisschen wolkig konnte ich mir dich vorstellen. Dein Gesicht und dein Lächeln zumindest. Ich glaube, wenn man jemanden liebt, muss man auch dessen Umgebung und dessen Freunde schätzen. Ich glaube, du würdest gut in meine Kreise hineinpassen. Das weiss ich nicht so genau, aber ich glaube es sehr. Es ist ja auch ein bisschen international, es gibt Deutsche, Holländer, Franzosen (und einen Walliser ;--))
Und dann, in der zweiten Hälfte des Abends gab es ein riesiges Gewitter. Wir sassen immer noch in dieser Scheune, hatten Kaffee und Kuchen, und plötzlich begann es zu hageln. Wir sassen unter einem richtigen Trommelfeuer, denn es klang sehr laut und irgendwie metallig unter diesem Dach. Aber es war sehr gemütlich und man fühlte sich wieder einmal der Natur näher, als man das sonst zuhause fühlt. Und den Kindern wurde es sogar ein bisschen unheimlich.
*
Die Attraktion des Abends war nun aber dieser Kran. Mit einem grossen Metallkorb konnte er 4 Personen auf einmal etwa 40 m in die Höhe heben. Alle konnten einmal dort hinauf und sich umschauen. Die Kinder waren besonders interessiert, und manche gingen sogar zweimal hinauf. So konnte uns Prof. Körner sein Untersuchungsprojekt erklären. Es geht eigentlich darum, zu studieren, wie sich der Wald infolge des Kohlendioxits verändern wird. Der Kran dient einfach dazu, die Bäume besser und bequemer zu studieren. Man hat auf den Bäumen dort beispielsweise eine Schneckenart gefunden, die bisher noch kaum untersucht worden ist. Und dies einfach darum, weil man bisher kaum auf die Bäume gestiegen ist. In diesem Korb fühlt man sich beinahe wie ein Vogel im Wald. Man sieht die Bäume von oben. Er hat auch erklärt, wie die Blätterstellung sich verändert. Die Blätter unten im Wald haben tendenziell zuwenig Licht und stellen sich ganz flach, die Blätter oben haben tendentiell zuviel Licht und stellen sich deshalb ein bisschen in die Höhe. Christian hat es wirklich sehr gut und verständlich geschildert. Im Grunde machen die Blätter der Pflanzen eine ständige Gratwanderung zwischen Verhungern und Verdursten. Wenn sie ihre Poren öffnen, nehmen sie viel Kohlendioxit auf. Dann haben sie viel Nahrung, aber durch die Poren entweicht dann auch viel Wasserdampf, den sie abgeben. Dann würden sie also vertrocknen. Und wenn sie die Poren schliessen, behalten sie mehr Dampf, aber sie kriegen nicht genug Nahrung. Dann würden sie also verhungern. Es geht darum, dieses Gleichgewicht ständig neu einzustellen, und es scheint, als ob die Bäume mit einer Art von Computer ständig neu berechneten, wie sie ihre Porenöffnungen einstellen sollten. Und das Projekt untersucht, wie sich Pflanzen verändern würden, wenn vielleicht in 100 Jahren viel mehr Kohlendioxit in der Luft wäre. Dann wäre es möglich, dass die Blätter ihre Poren mehr verschliessen würden, also weniger Wasser abgeben. Dann würde mehr Wasser im Boden bleiben. Dann würde bei grossen Regenfällen das Wasser weniger versickern, sondern mehr den Hang hinunterfliessen. Es wäre also denkbar, dass sowas zu mehr Überschwemmungen führen könnte. Das ist das Untersuchungsthema des Projektes. Aber die geniale Idee war, diesen Kran mitten im Wald aufzustellen, um an die Baumkronen erhanzukommen. Und es gibt offenbar schon andere Universitäten, die am Projekt interessiert sind und den Kran auch für Fragen benützen möchten, die sie selbst untersuchen. Beispielsweise diese Schneckenart, die man dort gefunden hat, soll näher untersucht werden.
