Samstag, 23. Januar 2021

Paul Verlaine

Hier eins seiner schönen, musikalischen Gedichte. Sein Traum von einer Frau die ihm die nötige Ruhe schenken könnte. In unserer Zeit hätte er villeicht eine Mausfreundin gehabt ;-)


Mon rêve familier

Je fais souvent ce rêve étrange et pénétrant
D'une femme inconnue, et que j'aime, et qui m'aime,
et qui n'est, chaque fois, ni tout à fait la même
Ni tout à fait une autre, et m'aime et me comprend.

Car elle me comprend, et mon coeur transparent
Pour elle seule, hélas! cesse d'être un problême
Pour elle seule, et les moiteurs de mon front blême,
Elle seule les sait rafraîchir, en pleurant.

Est-elle brune, blonde ou rousse? - Je l'ignore.
Son nom? - Je me souviens qu'il est doux et sonore
Comme ceux des aimés que la Vie exila.

Son regard est parreil au regard des statues,
Et pour sa voix, lointaine, et calme, et grave, elle a
L'inflexion des voix chères qui se sont tues.


*

Und hier Hermann Hesses  brillante Übersetzung des Gedichtes . Die schwierige Aufgabe, sowohl Klang wie Inhalt des Gedichtes bei der Übersetzung zu beachten, ist Hesse meisterlich gelungen.


Nach Paul Verlaine

Ich träume wieder von der Unbekannten,
Die schon so oft im Traum vor mir gestanden.
Wir lieben uns, sie streicht das wirre Haar
Mir aus der Stirn mit Händen wunderbar.

Und sie versteht mein rätselhaftes Wesen
Und kann in meinem dunklen Herzen lesen.
Du fragst mich: ist sie blond? Ich weiß es nicht.
Doch wie ein Märchen ist ihr Angesicht.

Und wie sie heißt? Ich weiß nicht. Doch es klingt
Ihr Name süß, wie wenn die Ferne singt –
Wie eines Name, den du Liebling heisst
Und den du ferne und verloren weißt.
Und ihrer Stimme Ton ist dunkelfarben
Wie Stimmen von Geliebten, die uns starben.

Hermann Hesse

Sonntag, 10. Januar 2021

Freitag, 8. Januar 2021

Wo sind deine Zeilen?

Liebe Marlena

Es ist eine Schande. So ist mein ganzes Sonntags-Mail irgendwo in der Ostsee niedergegangen? Der Gedanke ist unerträglich. Ich war nämlich wirklich krank, bin aber am Sonntag sozusagen auf allen Vieren ins Büro gekrochen, weil ich ein paar Unterlagen brauchte, und hab eben in der Eile und im Fieberrausch das besagte Mail geschrieben.

Und dann meint sie, sie könne sehr wohl zwischen, aber nicht zwischen leeren Zwischenräumen lesen! So eine Antwort auf mein wunderschönes, allerblumigstes und wohlformuliertes und mit Poesie über und über besprühtes Sonntags-Mail!! Ist wie eine Vandalen-Attacke aus dem Hinterhalt und hat mich geradewegs zurück ins Bett geworfen! 

Und wo sind - by the way - denn Deine Zeilen? Es gibt nichts, worauf zu antworten wäre. Nichts, woran sich anschliessen liesse. Wie soll man denn einen Nachsatz machen, wenn kein Vordersatz dasteht?

Da siehst Du nur, wie empfindlich man unter diesen Fieberanfällen wird! Der Kopf brennt, und das passt ganz und gar nicht zum milden Wetter, das sich vor dem Fenster anbahnt.


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Re:

Lieber ...,

Ja, es ist wirklich jammerschade das mit dem verlorenen Sonntags-mail. Und noch dazu ein so einmaliges.. von dir selbst bezeichnet als dein "wunderschönes, allerblumigstes und wohlformuliertes und mit Poesie über und über besprühtes Sonntags-Mail!!"
Wie kannst du mich nur so foltern? Wo du doch weisst wie sehr ich sogar um verlorene "Alltagsmails" von dir traure. Aber vielleicht hat es mit einem meiner Gedankenmails irgendwo auf der Ostsee Schiffbruch erlitten.. oder auch schweben sie zusammen glücklich vereint über den Wolken  .. das gefällt mir besser..

Ich schreibe in der Tat meine schönsten Mails an dich wenn ich mitten in der Nacht aufwache und nicht sofort wieder einschlafen kann. Leider aber nur in Gedanken.