Samstag, 29. November 2025

Advent in Schweden

 



Und was treibst du Malou? Bist du an den Weihnachtsvorbereitungen? Das glaube ich mindestens. Du wirst dein Haus auf Hochglanz bringen und alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint, nicht wahr?

Und ich, wie gesagt, mit einem Kerzlein unter der Brücke.
Liebe Gs und Qs und Ks und so
....



RE:

"alles beleuchten, was beleuchtenswert erscheint" *smile*

Ja doch, das tun wir alle hier in Schweden. Und nicht nur was beleuchtenswert erscheint.. In allen Fenstern siehst du, schon vom 1. Advent an, entweder Sterne oder Leuchter. Früher, als ich noch klein war, gab es diesen schönen aus Papier, der wirklich wie ein richtiger Stern aussah, wenn er angezündet war und ein warmes schönes Licht verbreitete. Ich habe immer noch einen solchen oben bei mir und ich muss sehr vorsichtig damit umgehen beim aufhängen, denn er leidet schon sehr an Altersschwäche. Werde ganz nostalgisch wenn ich ihn leuchten sehe. Doch heutzutage gibt es alle möglichen Sorten. Manche aus dünnem Holz geschnitzt, andere aus goldglänzendem Metall: Ach, es gibt wirklich so viele verschiedene Sterne und immer wieder kommen neue dazu.


Amaryllis


Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne. Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun.

...



Freitag, 28. November 2025

Im Papiermuseum in Basel




Liebe Malou
Gestern war ein hektischer Tag. Hast Du überhaupt ein Mail bekommen? Ich weiss es nicht mal mehr, ob ich geschrieben habe. Am Nachmittag war ich in Basel. ...
(---)
Es gibt ein sehr gutes Papiermuseum in Basel. Und seit ewig wollte ich mal dorthin, um es anzuschauen. Und das habe ich nun eben gestern Abend zum ersten Mal getan. Ich bin begeistert, na ja, sehr positiv. Basel war ja eine Renaissance Stadt. Nach dem Konzil kam der grosse Aufschwung. Und es wurde viel gedruckt in der Stadt am Rhein. Diese Druckerei, die ziemlich originalgetreu mit Wasserrad an einem Kanal renoviert worden ist, zeigt die verschiedenen Prozesse der alten Papierherstellung. Es muss ein stinkendes und lärmiges Gewerbe gewesen sein. Und die Papierqualität hing vor allem von der Qualität der Kleider der Leute ab. Sie haben ja die alten Lumpen für den Lumpensammer vor die Türe geworfen. Und er hat sie eingesammelt und den Papiermachern verkauft. In Basel war es offenbar ein Italiener, der Besitzer der Mühle war. Na ja, es gab viele interessante Details aus jener Zeit des 15. Jahrhunderts. Und wer wollte, konnte sogar eine Papierseite selbst herstellen. Ich habe ein kleines Exemplar geschöpft mit einem hübschen Wasserzeichen. Allerdings haben sie es dann mit einer Wärmepresse getrocknet, und nicht mit der langsamen Methode der damaligen Zeit. Sonst hätte ich das Essen im Goldenen Sternen verpasst.

Es war ein guter Abend. S. hat noch ihre Freundin mitgenommen. Und wir sassen mit drei anderen Paaren zusammen, deren Männer alle nächsten Donnerstag nach Prag fliegen. U. hat versprochen, dass er uns noch ein Programm schicken wolle.

Und heute werde ich auch viel unterwegs sein.  ...  Das ist gut zur Abwechslung. Die Zeit vergeht schneller, wenn man etwas in der Weltgeschichte herumkommt.

Ich wünsche Dir einen wunderbaren Tag
Gruss
...





Donnerstag, 27. November 2025

Gute Zeit



Lieber ...,
Du wünschst mir eine gute Zeit, und heute Abend habe ich sie. Ich bin nämlich Strohwitwe. Bin ich ja eigentlich immer, aber heute gehört das Haus nur mir und ich kann dir nach Herzenslust schreiben, gerade in dem Moment wenn ich Inspiration habe, d.h. jetzt. :-)

Ich habe mit großem Interesse deine Schreibpläne wahrgenommen und bin erstaunt wie wissenschaftlich du ans Werk gehst. Es wäre schön, wenn du damit Erfolg hättest und das wünsche ich dir aus vollem Herzen.
Doch glaube ich immer, dass das schönste Buch von dir deine Memoiren sein müssten. :-) Doch wenn du einmal einen Namen hast...

Beim lesen deines Mails musste ich an die Zeit zurückdenken, als Anna noch klein war und abends vor dem Einschlafen immer wollte, dass ich ihr etwas vorlesen sollte.. Oft war ich schon sehr müde nach einem strengen Arbeitstag, zu müde um etwas zu lesen, aber noch nicht zu müde um etwas zu erzählen. Du kennst sicher die Bücher über Pettson.


Ich denke sie müssen auch ins Deutsche übersetzt sein. Und zu diesen Büchern habe ich immer neue Kapitel aus meiner Fantasie erzählt. Findus, der Kater, hatte plötzlich ein kleines Liebchen im Wald gefunden, mit der er sich heimlich traf, Pettson selbst kriegte von mir eine "faster Olga" (faster ist Tante = Vaters Schwester). Diese kam oft ohne Ankündigung und schaute bei ihm nach dem Rechten. Auch eine kleine Mausfamilie habe ich erfunden, die abends, wenn Findus endlich eingeschlafen war, hervorkam und in der Küche nach Nahrung suchte. Ich musste mich nicht einmal anstrengen beim erzählen. Es kam alles so spontan zustande.
*
Du erzählst von den Mahlzeiten in deinem Büro und dabei denke ich mit Nostalgie zurück an die schönen Stunden, die ich zusammen mit Kollegen in der Schulkantine verbracht habe. Unsere Schule war sehr gross und an einem normalen Arbeitstag traf man meist nur Kollegen aus demselben Fachbereich. Es gab eine Zeit, wo wir ein gemeinsames Lehrerzimmer und gemeinsame Pausen hatten. Man konnte also täglich mit den meisten anderen Lehrern dort zusammenstrahlen und Gedanken austauschen. Dann kam jemand auf die Idee, die Lehrer sollten in jedem Fach ihr eigenes "Kaffeezimmer" haben und auch die gemeinsamen Pausen verschwanden. So blieb dann eigentlich nur noch die Kantine, wo man "die anderen" treffen konnte. Natürlich gab es auch Leute, die sich eigenes Essen mitbrachten, aber die wussten sicher nicht was sie verpasst haben in der Kantine. Das Essen war hervorragend. Ein Salatbüffet dazu zwei wahlfreie warme Speisen (viele nahmen von beiden), Milch, Bier oder Mineralwasser. Und nachher noch Kaffee mit einem kleinen Gebäck dazu. Und das alles für etwas mehr als 3 Euro. Aber das schönste dabei waren doch die Leute und die fröhliche Stimmung.
*
Jetzt mache ich eine kleine Pause. Muss mir etwas zu essen machen... Wartest du? Oder läufst du mir wieder davon? ;-)  ...
So, nun bin ich wieder ...




Dienstag, 25. November 2025

Sonntag, 23. November 2025

Eishockey war das A und O in Visp



subject Re: Schnee..

Liebe Malou
...
Nein, wir haben noch keine Ferien. Zumindest nicht offiziell oder Schulferien. Ich glaube, die fangen erst im Laufe dieser Woche an. Du weisst ja, wir sind ein ziemlich fleissiges Volk. Damit machen wir unsere fehlenden Bodenschätze und die mangelnden intellektuellen Fähigkeiten wett. Die simplen armen Leute müssen einfach ackern, etwas anderes bleibt ihnen nicht übrig. Vor allem nicht in diesem kalten Wind des globalisierten Wettbewerbs.
Und schnee hat es hier nur minimal. In den Bergen soll es letztes Wochenende viel geschneit haben. Bestimmt haben all die Kurdirektoren und Hotelliers in den Winterstationen Gott gedankt für dieses kleine Geschenk vor Weihnachten. Es ist für sie immer eine Zitterpartie, ob der Schnee vor Weihnachten kommt oder ob er nicht kommt. Mit den Schneekanonen können sie nicht alles wettmachen, die belegen ihnen bloss die Pisten mit Schnee. Aber der Landschaft fehlt dann doch die schöne dicke Decke.
Ich habe viele Erinnerungen mit üppig bedeckten Landschaften. In meiner Jugendzeit gab es im Wallis jeweils viel Schnee. Jedenfalls viel mehr, als wir vorher in L erlebt hatten. Und ich erinnere mich gut an das erste Mal, als ich in Visp mit meinen Eltern der Kantonsstrasse entlang zum Dorfzentrum hinging. Auf dem Gehsteig lagen hohe Berge von Schnee, den man von der Strasse weggepflügt hatte, während der Gehsteig daneben schon beinahe aper war. Ich hatte das Gefühl, es hätte mich in meinem Leben in die hinterste und entfernteste Ecke der Alpen - was heisst der Alpen, der Welt hatte ich den Eindruck - verschlagen. Aber einige Jahre später haben wir mit den Nachbarsbuben auf eben dieser Strasse mit ihrem festgefahrenen Schnee Eishockey gespielt. Zwar auf der Strasse nicht mit Schlittschuhen , aber doch mit Stock und Puck, wie es sich gehört. Eishockey war das A und O in Visp, noch viel wichtiger als Skifahren. Der Vater dieser Nachbarsbuben hatte selbst in der Mannschaft Visps Eishockey gespielt. Und natürlich waren seine Söhne die guten Nachwshoffnungen. Als sie ins Juniorenteam eingetreten waren, wollte ich das unbedingt auch. Aber meine Eltern waren dagegen. Sie befürchteten wohl, ich hätte dann keine Zeit mehr für die Schule. Und ausserdem gab es bisweilen blutige Unfälle beim Eishockey. Sie hielten mich nicht für einen Typen, der sowas durchstehen könnte. So bin ich dann eben leider kein internationaler Eishockeyspieler geworden !!! ;--)

In den Schweizerischen Eishockeyteams hatte man damals jeweils einen Kanadier. Er war Trainer, durfte aber auch mitspielen. Und ich habe diese breitspurigen Typen mit ihren grellen Jackets - meist hatten sie ebenso grelle, riesige Zahlen oder Buchstaben aufgenäht - immer noch in bester Erinnerung, wie sie sich in unserem kleinen Dorf bewegten und wie sie beim Training in ihrem Englisch herumschrieen. Ich wusste, sie kommen aus der grossen weiten Welt und zeigen uns, wie es in der grossen weiten Welt zu und hergeht. Ach ja, die Kanadier! Sie waren im Grunde moderne Söldner, die in diesen langweiligen Schweizer Orten ein langweiliges Leben führten, um zu etwas Geld zu kommen. Bestimmt litten sie enorm unter ihrem Heimweh. Ich glaube, sie kamen meist nicht mal mit ihrer Familie, wenn sie denn eine hatten. Und nach einer oder zwei Saisons fuhren sie wieder zurück. War bestimmt keine Schleckerei.

...

Donnerstag, 20. November 2025

Etwas zum lachen ...




The lucky frog

A man takes the day off work and decides to go out golfing.
He is on the second hole when he notices a frog sitting next to the green.
He thinks nothing of it and is about to shoot when he hears,
"Ribbit.9 Iron."
The man looks around and doesn't see anyone.
"Ribbit.9 Iron."
He looks at the frog and decides to prove the frog wrong,
Puts his other club away, and grabs a 9 iron.
Boom!
He hits in 10 inches from the cup.
He is shocked.
He says to the frog, "Wow that's amazing. You must be a lucky frog, eh?"
The frog reply's "Ribbit. Lucky frog."
The man decides to take the frog with him to the next hole.
"What do you think frog?" the man asks.
"Ribbit. 3 wood."
The guy takes out a 3 wood and Boom! Hole in one.
The man is befuddled and doesn't know what to say.
By the end of the day, the man golfed the best game of golf in his life and asks the frog,
"OK where to next?"
The frog replys,
"Ribbit. Las Vegas."
They go to Las Vegas and the guy says,
"OK frog, now what?"
The frog says "Ribbit. Roulette."
Upon approaching the roulette table, the man asks,
"What do you think I should bet?"
The frog replies, "Ribbit. $3000, black 6."
Now, this is a million-to-one shot to win, but after the golf game,
the man figures what the heck.
Boom!
Tons of cash comes sliding back across the table.
The man takes his winnings and buys the best room in the hotel.
Hi sits the frog down and says,
"Frog, I don't know how to repay you.
You've won me all this money and I am forever grateful."
The frog replies, "Ribbit, Kiss Me."
He figures why not, since after all the frog did for him he deserves it.
With a kiss, the frog turns into a gorgeous 15-year-old girl.

"And that, Your honour, is how this girl ended up in my room."



 

Dienstag, 18. November 2025

Schon Winter ? ...

(R)

auf  "unserer"  Strasse
(vielleicht bald..)  


.

RE: Morgenmail...

Liebe Marlena

Wie kann ich Gott danken, über Deinen Mut, dass Du Deine Mails nicht löschst, sondern in einem Anflug von übermenschlichem Helden- und Abenteuertum wirklich absendest. Ich glaube die besten Deiner Mails wären nie bei mir angekommen, wenn Du deinem spontanen Gefühl nachgegeben hättest. So danken wir Gott und dem hotmail.
*
Über Deine Spekulationen habe ich mich ein wenig amüsiert. Was war es doch gleich? Alkohol, Herzinfarkt, eine Geliebte und - ich muss nachschauen - ach ja, Ärger. Es sind allesammt bürgerliche Abenteuer, Erlebnisexkursionen für ruhige und freundliche Bürger, denen das Leben einfach zu langweilig geworden ist. Sie alle bringen ein wenig Pfeffer ins Leben. Natürlich mit unterschiedlicher Konsequenz und mit einem völlig variablen Niveau des Leidens. Herzinfarkt ist wirklich die härteste Variante. Das tut einer, der wirklich einen dramatischen Abgang sucht. Alkohol ist auch dramatisch, aber stiller und sehr unvorteilhaft. Beiden ist das Leiden gemeinsam. Da ist die Geliebte und der Ärger anders. Diese beiden Varianten sind ein wenig expansiver. Ich glaube, wenn ich könnte, würde ich eine dieser beiden Varianten wählen. Sie sind weniger masochistisch.
Und dann sind da noch die Symptome meiner Krankheit. Ich hätte Dir nicht geschrieben??? Das ist mir alles nicht bewusst.
Vielleicht am nächsten kommst Du mit der Hypothese Herzinfarkt. Ich glaube ich habe eine echte Depression gehabt. Eine zeitlang hatte ich vor Weihnachten wirklich fast keine Kraft und keinen Mut mehr. Ich hätte nur noch schlafen mögen. Ich habe mit S darüber diskutiert und im Grunde herausgefunden, dass ich in den letzten Jahren immer um diese Zeit sehr viel Mühe gehabt habe. Walter meint, das sei der natürliche Zyklus der Natur. Im Winter zieht man sich ein wenig auf sich zurück, um Energien zu sammeln und um im Frühjahr wieder fit zu sein. Die Bauern tun das doch auch, und die Menschen der Steinzeit hätten es bestimmt nicht anders gemacht.

Alkohol? Na ja, S hat mir zu Weihnachten eine ganze Serie Whisky-Flaschen geschenkt, verschiedenste Marken mit den wunderschönsten Namen. Eine ganze Orgel von Flaschen steht seither in unserer Stube. Und, ehrlich gesagt, ich habe etwas mehr getrunken als vorher. Aber ich weiss schon, dass man ein wenig acht geben muss vor den schlechten Gewohnheiten. Und gerade, wenn die Stimmung gedrückt ist, dann sollte man besonders acht geben.

