Dienstag, 30. Januar 2024

Gute Nacht! (oder guten Morgen!)

 

Ämne: Gute Nacht! (oder guten Morgen!)
Datum: den 22 januari  23:58


Lieber ...,
Ja, es ist wunderschön sich manchmal einen ganz faulen Abend zu machen. Garnicht an Arbeit denken und nur den Augenblick geniessen. Das habe ich auch heute getan nach den Elterngesprächen. Es waren nur Mütter, die kamen und sie waren sehr nett und zufrieden mit unseren Gesprächen und mit dem Studiengang ihrer Töchter. Und nachher bin ich hinausgegangen in den kalten Abend und habe mich gewundert, dass mein Auto so ganz ohne Proteste gestartet hat.
Dann habe ich, ich weiss nicht wie, die nächsten Stunden hinter mich gebracht ohne dass ich nun sagen könnte, was ich eigentlich gemacht habe. Eben nur gelebt. "Doing time" heisst ein Ausdruck, aber der gilt wohl nur Kriminellen, die im Gefängnis ihre Strafe absizten. Vielleicht tun wir sowas ähnliches, ohne es zu wissen. ;-)
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Das Gesprächsthema aller Leute gestern und heute war die Kälte. Heute morgen war es 22 grad kalt. Es tut mir leid, dass ihr einen so schlechten Winter habt. Regen und Wind zusammen sind keine gute Kombination.
Ach, wie schön du mir geschrieben hast über Sayyeds und Hadschis. Ich finde du hast in ein paar Zeilen so viel von der Seele der Perser gefangen. Das musst du unbedingt mitnehmen in deinem Vortrag. Es ist geradezu maladi-erzeugend. Ich höre die Sirenen wieder.

Du sprichst über Genderfragen und dabei denke ich an etwas, was ich neulich im Radio gehört habe (in einem serösen Programm). Leider habe ich nicht gehört auf was es sich genau bezieht, aber man sagte, dass Männer und Frauen sehr verschieden sind und dass ein Mann sogar mehr Ähnlichkeit hat mit einem Schimpansen (oder war es Gorilla?), als mit einer Frau. Jetzt muss ich lachen, wenn ich an deine Miene denke.. aber ich frage mich auf welchem Gebiet das sein könnte.

Ach, auf dem schönen Sofa darfst du schlafen? Das tue ich auch manchmal auf meinem Lieblingssofa oben oder auf einem der Sofas unten im Wohnzimmer. Es ist gerade, wenn ich etwas im Fernsehen nicht verpassen will, denn sonst wäre es bequemer gleich ins Bett zu gehen. Und genau wie du, nehme ich mir eine warme Wolldecke drüber. Dann ist es so warm und wohlig, dass man garantiert dabei einschläft. Aber im Sitzen kann ich nicht schlafen. Ich glaube, das ist für Männer reserviert.. obwohl ich mich erinnere, dass M. fast immer einschlief, wenn wir zusammen ins Theater gingen. Ihre Eltern hatten ein Abonnement und sehr gute Plätze ganz vorne in der Mitte. Deshalb hatte ich auch immer etwas Angst, dass die Schauspieler merken würden, wenn sie einnickte und ich versuchte sie zu wecken bevor sie anfing zu schnarchen. Sowas könnte die Schauspieler wirklich aus dem Konzept bringen. Und damals waren wir doch noch jung.. so um die 30 glaube ich.
Jetzt ist sie mit einem unmöglichen Mann zusammen, der ihr das Leben sauer macht.. vielleicht auch süss.  .
*
Wenn du von Schneeschleuder sprichst, so erinnere ich mich an einen anderen Kollegen. Er war auf den praktischen Linien angestellt. Weiss nicht mehr genau welche und er war ein typischer Finnländer. Eigentlich aus Nordschweden. Aber dort oben sind ja manche mehr Finnen als Schweden. Er hiess Kosti und er war wie ein "grosser Berg von Geborgenheit", wie es ein männlicher Kollege mal ausdrückte. Es gibt Menschen, die eine grosse Integrität haben, die sich vor nichts fürchten und wagen ihre Meinung zu sagen auch wenn es Nachteile haben kann für sie. So war Kosti. Und er war mit einer strengen  Frau verheiratet, die ihn in Schach hielt. Sie war Chefin für die Küche in der Schule und konnte in die Kantine hereinkommen und einen Lehrer ausschimpfen, der sich eine Jacke über den Stuhl gelegt hatte. Jedenfalls war Kosti ein richtiger "kvinnotjusare" (Frauenliebhaber?). Er liebte wirklich Frauen. Er machte ihnen Komplimente und niemand hatte etwas dagegen, weil es eben seine Art war und man glaubte dass er Spass machte. Wenn er mich erblickte, sagte er immer mit einem sehr finnischen Accent "seenes Fräulein" und man lachte darüber und freute sich auch ein wenig. Und einmal, als wir in der Kantine sassen und so richtig in Spass gerieten, fragte er plötzlich, auch wieder mit seinem sehr finnischen Accent "Ska jag komma och skotta hos dig?" Soll ich bei dir Schnee schippen kommen? Und ich sah wie alle nun neugierig auf meine Antwort warteten. Und dann sagte ich "Ja, aber kannst du es tun, bevor mein Mann und ich aufstehen?" Und wieder Gelächter. Und dann ist er plötzlich allzu früh gestorben und wir haben alle um ihn getrauert, sowohl Frauen wie Männer. Aber vor der Schule hat er ein Kunstwerk hinterlassen. Es ist eine Art Obelisk aus Eisen mit Ketten drum und oben ein paar Vögel, die die Freiheit symbolisieren sollen. Das hat er seine Schüler machen lassen. Und wenn man vorbeifährt, wundert man sich immer noch, wie ein so lebendiger Mensch plötzlich nur aufhören kann zu existieren.
Ach, das ist wieder ein langes mail geworden. Ich glaube manchmal du hast nicht allzuviel Geduld für lange mails.
Weisst du, dass ich nun öfters das Bild vor mir sehe, was du mir letzthin geschickt hast. Dort wo du dich mit einem anderen Mann unterhältst. Und erst wenn ich es so vor mir sehe, wird mir richtig bewusst, dass es dich wirklich gibt mit Fleisch und Blut.. (xxxxxxxxxxxxxxx)
Ja, ich muss meine Gedanken zensurieren. :-)
So sage ich dir gute Nacht, mein lieber Mausfreund und wünsche dir alles Gute für morgen.
Mit lieben G's und innigen K's
Malou

Freitag, 26. Januar 2024

Bonjour tristesse




Ämne: Bonjour tristesse
Datum: den 21 januari 08:18


Liebe Malou
Ja, ich habe auch den Eindruck, dass ich ein bisschen in Rückstand gerate mit meinen Mails. Und ich weiss - ehrlich gesagt - noch nicht, wie ich da Problem lösen kann. Es geht auch nicht um die KB im PC, sondern darum, dass sie anfangen, uns zu kontrollieren. Es ist einfach ungeheuer eng geworden in den letzten Jahren. Wenn man mir das vor 20 Jahren vorausgesagt hätte, hätte ich laut heraus gelacht vor schierem Unglauben.

