Montag, 26. November 2012

Du, Nachbar Gott


Liebe Marlena
...
Und ich habe diese hübsche sprachliche Wendung nur
wegen dir gefunden, wegen dieser Marlena, 2000km weit
weg irgendwo im kühlen Norden. Und natürlich dank unserer
(platonischen) Intimität und den ziemlich dichten Gefühlen
und den malvoisiierenden Vorstellungen, die wir beide hier
gärtnern. Ich danke Gott, dass es dich gibt. Ohne dich wäre
ich ein bisschen einsamer und verlorener auf dieser Erde.
Hör mal an, Rilke hat mich erstaunt:

Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, -
so ists, weil ich dich selten atmen höre
und weiss: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.

Ich finde das ganz enorm. Hörst du, er tröstet ihn, er
möchte ihm helfen, er will bereit sein, im Dunkeln einen
Drink zu reichen, hörst du das? Er sieht noch eine kleine
Überlegenheit seines Nachbars, aber es ist doch ein Nachbar,
der Gott heisst, fast schon auf gleicher Ebene. Beinahe mit
ihm angestossen hat er. Und das war mindestens vor 100
Jahren geschrieben. Grossartige Brüderschaft!
Mit einem allerliebsten Gruss

Sonntag, 25. November 2012

Wenn es nur einmal ..


Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen—:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.


(Rilke)



.

Freitag, 23. November 2012

nicedaymakers



14 February 2007 14:38
Subject:  We are nicedaymakers


Liebe Malou
 Ach wie schön, bei diesem tristen unseligen Nieselregentag ein Mail
 aus einer warmen Stube zu erhalten.

Also should I make a nice day? Ja, es ist ganz im Sinne der modernen
 Lebensführung, da man nicht mehr Opfer, sondern Täter sein soll. Man
 stelle sich eine Welt voller Täter vor. Das ist schrecklich, nicht
 wahr? Wo bleiben dann die Opfer? Vielleicht die Kinder? (kennen wir ja
 schon ein bisschen) Die Tiere? (auch bekannt) Oder vielleicht die
 Natur? Am besten ist, wenn die Täter es sich selbst antun. Dann sind
 sie ihre eigenen Opfer. Ich glaube, das wäre ein prima
 Lastenausgleich.

Was tust du denn an einem so gewöhnlichen, ereignislosen, monotonen,
 kalten Winternachmittag? Ich würde jetzt am liebsten eine Siesta
 nehmen. Das ist etwas vom Besten.

Dein Gesprächston hat sich verändert Malou. Du bist etwas spitz und
 aggressiv geworden, unterschwellig aggressiv? Wie kommt das? Habe ich
 dir etwas Schlimmes angetan? Bin ich einfach bloss Opfer, oder bin ich
 irgendwie irgendwo Täter?

Liebe Nachmittagsküsse
...

Donnerstag, 22. November 2012

Nice day


14 February 2007 14:25

Lieber ...,

Weisst du, dass es nicht mehr heisst "Have a nice day"?
Jetzt heisst es "Make a nice day". Ich glaube das ist ganz in deinem Sinn.
Also:
make a nice day, love
Malou

Mittwoch, 21. November 2012

Re: Klarissimo


Lieber ...,

Zuerst herzlichen Dank für dein liebes Mail und auch die früheren, in
denen du Dinge schreibst, die immer noch „in mir arbeiten".

Du glaubst also, dass mein Leben „ruhig und zufrieden" dahinläuft. Und
dabei weisst du nicht, dass ich mich manchmal nach ein paar wirklich
ruhigen Stunden in einem Büro sehne. ;-)

Ich wollte dein Mail schneller beantworten, aber wir hatten Gäste am
Wochenende und heute ist Anna zu Besuch. Wir haben gerade unser Dinner
gehabt und ich habe es sehr genossen wieder einmal an einer lebhaften
und interessanten Konversation im Kreis der Familie teilzunehmen.
---

Ja, ich verstehe deine Angst vor dem „schleichenden Untergang".
Es ist wie du sagst ungeheuerlich, ungerecht und absolut brutal. Warum
uns alles das Schöne zeigen, um es uns dann zu nehmen? Und gerade in
Zeiten, wenn wir glücklich sind, macht uns der Gedanken an die
Vergänglichkeit fast wahnsinnig.