Und dann noch eine Geliebte? Ach, wenn ich eine Geliebte hätte, dann wäre ich nicht depressiv. Dann wäre ich doch auf Wolke sieben, wie sie sagen. Nein, mit einer echten Geliebten kann ich nicht dienen.
Und ein Ärger auf Dich kann ich auch nirgendwo finden. Worüber sollte ich mich denn ärgern? Mein einziger Ärger hängt mit Deinem Zürcher Aufenthalt zusammen. Das hat mich wirklich genervt. Aber auf der anderen Seite, wenn ich darüber nachdenke, und auch wenn ich mir überlege, welch ein gescheiter Mensch Du bist, dann sage ich mir, dass Du Gründe gehabt hast, so zu handeln. Vielleicht sogar hast Du es für meinen Vorteil, wie Du dachtest, so gemacht? So bin ich Dir eigentlich nicht böse darüber.
(---)
Weißt Du Marlena, wenn ich will und mich gehen lasse, dann kann ich ein wirklich melancholischer Mensch sein. Heute kontrolliere ich ein wenig meine Gedanken. Aber wenn ich wirklich meinen spontanen Gefühlen nachgeben wollte, dann würde ich nur über das Unglück dieser Welt nachdenken und dieser Misere nachhängen, dass alles vergeht und verloren sein wird.
Aber zwischendurch hole ich alle meine Energie und versuche Männer, oder auch Paare zu beobachten, die älter werden um zu sehen, wie sie mit ihrem Leben umgehen. Im Club habe ich ja viel Gelegenheit, erfolgreiche Männer zu sehen, die alt werden. Und es ist doch unübersehbar, wie sie ruhiger werden, wie sie immer häufiger nach dem Mittagessen in ein Nickerchen sinken, wie sie in ihren Themen und Gesprächen in der Vergangenheit weilen und immer langsamer werden.
*
Und da kommt Marlena und erzählt, dass ihr Arzt ihr bescheinigt hat, sie hüpfe herum wie ein junges Mädchen, noch dazu mit einem eingeklemmten Nerv. Da kann ich nur staunen und meine junge Freundin beglückwünschen.

*

Deine Unterstützung in Sachen Hochbegabung fand ich sehr lieb. Das war sozusagen eine Seelenmassage. Und schliesslich habe ich ein paar exzellente Dinge gefunden im Internet. Am allerbesten sind die Skripte von E. Hany. War die Adresse auch von Dir? Es sind etwa 10 Vorträge, die der Professor von Erfurt veröffentlicht hat, die mir sehr aufschlussreich erscheinen. Im übrigen ist das Gebiet ja ziemlich weitläufig. Und natürlich gibt es viele Menschen, die hier irgendwelche Vorteile oder Profite riechen, und deshalb sosehr vorwärts treiben und die Thematik in die Zeitungen bringen.
*
Sind jetzt alle Fragen geklärt? Wir werden bald unsere Flasche Champagne öffnen, nicht wahr? Es muss um diese Zeit gewesen sein, da eine Laune des Schicksals uns zusammen geführt hat. Ich glaube, Du hast vom 20. Januar gesprochen, wenn ich mich richtig erinnere. Für diese Gelegenheit möchte ich wirklich sehr gerne und etwas mehr als bloss virtuell mit Dir anstossen auf unser Jahr, das ja doch sehr intensiv und schön gewesen ist. Wir feiern das Einjährige! Ich hoffe doch sehr, dass Du irgendwo eine Flasche im Kühlschrank stehen hast. Oder vielleicht auf dem Balkon? Stosse mit Deinen Lieben an und denk im Stillen an Deinen melancholischen Mausfreund. Und im übrigen sind die Mailjahre Hundejahre. Jedes Jahr zählt sieben Jahre. Ich glaube, wir werden über Hundert werden!
Mit einem allerliebsten Kuss und Gruss

...






Montag, 17. November 2025

Verspätetes Abendmail

Lieber ...,

Mein versprochenes Abendmail wird ein Morgenmail. Ich hatte mich sehr auf diesen freien Freitagabend gefreut. Es ist immer der Abend, an dem man sich ganz von Verpflichtungen befreit fühlt, und nun brauchte ich nicht einmal auf K Rücksicht zu nehmen. Am liebsten hätte ich was besonderes unternommen, aber dann spürte ich, dass ich doch nach der Arbeitswoche ziemlich müde war und so haben Anna und ich uns einen gemütlichen ruhigen Abend zu Hause gemacht.

(---)

Du fragst, wie es mir geht und ehrlich gesagt weiss ich nicht, was mir fehlt. Ich glaube immer noch, dass vielleicht ein Nerv eingeklemmt ist, der mir Schmerzen verursacht. Der Neurologe, bei dem ich war, meinte, wenn es so sei, dann wäre es immer noch so gelinde (?) dass man sowieso nicht operieren würde. Er meinte, ich bewege mich "leicht wie ein junges Mädchen" und er findet keinen Grund einen neurologischen Schaden zu vermuten. Er fragte mich natürlich auch sehr viel nach meinem Arbeitsmilieu und ich sagte ihm, dass ich wie fast alle meine Mitarbeiter, zeitweise unter grossem Stress leide. Aber auch, dass ich Distanz dazu habe und nicht glaube, dass es etwas mit diesen Schmerzen zu tun hat.

Aber sprechen wir doch lieber von dir. Weißt du, ich mache mir noch immer Gedanken darüber, was denn eigentlich vor Weihnachten mit dir los war. Und wenn du wüsstest, welche verschiedenen Gründe für dein Schweigen ich mir vorstelle , dann würdest du mir wahrscheinlich sehr schnell davon erzählen.. denn unsere Vorstellungen übertreffen sicher manchmal die Wirklichkeit.

Soll ich es dir sagen, was ich mir so gedacht habe???
Also:
nr 1. Du hast dich in jemanden im ST verliebt und bist ganz davon verschlungen (=keine Zeit für andere Leute).

nr 2 Du hast einen Herzinfarkt erlitten...
nr 3 Du hast dich sehr über etwas in einem Mail von mir geärgert..
nr 4 Du hast angefangen zu trinken ...

Siehst du,.. so schreckliche Vorstellungen habe ich mir schon gemacht. Und manchmal denke ich natürlich, dass auch du dir so einiges denkst, was hier los sein könnte - schlimme Dinge, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Vielleicht hätte ich dir das nicht schreiben sollen, aber ich glaube, wir sollten sehr offen und ehrlich zueinander sein. Das ist was ich mir von unserer Mailerei wünsche. Und wir haben ja nichts zu verlieren.. nur zu gewinnen.
Ach, ..., das ist wieder so ein Mail geworden.. soll ich es wirklich absenden.. oder schnell deleten?

Ich fasse Mut und drücke auf "send"

Mit einem allerliebsten Samstagsgruss
Deine Mausfreundin Marlena




Donnerstag, 13. November 2025

Jammerschade

 

Liebe Marlena

Es ist eine Schande. So ist mein ganzes Sonntags-Mail irgendwo in der Ostsee niedergegangen? Der Gedanke ist unerträglich. Ich war nämlich wirklich krank, bin aber am Sonntag sozusagen auf allen Vieren ins Büro gekrochen, weil ich ein paar Unterlagen brauchte, und hab eben in der Eile und im Fieberrausch das besagte Mail geschrieben. Und dann meint sie, sie könne sehr wohl zwischen, aber nicht zwischen leeren Zwischenräumen lesen! So eine Antwort auf mein wunderschönes, allerblumigstes und wohlformuliertes und mit Poesie über und über besprühtes Sonntags-Mail!! Ist wie eine Vandalen-Attacke aus dem Hinterhalt und hat mich geradewegs zurück ins Bett geworfen! Und wo sind - by the way denn Deine Zeilen? Es gibt nichts, worauf zu antworten wäre. Nichts, woran sich anschliessen liesse. Wie soll man denn einen Nachsatz machen, wenn kein Vordersatz dasteht?
*
Da siehst Du nur, wie empfindlich man unter diesen Fieberanfällen wird! Der Kopf brennt, und das passt ganz und gar nicht zum milden Wetter, das sich vor dem Fenster anbahnt.

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Re:

Lieber ...,

Ja, es ist wirklich jammerschade das mit dem verlorenen Sonntags-mail. Und noch dazu ein so einmaliges.. von dir selbst bezeichnet als dein "wunderschönes, allerblumigstes und wohlformuliertes und mit Poesie besprühtes Sonntags-Mail!!" Wie kannst du mich nur so foltern? Wo du doch weisst wie sehr ich sogar um verlorene "Alltagsmails" von dir traure.