Ich musste schmunzeln über Deinen Schneearbeiter, den Du hast. Das ist wirklich feudal. Und dass Du annimmst, seine Frau schicke ihn, Dir den Hauszugang zu putzen, fand ich gleich nochmals lustig. Wenn Du ihnen jetzt Tulpen bringst, könnte es zum offenen Ehekrieg kommen. Vielleicht weiss sie gar nicht, dass er es tut. Vielleicht tut er es in stiller Sympathie. Und vielleicht hat er jetzt schon Scherereien mit seiner Frau, weil er fremde Plätze putzt, anstatt sich seiner Frau zu widmen. Na ja, könnte doch sein. Aber es spricht für Dich, dass Du die beste aller Möglichkeiten in Betracht ziehst. Und ich habe mir auch schon überlegt, ob ich nicht auch eine kleine Schneeschleuder kaufen sollte, um mich bei den Nachbarinnen einzuschmeicheln. Allein ich habe ein ziemliches Problem dabei. Es ist ein grosses Problem und kaum aus der Welt zu schaffen. Das Problem besteht darin, dass wir keinen Schnee haben.

Wir haben hier nasses und kaltes Wetter. Es hat in den letzten Tagen viel geregnet. Und man könnte denken, es wäre doch kein Luxus, aus all dieser Feuchtigkeit wirklichen und richtigen schönen Pulverschnee zu machen. Aber nein, es tropft vom Himmel wie in den schlimmsten Sommermonaten.

Deine Aussage fand ich prima: Wenn mein Leben ein Film wäre, würde ich einschlafen dabei, oder das Kino verlassen. Sehr gut gesagt. Natürlich gäbe es noch Zwischenlösungen. Man könnte gelangweilt dasitzen und Popcorn mampfen. Man könnte sich auch an die Allerliebste daneben schmiegen, und aus der Vorführung eine kleine private Sensation veranstalten. Und dabei meine ich jetzt nicht bloss, das Popcorn mit Schweizer Schokolade zu ergänzen. Nein, es gibt da noch andere Rezepte.
Hast Du gewusst, dass das Kino ursprünglich ein echtes Unterschichten-Medium gewesen war? Erst nach einiger Zeit wurden die Kinosäle von der Mittelschicht entdeckt und für sich in Anspruch genommen. Und wenn ich mich nicht irre, war in meiner Jugend diese skeptische Meinung gegenüber dem Film latent noch vorhanden. Erst mit der Zeit wurde der Status des Kinos aufgewertet, indem u.a. in den Zeitungen längere Filmrezensionen veröffentlicht wurde, welche die Streifen nobilisierten.
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Ebenso lustig, dass die Tochter die Mutter vor einem Porno warnt. So sehr haben sich die Verhältnisse verdreht. Die Kleinen sind den Grossen voraus. Sie machen sich Sorgen, dass ihre Eltern in dieser furchtbaren Welt Schaden nehmen würden. Sind sie nicht süss, die Kleinen?

Wir haben heute ein Treffen mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Es gibt diverse Überschneidungen bei der Arbeit. Deshalb treffen wir uns gelegentlich. Doch in den letzten Jahren war das nicht mehr passiert. Umso rascher müssen wir es jetzt aufholen. Ich werde in ein paar Worten unseren gegenwärtigen Aufgaben skizzieren. Und dasselbe wird jemand von der Psychiatrie machen. Ich muss mir noch ein paar Dinge überlegen, die ich sagen sollte.

So wünsche ich Dir einen schönen, kalten und schneeweissen Tag.
Mit G&K

 

Mittwoch, 24. Januar 2024

Zügelei und Wetter

 


25 January  20:55
subject: Das Liebesgeschrei der Primaten !


Liebe Malou

Ich weiss, ich bin sehr absorbiert. Und das ist nicht nur wegen des Schnees, der gestern gefallen ist. Ich bin schwer beschäftigt. Als du mich letzthin gescholten hast, dass ich meine Zügelei so in die Länge ziehe, habe ich heute eine Firma angerufen, um die Sache an die hand zu nehmen. Ich kann das schon rascher machen, es bleibt dann einfach ziemlich viel Unordnung hinter mir zurück. Und das wollte ich irgendwie vermeiden. Aber einen gewissen Zeitdruck durch einen Termin kann ich - so glaube ich - gut gebrauchen. 

Kürzlich hat mich eine Bekannte angerufen, die ich in R getroffen hatte. Als sie hörte, dass ich noch zuhause sei, hat sie gelacht und gedacht, ich würde das nie schaffen. Ich wäre noch zu sehr verknüpft mit S. Aber das glaube ich nicht. Mein Problem ist wirklich die Zügelei. Ich wünschte mir alles wäre hinter mir und ich würde dort in der Nähe Affenhaus leben und nachts das Liebesgeschrei der Primaten hören. So wird es Ende dieses oder anfangs nächsten Monats sein.

Ab Mitte Februar kannst du mich besuchen Malou. Dann ist alles bereit. ... Und wenn du hier alles gesehen hast, wirst du ganz froh und zufrieden zurück in dein schönes Einfamilienhaus kehren. Und wirst vielleicht bloss mehr das Affengeschrei vermissen.


Ja, du glaubst es kaum. Hier hat es ca. 10 bis 15cm geschneit. Es sieht alles aus wie ein Weltwunder. Und man fragt sich, wie sich der Himmel selbst überlistet hat, um uns eine solche Pracht zu bescheren. Es ist wirklich lange her, seit er das zum letzten Mal gemacht hat. Nur euch dort oben berücksichtigt er bevorzugt. Aber hier lässt er bald Wüsten entstehen.  Ich hoffe doch sehr, dass sich das ändern wird.

Am Wochenende bin ich sehr beschäftigt. Ich erzähle dir später davon.

Ich wünsche dir einen feinen Abend.
Mit lieben Grüssen und Küssen in Qs

...

Re: Klarissimo

 

Lieber ...,

Zuerst herzlichen Dank für dein liebes Mail und auch die früheren, in denen du Dinge schreibst, die immer noch „in mir arbeiten". Du glaubst also, dass mein Leben „ruhig und zufrieden" dahinläuft. Und dabei weisst du nicht, dass ich mich manchmal nach ein paar wirklich ruhigen Stunden in einem Büro sehne. ;-)
Ich wollte dein Mail schneller beantworten, aber wir hatten Gäste am Wochenende und heute ist Anna zu Besuch. Wir haben gerade unser Dinner gehabt und ich habe es sehr genossen wieder einmal an einer lebhaften und interessanten Konversation im Kreis der Familie teilzunehmen.
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Ja, ich verstehe deine Angst vor dem „schleichenden Untergang". Es ist wie du sagst ungeheuerlich, ungerecht und absolut brutal. Warum uns alles das Schöne zeigen, um es uns dann zu nehmen? Und gerade in Zeiten, wenn wir glücklich sind, macht uns der Gedanken an die Vergänglichkeit fast wahnsinnig.
Gestern habe ich erfahren, dass mein Cousin in Uppsala nicht mehr lange zu leben hat. Sein ganzer Körper ist von Krebs angegriffen. Stell dir vor, er ist drei Jahre jünger als ich. Aber er ist tapfer und versucht die Menschen in seiner Umgebung aufzumuntern. Ich habe ein längeres Telefongespräch mit ihm gehabt. Vielleicht habe ich dir mal von ihm erzählt, wie er als 6-jähriger Eintritt nahm von den Kindern der ganzen Nachbarschaft für einen Blick in unsere Badewanne, wo der weihnachtliche Karpfen herumschwamm. Er hat ein spannendes und auch glückliches Leben hinter sich. Seine Frau, sie ist übrigens auch Künstlerin wie deine B, hat eine schwere Zeit vor sich.

