Sonntag, 22. September 2019
Re: Last call
Ämne: As usual..
Datum: den 12 maj 23:17
Lieber ...,
Danke dass du mir noch ein paar Zeilen geschrieben hast. Ja, ich spüre dass du weit weg bist, eben weil ich nicht weiss ob du meine Mails erhalten kannst. Aber ich schreibe dir trotzdem.
Heute früh bin ich um 5 Uhr aufgewacht und habe mir vorgestellt dass du nun vielleicht gerade in Teheran gelandet bist. Erst wollte ich mir das Buch "Nicht ohne meine Tochter" hervornehmen und nochmals das Kapitel lesen wo sie am Flugplatz in Teheran ankommen. Aber das Buch liegt am "Nordpol", wie du es nennst und so musste ich mich mit meiner Erinnerung daran begnügen. Vielleicht seid ihr auch von vielen lauten Menschen abgeholt worden - aber so früh am Morgen? Und du bist der Mittelpunkt.. das weiss ich.. und alle werden dich so sehr belagern und beanspruchen dass dir vielleicht nicht einmal Zeit für einen Gedanken in den hohen Norden übrig bleibt. Dafür denke ich um so mehr an dich. Habe gerade im CNN weather gesehen dass es heute in Basel nur 11 Grad war und in Teheran 27. Du armer! Aber morgen wird es etwas kühler dort.. nur 23 Grad.
Wir haben wunderschönes Sommerwetter gehabt (23 Grad hier bei uns) bis heute Nachmittag. Da kam ein grosses Gewitter, ein wahrer Wolkenbruch. Mehrere nach einander sogar. Ich hatte einen meterhohen Stapel mit Papieren auf die eingeglaste Terrasse unserer Nachbarn getragen. Dort steht ein grosser leerer Tisch auf dem man ganz vortrefflich Papiere sortieren kann und gleichzeitig das Gefühlt hat draussen in der Natur zu sein. Ach, ich hab vergessen zu sagen dass wir das Haus betreuen während sie für eine Woche mit ihrer Tanzgruppe in Deutschland sind.
Und bei dieser unangenehmen Pflicht (die Papiere also) habe ich zum Glück ein paar alte Mails gefunden die ich ausgeschrieben hatte und so warst du doch gegenwärtig. U.a das Mail wo du mir ganz vorsichtig deine kleine Statur verrätst. Ich muss immer lachen wenn ich das lese. Es ist ganz outstanding..!!! Ach wie sehr ich deinen Witz vermisse!
Übrigens kann ich dir verraten dass es in Liestal geregnet hat. Heute Abend um 21.00 Uhr hab ich hingeschaut. Es war schon ganz dunkel und die Lichter haben sich in der nassen Strasse gespiegelt. Bei uns war es um die Zeit noch hell wie am Tag.
Ich muss ins Bett. Habe morgen viel zu tun, u.a. ein paar mündliche Abschlussprüfungen in Französisch. Aber das klingt sicher schlimmer als es ist.
Ich vermisse schon jetzt deine Mails (=dich).. Schick ein kleines Lebenszeichen wenn es möglich ist.
So wünsche ich dir noch einen richtig guten Aufenthalt. Geniesse auch ein wenig für mich. :-)
In Gedanken bei dir,
Marlena
Kennst du ihn, diesen Schlager? "People always stop and stare, I guess they just don't see you there, don't they know you'll always be right here, as usual."
(hier)
Samstag, 21. September 2019
Last call
Liebe Marlena
Merci für Dein Mail. Schön, dass Du auch den Nachtigallen
lauschst. Amseln gibt es bei uns viele, und sie suchen sich
beim Regen im Rasen die allerfettesten Würmer heraus.
Wenn ich Dir jetzt sage, dass ich noch nicht gepackt habe,
glaubst Du das sicherlich nicht. Allerdings muss ich nur
Kleinigkeiten packen, so wieSonnencreme, Lektüre,
Nagelschere und solche Dinge. Für Kleider hat sich S bereit
erklärt. Du siehst, das ist eine gefährliche Organisation,
denn was geschieht mit den Dingen in der Grauzone
zwischen Kleidern und Kleinigkeiten? Wir vergessen
sie natürlich!
Wir fahren um 17h hier mit der Eisenbahn ab, checken
in Basel ein und sollten - inshallah - morgens um 5h in
Teheran ankommen. Ich weiss schon wie das dort riechen
wird, diese lauwarme Nachtluft im Flughafengebäude.
Das mag ich nicht besonders. Und all diese schwarzen
Pinguine. Ach, wir werden sehen.
Ja, vielleicht ist komisch, dass ich nie von dieser Reise
gesprochen habe. Ich glaube, ich habe sie selbst mehr oder
weniger ausgeblendet und werde jetzt davon überrascht.
