Donnerstag, 31. Dezember 2015

Gott Nytt År!






Ich wünsche Dir von Herzen
ein schönes, glückliches
neues Jahr 2016



.

Montag, 28. Dezember 2015

Blick durchs Fenster



heute - endlich Schnee




.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Weihnachten 2015





God Jul




Frohe Weihnachten




Merry Christmas




Joyeux Nöel
.

22. Dezember


Danföredanföredopparedan


Ja, so heisst er dieser Tag.:          
Der-Tag-vor-dem-Tag-vor-dem- Eintunktag...   

Es hat mit dem Weihnachtsschinken und der
Brühe zu tun, in die man Fladenbrot (?) eintunkt.
Ich bin froh, dass ich alles, oder fast alles, was mich aus dem
Haus treibt, hinter mir habe. So spät wie gestern Abend haben
Anna und ich noch an mehreren Tankstellen in der Region
nach einem Baum gesucht. Und schliesslich haben wir zum
Glück einen akzeptablen gefunden. Es gab sonst nur noch
schreckliche Monster.
Heute werden wir Weihnachtsgebäck machen. Ein Stollen,
ein Rosinenpfefferkuchen und Vanillekipferl (altes
österreichisches Rezept) gehören dazu. Das Saffronsgebäck
habe ich ja schon zu Lucia gebacken. Und morgen wird dann
der Baum geschmückt. Wir setzen immer eine Ehre darin
den "Allerschönsten" zu haben.. *s*
Ich schicke dir ein paar Bilder mit von aktuellen Dingen.
Der Baum (von vorigem Jahr), das Schneebild, weil es
wahrscheinlich am "julafton" (Weihnachtsabend) so hier
aussehen wird.. *hoffentlich* und dann der Schinken, ein
absolutes "muss" auf jedem schwedischen "julbord".
....
(R) Dezember 2004

Sonntag, 20. Dezember 2015

Blick durchs Fenster ...


Anno dazumal  -  heute leider nur ein Traum





Annas erster Versuch mit ihrer neuen Digitalkamera..
LGuK,
M

Samstag, 19. Dezember 2015

Treffpunkt


Liebe Malou

Es ist noch fast rabenschwarz vor dem Fenster. Die Tage sind
kurz geworden. Gestern abend war ich um 20h noch walken.
Da allerdings war es noch irgendwie dämmerig. Jedenfalls hatte
ich das Gefühl, heller als die vorherigen Tage. Ich laufe in der Regel
rund um die grosse Wiese auf einem kleinen Pfad. Im Herbst ist er
ein bisschen verwischt durch die Blätter der grossen Kastanien, die
rundum stehen. Und natürlich machen die Bäume auch etwas dunkel.

B. hatte in der Zeitung gelesen, dieser Platz, der Schützenmattpark,
sei ein bekannter Homo-Treffpunkt. Seither fällt mir auch auf, dass
abends viele Männer herumschleichen oder stehen, manchmal sogar
- bei diesem kühlen Wetter - noch auf Bänken sitzen. Aber sie stören
mich nicht sonderlich. Ich drehe meine Runden. Schliesslich will
ich gut in Form sein, wenn ich mal zu einem solchen Homo-Treff
hertrabe. ;-0

Es ist gut vor dem Schlaf noch etwas an die frische Luft zu gehen.
Man schläft rasch ein. Es ist bestimmt besser als Fernsehen. Daher
denke ich manchmal an einen Hund. Mit ihm muss man abends
auch noch mal rasch hinaus. Aber in meinen zwei Zimmern habe
ich keinen Platz für einen Hund. Ausgenommen vielleicht, falls er
mir staubsaugt, die Wäsche macht und das Geschirr spült. Dann
könnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden. Aber bloss so
herumliegen und abends um 22h nochmals draussen pinkeln
gehen? Nein, das ist mir zur Zeit zu aufwendig. Vielleicht wenn
ich mal in Pension bin.

Montag, 14. Dezember 2015

„der diskrete Charme der Bourgeoisie"

Gedanken über.. (2)

Es gibt doch zur Zeit diese Evolutionsbiologie oder auch Sozialbiologie, die so populär ist und mit deren Erkenntnissen man die Evolution und den Darwinismus zu stützen meint. Letzten Samstag waren wir in Basel zum Essen eingeladen, und am Tisch hat sich ein Gespräch über diese Themen ergeben. Unter anderem stand eine Erkenntnis der Evolutionsbiologen zur Diskussion, wonach Frauen in den empfänglichen Tagen mehr auf physisch virile Männer (ich nehme an: athletische Figur, männliches Gehabe, starker Haarwuchs, tiefe Stimme etc.) ansprechen, während sie in den übrigen Tagen mehr jene Männer mögen, die Stabilität und Zuverlässigkeit versprechen (ich nehme an: materielle Sicherheit, guter Job, freundliches und rücksichtsvolles Wesen, Verständnis). Und dazu haben wir Hühnchen gegessen mit Kartoffeln und Spinat, dies nach einem Broccoli-Auflauf als Voressen und einem Cinzano als Apero. Allerdings, das muss auch gesagt sein, haben sich eher die Männer an der Diskussion und am Hühnchen beteiligt als die Frauen. Für die Frauen scheinen diese evolutionsbiologischen Überlegungen und das fette Poulet sehr weit hergeholt zu sein.

Es ist lustig, zu essen und zu diskutieren. Das mag ich sehr, in einer Runde von anregenden und interessanten Leuten. Das ist leider nicht immer der Fall, manchmal gibt es so langweiligen small-talk, dass man lieber zuhause bleiben würde. Aber wenn es funkt, komme ich richtig in Schuss, und wenn dazu noch eine Flasche trinkbaren Bourgogne oder Bordeaux auf dem Tisch steht, ist der Abend so gut wie gerettet. Das war samstags der Fall. Das ist „der diskrete Charme der Bourgeoisie", wie jener französische Spielfilm Damals so schön geheissen hatte. Du siehst, Marlena, wir sind so arrivierte und gesetzte Männer geworden, die nach einem guten Essen leicht die Revolution ausrufen, um sie dann aber, wenn die Müdigkeit des vollen Magens auftaucht, leicht wieder fahren lassen. Die jungen Leute werden uns belächeln.
...

Samstag, 12. Dezember 2015

Lucia 13. Dezember





"Semblable à une apparition céleste, Sainte Lucie vient illuminer les
ténèbres des nuits de décembre. À travers tout le pays, aux premières
heures du jour, les écoles, les hôpitaux, les maisons de retraite et
les lieux de travail reçoivent, dans une atmosphère baignée de magie,
la visite d'une Sainte Lucie et de son cortège. Vêtues de longue robe
blanche, précédées de la Sainte coiffée d'une couronne de bougies, les
jeunes filles s'avancent solennellement, chacune portant une bougie à
la main et chantant des refrains traditionnels. "

Besonders die Worte ".. dans une atmosphère baignée de magie.."
gefallen mir daran, denn diese Feier hat etwas Magisches an sich.

das Lied "Sankta Lucia"  hier



Lussekatter







Liebster Mausfreund,

Nun ist auch mein Haus für Advent geschmückt. Die Weihnachtsgardinen sind aufgehängt und in den Fenstern stehen Leuchter (mit sieben Kerzen) Auch habe ich ein paar Adventssterne aufgehängt. Zwei sind aus Holz und verbreiten einen warmen gelblichen Schein, aber mein Lieblingsstern hängt oben im "allrum". Er ist aus Papier und leuchtet am allerschönsten von allen. Genau solche gab es schon in meiner Kindheit und ich kann mich nicht davon trennen.
...........
Und morgen feiern wir Lucia. Ich bin gerade am Backen. Lussekatter ist ein Muss am Luciatag.

Liebe Grüsse und
KKK
Malou

Advent in Schweden


...

Und was treibst du Malou? Bist du an den Weihnachtsvorbereitungen? Das
glaube ich mindestens. Du wirst dein Haus auf Hochglanz bringen und
alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint, nicht wahr?

Und ich, wie gesagt, mit einem Kerzlein unter der Brücke.
Liebe Gs und Qs und Ks und so
....




Re:



"alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint" *smile*

Ja doch, das tun wir alle hier in Schweden. Und nicht nur was
beleuchtenswert erscheint..
In allen Fenstern siehst du, schon vom 1. Advent an, entweder Sterne
oder Leuchter. Früher, als ich noch klein war, gab es diesen schönen
aus Papier, der wirklich wie ein richtiger Stern aussah, wenn er
angezündet war und ein warmes schönes Licht verbreitete. Ich habe
immer noch einen solchen oben bei mir und ich muss sehr vorsichtig
damit umgehen beim aufhängen, denn er leidet schon sehr an
Altersschwäche. Werde ganz nostalgisch wenn ich ihn leuchten sehe.
Doch heutzutage gibt es alle möglichen Sorten. Manche aus dünnem
Holz geschnitzt, andere aus goldglänzendem Metall: Ach, es gibt
wirklich so viele verschiedene Sterne und immer wieder kommen
neue dazu.


Amaryllis

Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne. Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun.



Montag, 7. Dezember 2015

Virtuelles Redezvous



Lieber ...,
Nun bin ich wieder mal mit dir allein. Heute ist K gefahren um seine
alten Freunde zu treffen. Er wird dort im Hotel übernachten. So bin
ich also Strohwitwe. Eigentlich sollte ich diesen Abend gut ausnützen.
Vielleicht jemanden einladen.. oder auf dem Tisch tanzen, wie es die
Mäuse tun wenn die Katze weg ist.
Aber ich habe etwas viel Schöneres vor. Nämlich meinem lieben
Mausfreund in Ruhe ein Mail zu schreiben. Es ist für mich wie ein
virtuelles Rendezvous und ich hoffe dich auch in guter Laune zu
finden.
Wie gern würde ich dich zu der Kandinsky-Ausstellung in Basel
begleitet haben. War es gut?

Du weisst, dass ich dich mitgenommen habe ins Musée d'Orsay. Ich habe
dich so sehr an meine Seite gewünscht, dass ich fast den Eindruck
hatte, deine Stimme zu hören. Und jedes Bild habe ich mir mit dir
angeschaut. Bis eben S nicht mehr weiter konnte wegen dem Fuss.
Leider ist sie auch nicht an Kunst, oder Kultur überhaupt, interessiert. Ich wusste nicht, dass es unter Akademikern solche Menschen gibt. Aber man lernt so lange man lebt.

Wenn ich so zurückdenke an die Woche in Paris habe ich den Eindruck
ich habe viele Türen geöffnet.. ohne doch jemals über die Schwelle zu
treten. Und du weisst wie es ist mit solchen Dingen. Es hinterlässt
eine Sehnsucht, die man stillen muss. Es ist ein Bisschen, wie wenn
man ein gutes Buch halbgelesen aus der Hand legen muss.
Ich habe maladiert und nostalgiert. So gut wie jedes wichtige Monument
in Paris ist mit irgendeiner schönen, manchmal lustigen, Erinnerung
aus meiner frühen Jugend verbunden.
Vielleicht ist es so für dich, wenn du nach Visp oder Brig fährst.
Aber während sich die kleinen Städte mit der Zeit sehr verändern
können und uns eher etwas enttäuscht werden lassen, ist Paris immer
noch Paris. Zwar gab es das moderne Centre Pompidou und die neuen
Hallen, aber die Strassen rundherum waren so malerisch wie zuvor. Bei
den schönen Gebäuden habe ich auch an B gedacht. Paris ist eine
architektonisch wunderschöne Stadt.




