Freitag, 30. September 2011

Ein bisschen Sonne..

date 4 October 2006 12:38
subject Ein bisschen Sonne..




ein Bisschen Regen..

Lieber ...,
Natürlich wäre es mir lieber, wenn ich jetzt ein Mail von dir zu
beantworten hätte, denn gerade jetzt könnte ich es in Ruhe tun.

Ich versuche mir vorzustellen wo du bist und was du tust... aber es ist schwer.

Hier haben wir einen ganz passablen Herbsttag. Ein paar grosse graue
Wolken ziehen über den Himmel, aber ab und zu guckt auch die Sonne
hervor. Ich habe gerade eine wenig den Garten inspektiert. Unter dem
Apfelbaum liegen nun grosse schöne Äpfel, aber es gibt auch noch viel
Obst am Baum. Die Wärme hat sie voll entwickelt und sie sind süss und
saftig und haben rote Backen. Ich bilde mir ein es ist nützlich und
esse deswegen viel davon.

Dann habe ich mir alle Blumen und Pflanzen angesehen. Manche, die
normalerweise im Frühling blühen, haben wieder angefangen Blüten zu
tragen. Die Rosen sind auch noch schön. Aber die neuen, die diesen
heissen trockenen Sommer nicht so gut vertragen haben, machen mir ein
wenig Sorgen. Doch die "Ingrid Bergman" hat jetzt wieder viele grosse
Knospen, die gerade ausschlagen wollen und zu meiner ganz besonderen
Freude hat auch meine kleine Lili Marlen (das Symbol meines Mauslebens
mit dir) eine kleine Knospe, die diesmal vielleicht auch blühen wird.
Ich hoffe sehr.

Heute werde ich mich ein wenig mit der Nähmaschine befreunden. Habe
schon meinen ersten Versuch gemacht und es funktioniert gut. Früher,
in jungen Jahren, habe ich mir sogar elegante Kleider genäht.. aber
heutzutage ändere ich nur und du wirst staunen, denn jetzt werde ich
ein paar lange Hosen, Jeans und auch andere, einnähen.. also enger
machen. Das hatte ich nicht geplant. Scheinbar habe ich in den letzten
Wochen abgenommen. Wieso weiss ich wirklich nicht.

Das war mein kleines Plauderstündchen mit dir heute. Immer wieder
möchte ich mit dir sprechen. Aber du bist nicht da, mein lieber
Mausfreund.

Aber wo immer du bist so wünsche ich, dass es dir gut geht.
Lass bald wieder von dir hören.

Mit lieben G und K,
Deine Malou

Engel

date 4 October 2006 09:09
subject Engel


Lieber ...,

Die letzte Strophe eines Rilkegedichtes an einen Engel lautet:

Dass ich lärme, wird an dir nicht lauter,
wenn du mich nicht fühltest, weil ich bin.
Leuchte, leuchte! Mach mich angeschauter
bei den Sternen. Denn ich schwinde hin.

Und dabei denke ich, dass DU nicht hinschwinden kannst, denn du bist
täglich und stündlich angeschaut.

MlGuK
Malou

(R)

Blick durchs Fenster

.
schon etwas herbstlich

Geheimtip für Paris

dateMon, Oct 2, 2006 at 2:51 PM
subject Re: Paris



Liebe Malou
Ach, mein liebes halbblindes Engelchen. Ich glaube auch, dass du auf
die Abgase achten solltest. Schliesslich ist die Luft das Medium,
worin sich Engel und Schutzengel hauptsächlich bewegen. Und wenn sie
allzu trüb wird, ich weiss nicht, ob ihnen das gut tut.
...

Es freut mich, dass du nun bald nach Paris kannst. Solch ein Besuch
ist überfällig. Ich weiss gar nicht, weshalb du nicht schon lange ab
bist. Es ist ja doch schon etwas spät im Jahr, ich meine der
Temperaturen und des Wetters wegen. Na ja, der Oktober kann auch sehr
schön sein. Und Städte sind manchmal angenehmer, wenn es nicht zu warm
wird. Dann kann man sich eindrucksvoll anziehen und in den Cafés
Kaffee und Kuchen essen. Sowas mag ich im Herbst. Und Zeitung lesen.
Und die Leute beobachten, ein bisschen französisch plaudern, was du
bestimmt viel besser kannst als ich. Ja, ich freue mich, dass du gehen
kannst. Aber bitte bleib nicht zu lange in der Champs d'Elysèes (oder
wie sich das Ding schreibt). Mindestens in den letzten Malen, als ich
da war, war diese Prachtsstrasse enttäuschend. Nicht wirklich eine
Attraktion. Höchstens die letzten 100m beim Arc. Ich habe schöne Fotos
von dort oben gemacht. Das sieht gut aus. Aber du kennst dich besser
aus als ich. La Défense, jener moderne Teil, der in der Verlängerung
der Champs liegt, hat A. am besten gefallen. Ich fand ihn
interessant, vielleicht noch imposant, aber nicht wirklich
pariserisch. Schon gar nicht romantisch. Aber was ist schon
pariserisch? Vielleicht alles, was wie das 19. Jahrhundert aussieht?

Kennst du noch meinen Geheimtip? Es gibt diese grossen Warenhäuser.
Ich weiss nicht mehr, wie sie heissen, vielleicht Printemps? In der
Nähe der Ile de la Cité gibt es eines, auf der rechten Seine-Seite.
Und diese Warenhäuser haben meist im obersten Stock ein Restaurant und
- eben in jenem besagten - eine Dachterasse. Von dort hat man einen
wirklich wunderbaren Blick auf die Ile, den Louvre und hinauf bis zum
Arc. Für mich war das jedenfalls einer der schönsten Ausblicke, die
ich auf die Stadt hatte. Und im Innern gab es - wenn ich mich recht
erinnere - einen imposanten Innenhof mit Jugendstilformen, dh. man
konnte vom 4 oder 5 Stock bis ins Parterre hinunter sehen. Ich muss
allerdings zugeben, dass ich nie auf dem Eifelturm war. Nur der Blick
vom Arc war vergleichbar imposant.

Vielleicht weisst du, dass ich mal ein Bild von Paris gemalt habe. Es
zeigt eine Strasse im Quartier Latin. Rechts ist irgendwie die
Sorbonne, sieht man aber nicht. Aber von daher scheint die Sonne, dh.
von der S kommt das Licht ;-)) Und geradeaus, jenseits der Seine, das
ist wohl das Stadthaus. Weiss ich aber nicht mehr so genau. Es hat
einen spitzen Turm. Das kann nur Chiracs spitzes Selbstbewusstsein
sein aus der Zeit, da er noch Bürgermeister von Paris war. Ich hatte
das Bild lange im Büro hängen. Und jetzt ist es hier in unserer Stube.
Ist vielleicht 25 Jahre alt. Ich wollte immer die rote Sonnenstore des
Cafés am Rechten Bildrand ändern. Ich finde, das Rot, das ich damals
gebraucht hatte, stimme nicht. Aber ich habe es bisher nie gemacht.
Nichts lebt länger als die Provisorien!

Ach, wenn man davon erzählt, fühlt man sich fast schon wieder in den
Strassen von Paris.
Mit G&K
...

Re: Altweibersommer


date 29 September 2006 17:47
subject Sommer noch...


Lieber ...,
Ich liebe es dich in der Welt herumfahren zu sehen, wie ein Odysseus
moderner Zeit. Und wie schön und genau du diesen schönen Herbsttag
beschreibst. Auch hier hatten wir einen für die Jahreszeit unglaublich
warmen Tag.. ganz sommerlich. Am Vormittag habe ich Anna zur Uni
gebracht... im letzten Moment erinnerten wir uns daran, dass heute die
Studenten fotografiert werden sollten. Und während sie damit
beschäftigt war habe ich mich in dem Buchhandel der Studenten
aufgehalten. Ein bisschen die Literatur angeschaut, die man jetzt im
Sprachunterricht verwendet. Leider etwas ärmlich. Und dann habe ich
auch in Büchern von anderen Fächern etwas herumgeblättert und sie
schnell wieder aus der Hand gelegt.. ;-)

In der Pause zwischen zwei Aufnahmen bin ich mit Anna und zwei ihrer
Freundinnen ins Studentencafé hinuntergegangen wo wir uns eine Weile
nett unterhalten haben. Sie sind beide sehr hübsch. Sara sieht aus wie
ein Bild von Tizian und Vic wie ein super Mannequin. Vics Traum ist
schon immer gewesen in einem speziellen Atomlabor in der CH
zu arbeiten. ;-) Anna betrachtet sie ein wenig wie eine ältere
Schwester (sie ist bereits 27) und so fühle ich mich fast wie eine Art
Reservemutter. Sie hat ihre Mutter vor zwei Jahren verloren.

Nachher sind Anna und ich in die Stadt hinunter gefahren und haben
zuerst einmal Lunch gegessen. Im Zentrum herrschte genau wie bei dir
ein reges Leben. Diesmal kam mir nicht einmal der Gedanke, dass die
Leute doch eigentlich arbeiten sollten, denn es schien irgendwie
legitim an einem solchen Tag nur das Leben zu geniessen. So wie es du
und ich auch getan haben heute.
Neulich hörte ich im Radio einen prominenten älteren Herrn sagen, dass
er in seinem Alter keine Zeit mehr hätte für Umgang mit Menschen, weil
er die Zeit zum lesen brauchte. Und manchmal denke ich so ähnlich. Man
muss etwas prioritieren lernen.

Ich muss mich langsam auf den Heimweg machen. Es wird jetzt früher
dunkel als man gewohnt ist. Das ist wohl das einzige was diesen
September von einem normalen Juli bei uns unterscheidet.

Übrigens sind die Flugkarten nach Paris nun bestellt. Ich kann es kaum
glauben. :-)

Und nun sende ich dir liebe Grüsse und Küsse
und wünsche dir einen feinen Abend.
Malou

Donnerstag, 29. September 2011

Altweibersommer

(ungeküzt)

date 29 September 2006 12:58
subject  Altweibersommer



Liebe Malou
Heute haben wir herrliches Herbstwetter. Ich war in Bern. Im
Mittelland sind wir zwar durch den Nebel gefahren. Aber in Bern selbst
war es dann wieder wunderschön sonnig. Das ist der Altweibersommer!
Die Stadt ist voller Leute. Wie läuft so eigentlich die Wirtschaft,
wenn alle Menschen in den Strassencafés sitzen, Zeitung lesen oder
einander das Fernsehprogramm vom Vorabend nochmals nacherzählen? Klar,
es sind viele ältere Menschen, die so herumflanieren. Aber es gibt
auch viele Junge, die herumhängen und nicht wirklich viel tun. Nu ja,
jedenfalls habe ich das auch gemacht und so die Wirtschaft ebenso
boykottiert. Ich war, du darfst dreimal raten, beim Staufacher. Das
ist der grösste Buchladen Berns. Sehr hübsch gemacht in verschiedenen
Altstadthäusern. Wenn man so, wie ich daherkam, d.h. Sozusagen als
Ausländer, wenn man also ohne Ortskenntnisse hineinwagt, dann kann man
sich verlieren. Es gibt so viele Stockwerke und Räume und wieder Gänge
in neue Räume und dann noch ein verglaster Übergang zwischen zwei
Häusern, um schliesslich auch noch in ein Café zu gelangen. Man kann
sich nicht vorstellen, dass diese Bücher alle gelesen werden. Wirklich
nicht. Wir sind doch in einer Zeit des Aussterbens er Bücher. Na ja,
es wird immer Bücher geben, aber später vielleicht nur noch für
Wissenschaftler und Bibliophile. Alle übrigen Bücher werden
liquidiert, weil die Menschen ohnehin am PC sitzen und fernsehen,
chatten, seriös e-banking oder intensiv flirting machen.