Wenn Du Mails schickst, dann bitte nicht an diese Adresse
hier. Sie ist während meiner Abwesenheit gesperrt. Aber
die andere empfängt Dich mit offenen Armen. Ich wünsche
Dir und Deiner Familie eine gute Zeit. Und ich hoffe, wir
haben im Mai noch Zeit, bevor Du in den Nordpol fährst.
Gruss
...
Mittwoch, 18. September 2019
Re: Küchengeflüster
Klosterkirche in Vadstena
Ämne: Re: Küchengeflüster
Du darfst nicht übertreiben. So "glücklich" über die neue Küche bin ich nun doch nicht. Aber ein Ofen, auf den man sich verlassen kann, d.h. der warm wird und sich auch abkühlt wenn man so will, ist schon eine gute Sache. Über die Microwelle amüsiere ich mich nur. Sie steht wirklich da und sieht schön aus. Hat also bisher fast keine Funktion in meinem Leben.
Freude habe ich dagegen an der Aussicht vom Fenster hier. Wenn die Sonne so all das grün beleuchtet, sieht es himmlisch schön aus.
*
Ach? S will dass du nach NY fährst? Das erstaunt mich. Sie möchte also 14 Tage frei haben? ;-)
Wenn ich S wäre würde ich mitfahren. Dich würde ich nicht allein weg lassen.. *s*
*
Ja, lustig, wie du von diesem Paar erzählst. Eigentlich zeugt das ganze ein wenig von schlechtem Benehmen ihrerseits. Auch wenn sie sich seiner schämt, sollte sie dir mit stolzen Worten (es braucht manchmal ein wenig Schauspielerkunst dazu) ihren Mann vorstellen. Wie soll er anders sein können, wenn sie ihn so behandelt?
*
Jetzt muss ich mich schon etwas beeilen. In einer Weile fahren wir los nach Vadstena. Das wunderschöne kleine Städchen am Vättern mit seinem Birgittakloster. Ich freue mich es wiederzusehen.
Ich wünsche dir einen schönen Tag und alles was damit zusammenhängt,
Marlena
Dienstag, 17. September 2019
Küchengeflüster
(ungekürzt)
Liebe Marlena
Jetzt hat das Wetter etwas abgekühlt. Der Himmel ist bedeckt, aber es regnet nicht. Doch es wirkt - nach sovielen Tagen hellen Sonnenscheins - ein bisschen düster. Gestern hat unser Kollege M. seinen Abschied gegeben. Beim Liferanteneingang hat er ein grosses Buffet aufgestellt mit vielen kalten Speisen. Aber ich bin kaum dazugekommen, zu essen. Ich habe etwas von diesem Eggplant Salat genommen. Aber die Dinger waren noch etwas zäh. Und dazu ein Glas Orangensaft, keinen Wein ! Es war heiss wie in der Vorhölle. Und dann habe ich M. getroffen, die Juristin, die jetzt - wie sie mir des Langen und Breiten erzählt hat - am Gericht und nicht mehr in der Personalabteilung arbeitet. Wir haben uns mal in einem Kurs kennengelernt. Sie ist eine hübsche Frau und sie war mit einem Typen da, von dem ich dachte, es wäre irgend ein Arbeitskollege in einer tieferen Funktion. Na ja, es gibt so Typen, die Frauen begleiten, damit diese nicht allein hingehen müssen. Sie fühlen sich geschmeichelt, eine schöne Frau begleiten zu können. So einer dachte ich. Dann war es aber ihr Mann, wie ich indirekt aus dem Gespräch entnahm. Und da musste ich ihn auch etwas berücksichtigen und ein paar Worte wechseln, sonst hätte er noch eifersüchtig werden können. Man sieht daraus nur, wie ungelenk wir Schweizer in diesen sozialen Dingen sind. Bei Persern würde sowas niemals passieren. Sie würden ihren eigenen Mann direkt, sofort und mit Vergnügen vorstellen. Natürlich hängt das auch damit zusammen, dass man hier nicht als Paar, sondern als Individuum zählt.
