Mittwoch, 7. September 2011

mitten im Packen

den 10 september 2001 22:23
Re: na ja ... einfach so

Liebe Marlena

Jetzt ist es soweit. Jetzt bin ich mitten im Packen. Jetzt ist der Teufel los. Ein Hurrikan geht durchs Haus. Ach, wie ich das hasse, alles so durcheinander und nicht richtig zuhause und auch nicht richtig auswärts. Es ist wirklich der Vorhof der Hölle, auf eine Reise zu gehen und die sieben Sachen zu packen.

Rollen meinst Du? S's einzige Sorge ist, dass ich meine erlaubten 20kg Fluggepäck plus das bisschen mehr, das sie für einen solchen Flug akzeptieren, auszunutzen. Sie hat Angst, dass ich mit lausigen 10 oder 15 kg ankomme. Ich habe mich immer darüber beklagt, dass wir viel zu viel mitschleppen und dass die Koffer und Taschen kaum zu tragen sind. Und jetzt, wo ich allein reise, denkt sie, dass ich mir meine Träume wahr machen werde. Du siehst das Problem. Ich muss nicht so viel wie möglich, sondern so WENIG wie möglich in den Koffer kriegen. Nun ja, der Koffer ist nicht so wichtig, den trage ich nicht selbst. Aber meine Tasche will ich dieses mal wirklich nicht allzu schwer machen. A. hatte letzte Woche 28kg im Koffer. Sie hat das Ding die ganze Zeit auf der Badezimmerwaage stehen lassen, damit sie jede Bewegung auf- oder abwärts beobachten kann. Sie ist damit leicht durch das Einchecking gekommen.

Der langen Rede kurzer Sinn: ich werde meine Kleider nicht rollen! Aber Deinen Tipp behalte ich mir gerne für später einmal auf. Vielleicht brauche ich ihn noch in meinem Leben.
(...)

Ja, es ist lustig, wie Du denkst, mein Stil gleiche ein wenig Rilkes in seinem Malte. Und wenn ich meine Briefe ein zweites Mal lese, was eigentlich selten, aber doch gelegentlich mal geschieht, dann schäme ich mich. Ich habe so eine Tendenz, Worte zu wiederholen, die ich absolut hasse. Es hört sich so stumpf und läppisch an, und ich weiss gar nicht, wie ich dazu komme. Es ist wie ein Echo.

Bei meinem Artikel über die Entwicklung der Familie hat mir W. Z., der Freund aus dem Club gesagt, ich hätte eine barocke Sprache. Das kann ich zwar selbst nicht so genau beurteilen. Aber wenn es so ist, dann freut es mich. Ich mag das barocke sehr, in den Bildern, in den Frauen, auf dem Tisch. Ich glaube, das ist der Einfluss des Wallis.

Ist nicht im Malte dieser bekannte Satz, wo Rilke sagt, heute könne man nicht mehr Geschichten erzählen. Ich glaube es ist dort. Rilke hat sich mit diesem Text unter die modernen Dichter eingereiht, ganz unabhängig von seiner Lyrik, die ich natürlich wie Du noch viel mehr schätze.

Aber ich glaube, ich könnte, wenn ich denn die Zeit und die Konzentration hätte, auch Lyrik machen. Es passiert mir heute zwar nicht mehr so häufig, doch früher hatte ich oft beim Schreiben das Gefühl, die Sprache führe mich selbst. Das heisst, es drängten sich mir Gedanken auf, die ich vorher nicht hatte, einfach dadurch, dass ich mich sehr auf das Schreiben und ein Thema konzentrierte.

Oder noch früher hatte ich manchmal...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen