Freitag, 28. Juni 2019

Des amoureux enchaînés..






Subject : Des amoureux enchaînés..
Date : Tue, 16 May 17:21


Lieber ...!
Weisst du, es war wohl nicht meine brillianteste Idee Dir
im Garten zu schreiben - denn kaum war ich zur Tür
hinausgetreten, hörte ich eine Stimme hinter den Johannis-
beersträuchern in der Ecke unseres "Gartens".  Es war
meine Kollegin (Nachbarin) und sie war etwas
"sällskapssjuk" wie wir sagen (=gesellschaftskrank)
Ich finde es immer nett mit ihr zu plaudern und so bin
ich eben eine Stunde lang etwas "sozial" gewesen. Wir
haben uns alle schönen Blumen in ihrem Garten augesehen
die wir ja dann 14 Tage lang pflegen werden wenn sie im
Urlaub sind.
*
Du hast dich nun schon öfters morgens verschlafen. Sag,
Liebling, vielleicht stehle ich dir zu viel Zeit und du
bekommst deswegen nicht genug Schlaf. Du arbeitest
doch oft abends und an Wochenenden. Darfst du denn
nicht "Flexzeit" machen? Oder hast du immer wichtige
Verabredungen die zu einem bestimmten Zeitpunkt
stattfinden müssen? Sonst könntest du ja morgens
ausschlafen.
*
Du darfst nicht glauben dass ich an unserer Beziehung
leide. Falls es manchmal weh tut so ist es eher ein "ljuv
plåga" (=holder Schmerz?)
Ich werde dir keine Illusionen nehmen, Schatz. Falls ich
noch nicht bin wie du glaubst, so werde ich es sicher bald
sein ;-) Deine Liebe macht mich immer schöner und
attraktiver und auch glücklicher. Nicht einmal am
Arbeitsplatz (wo viele leiden) kann mich jemand so
leicht aus der Ruhe bringen. Alles scheint so unwichtig
neben unserer Maladi.
Und wer weiss, vielleicht revoltieren wir beide einmal
Gegen die Monotonie der Gesellschaft und legen uns
zusammen unter eine Brücke - oder warum nicht in
einen alten Turm irgendwo in einem südlichen Land
wo wir nicht frieren müssen ;-)

Eigentlich möchte ich gar nicht den schönen Platz im
Garten verlassen. Es ist so herrlich warm hier und ein
milder Wind streichelt meine Haut. Aber nun muss ich
doch an den PC. Sonst kriegt mein Schatz nicht sein
Epistel vor dem Nachhausegehen.

Ich wünsche dir noch alles Schöne und Gute für den
Abend. Ruh dich ein wenig aus in deinem herrlichen
grossen Bett.
In Maladi
Marlena



Montag, 24. Juni 2019

Minenfeld ???



Subject: Minenfeld ???
Date: Tue, 16 May 15:57


Liebe Marlena

Auf deine Bemerkung des Minenfeldes muss ich doch zurückkommen. Du meinst, wir sind aus dem Gefängnisturm ausgebrochen. Wie denn? Mit deiner hübschen Postkarte, meinst du? Na ja, vielleicht denkst du an den §5. Aber er war immer ein bisschen ein Scheinparagraph, oder etwa nicht?

Ach nein, ich will jetzt unsere §§§ nicht unterschätzen. Vielleicht brauchen wir sie wieder einmal für unsere Freundschaft und Beziehung. Aber im Moment denke ich nicht viel an sie. Aber bitte, meine Liebste, sprich nicht von einem Minenfeld. Weißt du denn, was ein Minenfeld ist? So was Schreckliches, das hast du sicherlich nicht ernst gemeint. Also, mein französisches Gästebett ist bestimmt kein Minenfeld. Ich schlafe gut dort. Es gibt kein Oberleintuch, nur ein Duvet. Wir nennen das "nordisch schlafen", und man kann ein bisschen die Füsse raushängen lassen, wenn es zu warm wird. Und ich habe viel Platz um zu lesen und es liegen immer jede Menge Bücher rund ums Bett. Und dann, innert ein paar Sekunden habe ich genug gelesen und ich lösche das Licht. Und dann schwebe ich wirklich ein bisschen auf den Wolken. Aber ich glaube, ich fühle mich dir dann vor allem in Gedanken nahe. Ich erinnere mich an Dinge, die du gesagt hast, oder ich überlege mir, was ich dir sagen möchte. Wenn ich mir deine physische Präsenz zu sehr vorstellen würde, dann würde meine Sehnsucht zu gross. Ich kann mir gut vorstellen, wie wir in Rom in einem alten Hotelbett liegen, ganz entspannt nebeneinander schauen wir in die hohe Decke hinauf, mit dem schönen Gefühl, jede Menge Zeit zu haben, um zu reden, fragen, erzählen, zurückfragen, deine Lis Assia Stimme zu hören, deinen schwedischen Akzent im Deutsch, deine Intonation, die ich mir so sehr ähnlich dem Schweizerdeutschen vorstelle. Und dann schauen wir uns wieder an, um zu sehen, ob es wirklich wahr ist, und um ein bisschen von deinem Lächeln mitzubekommen, um deine Gesten zu entdecken und deine alltäglichen Gewohnheiten. Und wenn wir uns nicht mehr halten können, gibt's einen langen Kuss. Irgendwie stelle ich mir die Topographie deiner Lippen, deines Gesichts vor, wie sich das anfühlen würde beim Küssen. Ich möchte gerne deine Augen küssen mitsamt der Nase, deine Stirn, den Hals küsse ich sehr gerne und auch die Ohren, die sind sehr sensibel, und natürlich die Lippen. Auf diese Weise möchte ich dich verwöhnen, aber es wäre zugleich eine Art Erkundung. Ich hätte dein Gesicht dann ziemlich genau in meiner Vorstellung. Aber mehr erlaube ich mir nicht. Ich möchte nicht zu weit gehen mit meinen Fantasien, denn sonst kann ich es nicht mehr gut aushalten. Es wäre für mich unerträglich, wenn ich später vernehmen müsste, dass wir uns nicht treffen könnten. Deshalb muss ich vorher bremsen. Eine sogenannte präventive Vollbremsung, könnte man das nennen. Ich kann dir sogar den Namen des Hotels in Rom sagen, das ich mir vorstelle. Es liegt in der Nähe der Piazza del Popolo, ist mit Geschmack eingerichtet, aber kein teures Top-Hotel. Es hat dunkle kühle Räume. Die sind köstlich, wenn man aus der blendenden Hitze der römischen Strassen kommt.

