Samstag, 26. September 2026

Petrarca

 

Ämne: Herbstlich
Datum: den 21 september  23:16

Lieber ...

Danke für das leckere Dessert, mit dem du mich am Wochenende verwöhnt hast. Wie hast du gewusst, dass ich mich nach einer süssen Nachspeise gesehnt habe?

Ach nein, du langweilst mich doch nicht. Im Gegenteil. Ich finde es interessant, was du mir von Petrarca erzählst. Ich bin dann auch zu unserem alten Lexikon gegangen und habe nachgesehen, was sie über P schreiben. Und wenn ich dieses alte Buch konsultiere dann glaube ich zu verstehen was du meinst. Denn obwohl das Buch so spät wie 1915 geschrieben ist, so überrascht es mich immer, wie anders man damals mit den Worten umging. Alles scheint so ganz konkret und ohne Verstellung geschrieben. Man nennt Dinge bei ihrem richtigen Namen. Heutzutage muss man den geheimen Code kennen um die wirkliche Bedeutung eines Textes verstehen zu können.
Ich lese u.a. ”Nach dem Vorbild von Cicero und Seneca hob er das Briefschreiben zu einer wirklichen Kunst; man schätzte sich glücklich Briefe von ihm zu erhalten ...” Ich glaube du bist ein moderner Petrarca. Weisst du übrigens, dass P. und sein Bruder beide geistliche waren. Aber das war zu einer Zeit, wo man als Geistlicher keineswegs auf weltlichen Genuss verzichten musste.
Nein, mein lieber Maufreund, ich habe nichts dagegen, dass du mich ins späte Mittelalter zurückführst und mit P bekannt machst. Ich verstehe deine Begeisterung.

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Re: Herbstlich

den 22 september 06:58

Petrarca

Liebe Marlena

Ja, diese Biographie über Petrarca ist interessant. Ich hatte wirklich nicht allzu viel über ihn gehört bisher. Ps Bruder war Geistlicher. Petrarca selbst war eigentlich Jurist, hat aber sein Studium, das er in Monpellier angefangen und in Bologna fortgesetzt hat, nicht beendet. Durch den frühen Tod seines Vaters sind die beiden Brüder dann reich geworden. Und so konnte Petrarca sich dieser Briefschreiberei widmen. Er war oft Berater von hohen geistlichen Würdenträgern und hatte freundschaftliche Beziehungen zu vielen grossen Leuten in Europa. Und Cicero ist wirklich eines seiner grossen Vorbilder.

Am interessantesten finde ich die Änderungen seines Weltbildes vor dem Hintergrund jenes Dantes, wie er es in der Divina Commedia dargestellt hat. Beide, Petrarca und Dante, waren von ihrer Abstammung her Florentiner. Und beide lebten im Exil sozusagen. P hat immer wieder gegen dieses Avignon gewettert und alle seine Bemühungen in den Versuch gesteckt, einflussreiche Männer zu gewinnen, damit die Kurie der katholischen Kirche zurück nach Rom gehe.In seinem Herzen lebte er für Rom. Gegenüber Dantes vertikalem Weltbild, das durch die Perspektive der göttlichen Allmacht gesehen ist, gibt sich Petrarcas Weltbild horizontal. Es ist wie eine Landschaft, in der man dahinpilgert, und immer neue und verschiedene Erfahrungen macht. Das Wesentliche ist in Petrarcas Welt die Vielheit, gegenüber jener der Einheit bei Dante. Die vielen neuen Erfahrungen, die neuen Dinge, die im Horizont auftauchen, zeigen eine Art Unübersichtlichkeit, wie wir sie heute wieder konstatieren. Individuelle Perspektivität ist das neue Charakteristikum der Weltsicht. Und das ist nun wirklich sehr modern.

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Mittwoch, 23. September 2026

Eine lustige Übung im Kurs in NY

 

date 9 November 8:10
subject Re: Und heute?



Liebe Malou

Weisst du was mir ab und zu durch den Kopf geht. 'Malou' ist doch nicht die Kürzung von Marlena, sondern von Marielouise allenfalls. Dem würdest du doch, aus Laiensicht gesehen, zustimmen, nicht wahr?
Aber das sind nicht die grössten Steine, die ich wälze.