So haben wir also gut gegessen und getrunken, netten sozialen Kontakt gehabt, und dazu einige interessante Informationen aus der modernen Biologie erhalten. Das war ein interessanter Abend. Und manchmal hatte ich das Gefühl, du wärst dabei. Und ich habe mir gelegentlich vorgestellt, wie du dich unter diesen Leuten bewegen würdest. Und ich habe mir dein freundliches Wesen vorgestellt (ich erinnerte mich an die Italobar und die kleine Laura), und wie du mit deinem Charme zur freundlichen Stimmung beigetragen hättest. Ich habe es mir wirklich da und dort vorgestellt. Siehst du, Marlena, das ist mein Foto, das ich mit mir trage. Es ist beinahe schon ein Video, obwohl ich nicht so genau weiss, wie du dich bewegst und welches deine Gesten sind. Aber so ein bisschen wolkig konnte ich mir dich vorstellen. Dein Gesicht und dein Lächeln zumindest. Ich glaube, wenn man jemanden liebt, muss man auch dessen Umgebung und dessen Freunde schätzen. Ich glaube, du würdest gut in meine Kreise hineinpassen. Das weiss ich nicht so genau, aber ich glaube es sehr. Es ist ja auch ein bisschen international, es gibt Deutsche, Holländer, Franzosen (und einen Walliser ;--))
Und dann, in der zweiten Hälfte des Abends gab es ein riesiges Gewitter. Wir sassen immer noch in dieser Scheune, hatten Kaffee und Kuchen, und plötzlich begann es zu hageln. Wir sassen unter einem richtigen Trommelfeuer, denn es klang sehr laut und irgendwie metallig unter diesem Dach. Aber es war sehr gemütlich und man fühlte sich wieder einmal der Natur näher, als man das sonst zuhause fühlt. Und den Kindern wurde es sogar ein bisschen unheimlich.
*
Botanik und Caravaggio
Subject: Wachträume?
Date: Tue, 06 Jun 2000 05:39:39 GMT
Liebste Marlena
Ach weißt du, es hat mich sehr berührt, deine Absicht, ...
*
Gestern bin ich also schon um 16h aus dem Büro verschwunden. ...
Wir sind also an diesen Treffpunkt im Wald gefahren. Es war alles sehr gut orgnisiert. Das botanische Institut der Universität Basel hat einen Kran aufstellen lassen. Und zwar haben sie sich eine Stelle ausgesucht, wo alle wichtigen Baumarten Mitteleuropas im Schwenkbereich des Krans vorkommen, damit sie all diese Bäume untersuchen können. Es gab einen feinen Grill und ein perfektes Salatbuffet. Der Organisator hatte spezielle Leute engagiert, die das alles besorgt haben. Und dazu gab es eine Musik. Sie spielten zwar in dieser Baracke Ländlermusik, was ganz volkstümlich und eher für ältere Leute ist. Aber sie haben doch alles sehr schön arrangiert.
---
Um zwei bin ich in der Nacht erwacht. Und weil ich wohl ein bisschen zuviel gegessen hatte, war mir heiss. Und ich bin aufgestanden und in den Wohnraum im Parterre gegangen. Dort ist es ein bisschen kühler und ich habe angefangen zu lesen. Ich bin jetzt gerade am grossen Band über Rom. Ich hatte mir das Kapitel über Barockmalerei ausgesucht. Es gibt ja den grossen Einfluss der Bologneser Malerei auf den italienischen Barock. Und zwar gibt es zwei Schulen: Caravaggio und die Caracci. Die Caracci waren 2 Brüder und ein Cousin. Sie haben versucht, die Malerei Raffaels fortzuführen, waren also konservativ auf ihre Art. Sie haben auch eine eigene Schule gegründet und so ihre Tradition weitergegeben. Auf der anderen Seite war Caravaggio. Er war ein Hitzkopf und ein Spring-ins-Feld. Seine bilder hatten revolutionäre Elemente. Man sieht das sofort, beispielsweise an der Beleuchtung. Er beleuchtet seine Bilder wie ein Bühnenbild, und er beleuchtet sie, als ob er einen ziemlich grellen Scheinwerfer irgendwo auf eine Stelle der Szene richten würde. Das macht dramatische Effekte. Und ich glaube, das war sehr neu für jene Zeit und war später ein übliches Mittel der Barockmalerei. Rubens hat das auch, wenn auch nicht immer dermassen dramatisch wie Caravaggio. Ich glaube, Sartre hat mal einen exzellenten Essay über Caravaggio geschrieben. Er war ein bisschen ein Aussenseiter der damaligen Zeit. Erst Guido Reni, der grosse Bologneser Künstler, hat die Caracci mit Caravaggio vereint, indem er beide Stile in einen integriert hat. Ach entschuldige, meine Liebste, das ist ein bisschen zu detailliert für dich.
Aber ich will dir zum Schluss noch eine kleine Erkenntnis berichten, die ich mitten in der Nacht gemacht habe. Im Buch war eine Abbildung eines Gemäldes von Caravaggio. Es zeigte die heilige Familie bei der Rast, in der Mitte ein Engel beim Musizieren in der Rückenansicht. Das bild war ganz lyrisch gehalten, und die Maria hat ihren Kopf zur Seite geneigt. Und mir war plötzlich klar, dass diese Geste des geneigten Kopfes genau dieses lyrische "ach" ist, das man bei Rilke findet und auch in unseren Briefen ab und zu auftaucht. Es ist die visuelle Geste, die der auditiven des "ach" entspricht. Ist doch toll, mitten in der Nacht so etwas zu entdecken. Vielleicht hättest du das in deiner intuitiven Art schon viel schneller erfasst. Aber ich brauche manchmal etwas Zeit für solche Sachen. Es hat mich erfreut, das zu sehen.
*
Es ging mir auch durch den Kopf, wie du gelegentlich betonst, ich würde dich idealisieren und allzuschön machen. Ich weiss schon, dass das in gewissem Masse so ist. Aber es ist mir klar geworden, dass mich die Vorstellung beschwingt, dass du eine ideale Zuhörerin, oder besser Leserin bist. Ich gehe davon aus, dass du mich absolut verstehst, dass du alles, was ich sage, in deinem unendlichen Gedächtnis und deinem grossen Herzen aufnimmst. Das ist es, was mich beflügelt, dir zu schreiben. Das ist ja vielleicht fast ein bisschen eine kindliche Einstellung. Und vielleicht kommt die Tatsache, dass du oft gar nicht so genau auf meine Gedanken reagierst, diesem Gefühl noch entgegen. Dem Gefühl, dass du alles weißt und dass du mich so gut verstehst wie sonst niemand auf dieser Welt. Ich weiss natürlich auf der anderen Seite, dass du nicht alles so genau verstehen kannst, weil es oft ja nicht sonderlich verständlich geschrieben ist. Und dass du die vielen Dinge, die ich erwähnte, teilweise auch vergisst, ja vergessen musst. Das tut aber nichts zur Sache. Mich stimuliert der Gedanke, dass du eine ideale Gesprächspartnerin bist. Das eben ist das platonische dabei. Aber mit meinem normalen Menschenverstand weiss ich, dass das so nicht möglich sein kann. Ich weiss also beides gleichzeitig. Verstehst du das, Marlena? Auf jeden Fall, wenn es nur um die Informationen ginge, dann müsstest du soviel nachfragen und klären lassen, dass wir in Tausend Details hineingeraten würden. Und dann hätten wir wohl beide schnell genug von unserer Mailerei.
Doch, vielleicht macht dich diese Situation manchmal scheu, selbst zu schreiben. Ist es das? Ich glaube, du hast das mal angedeutet. Und ich kann es mir vorstellen. Es ist dann so wie ...
Date: Tue, 06 Jun 2000 05:39:39 GMT
Liebste Marlena
Ach weißt du, es hat mich sehr berührt, deine Absicht, ...
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Gestern bin ich also schon um 16h aus dem Büro verschwunden. ...
