Mittwoch, 29. Mai 2013
Fronleichnam
Ämne: Fronleichnam
Datum: den 10 juni 2004 06:10
Liebe Malou
heute habe ich ein volles Programm. Vielleicht ist nicht gut, gleich am Morgen an all das zu denken, was noch kommt. Aber irgendwie steht es vor mir wie der Monte Ceneri, dieser hübsche monströse Berg in der Südschweiz. Und er wirft seine Schatten voraus.
Heute ist Fronleichnam, wenn ich richtig gehört habe. Das war im Wallis damals ein grosser Feiertag. Schon Tage vorher wurden die verschiedenen Altäre auf den Plätzen aufgestellt und dekoriert. Und am Tag dann kam die Prozession gleich eine Strasse weiter an unserem Haus vorbei. Schon morgens in der Frühe wurde mit Kanonendonner geballert und die Musik spielte den Zapfenstreich. Das war eigentlich alles nicht sonderlich aufregend. Aber es erinnerte mich an das Jugendfest in Lenzburg, dieser grösste aller grossen Feiertage für die Jugend in jener Gegend. Dort gab es auch Kanonendonner in der Früh, dann einen riesigen Umzug mit verschiedenen Musikformationen, einen grossen Umzug mit der Jugend und der Lehrerschaft durch die mit Fahnen und Kränzen geschmückte Stadt. Vor dem grossen alten Schulhaus erhielt man aus der Hand des Gemeindepräsidenten nach einem kleinen Diener ein Fr. 0.50 Stück. Später irgend eine Wecke. Und am Nachmittag war Tanz und freies Karussell und andere Vergnügungen. Es war der grösste Tag, den man als Kind in Lenzburg erleben konnte. Und die Musik am Morgen, wenn man sich noch im Bett drehte, erinnerte in Visp ein wenig an jenen Tag. In manchen Jahren fuhren wir an diesem Tag während vielleicht 3 Stundenden langen Weg via Lausanne nach Bern, um einzukaufen. Im Wallis gab es damals wenig Einkaufmöglichkeiten. Und so taten wir dies in Bern. Unsere Eltern waren die meiste Zeit beschäftigt, und wir Buben genossen immer wieder die Fahrten auf der Rolltreppe im Einkaufszentrum.
Ich muss an die Arbeit, um den Berg abzubauen.
Und so wünsche ich Dir einen schönen Tag.
mlgukus
Dienstag, 28. Mai 2013
Pfingstrosen ... und Ameisen
(R)
Liebe Malou
Sie sieht noch ein bisschen jämmerlich aus, die Pfingstrose. Aber es
wird schon werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so difizil
sei, wie du gelesen hast. Na ja, vielleicht ist das in nordischem
Klima anders. Jedenfalls im Wallis sind sie sehr üppig gewachsen und
haben im Frühsommer geblüht wie Frauen im besten Alter. Schön, dass du
plötzlich zur Erfüllung deines Wunsches gekommen bist. Ich werde
dasselbe versuchen. Doch bei mir ist die Wahrscheinlichkeint nicht so
hoch, dass mir jemand eine Blume für den Garten bringt. Ich habe
keinen grossen Namen als Gärtner. Noch nicht, muss ich vielleicht
sagen. Vielleicht siehst du mich in 5 Jahren nicht mehr anders als mit
einer grünen Schürze und erdverschmutzten Händen. Wer weiss? Ich
kann mir das schon vorstellen, nicht als Ganztagesbetätigung, sondern
als Part-Time-Job sagen wir jeden Morgen von 7h bis 10h. Das ist für
mich die beste Zeit, im Garten zu arbeiten. Wenn dann die Sonne kommt,
dann verschwinde ich in der schattigen Wohnung. Dann werde ich mich
ins Atelier zurückziehen und mit den Modellen spassen, die sich ja
doch bis um diese Zeit eingefunden haben sollten ;__)) Und dann habe
ich auch diese Grosszügigkeit in der Hand, die sich dadurch einstellt,
dass der Körper von einer Anstrengung schon ein bisschen müde ist.
Diese leicht zitterige Bewegung ist das beste für die Öl-Malerei,
natürlich bei grösseren Formaten. Es gibt übrigens sehr schöne
Gemälde, die Pfingstrosen zeigen. Ich glaube, über sie bin ich
überhaupt zur Wertschätzung gekommen. Du siehst, welche Umwege ich
mache. Am ehesten kommt mir dabei Manet in den Sinn. Aber auch von
Corinth habe ich eins in Erinnerung, und bestimmt ist auch Renoir
nicht daran vorbeigekommen. Und jedes mal ist es diese satte,
sommerliche Üppigkeit, die im Vordergrund steht. Nicht die sengende
Sommerhitze, die alles austrocknet, sondern die mehr feuchte Wärme,
die die Pflanzen ins Kraut schiessen lässt.
Und dann wirst du natürlich Ameisen haben, die die Pfingstrosen auch
sehr schätzen. Ich glaube, sie haben einen süssen Saft, was die
Ameisen aufs Äusserste lieben. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam an
schönen Sommerabenden in diese Pfingstrosen und betrinken sich
tüchtig, singen zweideutige Lieder und flirten rundum nach
Möglichkeiten, die sich da ergeben. Nur die Königin bleibt reserviert
und nobel in ihrer Höhle sitzen, legt ab und zu ein Ei, und lässt sich
von ihren Mitarbeitern, wenn sie torkelnd zurückkehren, von ihren
Trinkfreuden und feuchten Abenteuern in den Pfingstrosen erzählen.
Dazu lächelt sie bestimmt so geheimnisvoll wie eine ägyptische Sphinx,
und man weiss nicht genau, ob dies Verachtung bedeutet oder ein
kleiner Rest von Begeisterung und mitempfundener Freude. Und bestimmt
wird sie dann die Augenbrauen heben und bedeuten, dass sie selbst, sie
als Mutter aller Mütter, sie als Eiermaschine des ganzen Stammes
sozusagen, dass sie selbstverständlich keinen süssen Drink riskieren
will.
---
.
Liebe Malou
Sie sieht noch ein bisschen jämmerlich aus, die Pfingstrose. Aber es
wird schon werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so difizil
sei, wie du gelesen hast. Na ja, vielleicht ist das in nordischem
Klima anders. Jedenfalls im Wallis sind sie sehr üppig gewachsen und
haben im Frühsommer geblüht wie Frauen im besten Alter. Schön, dass du
plötzlich zur Erfüllung deines Wunsches gekommen bist. Ich werde
dasselbe versuchen. Doch bei mir ist die Wahrscheinlichkeint nicht so
hoch, dass mir jemand eine Blume für den Garten bringt. Ich habe
keinen grossen Namen als Gärtner. Noch nicht, muss ich vielleicht
sagen. Vielleicht siehst du mich in 5 Jahren nicht mehr anders als mit
einer grünen Schürze und erdverschmutzten Händen. Wer weiss? Ich
kann mir das schon vorstellen, nicht als Ganztagesbetätigung, sondern
als Part-Time-Job sagen wir jeden Morgen von 7h bis 10h. Das ist für
mich die beste Zeit, im Garten zu arbeiten. Wenn dann die Sonne kommt,
dann verschwinde ich in der schattigen Wohnung. Dann werde ich mich
ins Atelier zurückziehen und mit den Modellen spassen, die sich ja
doch bis um diese Zeit eingefunden haben sollten ;__)) Und dann habe
ich auch diese Grosszügigkeit in der Hand, die sich dadurch einstellt,
dass der Körper von einer Anstrengung schon ein bisschen müde ist.
Diese leicht zitterige Bewegung ist das beste für die Öl-Malerei,
natürlich bei grösseren Formaten. Es gibt übrigens sehr schöne
Gemälde, die Pfingstrosen zeigen. Ich glaube, über sie bin ich
überhaupt zur Wertschätzung gekommen. Du siehst, welche Umwege ich
mache. Am ehesten kommt mir dabei Manet in den Sinn. Aber auch von
Corinth habe ich eins in Erinnerung, und bestimmt ist auch Renoir
nicht daran vorbeigekommen. Und jedes mal ist es diese satte,
sommerliche Üppigkeit, die im Vordergrund steht. Nicht die sengende
Sommerhitze, die alles austrocknet, sondern die mehr feuchte Wärme,
die die Pflanzen ins Kraut schiessen lässt.
