Freitag, 31. Dezember 2010



Ich wünsche Dir von Herzen
ein schönes, glückliches,
gutes neues Jahr 2011.

Marlena

31/12

Morgenröte

Silvester

Liebe Marlena

Heute ist Silvester. ...
Ich habe mir für das neue Jahr versucht, einige gute Vorsätze zu
machen. Das ist neu. Ich habe das in meinem ganzen Leben nicht
wirklich getan. Mein Leben stand eher unter dem Motto: was kommt,
das kommt. Das ist eine Art von Schicksalsergebenheit, mit der ich gar
nicht schlecht gefahren bin. Aber ich glaube, das ist eine altmodische
Art, das Leben zu nehmen. Ich denke, wer modern ist, der fühlt sich
stärker als Regisseur seines eigenen Lebens. Man soll sich das Leben
erdichten, sagen die Spezialisten. Und das werde ich tun! Ich muss
bloss versuchen, mich dazu zu motivieren.
(... )

Re: Silvester

Lieber ...,
Zuerst recht herzlichen Dank für deine lieben und interessanten Mails.
Sie haben mir gut getan.. wie Balsam für eine geplagte Seele.
Na ja, vielleicht ist es mehr mein Körper, der geplagt ist.. weiss
Gott von was. Es ist als hätte jemand Zement in meine Lunge gegossen.
Es ist keine Erkältung und es macht mich etwas ängstlich und vor allem
sehr müde. Und natürlich würde jeder kluge Mensch sofort den Arzt
aufsuchen. Aber ich bin nicht klug. Oder hoffe ich, dass es vielleicht
wieder von selbst besser wird.
Wie schön, deine guten Vorsätze für das neue Jahr. Es klingt
irgendwie ermutigend und schenkt sicher ein Gefühl von Geborgenheit.
Vorsätze als Stützen auf dem Weg durchs Leben. Und du sagst, das ist
modern? Dann bin ich früher modern gewesen. Doch jetzt denke ich eher,
wie du es früher getan hast:  Was kommt, das kommt. Ich glaube, dass
der Zufall unser Leben regiert.
Ich habe vor ein paar Tagen einen interessanten Film gesehen. Anna und
ich hatten ihn schon früher gesehen, aber wir wollten ihn beide
nochmals sehen. Er zeigt sehr deutlich, was ich meine.
"Wie wäre mein Leben gewesen, wenn..."
In diesem Film werden zwei parallele Leben einer hübschen jungen Frau
geschildert. Und alles hängt vom Zufall ab, von ein paar Sekunden. Es
ist sehr geschickt dargestellt. Kennst du den Film?
http://crazy4cinema.com/Review/FilmsS/f_sliding.html

...

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Escapism

Liebe Malou

Hast du sicherlich schon gehört. Und ich habe es heute morgen beim
Kaffee in der NZZ gelesen. Finde ich eine wunderbare Geschichte.
Geradezu benutzbar als Plot für einen exquisiten Roman.
Kennst du sie nicht, die Geschichte von jenem Schweden, der vor 2
Jahren verschwunden ist. Er hatte seinen Tod vorgetäuscht, indem er
ein Boot gemietet und auf dem Wasser hatte schwimmen lassen, während
er sich selbst auf den Socken davonmachte. Er sei dann, so die kurze
Notiz, in Südeuropa während 2 Jahren umhergetrampt, ohne von seinem
Konto Geld abzuheben, um nicht entdeckt zu werden. Jetzt aber war er
aus Heimweh wieder zurückgekehrt und habe sich zuhause gemeldet. Weil
die Familie ihn vermisst habe, wollte er nach Hause zurück. Und jetzt
wurde er in einer Verkehrskontrolle offiziell entdeckt.

Ist die Geschichte nicht herrlich? Ich glaube, Updike hat in seinen
jungen Jahren einen Roman geschrieben, der ungefähr diesem Plot folgt.
Davon hatte mir damals vor vielleicht 40 Jahren A erzählt, als er noch
in Zürich Germanitik studiert hatte. Ich war beeindruckt von dieser
Idee und sie ist mir mein Leben lang nie mehr aus dem  Kopf
gegangen. Escapism hatte A das damals genannt, sozusagen als
Lebensidee. Und ich glaube, es liegt darin eine spezielle Idee des
Masochismus.

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Winter

auf  "meiner"  Strasse

Thema Begabtenförderung

Ämne: Heureka!!!
Lieber ...,
Vielen Danke für dein Mail.
Endlich habe ich gefunden was ich suchte. So wird ihr Artikel präsentiert:

Margrit Stamm, feministische Bildungswissenschaftlerin aus Aarau (aber mit dem seltenen Mut zur Ehrlichkeit!) forscht im Auftrag von Lehrerbildungsanstalten und pädagogischen Abteilungen immer wieder zu schulpolitischen Themen. Eine der Untersuchungen befasst sich mit der Begabtenförderung und entdeckt erhebliche Mängel.

Besondere Beachtung verdient Stamms Statement, dass vor allem eine hohe Unterrichtsqualität besondere Begabungen fördern kann. Und diese Qualität wird immer mehr vermisst.

Erschienen ist der Artikel in der NZZ (Sommer 1997).
.....
Ich gebe Dir ganz recht in dem was Du über das Thema Hochbegabung sagst und würde mich gern mit Dir darüber unterhalten. Hochbegabung die sich nicht immer wieder bewährt ist ja auch keine.

Ich habe mich über den Ausdruck "pädagogische Klonisierung" amüsiert. Sicher will sie damit nur etwas provozieren. Was hätte sie wohl über unser Schulsystem zu sagen??? Wir sind leider etwas retardiert auf dem Gebiet Hochbegabung. Zwar spricht man viel von Qualitätssicherung aber damit meint man, dass alle ein Minimum erreichen sollen.

Wünsche Dir noch einen schönen Montag und viel Spass mit deinen "heissen Papieren" ;-)
Mit einem lieben Gruss
Marlena

Re: Sicher kennst du...

Ämne: Re: Sicher kennst du schon diesen Artikel..
Liebe Marlena
Den Artikel kenne ich - so denke ich - nicht. Aber ich kenne Frau Stamm. Sie hat hier bei uns ein Projekt geleitet, eine Untersuchung über Frühleser und Frührechner, also Kinder, die in die Schule kommen und schon Rechnen oder Lesen/Schreiben oder beides können. Und es waren viel mehr Kinder, als man erwartet hatte. Es waren beinahe 25%. Und 10% waren sozusagen Alleskönner. Sie hatten also bei Schuleintritt den Stoff der 1. Klasse perfekt beherrscht.
Von diesen 25% Kindern hatten nach 3 Jahren mehr als die Hälfte ihren Vorsprung gehalten. Am deutlichsten jene, die sowohl Rechnen wie Schreiben gekonnt hatten und die es auch auf eigene Initiative im Vorschulalter gelernt hatten.
Das wirkt natürlich neue Fragen in der Didaktik auf. Eine Lehrerin der ersten Klasse hat praktisch Leistungsniveaus über 4 bis 5 Jahre. Einige Kinder können Alles, andere Vieles, einige Einiges.
Es gibt Können und Lücken bunt gemischt. Und daneben noch jene, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Und vielleicht noch ein paar Kinder, die sogar noch in die Spielgruppe gehörten, weil sie sich noch nicht auf der symbolischen Ebene bewegen.
Ich danke Dir für Deine vielen Informationen. Es ist wirklich ein schönes und motivierendes Gefühl, jemanden wie Dich zu haben. Diese Unterstützung tut mir sehr gut. Fachlich und kardiographisch.

Ich werde jetzt heim gehen und mir meine zwei oder drei Kilos heissen Papiers zu Gemüte führen. Heiss, weil es frisch aus dem Drucker geflossen ist, und heiss, weil es aktuell ist. Kochend heiss also!
Merci Ché...
und noch ein schönes Wochenende
...

Zeitartikel

Ämne: Sicher kennst du schon diesen Artikel..

..für mich ist er interessant. So habe ich dich wohl von anderen Aktivitäten ferngehalten an diesem grauen Tag.
Nochmals einen lieben Gruss
Marlena

Einen lesenswerten Artikel hat Margrit Stamm in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht. Unter dem Thema "Begabtenförderung - ein bildungspolitischer Drahtseilakt" stellt sie die Ergebnisse einer eigenen empirischen Untersuchung zur Diskussion

Begabtenförderung - ein schulpolitischer Hochseilakt

Die Förderung von intellektueller Brillanz ist nicht die Stärke unseres Schulsystems. Das ist nicht zuletzt das Resultat der Ausschöpfung der Begabungsreserven und der anschliessenden Breitenförderung in den sechziger und siebziger Jahren. Zwar wurden die Begabten aus bildungsfernen Schichten gefördert, gleichzeitig aber auch Vorstellungen nach egalitärer Bildung vom Laufgitter bis zum Staatsexamen weitgehend verwirklicht. Herausragende Köpfe wurden auf ein Normalmass zurückgestutzt. Keiner sollte weniger oder auch mehr denken, können und wissen als der andere - so das Postulat der Chancengleichheit. Ziel war sozusagen eine "pädagogische Klonisierung" des Menschen. Dieses Postulat der Breitenförderung impliziert die Vorstellung, Hochbegabte würden ihren Weg selber finden, denn gerade ihre hohe Leistungsfähigkeit sei ja ein Zeichen von Exzellenz. Der dynamische Begabungsbegriff wurde nur noch in der Kurzfassung als Ausgleich von Defiziten bei Lernschwachen angewendet. Diese Auffassung ist allerdings in den letzten Jahren revidiert worden, und der Gedanke, dass hochbegabte Schülerinnen und Schüler unterstützt und gefördert werden müssen, setzt sich langsam durch.
...

Welche geistige Elite brauchen wir?
Gerade in letzter Zeit kommen vermehrt Stimmen auf, unser Land brauche wieder eine geistige Elite. Die Schweiz könne sich nicht erlauben, das Begabungspotential ihrer Menschen zu vernachlässigen. Deshalb seien die leistungswilligen und lernbereiten Schülerinnen und Schüler zu fördern....

Dienstag, 28. Dezember 2010

Re: Uppsala ... und Zürich

Ämne: Re: ups uppsala

Liebe Marlena
"Uppsala zum zweiten" ist ein höchst interessanter Brief und ich habe bloss bedauert, dass er so unvermittelt endete. Das klingt ja alles wie aus einem Familienroman des 19. Jahrhunderts, meine Liebe. Diese geheimnisvollen Begegnungen, diese schicksalshaften Wendungen. Diese Art von Lieben, die alles in den Himmel heben oder offenbar die halbe Existenz zerstören können. Es macht alles den Eindruck des Bedeutungsschweren. Natürlich ist es auch Deine Erzählweise, die diesen Eindruck hinterlässt. Und man denkt, solche Erlebnisse sollte man nicht in kurzen Briefen oder leichtlebigen Essays darstellen, sondern es müssten - wie gesagt - dicke Wälzer von Romanen sein. Na ja, meine Liebe, das ist vielleicht ein wenig ironisch gesagt, denn ich selbst liebe es, wenn Du so schreibst, und ich bedaure immer das rasche Ende des Briefes.
Ist es denn nicht auch für Dich ein interessantes Erlebnis, diesen Erinnerungen nachzugehen? Noch einmal in sie hineinzugehen, ist doch irgendwie, sie nochmals zu leben, nicht erleben, nicht ganz passiv, sondern aktiv zu leben und sie in der Tiefe auszukosten, oder vielleicht auch auszuleiden. Ist das nicht Proust in Aktion? Ach nein, Proust ist es wohl nicht, denn er ästhetisiert die Erfahrung total.

(...)