*

Ach, das ist alles so traurig. Auch unser Gespräch heute Abend war nicht sehr erfreulich. Vielleicht lag es an mir. Es tut mir Leid. Ich will dir doch nur gut.

Ich liebe es, von den kleinen alltäglichen Dingen in deinem neuen Leben zu lesen, wie z.B. von dem Café gegenüber, wo du deinen Hunger stillen kannst. Es klingt alles so friedlich und perfekt für ein harmonisches Leben. Und dann hast du die Affen. Weisst du, dass auch ich ins Affenhaus gehen kann? Im „Animal Planet" zeigt man fast täglich interessante Sendungen mit Affen. Und wenn ich Affen sehe, denke ich eben an dich. ;-)) Ich stelle mir meist das Programm an, wenn ich irgendeine langweilige Arbeit vor mir habe. So ist z.B. das Bügeln im Affenhaus ganz erträglich.
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Ab und zu beschäftige ich mich mit dem Archivieren unserer Mails und neulich habe ich dabei ein kleines Gedicht wiedergefunden, das du mir mal geschickt hast.

Erinnern
Das ist vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.


Erst jetzt verstehe ich den Sinn dieser Worte.

*
So lasse ich dich wieder in die gefährliche Welt hinaus,
mit lieben Gs und Ks

dein „kühles festes Anker im Norden".. ;-)

Dienstag, 23. Januar 2024

Klarissimo

(R)


Liebe Malou
Ja, das klingt gut. Würde ich vielleicht auch lesen. Aber ich glaube nicht, dass ich je ein ganzes Buch in Englisch gelesen habe. Irgendwie würde ich mich dort nicht ganz heimisch fühlen. Aber es ist gut. Ich erinnere mich dabei an mein Onkelchen und die Dinge, die er erzählt hat. Allein die Tatsache, dass es damals ganz eine andere Welt war, allein diese Tatsache macht einen solchen Roman spannend. Wir können uns die Zeit nicht vorstellen. Ich habe eine Erinnerung aus der Zeit, als ich noch nicht zur Schule ging. Wir waren in Zürich und sassen beim Bahnhofplatz auf einer Terrasse. Man sah hinunter auf den riesigen Platz. Es gab einige wenige Tramschienen, vielleicht das Denkmal von Escher, daran erinnere ich mich nicht mehr. Und sonst war der Platz einfach leeeeeeeeeeeeeeeeeeer. Einfach absolut leer, vielleicht einige wenige Personen, Männer mit einem Hut. Frauen mit knöchellangen Röcken.

Ja, vielleicht ist schreiben einfach aus diesem Grunde gut: gegen die Zeit zu schreiben, erzählen, wie es war. Gegen diesen schleichenden Untergang anschreiben, den alles erfasst und der alles mit sich reisst. Ich werde traurig und wütend gleichzeitig, wenn ich davon rede. Du nicht, Malou? Wie das Leben vergeht, ist doch einfach ungeheuerlich, ungerecht, absolut brutal!!! All die Verstorbenen und Vergessenen, stell dir vor, wo sie sind! Es macht mich wahnsinnig, wenn ich daran denke.
Und jetzt trinke ich einen latte macchiato. Das ist die einzige Art von Kaffee, die man mit dem Suppenlöffel einnehmen kann, pflege ich scherzhaft zu sagen. Wenn du zu mir zu Besuch kommst, Malou, dann serviere ich dir einen solchen Latte. Ob du magst oder nicht, ich werde ihn dir an der Bar vor meiner Küche servieren. Die Bar ist ein Schrank, der früher in einer Zahnarztpraxis gestanden haben muss. Er passt blendend in meine 2-Zimmer-Klause. Nur darf man sich nicht zusehr betrinken. Wenn man sich an dieses Möbel lehnt, dann fährt es davon !! Ich werde dir dann ein Foto schicken, Malou, wenn es soweit ist. Das mache ich bestimmt. Ich habe vom Mann der Zügelfirma gehört, dass im Café gegenüber riesengrosse Sandwiches serviert werden. Die seien weitherum bekannt. Seine Männer gehen immer wieder dorthin, weil sie doch beim Zügeln einen respektablen Hunger entwickeln. Ist das nicht eine wundervolle Gegend? Und heute habe ich einen weiteren Band gefunden über die Primaten und Halbaffen. Diese Literatur brauche ich unbedingt in meiner Nähe, wenn ich dann einen Steinwurf vom Affenhaus entfernt wohne. Ich glaube, ich werde regelmässig zu den Affen gehen. Die Tiere haben mich schon immer fasziniert.
---

Liebe Grüsse und Küsse und Qs
...

Donnerstag, 18. Januar 2024

Sayyeds und Hadschis

den 22 januari  08:37

 
Liebe Malou


(---)

Gestern habe ich richtig gefaulenzt abends. Ich habe erst mal Kaffee und Kuchen genossen, wie das nur die Deutschen können. Ich fühlte mich ziemlich voll zum Schluss. Und dann habe ich eine gute Stunde geschlummert. Ich hatte in der vorigen Nacht etwas wenig Schlaf gehabt. Ich war um 3.30h aufgewacht und bin dann nicht mehr eingenickt bis es fünf geschlagen hat. So entschloss ich mich, etwas ins Büro zu fahren. Auf unserem Chesterfield Sofa schläft es sich ganz wunderbar. Im Winter ist es gut, sich dabei unter einer Wolldecke zu verkriechen. Man muss dann ungefähr so liegen, wie die drei gerechten Kammmacher in Gottfried Kellers Novelle: so steif und unbeweglich wie möglich. Aber es geht gut. Und daneben sehe ich im Fernseher, was läuft auf dieser Welt. ich hatte dazu einige Berichte vom WEF in Davos angeschaut. Chatami weilt gerade dort, und seine elegante Sprache kommt mir irgendwie bekannt vor, auch wenn ich nichts verstehe. Er ist ein Sayyed, wenn Du weißt, was das ist? Die Sayyeds betrachten sich als Nachkommen Mohammeds. Und wenn ich die Moslems richtig kenne, so werden sie auch genau definiert haben, unter welchen verwandtschaftlichen Bedingungen man noch zur weiteren Familie Mohammeds gehört und wann nicht mehr. Sie kleiden sich gerne grün, die Sayyeds, mit der heiligen Farbe und ich glaube, sie fühlen sich irgendwie als bessere Menschen. Komisch, nicht wahr? Es ist ähnlich wie die Hadschis, das heisst die Leute, die ihre Hadsch nach Mekka, die man einmal im Leben machen soll, gemacht haben. Die Hadschis fühlen sich wirklich als bessere Menschen. Darin liegt aber nicht nur Überheblichkeit. Sie denken auch, dass sie den anderen, vor allem den jüngeren Menschen im Leben ein Vorbild sein sollten. Früher haben Hadschi Frauen wieder konsequenter ihre Kopfbedeckung verwendet. Irgendwie wollten sie ja doch ihrer Umgebung zeigen, dass sie dem Himmel etwas näher stehen. Heute müssen sie  ohnehin jederzeit in der Öffentlichkeit ihre Bedeckung tragen. Also beweisen sie auf andere Weise, dass sie Hadschis sind: sie schenken mehr Almosen, sie nehmen das Leben kontemplativer und so weiter. Mit dem Hadschi-Titel kann man darum ganz nett spielen. Wenn man im Bazar etwas zu kaufen trachtet und den Verkäufer milde stimmen will, dann nennt man ihn am besten Hadschi. Das verpflichtet ihn, mildtätig und ehrlich zu sein, und er wird dich nicht durch einen zu hohen Preis bedrängen. Jemand Hadschi zu nennen, meint, bei ihm eine gottesfürchtige, menschenfreundliche und ehrliche Haltung vorauszusetzen. Du siehst, mit solchen Subtilitäten arbeiten die Perser tagaus tagein. Na ja, es gibt vielleicht in jeder Kultur solche Finessen. Und sie machen natürlich für einen Fremden den grossen Reiz aus.