Und dann wirst du natürlich Ameisen haben, die die Pfingstrosen auch
sehr schätzen. Ich glaube, sie haben einen süssen Saft, was die
Ameisen aufs Äusserste lieben. Wahrscheinlich fahren sie gemeinsam an
schönen Sommerabenden in diese Pfingstrosen und betrinken sich
tüchtig, singen zweideutige Lieder und flirten rundum nach
Möglichkeiten, die sich da ergeben. Nur die Königin bleibt reserviert
und nobel in ihrer Höhle sitzen, legt ab und zu ein Ei, und lässt sich
von ihren Mitarbeitern, wenn sie torkelnd zurückkehren, von ihren
Trinkfreuden und feuchten Abenteuern in den Pfingstrosen erzählen.
Dazu lächelt sie bestimmt so geheimnisvoll wie eine ägyptische Sphinx,
und man weiss nicht genau, ob dies Verachtung bedeutet oder ein
kleiner Rest von Begeisterung und mitempfundener Freude. Und bestimmt
wird sie dann die Augenbrauen heben und bedeuten, dass sie selbst, sie
als Mutter aller Mütter, sie als Eiermaschine des ganzen Stammes
sozusagen, dass sie selbstverständlich keinen süssen Drink riskieren
will.
---
Samstag, 25. Mai 2013
Vollmond
Liebe Marlena
Gestern Abend war Vollmond, nicht wahr? Auf jeden Fall bin ich lange in der Stube auf und ab gegangen. Und der Mond bewegte sich langsam hinter den losen Wolken, oder aber haben sich wahrscheinlich die Wolken vor ihm dahingeschoben. Ich habe an dich gedacht und an ein fantastisches Mail, dass du mir in einem solchen Moment schreiben würdest, ohne jegliche Verantwortung zu übernehmen, also reine Verrücktheit, purer Wahnsinn. Das war eine romantische Situation, und der Gedanke, dass du im selben Moment eben diesen Mond anschauen würdest, und dass du ein bisschen ratlos am Füllfeder nagen könntest, um dann weiterzuschreiben, das war ein wunderbarer Gedanke. Es war absolut unwichtig, dass du nie in der Welt mit einem Füllfeder schreibst, sondern mit einer dieser modernen Maschinen, die sich am liebsten mit allen 10 Fingern beklappern lassen.
...
Freitag, 24. Mai 2013
Spargelessen
date 22 May 2006
Und heute abend haben wir unser Spargelessen. Es findet in Bad-Bellingen, also in Deutschland statt. Ältere Kollegen finden es ein Witz, nach Deutschland zu fahren, um Spargeln zu essen. Das müsse man im Elsass tun, meinen sie. Aber D ist natürlich bedeutend billiger. Und ich glaube, das ist auch der Grund, weshalb unser guter Ch. das so organisiert hat. S bestellt sich jedes mal beim Spargelessen ein gutes Steak oder so ähnlich. Sie behauptet, mit Spargeln hätte man nicht wirklich gegessen. Und so falsch hat sie nicht dabei.
date 23 May 2006 07:41
subject Re: ???
Liebe Malou
Fantastisch, ich schreibe als Antwort auf mein eigenes Mail. Aber oben erscheint deine Adresse. Das System scheint sich schon daran gewöhnt zu haben, dass ich hier in die frische Luft hinaus monologisiere. Man sieht das doch im Theater. Die Helden gehen auf der Bühne auf und ab und schreien ihre Monologe hinaus in den Publikumsraum. Zu niemandem direkt. Einfach so, damit es mal wieder richtig hallt. Und wenn es gut kommt, sterben sie nachher, ich meine nach dem langen und wunderschönen Monolog.
Gestern also das Spargelessen. War ziemlich weit bis Bad Bellingen. Ich würde schätzen 40 km auf Nebenstrassen und im Regen. Aber es gab eine gute Beteiligung. Viele waren da. Es ist irgendwie eine alte Tradition, dass man zu diesem Spargelessen geht, und noch dazu seine Mammeselle mitbringt. Früher ist nach dem langen Essen W aufgestanden und hat mit ein paar netten Worten jeder Dame einen Kuss auf die Backe und ein Sträusschen Maiglöcklein in die Hand gedrückt. Das war eine hübsche, vielleicht etwas altmodische Geste allen einen guten Sommer zu wünschen. Und viele Kollegen waren natürlich eifersüchtig, dass einer allein alle Damen abküssen darf. Aber jetzt ist W alt geworden. Und sein Nachfolger hat eine eigene hübsche junge Frau, eine Italienerin nota bene. So ändern sich die Sitten und die Eifersüchteleien, wie man sieht.
Wir sind etwas später eingetroffen, haben aber noch glücklich einen Parkplatz gleich vor der Garage des Besitzers gefunden. Jedenfalls hat er uns erlaubt, unser Gefährt dort stehen zu lassen. War ja auch wichtig, nicht noch zu weit im Regen gehen zu müssen. Und dann fanden wir am Ende des Mitteltisches noch zwei gute Plätze. Plätze sind gut oder weniger gut je nachdem, in welcher Runde man sitzt. Manchmal ist es ein bisschen langweilig. Dieses Mal sassen wir in einer Gruppe junger Leute. Und es gab lebhafte Diskussionen, die natürlich, Glas um Glas, immer leidenschaftlicher wurden. O, der Arzt, behauptete, es gäbe keine Beweise, dass Sport wirklich gesundheitsförderlich sei. Wirklich nicht. Du kannst dir vorstellen, dass eine solche Behauptung, noch von einem Arzt, einen gut und gerne eine halbe Stunde vor dem Spargelessen beschäftigen kann. Na ja, es gab noch andere Thesen, die in die Luft geworden wurde. Aber diejenige den Sport betreffend war wohl die verwegendste.
Und dann kamen die Spargeln. Wir sagen in der Schweiz ja 'die Spargel', während die Deutschen 'der Spargel' sagen. Jedenfalls haben sie gut geschmeckt zusammen mit der Hollandaise, Mayonnaise und Bärlauchsauce. Und daneben gab es verschiedene Arten Schinken zusammen mit kleinen Brötchen. Ich habe kürzlich gehört, dass man Spargeln nicht im Wasser kochen sollte, sondern gewürzt und eingepackt in eine Alufolie im Backofen etwa 30 Minuten sozusagen backen sollte. So bleibe der Geschmack beisammen und werde nicht im Sud ausgekocht. Aber ausprobiert habe ich diese gloriose Idee noch nicht. In deutschen Fernsehstationen sind Kochsendungen Mode geworden. Und wenn man sich ungeplant, wie ich das tue, ab und zu in die Programme hängt, gerät man leicht in solche Studieküchen hinein. Sie sind manchmal ganz unterhaltsam. Und man denkt natürlich, man lerne ein bisschen etwas dabei. Aber der Haupteffekt ist bloss, dass man zum Schluss mit einem riesigen Hunger im Bauch aufsteht und gleich in die eigene Küche eilt. Dort ist man dann enttäuscht, wie wenig sie auf einen Bärenhunger wirklich vorbereitet ist.
Und jetzt muss ich ans Werk. Ich hoffe, ich überstehe diesen tristen Tag. Weiss noch gar nicht, womit ich mich aufheitern kann? Vielleicht doch bloss mit dem Gedanken an den freien Auffahrtstag.
MLG
Donnerstag, 23. Mai 2013
Mittwoch, 22. Mai 2013
.. und ein Bild
Piazza Santa
...
Es ist nebelig heute morgen, und die Tauben sitzen etwas depressiv
dort oben auf dem Dachfirst. Aber bestimmt riechen sie, was in der
Luft liegt. Bis Mittag wird doch sicherlich die Sonne wieder
erscheinen und uns schönes Wetter schenken.
...
Ich füge hier ein Bild ein. Das geht wohl nicht, oder? Es ist ein
Ausblick von der Kuppel des Petersdoms auf die Piazza Santa (so ist es
auf den Autobussen angeschrieben) und die Engelsburg. Dahinter, der
grosse helle Komplex, das ist der Justizpalast. Ist ja auch
merkwürdig, dass die Italiener einen solch stattlichen Palast haben
für ihre Justiz, wenn man weiss, wie sie mit ihr umgehen. Und das
ganze liegt in Trastevere, also jenseits des Tiber. Das ist ein
stattlicher Ausblick, nicht wahr?