Aber vielleicht hat es mit einem meiner Gedankenmails irgendwo auf der Ostsee Schiffbruch erlitten.. oder auch schweben sie zusammen glücklich vereint über den Wolken ja, das gefällt mir besser.. Ich schreibe in der Tat meine schönsten Mails an dich wenn ich mitten in der Nacht aufwache und nicht sofort wieder einschlafen kann. Leider aber nur in Gedanken.



(R)


Dienstag, 11. November 2025

... und Affen ..

Liebe Marlena 

A bonobo mother and baby. 

Gestern abend habe ich im Buch über die Affen gelesen. Vor allem die Menschenaffen interessieren mich. Sie sind unsere nächsten Verwandten, und durch sie erscheint in uns das tierische Gerüst. Auffallend ist ihr besonders reges Sozialleben. Doch es ist unterschiedlich. Orang-Utans leben allerdings sehr einzelgängerisch. Das Männchen versucht, ein weites Revier mit mehreren Orang Weibchen zu kontrollieren. Wegen der vielen Flügelfruchtbäumen, die ihnen keine Nahrung bieten, können sie nicht zu dicht leben. Gorillas fressen blätterreiche, krautige Pflanzen. Sie steht genügend zur Verfügung, also brauchen sich die Tiere nicht zuviel zu bewegen. Und es entsteht deshalb auch wenig Rivalität, dh. eine flache Hierarchie. Gorillas leben in kleinen, dauerhaften Gruppen. Am aufregendsten scheint das Leben der Schimpansen organisiert. Sie sind die mobilsten Menschenaffen. Wenn ein Tier einen Baum mit Früchten entdeckt hat, macht es einen riesigen Lärm. Und von allen Seiten setzen sich die Tiere dann in Bewegung zu dieser Nahrungsquelle. Es ist wie beim Saison-Ausverkauf. Schimpansen teilen mit dem Menschen bekannterweise 98% der DNA. Schimpansen haben ein angespanntes Sexualleben, harte Rangordnung und permanente Auseinandersetzungen. Es gibt offenbar in Afrika noch eine Zwergschimpansenart, die Bonobos, die geradezu menschliche Züge aufweisen. Sie haben eine absolut sexualisierte Gesellschaft und verwenden ihre Droge überall und in allen erdenklichen Situationen und mit allen erdenklichen Partnern. Und dabei kopulieren sie häufiger als die übrigen Menschenaffen, und wie die Menschen von Angesicht zu Angesicht. Man denkt bei diesen Informationen geradezu an unsere postmoderne Gesellschaft mit ihrer rundum präsenten Sexualisierung. Menschenaffen fressen reifes Obst. Zur Verdauung der Tannine unreifen Obstes fehlen ihnen die Verdauungsenzyme. Das macht sie abhängig von reifen Früchten, und das ist es, was ihr Sozialleben prägt. Menschenaffen haben sogar ein einfaches Niveau des Selbstbewusstseins. Sie erkennen sich selbst im Spiegel, haben also einen gewissen Sinn für Identität. Und sie können lügen. Das ist eine eminent menschliche Fähigkeit. Lügen heisst ja doch, sich Vorstellungen über Motive und Gedanken anderer Sozialpartner zu machen. Sind sie nicht genial, die Menschenaffen? Und sie sind für Biosoziologen ein gefundenes Fressen. Man kann ja doch das Band zwischen Menschenaffen und Menschen eng ziehen. Dann haben sie eine aufklärerische Stellung in unserer Weltanschauung. Oder man kann eine grosse Kluft aufbauen zwischen den Tieren und dem Menschen. Dann ist man in katholischem und sozusagen royalistischem Gelände. Ich habe während meiner ganzen Gymnasialzeit kaum etwas über Darwin und seine Vorstellungen gehört. Und sowas ist unerhört. Von daher kommt mein Nachholbedürfnis.

*
Damit basta mit Affen und Menschenaffen und Affen-Menschen. Ich muss an die Arbeit. Und wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit einem lieben Gruss

...



Trauer, Akupunktur und ...

 Liebe Marlena

(---)

Kürzlich habe ich eine ganze Abhandlung geschrieben über die aufgeklärte reformierte und die bevormundende katholische Schule. Ich habe beide erlebt. Alles gelöscht. Aber vielleicht war das ein Akt der Barmherzigkeit für Dich, denn solche Abhandlungen können ganz schön langweilig sein. Die Gedanken sind mir durch den Kopf anlässlich der Meldung, dass mein ehemaliger Lehrer gestorben sei. Ich weiss nicht, ob ich über ihn erzählt hatte. Ich hatte vor einigen Jahren mit ihm Kontakt aufgenommen, und er hat ganz freundlich zurückgeschrieben. Und nun ist er in diesem trüben und traurigen November mit 70 Jahren gestorben. Ist ja kein sonderlich hohes Alter. Aber ich glaube, er war bis in die letzte Zeit sehr aktiv, hat bei einer grossen, jährlichen Kunstausstellung mitgearbeitet. Und er hat auch noch über ein exzellentes Gedächtnis verfügt. ...  
*
Ja natürlich bemerkt man bei der Akupunktur einen Effekt. Das erste Mal, wenn du aus der Sitzung kommst, hast Du den Eindruck, Du wärst einen halben Tag in der Sauna oder in einer Massage gelegen. Alles fühlt sich so leicht und schwerelos an. Der Körper ist locker und guter Dinge. Die folgenden Male sind die Effekte nicht mehr so stark spürbar. Aber ich denke, die Wirkung ist eben einschleichend, und nicht so, wie sie in der modernen Medizin sich aufdrängen. Und der Arzt weiss neben der Kunst, wie er seine Nadeln setzen muss, noch viel anderes über deinen Körper und kann dich in verschiedensten Dingen beraten. Meiner hatte mir beispielsweise geraten, Weihrauchtabletten zu nehmen. Ich besorgte mir solche und stellte fest, dass sie bei chronisch rheumatischen Beschwerden wirksam sind. Und in der Tat hatte ich in letzter Zeit einen ziehenden Schmerz im linken Arm und jeden Abend irgendwelche wärmende Crème eingerieben. Aber mit diesen Tabletten waren sie im Nu weg. Und 
dabei hatte ich dem Arzt überhaupt nicht von diesen Beschwerden erzählt. Er beobachtet den Körper sehr genau und erkennt die Schwachstellen. Das finde ich, neben der Akupunktur, eine nützliche mehr oder weniger präventive Beratung und notfalls Behandlung. Ich bin eigentlich ziemlich zufrieden. Vielleicht spielt dabei eine Rolle, dass meine Krankenkasse diese Behandlung bezahlt. Und auf jeden Fall erspart ein solcher Arzt die Mühen im Kontakt mit vielen einzelnen Spezialisten, die ohnehin alles mögliche und Gegensätzliches behaupten. Last but not least ist eine Akupunktur-Sitzung eine schöne Entspannung. Wie unter einer Wärmeglocke schläft man meist ein und ist zum Schluss frisch und vergnügt und könnte Bäume ausreissen. Ich kann Dir das nur empfehlen. Natürlich nur, sofern Du in der Nachbarschaft genügend Bäume hast ;--)

*

Gestern abend habe ich ...


Montag, 10. November 2025

Something to think about, isn't it? ;-)

Lieber ...,

Ich bin am Aufräumen in meiner mailbox.. in drafts.. und da finde ich
ein mail an dich, das wahrscheinlich niemals abgesendet wurde. Ich
spiele mit dem Gedanken dies meine Zukunft werden zu lassen.. einmal
dann später. ;-)
---

Something to think about, isn't it? ;-)

No Nursing Home for Me

About 2 years ago my husband and I were on a cruise through the western Mediterranean aboard a Princess liner. At dinner we noticed an elderly lady sitting alone along the rail of the grand stairway in the main dining room. I also noticed that all the staff, ships officers, waiters, busboys, etc., all seemed very familiar with this lady. I asked our waiter who the lady was, expecting to be told that she owned the line, but he said he only knew that she had been on board for the last four cruises, back-to-back.

As we left the dining room one evening I caught her eye and stopped to say hello. We chatted and I said, "I understand you've been on this ship for the last four cruises". She replied, "Yes, that's true." I stated, "I don't understand" and she replied, without a pause,  
"It's cheaper than a nursing home".

So, there will be no nursing home in my future. When I get old and feeble, I am going to get on a Princess Cruise Ship. The average cost for a nursing home is $200 per day. I have checked on reservations on a Princess and I can get a long term discount and senior discount price of $135 per day. That leaves $65 a day for:


1. Gratuities which will only be $10 per day.
 
2. I will have as many as 10 meals a day if I can waddle to the restaurant, or I can
have room service (which means I can have breakfast-in-bed every day of the week).
 
3. Princess has as many as three swimming pools, a workout room, free washers
and dryers,and shows every night.
 
4. They have free toothpaste and razors, and free soap and shampoo.

5. They will even treat you like a customer, not a patient. An extra $5 worth 
of tips  will have the entire staff scrambling to help you.

6. I will get to meet new people every 7 or 14 days. 

7. TV broken? Light bulb need changing? Need to have the mattress replaced?
No Problem!  They will fix everything and apologize for your inconvenience
8. Clean sheets and towels every day, and you don't even have to ask for them.
 
9. If you fall in the nursing home and break a hip you are on Medicare; if you fall
and break a hip on the Princess ship they will upgrade you to a suite for the rest of
your life.



Now hold on for the best! 
Do you want to see South America , the Panama Canal , Tahiti , Australia , New Zealand , Asia  or  name where you want to go?

Princess will have a ship ready to go. So don't look for me in a  
nursing home,  just call shore to ship.

PS: And don't forget, when you die, they just dump you over the side -- at no charge.


RE: mittwochs ...


Lieber ...,
Ja, das mag ich. Wenn du zugibst, dass du deine eigenen Worte nicht verstehst.. ;-))) Aber, weisst du, intuitiv glaube ich, sie doch zu verstehen. Du bist eben ein wenig ausgewandert aus diesen höheren Sphären. Vielleicht nimmt dein RL im Moment die Oberhand. So ist es zeitweise und man kann nichts dagegen haben. Du bist übrigens der einzige, mit dem ich bisher über die Genialität von Rilke sprechen konnte, ohne enttäuscht zu werden. Vielleicht ist es unser katholischer Hintergrund.. *s*
*
Ich glaube, du versuchst mich umzuprogrammieren.. verstehst du, wie ich das meine? Diese verzehrende (;-))) platonische Liebe, die ich für meinen Mausfreund habe, kann man schwerlich für ein altes Opachen aufbringen, das laut im Zug schnarcht..
oder vielleicht doch???

Ach, ..., lass mich so sagen: ich bin verhext von deinen Mails, von deiner Art, die Welt zu betrachten und zu beschreiben. Es ist gut, dass du mir ab und zu klar machst, dass du ein Mensch bist mit menschlichen Eigenschaften.

Hier strahlt die Sonne zum Fenster herein. Ich habe Lunchpause und bin nach Hause gefahren. Draussen war es heute überraschend kalt. Man merkt es sofort, wenn man vor die Tür tritt, dass die Luft eisig ist.. und dann natürlich auch am Benehmen meines Golfes. Er startet brav wie immer, aber er murrt ein bisschen über die Kälte.
Sollte ich mich vielleicht doch eine Weile in die Sonne setzen? Aber es ist nicht gut für die Haut. Ich sehe es an meiner Nachbarin. Sie ist eine wahre Sonnenanbeterin und verpasst keine Gelegenheit "schön braun zu werden". So sieht ihr Gesicht auch älter aus als meines, obwohl sie 15 Jahre jünger ist. Na ja, sie raucht auch. Das kann dazu beitragen.

Wir hatten wieder unsere kleine informelle "Kaffee-Konferenz" heute. Das ist immer eine nette Gelegenheit, sich gemütlich mit den Kollegen zu unterhalten. A. und G., die beide diesen Herbst ihren Beruf verlassen wollen, geniessen schon die erwartete Freiheit. Fast täglich teilt mir A.  mit "heute habe ich zum letzten Mal.." und man sieht, dass er glücklich darüber ist. Wenn ich bedenke, wie sehr er früher an diesem Beruf hing und sich darüber freute.. Er hat immer sein Ganzes gegeben. Aber die Schule ist eben in den letzten Jahren etwas geworden, was fast jeder gerne hinter sich zurücklassen würde. G. geht ja früher und er zeigt mir immerzu, dass man dabei nicht besonders viel an Einkommen verliert.. Er versucht mich zu überreden, auch früher zu gehen. Und diejenigen, die noch viele Jahre zu tun haben, beneiden die älteren um ihr Alter..
Ist es nicht schrecklich? Da ist doch irgendetwas nicht in Ordnung.
*
So, nun werde ich mir was zu essen machen..
Ich grüsse dich lieb, mit Hs und Ks wie immer,
Marlena



Sonntag, 9. November 2025

Mittwochs

 

            Foto: Chris     

Liebe Marlena

Ja, die Feststellung, die Du erwähnst, habe ich auch schon gemacht. Wenn man etwas liest, das man vor Jahren geschrieben hat, ist man ganz erstaunt und ein wenig verblüfft, dass der Text von einem selbst stammt. Es ist ganz wunderbar, eine solche Erfahrung zu machen. Und mit den Bildern ist es auch so.
Schwierig ist es, solange man mit den eigenen Produkten verhängt ist, solange sie noch als Teil von einem selbst daher kommen. Dann sind sie der ganzen Kritik ausgesetzt, die man für sich und seinesgleichen hat. Ich habe in diesem Punkt immer behauptet, dass die Zeit heilt. Sie heilt hier ganz besonders. Und man sollte diese Tatsache weiter psychologisch analysieren, weshalb das so ist und wie man diesen Effekt nutzen könnte.
Es gibt ja doch Schriftsteller mit einer Schreibblockade. Sie schaffen es nicht, noch eine weitere Zeile zu schreiben. Hemingway war einer. Aber es gab und gibt noch viele andere. Ich glaube, dass sie mit diesem Phänomen zu tun haben. Und natürlich hat auch das Publikum noch damit zu tun. Die Berühmtheit eines Dichters kann eine schwere Hypothek sein, denn wer unbekannt ist, darf jeden Mist schreiben, hingegen der Bekannte steht sozusagen unter absolutem Erfolgsdruck.

Na ja, die Passage, die ich geschrieben haben soll, die Du zurückschickst, weil Du den Sinn nicht ganz erfasst, diese Passage verstehe ich auch nicht ganz ;--))
Ich wollte damit sagen, dass man für Rilke in sozusagen einer Stimmung eines Sufi sein muss. Er ist so kontemplativ und in allgemeinen Bezügen aufgehoben, dass nicht versteht, wer hart in den Interessenkonflikten des Lebens eingespannt ist. Ich glaube, ich kann ihm nur in sehr kontemplativen Momenten richtig folgen. Und wie Du sagst, er wohnt in einer ziemlich sublimierten Welt, weit enthoben von den praktischen Dingen des Lebens. Das kann wohl nur, wer von allen praktischen Nöten der Existenz erlöst ist. So gibt es eben verschiedene Welten, in denen man Leben kann. Und der Bewohner der einen versteht nur schlecht jenen der anderen Welt. Das ist schon alles.

Es schneit ein bisschen heute. Der Schnee ist aber nass und verkommt auf dem Boden rasch in Matsch und Wasser. Gestern hatten wir einen schönen blauen Himmel. Ich war in Luzern, habe mich im Zug gemütlich in eine Ecke gedrückt und gelesen. Und in der Stadt habe ich mir eine kleine hübsche Konditorei gesucht, um einen Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen. Es war ziemlich gut. Bestimmt weißt Du, dass Luzern eine grosse Touristenstadt ist. Man hat ein schönes Panorama mit See und Alpen. Und die alten grossen Hotels am Seeufer erzählen alte Geschichten von der noblen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Ich aber bin in der Plüschbank der Konditorei gesessen, habe meine Kirschtorte genossen und dazu ein Buch über Medienpädagogik gelesen. Dann bin ich noch ein bisschen durch die Stadt gegangen, habe mir die Predigerkirche angesehen, diesen Barockbau direkt an der Reuss, und bin dann mit dem Bus weitergefahren nach Kriens, wo unser Kollege wohnt, der uns eingeladen hat. Offenbar hat er sich jetzt teilpensionieren lassen und wollte damit seinen Abschied feiern. Er hat in seiner alten Wohnung selbst ein kleines Essen zubereitet. Doch ich konnte nur bis zum Sekt und Voressen bleiben. Aber es war eine angenehme Geste.