Gestern habe ich erfahren, dass mein Cousin in Uppsala nicht mehr
lange zu leben hat. Sein ganzer Körper ist von Krebs angegriffen.
Stell dir vor, er ist drei Jahre jünger als ich. Aber er ist tapfer
und versucht die Menschen in seiner Umgebung aufzumuntern. Ich habe
ein längeres Telefongespräch mit ihm gehabt. Vielleicht habe ich dir
mal von ihm erzählt, wie er als 6-jähriger Eintritt nahm von den
Kindern der ganzen Nachbarschaft für einen Blick in unsere Badewanne,
wo der weihnachtliche Karpfen herumschwamm. Er hat ein spannendes und
auch glückliches Leben hinter sich. Seine Frau, sie ist übrigens auch
Künstlerin wie deine B, hat eine schwere Zeit vor sich.

*

Ach, das ist alles so traurig. Auch unser Gespräch heute Abend war
nicht sehr erfreulich. Vielleicht lag es an mir. Es tut mir Leid. Ich
will dir doch nur gut.

Ich liebe es, von den kleinen alltäglichen Dingen in deinem neuen
Leben zu lesen, wie z.B. von dem Café gegenüber, wo du deinen Hunger
stillen kannst. Es klingt alles so friedlich und perfekt für ein
harmonisches Leben. Und dann hast du die Affen. Weisst du, dass auch
ich täglich ins Affenhaus gehen kann? Im „Animal Planet" zeigt man
fast täglich interessante Sendungen mit Affen. Und wenn ich Affen
sehe, denke ich eben an dich. ;-)) Ich stelle mir meist das Programm
an, wenn ich irgendeine langweilige Arbeit vor mir habe. So ist z.B.
das Bügeln im Affenhaus ganz erträglich.
---
Ab und zu beschäftige ich mich mit dem Archivieren unserer Mails und
neulich habe ich dabei ein kleines Gedicht wiedergefunden, das du mir
mal geschickt hast.

Erinnern
Das ist
vielleicht
die qualvollste Art
des Vergessens
und vielleicht
die freundlichste Art
der Linderung
dieser Qual.

Erst jetzt verstehe ich den Sinn dieser Worte.

*

So lasse ich dich wieder in die gefährliche Welt hinaus,

mit lieben Gs und Ks

dein „kühles festes Anker im Norden".. ;-)

Klarissimo ...


8 February 2007 20:48
subject      Klarissimo ...


Liebe Malou
Ja, das klingt gut. Würde ich vielleicht auch lesen. Aber ich glaube
nicht, dass ich je ein ganzes Buch in Englisch gelesen habe. Irgendwie
würde ich mich dort nicht ganz heimisch fühlen. Aber es ist gut. Ich
erinnere mich dabei an mein Onkelchen und die Dinge, die er erzählt
hat. Allein die Tatsache, dass es damals ganz eine andere Welt war,
allein diese Tatsache macht einen solchen Roman spannend. Wir können
uns die Zeit nicht vorstellen. Ich habe eine Erinnerung aus der Zeit,
als ich noch nicht zur Schule ging. Wir waren in Zürich und sassen
beim Bahnhofplatz auf einer Terrasse. Man sah hinunter auf den
riesigen Platz. Es gab einige wenige Tramschienen, vielleicht das
Denkmal von Escher, daran erinnere ich mich nicht mehr. Und sonst war
der Platz einfach leeeeeeeeeeeeeeeeeeer. Einfach absolut leer,
vielleicht einige wenige Personen, Männer mit einem Hut. Frauen mit
knöchellangen Röcken.
Ja, vielleicht ist schreiben einfach aus diesem Grunde gut: gegen die
Zeit zu schreiben, erzählen, wie es war. Gegen diesen schleichenden
Untergang anschreiben, den alles erfasst und der alles mit sich
reisst. Ich werde traurig und wütend gleichzeitig, wenn ich davon
rede. Du nicht, Malou? Wie das Leben vergeht, ist doch einfach
ungeheuerlich, ungerecht, absolut brutal!!! All die Verstorbenen und
Vergessenen, stell dir vor, wo sie sind!  Es macht mich wahnsinnig,
wenn ich daran denke.
Und jetzt trinke ich einen latte macchiato. Das ist die einzige Art
von Kaffee, die man mit dem Suppenlöffel einnehmen kann, pflege ich
scherzhaft zu sagen. Wenn du zu mir zu Besuch kommst, Malou, dann
serviere ich dir einen solchen Latte. Ob du magst oder nicht, ich werde
ihn dir an der Bar vor meiner Küche servieren. Die Bar ist ein
Schrank, der früher in einer Zahnarztpraxis gestanden haben muss. Er
passt blendend in meine 2-Zimmer-Klause. Nur darf man sich nicht
zusehr betrinken. Wenn man sich an dieses Möbel lehnt, dann fährt es
davon !! Ich werde dir dann ein Foto schicken, Malou, wenn es soweit
ist. Das mache ich bestimmt. Ich habe vom Mann der Zügelfirma gehört,
dass im Café gegenüber riesengrosse Sandwiches serviert werden. Die
seien weitherum bekannt. Seine Männer gehen immer wieder dorthin, weil
sie doch beim Zügeln einen respektablen Hunger entwickeln. Ist das
nicht eine wundervolle Gegend? Und heute habe ich einen weiteren Band
gefunden über die Primaten und Halbaffen. Diese Literatur brauche ich
unbedingt in meiner Nähe, wenn ich dann einen Steinwurf vom Affenhaus
entfernt wohne. Ich glaube, ich werde regelmässig zu den Affen gehen.
Die Tiere haben mich schon immer fasziniert.
---