Was mir immer wieder gefällt, sind diese vielen Statuen, die Heiligen,
auf den vatikanischen Kolonnaden. Das ist sozusagen christianisierte
Antike. Darauf falle ich immer wieder herein. Das gefällt mir immer
wieder. Und auch auf die barocken Kuppeln packen mich. Sobald eine
erscheinen, zücke ich meine Kamera. Jedes Mal I fall in love. Ich kann
es weder erklären noch ändern. Na ja, will ich eigentlich auch nicht.
Ich muss jetzt mal herausfinden, wie ich die Bilder in den Fotofolder
transportieren kann. Dh. ich weiss das schon, aber ich möchte sie in
einem speziellen Arrangement.
Mit lGuK
fauler Fernsehabend
date 31 October 2004 10:35
subject Re: So...
Liebe Malou
Ich glaube, ich habe einen kleinen Moment Zeit für ein paar Zeilen.
Wir haben hier nochmals Glück, ähnlich wie letztes Wochenende. Der
Himmel hat gestern aufgehellt und heute ist es recht sonnig. Der
Kastanienbaum gegenüber auf dem Platz ist gelb bis rostrot. Das weckt
einen Schwarm von sinnlichen Erinnerungen, Brückenerinnerungen
sozusagen. Man hat immer noch die Wärme des Sommers im Blut, wittert
aber schon von ferne einen kalten, schneereichen Winter. Als
Frischlinge erlebten wir diese Momente stärker als heute, da wir als
Spätlinge tagelang hinter verschlossenen Fenstern in klimatisierten
Räumen warmen Kaffee trinken.
Ich bin noch ziemlich stark unter dem Eindruck eines faulen
Fernsehabends gestern. Zuerst war ich an einen Film über Amerika und
Haloween geraten, der aber schliesslich jene Zeit um 68 wieder
aufleben liess, da Bob Kennedy im Wahlkampf ermordet worden war. Ich
hatte mich damals wirklich stark mit diesem Kennedy identifiziert, und
die Walliser waren natürlich ganz und gar auf der Seite des
katholischen Clans. Im Wesentlichen hat der Film auch hier behauptet,
wie doch schon beim Mord an JF. Kennedy, der palästinensische Mörder
Shirhan sei nicht wirklich der Täter und die Polizei hätte
nachträglich alle Indizien und Spuren verschwinden lassen. Aber dieser
Teil der Geschichte interessierte mich weniger. Ich denke, das sei ein
Problem der Amis, und nicht das unsere.
Ich glaube, die Kennedys haben echt gut mit den Medien gespielt. Die
Fotos die kursieren, sind dazu angetan, die Liebe der Oeffentlichkeit
zu entflammen. Und wenn man denkt, das J.F. Kennedy eigentlich ein
sehr kranker Mann war, der ständig Medikamente benötigte, und wenn
man dabei sieht, wie viril und munter er auf den Pressefotos zur
Darstellung kommt, dann muss man da doch eine grosse Kluft
feststellen. Na ja, wiederum, das ist das Problem der Amis. Sie sollen
endlich ihre Hausaufgaben machen!
Vielleicht könnte ich aus all dem behaupten, sie hätten auch mich
erwischt mit ihren Fotos und Fernsehbildern. Ich bin ihnen auch
nachgelaufen, diesem Mythos der Kennedys und des amerikanischen
Traums. Ich hatte da hinein auch meine Hoffnungen gesteckt. Ich kann
mich noch sehr gut an jenen Schultag nach dem Tode J.F. Kennedys
erinnern. Wir Schüler waren alle empört, dass die Lehrer zu den
Lektionen und zum courant normale übergingen, während wir doch
diskutieren und vielleicht irgendwie trauern oder aber die Welt
verfluchen wollten.
Und um 23h dann sah ich noch meinen Truffaut Film. Das war meine
eigentlich Absicht des Abends, obwohl er doch schon sehr spät im
Programm platziert war. Er hat mir gut gefallen, obwohl ich schon
müde war, und obwohl er zur Zeit des 2. Weltkrieges gespielt hatte. Er
heisst „Die letzte Metro" oder ähnlich. Und die Deneuve war schön wie
immer. Depardieu hatte noch nicht seine Figurprobleme. Der Film spielt
in einem Theater. Deneuve hat die Leitung des Theaters übernommen,
weil ihr Mann, ein Jude, verschwinden musste. Aber in der Tat hauste
er im Keller und konnte durch ein altes Röhrensystem an den Proben und
Vorstellungen oben auf der Bühne teilhaben und abends seiner Frau die
Anweisungen geben. Das ist doch insgesamt eine gelungenes Szenario für
eine gute Geschichte, nicht wahr? Und über dem Ganzen schwebte dieser
französische Hauch, den wir an unseren westlichen Nachbarn so sehr
lieben.
---
Dienstag, 21. Mai 2013
Na ja, wir werden sehen
Eine schöne chinesische Geschichte:
...
Ein chinesischer Bauer lebte in einem Dorf am Fusse des grossen Berges. Eines Tages war sein Pferd aus dem Stall verschwunden. Der Bauer war sehr verwundert, konnte sich die Sache aber nicht erklären. Und die Leute des Dorfes sind zu ihm gekommen und haben ihr Mitleid ausgesprochen für den schweren Verlust dieses schönen Pferdes. Der Bauer aber liess sich nicht betrüben und sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Zwei Wochen später stand sein Pferd wieder im Stall. Aber es war begleitet von einem Wildpferd, das sich ihm angeschlossen hatte. Und wieder kamen die Leute des Dorfes, diesmal, um den Bauer zu beglückwünschen. Hatte er nicht soeben ein Pferd gewonnen. Doch der Bauer sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Es verging nicht viel Zeit, und der Sohn des Bauern stürzte vom wilden Pferd und brach sich ein Bein, als er versucht hatte, es zu reiten. Die Leute des Dorfes kamen wiederum zum Bauern, um ihm ihr Beileid auszudrücken. Doch der Bauer sprach bloss: Na ja, wir werden sehen. Keine Woche später erschienen staatliche Beamte im Dorf, um Soldaten für die Armee auszuheben. Und sie nahmen alle jungen Männer, die im besten Mannesalter waren und in der Arbeit dringend benötigt wurden, mit, damit sie in der Armee ihr Leben riskieren würden. Nur den Sohn unseres Bauern konnten sie nicht mitnehmen, denn er hatte sein Bein gebrochen. Und wiederum kamen die Leute des Dorfes, um den Bauern zu beglückwünschen. Und wiederum antwortete er ihnen: Na ja, wir werden sehen.
Was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein positives und was ist ein negatives Ereignis im leben. Das kann man im Grunde erst am Ende des Lebens sagen. Aber die meisten Menschen können nicht so lange warten und geben den Ereignissen sofort einen Sinn. Es gibt da natürlich Pessimisten und es gibt Optimisten. Die Optimisten, die die Kraft haben, ihr Leben positiv zu sehen, die auch in widerlichen Ereignissen noch positive Möglichkeiten sehen, sie bauen ihr Leben wie ein Turm. Die alten Steine sind stabile Grundlagen für die nächsten Steine. Sie geben dem Turm einen guten Halt. Die Pessimisten werfen jede Menge guter Steine weg, weil sie sie für schlecht befinden. Und so kommen sie nicht richtig vorwärts mit dem Bau.
Sonntag, 19. Mai 2013
Banntag
den 26 maj 2003 07:55
Re: momo
Liebe Marlena
An einem regnerischen Montag Morgen wie diesem wäre ein Mail von Dir fein gewesen. Heute haben die Leute hier ihren höchsten Feiertag im Jahr. Das ist der Banntag. ‚Bann’ ist ein altes Wort für das Gemeindegebiet. Und die Tradition hatte früher das Ziel, den jungen Männern die Gemeindegrenzen zu zeigen und die Grenzsteine zu kontrollieren. Das war früher vielleicht wichtig, weil damals die Nachbargemeinden so vielleicht versuchten, jedes Jahr ein paar Meter Landes zu gewinnen. Der Brauch in L., der immer am Montag vor Pfingsten stattfindet, ist aber in mehrerer Hinsicht ziemlich archaisch.
1. Nehmen daran nur Männer teil. Die Frauen bleiben zuhause und warten am Herd, bis ihre Allerliebsten mit den Knaben wieder heimkehren. Mädchen gehen nur mit, solange sie Kind sind.
