Montag, 31. Dezember 2018

Sehnsucht



      Sehnsucht von Heinrich Vogeler

                  Motto
Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste von allen Stunden steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.


Rainer Maria Rilke, 
3.11.1897, Berlin-Wilmersdorf






Dienstag, 25. Dezember 2018

God Jul och Gott Nytt År




wünsche ich allen lieben Lesern

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Im Mail ist es ok!


(---)

Habe ich dich wirklich mit Fragen bombardiert? Ich weiss ich weiss, ich hätte noch viele mehr davon gehabt. Anfangs dachte ich, du magst das nicht, wenn ich direkte Fragen stelle. Aber dann hast du dich doch gewundert, warum ich zur Bemerkung, deine Mutter wäre das „schwarze Schaf" gewesen, nicht gefragt hätte. Also, abgemacht, ich frage, soviel ich Lust habe. Ich perforiere dich wie in einem Western-Film, wenn ich Lust dazu habe. Und du antwortest, soviel du Lust hast. Und das ganze umgekehrt. Ich habe viele Fragen, weil mich das Leben interessiert. In den letzten Jahren habe ich viele Biographien gelesen, um irgendwie ein Verständnis für das Leben, dh. das biographische Leben zu bekommen. Ich habe mir vor allem Biographien von Malern angeschaut. Denn bei den Malern kann man das Leben und ihre Arbeit noch im Nachhinein vergleichen. Man hat die Biographie und man hat die Werke. Und das ergibt doch irgendwie ein ziemlich umfassendes Bild. Nicht wissenschaftlich habe ich das studiert, nur so, halb zum Zeitvertreib. So habe ich natürlich auch zu deinem Leben viele Fragen. Geschichten und Lebensgeschichten sind natürlicherweise interessant. Geschichten sind das Leben. Die Perser können tagelang Geschichten erzählen. Manchmal fragt man sich, warum sie es erzählen, denn viele haben für unser Empfinden keine Pointe. Doch wenn es gute Geschichten sind, wird allen klar, warum sie erzählt werden. Geschichten können sogar heilen, haben wir von Scheherzade gelernt. Und wir beide – du und ich - haben den Vorteil, dass wir uns nur per Mail kennen. Beim Mail kann man sich die Fragen auswählen, die man beantworten will. Die anderen übergeht man einfach. Im Gespräch wäre das nicht gar so einfach. Dort wäre es geradezu ein Affront, aber im Mail ist es ok!

Montag, 17. Dezember 2018

Blick durchs Fenster

17/12-18

Endlich  Schnee 




Das Bild Bruegels ...





Das Bild Bruegels hat es mir sehr angetan. Ist es nicht eines der schönsten Bilder europäischer Kultur? Ich glaube, Bosch hat auch irgendwo so ein Riesending gemalt. Und es ist ästhetisch in diesem Zweifel zwischen Optimismus und Pessimismus. Ist es eine Ruine oder bloss eine Baustelle? Wird noch gebaut oder wird schon abgebrochen? Geht's hinauf in den Himmel oder geht's doch eher zur Hölle? -- Manchmal, wenn ich Zeit habe, zeichne ich gelegentlich Cartoons. Und eine meiner Ideen war es vor einiger Zeit, diesen Turm Bruegels zu zeichnen, den fast jeder kennt, und dahinter ein riesiges Hochhaus, das noch um Einiges höher ist und weit über die Wolken hinausragt, auf dem die Reklame leuchtet: CONSULTING. Das finde ich einen guten Einfall, und du? Ich habe das Bild damals einem Freund geschenkt. Er ist Professor an der Universität Zürich und hat ein eigenes Institut zur Integration der Fakultäten und fachlichen Perspektiven. Er war begeistert und hat meine Zeichnung auf einen Regenschirm kopieren lassen, um sie jetzt den Leuten zu verteilen. Ich muss zwar sagen, dass die Zeichnung auf dem Schirm wirklich nicht mehr gut aussieht. Aber seine Begeisterung hat mich doch gefreut.

Der Turm Bruegels ist schon ein Renaissance-Turm, gross und die Welt sprengend. Eine wahre Attacke gegen Gott, gotteslästerlich, wie die Aufklärung auch, in ihren letzten Konsequenzen. Die mittelalterlichen Türme der Gotik sind dagegen bescheiden und brav, sehr menschlich und subaltern, runde Türmchen meist, die den Anschein des endlosen gottergebenen Zerfalls haben. Sie sehen in unseren modernen Augen ziemlich romantisch aus. Die Türme der Renaissance dagegen sind wie Capes Canaverals, hybride Installationen, die die Welt aus den Angeln zu werfen gedenken. Eigentlich sind sie skandalös. Aber schön! Ich liebe das Bild sehr, denn es gibt den Eindruck einer göttlichen Übersicht. Vom Himmel schauen wir hinunter auf diese Welt (dieser Gesichtspunkt ist vielleicht noch mittelalterlich und traditionell). So muss die Sache für den lieben Gott ausgesehen haben, als der Montag morgens das Fenster öffnete, um sein Bettzeug zu durchlüften und sein Nachthemd auszuschütteln. Wahrscheinlich ist er ziemlich heftig erschrocken, eine solchen Backsteinhaufen vor seinem Schlafzimmerfenster vorzufinden. „Skandalös", muss er in den langen Bart gemurmelt haben, und irritiert nach Petrus geleutet haben. Die babylonische Sprachverwirrung kann man durchaus als Rache Gottes gegen die menschliche Hybris verstehen. Aus Sicht des Allmächtigen ist wirklich nicht einzusehen, warum die kleinen Dinger, die Menschen, jetzt plötzlich in den Himmel klettern sollten?
...
 (R)

https://www.wien.info/en/sightseeing/museums-exhibitions/pieter-bruegel-khm

Montag, 3. Dezember 2018

"romantische Psychose"