Liebe Grüsse und Küsse und Qs
...

Sonntag, 18. November 2012

Istanbul vielleicht?

---

Ich überlege mir in letzter Zeit, wohin ich nächstens reisen soll. Und auf dem ersten Rang liegt im Moment Istanbul. Das ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Ich habe kürzlich mehrere Filme gesehen. Ihre Lage ist einmalig. Der letzte zeigte das Leben einiger einfacher Fährmänner, die in völlig traditioneller Art mit ihrem Boot Passagiere von der europäischen auf die aisatische Seite rudern. Einer davon, ein 80 jähriger, sympathischer Typ rudert wirklich noch, während die jüngeren oft schon mit Motor arbeiten. Lustig ist, dass ihre Lizenz ihnen nur den Transport von der einen auf die andere Seite erlaubt, nicht aber zurück. Denn auf der anderen Seite gibt es auch eine Reihe von ebensolchen Fährmännern. Und die warten darauf, in der entgegengesetzten Richtung zu transportieren. Sie haben ein kleines Clubhaus und können sich dort im Winter aufwärmen. Die etwa 10 Männer trinken eine Unmenge Schwarztte. Dazu haben sie extra einen angestellt, der ihnen den Tee zubereitet. Er hat sein Getränk sehr gelobt und behauptet, was wir in Europa an Schwarztee trinken, dass würde dort in Istambul keiner anrühren. Ich weiss was er meint. Und er hat recht! Wenn er nicht da ist, servieren sich die Männer ihren Tee selbst. Die jüngeren sind verpflichtet, ihn den älteren zu servieren. Sie haben dort drüben eine strenge Hierarchie. Na ja, das wissen wir doch seit langem.

Kurz und gut: Istambul ist eine prima Stadt. Es ist vielleicht gut, sie zu besuchen, bevor sie total europäisiert wird. Es gibt dieses Jahr sogar einen Hypnose-Kurs dort drüben. Eine Kollegin des Kurses, den ich damals in NY besucht hatte, organisiert einen in Istambul. Und sie hat mich ausdrücklich eingeladen. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen hinreise. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, zusammen mit Türken einen solchen Kurs zu belegen. Türken sehen die Welt wirklich ein bisschen anders als wir. Das habe ich sogar in NY bei dieser Kollegin bemerkt. Und dabei hatte sie mir erzählt, dass sie in jungem Alter ein paar Jahre in der Schweiz gelebt hätte. Ihr Vater war als Chirurg tätig irgendwo an einem Spital in der Schweiz.

Der Nachteil von Istambul besteht darin, dass ich kein Türkisch spreche oder verstehe. Es ist immer schade, wenn man eine Stadt oder ein Land aufsucht, und sich nicht mit den Leuten direkt unterhalten kann. Na ja, wahrscheinlich sprechen die meisten schon Englisch. Jedenfalls konnte man sich wirklich amüsieren, wie die Aegypter beispielsweise Deutsch gesprochen haben, oder die Türken an ihrer Ferienküste. Das hat gelegentlich sehr ulkig geklungen. Aber sie waren durchaus gewandt in ihren Fremdsprachenkenntnissen. Die Sprache also ist ein Hindernis. Na gut, ich werde sehen. Ich habe mich ja noch nicht entschieden. Portugal ist ein weiteres meiner Ziele. ...
---
Istambul oder Lisabon also. Und dann habe ich noch München auf meiner kleinen Liste im Kopf. Ich bin noch nie dort gewesen, ...