Kurz und gut, ich bin in diesem grossen Gebäude über alle drei
Stockwerke und kreuz und quer geirrt. Irgendwo habe ich sogar eine
Verkäuferin gehört, die noch echtes Walliserdeutsch gesprochen hat.
Ich hatte gerade keine Frage auf der Zunge, sonst hätte ich wohl. Ich
würde sagen, sie ist von Brig, oder Glis oder Naters. Das ist ja
eigentlich alles ein und dasselbe. Und natürlich bin ich mit einem
Sack voller Bücher hinausgegangen. Ein dickes Geschichtsbuch über die
Antike, zwei Porträts über Christo und über Schiele aus dem
Taschen-Verlag, ein wissenschaftliches Buch über den Darwinismus und
eine kleine Biographie über Hobbes. A. hat nächste Woche Prüfung
und muss sich mit Hobbes auseinandersetzen. Von ihm stammt ja die Idee
des ‚Gesellschaftsvertrages'. Das heisst jeder Einzelne kommt mit
jedem Anderen darin überein, dass sie die Macht an einen Souverän
abtreten. Das kann ein König sein oder eine Versammlung. Das ist eine
geniale Art, die Dinge anzuschauen. Hätte dafür bestimmt einen
Nobelpreis verdient. Rousseau und Locke haben diesen
‚Unterwerfungsvertrag' dann ja auch übernommen. Ich habe gestern Abend
mit A diskutiert und argumentiert, dass gerade in einem Land wie
Iran diese Idee nicht verwirklicht worden ist. Dort verstehen sich die
Regierenden nicht als beauftragt durch das Volk, sondern sie fühlen
sich bloss als die durch das Volk Privilegierten. Sie haben sozusagen
noch einen gesellschaftlichen Naturzustand, in dem jeder gegen jeden
kämpft und der Stärkste natürlich dann einfach den Löwenanteil
davonträgt.

Ich finde diese Fragen interessant. Und ich stelle fest, dass man
solche Dinge in einem katholischen Kollegium einfach kaum gehört hat.
Wir sind in der Geschichte auch nicht soweit gekommen. Die Aufklärung
mit der französischen Revolution, für die bestand dort absolut kein
Interesse. Und von Darwin wurde kein Wort gesprochen. Siehst du, welch
rückständige Bildung ich mit mir herumschleppe, Malou? Die Katholiken
haben mich wirklich ein bisschen handicapiert in meinem Leben, und die
Muslime wohl auch! Du hörst richtig, im Moment bin ich ein Protestant
mit einer Neigung zum Liberalismus.

Na ja, daneben lese ich gerade ein Büchlein über die Globalisierung.
Und dort werden auch Fragen der Demokratie diskutiert. Du siehst, ich
bin mittendrin in der Weltrevolution. Und ich schwimme nach Kräften
und japse zwischendurch nach Luft. Es ist wunderbar, wenn man lesen
kann, wozu man gerade Lust hat. Das ist das wirkliche Paradies. Unser
Lehrer am Gym hatte uns immer geraten, viel zu lesen, weil wir später,
wenn wir mal erwachsen wären, keine Zeit mehr dazu hätten. Aber leider
haben wir ihm das nicht geglaubt. Was wir nicht geglaubt haben, ist
nicht ganz klar. Vielleicht, dass wir nie erwachsen würden? Vielleicht
dass es unmöglich sei, ein ganzes Leben zu leben und keine Zeit zu
haben, wo doch das Leben aus nichts anderem als aus Zeit besteht? Na
also, wir haben uns jedenfalls mehr auf den Strassen herumgetrieben
anstatt zu lesen. Heute wäre das ok. Heute lernt man auf der Strasse
mehr als in der Schule. Aber damals war die Welt noch umgekehrt.
Damals hat die Schule noch Alltagserfahrungen geordnet und zu
kompakten Wissensblöcken gepresst.

Und jetzt gehe ich meine kleine Siesta machen. Das ist unbedingt
nötig, schliesslich bin ich sozusagen Patient.
Mit lieben Grüssen und Küssen
...

Mittwoch, 28. September 2011

Müde, aber zufrieden ..

Ämne: Müde, aber zufrieden.. :-)
Datum: den 26 september 2000  22:28


Ach Schatz, ich hab dir ein langes Mail geschrieben, eines mit Substanz sogar, und nun hab ich was falsch gemacht und alles ist weg. Nicht einmal Anna kann mir helfen es zurückzubekommen. Nur noch die kleine Überschrift ist mir geblieben aber sie passt nicht mehr. Nun heisst es "tired and furious".
OK Vielleicht sollte es nicht sein. Aber schade ...

Ich umarme dich noch bevor ich zu Bett gehe
Bis Morgen, chéri
Marlena

Dienstag, 27. September 2011

nicht so einfach..

date 13 October 2004 06:41
subject Re: 6 Tage schon..

Liebe Malou
Es ist gar nicht so einfach, von diesen 10 Tagen in Rom zu erzählen.
Ich weiss nicht wo beginnen und wie. Es ist wie eine Benzinlache. Und
wenn du irgendwo mit dem Feuerzeug rangehst, steht plötzlich alles in
Flammen.
Und ausserdem bin ich mit meinen Fotos noch nicht gar so weit. Ich
wollte sie gestern abend noch herunterladen. Aber es hat nicht 100%
geklappt. Es sind etwa 150 Bilder, wenn ich richtig im Bilde bin. Und
das ist doch eine schöne Menge. Allerdings muss ich gestehen, dass ich
mit denjenigen, die ich bis jetzt gesehen habe, nicht gar so glücklich
bin. Sie sind nicht alle scharf. Die Digitalkamera hat doch ihre
Tücken. Und wenn die helle Sonne schaut, kann man auf dem Screen das
Bild nur ungenügend kontrollieren. Allerdings sind es meist
Innenbilder, die nicht ganz scharf sind. Ich muss herausfinden, woher
das kommt. Ich hasse es, schlechte Fotos heimzubringen. Das ist
wirklich das letzte, was ich brauche.

Hier bei uns ist es herbstlich mild. Morgens ist es schon respektabel
kühl. Aber bei wolkenlosem blauem Himmel wird es doch am Mittag noch
einmal so, dass man sich entfernt an den Sommer erinnern kann. Ich
versuche, mich hier wieder ins Getümmel zu werfen. Das gelingt mir
jedes Jahr weniger leicht. Erst in solchen Momenten merkt man, wieviel
man wirklich um die Ohren hat. Aber ich bin sicher, andere haben noch
weit mehr als ich.

Und wie geht es Dir? Ich habe in Rom oft an Dich gedacht und mir da
und dort vorgestellt, wie Du das anschauen oder was dazu sagen
würdest. Am Anfang hatte ich eine Art von Tagesprogramm, indem ich mir
ungefähr vorgenommen hatte, was ich sehen wollte. Aber nach einer
Woche war Rom mehr oder weniger abgepflückt. Dann bin ich vermehrt
einfach durch die Strassen geschlendert und habe mich von meiner Nase
und ihrem Instinkt führen lassen. Und ich muss sagen, dass ich dabei
doch noch einige hübsche Sachen entdeckt habe.

Bei den beiden, wo ich wohnte, war ich sehr gut aufgehoben. Antonio,
ein business manager in einer Company, die Handys entwickelt, ist ein
exzellenter Koch. Tina, die in derselben Firma arbeitet, ist
beschäftigt mit Netzbearbeitung. Ich weiss zwar nicht so genau, was
das alles meint, aber die beiden waren sehr gastfreundlich.  ...

Sie begannen ihren Tag immer ungefähr um 9. Deshalb, und
vor allem, um Engpässe in der Dusche zu vermeiden, habe ich mich
bemüht, zwischen 8 und halb 9 aus dem Haus zu sein. Ich brauchte dann
rund 20 Minuten, um das Zentrum, dh. Stazione Termini zu erreichen.
Dort stieg ich in einen entsprechenden weiteren Bus um, der mich dann
in mein Jagdgebiet brachte. Ich hätte auch die U-Bahn nehmen können.
Aber ich habe das nie getan, und dies mit dem Vorteil, dass ich jetzt
die Stadt so gut kenne, dass ich mich ohne Stadtplan darin zurecht
finden könnte. Na ja, es gibt natürlich im alten Zentrum viele kleine
Gassen und Strässchen, die ich nicht kennen und wo ich mich sehr wohl
mal für 10 Minuten verlaufen könnte. Aber das würde wohl auch einem
Römer passieren.
Und so bin ich bis mindestens 7, manchmal bis 8 oder 9 unterwegs
gewesen. Dann bin ich, mehr oder weniger stanco morte heimgekehrt. Und
wie gesagt, manchmal hatte Antonio ein hübsches Abendessen gekocht,
wozu sie mich eingeladen haben. Sie haben selbst sehr spät, meist um 9
ihr Abendessen genommen.
Ich habe gedacht, ich würde Dir über die Details erzählen, wenn ich
die Bilder habe. Ich würde dann, wenn ich Zeit dazu finde, zum Bild
einen kleinen Kommentar machen. Ungefähr wie ein PPT Vortrag ;--). Das
wäre dann auch für mich sozusagen mein Fotoalbum mit Kommentar.
Habt ihr schon Schnee bei Euch oben?
Na ja, die Frage ist spassig gemeint. Aber das sieht man in einem Mail
ja nicht so genau.
Ich hoffe, bald von Dir zu hören.
Mlguk
...

Montag, 26. September 2011

das Eindrücklichste an Rom ..

date 12 October 2004 09:44
subject Re: 6 Tage schon..


Liebe Malou
So bin ich wieder in meinem Nest zurück. Alles ist wunderbar gelaufen,
ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Gestern abend hatten wir unsere GV, und ich bin vom Flughafen direkt
in die Sitzung geflogen. Das war ein ziemlicher Kulturschock. Aber
dann beim Essen habe ich wieder ein bisschen aklimatisiert, obwohl das
Essen höchst durchschnittlich war.
Man hat mich gefragt, was denn an Rom das Eindrücklichste gewesen sei.
Na ja, um ehrlich zu sein, am umwerfendsten fand ich die Römerinnen.
Sie sind wirklich eine Klasse für sich. In ihren hautengen Blusen und
den hohen Stöckelschuhen staksen sie über die antiken Pflaster. Und
jeder Mann mit Herz hält den Atem an, ob sie nicht gleich irgendwo
ihren Fuss verstauchen und hinsinken, so dass man sie in einer mutigen
Aktion retten müsste.
80% sehen gut aus. Und 80% wissen es, dass sie gut aussehen. Darin
liegt eine explosive Kraft, wie Du annehmen kannst.
Na ja, es gab schon noch ein paar andere Dinge zu sehen als diese
Naturwunder. Aber davon spöter. Mein Pult überquellt mit Papier. Ich
muss zuerst hier eine beherzte Aktion wagen.
Bis bald mlguk
...

Uff!

 eine Freundin holt sich Pflaumen


date 27 September 2004 17:08
subject Uff!

Lieber ..,
Kein Mail heute? Ich war am Vormittag in der Stadt um etwas zu
besorgen und dann war hier ein ziemlicher Sturm und als ich in den
Garten kam lag ein dicker Teppich von Pflaumen um den Baum. Drei
grosse Eimer voll habe ich zur Müllstation gefahren. Jetzt bin ich
dabei alte Konserven zu leeren.. um die Gläser mit Neuem zu füllen.
Puh!
Ich glaube du musst nun schon ein wenig in Zeitnot sein, wegen deiner
Romreise. Ich würde meine Gedanken nicht auf anderes konzentrieren
können (wollen).

Du bist sowieso schon aus dem Büro weg und so kann ich dir ebenso gut
später heute Abend schreiben, wenn ich mit meinen Vorhaben fertig bin.

So grüsse ich dich lieb und wünsche dir noch einen angenehmen Abend,
Kuss
Malou

ein Waldmensch



date 26 September 2004 11:14
subject Nur kurz..

Lieber ..,
Gestern war plötzlich ganz wunderbares Wetter und wir beschlossen eine
kleine Tour in den nahen Wald zu machen um nach Trichterlingen (?) zu
sehen. Es gibt sie zu dieser Jahreszeit in Mengen. Und wirklich, wir
haben so viele gefunden, dass wir kaum unseren Augen trauten. Schon in
dem dicken herrlichen Moos herumzugehen ist ein Genuss und dann noch
diese wunderbaren Pilze dort leuchten zu sehen.. Ach, du hast etwas im
Leben verpasst, wenn du nicht ein Waldmensch bist.

