Donnerstag, 31. März 2011

Grösse X Länge = Volumen

Grösse X Länge = Volumen
den 1 april 2000 11:08

Liebe Marlena,
Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du
bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein
bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich
enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen.
Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich
schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht
an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehtst du, Marlena, mit 135
spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument
doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim
Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was
mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen
wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass'
Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel
herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich
zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch
vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!!
Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie
ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten
würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen sie sogar
Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines dieser
Nobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist
haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber
meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal
unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann
müsstest du dich nicht mehr genieren.
Das meine liebe Marlena, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz
sagen.
Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen Gruss
...

Mittwoch, 30. März 2011

Re: Vorabendprogramm .. (20:53)

Ämne: Re: Vorabendprogramm
Datum: den 9 september 2003 20:53

Lieber ...,

Gerade als ich mein Mail abgeschickt hatte, fand ich eins von dir in der Inbox. Wie ist das möglich? Ich meine, die Uhrzeit stimmt doch garnicht.

Und ich finde es lustig, denn gerade das, was du über NY sagst,  habe ich geahnt und auch in meinem Mail erwähnt. Ich habe befürchtet du würdest dich dort niederlassen können. ;-)

Bitte, mein lieber Mausfreund, mach mich nicht wieder krank. Du weisst Maladi ist nicht leicht zu ertragen.

Übrigens schreibe ich auch sehr schnell am PC. Ich imponiere immer damit auf meine Kollegen.  Jedenfalls versuche ich es.. ;-)

Danke nochmals für dein kleines "Abendmail". Solche mag ich besonders.. weiss nicht warum..
Nochmals liebe Grüsse,
Marlena

Ich wünsche du wärest jetzt hier..

Dienstag, 29. März 2011

Oh... (20:41)

Ämne: Oh..
Datum: den 9 september 2003 20:41

Lieber ...,

Eine solche Frage? Ich habe gestutzt als ich sie sah. Und du stellst sie so ganz ohne Bedenken - schwarz auf weiss. Man kann sie beim besten Willen nicht übersehen. Weisst du, diese Frage kommt mir öfters in den Sinn und ich versuche sie so schnell wie möglich beiseite zu schieben. Und nun willst du plötzlich, dass ich sie beantworten soll.

Wenn du sie vor drei Jahren gestellt hättest, wäre es vielleicht noch etwas leichter gewesen. Aber irgendwie wird man alt und klug und sieht ein, dass man zwar noch träumen kann, aber dass es dabei bleibt. So überspringe ich hier, diese Sorte von Träumen und gehe über zu einigen, die ich vielleicht doch verwirklichen kann.

Wenn ich aufhöre zu arbeiten, will ich wieder einmal in die Welt hinaus reisen. Ich denke vielleicht doch einmal Wien. Ich habe dort gute Freunde, die ich gern wiedersehen würde und ich weiss schon wo man sich günstig für ein paar Wochen einmieten kann ohne ruiniert zu werden. Und dann möchte ich in aller Ruhe eine Zeitlang Wienerin sein. Ich möchte die Stadt so kennenlernen wie ich einst Paris kennegelernt habe. Mit dem Herzen und nicht nur mit den Augen. Ich möchte in den Wiener Cafés sitzen und einen Schlagobers bestellen. Ja, Wien ist einer Meiner Träume, die ich verwirklichen möchte.

Und dann später auch Rom. Diese Stadt ist so gross und schön und ich habe fast ein bisschen Angst vor ihr, weil sie mich mein Leben lang gelockt hat. Und wenn ich einmal dorthin fahre, werde ich mir deine "Römerbriefe" herausssuchen und sie als Guide mitnehmen.

Ich musste noch einmal nachschaun wie du die Frage formuliert hast. Und nun wo ich sie genau lese, sehe ich noch mehr als vorhin.
"..dein grösster Traum im Leben, auf dessen Erfüllung du noch wartest..." Du weisst also, dass mein grösster Traum noch unerfüllt geblieben ist. Ach, chéri, du führst mich in Versuchung. Ich beantworte es vielleicht später einmal. Es ist ja auch wirklich keine JA/NEIN - frage. Wie würdest du selbst darauf antworten? Kannst du es?
*
Ja, es war schön, immer am frühen Morgen ein schönes langes Mail von dir zu erhalten, von dem man wusste, dass du es in Ruhe und ohne Stress schreiben konntest. Und es waren Abend-mails. Die sind eine Sorte für sich. Das konnte man sogar spüren. ;-)
*
Ach , es ist doch gut, wenn du das Nachher vergessen kannst. Wäre doch schlimm gewesen wenn du jeden Tag in NY an alle Arbeit gedacht hättest, die dort in L. liegen bleibt. Du bist ganz einfach ein Lebenskünstler. Ich hatte sogar manchmal den Verdacht, dass du es wie der bekannte Mathematikprofessor in Paris machen würdest. Er hat das akademische Leben verlassen und hat sich als Clochard unter die Brücken von Paris gelegt.
*
Du spielst also wirklich auch Golf? Ich dachte das war nur sowas womit Harro damals versuchte den Damen im Chat zu imponieren. *s* Schade, dass du es so weit hast zu Golfbahnen. Ich habe zehn Minuten mit dem Auto zu der einen und 20 Minuten zu zwei anderen. Das sind Golfbahnen mit 18 Löchern. G. ist übrigens ein eifriger Golfspieler. Ich werde mal die Frage an ihn stellen, die du mir als Witz geschickt hast. André wird wohl dabei vom Stuhl fallen..
Ich kenne auch einen Golfwitz. Fragt ein Kind die Mutter: Du Mutti, wann ist Pappa gestorben? Sagt die Mutter: Er ist nicht tot.. er hat angefangen Golf zu spielen.
*
Ich fühle mich heute Abend frei und zufrieden. Zufrieden, weil ich das Gras gemäht habe und einen Pflaumenkuchen für die Konferenz morgen gebacken habe. Ich bin wieder einmal dran. Jede sechste Woche. Dazwischen lässt man sich von den anderen mit allerlei Leckerheiten verwöhnen. Es ist gut diese kleinen informellen Treffen zu haben, denn man kann alle eventuellen Probleme ohne grosse Umstände lösen und es sieht auch gut aus auf dem Papier, dass man sich in den Fächern trifft und diskutiert. Der Direktor kann auch kommen, wenn er will. Aber ich denke er traut sich wohl kaum.. :-)
*
Im Moment läuft ein Naturfilm im Fernsehen über Elefanten. Diese Tiere haben mich schon immer fasziniert und als Kind wünschte ich mir sehnlich einen eigenen Elefanten zu haben. Einen, der auf mich aufpassen würde und mich lieben würde. Und immer noch kann ich mich nicht satt sehen an diesen Tieren. In Stockholm auf Skansen (das Freilichtsmuseum) durfte ich mal auf einem Elefanten reiten. :-)
*
Hattest du dich verschrieben in deinem Mail, wo du sagtest Ronda ist etwas für das VL? Sicher hast du gemeint RL, oder? Wie könnte es für das VL sein?

Und so komme ich zu meiner Frage, am Ende des Mails:
Warst du schon einmal mit einer Geliebten in Ronda?

Ich grüsse dich lieb und sende dir ein wenig von unserer sommerlichen Wärme, die wir immer noch geniessen.
S+K
Marlena

Vorabendprogramm .. (17:59)

den 9 september 2003 17:59
Vorabendprogramm

Liebe Marlena
Ausnahmsweise sitze ich wieder einmal zuhause am PC. Meine Kaffeetasse scheppert etwas, wenn ich auf die Tasten hacke. Weißt Du eigentlich, dass ich ziemlich rasch schreibe, ungefähr so wie eine mittelgeschickte Sekretärin. Das habe ich damals im Gymnasium gelernt, als mich der Klassenlehrer beauftragte, seine Lektionen zuhause nachzuschreiben und ihm abzuliefern. Das habe ich dann auch regelmässig gemacht und mir Mühe gegeben, wenig Fehler zu machen. Und ich bin ihm noch heute dankbar, dass er uns einen Schreibmaschinenkurs organisiert hatte. Wir waren die einzige Klasse, die in einen solchen Genuss gekommen war. Und schliesslich habe ich dann ja auch meine Doktorarbeit selbst geschrieben, mit dem Effekt, eine kleine Entzündung im Handgelenk zu haben. Ich hatte damals erstmals auf einer elektrischen Maschine geschrieben. S. hatte sie aus dem Büro heimgebracht. Und man musste höllisch aufpassen, dass man nicht unwillentlich eine Taste berührte, denn dabei ging sie schon los, ganz im Gegensatz zu einer in einer mechanischen Maschine, die man noch richtig traktieren musste, bis sie zu schreiben geruhte. Und diese Steifigkeit, die das bedingte, führte dann wohl zur Entzündung.
*
Ich hoffe, Du lachst mich nicht aus, wenn ich Dir beichte, dass ich ein bisschen Sehnsucht nach NY habe. Natürlich ist es nicht nur die Stadt, sondern auch die freie Zeit, die Möglichkeit des Vagabundierens, jeden Moment tun Könnens, was man will. Aber es ist auch die Stadt. Ich habe den Eindruck, NY sei eine sympathische Stadt. Und – Du erinnerst Dich – das hatte ich vorher nie im Leben geglaubt. Ich habe mich wohl ein bisschen verliebt. Nicht, dass ich jetzt Paris oder Rom gering schätzen würde. Das nun sicher nicht. Aber NY ist eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu diesen bejahrten, eleganten Damen des alten Europa. Ist das nicht merkwürdig. Ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr überraschen lassen. Meine Sympathie geht sogar so weit, dass ich denke, man müsste den armen Amis wirklich im Irak etwas unter die Arme greifen. Stell Dir vor!
*
Und jetzt muss ich hinüber, um einige kleine Dinge in Ordnung zu bringen. Es wird langsam kühl dort drüben. Und bald werde ich es nicht mehr aushalten, ohne zu heizen. Deshalb noch heute!

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Abend nach einem erfreulichen Tag.

Mit Liebe
...

Stockwerk in die Höhe ... (06:44)

den 9 september 2003 06:44
Stockwerk in die Höhe

Liebe Marlena
Ach, Du gibst mir wirklich Fragen zum Anbeissen! Golf gespielt? Klar habe ich Golf gespielt. Und ich war sogar ziemlich gut. Ich spielte lange, und spiele manchmal heute noch mit dem Gedanken, mit Golf anzufangen. Allerdings ist der Sport bei uns recht teuer. Wir haben nicht soviel Platz in der Schweiz, so haben sich einige Clubs jenseits der Grenze in Frankreich oder in Deutschland entwickelt. Aber die Anreise dauert mindestens eine Stunde. Und die Einkaufpreise sind hoch.
Diese Bedingungen bedeuten, dass man mindestens einen halben Tag für eine Partie reservieren müsste. Und wann hätte ich schon Zeit? Vielleicht am Samstag, wenn schon alle dort sitzen und in einer Reihe warten, bis sie starten können? Ich bin eben leider nicht der Chef einer kleinen Firma, wie viele meiner Kollegen im Club, die während der Woche sich das Wetter und den Tag aussuchen können. Du siehst, ich habe an diesem Thema bereits gelitten. S. hatte mir auch einmal zum Geburtstag 10 Lektionen geschenkt, die ich dann aber, aus diesen Ueberlegungen, nie konsumiert hatte. Und im Club, wo noch vor 10 Jahren alle Tennis gespielt hatten, spielen heute die meisten Golf. Ich bin ein bisschen im Rückstand ;--)
Und ich tröste mich mit der Frage, die man hier gelegentlich hört, und die sehr sarkastisch klingt: 'Sind Sie noch sexuell aktiv, oder spielen Sie schon Golf?'
*
Ja, wir können die Wolken pink malen, oder auch violett, wie diese Kuh der Milka-Schokolade, die ich immer fürchterlich gefunden habe. Aber die Architektur ist wirklich zweitrangig. Die Mauern sollten sich bekanntlich danach richten, was im Raum gemacht und gelebt wird. Deshalb warten wir noch damit. Ich hatte kürzlich einen kurzen Dokumentarfilm über den Architekten Liebeskind am TV gesehen. Und er hatte mir bestätigt, dass es noch Architekten gibt, wie ich es ursprünglich gerne geworden wäre. Liebeskind hat das neue World Trade Center in NY geplant, und auch in Berlin das jüdische Museum gebaut. Er ist ein begeisterter Mensch und hat nach dem Architekturstudium noch Philosophie und Soziologie studiert. Genauso hätte ich es auch gesehen, meine Ausbildung zum Architekten. Es ist doch eher ein sozialwissenschaftlicher als ein technischer Beruf, war immer meine Meinung. Aber an der ETH hat sich die Ausbildung eher nach den technischen Erfordernissen gerichtet. Und das hatte mich nicht sonderlich interessiert.
*
Für das Mail am Morgen war die Zeitverschiebung zwischen Europa und USA nicht schlecht, nicht wahr? Und natürlich auch die Tatsache, dass ich viel Zeit hatte. Wenn B nicht am Computer war, konnte ich dort stundenlang sitzen und meine Mails eintippen. Das kann ich leider hier weniger. Heute ist es ein schöner Zufall. Ich bin früh aufgewacht, weil ich schon um 545h aufstehen wollte. Ich muss schon nach 07.00h in Basel sein. Und weil ich noch ein bisschen früher aufgewacht bin, habe ich jetzt Zeit, Dir zu schreiben.
*
In der Schweiz beginnt die Jagdsaison. Ein alter Schulkollege, jener aus Raron, ist auch Jäger. Und Golfspieler dazu, wie mir gerade einfällt. Die Jäger sind eine ganz besondere Art Männer. Ich weiss nicht, ob sie auch singen. Aber sie fühlen einen archaischen Drang, vor allem in den Bergen den Gemsen und dem Wild nachzustellen, um sie zu erlegen. Es ist nicht der Braten, der sie lockt. Es ist wirklich diese alte Mission des Mannes, hinauszugehen, um sich in gefährlichen Situationen zu bewähren. Na ja, so gefährlich sind sie eigentlich nicht mehr. Aber sie haben noch diese Atmosphäre. Im Wallis und im Kanton Graubünden sind die Männer jeweils zu diesen Jahreszeiten völlig aus dem Häuschen. Ich sollte meinen Freund mal fragen, wie das genau vor sich geht.
*
Du redest von einem Dachstock. Das war nie mein Begriff, meine Liebe. Und Du bringst immer wieder architektonische Vorstellungen ins Spiel, die unseren Lebensraum begrenzen. Meine Idee war es, neue Möglichkeiten, nicht neue Grenzen zu schaffen. Der Begriff STock betraf nur die Idee eines neuen und höheren Niveaus. Das ist alles. Ich habe niemals in meinem Leben an ein Dach gedacht. Ich habe nie an Mauern gedacht. Mit dem Panoramafenster konnte ich mich gut anfreunden. Und mit der losen Möblierung auch. Aber ich möchte das alles nicht zu schwer, sondern sehr luftig und offen und bereit für alle Arten von verrückten Aktionen. Ich bin eben manchmal so weltfremd, dass ich nicht an den nächsten Regen denken will.
Da kommt mir etwas in den Sinn, das mir im Leben immer wieder unterläuft. Es gibt oft Situationen, auf die ich mich sosehr freue, dass ich die Zeit danach völlig vergesse. Es kann sein, dass ich sehnlichst auf ein Wochenende warte, dass mein Unbewusstes sozusagen meint, die Zeit würde damit stillstehen. Es gäbe kein Nachher. Und dann bin ich ein bisschen erstaunt und enttäuscht, wenn der nächste Montag kommt. Bei meinem NY Aufenthalt war es ein bisschen ähnlich. Ich habe viel meiner Energie darauf gesetzt. Und jetzt sitze ich hier in der Tinte, und muss die Dinge tun, die ich damals hinausgeschoben hatte. Ist das nicht ein sehr kindlicher Zug, nicht wahr? Diese meine Neigung hatte mich immer wieder gestört im Leben, und ich wollte es ändern. Aber ich war nicht in der Lage. Es ist noch heute so. Ich meine, es ist eine Art Romantik, die eben nach Ronda führt. Man unternimmt eine verrückte Aktion und überlegt sich nicht, was nachher kommt. Du siehst, ich bin ein bisschen verrückt!!
*