Wir sind also an diesen Treffpunkt im Wald gefahren. Es war alles sehr gut orgnisiert. Das botanische Institut der Universität Basel hat einen Kran aufstellen lassen. Und zwar haben sie sich eine Stelle ausgesucht, wo alle wichtigen Baumarten Mitteleuropas im Schwenkbereich des Krans vorkommen, damit sie all diese Bäume untersuchen können. Es gab einen feinen Grill und ein perfektes Salatbuffet. Der Organisator hatte spezielle Leute engagiert, die das alles besorgt haben. Und dazu gab es eine Musik. Sie spielten zwar in dieser Baracke Ländlermusik, was ganz volkstümlich und eher für ältere Leute ist. Aber sie haben doch alles sehr schön arrangiert.
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Um zwei bin ich in der Nacht erwacht. Und weil ich wohl ein bisschen zuviel gegessen hatte, war mir heiss. Und ich bin aufgestanden und in den Wohnraum im Parterre gegangen. Dort ist es ein bisschen kühler und ich habe angefangen zu lesen. Ich bin jetzt gerade am grossen Band über Rom. Ich hatte mir das Kapitel über Barockmalerei ausgesucht. Es gibt ja den grossen Einfluss der Bologneser Malerei auf den italienischen Barock. Und zwar gibt es zwei Schulen: Caravaggio und die Caracci. Die Caracci waren 2 Brüder und ein Cousin. Sie haben versucht, die Malerei Raffaels fortzuführen, waren also konservativ auf ihre Art. Sie haben auch eine eigene Schule gegründet und so ihre Tradition weitergegeben. Auf der anderen Seite war Caravaggio. Er war ein Hitzkopf und ein Spring-ins-Feld. Seine bilder hatten revolutionäre Elemente. Man sieht das sofort, beispielsweise an der Beleuchtung. Er beleuchtet seine Bilder wie ein Bühnenbild, und er beleuchtet sie, als ob er einen ziemlich grellen Scheinwerfer irgendwo auf eine Stelle der Szene richten würde. Das macht dramatische Effekte. Und ich glaube, das war sehr neu für jene Zeit und war später ein übliches Mittel der Barockmalerei. Rubens hat das auch, wenn auch nicht immer dermassen dramatisch wie Caravaggio. Ich glaube, Sartre hat mal einen exzellenten Essay über Caravaggio geschrieben. Er war ein bisschen ein Aussenseiter der damaligen Zeit. Erst Guido Reni, der grosse Bologneser Künstler, hat die Caracci mit Caravaggio vereint, indem er beide Stile in einen integriert hat. Ach entschuldige, meine Liebste, das ist ein bisschen zu detailliert für dich.
Aber ich will dir zum Schluss noch eine kleine Erkenntnis berichten, die ich mitten in der Nacht gemacht habe. Im Buch war eine Abbildung eines Gemäldes von Caravaggio. Es zeigte die heilige Familie bei der Rast, in der Mitte ein Engel beim Musizieren in der Rückenansicht. Das bild war ganz lyrisch gehalten, und die Maria hat ihren Kopf zur Seite geneigt. Und mir war plötzlich klar, dass diese Geste des geneigten Kopfes genau dieses lyrische "ach" ist, das man bei Rilke findet und auch in unseren Briefen ab und zu auftaucht. Es ist die visuelle Geste, die der auditiven des "ach" entspricht. Ist doch toll, mitten in der Nacht so etwas zu entdecken. Vielleicht hättest du das in deiner intuitiven Art schon viel schneller erfasst. Aber ich brauche manchmal etwas Zeit für solche Sachen. Es hat mich erfreut, das zu sehen.