*
Nächste Woche beginnen bei uns die Sommerferien. Und wenn die Schulen geschlossen haben, wird hier alles still und friedlich werden, und ich werde Zeit haben, aufzuräumen und Dinge zu lesen, die ich schon immer lesen wollte. Ach, der Sommer ist eine wundervolle Zeit. Und dazu muss ich mein N.Y. Projekt organisieren. Du fragst, ob ich sicher bin, dass ich wegen des Kurses hingehe? Wegen nichts anderem. Ich bin noch gar nicht so sicher, ob ich hingehen soll. Aber alle überreden mich dazu. Die Frage ist, was mein Arbeitgeber dazu sagt. Bezahlt er den Kurs? Die Reise? Die Unterkunft? Wir sind in einer grossen Sprarphase, und ich glaube, mein neuer Chef wird nicht zu grosszügig sein können. S. meint, das tue nichts zur Sache, notfalls solle ich dies privat bezahlen. Aber für mich ist NY wirklich kein Traumziel. Ich glaube nicht, dass für mich 14 Tage in einer riesigen Stadt wirklich ein entspannendes Urlaubsziel sind. Wirklich nicht. Und dazu umgeben von all den Amis, die wohl immer noch ziemlich hysterisch sind. Nein, ich würde lieber nach Arles fahren, oder noch besser nach Aix en Provence. Oder vielleicht ins Burgund, wo es schöne romanische Kirchen gibt. Notfalls auch nach Italien oder Spanien. Aber bestimmt nicht NY. Man sollte den Amis zur Zeit nicht zuviel Aufmerksamkeit geben. Sie haben es nicht verdient. Na ja, ich werde sehen.
*
Es ist wirklich so, Deine Mails klingen ganz anders, wenn Du Ferien hast. Du scheinst ein anderer Mensch zu sein. Das ist gut so. Aber man darf hier - wenn man meiner Theorie folgt - nicht denken, das sollte während des ganzen Jahres so sein. Wenn Du das ganze Jahr Ferien hättest, wäre es bestimmt nicht so. Dann würden die kleinen Sorgen zu grossen Sorgen heranwachsen. Sorgen haben es an sich, dass sie gut gedeihen. Vor allem die lockeren Zeiten sind ein guter Boden für sie. Sorgen müssen durch andere Sorgen gebändigt werden, wie das Unkraut im Garten. Man darf ihnen nicht zuviel Platz geben, sonst werden sie überdimensional gross, wie diese immensen Kürbisse, die man manchmal bei Hobbygärtnern sieht. Und dazu kannst Du dich über die neue Küche freuen, über Herd und Microwelle. Na ja, da kann ich nicht sonderlich gut folgen. In eine Küche habe ich mich bisher in meinem Leben nie verliebt. Aber ich kenne durchaus Leute, die das tun. Vor allem Frauen. Und sie haben recht. Man steht viele Stunden in der Küche, wenn man genau rechnet. Weshalb sollte man sich dort nicht zufrieden und glücklich fühlen? Vielleicht, wenn ich mal in Pension bin, werde ich wieder mehr in der Küche stehen. Als S. frisch in die Schweiz gekommen war, hatte sie überhaupt nicht gekocht. Damals arbeitete sie in einer amerikanischen Firma. Und so lag es an mir, die Küchendinge zu erledigen. Ich habe oft Pizza gemacht, wenn ich mich richtig erinnere. Und auch Siedfleisch, in einer riesigen Pfanne voller Wasser. Erst später habe ich bemerkt, dass es nicht soviel Wasser braucht. Und so sagt S. oft, sie hätte von mir kochen gelernt. Aber das ist eine nette Übertreibung. Die paar Dinge, die ich damals zuzubereiten pflegte, kann man an einer Hand abzählen.
Manchmal schaue ich mir im Fernsehen Kochsendungen an. Sie sind mittlerweile etwas in Mode gekommen. Die Leute kochen gemeinsam, manchmal Prominente, und dazu diskutieren sie über dieses oder jenes. Das ist manchmal unterhaltsam, und man sieht gewisse Kochtechniken, die man noch nicht kennt, manchmal auch Geräte, von denen man denkt, sie wären auch in der eigenen Küche praktisch. Das finde ich unterhaltsam und erspart mir später ein üppiges Mahl. Nein, ich habe die Bedeutung des Essens ziemlich heruntergeschraubt. Und im Moment ist es ohnehin zu heiss, noch zu essen. In den letzten Tagen war es am nützlichsten, wenn man das Essen trinken konnte.
*
Jetzt wünsche ich Dir einen guten Tag und hoffe, dass Dir Deine Küche viel Spass macht.
Mit lieben Grüssen
...
Freitag, 13. September 2019
François Mauriac
Lieber ...
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Auf der Suche nach etwas Französischem im Internet (ich möchte diese Sprache nicht vergessen), habe ich ein paar wunderbare Aussagen über Bücher von François Mauriac gefunden. Er war einst mein absoluter Favorit unter den Franzosen. Bekomme grosse Lust die Bücher nochmals zu lesen.
.....
Le noeud de vipères
(Livre de Poche, 1973, 287 pages)
J'ai trouvé dans ma bibli ce roman de Mauriac dont le titre était inspirant. C'est le journal d'un homme à la fin de sa vie. Il observe sa famille qui attend sa mort pour hériter. C'est l'occasion pour lui d'écrire à sa femme les raisons de la haine qui l'oppose aux siens. On découvre très vite qu'il faut remonter au tout début de leur mariage (d'amour pour lui, d'intérêt pour elle). Cet homme détesté de tous se dévoile tout au long de son monologue. Il devient attachant, touchant. Il évolue lui aussi au fil de son journal, et celui qui se disait incapable d'aimer, est en réalité rempli d'amour...