Ich kann mich gut an die Anfangsjahre meines Studiums in Zürich erinnern. Zürich war ja 4 Stunden damals mit der Eisenbahn vom Wallis entfernt. Und ich wollte nicht jedes Wochenende heim, um etwas sparsam zu sein. Und all meine Kollegen studierten als gute Katholiken in Freiburg, und bloss einige Fortschrittliche vielleicht noch in Bern. Aber wirklich nur die Verwegensten. Ich sass also ziemlich allein hier in Zürich fest. Und ich erinnere mich, wie ich dort anfangs einsam war in meinen Studentenzimmerchen. Ich hatte so einen Tauchsieder, um mir ein Teelein zu kochen. Und sonst war das Zimmer so unpersönlich und fremd in diesem Studentenhaus des Rotary Club. Anfangs teilte ich ein Doppelzimmer mit einem Auslandschweizer aus Spanien. Aber der (ich erinnere mich nicht einmal mehr seines Namens), er war nie zuhause und viel älter als ich. Ich glaube, er studierte Physik und kam aus Madrid. Und er schaute aus wie ein Spanier, nur ohne den spanischen Charme. So fristete ich dort anfangs ein eher unglückliches Leben und fühlte mich fremd in dieser grossen Stadt. Und unter diesen Architekturstudenten war ich auch nicht echt zuhause, weshalb ich ja auch regelmässig in die Universität hinüber ging, um Vorlesungen zu hören. Ich pendelte sozusagen zwischen Hammer und Amboss. Damals habe ich all jene Studenten aufs Tiefste benieden, die zuhause leben konnten. Es gab viele, die wohnten vielleicht nicht direkt in Zürich, aber doch in der Region und abends eilten sie zum Hauptbahnhof. Und zuhause wartete ein gedeckter Tisch auf sie und eine Familie, und die alten Bekannten der Gymnasialzeit. Gar nicht zu reden von den öden Sonntagen, die ich anfangs in Zürich verlebte! Damals ging ich noch in die Mensa der ETH essen. Dort traf ich ein paar Kollegen, die ich kannte. Meist waren sie viel älter, als ich es war. Und sie diskutierten über Dinge, die mich nicht interessierten. Es war nicht das, was ich mir von einem echten Sonntag wünschte. Ich glaube, dieses soziale Leben anfangs meiner Zeit in Zürich hat mir meinen Studienanfang sehr erschwert. Und ich habe immer gedacht, es wäre ein Glück, dass meine Töchter, wenn sie denn studieren würden, weiter zuhause leben könnten. Vielleicht die ersten paar Semester, bis sie sich etwas in die neue Lebensart eingewöhnt hätten. Später, da bin ich mir sicher, ist es wichtig, dass man auch mal ein richtiges Studentenleben führen soll und einen eigenen Haushalt führt, oder doch so in einer Wohngemeinschaft lebt. Das ist etwas sehr Schönes, wenn man sich voller Leidenschaften dem Leben und der Liebe - will sagen den Studien - hingeben kann, ohne auf die eigene Familie Rücksicht nehmen zu müssen.
*
So siehst Du, Marlena, Du hast mein Bild überhaupt nicht verändert. Du hast bloss ein weiteres hübsches Mosaiksteinchen zugefügt. Aber Du hast auch Mühe, davon zu erzählen. Du arbeitest wirklich in klitzekleinen Mosaikstückchen, und Du gehst ziemlich langsam voran. Weshalb denn solltest Du einen schwarzen Strich unter all diese interessanten und einzigartigen Erlebnisse setzen? Deine Jugend war glücklich und behütet und schön. Was denn sollte man dabei vergessen? Natürlich, wenn man aus der Position des Erwachsenen zurückschaut, deckt man oft auch Dinge auf, die man in der Jugend selbst nicht bemerkt hat. Natürlich ist dann vielleicht nicht mehr alles rosa. Es zeigen sich Risse und Spalten. Aber darüber muss man auch ein wenig hinwegsehen.
Ich selbst, wie Du bemerkt hast, habe eine Tendenz, meine Jugend zu verklären. Die Verklärung der Vergangenheit ist bekanntlich eine Erfindung der Romantik. Doch ich finde, wenn man positiv über die eigene Vergangenheit denken kann, so stärkt einen das auch für die Gegenwart. Deshalb tue ich es wohl ganz bewusst. Und ich geniesse es richtiggehend. Ich habe dies eigentlich erst in den letzten paar Jahren entdeckt. Das ist wohl ein Teil der Altersweisheit ? ;--)
*
So hoffe ich doch sehr, meine diebische Elster, dass Du mir noch weiter von Deiner Uppsala Zeit erzählst. Tue es für mich, aber ebenso für Dich. Es ist doch ungefähr so, wie auf einer grünnen Wiese zu liegen und in die Wolken zu schauen. Das beruhigt, zeigt, wie das Leben gross ist, und erfrischt den Geist. Denn was Du begonnen hast zu schildern, das würde für einen biographischen Roman echt ausreichen.
*
Ich hatte heute mein persönliches Gespräch mit meinem Chef. Er ist etwas dicker geworden, seit ich ihn letztmals so nah gesehen habe. Er ist ein wacher Geist und es ist interessant, mit ihm zu diskutieren. Doch er denkt natürlich viel weniger psychologisch als ich. Er denkt echt politisch. Und wenn etwas gut ist, hat er es gemacht, und wenn es schlecht ist, haben es seine Mitarbeiter gemacht. So ist er, wie alle Politiker. Wir sind nur dazu da, ihnen die Lorbeeren zu liefern. Doch was soll es? Die Politiker kommen und gehen. Und wir bleiben und überleben sie und machen die Politik. So ungefähr könnte man sagen, wenn es auch nicht allzu sehr stimmt.
Im Mai bin ich 20 Jahre an dieser Stelle. Das ist eine Ewigkeit. Und ich denke, dass es in der Wirtschaft unmöglich wäre, so lange auf ein und demselben Stuhl zu sitzen. Es ist auch nicht gut. Manchmal merke ich, wie ich bequem geworden bin. Manchmal finde ich alles ziemlich langweilig. Manchmal ärgert man sich über all die dummen Neuerungen, die bloss mehr Papierkrieg und sonst gar nicht viel bringen. Aber immerhin.
Ich war damals der jüngste. Und jetzt bin ich ungefähr der dritt- oder viert-älteste. Einer wird im Mai in Pension gehen. Der nächste folgt bald. Und dann komme schon bald ich. Allerdings dauert es bei mir etwas länger.

Ich habe eine Kusine, die in der Chemie arbeitet. Sie ist etwa 2 Jahre älter als ich. Und seit ein paar Monaten ist sie in Pension mit voller Rente. Wenn Du dir das Paradies vorstellen willst, so musst Du Dir so etwas Aehnliches ausdenken. Sie reist in der Welt herum, geht gut essen, nimmt Kilo um Kilo zu und pflegt ihr fröhliches Gemüt. Ja, sie hat wirklich das grosse Los erwischt. Vielleicht bedauert sie es in ein paar Jahren, doch heute geniest sie es in vollen Zügen. Immer wieder bekommen wir Postkarten von ihr aus irgend welchen exotischen Ferienregionen. Man kann wirklich nur neidisch werden.
*
Ist es nicht schlimm, wenn man an die Pensionierung denkt. Das ist wirklich sehr schlimm. Lass uns das Leben nehmen, wie es ist. Seien wir froh, dass wir noch ein paar Jahre arbeiten können. Alles andere macht alt.
Ich küsse und grüsse Dich
...

Uppsala zum zweiten.

Ämne: :-)))
...
Dadurch dass ich zu Hause wohnen konnte habe ich eigentlich kein typisches Studentenleben gelebt. Du weisst, wenn man mit so 10 anderen Personen in einem Studentenkorridor wohnt und die Küche und den Alltag teilt. Ich wohnte zu Hause und wurde nach wie vor eifersüchtig von meinem Onkel behütet. Irgendwie hatte ich später den Eindruck, dass sie mich brauchten um überhaupt zusammen leben zu können.

Ich sass also meist an meinem Schreibtisch zu Hause und vertiefte mich in die Bücher. Vor mir an der Wand sehe ich das Foto wo ich als 21-jährige gerade an meinem Schreibtisch eine Arbeit vorbereite.

Wir kamen spät im Herbst nach Uppsala, d.h. das erste Semester an dem ich teilnehmen wollte war fast zu Ende. Ich hatte mich angemeldet für Germanistik und mich mit den Kursplänen versehen. Literatur, Sprachgeschichte und natürlich die Sprache selbst, Wortschatz, Aussprache und Grammatik das schwierigste Kapitel für die meisten der Studenten. Uppsala hatte damals den Ruf sehr viel zu verlangen und man sagte sogar dass die Schüler, die dort bei ihrer Übersetzung schon zum dritten mal durchgefallen seien, an der Hochschule in Stockholm kein Problem damit hatten.
Nun ja, es besteht wohl immer eine gewisse Rivalität zwischen Lehranstalten aber ich glaube die Uni von Uppsala ist schon immer als Nr 1 betrachtet worden. (Nr 2 Lund). :-)
Ich hatte eine lange Literaturliste von der ich wählen konnte eine gewisse Anzahl Seiten zu lesen und ich muss lachen wenn ich daran denke was mein erstes Buch war: Buddenbrooks von Thomas Mann. Ich glaube ich wollte so schnell wie möglich die Anzahl Seiten hinter mich bringen. ;-) Es war wirklich kein leichtes Buch. So unendlich Wortreich.. aber doch ziemlich interessant. Dann erinnere ich mich noch an mein erstes ”Ausspracheseminar”. Es wurde von einem jungen deutschen Dozenten geleitet. Ich glaube ich habe ihn so wie Herrn Grünlich in meinem Buch aufgefasst. Die Gruppe hatte bereits 8 von den 10 Stunden gemacht und er begann also diese meine erste Stunde damit, mir eine Moralpredigt zu halten,  wie ich mir das vorstelle erst nun zu kommen u.s.w. was ich dann ruhig beantwortete mit ”es wird schon gehen”. Ausserdem war seine eigene Aussprache etwas von einem Dialekt gefärbt wobei seine ”i” zu sehr wie ein ”e” klangen. Das habe ich ihm aber nicht gesagt. ;-)

Ich will jedoch nichts schlechtes über ihn sagen, denn es war er, der mich Rilke entdecken liess. Er hatte also auch Literaturvorlesungen. Und ganz anders als später bei einem Dozenten in Französisch, der immer am Ende seiner Vorlesungen herzlich lachte so als wollte er sagen: ”Wieviel Dummes Zeug sich ein Mensch ausdenken kann”, endeten seine Vorlesungen immer damit, dass man glaubte er würde nun anfangen zu weinen. Man hatte oft den Eindruck er trüge die ganze ”Schuld des Deutschen Volkes” auf seinen Schultern.
Er sprach also über Rilke, er schenkte uns ein Kompendium mit Rilkes allerschönsten Gedichten (die ich Dir bereits alle geschickt habe) und so kam es dass ich das Stundenbuch zu lesen begann. Ich war überwältigt davon. So tiefe und schöne Gedanken in einer solch wunderschönen Sprache hatte ich noch nie gesehen. Irgendwie passte es auch zu meinem Leben oder vielleicht besser gesagt zu meiner Gedankenwelt zu dem Zeitpunkt.
*
Eines Tages kam ein Brief von einem Bekannten unserer Familie. Er war an mich gerichtet.  (...)
*
Liebling, ich finde nicht richtig den Faden zurück. Möchte diese Erinnerung von mir abschütteln bevor ich weiterschreibe.
Hoffentlich sehe ich ein kleines rotes Dreieck vor deinem Namen wenn ich nun ins Internet gehe..
Alles Liebe
Marlena

Uppsala anno dazumal

Ämne: Rückblick..