2. Die Männer sind in Scharen aufgeteilt. Jede Schar (das ist ein altes Wort, es erinnert mich an die Nationalsozialisten) hat ihre eigene Fahne und zwei oder drei Männer mit alten Waffen. Sie knallen mit ihren alten Waffen frühmorgens in der Stadt herum, um die Menschen aus den Federn zu bringen. Vor ein paar Jahren hatte eine Ärztin prozessiert, weil damit Ohrenschäden entstehen. Seither gibt es Papieranschläge an den Wänden, damit man von gewissen Bereichen fern bleiben kann, um die eigenen Ohren zu schützen.
3. Die Scharen marschieren in Viererkolonne (dass normale Menschen in Viererkolonne ‚marschieren’ können, ist für einen Walliser eine absolut unbegreifliche Sache) aus der Stadt hinaus in die Felder und Wälder, singen Lieder, schiessen und trinken dabei eine Unmenge Wein und Bier. Sie tragen dazu mit Vorliebe grüne Jagdbekleidung, einen Schlapphut mit einigen Blütenbüscheln oben auf.
4. Abends kehren diese wilden Scharen in Hochstimmung wieder zurück in die kleine Stadt und verschwinden in den Wirtshäusern, um den wundervollen Tag ausklingen zu lassen.
---
Samstag, 18. Mai 2013
Ein Meister und seine Muse
Einmal hast du einige Zeilen von Rilke zitiert, ein Liebesgedicht, welches mit dem Bild des Geigenbogens spielt, der über zwei Saiten streicht. Das ist es! Dieses Gefühl, verstanden zu werden in diesen Dingen, die vielleicht nicht gerade das praktische, alltägliche Leben sind, das ist für mich einfach wunderbar. Darum sage ich, du bist meine Muse (ich hoffe, du findest diesen Begriff nicht eine beleidigende Zumutung? Die Muse ist die moderne Variante der minniglichen Frau, der Lady im Turm), du inspirierst mich zu Dingen, die ich sonst nicht beachten würde oder nicht tun könnte. Und natürlich hoffe ich, dass bei dir Ähnliches passiert.
.
Freitag, 17. Mai 2013
Donnerstag, 16. Mai 2013
Zwischen Traubenkirsche und Flieder
Lieber ...,
Es ist bald elf Uhr und es beginnt ein wenig zu dämmern. Man merkt wie die Tage immer länger werden. Im Fernsehen zeigt man jede Woche wann die Sonne auf- und untergeht in den verschiedenen Teilen von Schweden und letzthin (ich glaube es war am Samstag) sah man dass die Sonne schon jetzt eine halbe Stunde länger aufbleibt oben in Luleå im Verhältnis zu hier.
Es ist schade dass wir gerade zu dieser schönen Jahreszeit so wenig Zeit haben die Natur zu geniessen. Im Moment blüht überall der Flieder. Da erinnern wir uns immer an den Schuster der um diese Jahreszeit ein Schild an seine Tür hängte mit den Worten: "Geschlossen zwischen Traubenkirsche und Flieder". Manche Jahre bekommt er nicht viel Urlaub :-)
Sonnenaufgang
10 Mai 2013
Sonnenuntergang
idag = heute
förra veckan = vorige Woche
Mittwoch, 15. Mai 2013
Glücklich sein - heilige Pflicht
Fortsetzung: Macht Geld glücklich?
--
Glück ist nicht abhängig von äusseren Umständen. Glück ist eine Einstellungssache. Ich glaube, es hängt viel von unseren inneren Filmen ab, wie glücklich wir sind. Und man muss sagen, dass wir Schweizer wohl nicht sonderlich begabt sind, das Glück zu leben und es zu empfinden. Die Armen (sowohl die arm an materiellen Mitteln wie jene an Geist) können das wahrscheinlich noch am besten. Ich muss mich mal bei Gelegenheit über die Glücksforschung informieren. Sie ist noch jung. Aber bestimmt gibt es schon Erkenntnisse. Das ist - so finde ich - ein interessantes Thema. Glück ist das Wichtigste, in unserem Leben, sozusagen das Mega-Ziel. Die Amerikaner haben dies sogar in ihrer Verfassung festgeschrieben.Vor 1 - 2 Jahren hatte ich ein Büchlein gelesen mit dem Titel 'Die Sieger'. Es ist eine Sammlung von Kurzbiographien über die bekanntesten und tüchtigsten Leute in Europa, natürlich vor allem jene der Vergangenheit: Dichter, Musiker, Wissenschaftler, Politiker, Erfinder etc. Ich habe die Aussagen nicht mehr genau im Kopf, doch als Quintessenz konnte man festhalten: je berühmter und je tüchtiger desto unglücklicher. Viele haben sehr gelitten unter Depressionen, unter Krankheiten, unter körperlichen Missbildungen. Irgendwie kommt nur noch Goethe als Ausnahme in den Sinn. Goethe war sozusagen unser Sunyboy, ein von den Göttern verwöhnter. Goethe hat seine Möglichkeiten gut ausgeschöpft, und hat sich auch in der Frauenwelt mit viel Leidenschaft ausgetobt. Aber all die anderen! Ich glaube, wenn man die Biographie von eurem Herr Nobel studiert, kann man zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Er war wohl auch nicht ein sehr glücklicher Mensch.
Darum haben wir als Mittelmässige die heilige Pflicht, glücklich zu sein. Es ist eine Aufgabe, nicht ein Geschenk. Ich weiss, dass es Spezialisten gibt, die eine Technik empfehlen. Ich glaube, das kommt aus dem NLP. Der Rat lautet: Durchsuche dein Leben. Finde die besten Momente heraus. Vergegenwärtige sie dir ausführlich, dh. träume von ihnen, schau sie dir an, fühle sie, höre sie, wie auch immer. Gib jeder Situation einen Namen. So kommst du zu einer Liste von persönlichen Highlights. Nimm diese als die Perlen und die Merkpunkte deines Lebens. Ruf sie dir immer wieder in Erinnerung. Je öfter du das tust, desto stärker werden die Glücksgefühle, die mit jenen Situationen zusammengehen. Und desto stärker werden die Glücksgefühle die allgemein das Lebensgefühl überfluten.
Klingt doch leicht und einfach. Und funktioniert mit oder ohne Börse.
MLG
...
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Glück ist nicht abhängig von äusseren Umständen. Glück ist eine Einstellungssache. Ich glaube, es hängt viel von unseren inneren Filmen ab, wie glücklich wir sind. Und man muss sagen, dass wir Schweizer wohl nicht sonderlich begabt sind, das Glück zu leben und es zu empfinden. Die Armen (sowohl die arm an materiellen Mitteln wie jene an Geist) können das wahrscheinlich noch am besten. Ich muss mich mal bei Gelegenheit über die Glücksforschung informieren. Sie ist noch jung. Aber bestimmt gibt es schon Erkenntnisse. Das ist - so finde ich - ein interessantes Thema. Glück ist das Wichtigste, in unserem Leben, sozusagen das Mega-Ziel. Die Amerikaner haben dies sogar in ihrer Verfassung festgeschrieben.Vor 1 - 2 Jahren hatte ich ein Büchlein gelesen mit dem Titel 'Die Sieger'. Es ist eine Sammlung von Kurzbiographien über die bekanntesten und tüchtigsten Leute in Europa, natürlich vor allem jene der Vergangenheit: Dichter, Musiker, Wissenschaftler, Politiker, Erfinder etc. Ich habe die Aussagen nicht mehr genau im Kopf, doch als Quintessenz konnte man festhalten: je berühmter und je tüchtiger desto unglücklicher. Viele haben sehr gelitten unter Depressionen, unter Krankheiten, unter körperlichen Missbildungen. Irgendwie kommt nur noch Goethe als Ausnahme in den Sinn. Goethe war sozusagen unser Sunyboy, ein von den Göttern verwöhnter. Goethe hat seine Möglichkeiten gut ausgeschöpft, und hat sich auch in der Frauenwelt mit viel Leidenschaft ausgetobt. Aber all die anderen! Ich glaube, wenn man die Biographie von eurem Herr Nobel studiert, kann man zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Er war wohl auch nicht ein sehr glücklicher Mensch.