*
François Mauriac est un grand écrivain. Son style est superbe, les phrases sont puissantes et chaque mot est choisi avec soin. Il m'a fallu prendre mon temps pour savourer et m'approprier son style. Pour moi, c'est une redécouverte. Vos critiques de Thérèse Desqueyroux m'ont donné envie de le relire. Un plaisir supplémentaire: chercher les livres de Mauriac chez les bouquinistes.
*
J'ai découvert Mauriac sur le tard, il y a un an. Mon ex m'avait prêté "Génitrix" et là j'avais flanché... un choc, un vrai, comme je ne m'attendais plus à en avoir (en tout cas pas avec des auteurs dits "classiques"). Du coup j'ai acheté quasiment tout Mauriac, et je lis ça au compte-goutte, un peu à l'occasion. Après "Génitrix" donc, il y eut "Thérèse Desqueyroux" (re-choc) puis "Le fleuve de feu" (nettement moins choc, voir carrément ennuyeux d'ailleurs j'étais persuadé de l'avoir critiqué ici mais bon...).
Et donc, "Le noeud de vipères". Une lettre. Une longue lettre d'un vieil homme mourant adressée à son épouse. Qu'il déteste. On ne sait pas trop pourquoi mais on va le comprendre assez rapidement. D'autant que depuis son lit de mort, il ourdit sa vengeance.
Le début est époustoufflant; on frise le nihilisme absolu. Vingt pages gorgées de haine : le fond remue les tripes, la forme coupe le souffle. Depuis combien d'années (de siècles?) une poignée de pages ne m'avait-elle à ce point remué? Le soufflet retombe un peu par la suite, mais ces vingt premières pages méritent à elles seules l'achat du livre. Vingt pages soit donc une vingtaine de minutes durant lesquelles j'ai eu honte d'avoir un jour eu des prétentions littéraires.
La suite, donc... un texte court et sinueux, une écriture habitée conférant un impact inattendu à un drame de l'incommunicabilité somme toute très conventionnel. Comme toutes les histoires de Mauriac, celle-ci n'a rien d'exceptionnelle - elle est même stupéfiante de banalité. C'est la manière qui fait toute la différence... Et là encore on s'extasie : car le style de Mauriac est tout ce qu'il y a de classique, mais traversé d'une furie inexplicable qui atteint le lecteur et le renvoie à ses propres hantises (ou à sa propre culpabilité, selon les cas).
On ne sort définitivement pas indemne d'un livre de Mauriac. Dans "Le noeud de vipères" comme dans "Génitrix" ou d'autres, les caractère sont oppressants, les climats étouffants, et la phrase la plus banale peut tout à coup sembler terriblement dérangeante. Si je voulais user d'un raccourci un peu pataud, je dirais que, tandis que Bukowski a écrit les "Contes de la folie ordinaire", Mauriac à écrit les "Chroniques de la haine ordinaire".
...
Montag, 9. September 2019
Ein sattes Programm
Liebe Malou
Heute habe ich ein sattes Programm. Es gipfelt abends um 1700h mit einem kleinen Vortrag ... Um 17.00h, wo ich doch um diese Zeit lieber auf meiner Coach liegen und ein bisschen dösen würde. Welcher französische Philosoph hat gesagt, dass sich das ganze Unglück der Menschheit bloss aus der Tatsache entwickelt, dass der Mensch nicht in seinem Haus bleibt und still hält. Es war nicht Montaigne, vielleicht Blaise Pascal? Auf jeden Fall einer, den ich nicht kenne, ungefähr so wie Mauriac.
Immerhin ist der Himmel heute blau, doch die Tauben scheinen wirklich im Norden in den Winterferien. Und die Strassen unten sind noch mehr oder weniger leer. Na ja, es ist gleich 8.00h, und die meisten sind wohl schon in ihrem Büro und schlürfen ihre Tasse Kaffee? Na ja, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, denn wir Schweizer sind doch ziemlich fleissige Menschen. ...
(---)
Ich muss jetzt los, und ich wünsche Dir einen guten Tag. Ungefähr so Frühlingshaft viel versprechend wie der unsrige hier zu werden scheint.
MlGugK
...
Ämne: RE: -..-
Datum: den 9 mars 09:13
Lieber ...,
Nein, den Philosophen kenne ich nicht... und ich glaube auch nicht an seinen Spruch. Man kann sich nicht vor seinem Schicksal verstecken. Es sucht dich auf wo immer du bist. Es hilft nichts, dass du in deinem Haus bleibst und still hältst. :-)
Übrigens spielen sich Mauriacs Romane fast ausschliesslich in dem Haus ab, das sein Elternheim war. Es liegt in der Region von Bordeaux. Es gibt ein Album mit hundert Photographien aus seinem Jugendmilieu: "Les maisons fugitives". Fast sein ganzes Leben hat sich in dieser Gegend abgespielt.