Es ist hier doch auch ziemlich kühl geworden. Ich glaube, das macht der klare Himmel. Sobald die Wolken kommen, wird es milder. Wir haben bald unser Bürofest und ich muss mir noch ein paar Worte dazu einfallen lassen. Ich glaube, es wird ein arges Gedränge geben in unseren Räumen. Und ich hoffe, die Tragkraft der Konstruktion hält den Belastungen stand.

Gestern habe ich undendlich viel geschlafen. Ich bin immer noch etwas mitgenommen von meinem Giftunfall. Nu ja, es ist auch schön, wenn man wirklich gut und tief schlafen kann. Ich habe gestern abend eigentlich gar nichts anderes gemacht. Wenig gegessen, ein bisschen gelesen, ein bisschen ferngesehen und dann, wie gesagt, geschlafen.

A propos Erotik. Du befürwortest eine grosse Liebe und lässt die Erotik links liegen? Nun, das sind zwei verschiedene Dinge. Man kann nicht das eine gegen das andere ausspielen. Erotik ist doch prima, insofern sie gar nicht allzuviel mit Sex und Geschlecht zu tun hat. Sie ist sehr vielgestaltig und zeigt sich in einer gepflegten Sensibilität und einem sensiblen Charme ... oder wie könnte man das anders umschreiben? Leider gibt es hier in der Schweiz nicht allzu viele Vorbilder, denen man nacheifern könnte.

Da erinnere ich mich an eine lustige Übung, die wir damals im Kurs in NY gemacht hatten. Es galt, sich gedanklich eine Person aus dem Leben, die man kennt, vorzunehmen, um sie sich in gewissen Aspekten als Vorbild zu nehmen. Ich hatte die Aufgabe, die übung mit einem jungen Inder durchzuführen. Er war mit seinen grossen Augen und dem ständigen Lächeln im Gesicht einer der jüngsten Kursteilnehmer, und er hatte mir erzählt, dass er in London Wirtschaft studiere, wo auch sein Vater als Wirtschaftsberater tätig sei. Und so versuchte ich, so gut es ging, ihn durch diese Vorstellungen und Erlebnisse hindurch zu führen. Ich war erstaunt, wie lebhaft er reagierte. Seine Augen flackerten, wie das in der Trance oft geschieht. Aber sie flackerten so wild, dass ich den Eindruck bekam, er würde bald abheben und vom Stuhl mir gegenüber davonfliegen. Er war wirklich sehr durchwühlt und ich, wie das in diesen Tranceübungen auch üblich ist, hatte kaum Ahnung, worand er inhaltlich gerade dachte. So liess ich ihn also zum Abschluss der Übung vorsichtig wieder in unserem Raum auf diesem Stuhl landen und zu sich zurückkommen. Als er die Augen öffnete und wieder präsent war, erzählte er mir ganz begeistert, dass er die Gottheit Shiva zu sich eingeladen hatte. Donnerwetter, dachte ich mir, wenn ich gewusst hätte, welche Person er sich hier ausgewählt hat, dann wäre von meiner Seite wohl etwas mehr Respekt angebracht gewesen. Kurz und gut, ich war bloss erstaunt, dass ein Inder, auf die Aufforderung, sich eine Person vorzustellen, sich gleich eine Gottheit vornimmt. Offenbar leben sie dort mit ihren Göttern selbstverständlicher von du zu du als es hier in Europa die Christen tun.
Überigens hatte er ein andermal auch etwas Interessantes gesagt, was mir aufgefallen ist. Er meinte, dass er in diesem Kurs viel lerne. Aber er habe nicht den Eindruck, dass es neu sei. Vielmehr meinte er, er hätte dies alles schon gewusst, und der Kurs sei vloss dazu da, dies alles bei ihm wieder zu wecken. Fand ich sehr bemerkenswert, dass man Lernen so verstehen kann. Und ich glaube, dass man leichter lernt, wenn man so denkt. Es erinnert ja ein bisschen an Platons Theorie der ewigen Ideen. Auf jeden Fall hatte ich mir überlegt, dass wir Europäer für das Lernen hohe Mauern aufbauen, indem wir immer wieder betonen, wie neu das Neue sei, das wir lernen. Es gibt ja - andererseits - nichts neues unter der Sonne. Und wer in dieser Welt lebt und mit ihr verbunden ist, der ist mit allem schon irgendwie verwandt. Es ist sozusagen eine Betonung der allgemeinen Verwandtschaftlichkeit in dieser Welt. Und sie reicht bis hinauf zu den Göttern, und bestimmt auch hinunter zu den Tieren, wie wir dies von den Indern auch wissen.