Du siehst, ich muss länger über meiner Liste brüten. Und das will ich tun in den nächsten Wochen.

MLG
...

Samstag, 17. November 2012

Möbel




date 17 March 2006 07:39
subject Re: :-)


Liebe Malou

Ich bin etwas früh und etwas nervös. Und so suche ich mich ein wenig abzulenken.

Ja, ich weiss wie schwer die IKEA-Dinger sind. Dieses geleimten Holzplatten sind verdammt schwer. Ich bin nicht so begeistert von diesen Möbeln. Sie sehen an sich nicht schlecht aus, solange sie neu sind, nutzen sich aber ziemlich rasch ab. Und wenn man umzieht, und man sie demoniteren sollte, sind sie sehr mühsam und meist nicht mehr zu gebrauchen. Es sind schon fast so etwas wie Instant-Möbel.

Der Besitzer (oder Gründer oder was weiss ich ..) ist - wie du bestimmt weisst - Schwede und lebt in der Schweiz. Kürzlich gab es wieder mal eine dieser Reichtums-Ranglisten in den Zeitungen, worin er auftauchte. Er kommt schon ziemlich bald hinter Bill Gate. Und ich finde, wenn er so reich ist, könnte er etwas besser auf die Qualität seiner Möbel achten. Aber natürlich sind sie gut im Preis.

Ich bin im Moment eher angetan von alten Möbeln. Die sind zwar umständlich gebaut und raumkonsumierend, aber sie sind doch irgendwie schön. Ich habe mir einen Schreibtisch gekauft, der ganz schick aussieht. Na ja, so alt ist er auch wieder nicht. Aber er sieht doch schon ein bisschen antik aus. Wenn man ihn betrachtet, denkt man, es wäre vielleicht Senecas Pult gewesen ;--D. Ich will ja nicht übertreiben und gleich Sokrates sagen. Na ja, Sokrates hat - wie man annimmt - auch gar nicht geschrieben. Er war sozusagen ein Schwätzer.

Was kann ich dir in meiner Nervosität noch berichten? Dass ich schlecht geschlafen habe? Ich habe
...

Freitag, 16. November 2012

Soll ich?


date 15 March 2006 07:46
subject Re: Nur kurz heute..

 
Liebe malou

Ist es nicht merkwürdig? Wenn ich schnell schreibe, so schreibe ich die Anrede immer so: malou mit kleinem Anfngsbuchstaben. Wie kommt das? die Motorik ist eine sehr stabile Angelegenheit. Sie läuft immer wieder gleich ab. Man merkt das beim Rasieren, bei der Handschrift, aber vielleicht auch bei grösseren Operationen wie dem Sex oder dem Golfspiel. Gute Auswahl von Beispielen, nicht wahr?

Ich muss also, wenn ich dies ändern will, ziemlich tief hinunter steigen in meine eigene Konstruktion und mit Hammer und Schraubenzieher nachsehen, was da unten im Keller verschoben ist. Und das braucht soviel Zeit, viel zu viel angesichts der kleinen Bedeutung des Lapsus, der daraus entsteht. Und so weiss ich nicht, ob ich mich in diesem Punkt wirklich korrigieren soll. Soll ich?

---

Ich überlege mir in letzter Zeit, wohin ich nächstens reisen soll. Und  ...

Donnerstag, 15. November 2012

Zeit zum Lesen?


Ämne: Hast du Zeit zum lesen?
Datum: den 30 oktober 2003 01:23

Lieber ...,

Wir hatten einen ganz herrlichen Tag in Stockholm. ...

Wenn man dann in Stockholm angelangt, den Zentralbahnhof durch den grossen Ausgang verlässt, sieht man sofort die schöne Klarakirche zwischen den neugebauten Hochhäusern. Diese Kirche und der Friedhof um sie herum sind die letzten Reste, die an damals erinnern als ich als neugewordener Teenager dort die Schule begann. Es war eigentlich eine Schule, die mit der Zeit zu Studien an der Handelshochschule führen sollte und in meiner Klasse gab es viele Kinder von prominenten Leuten, die wohl hofften, dass ihre Söhne und Töchter in ihren Fussspuren wandern würden und ihre Firmen und andere Geschäfte mit der Zeit übernehmen sollten. Ich habe später in den Medien gesehen dass es ihnen geglückt ist, die höchste Stufe von materiellem Glück zu erreichen..
Es war eine herrliche Zeit und ich erinnere mich sehr gut an das Leben in und um die Schule herum. Es gab viel zu tun und zu sehen, wenn man die lange Lunchpause hatte. Dann gingen wir ein Quartier hinauf auf die Drottninggatan und befanden uns mitten im Herz der Hauptstadt.