Darum haben wir als Mittelmässige die heilige Pflicht, glücklich zu sein. Es ist eine Aufgabe, nicht ein Geschenk. Ich weiss, dass es Spezialisten gibt, die eine Technik empfehlen. Ich glaube, das kommt aus dem NLP. Der Rat lautet: Durchsuche dein Leben. Finde die besten Momente heraus. Vergegenwärtige sie dir ausführlich, dh. träume von ihnen, schau sie dir an, fühle sie, höre sie, wie auch immer. Gib jeder Situation einen Namen. So kommst du zu einer Liste von persönlichen Highlights. Nimm diese als die Perlen und die Merkpunkte deines Lebens. Ruf sie dir immer wieder in Erinnerung. Je öfter du das tust, desto stärker werden die Glücksgefühle, die mit jenen Situationen zusammengehen. Und desto stärker werden die Glücksgefühle die allgemein das Lebensgefühl überfluten.
Klingt doch leicht und einfach. Und funktioniert mit oder ohne Börse.
MLG
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Dienstag, 14. Mai 2013
Macht Geld glücklich?
Date 24 May 2006 06:53
subject Re: Ach, du
Liebe Malou
Ich habe nicht bloss angedeutet, dass man die Aktien verkaufen sollte, ich habe dir klar und offen dazu geraten. Und das bloss deshalb, weil ich dir ja damals auch geraten hatte, zu kaufen. Ich habe auch etwas verloren, und zwar einzig und allein, weil ich nicht genügend Nerven gehabt habe. Ich hatte Angst, sie würden weit mehr sinken, während sie aber am nächsten Tag wieder gestiegen sind. So habe ich, anstatt den Betrag zu gewinnen, ihn verloren. Das braucht gerade doppelt Nerven, nicht wahr?
Nu ja, Geld ist nicht alles. Und vor allem macht es schon gar nicht glücklich. Obwohl alle Menschen denken, es sei so. Das ist doch eigentlich merkwürdig. Und im Geheimen glaube sogar auch ich, es sei ein bisschen so.
Warum ist das so? Man denkt, reiche Leute hätten weniger Probleme. Sie hätten vielleicht gar keine Probleme. Sie könnten sich alles leisten. Geld habe Sex-Appeal, so sagt man. Hat es das wirklich?
Ich habe einmal im Fernsehen ein Porträt gesehen über einen sogenannten schweizerischen Lottomillionär. Natürlich lag die Pointe der Geschichte in der Tatsache, dass dieser Millionär ein einfacher Arbeiter gewesen war. Wenn ich mich recht erinnere, gab es sogar zwei Porträts. Das erste zeigte kurz nach dem Geldgewinn das Leben des Betreffenden. Er betonte damals, dass er so leben würde wie vorher. Und sein Arbeitgeber stellte sich zur Verfügung, ihm zu helfen, das Geld zu verwalten. U.a. kaufte er einen Wohnblock, den der Gewinner selbst verwalten sollte. Man sah den glücklichen Mann mit seiner Frau in der neuen Attika-Wohnung oben in diesem Block. Er schien etwas verloren in den 4 neuen Wänden.
Und nach ein paar Jahren wurde dieser Typ also wieder gezeigt. Jetzt hatte er Konkurs gehabt, ich glaube, sogar Schulden. Die Frau war davongelaufen. Der Block war dahin. Die Stelle hatte er verloren (vielleicht war er in Pension, weiss ich nicht mehr genau) Er war in einem schlechteren Zustand als vor dem Geldgewinn.
Kurz und gut: ich Glaube, Geld verlangt sehr viel Disziplin. Und natürlich viel Wissen und Kompetenzen in Geldfragen. Man muss einigermassen mit offenen Augen durch die Welt gehen. Sonst ist es schnell dahin, denn Geld hat eine enorme Anziehungskraft. Alle Menschen zieht es in die Nähe und alle wollen davon profitieren. Das ist in Persien noch viel offener und stärker, ist aber wohl auch hier so. Deshalb sind wir froh mit unseren bescheidenen Mitteln und wollen keinesfalls auf grossem Fuss leben. In der Schweiz gibt es auch sehr viel Neid gegenüber Reichen. Das ist wohl in Schweden ähnlich. Und natürlich ist dieser Neid in letzter Zeit noch gewachsen angesichts der immensen Managerlöhne, die man gar nicht mehr mit jenen der Spitzenpolitiker vergleichen kann. Der Chef der UBS ist gerade kürzlich von Basel in eine kleine, steuergünstige Gemeinde in der Innerschweiz weggezogen. Sowas bewegt natürlich die Gemüter der Menschen.
Bref: Geld ist ein abendfüllendes Thema. Es gibt offenbar ein soziologisches Werk über Geld und seine Wirkungen. Leider habe ich es noch nie gelesen. Doch offenbar ist es ein Klassiker aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Doch der Name des Autors kommt mit im Moment nicht in den Sinn.
Reden wir von etwas Schönerem als Geld, nämlich vom
Montag, 13. Mai 2013
Alpenpanorama im Wallis
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Dann hast du vielleicht die Karte mit dem Alpenpanorame im Wallis auch bekommen? Sieht doch imposant aus. Das ist kein Foto, sondern eine Zeichnung, wohlbemerkt. Die Namen sind zwar etwas klein und undeutlich. Und wenn man dort wohnt, sieht alles ganz anders aus als aus dieser Vogelperspektive. Aber man hat doch einen Eindruck und kann sehen, dass die Walliser ein echtes Bergvolk sind, wenn auch die meisten unten im Rhonetal leben. Ich habe dir erzählt von meinen Erfahrungen im Militär. Ich war Offizier und hatte nur Walliser Leute und Berneroberländer, also alles Alpentypen. Wenn man mit ihnen ins Schwimmbad ist, konnten viele gar nicht Schwimmen. Und die meisten wagten es nicht, vom Sprungbrett hinunter ins Wasser zu springen. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist. Ich glaube, Gebirgsmenschen haben eine reflexartige Abneigung gegen das hinunterspringen. Das geht ihnen gegen die Natur. Und schwimmen konnten sie natürlich in ihren Bergdörfern nicht lernen. Wasser war ihnen so gut wie fremd. Das brauchten sie nur, um ihre Wiesen zu wässern. Dafür ist das Wallis bekannt, dass es viele kleine Kanäle gibt, die sog. Bisses, in denen man das Wasser von den Bergbächen auf die Wiesen leitet. Würden sie nicht künstlich bewässern, die Vegetation würde im Sommer in der grossen Wärme verdorren. Die bisses sind eine Spezialität des Wallis. Und früher hat man sie in den Dörfern im Gemeinwerk, dh. alle zusammen, gebaut und dann jedes Jahr wieder repariert. Manchmal mussten die Leitungen den Felsen entlang in Holzkanälen aufgehängt geführt werden. Das waren gefährliche Arbeiten und oft ist einer in alten Zeiten zu Tode gestürzt. Und es gab eine spezielle Organisation, wie sie im Dorf das Wasser verteilten. Jeder hatte eine bestimmte Zeit zur Verfügung, während der er das Wasser auf seine Wiesen leiten konnte. Und gelegentlich war das auch mitten in der Nacht.
Foto: Chris
Ja, das Wallis ist eine urtümliche Gegend der Schweiz. Es ist der konservatievste Teil, dadurch, dass es durch die Berge etwas abgeschieden ist. Aber es ist ein sehr schöner Kanton, wie du damals, als ich zum ersten mal darüber gesprochen hatte, gesagt hast, damals, als ich den Eindruck hatte, du sprichst davon, als ob du es schon kennen würdest. Was hast du dir denn dabei gedacht, als ich das so erwähnte? Du musst ja gedacht haben, der merkt auch wirklich alles!! Der ist ein Hellseher?
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Donnerstag, 9. Mai 2013
Blick durchs Fenster
Maj 2002
Datum: den 13 maj 2003 15:24
Der Pflaumenbaum blüht jetzt. Aber nur sparsam an den untersten Zweigen. War ja auch verrückt voriges Jahr. Erinnerst du dich an das Bild?
Mittwoch, 8. Mai 2013
schnell zufrieden
Lieber ... ,
Hier ein kleiner Gruss bevor du Feierabend machst. Viel Spass!
Malou
*
Die berner Oberländer sind schnell zufrieden.
Ein Albaner, ein Berner Oberländer, ein Pole und ein Türke retten eine Fee
und jeder hat einen Wunsch frei.
Der Pole:
"In Polän wir haben nich alle Auto. Ich wollen, das ale Polen
haben eine Mercädäs."