Als ich zum ersten Mal im Iran war, da war die UNO noch voll funktionstüchtig. Ich glaube, S hatte einen Vorgesetzten, der Inder war. Dr. Singh, wie hätte er auch anders heissen können. Er war mit einer Perserin verheiratet, und an einem Wochenende hatten sie uns in ihr schönes Haus oben in Shemiran eingeladen. Sie lebten sehr schick und sehr auf Repräsentation. Ein andermal waren wir mit anderen Indern in ein indisches Restaurant eingeladen. Ich erinnere mich bloss noch an die scharfen Saucen und an die hübsche, aber ziemlich resolute Inderin, die mir gegenüber gesessen hatte. Ich glaube, die Inder sind ein ziemlich potenter Volksschlag. Sie sind ethnisch überigens mit den Persern verwandt.

Ich muss zur Arbeit.
MLG

Samstag, 19. September 2026

Wie schade ...


Datum: den 4 november 22:57

Lieber ...,
Es ist schade, dass du nicht diese Site mit den kleinen Sprüchen von Andy Rooney öffnen konntest. Hier eine kleine Kostprobe. Alle beginnen mit den Worten "I've learned.. "

I've learned.... that being kind is
more important than being right.


Findest du das nicht auch klug und schön gesagt. So ist es doch. Es erzeugt ein bisschen mehr Harmonie auf Erden. Manche Menschen sind auch so klug. Mein K zum Beispiel. Ich konnte das anfangs schwer verstehen. Dachte immer, wieso sagt er nicht wie es sich wirklich verhält, wo er es doch weiss. Aber immer mehr sehe ich ein, dass es im Leben nicht darum geht Recht zu haben. Man muss es jedenfalls nicht immer den anderen wissen lassen.

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Auf der Wetterkarte kann ich sehen, dass du dich im Moment in einer "jungen Periode" befindest. Es ist lustig, dass wir uns nun ab und zu über das Altern unterhalten. Und hinter deinen spassigen Bemerkungen über dein Aussehen und Alter, steckt doch viel Wahrheit. Manchmal sieht man unverschämt jung aus. Fast wie ein Teenager und dann gibt es müde Tage, an denen man am liebsten schnell an den Spiegeln vorbei geht. Bei einer grossen Geburtstagsfeier einer Kollegin wurde mal ein schönes Gedicht über das Alter der Menschen vorgeführt. Das muss ich wiederfinden. Vielleicht gibt es auch eine Übersetzung davon. Wir sind wohl die einzigen Lebewesen, die sich ihres Verfalles bewusst sind.
Ich erinnere mich an einen meiner besten Freunde. Er war ein Kollege von mir und ich ging ab und zu nach der Schule mit ihm Tischtennis spielen in der nahen Sporthalle. Er war ein äusserst sympathischer Mensch und sehr beliebt von allen Frauen, sowohl von den ledigen wie von den verheirateten. Als er kaum 45 war beklagte er sich einmal über das alt werden. U.a. meinte er, er könnte kaum mehr eine Frau lieben und dabei über ihr sein, weil dann sein Gesicht sehr unschön wäre, wenn alles so herunterhängt. Ich fand diese Äusserung sehr komisch damals, aber ich habe begriffen, dass ihm das Altern wirklich Kummer machte... in so frühen Jahren sogar. Dabei war er ein schöner jugendlicher Mann. Wir hatten eine tiefe Freundschaft und er war eine Mischung von Bruder, Vater, und Freund zugleich. Mehrere Jahre, nachdem er hier weggezogen war, trafen wir uns immer noch Anfang Juni und gingen zusammen aus essen um einander das vergangene Jahr zu erzählen. Ab und zu kamen Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt. Als ich letzthin von ihm hörte hatte er ein Haus in Spanien und wohnte nur während der schönen Sommermonate in Schweden. Und jetzt weiss ich nicht einmal ob es ihn noch gibt. Wenn ja, dann hat er sich vielleicht künstlich verjüngern lassen. Er sprach manchmal davon und Geld hatte er ja genügend. In seinem letzten Brief schrieb er, dass er sich an mich erinnerte als "das Mädchen mit den strahlenden Augen, dem herrlichen Lachen und dem Schütteln der Mähne".
Ich wünsche, dass er noch am Leben wäre, denn er liebte das Leben.
Ach, verzeih mir, .... Aber man hat nicht allzuviele richtige Freunde, die auch am anderen Ende der Welt einem ein Gefühl von Geborgenheit schenken durch ihre blosse Existens.
*
Am Wochenende ist Vatertag. Ich hoffe, dass Anna kurz nach Hause kommen kann.