Ja, wenn Du so über deine Ventilation erzählst, kann man leicht neidisch werden. Wir haben keine Einrichtung von solcher grösse. Wir haben bloss in der Küche eine Ventilation. Aber in den anderen Räumen ist das bei uns nicht üblich. Man muss sich damit behelfen, dass man Fenster öffnet. Aber ein Wärmewechsler scheint ein weit raffinierteres System zu sein.

Ich bin ein bisschen faul heute morgen, obwohl ich gestern viel geschlafen habe. Auf dem Rückweg im Zug habe ich so vor mich hingedöst, und ich bin nur aufgewacht, wenn ich selbst einen besonders lauten Schnarcher fahren liess. Es war ein bisschen peinlich im besetzten Zug, aber es war nicht zu ändern.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben G&K
...




Samstag, 8. November 2025

Spät ... wie so oft ...


Ämne: Spät... wie so oft..
Datum: den 13 november  00:25


Liebster Mausfreund,

Ach wie bist du spassig. Ich habe wieder sehr über deine lustigen Einfälle geschmunzelt. Verstehe schon, dass es dir lieb wäre, wenn du den lieben Herrgott spielen könntest. Deine Ideen sind sehr wild und trotzdem muss ich dir verraten, dass ich auch an eine solche Site gedacht habe. Vielleicht nicht so ausführlich und detailliert wie du, aber deine Fantasie gefällt mir.
Wenn ich es richtig bedenke, so glaube ich doch nicht, dass ich unsere Mauspartnerschaft dort registrieren möchte. Sie soll frei sein. Nichts darf sie irgendwie einzwängen. Das ist das Schöne an ihr. Sie soll Flügel haben und wie die Tauben nach Venedig fliegen können (um dann wieder zurückzukehren ;-)).
*
Du willst über Schopenhauer lesen und ich glaube du wirst vielleicht überrascht sein. Er war anscheinend nicht so wie man vermuten könnte. Wie so viele, hat er nicht gelebt, wie er gelehrt hat. Es gibt mehrere grosse Künstler, Philosophen und Komponisten, die als Menschen ziemlich "klein" waren. Oder gibt es "kleinlich"? Von denen man nie vermutet hätte, dass sie so grosse Dinge zustande bringen könnten. Hast du übrigens schon einmal den Film über Mozart gesehen? Ich glaube er heisst "Amadeus". Wenn nicht, dann solltest du dir wirklich die Zeit dafür nehmen. Er ist sehr sehenswert.
*
Ich versuche eine beginnende (?) Grippe mit heissem Tee zu kurieren. War am Nachmittag bei Lidl ein wenig Obst und Gemüse einkaufen. Es kostet dort die Hälfte oder sogar 1/4 von den Preisen, die wir gewöhnt sind. Aber sonst ist das Geschäft nicht mehr so wohl besucht. Vielleicht, weil sich jetzt alle anderen anstrengen ihre Kunden zu behalten.
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Ich hätte dich so gern im Radio gehört. Und ich bin überzeugt davon, dass du das gut gemacht hast. Natürlich verstehe ich, dass man ohne Mikrofon ganz anders reden kann. Warum eigentlich tut man es nicht immer? Warum sagt man nicht unverblümt die Wahrheit? Wir sind eigentlich eine sehr verlogene Generation.
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Im Irak passieren immer wieder Terrorattacke. Es ist schrecklich. Diese Italiener, die doch wirklich nur Gutes dort getan haben und die armen Irakier. Die USA hat sich wirklich in eine schwierige Situation versetzt. Sie können doch auch nicht abhauen. Was passiert dann mit den Menschen dort?
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Heute früh hatte ich Eis an den Autoscheiben. Es wird langsam Winter. Ich warte auf den 1. Dezember, wenn man überall die leuchtenden Sterne aufhängt und alle Leuchter in die Fenster stellt. Dann sieht es schön aus und man vergisst die grosse Finsternis. Aber bis dahin sind es noch, ach ich sehe gerade, bald nur 2 Wochen. Dann geht die Zeit immer sehr schnell. Man möchte sie fast festhalten.
*
Ich habe vorhin ein Programm gesehen über ein altes Paar, die als 20/24-jährige in einander verliebt waren (es war 1938 und sie studierten beide in Uppsala) und die sich dann 60 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten. Jeder hatte sein eigenes Leben gelebt, viele Kinder und Enkelkinder bekommen und nun, wo sie fast 90 sind (beide verwitwet) haben sie sich wiedergesehen und in einander verliebt. Du hättest die Reaktion der Verwandten sehen sollen. Aber nichts konnte die beiden von ihrer Liebe abbringen und schliesslich haben sie geheiratet und man hat gesehen, wie sie in das Leben des anderen eingezogen sind. Sie war Ärztin gewesen und er hatte auch irgendeinen hohen Posten im öffentlichen Leben gehabt. Und die ganze Welt hat sich gewundert, wie man sich in dem Alter so verrückt verlieben kann. Schön zu sehen war die Reaktion der ganz jungen Enkelkinder (Urenkel?). Sie hatten grosses Verständnis für die Liebe der beiden. Ach, es war eine wirkliche "Sonnescheingeschichte" wie wir sagen.
*
Es ist spät geworden und ich muss ins Bett. Ich grüsse dich lieb
und wünsche dir einen schönen Tag,
Marlena






Herbst

 

Ämne : Herbst..
Datum : Tue, 13 Nov 

Lieber ...
Es ist schon wieder spät geworden, aber ich will dir trotzdem noch schreiben. Eigentlich bin ich nicht so gut in Form. Diese Infektion, die nicht nachlässt, geht mir langsam aufs Gemüt und ich fühle mich müde und lustlos. Aber bitte, schreib mir trotzdem, denn wenn ich selbst nicht schreiben kann, brauche ich dich um so mehr.

K war nun zwei Tage zu Hause. Auch ihn hat es erwischt und Anna war heute zum ersten Mal wieder in der Schule. Sie war auch todmüde als sie nach Hause kam.
*
Leider habe ich gerade in dieser Periode mehr Arbeit als sonst denn drei Klassen sollen noch vor Weihnachten ihr Abschlusszeugnis bekommen. Und heute hatten wir noch dazu eine dieser ganz unmöglichen Konferenzen die mich an dem menschlichen Verstand zweifeln lassen. Ich bin zum Glück nicht die einzige Person mit dieser Auffassung..
Du hast sicher  einen schöneren Nachmittag verbracht in Olten.
*
Ja, dein Onkelchen kann ich mir vorstellen mit dem Fez auf dem Kopf. Und sicher hat es Spass gemacht,  ihn anzusehen. Wenn du Cous-cous meinst, dann kenne ich das Gericht schon, aber wir essen es eher selten hier.

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Ich wünsche dir alles Gute und schreib mir bitte bald wieder. Über alles, auch über die Trostlosigkeit des Daseins..
Mit lieben Grüssen
Marlena

Freitag, 7. November 2025

Foggy day

 

Olten

Ämne : foggy Dienstag
Datum : Tue, 13 Nov 

Liebe Marlena
Heute ist kalt und regnerisch, furchtbares Novemberwetter. Und es ist noch absolut nachtschwarz und dunkel draussen. Normale Menschen liegen wohl eher noch im Bett. Nur die paar Verrückten wie ich sind auf und hocken schon im Büro. Gestern haben wir von einer neuen Flugzeugkatastrophe in N.Y. gehört. Das lastet alles schwer auf dem Gemüt. Nur unsere Töchter waren stolz, zu wissen, wo der Stadtteil Queens sei und dass dort viele Schwarze wohnen. Nach soviel Unglücksmeldungen bin ich früh ins Bett gegangen. Und das ist wohl der Grund, weshalb ich schon um 0500h in der Früh aufgewacht bin. Und das ist bekanntlich eine Zeit, da man sich überlegen muss, ob es sich rentiert, nochmals hinzuliegen und hellwach irgend welchen Dingen des kommenden Tages nachzugrübeln, oder ob man nicht doch besser gleich aufsteht und sich ein zünftiges Frühstück und einen kräftigen Kaffee gönnt. Wie Du siehst habe ich letzteres getan.