Ich schicke dies mal ab. Wer weiss, wann die nächste freie Minute kommt?
Ich wünsche Dir einen wunderschönen eiskalten Januartag.

Mit lieben Grüssen





Nochmals Himmel

 

Nochmals Himmel

Liebe Malou
ja, mein letztes Mail hat mir die Idee geöffnet, dass man eigentlich eine empirische Studie machen könnte, wie sich die Menschen den Himmel vorstellen. Das wäre sozusagen eine Erforschung des Himmels. Und ich bin überzeugt, es gibt italienische Himmel, französische Himmel, deutsche Himmel und vielleicht sogar Schweizer Himmel. Bei uns hätte es Geranien vor den Fenstern! Und im Menueplan überdurchschnittlich viele Käsespeisen. Das wäre eine lustige Untersuchung für eine Doktorarbeit.
Liebe Grüsse


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Montag, 15. Januar 2024

Subject: Cézanne

 


Date: Fri, 25 Aug 

Liebe Marlena
Gestern hatte ich also nach langer Zeit wieder einmal eine Zusammenkunft mit W und er hat mir als Geschenk einen Katalog von der grossen Zürcher Ausstellung über Cézanne gebracht. Das war eine nette Überraschung. Ich habe dann mit Schrecken festgestellt, dass die Ausstellung schon vorbei ist, obwohl ich sie doch bei Gelegenheit noch ansehen wollte. Es habe offenbar sehr viele Leute gehabt. Vor allem dann wieder in der Schlussphase. Und das mag ich eigentlich nicht. Ich hasse es, wenn man die Bilder nicht in Ruhe anschauen kann, weil sich soviele Leute davor herumdrängen. So schaue ich mir nun eben die Bilder im Katalog an.
Cézanne nennt man den "Vater der Moderne". Er hat wunderbare Bilder gemacht. Sie sind aber nicht mehr eigentlich impressionistisch. Er hat starke konstruktive Elemente. So sagt man von ihm, dass er den Kubismus vorbereitet habe. Und vor allem hat er an der Auflösung der Perspektive gearbeitet (zwei Bemühungen, die sich letztlich vielleicht als eine einzige herausstellen). Seine Stilleben sind wunderbar. Es gibt dort so frische Wassermelonen, wie man sie in Persien zu essen bekommt. Cézanne war ja wirklich ein bisschen eine merkwürdige Gestalt. Rilke hat sich viel mit ihm auseinandergesetzt und auch über ihn geschrieben. Zola war ein Freund von ihm. Zusammen sind sie in Aix en Provence aufgewachsen und haben in der Umgebung der Stadt ihre Jugendabenteuer verlebt. Sie haben sich später auseinandergelebt, weil Zola ein berühmter Schriftsteller geworden war, der sich mit der Dreyfuss-Affäre und seinem j'accuse einen grossen Namen als kritischer Schriftsteller gemacht hatte. Und Cézanne war schliesslich wieder aus Paris nach Aix geflohen und hatte damals noch kaum Erfolg. Zola hat in einem Roman (ich glaube, er heist l'artiste) Cézannes Leben und künstlerischen Bemühungen beschrieben, und ihn damit beleidigt. Ich glaube, sie haben später kaum mehr miteinander Kontakt gehabt.
In diesem Bund hatte es noch einen dritten Jungen aus Aix en Provence gegeben. Er ist schliesslich auch Maler geworden. Aber ich weiss nicht mehr, wie er heisst.
Ich bin mal in Aix en Provence gewesen und habe auch Cézannes Atelier besucht. Aix ist eine wunderbare, eine lichte und südliche Stadt. Der Cours Mirabeau, die Hauptstrasse ist eine breite, von grossen Bäumen (sind es Platanen?) gesäumte Strasse, die in der südlichen Hitze einen angenehmen Sonnenschirm bilden. Und wenn das Licht durch die Blätter hereinfällt, dann leuchtet dieses Dach, das die ganze Strasse überdeckt, in wunderbaren golden grünen Farben. Entlang dem Cours hat es elegante bürgerliche Läden und viele Restaurants. Ich erinnere mich an ein grosses Lokal eher am Ende des Cours, das ganz mit Spiegeln ausstaffiert war. Man konnte also, wie auch immer, in irgend einer Ecke sitzen und doch beobachten, wer auf dem Gehsteig draussen vorbeiging. Ich glaube nicht, dass man dort seine Geliebte verpassen konnte. Aber die meisten Leute sassen natürlich gleich draussen auf dem Gehsteig, und schauten nicht bloss der Geliebten, sondern auch noch allen anderen hübschen Frauen nach. Und die Kellner trugen lange weisse Schürzen bis zum Boden, wie man sie in Frankreich so oft sieht. Es war wirklich eine sehr gute und angeneme Atmosphäre.
Und dann gingen wir auch hinauf zum Atelier Cézannes. Das lag ein wenig ausserhalb, vor der Stadt, und man musste einen Weg hinaufsteigen. Dort oben stand ein einsames, zweistöckiges Haus in einem etwas wild verwachsenen Garten. Offenbar hatte man alles belassen, wie Cézanne es zurückgelassen hatte. Das behauptete man wenigstens, obwohl das ja immer mehr ein Mythos als eine wirkliche Tatsache ist. Es gab also die Staffelei, die Farben, ich erinnere mit an einen Totenschädel. Gab es nicht noch einen Apfel oder so? Aber das Atelier hat mir gut gefallen mit seinen hohen Fenstern und dem Zugang zum Garten.
Cézanne war nicht arm gewesen. Sein Vater war vom Hutmacher zu einem ziemlich erfolgreichen und gutsituierten Bankier geworden, der sich dann den Jas de Bouffon, ein stattliches Landhaus, gekauft hat. Aber offenbar war er auch recht autoritär. Auf jeden Fall hatte Cézanne seinem Vater über mehrere Jahre verschwiegen, dass er eine Geliebte und sogar einen Sohn hatte. Eine zeitlang hatte er die beiden in Marseille untergebracht.
Kurz und gut, es war eine ziemlich komplizierte Familie, und Cézanne war ein Hitzkopf und konnte sich über irgendwelche Dinge ereifern, so dass er wohl schwer auszuhalten war. Man kann es auf Fotos sehen, dass er recht aufbrausend gewesen sein muss. Vor allem im Alter hatte er einen glühenden Blick und deutliche Adern in den Schläfen. So hat er dann über eine lange Zeit allein mit seiner Haushälterin in diesem kleinen Häuschen ausserhalb von Aix gelebt.
Schade, dass ich in meiner Stube nicht einen Cézanne hängen habe. Ich wäre heute ziemlich reich damit. Ich mag seine Farben, die sind mir irgendwie verwandt. Sie haben eine Tendenz ins Blau-Grüne. Aber seine frühesten Bilder sind sehr gewalttätig und erotisch. Er hat da wohl einige seiner eigenen Komplexe ausgelebt. Die Bilder waren sehr pubertär. Und dann malte er viele Varianten von kämpfenden Figuren, den Geschlechterkampf, oder später die Badenden, in der Suche nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Abbild und Komposition. Und schliesslich hat der ja seinen Mont Ste. Victoire (so heisst er doch, oder?) immer wieder gemalt. Er war ein ziemlich besessener Maler. Heute würde man ihn wohl für einen Spinner nehmen.
Und diesen armen Kerl habe ich jetzt einfach vergessen. Es gab schon vor Jahren eine Ausstellung über Cézanne, die Badenden. Auch jene hatte ich nicht gesehen. Ich glaube, ich muss mir wirklich den Katalog eingehend anschauen.
*
Ja Marlena, auch bei uns ist es strahlend schön und keine Wolke sieht man am Himmel. Aber ich fühle mich irgendwie krank, es scheint, irgend etwas ist im Anzug. Ich werde wohl heute etwas früher schlafen gehen als üblicherweise. Es ist wunderbar, einen solchen warmen Spätsommer zu haben. Aber, wenn ich den Leuten hier zuhöre, so meinen sie, der Sommer hätte wirklich einiges wieder gut zu machen. Ich kann das von mir nicht behaupten. Ich habe diesen Sommer soviel Sonne mitbekommen wie lange nicht mehr. Ob diese Reserve durch den Winter hinhalten wird, so wie es das Kinderbuch "Frédéric" erzählt?
Es ist schön, wenn Du Französisch schreibst. Es ist toll, wenn man zwei Sprachen so perfekt beherrscht, wie Du das tust. Darüber kannst Du stolz sein. Und wenn Du es nicht bist, dann bin ich es für Dich. Und jetzt kommt noch Italienisch dazu. Das nennt sich polyglott.
Mit einem schönen Kuss (französisch und fast rezeptpflichtig!!)