*

Es ist süss, wie du dir vornimmst, alle meine Fragen zu beantworten und zu klären. Das kommt mir ein bisschen vor wie der Vatikan, der vor zwei oder drei Jahren die Aussagen Galileo Galileis nochmals geprüft hat und zum Schluss gekommen ist, dass die Thesen des Wissenschafters doch was an sich haben. Die Zeitungsmeldung hat mich damals köstlich amusiert, aber ich habe dem Vatikan gegenüber durchaus Respekt empfunden, weil er gewillt scheint, aufzuräumen und die alten Akten abzuschliessen. Er kämpft gegen einen Rückstand von ungefähr 400 Jahren. Zeige mir eine andere Firma auf dieser Welt, die hinsteht, und eine 400 Jahre alte Falschmeldung korrigiert! Es hat doch auch etwas Aufrechtes an sich. Dafür habe ich Respekt. Und vor nicht allzu langer Zeit hat er sich auch zum Darwinismus geäussert. Chapeau!

Ach, Marlena, ich hoffe du verstehst mich recht. Es hat mich sehr gefreut, wie du das gesagt hast. Und viele meiner Fragen waren auch nicht so wichtig, andere vielleicht komisch, aus einer Stimmung heraus oder so. Deine Absicht ist lieb. Das ist schon mehr als genug. Lass dich von mir nicht stressen, meine Liebe.

Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, du nimmst an, ich wisse mehr, als ich wirklich weiss. Und ich vermute, gewisse Dinge hast du mir nur in Gedanken erzählt und nicht in Wirklichkeit. Im letzten Chat gab es für mich ein paar neue Erkenntnisse, so dass ich sagen konnte: Ach, so ist das! Ich glaube, ich verstehe dich seither ein bisschen besser. Andererseits vergesse ich Dinge auch wieder, die du gesagt hat, weil sie vielleicht im Moment nicht sosehr im Zentrum meiner Aufmerksamkeit gelegen haben. Es gab einige Dinge, von denen ich sagen musste, du hast mir sie anfangs deutlich und klar gesagt. Ich weiss jetzt, dass du sehr korrekt bist mit deinen Informationen. Das wusste ich anfnangs nicht so genau.

Weißt du, ich möchte auf keinen Fall, dass du eine Verpflichtung fühlst, meine Mails Schritt für Schritt durchzulesen, um dann einzelne Punkte zu behandeln. Das ist anstrengend. Es ist leichter, und für dich wohl auch schöner, einfach zu erzählen, was du im Moment gerade erzählen möchtest, was für DICH wichtig ist, was Dich beschäftigt. Gelegentlich habe ich den Eindruck, du nimmst sehr viel Rücksicht auf mich und meine Mails. Das ist schön für mich. Es ist aber anstrengend für Dich. Du folgst meinen Gedanken und hast den Eindruck, du müsstest dazu etwas sagen. Ich sehe dich vor mir, wie du liest, dann schreibst, wieder liest und wieder schreibst. Ich habe dann den Eindruck, ich spüre, wie du arbeitest. Und ich möchte nicht, dass du für mich arbeitest, ich möchte, dass wir uns vergnügen. Schreib einfach so wie du von der Party erzählt hast, oder von deinem Arbeitstag. Das finde ich wunderbar und witzig und sehr charmant. Du bist eine exzellente Erzählerin und wenn ich sowas lese, fühle ich mich zu dir wie ein Bruder zu seiner Schwester, dh. eine schöne grosse Gemeinsamkeit, die man gar nicht selbst herstellen kann, die einfach durch das Glück gegeben ist. Ich bin wirklich sehr begeistert, wenn ich so etwas lese, und es gibt mir das gute Gefühl, dass ich dich in deiner Umgebung wahrnehme, wie du leibst und lebst, würden die Deutschen sagen.

Ach, entschuldige, ich erkläre etwas zuviel. Du weißt längst wie es sein soll.

*

Ach, ich würde dich gerne mal anschauen. Ich habe ein Gefühl, dass du eine kecke und vife Person bist. Und wenn du mich anschaust, wirst du feststellen, dass ich nicht so keck und vif erscheine, wie man aus meinen schriftlichen Texten vermuten würde. Du wirst vielleicht nicht enttäuscht, aber erstaunt sein, dass ich ziemlich ruhig bin, dass ich nicht allzu rasch rede, dass ich manchmal nur halb so witzig und geistreich bin, als wie man es sich wünschte. Doch es gibt Momente, vielleicht in guter Gesellschaft, wo ich merke, dass es bestens läuft.

*

Manchmal muss ich auch gewisse Sätze wieder löschen, wie du das offensichtlich auch machst. Es kommt bei mir nicht zu häufig vor, aber manchmal kommt es vor. Und es erregt bei dir vielleicht die Neugier, was es denn wohl gewesen wäre.

Ich sag es dir vielleicht einmal, ich würde es dir lieber sagen als schreiben. Schreiben ist eine heikle Angelegenheit.

Aber ich küsse dich von Herzen, meine Liebe. Ich wünsche dir eine glückliche Zeit.

G+K+H

...

Dienstag, 18. Juni 2019

Buona notte ...


den 16 maj  00:24
Buona notte ...