Grab von A.M. Lenngren



Übrigens, Anna Maria Lenngren (auf dem Bild in Fotofolder) haben wir damals dort an der Schule gelesen. Ich mochte sie sehr wegen ihrem Humor. Schöne (lange) epische Gedichte, aber auch kleine lustige Dinge wie dies (1793 geschrieben):

EPITAF

Min hustru vilar här till världens sista dag.
Hon är i ro - och även jag.

Meine Gattin ruht hier bis zum letzten Tag der Welt.
Sie ist in Ruh - und so auch ich.

oder dieses hier:

REFLEXION

C o r n e l i u s T r a t t   är död (en liten rödlätt man,
gick gärna med syrtut, igår begravdes han).
Jag kistan såg och processionen
och gjorde denna reflektionen:
”Bror Tratt, du levde glatt och kort,
förr bars du alltid hem, nu bärs du äntlig bort.”

Cornelius Trichter ist tot (ein kleiner rötlicher Mann
ging gern in bonjour, gestern wurde er begraben. (bonjour= langer Mantel)
Ich sah den Sarg und die Prozession
und machte diese Reflektion:
”Bruder Trichter, du lebtest fröhlich und kurz,
früher wurdest du immer nach Hause getragen,
jetzt trägt man dich endlich weg.”

Aber ihre bekanntesten langen Gedichte sind zu lang um hier zitiert zu werden.
Liebe, moralische Themen mit viel Weisheit und Humor. Sie war eine bedeutende Frau für ihre Zeit.

So, das wär’s wohl für heute. Mehr Zeit wage ich nicht von dir zu stehlen.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag.
Morgen habe ich frei. :-)
Marlena

Mittwoch, 14. November 2012

In English this time


date 16 March 2005 11:07
subject In English this time..



Dear ...,
All your wonderful plans for the future seem to me absolutely doable.
And you don't have to chose between them.. I think you will manage to
realise them all. The only thing that worries me a bit is that you will
probably find less time for your mouse life.
Your idea to go and see your "lost friend" sounds very nice and makes
you appear to me as a kind and considerate person.

Actually I should now be on my way to O.. with S. but it has been
snowing this night and she is afraid to drive their car in this
weather. But maybe her husband is preventing her to drive, and I
can understand him because S (as most of my female friends) seems
a bit nervous and doesn't feel at ease behind the wheel. So we decided
to go tomorrow. That's the good thing with being free. You can change
your plans without any problems.
But at one o'clock she will be here for lunch and our Italian afternoon.

Yes, it´s funny, this "roman circle" as you call it. Actually I had no
such intentions, and I didn't expect to have this close contact with
my roman friends. But as so often in my life, regarding the
circumstances, I've got the impression that things happen to you
without your calling for them. As they say: "Life is a matter of
coincidences". What if I never had found you in swiss-talk? I
sometimes wonder what kind of person I would have been without you.
Without this "serenity" you mentioned.
Maybe that's the reason why my friends regard me as a kind of
'Drahtzieher' as you call it. You make me feel alive in a way I
wouldn't be without you. You even make me feel young and beautiful.
I wish I could have the same effect on you. :-)

WelI... I hope I didn't give you a hard time with my English, which by
the way, is far from correct. But anyhow...
Love
Malou

Dienstag, 13. November 2012

Gedanken ..