Lieber ...,
Hier passiert nicht so viel im Moment (sonst ja eigentlich auch nicht ). Aber da mir im Augenblick nichts anderes einfällt werde ich versuchen dir ein wenig von meiner Zeit in Uppsala zu erzählen.

Uppsala ist die Universitätsstadt par préférence und ich hatte das grosse Glück, dass meine Eltern gerade im richtigen Moment dorthin zogen. Ich hatte im Frühjahr das Abitur gemacht und war eigentlich noch nicht ganz sicher was ich studieren wollte. Ein wenig dachte ich an eine Dolmetscherschule in der Schweiz. Ja, du hast richtig gehört :-) aber da ich mich nun mitten in dem akademischen Zentrum von Schweden befand war es natürlich dass ich dort anfing zu studieren.

Uppsala ist eine kleine gemütliche Stadt ungefähr eine Stunde von Stockholm. Das Zentrum ist ziemlich klein, nur zwei sich kreuzende Strassen und mittendurch fliesst ein kleiner Bach (Fluss?). Es sieht ein wenig altertümlich aus und romantisch. Die dominierenden Gebäude sind der Dom (siehe Bild), die schöne Universität, das grosse Schloss und die Universitätsbibliothek "Carolina Rediviva" wo man die Silberbibel, den "Codex Argenteus" findet (nach dem 30-jährigen Krieg von den grausamen Schweden von Prag als Beute heimgeführt ). Man sagt oft aus Spass: alles Sehenwerte was es bei uns gibt ist gestohlen. ;-)

Wie du schon weißt wohnten wir zuerst in einer Mietwohnung ein paar Kilometer vom Zentrum. Es war bequem aber auch etwas schwierig weil wir ja unsere beiden Katzen mitgebracht hatten. Es gab mehrere Hochhäuser ganz in der Nähe in denen viele Studentenwohnungen eingeräumt waren aber unser Haus grenzte an ein Villenviertel mit schönen Gärten. So konnte ich von meinem Schreibtisch aus die Natur betrachten und die Jahreszeiten verfolgen.
Wir hatten unsere Freunde in Stockholm mit Umgebung zurückgelassen aber es dauerte nicht lange bevor Tante sowohl wie Onkel wieder neue Freunde gefunden hatten, und wie es sich eben gehörte originelle oder vornehme, manchmal sogar beides in derselben Person.

Als "gute" Katholiken gingen wir Sonntags in die Messe, in eine kleine Kapelle, die immer vollbesetzt war. Es war wohl mehr ein soziales Verhalten als Religion, obwohl meine Eltern das nie zugegeben hätten. Nach der Messe stand man ziemlich lange vor der Kirche und unterhielt sich mit den anderen Kirchenbesuchern. Ich sehe sie noch vor mir, meine liebe Tante. Gross und elegant, schien sie irgendwie der Mittelpunkt zu sein. Es war fast wie eine grosse Familie. Und natürlich liess mein Onkel seinen Charme auch über die Nonnen fliessen. ;-) Ein paar Patres und Nonnen waren auch immer dabei. Sie wohnten alle im selben Haus und die Nonnen führten den Patern den Haushalt. Ich musste meine Vorstellung von Nonnen damals sehr revidieren. Sie schweben nicht in den Wolken (wie ich geglaubt hatte) sondern stehen alle fest mit den Beinen auf der Erde.

Dadurch dass ich zu Hause wohnen konnte, war ich nicht so sehr auf die anderen angewiesen. Ich hatte bald ein paar neue Freunde unter den anderen Studenten, aber vor allem in der Gruppe von katholischen Akademikern. Sie waren sehr verschieden. Manche wie ich, manche warm religiös und dann noch die Konvertiten, die mir immer ein wenig überspannt vorkamen, weil sie alles so ernst nahmen. Ich war dann auch Sekretärin in dem katholischen Akademikerverein (AC)und wir arrangierten Vorträge, Veranstaltungen und Feste. Ausserdem hatten wir jeden Sonntagabend "Open House" für die Studenten. Man diskutierte viel über Gott und die Welt (meist über die Welt) und vielleicht kamen einige doch mehr wegen der schönen Mädchen ... Kurz gesagt, wir amüsierten uns köstlich. Und alles unter klerikaler Aufsicht ;-)

Dann hatte ich eine Freundin, die etwas speziell war. Ich glaube sie war so 26 (ein schrecklich hohes alter in meinen Augen) und mit einem bedeutend älteren Professor in Geschichte an der Uni verheiratet. Nach den Vorlesungen brachte sie mich ab und zu in ihrem Auto nach Hause und wir wurden gute Freunde. Sie war schön und fröhlich aber sie kam mir etwas einsam vor und ich glaube sie muss sich gelangweilt haben. Manchmal war ich zu "Damentreffen" (?) bei ihr eingeladen und ich sag dir, so langweilige Typen wie es da gab habe ich später im Leben kaum gesehen. Schöner waren die grossen Feste zu denen sie mich einlud. Sie fanden meist in dem Festsaal einer Studentennation statt mit hunderten von prominenten Gästen. Professoren, Regierungsmitglieder und dergleichen und dann wir junge Studenten, die wohl ihretwegen eingeladen waren. Es war ein komisches Gefühl mit einem wilden Aussenminister zu tanzen oder sich mit einem Professor, dessen blosser Namen jedem Studenten Schreck einflösste, über Kellereinbrüche zu unterhalten. :-)

Eine andere Freundin war Pianistin und manchmal gingen wir zusammen mit einem jungen werdenden Opernsänger in eine Nation. Sie setzte sich an den Flügel und begleitete ihn während er Schubertlieder oder irgendeine Arie sang. Ich war das begeisterte Publikum.
Ach, es war wirklich schön.

Und vielleicht muss ich dir auch von Peter erzählen. Er war Mathematikstudent und wohnte bei einer alten (uralten!) Majorin. Er gab oft schöne Feste bei sich zu Hause. Bei solchen Gelegenheiten durfte er ihren grossen schönen Salon verwenden. Die Mädchen beklagten sich dass sie ihn nie am Telefon erreichen konnten weil die Majorin immer sagte er sei nicht zu Hause. Aber wenn sie sagten sie seien Marlena holte sie ihn sofort ans Telefon. Er bekam ständig Anrufe von Marlena aber nie von mir. :-) Du hattest recht. Ich war ein "Schwiegermuttertraum" ;-)

Damals gab es noch keine Computer aber die Schneckenpost funktionierte ausgezeichnet.
Doch darüber ein anderes Mal.
Ich muss zurück in die Gegenwart.
KKK
Marlena

PS Danke für das gute Frühstück.. ich habe es sehr genossen.

Montag, 27. Dezember 2010

Ein Brief

Subject: Mit Preisfrage diesmal

Liebe Marlena

Hier habe ich einen Brief kopiert. Kannst du herausfinden, von wem er stammt? Ich glaube, du kannst das schon erraten. Er war Nobel-Preisträger. Und nachdem er den Preis erhalten hat, hat er diesen Brief an seinen alten Lehrer der Grundschule geschrieben. Das ist eine wirklich rührende Situation, und gelegentlich und gerne zitiere ich sie für die Lehrkräfte, um ihnen zu zeigen, wie sehr sie das Leben ihrer jungen Menschen prägen können. Lehrer-Arbeit ist Zukunfts-Arbeit. Die Schule ist eine Zukunfts-Fabrik. Das ist meine Wort-Erfindung und ich habe hier in der Schweiz praktisch das copy-right. Du kannst es dir für Schweden sichern, Marlena ;----) Ich schenke es dir. Ich finde, es ist ein Ausdruck, der viele Leute verblüfft und gleichzeitig die Bedeutung der Schule darstellt.

Und so bekommen Lehrer ihre Rückmeldungen und Feedbacks von den ehemaligen Schülern aus der Zukunft erst um eine Generation verspätet zurück. Du hast mir auch einmal davon erzählt. Das macht die Arbeit schwer. Man bräuchte doch die Rückmeldung sofort, in der gleichen Stunde, in derselben Minute sogar. Aber nein, sie kommen 20 Jahre später. Lehrer sein ist ein hartes und ein sehr langsames Geschäft. Der Fabrikationsprozess geht im Schneckentempo.

Und hier ist dieser Brief. Ich werde ihn in meinem Vortrag über Hochbegabung verwenden. Du hast mich einmal nach dem Vortrag gefragt. Nein, ich habe ihn noch nicht gehalten. Er ist Mitte Juni, glaube ich. Und ich hoffe, du wirst auch unter den Zuhörern sein ;--)) Im Moment bin ich noch im "Kompositions-Prozess". Der Brief also:

19. November 1957

Lieber Herr G.

Ich habe den Lärm sich etwas legen lassen, der in diesen Tagen um mich war, ehe ich mich ganz herzlich an Sie wende. Man hat mir eine viel zu grosse Ehre erwiesen, die ich weder erstrebt noch erbeten habe. Doch als ich die Nachricht erhielt, galt mein erster Gedanke, nach meiner Mutter, Ihnen. Ohne Sie, ohne Ihre liebevolle Hand, die Sie dem armen kleinen Kind, das ich war, gereicht haben, ohne Ihre Unterweisung und Ihr Beispiel wäre nichts von alldem geschehen. Ich mache um diese Art Ehrung nicht viel Aufhebens. Aber diese ist zumindest eine Gelegenheit, Ihnen zu sagen, was Sie für mich waren und noch immer sind, und um Ihnen zu versichern, dass Ihre Mühen, die Arbeit und die Grossherzigkeit, die Sie eingesetzt haben, immer lebendig sind bei einem Ihrer kleinen Zöglinge, der trotz seines Alters nicht aufgehört hat, Ihr dankbarer Schüler zu sein. Ich umarme Sie von ganzem Herzen.

Signatur

Ich kann dir die Antwort des Lehrers auch kopieren, wenn du das wünschst. Sie ist etwas länger. Aber vielleicht kennst du die Briefe schon, und vielleicht sogar in der Originalsprache, und nicht in deutscher Übersetzung. Ach nein, vielleicht doch nicht original, so rasch wirst du dein Italienisch nicht gelernt haben!

27 Dezember


subject Re: Danföredanföredopparedan..


Liebe Malou
Ist das wirklich ein Wort, respektive ein Name:
'Danföredanföredopparedan'. Das dürftest Du keinem Femdsprachler
erzählen, denn das bewirkt ein Schock und eine Höllenangst vor dem
Schwedischen. Damit kann man ganze Armeen in die Flucht treiben.

Wir haben ruhige Weinhachtstage gehabt. Ich war mehrheitlich krank und
habe im Bett gelegen, gelesen, geschwitzt und dazu auch heissen Tee
getrunken. Na ja, es war nicht so übel. Ich habe mich nicht sooooo
schlecht gefühlt, dass es eine Qual gewesen wäre. Und am 24., als wir
mit unseren Jungen unser Fondue Chinoise gehabt haben, ging es ganz
gut.

Heute sind ja die Läden schon wieder offen und es scheint, das Leben
geht seinen gewohnten Gang. Zu Mittag sind meine Eltern eingeladen.
Und nachmittags kommen noch andere Gäste. Der Tag ist besetzt, darüber
besteht kein Zweifel.