*
Es ging mir auch durch den Kopf, wie du gelegentlich betonst, ich würde dich idealisieren und allzuschön machen. Ich weiss schon, dass das in gewissem Masse so ist. Aber es ist mir klar geworden, dass mich die Vorstellung beschwingt, dass du eine ideale Zuhörerin, oder besser Leserin bist. Ich gehe davon aus, dass du mich absolut verstehst, dass du alles, was ich sage, in deinem unendlichen Gedächtnis und deinem grossen Herzen aufnimmst. Das ist es, was mich beflügelt, dir zu schreiben. Das ist ja vielleicht fast ein bisschen eine kindliche Einstellung. Und vielleicht kommt die Tatsache, dass du oft gar nicht so genau auf meine Gedanken reagierst, diesem Gefühl noch entgegen. Dem Gefühl, dass du alles weißt und dass du mich so gut verstehst wie sonst niemand auf dieser Welt. Ich weiss natürlich auf der anderen Seite, dass du nicht alles so genau verstehen kannst, weil es oft ja nicht sonderlich verständlich geschrieben ist. Und dass du die vielen Dinge, die ich erwähnte, teilweise auch vergisst, ja vergessen musst. Das tut aber nichts zur Sache. Mich stimuliert der Gedanke, dass du eine ideale Gesprächspartnerin bist. Das eben ist das platonische dabei. Aber mit meinem normalen Menschenverstand weiss ich, dass das so nicht möglich sein kann. Ich weiss also beides gleichzeitig. Verstehst du das, Marlena? Auf jeden Fall, wenn es nur um die Informationen ginge, dann müsstest du soviel nachfragen und klären lassen, dass wir in Tausend Details hineingeraten würden. Und dann hätten wir wohl beide schnell genug von unserer Mailerei.
Doch, vielleicht macht dich diese Situation manchmal scheu, selbst zu schreiben. Ist es das? Ich glaube, du hast das mal angedeutet. Und ich kann es mir vorstellen. Es ist dann so wie ...
wie Atlas

Subject: Re: Flaschenpost
Date: Fri, 29 Sep 2000 15:20:35 GMT
Liebe Marlena
Du bist wirklich gross im Schuss. Ich weiss, dass die Mausfreundschaft nur funktioniert, wenn man Mails schreibt. Das weiss ich sehr gut. Ich habe doch das vergangene halbe Jahr gearbeitet wie Herkules, oder noch besser wie Atlas, der den ganzen Himmelsbogen auf den Schultern tragen muss. Na ja, vielleicht nicht ganz den ganzen, aber doch immerhin bis hinauf zur Venus und wieder zurück. Das ist vielleicht der Grund, weshalb Du mich besser kennst als ich Dich. Ich habe deswegen oft gemeckert, oder etwa nicht? Oder vielleicht bist Du bloss die weit vielfältigere und weitläufigere Person, als ich es schon bin. Sehr gut möglich. Manchmal habe ich stark diesen Eindruck. Auf jeden Fall bist Du doch sehr von Gefühlen getragen, bis hinunter zum Grund der Schwermut, und ich merke, dass Du grosse Räume zu füllen vermagst. Ich habe das alles gewusst von Dir, Marlena, dass Du fröhlich bist, sozial, und lebhaft, das hört man in Deiner Stimme. Und gelegentlich haben wir alle unsere gedämpfteren und stilleren Zeiten.
*
Der Vers im Gästebuch ist fantastisch gut. Davon kann man beinahe ein halbes Leben leben, nicht wahr? Das erinnert mich sehr an jene jugendliche Gefühlslage in der Schul- und Studentenzeit, da wir noch ausdrückten, was wir fühlten, und noch fühlten, was uns beeindruckte. Es war schön und leicht und vieles war grossartig, weil das Ende nicht abzusehen war. Du musst eine echte Prinzessin gewesen sein.