Als ich las, dass "niemand ein grosser Romanschriftsteller wird, der nicht auf eine - am besten in der Jugend erlebte - Landschaft zurückgreifen kann" habe ich sehr an dich gedacht und an deine wunderschönen Schilderungen aus dem Wallis.
Man ist nicht arm, weil man seine Jugend hinter sich hat. Man ist reich, weil man sie schon besitzt und in sich trägt. Und du kannst sie jederzeit aus deiner Erinnerung hervorholen und wiedererleben - zwar mit etwas Trauer und Nostalgie - aber trotzdem. Denn du wirst sicher auch zugeben, dass sie jetzt noch schöner ist, als du sie ursprünglich gesehen hast. Gibst du mir recht?
Gestern war es bedrückend grau aber nun versucht die Sonne durch die Wolken zu dringen. Ein paar kleine Kohlmeisen hüpfen lustig im Kirschbaum herum. Sie sind voll von Lebenslust und ich kann kaum die Augen von ihnen nehmen.
Neben mir liegt ein Buch über Pilze, das K bei der Bücherrea gekauft hat. Es ist das beste, das ich bisher gesehen habe. Und wenn ich darin blättere sehe ich schon den schönen Wald im Herbst vor mir.
Ich muss leider schon weitermachen hier.
Wünsche dir alles Gute für diesen Tag.
MlGuK,
Malou
Supplément
Ämne: supplément
Datum: den 8 mars 22:28
Liebe Malou
Bist Du lieb, wie Du soviel Geduld hast mit mir und dem Mauriac. Weißt Du, wenn ich mal irgendwo ein Buch antreffe, werde ich es mir bestimmt aneignen und vielleicht sogar lesen, jetzt, da ich weiss, dass er Dein Favorit gewesen ist. Aber auf der anderen Seite beschreibst Du ihn als depressiv. Nun, was sollte ich denn von ihm erwarten?
Vielleicht haben wir viele Illusionen aufgegeben, aber wir sollten den jungen Menschen das nicht zeigen. Man kann sie immer noch verbessern, und dazu braucht es Mut. Und diesen müssen wir den Jungen wünschen. Ach, ist es nicht ein Dilemma, in dieser rasch sich ändernden Zeit in fortgeschrittenem Alter zu sein. Manchmal habe ich eine tiefe Sehnsucht nach alten Zeiten, ich kann gar nicht genau sagen, wonach. Und dann versuche ich mich zu beruhigen, dass ich mich eigentlich nur nach meiner Jugend zurücksehne.
Wir waren mal in Kempten in den Ferien. Das liegt im südlichen Bayern, wenn ich mich recht erinnere. Und an einem Samstag Morgen bei schönstem Sonnenschein gingen wir dort durch die Strasse der kleinen Stadt. Und die Leute waren vergnügt, grüssten sich, nahmen sich Zeit für einen Schwatz, plauderten auf der Schwelle der kleinen Läden. Ach, es war alles so beschaulich und hübsch und sauber und sonnig, dass man sich in die alten Zeiten zurückversetzt meinte. Einer dieser Momente ist mir noch heute tief in Erinnerung geblieben, obwohl das jetzt bestimmt 20 Jahre her ist.
Jetzt muss ich aber bestimmt heim. Das war nur ein kleiner extra Gutenachtkuss.
Mit lGuK
...
-------------
Ämne: RE: supplément..
Datum: den 8 mars 23:37
Lieber ...,
Puh, endlich bin ich fertig mit dieser Arbeit. Und da finde ich als Belohnung ein süsses kleines Mail von dir. Ach, du bist wirklich lieb und weisst was ich brauche. :-)
Es ist schon spät... so sage ich dir nur
gute Nacht
mit einer zärtlichen U..
Malou
Erzähle mir mehr von deinem Erlebnis.
Sonntag, 8. September 2019
Tauben... und kleine Animation..
Subject: Tauben... und kleine Animation..
Date: Mon, 08 Mar 09:06
Lieber ...,
Jetzt sind sie wieder hier, die Liestaler Boten.. *s*
Ich wünsche dir einen schönen Tag. Wenn du Zeit hast, schau dir diesen kleinen
Film an den Anna heute von ihrem Korridorsfreund erhalten hat.
Ich warte schon auf dich...