Und dann geht es in eilenden Schritten dem Neujahr zu. Ich glaube, je
älter ich werde desto rascher gehen diese Tage und diese Jahre. Aber,
das zu sagen ist bestimmt nichts Neues. Man sollte bloss die Techniken
verfeinern, womit sich die Zeit dehnen und strecken lässt. Wie kann
man Zeit vermehren?
Ich glaube, früher hatte ich immer gedacht, die Zeit fliesse am
langsamsten, wenn einem langweilig ist. Das Wort Langeweile heisst ja
schon, dass darin die Weile lang sei. Um also viel Zeit zu haben,
müsste man alles vermeiden, was aufregend und interessant sei. Bloss
müde herumhängen, das mache die Zeit am längsten, so glaubte ich. Und
ich kann Dir sagen, Malou, daran ist was Richtiges. Die Zeit ist dann
wirklich lang, manchmal endlos lang. Wenn man im Moment drin steckt,
dann geht sie endlos zähl und schneckenhaft über die Bühne. Es ist
mehr oder weniger die Art, wie Zeit auf dem Dorf vergeht.
Aber diese Art der Dehnung hat einen grossen Haken. In der Erinnerung,
im Blick zurück verschwindet jene Zeit, die damals so endlos lang war,
in ein pures Nichts. Damals viel und heute nichts, das ist die
Quintessenz jener Technik, die man im Dorfe übt.
Die Stadt arbeitet mit anderen Mitteln. Die Stadt sorgt für viel
Ereignisse im Moment, für Kurzlebigkeit und Rasanz. Die Zeit vergeht
im Fluge. Doch später hat man viele Erinnerungen und Erlebnisse, auf
die man zurücksehen kann. Sie erscheint dann als mehr, als sie
wirklich war.
Ist daran nicht was Wahres.
Und gleichzeitig sind diese zwei Methoden, wie mir scheint, zwei
biologische Notreaktionen. Ich glaube, Freud erwähnt sie irgendwo. Es
gibt Tierarten, die erstarren bei Todesgefahr zur unbeweglichen Figur.
Sie gleichen sich sozusagen der unbelebten Natur an. Es ist natürlich
eine Art Mimikry mit dem Ziel, so unsterblich zu werden wie der Stein.
Und der andere Reaktionstyp ist der Bewegungssturm, der die
Lebensgefahr in einem Übermass an Bewegung und Reaktionsvarianten zu
überwinden versucht.
Ist das nicht ein guter Vergleich?
Du siehst, Malou, wenn ich etwas Zeit habe, bricht meine
philosophische Seite durch. Dann werde ich gänzlich kontemplativ und
hänge in den Wolken.
Dann gehe ich in der Stube auf und ab, trinke Kaffee und wühle in den
Papieren. Und wenn ich noch ein paar Jährchen jünger wäre, würde ich
dazu Pfeiffe paffen, dass der ganze Raum im Nebel verschwinden könnte.
Das mindestens hat man mir früher immer vorgeworfen. Im Studentenheim,
später im Büro oder in meinem 'Rauchzimmer' zuhause.
Wie geht es bei Euch. Habt ihr den Weihnachtsbraten genossen? Und die
Geschenke ausgetauscht?
Da erinnere ich mich an ein Kapitel aus Kästners 'Als ich ein kleiner
Junge war'. Er erzählt, wie es bei ihm zu Weihnachten zu- und herging.
Das musst Du mal lesen, ist eine sehr intelligente psychologische
Studie. Aber dazu hast Du ja nunmal ein gutes Jahr Zeit.
Ich wünsche Dir eine schöne Zeit.
Mit lieben Grüssen
...

Sonntag, 26. Dezember 2010

26 Dezember

Blick durchs Fenster

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Dienstag, 21. Dezember 2010

22. Dezember

Danföredanföredopparedan


Ja, so heisst er dieser Tag.:          
Der-Tag-vor-dem-Tag-vor-dem- Eintunktag...   

Es hat mit dem Weihnachtsschinken und der
Brühe zu tun, in die man Fladenbrot (?) eintunkt.
Ich bin froh, dass ich alles, oder fast alles, was mich aus dem
Haus treibt, hinter mir habe. So spät wie gestern Abend haben
Anna und ich noch an mehreren Tankstellen in der Region
nach einem Baum gesucht. Und schliesslich haben wir zum
Glück einen akzeptablen gefunden. Es gab sonst nur noch
schreckliche Monster.
Heute werden wir Weihnachtsgebäck machen. Ein Stollen,
ein Rosinenpfefferkuchen und Vanillekipferl (altes
österreichisches Rezept) gehören dazu. Das Saffronsgebäck
habe ich ja schon zu Lucia gebacken. Und morgen wird dann
der Baum geschmückt. Wir setzen immer eine Ehre darin
den "Allerschönsten" zu haben.. *s*
Ich schicke dir ein paar Bilder mit von aktuellen Dingen.
Der Baum (von vorigem Jahr), das Schneebild, weil es
wahrscheinlich am "julafton" (Weihnachtsabend) so hier
aussehen wird.. *hoffentlich* und dann der Schinken, ein
absolutes "muss" auf jedem schwedischen "julbord".
....
(R) Dezember 2004

Vorweihnachtszeit

subject Re: Ja, ich fühle es..

Liebe Malou
Ich höre nichts von Dir. Bist Du wirklich krank geworden. Aber dann
wärest Du ja dauernd zuhause und könntest jede Menge mailen?
Ich habe hier nochmals Arbeit gefasst und werde die nächsten Tage noch
sehr beschäftigt sein. Es kommt immer anders, als man denkt.

Gestern hatten wir das Essen mit der Redaktionskommission. Es war sehr
durchschnittlich mit durchschnittlicher Unterhaltung in einem
durchschnittlichen Restaurant mit überdurchschnittlich viel Durchzug
und Lärm. Also, da gibt es nicht viel zu erzählen.

Und heute haben wir hier kalt wie anton. Ich habe gehört, es wäre -10°
gewesen heute morgen. Das ist steifes Winterwetter, nicht wahr? Und da
sitzt man gerne hinter dem Ofen, knabbert an den Nüssen, trinkt warmen
Tee und erzählt sich Gespenstergeschichten.

Ich habe noch einige Bücher, die ich rezensieren sollte. Ich bin in
der letzten Zeit ein wenig in Rückstand gekommen. Es gab auch einige
aufwendige Bücher: eine Biographie von Goethe, eine Biographie von
Olympia Morata, 3 Biographien über weibliche Astrologinnen etc. Und
dabei hatte ich gedacht, dass ich in dieser Vorweihnachtszeit etwas
Zeit hätte.

Ss Hexen-Party war ein Erfolg. Sie waren alle begeistert. Sie lieben
es offenbar, einmal ohne Männer unter sich zusammen zu sitzen und
sogar zu tanzen. Sie fühlen sich leicht ohne das schwere männliche
Anhängsel. Und viele tanzen, was sie in Anwesenheit ihres Kerls nicht
tun würden. Es waren viele Südamerikanerinnen dabei, aber auch
Schweizerinnen. Es ist eigentlich richtige Integrationsarbeit. Und ich
bin froh, dass es in der Schweiz soviele Mischehen gibt. Wir brauchen
etwas Blutauffrischung.  ...

Jetzt muss ich mich beeilen. Ich will heute früher heim, etwas essen,
etwas schlafen und dann noch ein wenig am Tisch in der Stube arbeiten.
Ich wünsche Dir gute Besserung.
Mit lieben Grüssen
...

Blick durchs Fenster 21/12

Heute morgen -22°


Sonntag, 19. Dezember 2010

Pensionisten

 Liebe Malou
...
Gestern, als ich um vier auf dem Bahnhof stand, gab es wieder einmal
viele Pensionisten. Ich schaue ihnen mit einiger Verwunderung und auch
mit einer gewissen Befremdung zu. Und zugleich stelle ich mir vor,
dass ich in 4 oder 5 Jahren auch dazu gehören werde. Sie stehen
vergnügt in grossen Gruppen herum, reden laut und betont fröhlich -
wahrscheinlich weil viele von ihnen ein bisschen schwerhörig sind -
und zeigen in Kleidung und Haltung, dass sie längere Märsche hinter
sich haben. Sie sind braungebrannt, und sie flirten gerne. Ja, es
scheint, dass unsere Landschaften von riesigen Schwärmen von
Pensionisten bewandert werden. Sie sind natürlich einigermassen
disziplinierte Leute, geben acht auf seltene Blumen und ungemähte
Wiesen. Und sie sind voller Liebe für unser Vaterland, denn sie haben
noch den zweiten Weltkrieg erlebt. Eigentlich sollte man vorschlagen,
dass man die Schweizerische Armee abschafft, und dagegen den
Pensionisten eine kleine Uniform und ein solides Sackmesser abgibt,
damit sie unser Land verteidigen können. Sie müssten nicht viel
anderes tun als was sie bisher getan haben. Sie müssten einfach durch
unsere Landschaften wandern. Und so besetzen sie ja praktisch jeden
Quadratmeter in unserem Land. Und kein wirklicher Feind würde es
wagen, sie aus dieser friedlichen Ruhe zu vertreiben, in der sie sich
befinden. Ach, das wäre eine geniale Lösung. Und wir könnten die hohen
Budgetposten, die wir für die Landesverteidigung in Bern haben, wir
könnten sie alle streichen. Man müsste den Pensionisten nicht mal
einen speziellen Sold bezahlen, denn sie haben ja alle eine gute
Pension. Und sie sind ja ohnehin schon draussen in der Natur.

Samstag, 18. Dezember 2010

Eishockey war das A und O in Visp


subject Re: Schnee..


Liebe Malou
...
Nein, wir haben noch keine Ferien. Zumindest nicht offiziell oder Schulferien. Ich glaube, die fangen erst im Laufe dieser Woche an. Du weisst ja, wir sind ein ziemlich fleissiges Volk. Damit machen wir unsere fehlenden Bodenschätze und die mangelnden intellektuellen Fähigkeiten wett. Die simplen armen Leute müssen einfach ackern, etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Vor allem nicht in diesem kalten Wind des globalisierten Wettbewerbs.
Und schnee hat es hier nur minimal. In den Bergen soll es letztes Wochenende viel geschneit haben. Bestimmt haben all die Kurdirektoren und Hotelliers in den Winterstationen Gott gedankt für dieses kleine Geschenk vor Weihnachten. Es ist für sie immer eine Zitterpartie, ob der Schnee vor Weihnachten kommt oder ob er nicht kommt. Mit den Schneekanonen können sie nicht alles wettmachen, die belegen ihnen bloss die Pisten mit Schnee. Aber der Landschaft fehlt dann doch die schöne dicke Decke.
Ich habe viele Erinnerungen mit üppig bedeckten Landschaften. In meiner Jugendzeit gab es im Wallis jeweils viel Schnee. Jedenfalls viel mehr, als wir vorher in L erlebt hatten. Und ich erinnere mich gut an das erste Mal, als ich in Visp mit meinen Eltern der Kantonsstrasse entlang zum Dorfzentrum hinging. Auf dem Gehsteig lagen hohe Berge von Schnee, den man von der Strasse weggepflügt hatte, während der Gehsteig daneben schon beinahe aper war. Ich hatte das Gefühl, es hätte mich in meinem Leben in die hinterste und entfernteste Ecke der Alpen - was heisst der Alpen, der Welt hatte ich den Eindruck - verschlagen. Aber einige Jahre später haben wir mit den Nachbarsbuben auf eben dieser Strasse mit ihrem festgefahrenen Schnee Eishockey gespielt. Zwar auf der Strasse nicht mit Schlittschuhen , aber doch mit Stock und Puck, wie es sich gehört. Eishockey war das A und O in Visp, noch viel wichtiger als Skifahren. Der Vater dieser Nachbarsbuben hatte selbst in der Mannschaft Visps Eishockey gespielt. Und natürlich waren seine Söhne die guten Nachwshoffnungen. Als sie ins Juniorenteam eingetreten waren, wollte ich das unbedingt auch. Aber meine Eltern waren dagegen. Sie befürchteten wohl, ich hätte dann keine Zeit mehr für die Schule. Und ausserdem gab es bisweilen blutige Unfälle beim Eishockey. Sie hielten mich nicht für einen Typen, der sowas durchstehen könnte. So bin ich dann eben leider kein internationaler Eishockeyspieler geworden !!! ;--)

In den Schweizerischen Eishockeyteams hatte man damals jeweils einen Kanadier. Er war Trainer, durfte aber auch mitspielen. Und ich habe diese breitspurigen Typen mit ihren grellen Jackets - meist hatten sie ebenso grelle, riesige Zahlen oder Buchstaben aufgenäht - immer noch in bester Erinnerung, wie sie sich in unserem kleinen Dorf bewegten und wie sie beim Training in ihrem Englisch herumschrieen. Ich wusste, sie kommen aus der grossen weiten Welt und zeigen uns, wie es in der grossen weiten Welt zu und hergeht. Ach ja, die Kanadier! Sie waren im Grunde moderne Söldner, die in diesen langweiligen Schweizer Orten ein langweiliges Leben führten, um zu etwas Geld zu kommen. Bestimmt litten sie enorm unter ihrem Heimweh. Ich glaube, sie kamen meist nicht mal mit ihrer Familie, wenn sie denn eine hatten. Und nach einer oder zwei Saisons fuhren sie wieder zurück. War bestimmt keine Schleckerei.