Frage: Welches ist Dein grösster Traum in Deinem Leben, auf dessen Erfüllung Du noch wartest?
*
Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag, von dem Du erstaunt bist, was er Dir alles geschenkt hat.
Mit lieben Grüssen
...

Montag, 28. März 2011

Haus ohne Wände.. (17:43)

Ämne: Haus ohne Wände..
Datum: den 8 september 2003 17:43

Lieber ...,
"Die Direktion will sparen". Diese Worte kennen wir nur allzu gut. Und zur Zeit würde man hier gern alles abbauen, ausser die Hierarchie, die ihre übergreifende Funktion in der Gegend herumträgt. Und uns bürdet man immer mehr Arbeit auf, sodass es bald niemand mehr gibt, der es bis zur Pensionierung aushält. Sag, gibt es bei euch nicht die Möglichkeit, seine Arbeitszeit zu reduzieren - natürlich mit weniger Einkommen. Bei uns arbeiten ziemlich viele nur so 75 % die letzten Jahre. Früher verlor man als Lehrer kaum an Einkommen dabei. Es gab da ein günstiges Übereinkommen aber auch das hat man geändert.
*
Es freut mich, dass ich dir das Aufstehen am Morgen leichter mache. Ich gehe auch an die Arbeit mit leichteren Schritten, wenn ich ein Mail von dir gelesen habe. Und ich freue mich auf den Augenblick, wenn ich Zeit finde es zu beantworten.
*
Lustig, heute Nacht habe ich von dem Film "the Hours" geträumt. Ich befand mich mitten drin und auch auf der schönen Strasse, die man dort anfangs sieht. Vielleicht war es nicht so komisch, denn Anna hat mir gestern Abend gesagt, dass sie sich heute diesen Film ansehen wird. Das arme Kind hat Vorlesungen gehabt von 8.00 bis 17.00 Uhr. Und schwere Dinge, die viel Konzentration verlangen.
*
Männer die singen sind eine Sorte für sich. Ich hätte nichts dagegen wenn Anna einen Freund finden würde, der in einem Chor singt. Zwischen uns gesagt: Solche Männer kommen mir in der Tat vertrauenswürdig vor. Und es überrascht mich, dass du das auch sagst.
*
Ich bin etwas erkältet. Habe einen schlimmen Husten und nun werde ich gleich in die Küche gehen und mir einen heissen Tee machen. Dann werde ich noch die Arbeit machen, die ich am Tag hätte machen können. Es ist nur routinearbeit. Man kann sich ruhig dabei ein Fernsehprogram ansehen.
*
Also keine Waschmaschine? Nein, natürlich überlassen wir diese Art von Dingen ganz dem RL. Und im VL brauchen wir ja auch keine Wände. Sie würden nur deinen neuen Freiheitsdrang behindern. Du bist der Architekt. Ich verlasse mich ganz auf dich. Und diese gewagte postmoderne Farbe, die du dafür wählen möchtest? Streichen wir die Wolken damit?

Ich denke, ich habe genug geschrieben für diesmal. So sende ich dir nur noch schnell diesen Abendgruss und beginne sofort auf dich zu warten.
U+K+S,
Marlena

Hast du jemals Golf gespielt?

ein Blinzeln bloss ... (16:04)

den 8 september 2003 16:04
Ein Blinzeln bloss ...

Liebe Marlena
Ach, ich glaube, Du willst mir wirklich zeigen, dass Du im Schuss bist. Ich bin das gar nicht im Moment, das heisst, ich habe viele Dinge hier um die Ohren. Die Direktion will sparen, und wir müssen uns überlegen wie.
Und schon kommt eine zweite Frage, wo ich doch die erste noch kaum beantwortet habe.
*
Du hast recht. Am Morgen ein Mail zu schreiben, ist nicht so leicht. Wenn ich ins Büro komme, sehe ich all
das, was getan sein sollte. Aber andererseits führt es auch manchmal dazu, dass Du mein erster Gedanke morgens bist, der mich überhaupt aus den Decken hievt. Die Neugierde, von Dir zu hören, bringt mich doch etwas in Bewegung morgens. Und das ist schon etwas.
*
Wer redet denn von einer Dachwohnung? Ich habe gedacht, ein neues Stockwerk. Und das ist irgendwie allgemein gedacht. Eine neue ART, die alle Arten darunter miteinschliesst und daraus etwas neues macht. Du denkst wohl schon an die Abwaschmaschine?? Nein. Aber Deine Stichwörter 'luftig', 'Panoramafenster' und 'sprarsam möbliert' waren gut. Aber ich habe nie Wände rundum gesehen. Ich habe das ganze Unternehmen als sehr luftig und sonnig angeschaut. Und Du willst jetzt einziehen?

Dein Fragespiel ist schon neuer Stock, finde ich. Es ist eine gute Idee und stimuliert unsere Mailerei. Vielleicht ist meine Antwort auf die Frage etwas umständlich und weitgreifend. Aber es ist irgendwie eine Antwort auf die Frage, ob ich denn ein Instrument spiele. Aber mich als einen Sänger habe ich nie bezeichnet, bitteschön, auch wenn Du darauf schwach würdest. Aber ich mag irgendwie auch Männer die singen. Man kann ihnen vertrauen, nicht wahr?

Ich muss leider aufhören. Sie kommen gleich an meinen Komputer und wollen etwas installieren.
Ich wünsche Dir einen schönen Abend. Du bist beneidenswert, mit deinem lockeren Montag. Bei mir ist er immer tonnenschwer.
Liebe Gruesse und Kuesse
...

Nur ein Lächeln lang.. (15:13)

Ämne: Nur ein Lächeln lang..
Datum: den 8 september 2003 15:13

Lieber ...,
Ich dachte mir schon beim Absenden meines Mailes gestern, dass man ein solches Mail nicht eigentlich am frühen Morgen, noch vor der Arbeit beantworten kann. Dann hat man den Kopf voll von wichtigen Angelegenheiten, die darauf warten gemacht zu werden und es ist nicht der richtige Moment für Spielereien. So warte ich eben noch auf eine günstigere Gelegenheit, dann wenn du dich zufrieden zurücklehnst und dein Feierabend beginnt. Was für ein schönes Wort eigentlich, dieses "Feierabend". Das gibt es nicht in unserer Sprache.
Ich habe Montags nicht viel Stunden und doch bin ich heute sehr müde. Vielleicht kommt die Müdigkeit davon, dass ich die vorvorige Nacht fast nicht geschlafen habe. Weiss eigentlich nicht warum. Ich war nur klarwach und habe gesehen wie sich die Uhrzeit auf meinem Weckerradio beunruhigend schnell geändert hat.
Åke ist schon zu Mittag zu einem Begräbnis gefahren. Der verstorbene war ein früherer Kollege von uns mit dem er in jüngeren Jahren gut befreundet war. Damals wohnte er noch hier und nun ist er, kurz nach seiner Pensionierung, gestorben. Man wird allzu oft an seine Sterblichkeit erinnert.
*
Es ist noch herrlich warm draussen. Wie ein richtig schöner Hochsommertag. Bei dir ist es fast 10 Grad kälter als hier. So solltest du eigentlich nicht von dem kalten Norden sprechen, wie du es manchmal tust.

Ich weiss nicht was ich von dieser Dachwohnung eigentlich halten soll. Manchmal sehne ich mich zurück in den Turm mit seinen meterdicken Wänden. Und die einfache Pritsche, die so sehr geknarrt hat, weil du nicht still liegen konntest.. ;-)
Dort möchte ich dich manchmal wieder einsammeln.. d.h. alle Teile von dir, die du in der Welt verstreust wieder zu einem ganzen machen. Verstehst du das? ... und dich besitzen, nur ein Lächeln lang..

Ja, das möchte ich.

Ich grüsse dich nochmals lieb,
mit viel S,
Marlena

Re: momo .. (10:08)

Ämne: Re:momo
Datum: den 8 september 2003 10:08

Lieber ...,
Oh, du bist schlau. Und du bist geizig mit ALLEM und verteilst es nur, wenn man zu deinen momentanen Erwartungen auflebt. Wenn man deiner Meinung nach "in Schuss" ist. Ich könnte deine Frage, was für mich ALLES ist, sehr gut beantworten. Aber du bist wirklich zuerst dran.

Und dann lässt du mich noch frieren in einem Stockwerk ohne Dach und Wände. Was hast du für sadistische Veranlagung, von der ich bisher nichts gewusst habe?
*
Du denkst ich bin sehr häuslich weil ich schon wieder diese Lingon gepflückt habe. Aber ich kann dir sagen, ich war in guter Gesellschaft. Heute werfen die grossen Tageszeitungen unserem Göran Persson vor, dass er am Wochenende über dem Lingonpflücken seine Aufgabe versäumt hat für ein Euro-Ja zu propagieren. ;-) Hier der Beweis:   http://www.aftonbladet.se/vss/nyheter/story/0,2789,357478,00.html
*
Es freut mich dass du auch eine schöne Singstimme hast. Ich war schon immer besonders schwach für Männer, die auch singen können. *s*

Also, mein lieber Mausfreund. Ich retourniere hiermit deine Frage und hoffe, dass du sie bald beantworten wirst.

Meine nächste ja/nein Frage:
Weisst du dass ich schon beim Aufstehen an dich denke?

Mit lieben Grüssen
Marlena

Montag Morgen .. (08:41)

den 8 september 2003 08:41
Re:momo

Liebe Marlena

Nein, ich spiele kein Intrument. Aber die Frage ist raffiniert, weil sie bei mir eine ganze Menge Antworten auslöst. Als Kind habe ich mal Flöte gespielt, wie Du Dir vorstellen kannst, diese kleine Blockflöte. Mit meinem Bruder zusammen und zwei Mädchen von Visp hatten wir wöchtentlich unsere Flötenstunde. Ich glaube, mein Bruder war etwas geschickter in der Fingerfertigkeit. Auf jeden Fall konnte er gewisse Stücke so schnell, dass ich kaum nachkam. Und als älterer sollte ich diese dinge doch besser beherrschen.