Issi - 13 Jahre alt

Wir müssen auch Issi begraben, die immer noch in der Tiefkühltruhe draussen im Lagerraum (heisst es so?) liegt. Wohl emballiert natürlich. Wir müssen sie begraben, während die Erde noch nicht gefroren ist. Ich vermisse sie immer noch. Es ist leer hier wenn ich nach Hause komme. Gern würde ich mir auch eine Katze anschaffen. Aber wegen des Nachbars Katzen wäre das wohl unklug... und auch beim reisen ist es etwas schwierig. Vielleicht doch wieder ein kleines Vöglein oder zwei. Ich werde sehen.

...
So grüsse ich dich lieb und hoffe bald von dir zu hören.

Marlena

Mixed triple ..

 

Ämne: Mixed triple
Datum: den 3 november  21:50

Lieber ...,

Ich werde K vorschlagen, auch Moslem zu werden. Zwar kann er ja dann auch mehrere Frauen haben (oder?), aber das wäre sein Problem und nicht meines. ;-)

Na ja, ich lasse dich frei wählen, wie du meine Fragen verstehen willst. Es ist am besten so. Vielleicht halten wir uns somit leichter in anständigen Grenzen. *s*
Die Frage, ob du etwas von einem schwedischen Schriftsteller gelesen hast, hast du nun zum dritten Mal übersprungen. Aber vielleicht bedeutet "keine Antwort" so viel wie "nein". Das ist ja auch zeitsparend und ganz OK.

Um nochmals zu den Löwen zu kommen, so ist es wirklich so dass, immer wenn man eine Löwenfamilie auf der Savanne zeigt, im Schatten unter einem Baum, es schliesslich zu einer Paarungszene kommt. Scheinbar haben sie nicht wie andere Tiere besondere Brunstzeiten sondern sind immer bereit (wie die Menschen). Oder auch hat das Filmteam ein besonderes Interesse gerade an solchen Szenen.
*
Ach, du bist lieb. Ich kann zu dir kommen mit meinen kleinen Sorgen und wenn ich mich gestresst fühle. Das ist ein schönes gutes Gefühl. Du musst dich auch garnicht darin vertiefen, sondern nur "schäumen",  wie wir es nennen.

Heute wünsche ich, du wärst hier. Das kommt nicht so oft vor, denn ich sehe dich meist als ein abstraktes Wesen irgendwo in der Ferne, das zwar seine Gedanken vermittelt, aber doch selten einen Körper hat. Doch manchmal hast du plötzlich einen und dann möchte ich, dass du mir zeigst wie es ist mit dieser Vorspeise vor den Mahlzeiten. Sorry... war wieder gegen alle §. Ich werde mich verbessern müssen. :-)

