Sonntag, 24. Dezember 2017

Unsere Weihnachten - ein interkultureller Mix




Liebe Marlena
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Das Julbord sieht fein aus. Es ist ja auch eine besonders festliche Atmosphäre, wenn jedes Jahr dieselben Köstlichkeiten auf den Tisch kommen. Und das beginnt schon in der Küche und mit dem Geruch, der durch die Wohnung zieht, wie Du und Deine Tochter argumentiert haben.

Unsere Weihnachten ist ein interkultureller Mix. Wir sind uns nicht schlüssig, ob wir am 24. Oder am 25. Dezember feiern sollten. Der 25. ist doch eigentlich eher die katholische Variante. Das Glöcklein, das Du nennst, ist unspezifisch. Ich kann mich erinnern, dass bei uns, als wir Kinder waren, immer ein Glöcklein das Signal und die Erlaubnis gegeben hat, in die Stube einzutreten. Und die Eltern wollten dann stets noch einen Vorhang gesehen haben, durch den eine Bewegung, das heisst das Christkind gegangen sei. Ich habe diesen Vorhang und den Windhauch, der ihn bewegt haben soll, nie wirklich gesehen. Aber ich kann diese Szenerie in meinem Kopf sehr plastisch beobachten. Man sieht nur, wie sehr man den jungen Menschen das VL einreden kann, so dass sie RL wird. Die Grenzen sind ziemlich unbewacht. Vor allem bei den Engeln.

Was die Moslems und Weihnachten betrifft, so ist das so, dass S an der UNO damals natürlich jede Menge Weihnachten und Menschen, die sich um Weihnachten kümmern erlebt hat. Es war offensichtlich auch so, dass die vielen Armenier im Iran festlich Weihnachten feiern, und dass sie dann wahllos Freunde, sowohl Moslems wie Juden dazu einladen. Und gerade letztes Wochenende habe ich in einem Interview mit einem Vetter der berühmten Anne Frank gehört, dass seine Familie, eine jüdische offensichtlich, dasselbe in Basel gemacht hat. Sie fanden das Fest einfach schön, ohne dessen religiöse Bedeutung mitzunehmen. Aber ich muss gestehen, dass in unserer Familie das Weihnachtsfest kein sehr eingeprägtes und konstantes Ritual ist. S wechselt, verziert einmal so, kocht einmal anders, mal ohne Baum mal mit. Die Kinder sind ja auch nicht mehr so, dass sie mit grossen Augen unter dem Baum sitzen. Sie haben oft ihre eigenen Anlässe und wollen bald wieder gehen.

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Ich muss Dich lassen und wünsche einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss
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Samstag, 23. Dezember 2017

23. Dezember





Lieber ...,

Jetzt ist alles fast fertig. Der Weihnachtsbaum ist geschmückt und ich bin mit meinem Werk zufrieden. Wunderschön sieht er aus! Ich tue es jedes Jahr und dabei gehen meine Gedanken zurück in meine Kindheit wo man mir und meiner Kusine diese "wichtige" Aufgabe anvertraute. . Wir bemühten uns den allerschönsten Baum zu machen und hatten einen riesigen Spass bei der Arbeit. Es gab schöne farbige Kugeln, Lametta u.s.w. Unten hängten wir dann noch kleine Körbe mit Gebäck und anderen Süssigkeiten, damit die Katzen auch was gutes bekommen sollten. Mein kleiner Kater Tusse war ganz vernarrt in Weihnachtsgebäck und sogar Feigen ass er mit grossem Genuss.
Eigentlich habe ich nie einen typisch schwedischen Baum gemacht sondern etwas mehr wie ich sie mal als Kind in Wien gesehen hatte. Und wenn wir Besuch bekamen staunten die Leute darüber und beschlossen in Zukunft ihren Baum auch so zu schmücken.

Und nun bin ich also fertig mit dem Kunstwerk und habe Zeit meine e-post zu erledigen. Leider ist es auch Weihnachtspost. Eigentlich liebe ich es nicht so sehr e-cards statt richtige zu senden. Es ist etwas unpersönlich. Aber die Freude schöne Karten (richtige also) auszuwählen habe ich mir nicht nehmen lassen.. Sie liegen hier und erinnern mich an mein Versäumnis. Nächstes Jahr vielleicht.. ;-) 

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Freitag, 22. Dezember 2017

An alle lieben Leser





God Jul

Frohe Weihnachten

Merry Christmas

Joyeux Nöel




Donnerstag, 21. Dezember 2017

Bald Weihnachten

Liebe Malou

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Ja, ich glaube, ich werde mal mit einem solch direkten Zug ins Wallis fahren. Ohne umzusteigen, das ist gut. Da kann man sitzenbleiben und ein dickes Buch lesen. Bloss weiss ich in Visp nicht besonders viel anzufangen. Ich glaube, in einer Stunde habe ich gesehen, was dort los ist. Sie haben ein riesiges neues Bahnhofgebäude gebaut. Und dahinter beginnt gleich das Dorf. Ja, ich merke, ich habe etwas gemischte Gefühle. Die ganze Jugendzeit kommt mir hoch. Wir sind damals oft in den Restaurants umhergezogen, wie man das im Wallis unter Männern eben so macht. Es war eigentlich eine Welt und Zeit ohne viel Ereignisse. Wirklich provinziell. Manchmal, wenn ich zurückdenke, bedaure ich, dass wir als Jugendliche nicht mehr wirklich unternommen haben. Ich meine damit ...

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Weihnachten rückt näher Malou. Ich werde am 25. meinen Vater betreuen. S hat mich instruiert, wie man das tun sollte. Offenbar schläft er viel tagsüber, bleibt aber bis spät in die Nacht vor dem Fernseher. Das heisst doch eigentlich, dass sein Tag-Nacht-Rhythmus gestört sei, nicht wahr? Man sollte ihn morgens ins Licht bringen, habe ich mal gehört. Mittags erhält er sein Essen von Spitex. Das ist ein Mittagessendienst für die Alten. Und für den Abend stellt S etwas hin. So werde ich vielleicht um 20h wieder zuhause sein. Das ist nicht schlecht.