*
So schickst Du mir endlich eine Adresse!!!!!!!!!!! Das ist ja sensationell, das ist kaum zu glauben. Ich habe nicht gedacht, dass wir das noch im Jahr 2000 schaffen werden. Ich werde Dich nicht in ein schlechtes Licht bringen, indem ich Dir allzuviele Postkarten schicke. Darauf kannst Du Dich verlassen. Ich werde mich so neutral und sachlich wie möglich geben. Und wenn irgendwas falsch läuft, so melde es mir so rasch wie möglich, Marlena. Ich werde Deinen Namen nicht so ruinieren wie Du den meinen ruiniert hast ;--) Mein Sekretariat denkt bestimmt, es werde gleich eine Explosion geben: die Karten kamen von Schweden, Prag, Bratislawa, Zürich innert kurzer Zeit, also eine Station näher als die andere. Die nächste wird wohl Basel sein!! Du musst nicht denken, ich brauche den Schutz weniger, Marlena. Meine Leute denken sich auch ihren Teil. Aber ich weiss schon, dass Du jede Karte mit Liebe geschickt hast. Jede einzeln liebevoll. Deshalb ertrage ich die Situation mit einiger Seelenruhe.
Ich schicke Dir meinen Artikel. Das ist alles quasi wissenschaftlich und neutral. Und ich schreibe auch nicht zuviel drauf. Es ist sozusagen eine Verbindungskontrolle. Sehr geschäftlich also, und niemand wird die Augen zum Himmel drehen.
*
falschen Eindruck
Mittagsgruss
Fri, 29 Sep 2000 12:32:18 CEST
Ach, mein liebster Mausfreund, wie wenig du mich eigentlich kennst. Vielleicht habe ich dir in meinen Mails einen ganz falschen Eindruck gegeben. Ich bin doch lebhaft, meist froh gelaunt und gesellschaftlich.
".. auf dem Grunde die Schwermut" höre ich einen meiner alten Dozenten an der Uni sagen. Es galt eigentlich der Musik von Mozart damals.
So endet ein Gedicht von ein paar jungen Studenten in dem Gästebuch meiner Eltern:
"Wer findet Worte, wem fällt was ein
zu schildern den strahlenden Sonnenschein
der lachend erfüllt die Arena
Ade, du schöne Marlena"
Ich lache gern, auch heute noch. Jedenfalls liebe ich es andere Leute froh zu machen.
---
Fri, 29 Sep 2000 12:32:18 CEST
Ach, mein liebster Mausfreund, wie wenig du mich eigentlich kennst. Vielleicht habe ich dir in meinen Mails einen ganz falschen Eindruck gegeben. Ich bin doch lebhaft, meist froh gelaunt und gesellschaftlich.
".. auf dem Grunde die Schwermut" höre ich einen meiner alten Dozenten an der Uni sagen. Es galt eigentlich der Musik von Mozart damals.
So endet ein Gedicht von ein paar jungen Studenten in dem Gästebuch meiner Eltern:
"Wer findet Worte, wem fällt was ein
zu schildern den strahlenden Sonnenschein
der lachend erfüllt die Arena
Ade, du schöne Marlena"
Ich lache gern, auch heute noch. Jedenfalls liebe ich es andere Leute froh zu machen.
---
Sonntag, 2. Mai 2010
Gedanken über Religion
Date: 16 Nov 2007 09:08
Subject: Re: FREIMO
Liebe Malou
Findest du diese grosse grüne Schrift nicht schön. Sie strahlt doch in
der Tat Hoffnung aus. Und richtig, sie kommt der Tatsache entgegen,
dass meine Brille nicht richtig angepasst ist. Auf die Distanz, die
ich zum PC-Bildschirm habe, kann ich nicht klare Buchstaben sehen.
Aber bei dieser grossen Schrift kann ich doch mindestens den
Wortlaut erraten. Das ist gut so.
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss,
dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand
lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.
Der Gedanke an die ewige Wiedergeburt ist doch schön. Kannst du dich nicht bereit erklären Malou, die Wiedergeburt in die katholische Kirche einzuführen. Es gibt doch in den Walliser Sagen dieses häufige Motiv, dass die armen Seelen, die irgendwo im Leben gesündigt hatten, dort wieder auftauchen müssen, um ihre Schuld abzutragen. Und das können sie nicht. Das heisst, sie kommen immer wieder und leiden unter den Unruhen ewiger Sünden. Es gibt unzählige solcher Sagen. Und ich glaube, Nietzsche hat seine Idee vielleicht sogar aus dem Katholischen. Sie kennen die armen Seelen, die immer wieder an den Ort des Unrechts zurückkehren müssen. Manchmal gibt es einen Schlüssel, wie sie davon loskommen, ähnlich wie in den Märchen. Ein Mensch muss vielleicht das Kreuzzeichen machen, muss ein Ave beten oder so etwas. Es ist ein magischer Mechanismus, der den Weg zur Erlösung frei macht.
