Sonntag, 22. November 2015
Sorry!
Subject: Nicht so...
Lieber ...,
Es tut mir leid wenn ich dich "in perfider Weise wegen kleiner Details angegriffen" habe. Das war absolut nicht meine Absicht. Und übrigens, als ich das deutliche schöne Bild von einem Singschwan, das ich dir geschickt habe sah, dachte ich dass es genauso aussieht wie die Gänse, vor denen ich als Kind so grossen Respekt hatte.
Nein, ich kann mir dich nicht wie ein "zwischen den Kieseln kriechender Wurm vorstellen". Eher dann so wie auf dem Bild hier unten. Also sei mir nicht böse. Es war nur ein wenig Spass.
Sag mir, was hast du gegen das Wort schlampig? Heisst es denn nicht so?
Danke übrigens für die Adresse. Was sagst du zu Bichsels Gedanken über das Schreiben? Wenn er recht hat dann leben wir sehr ungesund und gefährlich. ;-) Aber vielleicht hat er das nur so im Rausch geäussert. Den Satz mit den Bienen in den Lindenblüten im Mondschein finde ich sehr schön. Weiss nicht was daran als "besoffen" bezeichnet werden kann.
Gerade jetzt am bevorstehenden Wochenende versteckt sich die Sonne hinter einer grauen Wolkendecke. Anna kommt nicht nach Hause und so werde ich wohl meist in meinen Papieren herumwühlen. Wie ein Wurm. :-) Es schadet nicht, dass ich mich in Ruhe etwas damit beschäftigen kann.
Drei Kolleginnen werden bald gefeiert. Eine geht in Pension, eine wird 50 und eine 60. Diesmal haben wir ein Restaurant gemietet. Es wird sicher ein lustiges Fest werden.
Sonst passiert herzlich wenig. K hat sich im Internet einen Apparat gekauft mit dem er alle seine alten Vinylplatten in CDs verwandeln kann. So werde ich wahrscheinlich das ganze Wochenende von Musik ertränkt werden.
Und du? Wirst du etwas besonders tun?
Ich wünsche dir schöne warme Tage,
Marlena
Bichsels Gedanken über das Schreiben:
Schreiben ist gefährlich
»Man kann sich nichts vom Leib schreiben. Man schreibt sich alles auf den Leib. Selbst wenn man einen politischen Artikel schreibt, wird das Elend und die Wut immer größer, nicht kleiner. Schreiben ist keine Therapie, Schreiben ist gefährlich. Auch nach dem Brief, den du deiner Freundin oder deinem Freund schreibst, um dein Elend endlich einmal jemandem herauszukotzen, geht es dir nachher nicht besser, sondern schlechter. Schreiben ist unhygienisch, gefährlich.« (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.99)
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