Lieber ...,

Es ist schon wieder spät geworden - wann wird es das nicht bei mir? Ich habe eine CD mit Schubert aufgelegt und so fühle ich mich noch näher bei dir.
Hoffentlich warst du nicht zu sehr enttäuscht von der CD mit Vaya con Dios. Ich höre sie gern, aber nur wenn meine Stimmung dazu passt. Es steht ein wenig über die Gruppe in dem kleinen Folder in der CD und da kannst du sicher auch die Namen der Musiker sehen.
Ach, du machst mir immer so viele Komplimente dass ich am Ende ganz sicher bin dass du einmal sehr enttäuscht wärest, denn niemand kann so perfekt sein wie du mich machen willst :-)
Es ist bald elf Uhr und es beginnt ein wenig zu dämmern. Man merkt wie die Tage immer länger werden. Im Fernsehen zeigt man jede Woche wann die Sonne auf- und untergeht in den verschiedenen Teilen von Schweden und letzt (ich glaube es war am Samstag) sah man dass die Sonne schon jetzt eine halbe Stunde länger aufbleibt oben in Luleå im Verhältnis zu hier.
Es ist schade dass wir gerade zu dieser schönen Jahreszeit so wenig Zeit haben die Natur zu geniessen. Im Moment blüht überall der Flieder. Da erinnern wir uns immer an den Schuster der um diese Jahreszeit ein Schild an seine Tür hängte mit den Worten: "Geschlossen zwischen Traubenkirsche und Flieder". Manche Jahre bekommt er nicht viel Urlaub :-)
*
Wie schön du mir von dem Abend bei euch erzählt hast. Es freut mich so sehr wenn du das tust denn auf diese Weise lebe ich fast doppelt. Ich habe wirklich manchmal den Eindruck dass ich zwei parallele Leben lebe. Und so kann man wohl sagen dass ich nicht die kurze Zeit vergeude die uns gegeben ist. Manchmal kommen mir auch Bedenken dabei. Denn wenn ich nun schon unfreiwillig gegen den § 5 verstosse so möchte ich wenigstens verhindern dass ich es auch gegen die übrigen tue. Manchmal denke ich wie schön sicher es doch war in diesem Gefängnisturm...und nun sind wir ausgebrochen und stehen auf dem minierten Feld und ich weiss nicht wohin ich treten soll...
*
Es war ein sehr schönes Fest am Freitag Abend. Åke hielt es bei sich zu Hause und er hatte ein wunderbares Mittagessen für 30 Personen gekocht. Ich wurde vor dem Haus abgeholt damit ich ja nicht auf die Idee kommen sollte mein Auto zu nehmen und so konnte ich auch den "välkomstdrink" und später auch den guten Rotwein geniessen. Die Stimmung war zeitweise sehr hoch und wir lachten dass sich fast das Dach erhob. Man konnte sich setzen wie man wollte und zum Glück kam ich an einen Tisch mit lustigen Leuten mit denen man sich leicht unterhalten konnte. Neben mir links sass ein seit einigen Jahren pensionierter Kollege. Einer von dieser seltenen Sorte die noch eine gediegene klassischen Bildung besitzen und ausserdem sehr spirituell ist.. Er ist auch sehr vermögen und sehr geizig (eine nicht ungewöhnliche Kombination) :-) Er erzählte dass er jetzt eine Anstellung als Kirchenältester hätte worauf ich sagte: "Da stiehlst du sicher aus der Kollekte". Nein, nein, meinte er. Ich werde dir sagen was ich mache. Ich lege das ganze Geld auf ein Tablett gehe hinaus, schau zum Himmel hinauf und sage "Herr nimm was du davon haben willst und ich nehme was übrig bleibt" Dann zeigte er wie er das Geld in die Luft wirft. Nun muss man ihn vor sich sehen können um richtig zu verstehen wie lustig das aussah. Er stammt von Wallonen und hat grosse braune Augen die dann vor Unfug leuchten. Ich wollte dir auch von anderen Leuten erzählen, aber das habe ich schon in Gedanken getan und ich möchte mich nicht wiederholen ;-)

Åke hat auch eine schöne Rede an mich und meinen anderen Kollegen (dessen Geburtstag wir eigentlich feierten) gehalten. Er sprach von Dingen die ich fast vergessen hatte und ich fühlte mich sehr geehrt. Ausserdem hat er ein paar schöne Lieder zur Gitarre vorgetragen. Das junge kanadische Mädchen in unserem Arbeitszimmer hatte grosse Torten gebacken zum Kaffee nachher und wir bekamen Blumen und Geschenke. Ach, es war ein schöner Abend. Man sollte öfters feiern nur leider fehlt uns besonders in den letzten Wochen des Schuljahres eben die Zeit dazu. Hier hört der Unterricht am 9 Juni auf. Danach haben wir noch eine Woche Konferenzen vor den Sommerferien. Und dann kommt eine harte Zeit für Mausfreunde. Ach, chéri, wie soll ich das nur aushalten, so lange von dir entfernt zu sein.

Du hast recht, ich fühle mich irgendwie sehr verwandt mit dir. Unsere Jugend mit einer neuen Mutter als wir Kinder waren aber auch später im Leben. Du darfst nicht glauben dass deine Worte nicht zu mir dringen.. Und mit jedem
Mail bindest du mich fester an dich. Du vergisst doch nicht "on devient responsable de ce qu'on apprivoise".

(---)

Ich habe noch viele Fragen von dir zu beantworten. Ich werde es nach und nach tun. Hab Geduld mit mir, bitte. Bald habe ich weniger Stress im Beruf und dann werde ich die nötige Ruhe haben ausführlicher zu schreiben.
Jetzt muss ich dich verlassen für heute (schon Morgen?).
Ich wünsche dir einen angenehmen Tag
In Sehnsucht und Maladi
Marlena


Montag, 17. Juni 2019

Re: Vaya con dios



den 15 maj  18:17
Re: Vaya con dios


Ich weiss, mein Schatz Du wartest auf ein Mail von mir und ich werde dir ziemlich bald eins senden. Bin erst jetzt mit der "arbeitsplatzverlegten" (schöner Ausdruck ;-) Arbeit fertig und jetzt gibt es noch eine Menge zu tun, Arbeit die ich zu Hause leichter tun kann weil ich erstens einen eigenen PC disponiere, zweitens ungestört arbeiten kann und drittens ab und zu mir in der Küche etwas holen kann :-)

Heute Nacht war ich wieder wach so von drei Uhr an. Ich schrieb dir in Gedanken und fand unzählige wichtige Dinge, die ich dir mitteilen wollte und Formulierungen, die sogar mir gefielen (wo ich doch meistens nicht besonders zufrieden bin da ich nicht die perfekten Worte finde) und nun da ich dies alles brauchen würde ist es wie weggeblasen. Vielleicht bin ich auch so am Ende eines Schultages etwas zu müde.. und jetzt noch dazu hungrig :-)

Ich werde mich also ein wenig ausruhen, das Essen vorbereiten und dann komme ich zurück zu dir. Es ist der schönste Augenblick des Tages: wenn ich ein neues Mail von dir lese und wenn ich dir selbst schreiben kann.

Ich liebe dich,  ,,,
ich maladiere und sehnsuche dich,
ich umarme dich und küsse dich...
und weiss Gott was noch alles.

Ist dies die Strafe weil ich gegen die §§§ vestossen habe?
Deine Marlena



Piano piano ...



Subject: Piano piano mio amore, nur kein Stress
Date: Mon, 15 May 16:46

Meine Marlena

Immer noch höre ich mich in deine Musik hinein. Da und dort kommt sie mir sehr bekannt vor. Ich weiss nicht, wo ich sie schon gehört habe. So bist du ein bisschen in meiner Nähe. Und das ist sehr angenehm und tröstlich.

Ich danke dir für deine Mails. Ich glaube, ich bin etwas geduldiger geworden und kann verstehen, dass es für dich nicht immer leicht ist, an den PC heranzukommen. Ich will wirklich nicht, dass du wegen mir in Stress gerätst. Das ist überflüssig und für niemanden gut.

Im Moment beschäftigt mich die Tatsache, dass du mir immer wieder so lieb und wortlos deine Nähe zeigst. Ich meine, es ist nicht wortlos, aber du versicherst mir deine Nähe, und du sagst, es kommt dir gar kein anderer Gedanke. Es ist wunderschön, Marlena, deine Nähe zu fühlen. Es ist eine schöne und tiefe Nähe, wie die, wenn man gemeinsam im Gras liegt und in die Wolken schaut. Dazu braucht es keine Worte. Jedes Wort wäre zuviel. Höchstens Rilke vielleicht:

Der Liebe Landschaft

....immer wieder gehen wir zu zweien hinaus

unter die alten Bäume, lagern uns immer wieder

zwischen die Blumen, gegenüber dem Himmel.