Auch heute scheint die Sonne schön. Ich finde das Leben bedeutend
leichter zu leben bei solchem Wetter.
Kann dir nur diesen kleinen Gruss senden im Moment, aber morgen komme
ich wieder, wie immer.
Mit lieben Grüssen und Ks,
Malou

Sonntag, 25. September 2011

Farewell

Ämne: farewell
Datum: den 10 mars 2003 09:21

Liebe Marlena
This is our last call! Heute Mittag werden wir losfahren. Ich muss noch
einige Dinge im Büro ordnen, und vor allem, noch einige Papiere einpacken.
Ich stelle mir vor, dass man in einem Hotel nach dem Frühstück gemütlich
Zeit hat, ein paar Dinge zu lesen, die man dann bei der anschliessenden
Wanderung verdauen und weiterentwickeln kann.
Und natürlich werde ich mir einige Bücher in die Reisetasche packen, all die
und soviele, wie genügen würden, drei oder vier Jahre auf einer einsamen
Insel zu überleben.
...
*
Und unser häuslicher Wunder! Ich war schon ziemlich enttäuscht, dass Du
dieses Rätsel gleich auf Anhieb und ohne Umschweife so gut wie erraten hast.
Es ging wirklich um unsere Kaffeemaschine, für mich die wichtigste Maschine
zuhause, vielleicht vom Rasierer und vom Fernseher mal abgesehen. Kommt
dazu, dass das gute Möbel dann am Sonntag wieder in den Streik trat und
damit meine Enttäuschung noch bestätigte. Ich glaube, wir kommen nicht um
eine teure Reparatur und Reinigung herum, und dabei ist sie bloss um die
zwei Jahre in Betrieb. So trinke ich zur Zeit meine Kaffees im Büro.
*
Und jetzt muss ich noch meine letzten Dinge regeln und fahre dann los. Ich
bitte Dich, Deine Mails an meine private Adresse zu senden. Hier werde ich
eine Mitteilung hinterlassen, dass ich in die Fremdenlegion durchgebrannt
sei. Und vielleicht gibt's im Hotel einen Internet-Anschluss. Ich glaube
zwar, dass es ein echt kleines Hotel ist, eine Pension schon fast eher, wo
der Portier auch als Küchenchef fungiert, anschliessend serviert und
kassiert und sich schliesslich auch noch als Besitzer zu erkennen gibt. Na
ja, wir werden sehen, S. hatte im Hotel angerufen, und weil wir ursprünglich
am Donnerstag reisen wollten, hat man ihr vorgeschlagen, sie würden den
Schlüssel unter den Teppich legen, weil donnerstags geschlossen und an sich
niemand anwesend sei.
*
Ich glaube, das Wetter wird ordentlich sein, und ich bin gespannt, wie die
Landschaft rund um den Brienzersee durch den Lauf der Tage und des
Sonnenstandes aussehen wird.
Ich wünsche Dir eine gute Zeit
Mit lieben Grüssen
...

ein Wunder?

Ämne: Willst du ..
Datum: den 8 mars 2003 13:40

mich martern? Ein Wunder annonzieren und dann nich sagen worin es besteht! Darf ich raten? Deine Kaffeemaschine macht Kaffe aus nur Wasser.
Ist es das?
Sag es mir schnell. Kann nicht drei Tage warten.
Liebe Grüsse
Marlena

Samstag, 24. September 2011

"literarisches Kolloquium"

(R)
Liebe Marlena
Lass mich dir auch ein Rilkegedicht zitieren, das mir sehr gefällt, weil ich dabei immer an meine beiden Töchter denken muss.
Es geht so:

Die Schwestern
Sieh, wie sie dieselben Möglichkeiten
Anders an sich tragen und verstehen,
so als sähe man verschiedne Zeiten
durch zwei gleiche Zimmer geh n.

Jede meint, die andere zu stützen,
während sie doch müde an ihr ruht;
und sie können nicht einander nützen,
denn sie legen Blut auf Blut,
wenn sie sich wie früher sanft berühren
und versuchen, die Allee entlang
sich geführt zu fühlen und zu führen:
Ach, sie haben nicht denselben Gang.

Dazu muss ich sagen: Das letzte Wort des ersten Abschnitts schreibe
ich geh n, weil mein Schreibprogramm das Wort stets korrigiert und "gehen" daraus machen will. Diese Computerprogramme sind echt stur und naiv, muss ich schon sagen! Offensichtlich haben sie nie was von Poesie gehört!!!
"die Allee entlang sich geführt zu fühlen und zu führen", dieses feminine üüüüü finde ich so zart schwebend und fein, dass es mich rührt, zusammen mit diesem bei Rilke häufigen Bild der Allee, des Weges an sich. Und dann diesen Schlusssatz, der alles wieder öffnet. Wenn man schon meint, man hätte die Wahrnehmung der Geschwisterlichkeit erfasst, so ist doch plötzlich alles wieder offen und überraschend und das Leben bricht herein. Auch schön und festgefügt die Symmetrie der ersten und der letzten Zeile: Sieh, wie sie, .........Ach, sie haben .... Ich bin ja nun kein Literat und kann nicht erklären, was denn daran so genial ist. Es berührt mich einfach, und manchmal werde ich wirklich neidisch, wenn ich höre, wie er das sagen kann. Obwohl ich bei Rilke nicht wirklich höchst neidisch werde. Er ist dann doch etwas feminin. Aber beispielsweise bei John Updike er muss Holland stämmig sein, wie ich annehme, und litt früher sehr an Neurodermitis, wie ich in einem Interview gelesen habe) oder in jüngeren Jahren gelegentlich bei Günter Grass (unser neuer deutscher Nobelpreisträger) konnte mich der blanke Neid überfallen, weil ich einen Gedanken, eine Beobachtung mitsamt ihrer Formulierung einfach genial und einmalig und unwiederholbar fand. Updike ist ja nun wirklich ein begnadeter Erzähler mit einem Charme und einer Eloquenz, die man nur beneiden kann. Grass ist dagegen etwas gröber und eckiger, ...

Damit muss ich nun unser literarisches Kolloquium definitiv beenden. Es ist schon spät, aber nicht abends, wie bei dir meist, sondern morgens, und die Arbeit wartet ungeduldig auf mich.
Ich wünsche Dir alles Schöne, meine liebe Marlena
Gruss ...

PS Du hast es auch mitbekommen, dass wir eine wahre Marlene-Renaissance haben, mit der Verfilmung der Dietrich. Ist ein schöner Name "Marlena" (obwohl ich hier auf dem Laptop im Tempo und auf Anhieb immer Malrena schreibe), bei uns in der Schweiz praktisch nicht zu finden. In Deutschland wohl eher?

A propos Wunder

*
A propos Wunder, von denen wir kürzlich gesprochen haben, und wie es sie in
der katholischen Kirche immer noch da und dort ereignen. Wir haben zuhause
ein Wunder erlebt. Ich wollte gleich sagen, 'ein wahres Wunder', aber das
klingt nicht ganz echt, ein 'wahres Wunder' ist eben gerade nicht ein Wunder
in diesem urkatholischen Sinne. Doch wir hatten eines zuhause. Du wirst es
nicht glauben. Und Du wirst sicherlich behaupten, das Objekt, an dem sich
unser Wunder vollzogen, realisiert und in Szene gesetzt hat, das eignet sich
im Grunde genommen für Wunder ganz und gar nicht. Mag sein, und dennoch,
dennoch ist das Wunder geschehen. Ich werde es vielleicht in den nächsten
Tagen im Vatikan anmelden. Wie bloss muss man dabei vorgehen? Im Moment ist
es bloss ein behauptetes Wunder.
*
*
Übrigens muss ich Dir mitteilen, dass ich in den nächsten drei Tagen weg
bin. Wir fahren für diese Zeit ins Berner Oberland, ...

Freitag, 23. September 2011

Blick durchs Fenster..

Ämne: samstagmorgen
Datum: den 8 mars 2003 11:48

Liebe Marlena
Ja, es ist schon Samstag Morgen und ich sitze hier vor dem Fenster und sehe
auf den Platz hinunter. Du musst wissen, dass ich meinen PC so gedreht habe,
dass ich geradeaus direkt aus dem Fenster sehe. Hingegen ist der Bildschirm
etwas abgerückt nach links in der Ecke. Meine Sekretärin behauptet zwar, man
sollte immer geradeaus und in natürlicher Haltung auf den Screen sehen
können. Aber sie selbst sitzt natürlich den ganzen Tag davor, da gelten
andere Gesetze. Bei mir sind es vielleicht 3 bis 4 Stunden, mit vielen
Unterbrechungen. Deshalb habe ich noch niemals einen steifen Hals bekommen.
Im Moment sehe ich eine lustige kleine Szene vor dem Fotoautomaten auf dem
Platz unten. Zwei Mädchen und ein Bursche sind damit beschäftigt, sich
fotografieren zu lassen. Offenbar haben beide Mädchen ihre Pflicht getan,
und jetzt möchte die eine, dass - offensichtlich ihr Freund - sich auch
ablichten lässt. Sie versucht es mit Küssen, mit Stossen und Schieben, aber
er widersetzt sich. Auch das zweite Mädchen hilft, ihn in die Kabine zu
stossen, aber nicht so entschlossen, eher zaghaft. Er widersetzt sich auch
nicht so entschieden, dass man sagen könnte, er wird es niemals tun. Er
lässt bei seiner Begleiterinnen Hoffnungen offen, offenbar weil er dieses
süsse Handgemenge geniest. Ach, wie jung sie sind, sie sind vielleicht 14
oder 15 Jahre. Das ist ein feines Alter, und jede Berührung der Freundin
geht bis tief ins Mark.

*
...

Re:...

Ämne: betr. Gnadenbild
Datum: den 7 mars 2003 21:42

Lieber ...,
Es tut mir wirklich leid, dass du so schlechte Erfahrungen hast mit diesen Italienern und ihren "heiligen Geschäften". Überhaupt finde ich diese südländische Art von Tivoli um alles Religiöse herum etwas abstossend.
Aber vielleicht sollten wir nicht die Welt nach den Schwächen der Menschen beurteilen.
Ha.. ich muss lachen. Plötzlich habe ich das Gefühl dass ich meine Religion verteidigen muss.. :-)

Ach, ... Du darfst dir nicht zu viel einbilden. Ein Teil von mir sieht dich zwar fast wie ein Gnadenbild.. aber ich bin auch ein grosser Realist. Den hast du ja im Chat kennengelernt damals. Mein Verstand widerspricht oft dem was mein Herz so sagt.

Doch beide sind sich in einem einig. Ich liebe meinen Mausfreund. Und es ist mir egal was er davon hält.

Ich wünsche dir einen schönen Tag (ist wohl schon Samstag wenn du dies bekommst?).
Mit einem lieben Gruss,
Marlena

Donnerstag, 22. September 2011

vor dem Duomo in Milano

Ämne:
Datum: den 7 mars 2003 19:07

Liebe Marlena
Ja, das Gnadenbild: Im letzten Mail kam mir eine Erinnerung (ich glaube, im
Schreiben ist sie mir dann wieder entschwunden) aus dem Duomo in Milano, etwa
vor drei oder vier Jahren. Es ist eine wunderschöne Kirche, Kathedrale wohl
eher, und vom Dach des riesigen Gebäudes hat man eine perfekte Aussicht auf
die Stadt und unter vielem anderen auf die Torre Velasca, einen modernen
Wohnturm, der sehr prägnant, nicht unschön, irgendwie bemerkenswert,
ausschaut.
Als wir aus der Kirche traten, war da ein Mann, der mir so ein kleines
Marienbildchen reichte. Ich nahm es entgegen und wollte es als Souvenir
mitnehmen, denn in meiner Jugend hatte ich diese kleinen Bildchen bei den
katholischen Kameraden manchmal gesehen. Damals waren sie mir befremdlich
erschienen in ihrer süssen Religiosität. Ich betrachtete sie immer irgendwie
als Kitsch. Aber jetzt dachte ich, das Bildchen wäre ein echt gutes Andenken
an diesen Dom und die Stadt. Und so ging ich weiter und nahm an, der Mann,
der mir das Bildchen in die Hand gedrückt hatte, wäre auch zufrieden, dass
er in mir einen neuen Verehrer der Maria (oder was immer das Bildchen
abgebildet hatte) gefunden habe. Doch da kam furios ein zweiter Typ dazu und
klagte mich so laut an, wie das nur Italiener wirklich können, welch ein
Unmensch ich denn wäre, seinem Kollegen nicht mal etwas Geld für dieses Bild
gegeben zu haben. Er machte auf dem Platz vor dem Dom wirklichen einen
kleinen Skandal, so dass sich schon die ersten Touristen nach uns drehten.
Ich gab mich völlig naiv, war ich ja schliesslich auch. Und so erhielt der
arme Kerl zum Schluss sein Bild wieder zurück, und ich verzichtete auf das
Andenken aus Milano und auf die Verehrung Mariens. Das war lustig. Ich
denke, die zwei Kerle geben ein ziemlich tüchtiges Team ab und machen gute
Geschäfte vor dem Dom.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende
Dein Gnadenbild
...

Re: A propos..

Ämne: Freitag.. :-)
Datum: den 7 mars 2003 14:18

Lieber ...,
Die Arbeitswoche ist vorbei. Na ja, du weisst was es für mich bedeutet. Ich habe noch einiges zu tun für nächste Woche. Aber ich fühle mich frei und nicht als Sklave der Uhr. Ich kann selbst wählen wann ich das angreifen will.
Ach, wie schön du mir die Schweiz machst. Und ein Juwel ist es. So habe ich es mir immer schon vorgestellt, wie ein leuchtender Diamant in einer Krone. Nicht besonders gross aber schön und wertvoll.
Zum Glück hatte ich gestern gerade ein Stück frei auf der Kassette die im Videorecorder war und so konnte ich die Reportage von Luzern aufnehmen. Ich werde sie mir wieder ansehen. So viel Schönheit so nahe beisammen sieht man selten. Und diese schönen alten Brücken! Und alle schönen Gebäude! Ach, ich muss wirklich mal in die Schweiz. Stell dir vor, es ist das einzige Land in Europa wo ich noch nicht war. Nun ja, abgesehen von dem kleinen Aufenthalt in Zürich.
Ja, unser Europa ist schön. Und es ist interessant. Ich hoffe sehr dass die verschiedenen Länder ihre Eigenheit (besonderen Züge?) bewahren werden. Eigentlich sind die schon ein wenig am abnehmen. Ich glaube wir, in unserer Generation können uns glücklich schätzen, weil wir noch das Genuine dieser Länder, unbeeinflusst von der heutigen Massenkultur,
erlebt haben.
*
Ich muss dir gestehen, dass auch ich nicht wusste was Gnadenbild bedeutet. Auf schwedisch nennt man es "wunderwirkendes Heiligenbild". Und nun erinnere ich mich, dass ich als Kind nach dem Religionsunterricht (der ja für uns Katholiken immer privat war) solche kleine Bilder bekommen konnte, die man dann mit sich trug und von denen man wirklich glaubte, dass sie einen irgendwie gegen Böses schützen würden.
*
Warum zweifelst du plötzlich daran, dass sich deine Themen für eine schöne Frau eignen? Gibt es besondere Themen für hässliche Frauen? ;-)
Ach, ... , alles was du mir schreibst regt mich an und bereichert mich. Und es ist komisch, wie du mich manchmal an Dinge erinnerst, an die ich mein Leben lang nicht mehr gedacht habe. Es ist schön dich als Mausfreund zu haben. Es gibt keinen besseren auf der Welt!
*
Ja, warum schreibe ich dass ich im Moment nicht schreiben kann. Wenn ich mich mit jemanden verabrede und dann doch nicht kommen kann, so will ich doch wenigstens sagen, dass ich gern gekommen wäre aber aus irgendeinem Grund nicht konnte. Vielleicht besteht auch eine kleine Hoffnung, dass du dich deswegen über mich erbarmen wirst und als Trost ein paar extra Zeilen schreiben wirst. Vielleicht auch das. :-)
*
Das was ich von dir als "mein Gnadenbild" geschrieben habe ist nicht nur Spass. Es ist wirklich so, dass du ein Mensch geworden bist der mir sehr nahe steht. Ich denke immer an dich. Irgendwie lebst du in mir. Und manchmal denke ich auch dass es so sein muss mit den streng religiösen Leuten, die immer ihren Gott mit sich tragen. Ich hoffe der meine wird es mir verzeihen.. "du sollst nicht andere Götter neben mir haben", wie es heisst. Aber dann denke ich auch wieder, wenn es wirklich einen Gott gibt so muss es er sein, der dich über meinen Weg geschickt hat. Er hat sich über mein Schicksal erbarmt.. :-)
*
Ach,.. . Jezt wünsche ich wirklich dass ich dich anschaun könnte. Denn solche Worte verlangen etwas mehr als Schriftzeichen. Du kannst nicht wissen wenn ich Ernstes mit einem Lachen sage.
*
Der Schnee ist am Schmelzen und es liegt Frühling in der Luft. Herrlich!!!! Im Kirschbaum sitzen Vöglein in verschiedenen Farben und wenn ich die Tür öffne hört man schon Vogelgesang.
Das Leben ist wieder schön.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und mir ein Mail von dir.
Liebe Grüsse
Marlena

Mittwoch, 21. September 2011

A propos Gnadenbild

Ämne: freimo
Datum: den 7 mars 2003 10:06

(Fortsetzung)

A propos Gnadenbild. Ich kannte diesen Begriff bisher nicht. Nach all dem,
was ich gehört habe, handelt es sich dabei um so etwas wie einen
Selbstläufer, eben wie eine Reliquie. Bild und Hintergrundgeschichte treten
mit der gläubigen Bevölkerung in einen Dialog. Und was daraus wird, kann
niemand so genau vorhersagen. Es ist die Bevölkerung als Gruppe, nicht so
sehr die Einzelpersonen nach unserem modernen Verständnis. Die Gruppe hat
doch wohl eine schöpferische Kraft für Wunder und Wunderdinge, über die der
kritische Einzelne nicht verfügt, nie verfügt hat. Wer schon mit Gruppen
gearbeitet hat, Lehrkräfte, Vorgesetzte, Pfarrleute etc., die wissen, dass
in einer Gruppe Ideen und Gedankenkonstellationen entstehen können, die ein
Einzelner einfach nicht zustande bringt. In einer solchen Glaubenswolke
können Überzeugungen und Vorgänge entstehen, die von aussen betrachtet wie
Wunder aussehen. Und das sind sie, bis die eindimensionale wissenschaftliche
Akribie sie auf irgend ein paar lapidare Kausalbeziehungen reduziert haben
wird. Wenn es Wunder gibt, so liegt das an den Menschen und ihrem Glauben,
nicht an der Welt, obwohl die Menschen natürlich auch zu dieser Welt
gehören.
Als Junge hatte ich immer gedacht, Glaube wäre eine blosse Vorstufe des
Wissens. Ich hatte also denjenigen Glauben im Sinn, den man hat, wenn man
nicht sicher ist und noch nicht weiss. Das ist sozusagen ein defizitärer un
passiver Geisteszustand.
Heute ist mir klarer, dass der religiöse Glaube etwas viel aktiveres ist.
Glaube ist in der Tat eine gestaltende Kraft im Umgang mit Vor-urteilen,
also mit Urteilen, die bereits entschieden sind, wenn wir erst anfangen
bewusst zu urteilen. Kant würde sagen: Aprioris! Und so genommen stehen
unsere modernen Naturwissenschaften, von denen alle glauben, sie seien
absolut logisch und vernünftig, ebenso auf einem vorlogischen
Glaubensfundament. Auf diesem Glauben der absoluten Mess- und
Vorhersagbarkeit, der totalen Kontrollier- und Manipulierbarkeit unserer
Welt entstehen dann Geschichten wie beispielsweise diejenige, die erzählt,
wie ein Stein, den man fallen lässt, in so vielen Sekunden auf dem Boden
aufschlägt. Solch banale Erzählungen sind eigentlich keine Erzählungen mehr,
sondern nüchterne Protokolle im absoluten Präsens. Doch die anderen, die
sog. religiösen Glaubensgrundlagen erlauben Geschichten wie jene der
Dornenkrone, die im Triumphzug von Rom nach Paris gereist sein soll. Das
sind Geschichten, an denen man sich 'laben' kann, um dieses altmodische Wort
zu gebrauchen. Das sind keine dürren Protokolle, die nicht mehr hergeben als
das, was ohnehin schon jeder weiss. Na ja, mehr oder weniger. Kannst Du
folgen, Marlena?
*
Heute bin ich wieder 'ausfällig' geworden. Ich habe mich in Gedanken
verirrt, die - na ja - man nicht in Anwesenheit einer schönen Frau
ausbreiten sollte. Dabei fällt mir auf, wie heute Morgen die Tauben im
Schwarm am blauen Himmel ihre Runden machen. Das scheint ihre
Morgengymnastik. Und jedes Mal, wenn sie in der Kurve ihre Unterseite gegen
die Sonne wenden, scheint der Schwarm weiss auf. Es sieht hübsch aus, und
ich bin sicher, sie träumen dabei von Venedig.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit einem lieben Gruss
...
PS. Weshalb Marlena schreibst Du sooft Mails, in denen du schreibst, dass Du
im Moment aus irgendwelchen Gründen nicht schreibst. Erkläre mir das. Es
muss etwas mit der weiblichen Psyche zu tun haben.

die Schweiz - ein Juwel


                                       Luzern                                             Foto: Chris

Ämne: freimo
Datum: den 7 mars 2003 10:06

Liebe Marlena
Ja, Luzern ist eine schöne Stadt. S. und ich haben von unserer Reisegruppe
in den Iran eine Übernachtung im Luxushotel in Luzern mit einem
musikalischen Abendprogramm geschenkt bekommen. Und wir haben dieses
Projekt immer noch vor uns. Luzern gilt als Touristenstadt, und in jedem
Schaufenster kannst Du dieselben Utensilien sehen, welche Touristen suchen:
Tüchlein mit Edelweiss-Musterung, Wander-Stöcke, Schweizer Taschenmesser,
Kitsch Postkarten und viel Ähnliches mehr. Na ja, alles, was die Leute kaufen
wollen.
Vor etwa einem Jahr hatten wir mit Onkelchen einen Ausflug dorthin gemacht.
Und dabei ist mir erstmals in meinem Leben aufgefallen, dass der Ausblick
über den See in die Berge wirklich sehr schön sein kann. Ich glaube, es hing
damals sehr stark von der Witterung und der Beleuchtung ab. Ich war
erstaunt, wie märchenhaft alles wirkte. Und dann kamen zwei junge Polinnen
daher mit einem Fotoapparat aus dem letzten Jahrhundert, und ich bot ihnen
spontanerweise an, sie vor dieser hübschen Kulisse zu knipsen. Sie waren
etwas scheu und standen da wie zwei Tanksäulen. Aber ich liess nicht locker
und drückte erst ab, als sie sich auf meine Anweisung freundschaftlich
berührten und die Gesichtsmuskeln etwas gelockert hatten. Na ja, wir wollen
doch mit unserer Schweizer-Kulisse im Ausland einen guten Eindruck machen.
Ich habe im Ausland immer wieder festgestellt, dass man nur Luzern und die
Genferseeregion mit dem Schloss Chillon als touristische Attraktionen kennt.
Alles Übrige geht nebenher. Die mondänen Alpenorte Zermatt, Montana, Arosa,
St. Moritz, Davos, die Jungfrau mit ihrer sündhaft teuren Bergbahn in den
ewigen Schnee hinauf, das einmalige Matterhorn, wo die Bergsteiger-Amateure
Schlange stehen, um auf den Gipfel zu kommen, die romantische Altstadt von
Bern mit ihren Galerien und kleinen Lädelchen, der Monte Ceneri im Tessin
mit seiner Aussicht in die wunderschönn norditalienische Seenlandschaft, der
respektable St. Gotthard mit der uralten Passstrasse und der Teufelsbrücke,
die hübsche Barockstadt Solothurn, die einmal die Ambassadorenstadt der
Schweiz war, die Humanistenstadt Basel mit ihren vielen Museen und
stattlichen alten Patrizierhäusern, die liebliche Bodenseeregion mit den
schnuckeligen Fachhäusern. Ach, die Schweiz ist wirklich ein Juwel. Und
jeden Morgen, wenn ich ins Büro eile, ärgere ich mich über den Schmutz, den
die Leute überall auf den Strassen liegen lassen. Das war vor 10 Jahren noch
anders. Die Leute essen und trinken heute auf der Strasse in allen
Situationen und zu jeder Zeit, und werfen dann Papiere und Verpackung weg.
Das hat man früher immer den Amerikanern nachgesagt.