Am Wochenende haben uns unsere Gastgeber mitgenommen nach Deauville,
wo sie ihr Sommerhaus haben. So viel Luxus dicht nebeneinander findet
man nicht oft.
F hat sich sofort über seine wunderschönen Rosen hergemacht und alle
stolz vorgezeigt. Der Himmel war eine Weile ganz blau. Und dann
am Abend hat er uns ausgeführt in ein elegantes Restaurant. Der
Restaurantbesitzer, ... seit 20 Jahren ein guter Freund von ihm, war auch
dort und hat ein wenig inspektiert.

Was wir gegessen haben? Ach, ich glaube du kannst es dir vorstellen.
Als Vorspeise jedenfall frische Muscheln. Jeder eine ganze Schüssel
voll. (siehe Bild)  Danach haben wir verschiedene Speisen gewählt und
auch jeder  ein anderes Dessert.



Vielleicht war es der erste gemeinsame öffentliche Auftritt des Pares
seit ihrer Scheidung im Frühjahr. Sie wollen demnächst wieder
heiraten. "Feiglinge" ist Annas Kommentar dazu. ;-)

*

Ja, mein lieber Mausfreund, ich beginne mich an den Gedanken zu
gewöhnen, dich in Zukunft als Junggeselle zu sehen. Mit Betonung auf
"jung". ;-)
Vielleicht kannst du das nicht verstehen, aber auch für mich war eure
Trennung sehr schmerzhaft. Doch jetzt bin ich, glaube ich, über das
Schlimmste hinweg und wenn du von deiner neuen Wohnung erzählst, dann
spüre ich sogar das Glück, das damit verbunden ist. Ich sehe sie schon
vor mir. Viele Bücherschränke, ein wunderbares Fauteuil mit guter
Lesebeleuchtung und natürlich ein bequemes Bett. Und ein guter
Computer für unser Mausleben. :-)
Kannst du dir Dinge von zu Hause mitnehmen? Oder musst du alles neu kaufen?
Und deine Bilder?

Übrigens, in dem Film "House of Sand and Fog", den ich dir empfohlen
habe, hatten fast alle Bilder des iranischen Paares solche dicke
Goldramen, und auch die meisten Bilder der Impressionisten waren damit
versehen.

Wenn du noch Dinge gemeinsam mit S machst, miete dir doch den Film auf
DVD und sehe ihn dir mit ihr an. Du wirst es nicht bereuen, das
verspreche ich dir.

Ich mache jetzt eine kleine Pause. Will mir etwas zu essen machen.
Doch ich komme nochmals vorbei heute Abend.

Bis dahin alles Gute,
Mit lieben Gs und Ks
Malou

Samstag, 5. Dezember 2015

Nikolaustag


6 december

Liebe Marlena
---
Heute haben wir hier St. Nikolaus. Die Kinder sind ein bisschen nervös, und
die Eltern nicht minder. Aber das war ja schon immer so. Ich kann mich
erinnern, als der St. Nikolaus damals zu uns gekommen war. Wir sassen alle
auf dem Sofa und schauten in die grosse schöne Stube, die wir sonst während
der Woche nicht betreten durften. Im 19. Jahrhundert soll diese Stube als
Büro eines französischen Generals der napoleonischen Truppen gedient haben,
so hatte mir Onkelchen erzählt. Auf jeden Fall war sie für ein Kind ziemlich
eindrücklich, mit glattem Parkettboden, Täferung aus dunkelm Holz an den
Wänden. Einmal hatte ich vom Sofa, wo wir vor dem St. Nikolaus zu sitzen
pflegten, ein Geheimfach in der Wand gefunden. Das war wirklich sehr
aufgregend gewesen, und in der folgenden Zeit hatte ich oft Süssigkeit dort
versteckt.
Der St. Nikolaus kam allein, jedes Jahr wieder, hatte einen grossen Sack bei
sich und hielt jedem Kind einige Dinge vor, in denen es sich während des
Jahres verfehlt hatte. Ich habe keine Ahnung mehr, was er mir unter die
Nase gerieben hat. Aber ich erinnere mich sehr gut, wie er unser
Dienstmädchen, eine junge, hübsche Italienierin kritisiert hatte, weil sie
manchmal etwas ungeschickt und voreilig gewesen sein soll. Ich hatte den
Eindruck, dass ihr das sehr unangenehm gewesen war. Sie hiess Silvana, und
ich bin sicher, dass ich sie später darüber getröstet habe.
*
Es gibt zwei Arten von St-Nikolaus. Im Wallis, also einem katholischen Teil des Landes kommt der St.Nikolaus mit dem Bischofsstab. Er sieht wie ein Bischof aus, hat natürlich aber auch Bart und ein Gehabe wie St. Nikolaus. Und daneben kommt Schmutzlich, er ist ganz schwarz. Man könnte denken, es sei der Teufel, oder mindestens sonst ein nicht sonderlich vertrauenswürdiges Wesen.
Und dann gibt es den St. Nikolaus in reformierten Gebieten. Dort hat der Mann einen meist roten Anzug mit einer Kaputze und einen langen weissen Bart. Meist hat er auch noch ein riesiges Buch, aus dem er den Kindern die Sünden und Straftaten des Jahres vorhält.
*
Ich kann mich auch an eine Nikolaus-Szene im Kindergarten erinnern. Wir
hatten eine Bank rundum im Raum und sassen gespannt da, bis das grosse
Unikum hereintrat. Und siehe da, der Kerl hatte einen Sack auf dem Rücken,
an dem ein Sack hing. Und aus dem Sack ragte ein Bein in Strumpf und Schuh.
Natürlich wollten wir Kleinen sofort wissen, was mit dem Bein los sei. Und
der komische Kerl meint, dies sei Vreni, die eben nicht folgsam gewesen sei.

Lange Jahre konnte ich kein Mädchen ertragen namens Vreni. Ich
verabscheute sie richtiggehend, nur weil sie hiessen, wie dieses Mädchen,
von dem ich glaubte, es wäre wirklich im Sack des St. Nikolauses
weggetragen worden.


Montag, 30. November 2015

Ein Nobelmenü gefällig?


Ämne: Das Menue ...
Datum: den 9 december 2003 18:03


Nobelbankett

Der Duft von Rahmspinat, der den Gästen in die Nase steigt, führt dazu, dass der eine oder andere Nobelpreisträger seine Aufmerksamkeit nicht dem Redner auf dem Podium schenkt, sondern dem duftenden Teller, der vor ihm steht. Man schreibt das Jahr 1954 und Ernest Hemingway wurde gerade der Nobelpreis in Literatur verliehen. Einen noch größeren Erinnerungswert als die Rede an diesem Abend hat die herrliche geräucherte Lachsforelle, die Artischocken mit Trüffel und als krönender Abschluss – die berühmte Eisbombe. Auch heute spricht man enthusiastisch vom Essen am Nobelbankett, dessen Menüfolge bis zum letzten Tag geheim gehalten wird.

Um sich ein richtiges Nobelmenü schmecken zu lassen, muss man jedoch weder in Physik noch in Literatur einen Nobelpreis gewinnen. Im Stadshuskällaren in Stockholm, der unter dem Blauen Saal (Blå Hallen) liegt, in dem das Nobelbankett stattfindet, werden auch Normalsterblichen das ganze Jahr über Nobelmenüs serviert. Für 1285 Kronen können Sie sich eines der Gerichte bestellen, die der königlichen Familie im Laufe der nunmehr hundert Jahre zurückgehenden Nobelpreisverleihung serviert wurden. Meist bestellt man sich das neuste Menü. Wenn man Geburtstag hat, isst man gern die Menüfolge, die in dem Jahr serviert wurde, an dem man zur Welt kam. Firmen bestellen häufig das Menü, das in ihrem Gründungsjahr serviert wurde. Viele ausländische Besucher wählen das Gericht, das ein Nobelpreisträger aus deren Land gegessen hat. Am beliebtesten ist das Menü aus dem Jahr 1994, in dem Kenzaburo Oe aus Japan der Nobelpreis in Literatur verliehen wurde. Das Menü, das unter anderem eine würzige Roulade aus Entenbrust, Mango und Mangold sowie Kalbsfilet mit Salbei und Pilzen enthält, wurde bereits mehr als 25000 Mal serviert. Und seine Beliebtheit hat dazu geführt, dass der Stadshuskällaren das Menü auf Japanisch drucken ließ. Außer drei Gängen gehören zum Nobelmenü Champagner, Rotwein, Dessertwein, Kaffee und Mineralwasser. Als I-Tüpfelchen werden die Gerichte auf dem schönen Nobelservice serviert. Leider kann das Lokal jedoch nicht alle Nobelmenüs anbieten. Trotz umfangreicher Forschungsarbeit konnte nicht ermittelt werden, was in den Jahren 1905, 1906, 1908, 1923 und 1924 serviert wurde.

Bei einigen Menüs schiebt auch das Gesetz einen Riegel vor. Die Schildkrötensuppe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige Male als Vorspeise serviert wurde, ist heutzutage verboten, weshalb man stattdessen eine „falsche Schildkrötensuppe“ serviert. Das einzige, das im Stadshuskällaren beim Nobelmenü neben der königlichen Familie und den Preisträgern fehlt, ist die ungeheure Maschinerie, die hinter den jährlichen Festlichkeiten steht. Die Bedienungen, die beim Nobelbankett arbeiten, und zusammen eine Schlange von über hundert Metern bilden, brauchen ganze 5 Minuten und 40 Sekunden, um sämtlichen Gästen das Essen zu servieren. Hierzu kommen Zigtausend Teller und Schalen, ein halber Kilometer Tischdecken, 25000 Schnittblumen, die in üppigen Gestecken arrangiert sind, und 45 Personen, die nichts anderes tun als Weinflaschen zu öffnen. Allein der Abwasch nach dem Bankett dauert ca. 1 Woche. Trotz der unglaublichen Koordination und Planung, die das Fest erfordert, kam es bislang noch nie zu größeren Zwischenfällen. Ihnen steht heute der Sinn nach königlichen Leckereien? Pech gehabt, leider müssen Sie das Abendessen fünf Tage im Voraus buchen – auch hier ist also Planung angesagt!

Das erste Nobelmenü von 1901
Hors d´oeuvres Pochiertes Glattbuttfilet mit Trüffel und Weißweinsoße. Gebratenes Rinderfilet Imperial, gebratene Haselhuhnbrust in Madeirasoße. Nobeleisparfait, Fruchttortelette.