Wie meinst du 'hier ist nicht viel passiert'? Aber Malou, es passiert doch immer etwas, entweder draussen in der Welt, im Quartier, im Haus, oder aber im eigenen Kopf. Das gibt es doch nicht, dass 'nichts passiert'. Das muss eine optisch-akustisch-taktile Täuschung sein.
Jedenfalls wünsche ich dir eine gute Zeit, in der was läuft.
Liebe Gs und Ks

...

Sonntag, 17. Dezember 2017

Nochmals ...


Lieber ...,
Nochmals ein paar Zeilen, wie ich gehofft hatte. Wie schön, dass du nun einen schnellen Weg nach Visp hast. Und vielleicht freust auch du dich auf den Aufschwung für die Region, die das bedeutet. Oder hättest du es gern wie früher, nur dass du schneller hingelangen kannst?

Zum "Schweden des Jahres" hat man diesmal den Kommunevorsitzenden von Haparanda gewählt. Ihm muss man es verdanken, dass Kamprad ein IKEA dort etabliert hat. Und damit folgte ein unerhört grosser Aufschwung auf allen möglichen Gebieten. Eine immer mehr verfallene und entvölkerte Region hat wieder Leben bekommen. Der Umsatz bloss bei IKEA war im ersten Jahr doppelt so hoch als man erhofft hatte. Und das freut mich alles sehr, denn jeden Sommer fahren wir mal dorthin, eigentlich auf dem Weg nach Tornio in Finnland das an Haparanda grenzt.
Ja, mach es, fahr bald einmal nach Visp und nimm deine Digitalkamera mit.

Hier ist sonst nichts Neues passiert von dem ich dir erzählen könnte. Am Donnerstag oder Freitag hole ich Anna ab. Dann muss ein Baum gekauft werden. Das ist immer eine aufregende Geschichte.

Wie schön, wenn du meine Mailbox als zu Hause siehst. Das ist sehr lieb gesagt. Ja, bei mir sollst du immer zu Hause sein. Stell dir vor, nie im Leben brauchst du dich einsam fühlen, weil ich immer bei dir bin.. irgendwie bin ich das wirklich.

So, ich lasse dich wieder. Geniesse diese kleine Praline zu deinem Kaffee.
Mit lieben Gs und Ks
Malou

Wie anders ...




Lieber ...,
Ich sehe wieder wie anders es wäre wenn ich deine Mails ganz spontan sofort beantworten könnte. Ach, welch schwerverdauliche Dinge du dir anhören müsstest. Dann vergehen ein paar Tage und ich denke "es ist nur halb so schlimm, nichts worüber man sich äußern müsste" und es bleibt dabei.

Zu deiner Frage wieviel Jahre ich gekriegt habe, wollte ich sagen lebenslänglich. Aber nicht bei Wasser und Brot. Doch all das übrige gleicht sehr deiner Ehe.

*
Heute ist es richtig wintrig draußen. Eine Winterkälte, obwohl das Thermometer rund Null zeigt. Aber der Himmel ist blau und schön!

Die alte Dame die ich heute Nachmittag zum Zahnarzt bringen sollte, liegt wahrscheinlich im Krankenhaus. Und da auch der Zahnarzt krank ist, kann ich die Zeit für mich selbst verwenden. Ich sollte wohl ein wenig Weihnachtpost erledigen, denn es tropfen schon Briefe und Karten
herein von Leuten die es lieber so haben als am Computer.

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Jetzt sehe ich, dass ein Mail von dir hier in der Box liegt. Wie schön!!!! Ich freue mich schon darauf. Kann das lesen nicht mehr aufschieben. :-)

Wenn möglich komme ich später heute nochmals vorbei.
Ich wünsche dir einen schönen Tag
mit lieben Gs und Ks
Malou

Samstag, 16. Dezember 2017

VISP


date: 18 December

Liebe Malou


Ja, deine ausführlichen Antworten sind soooo lang, dass man sie fast nicht mehr überblickt. Manchmal sieht man sie kaum ;-)


Aber ich schreibe dir sehr gerne. Irgendwie ist es für micht, wie wenn ich einen Brief nach Hause schicke. 

Stell dir vor: heute Morgen bin ich in Basel in einen Zug gestiegen, für den an der Anzeigetafel   V I S P  angeschrieben war. Fand ich ganz komisch. Mit dem neuen Lötschbergtunnel ist man von Basel - glaube ich - in weniger als 2 Stunden in Visp. Und Visp ist als Umsteigestation nach Zermatt und Saas Fee wichtiger geworden. Sie fühlen sich neuerdings den Brigern, die früher immer etwas überheblich waren, heute überlegen. Offenbar rechnen sie auch mit neuen Firmensitzen in Visp. Ich glaube, ich werde mal diesen Zug um 6.30h nehmen und sitzenbleiben bis Visp.  Denke mal, als ich noch in Zürich studiert hatte, ganz am Anfang, dauerte die Heimreise am Wochenende mindestens 4 Stunden. Es dauerte eine ganze Ewigkeit. Man konnte die ganze dicke deutsche Zeitung DIE ZEIT lesen. Und das will schon was heissen. Und heute ist Visp ein Vorort von Bern, so nennen sie es. Sosehr verändert sich die Geographie in der Schweiz.


Gestern abend bin ich quer durch die halbe Stadt marschiert. Es war kalt. Ich hatte keine Lust, auf den Schützenmattpark zu gehen, wo es dunkel ist wie in einem Kuhmagen. Durch die Stadt ist es unterhaltsam. Aber ich hatte keine Stöcke mitgenommen. Bloss meine Juke Box, und habe philosophische Überlegungen zu den Vorsokratikern von diCresenzo gehört. Aber so genau habe ich oft auch nicht hingehört. Es gab, nach dem regen Wochenende, nicht allzu viele Menschen in der Stadt. Und viele der Restaurants und Cafés, die nicht gerade zentral liegen, waren geschlossen. Die Leute sitzen eben leider alle vor dem Fernseher und schauen in die Welt hinaus, dazu alle in die gleiche Kanal-Richtung.