Zu anfang habe ich deine Wortlosigkeit anders interpretiert. Ich glaube, heute verstehe ich dich besser und ich merke, dass du mir damit etwas sagen willst, für das es vielleicht in unserem Leben keine Worte gibt. Und das ist es möglicherweise, was dich schmerzt. Dass du etwas fühlst, wofür es keine Worte gibt. Und die einzige Möglichkeit, mir das zu sagen, sind Mails. Und Mails brauchen nun in Gottes Namen Worte. Also sind es immer die falschen, oder solche, die nicht genügen? Vielleicht ist es das, was weh tut. Ich stelle mir das vor wie ein grosser Durst, und man hat das Gefühl, kein Wasser auf dieser Welt kann ihn je wieder stillen. Jedes Glas, das man bekommt, ist zu wenig und die ganze Welt sieht nach ewigem Dürsten aus.

Ach siehst du, Marlena, ich mache mir ein bisschen Sorgen um dich. Aber ich weiss, dass du daneben dein fröhliches Leben hast mit deinen Arbeitskollegen und der Schule und Anna und all den Freuden, die das Leben bietet.

(---)



Sonntag, 16. Juni 2019

Vaya con dios ...



Subject: Vaya con dios
Date: Mon, 15 May  13:34


Liebe Marlena

Immer am Montag Mittag haben wir unser Kiwanis-Essen. Wir treffen uns um 12h und um 13h beginnt der Vortrag. Heute hat ein Arzt und Chef einer grossen Kette von medizinischen Laboratorien gesprochen. Er ist der Schwager eines unserer Kollegen. Es war ganz interessant, doch er hat auch ziemlich geblufft, würde ich mal behaupten. Wenn man erfolgreich ist, ist bluffen natürlich etwas eher erlaubt als wenn man keinen Erfolg hat. Offenbar war es ihm erlaubt.

Das Menue will ich dir nicht erzählen, aber es war nicht schlecht. Zum Schluss gibt es einen schwarzen Kaffee und einige zupfen ihre Zigarre aus der Vestentasche. Aber es werden immer weniger, die rauchen. Je älter sie werden, desto häufiger enthalten sie sich dieses schönen Vergnügens. Ich habe mich auf das Glas Dôle konzentriert, dh. anstelle des Rauchens.

Diese Kiwanis-Essen finden überigens in einem Hotel in Basel statt, welches zur Radisson SAS Gruppe gehört. Ich bin also wenigstens einmal pro Woche in Skandinavien zuhause. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn kein Schwedisch gesprochen wird und auch keine spezielle nordische Nahrung auf den Tisch kommt. Aber vielleicht wird es mal Schwedische Wochen geben, und dann werde ich doppelt einbacken.

Aber vor dem Essen, und das wollte ich dir eigentlich erzählen, hatte ich ein paar Minuten Zeit, um in einen Musikladen zu eilen. Ich habe sie gefunden: Vaya con dios. Und jetzt, im Moment, sitze ich im Büro, leicht verschwitzt vom vollen Magen und der Mittagssonne und höre dein Don't break my heart .. Ich stelle mir vor, dass du das mit deiner Lis Assia Stimme singst. Was mich daran berührt hat, ist das Schmerzvolle, das sticht ein bisschen ins Herz. Sind es nicht Schmerzschreie, auf einem lyrischen Hintergrund? Das irritiert mich ein bisschen, weil ich den Song sosehr mit dir in Verbindung bringe. Aber darin ist auch viel vitalität. Das versöhnt mich wieder ein bisschen. Doch am meisten erstaunt an dieser CD hat mich das Cover-Bild, diese Frau, wie du mir gesagt hat. Ich nehme mal an, sie sei die Lead-Sängerin. Weißt du wie sie heisst? Sie hat im Wesentlichen denselben Blick, den du auf deinem Foto hast, auf beiden Bildern, die ich von dir habe. Auf dem dritten sieht man deine Augen ja nicht. Es ist dieser Bilick in die Weite, der so etwas wie Sehnsucht ausdrückt. Marlena, diese Augen sind mir auf deinen Bildern rasch aufgefallen und als ich diese CD in den Händen hatte, war das wie eine plötzliche Bestätigung. Ach, Marlena, deine Sehnsucht muss wirklich sehr gross sein. Ich will jetzt nicht sagen, die Sehnsucht nach mir, aber doch die Sehnsucht nach etwas, was du tief vermisst. Es ist dieser Gedanke, der mich im Moment bedrängt. Und ich frage mich, wie ich etwas davon stillen könnte. Ich bin natürlich froh, dass diese Musik insgesamt eher eine optimistische Note hat, mit viel Kraft und - wie gesagt - Vitalität. Sonst könnte ich geradezu Angst um dich bekommen.

*

Schön dass du deinen Muttertag noch vor dir hast. Ich habe angenommen, das sei in ganz Europa derselbe Tag. Doch das wäre vielleicht für die holländischen Blumenhändler ein bisschen anstrengend. Besser, die Nachfrage über 14 Tage oder drei Wochen zu verteilen.


(---)


Und du, wie läuft es bei Dir, meine liebe Marlena. Ich bin wieder etwas gespannt, von dir zu hören, nach dem Wochenende. Geht alles gut?

Ich küsse dich innigst

...

Mittwoch, 12. Juni 2019

Ist es ein Wunder oder ...



Subject: Ein bisschen verspätet ...
Date: Tue, 16 May 08:33


Liebe Marlena
Heute habe ich mich sosehr verschlafen, dass ich erst um 730 im Büro war. Das reicht nun vielleicht nicht, für deinen Morgenkaffee? Denn ich brauchte noch Zeit, um dein wunderbares Mail zu lesen. Das ist wirklich sehr schön, und das einzige, was mich daran beunruhigt, ist die Tatsache, dass du bis nach Mitternacht daran geschrieben hast. Ich sorge mich ein bisschen um deinen Schlaf. Aber ich erlaube mir doch wieder so viel Egoismus, dass ich glücklich bin über dein Mail.