Unser Lehrer in Visp war sehr musikalisch. Und er machte sich eine Ehre daraus, ein kleines Blasorchester zu dirigieren. Damals gab es noch keine Fotokopierer. So kopierte er die Noten von Hand, und man bekam sie dann für eine Woche, um sie zu lernen. Ich hatte wenig Interesse an dieser Zusatzarbeit und übte kaum. Es war eine sehr unangenehme Sache, zu den Proben zu gehen, ohne auch nur irgend eine Ahnung von der Musik zu haben. Ich weiss nicht, wie lange die Qual dauerte, aber ich mochte sie überhaupt nicht. Und als ich diesem Lehrer vor ein paar Jahren erzählt hatte, dass ich diesen Musikdrill überhaupt nicht geschätzt, ja eher gehasst habe, tat er sehr erstaunt. Er konnte es kaum begreifen, dass jemand auf seine gutgemeinte Intitiative so reagieren würde.

Im Gymnasium wählte mich der Singlehrer, wegen meiner Stimme offenbar, in den grossen Chor. Er hatte damals die Idee, eine Art Chor zu pflegen wie jener der Wiener Sängerknaben. Immer wieder wurden uns diese Buben aus Wien, oder auch die Regensburger Domspatzen als Vorbild hingestellt. Auch hier schätzte ich nicht besonders, dass man neben der Schule noch zusätzlich in diese Singproben gehen musste. Aber es war erträglicher, weil dahinter nicht wirklich ein Leistungsstress lag. Wir hatten ab und zu Konzerte mit diesem Chor, etwa anlässlich des Studententheaters, oder sonst an speziellen Gelegenheiten. Und die Bevölkerung liebte uns sehr. Ich erinnere mich, wie wir den Wiener Walzer "Gold und Silber" sangen. Das Publikum war so begeistert, dass unser Lehrer, den wir nach der hübschen Brigitte Bardot 'BB' nannten, nicht umhin kam, zwei Zugaben zu machen. Auf unsere Kosten natürlich!

Der Chor war das Ende meiner musikalischen Karriere. Ich habe dann wieder mit meinen kleinen Töchtern Flöte gespielt, anfangs, als sie bald in die Schule gingen. Na ja, kleine Weihnachtsstücke oder sonst bei familiären Gelegenheiten. Aber A. war bald viel gewandter und schneller, so dass ich meine Bemühungen bald aufgeben konnte. Und so bin ich allmählich zu einem passiven Musikhörer geworden. Ich hatte zwar vor einigen Jahren etwas Lust gehabt, Klarinette spielen zu lernen. Ich mag den Klang dieses Instrumentes. Man kann damit wirklich melancholische Weisen spielen. Aber die Zeit hätte nicht gereicht, genügend zu üben. Und so habe ich es gelassen.

Kurz und gut, meine Antwort ist NEIN: In Visp gab es damals einen Orchesterverein. Und diese Leute haben für das Winterhalbjahr oft Konzerte eingeübt und dann vor Publikum gespielt. Und eine zeitlang bin ich da jeweils sonntags abend hingegangen. Aber ich muss gestehen, es war weniger wegen der blossen Musik als wegen des Publikums. Einer meiner Freunde war regelmässig da. Und auch einige Mädchen, deren Anblick ich nicht vermissen wollte, waren zu sehen und trugen meist etwas elegantere Sonntagskleider, als man sonst zu sehen gewohnt war. Es war ein sublimes und sauberes Sonntagabendgefühl, das ich dort suchte. Und sonst gab es kaum Unterhaltung: kein Fernsehen, wenig Bücher, kaum ein guter Kinofilm. Ich glaube, das war es, der Wunsch nach einer besonders feinen und erhabenen Stimmung, um den Sonntag abzuschliessen.

Ich habe immer bedauert, dass ich nichts spiele, vor allem, als unsere Kinder dann Klavier und Querflöte zu spielen begannen. Es ist schwer, die Jungmannschaft zum Ueben anzuhalten, und ich habe gedacht, es wäre schöner, zuhause ein kleines Hausorchester zu haben, wo alle mitspielen können. S. hat eine zeitlang in einem Chor mit gesungen, um unsere europäische Musik kennenzulernen. In Persien klingt das ja ganz anders. Die traditionelle Musik erscheint uns so, als ob die Sänger weinen würden.

*

Eigentlich habe ich ein gutes Gefühl dafür, wo meine Mails Fragen und Fragezeichen hinterlassen könnten und würden. Wenn ich sage, wirklich ALLES, was Du von mir haben könntest, dann ist das eine solche Stelle. Ich hatte mir, noch während ich schrieb, gedacht, dass Marlena näher danach fragen würde. Es ist ja auch ziemlich unklar. Alles ist eben alles, das ist nicht näher definiert. Und um die Unklarheit noch unklarer, dh. eigentlich scheinbar klarer zu machen, habe ich beigefügt 'wenn du weisst, was ich meine'. Kurz und gut, ich muss Dich fragen, was wäre denn für Dich "Alles". Vielleicht allen Besitz, allen Reichtum, alle Gefühle? Oder bloss alles, was in der Situation da ist? Vielleicht den Rest des Dôle, der noch in der Flasche ist? Ja klar, und dann müsstest Du dazu ja noch richtig 'im Schuss sein'. Was meint denn das nun wieder? Wann bist Du im Schuss, und wann würde ich das als 'im Schuss sein' bezeichnen? Ich glaube, wir sollten dieses Gegengeschäft "alles gegen Schuss" mal ausprobieren. Aber was meint er nun damit wieder?

Nein, ich meine auch nicht, dass ich dasselbe mögen sollte, wie Du es magst. Aber manchmal lernt man neue Dinge kennen, wie man sie sonst niemals antreffen würde. Und das ist doch schön. Musik ist vielleicht nicht gerade meine grosse Leidenschaft. Aber ich glaube nicht, dass ich unmusikalisch bin. In den letzten Jahren höre ich gelegentlich Opernarien. Sie sind ja nun nicht besonders hohe Kunst, aber ich mag einige davon. Sie sind etwas süss, und manchmal etwas gewichtig. Aber ich höre Musik meist mit dem linken Ohr. Das heisst, ich tue was daneben. Ich kann kaum bloss dasitzen und zuhören. Das geht nicht.

Ich bin also gespannt auf unser neues Stockwerk. Ich kann Dir nicht sagen, wie es gebaut ist. Wir bauen es doch zusammen. Und du kannst sofort einziehen. Es gibt zwar noch kein DAch, noch keine Wände. Das tut aber nichts. Es ist da zum einziehen. Vielleicht ziehst Du Dich besser warm an dabei ;--)

Mit schönen und lieben Gruessen

Sonntag, 27. März 2011

PS- sonntag abend .. (22:02)

Ämne: PS- sonntag abend
Datum: den 7 september 2003 22:02

Ach, das war ein bisschen abrupt. Anna hat mir im ICQ mitgeteilt, dass sie ein paar grosse Files auf unserem PC hier lagern möchte während sie ihren PC umbaut. Und sie glaubte wohl dass sie mit mir in der Wartezeit konversieren müsse.. Ich hab ihr dann auch die Site mit dem Friedhof geschickt. Die Bilder sind einmalig schön - und ich habe sie gebeten auch ein wenig den Text zu lesen. Sie hat ja drei Jahre lang Deutsch gelernt in der Grundschule und sie versteht ziemlich gut. Ich versuche sie ab und zu dazuzubringen etwas auf deutsch zu lesen, damit sie es nicht so schnell vergisst.
*
Ich habe noch ein wenig Vorbereitungen zu tun für morgen. Ein paar französische Aufsätze muss ich korrigieren. Und dann habe ich immer noch nicht diese dumme "utvärdering" geschrieben. Ich habe vorhin einen herrlichen Pflaumenkuchen gebacken und werde wohl morgen etwas mitnehmen für die Herren in meinem Arbeitszimmer. Sie werden mich lieben dafür. ;-)
*
Ja, die Pflaumen sind gerade dabei reif zu werden. Leider kommen alle auf einmal. Es sind Victoriapflaumen. Gross und saftig sind sie und ich wünsche du wohntest in der Nähe. Ich würde dir gern davon anbieten.
Vorhin sah es wieder schrecklich aus unter dem Apfelbaum. Doch ich habe nur den Hörer gehoben und gesagt, es liegen wieder eine Menge Äpfel hier.. für die Elche. Nach ein paar Minuten war der Rasen schön sauber.. :-)
*
Es war bestimmt schön für dich Basel wiederzusehen und deine Arbeit hast du sicher nachher effektiver gemacht als ob du nicht gefahren wärest.
Interessant, dieser Austausch mit Prag, den ihr plant. Nun ja, was sie euch zu bieten haben? Ihre schöne Stadt natürlich. Und wenn du dorthin kommst musst du unbedingt in das riesige CD-geschäft gehen, wo ich war. Es gab ein Zimmer nach dem anderen. Jedes mit ihrer eigenen Musik gefüllt. Ich glaube dort konnte man alles finden und zu Preisen die weit unter den unseren liegen. Anna hat mir damals ein paar klassische Titel gemailt, die K haben wollte. Prag wird immer mit dir verknüpft sein. Und mit A., die ich verpasst habe. Ich glaube Prag wäre mir sehr lieb als Alternative zu Ronda.
*
Das was du über die Perser sagst, müsste man eigentlich allen sagen. Denn wer es nicht weiss, und nicht ihre Art kennt, wird sie falsch verstehen und als unehrlich auffassen. Du bist ein Glückspilz mit deinem Zugang zu verschiedenen Kulturen. Ich freue mich mit dir über deine geplante Reise nach Teheran. Man wird wohl wieder versuchen dich zu überreden dort zu bleiben. Ja, es würde mich freuen, wenn du mir ein paar Bilder zeigen könntest. Am liebsten natürlich mit dir drauf. Auch von NY muss es doch solche geben. Bitte, bitte..
*
Jetzt ist es wirklich schon spät.. drum sage ich dir gute Nacht.
Ich wünsche dir einen glücklichen Tag,
Marlena
PS Warum machen wir es nicht wie in dem Spiel, von dem du erzählt hast. Man stellt am Ende seines Mails eine Frage, die der andere mit Ja oder Nein beantworten muss. Es können alle Sorten von Fragen sein, wie z.B. "Liebst du mich?" oder "Isst du gern Tomaten?" Was einem gerade einfällt oder wonach einem zu Mute ist. Meine erste Frage: Spielst du ein Instrument?

Sonntag.. 20.25

Ämne: Sonntag..
Datum: den 7 september 2003 20:25

Lieber ..,
Endlich ist es soweit, dass ich dir in Ruhe schreiben kann. Es ist ein schönes Wochenende gewesen und ich habe wieder angefangen ein bisschen in die Natur hinaus zu gehen. Am Samstag waren wir im Wald Preiselbeeren pflücken. Jetzt sind sie schon ganz reif und man braucht sich überhaupt nicht anzustrengen. Es war herrlich dort im Wald. Die Sonne schien und die Luft war angenehm frisch. Ich habe an dich gedacht und mich gefragt wie ich dir sowas erzählen könnte, damit du es auch spürst. Aber es geht nicht. Und plötzlich wollte ich zu dem Augenblick sagen "..verweile doch, du bist so schön". Es passiert nicht oft, dass man das tut.
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Heute morgen teilte mir K mit, dass er einen kleinen Pilzspaziergang im Wald machen würde. Und ich dachte, wenn es schnell geht, dann schaffe ich es und bin mitgegangen. Es ist so ewig her dass ich auf diese Weise im Wald gewesen bin. Es ist auch ewig lange her dass K und ich etwas zusammen gemacht haben. Es war eine kleine Vorübung für kommende Zeiten, wenn K hier voll einziehen wird. Man muss sich auf diesen Tag ein wenig vorbereiten.. ;-)
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Du hast dich verändert nach NY. Vielleicht auch ich, denn es war schön dich eine zeitlang so nahe zu haben. Aber ich dachte immerzu, dass diese Reise eine Veränderung in deinem RL mit sich bringen sollte. Was sie ja auch getan hat, da du nun wieder Lust aufs Reisen bekommen hast. Ich habe nie gedacht, dass wir etwas in unserem VL ändern müssten. Irgendwo schreibst du "Ronda ist eine Sache fürs VL". Das hat mich etwas überrascht, weil ich immer dachte, dass Ronda weit auf der anderen Seite unserer §-grenze liegt. Und dass man aus dem VL ausbricht, wenn man nach Ronda fährt. Übrigens kann ich mir jederzeit über Ronda erzählen lassen von M., die in jüngeren Jahren dort Urlaub gemacht hat.
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Meine Reise nach Wien? Habe ich gesagt, dass ich nach Wien reisen werde? Ich fand nur dieses Buch so schön und möchte etwas mehr wissen über die Stadt. Ich kenne sie doch nur von Kind her und als Kind erlebt man eine Stadt ganz anders. Später als 17-jährige war ich ungefähr eine Woche dort mit meinen Eltern. Damals hat man uns die Stadt gezeigt und wir hatten die allerbesten Führer. Und meine Erinnerungen stammen besonders aus dieser Zeit.
Meine erste Auslandreise mit K ging auch nach Österreich. Wir wohnten in Salzburg, Innsbruck und Wien. Wenn ich Karl-Johanpilze esse muss ich übrigens immer an die Zeit in Innsbruck denken. Wir wohnten in einem kleinen Dorf oberhalb der Stadt und K, der sich so sehr für die Weltmeisterschaften in Fussball interessierte, wollte unbedingt fernsehen. So gingen wir nachmittags in ein Restaurant in der Nähe essen und bestellten immer wieder Steinpilze. Sie schmeckten himmlisch. Es gab nichts, was hätte besser sein können. Und abends beim Schlafengehen fanden wir unsere Kopfkissen ganz nass. Ein paar Wölklein hatten anscheinend einen kleinen Mittagschlaf darauf gemacht. :-)
Ach! W. mag den Zentralfriedhof so sehr? Ja, das kann ich verstehen. Schau dir mal diese Site an und die Bilder ganz unten darauf. Du musst sie ihm zeigen und er wird krank werden vor Nostalgie.
http://www.suf.at/wien/gebauede/zentralfriedh.htm
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Kann ich wirklich ALLES von dir haben, chéri? "... wenn du verstehst, was ich meine" schreibst du. Nein, ich verstehe es nicht. Möchtest du es mir erklären? Aber, wie du ja auch sagst, so gilt das nur "wenn ich in Schuss bin" und ich würde mich sicher anstrengen es zu sein, wenn ich wüsste wie du das meinst.