Heute wollte ich mich mit Walo treffen. Doch er antwortet nicht am Handy. Wahrscheinlich hat er viel Arbeit. Ich werde sehen, was sich ergibt.


Ich wünsche dir einen schönen Tag


Liebe Gs und Ks
...

Essen in Rom




Liebe Malou
Ja hübsch, die italienischen Impressionen, nicht? Die Römer essen gerne und man sieht sie oft in verschiedensten Situationen essen. Und wenn immer man in ein Ristorante gerät, das mit Einheimischen besetzt ist, dann bekommt man gutes Essen. Aber auch noch dort, wo sich Touristen auf den Zehen stehen, ist es nicht schlecht. Ich habe oft in einem Self-Service Restaurant gegessen an der Piazza Argentina. Ich glaube, die Italienier können Teigwaren gar nicht schlecht machen. Es war einfach, aber geschmacklich gut.

Freitag, 15. Dezember 2017

Italienreise

 


Liebe Malou

Ich habe soeben von meiner Italienreise geträumt.
Magst du auch?



Re: Schnellstens

Lieber ...,

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Ich kann deine Bilder vor mir sehen. Sie sind sehr lebendig und du hast damit sowohl meine Sehnsucht nach und meine Angst um diese Stadt gesteigert. Nie hätte ich mir das Castel Sant' Angelo mit einem solchen Vordergrund vorstellen können. Es bestätigtalles was mir Lou und N darüber erzählen.
Armes Rom!!!

Siehst du, ein kleines Mail ist es schon jetzt geworden.

Aber ich möchte dir viel mehr schreiben.

Bis dahin alles Liebe und Gute für

diesen Tag
mit Gs und Ks
Malou

Guten Morgen :-)


14 dec.

Lieber Mausfreund,
Wie schön du mir schreibst. Ich habe es sehr genossen. Jetzt bin

ich schon auf Sprung, denn ich werde vor zehn abgeholt. Diesmal
fährt meine Kollegin. Das macht mich etwas ängstlich, denn sie ist
eine unglaublich schlechte Autofahrerin. Aber ich habe mir schon
den Weg vorgestellt und es gibt da nicht viele Situationen, die uns
in Gefahr bringen können. Fast eine gerade Strecke bis zum Ziel.

Schade dass K die Kamera mit hat. Ich würde gern ein paar Bilder

für dich machen von der weihnachtlich geschmückten Stadt.

Nicht nur eine Pfütze... finde ich lustig gesagt und es freut mich
natürlich, dass du es auch so siehst. Und wenn du NY nennst,

so habe ich immer noch den Eindruck ich hätte die Zeit dort mit
dir verbracht. So schön und harmonisch waren deine Mails und
voll von wunderbaren Augenblicksbildern.. obwohl du dir ja auch
eine hübsche Frau angelacht hast. Ein wenig eifersüchtig war
ich schon. :-)

So, mein Kaffee ist fertig. Ich muss mich zurechtmachen und
je te laisse. Ich komme später auf andere Dinge in deinem

Mail zurück.

Bis dahin
alles Liebe und Gute
mit Gs und Ks
Malou

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Dies und das und jenes. ..


Liebe Malou
Ich danke dir für dieses schöne lange Mail. Ein solch langes und ruhiges hast du lange nicht mehr geschrieben. Ja, meine Mausfreundin, ich glaube, wenn ich dir schreibe, habe ich ein klein bisschen das Gefühl, wie wenn ich zu dir und in deine ruhige Atmosphäre auf einen kleinen Kaffee käme. Es beruhigt mich. Und wir haben eine kleine Vergangenheit. Das heisst, unser Wasser hat schon eine gewisse Tiefe. Und das ist mehr als bloss eine oberflächliche Pfütze.
Ich merke schon, dass mir so ein Gefühl der Familie und der Häuslichkeit anfängt zu fehlen. Gerade in dieser Weihnachtszeit ist dies doch ein starkes Gefühl. Aber ich kann auch nicht unbedingt behaupten, ich hätte dies zusammen mit S gehabt. Obwohl sie sich bestimmt Mühe gegeben hat, ein gutes Haus zu führen, davon bin ich überzeugt. Die Atmosphäre hat mir gefehlt, das Gespräch, das Lachen zwischendurch, das Gefühl der Gemeinsamkeit, vielleicht das letzte hat mir am meisten Gefehlt. Es war mir immer so, als ob sie in einer anderen Welt gelebt hat als ich. Heute interpretiere ich es mit der persischen Gesellschaft und der Geschlechterloyalität, die sie hervorbringt. Frauen fühlen sich zuhause unter Frauen, Männer unter Männern. Die Begegnung zwischen den Geschlechtern ist irgendwie exotisch und tendenziell ein Kampf oder vielleicht ein Handel.

Gestern war ich in der Stadt und habe ein wenig die Vorweihnachtszeit genossen. Es gibt viele Leute. Und alle rennen sie irgendwelchen Geschenken nach, die noch zubesorgen sind. Ich bin natürlich in einem Musikgeschäft und einem Bücherladen gelandet. Dort kann ich meine Zeit am besten verbringen. Die grossen Bücherläden sind richtige Freizeitzentren geworden mit Caffeteria, Hörbar für CDs, Büchertische zum Anschauen. Und wenn ich dort hineingehe, erinnere ich mich gerne an jene gemütlichen Bücherläden am Broadway in NY. Sonntag abends um 8 oder 9h konnte man sie noch aufsuchen. Sie hatten eine Art Garderobe, wo man die Taschen abgeben musste. Aber die Läden waren sehr gemütlich und nicht übervölkert wie in Basel. Sie hatten nur einen einzigen Nachteil. All die vielen Bücher auf den grossen Tischen waren alle eben in Englisch.
Und später habe ich noch einen langen Abendspaziergang gemacht und gleichzeitig mit meiner Juke-Box, die mir Walo geschenkt hat, einen Text über die Vorsokratiker von de Crescenco gehört. Es war das erste Mal, dass ich mit Kopfhörer im öffentlichen Raum gewandert bin. Es gibt einem ein spezielles Gefühl. Und natürlich kann man sich nicht immer so gut auf die Stimme konzentrieren. Manchmal überhört man Dinge. Gelegentlich auch, weil es draussen zu laut ist.