Heute nachmittag werde ich für eine Sitzung nach Olten reisen. Das ist ungefähr eine halbe Stunde von hier. Olten ist der Ort, wo ich nach der Universität meine erste Stelle hatte. Ich habe noch heute gute Erinnerungen an Olten und ab und zu treffe ich jemanden, der mich immer noch kennt. Aber es sind - das muss ich schon zugeben - nicht mehr allzu viele. Es ist ein knappes Jahr her, da der Arzt, der damals Präsident unserer Aufsichtskommission war, gestorben ist. Ich glaube, er war knapp 60 Jahre alt und ist in Nepal, in den Ferien mit seiner Frau und einem Arbeitskollegen, völlig unerwartet und plötzlich gestorben. Man hat ihn dann in einem örtlichen Heiligtum kremiert und die arme Frau musste mit der Asche ihres Mannes von den Ferien in die Schweiz zurückkehren. Er war eine sehr bekannte und auch sehr beliebte Persönlichkeit Oltens und der Region, war auch eine Zeitlang Präsident des Ärztevereins. An der Abdankung in der Stadtkirche, an der ich sozusagen inkognito teilgenommen habe, waren viele viele Leute. Und es waren auch viele Patienten mit dabei. Also, nach Olten will ich fahren. Wir treffen uns, etwa 7 Leiter und Leiterinnen von Schulpsychologischen Diensten aus den Kantonen der Nordwestschweiz. Das ist nützlich, indem man hört und sieht, womit sich andere beschäftigen. Es lassen sich Erfahrungen austauschen und Ideen aufnehmen. Nächstes Jahr ist eine grosse Tagung über Migration auf dem Plan. Ich war allerdings der Meinung, dass wir mit diesem Thema etwas spät kommen. Hochbegabung oder Förderaspekte der Schule oder so ähnlich wären aktueller und publikumswirksamer gewesen. Aber die Maschine ist nun mal angelaufen.

Jugendbücherschiff Basel

Ich werde mich also bei diesem trüben Wetter nach Olten bemühen. Und abends findet eine Vernissage einer Jugendbuchausstellung auf einem Schiff in Basel, mitten auf dem Rhein statt. Ich habe mir gedacht, dass ich - nach meinem 100 Bücher Marathon - wieder einmal teilnehmen sollte. Offenbar steht der Chef der Jugendbibliothek kurz vor der Pensionierung, obwohl einen deutlich jüngeren Eindruck macht. Wegen ihm sollte ich allenfalls hingehen. Aber ich bin mir noch nicht so sicher. Es ist immer viel Zeitaufwand, abends um 1800h nach Basel zu reisen. Und das Schiff ist zu diesen Anlässen jeweils übervoll. Man steht sich gegenseitig auf den Zehen herum. Das mag ich so gerne wie fremde Ellbogen in meiner Seite. In einem Wort: ich hasse es.

*
Am Sonntag waren wir bei Onkelchen und haben Gusgus gegessen. Er hatte wieder einmal von seiner Jugendzeit in Fes in Marokko erzählt. Und dabei ist die Idee entstanden, einmal ein tüchtiges Gusgus mit Schaffleisch und Kichererbsensauce zu machen. Er war begeistert und hat das sehr genossen. Sogar seinen alten Fez, diesen roten Wollhut mit schwarzem Zottel, den er aus Marokko als Souvenir mitgebracht hatte, hat er in einem Schrank gefunden und den ganzen Abend getragen. Es war wirklich ziemlich lustig, und S hat bedauert, dass wir keine Kamera für ein Foto mit gehabt haben.
Kennst Du selbst Gusgus, Marlena? Es ist aus Hirse, wie ich glaube, und im Dampf luftig gekocht ähnlich wie Trockenreis. Darüber hinaus schmeckt es ausgezeichnet und ist auch noch recht gesund. Ich erinnere mich, es einmal in Zürich bei einer Kanadierin gegessen zu haben, die mit einem Marokkaner befreundet war. Und der arme Bursche hat in seinem Heimweh den ganzen Abend von seinem Land und seiner Familie geschwärmt, und wie sie oft zusammen sitzen und Gusgus essen, und wie dann sein Vater zu Tische - nach dem vortrefflichen Mal - sein Nickerchen zu nehmen pflegt.... Ja, heute kann ich ihm nachfühlen. Und schlafen könnte ich heute auch bei Tisch nach dem Essen.
*
Und in der Zwischenzeit ist es draussen einigermassen hell geworden. Ich Café vis à vis sehe ich den Zahnarzt von gegenüber, der jeden Tag morgens dort seinen Kaffee trinkt und die Zeitung liest. Und Zigaretten raucht. Ich kann mir vorstellen, dass ihn seine Frau deshalb nicht zuhause herumsitzen lässt, weil er gerne nach dem Frühstück eine Zigarette raucht. Und am Radio läuft die Sendung "Morgenstund hat Gold im Mund". Frag mich nicht wo, frag mich nicht wie. Es ist eine Redensweise die eher aus der Luft gegriffen ist.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
...

Donnerstag, 6. November 2025

Re: Novembergeist

 



Ämne : Novembersonne..


Lieber ...,

Wenn ein Mann in deinem ehrwürdigen Alter einen Sprung über die Schwelle macht dann ist das wie wenn sich ein jüngerer Mann in den nächsten Baum werfen und wie ein Tarzan durch die Luft schwingen würde. Ich kann durchaus zufrieden sein mit meiner Wirkung. ;-)

Ja, chéri, ich habe mich sehr gefreut, dass ich dir eine kleine Freude machen konnte mit meinem Strauss. Und scheinbar steht mir das Glück bei nicht nur in beruflichen Dingen, denn ich wusste gar nicht an welchem Tag dein Geburtstag ist, nur dass es irgendwann in der ersten Hälfte des November sein müsste. Und du weißt vielleicht schon, dass wir an deinem Geburtstag in ganz Schweden geflaggt haben. Es ist nämlich der Gustav Adolf Tag, den man zur Erinnerung an Gustav II. Adolf  (Vater von Kristina) feiert. Nun ja, es sind die patriotischen Leute, die es tun, indem sie ein Gustav Adolfgebäck essen. So werde ich mich in Zukunft leicht an den Tag erinnern können.

Wie lustig du über die Beobachtungen der älteren Herren erzählst. Auch ich sehe fast immer, wenn ich einkaufen gehe, Leute, die vor zehn Jahren noch jung und rüstig aussahen und die nun alt und grau dahin tappen. Und das macht mich immer ein wenig melancholisch, denn ich kann es nicht lassen zu denken, dass ich wohl auch bald so aussehen werde. Aber eigentlich ist es ja nur, wenn man ihr Äusseres sieht, dass man so reagiert. Denn wenn man mit ihnen spricht, verschwindet meistens dieser Eindruck von Verfall. So z.B. gestern standen ein paar wirklich alte Frauen am Gemüsestand und betrachteten sehnsüchtig die schönen Paprikas, die dort in vielen Farben prunkten. Ich machte die Bemerkung, dass ich über den Preis überrascht sei, da sie meistens um diese Jahreszeit mindestens das doppelte kosten würden. Und eine der Frauen fragte mich, ob man sie auch einfrieren könnte. Und ich habe gesagt, ich bin nicht sicher, ich hätte es zwar mal getan, aber leider nie aufgetaut und so haben wir herzlich gelacht, denn die Situation war auch ihr vertraut. Dabei kam sie mir vor wie ein junges, fröhliches Mädchen. So ist es. Wir tragen einen Körper herum, der immer etwas älter wird, aber er birgt eine Seele, die alle Alter zugleich trägt. Wenn wir glücklich sind, sind wir jung, wenn wir müde sind, fühlen wir uns alt.. Und wenn man einen Mausfreund hat, dessen Worte einen berühren ... vergisst man sein Alter.. So sollte ich dir wohl auch danken.