...

Mittwoch, 15. Dezember 2010

„Einführung in die Welt"

Subject: Wednesday probably (3)
...
Damit bin ich ziemlich nahtlos und organisch bei Faust und meiner katholischen Schule gelandet. Es ist in der Tat möglich, dass die katholische Mentalität der Grund war, weshalb wir uns nie an die Lektüre des Faust vorgewagt hatten. Ich kann mich noch schwach erinnern, wie uns der Professor (an dieser Schule nannte man damals die Lehrkräfte noch Professor, heute – so glaube ich – nicht mehr) damals mitgeteilt hatte, er würde uns den Faust erlassen. Wir waren alle erleichtert und wir hatten den Eindruck, es sei die reine Barmherzigkeit des Lehrers, und nicht der profane und laszive Inhalt des Faust. Na ja, „lasziv" ist ein bisschen dick aufgetragen!

Es ist wunderschön, Marlena, wie du von deinen Jugenderinnerungen sprichst und von den Personen, die dich damals beeindruckt und geprägt haben. Es ist eine richtige Ahnengalerie, die du mir vorführen kannst. Und im Zentrum thront dein Grossvater mit seinen eindrucksvollen violetten Augen. Oder der Wiener Arzt, den du schon früher erwähnt hattest. Die Episode aus dem Zirkus hat mir besonders gut gefallen. Sie zeigt, wie schön es ist, wenn Erwachsene ihren Kindern die Welt zeigen und sie in die vielen schönen, geheimnisvollen und interessanten Bereiche des Lebens einführen können. Dein Onkel muss ein sehr jovialer Mensch gewesen sein mit einem guten Auge für alles Interessante und Aussergewöhnliche. Ich habe diese „Einführung in die Welt" auch immer genossen, als meine Töchter noch kleiner waren. Wir sind einmal in aller Eile und Hals über Kopf einem Heissluftballon nachgefahren, weil ich ihnen ein solches Ungetüm aus der Nähe zeigen wollte. Er landete schliesslich etliche Kilometer entfernt, aber wir konnten diese Landung aus nächster Nähe beobachten. Allerdings kann ich mich auch erinnern, wie ich mich für die Menschen geschämt habe, wenn meine Töchter etwa zufälligerweise in den Fernseh-Nachrichten irgend etwas Schlimmes gesehen hatten und dann wissen wollten, wie es sich damit verhalte. Ich habe mich wirklich geschämt für Kriegsszenen oder Verbrechen oder andere schlimme Sachen. Und es ist wohl genau diese Schamgrenze, die das Fernsehen aufbricht, von der der Mediensoziologe Postman mit seiner These vom „Ende der Kindheit" spricht. Kennst du seine Theorie? Sie ist ein bisschen amerikanisch, das heisst effekthascherisch und simpel. Postman meint: seit der Renaissance gibt es eine Grenze zwischen Kindheit und Erwachsenen, besonders in der Zeit des Bürgertums seit der französischen Revolution. Die Grenze ist entstanden durch die „Gutenberg Galaxy" (wie Mac Luhan sagt), die Verbreitung der Literalität auf grosse Teile der Menschen in den modernen Gesellschaften. Kinder, solange und soweit sie nicht Lesen konnten, waren in diesen Zeiten geschützt vor den überwältigenden Informationen von Sex and Crime. Die Lesefähigkeit bildete sozusagen erst den Zugang zur Welt der Erwachsenen, war eine Art Zensurgrenze. Heute aber, durch das Bild und durch das Fernsehen vor allem, ist dieser Schutz für die Kindheit nicht mehr aufrecht zu erhalten. Kinder werden heute mit denselben Informationen überschüttet wie die Erwachsenen. Es wird ihnen alles zugemutet. Und in diesem Sinne spricht er, in Anlehnung an Ariès, vom „Ende der Kindheit". Die These Postmans hat schon etwas für sich, auch wenn er eine etwas allzu vereinfachte, eben amerikanische Variante darlegt. Man hat beispielsweise in Krankheitsstatistiken festgestellt, dass heutige Kinder nicht mehr so sehr an den alten, typischen Kinderkrankheiten erkranken, sondern an denselben Leiden, wie die Erwachsenen. Das sind vor allem psychoorganische Leiden und Allergien, im Zusammenhang mit nervöser Belastung. Man kann auch in Kriminalitätsstatistiken sehen, wie die Grenze zwischen Kindern und Erwachsenen langsam verblasst. Die Vergehen von Kindern und Jugendlichen mit Schusswaffen der letzten Jahre in Amerika, aber auch in Europa, weisen in diese Richtung. Das Alter des Drogenkonsums sinkt. Und wenn man früher sagen konnte, die Kinder seien wie kleine Erwachsene gewesen, so muss man heute sagen, die Erwachsenen sind oft ziemlich wie kleine Kinder (Kleidung, Verhalten etc.) geworden. Die Generationen haben sich irgendwie angeglichen. Du hast es auch erwähnt bei den Jugendlichen, die à la americaine schon wie Ehepaare zusammenleben.

*
Doch wir haben von deinen schönen Erinnerungen gesprochen. Es macht dich wirklich schön, Marlena, wenn du von diesen Bildern sprichst! Es gibt dir eine Ausstrahlung wie jene von Chagalls Geiger, wie eine Sonnenblume van Goghs, und ich bin sicher, man wird es dir auch physisch ansehen, was ich nun ja aus diesen 1500 km nicht feststellen kann (bin leider zu kurzsichtig!!), aber doch schwer vermute.

Ich finde es – nebenbei gesagt – auch eine Pflicht, unseren Kindern von diesen alten Zeiten und ihren Personen zu erzählen. Man soll es zwar nicht übertreiben, denn die Kids haben schnell genug. Aber ein bisschen hören sie doch hin, und wenn sie älter werden, werden sie sich wieder daran erinnern. Das ist auch der Grund, weshalb ich jedes Jahr unseren Familienbrief für alle unsere Bekannten und Verwandten in aller Welt schreibe. Ich erzähle, oder besser, wir erzählen, was in unserem Familienkreis im vergangenen Jahr passiert ist. Das gibt 5 – 10 Seiten jedes Jahr. Und das tun wir jetzt schon seit 10 Jahren. Eigentlich ist es schade, dass wir nicht schon bei Geburt der Kinder angefangen haben, denn es gibt bei kleinen Kindern soviele drollige Vorkomnisse und auch Gespräche, die man leider später wieder vergisst. Insgesamt sind es etliche Papierseiten, die zusammengekommen sind. Und wenn unsere Töchter einmal ausziehen werden, oder heiraten oder was weiss ich, dann werden wir ihnen diese Art Familienchronik mitgeben. Sie sollen sich erinnern! Man soll sich seiner Familie erinnern, das ist eine Wurzel des Selbstbewusstseins. Vielleicht sind es ja nicht ihre wirklichen Erinnerungen, aber es sind Erinnerungsstützen und aides mémoire. Doch im Moment ist der jährliche Brief einfach ein Kontakt mit unseren vielen Bekannten. Vor allem ältere Tanten und Onkel schätzen die Informationen und meine Zeichnungen dazu sehr. Die jüngeren Freunde melden sich gelegentlich oder schreiben eine Karte. Insbesondere wenn man sich nach langer Zeit wieder trifft, hat man das Gefühl, man sei immer irgendwie in Kontakt gestanden und man hat so auch Gesprächsthemen zur Verfügung. Das ist sehr gut, obwohl es jedes Jahr eine Anstrengung ist, diesen Brief zu schreiben und sich auf die Themen (manchmal sogar auf Formulierungen) zu einigen.

Ich muss an meine Arbeit, meine Liebe. Sonst bin ich es, der bloss 80% erreicht. Du erstaunst mich überigens. Ich habe nie und nimmer gedacht, dass Lehrkräfte auf der Gymnasialstufe soviel für ihre Lektionen vorbereiten. Vor allem natürlich in den mathematischen Fächern glaube ich nicht, dass sie das tun. Aber du scheinst ja mit deinen vielen Arbeiten und Preparationen wirklich eine ausergewöhnliche Ausnahme zu sein. Unter all diesen Studienrätinnen und Studienräten, den schwedischen ebenso wie den schweizerischen, scheinst du doch eine echte Musterschülerin zu sein. Ich hoffe, deine Schüler wissen das zu schätzen! Mindestens sie, denn ich tue es nicht sonderlich, angesichts der knappen Zeit, die dir übrig bleibt.

Ich mag dich trotzdem sehr
...

Besuch im Louvre


"Unser Lischen hat nur geschmunzelt angesichts unserer Eile,
so wie sie immer schmunzelt, angesichts des Lebenstempos unserer Tage."

Subject: Wednesday probably (2)
...
Nun ja, eigentlich wollte ich dir erzählen, wie ich bei diesem kleinen Aufenthalt mit A. den Louvre besuchte. Meine Frau war mit der jüngeren Tochter irgendwie unterwegs und es ging schon gegen Abend. Ich redete auf A  ein, dass es eine Todsünde sei, Paris zu besuchen ohne den Louvre gesehen zu haben, das sei sozusagen wie ein Big Mac ohne Ketchup oder so. Sie wollte von diesem Louvre gar nichts wissen, fürchtete, es würde öde und langweilig werden. Schliesslich hatte ich sie soweit, dass wir etwa um 1600h, beim heiligen Versprechen, nicht länger als eine Stunde, die Karten lösten und ich sie also in diesen Louvre schleppte. Wir eilten förmlich durch die langen Gänge, wir fuhren Slalom zwischen den amerikanischen Touristen, wir hätten am besten die Inline-Skates mitgenommen, so eilig gingen wir den Klassikern entlang. Bei einigen besonders berühmten, etwa bei der Mona Lisa – wie ich mich erinnere – musste man sozusagen erst die Fliegen vor dem Bild verscheuchen, damit man kurz einen Blick drauf werfen konnte. Die Fliegen entpuppten sich als die mit Fotoapparaten bewaffneten Scharen von Japanern. So habe ich mir mit A den Louvre angeschaut, in einer knappen Stunde, es war praktisch ein Jogging Parcours. Und heute erinnert sie sich bloss noch an diese kleine Mona Lisa, die hinter dickem Glas und einer Traube von Japanern kaum zu sehen gewesen war. Doch unser Lischen hat nur geschmunzelt, das kann ich dir versichern, angesichts unserer Eile, so wie sie immer schmunzelt, angesichts des Lebenstempos unserer Tage. Jemand (weiss nicht mehr wer) hat einmal geschrieben, er hätte den Eindruck, Mona Lisa schaue ihn an wie seine Frau, wenn er nach Mitternacht heimkomme und behaupte, er hätte noch im Büro gearbeitet. Das hat er – so finde ich – schön und treffend gesagt. Sie lächelt in der Tat irgendwie ungläubig!