Die Fee schnippt mit den Fingern und alle Polen haben einen Mercedes.
Der Albaner:
"Konkret seit Krieg geht's uns immer schleschter. Viele haben
Problem weil kein Geld und keine Abeit, alles wird deurer und de Politik ist
schlechter als vor dem Krieg und alle Häuser sind Ruinen. Wir brauchen
konkret mehr Geld. Oder hasch Problem damit?"
Die Fee schnippt mit den Fingern und die Häuser glänzen in frischen Mauern
und jeder Albaner hat genug Geld auf seinem Konto.
Der Türke:
"Ey, isch bin de krasse Mehmet. Isch wünsch mir für jede Türken
oberkrasse Harem mit 1000 korrektgeile Frauen mit rischtig dicke Dinger.
Ey... und solln koche könne!"
Die Fee schnippt und alle Türken sind stolze Besitzer eines solchen Harems.
Dann ist der Berner Oberländer an der Reihe. Er grübelt einen Augenblick und
meint dann:
"Tja, mau luägä......... d'Polä chlauä keni Outo meh, d'Türggä löh üsi Wyber
i Rueh, u d'Albaner göh aui hei........ Auso, ig nimä es Kafi-fertig, merci!"
Dienstag, 7. Mai 2013
Telefon
Rien n'est facile, ma chère
Liebe Marlena
(---)
Ja, unser Telefon hat mich auch sehr beeindruckt. Ich war am Anfang genau so nervös wie Du. Aber das hat sich dann rasch gelegt, und bei Dir ja auch. Das fand ich am schönsten, wie schnell wir ganz frei und locker miteinander plaudern konnten, ohne Missverständnisse, ohne Deutschprobleme, so als ob wir schon seit Jahren gelegentlich miteinander telefonieren würden. Und ich muss es Dir nochmals sagen, Deine klare und schöne, auch kräftige Stimme ist ziemlich tief in mich hineingedrungen. Du hast eine wunderschöne Stimme, Marlena, und sie passt bestens zu Deinem ganzen Wesen.
Und ganz ähnlich wie Du habe ich noch am späten Abend zurückgedacht an unseren Anruf. Er war ja eine grosse Überraschung. Mein Vorschlag war so etwas von spontan, er war eigentlich nur so in die Luft geworfen. Erstens war mir gar nicht recht bewusst, dass Du allein zuhause bist. Ich habe Dich für das Wochenende eigentlich in Ruhe lassen wollen. Und dann hatte ich ja ein Programm. Ich wollte nach Basel, und dann würden wir nach L zu Onkel fahren. Und mein Vorschlag war eigentlich eher etwas verspielt. Ich dachte eher, es würden sich dann sicherlich Hindernisse und Unmöglichkeiten in den Weg stellen. Ach, noch als ich von Basel zurückkehrte, das war um ca. 15h, konnte ich gar nicht richtig daran glauben. Und dann war plötzlich 1545h und ich erschrak ein wenig. Ich sagte mir: in einer Viertelstunde. Ich war gerade am Zeichnen, und wieder vergass ich die Zeit. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war schon 16h. Jeden Moment kann es jetzt läuten. Weißt Du, was ich gemacht habe. Du wirst lachen, meine Liebste, ich habe angefangen, laut mit mir zu reden und zu singen. Ich hatte ja den ganzen Sonntag kaum gesprochen, und ich wollte nicht, dass mir die Stimme in den ersten paar Minuten im Hals stecken bleiben würde. Ich habe also gesungen: hallo meine Marlena, ach du rufst mich endlich an, wie schön das ist, wie geht es dir .... und so ähnliche banale Dinge. Und dann wurde es 5 nach 16h, 10 nach 16h. Ich war schon ein bisschen frustriert. Ich habe mir gedacht, das kann doch nicht gleich herauskommen wie unsere Geschichte in Prag. Diesmal doch nicht. Hat Marlena allen Mut verlassen?? Ist irgend was dazwischen gekommen?? Ich konnte mir nicht vorstellen, was das sollte dazwischen kommen. Und dann, ich war in Gedanken schon daran, das Büro zu verlassen, klingelte es. Ich hatte den Eindruck, es klingelte leiser, war es zarter??, als sonst. Ich glaubte das Geklingel nicht. So kam ich aus dem Nebenzimmer, um genauer hinzuhören. Und dann musste ich noch meine Musik abstellen. Und ich hoffte, dass das Klingeln nicht schon wieder aufhören würde. Das wäre ja eine echte Katastrophe gewesen. Und dann habe ich mir noch gedacht, ich muss mich sehr neutral melden, denn es könnte jemand anderes sein.
Marlena, Du warst sehr nah, und ich hatte die ganze Zeit Deine letzten Fotos im Kopf und am liebsten hätte ich Dich umarmt während des Gesprächs und sicherlich zum Schluss, als Dank für dieses schöne Geschenk, das Du mir, das du uns gemacht hast.
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Montag, 6. Mai 2013
Sonntag, 5. Mai 2013
Himmelsmenuett
Liebe Marlena
Wir haben ein weiteres und sonniges Wochenende vor aus. Ist das nicht wunderbar? Die Tauben kreisen schon so früh morgens am Himmel. Sie haben sich in zwei Schwärme aufgeteilt und tanzen sozusagen ein Himmelsmenuett. Vielleicht sind die einen die Weibchen, die anderen die Männchen? Oder die Alten gegenüber den Jungen? Es ist merkwürdig, dass sie sich in der Luft scharen und scheinbar nutzlos Runden drehen. Als ob es die reine Freude wäre, am Himmel oben herumzufliegen und Energie zu verscheudern! Es hat ja wohl auch Signalcharakter. Sie sammeln sich, um dann in den Süden zu fahren, nicht wahr? Sie haben doch bestimmt in Venedig ein hübsches kleines Hotel gebucht. Und jetzt wollen sie bestimmt abreisen und dabei sicher gehen, dass hier keiner im eiskalten und grauen L sitzen bleibt. Das finde ich absolut rücksichtsvoll. Alle sehnen sie sich nach dem Geschmack des Meeres in der Luft, nach Spaghetti und Amore. Ach, wie kann ich sie gut verstehen!
Wir haben ein weiteres und sonniges Wochenende vor aus. Ist das nicht wunderbar? Die Tauben kreisen schon so früh morgens am Himmel. Sie haben sich in zwei Schwärme aufgeteilt und tanzen sozusagen ein Himmelsmenuett. Vielleicht sind die einen die Weibchen, die anderen die Männchen? Oder die Alten gegenüber den Jungen? Es ist merkwürdig, dass sie sich in der Luft scharen und scheinbar nutzlos Runden drehen. Als ob es die reine Freude wäre, am Himmel oben herumzufliegen und Energie zu verscheudern! Es hat ja wohl auch Signalcharakter. Sie sammeln sich, um dann in den Süden zu fahren, nicht wahr? Sie haben doch bestimmt in Venedig ein hübsches kleines Hotel gebucht. Und jetzt wollen sie bestimmt abreisen und dabei sicher gehen, dass hier keiner im eiskalten und grauen L sitzen bleibt. Das finde ich absolut rücksichtsvoll. Alle sehnen sie sich nach dem Geschmack des Meeres in der Luft, nach Spaghetti und Amore. Ach, wie kann ich sie gut verstehen!
Samstag, 4. Mai 2013
Bonnard und Wetter
date 2 May 2006 07:16
subject Re: *smile*
Liebe Malou
Heute haben wir schönes Wetter. Lustig, wenn ich dir den Wetterstand in unserer Region mitteile, kommt mir immer Bonnard in den Sinn. Man hat von ihm Agendas gefunden voller Beschreibungen des täglichen Wetters. Er war offenbar ein Meterologe. Jeden Tag hat er den Stand der Wolken, der Temperatur und der Winde registriert. Schwer zu sagen, für wen er dies gemacht hat. Er hatte ja offenbar ein schwieriges Verhältnis zu seiner Frau. Hiess sie nicht Marthe? Aber die Bildder sind schön, poetisch und die graue Realität in schönsten Farben transzendierend. Ich habe immer gestaunt, wie wunderschön diese Bilder wirken angesichts der Tatsache, wie unzulänglich (kann man das sagen bei diesen Bildern?) sie technisch gemalt wurden. In den Agendas sieht man, dass Bonnard ein guter Zeichner war. Aber in den Ölbildern vernachlässigt er das Zeichnerische zugunsten des Malerischen, dh. der Farben und ihrer gegenseitigen Wirkungen. Die Bilder oszillieren geradezu. Ich hatte mal Monet als mein malerisches Idol. Und als diese Bewunderung nachgelassen hat, da wendete ich mich Bonnard zu. Ich hatte einen uralten Ausstellungskatalog des Kunstmuseums Zürich gefunden und war begeistert. Er war ein sogenannter 'Intimiste', hat viele private Innenräume, sogar Badezimmer etc. gemalt.