am frühen Morgen
 
9 November 2007 07:48
 
Liebe Malou
Weisst du, wie merkwürdig es ist, wenn man früh morgens um sieben
durch die dunkeln windigen Strassen geht und von allen Seiten durch
irgendwelche Feuchtigkeiten eingeweicht wird? Puh, es ist ein
unangenehmes Gefühl. Aber in der Eisenbahn ist es dann schon ein
bisschen angenehmer. Man kann noch 10 Minuten einnicken bis L.
Aber eigentlich sollte man doch erst um 8 Uhr zur Arbeit gehen. Vor 7
Uhr sind es die Arbeiter, hat man früher gesagt. Und um 7 Uhr hat -
auf die Sekunde genau - in Visp das Horn der Lonza geheult.
Sekundengenau um 7, um 12, um 13 und um 17 Uhr. Das gehörte einfach
zum Dorf. Und man brauchte den Kindern auch keine Uhr mitzugeben. Sie
haben selbst bemerkt, wann sie abends um 17 zuhause sein sollten. Und
dann, um 17.10h ungefähr, kamen die Personalbusse. Sie kamen alle
ziemlich laut und einer hinter dem andern durch die
Eisenbahnunterführung herauf, fuhren geradeaus bis zur Hauptstrasse,
die Kantonsstrasse heisst, und bogen dann nach rechts Richtung Raron
Gampel Steg. Das spielte sich täglich ab und gehörte sozusagen zum
Dorfbild. Wenn der Alarm zwischendurch mal ging, dann konnte man
sicher sein, dass im Werk irgendwas Ungewöhnliches passiert war, eine
Explosion, ein Brand. Das kam gelegentlich vor. Und ich stellte mir
vor, dass all die Chemikerfrauen im Dorf, deren Männer dort drüben in
den Labors arbeiteten, den Atem anhalten würden, bis sie wussten, was
wirklich passiert war. Manchmal gab es Unfälle, meist mit
Verbrennungen oder Vergiftungen.
 
Aber ich selbst fühlte mich dieser Fabrik und ihrem Alltag nicht sehr
verbunden, denn mein Vater arbeitete nicht dort, sondern mitten im
Dorf, in einem alten schweren Steinhaus, das früher mal vielleicht ein
Hotel gewesen sein mochte. Die Walliser Kraftwerke waren eine eigene
Einheit der Lonza und hatten kaum etwas mit der Chemie zu tun. Ein-
oder zweimal im Jahr hatte mein Vater eine Sitzung in Basel, wo der
Hauptsitz der Lonza ist. Er war dann jeweils ein bisschen gespannt,
musste früher aufstehen, um in Brig den Morgenzug zu erwischen. Und
abends kam er heim und brachte den Nebelspalter mit, den er auf der
Fahrt gelesen hatte. Das war dasVergnügen von uns Kindern. Der
Nebelspalter war eine Zeitschrift voller Cartoons und Scherze, damals
noch von sehr guter Qualität. Man konnte diese Zeitschrift in den
Wartezimmern der Zahnärzte finden. Dort aber machte sie weniger Spass,
weil man ja doch den Schmerz und die Unannehmlichkeiten der Behandlung
vor sich hatte.
 
Ja, immer, wenn ich so zurückdenke, kommen auch diese Lebensgefühle
auf, die ich damals hatte. Ich war wirklich zufrieden und fühlte mich
zuhause. In Visp oder Brig kannte ich viele junge Leute, viele nicht
näher, eher so vom Sehen her. Jede Person, die man sah oder traf,
konnte man orten. Man wusste, aus welcher Familie sie kam, wo sie
wohnte und wie die privaten Umstände waren. Alles war irgendwie
übersichtlich. Die Schule lief gut. Die Lehrer wussten, was sie von
mir erwarten konnten. Und wenn die Leistung mal kriselte, drückten sie
ein Auge zu. Der Alltag ging regelmässig voran. Ab und zu hatten wir
Jungen ein Fest, eine Einladung, ein Musikfest vielleicht, was etwas
Aufregung in die katholische Kontemplation brachte. Das Oberwallis -
man sieht das, wenn man von den Bergen herunterschaut - ist wie ein
grosses Zimmer, geschützt und abgeschlossen gegenüber dem Rest der
Welt. Und in jenem Alter, so gegen das Abitur hin, fühlten wir Jungen
uns alle auch sehr gescheit und hatten den Eindruck, wir hätten den
Durchblick wo immer er nötig sein sollte. Die Schule schürte dieses
Gefühl, sprach von uns als von der kommenden geistigen Elite. Ja, es
war alles ziemlich kleinkariert und heimelig.
 
Lustig, da kommt mir ein merkwürdiges Ereignis in den Sinn. Ich war
frisch am Kollegium, vielleicht 14 Tage oder so. Ich fühlte mich dort
noch sehr fremd in diesen alten Gebäuden mit den Lehrern in Soutanen.
Da gab es an einem Mittwochnachmittag für die ganze Schule eine
Kinovorstellung im Stadtkino Brig. Es waren eine Unmenge Schüler,
grosse und kleine, die dort vor dem Eingang warteten. Und die paar
wenigen Lehrer hatten Mühe, die Übersicht zu behalten und ihre
Schäflein zu dirigieren. Jedenfalls sassen wir schliesslich in diesem
alten, etwas unterkühlten Kino und starrten auf eine flimmerne
Riesenleinwand. Der Film hiess 'Moses', oder 'die 10 Gebote' oder so
ähnlich. Ich verstand das alles kaum. Wie konnte man an einem
gewöhnlichen Wochentag einfach so in ein dunkles, leicht vergammeltes
Kino sitzen? Ich konnte mich auch nicht wirklich auf den Film
konzentrieren, denn rundum war soviel Unruhe und Getue. Und alles war
ein bisschen ärmlich und schmutzig und improvisiert. Ja, ich hatte
wirklich den Eindruck, ich wäre in dieser Schule in einen falschen
Film geraten.
 