Ja, ich würde an deiner Stelle sofort fragen, was die drei Punkte auf der Hand bedeuten. Das finde ich interessant, von Leuten über ihr Leben zu hören. Und natürlich haben nicht alle ein interessantes Leben gehabt. Oder vielleicht muss man sagen: nicht alle können spannend über ihr Leben erzählen. Jedenfalls erinnere ich mich bei diesen Dingen, die du erzählt hast, an eine Untersuchung, die ich damals als Student am IAP gemacht hatte. Ich glaube, du weisst, dass ich damals stundenweise als Psychologe arbeiten konnte. Und ich war in der Verkehrsabteilung beschäftigt, wo man mit der Selektion von Polizisten, Tram- und Buschauffeuren für die Stadt Zürich zu tun hatte. Einer hatte mir dabei von seiner Zeit in der Fremdenlegion erzählt. Ein anderer - ihm war der Fahrausweis entzogen worden - hatte an einem Raub teilgenommen. Er war zwar nur der Fahrer der Gangster gewesen, und hatte im Fahrzeug auf seine Kollegen gewartet. Gerade deshalb wurde ihm der Ausweis für einige Jahre entzogen. Der Grund aber für dieses Unternehmen war seine Geldknappheit. Er war immer nach Konstanz gefahren um zu spielen. In der Schweiz waren damals Casinos verboten. Deshalb musste er dafür an die deutsche Grenze fahren. Ich erinnere mich noch, wie er schilderte, dass er oft nach dem Konstanzer Casino nicht einmal mehr Geld hatte, um Benzin für seine Heimfahrt zu bezahlen. So sehr war er sich vorher sicher gewesen, dass er diesmal viel Geld gewinnen würde. Also frag ihn Malou! Ich bin sicher, ein alter Mensch erzählt gerne von seinem Leben. Vielleicht hat er wirklich gesessen? Und wenn du zuhörst, kannst du nachfühlen, wie es sein muss, im Kittchen zu sitzen. Schliesslich muss man doch alles im Leben mal ausprobieren ;-))
Erzähl mir dann, wieviel du gekriegt hast. 4 Jahre? 6 Jahre bei Wasser und Brot? Bist du wegen guter Führung vorzeitig entlassen worden?

Die beiden Bilder, die du schickst, gefallen mir. Ich finde, Bilder in Kinderbüchern sollten viele lustige und einfallsreiche Details zeigen. Das weckt sozusagen den Eroberungssinn des kindlichen Auges. Kinder lernen, Bilder genau anzuschauen und viele Dinge und Zusammenhänge zu entdecken, die sie anfangs nicht gesehen hatten. Na ja, das ist vielleicht sehr schulpsychologisch gedacht.

Ich werde vielleicht in den Weihnachtstagen einmal ins Wallis fahren. Vielleicht hast du davon gehört, dass der neue Lötschberg-Basis-Tunnel fertig erstellt worden ist. Damit gewinnt man beinahe eine Stunde Fahrt. Visp hat sich damit zum neuen Verkehrsknotenpunkt entwickelt und einen neuen Bahnhof erhalten. In Visp steigen die Leute um, um nach Zermatt oder Saas Fee zu gelangen. Die Visper sind mächtig stolz, durch diese neue Situation die Briger ein bisschen überholt zu haben. Jedenfalls kann man von Bern in einer halben Stunde Visp erreichen. Das ist eine neue Verknüpfung und ermöglicht sogar, im Wallis zu wohnen und in Bern zu arbeiten. Das Wallis ist - so habe ich irgendwo gelesen - zum Vorort von Bern geworden. Es ist mir aufgefallen, wie viel Berner Zeitungen neuerdings über das Oberwallis berichten. Diese neue Verbindung werde ich also mal anschauen. Das Ende des Tunnels liegt etwas oberhalb Raron, also zwischen Visp und Raron. Vielleicht sollte ich wirklich wieder mal im Wallis ein Fondue essen?

Ich wünsche dir einen guten Tag
Liebe Gs und Ks
...



Dienstag, 12. Dezember 2017

Gute Zeit


Lieber ...,
Du wünschst mir eine gute Zeit, und heute Abend habe ich sie. Ich bin nämlich Strohwitwe. Bin ich ja eigentlich immer, aber heute gehört das Haus nur mir und ich kann dir nach Herzenslust schreiben, gerade in dem Moment wenn ich Inspiration habe, d.h. jetzt. :-)

Ich habe mit großem Interesse deine Schreibpläne wahrgenommen und bin erstaunt wie wissenschaftlich du ans Werk gehst. Es wäre schön, wenn du damit Erfolg hättest und das wünsche ich dir aus vollem Herzen. Doch glaube ich immer, dass das schönste Buch von dir deine Memoiren sein müssten. :-)
Doch wenn du einmal einen Namen hast...

Beim lesen deines Mails musste ich an die Zeit zurückdenken, als Anna noch klein war und abends vor dem Einschlafen immer wollte, dass ich ihr etwas vorlesen sollte.. Oft war ich schon sehr müde nach einem strengen Arbeitstag, zu müde um etwas zu lesen, aber noch nicht zu müde um etwas zu erzählen.