… und das jüngste
Hummer und Blumenkohlröschen auf Blumenkohlpüree, Krabbengelee und Meereskorallensalat. Nobelbrot. Gänselebergefüllte Wachtel mit Steinpilzragout, sonnengetrockneten Tomaten, frischem grünem Spargel, Madeirasoße und Kerbelpüree. Vanilleeis und Johannisbeerparfait auf dünnem Meringenboden mit Karamellflan. Dazu wurden folgende Getränke gereicht: Champagner Pommery, BRUT I´Hospitalet de Gazin 1998, POMEROL Bernkasteler Graben Riesling Eiswein 1999, MOSEL - SAAR - RUWER Mineralwasser, Kaffee.



Autor Josefin Ekman


Re:

Lieber ...,
 ...
Ach, wie herrlich, der Artikel von dem Nobelessen! Und wenn du hier wärest, würde ich dir auch zeigen, wie es auf den Tellern ausgesehen hat, denn ich habe fast jedes Jahr ein wenig von diesem grossen Bankett auf Video aufgenommen. Und dann könntest du sehen wie alles strahlt und glitzert und die schönen Abendkleider der Damen bewundern. Die Unterhaltung, die wie das Essen bis zuletzt ein wohl verborgenes Geheimnis bleibt, ist auch immer erstklassig. Und dann kommen die Reden der Preisträger. Manche sind sehr humoristisch. Und da ist vor allem die grosse Freude, die alle ausstrahlen an dem Fest. Sie steckt einen geradezu an. Ich würde es gern mit dir ansehen. Ich glaube du würdest darauf reagieren, wie auf NY.

*




10 Dezember 2011

Samstag, 28. November 2015

Re: Warum nicht Basel?


Besuch im Garten


Ämne: ..und die Nacht nicht mehr sehr entfernt..
Datum: den 9 december 2003 21:53

Lieber ...,

Wie schön, dass ich nicht zwischen "Mjau" und "Muuu" gelandet bin. Kann also wieder ausatmen. Und natürlich liegt die Betonung auf der letzten Silbe. Ist ja doch französisch. :-)

Ich hatte Konferenz am Nachmittag und kam erst spät ziemlich müde nach Hause. Vielleicht auch müde, weil ich gestern so böse war, dass ich nicht einschlafen konnte vor so 2 Uhr nachts.

Die Konferenz war teilweise ein bisschen hitzig aber im übrigen benahmen sich die Anwesenden wie sonst.. d.h. wie Schafe. Seitdem es gilt mit dem Direktor und seinen Ideen zu flirten um höheren Lohn zu bekommen, wagt niemand mehr eine eigene Ansicht über Dinge zu haben. Menschliche Erniedrigung würde ich es nennen. Na ja, ich habe es überlebt, sonst sässe ich nicht hier.

Ach, wie schön du Basel beschrieben hast. Einmal werde ich es besuchen. Das habe ich mir versprochen. Aber wann und wie.. das weiss ich noch nicht. Wir hatten früher ein herrliches Videoprogramm, in dem man den Rhein von seiner Quelle hoch oben in den Bergen bis ans Meer verfolgen konnte. Ich habe es leider damals nicht gekauft für die Schule, was ich heute sehr bereue. Hoch oben auf der Alp sah man bauern, die Rätoromanisch sprachen. Es hatte einen schönen eigenartigen Klang. Dann sah man, wie sich der Rhein, wie ein wilder Teenager austobte um später im Bodensee wieder Ruhe zu finden. Danach kam man auch nach Basel. Da erinnere ich mich noch an die Wasserkunst und die schönen Häuser. Ich würde es sehr gern wieder ansehen, jetzt wo Basel etwas ganz besonderes für mich bedeutet. Die Stadt, auf deren Strassen mein Mausgeliebter herumflaniert.
(---)

*
Diesen Ausdruck "wo sich Füchse und Hasen gute Nacht sagen" finde ich so lustig. Das tun sie nämlich gerade hier hinter unserem Haus. Die Hasen sieht man oft im Winter und im Frühjahr und die Füchse hört man in der Ferne. Du weisst, wir wohnen, obwohl sehr zentral, doch sehr ländlich. Diese Kombination hat uns immer schon gut gefallen.

(---)

Ach, ist das wirklich so? Du hast einen halben Roman im Kopf? und die andere Hälfte auf Papier oder PC? Das freut mich riesig. Erzählst du mir mehr davon? Oder braucht es seine Ruhe?

(---)

Ich muss noch ein wenig für morgen vorbereiten. Mittwochs stehe ich schon um 7.50 Uhr im Klassenzimmer. Und am Freitag wird überall Lucia gefeiert. So auch in unserer Schule.

Jetzt grüsse ich dich lieb und freue mich schon auf dein nächstes Mail. Ja, das wünsche ich mir am meisten von allem: Mails von dir. Ich bin süchtig geworden.
S+K
Malou

Freitag, 27. November 2015

Warum nicht Basel?






Ämne: RE: Malou again


Liebe Malou
Ja, wenn ich es nicht schwarz auf weiss gesehen hätte, weil Du es zurückgeschickt hast, so würde ich es nicht glauben. Malou zu Maou: es kann sich dabei nur um eine momentane Schwäche des rechten Ringfingers handeln. ...
Nein, im Ernst, diesen hübschen und kompakten Namen will ich doch nicht ändern. Er hört sich an wie ein Französisch-schwedischer Mischkonzern ;-) Ich mag ihn ganz einfach, aber definitiv mit dem nötigen L.
*
Ist eine prima Idee nach Berlin zu fahren! Dort ist bestimmt einiges los. Aber es gibt natürlich noch viele andere hübsche Städte. Ich kann dir gar nicht aufzählen, welche es da noch gibt, sonst werde ich unruhig unter dem Hintern. Ich war noch nie in München. Bloss das olympische Gelände hatte ich besucht bei einer Durchfahrt. Und dabei haben wir einen Münchner, einen Bierbrauer, in unserem Club. Wir hatten schon mal darüber gesprochen, dass er für einige von uns eine Führung in seiner Heimatstadt machen könnte. Aber es ist dann doch nie dazu gekommen. Und mittlerweile ist er etwas älter geworden. Er ist klein, aber er liebt es, sich schick anzuziehen. Und dann geht er ohne seine Frau in den Strassen flanieren. Letzthin habe ich ihn an der Universität getroffen gleich nach dem K-Lunch. Ich glaube, er geht dorthin, um in irgend einer hochkarätigen Vorlesung ein kleines Nickerchen zwischen jungen Studentinnen in engen Blusen zu machen. So was würde ich ihm schwer zutrauen. Er hat von seiner biertrunkenen Stadt natürlich auch den gewissen Charme mitgebracht. Und er möchte ihn auf universitätsniveau austesten. Ist doch - letztlich - begreiflich, nicht wahr?
*
Weshalb macht Ihr Euren Ausflug nicht nach Basel? Seit Donalds Bildervortrag in Tschechien weiss ich, dass die Stadt ein absolutes Kultur-Konzentrat darstellt. Sie haben innerhalb von 27 Quadratkilimeter 30 Museen. Stell Dir das vor! Es gibt Museen wie Pfützen. Und es gibt eine feine Altstadt, die im Moment auch mit einem Weihnachtsmarkt überfüllt ist. Es gibt um die 5 oder 6 Buchläden. Na ja, das sind die, die ich kenne. Es gibt in der Umgebung mehr, zB. jenes nette kleine Buchlädelchen in Arlesheim, wo sie alles haben und wo du eine allerbeste Beratung bekommst, wenn du willst. Es gibt das hübsche Münster ob dem Rhein, mit dem Ausblick auf Kleinbasel und den Rhein. Dort oben spielt ein Teil meines Romans, den ich im Kopf habe. Na ja, halbwegs im Kopf. Es gibt das hübsche Café Schiesser, von dem man so gemütlich auf den alten Marktplatz hinunter sehen kann. Dort trinke ich eine Schokolade zur Lektüre der NZZ am Wochenende. Und es gibt das neue Theater, das der Stadt die Millionen weg frisst. Ach, man kann sich in Basel bestimmt wunderbar die Zeit vertreiben und in irgendwelchen romantischen Altstadtgässchen verloren gehen. Und wenn ihr im Radisson, in unserem Club-Hotel, wohnt, dann ist das bestimmt keine schlechte Absteige. Es gibt sogar ein Bad im Haus. Aber das Essen, wie Du Dich bestimmt erinnerst, ist nicht grossartig. Essen müsstet ihr in der Kunsthalle, Ss Lokal. Sie haben einen exzellenten bürgerlichen Service, lange schwere Tischtücher und einen riesigen Blumenstrauss in der Mitte auf dem Tisch. Man fühlt sich dort ein bisschen wie in jenen Restaurants, die man auf impressionistischen Bildern des 19. Jahrhunderts sieht. Und es liegt alles gleich neben dem berühmten Tingueli-Brunnen, diesem lebendigsten aller Brunnen, der gleich neben dem Theater dahinspritzt und -schleudert und -plätschert und immer viele Besucher anzieht. Wenn er im Winter eingefroren ist, gibt er bei Sonnenschein ein märchenhaftes Bild ab. Da müsstest Du Deine Kamera zücken. Natürlich könntet Ihr auch im Drei Könige übernachten, dem noblen Hotel am Rhein, in dem schon Napoleon und auch Goethe übernachtet haben sollen. Aber dort ist es noch eine Idee teurer und das Essen, was wir mal mit dem Club dort hatten, war nicht umwerfend. Zoe Jenny, die junge Basler Nachwuchsautorin, soll ab und zu dort eine Suite gemietet haben, um schreiben zu können. Sie ist ziemlich bekannt und ziemlich jung. Ich kann sie ein bisschen verstehen, dass sie sich mit aussergewöhnlichen Atmosphären aufzuputschen versucht. Vielleicht wiegt sich immer noch das Bücherschiff im Rhein, das gleich vor dem 3-Könige anzulegen pflegt. Auf diesem Schiff macht die Bibliothek, für die ich rezensiere, jährlich eine Ausstellung mit Kinder- und Jugendbüchern für Jugendliche, Kinder und Schulklassen. Es gibt dabei Reden, Vorträge, Wettbewerbe, kleine Theaterspiele und vieles mehr. Gar nicht zu sprechen von der hübschen Umgebung Basels … etwa den wunderschönen Rokoko-Dom in Arlesheim, mein Lieblingsstück, so süss, dass ich mir echte Caries geholt habe, die römischen Ausgrabungen in Augst, die netten Dörfer im Elsass, wo man schon französische Ambiance schnuppert und einen prima Gewürztraminer trinken kann.
Ach, ich bin sicher, Ihr würdet Euren Aufenthalt noch verlängern. Ich glaube nicht, dass ihr nach 3 oder 4 Tagen wieder in den kalten Norden heimkehren würdet. Ihr würdet bestimmt zusätzlichen Urlaub eingeben, um noch mehr von dieser Brise in der Nordwestecke der Schweiz zu bekommen. Aber dafür könnte ich natürlich keine Verantwortung übernehmen.
*
Ich muss los
und wünsche Dir alles, was Du willst.
G+K
Rud

PS: Schau mal, wie das kompakt aussieht: G+K und darunter Rud. Erinnert mich an die Signatur von Schiele, diesen kleinen Block am Fusse der Zeichnung.