Nein, ich habe nie von dir Abschied nehmen wollen. Aber ich dachte, wenn du eine neue Liebe findest, dann wirst du ganz darin aufgehen und nicht mehr Zeit haben für mich. Und auch dann wirst du glücklich sein, genau wie du es  jetzt bist. Ich werde bei dir bleiben so lange du es wünschst. Das weisst du schon. Ich liebe dieses extra-leben mit dir so sehr, dass ich mir garnicht vorstellen kann wie es wäre ohne zu sein. Ich hoffe dir geht es genauso.
*
Hast du einen CD-spieler installiert dort oben? Wie heiss die CD, die du mal wegen mir geklaut hast? Hast du sie noch?
Weisst du, ich verlange doch garnicht von dir, dass du dasselbe mögen musst wie ich, was Musik betrifft. Du hast so viele andere Interessen. Ich glaube ohne K hätte ich auch einiges verpasst. Anfangs war ich etwas überrascht, wenn er seine moderne Musik spielte und ich dachte, vielleicht ist er in einem Alter wo er wieder jung sein möchte oder ist er in jemanden verliebt, der das mag. Aber auch ich habe begonnen sie zu geniessen. Du weisst doch, dass ich in jungen Jahren davon träumte Sängerin zu werden. Opernsängerin wollte die Erwachsenen, Schlagersängerin wollte ich selbst. ;-)) Es hat viele Jahre gedauert bevor ich diesen Traum aufgegeben habe.
Sag mir, welche Sänger du gern hörst ausser diejenigen die ich schon weiss. Aber nur wenn du willst. Wir haben so viel anderes worüber wir uns unterhalten können.
*
Erzähl mir von unserer Dachwohnung. Gibt es mehrere Zimmer? Ich möchte gern sobald wie möglich dort einziehen.

Anna braucht etwas Hilfe. Sie baut ihren PC um und will ein paar Files hier lagern für eine Weile.

Ich grüsse dich lieb,
Marlena

Spät - zu spät.. 22:08

Ämne: Spät - zu spät..
Datum: den 6 september 2003 22:08

Lieber...,
Erst jetzt bin ich fertig mit allem und ich bin ziemlich müde. So habe ich mir gerade deine letzten mails hier rausgeholt und auf eine diskette gelegt. Dann kann ich sie in Ruhe oben "bei mir" durchlesen, bevor ich zu Bett gehe.
Du gehst morgen nicht ins Büro und dann warte ich vielleicht bis zum Abend, wenn ich allein bin, mit dem Beantworten von deinen Mails.
Ich glaube auch, das Onkelchen mehr davon hat wenn ihr schon zu Mittag kommt. Und wenn das Wetter so schön ist wie hier heute, schafft ihr vielleicht auch einen kleinen Ausflug mit dem Auto. Alte Leute schätzen sowas sehr.
Ich grüsse dich lieb,
und küsse dich gute Nacht,
Marlena

... eigentlichfürdensonntagmorgengedacht.. (19:06)

den 6 september 2003 19:06
Samstagabendmaileigentlichfürdensonntagmorgengedacht

Liebe Marlena

So bin ich doch noch in Basel gelandet. Es war so das übliche Wochenend-Getümmel mit vielen Leuten, die das milde Herbstklima geniessen. Ich mag das, ikognito durch das Gewühl der Leute zu gehen, und ich wünschte mir immer, die Stadt wäre viel grösser. Kennst Du das Vergnügen, dich in einer fremden Stadt langsam zurecht zu finden? Ach, das mag ich sehr. Plötzlich kommst du von einer anderen Seite auf einen Platz, den du eigentlich schon kennst, der aber von dieser Seite her völlig anders wirkt. Oder du biegst in eine Strasse ein und du denkst, das müsse diese oder jene sein, weil sie im Chrakter einer enspricht, die du schon zu kennen meinst. Es sind vage Vermutungen, die du hast, aber zum Schluss stellt sich heraus, dass deine Diagnose richtig war. Ach, solche Situationen mag ich. Aber sie kommen so selten vor im Leben. Es ist so schön, neue Städte zu erobern, langsam diesen Stand zu gewinnen, dass man das Gefühl hat, man kenne sich aus. Sowas würde ich gerne in Rom erleben, und vielleicht noch in Paris. Aber Paris ist schon etwas gross. Aber auch Wien ist eine Möglichkeit ;--)
*
Jetzt muss ich rasch die Traktandenliste schreiben. Sonst blüht mir, dass ich am Sonntagmorgen aufstehen und nochmals ins Büro muss. Das muss ich mir doch ersparen, ist völlig unoekonomisch. Ausserdem werden wir morgen fürs Mittagessen zu Onkelchen gehen. S. hat festgestellt, dass er lieber ein Mittagessen hat. Das ist gut. Ich hatte immer den Verdacht, dass er abends mit vollem Bauch nicht so gut schlafen kann. Oder er schläft dann schon fast im Stuhl am Tisch ein. Er hat ziemlich gealtert in den letzten zwei Jahren. Aber ich glaube, der Grund liegt auch darin, dass wir nicht soviel Zeit haben. Wenn man eine halbe Stunde stillsitzen und mit ihm plaudern würde, könnte er schon ein bisschen mithalten. Aber unser Tempo ist einfach zu rasch.
*
Ich wünsche Dir einen schönen und ruhigen und friedlichen und schlemmerhaften und zufriedenen und erholsamen und fantastischen Sonntag. Alles im Multipack, nicht wahr.

Liebe Gruesse und Kuesse
...

Ich hoffe bald.. (16:22)

Ämne: Ich hoffe bald..
Datum: den 6 september 2003 16:22

Liebster Mausfreund,
Ich stehle mich ein paar Minuten weg von meiner Arbeit um dir ein paar Zeilen zu senden. Spürst du, wie sehr ich an dich denke? Es ist eine Qual deine schönen Mails nicht sofort beantworten zu können. Aber wenn ich fertig bin, schreibe ich dir ein langes Mail.
Ja, gut dass du in die Stadt gefahren bist. Es wird dir neue Enegie geben mit der Arbeit dann weiterzumachen. Und ausserdem hat es vielleicht auch den Vorteil, dass du noch diese paar Zeilen findest.

Mit viel SSS und einer schönen U,
Marlena

na ja klar .. (13:11)

den 6 september 2003 13:11
 na ja klar

Liebe Marlena

Puh, heute habe ich bis 11.00h geschlafen. Das ist lange nicht mehr passiert in meinem Leben. Es scheint, ich schwimme immer noch in diesem Time Lag zwischen den zwei Kontinenten. Das Wetter ist hier ein bisschen bewölkt, nicht unfreundlich, aber in der Tat herbstlich.Man hat den Eindruck, man müsse bald Kastanien sammeln wie in Kinderjahren. Aber ich sollte wohl jetzt meine Sitzung vom Montag vorbereiten. Und es gibt soviele Papiere, die ich neu zu lesen habe.

Unser Roger Federer hat in Flushing Meadows nicht reussiert. Er hat gegen seinen Angstgegner Nadamian (oder so ähnlich) ein bisschen zu rasch verloren. Tennis ist wirklich ein merkwürdiger Sport. Man kann den Matchball im Sack haben und den ganzen Match dennoch verlieren. Na ja, so weit ist es bei Federer nicht gegangen. Aber immerhin. Hast Du ihn gesehen? Er ist nicht besonders hübsch, wie mir die Türkin in NY betont hat. Aber er hat einen schönen und ausgeglichenen Spielstil. Er sei technisch einer der perfektesten Spieler heute. Das ist doch Balsam auf die armen Seelen der Schweizer. Davon leben wir doch, wenn die Wirtschaft nicht wachsen will und wenn uns niemand auf dieser grossen Welt mehr liebt! Deshalb habe ich mir die vielen Toblerones auf dem Buffet des Metropolitan Museums in NY so gerne angeschaut, deshalb bin ich - was ich sonst nie tun würde - in der 5. Avenue in einen dieser teuren Lindt-Läden getreten und habe mir pure braune Schweizer Schokolade angeschaut, und deshalb habe ich auch im Hyatt am Fernseher so lange gewartet, bis sie vielleicht von unserem Roger Federer ein paar Szenen zeigen würden. Es ist nicht leicht, wenn man durch die Welt reist und aus einem kleinen und ein bisschen bedeutungslosen Land kommt. Na ja, man sagt, die Schweiz sei wirtschaftlich eine Grossmacht. Aber sie ist eben doch eine Winzigkeit auf diesem grossen runden Planeten. Und sie fällt langsam zurück auf der Leiter der wichtigsten Industrienationen.

Seit 5 Tagen wünsche ich mir, nach Basel zu gehen, um die Stadt einem Vergleich mit der noch lebendigen Erinnerung NYs zu unterziehen. Aber ich habe es noch nicht geschafft. Und wenn ich jetzt - noch am frühen Samstag Mittag - gehe, was am schönsten wäre, dann bin ich müde, wenn ich um 4 oder 5 zurück bin. Und dann erst die Sitzung an die Hand zu nehmen, wäre eine Qual. Nun ja, vielleicht kommt es doch noch so heraus. Ich bin in meinen Entscheidungen manchmal sehr impulsiv. Und die Sitzung vom Montag ist heute noch weit weg. Die Luft hier im Büro ist nicht besonders ;--))

Gerade schickt mir G. aus NY ein Mail mit der Information, dass im Herbst ein Kongress der Hypnosetherapeuten in New Hampshire stattfinden wird. Sie erwarten mich dort. Das ist lustig. Die Amis reissen wirklich alles an sich. Ich habe nicht im Sinn, unter die Hypnotisten zu gehen, auch wenn ich hier ein bisschen mit dieser Bezeichnung spiele. Und wenn ich nach New Hampshire reise, dann tue ich es wegen dem Indian Summer, und nicht wegen der Hypnotisten. Aber ich muss sagen, die Reise nach NY hat mich ein bisschen auf den Geschmack gebracht. Ich habe S geraten, dass wir mehr reisen sollten. In den Herbst Ferien fliegen wir wahrscheinlich nach Teheran. Im November werde ich mit einigen Mitgliedern unseres Clubs in Prag sein. Wir werden eine Patenschaft mit einem tschechischen Club aufbauen. Darauf bin ich gespannt. Die Tschechen möchten gerne Jugendaustausch und Gedankenaustausch mit unserem Club in der Schweiz. Und wir? Was können die Tschechen uns bieten? Vielleicht könnten sie uns jede Woche eine Ladung feines Bier schicken? Ich habe mir gedacht, sie könnten in Prag einen Arbeitsplatz für einen Forscher einrichten, der in deutscher Literatur rund um Rilke und Kafka arbeitet. Das wäre doch schön. Aber ich weiss nicht, wieviel Material die tschechischen Archive über die beiden Schriftsteller enthalten, die nicht bearbeitet sind. Vielleicht findet sich der Nachlass in Wien oder anderswo?

Wann fährst Du nach Wien? Hast Du schon konkrete Schritte unternommen? Sicher werden sie dich dort mit offenen Armen aufnehmen. Und ist es - so ungefähr könnte man es sagen - eine Art Heimkehr für Dich. Ich rätsle immer noch darüber, wie der Zentralfriedhof sein muss, von dem W immer schwärmt. Und die Berggasse habe ich noch in Erinnerung, diese enge und ein bisschen schwere, dunkle bürgerliche Gasse, wo Freud gehaust hat. Seine ganze Umgebung hatte etwas von ernstem Bürgerstolz.

Ach, ich bin schon jetzt müde. Ich fahre rasch nach Basel. Und ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

Mit lieben Gruessen und Kuessen

....

Samstag, 26. März 2011

freitagabendumviertelvorsieben .. (18:33)

den 5 september 2003 18:33
freitagabendumviertelvorsieben

Liebe Marlena

Ja, ich bin froh, dass Du glücklich bist. Und wenn Du im Schuss bist, dann bist Du unwiderstehlich. Ich glaube nicht, dass ich in einem solchen Moment mich zurückhalten könnte. Du könntest von mir alles haben. ALLES, wenn Du weißt, was ich meine.