Du kennst sicher die Bücher über Pettson. Ich denke sie müssen auch ins Deutsche übersetzt sein. Und zu diesen Büchern habe ich immer neue Kapitel aus meiner Fantasie erzählt. Findus, der Kater, hatte plötzlich ein kleines Liebchen im Wald gefunden, mit der er sich heimlich traf, Pettson selbst kriegte von mir eine "faster Olga" (faster ist Tante = Vaters Schwester). Diese kam oft ohne Ankündigung und schaute bei ihm nach dem Rechten. Auch eine kleine Mausfamilie habe ich erfunden, die abends, wenn Findus endlich eingeschlafen war, hervorkam und in der Küche nach Nahrung suchte. Ich musste mich nicht einmal anstrengen beim erzählen. Es kam alles so spontan zustande.
*
Du erzählst von den Mahlzeiten in deinem Büro und dabei denke ich mit Nostalgie zurück an die schönen Stunden, die ich zusammen mit Kollegen in der Schulkantine verbracht habe. Unsere Schule war sehr gross und an einem normalen Arbeitstag traf man meist nur Kollegen aus demselben Fachbereich. Es gab eine Zeit, wo wir ein gemeinsames Lehrerzimmer und gemeinsame Pausen hatten. Man konnte also täglich mit den meisten anderen Lehrern dort zusammenstrahlen und Gedanken austauschen. Dann kam jemand auf die Idee, die Lehrer sollten in jedem Fach ihr eigenes "Kaffeezimmer" haben und auch die gemeinsamen Pausen verschwanden. Und so blieb dann eigentlich nur noch die Kantine, wo man "die anderen"
treffen konnte. Natürlich gab es auch Leute, die sich eigenes Essen mitbrachten, aber die wussten sicher nicht was sie verpasst haben in der Kantine. Das Essen war hervorragend. Ein Salatbüffet dazu zwei wahlfreie warme Speisen (viele nahmen von beiden), Milch, Bier oder
Mineralwasser. Und nachher noch Kaffee mit einem kleinen Gebäck dazu. Und das alles für etwas mehr als 3 Euro. Aber das schönste dabei waren doch die Leute und die fröhliche Stimmung.
*
Jetzt mache ich eine kleine Pause. Muss mir etwas zu essen machen... Wartest du? Oder läufst du mir wieder davon? ;-)
So, bin wieder hier. Als Nachspeise habe ich mir eine Tasse Tee gemacht und dazu gibt es  Lussebullar (ein besonderes Luciagebäck).
*
Gestern konnte ich nicht einschlafen. Weiss eigentlich nicht warum. Als ich schließlich auf die Uhr sah, war es schon nach 3 Uhr morgens. Dann muss ich doch noch ein paar Stunden geschlafen haben. Um halbzehn musste ich los. Der alte Herr mit dem neuen Hörapparat musste nochmals ins Krankenhaus, um das neue Gerät zu kontrollieren. Aber  gegen halbzwölf war ich schon wieder zu Hause.
Er ist ein sympathischer Mensch und nicht ungebildet, obwohl er nicht studiert hat. Habe ich dir gesagt, dass er 3 Punkte eingraviert hat in der Falte zwischen Daumen und Zeigefinger? Es kann bedeuten, dass er mal im Gefängnis gesessen hat. Man nennt dieses Zeichen "luffartecken" (vagabondenzeichen). Es kann auch anderes bedeuten und vielleicht war er einst nur ein Junge, der sich selbst so was eingravierte um though (tuff?) zu sein. Ich glaube ich frage ihn nächstes Mal danach.. :-)

Heute hatten wir endlich wieder etwas kühles Wetter mit Temperaturen gleich unter Null. Die letzten Tage waren ziemlich trostlos mit Wind und Regen. Dann bevorzuge ich diese kalte Luft. Aber der Himmel ist grau.

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Ich habe nochmals den Artikel "Das lange französische Gedicht" durchgelesen. Der erste Teil kommt mir etwas kryptisch vor. Ich vermisse eine Logik (vielleicht bin ich auch nur zu dumm um sie zu sehen) aber der Artikel weckt Fragen und ich würde gern diese Cécile W bitten mir zu erklären wie sie dies und jenes meint. Mir kommt dabei ein schwedisches Zitat in den Sinn: "Das dunkel gesagte ist das dunkel gedachte". Ihr Bedauern über den mangelhaften Literatur unterricht erkenne ich. Das gilt auch für unser Land. Doch man versucht es nun zu ändern. Ich muss unwillkürlich an das beigefügte Bild denken. Vielleicht sind wir nun schon am letzten Stadium der Entwicklung gelandet.

Nein, ich mache nicht Spass. Ich meine es wirklich.
*
Du schreibst immer so schön, mein lieber Mausfreund. Auch heute noch bist du ein Glückspender in meinem Leben.. eine Droge, von der ich abhängig geworden bin. Es freut mich, dass es dich trotz deines schönen RL immer noch als Mausfreund in meinem Leben gibt.

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Siehst du, es ist schon wieder etwas spät geworden. So lasse ich dich nun und wünsche dir eine gute Nacht bzw. einen guten Morgen.

Mit lieben Gs und Ks
Malou



Montag, 11. Dezember 2017

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle



Lieber ...,
Es war nett eine Weile heute mit dir zu plaudern. Ich habe dir schon ein Bild gemacht von den Zutaten die du brauchst für das Rezept das ich dir senden will.

Neulich musste ich lachen, denn gerade jetzt wo du dich mit deiner Garderobe für den Aufstieg in den Himmel beschäftigst, kam mir dieser Titel vor die Augen. Es ist ein Buch von Doris Lessing. Vielleicht sollten wir uns auf beide Möglichkeiten vorbereiten. Mir spielt es eigentlich keine grosse Rolle wo ich lande. Die Hauptsache ist du bist auch dort. Dann wird es nie langweilig. :-)

So ich lasse dich mit diesen paar Zeilen. Schicke dir ein paar Bilder vom Nobelfest mit und ein Bild für das Rezept, das ich dir senden werde.