Du brauchst auch lustige Bilder, wenn du schreibst. Das gefällt mir gut. Du erzählst, dass ihr bei deinem Fest gelacht habt, dass sich das Dach hob. Das kann man sich gut vorstellen, wie sich der ganze Dachstuhl hebt und senkt, wann immer eine Welle losgeht, wie ein grosser Organismus, der atmet. Es ist ein bisschen das Bild meiner Zeichnung für die Gartenpartie. Sie allerdings war ein Schrebergärtchen. Es ist schade, dass du deine Handtasche geschlossen hattest beim Fest. Ich hätte dich gerne vergnügt und ausgelassen und lustig und schlagfertig und witzig gesehen. Und dass du das alles auch sein kannst, das spüre ich zwischen den Zeilen da und dort. Und ich bin ein bisschen stolz darüber, dass meine Freundin das auch ist, neben ihren tiefen Gefühlen und der Affinität zum Lyrischen, wie man es bei Rilke oder bei Verlaine antrifft. Ach weißt du Marlena, ich weiss schon, dass ich dich ein bisschen idealisiere. Ich brauche das auch, um schreiben zu können, um ein bisschen schöner zu schreiben als einfach normale Tagesprotokolle. Diese Verschönerung ist einerseits eben das Künstliche, der Anfang der Kunst, und andererseits ist es so etwas wie ein Stimulans, ein Joint kann man sagen. Alle Verliebten machen ihre Geliebte perfekt. Das gehört nun mal dazu. Wenn es sehr stark ist, dann sprechen sie vielleicht weniger über ihre Geliebte als vielmehr über ihre eigenen Gefühle. Ich halte nicht viel von Objektivität. Das habe ich bei uns zu Hause genug gehabt und es bringt nicht viele Vorteile. On ne voit bien qu'avec le coeur. Ach, Marlena, ich weiss, du bist eine Studienrätin, und ich weiss, wie Studienrätinnen im allgemeinen sind. Es gibt da natürlich auch ziemliche Unterschiede! Doch, ich bin nicht mehr der jüngste und kenne die Menschen. Ich glaube, ich kenne sie wirklich. Ich habe schon viel Unglück gesehen und mir angehört. Ich weiss wie Menschen ungerecht und hart und feige und falsch sein können. Stell dir vor, ich hatte eine Zeit, da habe ich ...
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Aber eins möchte ich dir sagen, meine Liebe Marlena. Geniesse es, wenn ich dich ein bisschen perfekt mache. Du darfst nicht zu bescheiden sein. Ich weiss sehr wohl, dass man da nicht in Zentimetern nachmessen soll. Wenn du nur wüsstest, wie unvollkommen ich bin, welche unangenehmen und linkischen Seiten ich habe, du würdest dir gar keine Gedanken machen. Natürlich verstehe ich deine Reaktion, dass du dich manchmal fast distanzieren möchtest von dem, was und wie ich sage. Nimm es einfach als meine Begeisterung und lass mir die Freude.

Die Angst vor der Enttäuschung verstehe ich nun allerdings sehr gut. Weißt du, auch wenn ich das vielleicht nicht tun sollte, ich denke oft an Rom und wie es sein könnte. Und ich mache mir Gedanken, wie du mich anschauen würdest, ob DU nicht enttäuscht sein würdest, weil ich zu alt bin, weil meine Haare schon ziemlich weiss sind, weil ich vielleicht zuwenig Haare auf der Brust hätte ;-) .. oder weiss Gott was. Ich habe bemerkt, dass ich mich im Spiegel wieder anschaue, wie ich das seit langer Zeit nicht mehr getan habe, und dass ich auf die Waage stehe, um meine Tonnage zu beurteilen, obwohl mich das seit langer Zeit nicht mehr interessiert hatte. Wenn man zusammen ist, genügt es nicht, schöne Worte zu machen. Da kommen noch ein paar andere Faktoren ins Spiel, und die physische Präsenz ist nicht unwichtig.

Ist es ein Wunder oder ist es Glück, dass wir uns getroffen haben. Ach, wer kann das beurteilen. Ich kann das gut als Wunder anschauen. Aber wenn ich es mir genauer überlege, dann sehe ich es eher als Glück. Es gibt doch auch Menschen, die behaupten, es gebe keine Zufälle. Und wahrscheinlich gibt es weniger Zufälle, als wir zu denken bereit sind. Ich glaube, wenn sich zwei Menschen mehr als durchschnittlich kennenlernen und schätzen lernen, dann ist eine Seelenverwandtschft mit im Spiel. Es gibt doch auch viele Kontakte, die gibt man rasch wieder auf, weil man ahnt, dass sie zu nichts führen. Man plaudert mit jemandem, es ist nicht unngenehm, aber es ist nichts da, was einem faszinieren könnte, es gibt keine Bindung. Es ist alltäglich. Und dann gibt es andere Menschen, die etwas an sich haben, was funkt. Ich kenne hier in B eine ... . Sie ist vielleicht jetzt um die 10 Jahre hier, und ich habe sie 3 oder 4 mal gesehen. Sie hat eine noble Art und sie hat etwas im Gesicht, was mich einfach mehr als sonst anspricht. Ich habe keine Ahnung, was es ist. Sie ist nicht einmal besonders hübsch. Man fühlt sich in der Gesellschaft solcher Menschen schneller zuhause, wollen wir es mal so sagen. Man findet leichter heim. Ich glaube wirklich, dass man immer wieder auf seine erste Liebe zurückkommt. Das ist Platonisch gedacht: jedes Erkennen ist Wiedererkennen. In jeder Liebe erkennt man die alte, die erste, die grosse Liebe. Das ist sozusagen eine Theorie der Wiedergeburt innerhalb des Lebens. Sehr platonisch, wirklich.

Weil du nach der platonischen Liebe gefragt hast, will ich einmal nachlesen, was man zum "Platonischen" sagen kann. Meine Antwort im Chat war vielleicht für dich etwas unbefriedigend. Aber ich fand es charmant, wie du gefragt hast, und der Gedanke, dass dieser Begriff der platonischen Liebe oder der platonischen Zärtlichkeiten (das hast du mal von mir zitiert, ich erinnere mich) für dich immer etwas rätselhaft gewesen sein muss, hat mich - nun ja - irgendwie sehr zärtlich gestimmt. Es ist im übrigen auch für mich ein bisschen ein Zauber- Begriff. Aber wenn ich nachlese, werden wir vielleicht ein paar rätselhafte Aspekte lösen können.
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Ich finde unsere Geschichte märchenhaft. Wir haben zwar unsere §§§§, aber kein Mensch schert sich mehr darum. Schau mal, wie sich das alles entwickelt hat. Du hast immer wieder gewarnt, wir lebten gefährlich. Ich habe gesagt, ich will dich gewinnen. Ich habe gesagt, binde dich am Schiffsmast fest und verstopfe dir die Ohren. Wir haben uns weiss Gott gewarnt. Es ist wie in einem Märchen. Man spürt, wie das Schicksal gleich zuschlägt, jeder weiss es, noch das kleinste Kind merkt es, aber das Rotkäppchen geht trotzdem durch den Wald, geht trotzdem vom Weg ab, spricht trotzdem mit dem Wolf. Alle Alarmsirenen gehen los, aber das Rotkäppchen hört nichts und sieht nichts. Ach, wie ist das märchenhaft schön. Entgegen allen Warnungen ins Glück zu laufen, gibt es denn etwas Schöneres? Vor allem, wenn man selbst warnt. Man warnt ja dann mit grosser Nachsicht und drückt ein Auge zu (das meint, man lässt 5 gerade sein), vielleicht beide Augen zu.