Ja, das Grab von Astrid gefällt mir. Dieser einfache Stein! Ist fast
so einfach wie bei Rilke. Und die hübsche Handschrift auf dem rohen
Stein. Das wirkt zusammen sehr schön und menschlich. ...
Gestern habe ich meine Bilder durchgeschaut. Es sind mit den Jahren
soviele geworden. Ich werde dir heute eins auswählen und schicken.
Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
Liebe Gs und Ks
Subject: Re: FREIMO
Liebe Malou
Findest du diese grosse grüne Schrift nicht schön. Sie strahlt doch in
der Tat Hoffnung aus. Und richtig, sie kommt der Tatsache entgegen,
dass meine Brille nicht richtig angepasst ist. Auf die Distanz, die
ich zum PC-Bildschirm habe, kann ich nicht klare Buchstaben sehen.
Aber bei dieser grossen Schrift kann ich doch mindestens den
Wortlaut erraten. Das ist gut so.
Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss,
dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand
lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.
Der Gedanke an die ewige Wiedergeburt ist doch schön. Kannst du dich nicht bereit erklären Malou, die Wiedergeburt in die katholische Kirche einzuführen. Es gibt doch in den Walliser Sagen dieses häufige Motiv, dass die armen Seelen, die irgendwo im Leben gesündigt hatten, dort wieder auftauchen müssen, um ihre Schuld abzutragen. Und das können sie nicht. Das heisst, sie kommen immer wieder und leiden unter den Unruhen ewiger Sünden. Es gibt unzählige solcher Sagen. Und ich glaube, Nietzsche hat seine Idee vielleicht sogar aus dem Katholischen. Sie kennen die armen Seelen, die immer wieder an den Ort des Unrechts zurückkehren müssen. Manchmal gibt es einen Schlüssel, wie sie davon loskommen, ähnlich wie in den Märchen. Ein Mensch muss vielleicht das Kreuzzeichen machen, muss ein Ave beten oder so etwas. Es ist ein magischer Mechanismus, der den Weg zur Erlösung frei macht.
Ja, das Grab von Astrid gefällt mir. Dieser einfache Stein! Ist fast
so einfach wie bei Rilke. Und die hübsche Handschrift auf dem rohen
Stein. Das wirkt zusammen sehr schön und menschlich. ...
Gestern habe ich meine Bilder durchgeschaut. Es sind mit den Jahren
soviele geworden. Ich werde dir heute eins auswählen und schicken.
Ich wünsche dir ein gutes Wochenende
Liebe Gs und Ks
...

14 November 2007 18:00
---
Heute wäre Astrid Lindgren 100 geworden und man feiert überall mit
Veranstaltungen. Ich habe gestern Abend ein wunderbares Programm über
sie gesehen. Sie war ein ganz einmaliger Mensch und ich werde mir das
Program am 17. wenn es nochmals gezeigt wird auf Video aufnehmen. Ich
wünsche gerade dieses Programm würde auch in anderen Ländern gezeigt
werden.
Ich wünsche dir einen schönen Abend.
Mit lieben Gs und Ks
Malou
Astrid Lindgren 28.2.02
Ämne : 28.2.02
Datum : Mon, 28 Jan 2002 12:05:24 +0000
Lieber ...,
Astrid Lindgren ist heute gestorben.
Wir trauern.