Dienstag, 24. November 2015

Cardiac depressant


Ämne: Cardiac depressant
Datum: den 17 oktober 2002

Mein lieber Mausfreund,
Nie konnte ich mir vorstellen dass du Herztropfen brauchst nur weil ich dir geschrieben habe was du als intelligenter Mensch schon längst weisst. Was könnte eine so garantiert schreibfaule Person wie mich (man sagt oft ich sei da erblich belastet) dazu veranlassen mich täglich mit Schreiben zu befassen? Während der Rest meiner Bekannten so rund ein halbes Jahr auf meine Antwort warten, erhältst du meistens schon am folgenden Tag ein Mail von mir.

Nein doch, Polygam bin ich sicherlich nicht. Was ich liebe ist alles in dem selben Körper zu finden. :-) Wenn du wüsstest wie lange ich gezögert habe so deutlich zu werden. In jedem Mail, wie trocken und prosaisch es auch war kam mir immer die Lust mitten drin die drei Worte hinzuschreiben. Und nun da ich es schliesslich getan habe finde ich plötzlich garnichts mehr dabei. Es ist als hätte ich mich endlich von etwas schwerem befreit. Aber, wenn es nun so ist, dass ich dir gegenüber sehr viel "Herz" bin so bin ich andererseits auch sehr viel "Verstand". Und dieser letztere sagt mir warnend: "Du hast diesen Gegenstand deiner Liebe selbst geschaffen. Es ist nur eine Konstruktion deiner eigenen Träume und Wünsche. Ein RL würde sie nicht bestehen."
Ja, so sagt es wirklich, mein vernünftiges ICH , und zum erstenmal höre ich nicht darauf. Ich habe alle Sorten von (sogar vernünftigen) Gegenargumenten. Und wenn ich überhaupt jemals erfahren werde was das wirklich heisst, jemanden zu lieben, so bin ich sicher dass es dieses Gefühl was ich für dich habe, sein muss.

Jetzt muss ich aber lachen, denn das hier sieht eher aus wie eine Art trockene Abhandlung.. Lach doch auch ein wenig.. es ist nicht tragisch. Siehst du, immer noch schenkt mir der Kontakt mit dir diese Serenität von der du ursprünglich gesprochen hast. Manchmal frage ich mich wie mein Leben ohne dich gewesen wäre.
Ich glaube es hat auch mit dir zu tun dass man daran zweifelt dass ich wirklich von Schmerzen geplagt bin. Sicher fragt man sich wie ein leidender Mensch so glücklich aussehen kann.
*
Das Hotmail ist irgendwie nicht in Ordnung und ich musste so lange darauf warten eingelogt zu werden dass ich nebenbei die NZZ gelesen habe. Ich fühle mich ganz vortrefflich dabei denn ich merke dass es nicht die allerleichteste Sprache ist. Am Ende habe ich mir noch viele Rezensionen angesehen. Und so viele waren mit demselben Datum versehen. Ist das wirklich möglich? Ich meine, wie dick ist denn eigentlich diese Zeitung? Zwar habe ich sie mal in der Swissair (schon Geschichte!) in die Hand gekriegt aber die Kulturseite kann doch nicht so viel enthalten. Mysterium!
*
Hier bei uns gehen ein paar Minister und bald werden wir erfahren wer sie ersetzen wird. Die Grünen sind wirklich in die Reichspolitik eingebrochen. Ich denke vielleicht hat Peter Eriksson dieselben Pläne wie er es in Kalix gemacht hat. Eine Koalition geschaffen die nicht nur redet und viel verspricht sondern auch ganz pragmatisch Dinge ausrichtet an denen sich die Wähler erfreuen können. Nur die Stockholmer tun mir leid denn sie müssen nun extra bezahlen um mit dem Auto im Zentrum fahren zu dürfen und ausserdem wird man ihre Steuern erhöhen.
*
Ja, ja, die Herbstmenschen! Du bist nicht gerade bescheiden wenn du sie beschreibst. ;-) Ich habe übrigens aus Spass so ein Horoskop hier gelesen, u.a. nachgeschaut wie sich Krebs und Scorpion zu einander verhalten. Und was da steht war so lieb dass mir dabei ganz warm ums Herz wird.

Ett härligt kärleksfullt och rart par. Ni är så omtänksamma mot varandra och pysslar mycket för att den andre ska ha det bra. Ibland har ni så mycket att göra att ni inte hinner med varandra men det verkar inte spela någon roll om ni verkligen älskar varandra. Snarare gör det bara längtan större och kärleksglöden djupare.

Nein, ich übersetze es nicht. Und ich verspreche dir,  mich von nun an an alle ursprünglichen §§§§§ zu halten. ;-)
Kennst du sie noch?

Schreib mir bald wieder denn hier ist es so grau im Moment dass ein sonniges Mail wunder wirken würde.

Wünsche dir alles Gute und einen schönen Abend (mit Walter?) Und morgen feierst du Onkelchen? Give him a hug from me, please!

Liebe Grüsse
Marlena

Montag, 23. November 2015

"eine literarische Konstruktion"


Re: Cardiac depressant

Liebe Marlena
Ooch, das war aber ein Mail: Confessiones, in der Tat. Ich meine Deine
Bemerkungen, oder eben Geständnisse zum Thema Polygamie. Ich muss Dir
beipflichten. Es ist merkwürdig, wie das Virtuelle und das Reale
ineinanderspielen. Du hast früher nicht so darüber gesprochen. Ich meine die
Sichtweise, dass alles in Wirklichkeit eine Konstruktion ist. Es ist so, was
man ja auch vom Sex sagt, alles eine Sache der Vorgänge im eigenen Kopf. Und
das meinte ich damals auch, wenn ich die Worte brauchte, es gibt nichts
ausserhalb des Textes. Du Marlena bist für mich eine literarische
Konstruktion. Nicht, weil wir hier Literatur machen würden, sondern bloss
schon deshalb, weil Du aus den Zeilen entstehst, die Du mir schreibst. Du
bist wie Emma in Jane Austins Roman, den ich kürzlich spätabends im
Fernsehen zufälligerweise gesehen hatte. S mag solche Romane und solche
Filme. Und ich habe mich immer eher darüber lustig gemacht. Aber dann bin
ich doch ganz erstaunt hängengeblieben in diesem Film. Er zeigt das schöne
Leben im 19. Jahrhundert. Und diese Figuren sind alle so hübsch angezogen,
bewegen sich in absolut gepflegten Interieurs und sprechen so rundum höflich
und formvollendet miteinander, dass alles ein bisschen süssschön wirkt. Emma
ist eine junge blonde hübsche Frau, die sich sehr um ihre Umgebung bemüht
und für alle das beste will. Sie sucht, zu vermitteln, dass all ihre
Freundinnen, aber auch einfachere Leute, ihre Liebe im leben erreichen
können. Und sie tut es so selbstlos, dass sie zuletzt beinahe selbst ihren
geheimen Geliebten an eine Freundin verliert. Ach, es ist schwierig zu
erzählen. Ich war ja auch schon ziemlich müde am Fernsehen und habe all die
Bilder und Worte mehr diffus aufgenommen, und nicht mit scharfem Verstand.
Auf jeden Fall fühlte ich zum Schluss eine gewisse Liebe für diese Emma, für
diese Figur. Ich fand sie bezaubernd, hübsch einerseits, aber auch schön in
ihrem ganzen Wesen.
Bei Dir ist es nicht ganz gleich, aber ähnlich. Die Emma gibt es überhaupt
nicht im RL. Bei Dir weiss ich doch einiges, was man eher dem RL zurechnen
sollte. Dennoch bist Du ein Wesen für mich, das aus den Zeilen, mit anderen
Worten in meinem Kopf hochsteigt. Ich habe mir auch schon überlegt, wie es
wäre, wenn ich bloss einen Tag bei Dir zu Besuch wäre. Oder Du hier. Es wäre
wohl sehr ernüchternd und enttäuschend und frustrierend. All die schönen
Fantasien wären dahin. Ich nehme an, das war damals Deine Überlegung, als Du
mit deinem Kollegen bei der Zwischenlandung in Zürich für 7 oder 8 Stunden
ungeduldig wartend die Zürcher Bahnhofstrasse auf- und abgingst und die
geschäftigen (und notabene berühmten) Zürcher Gnome beobachtet hast, die so
hektisch agieren. Und vielleicht ist das auch wieder der Grund, weshalb Du
noch kein echtes Foto von Deinem Phantom-Lover besitzest. Er lebt in
Wirklichkeit zwischen den Zeilen und kann eigentlich gar nicht fotografiert
werden. Ist das denn nicht schon eine ausgewachsene Medientheorie, die wir
hier aufstellen?  ...
*
Ja, gestern hatten wir unser Weekly bei W, in seiner hübschen
Bibliothek. Er hat jetzt überigens einen jungen Hund, dieselbe Rasse wie
vorher, ein lebendiges und übermütiges kleines Haarkneuel, auch ein Briard,
so glaube ich, heisst die Rasse. Aber während unserer Diskussion bei
Mineralwasser und Bücherpräsenz ist die kleine Lilli nicht anwesend. Ich
habe mich überigens als Pate angeboten, und hatte mir dann erlaubt,
Vorbehalte wegen des Namens zu machen. Lilli sei kein Hundename, hatte ich
argumentiert. Ich habe Lulu oder Lolo vorgeschlagen. Aber sie wollten nicht
darauf eingehen. Na ja, vielleicht ist Lilli kein Hundename, aber vielleicht
ist das kleine Ding auch kein Hund?
Wir hatten ein merkwürdiges Gesprächsthema: unser Alter. Es hat alles
angefanen mit Aktienkursen und Managersalären, dann mit unserem
mittelständischen Leben, mit dem wir doch eigentlich zufrieden sein sollten.
Und dann kam das Alter. W ist ein wenig jünger als ich. Und er ist  ...
(...)