Es ist ein Wunder oder ein Glück. Aber wenn ich sehe, wieviele Gemeinsamkeiten wir haben, dann kann es auch nicht nur Zufall sein. Da ist ein bisschen System dahinter, Marlena, das kannst du mir glauben. Ich habe das schon damals gedacht, als du etwa im 2. oder 3. Mail gesagt hast, Rilke sei dein Favorit der deutschen Dichter. Das konnte kein Zufall sein. Das nun wirklich nicht.

*
Lass uns unser Wunder pflegen und hüten und Sorge tragen darum. Und lass uns möglichst wenig leiden. Suche einen Weg, damit dich die Distanz nicht "beinahe krank macht", Marlena. Und wenn ich dir irgendwie dabei helfen kann, lass es mich wissen. Es klingt vielleicht ein bisschen absurd, aber du bist gefühlsmässig die wichtigste Person in meinem Leben geworden. Und ich weiss, dass das etwas absurd ist. Und jeder Psychologe würde mir auf die Schulter klopfen und mir den Rat geben, auf den Boden zurückzukehren. Ach, es ist so schön, verrückt zu sein.

Ich küsse dich, meine Liebste, bis zum nächsten Mail.

Ich will nachsehen, was ich beim Brief an Camus ausgelassen habe. Aber jetzt muss ich unbedingt an die Arbeit.

K+G+H

Donnerstag, 6. Juni 2019

Nationalfeiertag in Schweden

(R)


  am 6. Juni 2017



und damals:


date 6 June 2005 06:31
subject Merci


Lieber ...,
Heute feiern wir unseren Nationaltag, zum ersten Mal
als roten Tag im Kalender. Anstatt den Pfingstmontag
haben wir nun den 6. Juni als offiziellen Feiertag. 






Mittwoch, 5. Juni 2019

Re: tired and furious


Subject: Re: tired and furious
Date: Wed, 27 Sep  16:29

Liebe Marlena
Du bist sehr süss, wenn Du aus Dir herauskommst und mit schwerem Material argumentierst und die Dinge ins rechte Licht rückst. Zuckersüss. Ich würde Dich in so einem Moment wirklich sehr gerne umarmen und Dich eine zeitlang halten.
Weißt Du, ich weiss auch nicht so genau, wann ein Mail für mich substanziell ist und wann nicht. Vielleicht solltest Du Dich darum auch nicht zu sehr nach mir richten. Ich lasse mich sehr gerne überraschen. Und man kann nicht jeden Tag gleich, manchmal hat man sehr wenig Zeit und der Kopf voller anderer Dinge.
(---)
Tut mir leid, Marlena, gestern war ich um 1800h schon zuhause, und um 2230h im Bett. Kannst Du Dir vielleicht schwer vorstellen, ist aber so. Ich bin sehr unregelmässig im Alltag, muss ich zugeben. Ich mache gute Vorsätze, nehme mir vor, um 2200 schlafen zu gehen, und vielleicht morgen früh etwas lesen. Und nach ein paar Tagen bin ich schon wieder weg von diesem Plan. Gestern abend also hatte ich einen Rückfall in diesen Plan. Und heute morgen bin ich ziemlich ausgeschlafen. Ich höre im Moment gerade Kirchenmusik, Ave Maria, kannst Du dir das vorstellen? Ist sehr feierlich für morgens um 7 Uhr. Aber ich mag das. Es ist ruhig und schwerwiegend, irgendwie feierlich.
*
Ja, Du hast wirklich ein feines Sprachgefühl, Marlena. Ich glaube zu verstehen, wenn Du "meine Liebe" einerseits mit ma chère und ma chérie übersetzt. Aber ich glaube, bei ma chère lassen sich noch zwei Varianten heraushören. Es gibt für mich eine "umarmende" und eine "abstossende" Nuance. Und Du kannst Dir vorstellen, dass ich nicht die letztere in meine Worte hineinpacke. Ich glaube, Du meintest eher die letztere, als Du sagtest, das bedeute dann was ganz anderes. Und Du hast Recht, man hört sie oft. Aber ich habe sie nicht gemeint, nie.
*
Und dass ich zwei Mal verletzten mit tzt schreibe, kann ich meinen Fingern kaum verzeihen.
*
Schade, dass Dein substanzielles Mail in den Abwässern des Internet verloren gegangen ist. Tired und furious ist ein fantastischer Titel, könnte ich mir jede Menge spannender Gedanken darunter vorstellen. Es ist vor allem auch schade, weil Du sprachlich so sorgfältig arbeitest, Marlena. Sicherlich hast Du einige Zeit darauf verwendet, und dann, alles in der cloaxa maxima gelandet. Unerhört!
*
Jetzt muss ich an die Arbeit. Heute haben wir den ganzen Nachmittag einen EDV Kurs. Wir werden auf NT umgeschult, weil sie ja bald auch die PCs in den Büros wechseln werden. Im Moment haben wir noch Mac, was ich eigentlich sehr schätze, denn es gibt gute graphische Programme, die ich über alles liebe. Und dann werden wir vernetzt und wir können uns hier fühlen wie in big brother oder in einem science fiction Streifen. Es ist schon fast menschenunwürdig. Aber das ist ja wohl ein anderes Thema.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag, ma chérie.

Und jetzt bin ich erst aus dem Kurs zurück. Ich hatte keine Zeit, Dir das vorher zu schicken. Ich freue mich, dass sich unsere Mausfreundschaft wieder ein bisschen erwärmt. Das heisst, sie tut es ja nicht selbst, wir sind gefragt. Aber es ist wie Du auch gesagt hast, Du bist mir ans Herz gewachsen. So sagt sich das in Deutsch. "Ans Herz gewachsen".

Mit lieben Küssen
...


Dienstag, 4. Juni 2019

Müde, aber zufrieden .. :-)


Ämne: Müde, aber zufrieden.. :-)
Datum: den 26 september 22:28


Ach Schatz, ich hab dir ein langes Mail geschrieben, eines mit Substanz sogar, und nun hab ich was falsch gemacht und alles ist weg. Nichteinmal Anna kann mir helfen es zurückzubekommen. Nur noch die kleine Überschrift ist mir geblieben aber sie passt nicht mehr. Nun heisst es "tired and furious".
OK Vielleicht sollte es nicht sein. Aber schade ...

Ich umarme dich noch bevor ich zu Bett gehe
Bis Morgen, chéri
Marlena


Montag, 3. Juni 2019

Ok ok



Subject: Ok ok
Date: Tue, 26 Sep 15:08

Liebe Marlena
Ach es ist schön, von Dir ein solch substanzielles Mail zu bekommen. Das passiert nicht so oft, meine Liebe.
Nun ja, Du machst gelegentlich auch Andeutungen, die nicht ganz klar sind. Aber es ist gut so. Ich habe es sehr genossen und hungrig gelesen.