Aber im Grunde genommen wollte ich nur auf deinen Vorschlag eintreten, für den Louvre einen Tag zu reservieren. Es können meinetwegen auch zwei Tage sein, obwohl man ja in diesen Museen totmüde wird (und dann den Arm auf die Schulter seiner Freundin legt, um sich etwas abzustützen, wie du hilfsbereiter Weise vorgeschlagen hast), und obwohl es in Paris noch andere Sehenswürdigkeiten zu berücksichtigen gäbe. Schliesslich möchte ich, dass du mir einmal rasch die Sorbonne zeigst. Die kenne ich noch gar nicht und die würde mich sehr interessieren, obwohl ich irgendwo unter meinen alten Fotos eine Abbildung eines schweren klassizistischen Hofes habe, den ich mal in der Sorbonne geknipst hatte. Und gleich daneben habe ich ein Foto aus einer wunderschönen Bibliothek in der Nähe des Panthéon, benannt nach der Stadtheiligen, wenn ich mich nicht irre.

Nun ja, wir sind wieder einmal in Paris gelandet. Das ist unser kleinster gemeinschaftlicher Nenner, wie man in der Mathematik und im Bruchrechnen sagen würde. Unsere Wege führen nicht nach Rom, sondern nach Paris, meine Mausfreundin. Und hat nicht jemand, im Kampf der Konfessionen, gesagt, Paris sei eine Messe wert?, oder eine Sünde?, das weiss ich nun nicht mehr so genau, ist aber im Grunde auch kein grosser Unterschied.
..

Dienstag, 14. Dezember 2010

eine echte trouvaille

Subject: Wednesday probably

Liebe Marlena

Vor ein paar Jahren waren wir die ganze Familie für ein paar Tage in Paris, per Eisenbahn von Basel bis in die Gare du Nord, Halbpension in einem Hotel Nähe der ehemaligen Hallen (le ventre de Paris nach Zola), also ziemlich zentral. Es war nicht weit zum Louvre, Gare d'Orsay, Sainte Chapelle und so fort. Doch meine grosse Entdeckung, muss ich dir schon wieder etwas beichten, war das Warenhaus Printemps. Irgendwie geriet ich mit meinen Töchtern in die Abteilung der Spiel- und Sportwaren. Und sie genossen es, alles anzuschauen und die Unterschiede zu einem schweizerischen Warenhaus herauszufinden. Und als wir schliesslich schon etwas müde und durstig waren, entdeckten wir, dass es im obersten Stockwerk ein Restaurant gab. Wir fuhren mit dem Lift hinauf. Das Haus war überigens ein altes Jugendstilhaus, und in der Mitte gab es einen zentralen Hof. Die Stockwerke türmten sich um diesen Hof wie Balkone in die Höhe mit schönen Jugendstilgeländern. Vom obersten Stockwerk konnten wir also hinunter in den Bauch dieses schönen alten Hauses sehen und mit einer „göttlichen" Perspektive die Menschen, also die Kunden dieses Warenhauses, weit unten beobachten. Aber das war noch nicht der „clou", meine Liebe, den ich dir erzählen wollte. Wir suchten nun dieses Restaurant auf und entdeckten dabei, dass es oben auf dem Dach noch eine Terasse gab. So stiegen wir ein Stockwerk höher und erreichten eine schöne, grosse und sonnige Terasse, von wo man einen wunderschönen Ausblick über Paris, die Seine und die Ile de la cité (wie schreibt man das??) hatte. Das war für mich eine echte trouvaille. Seither habe ich mir eingeprägt, dass man sich Paris von den Dächern der grossen Warenhäuser anschauen muss. Und meine belle-soeur (ein schönes Wort, schreibt man es so?) hat das auch bestätigt. Wir werden also, Marlena, darauf kannst du dich verlassen, oben auf Printemps ein kleines Wässerchen trinken und in die Strassengassen von Paris hinuntergucken, bis hinauf zum Arc de Triomphe, mit Sacré Coeur im Rücken, über das Pariser Rathaus hinweg bis hinüber zur Sorbonne und zur Kuppel des Panthéon. Das ganze Panorama ist von dort wunderbar zu sehen.

Nun ja, eigentlich wollte ich...

Fortsetzung

unten am Mälaren

Subject: Tuesday evening.. (2)
...
Dir hat also das Wochenendleben in meinem Elternhaus gefallen? Das freut mich. Es war auch schön. Es ist herrlich für ein Kind Erwachsene froh zu sehen und lachen zu hören. A propos interessante Leute möchte ich dir von einem anderen kleinen Erlebnis erzählen das mir in Erinnerung kommt. Mein Onkel war mit uns Kindern in den Zirkus gegangen (Zircus Scott glaube ich). Dort wurde es ihm wohl etwas langweilig und so begann er mit jemanden von den Zirkusleuten zu sprechen. Nach der Vorstellung wurden wir in einen Zirkuswagen eingeladen wo uns ein Paar in den mittleren Jahren zum Kaffee einlud und von ihrem interessanten Leben erzählten. Sie waren Löwenbändiger gewesen hatten aber mit der Zeit (aus Altersgründen) auf Seelöwen umgesattelt. Sie zeigten Fotos und wir Kinder staunten nur so.

Die jungen fröhlichen Menschen die ab und zu bei unseren Festen auftauchten habe ich schnell wieder vergessen - sie gehörten sozusagen zu den Kulissen oder waren irgenwelche Statisten. Dagegen haben einige Freunde meiner Eltern einen tiefen Eindruck auf mich gemacht. U.a. der Arzt (auch Veterinär) aus Wien der eine Schwedin geheiratet hatte und später mit ihr nach Schweden gezogen war. Viel von dem was ich über Wiener Leben und Athmosphäre kenne habe ich durch ihn gelernt. Er gehörte zur Prominenz in Österreich und du kannst dir sicher vorstellen was das bedeutete in dieser k&k Monarchie, wie du sie zu nennen pflegst.

Wenn die Wiener witzen wollen, nehmen sie ganz einfach eine schöne klassische Melodie und singen dazu einen ganz schrecklichen Schmähtext. So kann ich noch heute gewisse schöne romantische Musikstücke kaum hören ohne dabei sofort an irgend einen ganz wahnsinnigen Text zu denken :-)

Dann hatten wir eine Freundin meiner Tante. Sie war Künstlerin und sehr originell. Eigentlich sah sie aus wie ein kleiner Mann mit O-Beinen. Aber ich sage dir: Nie in meinem Leben habe ich ein so weibliches Geschöpf kennengelernt. (Ihre Bewegungen und Art zu Reden) Ich freute mich in meinem Herzen wenn sie ihren Besuch ankündigte. Dann blieb sie meistens eine Woche und wir halfen ihr Ausstellungen zu arrangieren. Ihr Mann war ein noch grösserer Künstler und es war interessant zu sehen wie verschieden sie eine Landschaft malten. Seine gingen in "Moll" wenn man so ein Wort verwenden darf und ihre waren hell und sonnig, die Freude selbst.
Natürlich konnte ein solches Paar nicht zusammenleben - es hätte ihrer Kunst geschadet.
Eigentlich war er ein Portrait-maler.

Übrigens. für den Louvre brauchen wir wohl mehr als einen Tag, oder? Ich höre dich schon mir die Barockmalerei erklären :-) Ich glaube ich muss ein wenig aufpassen sonst geht es mir wie dir ;-)

"Meine Ruh ist hin
Mein Herz ist schwer
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr."

Armes Gretchen, hat sich in Faust verliebt.:-)

Ich Grüsse dich herzlich
Deine Mausfreundin
Marlena

PS
Habe gerade dein Mail von heute gesehen.. noch nicht gelesen.

Re: Teilzeit, Faust, Familien

Subject: Tuesday .. (1)

Lieber Mausfreund!
Ich kann es einfach nicht lassen. Habe deinen schönen Brief nochmals durchgelesen und nun muss ich dir doch ein paar Zeilen schreiben trotz Mangel an Zeit. Wenn ich so weitermache bin ich bald bei den 80 % Arbeit und 100% Lohn die du mir vorschlägst. Zu meinem Trost sage ich dass nicht immer die lange vorbereiteten Stunden die besten sind und hoffe dass mir das Schicksal morgen hilft.

Ja, deine Beichte habe ich entgegengenommen.. und du kannst sicher sein dass ich es nie jemanden verraten werde ;-))) Was für eine Todsünde du da begangen hast! Oder habt ihr vielleicht nicht sowas lesen dürfen an deinem katholischen Gymnasium? Würde mich nicht wundern denn es wird viel gesündigt im Faust wie Liebe vor der Hochzeit, Mord, uneheliches Kind und das schrecklichste am Ende des 1. Teils. Goethe hat ihn wohl schon mit 18. Jahren geschrieben und den 2. (nicht zu geniessen) erst als er 80 war? Weiss nicht ob ich mich richtig erinnere.

Die schönen Stimmen der Schauspieler würde ich dich gern hören lassen. Ich werde mich bemühen deinen Defekt zu verringern :-)

Das was du mir von S's Familie erzählt hast klingt so wunderschön, wie in einem Märchen. Ich sah neulich einen Dokumentärfilm über eine Frau aus Iran (die hier in Exil lebt seit vielen Jahren) und ihren ersten Besuch bei den Verwandten in Teheran machte. Es hat mich fasziniert. Gewiss, man sah die Armut, die jetzt dort herrscht aber ich kann nicht verstehen wie ein Mensch, der an die Lebensart dort gewöhnt ist, sich in unserem Lande zurechtfinden kann. Das Leben ist so grundverschieden. Hier leiden viele Leute an Mangel an sozialen Kontakten. Nur sehr nahe Verwandte die in der Nähe wohnen treffen sich manchmal. Oft kennt man nicht einmal seine eigenen Kusinen.

...

Montag, 13. Dezember 2010

„der diskrete Charme der Bourgeoisie"

Gedanken über.. (2)

Es gibt doch zur Zeit diese Evolutionsbiologie oder auch Sozialbiologie, die so populär ist und mit deren Erkenntnissen man die Evolution und den Darwinismus zu stützen meint. Letzten Samstag waren wir in Basel zum Essen eingeladen, und am Tisch hat sich ein Gespräch über diese Themen ergeben. Unter anderem stand eine Erkenntnis der Evolutionsbiologen zur Diskussion, wonach Frauen in den empfänglichen Tagen mehr auf physisch virile Männer (ich nehme an: athletische Figur, männliches Gehabe, starker Haarwuchs, tiefe Stimme etc.) ansprechen, während sie in den übrigen Tagen mehr jene Männer mögen, die Stabilität und Zuverlässigkeit versprechen (ich nehme an: materielle Sicherheit, guter Job, freundliches und rücksichtsvolles Wesen, Verständnis). Und dazu haben wir Hühnchen gegessen mit Kartoffeln und Spinat, dies nach einem Broccoli-Auflauf als Voressen und einem Cinzano als Apero. Allerdings, das muss auch gesagt sein, haben sich eher die Männer an der Diskussion und am Hühnchen beteiligt als die Frauen. Für die Frauen scheinen diese evolutionsbiologischen Überlegungen und das fette Poulet sehr weit hergeholt zu sein.

Es ist lustig, zu essen und zu diskutieren. Das mag ich sehr, in einer Runde von anregenden und interessanten Leuten. Das ist leider nicht immer der Fall, manchmal gibt es so langweiligen small-talk, dass man lieber zuhause bleiben würde. Aber wenn es funkt, komme ich richtig in Schuss, und wenn dazu noch eine Flasche trinkbaren Bourgogne oder Bordeaux auf dem Tisch steht, ist der Abend so gut wie gerettet. Das war samstags der Fall. Das ist „der diskrete Charme der Bourgeoisie", wie jener französische Spielfilm Damals so schön geheissen hatte. Du siehst, Marlena, wir sind so arrvierte und gesetzte Männer geworden, die nach einem guten Essen leicht die Revolution ausrufen, um sie dann aber, wenn die Müdigkeit des vollen Magens auftaucht, leicht wieder fahren lassen. Die jungen Leute werden uns belächeln.
...