Ich glaube, es gibt in Deutschland zwei Regionen, die 'Schweiz' genannt
werden. Es gibt die Märkische Schweiz im Nordosten, und es gibt die
'Schwäbische Schweiz' im Süden. Das sind sehr schöne Landschaften, wie ich
in Fotos gesehen habe, vielleicht noch schöner als diejenigen der Schweiz
selbst. Vielleicht ist es der Mix auf kleinem Raum, der den Reiz der
Schweiz ausmacht. Aber unsere Attraktivität hat natürlich seit der Zeit, da
erstmals die Engländer kamen, um sich an unseren Bergen zu erproben,
deutlich nachgelassen gegenüber anderen Touristik-Gebieten der Welt. Ich
habe mal einen Fernsehfilm über Lissabon gesehen, und bin geradezu neidisch
geworden. Oder denken wir an das Burgund, eine grossartige Kulturlandschaft,
die Toscana mit diesen hübschen Städten voller italienischen Lebens, Wien
mit seiner Liebe zum Morbiden, Tirol, Holland, Schweden. Ach, ich glaube,
Europa ist wirklich einmalig. Wir stellen den Rest der Welt in den Schatten,
ohne mit der Wimper zu zucken.

Du siehst, ich bin sozusagen ein Euro-Macho. Na ja, eigentlich bin ich das
nicht, denn ich kann mich sehr leicht auch für andere Gebiete dieser Welt
begeistern. Und im Fernsehen irgendwelche Reiseberichte und Reportagen
ferner Länder anzuschauen, das mag ich besonders.
*
A propos Gnadenbild. Ich kannte ...

Dienstag, 20. September 2011

Gute Nacht..

Ämne: Gute Nacht..
Datum: den 6 mars 2003 23:40

Lieber ...,

Es ist wieder viel später geworden als ich gedacht hatte. So kommen meine versprochenen Zeilen erst morgen.

Heute Abend habe ich eine kleine Reisereportage von Luzern gesehen. Ich glaube nicht, dass ich je ein so wunderschönes Städchen gesehen habe. Wie ich dein Brüderchen beneide um all diese Schönheit.
Kommst du auch manchmal dorthin?

Ich muss nun ins Bett. Müde...
Wir sehen uns morgen.
Gute Nacht,
Marlena

Re: Gnadenbild

Ämne: Heureka!
Datum: den 6 mars 2003 17:47

Lieber Mausfreund,
Hast du möglicherweise irgendwo unter deinen Papierhaufen eine Flasche mit leichtflüchtigem Inhalt versteckt? Die Flecken auf den Papieren könnten vielleicht dorther stammen. ;-)

Aber du hast wirklich etwas entdeckt was mich fast stumm macht. So ist es doch! Endlich habe ich die Erklärung zu allem nenn- und unennbarem.
Ein Gnadenbild! Ja, so sehe ich dich. Und von diesem Bild strahlt eine unendliche Wärme und Güte. Es ist das Sinnbild von allem was man ständig sucht und nie findet. Das perfekte, fehlerlose..
Und es ändert nichts, dass ich in diesen Jahren entdeckt habe, dass du ein Mensch bist mit vielen menschlichen Eigenschaften. Das Gnadenbild strahlt weiter.. vielleicht auch nur weil ich es will. Es gehört auch Glauben dazu.. :-)
*
Anna ist hier. Es ist herrlich! Und nun werde ich ein extra gutes Mittagessen zubereiten und die Mahlzeit in Ruhe mit ihr geniessen.

Habe mir auch noch Arbeit mitgebracht. Aber wenn sie getan ist schreibe ich vielleicht noch ein paar Zeilen.
Mit einem lieben Gruss,
Marlena

ein Gnadenbild

Ämne: dona
Datum: den 6 mars 2003 16:36

Liebe Marlena
Ach, wie bist Du eine optimistische Optimistin (im Gegensatz zu allen
pessimistischen Optimistinnen; das schlimmste sind - unter uns gesagt - die
pessimistischen Pessimistinnen)? Du denkst, man könne meine
Situation mit einer Schaufel retten, so einer Schneeschaufel aus Aluminium,
mit der man nach einer Schneenacht den Wagen wieder auszugraben und
wiederzufinden versucht? Nein, ich glaube nicht das ein solch bescheidenes
Instrument genügt. Du müsstest mit einem grossen Baugerät heranfahren, mit
einem riesigen Schaufeltraktor, mit dessen grossem Greifarm man gleich ganze
Tonnen von Material erfassen und wegheben kann. Nein, so ein Schäufelchen
würde sich ausmachen wie ein Spielzeug in meiner Situation.

Das Bild, das Du im Kopf zu haben scheinst, ist ein Heiligenbild, ein
Andachtsbild vielleicht. Möglicherweise auch ein Gnadenbild, welches
bekanntlich wirkt wie eine Reliquie, in deren Umkreis sich jede Menge Wunder
ereignen. Ja, es ist ein Gnadenbild, von dem an speziellen Tagen des Jahres
Tränen herunter fliessen und auf den Papieren landen, die sich in der Folge
wie in Schmerzen krümmen und biegen. Manchmal fliesst gar Blut, so dass auf
den Akten grosse rote Flecken wie Vulkantrichter erscheinen. Dieses
Gnadenbild und die Wunder, die sich drum herum ranken, würde die Menschen in
höchste Aufregung versetzte, wenn sie es denn nur sehen könnten. Vielleicht
entsteht über die Jahrhunderte später mal ein Wallfahrtsort??
*
Du hörst, ich habe immer noch die Gedanken im Kopf, die ich dienstags im
Museum gehört hatte. Ein kleiner Gedanke ist mir wieder in Erinnerung
gekommen. Damals, im Spätmittelalter, war der Handel und Verkehr mit
Reliquien eine grosse Sache. Und offenbar hatte man in Jerusalem auch die
Dornenkrone Christi gefunden. Diese Krone wurde unter einem bestimmten Papst
von Rom nach Frankreich überführt. Der französische König, Ludwig XII (oder
vielleicht XII?) holte diese Krone an der Grenze ab und empfing sie, wie man
einen König empfangen würde. In einem feierlichen Triumphzug wurde das
stachelige Ding nach Paris überführt. An jedem Ort, wo sie übernachtet hat,
liess der König eine Kirche bauen. Und in Paris fand diese aussergewöhnliche
Reliquie in der Ste. Chapelle ihren angemessenen Ort. Diese wunderschöne
Kapelle war das würdige Gehäuse für ein solch aussergewöhnliches 'Souvenir'.
Die Mutterkirche in Rom ist die Kirche Sta Croce di Gerusalemme.
Ist das nicht eine wunderschöne Geschichte über die Inbrunst der
katholischen Kirche und ihrer Menschen? Sie brauchte nicht einmal wahr zu
sein, und wäre dennoch schön als Geschichte.
*
Mit einem lieben Gruss
...

Re: über die Langeweile

Ämne: :-D
Datum: den 6 mars 2003 10:17

Lieber ...,
So muss ich mir also ein gute Schaufel mitbringen wenn ich was von dir entdecken will. Aber ich sehe dich vor mir wie damals. Dein Schreibtisch war ganz sauber. Nur ein paar Gegenstände standen darauf und du konntest dich leicht in dem Zimmer hin und herbewegen.
Ach ja, ich kenne sie schon diese Papiere, die ständig drohen einen zu ertränken. Nun habe ich ja zum Glück Annas Zimmer wo ich sie alle hineinschaufeln kann. Spiele mit dem Gedanken dir ein Bild davon zu senden, aber mein Image als ordentliche Studienrätin wäre für immer dahin.
Denk dir, wenn nun auch noch alle meine Mails dort liegen würden? Wieviele können es schon sein? Tausende sicher. Zum Glück gibt es den PC.
Dein Lobgesang an Olten gefällt mir und doch glaube ich dass deine Fantasie viel dazu tut. Wenn du es ohne Erinnerungen anschaust wirst du dich wahrscheinlich wundern.
Und über die Langeweile liest du? Du, der sich nie langweilt. Du bist doch wirklich ein Lebenskünstler, mein lieber Mausfreund. Und nicht einmal Alkohol und Tabak brauchst du dazu.
Hast du nach dem Lesen dieses Buches nun eine eigene Idee wie man Langeweile vertreiben kann? Ich erinnere mich wie streng du anfangs mal reagiert hast, als ich dir schrieb, dass ich mich langweile. Du konntest sowas überhaupt nicht akzeptieren.
*
Es ist leider so. Freie Tage fliegen nur so dahin. Aber ich bin sicher dass du sie gut ausnützt und geniesst.
*
Ein Seidenschwanz sizt im Kirschbaum mitten unter all den anderen kleinen Vögelchen. Was für ein schöner Vogel! Weisst du wie ein solcher aussieht? Vorhin sass er friedlich in dem Äpfelkorb zusammen mit einer Schwarzdrossel. Das interessante daran war eigentlich das kleine Drama das sich ausspielte vor dieser friedlichen Koexistens. Wir Menschen hätten da einiges zu lernen.

Ich muss dich jetzt lassen und an die Arbeit gehen.
Wünsche meinem Maulwurf einen schönen Tag.
Liebe Grüsse
Marlena

Montag, 19. September 2011

über die Langeweile (2)

Ämne: domo
Datum: den 6 mars 2003 08:14

*
Du meinst, Du könntest mich hinter dem Schreibtisch sehen? Bist Du sicher?
Ich habe soviele Akten und Papiere auf dem Tisch, dass man sich kaum sehen
kann. Ich glaube, man sieht mich kaum in meinem Zimmer. Ich bin zu einer Art
von Maulwurf geworden, der die meiste Zeit unter Tage, als unterhalb dieser
Papiermassen in den Dingen herumwühlt. Nur gelegentlich komme ich wieder ans
Sonnenlicht, um etwas Luft zu schnappen.
*
Ja Olten ist bestimmt ein sehr gemütlicher Ort. Vielleicht gehört nicht die
ganze Agglomeration, die man auf der Karte sieht, zu Olten. Es gibt
Nachbargemeinden, die nahtlos an die Stadt Olten heranreichen. Wunderschön
fand ich jeweils die Berge rund um Olten. Sie sind natürlich niemals so hoch
wie jene im Wallis. Aber sie haben merkwürdige Formen, diese Jurahügel. Und
im Sommer geben sie eine gute Kulisse vor dem blauen Himmel ab. Dann gibt es
den Fluss Aare, der ziemlich breit dahinfliesst. Im Sommer baden viele Leute
im fliessenden Wasser, und das hat mich stets fasziniert. Im Wallis ist die
Rhone einerseits so kalt, andererseits so wenig tief, dass niemand auf die
Idee käme, darin zu schwimmen.
Ja, Olten ist wirklich ein gutes Nest, und man ist in weniger als einer
Stunde in Zürich, in Bern, in Luzern oder in Basel. Mit einem Wort: es ist
der Erdmittelpunkt.
Ich muss Schluss machen und wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...

Sonntag, 18. September 2011

über die Langeweile

Ämne: domo
Datum: den 6 mars 2003 08:14

Liebe Marlena
Die Woche fliegt im Nu dahin. Es geht noch schneller als ausserhalb der
Ferien. Schade. Aber ich versuche, diese schwindende Zeit so gut wie möglich
zu nutzen.
Fast habe ich mein kleines Büchlein zu Ende gelesen, welches über - Du wirst
staunen - über 'die Langeweile' handelt. Es ist irgend ein jüngerer
deutscher Philosophieprofessor, der es geschrieben hat. Und es ist nicht
sehr anspruchsvoll. Ich habe den Eindruck, der Kerl muss sein Denken noch
etwas entwickeln. Oder vielleicht hat er so geschrieben, weil er uns nicht
mehr zumuten will?
Auf jeden Fall geht es um die Langeweile, wie sie von verschiedenen
Philosophen bewertet wird und welche Therapievorschläge sie machen. Und
dabei berücksichtigt er so verschiedene Typen wie Seneca, de Montaigne,
Heidegger, Helvétius, Pascal, Rousseau, Schopenhauer, Cioran, Russel,
Heidegger etc. Und dabei kommen die verschiedenen Temperamente zum Ausdruck.