Manchmal hattest Du auch sehr unglückliche Momente. Aber ich glaube, sie sind seltener geworden. Das geht mich vielleicht auch nicht soviel an. Aber ich hatte mir ab und zu Sorgen gemacht.

Na ja, jeder hat seine ups and downs.

Was hast Du denn verstanden in meinem Mail, dass Du so misstrauisch geworden bist. Ich hatte den Eindruck, Du nimmst ein bisschen Abschied? Und ich hatte keine Ahnung, weshalb. Ich habe auch Deine Figur, anhand dreier Freunde zu sehen, wie das Leben auch noch hätte verlaufen können, sehr schön. Ich habe mich bestimmt nicht darüber lustig gemacht. Habe ich mich so ungeschickt ausgedrückt?

Na ja, never mind, Missverständnisse gibt es überall. Erst wenn sie endlos wiederkommen, werden sie gefährlich.

Siehst Du, wir bauen einen neuen Stock. Und zum Beispiel auf meine Bemerkung, ich hätte eine CD von Barbara gekauft, hast Du im neuen Stock reagiert. Du hast versprochen, ein paar Neuigkeiten zu zeigen und mir ein paar Anregungen zu machen. Nicht wahr? So ungefähr stelle ich mir den neuen Stock vor. In diese Richtung irgendwie! Das wäre cool.

Ich habe jetzt gerade meine erste Woche überstanden. Und ich schreibe ü immer noch als ue. Weiter bin ich noch nicht. Aber es wird sich schon geben. Die hübsche kleine Fremdenführerin aus Isfahan hat mir heute Bilder ihrer Stadt geschickt. Sie sind ganz gut. Wenn es klappt, schicke ich Dir eins oder zwei. Ich brauche sie für meinen Vortrag im Club. Ich werde versuchen, einen Projektor zu verwenden. Das macht einen guten Eindruck für ein Dritt-Welt-Land ;--). Ich weiss noch gar nicht genau, was ich ihnen erzählen soll. Ich bin ja bei weitem kein Spezialist für Persien. Manchmal reut es mich, dass ich die Sprache nicht verstehe. Wenn ich das täte, könnte ich mich tiefer damit beschäftigen, und auch die Mentalität besser erfassen. Sie haben eine starke Tendenz zu Formalismen, habe ich den Eindruck. Es gibt viele Redensweisen, die man so sagt. Es sind Nettigkeiten, Schmeicheleien, die man irgendwie glauben kann oder auch nicht. Es sind sozusagen sprachliche Angebote. Es ist ja durchaus möglich, dass dir jemand in Persien ein Angebot macht. Er sagt, er gehe jetzt heim essen und du kannst auch mitkommen und mitessen. Das heisst aber nicht, dass er wirklich erwartet, dass du ein solches Angebot annimmst. Aber du könntest, im extremen Fall, das Angebot schon annehmen. Aber das wäre dann wirklich ein extremer Fall. Im allgemeinen ist es eher ein sprachliches Angebot. Und du kannst irgendwie darauf eingehen, halb eingehen oder es völlig in den Wind schlagen. Es ist eine Nettigkeit. Und die meisten Nettigkeiten gehen nicht über die Sprache hinaus.

Ich erinnere mich, wie ein Bruder Ss damals ein Hemd von der Reinigung gebracht hatte. Ich machte ihm ein Kompliment dafür, und er meinte, ich könne das Hemd haben, wenn ich es wollte. Als nüchterner Schweizer war ich damals weit davon entfernt, irgend einen Wunsch nach diesem Hemd zu haben. Und ich hatte schon den Eindruck, mit meinem Kompliment zu weit gegangen zu sein. B. gab aber nicht auf und hat mir das Hemd förmlich aufgeredet. Es war wirklich ein hübsches blaues Hemd mit feinen weissen Streifen und einem relativ hohen Kragen. Es war mir aber von Anfang ziemlich eng. Aber B. ist ein bisschen muskulöser als ich. Und vielleicht war es ihm noch enger als mir. Doch die Geste hat mich noch lange beeindruckt. Und ich habe immer wieder gesehen, wie Leute, denen ein Kompliment gemacht wurde, die Sache der betreffenden Person angeboten hatte.

Im Norden, am Kaspischen Meer, haben wir mal mit M. meinem Patenkind um ein Schachspiel aus Holz gefeilscht. M. war ziemlich knauserig und wollte wirklich nicht zu viel bezahlen. Zum Schluss meinte er Verkäufer, er solle das Spiel ohne Bezahlung mitnehmen. M. war natürlich sehr erstaunt weil er das Angebot, wie wenn es ein Schweizer gesagt hätte, ernst genommen hat. Für den Verkäufer war es bloss eine freundliche Geste. Er wäre wahrscheinlich sehr unglücklich gewesen, ohne Bezahlung. Und er hätte seine elegante Geste bestimmt sofort irgendwie gedreht und verändert. Sie sind so glänzend und beweglich wie Seidenstoffe, die Perser.
*
Ich bin bereit, im neuen Stock herumzutoben. Du auch?

Mit einem liebsten Gruss
...

Neues Haus .. (16:04)

Ämne: Neues Haus
Datum: den 5 september 2003 16:04

Lieber ...,
Jadoch, wenn man ein neues Haus oder Stockwerk baut, dann sind alle Möglichkeiten offen.
Ich habe dich falsch verstanden voriges mal. Sorry! Sowas kann passieren. Und ich freue mich über das was du in deinem Mail sagst. Wir haben es gut zusammen. :-)
Ja, ich glaube ich bin ein glücklich veranlagter Mensch. Wenn man die kleinen Glücksbringer im Alltag wahrnimmt, dann gibt es immer wieder Anlass zu Freude.

Du gehörst auch zu den glücklichen Menschen. Das merke ich immer wieder.

Du hast recht. Man kann nicht jemanden glücklich machen gegen seinen Willen.. Aber mit seinem Willen geht das sehr gut. Klingt ein bisschen lustig, aber so ist es doch.

Wie du merkst bin ich in grosser Eile. Ich hoffe bald mehr Zeit zu finden um dein schönes Mail zu beantworten.

Grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Nachmittag und Abend

See you soon,
Marlena

PS Eure Homepage sieht ziemlich langweilig aus. War früher besser.

Freitagwiedereinmal .. (09:14)

den 5 september 2003 09:14
Freitagwiedereinmal

Liebe Marlena

Puh, ich habe schlecht geschlafen. Ist das immer noch das Jet Lag. Wenn ja, muss ich sehen, dass ich es bis nach dem Wochenende hinter mich bringe. Ich bin zwar nach unserem weekly ziemlich brav um 23h ins Bett. Aber um 1h war ich schon wieder wach. Federer hatte einen Match in NY. Und ich hatte sogar für mich vorzeitig abgebrochen. Und dann um 1h war die Sache vorbei, und es war unklar, ob er gewonnen oder verloren hatte. Doch alle Anzeichen deuteten auf eine Niederlage. Schade. Und ich war dann noch eine gute Stunde wach. habe etwas Kafka gelesen und in anderen Buechern geschnuppert. Aber es war ohne irgend einen Profit.
*
Ja, manchmal gibt es doch ganz einfache Heilmittel, die wir fast ganz vergessen haben. Und körperliche Tätigkeit ist eines davon. Ich bin auch einer von denen, die das immer wieder vergessen. Ich bin eigentlich kein körperlich ungeschickter Mensch, ich war sogar einigermassen sportlich in meiner Jugend. Und doch scheint es, als ob ich für mich den Sport jedes mal wieder neu erfinden muesste. Es ist, als ob ich ihn jedes mal wieder total vergessen könnte. Dein Deal mit dem Nachbar war elegant. Das sind die Arrangements, die das Leben ertragreich und erträglich machen, nicht wahr? Jeder hat seinen Vorteil und es gibt kaum Nachteile. Was will man mehr? Und wenn Du dann noch ein schönes Elch-Filet bekommen wirst, wenn die Aepfel Frucht getragen haben werden, dann wird sich der Deal vollendsausbezahlt haben. Gratulation!
*
Ich wollte mit diesem kryptischen Satz, wenn ich mich selbst richtig verstehe, was ja nicht garantiert sein muss, ich wollte also sagen, dass von allen meinen Lieben S. vielleicht die dynamischste wahr und ist. Ich meine, keine hätte in so grossen Dimensionen gedacht, wie das S tut. Die anderen waren von schweizerischem Zuschnitt. Und die denken sorgfältig, genau, aber nicht in grossen Zügen. Das wollte ich damit sagen, und eigentlich die Tatsache, dass S. das grösste Abenteuer meines Lebens war und ist. Vielleicht weisst Du das nicht so genau, aber wir Schweizer leben ziemlich introviertiert in unserem kleinen Land. Und gegenüber der Welt und Europa sind wir doch mehr oder weniger misstrauisch. Dieses Lebensabenteuer war und ist nicht immer einfach. Es zehrt gelegentlich an den Nerven. Aber alles in allem rentiert es sich.
*
Na ja, ich weiss, dass es vielleicht komisch klingt, in Frage zu stellen, wenn einer den anderen glücklich machen will. Aber wenn man es genau nimmt, funktioniert das nicht. Es ist vielleicht eine feminine Art zu denken. Und viele Männer hören sowas auch gern. Ich nehme mich da nicht aus. Aber in RL funktioniert das wohl nicht. Und ich könnte Dir viele Partnerschaften zeigen, wo das nicht funktioniert hat. Natuerlich kann - eine zeitlang vielleicht - das Glück des einen auf den anderen abfärben. Aber letzthin färbt wohl eher das Unglück des einen auf den anderen ab. Wenn einer unglücklich ist, ist die Chance gross, dass beide unglücklich sind. Aber irgendwie glaube ich, dass das Glück immer eine persönliche und individuelle Sache sei. Die Umstände tun viel dazu. Aber es gibt auch Menschen, die leben in besten Umständen unglücklich. Und solche, die in schlimmsten Situationen glücklich sein können. Glück ist auch ein bisschen eine Begabung, meine ich. Bist Du zum Glück begabt, Marlena? Ich würde das von mir nicht direkt sagen. Ich bin nicht voll des Glücks, aber ich bin zufrieden. Und nach einigen Philosophen ist das schon das Glück. Man soll nicht zuviel erwarten, denn darin liegt ein Risiko des Unglücks.

Ach, in welch ein Thema sind wir hier geraten?
*
Unser neues Stochwerk, nun, für wen denn sonst sollte es gebaut werden? Natürlich ist es unser Stock. Aber ich habe mir das architektonisch nicht so genau vorgestellt. Ich habe mir bloss gedacht, dass wir in diesem Stock mit Panoramafenster umwerfend neue und offene Arten des Mailens finden werden. Mir kommt dabei das jeu de la vérité wieder mal in den Sinn. Das war im Wallis unser pubertäres Vergnügen. Wenn wir genug getrunken hatten - so war die Regel - sollte man den Kollegen und Freunden und Freundinnen alles auf den Kopf zu sagen, was man sonst im Leben nie sagen würde. Die volle Wahrheit, offen, ehrlich, frech, das war irgendwie die Vorstellung. Aber weil ja alle irgendwie vom Alkohol ein bisschen anästhetisiert waren, haben sie die volle Wahrheit wohl zu drei Vierteln nicht mitbekommen. Allein deshalb war das Spiel vielleicht ein Renner.

Ich stelle mir das neue Stockwerk so vor, dass wir irgendwie eine neue Dimension erobern, miteinander zu mailen. Vielleicht über Dinge reden, die bisher Tabu waren? Vielleicht neue Rollen finden? Ich weiss es nicht sogenau. Wenn ich es wüsste, wäre es nicht neu. Auf jeden Fall ist das Stockwerk gross und hell. Soviel weiss ich. Und wenn Du willst, auch geheizt ... ;--).
*
Das finde ich schön, dass Du von NY geträumt hast. Ich habe das noch nicht geschafft. Ich war in den letzten Tagen immer noch ganz dort im warmen Klima der Stadt mit dem gemächlichen Verkehr auf den Strassen. Und es ist genau so, wie Du sagst: das Leben erscheint ganz still hier, und fast ein bisschen bedeutungslos. Man kann gar nicht begreifen, wie die Leute das hier alles mitmachen können, ohne aufzumucken. Selbst ist man irgendwie euphorisch, wie von einer höheren Wahrheit beseelt. Allerdings bin ich auch schon wieder am Erwachen. Ich bemerke step by step, dass viele Menschen hier schon in den USA waren. Während ich mir bisher wie Kolumbus vorgekommen bin, muss ich feststellen, dass ich nahezu der letzte war, der dort hinüber gekommen ist!! Alle waren schon da und ergänzen meine Schilderungen mit übersichtlichen Feststellungen. Na ja, nicht alle, aber doch einige.
*
Ach nein, ich bin nicht bedrückt. Ich bin auch nicht traurig. Und mit Deiner rätselhaften Schlussformulierung "dass du auch in Zukunft ein wunderschönes Leben haben wirst ... mit oder ohne mich" weiss ich nicht so genau, was anfangen. Wie meinst Du denn das, meine Liebe?

Du hast Dich mal gewundert, als ich behauptete, ich sei ein harmoniebedürftiger Mensch. Ich behaupte das immer noch. Und die Harmonien mit Dir sind besonders schön. Lass uns also im neuen Stockwerk heue Harmonien suchen. Einverstanden?