13. December 2010

Luciafeier im Fernsehen 


Sonntag, 12. Dezember 2010

Nobcia

date 13 December 2007 13:46
subject: N o b c i a


Liebe Malou
Ja, die Nobelfeier. Vielleicht ist sie doch interessanter am Fernsehen
anstatt bloss auf Bildern, wo die Leute so steif dasitzen vor leeren
Tellern. Ich kann mich erinnern, dass einer unserer Clubmitglieder
einmal erzählt hat, wie er mit dem schwedischen König zusammengesessen
habe. Es ging offenbar um Umweltschäden und Nachhaltigkeit der
Entwicklung. Er selbst ist Biologieprofessor und ein Spezialist auf
diesem Gebiet. Er hat damals den König sehr gelobt, wie offen er
gewesen sei im Gespräch und wie unkompliziert.
Und heute feiert ihr Lucia? Du hast mir davon erzählt und geschildert,
wie schön dieses Fest eingangs Winter ist.
...

Gedanken über den europäischen Roman

Meine liebe Marlena

Nun ja, ich habe auch nicht gedacht, dass du den Text über den europäischen Roman unbedingt lesen musst. Oder doch zumindest nicht so kurzfristig. Aber es betrifft eigentlich auch den französischen Roman, und ich fand diesen Teil des Buches ziemlich interessant. Eine solch kurze Zusammenfassung der Entwicklung des Romans findet man wohl nicht allzu oft.

Interessant finde ich, was er „die zweite Halbzeit" des Romans nennt, also jene Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert, seitdem das Wort des Autors hinter das Schreiben zurückgetreten ist. Das bringt ja dann diese dicken Schwarten und ungeheurer langen und ausgefeilten Romane des 19. Jahrhunderts zum Vorschein, die später so stark psychologisieren und „introspizieren". Meine Frau mag sie. Sie liest gerne Henry James. Für mich sind diese Werke an sich bewundernswürdig, aber ich habe weder Zeit noch Geduld, sie wirklich zu lesen. Zu einer Verfilmung würde ich mich vielleicht noch überreden lassen. Diese Romane sind zu einer Zeit entstanden, als die Leute wirklich noch Zeit zum Lesen hatten. Und der bürgerliche Roman hat ja dann auch die bürgerliche Ehe und die Liebesheirat propagiert. Vorher war – und bei den Adeligen ganz besonders – die Liebe keine Bedingung für eine Heirat. Das waren eher Vernunftehen zur Sicherung des Familienbesitzes und ihrer Privilegien. Kennen wir doch noch aus den Königshäusern!!

Kundera hat dann eine sehr musikalische Konzeption des Romans entwickelt, den sogenannten polyphonen Roman, den er der Symphonie abgeschaut hat (von seiner Ausbildung her war er Musiker, nicht Schriftsteller; er lebt heute in Frankreich). Es gibt in seinen Romanen verschiedene „Sätze", dh etwa Geschichten, die zusammengestellt sind. Sie kreisen um dasselbe Them, haben langsame oder schnellere Tempi, zeigen eine unterschiedliche Erzählstruktur, erzeugen also gemeinsam eine Polyphonie, eine Vielstimmigkeit, die ein Thema in verschiedenen Farben und Konstellationen aufleuchten lässt. Für mich selbst war erfrischend, dass er die Geschichten ziemlich äusserlich erzählt, als aussenstehender mitdenkender Beobachter, und dass er nicht primär das Innenleben und die Psychologie der Figuren in den Vordergrund stellt. Das fand ich – für mich – sensationell, eine echte Erholung, weil wir Psychologen doch immer an Innerlichkeiten, Gefühlen, Gedanken, Motiven und Hemmungen hängen. Das Individuum von aussen zu betrachten, sozusagen wie ein rationales Tier, ist für mich eine erfrischende Sicht.

Teilzeit und Mind-Maps

Re: Soweitsogut
Liebe Marlena
Entfernt kann ich mich erinnern, dass ich mich im letzten Brief ziemlich erhzitzt habe wegen deiner Bemerkung, dein Leben sei gelegentlich langweilig. Und dann träumst du, es von Grund auf zu ändern. Zu dieser Frage habe ich mich ein bisschen erwärmt. Und das ist natürlich nicht zufällig, dass mich diese Frage packt. Ich bin nämlich ziemlich ähnlich, wenn ich manchmal glaube, das inertessante Leben sei anderswo, nur nicht hier, wo ich mich hier und jetzt gerade befinde.
Aber mit den Jahren habe ich doch herausgefunden, dass das nicht stimmt. Das Leben ist hier und jetzt und sonst gar nicht. Damit müssen wir leben. Natürlich können wir mittels Fernsehen den Eindruck bekommen, wir seien auf der ganzen Welt mehr oder weniger präsent. Das ist aber eine sehr entrückte Welt. Und wenn wir auf den Knopf drücken, ist sie auch schon wieder auf und davon.
Also hier und jetzt, hic et nunc, wie die Lateiner schön sagen.
Ich kann dich verstehen, dass du zögerst, dein Pensum auf 80% zu reduzieren. Ich habe einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die inTeilzeitpensen arbeiten. Und ich kann dir sagen, es braucht sehr viel Disziplin, beim vertraglichen Pensum zu bleiben und nicht Überstunden zu machen. Manchmal hat man ja den Eindrück, man könnte ewig weiterarbeiten und es würde nie ein Ende haben. Ich glaube das ist in unserer Sparte besonders deutlich. Du kannst es natürlich auch so machen, anstatt 80% Lohn zu beziehen und 100% zu arbeiten, umgekehrt, 100% Lohn und nur 80% arbeiten. Wäre doch auch eine Variante, eine lukrative!
Dein Verhalten in der Konferenz war ein bisschen spitzbübisch, das willst du sagen, wenn du meinst, ich hätte das nicht von dir gedacht. Ich bin genau so. Wenn ich an einem langweiligen Vortrag sitze, dann fange ich an zu zeichnen, dann zeichne ich Köpfe mit tollen Nasen und riesigen Warzen, ich zeichne manchmal auch die Leute direkt ab, so dass sie nachher zu mir kommen, und eine Kopie davon wünschen. Wenn ich konzentriert zuhören will, dann muss ich mir Notizen machen. Ohne Notizen höre ich meist auch nur halb zu. Ich muss die Sache sehen. Meist mache ich meine Notizen als Mind-Map. Kennst du die Methode. Die ist sehr gut und sehr oekonomisch. Ich bein geradezu begeistert davon. Wenn du sie nicht kennst, dann musst du sie unbedingt kennenlernen und deinen Schülern beibringen. Ich denke, es gibt nichts besseres, das in den letzten Jahren erfunden worden ist. Es ist sehr gut für vernetztes Denken. Es ist sehr gut, um als Grundlage für eine Rede, einen Vortrag, eine Unterrichtsstunde zu dienen. Man hat seine Stichwort, aber man ist dennoch völlig flexibel und kann hin und herspringen, wie es gerade erforderlich ist oder wie einen die Schüler steuern. Es ist wirklich das Ei des Kolumbus.
Heute ist Montag, und das ist mein schwacher Tag. Mein Mail ist kurz. Aber vielleicht bist du ja immer noch mit dem Text über die Entwicklung des Romans beschäftigt. Den fand ich sehr interessant und als Übersicht nützlich. Ich habe ihn einem Freund geschickt und dabei gedacht, vielleicht würde er dich auch interessieren. Aber die Lektüre ist nicht obligatorisch, denn dein Hauptfach ist ja Französisch und nicht Deutsch.
Mit einem lieben Grusse lasse ich dich

Samstag, 11. Dezember 2010

Beichte

 ...
Nimmst du auch Beichten ab, wie die katholischen Priester in ihren speckigen Sutanen, meine liebe Marlena? Tust du das? Wenn ja, dann hätte ich im Moment eine grosse Beichte. Ich zögere etwas, dir das so offen und unter 4 Augen zu beichten. Aber ich muss ja wohl. Und ich hoffe, du wirst mir keine allzu strenge Strafe und Wiedergutmachung auferlegen. Ich meine, 10 "Av Maria .." (was meine Kollegen in der Schule zu beten hatten), 10 wäre die oberste Grenze. Obwohl mein Vergehen vielleicht schwer wiegt.
Eigentlich ist es kein Vergehen, sondern eine Unterlassung. Eine fahrlässige noch dazu. Ich schäme mich etwas, dir das zu erzählen, liebe Marlena, und ich kann nur hoffen, du wirst das nie gegen mich verwenden, niemals!
Nein, Spass beiseite! Ich habe Goethes Faust nie gelesen. Niemals! Ehrenwort! Ich habe ihn auch nie vermisst. Erst an der Universität kannte ich eine Komilitonin, die vom Faust geschwärmt hat. Und da ist mir aufgefallen, dass ich diesen Hit der deutschen Literatur nie wirklich zur Kenntnis genommen habe. Das ist mein Defekt! Wie ein kleiner Sehfehler, oder ein Muttermal an der falschen Stelle!

Ich will dir jetzt auch nicht gleich versprechen, dass ich das noch nachhole. Vielleicht erzählst du mir davon, so kann ich es mir ersparen.
Ach, es tut gut, von der Jugend zu erzählen! Erzählen an sich ist gut, und mit der Jugend kommt auch die jugendliche Energie und Kraft zurück. Das ist wie eine Therapie, das ist reculer pour mieux sauter!
Ich danke dir und umarme dich