Ich glaube nicht, dass meine Töchter je solche oder ähnliche Gefühle
in der Mittelschule hatten. Hier in L. gab es ein modernes helles
Schulgebäude. Und die Lehrer, Männer und ebensoviele Frauen, sind
moderne aufgeschlossene Leute ungefähr von dieser Welt.
 
Ja, lustig, diese Erinnerungen. Man könnte darüber Filme drehen. Und
sie würden pittoresk und romantisch wirken ungefähr so wie alte
italienische Heimatfilme.
 
Ich wünsche dir ein gutes Wochenende. Hast du eine Einladung? Lässt du
dich einladen? Du musst doch auch ein bisschen tun, was deine Seele
braucht. Das wünsche ich dir wenigstens.
Liebe Gs und Ks

Alt ....... meisterlich

Re: Alt .... meisterlich
25 September 2007 14:25
 
Hey du Marlenchen,
junges Ding, wie kannst du dich fühlen wie dieses verwunschene und verrottete Velo? Nein, sowas darfst du nicht sagen. Das ist schlecht und schlimm.
 
Er ist schön, der Wald, nicht wahr? B sieht immer soviele Dinge, Schmetterlinge, Vögel und auch ihr Pfeifen, Beeren, Pilze, besondere Blätterformationen, Holzstrukturen, Windspuren etc. etc.. Ach, es gibt wirklich immer etwas Interessantes, was sie zur Kenntnis nimmt, oft als Inspiration für ihre Bilder verwenden möchte.
Ein altes Velo ist natürlich auch inspirierend. In der Ausstellung, die ich am Wochenende gesehen habe, gab es Installationen mit durchaus alten Materalien: Holz, Metall, schön farbig und leuchtend gestrichen. Mich überfiel die Lust, auch so zu basteln. Man kann aus vielen Dingen schöne, dekorative Objekte machen. Die Künstler haben bloss auch noch den Mut, das Ganze teuer zu verkaufen.

Ich sitze im Büro und pflege meine nachmittägliche Müdigkeit, so dass ich schon beinahe einschlafen könnte. Mit Ach und krach kann ich mich noch halten. Aber es fehlt nicht viel. Ich sehe hinüber ins Café. Da sitzt eine Freu im roten T-Shirt und diskutiert heftig gestikulierend mit ihrem Gegenüber, was ich nicht mehr sehe. Nur die Hand, die mit der Zigarette zum Aschenbecher führt, sehe ich ab und zu. Ist er ein Mann? Die Hand ist kräftig, könnte sein.
---
Du hast ein gutes Herz, dich mit diesen Menschen abzugeben.
Ich gratuliere dir dafür
Liebe Ges und Kas
...

...




25 September 2007 14:09

Schau, ...,

ich habe ein Bild gefunden, das ziemlich gut illustriert wie ich mich fühle.

Wünsche dir einen feinen Tag. Hier regnet es.

Mit lieben Gs und Ks
Malou

Donnerstag, 8. November 2012

Blick durchs Fenster

 
 
"November singt in mir sein graues Lied"

 
 

Dienstag, 6. November 2012

globalisierfähig?