Na ja, eigentlich ist es wunderlich, in diesen hektischen Zeiten sich mit
der Langweile zu beschäftigen. Das muss ich schon zugeben. Aber es geht auch
um die Frage der Zeitlichkeit unseres Daseins im allgemeinen. Das ist es
vielleicht, was mich daran interessiert.
*
Du meinst, Du könntest ..

Samstag, 17. September 2011

Heute

im Garten

Yves - 175. Geburtstag - Jubeljahr

 date  4 March 2008 07:35
subject Re: DiMo

...
In der Bibliothek, wo ich die Bücher zum Rezensieren hole, hatten sie
einen Wechsel. Yves, bei dem ich die Exemplare zu holen pflegte, und
immer dabei noch stundenlange Diskussionen hatte, ist ins Pension
gegangen. Er ist von Beruf Bibliothekar und dabei spezialisiert auf
EDV Fragen. Ich glaube, er hat vorzeitig seine Stelle beendet, um
jetzt an der Universitätsbibliothek noch ein Projekt zu bearbeiten. So
ungefähr hat er es mir erzählt. Leider sehe ich ihn jetzt nicht mehr
spontanerweise. Er war mir sehr zugetan, nicht zuletzt vielleicht,
weil ich im mal eine Zeichnung geschenkt hatte. Ich habe ihn
dargestellt tief unten in der Dunkelheit vor seinem flimmernden
PC-Schirm  inmitten hoher und höchster Berge von Büchern. Untertitel:
Yves untertags, was soviel heisst wie in der Kohlegrube oder ähnlich.
Die Zeichnung ist mir damals fast sempé-haft leicht gelungen. Und ich
hatte immer den leisen Verdacht, dass sein Chef ein bisschen neidisch
war um eine solche Zeichnung. Jetzt ist dieser allerding auch
längst in Pension. Und mit seiner Nachfolgerin habe ich nicht soviel
Kontakt. ...

Ich war kürzlich dort und habe einige Bücher geholt. Allerdings ist
die Frühlingskollektion noch nicht erschienen, so habe ich nur 10
Exemplare mitgenommen.
Unter den Büchern ist ein Gedenkband an Wilhelm Busch. Er feiert
seinen 175. Geburtstag. Und, hör mal Malou, dasselbe tun die
Universität Zürich und die NZZ. Stell dir vor. Eigentlich müsste ich
dieses Jahr zu einem Jubeljahr machen.

Donnerstag, 15. September 2011

Parlamentseröffnung 2011


15 September



Parlament und Nobelpreis

date 3 October 2006 13:52
subject ...


Wir leben in einer spannenden Zeit. Heute wird das Parlament nach
dem Sommeraufenthalt wieder geöffnet. Das Ereignis wird auch immer
im Fernsehen gezeigt, und gerade habe ich die Parlamentsmitglieder
die Treppe hinauf in den Saal schreiten sehen. Sah fast aus wie bei einer
Filmgala. Die jungen Leute, wahrscheinlich neue Abgeordnete, aber
auch einige von den älteren sahen ziemlich nervös und etwas
beschwert aus. Ich habe sie genau studiert. Welche Kleider, welche
Frisuren sie gewählt haben für diesen grossen Augenblick, wenn sie
im Blitzlicht stehen. Und bei einigen dachte ich, oh du Schreck!
Und zuletzt kommen dann noch die Königlichen. Diesmal in einer
offenen Kalesche.. wie im Märchen. Eine Weile hat man die
Kameras auf die früheren Regierungmitgliedergerichtet. Sie fühlen
sich sicher nicht sehr wohl in ihrer Rolle als Opposition. Haben doch
schon ewig am Ruder des Landes gesessen. Erst am Freitag wird
der neue Staatschef, Fredrik Reinfeldt, seinen Posten antreten und
dann werden wir auch sehen aus welchen Personen die neue
Regierung bestehen wird. Es ist interessant, denn in einem so
kleinen Land, wie wir es sind, hat man das Gefühl viele von diesen
Leute gutzu kennen. Ich hoffe dass intelligente und kompetente
Menschen regieren werden.

Diese Woche haben auch die Ernennungen der Nobelpreisträger
dieses Jahres begonnen. Am spannendsten ist natürlich immer zu
sehen wer den Literaturpreis bekommt. Das ist meistens eine grosse
Überraschung. Jedenfalls sieht man dem Tag immer mit gemischten
Gefühlen entgegen. Ich hoffe diesmal auf Adonis. Weisst du wer
das ist?


(R)

Blick durchs Fenster

.
gestern abend

heute morgen

Mittwoch, 14. September 2011

Architektonische Gedanken

Ämne : Architektonische Gedanken
Datum : Datum: den 14 september 2001

Liebe Marlena
Ein regnerischer Samstag. Nun ja, eigentlich hat es nicht so viel geregnet. Aber die Atmosphäre ist feucht und ein bisschen triste. Und schlussendlich sind wir alle CNN-getränkt. Wir tropfen förmlich von CNN, diesem eindimensionalen Chor im tragischen Welttheater.
Aber es ist wirklich eindimensional. Es gab da lange Gespräche mit General Wesley Clark, jenem General, der anfänglich den Golfkrieg leiten sollte, und der immer noch aussieht wie ein überfleissiger Primaner. Er wurde dann seiner Funktion enthoben. Ich kann mich nicht mehr erinnern, weshalb. Ich glaube, er war zu kompromissbereit? Auf jeden Fall wirkt er anständig. Aber er ist General. Und Generale diskutieren das Problem mit Journalisten. Ist das nicht verrückt!! Er hat sich dauernd überlegt, wie man diesen Ben Laden in Afghanistan erwischen könnte, und wie schwierig das sein könnte.
*
Ich beschäftige mich im Moment mit den Zisterzienser und ihrer Architektur. Sagt Dir das etwas, Zisterzienser? Stichworte: 11. Jahrhundert; Gregorianische Reform gegen Cluny; Demut und Schlichtheit. Ach, Marlena, ich bin ein echter Anachronist.
*
Ist NYC nicht eine hybride Stadt? Stell Dir vor. In den beiden Türmen des World Trade Centers über 4'000 Tote! Im Pentagon keine 200 Tote! Wofür spricht das? Für hohe oder für breite Gebäude? In NY sind – so höre ich – um die 100 Gebäude durch die Ereignisse destabilisiert. Ein Nachbargebäude ist bereits zusammengebrochen. Was ist das dort? Eine Stadt? Eine Ansammlung von Kartenhäusern? Scheinarchitektur? Eine virtuelle Stadt? Wenn ein solches Haus durch ein Flugzeug total zerstört werden kann, was hat man sich dann beim Bau überlegt? Wo sind die Konstrukteure, die Architekten, die Finanziers? Man sucht jetzt diesen saudischen Ben Laden, also ob das die Lösung aller Probleme wäre. Ach, sie sind wirklich naiv, diese Amerikaner! Und man kann nur hoffen, dass es hinter dem Fernsehen noch einige Leute gibt, die weiter und breiter denken.
*
Die Zisterzienser haben innert einer kurzen Zeit unendliche viele neue Abteien gegründet. Es brauchte dazu immer einen Abt und 12 Brüder. Mit weniger ging gar nichts. Der Spiritus Rektor der Bewegung war bekanntlich Bernhard von Clervaux, der doctor mellifluus. In St. Peter in Rom gibt es ein Wappen aus Stein des Bernhard von Clervaux. Es zeigt, wenn ich mich richtig erinnere, einem Bienenstock. B.v.C. hat die alten Benediktinischen Klosterregeln wieder aufleben lassen, was allerdings die Cluniazenser auch schon getan hatten. Und er hat einen Idealplan für neue Klosterbauten entworfen. Wichtig war den Zisterziensern, auf jeden Prunk zu verzichten, Schlichtheit, Ruhe, Askese also. Das Mutterkloster stand in Cîteaux, woher auch der Name stammt. Es gibt auch in der Schweiz einige Zisterzienser-Gründungen. Und sie bestechen alle durch Schlichtheit.
*
Die achritektonische Anlage war zweigeteilt. Auf der einen Seite lebten die Mönche mit Abt und Prior, die (als erster Stand) allesamt Adelige waren. Und auf der anderen lebten die Laienbrüder, die man sich wohl eher etwas schmutzig und unhygienisch vorstellen muss. Auch in der Kirche nach dem Grundmodell der frühchristlichen Basilika, die ohne Statuen war und mit eckigen Pfeilern war, beteten die beiden Gruppen getrennt. In der Mitte des Hauptschiffes ist die Trennung. Es gibt dafür einen Namen, der mir im Moment nicht einfällt. Und die beiden Gruppen betraten die Kirche durch verschiedene Eingänge, sieben mal pro Tag notabene.
*
Der schönste Teil der Anlage ist aus meiner Sicht der Kreuzgang, das monastische Viereck. Er ist im Grunde ein Erbe der römischen Villa und des karolingischen Landhauses. Der Hof ist mit seiner Grünfläche das Herz der ganzen Anlage. Der quadratische Rasen wird durch ein Wegkreuz viergeteilt, was wohl einen symbolischen Sinn erfüllt. In der Mitte steht der Brunnen, wo sich die Brüder rasierten und ihre Tonsur erneuerten.
Die Kirche, oft dreischiffig, als Sinnbild der Auferstehung ad orientem gerichtet. Die Stirnwand ist einfach und gerade, also ohne Apsen und aufwendigen Altar, das Kreuz aus Holz, der Altar höchst spartanisch. In der Südwand gibt es eine Nische mit Wasserbecken. Das Querschiff stellt eine eigentliche Halle mit Kapellen dar. Es sind 2 bis 3 auf jeder Seite.
*
Das Klosterleben war ziemlich streng geregelt. Der Sakristan war der Chef über die Zeit. Er hatte die Glocken zu läuten. Tagsüber richtete er sich nach der Sonnenuhr, in der Nacht wohl nach einer Wasseruhr. Es gab dazu die grosse Glocke im Turm. Der Turm sollte – in Bescheidenheit - nicht aus Stein gebaut sein. Aber die Höhe war gerechtfertigt, indem der Glockenklang die Laien auf dem Feld zurückrufen sollte. Die Glocke rief ausserdem zur Messe und den Mahlzeiten. Die zweite Glocke erinnerte ans Stundengebet. Sie war gleich neben dem Schlafsaal der Mönche unter dem Dachstuhl angebracht, damit sie auch keiner überhöre. Schliesslich mussten die armen Kerle morgens ziemlich früh aus dem kargen Stroh. Sie sollten überigens – nach Benediktinischer Regel – in den Kleidern schlafen, konnten aber Schuhe ausziehen. Und dann gab es eine dritte Glocke im Refectorium, die der Prior zum Segen und zum Dankgebet vor und nach dem Essen zu läuten pflegte.
Zisterzienser-Klöster stehen meist in einem Tal in waldiger Gegend. Wald war – nach dem Modell der Eremiten – sozusagen die Wüste. Wasser wurde gebraucht für Mühle, Gärten und die Hygiene. Es gab einen Fischteich, worin Karpfen gezogen wurden, das Nahrungsmittel der Armen. Zisterzienser hielten sehr auf Selbstversorgung. Die Nähe zum Wasser schlug sich häufig auch im Namen der Abtei nieder: Heilbronn in Deutschland, Fontenay in F etc.
*
Diese Klöster stehen heute, nach 1000 Jahren bislang. Mehr oder weniger mindestens. Und das World Trade Center?
*
Ach, Marlena, das war wohl bloss eine kleine Notiz ins Tagebuch.
GK
...

Dienstag, 13. September 2011

saturday evening feaver

den 14 september 2001 19:29
Saturday evening feaver

Liebe Marlena

Klingt nicht gerade sehr weltabgewandt, wenn Du sagst, Du würdest den Abend nicht ohne Männer verbringen. Wow, ich glaube, das wird eine anstrengede Nacht. Kann ja auch nicht anders sein, nachdem Du auf diese Horde sooo lange hast warten müssen, wie wir unsererseits auf ein echtes Harem hätten warten müssen.

Ja, ich habe mir einen gemütlichen Tag gemacht. Habe gelesen, geschlafen und bin über Mittag für etwa drei Stunden nach Basel gefahren. Ich hatte das Gefühl, ich sei lange nicht mehr dort gewesen. Um 12 Uhr, gleich in meiner Buchhandlung, haben sie für 3 Minuten einen Moment des Schweigens eingehalten. Ich habe mir ein Fotobuch gekauft mit journalistischen Bildern aus den letzten 150 Jahren. Auf der Frontpage sitzt die pummelige Königin Viktoria mit all ihrem Fleisch. Und dies in einer Haltung, wie sie dem ganzen Jahrhundert ihren Namen eingeprägt hat. Und dann bin ich noch bis hinüber zum Rhein gewandert und wieder zurück durch die Altstadt. Es war eher kühl, aber trocken. Und die Welt schien ihren üblichen, wackeligen Gang zu gehen.

*

Jetzt sitze ich wieder zuhause und überlege, wie ich den Abend denn verbringen sollte. In der Stadt ist für mein Alter absolut nichts los. Es gibt vielleicht ein paar Lokale für jüngere Leute. Aber in meinem Alter gehen sie nur in die Stadt, um in ein paar ausgesuchten Lokalen zu essen. Nein, ausgehen um zu essen, das finde ich nachgerade öde.

*

Vielleicht sollte ich in meine Bibliothek gehen und etwas aufräumen. Ich habe heute die Heizung eingestellt, und mittlerweile sollte die Temperatur erträglich sein. Ich habe noch viele Dokumente herumliegen, die ich in meine Files einordnen sollte. Und dann könnte ich ja auch gleich die Küche vorbereiten, um nächste Woche malen zu können. Aber danach ist mir momentan nicht zumute.

*

Möglicherweise sollte ich etwas zeichnen heute Abend? Ich habe vor ein paar Tagen N und P einen illustrierten Brief geschrieben. Und sie haben begeistert geantwortet. Die beiden sind unsere Freunde im Tessin, und sie haben dann B und mich eingeladen, zu ihnen zu fahren, um wieder mal unser Menue aufzubessern. Nun ja, im Moment suchen wir eigentlich eher gute Diäten als richtig opulente Menues!

Zeichnen ist insofern gut, als einem andere Assoziationen kommen als wenn man schreibt. Striche haben eine Nähe zu anderen Strichen, und nicht zu Gedanken. Und das ist es doch, was ich meinte. Kürzlich hast Du Dich darauf bezogen, wie sehr ich glaube, dass sich die Welt ändert. Das meine ich wirklich. Auch bei den NY-Ereignissen reden die Politiker unablässig, dass wir erst jetzt im 21. Jahrhundert stehen würden. Wie absurd? Braucht es solch ein monströses Ereignis, um die Seite im Buch der Jahrhunderte zu drehen? Das ist nur möglich, wenn die Änderungen in unserem Kopf vor sich gehen müssen. Und das ist es wirklich. Die Änderungen müssen hier oben passieren. Es ist eine neue Art des Denkens, was die neue Zeit charakterisiert.

*

Aber ich glaube nicht, dass die Politiker die Seite schon gewendet haben. Ich finde es sonderbar, dass in dieser Zeit die UNO absolut keine Rolle spielt. Man hört sie mit keinem Wort. Die Amerikaner hingegen treten mit starken Worten vor die Kamera und sprechen von Antwort, von Selbstverteidigung, aber auch von Bombardements. Und dass sie sehr schnell dazu bereit sind, das haben wir in Jugoslawien zur Genüge gesehen. Die Europäer für sich hätten in Jugoslawien niemals so kompromisslos bombardiert.

Hier – nach den Ereignissen in NYC - der UNO eine spezielle Rolle zuzugestehen, das wäre doch das neue Denken des 21. Jahrhunderts! Die UNO ist die Institution für die Welt-Innenpolitik. Wenn die Amerikaner nun - vielleicht sogar mit den Europäischen Alliierten - mit militärischer Gewalt die Sache zu lösen versuchen, dann wird das die Gewaltspirale mit Sicherheit steigern. Und wir wissen jetzt alle ziemlich genau, wie verletzbar hochindustrialisierte und hochtechnisierte Nationen sind. Ein einziger Terrorist kann schon eine grosse Katastrophe veranstalten. Was denn ist die UNO, wenn sie hier schweigt? Man sucht jetzt Staaten im Hintergrund, die man mit den Ereignissen in – vielleicht weitläufig konstruierte – Verbindung bringen kann. Doch für Konflikte zwischen Staaten ist doch die UNO gedacht. Oder irre ich mich da so sehr?

*

Ich glaube, es braucht noch etwas Zeit, bis das 21. Jahrhundert beginnt.

*

Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende

GK

Männer

Ämne: Re: Hi
Datum: den 14 september 2001 15:27

Lieber ...,
Danke für dein Mail. Es ist lieb von dir, dass du eine Weile von deinem Schlaf geopfert hast um mich über die Lage bei euch zu informieren.
Es geht mir ähnlich wie dir. Kann nicht richtig fassen dass es wirklichkeit ist. Und dass es überhaupt passieren konnte.
*
Und heute hast du dir einen gemütlichen Tag in Basel gemacht hoffe ich.
Und ich werde mir einen gemütlichen Abend machen aber diesmal nicht ohne Männer. Ich habe gerade das Bücherpaket von der Post abgeholt und obwohl ich etwas in Eile bin konnte ich es nicht sein lassen ein bisschen darin zu lesen. Schon bei den ersten Zeilen habe ich geschmunzelt und ich weiss dass ich mich köstlich amüsieren werde. Er hat eine schöne Bildsprache. Danke für den Tip. :-)

Hier neben mir stehen riesige Kartonge mit dem neuen PC und wir werden wohl einen grossen Teil des Abends mit ummöblieren verbringen. Aber dann wenn alles fertig ist werde ich die Männer geniessen.
Ich muss leider schon weg. Sende dir einen lieben Gruss und wenn du kannst, schreib mir bald wieder ein paar Zeilen. Ich sehnsuche immer mails von dir.
U&K
Marlena

Montag, 12. September 2011

13 September

den 13 september 2001 22:35
Re: Hi

Liebe Marlena

Rasch muss ich Dir ein paar Zeilen schreiben. Eigentlich wollte ich heute früh ins Bett, so dass ich endlich die gesundheitsfördernden Stunden vor Mitternacht schlafen könne. Aber ich schaffe es nur sehr mangelhaft.

Heute habe ich die Billete ins Reisebüro zurückgebracht. Ich glaube, sie bezahlen uns das Geld zurück. Schliesslich ist der Swissairflug von Zürich nach Teheran an jenem Abend nicht geflogen. Das hat B herausgefunden. Deshalb war sie in der Meinung, wir würden irgendwo in einem Hotel in Zürich übernachten. Aber schliesslich habe ich sie von der Wohnung des Zahnarztes erreicht.

Na ja, es war ein einziges drunter und drüber in den letzten Tagen. Und dazu kamen immer wieder diese Bilder am Fernsehen. Weißt Du, was mich am meisten erstaunt hat. Diese Flugzeuge, wie sie in der Aussenfläche der Hochhäuser verschwanden, das sah aus wie in einem guten Trickfilm. Es war wie aus einem Katastrophenfilm. Es wirkte absolut fiktional. Denn bisher haben wir nie solche Bilder gesehen, die Realität abbilden. Die Kameras waren bisher immer zu spät. So sind wir nicht gewohnt, solche Katastrophenbilder richtig einzuordnen. Auf jeden Fall habe ich die Bilder immer wieder völlig ungläubig entgegengenommen. Ich habe fast keine Gefühle wahrgenommen, obwohl die Menschen im Film offensichtlich unendlich gelitten haben. Ich habe die Filme irgendwie rein ästhetisch angeschaut. Ich war nicht wirklich schockiert. Erst nach x Malen habe ich immer mehr die Realität zur Kenntnis genommen.

Und so kommt man zum zweiten Schritt. Welches sind die Reaktionen der Amerikaner und ihrer Verbündeten. Schliesslich sprechen sie von Krieg. Das ist genau der Punkt, weshalb unsere Leute die Reise in den Iran abgesagt haben. Die Folgen in nächster Zeit sind völlig unabsehbar. Doch niemand weiss, ob es Tage, Wochen oder Monate dauern wird, bis der erste Schritt geschehen wird. Man spricht von einem ganzen Feldzug, um nicht zu sagen Kreuzzug. Mindestens kommen solche Reminiszenzen.

Heute morgen habe ich also bei all meinen Freunden die Billete geholt. Ich bin in der ganzen Region herumgefahren und habe sie schliesslich ins Reisebüro zurückgebracht. Am Nachmittag war ich zuhause, habe viel Fernsehen geschaut und auch viel geschlafen.

Ich hoffe, dass es morgen etwas ruhiger wird. Ich möchte gerne in die Stadt und ganz gemütlich meine Zeit verbringen, so wie es ein Tourist in Basel tun würde. Vielleicht schaffe ich das?

Ich wünsche Dir eine gute Zeit.

G&K
...

Hello!

Ämne: Hello!
Datum: den 13 september 2001 17:49


Lieber ...,
Wie geht es dir? Es ist wohl etwas viel geworden im Moment. Erst diese schrecklichen Ereignisse von denen wir stündlich hören und dann deine schöne Reise auf die sich sicher alle sehr gefreut hatten (sogar ich). Und weißt du, wenn ihr jetzt trotzdem fahren würdet dann wäret ihr vielleicht doch nur mit halbem Herzen dabei, denn die Gedanken sind dauernd woanders.
Arbeitest du jetzt wieder oder hast du Urlaub? Hast du deine mit Mühe gepackten Koffer fertig stehen für eine neue Abreise oder schon ausgepackt? Es ist alles sehr traurig und ich fühle mit euch.
*
Hier regnet es dauernd und dabei ist es noch ziemlich warm und das Gras im Garten ist schon sehr lang. Ich war heute wieder bei der Arbeit. Das zu Hause bleiben macht mich noch kranker und ausserdem sind viele sehr erkältet und ich werde sie kaum anstecken.
Anna ist bei ihrem Ensemble wo sie Klavier spielt und ich werde mir einen gemütlichen Abend machen, vielleicht ein wenig fernsehen oder was lesen. Dann werde ich auch deinen schönen langen Brief, der wohl als Proviant für 14 Tage reichen sollte, noch einmal durchlesen. Es gab so viel darin, das schon längst vergessene Erinnerungen weckte. Z.B konnte ich wieder meinen Onkel vor mir sehen wie er Haselnüsse "zermalmte", Immer wieder holte er sich diese Dinger aus dem Küchenschrank und ich weiss nicht wie ich sagen soll aber manchmal ekelte es mich an ihn dabei zu sehen (vielleicht ist es etwas zu stark ausgedrückt aber du verstehst sicher). Vielleicht konnte ich nicht akzeptieren dass er sich nicht besser beherrschen konnte.. ;-)
*
Jetzt muss ich Anna holen. Bei dem Regen habe ich sie mit dem Auto hingebracht.
Bitte schreib mir ein paar Zeilen damit ich weiss was bei dir los ist.
Mit einem lieben Gruss
Marlena

Dommage!

Ämne: Dommage!
Datum: den 12 september 2001 15:38

Lieber ...,
Es tut mir wirklich sehr leid dass ihr nicht reisen konntet. Natürlich kann ich die Angst deiner Freunde verstehen und schliesslich konnte man ja nicht wissen was im Iran passieren würde. Aber trotzdem ist es jammerschade um die Reise und ich hoffe sehr dass ihr noch die Möglichkeit haben werdet sie zu verwirklichen. Und dabei tut mir auch S sehr leid denn ich glaube zu wissen wie viel Mühe sie sich gegeben hat und wie tief enttäuscht sie nun sein muss. Natürlich wird es ziemlich viel extra Arbeit machen alles umzubuchen aber ich hoffe sehr dass es noch möglich ist.
*
Ich bin heute zu Hause. Ich weiss eigentlich nicht ob man davon besser wird aber im Moment fühle ich mich als ob ich Zement in den Bronchien hätte und das macht mich sehr müde, fast als hätte ich einen seelischen Kater. Vielleicht ist es auch wegen den tragischen Ereignissen in Amerika die ich im CNN verfolgen kann. Man scheint nun ziemlich sicher zu sein wer dahinter liegt obwohl er es selbst verneint. Du weißt, dass sogar der Iran und Libyen sich gegen das Attentat ausgesprochen haben. Wenn man bedenkt wie viel unschuldige Menschen ums Leben gekommen sind.. ich kann es nicht fassen.
*
Und nun bist du also frei zu Hause? Vielleicht schon mit den Vorbereitungen für eine neue Abreise beschäftigt. Ich glaube doch ihr müsst fahren sonst wird es wie mit diesem Paar, das auswandern wollte. Die Seele ist schon abgereist ...
*
Ich schicke dir dies nun ab. Sicher werde ich dir bald wieder schreiben.

Mit viel H dass alles noch wird, ein bisschen S, wie immer, und einer grossen U,
Marlena

"Maladi" vielleicht?

den 13 april 2000 23:53

Lieber ...,

Ich suche vergebens nach einem schönen Wort das "LIEBE" ersetzen
könnte. Warum nicht "maladi"? Niemand würde je verstehen um was
es geht und ausserdem ist es inhaltlich verwandt mit "maladie" Es ist
eine Zusammenschmelzung von unseren Namen. ... Maladi ist ein
schönes Wort, klingt wie Musik und passt gut zu unseren Gefühlen.
Sollen wir unsere LIEBE mit einem Glas Champagner taufen? Oder
hast du Einwendungen gegen diesen Namen, Chéri?"
----------
den 14 april 2000 17:37
Liebe Marlena
Maladi finde ich absolut super. Wir sollten dieses schöne Wort wirklich begiessen bis es pudelnass ist, wie bei einer grossen Schiffstaufe. Man muss gar nicht viel erklären zu diesem Wort. Wir zwei wissen alles, was drin steckt. Es ist grandios, ich gratuliere der Patin, die den Namen gefunden hat. Er wird uns wie Honig auf der Zunge liegen. Maladi wird wie ein Turm vor unseren Augen aufragen. Und sie wird sich als fröhliche Melodie durch unsere Jahre ziehen. Ich finde, wir sind wirklich ein fantastisches Team, Marlena, und eine solche Maladi, wie wir sie hier pflegen und geniessen, wird es auf dieser Welt keine zweite geben. Da bin ich mir ziemlich sicher. Und dazu hat Maladi eine Affinität zum Französischen, das ist auch sehr gut getroffen. Und die Silben machen, wie du zeigst, einen Sinn. Ach, es ist praktisch ein Zauberwort. Und dass auch ein Hauch von maladie drin ist, eine kleine melancholische Note, finde ich besonders reizend, bricht die Farbe um eine Nuance. Ich kann uns nur zu diesem Kunstwerk beglückwünschen. Und wenn ich irgendwann und irgendwo auf dieser Welt über Ostern ein Weinglas in der Hand haben werde, so werde ich mit dir anstossen. Du wirst es hören am schönen hellen Klang der Gläser. Ich bin sicher, du wirst es hören. Und natürlich werde ich auch meinerseits genau in die Lüfte horchen, ob ich irgendwann einen solchen kleinen Kristallkuss höre. Und ich werde dir später die Uhrzeit sagen.

Sonntag, 11. September 2011

Nichtsahnend

Ämne: ach ach
Datum: den 12 september 2001 11:20

Liebe Marlena
Ja, Du hast recht. Ich bin gestern abend frühzeitig vom Büro weg.
Ich hatte Auto und Koffer hierhin mitgenommen, so dass ich dann
gleich von der Arbeit zum Flughafen fahren könnte. Das habe ich
auch so gemacht, mit viel Zeitreserve, damit ich ja nicht in Zeitnot
käme. Im Zug habe ich noch einen Amerikaner aus Philadelphia
getroffen. Er hat mich gefragt, ob ich gehört hätte, was in Amerika
passiert sei. Ich wusste allerdings nicht viel. meine Sekretärin hatte
erzählt, dass ein Anschlag auf das World-Trade-Center geschehen
sei, aber sie sei während der Information am Radio durch ein Telefon
unterbrochen worden. So fuhr ich nichtsahnend hinaus zum Flughafen.
ich war so früh, dass ich meinen De Crecenzo hervor nahm, um mich
in der Lektüre zu vertiefen. Bald kamen C und R, der Zahnarzt.
Sie war käsebleich. Sie hatten kein Gepäck, das fiel mir sofort auf. Die
ersten Worte waren, dass sie nicht mitkommen würden. Ich dachte, etwas
Schreckliches wäre in ihrer Familie geschehen, ein Todesfall oder so.
Erst allmählich begriff ich, weshalb sie nicht reisen wollten. Sie hatten
sich schon mit den übrigen Teilnehmern abgesprochen. Und einzig mich
hatten sie telefonisch nicht mehr erreicht. Alle kamen, alle kamen ohne
Koffer. Nur V. blieb zuhause. Sie war immer eine der änstlichsten
gewesen, schon wenn es um Kleiderfragen im Iran ging. So blieb mir
nur die Entscheidung, ob ich allein reisen sollte oder nicht. Und ich ent-
schied mich, auch nicht zu reisen.
Wir wollten sehen, wie sich die politische Situation entwickeln würde.
Das ganze hörte sich an wie Krieg. Und wenn die Perser, die ja mit den
palästinensischen Terroristen offenbar verfilzt sind, daran beteiligt wären,
dann würden wir dort in des Teufels Küche geraten. Ich für mich allein
wäre sehr wohl gereist. Aber meine Kameraden sind alle älter, im Pensions-
alter und haben natürlich ein grosses Sicherheitsbedürfnis.

Noch vom Flughafen habe ich A in Teheran erreicht und ihr die Situation
erklärt. Sie konnte es nicht glauben. S. war gerade unterwegs. Sie hat
Früchte eingekauft und in die Hotelzimmer gebracht, damit die Gäste einen
schönen Empfang hätten. Später habe ich sie dann erreicht. Sie hat nicht
viel gesagt. Aber ich weiss, was sie gedacht hat. Sie denkt, was soll denn
diese Geschichte mit Teheran zu tun haben. In Teheran ist es absolut still
und normaler Alltag. Allerdings hatte sie erst in den Abendnachrichten von
den Ereignissen gehört.
Ich hatte Schlüssel und Auto im Büro gelassen, konnte also abends nicht mehr
heim, denn B war auch unterwegs. So habe ich bei R+C übernachtet.
Sie haben sich viel Mühe gegeben und wir haben ein einfaches Nachtessen
gehabt mit langen Diskussionen. Natürlich war auch ihr Eisschrank leer. Aber
es war gut, Brot, Fleisch und Käse mit einem Schluck roten Weines.
Und jetzt bin ich wieder im Büro, habe das Reisebüro informiert und gehe
bald heim.
Wie sagte Kästner: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Es ist schade, S. hat sich soviel Mühe gegeben und alles perfekt
organisiert. Die Freunde sagen, wenn die Situation sicher ist, könnten wir
am Sonntag vielleicht abfliegen. Aber man denkt hier, dass vielleicht
Afghanistan von diesem Terrorkrieg betroffen sein wird, vielleicht auch Teheran.
Man weiss eben nicht viel Genaues. Allerdings wird es sonntags wohl kaum
mehr freie Plätze haben im Swissairflug nach Teheran. Es ist wirklich
jammerschade für all dieArbeit.
Das ist das Neueste. Ich werde mir jetzt ein paar Sachen zum Essen einkaufen.
Die letzten Kartoffeln und Zwiebeln hatte ich montags meinen Nachbarn gegeben.
Whatever will be will be.
Mit einem schönen Gruss
...

Samstag, 10. September 2011

11 September 2001

Ämne: Ach .....
Datum: den 11 september 2001 17:20

hast du die schrecklichen Nachrichten schon gehört???
Ich habe wirklich Angst, auch wegen deiner Reise...
Gruss
Marlena
Lass von dir hören wenn es möglich ist, bitte!

Freitag, 9. September 2011

Au revoir..

Ämne: Au revoir mon cher ami!
Datum: den 11 september 2001 16:46

Lieber ..,
Ach, so ein Mail! Ich weiss gar nicht wo ich beginnen soll, so viele Gedanken und Erinnerungen hat es bei mir geweckt. Auch staune ich wie es möglich ist dass jemand in diesem Chaos, das du am Anfang deines Briefes beschreibst, einen so langen schönen und inhaltreichen Brief schreiben kann. Kannst du nicht öfter bei dir ein Chaos arrangieren???
*
Im Augenblick sollte ich eigentlich bei einer Konferenz sitzen und eine Menge Fragen beantworten, die ein nietischer Politiker (eifrig auf deutsch?) zusammengestellt hat... aber ich bin sehr erkältet und habe fast die Stimme verloren. Deshalb habe ich mich krankgemeldet.
*
Und nun fällt mir gerade ein dass es ja schon Dienstag abend ist und dass ich vielleicht gar nicht mehr Zeit habe ein Mail an dich zu senden bevor du das Haus verlässt. Oder doch? Schreib mir bitte wann ich es spätestens absenden muss.
Wenn es nicht mehr geht wünsche ich dir (und euch allen) richtig schöne "13-und eine Nacht" mit allem was damit verbunden sein könnte. (Bin ich wirklich so freigebig???)

Wenn ich es schaffe schicke ich dir noch ein paar Zeilen.
Sonst umarme ich dich zum Abschied, mit viel Zärtlichkeit und Wärme
Wir sehen uns wieder,
Marlena

Beichtlaune

den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so
(6)

Ach Marlena, ich weiss nicht, was los ist. Ich habe heute Beichtlaune. Es ist wirklich merkwürdig und interessant zugleich. Ich glaube, auch Du bist ein Glücksfall für mich. Es ist wirklich gut, gelegentlich Dinge zu denken und zu sagen, die man während der letzten 40 Jahre nie gesagt oder kaum gedacht hat. Du bist meine Tagebuch-Fee sozusagen. Ich schreibe das alles für Dich, aber ich weiss, dass ich es auch für mich niederschreibe. Es ist nicht Therapie, aber es ist doch eine Art von Meditation. Das ist schön. Dafür danke ich Dir Marlena. Obwohl ich manchmal gegenüber S. ein schlechtes Gewissen habe. Aber es ist eigentlich nicht gegen S. Es ist eine andere Dimension. Und das ist ziemlich gut so.

*

Ich glaube, ich muss noch meinen Koffer zu Ende packen. Es liegt noch viel herum in unserer grossen Stube. Und es ist lustig. Am liebsten würde ich immer Bücher einpacken. Ich finde, wenn man wegreist, sind Bücher irgendwie ein Trost. Und ich könnte, wenn ich wollte und dürfte, eine ganze Menge einpacken. Ich würde sie mitnehmen, obwohl ich weiss, dass ich absolut keine Zeit habe zum Lesen. Aber ich habe das Gefühl, Bücher seien eine Art von Freunden. Es ist vielleicht lächerlich, aber irgendwie, im Tiefsten, habe ich dieses Gefühl. Ich werde mir Mühe geben und nach Persien nur ein Buch von di Creszenzo. Er hat über die Vorsokratiker geschrieben. Er hat Philosophie studiert und war bei IBM Direktor. Und meine sizilianische Bekannte denkt, ich gleiche ihm ein bisschen, wenn ich den Bart wachsen lasse. Aber sie meint das wohl eher als Kompliment denn als Realität, wie es die Sizilianer gerne tun. Sie sind in diesen Dingen ähnlich wie die Perser. Ich glaube, di Creszenzo würde Dir auch gefallen, Marlena. Bestimmt mehr als die Männer von Schwanitz!

*

Jetzt gehe ich packen. Ich bin mitten im Plaudern und kann kaum aufhören. Es ist schade, dass ich aus Persien nicht schreiben kann. Ich würde mehr sehen und erleben, wenn ich es niederschreiben könnte. Ich weiss noch nicht, ob ich Zeit für ein Tagebuch habe. Ich weiss nur, dass ich einmal zum Zahnarzt gehen muss. Er ist 10x billiger als in der Schweiz. Und keineswegs schlechter. Mindestens handwerklich sind sie sehr geschickt. Vielleicht sind sie technisch nicht immer auf dem allerbesten Stand. Aber handwerklich sind sie wirklich geschickt, die Perser.
...
*

Ich muss stoppen.

Vielleicht kann ich morgen noch ein kurzes Mail schreiben.

Wenn nicht, wünsche ich Dir eine schöne Zeit. Ich hoffe doch sehr, dass Du mir täglich ein Mail schreibst in diesen 14 Tagen. Weshalb solltest Du jetzt eine Ausnahme machen?

Gruss und Kusss
...