Ein Bild Bonnards hat mich immer wieder begeistert. Ich erinnere mich nicht mehr, wie der Titel war. Aber es ist ein frühes Bild und zeigt seine Familie am Sonntag Abend im Garten. Das schöne Licht, die Figuren in der Natur: jeder mit seinen eigenen Hobbies beschäftigt, so muss man sich wohl das Paradies vorstellen.
Bonnard war - so glaube ich - Jurist von seiner Ausbildung her. Ich hoffe, dass ich in meiner Pension noch mehr von meinem Realismus wegkomme. Ich hänge sehr an der Realität. Aber wenn man Bilder malt, darf man die Realität nicht zu wörtlich nehmen. Sie ist doch - alles in allem - eher etwas grau.
Natürlich liegt der Reiz von Bonnards Bildern auch darin, dass er sie im südlichen Licht der Côte d'Azur gemalt hat. In einer solchen Athmosphäre entstehen eben andere Bilder als in nördlichen Regionen. Und die gemalten Damen erscheinen in aufwendiger Mode mit den tollen Hüten um die Jahrhundertwende. Ich glaube, Bonnard hat tagelang an seinen Leinwänden gepinselt, geschabt, gekratzt, um dann wieder neu zu pinseln, zu schaben und zu kratzen. Er war wohl ein reiner Ästhet und ein Maniac.
Ach ja, und jetzt haben wir wieder Anfang Woche und sitzen im Büro !! (Wir, dh. natürlich wir Werktätigen, und nicht Pensionisten und Lebenskünstler). Wie schnell auch solche Wochenenden vorbei sind !! Weshalb gibt es kein Instrument, um die Zeit aufzuhalten, sie ein bisschen zu dehnen? Dies sollte man doch endlich erfinden. Früher hatte ich geglaubt, man könnte die Zeit verlängern, indem man sie langweilig gestaltet. Das ist doch auch eine Empfehlung von Pessoa. Er meint, wenn sich im Leben nichts regt, wird das kleinste Ereignis zum Abenteuer. Na ja, damit will er gerade erreichen, dass das Leben nicht allzu monoton ausfallen wird.
Wenn man ein Wochenende monoton und ereignislos verlaufen lässt, dann erscheint es lange. Wenn allerdings ein Wochenende voller Erlebnisse und Ereignisse im Vollzug sehr kurz erscheint, dann wirkt es dagegen im Rückblick lang und reich. Was also soll man tun. Ist der Vollzug wichtiger oder die Erinnerung daran? Seneca plädiert für den Vollzug.
Und jetzt muss ich an die Arbeit. Trotz des schönen Wetters. Wir werden sehen, was aus einem solchen Dienstag wird, der doch eigentlich ein Montag ist. Montage wären nur halb so schlimm, wenn sie Ende Woche stattfinden würden ! Wer hatte diese Idee, die Woche mit dem Montag anzufangen ? Er hat damit seinen Mangel an Fingerspitzengefühl gezeigt. Ach, was palavere ich da dahin. Es ist so wie es ist.
MLG
...
date 9 May 2006
subject :-)
Lieber ..
Du armer! Immer wieder hast du Sitzungen. Wenn du wüsstest wie
privilegiert ich mich fühle, weil ich nicht mehr an solchen Dingen
teilnehmen muss. Was mich am meisten dabei angewidert hat, waren die
menschlichen Schwächen, die bei solchen Gelegenheiten zum Vorschein
kamen. Oh Gott! Das war jedesmal eine harte Prüfung für meine
Menschenliebe. ;-)
Aber bald hast du es hinter dir. Und du brauchst dich nicht mehr klug
zu äussern um damit irgendeinen Vorteil zu gewinnen. Du kannst dir
eigentlich alles erlauben. ;-) Nütze es doch aus. ;-)
Habt ihr wirklich Regen? Hier ist schon seit Tagen herrliches
Sommerwetter. Nur warnt man eben vor den lebensgefährlichen Ozonmengen
in der Luft. Ich sollte nicht hinausgehen aber wie könnte ich es sein
lassen?
Durch die letzten heissen Tage ist die Natur richtig explodiert. Du
solltest die riesige HängeBirke vor unserem Küchenfenster sehen. Die
Apotheken sind voll von Pollenallergikern. Davor bin ich wenigstens
verschont.
Das Bild von Bonnard kann ich mir gut vorstellen. Ich werde mal
nachsehen dann ob ich eines finde im Internet, das deiner Beschreibung
entspricht. Ich mag auch seine Art zu malen.. die schönen warmen
Farben.
Lieb von dir, dass du nicht über unseren König herziehst so wie es die
Republikaner in unserem Land zur Zeit tun. Die meisten Schweden (man
sagt rund 80 %) sind für unsere konstitutionelle Monarchie. Aber in
den letzten Jahren sind die Republikaner sehr aktiv, ich möchte sagen
rabiat geworden. Und sie haben nun das Internet, wo sie ihre gehässige
Propaganda führen können. Am schlimmsten ist das Fernsehprogramm (das
beliebteste Unterhaltungsprogramm) wo die Mitglieder der königlichen
Familie nahezu als Idioten dargestellt werden.
Ich muss zugeben, dass ich immer etwas ängstlich bin, wenn unser König
ein Interview gibt. Er ist Dyslektiker und kann sich nicht besonders
gut ausdrücken. Vielleicht deswegen seine vielen Gesten. Aber die ihn
persönlich kennen, haben nur Gutes über ihn zu sagen.. Ein sehr
sympathischer offener Mensch mit Humor. Er ist auch sehr fleißig und
effektiv bei der Arbeit. Und im Privatleben hat er scheinbar keine
Sprechhemmungen. OK, das über unseren König. Ausserdem hat er zwei
wunderschöne Töchter, von denen die Kleine jetzt in New York wohnt.
Das ist gut, denn hier wurde sie zu stark von der Presse bewacht.
Ach, deine kleine ist in Amerika. Sicher ein wunderbares Erlebnis für
sie. K war imponiert von der grossen Freundlichkeit unter den
Menschen. Aber wie du sagst, schöne Worte bedeuten dort drüben nicht
so viel wie bei uns. Wer weiss, vielleicht bleibt deine Kleine dort
hängen. Dann hast du einen guten Grund nochmals hinzufahren. Möchtest
du sicher.
Apropos Walliser Dialekt so gibt es eine Radiostation von dort, die du
dir am Computer anhören kannst. Habe vor ewiger Zeit mal die url von
dem Visper erhalten. Jetzt hätte ich Lust sie einmal anzuhören.
Neulich habe ich ein Programm über Auslandkorrespondenten der grossen
Tageszeitungen gehört.. Man sprach sehr viel über die NZZ und ihren
Korrespondenten hier im Norden. Er ist in Stockholm stationiert und
bewacht alle nordischen Länder. Er sprach ein gutes Schwedisch und
versucht es aufrecht zu erhalten indem er schwedische Krimis liest.
Ach, "Le petit prince" hast du dir gekauft. Ja, ich mag einige
Gedanken darin. Aber die habe ich erst später entdeckt. :-)
Weisst du wie spät es ist? Bald halbeins. Ich muss ins Bett.
...
Dienstag morgen. Ein sonniger Tag. :-)
Das wünsche ich auch dir.
MlG
Malou
Donnerstag, 2. Mai 2013
Re: Plaudertasche
Ämne: Re: Plaudertasche
Datum: den 24 mars 18:17
Liebe Marlena
Ja, das war ein schönes Mail von Dir. Ich will nicht sagen, dass Du eine Plaudertasche seist. Aber es scheint Dir im Moment gut zu gehen. Das sieht man schon daran, dass die Koinzidenzen Dir einfach so zufliegen. Und wess das Herz voll, dess geht geht der Mund über. Das ist ein Zitat von unserem sprachmächtigen Martin Luther. Ich pflege, als Heimwehwalliser, den Satz abzuwandeln und sage: Wess das Glas voll, dess geht der Mund über. Auch das stimmt, das sieht man im Wallis immer wieder.