Samstag, 13. Januar 2024

Re: Sempé und Stendhal ... plus Francis Grand Clément

 

Ämne: Do? Frei?
Datum: den 23 augusti  00:05

Lieber ...,
Wieder einmal spät, leider. Denn je später der Abend desto müder der Kopf.. Ich beneide dich um die Kunst eine Weile schlafen zu können und dann wieder munter zu sein. Wenn ich mich am Tag schlafen lege dann kann ich nicht sofort wieder aufwachen und wenn ich es schliesslich tue dann habe ich nur einen Wunsch, nämlich sofort wieder weiterzuschlafen.
Anna hat die vorige Nacht nur eine Stunde geschlafen, zwischen 5.00 und 6.00 Uhr. Aber sie darf ja nicht den Unterricht verpassen und so hat sie auch heute den ganzen Tag fleissig gearbeitet. Zuviel Kaffee und zu viel Mathematik spät am Abend gab sie die Schuld. Und sie meint sie wäre in den zwei letzten Tagen richtig abgemagert - hätte nun die reinste Wespentaille. Nun ja, das hat sie sich ja immer schon gewünscht aber ich bin doch etwas unruhig dass sie mir bald verschwindet. So habe ich heute Wildfleisch gebraten (Hirsch, Elch und Renntier soll es sein) und die Hälfte davon eingefroren für sie. So braucht sie nicht jeden Tag Zeit fürs Kochen zu verschwenden. Ich sehe ein dass das Wort nicht richtig hierher passt.
Als ich einkaufen war sass wieder einmal Anna G., eine meiner Schülerinnen, die im Juni das Abitur gemacht hat, in der Kasse. Und ich meinte "Was, du sitzt immer noch hier?" und sie sagte dass es nur zufällig sei. Sie hat schon an der Uni begonnen - und studiert - Französisch. Das hat mich wirklich gefreut und ich habe gedacht dass ich schon viele Studenten an die Uni geliefert habe. Und dann lachte sie und sagte dass sie jetzt den "Petit Prince" lesen. Über den hatten wir uns in einer Stunde am Ende gut unterhalten.
Der Mond schaut  zum Fenster herein. Diesmal leuchtet er intensiv, aber nicht mehr rot wie gestern.
Es war wieder ein ganz heisser Tag und ältere Herren laufen in kurzen Hosen herum. Das habe ich wirklich noch nie erlebt zu dieser Jahreszeit. Sogar oben in Kalix wo 12 Grad um diese Zeit wohl normal wäre, haben sie bis zu 25 Grad warm. Schade dass ich das nicht erleben kann.

Das Unvereinbare sind "épicurien" und gleichzeitig "passionné". Beide suchen Genuss, aber der frühere hat als Ziel stille Zufriedenheit, der andere zermürbende Leidenschaft. Was denkst du davon? Aber ich glaube du kennst dich auf diesem Gebiet besser aus als ich ;-)  Stendhal hat auch ein Buch
über die Liebe geschrieben wo er sie wissenschaftlich untersucht fast wie ein Mathematiker. Vier Sorten von Liebe unterscheidet er. Und die Geburt der Liebe umfasst sieben Phasen: die wichtigste ist die "cristallisation", ein wahres psychologisches Gesetz von S. entdeckt. "on pare l'objet aimé de mille perfections.." Hat nicht Schwanitz genau das beschrieben? Vielleicht ist sein Buch sogar von Stendahls "De l´Amour" (1822) beeinflusst. Und ich denke ich bin in dieser ersten Phase hängengeblieben.. ;-)
Ich habe auch nachgeschaut was in unserem alten Lexikon (vom Beginn des vorigen Jahrhunderts) über Stendhal geschrieben steht und dort wird er als einer der bedeutendsten Psychologen seiner Zeit bezeichnet. Nein, nach Rom ist er nicht gekommen, aber wohl in die Nähe von Rom. Und er hat auch ein Buch über Rom geschrieben. Glaubst du man kann diese alten Bücher in der Bibliothek aufstöbern? Er schreibt keine leichte Sprache, aber sehr intelligent kommt er mir vor. Wenn du hier wärest würde ich dir vorlesen was über ihn steht. Ich danke dir dass du mich wieder auf ihn aufmerksam gemacht hast.

Ich liebe die Zeichnungen von Sempé. Man freut sich wenn man sie anschaut. Auch auf dem einen Bild im Lehrbuch siehst du wie das Auto widerspenstig dagegenhält. Aber warum willst du erst in dem nächsten Leben zeichnen? In diesem Leben solltest du versuchen deine Träume zu verwirklichen.
Du sprichst etwas verringernd über Lehrbücher und natürlich hast du Recht. Aber dieser Verfasser, Francis Grand Clément, war ein besonderer Mensch. Ein wenig wie du, intelligent und humoristisch und warum sollte er in seinem Buch den Schülern das Beste vorenthalten? Sicher war er mit allen Grössen in Frankreich bekannt und sie liessen ihn ihr Material verwenden. Weisst du, sogar die Schüler, die grosse Probleme mit dem Sprachenlernen hatten liebten das Fach Französisch, eben weil das Lehrbuch so genial war. Oder meinst du mein jugendlicher Charme hätte das bewirkt?? ;-)

Oh, so spät schon! Ich muss ins Bett. Sende dir noch einen lieben Gruss und küsse dich Gute Nacht.
Marlena






Donnerstag, 11. Januar 2024

Re: eine Kopie ...

Halo liebe Malou

ich staune, welch lange, detaillierte und hübsche Briefe du nach Rom schickst. Diejenigen, die in Basel anflattern, sind bloss halb so lang. Nicht einmal!