Ja, das verstehe ich, dass die Schweden die Vorgänge in der Türkei mit
besonderer Aufmerksamkeit betrachten. Schliesslich bleibt das
Weltgewissen nur wach, wenn man ihm auch Nahrung gibt. Ich selbst bin
der Meinung, dass wir im Westen die Welt ziemlich eurozentrisch ansehen.
Ob die Demokratie in unserem Sinne globalisierfähig ist, ist noch zu fragen,
ob die Menschenrechte es sind, ebenso. Wahrscheinlich ist auch die
Globalisierung europäischen Zivilisationsstandardes nicht wünscheswert.
Stell Dir vor, die ganze Welt fährt mit sovielen Autos herum, wie wir das
bisher getan haben. Das würde uns alle in den Tod bringen. So dürfen wir
doch nicht davon ausgehen, dass unsere Anschauungsweisen absolut richtig
sind. Das stimmt einfach nicht.
Was mich betrifft, so erwarte ich nicht eine Europäisierung der Türkei. Das
wäre doch auch schade. Stell Dir diese fantastisch schöne Stadt Istambul
vor! Soll man sie auch noch mit diesem westlich-amerikanischen Einerlei
bedecken und verschandeln? Kürzlich habe ich ein Interview mit einem
jungen türkischen Schriftsteller im Fernsehen gesehen. Und im Hintergrund
hat man auf diese Stadt hinuntergesehen. Ich bin geradezu neidisch
geworden, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die an einem solch
schönen und ausgezeichneten Ort leben können, während wir hier ja auch
nicht schlecht leben, aber doch nicht diese fantastische Kulisse haben. Es
gibt doch diese alte Theorie, wonach Klima und Landschaft die Einwohner
und Menschen prägt.
Ich finde nicht, dass wir Bauern hier oben auf den Alpen vom lieben Gott
allzusehr verwöhnt worden sind. Natürlich haben auch Alpen ihren Reiz.
Und es gibt Menschen aus aller Welt, die herkommen, um sie sich
anzusehen. Aber schau, wie die Alpen hier die Menschen geprägt haben.
Sie sind wortkarg, hart, eckig, praktisch, sparsam bis geizig, selbstbezogen,
misstrauisch und vieles mehr. Na ja, vielleicht gibt es neben mir noch ein
oder zwei Ausnahmen ;--).
*
Ich muss wieder an die Arbeit. S hat mir ein feines Abendessen
versprochen. Und so sollte ich mich nicht verspäten.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Wenn Du ein Glas Wein findest, stossen
wir zusammen an.
Mit einem lieben Gruss
...

6. November


Ämne: 6. Nov. 02
Datum: den 6 november 2002 15:34



Liebe Marlena
Vielen lieben Dank für die Gratulationen zu meinem Wiegenfest. Es ist
wunderschön, wenn man aus aller Welt Glückwunschtelegramme und
Gratulationen erhält. Das gibt mir so ein Feeling, wie es vielleicht auch
Gorbatschow oder Clinton haben, wenn ihnen gratuliert wird, und wenn
CNN ein paar Sekunden in die ganze Welt verschleudert.

Es ist ein schöner, milder Herbsttag heute, und ich bin mehr als zufrieden
mit Petrus, dem Verantwortlichen für Wetter und ähnliche Dinge, dort oben.
Nachdem es in den letzten Tagen so sehr geschüttet hat, ist jetzt genug. Vor
meinem Fenster hängen immer noch drei Fahnen. Sie wurden zur Eröffnung
der Busstation unten vor unserem Eingang aufgehängt. Und man bat uns
damals, sie wieder hereinzunehmen, wenn sie dann trocken wären. Das
Festlein ist jetzt 14 Tage her. Und seither - ich schwöre es - sind sie noch nie
wirklich trocken geworden. Ich muss allerdings sagen, dass die Situation für
Flaggen hier etwas merkwürdig ist. Der Platz vor unserem Haus und die
aerodynamischen Verhältnisse sind so abwegig, dass diese bunten Tücher
mehr nach oben denn nach unten flattern. Und so drehen sie sich ständig um
die Stange, verwickeln sich unbändig mit sich selbst und trocknen natürlich
so mehr als langsam. Ich gebe ihnen jetzt noch bis Ende Woche, dann werde
ich sie feierlich hereinnehmen. Heute lasse ich sie wegen meinem Geburtstag
hängen.
*
Ja, das verstehe ich ...

Montag, 5. November 2012

Leider ...


... nur ein Traum


Ich habe endlich die Tulpenzwiebeln in die Erde gesteckt. Nicht
genügend tief glaube ich. Aber es wird sowieso nur Futter für unser
neues Haustier, das Reh. Gestern ist es wieder vorbeispaziert, diesmal
schon mit dem Winterpelz. Es wohnt nicht so weit weg, wie du glaubst..
dort drüben im Wald. Oft sieht man seine Ohren nur ein paar Meter von
unserem Garten entfernt aus dem Gras hervorstecken. Es schläft
scheinbar dort.
Es ist merkwürdig wie man so zentral und doch so ländlich leben kann.
Unsere Bekannten beneiden uns sehr um die Lage des Hauses.

Samstag, 3. November 2012

Sacro Monte di Domodossola






Und das ist Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.


Rilke