Alles Liebe noch
mit Gs und Ks
Malou

Anweisung für einen Abstieg zur Hölle
Anweisung für einen Abstieg zur Hölle handelt von einem Altphilologieprofessor, dessen äußere Realität zusammenbricht und der stattdessen in einer inneren Welt des Geistes aufgeht. Das klingt zunächst einmal klischeehaft, fast abgedroschen, ist aber aufgrund der einfühlenden Erzählweise von Doris Lessing spannend und interessant zu lesen. Passagen aus dieser inneren Welt wechseln sich ab mit kurzen Einschüben aus der so genannten normalen Realität, in der Professor, Charles Watkiens, in einer Psychiatrie gelandet ist, in welcher er mit Psychopharmaka behandelt wird. Doch nichts hält Watkiens davon ab, die verborgenen Bereiche seiner Psyche zu erkunden. Schließlich bringt er die Psychiater auch dazu, sich ernsthaft mit seinem Geist und Leben auseinander zusetzen: durch Briefe und persönliche Interviews von und mit den Angehörigen, Freunden und Bekannten wird ein facettenreiches, panoptisches Bild dieses Mannes gezeigt. Schließlich holen die Vertreter der Commonsense-Realität den Professor mit Elektroschocks wieder in die anerkannte Wirklichkeit zurück, so viel sei hier schon verraten. Insgesamt ist dieses Buch ein gelungenes Bewusstseins-Panoptikum, das sich hauptsächlich aus bunten Innenweltschilderungen, Briefen und Interviews zusammensetzt und nicht ganz anspruchslos ist.

Italienischer Himmel


Liebe Malou
Wenn ich das schon höre "irgendwie hast du ja recht".
N E I N   Malou,
ich habe total recht. Ich habe sowas von recht.  Nein, die Wirtschaft ist uns total aus den Fugen geraten. ...
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Wir haben hier feines Herbstwetter, ziemlich mild, aber doch irgendwie dezemberig. Es ist angenehm und schön, fast so schön wie unter einem italienischen Himmel.
Ja, wir müssen den italienischen Himmel fördern. Es gibt ihn ja schon ein bisschen. Der Papst rasselt mit dem Schlüsselbund. Er kontrolliert sozusagen den Eingang. Ich frage mich, ob man auch im Bikini in den italienischen Himmel treten kann. Dabei kommt mir eine lustige Walliser Sage in den Sinn. Sie erzählt von Seline, die früh Verstorbene. Die Eltern überlegen sich, dass es nach all dem Schmerz auch nützlich sei, jemanden im Himmel zu haben, der sich auskennt. Wenn sie selbst dann einmal eintreten, unvorbereitet, vielleicht in den Werktagsschuhen, dann wird Seline sie in Empfang nehmen und ihnen zeigen, wie es dort oben so läuft, wie man den lieben Gott ansprechen soll und all die anderen wichtigen Dinge.
Am Radio besprechen sie gerade das Problem der Gratiszeitungen, Pendlerzeitung nennt man sie. Es gibt schon ungefähr 4. Sie liegen überall auf, besonders auf den Bahnhöfen. Ich pflege darüber zu sagen "sie sehen aus wie Zeitungen, sind aber in Wirklichkeit keine Zeitungen". Das heisst, sie äussern sich nicht über Politik, sie geben keine Hintergründe und sie machen keine Kommentare. Neuigkeiten kann man überall bekommen. Aber Meinungsbildung und Differenzierung des Urteils, das geschieht nicht. Gerade heute ist eine neue Variante zum ersten mal erschienen. Ich habe sie mir angeschaut. Sie ist ein bisschen differenzierter als die anderen, aber nicht wirklich gut. Ich glaube, ich bleibe bei meiner NZZ am Wochenende.
Ich wünsche dir einen prima Tag
Liebe Gs und Ks und Qs


Re: Haha..

Ok, mein Schatz, du hast "total recht". Ich komme noch darauf zurück. Aber was ich dir nur schnell sagen möchte, ich meine falls es aktuell  werden sollte: Ich rate dir ab von Bikini. Bei dir wäre wohl eine Badehose passender.

Auch dir einen feinen Tag.
Mit lieben Gs und Ks
Malou

Sonntag, 10. Dezember 2017

Wo sind sie...


Liebe Malou
Heute ist Samstag. Und das ist gut so. Der Hochnebel hängt zwar über der Landschaft und die Tauben machen eine Trauerparty drüben auf dem Giebel. Aber es wird sich schon geben. Vielleicht feiern sie auch bloss den 2. Advent und sind ein bisschen ruhiger als an warmen Sommer-
samstagmorgen.

Es war eine hektische Woche. Ich glaube, ich war jeden Tag unterwegs. Das ist nicht unangenehm und entschädigt mich ein wenig angesichts einiger Kollegen, die in der ganzen Welt herumreisen. Aber wenn man zurück ins Büro kommt, liegt alles noch hier wie zuvor. Wo eigentlich sind diese Engel oder Heinzelmännchen, von denen wir in der Jugend gehört haben. Sie sollen während der Schlafenszeit alles aufräumen und erledigen. Hast Du je mal einen davon gesehen? Den einzigen Engel, den ich habe, ist unsere gute Putzfrau. Die Italienerin räumt einmal die Woche in meinem Büro ein bisschen. Aber sie tut das, wie der Küster in der Kirche. Sie berührt alle Papiere mit Respekt, als ob es sich um schwerwiegende Verträge und hohe Schuldscheine handelte. Und sie rückt sie einfach ein bisschen zurecht, damit sie dann in einem schönen rechtwinkligen Verhältnis zur Umgebung liegen. Das sieht, ich muss es zugeben, zuversichtlich aus. Aber an der Arbeit, die getan werden sollte, hat sich überhaupt nichts geändert. Na ja, so ist das Leben.

Morgen haben wir den 2. Advent. Und bestimmt seid ihr in Schweden oben schon mitten in diesem weihnachtlichen Gefühl von Kerzenlicht und Zimtsternen. Bei uns ist es noch weit.  ...

Zum Wochenende


Datum: den 9 december 04:32

Lieber Mausfreund,
Es hat endlich wieder mal aufgehört zu regnen und wenn man zum Fenster hiaussieht hat man den Eindruck es könnte nun April sein. Das Gras wächst und wenn es nicht so nass wäre würde ich den Rasen mähen - stell Dir vor, sowas im Dezember zu tun!!
Ach, chéri, wie gut dass du nicht deletet hast. Deine Briefe sind so wunderbar geschrieben dass ich immer den Eindruck habe, dass ich die Dinge von denen du schreibst wirklich erlebe - nicht nur lese. Das ist auch was ich von einem gut geschriebenen Roman verlange - dass ich hineingehe in die Handlung und dass sie Wirklichkeit wird.

Du bist lieb und versuchst mich auf schonende und vorsichtige Weise zu beraten. Ja, es gibt viele Möglichkeiten Stress zu lindern aber wir leben an unserer Schule in einer Athmosphäre die an sich schon stresserzeugend ist, und dann noch dazu all diese extra Arbeit die eigentlich das Schulwerk zentral tun sollte, die man aber den Schulleitungen überlässt - und die diese wiederum von den Lehrern ausführen lassen. Ich wünsche dass man sich endlich einmal auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren könnte.
Du hast ein wenig Angst vor den Weihnachtsferien. Ich merke es in deinen Mails. Aber wir werden es zusammen überstehen. Und du wirst doch auch etwas mehr Zeit für Geselligkeit haben.. und auch Zeit haben deine 42 Bücher zu lesen ;-) Und bald hat A ihr Abitur überstanden und dein Leben wird auch etwas ruhiger werden.

Siehst du ein wenig von der Nobelpreiszeremonie morgen? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun.
Ich sende dir diesen kleinen Samstagsgruss und wünsche dir ein richtig schönes erholsames Wochenende.
Schreib mir ein paar Zeilen. Es würde mich sehr freuen
Liebe Grüsse
und KKK
Marlena

Ich vermisse dich..



Samstag, 9. Dezember 2017

Post-Nikolaus zum Zweiten


Datum: den 7 december  09:18

Ach, Marlena, Dein Mail war wirklich so lieb und innig, wie ich es schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Ich danke Dir herzlich dafür. Es ist ein schönes Geschenk, Dich zu kennen. Und Deine Idee, S könnte mit B. was unternehmen, möchte ich weiter verfolgen. Es ist nämlich so, dass die beiden zur Zeit nicht gut miteinander auskommen. B meint, S sei viel zu streng. Und sie hat natürlich von ihrer Kultur und ihrer Familie her sehr klare und strikte Vorstellungen, wie das Leben vor sich gehen sollte. Ich bin dagegen geradezu vage. Ich finde, jeder muss seinen eigenen Weg finden, und jeder mäandert so durch die Lebens-Landschaft. S dagegen ist überzeugt, es gibt einen Weg, und er ist gerade wie eine Avenue. Man soll sie auch nicht verlassen, denn sonst verläuft man sich gerne. Da kannst Du Dir denken, dass unsere individualistischen Vorstellungen, die natürlich auch meine Töchter haben, ein klein wenig zu kurz kommen.

Du hast schon Recht mit deinem Eindruck, dass B mehr nach aussen orientiert ist. Sie hatte immer mehr Freunde als A.. Sie hatte immer mehr Zeit mit anderen Leuten verwendet. Aber im Moment findet sie alle Schulkameradinnen und -kameraden unakzeptabel und naiv. Und die nächste Klasse, die sie besuchen würde, wenn sie ein Jahr repetiert, findet sie eben so schwach. Und ihren Ex-Freund, den sie für ein paar Monate hatte, findet sie echt naiv und ahnungslos. Das ist schade, denn er war ein netter Kerl. Und sie hat die Möglichkeiten dieser Freundschaft gar nicht voll ausgeschöpft. Sie hat das zu früh wieder beendet. Ich finde, sie hat zwar recht, dass er etwas unentschlossen und weich war. Aber das ist für den Vater natürlich ein guter "Schwiegersohn" ;--)

Und dass B immer lebenslustig und sinnlich war, das stimmt auch ganz gut. Das hast du schon richtig vernommen. Aber heute hat sich das alles etwas gedreht. Aber ich glaube, sie hat die andere Seite immer noch. Wenn sie tanzen geht am Freitag Abend, dann macht sie schon einen anderen Eindruck. Aber nur einmal in der Woche so zu wirken, ist eben schon ein wenig selten.
Man sagt immer, die Mädchen seien leicht zu erziehen, wenn sie klein sind, und schwierig, wenn sie in die Pubertät kommen und später. Und bei den Buben ist es umgekehrt. Sie sind schwierig, wenn sie als Kleine ihre Streiche machen, und wenn sie anfangen, den Mädchen gefallen zu wollen, dann werden sie ganz brav und fangen an, ihre Haare zu kämmen. So über Kreuz verläuft die Entwicklung!
Ich danke Dir, meine bessere Krebs-Hälfte (das sagt man hier eigentlich von seiner Ehefrau!!!) Ich wünsche Dir einen schönen Tag
SSS
...




