Dienstag, 14. Mai 2013
Macht Geld glücklich?
Date 24 May 2006 06:53
subject Re: Ach, du
Liebe Malou
Ich habe nicht bloss angedeutet, dass man die Aktien verkaufen sollte, ich habe dir klar und offen dazu geraten. Und das bloss deshalb, weil ich dir ja damals auch geraten hatte, zu kaufen. Ich habe auch etwas verloren, und zwar einzig und allein, weil ich nicht genügend Nerven gehabt habe. Ich hatte Angst, sie würden weit mehr sinken, während sie aber am nächsten Tag wieder gestiegen sind. So habe ich, anstatt den Betrag zu gewinnen, ihn verloren. Das braucht gerade doppelt Nerven, nicht wahr?
Nu ja, Geld ist nicht alles. Und vor allem macht es schon gar nicht glücklich. Obwohl alle Menschen denken, es sei so. Das ist doch eigentlich merkwürdig. Und im Geheimen glaube sogar auch ich, es sei ein bisschen so.
Warum ist das so? Man denkt, reiche Leute hätten weniger Probleme. Sie hätten vielleicht gar keine Probleme. Sie könnten sich alles leisten. Geld habe Sex-Appeal, so sagt man. Hat es das wirklich?
Ich habe einmal im Fernsehen ein Porträt gesehen über einen sogenannten schweizerischen Lottomillionär. Natürlich lag die Pointe der Geschichte in der Tatsache, dass dieser Millionär ein einfacher Arbeiter gewesen war. Wenn ich mich recht erinnere, gab es sogar zwei Porträts. Das erste zeigte kurz nach dem Geldgewinn das Leben des Betreffenden. Er betonte damals, dass er so leben würde wie vorher. Und sein Arbeitgeber stellte sich zur Verfügung, ihm zu helfen, das Geld zu verwalten. U.a. kaufte er einen Wohnblock, den der Gewinner selbst verwalten sollte. Man sah den glücklichen Mann mit seiner Frau in der neuen Attika-Wohnung oben in diesem Block. Er schien etwas verloren in den 4 neuen Wänden.
Und nach ein paar Jahren wurde dieser Typ also wieder gezeigt. Jetzt hatte er Konkurs gehabt, ich glaube, sogar Schulden. Die Frau war davongelaufen. Der Block war dahin. Die Stelle hatte er verloren (vielleicht war er in Pension, weiss ich nicht mehr genau) Er war in einem schlechteren Zustand als vor dem Geldgewinn.
Kurz und gut: ich Glaube, Geld verlangt sehr viel Disziplin. Und natürlich viel Wissen und Kompetenzen in Geldfragen. Man muss einigermassen mit offenen Augen durch die Welt gehen. Sonst ist es schnell dahin, denn Geld hat eine enorme Anziehungskraft. Alle Menschen zieht es in die Nähe und alle wollen davon profitieren. Das ist in Persien noch viel offener und stärker, ist aber wohl auch hier so. Deshalb sind wir froh mit unseren bescheidenen Mitteln und wollen keinesfalls auf grossem Fuss leben. In der Schweiz gibt es auch sehr viel Neid gegenüber Reichen. Das ist wohl in Schweden ähnlich. Und natürlich ist dieser Neid in letzter Zeit noch gewachsen angesichts der immensen Managerlöhne, die man gar nicht mehr mit jenen der Spitzenpolitiker vergleichen kann. Der Chef der UBS ist gerade kürzlich von Basel in eine kleine, steuergünstige Gemeinde in der Innerschweiz weggezogen. Sowas bewegt natürlich die Gemüter der Menschen.
Bref: Geld ist ein abendfüllendes Thema. Es gibt offenbar ein soziologisches Werk über Geld und seine Wirkungen. Leider habe ich es noch nie gelesen. Doch offenbar ist es ein Klassiker aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Doch der Name des Autors kommt mit im Moment nicht in den Sinn.
Reden wir von etwas Schönerem als Geld, nämlich vom
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