Ja doch, 3.000 Mails sind es bestimmt schon, wenn nicht sogar 4.000 und nimmt man dann auch meine dazu, so müssten es wohl bald an die 10.000 sein. Dazu kommen ein paar Chats, die ich auch besitze. Weiss wirklich niemand von deiner Korrespondenz mit mir? Ach ja, du hast mehrere und dann ist es wohl nicht so aufsehenerregend mich darunter zu haben. Ich finde es schön, dass ich ab und zu mit Anna über dich sprechen kann. Manchmal lasse ich sie auch Passagen aus deinen Mails lesen. Es ist gute Literatur für sie und ich freue mich, dass sie es unbehindert lesen kann und fast alles versteht. Auch sie freut sich über deine schönen Formulierungen. Und natürlich weiss sie auch, was ich von dir halte. D.h. wie sehr ich an dir hänge und wie ich deine Mails liebe. H weiss dass ich mit jemandem im Ausland mein deutsch übe und dass ich das Glück gehabt habe, einen fantastischen Schriftsteller zu finden. Sie fragt nur, worüber ich schreibe und auch mich wundert es sehr, wie ich in diesem karierten Dasein immer wieder etwas finde, das ich dir gerne schreiben möchte.
*
Ich hab übrigens Anna das letzte Bild von dir gezeigt und ihre Reaktion war: Oh, sieht er so jung aus? Auch ich selbst war etwas erstaunt, denn ich hatte mir dich mehr wie Andy Rooney vorgestellt. Der soll immerhin schon über 80 sein.. *s*  Aber er ist doch einer meiner Favoriten, wenn er sich am Ende jeder Sendung von CBS über irgendetwas Dummes beschwert. "...wacky TV commentaries on life's little annoyances" wie da steht. Man könnte sich glatt in ihn verlieben.

Hier kannst du ihn sehen, und sicher wirst auch du zugeben, dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt zwischen euch, sowohl im Aussehen wie im Charakter.



http://www.chickenhead.com/features/rooney/

Schau dir auch diese kleinen Sprüche an von ihm: http://www.quotemeonit.com/rooney.html
Die musst du dir wirklich Zeit nehmen zum lesen. Sind sie nicht gut?

So mein lieber Mausfreund. Dieses Mail ist zustande gekommen, weil ich mich allzu gern mit dir unterhalte, aber natürlich auch, weil ich will, dass du ein Morgenmail von mir findest zu deinem Kaffee, worauf du antworten kannst.

Alles Liebe
Marlena

Dienstag, 15. September 2026

Es ist Zeit

 


Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los. 

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein. 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. 


Rainer Maria Rilke



2 Kommentare:

  1. Jag vet inte, men det känns som en ung dikt av Rilke. Konstlöst förfinad, och mycket han.
    Rätta mig om jag har fel.

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    1. Inget går upp mot Rilke! :-) Denna dikt är en av mina favoriter. Och du har rätt. Här mer information om dikten:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Herbsttag

      Ta det som en övning i tyska språket.
      Är du inte uppe i norr än?

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Montag, 14. September 2026

Wieso eigentlich?

Lieber ...,

Ich habe mich in den letzten Tagen immer mehr nach einem Wellness-Center gesehnt. Wir nennen es Spa. Du kennst es sicher. Es ist eine luxuriöse Anlage wo du deinen Körper verwöhnen lässt mit Lehmeinpackungen, Massagen und warmen Bädern u.a. Und nachher fühlt man sich wie neugeboren und so wohl dass man das Leben umarmen möchte.
*
Ich habe deine Story nochmals durchgelesen und ich muss sagen dass man sie immer wieder bei vollem Genuss lesen kann. Und bei allen mit grösster Präzision geschilderten Realitäten ist sie doch irgendwie surrealistisch. Du meinst das ganze passiert nur auf der Couch aber das ist ganz unmöglich zu glauben, weil eben alles so detailliert geschildert wird. Und in diesem "nicht-wissen" liegt auch der Reiz.
Oh, wie habe ich Angst, dich an die Öffentlichkeit zu verlieren..