Meine Vorstellungen über das Alter hatten mehr Aspirationen als die seinen.
Ich finde, ich muss mich damit beschäftigen, wie ich in den kommenden Jahren
ein schönes Leben führen kann. Das heisst, ich muss Sorge tragen, nicht zu
unsorgfältig zu werden, nicht zu dick, ich muss den Sex substituieren, ich
muss zusehen, was ich im Leben noch erleben will. Stell Dir vor, ich habe
immer noch irgendwie die Idee im Kopf, nach Santiago de Compostella zu
pilgern. Irgendwie reizt mich der Gedanke, auch wenn ich nicht weiss, was
ich dort eigentlich tun sollte, wenn ich nach etwa 60 Tagen diese grosse
Strecke der täglichen Märsche überwunden hätte. Soll ich dort einen
Rosenkranz beten, oder bloss in einer Pinte ein Steak verdrücken? Es ist
dasselbe Problem wie überall im Leben: was tust du, wenn du dein Ziel
erreicht hast?
Auf jeden Fall möchte ich noch irgend etwas Verrücktes machen im Leben. Und
W ist eher zufrieden, wie es läuft. Er hat keine besonders exotischen
Wünsche. Er meint, er hätte viel mehr erreicht, als er sich jemals
vorgestellt hatte. Er hat ein Haus, hat eine Freundin, hat einen guten Job,
hat jetzt sogar einen Hund. Er ist - mit einem Wort - sesshaft geworden. Ich
meinerseits habe nicht das Gefühl, ich hätte im Leben mehr erreicht, als ich
erwartet hatte. Ich hatte mir als junger Mensch sehr viel vom Leben
versprochen, allerdings waren die Vorstellungen nicht sehr präzise. So frage
ich mich eher: war das schon alles? Gibt es auf dieser Welt nicht mehr zu
erleben, zu sehen, auszuprobieren?
Na ja, vielleicht bin ich ein Herbstmensch. Sie sind in der Tat ganz
exzellente Wesen, da sei Dir - unter uns - ins Ohr geflüstert.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag und - wer weiss - ein feines Wochenende.
Mit einem lieben Gruss
...

Sonntag, 22. November 2015

Sorry!



Subject: Nicht so...

Lieber ...,
Es tut mir leid wenn ich dich "in perfider Weise wegen kleiner Details angegriffen" habe. Das war absolut nicht meine Absicht. Und übrigens, als ich das deutliche schöne Bild von einem Singschwan, das ich dir geschickt habe sah, dachte ich dass es genauso aussieht wie die Gänse, vor denen ich als Kind so grossen Respekt hatte.
Nein, ich kann mir dich nicht wie ein "zwischen den Kieseln kriechender Wurm vorstellen". Eher dann so wie auf dem Bild hier unten. Also sei mir nicht böse. Es war nur ein wenig Spass.
Sag mir, was hast du gegen das Wort schlampig? Heisst es denn nicht so?

Danke übrigens für die Adresse. Was sagst du zu Bichsels Gedanken über das Schreiben? Wenn er recht hat dann leben wir sehr ungesund und gefährlich. ;-) Aber vielleicht hat er das nur so im Rausch geäussert. Den Satz mit den Bienen in den Lindenblüten im Mondschein finde ich sehr schön. Weiss nicht was daran als "besoffen" bezeichnet werden kann.

Gerade jetzt am bevorstehenden Wochenende versteckt sich die Sonne hinter einer grauen Wolkendecke. Anna kommt nicht nach Hause und so werde ich wohl meist in meinen Papieren herumwühlen. Wie ein Wurm. :-)  Es schadet nicht, dass ich mich in Ruhe etwas damit beschäftigen kann.

Drei Kolleginnen werden bald gefeiert. Eine geht in Pension, eine wird 50 und eine 60. Diesmal haben wir ein Restaurant gemietet. Es wird sicher ein lustiges Fest werden.

Sonst passiert herzlich wenig. K hat sich im Internet einen Apparat gekauft mit dem er alle seine alten Vinylplatten in CDs verwandeln kann. So werde ich wahrscheinlich das ganze Wochenende von Musik ertränkt werden.
Und du? Wirst du etwas besonders tun?
Ich wünsche dir schöne warme Tage,
Marlena



Bichsels Gedanken über das Schreiben:

Schreiben ist gefährlich
»Man kann sich nichts vom Leib schreiben. Man schreibt sich alles auf den Leib. Selbst wenn man einen politischen Artikel schreibt, wird das Elend und die Wut immer größer, nicht kleiner. Schreiben ist keine Therapie, Schreiben ist gefährlich. Auch nach dem Brief, den du deiner Freundin oder deinem Freund schreibst, um dein Elend endlich einmal jemandem herauszukotzen, geht es dir nachher nicht besser, sondern schlechter. Schreiben ist unhygienisch, gefährlich.« (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.99)

Samstag, 21. November 2015

Freitag, 20. November 2015

Seneca


Córdoba - Senecas Geburtsort

...

Ich habe in den letzten Tagen ein bisschen Seneca gelesen. Du kennst den Kerl, nicht wahr? Er war Lehrer Neros und hat darin, wie man zugeben muss, tüchtig versagt. Aber er war zu seiner Zeit ein trendy Philosoph und Schriftsteller, auch Politiker. Er hat doch so bekannte Aufsätze geschrieben wie die 'Ueber den Zorn', 'Über das glückliche Leben', Über die Kürze des Lebens' und so fort. Und es gibt darin gute Gedanken. Allerdings ist er nicht sonderlich systematisch. Die Abfolge seiner Gedanken sind für mich ziemlich ungeordnet. Doch vielleicht verstehe ich bloss seinen roten Faden nicht. Im Wesentlichen ist Seneca Stoiker. Sie alle nehmen sich Sokrates zu Vorbild und die Art, wie dieser ihr Meister gestorben ist. Von Seneca erzählt man sich einen ganz ähnlichen Tod wie derjenige Sokrates'. Aber vielleicht ist die Begebenheit bloss erzählerisch ein bisschen stilisiert worden. Jedenfalls soll sich Seneca, auf Geheiss Neros, selbst umgebracht haben. Jammerschade, wo er doch noch ein paar Jährchen gemütlich auf seinem Landgut ausserhalb Roms seinen Lebensabend hätte verbringen können.

Donnerstag, 19. November 2015

Elchstamm ausgestorben - aber heute ...





(den 24 maj 2000)


Lieber Mausfreund,

Zum Elch. Am Wochenende ist, wie du schon weisst, der dänische Elchstamm ausgestorben.;-) D.h. die Dänen haben gar keinen gehabt, aber dann ist eben ein schwedischer Elch rübergeschwommen und nun ist dieser arme Elch von einem Zug überfahren worden.
...


aber  heute: 

Nach 5000 Jahren  -  Elche zurück in Dänemark



Dienstag, 17. November 2015

Ronda - ein Sehnsuchtsort


Ronda  12 nov. 2015 
Aber es stand auf meiner Liste.
Marlena



Liebe Marlena
...
Es gibt Sehnsuchtsorte. Elias Canetti betrieb einen Kult mit den Städten, die er aufsuchen wollte. Je heiliger ihm eine Stadt war, desto länger schob er den Besuch hinaus.

Da kommt mir eine kleine Sache in den Sinn. Ich habe dir erzählt, dass wir vor ein paar Jahren in Andalusien waren. Es waren sehr schöne Ferien in diesem schon ziemlich afrikanischen Klima. Und eines Tages sind wir mit unseren spanischen Freunden nach Ronda gefahren. Nun ist Ronda ein ganz speziell romantischer Ort. Rilke war dort und hat im Hotel Reina Victoria logiert und ein bisschen über seinen Duineser Elegien geschwitzt. Und vor allem Hemingway war da, der grand old man, über den die Spanier reden als wie über den eigenen Grosspapa. Hemingway war ja bekanntlich ein begeisterter Stierkampfbesucher, ein afficionado oder so ähnlich, dh. ein Fan. Und er hat ein interessantes Buch über den spanischen Stierkampf geschrieben, das ich damals in den Ferien nochmals gelesen habe. Nun bin ich sicher, dass du Marlena, als Nordländerin und als sensible Frau, den Stierkampf ganz und gar nicht bejahen kannst. Schliesslich bringt es dich schon in Aufregung, ein paar Ameisen im Hause zu Leibe zu rücken. Doch es geht mir nicht um den Kampf. Nein, Hemingway hat Ronda, diese alte und malerische Stadt in den Bergen, an einer tiefen Schlucht gelegen, ebenso lebendig und poetisch beschrieben wie Rilke. Nein, eigentlich nicht ebenso, sondern eben a la Hemingway. Die zwei sind ja nicht gerade Brüder im Geiste. Der eine war ein Spring-ins-Feld, der andere ein hochsensibler Schöngeist. Nun denn, Hemingway sagte über Ronda, er empfehle es jenem Mann, der gedenke, mit einer Geliebten auszureissen und durchzubrennen. Das fand ich schön gesagt, echt Hemingway, der Macho, wie er ja wohl im Privatleben nicht nur war mit seinen Depressionen.

By the way: Ronda habe ich nicht in unsere Liste aufgenommen, vorsichtshalber. Aber in meinen Gedanken war schon Hamburg drin. Ich lass DICH mutmassen, weshalb!

Ich habe nun - weiss Gott - noch ein paar weitere Gedanken und Fantasien gehabt. Und ich kann dir sagen, sie waren nicht schlecht, wir müssten uns ihrer nicht schämen. Allein, sie lassen sich nicht alle mit unserem §5 vereinbaren.

Gottseidank also haben wir zusammen bloss eine feine Mausfreundschaft mit Fachgesprächen über Rilke, über die Spurbreite der Champs Elysées und über das gegenwärtige Potential an valablen Schwiegersöhnen. Was ist denn schon dabei! Zumindest werden wir dir deine Trauer vom Gesicht wegretouchieren. Ich helfe dir dabei, soweit ich kann. Keiner soll mir vorwerfen, ich könne nicht retouchieren!

Gibt es irgendwelche Worte, die man jetzt sagen könnte?? Ich glaube nicht.

---

A propos Reisen: "Ich bin ein Seemann im Verkennen meiner selbst" schreibt Fernando Pessoa, "ich habe überall gesiegt, wo ich nie gewesen bin. Reisen? Existieren ist Reisen genug".

Freitag, 6. November 2015

Re: Novembergeist




Ämne : Novembersonne..

Lieber ...,
Wenn ein Mann in deinem ehrwürdigen Alter einen Sprung über die Schwelle macht dann ist das wie wenn ein jüngerer Mann sich in den nächsten Baum werfen und wie ein Tarzan sich durch die Luft schwingen würde. Ich kann durchaus zufrieden sein mit meiner Wirkung. ;-)

Ja, chéri, ich habe mich wirklich sehr gefreut dass ich dir eine kleine Freude machen konnte mit meinem Strauss. Und scheinbar steht mir das Glück bei nicht nur in beruflichen Dingen, denn ich wusste gar nicht an welchem Tag dein Geburtstag ist, nur dass es irgendwann in der ersten Hälfte von November sein müsste. Und du weißt vielleicht schon dass wir an deinem Geburtstag in ganz Schweden geflaggt haben. Es ist nämlich der Gustav Adolftag, den man zur Erinnerung an Gustav II. Adolf (Vater von Kristina) feiert. Nun ja, es sind die patriotischen Leute die es tun, indem sie ein Gustav Adolfgebäck essen. So werde ich mich in Zukunft leicht an den Tag erinnern können.