Gruss
Malou
Ämne: RE: +++
Datum: den 8 mars 15:49
Malou
Na ja, die Tauben könnten wirklich aus unserer Gegend sein. Und wenn ich zum Dach gegenüber hinaufschaue und alles leer vorfinde, so möchte ich wetten, einige hätten einen kleinen arktischen Ausflug gemacht. Vielleicht als Honeymoon? Klar, Tauben, die sonst auf dem Markusplatz herumwirbeln und ständig von irgendwelchen aufgeregten Japanern fotografiert werden, brauchen mal Ruhe. Und wohin ziehen sie dann? Klar, in den kühlen Norden, in die Stille, zu den Bären und den Elchen.
Das Video konnte ich nicht ansehen, das hat nicht funktioniert. Aber vielleicht ist es besser, das Vorfest nicht zu sehen, sonst vermisste man das Fest nachher zu sehr.
Du hast Recht, ich habe Malraux gedacht und Du hattest Mauriac gemeint. Und jetzt willst Du mich mit ihm gleich erschlagen und gibst mir eine Liste von 5 Titeln vor! Du bist aber ziemlich hart im austeilen, Malou! Ich habe dieses Wochenende eine dicke Biographie über Immanuel Kant begonnen und werde diesen und vielleicht den nächsten Monat damit mehr als beschäftigt sein. Wie könnte ich da Mauriac noch oben aufs Brot streichen?
Er klingt auch etwas sehr katholisch, nicht wahr? Lass mir etwas Zeit mit diesem französischen Klassiker, bitte. Ich muss mich erst darauf einstellen ...
---
Nun ja, ich mache mir eigentlich nicht so sehr Sorgen wegen des Tattergreises. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Und gerade das ist es, was mir gelegentlich Sorgen bereitet. Klar, immer, wenn ich aus dem Club komme, fühle ich mich ziemlich jung. Meine Kollegen sind teilweise schon ziemlich zitterig, und wenn der Vortrag beginnt, müssen sie ihr Hörgerät hochschrauben, damit sie von vorne ein paar Piepser hören. Aber es gibt auch ein paar jüngere Boys. Sogar einige, die noch rauchen, solche Wahnsinns-Cow-Boys haben wir in unserem Club. Da staunst Du, was?
Ich wünsche Dir einen guten Wochenanfang.
Mlguk
...
Ämne: RE: +++ ---
Datum: den 8 mars 21:06
Lieber ...,
Ach, du verwirfst also meinen Vorschlag..:-( Du bleibst lieber bei Kant, den du doch sowieso schon genügend kennst.. (ich gebe zu er ist auch hier wieder "auf der Tapete") - aber mit Mauriac würde sich für dich eine neue Welt öffnen.
Ich habe dir nur einige Titel genannt von Romanen die ich selbst gelesen habe. Ich frage mich ob du überhaupt einen dieser Romane als "christliche Literatur" bezeichnen würdest. Ich glaube kaum. Gerade deswegen, weil ich glaube, dass du falsche Vorstellungen von ihm hast, möchte ich dass du einen Versuch machst ihn zu lesen. Er wird dich nicht bekehren.. ;-) das versichere ich dir...
Seine Bücher sind deprimierende, tief pessimistische Schilderungen seiner bürgerlichen Umgebung. So hatte er auch die ganze bürgerliche Kritik gegen sich.
OK ich werde dich nicht bedrängen.
*
Die kleine Animation war eine kurze gezeichnete japanische Story. Ich weiss nicht was mit den Studenten los ist (nun meine ich diejenigen, die Anna bei ihrem Studium trifft) ) denn sie scheinen alle ganz verhext zu sein von japanischen Kurzfilmen. Es gibt sogar welche, die deshalb japanisch studieren neben ihrem technischen Studium. Ich konnte es auch nicht öffnen indem ich auf die Adresse klickte. Du musst sie eben oben eintragen (via ctrl c und ctrl v).
*
Ja, ich glaube dir schon, dass du dich in deinem Club in solcher Umgebung recht jung fühlst. Ich glaube überhaupt dass unsere nächste Umgebung eine grosse Rolle spielt. Aber ich fühle mich nicht jung, wenn ich meine zwei männlichen Kollegen betrachte. Im Gegenteil. Das ist mir erst aufgefallen, als ein junger Kandidat bei uns im Arbeitszimmer auftauchte. Er bringt eine herrliche Frische in den Raum und man fühlt sich fast als wäre man zurïckversetzt in die ersten Jahre im Beruf. Ein Optimismus und Glaube an die Zukunft. Na ja, er hat noch nicht angefangen zu arbeiten. Wenn ich die anderen jungen Lehrer betrachte so sind sie schon nach kurzer Zeit von dem Stress des Berufes beeinflusst. Es war fast ein bisschen ein Schock, als mir klar wurde wie diese "Altmännerathmosfäre" mein Milieu bestimmt hat.
*
Jetzt muss ich ein wenig arbeiten. Vielleicht komme ich nachher nochmals zurück..