Ja, dein Englisch ist sorgfältig und schön Malou. Und deine kleinen sprachlichen Bilder, die du brauchst, gefallen mir. Ich weiss, was du meinst, wenn du sagst, du möchtest mir manchmal gewisse Dinge in Schwedisch beschreiben. Vielleicht wäre es für dich einfacher auch bei mir, in Englisch zu brauchen? Aber du hast jetzt dein Deutsch in den letzten 7 Jahren so sehr poliert und gepflegt, dass das auch so sehr ok ist.

Ja, die 'amerikanisierten' Schweden. Und USA auf Platz zwei. Das ist eine gute Pointe, und ich musste laut lachen am Morgen früh schon. Ich erinnere mich dabei an ein Cartoon von Sempé. Da sieht man einen typischen Pariser: rundlich, mit einer kleinen französischen Dogge, hässlich, wie man sie wirklich nur in Paris sieht, eine typische französische Zeitung unter dem Arm, vor einem typischen französischen Lokal, wo er gleich seinen Apéritiv trinken geht, mit der typisch französischen Atmosphäre in den Strassen rundum. Plaudernd klagt er seinem Kollegen, der dabeisteht: "wir veramerikanisieren uns zusehends!" Und für unsere Augen ist es absolut typisch Paris, oder sagen wir französisch.

Deine italienische Freundin hat  mit Lodoletta einen hübschen Namen. Habe ich nie gehört, und ich frage mich, wie er denn heissen würde, wenn man ihn ins Deutsche übersetzen würde. Weisst du es, ob es ein deutsches Aequivalent gäbe?

 ...

Re:

Ja, mein Brief an die Römer war lang ... Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich ihre Mails lange nicht ordentlich beantwortet hatte. Zu sagen: "Thanks for your interesting mail" und dann überhaupt nicht den Inhalt irgendwie berühren ist ja nahezu eine Beleidigung.

Ich finde auch dass der Name Lodoletta schön klingt, aber die arme Frau hat sich ihr Leben lang wegen dieses Namens geschämt. Er bedeutet "kleine Lerche". Zum Glück ist Lo keine von den üblichen italienischen Matronen, was doch etwas lustig wirken könnte bei dem Namen.

...


eine Kopie meiner Bemühungen


Lieber ... ,

Heute Morgen habe ich mich mit der Englischen Sprache herumgeplagt. Die Grammatik beherrsche ich so eingermassen aber diese Sprache ist ja viel mehr als so. Es war mein Lieblingsfach im Gymnasium und eigentlich hätte ich es dann an der Uni studieren wollen.. aber Frankreich kam dazwischen. :-)

Ich schicke dir eine Kopie von meinen Bemühungen, damit dir nichts von meinem "inhaltreichen"  Alltag  entgeht. ;-))

 ***


Dear Lou,
I have read your letter again, this time carefully using my wordbook and I realize that your operation must have been a very tough experience. I once had a little operation made with only  local anaesthesia and the worst thing about it was that I could hear the comments of the physicians, when they discovered that the case was not as easy as they had assumed. The feeling that they were insecure was frightening.

Yesterday you went to a control again and I hope that now everything is as it should be. Have you been able to take care of the girls lately, or have you been forced to stay home all this time? And Aki? Are you allowed to "lo prendere in braccio" again. Poor little fellow.


Aki

Sometimes I waken at five o'clock in the morning, and then my first thought always is: "Now Lou gets up". I myself realize that I have to change my diurnal rhythm. I go to bed much too late, often after midnight, and then of course I sleep until 9 o'clock in the morning (sometimes later).  But you see, very often the most interesting TV-programs are late in the evening. Sometimes I just see the beginning of them and then I record the rest on video.

This week I have recorded 3 documentaries. One about Gorbatjov (a man I always have admired) one about Botswana guided by Alexander Mc Call Smith who is showing places and people who have inspired him to his "Ladies' Detective Agency" and the third one was about Doris Lessing (Nobel price winner in literature) and her life. Today there will be a new episode of "Solens mat" which I have told you about, and I look forward to see it.
"Bo Hagström, a Swedish journalist,  is travelling through unknown Italian villages, from Campania in the south to Piemonte in the North, looking for the "unknown heroines of the kitchen", women of different ages and with different social backgrounds - but all with a burning passion for good food".

But still more interesting than the food are the people who live in that beautiful landscape. And all is accompanied by beautiful Italiansongs which remind me of my youth when Italy was the country of my dreams.
Of course I can understand that you are suffering from all the changes. Especially in a city like Rome life must have changed strikingly (con forza). But the old buildings remain and still give fuel to our imagination.

Sweden really is a very Americanized country. (The most Americanized country in the world. On the second place comes the USA ;-) We always know what is going on "over there", but we seldom hear things about Europe. But now there is a little program called "Zapp Europa", unfortunately only 30 minutes, which brings us reports from different TV-stations on our own continent. And last week I could see what happened in Rome after the murder recently.

If you still believe that we have a beautiful winter landscape here, I must disappoint you. When I look out of the window now, I almost get the impression that spring has come.
Today we have +8° . The only difference is that the days are very short now. You can take a look at our web cam to see it.


Well, I've written enough for this time.. maybe even too much. Also for me it is a useful exercise of the English language.

I wish you a wonderful time and please give my kind regards also to N.

Love
Marlena

Mittwoch, 10. Januar 2024

Religion

Liebe Malou

Wir werden also Dispute für und wider die Religion haben? Ich weiss, dass es schwierig ist. Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben. Man hat viele warme und angenehme Erinnerungen aus der Kindheit und der Jugend. Bei wichtigen Lebensereignissen, Geburt, Erwachsenwerden, Weihnachten, Tod ist die Kirche mit dabei. Natürlich kann man Religion als Privatsache durchaus tolerieren. Aber viele wirklich gläubige Menschen können sie nicht nur als Privatsache belassen. Sie wollen andere überzeugen, dass sie selbst den richtigen Gott hätten. Ich habe das noch am Gymnasium erlebt. Ich glaube, in den ersten Jahren gab es schon noch Lehrer und Schüler, die bedauerten, dass wir Protestanten, im Speziellen ich als Schüler oder als Kollege, dereinst zur Hölle fahren müssten. Und weisst du, wie ich darauf reagierte? Ich hatte mit ihnen Mitleid, weil sie sich solche Sorgen um mich machten. Lustig nicht? Sorgen auf zwei Seiten um eigentlich gar nichts. Und gerade dies ist typisch für die Religion. Sie schafft überall Sorgen um nichts. Na ja "nichts" ist vielleicht ungenau formuliert. Sorgen ändern natürlich schon etwas an dieser Welt. Insofern sind sie nicht nichts.  ... 


Re:

Lieber...

Du schreibst "Religion ist wie eine liebe alte Heimat. Niemand lässt sich gerne daraus vertreiben." Das ist sicher nicht ganz falsch gedacht. Und ich bedaure alle jungen Menschen die heutzutage niemals etwas von dieser "lieben alten Heimat" erfahren.
Bei uns heisst es oft, das Kind soll selbst bestimmen, an was es glauben soll. Dann später, wenn es erwachsen ist. So wächst es, (ich denke es gilt der Mehrheit der Schweden), ganz ohne Religion auf. Leider oft auch ohne die religiösen Werte.

Religion ist Privatsache. Für mich ist es das immer gewesen. Ich war nie ein wehrloses Opfer des Religionunterrichtes. Und später an der Uni habe ich (mehr aus Spass) versucht die Priester mit meinen Gegenargumenten zu verärgern. Damals als ich Sekretärin des AC war. Nie würde ich auf den Gedanken kommen, dass ein Mensch mit anderer Religion schlechter wäre. Ich glaube an das Gute und ich glaube, dass es mehr gibt als das, was wir mit unserer begrenzten Ausrüstung wahrnehmen können. Wie könnte ich jemals gegen etwas argumentieren von dem ich nicht weiss wie es sich verhält?
Manchmal hast du mir den Eindruck gegeben, dass du von mir erwartest ich solle dich überzeugen von meinem Glauben. Wir haben anfangs ein wenig diskutiert.. und aus deinen spassigen Kommentaren habe ich angenommen, dass wir dieselbe Einstellung haben.
Also glaube ich auch jetzt nicht, dass du gegen Religion argumentieren würdest - nur gegen den Missbrauch von Religion.

Eigentlich wollte ich das alles wieder löschen.. weil ich nicht weiterschreiben kann jetzt. Aber ich schicke es ab, damit du noch heute was zum Nachmittagskaffee bekommst.
Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende.

Mit lieben Gs und Ks 

 Malou

Radikale Laune heute ...

 

Liebe Malou

Ja die Dänen. Sie haben den Propheten-Streit provoziert. Aber das macht nichts. Die Moslems müssen endlich lernen, dass sie in einer modernen Welt leben. Was sie haben, und die Perser im Speziellen, ist die halbierte Aufklärung. Sie profitieren von allen modernen Entwicklungen wie Handy, PC, Oelverarbeitung bis hin zu Atom. Und auf der anderen Seite glauben sie an Mythen und Geschichten aus der Vorzeit, nehmen sie gar wörtlich. Das ist einfach lächerlich. Sowas können wir uns in der modernen und hochexplosiven Welt nicht mehr leisten. 

Man müsste einen neuen, einen humanistischen Glauben schaffen. Bestimmt brauchen Menschen so etwas. Aber nicht idealistisch, jenseitig, ewig und total. Das ist einfach gefährlich. Damit schlagen sich Menschen gegenseitig die Köpfe ein. Ich glaube, wenn ich in Pension gehe, werde ich anfangen, gegen die Religion zu wettern. Ich habe sie jetzt alle gesehen, die Protestanten, die Katholiken, die Moslems. Es liegt einfach viel Unsinn in diesen Glauben. Aber natürlich, wenn man das kritisiert, fühlen sich die Menschen verletzt und reagieren sehr empfindlich. Man soll den Staat auch völlig trennen von den Kirchen. Es geht nicht an, dass Kirchen Steuern eintreiben zusammen mit dem Staat. Das ist nicht ein säkularer Staat, wo so etwas geschieht.
Du siehst, ich habe heute eine ziemlich radikale Laune Malou. Aber ich glaube, es wäre gut, die Lebensenergien für so etwas zu riskieren. Meinst du nicht auch?





Samstag, 6. Januar 2024

Aufprall zweier Kulturen.

 

Ämne: AW: samos
Datum: den 18 januari 

Liebe Marlena
Das glaube ich nicht, dass ich zu idealistisch bin. Was Du von Ägypten gehört hast, ist eben ein Phänomen des Aufpralls zweier Kulturen. Natürlich geht es für Bazar-Teilnehmer darum, für sich das Beste herauszuholen aus der Feilscherei. Und natürlich ist die Chance bei einem reichen Ausländer höher, etwas mehr Geld zu lösen. Und natürlich ist die Chance geringer, wenn die Freundin daneben steht, um ihn vom Kauf abzuhalten. Und natürlich gibt es immer auch etwas durchtriebene Menschen. Ich meine bloss, das System der Feilscherei nicht an sich schlecht ist. Ich liebe es wirklich, obwohl ich mich natürlich allein auch ziemlich unsicher fühle. Vor allem haben wir im Westen vergessen, was die Dinge wert sind. An sich haben sie für uns einen Wert und dazu kommt, dass wir sie vielleicht dringend brauchen, was den Wert erhöht. Und das fliesst dann in den Preis ein. Feilschen erlaubt wirklich, mit Stil zu kaufen. Und nun vergleiche das mit unserer Art in den grossen Kaufhäusern, wo wir mit den Körbchen an der Kasse Schlange stehen wie eine Karawane von Kamelen. Es ist kein Vergleich.
*
War wunderschön in Basel heute. Ich habe ein paar Bücher gekauft. Du wirst es nicht glauben, darunter eine dicke Biographie über Sartre, die kürzlich herausgekommen ist. Eine Biographie über den deutschen Impressionisten Max Liebermann und eine über Paul Cezanne mit vielen schönen Abbildungen. Und schliesslich noch ein biographisches Buch über Nietzsche.
Na ja, um ehrlich zu sein, die Bücher waren alle mit halbem Preis zu haben. Ich habe noch ein paar weitere gesehen, die ich gerne auch berücksichtigt hätte, musste mich aber zwingen, darauf zu verzichten.
*
Wie meinst Du, etwas Süsses. Die Lust nach Süssem kommt von Frustrationen, sagt man hier unter den Leuten. Und dann sagen sie noch, das Süsse sei der Sex der alten Leute. Na also!
Ich mache seit zwei Wochen grosse Bogen rund um Süssigkeiten. Führe mich bitte nicht in Versuchung. Doch, heute habe ich in Basel in einem hübschen Café am Rhein eine heisse Schokolade anstatt eines Kaffees genommen. Ich ziehe unseren Kaffee zuhause vor und ich denke, eine heisse Schokolade ist eigentlich ein köstliches Getränk. Schade, dass es seit dem 19. Jahrhundert aus der Mode gekommen ist. So, wenn Du möchtest, nimm ein paar Schlücke aus meiner Tasse.

Mit einem zweiten lieben Gruss heute
...

Freitag, 5. Januar 2024

Re: orientalischer Basar


Lieber ...,
Wie schön diese extra Portion von seelischer Nahrung zu erhalten. ...

Nun wünsche ich mir nur dass es hier in der Nähe einen solchen Basar gäbe, wie du ihn beschrieben hast, wo ich mit meiner neuerworbenen Einsicht das soziale Spiel geniessen könnte. Du solltest Ambassadör werden! Aber weisst du, ich glaube nicht dass alle Verkäufer so idealistisch und nett sind wie du sie hier vorstellst. Ich denke dabei an das was mir Mats erzählte von damals als er mit seiner ”sambo” (Freundin mit der er zusammen wohnt) in Ägypten war. Nach aussen hin sah wohl alles ungefähr so aus, wie du es beschrieben hast. Mats zeigte Interesse an irgendetwas und war in ein ähnliches Spiel, wie du es beschreibst, mit viel Freundlichkeit und Lächeln verwickelt. Und während des Feilschens, wenn es überhaupt ein solches gab, führte der Verkäufer nebenbei ein Gespräch mit seinem Kollegen. Was die Verkäufer nicht wussten, war dass die Freundin von Mats arabisch spricht und also hörte wie sie von den Verkäufern in groben Worten beschimpt wurde, weil sie ihren Mats von dem Kauf abhalten wollte.
Aber ich denke wohl wie du. Unser westliches Leben ist irgendwie steril geworden. Die Menschen sind isoliert, von einander abgeschirmt und das soziale Leben spielt sich nur im innersten Kreise ab. Man hat kaum Kontakt mit Leuten, die man nicht gut kennt. Ich denke die Schweiz und Schweden sind sich da ziemlich ähnlich.
Hier in der Nachbarschaft wohnt ein Schriftsteller, der vor 50 Jahren eine Reise durch den Iran gemacht und darüber ein Buch geschrieben hat ("Nach Tabbas"). Ein paar Fotografen aus dem Iran (die nun schon lange in Schweden wohnen) waren so begeistert von dem Buch, dass sie neulich mit der Kamera dieselbe Reise nochmals gemacht haben. Der Film wurde gestern im Fernsehen gezeigt und ich habe ihn auf Video aufgenommen und werde ihn mir bei Gelegenheit ansehen.
Es gibt übrigens hier in der nähe einen kleinen Lebensmittelladen, der von Leuten aus diesen Ländern geführt wird. Ich gehe manchmal hin und bin immer wieder überrascht von der speziellen Atmosphäre, die dort herscht. Und fast immer sieht man auch Leute mit anderer Hautfarbe, die man sonst im Strassenbild vermisst.
(---)
Hast du Zeit mir eine kleine Nachspeise zu senden? Ich habe grosse Lust auf etwas Süsses.
Mit einem lieben Samstaggruss
Marlena