Wie lustig du über die Beobachtungen der älteren Herren erzählst. Auch ich sehe fast immer wenn ich einkaufen gehe Leute, die vor zehn Jahren noch jung und rüstig aussahen und die nun alt und grau dahintappen. Und das macht mich immer ein wenig melancholisch denn ich kann es nicht lassen zu denken dass ich wohl auch bald so aussehen werde. Aber eigentlich ist es ja nur wenn man ihr Äusseres sieht, dass man so reagiert. Denn wenn man mit ihnen spricht verschwindet meistens dieser Eindruck von Verfall. So z.B. gestern standen ein paar wirklich alte Frauen am Gemüsestand und betrachteten sehnsüchtig die schönen Paprikas die dort in vielen Farben prunkten. Ich machte die Bemerkung dass ich über den Preis überrascht sei da sie meistens um diese Jahreszeit mindestens das doppelte kosten würden. Und eine der Frauen fragte mich ob man sie auch eingefrieren könnte. Und ich habe gesagt ich bin nicht sicher, ich hätte es zwar mal getan aber leider nie aufgetaut und so haben wir herzlich gelacht denn die Situation war auch ihr vertraut. Dabei kam sie mir vor wie ein junges fröhliches Mädchen. So ist es. Wir tragen einen Körper herum, der immer etwas älter wird aber er birgt eine Seele die alle Alter zugleich trägt. Wenn wir glücklich sind, sind wir jung, wenn wir müde sind fühlen wir uns alt.. Und wenn man eine rassige langhaarige südliche Geliebte hat, ist man sicher immer jung. Auch wenn man einen Mausfreund hat dessen Worte einen berühren wie die heissen Küsse eines innig Geliebten vergisst man sein Alter.. So sollte ich dir wohl auch danken.
*
Heute scheint wieder einmal die Sonne von einem klarblauen Himmel und immer noch trägt die Hängbirke vor dem Fenster hier ihr Laub das nun wie Gold leuchtet. Es sieht etwas lustig aus gegen den weissen mit Schnee bedecktem Rasen.
Ich habe nur noch eine Unterrichtsstunde dann werde ich mich ausruhen und kurieren denn auch ich huste wie ein Dobermann.. sehr guter Vergleich! :-)
*
Habe gerade erfahren dass eine Direktorin an unserer Schule gekündigt hat. So werde ich Anfang nächsten Jahres zwei neue Chefs bekommen denn meine Schüler gehören alle zu ihren Revieren.
Das schöne Hotel wo wir neulich waren und das mir so flott vorkam war das alte Stadthotel bis vor kurzem wo es von Scandic aufgekauft wurde. Die Stadthotels sind die flottesten jeder Stadt.
*
Ja, die Wienerschnitzel!! Ich kann sie leider kaum mehr geniessen seit ich in Estland war. (Ich war mit Kollegen dort auf einer Studienreise) Denn wo immer wir hinkamen gab es eigentlich nur Schnitzel in den Restaurants. Dabei musste ich ihre Kunst bewundern wie sie dieses Gericht variieren konnten mit verschiedenen Garnierungen.. aber darunter fand man eben immer wieder ein Schnitzel auch wenn die Vorspeise russischer Kaviar und Champagner sein konnte. Ich werde übrigens bald mal die Leute zu einem "Estlandabend" einladen, an dem wir alle unsere Fotos mitbringen werden und was glaubst du, was ich ihnen anbieten werde? Natürlich ein "herrliches Wienerschnitzel" damit sie sich richtig zurückversetzt fühlen.
*
Nein, bei uns ist es nicht üblich Kastanien zu essen. Anna hat es neulich in ihrer Italienischsstunde gegessen. Sie haben einen Grill mitgebracht und geröstet und es hat spannend geschmeckt..

Ich muss nun noch etwas vorbereiten für meine letzte Stunde heute. Du hast sicher auch bald Feierabend und ich wünsche dir ein richtig schönes Wochenende mit vielen Schwellensprüngen.. ich sehe dich wirklich vor mir und bin riesig stolz dabei.. fast als wäre es mein Verdienst. :-)
Mit lieben sonnigen Novembergrüssen
Marlena

Mittwoch, 4. November 2015

Novembergeist


Ämne : Novembergeist

Liebe Marlena
Ich habe ihn überlebt!!! Meinen Geburtstag, meine ich. Ich bin froh, dass die Leute nicht allzu viel Aufhebens gemacht haben. Das mag ich nämlich gar nicht besonders. Nun ja, ich habe einige nette Telefonate gehabt. Und abends sind wir - dh unsere Familie - zusammen in der Nähe essen gegangen. Es war klein und bescheiden, wie es sich in meiner Altersklasse gehört.
Deine Glückwünsche haben mich sehr gefreut. Und - um es klar und deutlich zu sagen - sie waren die ersten, die ich am Morgen empfangen hatte. Alle anderen Küsse und Wünsche und Glücksbeteuerungen kamen viel später an. Die roten schwedischen Rosen waren wirklich knallrot, und haben etwas lasziv hin- und hergewackelt. Ich danke Dir, Marlena, und ich bewundere, wie Du daran denken konntest. Ich vergesse leider solche Geburtstage allzu gerne.

Als S mir vor einer Woche sagte, ich solle den Dienstag abend reservieren, wir hätten da etwas vor, da habe ich bei weitem nicht an meinen Geburtstag gedacht.
Und schliesslich habe ich am späteren Morgen im Städtchen noch einen ehemaligen Mitarbeiter angetroffen. Er ist schon über 60 und arbeitet zu 80% oder vielleicht 60%. Auf jeden Fall hat er Zeit, mitten an einem Werktag mit einer grossen Tasche durch die Strassen zu schlendern und seine Kommissionen zu tätigen. Auf seine Einladung sind wir in einem kleinen Café verschwunden (etwas, was ich sonst hier absolut nie tue, weil ich vermeiden muss, dass die Leute reden und behaupten, die Beamten arbeiteten nichts und sässen bloss tageweise in den Restaurants herum), und er hat mir geklagt, wie sehr er unglücklich sei mit seiner heutigen Arbeit und wie gerne er zu uns zurückkommen würde. Nun ja, was soll man dazu sagen? Doch man hat in seinem Gesicht schon von weitem gesehen, dass er nicht glücklich ist. Er schien leidend. Mein erster Gedanke galt seinem Rücken. Ich glaube, bei physischen Schmerzen altert man schnell. Und er hat mir um die 10 Kameraden und Altersgenossen aufgezählt, die an Parkinson, an Prostatakrebs, an schweren Depressionen und leichter Impotenz oder an anderen fürchterlichen Krankheiten leiden. Kurz und gut, ich verliess das Café mit einem übermütigen kleinen Sprung über die Schwelle im himmlischen Gefühl, absolut jung und frisch, spritzig und gesund zu sein. Man fühlt sich selten so gut wie im Altersheim. Und das ist die Moral der trüben Geschichte.

Na ja, nebenbei habe ich einen alten weisshaarigen Kameraden gleich aus diesem Café treten sehen, der vor einem oder zwei Monaten pensioniert worden ist. Und ich hatte den penetranten Eindruck, dass er gelangweilt schon zeitig an trüben Novembermorgen in den Restaurants herumhänge, vielleicht gar zum Alkoholismus neige. Er schien mir sehr gelangweilt und mit leerem Blick, als ob er der Arbeit wie einer rassigen und langhaarigen südlichen Geliebten nachweine.

---

Und draussen vor dem Fenster hat der November Einzug gehalten. Die Stühle und Tische unten im Cafè sind zusammengestellt. Die Blätter der Bäume bedecken den Boden. Es nieselt und ist kühl. Nicht kalt, aber kühl. Und der Wind bringt eine gewisse Unruhe in die ganze Szenierie. Die Leute eilen vorbei und schauen kaum um. Die schönen, warmen, und wie man sie genannt hat "goldenen" Oktobertage sind endgültig vorbei. Man kann im Städtchen wieder heisse Marroni kaufen. Kennt ihr sowas in Schweden? Es sind diese, auf offener Kohle gegrillten Edelkastanien, die bei diesem Wetter heiss so gut schmecken. Sie sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, während es in meiner Jugend ein Arme-Leute-Geschäft war, sowas zu verkaufen.
*
Ich habe etwas zuviel gegessen gestern. Auf der Karte fand ich viele Dinge,
die S zuhause auch kocht. Lammgigot, Lammfilets, Fische in allen
Formen. Und so bin ich auf ein absolutes Proletariermenue ausgewichen:
Schnipo, sagt man hier. Das meint Wienerschnitzel mit Pommes. Es war
kalorienreich, üppig und etwas fettig. Darüber konnte auch der kleine
Zitronenschnitz nicht hinwegtäuschen. Aber ich habe es genossen. Und
dazu ein Bier getrunken.

---

Ich danke Dir für Deine Wünsche. Sie wackeln immer noch knallrot vor meinen Augen. Und ich bin sicher, sie werden mich im kommenden Winter wie ein Antidepressivum begleiten und zu grossen Taten wie die oben erwähnten Schwellensprünge antreiben.
Mit einem Novembergruss
...

Montag, 2. November 2015

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Endlich ... wieder hier



Lieber ...,
Wie schnell ein Tag vergeht, eine Woche.. Die langen Tage, die vielen
Stunden, die ich nach eigenem Wunsch mit Inhalt füllen wollte, gibt es
garnicht. Sie rasen so schnell vorbei, dass ich mich so gut wie jeden
Abend frage, wohin sie verschwunden sind. Ich habe doch alle Zeit auf
Erden und doch wünsche ich mir ständig mehr davon. Klingt das nicht
ganz verrückt? Aber ich weiss, ein Mittel wäre Abwechslung. Ein neues
Milieu. Vielleicht wäre Spanien nicht so dumm. Schade, dass ich nicht
sofort seine Absicht durchschaut habe.. oder vielleicht bilde ich mir
das auch nur ein. Aber er war wirklich sehr beharrlich.

Ok, wie verschaffe ich mir Abwechslung hier in meinem Käfig? Da liegen
vier Bücher, die ich alle sehr gern lesen möchte. Wie Türen kommen sie
mir vor, die ich nur zu öffnen brauche um in ein anderes Leben
hineinzusteigen. Eines davon ist der neueste Roman von Håkan Nesser,
"Mensch ohne Hund". Die Zeitungen sind voll von Rezensionen und Lob.
Dann möchte ich vorwärtskommen in dem dicken Roman "Blonde", der von
Marilyn Monroes Leben handelt. Das möchte ich lesen weil es mir
mehrere Leute empfohlen haben. Mehr als der Roman selbst interessiert
mich wie ein Linksaussen, ein eingefleischter 68-iger ein Buch über
M.M. so loben kann.

Dann liegt da das Buch von Gayelord Hauser. Ich wusste nichts über ihn
bevor ich einen Dokumenatarfilm über Greta Garbo sah. Er war
anscheinend ihr persönlicher Ratgeber in Sachen Schönheit und
Gesundheit, und er hat dieses unglaublich naive Buch geschrieben, das
sich wohl vorwiegend an amerikanische Hausfrauen von Anno dazumal
richtet.

Ich kaufte es mal auf der Strasse oben in Kalix. Es kostete fast
nichts und hat den Titel "Spiegel Spiegel an der Wand". Er sagt nichts
merkwürdiges darin. Spricht über Kost, über Bewegung und vieles ist
wohl schon etwas überholt von der modernen Forschung. Aber wie er es
sagt! Man liest ein paar Zeilen darin und hat das Gefühl einen guten
Freund gefunden zu haben der einem wohl will.