Bis dahin, sei lieb gegrüsst,
Malou
... undsofort
Ämne: ...undsofort
Datum: den 7 mars 22:14
Liebster Mausfreund,
Wie immer habe ich mich nach diesem Augenblick gesehnt, aber jetzt wo ich mich an den PC setze kommt es mir vor als hätte ich dir alles schon erzählt.. So ist es oft.
Schön, wie du über das "Vorfest" schreibst. Ja, genau so ist es gedacht. Das Synthfest, zu dem die Leute gehen wollten, war so ein Musikabend wo verschiedene Bands auftreten. Also kein besonderer Gastgeber.. aber doch Arrangeure, die sich freuen wenn gut gelaunte Leute dazu auftauchen.
Es war ein nettes Vorfest. Du meinst, wie in einem Roman. Wie recht du hast, denn es war auch ein wenig Dramatik dabei. Der junge Mann im Korridor, der Anna ein bisschen verehrt, war höllisch eifersüchtig auf den "Eindringling". Kann man ja verstehen. Und obwohl er fleissig fotografiert hat ist B auf keinem einzigen Bild "hängengeblieben". Ach, die Liebe ist so eine komische Sache. Ich weiss nicht, ob ich die Jugendjahre zurück haben möchte. Damit nicht gesagt, dass ich nicht gern so 10 - 15 Jahre jünger wäre.
Mach dir keine Sorgen wegen dem Altwerden. Ich halte Schritt mit dir. Und ein Tatteergreis wirst du lange nicht sein.. eben nur etwas uninteressiert manchmal. Kann ich ja auch ganz gut verstehen.
*
Nein, Mauriac war kein Politiker. Vielleicht verwechselst du ihn mit André Malraux, der unter de Gaulle Informations- und Kultusminister war.
Du bist nicht der erste, der das tut.
Ich werde dir gern über Mauriac erzählen, aber weisst du, ich möchte dass du zuerst etwas von ihm gelesen hast, bevor ich das tue. Z.B "Le désert de l'amour", "Thérèse Desqueyroux", "Le noeud de vipères" (auf deutsch: "Natterngezücht", und vielleicht "La fin de la nuit" (eine Fortsetzung von "Thérèse Desqueyroux")
Ich will erst deine eigenen spontanen Gedanken über ihn hören. Er war damals, als ich in Uppsala Romanistik studierte, mein absoluter Favorit.. und jetzt habe ich ihn wiederentdeckt. Er sagt kluge Dinge über menschliche Beziehungen. Und er schreibt vor allem über das Verhältnis zwischen Familienmitgliedern.
"Pendant ces 40 années où nous avons souffert flanc à flanc, tu as trouvé la force d'éviter toute parole un peu profonde..." (aus "Le noeud de vipères")
*
Bei uns hier ist nichts Besonderes passiert. Ich hätte dich gern zu einer Tasse Kaffee eingeladen, oder noch besser, zu einer guten Mahlzeit mit einem deiner Lieblingsweine.. und nachher Kaffee mit "avec". Ach, ..., es ist verrückt, aber ab und zu stelle ich mir vor, wie es wäre dich "live" vor mir zu haben.. es ist nicht leicht das zu tun ohne gegen unsere §§§ zu verstossen.
(---)
Ich habe eigentlich noch Arbeit zu erledigen, aber ich schiebe sie auf morgen auf. Diese Woche habe ich es etwas leichter, weil einige Klassen Distanzunterricht haben.
Nun grüsse ich dich lieb
mit einem zärtlichen Kuss auf die Schläfe.. :-)
Malou
Samstag, 7. September 2019
RE: Studentenleben, ...undsofort
Liebe Malou
Danke Dir für das nette Kompliment. Du nennst mich Wand, wo Du mich Tattergreis nennen könntest, nicht wahr? Du bist enorm generös!!!
Und offenbar hast Du grosse Pläne mit Deiner breiten Lektüre, die Du bereithältst. Ich mache das auch so. Ich habe meist mehrere Bücher, die herumliegen. Manchmal vergesse ich sogar eines davon, wenn es z.B. im Büro besonders eng zu und her geht. Und später finde ich es wieder und muss mit der Lektüre erneut von vorne anfangen. Ich hoffe, Du wirst mir aus Deinem Buch einige nützliche Tipps für das 3. Alter mitteilen. Ich renne mit verschlossenen Augen auf diesen Abgrund zu. Also bitte, warne mich vor den schlimmsten Überraschungen.