Heute scheint wieder einmal die Sonne von einem klarblauen Himmel und immer noch trägt die Hängbirke vor dem Fenster hier ihr Laub, das nun wie Gold leuchtet. Es sieht etwas lustig aus, gegen den weissen schneebedeckten Rasen.

Ich habe nur noch eine Unterrichtsstunde, dann werde ich mich ausruhen und kurieren, denn auch ich huste wie ein Dobermann.. sehr guter Vergleich! :-)

Ja, die Wienerschnitzel!! Ich kann sie leider kaum mehr geniessen seit ich mit Kollegen auf einer Studienreise in Estland war. Denn wo immer wir hin kamen, gab es eigentlich nur Schnitzel in den Restaurants. Dabei musste ich ihre Kunst bewundern, wie sie dieses Gericht mit verschiedenen Garnierungen variieren konnten .. Aber darunter fand man eben immer wieder ein Schnitzel, auch wenn die Vorspeise russischer Kaviar und Champagner sein konnte. Ich werde übrigens bald mal die Leute zu einem "Estlandabend" einladen, an dem wir alle unsere Fotos mitbringen werden und was glaubst du, was ich ihnen anbieten werde? Natürlich ein "herrliches Wienerschnitzel", damit sie sich richtig zurückversetzt fühlen.

Nein, bei uns ist es nicht üblich, Kastanien zu essen. Anna hat es neulich in ihrer Italienischstunde gegessen. Sie haben einen Grill mitgebracht und geröstet und es hat spannend geschmeckt..

Ich muss mich nun noch etwas vorbereiten für meine letzte Stunde heute. Du hast wohl auch bald Feierabend und ich wünsche dir ein richtig schönes Wochenende mit vielen Schwellensprüngen.. Ich sehe dich vor mir und bin riesig stolz darauf... fast als wäre es mein Verdienst. :-)

Mit lieben sonnigen Novembergrüssen
Marlena




Mittwoch, 5. November 2025

Novembergeist


Liebe Marlena
Ich habe ihn überlebt!!! Meinen Geburtstag, meine ich. Ich bin froh, dass die Leute nicht allzu viel Aufhebens gemacht haben. Das mag ich nämlich gar nicht besonders. Nun ja, ich habe einige nette Telefonate gehabt. Und abends sind wir - dh unsere Familie - zusammen in der Nähe essen gegangen. Es war klein und bescheiden, wie es sich in meiner Altersklasse gehört.
Deine Glückwünsche haben mich sehr gefreut. Und - um es klar und deutlich zu sagen - sie waren die ersten, die ich am Morgen empfangen hatte. Alle anderen Küsse und Wünsche und Glücksbeteuerungen kamen viel später an. Die roten schwedischen Rosen waren wirklich knallrot, und haben etwas lasziv hin- und hergewackelt. Ich danke Dir, Marlena, und ich bewundere, wie Du daran denken konntest. Ich vergesse leider solche Geburtstage allzu gerne.

Als S mir vor einer Woche sagte, ich solle den Dienstag abend reservieren, wir hätten da etwas vor, da habe ich bei weitem nicht an meinen Geburtstag gedacht.
Und schliesslich habe ich am späteren Morgen im Städtchen noch einen ehemaligen Mitarbeiter angetroffen. Er ist schon über 60 und arbeitet zu 80% oder vielleicht 60%. Auf jeden Fall hat er Zeit, mitten an einem Werktag mit einer grossen Tasche durch die Strassen zu schlendern und seine Kommissionen zu tätigen. Auf seine Einladung sind wir in einem kleinen Café verschwunden (etwas, was ich sonst hier absolut nie tue, weil ich vermeiden muss, dass die Leute reden und behaupten, die Beamten arbeiteten nichts und sässen bloss tageweise in den Restaurants herum), und er hat mir geklagt, wie sehr er unglücklich sei mit seiner heutigen Arbeit und wie gerne er zu uns zurückkommen würde. Nun ja, was soll man dazu sagen? Doch man hat in seinem Gesicht schon von weitem gesehen, dass er nicht glücklich ist. Er schien leidend. Mein erster Gedanke galt seinem Rücken. Ich glaube, bei physischen Schmerzen altert man schnell. Und er hat mir um die 10 Kameraden und Altersgenossen aufgezählt, die an Parkinson, an Prostatakrebs, an schweren Depressionen und leichter Impotenz oder an anderen fürchterlichen Krankheiten leiden. Kurz und gut, ich verliess das Café mit einem übermütigen kleinen Sprung über die Schwelle im himmlischen Gefühl, absolut jung und frisch, spritzig und gesund zu sein. Man fühlt sich selten so gut wie im Altersheim. Und das ist die Moral der trüben Geschichte.
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Und draussen vor dem Fenster hat der November Einzug gehalten. Die Stühle und Tische unten im Cafè sind zusammengestellt. Die Blätter der Bäume bedecken den Boden. Es nieselt und ist kühl. Nicht kalt, aber kühl. Und der Wind bringt eine gewisse Unruhe in die ganze Szenierie. Die Leute eilen vorbei und schauen kaum um. Die schönen, warmen, und wie man sie genannt hat "goldenen" Oktobertage sind endgültig vorbei. Man kann im Städtchen wieder heisse Marroni kaufen. Kennt ihr sowas in Schweden? Es sind diese, auf offener Kohle gegrillten Edelkastanien, die bei diesem Wetter heiss so gut schmecken. Sie sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, während es in meiner Jugend ein Arme-Leute-Geschäft war, sowas zu verkaufen.
*
Ich habe etwas zuviel gegessen gestern. Auf der Karte fand ich viele Dinge, die S zuhause auch kocht. Lammgigot, Lammfilets, Fische in allen Formen. Und so bin ich auf ein absolutes Proletariermenue ausgewichen: Schnipo, sagt man hier. Das meint Wienerschnitzel mit Pommes. Es war kalorienreich, üppig und etwas fettig. Darüber konnte auch der kleine Zitronenschnitz nicht hinwegtäuschen. Aber ich habe es genossen. Und dazu ein Bier getrunken.

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Ich danke Dir für Deine Wünsche. Sie wackeln immer noch knallrot vor meinen Augen. Und ich bin sicher, sie werden mich im kommenden Winter wie ein Antidepressivum begleiten und zu grossen Taten wie die oben erwähnten Schwellensprünge antreiben.
Mit einem Novembergruss
...

Montag, 3. November 2025

Ein "Mausleben" - real life?

 





Mein lieber Mausfreund!

Vielleicht wartest du auf ein langes Mail von mir und weisst nicht, dass ich mich schon seit Stunden mit dir unterhalte in meinen Gedanken. Ich spreche mit dir, erzähle dir alles Mögliche, stelle dir Fragen (die man nur einem Mausfreund stellen kann) und nun endlich sehe ich ein, dass du davon nichts wissen kannst, wenn ich mich nicht wirklich an den PC setze. Diese kleine Geste aus dem realen Leben braucht es doch, um ein Mausleben führen zu können.

(---)

Es ist erstaunlich, welche Macht Wörter haben. So bin ich dir z.B. dankbar, dass du das Wort "Mausfreund/in" erfunden hast. Ein Mausleben kann doch nichts anderes als schön, leicht und unkompliziert und erlaubt sein.. Es ist wie ein Lieblingsbuch auf dem Nachttisch. Man kann hineinschlüpfen und den Alltag für eine Weile vergessen. Man kann ein Kapitel darin lesen und nachher gestärkt in das "real-life" zurückkehren. Ist es so für dich?

Aber sag mir. Was ist mein wahres Leben? Wenn ich z.B. wäsche bügle und dabei in Gedanken mit dir die Champs-Elysées runtergehe, wer könnte dann behaupten mein Leben sei langweilig? Welche von den beiden Aktivitäten gilt?
---
Liebe sonnige Grüsse
Marlena

...

(R)

Sonntag, 2. November 2025

November singt in mir sein graues Lied.

 



Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.

Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.

Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschimmer,
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.

»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.

Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kaléko




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Samstag, 1. November 2025

Erinnern

 

  



Vielleicht


Erinnern 
Das ist
 
vielleicht
 
die qualvollste Art

des Vergessens
und vielleicht 
die freundlichste Art

der Linderung
dieser Qual

[Erich Fried]