"Till Tabbas"  Publicerades 18 maj 2021   Rättigheter:  Kan bara ses i Sverige.

Über das Feilschen

18 jan 11:08

Denk an die Gefühle, die uns in einem orientalischen Bazar aufkommen. Wir
gehen herum, halten krampfhaft unsere Börse und nehmen die Fröhlichkeit und
Nettigkeit des Verkäufers als reinen perfiden Hinterhalt. Aber er meint sein
Lächeln nicht als Trick, er will durchaus freundlich sein, er will dich
gewinnen und seine Regeln des Handelns erlauben ihm dies alles. Dass man die
Artikel in seinem Laden mit einem Preisschild bezeichnen könnte, fände er
einigermassen dumm. Das würde ihm die ganze Freude des Verkaufes nehmen,
und er hätte keine Möglichkeit, bei einer ärmeren Frau sein Mitleid fliessen zu
lassen, bei einem Reichen den Betrag wieder hereinzuholen, also eine Art von
kleiner Gerechtigkeit spielen zu lassen. Auch solche Händler haben, wie ich
immer wieder festgestellt habe, ein grosses Ehrgefühl. Das Ziel des
Verkaufes ist vielleicht, beide, Händler und Käufer glücklich zu machen. Und
wenn das manchmal auf der zweiten Seite nicht zu lange andauert, liegt es
meist an der Dummheit des Käufers. Im orientalischen Markt gehen Käufer und
Verkäufer davon aus, dass beide wissen, was sie wollen. Der Käufer hat die
Ware geprüft - dazu dient nicht zuletzt die Zeit, die er beim Feilschen
einsetzt - weiss, wieviel Interesse er dafür hat, ob und wie dringend er das
Ding braucht. Zur gleichen Zeit prüft der Verkäufer den Käufer, versucht
herauszufinden, wie gross sein Interesse ist und wie viel Ressourcen er zur
Verfügung hat. Im Spiel des Feilschens werden diese zwei Positionen zwischen
zwei Menschen, das heisst eben Personen mit all ihren Fähigkeiten und
Möglichkeiten von den schauspielerischen bis zu jenen Zufälligkeiten des
Momentes ausgespielt, um einen Konsens in der Mitte zu suchen. Doch die
Mitte ist eben nicht allein von anonymen Marktgesetzen vorbestimmt, sondern
ist ein Resultat des Horizontkreises, den die beiden Akteure des Marktes
ziehen. Darin ist viel Menschliches und einer guten Feilscherei zuzuschauen,
das ist soviel wie ein kleines Kunststück geniessen. Meine Schwiegermutter
ist darin eine Künstlerin. Und sie versteht es, ihre Feilschereien immer
sehr lustig zu machen. Vielleicht ist das eine Strategie, das Herz des
Gegenübers aufzuweichen? Auf jeden Fall ist Lachen, wie wir alle wissen,
gesund. Es handelt sich also nicht bloss um Kauf und Verkauf, sondern ebenso
um eine kleine Therapie, um eine soziale Unterhaltung, um einen Wettbewerb,
ein Spiel, um eine moralische Auseinandersetzung, kurz und gut: um die
Begegnung zweier Menschen. Doch davon haben wir Westler kaum mehr Ahnung.
Der orientalische Markt erfordert Intelligenz, der westliche vielleicht
bloss Geld.
(---)
Heute ist einigermassen mildes Wetter mit einem hellen, leicht bewölkten
Himmel. Ich habe viel zu tun heute Samstag. Und nachmittags möchte ich noch
rasch nach Basel. Ich glaube, es gibt Ausverkauf und ich will mal sehen, ob
ich mit meinen Möglichkeiten des Feilschens etwas erreiche.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Mit lieben Grüssen
...

Donnerstag, 4. Januar 2024

Willy Kyrklund - ein "moderner Klassiker"

 

Lieber ...,

Nun ja, so wie du es darstellst, dieses Feilschen, klingt es wirklich wie eine gute Sache. Falls ich mal in ein solches Land fahre werde ich mir deine schöne Schilderung von dem Bazar mitnehmen.. Es gibt noch Leben dort und einen schönen Kontakt zwischen den Menschen. Das ist es wohl, was die Leute sich immer wieder in diese Länder verlieben lässt.
*
Auch der Schriftsteller, Willy Kyrklund, von dem ich dir geschrieben habe, hat sich "satt von der Selbstgefälligkeit der westlichen Welt" in den Orient verliebt und viele Reisen dorthin unternommen. Er muss ein Sprachgenie gewesen sein. U.a. sprach er persisch (Farsi nehme ich an), griechisch und chinesisch. Aber noch schöner als die Sprachen erschien ihm die Mathematik. So schreibt er darüber:
"Erhaben über die Gebrechlichkeit und Undeutlichkeit der irdischen Sprache entwickelt die mathematische Sprache ihre harmonische und klare Struktur. Hier ist eine autonome Welt von Schönheit und Logik, fern von aller menschlichen Trübsal. Was ist schöner als eine mathematische Formel? Möglicherweise eine Fuge von Bach."

Man nennt Kyrklund einen "modernen Klassiker" und einen Meister in dem kurzen Format. Eigentlich müsste es Bücher von ihm in deutscher Übersetzung geben. Hier ist er zu einer Kultfigur geworden.

Während des Interviews rauchte er ziemlich viel und dazu meinte er, "wenn man älter wird muss man sich ein Bedürfnis zulegen, das man noch befriedigen kann.." Ich glaube so ähnlich denkst du auch, wenn ich dich richtig verstanden habe.. :-)
*
Du kannst dir kaum vorstellen wie sehr ich mich über dein liebes kleines Extramail gefreut habe. Ich brauchte es wirklich. Nicht als Substitut für etwas sondern als Trost. In Gedanken habe ich mir einen Schluck von deiner Schokolade genommen. Hat herrlich geschmeckt und meine frierende Seele gewärmt. Und wie ich sehe hast du ein paar interessante Bücher gefunden. Hoffentlich rauben sie dir nicht all deine Freizeit.
---

Heute abend habe ich einen interessanten Film über Pompeji gesehen. Werde ihn mir dann nochmals mit Anna ansehen und wir werden an unsere schöne Reise zurückdenken.
Es ist leider wieder sehr spät geworden. So sage ich dir schnell gute Nacht und wünsche dir einen guten Start in die neue Woche.
Mit lieben Grüssen,
Marlena

Mittwoch, 3. Januar 2024