Ein solcher Tipp ist schon das Vorfest, wie ich finde. Eine wundervolle Idee, ein Fest mit einem kurzen Fest vorher zu beginnen. Ich nehme an, die Wirkung ist die des Durchlauferhitzers im Badezimmer, wo das Wasser in einer kurzen Schlaufe mitttels einer aggressiven Gasflamme auf beinahe Kochtemperatur erwärmt wird. Und wenn man dann die Tür zum grossen Festsaal öffnet, wo die Leute in vornehmster Ausstattung gelangweilt herumsitzen, ist man in Hochstimmung und kann der Gastgebering mit Innbrunst um den Hals fallen. Eigentlich ist es ja ein Geschenk für die Gastgeber, wenn man mit solcher Toplaune antrabt. Und das grosse Fest wird bestimmt vom kleinen profitieren, wenn nicht sogar davon abhängig werden. Gar nicht zu denken an die allerfeinste Insitution des Nachfestes, bei dem man bekanntlich nochmals rasch bei einer fröhlichen Studentin unterschlüpft und noch ein paar Kaffees mit Zutaten geniest. Ach, wie ist die Studentenzeit schön! Und nochmals „ach“, ach was sind wir alten Leute Banausen, und freuen uns zitterig und tatterig auf das blosse eine Fest, wo man dann einen ganzen stundenlangen Abend mit noch längeren Gesichtern herumsitzt, smalltalkt und müde auf die Tischbombe wartet, die den Puls endlich doch endlich noch etwas in die Höhe bringt.
Allerdings, das muss man auch sagen, ist ein solches Vorfest eine irre Arbeit. Wenn alle fein gegessen und getrunken haben, was geschieht dann noch auf dem richtigen Fest? Stehen da alle mit vollen Mägen herum und rülpsen? Es ist, je länger ich darüber denke, desto deutlicher wird es, es ist eine echte Dienstleistung an das Fest. Und natürlich eignet es sich vor allem für ein grosses Fest mit vielen unbekannten Leuten, wo man dann als kleinere Gruppe mit Hochstimmung hereinplatzen kann, so dass alle übrigen bloss neidisch herüberschauen.
Dass sich ein solches Fest in weiten Teilen um einen netten und smarten B dreht, finde ich so reizend, als ob sich alles in einem spannenden Roman abspielen würde. Ach Malou, manchmal spüre ich diese gewisse Art von Neid gegenüber den jungen Leuten. Ich fühle in meinem Herzen den Wunsch, auch nochmals dabei sein zu können. Ich möchte am allerliebsten wieder in dieser jugendlichen Situation sein, wo alles noch offen und alles noch möglich ist und wo die Welt unbekannt und zauberhaft erscheint. Die Illusionen der Jugend sind doch wunderbar. Und ihre Leichtigkeit ist unwiederbringlich. In NY hatte ich dieses Gefühl gelegentlich, ...
(---)
Ich finde es süss, wie Du immer wieder Euren schwedischen Sportlern in internationalen Wettkämpfen den Daumen hältst. Bestimmt hilft ihnen das, den Anforderungen gewachsen zu sein. Und auf jeden Fall war es bei der Skifahrerin Anna Persson (heisst sie so?) ziemlich wirksam. Ich reagiere auch ein bisschen so. Letzte Woche hatten wir am Fernsehen diese grosse Familiensendung „Wetten dass…“. Es geht darum, dass irgendwelche Leute wetten, dass sie dieses oder jenes erreichen könnten. Und Promis wetten mit. Das Konzept der Sendung ist raffiniert erfunden, finde ich. Und es läuft Samstag abends, wenn auch Kinder am TV sitzen. Das ist ziemlich gut so. Jedenfalls behauptete ein Schweizer Bauer an jenem Abend, er könne innert 2 Minuten seine Kuh Rosi melken, und mit der vollen Tasse Milch auf dem Rücken der Kuh einen Hürdenlauf über einige Pferdehürden vollführen, ohne die Milch zu verschütten. Es sah ziemlich komisch aus, als er auf seiner Kuh daherritt und die Glastasse Milch in die Höhe hielt. Er konnte seine Wette gewinnen und wurde vom Publikum zugleich als beste Wette des Abends gewählt. Darüber freute ich mich, weil ich überzeugt war, ein Schweizer Bauer könne eine solche Betätigung gut gebrauchen. Aber sonst bange ich mit den Schweizer Sportlern nicht mehr so sehr mit, wie ich das früher gemacht hatte.
Mauriac kenne ich vom Namen her. Ich hatte nie etwas von ihm gelesen. war er nicht Kulturminister unter De Gaulle? Und bestimmt ist er katholisch, wie die Franzosen eben katholisch sind. Vielleicht kannst Du mir von ihm erzählen?
Der Briefeschreiber ist nicht Rilke. Du hast noch 2 Rate-Chancen. Ich gebe Dir kleine Hinweise: er lebt nicht mehr, er war Wissenschafter und er war und ist wirklich sehr bekannt.
Ich wünsche Dir ein feines Wochenende. Bist Du immer noch grüne Witwe?
Wenn ich in der Nähe wäre, würde ich zu einem Kaffee vorbeikommen!
Mit GS und KS
...
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