*

Nein doch, du musst dich nicht entschuldigen, dass du über Geld
geschrieben hast. Es galt doch eher dem Verhältnis zwischen Reichtum
und Glück. Ein interessantes Thema.

Von unten dringt Musik herauf und mein Klappern hier auf den Tasten
hört man natürlich ebenso gut von unten. Es ist eine sehr offene
Planlösung in unserem Haus. Es gibt zwar die kleinen Zimmer auf die
Strasse zu, in denen man die Tür schliessen kann, um etwas ungestört
zu sein. Aber mein Computer steht hier in meinem "multipupose room"..
weiss nicht auf Deutsch.

Übrigens habe ich heute im Radio gehört, dass nun auch Deutsch an den
Schulen am verschwinden ist. Einst war das die erste Fremdsprache und
dann später neben Englisch die wichtigste. Aber es ist richtig. Neben
Englisch sollte man eine romanische Sprache lernen. Schon deshalb,
weil die Leute dort fast nie eine Fremdsprache richtig erlernen.

Welche Sprache sprichst du übrigens mit S? Fiel mir neulich ein, dass
es auch Englisch sein könnte. Aber nein, natürlich hat sie längst von
dir perfektes Deutsch gelernt. Oder von den Kindern. Und sie kam wohl
in die Schweiz als sie noch jung war. Doch hier gibt es Einwanderer,
die nach Jahrzehnten ein sehr schlechtes Schwedisch sprechen.

OK... Lassen wir das 7-sternige Luxushotel in Dubai. Das wichtigste
ist schliesslich, dass du dabei bist.

Kann man bei euch im Fernsehen auch das Program "Parkinson" sehen? Es
ist immer sehr unterhaltend. Meistens hat er (Parkinson der
Programleiter) sehr spirituelle Gäste die er interviewt. Oft sind es 2
oder 3 die sich gut ergänzen. Doch letzthin hatte er nur Madonna. Du
weisst wer das ist. Aber du weisst nicht, dass diese Frau auch sehr
intelligent und interessant ist. Ihre strenge Kindererziehung hat hier
ziemlich Aufsehen erregt. Und ihre "Religion" die der neuen Zeit
angepasst scheint.

*

Nach vielen Jahren haben Kollegen von mir wieder Kontakt mit einem
ehemaligen Studienrat an unserer Schule. Er muss wohl bald 80 sein
denke ich und lebt nun "särbo" mit sich selbst. *s* Was hätte man
schon anderes von ihm erwarten können.

Also, so ist es:

1) man ist verheiratet und wohnt zusammen (früher jedenfalls das normale)

2) man ist "sambo", also nicht verheiratet, aber zusammenwohnend.

3) man ist "särbo" die beiden Partner wohnen auf verschiedenen Adressen.

Und dieser R. ist also särbo mit sich selbst. D.h. er wohnt im
Altersheim, hat aber seine eigene kleine Wohnung im Zentrum der
Universitätsstadt Lund.

Na ja, er ist nicht interessant für dich, aber er war besonders. Ein
bisschen wie Oscar Wilde. Ich dachte immer, warum arbeitet dieser Mann
als Lehrer. Heimlicher Agent, Diplomat oder Spion hätte ihm viel
besser gepasst. Nach der Pensionierung lernte er übrigens Arabisch.
Ich sende ihm einen dankbaren Gedanken, denn er hat manche Pause in
der Schule mit seinem Esprit und Witz aufgemuntert. Er war ein fauler
Lehrer... aber auch solche sind wichtig, denn sie haben eine soziale
Funktion, die man nicht unterschätzen sollte. ;-)))

Nun werde ich sehen ob ich an den PC unten rankomme.. Vielleicht ist K
schon davor eingeschlafen. :-)

Ich werde Anna gute Nacht sagen... und dies abschicken, wenn möglich.
Sonst erst morgen.

Wünsche dir eine Schönes Wochenende... und eine angenehme freie Woche.

MlG

Malou
PS Ich glaube ich erzähle dir manchmal Dinge die schon gehört hast.
Ist das schlimm..

Mittwoch, 28. Oktober 2015

das Wichtigste

(ungekürzt)

date 8 April 2006 12:28
subject Re: Du siehst..



Liebe Malou

Du sagst ".. nichts Neues im Moment". Gehst du denn davon aus, dass ich das Neuste hören müsste oder möchte? Davon gehe ich nun ganz und gar nicht aus. Ich bin eher interessiert am Ältesten, an dem, was zuunterst liegt, am Fundament im Boden sozusagen. Das Neueste ist meist das Ephemerste (gibt es ein solches Wort? Wenn nicht, dann sollte man es erfinden. Ich weiss, dass es Ephemeriden gibt. Ist das nicht ein wundervoller Name. Die Eintagsfliege ist eine Art davon. Eine merkwürdige Gruppe von Lebenwesen, diese Ephemeriden! Erinnern akustisch an die Hesperiden in den griechischen Sagen).

Ist das nicht merkwürdig: Das, worauf man während des Tages fixiert ist, das Operative sozusagen, ist das Unwichtigste und das, was am schnellsten im Vergessen verschwindet. Was ist denn dann das Wichtigste? Irgendwie das Strategische, der Lebenssinn, sozusagen das Geschäftsziel des Lebens. Und was ist das?

Ich habe in den letzten Tagen ein bisschen Seneca gelesen. Du kennst den Kerl, nicht wahr? Er war Lehrer Neros und hat darin, wie man zugeben muss, tüchtig versagt. Aber er war zu seiner Zeit ein trendy Philosoph und Schriftsteller, auch Politiker. Er hat doch so bekannte Aufsätze geschrieben wie die 'Ueber den Zorn', 'Über das glückliche Leben', Über die Kürze des Lebens' und so fort. Und es gibt darin gute Gedanken. Allerdings ist er nicht sonderlich systematisch. Die Abfolge seiner Gedanken sind für mich ziemlich ungeordnet. Doch vielleicht verstehe ich bloss seinen roten Faden nicht. Im Wesentlichen ist Seneca Stoiker. Sie alle nehmen sich Sokrates zu Vorbild und die Art, wie dieser ihr Meister gestorben ist. Von Seneca erzählt man sich einen ganz ähnlichen Tod wie derjenige Sokrates'. Aber vielleicht ist die Begebenheit bloss erzählerisch ein bisschen stilisiert worden. Jedenfalls soll sich Seneca, auf Geheiss Neros, selbst umgebracht haben. Jammerschade, wo er doch noch ein paar Jährchen gemütlich auf seinem Landgut ausserhalb Roms seinen Lebensabend hätte verbringen können.

Ja, die Männer um 60, sie schlafen vor dem Fernseher. Das ist ihr Lagerfeuer. Dort fühlen sie sich wohl und warm. Dort sind sie geschützt, sehen aber ganz bequem in die weite Welt hinaus. Es ist der ideale Ort, nicht nur zum Schlafen, sondern geradezu zum Sterben.
Ist das nicht ein guter Gedanke? Man sollte mal untersuchen, wieviele Menschen schon vor dem Fernseher gestorben sind. Früher behauptete man, der beste Tod sei derjenige im Bett. Ich behaupte: der bessere ist der vor dem Fernseher. Nun ja, es fragt sich allerdings, vor welchem Programm?
Vielleicht vor Parkinson?
Den kenne ich nicht. Klingt eher wie eine Alterskarankheit, nicht wahr.

Ich bin eben von Ns Führung zurück. Er hat diesen Altar aus dem 15. Jahrhunder vorgestellt. Und er wusste viel über die damalige Zeit, sehr viel. Bloss schade, dass er den Altar nicht sonderlich genau analysiert hat. Das finde ich, ist das Merkmal eines guten Kunstführers. Sie erzählen dir nur, was du auch siehst auf dem Bild. Sie zeigen dir die Zeit in diesem Bild. Und das hat N nicht getan. Er ist ein Mann des Wortes. Er hat 3/4 Stunden die Situation der damaligen Zeit und diejenige Basels geschildert, um dann noch kurz auf diesen geflügelten Altar einzugehen. Aber es war doch sehr interessant. Man sollte solche Dinge öfters tun. So fängt man an, eine Stadt zu lieben, indem man mehr und mehr Orte und Dinge hat, die man ziemlich gut kennt.

Wir haben prima Wetter, eigentlich Frühling. Heute morgen habe ich gehört, dass der Kuckuck der Vogel des Aprils sei. Wenn man ihn hört, wird das Klima trockener. Und der Name April komme von APERIRE, was soviel wie öffnen meint. Habe ich noch nie gehört bisher!

Ich wünsche dir ein prima Wochenende
MLG

Samstag, 24. Oktober 2015

Tauben



Wien 9. September 2012

Freitag, 23. Oktober 2015

Blick durchs Fenster



Wenn die Blätter treiben

Re: Hast du Zeit?