*

Es fällt mir auch auf, wie du das VL beschreibst. Sind es wirklich nur Rosen ohne Dornen und Läuse? Und Eifersüchteleien und Enttäuschungen? Gibt es die wirklich nur im RL? Vielleicht mache ich keine klare Grenze zwischen RL und VL. Sie greifen ineinander und beeinflussen einander. Der Text im VL zieht seine Nahrung aus dem RL. Und die Freuden im RL haben nicht selten ihren Ursprung im VL. Aber man kann wählen und man kann zensieren. Das ist das angenehme. Doch in schweren Zeiten, wenn man fast nur Dornen sieht, ist es schwer. Man muss sich mit dem Willen dafür blind machen, um Rosen zu entdecken. Und du hilfst mir immer wieder dabei mit deinen schönen Mails.

Manchmal wünsche ich mir doch, wir hätten uns damals in Rom kennengelernt. Es ist aus ganz egoistischen Gründen. Vielleicht erkläre ich es dir einmal.


So, chéri, ich muss mich ein wenig nützlich machen in der Küche. Crevetten schälen! Diese langweiligen Aufgaben fallen immer auf mich.. :-)

Ich grüsse dich lieb und wünsche dir ein schönes Wochenende im Kreise deiner Familie.
Marlena



Sonntag, 13. September 2026

Revolte gegen die Uhrzeit

 Re: Sein und Zeit


Lieber ...,

Sorry! Ich habe mein Abendmail verpasst. Du wirst es nicht glauben, aber auch ich war so müde, als hätte ich Schwerarbeit geleistet. So war ich wohl ab 20.00h für keinen Gedankenaustausch mehr zu haben und bin früh zu Bett gegangen. Ich hatte die Absicht, noch früh am Morgen ein kleines Frühstücksmail für dich abzusenden. Und dann bin ich in der Nacht nach so 5 Stunden Schlaf aufgewacht und es war fast unmöglich wieder einzuschlafen. Um sieben bin ich dann trotzdem aufgestanden und habe gefrühstückt. Aber meine Glieder waren schwer wie Blei und so bin ich nochmals in die Federn gekrochen, wie du es nennst.
Lustig eigentlich, heutzutage können wir fast ein Mail mit solchen prosaischen Details füllen. Aber eigentlich finde ich sie nicht unwichtig. Im Gegenteil lassen wir einander auf diese Weise wirklich Teil haben an unserem Dasein.
Nun, ich glaube ich litt ganz einfach an Schlafdefizit. Bin in den letzten Tagen immer sehr spät zu Bett gegangen. Es kann wirklich nichts mit Überanstrengung im Beruf zu tun haben, denn dort waren "wir drei" gestern so gut wie unbeschäftigt. Wir haben im Aufenthaltszimmer neben unserem Arbeitszimmer vor dem Fernseher gesessen. Eigentlich nicht davor, sondern eben an dem Tisch, wo wir uns immer mit einer Tasse Kaffee zwischen den Unterrichtsstunden belebt haben und haben uns gut unterhalten. Ab und zu kam jemand von den "Arbeitenden" dazu und es war ein angenehmer Zeitvertreib. Um 11.30h sind wir dann in die Kantine gewandert und haben auch dort unsere Mahlzeit so lange wie möglich hinausgezogen. Welch ein Luxus, nicht an Uhrzeit denken zu müssen!!! Ich hatte sogar meine Armbanduhr zu Hause vergessen. Wozu sollte ich sie auch brauchen?

Natürlich bin ich noch lange nicht so weit, dass ich von Uhrzeit auf Ereigniszeit umgeschaltet habe. Ich glaube so was muss geübt werden. Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, mir irgendwelche Tätigkeiten auf Uhrzeit zu verlegen, d.h. zu einem gewissen Zeitpunkt etwas vorher bestimmtes zu tun. Vielleicht muss man das sogar. Aber im Moment ist meine Revolte gegen die ständige Uhrzeit (in unserem Beruf ist man ja besonders davon geplagt) noch so gross, dass ich mich für nichts festlegen möchte. Es soll kein "muss" mehr geben sondern nur "will". *s*

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Ich glaube, dass du schon wartest. Sicher brauchst du ein kleines Mail von mir, und so schicke ich dies nun gleich ab. Vielleicht komme ich später nochmals wieder.

Ich wünsche dir einen schönen Tag ohne Müdigkeit.
MlGuK,