(---)

Es ist gut, dass Du Dich selbstbewusst fühlst. Ich hatte einfach im Zusammenhang mit unserer Zürcher Geschichte den Eindruck, dass Du unsicher reagiert hast. Jedenfalls hast Du dich so ausgedrückt. Aber ich weiss auch, dass Du viele Seiten hast. Vielleicht hast Du sichere und unsichere, wie viele Menschen und wie ich ja auch.
Auf jeden Fall hast Du gesagt, du wolltest mich nicht in Zürich treffen, weil wir so etwas alleine machen sollten. Und für Rom denkst Du jetzt an eine Expedition von vier Personen. Aber soviel verstehe ich, dass Du irgendwie nach Möglichkeiten suchst. Und das ist doch schon etwas.
*
Ich habe den Eindruck, in Sachen Begabungsförderung und Renzulli hast Du deine Meinung geändert. Ich kann mich noch sehr an Deine erste Reaktion erinnern. Da sagtest Du, man muss den schwächeren Schülern helfen, die anderen kämen ganz allein voran. Irre ich mich da. Schön bei Renzulli ist, dass er nicht nur an die Hochbegabten denkt. Er will viele Begabungen fördern und er macht immer die Bemerkung "ohne Elitebildung". Das ist sehr clever. Denn auch die Schweizer sind sehr skeptisch gegen Eliten.
*
Ich bin gut zu Dir, meine Liebste. Es wäre sicherlich viel besser, über einige Dinge reden zu können und nicht schreiben zu müssen. Aber das ist nun mal nicht zu ändern. Und ich bin auch nicht böse wegen der Anrede mit R. Es ist mir einfach aufgefallen, dass Du gerade in einem solchen Moment so schreibst. Ich fände es echt komisch und etwas verletztend, Dich mit Liebe M. anzusprechen. Aber von Dir fand ich es nicht verletztend, denn ich kenne Dich nun ja. Ich sah darin eher einen Rückzug Deinerseits ins Schneckenloch, wie ich sagte.
*
Ach Marlena, wollen wir unsere Liebe nicht zu kompliziert machen! Ich habe sehr viel Zeit und Vertrauen und auch Gefühle für Dich investiert. Und Du hast es auch. Und ich möchte, dass es so weitergeht.
Ich umarme Dich, meine liebe Marlena
...
R. (sozusagen)


Ämne: Re: ok ok
Datum: den 26 september 17:44

Lieber ...,

Noch ein paar Zeilen bevor du nach Hause gehst. Ich habe mich sehr über deine schnelle Antwort gefreut. War mein Mail wirklich substanziell? Manchmal weiss ich nicht richtig was du meinst wenn du sagst dass meine mails mager oder subst. sind. Ich will mich gern bessern :-

(---)

Was die Schule betrifft. Ich glaube kein Land in der Welt hat einen so grossen Anteil der Jugend auf dem Gymnasium (=Oberstufe) wie wir, und auch nicht auf den theoretischen Linien des Gymnasiums. So kann man eigentlich keine Vergleiche ziehen mit eurem Land. Natürlich kümmern wir uns sehr um die Schüler die am meisten Hilfe brauchen. Und versäumen dabei ein wenig die Begabten. Dass wir Jahr für Jahr leichtere Bücher verwenden und in diesen weniger schaffen als vorher ist kein gutes Zeichen.
Viele hier (ich meine Politiker und andere öffentliche Personen) meinen dass sich die schwedische Schule in einer sehr tiefen Krise befindet. Aber eigentlich braucht man nur ein paar Studienbesuche in Klassen im Ausland zu machen um zu sehen dass wir doch ziemlich stolz sein können.
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Was Rom betrifft. Ich werde kaum allein dahin fahren können. So interessiert an meiner Religion hat mich K noch nicht gesehen dass ich es damit begründen könnte. Und wenn nun schon Anna mit muss dann wäre es doch gut wenn sie jemanden dort hätte mit dem sie was unternehmen kann damit ich dich "allein" treffen kann. Ich werde also nicht in einem Doppelzimmer mit dir wohnen können, was vielleicht auch schön wäre ;-)
Ach, du weisst dass ich nur Spass mache.
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Du darfst mich ruhig liebe M. nennen. Ich weiss wofür M steht und so macht es mir garnichts aus, mein liebster R. Erinnerst du dich an unsere Diskussion über "meine Liebe"? Es kann bedeuten "ma chérie" was ich sehr lieb finde aber es bedeutet auch "ma chère" und das hat einen ganz anderen Klang. Wie soll man in einem Mail wissen können welches der beiden du meinst, mon amour?
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Ich muss wieder an die Arbeit. Am liebsten möchte ich den ganzen Abend nur mit dir verbringen. Warum kannst du nicht eine Weile in den ST kommen? Jetzt bald? Oder kurz nach 18.00? Es wäre schön dich nur kurz begrüssen zu können.
Wenn nicht macht es auch nichts. Wir hören ja sicher bald wieder von einander.
Je t'embrasse
Marlena




Sonntag, 2. Juni 2019

Re: late night show



Subject : Re: late night show
Date : Tue, 26 Sep  15:25

Hallo Schatz,

Endlich habe ich Zeit für meine liebste Beschäftigung, d.h. meinem allerliebsten Mausfreund. ein Mail zu schreiben. Aber weißt du, es wundert mich schon ein wenig, dass du mich mitten in der Nacht im ST vermutest. Denkst du dass ich mich dort nachts mit einem "virtuel lover" herumtreibe, wo ich doch dauernd an Schlafdefizit leide.

Es ist ein schöner Tag. Eigentlich sollte ich noch im Büro sein, denn wir haben 35 Stunden Haft in dem Gebäude. Es ist verrückt! Denn ich mache gewisse Arbeiten viel schneller und effektiver hier zu Hause als dort. Und ausserdem habe ich hier meinen eigenen PC den ich benutzen kann wenn ich ihn gerade brauche.