Mit lieben Gruessen und Kuessen
...

Kleiner Morgengruss .. (08:06)

Ämne: Kleiner Morgengruss
Datum: den 5 september 2003 08:06

Liebster Mausfreund,
Es ist ein wunderschöner Morgen und ich möchte dir schnell einen kleinen Gruss senden. Ich fange heute erst spät an aber ich muss noch eine "utvärdering" (Bewertung?) meiner Funktion als Verantwortliche in den Fächern Deutsch und Französisch an einen der politischen Chefs senden(es gibt da eine ganze Wohnung von Leuten mit solchen diffusen Chefsbefassungen). Früher, als diese Hierarki noch aus kompetenten Leuten bestand, brauchte man nie sowas zu tun. Aber heutzutage liebt man dieses "utvärdering" und man findet es überall. Ich glaube es ist vor allem dazu da, diese Leute mit ein paar Arbeitsaufgaben zu versehen.
Nun werde ich ihm also schreiben, worin diese Arbeit besteht und wie ich die Dinge organisiere. In Deutsch sind wir immer noch 5 Lehrer und wir haben jede Woche ein informelles Treffen, wo wir eventuell wichtige Angelegenheiten besprechen können. In Französisch unterrichte nur ich. Die andere Lehrerin hat sich ganz auf Spanisch konzentriert. Doch bespreche ich grössere Einkäufe auch mit ihr bevor ich sie mache. Und von der Zusammenarbeit mit dem Direktor will er auch hören. Soll ich ihm sagen was ich denke? ;-) Ich glaube lieber nicht.

Im Radio spricht man von.. du weisst es schon... die Euro-Wahl.

So ich werde den Tag erfassen.
Ich sende dir liebe Grüsse und eine schöne zärtliche U.
Marlena

Freitag, 25. März 2011

Baust du schon?



Ämne: Baust du schon?
Datum: den 4 september 2003 20:22

Lieber ...,
Ja, genau so meine ich. Manchmal versucht man die Vergangenheit zu überblicken und denkt: "Wie wäre es geworden, wenn... " Man hat selbst gewählt und so muss man mit seiner Wahl leben. Will man das nicht, dann muss man es ändern. Aber man sollte sich nicht beklagen, wenn man es nicht ändern will. Oder kann? Ich frage mich schon manchmal ob man überhaupt wählt und was einen hindert sein Leben zu ändern auch wenn man einsieht, dass es richtig wäre das zu tun. Aber Schwamm drüber!
*
Weisst du was man tun soll, wenn man müde und lustlos ist? An die frische Luft gehen. Ich war vorhin zum umfallen müde und wollte nur schlafen. Zum Glück bin ich dann in den Garten hinaus gegangen und hab das Gras gemäht. Auch das jüngere Paar (d.h. vor 20 Jahren waren sie jünger, jetzt sehe ich sie als gleichaltrig) die links neben uns wohnen hatte diesen Gedanken, und weil er eben einen motorisierten Mäher hat hab ich ihm aus Spass gesagt er darf ruhig weitermähen zu uns her. Und das hat er dann auch getan. Du weisst unterhalb des Gartens (hinter dem Haus) gibt es einen breiten Streifen, den der Bauer liegen lässt und nicht bearbeitet und dort wächst dann immer das Unkraut sehr hoch. Man kommt kaum mit einem Handmäher durch, wenn man nicht sehr oft mäht. Und als die Nachbarin ihren Mann für mich sklaven sah, hat sie gefragt ob sie dafür ein wenig von den Äpfeln die unter dem Baum lagen haben könnte. Sie wollten sie für die Elche haben. J. ist ein passionierter Jäger und die Elchjagd hat gerade begonnen. Dieses Jahr tragen fast keine Apfelbäume in unserer Gegend Obst, nur unserer Baum hat das nicht mitgekriegt und ist wie immer überfüllt von schönen roten Äpfeln. Und ich war froh dieses Fallobst los zu werden, das ich wohl sonst, wie gewöhnlich, aufs Feld hinaus geworfen hätte.
*
Nein, habe ich versucht mich zu verteidigen? Ich glaube nicht. Es gibt einen Satz in deinem Mail, den ich nicht richtig verstehe. "Da ging mir meine damalige Liebe durch den Kopf, und ich hatte gedacht, dass es bei ihr wohl nicht zu der Situation dieser Reise gekommen wäre" schreibst du. Du musst nicht darüber sprechen aber wenn du willst dann tu es. Unsere neue Offenheit ist ja dazu da.
*
Du fragst so lustig, ob es meine Aufgabe wäre dich glücklich zu machen. Nicht was ich wüsste, aber man kann ja nie wissen was das Schicksal mit einem vorhat. Aber, du weisst, wenn man jemanden liebt, dann hat man eigentlich nur einen Wunsch, nämlich diese Person glücklich zu machen. Es ist nichts komisches dabei.
Darf ich wirklich mit dir in dieses neue Stockwerk einziehen? Ich kann es kaum glauben. Komm, dann gehen wir uns Möbel anschauen. Hier im VL sind wir ja nicht an ein Geschäft in der Nähe angewiesen. Drum schlage ich dir vor, wir gehen mal in das elegante oben links am Vazlavplatz in Prag. Dort sind Mats und ich hingegangen und man hat uns einen wunderbaren starken doppelten Espresso serviert, damit wir uns richtig wohl fühlen sollten. Ich glaube irgendein Stück würden wir dort finden, das dir gefällt. :-)
Die Wohnung ist doch gross, oder? Und das Licht kommt herein von allen Seiten, wie in einem Atelier? So denke ich du wirst einen Teil des Zimmers als Atelier einrichten und deine Stafflei dort aufstellen mit allen notwendigen Dingen. Erzähl mir mehr davon.
*
Ach, ich weiss wie es ist von einer solchen Reise nach Hause zu kommen. Man hat so sehr in der Gegenwart gelebt und nun plötzlich ist man wieder in dem alten. Alles ist schon erlebt und man hat den Eindruck dass das Leben ganz still steht. Aber nach einer Zeit findet man sich wieder zurecht und dann kann man auch die schönen Erinnerungen aus seinem Gedächtnis hervorholen und alles nochmals geniessen. Hast du deine Mails an mich gespeichert? Wenn nicht kann ich sie dir als dein NY-Tagebuch zusammenstellen und hier senden. Ich habe kürzlich geträumt von New York und im Traum habe ich alles vor mir gesehen wie du es beschrieben hattest. Sogar die alte Dame.. Es war ganz realistisch.
*
Der Film gestern war ein Disaster. Ich habe es kaum 10 Minuten ausgehalten.. Die Medien sind immer noch voll von Diskussionen über den Euro. Die Ja-sager haben etwas mehr Terrain gewonnen liegen aber nocht weit hinter den Nein-sagern. Und das ganze Volk scheint wie verrückt zu sein. Sie tun als ob es um eine Revolution ging. Auch die ausländischen Beobachter sind ganz erstaunt über die hitzige und gehässige Stimmung. In zehn Tagen wissen wir bescheid und dann gilt es mit dem Beschluss zu leben, wie immer es wird.
*
Du machst einen etwas bedrückten Eindruck in deinem vorigen Mail. Sei nicht traurig, was immer es ist, das dich drückt. Ich bin sicher, dass du auch in Zukunft ein wunderschönes Leben haben wirst.. mit oder ohne mich.

Ich grüsse dich lieb,
Marlena

Donnerstag, 24. März 2011

Blick durchs Fenster

verzweifelter Nachbar..

Panoramafenster

Datum: den 4 september 2003 07:55
Ämne: Panoramafenster

Liebe Marlena
Ja, das habe ich schon so verstanden, Deine alten Freunde und die
schönen alten Erinnerungen, die zeigen, dass es im Leben auch anders
hätte verlaufen können. Wenn man das auf der Höhe der Dramatik
erfasst, wirkt es fast schwindelerregend. Es zeigt sich, dass daraus
total andere Leben hätten erwachsen können. Möglicherweise wirkt es
vor allem so, wenn man (vielleicht damals mehr als Frau denn als Mann)
das Gefühl hat, sich einem männlichen Schicksal anzuschliessen.
Aber alles in allem, und vor allem aus dem Rückblick, haben Leben doch
eine gewisse Folgerichtigkeit. Wie gesagt, das ergibt sich wohl meist
im Nachhinein. Zum Vornherein ist immer alles so ungewiss und so
absolut neu.
Ich habe den Eindruck, Du verteidigst Dich in diesem letzten Mail.
Habe ich denn irgendwo angegriffen? Überigens, das Bild mit den Kühen,
die ins Tal gehen, stammt wahrscheinlich von mir. Mindestens habe ich
Dir mal ein solches geschickt. Das freute mich, wenn es als
Bildschoner bei Dir gelandet wäre.
Klar, mein Leben wäre anders gelaufen, wenn ich meine erste grosse
Liebe geheiratet hätte. Meine erste grosse Liebe war in der 2. Klasse.
Und meine Geliebte ist heute tot, umgekommen bei einem Autounfall.
Aber sie war damals noch Schuelerin gewesen. Vielleicht müsste ich die
nächste 'erste Liebe' nehmen. Ich habe übrigens ganz kürzlich so
gedacht, ich glaube, es war im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zur
Reise nach NY. Da ging mir meine damalige Liebe durch den Kopf, und
ich hatte gedacht, dass es bei ihr wohl nicht zu der Situation dieser
Reise gekommen wäre. Du siehst, dass Gedankenexperiment lief unter der
Prämisse 'ceteris paribus', das heisst, alles andere wäre bis dahin
gleich gewesen. Na ja, vielleicht ist das eine etwas eingeschränkte
Denkweise, nur für ein - wohl nicht ganz lebensentscheidendes -
Ereignis wie diese Reise eine solche gedankliche Konstruktion zu
machen.
Ronda ist für mich das Symbol der romantischen Liebe. Diesen Furz hat
mir Hemingway eingeblasen. Ich glaube nicht, dass man es im RL 14 Tage
lang mit einer Geliebten dort oben - sagen wir im Winter - aushalten
könnte. Ronda ist eine Sache für das VL. Du sagst, Du könntest mich in
weniger attraktiven Milieus glücklich machen. Wäre es denn Deine
Aufgabe, micht glücklich zu machen? Kann das ueberhaupt ein Mensch
zustande bringen, einen anderen glücklich zu machen? Glück ist nicht
das Ziel, Glück ist der Weg. Das vielleicht müsste man gegen Ronda und
für 'weniger attraktive Milieus' als Argumente sagen.
Unsere Tonlage ist plötzlich etwas kompliziert geworden. Und ich weiss
nicht, wie dem geschehen ist. Ich wollte das eigentlich nicht so,
nicht so direkt. Aber irgendwie habe ich selbst auch NY für mich wie
einen Neuanfang nehmen wollen. Ich habe gedacht, NY sei wie eine
Pilgerreise. Es geht dabei nicht um die Vergangenheit, sondern um die
kommenden Jahre in meinem Leben. Irgendwie, das merke ich, muss ich
eine kleine Wende kriegen, einen neuen Gang einlegen, ein neues
Stockwerk bauen. Klar meinte ich, ein g e m e i n s a m e s Stochwerk.
Man baut keine Häuser für sich allein, oder etwa doch? Und Deine
ersten Vorschläge finde ich genau richtig: luftig, sparsam möbliert,
Panoramafenster. Und natürlich im obersten Stock, das versteht sich
von selbst.
So lass uns ein neues Stockwerk bauen. Luftig, offen mit Sicht auf die
Welt und bloss sparsam möbliert.  Was wir mit unseren §§§ machen, das
wird sich geben. Ich glaube, ich brauche vor allem ein neues
Stockwerk.
Mit lieben Gruessen und Kuessen

Mittwoch, 23. März 2011

Dienstag, 22. März 2011

:-)