Ich glaube, Du hast neben Deiner Arbeit eine Leidenschaft gefunden, Marlena. Nicht wahr? Das macht Dich so schön energisch und froh! Und das ist es auch, was ich suche. Vielleicht schaffe ich es bald. Irgendwie muss es schon gehen.
Kann ich nicht verstehen, dass Du meine Skizze nicht bekommen hast. Und irgendwann habe ich auch ein Bild geschickt. Hast Du beide nicht erhalten? Ich sag doch, mit meinem System ist irgend was nicht in Ordnung. Das funktioniert ungefähr so wie der amerikanische Geheimdienst. Die Infos, die hinüber sollten, gehen nicht. Und diejenigen, die nicht sollten, rieseln durch die elektronischen Lücken.
*
Immer wieder muss ich schmunzeln, wenn Du von Eurem Militär in der Schule sprichst. Ich finde das so etwas von komisch, einen alten General als Schuldirektor zu haben. Ich hätte Euch Schweden nie soviel Originalität zugetraut. Was sagen denn die Eltern und die Schüler dazu. Ich nehme schon an, dass die Leitung sich wohl auf die administrativen Belange beschränkt. Man kann ja von einem Herrn General nicht verlangen, dass er plötzlich noch Pädagoge wird. Und trotzdem ist es komisch, oder oekonomisch! Wie man will!
*
Im Büro sind wir daran, umzubauen. Wir hatten in den letzten 5 Jahren ziemlichen Platzmangel. Und nun ist auf unserem Stock eine Firma umgezogen, so dass wir den ganzen Stock mieten konnten. Wir haben Mauern herausbrechen lassen und werden in Zukunft ungefähr einen Drittel mehr Büroraum zur Verfügung haben. Das ist gut, aber im Moment braucht es immer wieder Zeit, weil unvorhergesehene Fragen zu klären sind. Und im übrigen, darüber habe ich – so glaube ich – intensiv geklagt, reise ich zwischen L, B und N hin und her und mache meine Beratungen. Das ist zwar abwechslungsreich, aber auch ziemlich zeitaufwendig.
*
Also, wenn ich wieder im Büro bin, schicke ich Dir meine Skizze von Walter. Er ist wirklich sehr stolz auf sich, dh. auf sein Bild, aber ich sage ihm, dass er in natura nie so gut aussieht, wie ich ihn gezeichnet habe. Er will das Bild auf seine Homepage setzen, die er für sein Büro gemacht hat. Und gestern habe ich mit einem Kollegen mein Mittagessen eingenommen und er hat sich auch gleich angemeldet für ein Porträt. Du siehst, Marlena, meine Alternativkarriere sieht steil aus. Ich muss mich daran machen, endlich mein Atelier einzurichten. Aber ich fürchte mich wirklich davor. Wenn ich nämlich anfange zu malen, dann habe ich für nichts mehr Zeit. Dann bin ich so sehr absorbiert, dass alles zu kurz kommt: die Arbeit, die Familie, der Schlaf, die Lektüre. Deshalb zögere ich noch. Ich habe etwa seit 10 Jahren nicht mehr in Öl gemalt. Und damals hatte ich wirklich halbe Nächte durchgemacht und gemalt und wieder herunter gekratzt und nochmals gemalt und wieder korrigiert. Heute -–so glaube ich – wüsste ich genauer, wie ich es machen muss. Aber ich fürchte mich trotzdem ein wenig, wie gesagt. Du hast Deine Unterstützung schon zugesagt. Das habe ich in guter Erinnerung.
*
Bei uns ist es sichtlich wärmer geworden. Im Garten blühen die Primeln. Der Rasen wächst und die japanische Kirsche, die später schön rosa blühen wird, treibt langsam vor sich hin. Ich glaube, es kann nur aufwärts gehen.
*
Ich hoffe, dass es Dir so gut geht, wie Dein Mail klingt. Erzähl mir von Deiner Leidenschaft.
Ich grüsse Dich mit Liebe
...
Ämne: Plaudertasche ? ;-)
Datum: den 22 mars 10:33
Lieber ...,
Das war aber ein Mail.. Ich sehe dass du wirklich nicht zu beneiden bist im Moment. "Nicht zu weit schaun... " sagst du, und das ist was ich auch versuche um nicht Panik zu bekommen. Und doch möchte ich mich manchmal hinsetzen und das tun was einem in vielen "Antistressartikeln" empfohlen wird: eine Liste machen mit all dem was ich tun muss und dann versuchen zu prioritieren. Eins nach dem anderen bemeistern und mich freuen dass wenigstens das geschafft ist. Aber bei uns kommen ja ständig neue, oft ganz unerwartete Dinge dazu die uns dann unsere Planung verderben. So z.B. wollte der Direktor plötzlich letzten Freitag vor neun Uhr wissen was ein Schüler in einem Fach (bei mir also Deutsch) im nächsten Jahr kosten wird. Die andere Direktorin hatte versucht diese Aufgabe selbst zu lösen aber unserer lässt uns Lehrer auch seine Arbeit tun.
(---)
Du hast mir eine Kopie von einer Skizze geschickt sagst du. Bist du ganz sicher? Ich habe nämlich keine erhalten. Kannst du sie vielleicht noch einmal senden? Teils möchte ich gern wissen wie "dein" Walter aussieht aber vor allem wie du ihn abbildest. Ich habe übrigens ein Bild von mir das mit Kohle gemacht ist. Eine der originellen Bekannten unserer Familie, eine verschrobene Gräfin hat es gezeichnet. Sie war eine sehr gute Künstlerin und konnte vor allem Tiere abbilden. Besonders Pferde und Katzen. Sie wohnte am Rande von Uppsala mit ihren 15 Reitpferden und einer unbekannten Menge von Katzen. Mein Onkel und ich gingen manchmal hin zum Reiten und als sie mal krank wurde und pflege brauchte nach dem Krankenhaus, liessen wir sie einige Zeit bei uns wohnen als Konvaleszent. Bei dieser Gelegenheit machte sie das Bild von mir. Aber wie gesagt, die Pferde waren ihr Lieblingsmotiv und sie konnte ihre schönen Bewegungen sehr gut auf dem Papier (auch auf Porzellan) festhalten.
Viel geschrieben und eigentlich nichts gesagt... aber ich liebe es mit dir zu sprechen.. manchmal schiebe ich es sogar ein wenig auf, so wie man etwas gutes aufhebt um sich länger darauf freuen zu können.. und ich weiss ja auch, wenn ich es abgeschickt habe beginnt das Warten.. und ein paar Tage sind eine sehr lange Zeit.. für eine Mausfreundin..
Lass es Dir gut gehen, mein lieber Mausfreund, und ich hoffe sehr dass du bald wieder ganz gesund bist und voller Energie das Leben geniessen kannst.
Auf bald hoffe ich
G+K
Marlena
Mittwoch, 1. Mai 2013
Gunnar Ekelöf
date 16 February 2005 12:12
subject Gunnar Ekelöf..
Lieber ...,
Mein Lieblingsgedicht seit eh und jeh von Gunnar Ekelöf mit dem Titel
"Eufori" kann ich nicht ins Deutsche übersetzt finden. Aber hier eine
Aussage über den Dichter und eine kleine Kostprobe seiner Lyrik.
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Es ist selten, dass mich Gedichte derart in einen Rauschzustand
versetzen wie vor allem die Diwan-Gedichte, die zu einem einzigen Poem
verschmelzen. Ekelöf entführt uns in ferne Länder, alte Zeiten,
ekstatische, religiöse, (über-)sinnliche, visionäre Bewusstseins- und
Gefühlszustände. Und er tut es mit einer Intensität, dass ich
gleichsam in einen zentrifugalen Strudel hineingerissen werde, aus dem
ich mich, zumindest während der Lektüre, nicht mehr befreien kann.
Nichts, süßes, versöhnendes Nichts
Du legst der Menschen Hände ineinander
zum Ausgleich
Du hast Blüten an den Fingerkuppen
die mich berühren wie Atemhauch
all meiner Sinne
Dein Duft, nach Haut
nach Stimme, Liebkosung
wird stärker am Rande von Dir.
LG,
Malou
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Das Gedicht "Euphorie" hier.
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