Jugenderinnerungen

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Ich muss noch etwas zum Bild von Visp sagen, das du beigelegt hast. Es ist ja fast ein bisschen zuviel, einen solch schönen Brief und dazu noch dieses Bild. Dieses Bild, das ist wirklich meine Jugend. Ich hatte im Haus meiner Eltern unter den 3 Dachzimmern das schönste und das grösste. Und aus dem Fenster hatte ich genau diese Sicht in die Berge, die du mir hier zeigst. Das berührt mich sehr, dass eine Mausfreundin aus Schweden, 1500 km entfernt, mir meine eigene Landschaft zeigt.
Diese Berge habe ich angeschaut, wenn ich morgens erwacht bin. Manchmal im Winter war es sehr kalt, weil ich immer bei offenem Fenster geschlafen habe. Einmal war der Ofen eingefroren und damit gesprengt. Oder die Fenster waren voller Eisblumen, wenn sie tagsüber geschlossen waren. Im Sommer konnte man morgens früh schon die goldnen Gipfel mit dem ewigen Schnee sehen, die ich immer als eine Art Luxus angesehen habe. Oder aber, ich erinnere mich auch, wie ich an Samstag Abenden, bei Vollmond, in diese markanten Berge hinausgeschaut habe, in diese Landschaft im bleichen Mondlicht, und wie ich von der weiten Welt geträumt habe. Ich wusste damals noch nicht, was aus mir werden würde. Ich hatte noch keine Ahnung von meiner Studien- oder Berufswahl. Ich wusste nicht, ob ich einmal eine Familie, dh. eine Frau haben würde. Alles war noch offen, noch solcherart voller Möglichkeiten, die junge Menschen auch etwas unsicher machen.
Es ist wirklich MEIN Panorama, was du mir hier geschickt hast. Das frühere Foto, mit dem stumpfen Berg am Ende des Tales, das ist auch sehr schön. Aber dieses hier ist das Bild in meinem Fenster, das war sozusagen das Gemälde an meiner Wand. Der Blick geht in Richtung Zermatt, wo das berühmte Matterhorn steht, und dahinter ist dann bald einmal Italien. Ich danke dir, meine Marlena, du hast mich auf meinem sentimentalen Bein erwischt. Ich hatte hier wirklich ein schönes Zimmer mit Blick auf die Hauptstrasse (das war in jenem Alter auch nicht unwichtig, zu sehen, wer gerade vorbeiging). Ich hatte einen grossen Tisch (jener mit Druckknopf unter der Tischplatte, der früher einmal in Florenz gestanden hatte), einen Kleiderschrank, ein kleines Büchergestell und das Bett, das für den Tag von der Putzfrau wie ein Coach arrangiert wurde. Meine Schulhefte und -bücher hatte ich in einem Wandschrank liegen, der unter der Dachschräge eingerichtet war. Das war eine riesige Abstellfläche (remember?) und sehr bequem, ich konnte für jedes Fach eine eigene Beige errichten. Und dazu - nicht unwichtig - hatte ich einen Transistorradio, den ich mir in jenen jungen Jahren selbst verdient hatte. Er kostete etwa 220.- ( ich erinnere mich ziemlich genau, obwohl es über 30 Jahre her sein muss), was heute ein ungeheurer Preis wäre. Der Händler in Visp hatte noch Mitgefühl und gewährte mir eine kleine Ermässigung. Meistens hörte ich damals den Sender France Intère (oder wie schreibt man das eigentlich?), also französische und nicht englische Sender, wie unsere Jungen dies heute tun. Am schönsten war jeweils der Samstag Nachmittag. Wir hatten anfangs am Gymnasium samstags noch Schule bis etwa 1630h. Stell dir das vor, wenn man den heutigen Schülern den freien Samstag wegnehmen würde!! Diese lange Arbeitswoche war offenbar unentbehrlich für das Internat, denn die Schule und ihre Verantwortlichen (in Sutanen) hätten Probleme gehabt, ihre internen Schüler über zwei volle Tage zu beschäftigen und vom Unsinn abzuhalten. Deshalb hatten wir nur Mittwoch nachmittags frei, sonst gar nie. Später wurde noch der Samstag Nachmittag frei. Das war schon ein riesiger Luxus. Da bereitete unsere Mutter jeweils nach dem Mittagessen einen Dessert mit einem schwarzen Kaffee, und es gab Diskussionen in der Familienrunde. Fand ich sehr schön. Mein Vater verschwand dann irgendwann, denn er hatte noch eine Kaffeerunde mit seinen Rotary-Kollegen. Und anschliessend pflegte ich am Kiosk beim Bahnhof die Zeitung zu kaufen, und in meinem Zimmer die Weltwoche zu lesen und dazu Radio zu hören. Manchmal kamen wohl noch etwas Hausaufgaben für die Schule dazu. Wenn ich aber auf dem Weg zum Bahnhof einen Kollegen angetroffen hatte, dann wurde wohl aus der Zeitungslektüre nichts. Wir diskutierten dann auf der Strasse, schlenderten herum, schauten den Mädchen nach und tranken vielleicht irgendwo ein Bier und waren die Faulenzer im Dienst. Wir lebten damals sehr bescheiden und ohne grosse Ansprüche. Das war einerseits die damalige Zeit, andererseits lag es auch an diesem eher armen Bergkanton Wallis, wo alle Leute noch heute ziemlich bescheiden sind. Und wir vertrödelten als Jugendliche unendlich viel Zeit, das muss ich auch sagen, wenn ich es mit meinen Töchtern vergleiche.

Freitag, 10. Dezember 2010

gegen Langeweile

Liebe Marlena
Du schreibst wundervolle Briefe, wenn du Zeit hast, Marlena. Ich habe dein Schreiben vom Samstag sehr genossen. So bekommst du in meiner Vorstellung Blut und Leben. So wirst du schön, meine Liebe.
Mit Begeisterung habe ich von deiner Jugend gehört in einem Haus, wo viele Leute ein und ausgingen. Das muss ja etwas ganz Besonderes gewesen sein. Ich kann mir die zwei Mädchen vorstellen, wie sie durch den Türspalt die Gesellschaft erforschen mit den extravaganten und originellen Figuren. Das muss ein wirklich weltläufiges Haus gewesen sein, wo du aufgewachsen bist.

Meine Frau ist auch in einem grossen Haus aufgewachsen. Ihr Vater hat immer gerne Gäste gehabt und hat sie sehr grosszügig bewirtet. Seine Hochzeit soll eine ganze Woche gedauert haben, erzählt man sich noch heute. Und da gab es ein besonderes Fest jedes Jahr, wozu er eigentlich verpflichtet war. Das kam so: Als die Eltern meines Schwiegervaters sich ein Kind erhofften, konnte seine Mutter nicht schwanger werden. Und so gab sie das Gelübde ab, dass sie, falls sie eine erfolgreiche Geburt erleben könnte, jährlich ein Essen für die armen Leute geben würde. Und schliesslich wurde der Vater meiner Frau geboren und ab diesem Zeitpunkt sollte jedes Jahr dieses gelobte Fest stattfinden. Man hatte spezielles Geschirr, womit die Armen und Verwandten, die davon wussten, womit sie die Mahlzeit zu sich heimnehmen konnten. Und als S's Vater als ältester Oberhaupt der Familie geworden war und gleichzeitig auch Vorsteher der Stadt wurde, da musste er selbst dieses jährliche Festessen organisieren. Ich habe es einmal erlebt während eines Sommers, da ich in Teheran war. Man hatte speziell einen Koch und eine Köchin angestellt, und den ganzen Tag waren sie damit beschäftigt, das Schaffleisch zuzubereiten, das Gemüse zu rüsten und eine Art Gulasch kochen zu lassen. Dazu gab es kiloweise Reis, wirklich eine riesige Menge, in in diesen modernen Kantinen. Und jeder konnte kommen und wurde bedient. Es war eine Grosszügigkeit, wie man sie in Europa nicht mehr finden kann. Aber es ist natürlich auch die Familienehre, um die es geht, und der Respekt der Leute, die von einer solchen Wohltätigkeit profitieren, ist der Familie sicher. Heute ist S's Vater tot, und ihre Mutter führt diese Tradition weiter. Und später wird es ihr ältester Bruder tun müssen.
Damit will ich sagen, dass es ausserordentlich ist, in einer solchen Familie zu leben, so wie du sie auch gehabt hast. Daraus solltest du das Gefühl gewinnen, eine ganz spezielle und und einmalige Jugend gehabt zu haben. Und daher kommt auch das Gefühl, ein einzigartiger Mensch zu sein.
Du darfst nicht sagen, dein Leben sei zeitweise nicht interessant. Das ist ein Vergehen gegen das Leben, meine Liebe. Also, ich weiss natürlich, wie du das meinst, und gelegentlich sage ich von mir dasselbe. Aber...

Ich glaube, das ist es, was das Leben voll macht. Vor allem müssen wir es selbst machen. Das Leben an sich ist noch gar nichts, ist bloss eine biologische Tatsache, monoton wie der Herzschlag, eingleisig wie der Gang der Ernährung, unspektakulär wie ein Hickauf, voller unangenehmer und langweiliger Pflichten, voller Sorgen und Unannehmlichkeiten. Man könnte gut und gerne darauf verzichten.
Also, meine liebe Marlena, der langen Rede kurzer Sinn: wenn man in einer solchen Familie aufgewachsen ist, wie du sie mir - allerdings nur sehr kurz und skizzenhaft, erzähl mir mehr davon, ich bitte dich - wie du sie schilderst, da KANN man kein zeitweise langweiliges Leben führen. Das ist ganz und gar unmöglich, oder anders gesagt VERBOTEN. Du bist ein aussergewöhnlicher Mensch. Das widerspricht doch der Langeweile um 180°. Es ist das pure Gegenteil. Es ist wie Wasser und Feuer, meine Liebe.
Ich muss aufpassen, ich werde zu pädagogisch, dh. lehrerhaft. Das ist immer schlecht, nicht wahr, meine sympathische Frau Studienrätin.
Ich behaupte also steif und fest, ob ein Leben interessant und aufregend und wundervoll und spannend und auch schmerzvoll vielleicht ist, das entscheidet sich in erster Linie im Kopf, und nicht sosehr im Leben selbst. Natürlich ist der Kopf auch ein Teil des Lebens, nicht ganz unabhängig davon. Er kann nicht völlig autonom entscheiden. Aber er kann entscheiden.
Ach meine liebe Marlena, was erzähle ich dir hier so lange und so kompliziert und so umständlich. Ich finde mein Leben gelegentlich totlangweilig, einfach öde und die Monotonie in Reinkultur, kurz und gut das ALLERLETZTE.
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Aber von Dir ...

Epistel (6)

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Was könnte ich dir sonst noch erzählen? Mein Leben ist zeitweise ziemlich uninteressant und manchmal träume ich davon es radikal zu ändern. Möchte eine Zeit in die Welt hinaus, neue Milieus erleben... aber ich habe einen "husband" (dieses komische Wort :-), der mich ans Haus bindet und so werde ich wohl alle diese Träume weiterhin nur in meiner Fantasie ausleben können. Manchmal stelle ich mir einen Tag mit dir in Paris vor und was wir alles tun würden. Natürlich gehen wir auf derselben Strassenseite. Du legst sogar dabei deinen Arm um meine Schulter (vielleicht nur weil du von dem vielen Wandern müde geworden bist und mich als Stütze benutzen willst ;-) Aber es ist trotzdem schön und du erzählst mir so viel von dem ich noch nichts gewusst habe. Ich werde fast krank vor Sehnsucht wenn ich daran denke.... Ich liebe Paris. Es ist mit meiner Jugend verbunden genau wie das Wallis mit deiner.

Du sprichst von Musik. Ich glaube Musik spielt in meinem Leben dieselbe Rolle wie die Malerei in deinem. Sie tröstet mich, begeistert mich und ich hole Kraft daraus. Ob ich selbst ein Instrument spiele? So möchte ich es nicht nennen :-) Aber Klavier und Gitarre habe ich gelernt. Mein Onkel, der Geige spielte, wollte dass ich auch dieses Instrument lernen sollte, aber es gibt Grenzen ;-) Gitarre habe ich gelernt um mich selbst beim Singen zu begleiten. Sicher sind einige der Chansons von denen du sprichst auch auf meinem Repertoire gewesen. In meiner Jugend bin ich manchmal aufgetreten und in der Schule musste ich immer solo singen bei verschiedenen Anlässen. Leider auch zu Hause in der Familie. Dabei fühlte ich mich meistens wie ein dressierter Affe ;-) und zum Schluss weigerte ich mich es zu tun.

Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle, ich kann -
und ich fasse den plastischen Tag
.....

Das werde ich nun auch tun.
Lass es dir gut geh'n
Love
Marlena

Epistel (5)


Thema "unheimliche Geliebte".. Diese Woche haben wir die Erlaubnis erhalten unsere Schokolade als Schokolade bezeichnen zu dürfen (obwohl sie nicht den Qualitäts-forderungen der EU entspricht). Freue dich also dass du bei dir das beste geniessen kannst.

Und schliesslich diskutiert man die Arbeitszeit. Während andere Länder diese reduzieren, ist sie bei uns in den letzten Jahren gestiegen. Auch in meinem Beruf merkt man davon. Früher hatte man 6-7 Klassen, heute 9 - 11.
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Zu Goethes Faust möchte ich dir sagen dass ich die Gründgens-Inszenierung des Düsseldorfer Schauspielhauses ( Deutsche Grammophongesellschaft, Literarisches Archiv) besitze. Wenn du das einmal gehört hättest würde dir der Faust auch gefallen. Es ist mit Schauspielern wie Paul Hartman, Gustaf Gründgens und schliesslich Käthe Gold als Gretchen. Es ist ganz einfach einmalig. Ich habe übrigens die Universität mit dieser Vertönung bereichert (sicher zu grosser Freude aller Deutschstudierenden). Denn es nur zu lesen kann nie dasselbe sein.
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