Ämne: :-)
Datum: den 3 september 2003 20:54


Lieber ...,
Wildkatze oder Hauskätzchen - warum nicht eine Kuh, die gemächlich auf der Weide liegt und ihr Leben wiederkaut. Und da sie eben auch einiges gegessen hat, was ihr nicht gut bekommt, so fühlt sie sich ab und zu garnicht richtig wohl. Du siehst, wie man mit Worten eine aufgebaute Stimmung zerstören kann. Ich meine, man kann diese Wildkatze ziemlich ungefährlich machen, indem man sie ganz einfach umbenennt.
Na, ich denke du weisst, dass ich Kühe liebe. Sie sind für mich das Symbol für Ruhe und Antistress. Sie müssen nichts anderes als essen. Vielleicht ist es auch weil sie mich an die glücklichen Jahre in meiner Kindheit erinnern, damals als ich mich noch geborgen fühlte. Ich habe als Bildschoner u.a. ein Bild wo man in der Schweiz die Kühe ins Tal hinuntertreibt. Glaube sogar, dass du es mir geschickt hast. Und wenn es hochkommt freue ich mich immer über den Anblick.
*
Ich wollte wirklich nicht über irgendwelche "hochqualifizierte Angebote" erzählen. Ich wollte dir nur zeigen, wie verschieden mein Leben hätte sein können, wenn ich anders gewählt hätte. Auch dein Leben wäre anders gewesen, wenn du deine erste grosse Liebe geheiratet hättest.. oder?
*
Ein Mail von mir soll wie eine gute Mahlzeit sein, zu der ich dich einlade. Da hole ich doch nicht alte halb verfaulte Dinge hervor, oder anderes was nicht besonders gut schmeckt. Verstehst du wie ich meine? Ich will dich nicht mit irgendwelchen Sorgen belasten. Übrigens, die kommen und gehen in meinem Gedächtnis.. Wenn man traurig ist wegen etwas, sind sie plötzlich alle wieder da.. und wenn man glücklich ist bedeuten sie garnichts. Ich versuche auch manchmal sowohl die Zukunft wie die Vergangenheit wegzudenken. Aber das geht doch garnicht. Es bleibt fast nichts übrig. Will doch nicht, dass mein Leben aus einem Nichts besteht. Aber natürlich ist es so, dass man sich mit dieser Methode eventuell von weniger erfreulichen Dingen befreien kann. Denn das Nun ist meistens ganz OK.
Ha! Nun lachst du wohl..
*
Rondha ist sicher schön und ganz ausgezeichnet für eine solche Begebenheit.. aber glücklich machen könnte ich dich in weniger attraktiven Milieus. Du bist ja das wichtigste dabei.. aber unsere §§§ gelten doch immer noch. Wir sollten sie wieder mal ansehen und vielleicht "updaten" ;-)
Oder ist deine Mutation so sehr gelungen, dass du nun ganz andere Massstäbe und Auffassungen hast?
Sag mir, wie du darüber denks, falls du Lust hast.
*
Es kommt übrigens heute ein amerikanischer Film mit dem Titel "Flirting with disaster". Und weil er in New York spielt, werde ich ihn mir vielleicht ein wenig anschaun. Dann kann ich all die Dinge noch einmal sehen, von denen du mir so schön erzählt hast.
*
Ja, lass uns ein neues Stockwerk bauen. Du als Architekt musst ein paar Ideen aufbringen und Skizzen machen. Ich möchte etwas luftiges diesmal, sparsam möbliert mit einem Panoramafenster in die Welt hinaus. Oder wolltest du das Stockwerk nur für dich selbst? OK dann komme ich jedenfalls ab und zu vorbei. Ich freue mich schon darauf.. :-)
*
Ich bin hungrig geworden. Vergesse manchmal ordentlich zu essen. Werde mir was gutes heraussuchen für eine kleine Abendmahlzeit.

Ich danke dir nochmals für dein schönes Mail. Wünsche dir alles Gute für den kommenden Tag,
Mit lieben Grüssen und einer zärtlichen U+K,
Marlena

Erfinde dich neu..

den 3 september 2003 18:46
Erfinde dich neu..

Liebe Marlena
...
Na ja, Madeleines sind schön. Und ich habe irgendwie eine natürliche Neigung dazu und geniesse sie ausserordentlich. Doch Proust war ein kranker, hochneurotischer Mensch. Und in meinem Alter sollte man sich vielleicht mehr auf die Zukunft und auf die Wünsche konzentrieren, die das Leben bietet und die es verzaubern. Ich habe ein Buch mit ueber den Atlantik mitgenommen, das heisst: "Erfinde dich neu". Du siehst Marlena, wo ich stehe in meinem Leben. Ich muss meinem Haus nochmals einen neuen Anstrich verpassen und suche nach einer passenden, irgendwie postmodernen Farbe. So irgendwie. Hinter NY war auch diese Idee, unter anderem.

Habe ich gesagt, dass ich nicht ganz (und total und bodenlos) offen mir Dir reden will? Gibt es denn noch mehr unterirdische Räume zu öffnen? Irgendwie weiss ich, dass Du viele wilde Seiten hast, die Du in Mails hier kaum zeigst. Aber glaubst Du, ich will das nicht hören? Mich nicht daran freuen? Mich wundern? Dich wegen ihrer bewundern? Wenn es Dir wichtig ist, rede darüber. Ich werde bestimmt anbeissen. Ich erinnere mich, dass Du mal einen Vorschlag gemacht hast. Aber ich hatte damals gedacht, dass ich gar keine zusätzlichen Geheimfächer habe, die ich noch öffnen könnte.

Das Leben passiert in der Gegenwart. Und nur da. Die Sanduhr ist eine gute Metapher dafuer. Die Sandkörner liegen oben still, sozusagen als Potentialitäten der Zukunft. Und sie liegen unten still als Vergangenheiten. Allein in einem kurzen Moment in der Mitte bewegt sich jedes Korn. Und nur da bewegt sich etwas. Nur da ist Geschehen. Und das kleine momentane Geschehen ist eigentlich das Leben. Der Rest sind bloss Resonanzräume.
Ist das nicht gut gesagt. Wie Du merkst, suche ich eine neue Philosophie, die mich mehr auf Vordermann bringt. Ich versuche, ueber meinen Schatten zu springen. Wer weiss, wo das hinfuehrt.

Es gibt doch dieses Schauspiel von Frisch mit dem Titel "Biographie". Ich habe es in meiner Dissertation unter den spärlichen Literaturangaben angegeben, die ich gemacht hatte. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich das Stück damals in Zürich zusammen mit EM gesehen, meiner damaligen geheimen Liebe, die aber ihrerseits eine geheime andere Liebe hatte. Aber das Stück sagt doch, dass das Leben vielleicht schon eine Serie der verpassten Möglichkeiten sei, dass Du sie aber, könntest Du nochmals leben, sie nochmals verpassen würdest. Das Leben ist eben jenes der wahrgenommenen Möglichkeiten. Und das ist es.
...

Mit anderen Worten, Marlena, lass uns einbiegen in diese TOTALE, die völlig und bodenlos offen ist. Ich glaube, wir können ein neues Stockwerk in unserem Haus brauchen. Die bisherigen sind schon ziemlich mit Möbel und mit Madeleines verstellt. Das heisst ja nicht, dass die alten Stockwerke verschwinden werden. Wir können uns immer noch darin aufhalten und in sie zurückkehren. Aber das neue Stockwerk hebt das Dach ein Stück weit in den Himmel empor und ist total offen und umwerfend postmodern. Ich glaube jedenfalls, dass mir eine solche Raumerweiterung gut täte, ohne im Moment genau zu wissen, was ich Dir erzählte, was ich bisher nicht erzählt habe.

Ich wünsche Dir einen schönen Abend
Mit lieben Gruessen und Kuessen
...

PS Und wenn ich ehrlich sein soll, dann bin ich manchmal schon froh gewesen, dass Du weit weg lebst. In der Nähe hättest Du mich wohl an den Rand des Abgrundes gelockt. Vielleicht wären wir in Ronda gelandet? Weisst Du weshalb Ronda? Hemingway schwärmt ueber diesen Ort und empfiehlt ihn jenen, die mit einer Frau auszureissen gedenken (soweit man so etwas im Leben überhaupt "gedenken" kann). Dort oben in arktischen Breiten bist Du mir relativ sicher. Eine blosse Distanz nach - sagen wir - München wäre wohl die Hölle. Dann doch lieber in der Vorhalle als gleich in der Hölle.

Re: back in town

Ämne: Re: back in town
Datum: den 2 september 2003 21:19

Lieber ...,
Ach wie schade! Dein verlorenes Mail. Das ist schon eine kleinere Katastrofe. Aber vielleicht findest du es wieder und es lässt sich auch hineinkopieren, wie du sagst. Schicke es mir dann trotzdem.
Jadoch, hast recht. Ein bisschen ist es so: Ich küsse dich zum Abschied und wenn du ankommst bin ich schon wieder da.. :-)

Ich bin froh, dass du wieder zu Hause bist und dass alles gut ging mit dem Flug. Ich habe nie geglaubt, dass was passieren könnte aber irgendwie gibt es doch ein wenig Angst. Und nun bist du heil wieder zu Hause. Schöööön!!
*
Ach, darf ich mich bei dir austoben? Das tue ich schon ab und zu.. aber nicht bei dir. Bei dir bin ich wirklich das Kätzchen vor dem Ofen wo ich doch eher eine Raubkatze bin... im RL. Ein Mensch, der wütend wird, wenn es berechtigt ist, und der keine Angst hat seine Meinung zu sagen.

Aber dass ich so ganz offen mit dir rede, das möchtest du garnicht. Wir haben das schon einmal besprochen. Es gibt eine ganz private Sfäre, die man für sich behält. Vielleicht erzählt man dem lieben Gott davon. Aber der weiss doch sowieso schon alles.

Manchmal frage ich mich, wie ich geworden wäre wenn ich anders gewählt hätte damals. Wenn man einen Partner wählt, wählt man seine Zukunft. Das habe ich schon als Teenager gedacht und heute bin ich noch mehr überzeugt davon.
Vielleicht hätte ich Onkel E's Sohn heiraten sollen. Meine "Eltern" und sein Vater haben sehr gehofft, dass wir uns finden würden. Dann hätte ich in Überfluss gelebt. Wir hätten eine Luxuswohnung im zentralen Uppsala gehabt, ein Gut, ganz am Rande der Stadt und wahrscheinlich hätten wir viel in Südfrankreich gelebt, denn der junge Mann war auch künstlerisch begabt und träumte davon dort unten zu malen. Aber er langweilte mich. Er kam mir vor wie Herr Grünlich in den Buddenbrocks.. oder Camille in "Thérèse Raquin" von Emile Zola. Und sicher hätte ich ihn auch später mit einem feurigen Liebhaber betrogen. Und ich hätte ihn nicht wegen ihm selbst genommen, wie du ja siehst.
Dann hätte ich natürlich auch in Phnom-Penh landen können mit Guy, den ich als 23-jährige in Paris getroffen habe. Er war ein paar Jahre älter als ich, war Arzt, hatte einen höheren Posten in der französischen Armée und wurde dann nach Phnom-Penh versetzt. Er wollte, dass ich mitkommen sollte. Aber ich war noch nicht fertig mit meinem Studium und ich dachte auch, dass ich ihn nicht genug kannte um einen so grossen Schritt zu machen. Er schrieb mir ganz herrliche Briefe von dem Leben dort, von seinen Patienten, u.a. von Mönchen, die panische Angst hatten in die Ewigkeit einzutreten. Oder hätte ich meinen "petit ami" Jean wählen sollen. Er hat mir Paris gezeigt in meinen jungen Jahren und wir haben Meilen zu Fuss zurückgelegt in dieser Stadt. Er hat sich beschwert über meinen grossen Eiskonsum damals.. ;-)) Er hatte natürlich nicht viel Geld, denn er studierte noch an der École Normale Supérieur, dort wo fast alle grossen Franzosen studiert haben. Vielleicht ist er Jurist geworden, wie sein Vater. Es wäre interessant zu wissen, wie sich das Leben dieser Menschen, die man in jungen Jahren gekannt hat, gestaltet hat.
Es gibt ein Foto, das ich für mein Leben gern sehen würde. Wir beide waren unterwegs hinauf zum Sacré Coeur. Du kennst diese schmale Treppe, mit einem Gelände in der Mitte, die steil hinauf zum Mont-Martre führt. Und plötzlich sahen wir einen Japaner mit einem Fotoapparat vor dem Gesicht. Wir dachten, dass wir irgendwie im Weg wären und gingen auf die andere Seite. Und siehe da, der Japaner tat dasselbe. Also wollte er uns mit drauf haben. Ich habe zu Jean aufgeschaut (er war ein fescher Kerl, einen Kopf grösser als ich) und er hat sofort begriffen. :-) Nie habe ich einen so vor Glück strahlenden Japaner gesehen. Am liebsten wäre er uns wohl um den Hals gesprungen. Er hatte ein sich küssendes junges Liebespaar im Vordergrund zu seinem Panoramabild. Ja, das Bild hätte ich gern gesehen.
*
Schau, zu was du mich verlockt hast. Oder ist es nur, dass ich beginne alt zu werden? ;-) Du bist auch meine Madeleine geworden. Ein Fenster zur Vergangenheit. In der Gegenwart passiert im Moment sehr wenig und ich will dir doch etwas schreiben..
*
Komisch, gerade als ich mein voriges Mail abgeschickt hatte kam deines auf den Schirm. Wir müssen es in der selben Minute geschickt haben, obwohl die Stunden nicht stimmen.

Ich grüsse dich nochmals lieb und sage dir Gute Nacht,
Marlena
PS Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich zufrieden mit meiner Wahl, denn sonst hätte ich dich wahrscheinlich nicht kennengelernt. :-)

Endlich..

Ämne: Endlich..
Datum: den 2 september 2003 19:12

Lieber ...,
Ich suche dich schon obwohl ich doch glaube, dass du heute erst ausschlafen musst nach der langen Reise. Du kannst ja die Kunst, auch sitzend zu schlafen und ich hoffe, dass du das auch im Flugzeug hast tun können.
Wieder ein Tag vorüber. Ich komme gerade von einem Treffen mit M.. Hatte mir übernommen eine Blume für sie zu kaufen von den nächsten Arbeitskollegen und ihr diese zu überbringen. Sie ist krankgeschrieben für einige Zeit, was den Chef nicht daran hindert sie zu bitten zur Arbeit zu kommen um ihren Vertreter zu instruieren und ich denke auch auszubilden. ...
Ich weiss nicht, was ihr so fehlt aber ich bin sicher dass ihr diese Atempause gut tut. Und sie beginnt sich wieder ein wenig für ihr Privatleben zu interessieren. Bisher hat sie nur für die Arbeit und für ihren Sohn gelebt. Jetzt ist er ausgezogen und hat angefangen zu studieren, während er noch auf den Bescheid wartet, ob er den Auftrag als Politiker bekommt, den man ihm schon versprochen hat. Er ist sehr engagiert und er macht es gut. Nur wünsche ich manchmal, dass er nicht alle seine Argumente an uns ausprüfen würde. ;-)
*
Wie ist es wieder zu Hause zu sein? Bist du ganz belagert von Leuten, die dich vermisst haben? Dann mische ich mich in die Menge.
*
Jetzt muss ich etwas essen. Hungrig wie ein Wolf.