Gestern war ich eine Weile im Internet und habe mich ein wenig über Renzulli informiert. Ich sehe dass man sehr viel von der Förderung der Hochbegabten spricht. Das wäre hier irgendwie eine Sünde glaube ich, denn hier herrscht immer noch die Auffassung, dass die Lehrer in erster Linie für die "schwach Begabten" da sind. Die anderen kriegen es selbst hin. Persönlich finde ich das ist eine grosse Verschwendung von Begabung und wenn ich jünger wäre würde ich gern mit einem (oder ein paar Kollegen) eine Schule starten für Schüler die ihre Zeit besser ausnützen wollen. Viele Gedanken über neue Methoden sind dieselben wie bei uns. "Don't teach me, let me learn" heisst es." Und natürlich ist dieser Gedanken nicht ganz falsch wenn er nur nicht von vielen schlecht ausgebildeten Lehrern als Alibi benutzt würde. Jedenfalls glaube ich wie du, dass man in sehr jungen Jahren mit diesen neuen Methoden viel erreichen kann. Wenn ich mich erinnere wie hungrig ich nach Wissen war so als 10 Jährige und wie wenig man bekam. Ich glaube auch dass es sehr wichtig ist, dass intelligente Leute unsere Kinder betreuen wenn sie klein sind. Das ist nicht immer der Fall hier bei uns. Diejenigen, die es am schwersten hatten in der Schule haben oft diese Aufgabe in unserer Gesellschaft. Da habe ich Frankreich als Vorbild. Ihre Maternelle bewundere ich und hab sie auch an Ort und Stelle studieren können.
Ach, ich liebe es nicht von solchen Dingen hier im Mail zu sprechen. Das könnten wir in einem Café besser diskutieren, denn natürlich möchte ich deine spontanen Reaktionen hören.
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Ich habe nun einen Dankbrief an unsere Gastgeberin in Bratislava geschrieben. Immer wenn ich eine solche soziale Pflicht erfüllt habe fühle ich mich nachher sehr zufrieden. Denn einer meiner grossen Fehler ist, dass ich mich sehr wenig um Konventionen kümmere was natürlich einen schlechten Eindruck machen kann.
Zur Zeit sind mir Leute böse. Weil ich zu viel gekostet habe (die Konferenz in Slovakien) und weil die Klassenreise meiner eigenen Klasse eingefroren ist. Mein "Mitklassenlehrer" hat anscheinend mich als Ausrede benutzt und gesagt dass ich nicht Lust hätte mitzukommen obwohl ich nur gesagt habe dass ich nicht glaube dass man mir erlaubt nach dieser Reise gleich wieder zu verreisen. Diesmal sollte es mit der Fähre nach Helsinki gehen. Das sind so kleine dumme Sachen, die aber ziemlich irritierend sein können. Weißt du, was ich mir am meisten wünschen würde im Beruf? Dass ich es mit ehrlichen und nicht zu unintelligenten Menschen zu tun hätte. Sorry!
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Ach, Schatz, ich glaube nicht dass mein Selbstbewusstsein gestärkt werden muss. Im Gegenteil glaube ich manchmal es könnte nicht schaden wenn es etwas geringer wäre. Aber siehst du, wenn ich jemanden so gern habe wie dich, und dann merke wie sich plötzlich unser schönes Verhältnis verändert und "den Fluss hinunter fliesst" wie du sagst, dann macht mich das traurig. Denn nichts ist mir im Moment wertvoller als diese "Offenheit" die zwischen uns existiert (hat). Immer noch denke ich dass ich dir alles von mir sagen möchte - wie mein Leben ist, was mich freut und was mich traurig macht. Du als Psychologe, aber vor allem als sehr intelligenter Mensch, würdest verstehen. Es ist schön, zu denken, dass es irgendwo auf der Welt eine solche Person gibt, die mir ganz nahe steht. Und dann wundere ich mich manchmal warum du in gewissen Dingen etwas verschwiegen bist. Z.B warum du mir nicht sagst dass du früher aus dem Iran nach Hause gekommen bist und warum. Nun es spielt ja eigentlich keine Rolle. Erinnerst du dich? Ich hab dich gefragt ob andere Zugang haben zu deinem Harro und du hast gesagt nein, oder?
OK lassen wir es. Es ist wirklich nicht mehr wichtig.
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Am Freitag haben wir wieder ein grosses Geburtstagsfest. Wir feiern einen Kollegen nocheinmal nur um einen Anlass zu haben. Und nächste Woche kommt Besuch aus Deutschland und ich werde meinen "Charme spielen lassen " ;-))
Eigentlich hatte ich grosse Lust am Wochenende in die Preiselbeeren zu gehen, aber K hatte in der Nacht vorher zu viel gefestet und war wohl nicht ganz fit. Es freut mich sehr dass er so viel Spass hat mit seinen Kollegen ich profitiere ja auch davon. :-)
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Liebling, es macht nichts dass du Rom ein wenig ruhen lässt. Es sind noch viele Tage bis zum Sommer und Rom wird immer da stehen. Ich werde mich wenigstens wegen Preisen und so erkundigen. Vielleicht fahre ich mit einer Kollegin (die dieses Jahr nach Sorrento mitfahren sollte) und ihrem Sohn. Dann wird sich auch Anna nicht langweilen und ich kann sie irgendwo "gut aufheben" falls wir uns mal nur zu zweit sehen wollen. So ungefähr habe ich gedacht. Ich glaube es ist eines der meist realistischen Alternativen.
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Du bist mir böse wegen dem R.? Aber du unterschreibst doch selbst manchmal so. Ist das wirklich so schlimm? Im ST können übrigens Leute mitlesen (falls sie wollen) und man muss nicht unbedingt wissen wer dieser Harro eigentlich ist.
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Ich habe einen sehr lieben Brief von diesem alten Brieffreund auf Capri bekommen wo er von seiner grossen Jugendliebe schreibt. Es ist schön und traurig und ich würde es dich gern lesen lassen wenn du es nicht zu indiskret findest von mir. Ihr kennt euch doch nicht und was würde es schon tun. Was meinst du?

Bild: Peppino Ferraro

Ich habe damals in Sorrento nach einer CD mit neapolitanischen Volksliedern gesucht. Wir waren doch an diesem schönen "Musical" wo man sie alle sang. Die ich fand war nicht besonders gut und nun hat Peppino selbst diese Lieder eingespielt (?) und wird mir eine Kassette davon schicken. Ich bin schon sehr neugierig. Kennst du übrigens das schöne Lied "Luna Caprese"? Ich habe es mir von Napster heruntergeladen und höre es öfters an. Es erinnert mich sehr an meine Teenagerzeit, wo mich ein solches Lied früh am Morgen sofort aus dem Bett bringen konnte.

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Nein doch, ich habe eigentlich keine Angst dass du mir davonlaufen wirst. Ich habe nur Angst dass unsere schöne Vertraulichkeit in letzter Zeit gelitten hat und dass wir fleissig reparieren müssen wenn es geht. Bitte Liebling, sei vorsichtig. Einen zerbrochenen Krug kann man gut zusammenkleben aber er tönt nie mehr wie vorher. So ist es vielleicht auch mit der Liebe oder wie wir es nennen sollen. Vielleicht.

Schreib mir ein paar Zeilen noch heute bitte. Auch wenn du schwer beschäftigt bist und müde von deinem ausschweifenden Nachtleben ;-) Ich möchte wissen dass du mir gut bist.
Liebe Grüsse und einen zärtlichen Kuss
(in die Mitte)
Marlena