Dienstag, 7. Mai 2013
Telefon
Rien n'est facile, ma chère
Liebe Marlena
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Ja, unser Telefon hat mich auch sehr beeindruckt. Ich war am Anfang genau so nervös wie Du. Aber das hat sich dann rasch gelegt, und bei Dir ja auch. Das fand ich am schönsten, wie schnell wir ganz frei und locker miteinander plaudern konnten, ohne Missverständnisse, ohne Deutschprobleme, so als ob wir schon seit Jahren gelegentlich miteinander telefonieren würden. Und ich muss es Dir nochmals sagen, Deine klare und schöne, auch kräftige Stimme ist ziemlich tief in mich hineingedrungen. Du hast eine wunderschöne Stimme, Marlena, und sie passt bestens zu Deinem ganzen Wesen.
Und ganz ähnlich wie Du habe ich noch am späten Abend zurückgedacht an unseren Anruf. Er war ja eine grosse Überraschung. Mein Vorschlag war so etwas von spontan, er war eigentlich nur so in die Luft geworfen. Erstens war mir gar nicht recht bewusst, dass Du allein zuhause bist. Ich habe Dich für das Wochenende eigentlich in Ruhe lassen wollen. Und dann hatte ich ja ein Programm. Ich wollte nach Basel, und dann würden wir nach L zu Onkel fahren. Und mein Vorschlag war eigentlich eher etwas verspielt. Ich dachte eher, es würden sich dann sicherlich Hindernisse und Unmöglichkeiten in den Weg stellen. Ach, noch als ich von Basel zurückkehrte, das war um ca. 15h, konnte ich gar nicht richtig daran glauben. Und dann war plötzlich 1545h und ich erschrak ein wenig. Ich sagte mir: in einer Viertelstunde. Ich war gerade am Zeichnen, und wieder vergass ich die Zeit. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, war schon 16h. Jeden Moment kann es jetzt läuten. Weißt Du, was ich gemacht habe. Du wirst lachen, meine Liebste, ich habe angefangen, laut mit mir zu reden und zu singen. Ich hatte ja den ganzen Sonntag kaum gesprochen, und ich wollte nicht, dass mir die Stimme in den ersten paar Minuten im Hals stecken bleiben würde. Ich habe also gesungen: hallo meine Marlena, ach du rufst mich endlich an, wie schön das ist, wie geht es dir .... und so ähnliche banale Dinge. Und dann wurde es 5 nach 16h, 10 nach 16h. Ich war schon ein bisschen frustriert. Ich habe mir gedacht, das kann doch nicht gleich herauskommen wie unsere Geschichte in Prag. Diesmal doch nicht. Hat Marlena allen Mut verlassen?? Ist irgend was dazwischen gekommen?? Ich konnte mir nicht vorstellen, was das sollte dazwischen kommen. Und dann, ich war in Gedanken schon daran, das Büro zu verlassen, klingelte es. Ich hatte den Eindruck, es klingelte leiser, war es zarter??, als sonst. Ich glaubte das Geklingel nicht. So kam ich aus dem Nebenzimmer, um genauer hinzuhören. Und dann musste ich noch meine Musik abstellen. Und ich hoffte, dass das Klingeln nicht schon wieder aufhören würde. Das wäre ja eine echte Katastrophe gewesen. Und dann habe ich mir noch gedacht, ich muss mich sehr neutral melden, denn es könnte jemand anderes sein.
Marlena, Du warst sehr nah, und ich hatte die ganze Zeit Deine letzten Fotos im Kopf und am liebsten hätte ich Dich umarmt während des Gesprächs und sicherlich zum Schluss, als Dank für dieses schöne Geschenk, das Du mir, das du uns gemacht hast.
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