Donnerstag, 14. Februar 2019

Heute ...



... im Garten  :-)







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Mittwoch, 13. Februar 2019

Schmerz







Schmerz

Schmerz ist ein Meister, der uns klein macht,
Ein Feuer, das uns ärmer brennt,
Das uns vom eigenen Leben trennt,
Das uns umlodert und allein macht.

Weisheit und Liebe werden klein,
Trost wird und Hoffnung dünn und flüchtig;
Schmerz liebt uns wild und eifersüchtig,
Wir schmelzen hin und werden Sein.

Es krümmt die irdne Form, das Ich,
Und wehrt und sträubt sich in den Flammen.
Dann sinkt sie still in Staub zusammen
Und überläßt dem Meister sich.

Hermann Hesse





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Sonntag, 3. Februar 2019

Ein lebenspraktisches Ratgeberbuch

(R)


Liebe Malou
"Glück stärkt den Körper, doch nur Kummer fördert die
Kräfte des Geistes". Du kannst dreimal raten, wer sowas
sagt.
Natürlich Proust, der also Maso. Und doch hat es was an
sich. Der Kummer und die Sorgen lassen dich fragen, geben
dir Probleme auf, während man im Glück still vor sich hin
lebt und alles einfach nimmt, wie es ist. Im Kummer lebt
man in Gegensatz zu dem was ist.
Dieses Büchlin über Proust "How Proust Can Change Your
Life" ist ganz amusant und gewandt geschrieben. Ich habe
von dem Autor bisher noch nichts gehört.
Auf dem Deckeltext heisst es: Alain de Botton, 1969 in
der Schweiz geboren, hat ...
...
Sein Büchlein basiert auf einem frechen und verblüffend
simplen Einfall: Man nehme das monumentalste Werk der
literarischen Moderne, Marcel Prousts "Auf der Suche nach
der verlorenen Zeit" und destilliere daraus ein witziges,
kurzes und lebenspraktisches Ratgeberbuch für den
postmodernen Zeitgenossen.
De Botton nähert sich Proust auf direkte, unkonventionelle
Weise, ohne Literaturtheorie. Im Rückgriff auf die Texte
und auf Momente im Leben Prousts erläutert er in
klassischer Ratgebermanier, wie man sich Zeit nimmt, wie
man erfolgreich leidet, wie man seinen Gefühlen Ausdruck
verleiht und wie man in der Liebe glücklich wird.

Und wenn ich das alles gut gelesen habe, dann werde
ich Proustianer sein, so ein melodramatisches
Muttersöhnchen, das kaum aus dem Bett kommt, an
Verstopfungen und Übelkeiten leidet und sich an
seinen körperlichen Leiden hintersinnt. Ich glaube,
Proust ist die bürgerliche Dekadenz.
Ob sein Kummer und seine Depressionen wirklich die
Geisteskräfte stärken, das bleibe dahingestellt, aber alles
in allem hat er nicht ein nachahmenswertes Leben geführt.
Das hat er sicherlich nicht. Ich glaube, de Bottons Buch
kann die lektüre Prousts gut ersetzen. Und was hat man
davon? Stundenlange Lektüre in detaillierten und um-
ständlichen Schilderungen der Erinnerungen, das hat
man sich erspart. Man spart sich dabei Tage und Wochen.
Und das ist in der heutigen, eiligen Zeit doch ein grosser
Gewinn. Wo sonst kommt man so leicht und so billig
zu Zeit?

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