Liebe Marlena

Wenn Du so gemütlich und gemächlich von Stockholm erzählst, werde ich dort geradezu heimisch. Das eigentlich meine ich, wenn ich von der herbstlichen Pracht in der Stadt rede. Man wandert durch die Strassen, geniesst die letzten hellen Tage, vielleicht die Sonne des Altweibersommers, aber man sehnt sich schon ein bisschen nach den warmen Stuben, nach dem heissen Vieruhrtee und dem trauten Licht der Lampe, wo man lesen und dösen kann. Das finde ich eine hübsche Atmosphäre, und es ist die Zeit, da man Arm in Arm durch die Strassen geht und die Fenster betrachtet. In einer anderen Jahreszeit kann ich mir das kaum vorstellen. Im Frühling geht der Blick hinaus in die Natur, da will man nicht in der Strasse stehen bleiben. Im Sommer ist man ohnehin draussen vor der Stadt. Aber im Herbst, da ist die Stadt in ihrem Element, wenn die Blätter treiben ...
Kürzlich habe ich mir gesagt, dass - wie es in diesem süsslichen Schlager heisst: In einer kleinen Conditorei ... - dass es das kaum mehr gibt. Doch, es gibt noch einige wenige. Aber irgendwie haben sie sich auch verändert. Und die normalen Wirtschaften noch viel mehr. Es gibt jede Menge neutraler Imbissorte, ähnlich wie Mc Donalds, ohne wirkliche Atmosphäre. Sie verkaufen Hamburgers, Pizzas, Indisches oder Tailändisches Zeug zum Essen. Diese gastronomische Szene hat sich sehr verändert in den letzten Jahren. Und die kleine Conditorei, wo man sich für einen kleinen, diskreten Flirt zurückziehen könnte, um einen Schokoladenkuchen zu essen und einen Mokka zu trinken, das gibt es nicht mehr. Vielleicht gibt es das überhaupt nicht mehr, die kleinen Flirts. Vielleicht gibt es überhaupt nur noch direkte und ungeschönte Operationen wie Zungenkuss oder One-night-stand. Die ganze Romantik scheint verloren zu gehen. Weshalb eigentlich? Aber eben, das ist die Nostalgie des Herbstes! Ich fühle mich in der Tat bald im Pensionsalter. Die Pensionisten stehen am Rand der Welt, wie die alten Männer am Rande einer Baustelle stehen und zuschauen, was da alles gearbeitet und zerstört wird, und können nicht begreiffen, wozu das?
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Gestern hatten wir eine Sitzung in Basel. Und weil um 17 Uhr der Verkehr besonders hoch ist, habe ich mich entschlossen, noch nicht heim zu fahren, sondern noch rasch in die Stadt zu gehen. Es gibt zur Zeit Herbstmesse in Basel. Das ist ein Rummel in den Strassen, weil überall Karussels und Bahnen stehen, wo sich die Kinder ihre Zeit und das Geld ihrer Eltern vertreiben. Eine meiner Kusinen ist früher immer mit B. und A. auf die Messe gegangen und hat sie auf diese vielen Bahnen eingeladen, soviel sie wollten. Sie war wirklich sehr grosszügig . Und abends hat sie gleich noch ein Essen für uns Erwachsenen organisiert. Es war jedes Jahr ein Fondue Chinoise mit vielen feinen Saucen und einem guten französischen Wein. Sie hat uns einmal im Jahr rundum verwöhnt. Heute ist sie pensioniert, frühpensioniert eigentlich, und geniesst ihre Zeit und Reisen rund um die Welt. Sie ist ledig geblieben und stets an den Wochenenden in ihr Elternhaus zurückgekehrt. Ich konnte das zwar nie richtig begreifen. Ich habe den Eindruck, sie habe sich für die Eltern geopfert. Solche psychologischen Phänomene soll es ja geben.
Ungefähr um 19h bin ich dann zurückgekehrt. Aber mittlerweile war ich noch in der Bibliothek. Dort parkiere ich meist mein Auto, wenn ich in Basel bin, denn anderswo finde ich kaum einen Platz. Im Raum von Yves war Licht. Ich klopfe dann immer dort an die Scheibe, und er kommt an die Hintertüre, mir zu öffnen. Die Bibliothek selbst war längst geschlossen. Y. ist dort irgendwie Spezialist für EDV FRagen der Bibliothek. Und gleichzeitig hat er die Rezensenten zu betreuen. Sein Büro ist voller Jugend- und Kinderbücher. Ich habe mir ungefähr 40 ausgewählt. So bin ich für die nächste Zeit wieder eingedeckt mit diesen Büchern. Y. hat mir erzählt, dass sie im Moment ihr Bücherschiff vorbereiten. Jedes Jahr nach der Herbnstmesse mietet die Bibliothek ein Schiff auf dem Rhein. Dort stellen sie Bücher aus für Schulklassen und Kinder. Sie wählen dazu jedes Jahr ein anderes Thema. Dieses Jahr heisst das Motto "Mein Lieblingsbuch". Dazu haben sie Prominente gefragt, an welchen Büchern sie in ihren Jugendjahren am meisten gehängt haben. Sie wollen wirklich die alten Ausgaben aufstellen und anschreiben, wessen Lieblingsbuch dies gewesen sei.
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Heute ist unser Weekly. Und morgen haben wir Gäste. Da muss ich meine Dinge noch etwas aufräumen im Wohnraum. S. mag es nicht, wenn es zu gemütlich aussieht. Mich selbst würden diese Dinge nicht stören, denn sie gehören zum Leben. Aber S möchte die Wohnung, wie sie die Perser vorweisen, wenn jemand kommt: pik-fein und auf Hochglanz getrimmt. Na ja, das sind die Kompromisse, die man im Leben einzugehen hat.
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Weshalb denkst Du an Kalorien, wenn Du Kuchen isst? Du hast doch erzählt, dass Du absolut nicht Gewicht zulegen kannst, soviel Du auch isst? Ist das nicht mehr so? Ich bin im Moment mit 1 kg im Über-Bereich und werde versuchen, das wieder loszuwerden. Es ist nämlich so - wie wir alle wissen - dass nach dem 1. kg das 2. kommt. Und so weiter. Man soll dem Teufel gleich zu Beginn begegnen, und ihn nicht zu lange gewähren lassen. Sonst wird man ihn nicht mehr los.
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Jetzt will ich noch rasch in den fotofolder via bluffokatten. Ich hoffe, sie lassen mich rein.
Mit lieben Grüssen

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hast du Zeit zum lesen?



Ämne: Hast du Zeit zum lesen?
Datum: den 30 oktober 01:23

Lieber ...,

Wir hatten einen ganz herrlichen Tag in Stockholm. ...













Wenn man in Stockholm angelangt, den Zentralbahnhof durch den grossen Ausgang verlässt, sieht man sofort die schöne Klarakirche zwischen den neugebauten Hochhäusern. Diese Kirche und der Friedhof um sie herum sind die letzten Reste, die an damals erinnern als ich als neugewordener Teenager dort die Schule begann. Es war eigentlich eine Schule, die mit der Zeit zu Studien an der Handelshochschule führen sollte und in meiner Klasse gab es viele Kinder von prominenten Leuten, die wohl hofften, dass ihre Söhne und Töchter in ihren Fussspuren wandern würden und ihre Firmen und andere Geschäfte mit der Zeit übernehmen sollten. Ich habe später in den Medien gesehen dass es ihnen geglückt ist, die höchste Stufe von materiellem Glück zu erreichen..
Es war eine herrliche Zeit und ich erinnere mich sehr gut an das Leben in und um die Schule herum. Es gab viel zu tun und zu sehen, wenn man die lange Lunchpause hatte. Dann gingen wir ein Quartier hinauf auf die Drottninggatan und befanden uns mitten im Herz der Hauptstadt.




Grab von A.M. Lenngren


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Nach unserem kurzen Besuch auf dem Klarafriedhof sind wir 3 Stationen mit der U-bahn gefahren und haben sofort die Stelle gefunden, wo ich mich sollte untersuchen lassen.
Es war nicht nur eine Untersuchung, sondern zugleich eine Behandlung. Nadeln und Spritzen wurden mir in den Rückenschluss gesteckt (manche taten verdammt weh) und dann hat er noch irgendetwas mit einem gewaltigen Ruck zurecht gebeugt (ich dachte eher abgebrochen). Und nach dieser fast einstündigen, sehr unmilden Behandlung waren meine Schmerzen plötzlich weg. Ich konnte es kaum glauben. Es war ein unwirkliches Gefühl. So sind wir dann zu Fuss das kleine Stück zum oberen Ende der Drottninggatan gegangen, dort wo Strindberg gewohnt hat und wo nun ein Strindbergsmuseum liegt und dann weiter hinunter zu Hötorget (Heumarkt) wo die schöne Markthalle liegt. Ganz daneben im Kulturhaus haben wir dann ein Dinner gegessen mit einem Glas Rotwein dazu und von unserer hoch gelegenen Fensterfassade das rege Leben unten am Sergelstorg betrachtet. Manchmal kam mir der Gedanken, dass hier in der Nähe Anna Lindh niedergestochen wurde und wirklich konnte man hier und da solche windgetriebene Gestalten sehen, von denen man dachte, dass sie es in einer psychiatrischen Klinik vielleicht besser hätten. Auf der Treppe unten am grossen Platz sassen ein paar junge Mädchen und schleckten Eis.

Nach dem Essen sind wir zur Kungsgatan gegangen, wo wir in dem berühmten alten Café ”Vetekatten” (die Weizenkatze) einen herrlichen Kaffee getrunken haben mit einem Stück crèmiger Schokoladentorte dazu. Das Café war so gut wie voll als wir kamen und wir mussten uns an einem Tisch mit ein paar jungen Studentinnen niederlassen. Es war lustig ihre Vorhaben zu studieren. An einem Tisch ganz daneben sass eine Gruppe von jungen Leuten und die eine Frau stillte ihr kleines Baby an der Brust. Es hat niemanden schockiert, denn sie tat es sehr diskret und es sah ganz natürlich aus. Ich versuchte während des Essens nicht an Kalorien zu denken. Versuchte auch ein Bild zu machen, aber es ist leider etwas zu dunkel geworden. Vielleicht lege ich es trotzdem rein.
Nachher sind wir ganz gemütlich durch die jetzt ziemlich belebten Strassen zum Bahnhof geschlendert. Meine Schmerzen hatten wieder zugenommen aber etwas war doch ein wenig besser geworden. Ich glaube der Arzt war sehr geschickt auf seinem Gebiet und doch ein etwas komischer Typ wie man sie in Grosstädten finden kann. Als ich mit meinen Nadeln dort lag bekam er ein Telefongespräch auf seinem Handy und er erzählte jemanden laut von seinem Leben. Nur einen halben Tag pro Woche arbeitete er hier. Sonst eignete er sich seiner Firma (was das nun gewesen sein konnte) und für die Winterferien plante er eine dreiwöchige Reise nach Cuba, wo er tauchen und Golf spielen wollte und damit die Kinder auch ein wenig ihr Spanisch üben könnten. Eigentlich finde ich es nicht richtig passend private Gespräche vor einem Patienten zu führen, aber er war ziemlich apart. Ich glaube gewöhnliche Umgangsformen galten nicht für ihn.
Als wir im Zug sassen wurde uns mitgeteilt, dass die Reise länger dauern würde, weil es irgendwo in einer elektrischen Leitung gebrannt hatte. Und so sind wir erst kurz nach 21.00 Uhr Abends (mit 45 Minuten Verspätung) zu Hause angelangt.


Übrigens, Anna Maria Lenngren (auf dem Bild in Fotofolder) haben wir damals dort an der Schule gelesen. Ich mochte sie sehr wegen ihrem Humor. Schöne (lange) epische Gedichte, aber auch kleine lustige Dinge wie dies (1793 geschrieben):

EPITAF

Min hustru vilar här till världens sista dag.
Hon är i ro - och även jag.

Meine Gattin ruht hier bis zum letzten Tag der Welt.
Sie ist in Ruh - und so auch ich.

oder dieses hier:

REFLEXION

C o r n e l i u s T r a t t   är död (en liten rödlätt man,
gick gärna med syrtut, igår begravdes han).
Jag kistan såg och processionen
och gjorde denna reflektionen:
”Bror Tratt, du levde glatt och kort,
förr bars du alltid hem, nu bärs du äntlig bort.”

Cornelius Trichter ist tot (ein kleiner rötlicher Mann
ging gern in bonjour, gestern wurde er begraben. (bonjour= langer Mantel)
Ich sah den Sarg und die Prozession
und machte diese Reflektion:
”Bruder Trichter, du lebtest fröhlich und kurz,
früher wurdest du immer nach Hause getragen,
jetzt trägt man dich endlich weg.”

Aber ihre bekanntesten langen Gedichte sind zu lang um hier zitiert zu werden.
Liebe, moralische Themen mit viel Weisheit und Humor. Sie war eine bedeutende Frau für ihre Zeit.

So, das wär’s wohl für heute. Mehr Zeit wage ich nicht von dir zu stehlen.
Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Tag.
Morgen habe ich frei. :-)
Marlena