Gruss
Marlena
21:05:17 +0000
Lieber ...,
Endlich habe ich mich vom Fernseher losreissen können. Man hat den ganzen Abend die allerschönsten Dokumentarfilme mit Astrid Lindgren gezeigt und ich war ganz fasziniert von der Ausstrahlung dieser einmaligen Frau. Ich wusste ja schon wie sie war aber früher hatte ich sie nur in kürzeren Reportagen gesehen.. jetzt kam alles auf einmal und leider gleichzeitig in allen unseren drei grossen Fernsehsendungen. Mehrmals musste ich laut lachen und wenn ich allein gewesen wäre hätte ich sicher auch einige Tränen geweint – vor Rührung und weil ich wirklich traurig bin dass ein so wunderbarer Mensch nicht ewig leben darf.
Ich würde immer noch vor dem TV sitzen wenn ich nicht entdeckt hätte dass das Programm das jetzt gezeigt wird morgen nochmals kommt. Dann werde ich es mir auf Video einspielen (heisst es so?).
Astrid Lindgren ist besser als du denkst. Sie strahlt eine grosse Wärme aus und ist so natürlich geblieben trotz aller ihrer Erfolge. Sie ist intelligent und humoristisch. Sie ist elegant.. sie hat Klasse... ach ich kann sie nicht genug loben und vor allem lobt man auch ihre grosse Demut. Wusstest du dass sie auch politisch aktiv war? Und als sie jung war sah sie sehr gut aus – eine richtig schöne Frau - was man ihr im hohen alter noch immer ansehen konnte. Über ihre Produktion sage ich nichts denn du kennst sie genauso gut wie ich. Ich glaube wirklich dass eine ganze Welt ihr nachtrauert.
*
Datum : Mon, 28 Jan 2002 12:05:24 +0000
Lieber ...,
Astrid Lindgren ist heute gestorben.
Wir trauern.
Gruss
Marlena
21:05:17 +0000
Lieber ...,
Endlich habe ich mich vom Fernseher losreissen können. Man hat den ganzen Abend die allerschönsten Dokumentarfilme mit Astrid Lindgren gezeigt und ich war ganz fasziniert von der Ausstrahlung dieser einmaligen Frau. Ich wusste ja schon wie sie war aber früher hatte ich sie nur in kürzeren Reportagen gesehen.. jetzt kam alles auf einmal und leider gleichzeitig in allen unseren drei grossen Fernsehsendungen. Mehrmals musste ich laut lachen und wenn ich allein gewesen wäre hätte ich sicher auch einige Tränen geweint – vor Rührung und weil ich wirklich traurig bin dass ein so wunderbarer Mensch nicht ewig leben darf.
Ich würde immer noch vor dem TV sitzen wenn ich nicht entdeckt hätte dass das Programm das jetzt gezeigt wird morgen nochmals kommt. Dann werde ich es mir auf Video einspielen (heisst es so?).
Astrid Lindgren ist besser als du denkst. Sie strahlt eine grosse Wärme aus und ist so natürlich geblieben trotz aller ihrer Erfolge. Sie ist intelligent und humoristisch. Sie ist elegant.. sie hat Klasse... ach ich kann sie nicht genug loben und vor allem lobt man auch ihre grosse Demut. Wusstest du dass sie auch politisch aktiv war? Und als sie jung war sah sie sehr gut aus – eine richtig schöne Frau - was man ihr im hohen alter noch immer ansehen konnte. Über ihre Produktion sage ich nichts denn du kennst sie genauso gut wie ich. Ich glaube wirklich dass eine ganze Welt ihr nachtrauert.
*
Il pleure dans mon coeur
Il pleure dans mon coeur
Comme il pleut sur la ville;
Quelle est cette langueur
Qui pénètre mon coeur ?
O bruit doux de la pluie
Par terre et sur les toits !
Pour un coeur qui s'ennuie
O le chant de la pluie !
Il pleure sans raison
Dans ce coeur qui s'écoeure.
Quoi! nulle trahison ?...
Ce deuil est sans raison.
C'est bien la pire peine
De ne savoir pourquoi
Sans amour et sans haine
Mon coeur a tant de peine !
Paul VERLAINE, Romances sans paroles (1874)
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