Ich grüsse dich lieb,
Deine frohe
Penelope

Montag, 21. März 2011

Willkommen

Subject: Willkommen
Date: Mon, 01 Sep 2003 23:04:49 +0200

Lieber ...,
Ach! Du lässt deine ganze Batterie von Charme los. Siehst du denn nicht, dass ich längst geschlagen auf dem Boden liege. Und dieses letzte Mail von dir, dieses ganz unerwartete Extramail hat wieder alle MMM und SSS aktiviert. Bald brauche ich einen Rettungsring, um nicht darin zu ertrinken.

Wenn ich richtig denke, dann sitzt du nun schon am Flugplatz und wartest auf das Embarquement. Und nun weisst du, dass du nicht zu spät kommen wirst. Wenn ich gewusst hätte, dass du noch ein Mail von mir empfangen konntest vor der Abreise, dann hätte ich dir sofort geschrieben. In Gedanken habe ich dich auch zum Abschied geküsst, dort am Flughafen. Es war so als müsste ich zurückbleiben und dich in die ferne Schweiz reisen lassen. Und wenn du landest werde ich auch dort sein und dich Willkommen heissen, wie einen lange vermissten Geliebten. Halt Ausschau nach mir.. :-)

Wie gut du sie beschreibst, diese Zeit von Aufbruch, das Gefühl wenn eine Tür hinter einem zuschlägt und man weiss, dass es endgültig ist.

Ich freue mich auf deine Heimkehr, obwohl ich (fast) immer bei dir war. Ich glaube du wirst es geniessen, wieder in Ruhe hinter deinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Deine fleissige Sekretärin wird alles in Ordnung gehalten haben. Und dann wirst du dir deine New York-ecke einrichten und deine kleine Freiheitsstatue aufstellen. Du wirst die Tauben begrüssen, die auch auf dich gewartet haben. Deine Emmas. ;-) Und deine Familie wird sich versammeln und glücklich sein, dich heil wiederzusehen. Und wenn du in deine Mailbox schaust, wird wohl eine Flut von Mails herausfallen und darunter auch dieses. Es war ein schönes und grosses Erlebnis mit dir in NY zu sein. Manchmal übertrifft das VL das RL.

Schön, dass du Barbara gefunden hast. Die Sängerin mit der schönen Stimme und dem tragischen Schicksal. Es gibt aber unendlich viele gute Sängerinnen auch nach Barbara. Ich habe wirklich etwas vernachlässigt, dass ich dich nicht mit ihnen bekannt gemacht habe. Manchmal habe ich stark den Eindruck, dass ich in deine Welt hineingestiegen bin und meine eigene fast verlassen habe. Und von Dingen, bei denen ich vermute, dass sie dich nicht interessieren werden, spreche ich selten, obwohl sie ein Teil meiner Welt sind. Das sollte ich eigentlich nicht tun.
*
Ich habe heute Nachmittag wie wild gekocht. Nein, lach nicht! Ich meine ich habe hungrig eingekauft und alles mögliche mitgebracht, das ich dann ja auch zubereiten musste. So habe ich nun Essen für mich für die ganze Woche und ausserdem 7 Mittagsportionen für Anna eingefroren. Fleisch, Hähnchen, Kalbsleber.. und zum Schluss habe ich noch Reis gekocht, damit ihre Portionen komplett sind. Sonst muss sie ja immer Pasta oder Kartoffeln dazu kochen.

Anna hat gute Vorlesungen gehabt heute. Sie war ganz zufrieden damit. Ich glaube es gefällt ihr, wieder eine feste Agenda zu haben. Und ich hätte jetzt noch ein diagnostisches Test ausschreiben sollen. Aber das kann bis morgen warten. Du bist wichtiger.

Du weisst, dass ich ab und zu Anna was von dir erzähle. Es ist schön jemanden zu haben, mit dem man über dich sprechen darf. Es macht dich mehr real. Und heute habe ich ihr erzählt wie du die Nationalhymne singst und sie hat genau wie ich reagiert. Es ist komisch, aber sie findet es ganz natürlich, dass es dich in meinem Leben gibt. Und es bleibt zwischen ihr und mir. Ich frage mich manchmal ob W. von meiner Existens weiss. Ich meine, man kann doch sagen dass man mit einer seriösen alten Oberstudienrätin berufliche Gedanken austauscht. ;-) Aber ich glaube er wäre trotzdem eifersüchtig. :-)

Es ist spät und ich muss dich lassen. Wenn du dieses Mail liest, dann küsse ich dich nochmals Willkommen. Ganz keusch, auf die Schläfe. Und ich umarme dich auch fest und halte dich lange vor Glück, dass du wieder da bist.
Alles Gute für diesen Tag wünscht dir
Marlena

Sonntag, 20. März 2011

Blick durchs Fenster..

.. und mehr über diesen Mond bei Semsakrebsler:

Vollmond . . . .

Samstag, 19. März 2011

Retour d'Amérique

Ämne: Retour d'Amérique
Datum: den 1 september 2003 17:09

Liebe Marlena
Es ist bald 10 am. Meine Gastgeber werden um 10 abfahren fuer den Brooklyn Carneval. Es scheint, sie haben das ganze Jahr darauf gewartet. Und sie sind ganz aus dem Haeuschen. Das Problem ist, dass man dort drueben etwa 3 Millionen Leute erwartet. Und es gibt vielleicht 10 Toiletten. So muss man die Dinge hier erledigt haben. Und das ist es, was sie im Moment tun.

Ach, ich habe nicht gewusst, dass es einen Atlas gibt fuerdie Kunst des Kuessens. Da gibt es zivilisierte Regionen und auch unwegsames, gefaehrliches Gelaende. Sozusagen Rotkaeppchen-Wege, wo der Wolf lauert. Ich verstehe. Ich werde mich vorerst an die autorisierten Pfade halten. Man verlaeuft sich so auch viel seltener und kommt auch so zu schoenen Aussichtspunkten. Wie Du zu dieser Schlaefenpartie kommst? Sie ist doch bei aelteren Leuten oft sehr ausgepraegt>

Ich habe immer noch nichts von Federer gehoert. Ist er gut im Rennen? Die Amis zeigen wirklich nur ihre eigenen Pferde. Und dabei ist Federer ein zweiter Sampras, wenn man von seiner Spielanlage her schaut. Vielleicht ist er nicht so handsome, wie die Tuerkin im Kurs festgestallt hat, aber er spielt ein wunderschoenes Tennis, das so leicht erscheint. Und immer, wenn etwas leicht scheint, ist Kunst im Spiel.

Ich werde ungefaehr am Mittag hier losziehen. Da ist zwar noch sehr viel Zeit. Na ja, vielleicht genuegt es, wenn ich um 14h gehe. Der Bus benoetigt ungefaehr eine halbe Stunde. Und sie fahren alle halben Stunden, wenn ds auch am Labour Day so ist. Das weiss ich eben nicht so genau. Ich haette also noch Zeit, Dir ein kleines Geschenklein zu posten. Moechtest Du was Kitschiges? Na ja, ich will nicht zuviel versprechen.

Deine Idee von Wien ist gut. Ich wuerde auch wieder mal gerne dorthin fahren. Auch Walter ist ein grosser Fan Wiens. Manchmal erzaehlt er mir vom Wiener Zentralfriedhof, als ob es der Garten Eden waere. Ich glaube, seit sich Europa vergroessert, wird Wien immer wichtiger. Es ist unser Brueckenknopf zum Balkan, und die Oesterreicher haben ein besseres Verstaendnis von jenen Menschen dort. Sag mir, wann Du gehst, Marlena, ich werde sehen, was sich tun laesst. Vielleicht muss ich dann einen Kurs in klassischer Psychoanalyse nehmen. Dann werde ich auch gleich das Kanapee mitschleppen. Freud hat im Grunde auch mit Hypnose angefangen. Das hatte er bei Charcot in Frankreich gelernt. Und das habe ich - glaube ich - schon mal erzaehlt. Aber sein Zeitalter war so rationalistisch und vernunftorientiert, dass er glaubte, davon wegkommen zu muessen.

Gestern habe ich im Central Park einen aelteren Mann gesehen, der aus der Handschrift las. Wie ein fortune teller, aber eigentlich Graphologe. Die Kundin war eine Japanerin. Und sie musste etwas auf ein Blatt Papier schreiben. Es waren knappe 5 oder 6 Zeilen. Ich habe eine Weile zuegehort. Ich glaube wirklich, dass er ein bisschen Graphologie kennt. Aber die Datenbasis ist sehr fraglich. Einerseits schreibt eine Japanerin von Kindheit an eine voellig andere Schrift. Und 6 Zeilen sind zu wenig. Er interpretierte z.B. die Tatsache, dass sie ihre Unterschrift links hinsetzte anstatt rechts, wie er es von einem normalen Mitteleuropaeer erwarten wuerde. Man sagte in der Graphologie, Leute, die am linken Rnd unterschreiben, sind reserviert, vielleicht scheu, halten sich von anderen Menschen zuerueck. Aber heutzutage kann man das nicht mehr so eindeutig sagen. In vielen Geschaeftsbriefen setxen sie die Unterschrift neurdings linksbuendig. Seine Aussage war also etwas gewagt. Und er sagte ihr, dass sie ein bisschen stur sei. Ich kann mir vorstellen, wie man zu einer solchen Diagnose kommt. Aber wenn ein Mensch unsere Schrift erst mit 17 oder 18 Jahren zu schreiben beginnt (na ja, ich weiss nicht, die die Japaner das machen), dann bedeutete es etwas anderes. Wenn ich S.s Schrift anschaue, so habe ich den Eindruck, die arabische Schrift des Persischen und die Rechts/links Orientierung haben schon einen Einfluss.

Aber wie auch immer. Wenn ich diese Strassenunternehmer sehe, dann denke ich - lustig - ich koennte mich hier in NY auch durchbringen. Na ja, waere nicht gerade so buergerlich. Aber es waere nicht unmoeglich. Jeder hat seine Spezialitaet. Am Sonntag kam eine junge Frau durch die U-Bahn. Normalerweise wechselt man ja nicht den Wagen waehrend der Fahrt, aber es ist moeglich. In lauter, etwas weinrlicher Stimme verkuendete sie an diesem schoenen Sonntag Morgen, dass sie ohne eibenes Verschulden den Job verloren, keine Wohnung und keine familiaere oder staatliche unterstuetzung habe, und dass sie im 3. Monat schwanger sei. Und dann ging sie durch und sammelte. Ich glaube, die Leute haben ihr gespendet, weil sie ihren Mut respektierten. An der 5. Avenue habe ich einen gesehen mit einem Stueck Pappe. Darauf stand: homeless, jobless, HIV. Wenn man sehr sarkastisch sein will, kann man sagen, dass er als Bettler hoch qualifiziert sei. Es gibt bestimmt auch solche, die das ausnutzen. Wir schweizer sind ein bisschen misstrauisch. Und irgendwie habe ich die Ueberzeugung, es sei Sache der Amerikaner, ihnen zu helfen.

Auf dem Perron von Grand Central Station habe ich am Sonntag Abend einen Japaner gesehen, den ich schon vor einer Woche gehoert habe. Er hat ein Saiteninstrument, eine Art tisch, und daran zupft er. Er spielt so konzentriert und er ist sehr ordentlich gekleidet, mit Kravatte und Jacket. Aber gleich ueber ihn ist eine Art Air Condition Maschine, die vollbringt einen solchen Laerm. Und wenn die Zuege ein und ausfahren, wird es gleich doppelt laut. Man hat den Eindruck, er habe wirklich den schlimmsten Ort gewaehlt fuer seine traditionelle asiatische Musik. Aber er spielt wie ein Konzertspielter, mit hochernster Miene und mit Inbrunnst. Aber es sind wirklich nur wenige, die ihm eine Kleinigkeit spenden. Es sind vielleicht ein paar Asiaten, die durch die Toene ein bisschen Heimweh bekommen. Und sagt diese Art von Musik nicht besonders viel. Doch letzten Sonntag habe ich ihm gespendet. Ich habe seinen unbeugsamen Willen respektiert.

So, liebe Marlena, bevor ich hier losgehe, werde ich noch einen kleinen Spaziergang im Village machen. Es sind die letzten Eindruecke, die ich mitnehme. Es ist hier Sonntagsstimmung. Fast nichts laeuft. und ich bin sicher, dass auch nicht alle U-Bahnen fahren.
Wir sehen uns wieder in der Schweiz, nicht wahr?
Mit lieben Gruessen und Kuessen in den autorisierten Zonen
...