Freitag, 8. Dezember 2017

Pause



Palmenhaus in Göteborg







Mittwoch, 6. Dezember 2017

St. Nikolaus



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Wir haben heute St. Nikolaus. Den kennt ihr ja auch. Aber er kommt hier nicht mit einem Rentier, sondern allenfalls noch mit einem Esel. Es gibt zwei Arten von St-Nikolaus. Im Wallis, also einem katholischen Teil des Landes kommt der St.Nikolaus mit dem Bischofsstab. Er sieht wie ein Bischof aus, hat natürlich aber auch Bart und ein Gehabe wie St. Nikolaus. Und daneben kommt Schmutzlich, er ist ganz schwarz. Man könnte denken, es sei der Teufel, oder mindestens sonst ein nicht sonderlich vertrauenswürdiges Wesen.
Und dann gibt es den St. Nikolaus in reformierten Gebieten. Dort hat der Mann einen meist roten Anzug mit einer Kaputze und einen langen weissen Bart. Meist hat er auch noch ein riesiges Buch, aus dem er den Kindern die Sünden und Straftaten des Jahres vorhält.
*
Ich kann mich an eine Nikolaus-Szene im Kindergarten erinnern. Wir hatten eine Bank rundum im Raum und sassen gespannt da, bis das grosse Unikum hereintrat. Und siehe da, der Kerl hatte einen Sack auf dem Rücken, an dem ein Sack hing. Und aus dem Sack ragte ein Bein in Strumpf und Schuh. Natürlich wollten wir Kleinen sofort wissen, was mit dem Bein los sei. Und der komische Kerl meint, dies sei Vreni, die eben nicht folgsam gewesen sei.

Lange Jahre konnte ich kein Mädchen ertragen namens Vreni. Ich verabscheute sie richtiggehend, nur weil sie hiessen, wie dieses Mädchen, von dem ich glaubte, es wäre wirklich im Sack des St. Nikolauses weggetragen worden.

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Ämne: RE: St. Nikolaus
Datum: den 6 december 11:47

Liebster Mausfreund,
Zum ersten mal seit ewig kann ich dir einen sonnigen Gruss senden. Über dem Waldrand steht sie, diese grosse leuchtende Kugel und scheint so herrlich in den Garten und zum Fenster herein. Ich spüre wie meine Lebensgeister wieder erwachen. Ach, es ist einfach herrlich!

Und da finde ich gerade auch ein Nikolausmail von dir. Hatte ganz vergessen, dass heute Nikolaus ist, denn bei uns feiert man das nicht. 

Ach, du bist lieb, dass du mir dieses Mail sendest obwohl du keins gehabt hast. Ich sende dir dafür meine allerbesten Wünsche für diesen Tag und falls ich dazu komme schreibe ich dir noch ein längeres Mail etwas später heute.
G+K
Malou

Freitag, 1. Dezember 2017

Advent



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Und was treibst du Malou? Bist du an den Weihnachtsvorbereitungen? Das glaube ich mindestens. Du wirst dein Haus auf Hochglanz bringen und alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint, nicht wahr?

Und ich, wie gesagt, mit einem Kerzlein unter der Brücke.
Liebe Gs und Qs und Ks und so


Lieber ...,

"alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint" *smile* Ja doch, das tun wir alle hier in Schweden. Und nicht nur was beleuchtenswert erscheint..
In allen Fenstern siehst du, schon vom 1. Advent an, entweder Sterne oder Leuchter. Früher, als ich noch klein war, gab es diesen schönen aus Papier, der wirklich wie ein richtiger Stern aussah, wenn er angezündet war und ein warmes schönes Licht verbreitete. Ich habe immer noch einen solchen oben bei mir und ich muss sehr vorsichtig damit umgehen beim aufhängen, denn er leidet schon sehr an Altersschwäche. Werde ganz nostalgisch wenn ich ihn leuchten sehe. Doch heutzutage gibt es alle möglichen Sorten. Manche aus dünnem Holz geschnitzt, andere aus goldglänzendem Metall: Ach, es gibt wirklich so viele verschiedene Sterne und immer wieder kommen neue dazu.

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Und jetzt glaubst du, dass du bald als Clochard leben wirst.. wenn ich dich richtig verstanden habe. Ja, pass ein Bisschen auf, ...! Ich hatte in meinem Freundenkreis Männer, die nach einer Scheidung ziemlich verwahrlost daherkamen. Mit wildem Haarwuchs und Kleidern, die man ihnen am liebsten gleich in die Waschmaschine gesteckt hätte. Aber nein, bei dir ist das keine Gefahr. Hast doch sogar schon deine eigene Friseurin. ;-)

Es freut mich, dass du mit dem Schreiben beginnen willst. Aber Konsalik? Ich kenne den Namen und ich glaube sogar, dass ich eventuell ein Buch hier irgendwo stehen habe, das mir mal Bertelmans Lesering geschickt hatte, als ich vergessen hatte abzubestellen. Ich war, als ich an der Uni Germanistik studiert habe, Mitglied in diesem Lesering.

Ich habe dir sicher schon einmal von dem Programm erzählt, das man eine zeitlang jeden Donnerstag sehen konnte. Man zeigte jeweils einen Schriftsteller und liess ihn/sie über sein Schreiben berichten. Man erfuhr wie, wo und wann sie schrieben und dabei habe ich gestaunt, wie hart sie fast alle ihr Schreiben diszipliniert haben. Fast wie Bürozeiten kam es mir vor. Sie erzählten sehr persönlich und voll Charme. Manche trugen ständig ein kleines Notizbuch bei sich, damit sie, wenn ihnen was Gutes einfiel, es gleich aufzeichnen konnten.
Ich habe mir diese Programme öfters auf Video aufgenommen, um sie später nochmals richtig geniessen zu können. Ich hatte auch den Eindruck, dass sie in ihren kreativen Perioden sich  von der Umwelt zurückzogen, um nicht gestört zu werden. Anfangs hatten sie meistens einen Plan (einen Plot?)  und gewisse Personen bestimmt für ihre Story. Doch oft merkten sie, wie sich diese Personen selbständig machten und sich nicht besonders um die Absichten des Schriftstellers kümmerten. Der Roman schrieb sich sozusagen selbst. :-)

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So verabschiede ich mich wie üblich mit lieben Gs und Ks (wahlfreie Sorte) Qs
Marlena