Sierre




Wenn ich an die Zeit im Wallis zurückdenke, werde ich ganz und gar
melancholisch. Es geschieht mir immer wieder. Und es ist mir nicht klar, ob
das gut oder ob das eher schädlich ist. Es ist diese spezielle Landschaft,
die eine ästhetisch sehr schöne und übersichtliche Welt damals gewesen ist.
Aber es ist natürlich auch die Erinnerung an die eigene Jugend, diese
grossen Erwartungen und Hoffnungen ans Leben, die ich damals gehabt habe. Es
sind die starken Gefühle und die Vorstellungen von einer weiten, wunderbaren
offenen Welt, an die wir damals geglaubt hatten.

Das Land, woraus wir vertrieben worden sind, das ist das Paradies. Die
Vertreibung produziert die Paradiese. Die Jugend ist ein Paradies,
allermeist. Ich habe dann auch neue Paradiese gesucht. Den Orient
einerseits, die Psychologie andererseits. Beides waren für mich unbekannte,
geheimnisvolle Landschaften, die mit meinem bisherigen Leben und der
Philosophie meiner Familie wenig zu tun hatten.

Lange Zeit habe ich versucht, mit Malen diese alten Welten und alten Zeiten
wieder zurückzuholen. Ich habe einige Landschaftsbilder im Wallis gemalt.
Eines davon hängt in unserer Stube. Es ist eine Ansicht vom lac de Géronde
in Sierre, das ich sehr liebe. Ich glaube, ich habe Dir schon einmal über
diesen wunderbaren See inmitten der Hügel von Siders erzählt. José, mein
Freund aus dem Club, der Moderedaktor, meint, das Bild sei in mystischen
Farben gehalten. Ich sei ein Mystiker, meint er.

Nun ja, Marlena, Du siehst, wie leicht ich mich in eine solche romantische
Psychose hineinmanövrieren kann. Ich kann wirklich schwelgen in meinen alten
Erinnerungen. Aber eigentlich nur, wenn ich darüber schreibe. Sonst
schwinden sie vorbei wie Wolken im Sommerwind.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende und ich hoffe, dass ich bald von Dir
höre.
Mit einem lieben Gruss


Sonntag, 2. Dezember 2018

Bonnard

Lieber ...,

...

Vorhin habe ich mir Bilder von Bonnard angesehen. Die Farben sind so herrlich. Ich denke, wenn du sie anschaust dann bedauerst du, dass du nicht sofort an deine Stafflei gehen kannst. Und hier schicke ich dir ein Bild von dieser Frau, mit der er sich während des Malens dauernd gestritten hat. So glaube ich jedenfalls. Sie war sein Favoritmodell.




Ich wundere mich ein wenig welche Farbenskala du für deine Bilder wählen wirst. Es war so lustig zu sehen, bei den Künstlerfreunden meiner Eltern. Ein Ehepaar. Sie malte in herrlich leuchtenden Farben, die Freude und Optimismus ausstrahlten. Und manchmal mischte er sich ein und veränderte ein Bild. Das war, als wäre eine dunkle Wolke über den Himmel gezogen. Ja, ich bin sehr neugierig zu welcher Sorte du gehörst.
*
Jetzt muss ich ins Bett.. bin ziemlich müde von der Tour nach der Arbeit.
Ich grüsse dich lieb.
Marlena

Samstag, 1. Dezember 2018

Advent in Schweden

(R)

...

Und was treibst du Malou? Bist du an den Weihnachtsvorbereitungen? Das
glaube ich mindestens. Du wirst dein Haus auf Hochglanz bringen und
alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint, nicht wahr?

Und ich, wie gesagt, mit einem Kerzlein unter der Brücke.
Liebe Gs und Qs und Ks und so
....




Re:

oben bei mir


"alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint" *smile*

Ja doch, das tun wir alle hier in Schweden. Und nicht nur was
beleuchtenswert erscheint..
In allen Fenstern siehst du, schon vom 1. Advent an, entweder Sterne
oder Leuchter. Früher, als ich noch klein war, gab es diesen schönen
aus Papier, der wirklich wie ein richtiger Stern aussah, wenn er
angezündet war und ein warmes schönes Licht verbreitete. Ich habe
immer noch einen solchen oben bei mir und ich muss sehr vorsichtig
damit umgehen beim aufhängen, denn er leidet schon sehr an
Altersschwäche. Werde ganz nostalgisch wenn ich ihn leuchten sehe.
Doch heutzutage gibt es alle möglichen Sorten. Manche aus dünnem
Holz geschnitzt, andere aus goldglänzendem Metall: Ach, es gibt
wirklich so viele verschiedene Sterne und immer wieder kommen
neue dazu.


Amaryllis

Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne. Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun.