Donnerstag, 31. Dezember 2009

Silvester

Heute ist Silvester.
...
Ich habe mir für das neue Jahr versucht, einige gute Vorsätze zu
machen. Das ist neu. Ich habe das in meinem ganzen Leben nicht
wirklich getan. Mein Leben stand eher unter dem Motto: was kommt,
das kommt. Das ist eine Art von Schicksalsergebenheit, mit der ich gar
nicht schlecht gefahren bin. Aber ich glaube, das ist eine altmodische
Art, das Leben zu nehmen. Ich denke, wer modern ist, der fühlt sich
stärker als Regisseur seines eigenen Lebens. Man soll sich das Leben
erdichten, sagen die Spezialisten. Und das werde ich tun! Ich muss
bloss versuchen, mich dazu zu motivieren.

31. Dezember 2005

Dienstag, 29. Dezember 2009

Unheimliche Geliebte

...
Dass der Sündenfall Evas und Adams eine Falschmeldung sei, das habe ich schon immer vermutet. Aber ist es nicht so, dass uns Falschmeldungen im Leben meist mehr beschäftigen als alles andere? Warum denn sollte uns der liebe Gott in einen solchen Hinterhalt laufen lassen? Ist er heimtückisch und böswillig? Oder gar neidisch? Dieser liebe Gott hat es von Anfang an darauf angeleg, davon bin ich überzeugt. Und dann hat er die Verantwortung auf uns arme Menschen abgewälzt. Aber das ist nicht sosehr das Thema der Geschichte!
*
Du fragst nach meinen unheimlichen Geliebten. Nun ja, ich habe eine, aber ich weiss nicht, ob ich sie dir verraten soll und kann. Vielleicht wirst du neidisch, wie du angesichts unserer hübschen, blauäugigen und blonden Psychologin neidisch werden wolltest. Es ist doch – haben wir das Thema nicht schon behandelt? – es ist lebensgefährlich, mit Geliebten über andere Geliebte zu diskutieren. Das endet im Streit, soviel kann man sich vorstellen, wenn nicht gar im Totschlag. Doch vielleicht kann ich dir meine unheimliche Geliebte verraten, denn du bist ja sehr diskret, Marlena. Wahrscheinlich wird sie es mir verzeihen, wenn ich mit dir über sie spreche, obwohl das sonst und im allgemeinen als respektlos gilt. Vielleicht verzeiht sie mir, weil du ja nicht gerade in der nächsten Strasse wohnst. Ich habe dir überigens schon einmal von ihr erzählt. Vielleicht hast du es wieder vergessen, vielleicht möchtest du nicht gerne hören, wie schwach ich bei ihr werden kann, wie hingerissen ich bin in ihrer Anwesenheit, wie ich mich verliere, wenn ich an sie denke, oder gar, wenn sie physisch anwesend ist. Ich bin wirklich sehr leidenschaftlich ihr gegenüber. Und ich kann es kaum ändern. Ich vergesse mich regelmässig, Immer wieder werde ich von neuem schwach. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin ...". Irgendwie bin ich ihr total ausgeliefert. Und das, ohne dass sie viel tun muss. Ihr Geruch, ihr feines Parfum, ihre zarte Erscheinung, das genügt und ich bin weg, vergesse alle meine Prinzipien und guten Vorsätze. Das kannst du dir nicht vorstellen, Marlena. Ich kann mich nicht zurückhalten. Ich bin an sie gekettet wie ein Sklave, um es einmal so zu sagen. Ich leide, wenn sie nicht da ist. Ich bin unglücklich, wenn sie fehlt. Ich vegetiere dahin ohne sie.

Ich sag es dir, Marlena, es ist Arni, meine kleine unheimliche Geliebte. Sie ist wunderhübsch, gepflegte Erscheinung, charmant, jederzeit bester Laune, und erotisch wie nur eine Geliebte erotisch sein kann. Arni, das ist ihr Name. Ich denke an sie beim Einschlafen am Abend. Und morgens ist sie die erste in meinen Vorstellungen vom kommenden Tag. Sie geht mir kaum aus dem Sinn, meine kleine Arni. Arni kommt aus einer grossen Familie. Sie hat mehrere Geschwister. Aber unter ihnen ist sie die besonderste und einzigartigste. Meine Frau ist teuflisch eifersüchtig, wenn sie merkt, dass ich an Arni denke. Sie verspricht mir alles, um meine Sinne von ihr abzubringen. Aber sie schafft es nicht oft, höchstens gelegentlich, und wenn, dann nur mit sehr viel Anstrengung.


Arni

Aber immer, wenn ich meine schöne Zeit mit Arni gehabt habe, nach dem Climax sozusagen, immer dann muss ich mir die Zähne putzen. Denn – sicherlich hast du es längst erraten – Arni pflegt meine Karies und ist meine Lieblingsschokolade, Milch, ohne Nüsse oder irgend etwas. Arni pur sozusagen.

Montag, 28. Dezember 2009

Kalte Hotels

Liebe Malou
Bestimmt habt Ihr im Moment noch gemütlichen Familienbetrieb? Ein bisschen zuviel essen, zuviel schlafen, zuviel Zeit zum Nichtstun. Ach, das muss herrlich sein! Ich stelle mir vor, dass es bei Euch oben um einiges kälter sei. Das macht, dass man gerne zuhause bleibt und sich in der Stube ein Buch vornimmt, oder eine Fernsehsendung, wie Du es tust. In jener Sendung, die ich gesehen hatte, hat Königin Silvia sogar ein Hotel droben im Norden vorgestellt, das gänzlich aus Eis besteht. Sie hat zu diesem Anlass die traditionelle Kleidung der Lappen getragen. Wie Du sagst ist sie eine gute Botschafterin Eures Landes. Ich muss aber offen gestehen, dass ich in diesem Hotel nicht allzu gerne übernachtet hätte. Ein oder zwei Stunden in der Bar bei einigen heissen Drinks, ok, da hätte ich zustimmen können. Aber nicht in ein solch eisiges Bett steigen … das nun doch lieber nicht. Vielleicht ist das Hotel ausschliesslich für Liebespaare und frisch Verheiratete gedacht? Die können sich an so was erfreuen, nicht wahr? Ich erinnere mich an unseren Honeymoon. Habe ich mal davon erzählt? Wir waren in eben jenes Hotel in Isfahan gefahren, das wir 2002 mit unseren Freunden aus der Schweiz wieder besucht haben. Es ist das teuerste Hotel am Ort und heisst Abbasi Hotel. Eigentlich ist es eine umgebaute Karawanserei und erinnert an das Stockalper-Schloss in Brig, das im Grunde genommen auch mal eine Karawanserei war. Doch S. fand, das müsse sein. Und wenn man für den Iran in Sachen Hotels „teuer“ sagt, so sind die Preise ungefähr wie bei uns. Wir waren im linken Flügel im 1. Stock, praktisch gegenüber der theologischen Schule der Schahmutter, wie sie heisst. Die Air Condition war in jenen Tagen so hoch eingestellt, dass es im Zimmer ziemlich kühl war. Anfangs hatte ich das kaum bemerkt, weil es tagsüber angenehm war. Aber in der Nacht wurde es allmählich doch kühl. Ich bin wieder aufgestanden, an verschiedensten Knöpfen und Schaltern zu hantieren, um die Maschinerie abzustellen. S. rief die Reception an, die mitteilte, man könne da gar nix machen. Typisch persisch. So haben wir wenigstens noch einige zusätzliche Decken bestellt und sind - winterlich gerüstet - in diese warme Augustnacht hinein gegangen. Sie war wirklich unvergesslich.
Solche und ähnliche Gedanken kommen auf, wenn ich am Vortrag arbeite. Er ist vollgepflastert mit süssen Madeleines. Und ich habe bloss eine wackelige Sicherheitskopie!!

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag.
Mit G&K

30. Dezember 2003

Speichern

Gestern habe ich mit Annas Hilfe meine (eigentlich meist deine) Mails aus dem Hotmail herausgeholt und auf eine CD gelegt. Das war ein ziemlich grosses Unternehmen und ohne Annas IT-können hätte ich Wochen dafür gebraucht, denn ich hätte jedes einzeln kopieren müssen. Besonders zeitraubend waren die Mails mit demselben Titel, wie z.B. domo, mina u.s.w. Bei diesen musste ich zuerst bei jedem einzelnen den Titel ändern bevor ich sie speichern konnte. Und leider musste ich auch wieder feststellen, dass ein Computer allein nicht reicht um Ordnung zu schaffen in meinen Papieren. Öfters habe ich Adressen gewechselt oder auch Mails mit grossen Anlagen in einen separaten Mailkasten gelegt.
Jedenfalls habe ich nun bald alles gespeichert auf der CD. Es liegt zwar noch etwas ”huller om buller” (durcheinander) aber das kann ich mal, wenn ich Zeit habe in Ordnung bringen.

Es war, wie du vestehst nicht nur ”Arbeit”. Wieder habe ich festgestellt welchen Schatz ich hier hüte. Schon die Titel allein waren eine nostalgische Reise durch die vergangenen vier Jahre. Und ein paar Mails musste ich sofort nochmals durchlesen, wie z.B. das vom 11. September, als du deine Reise in den Iran einstellen musstest.
...
Ich grüsse dich lieb und sehnsuche schon ein mail von dir.
Alles Gute,
Malou

29. Dezember 2003

Sonntag, 27. Dezember 2009

Schnee



Annas erster Versuch mit ihrer neuen Digitalkamera..
LGuK,
M

Tsunami

date 29 December 2004 13:02

Diese Tage sind gefüllt von Nachrichten von der Katastrophe in Asien.
Thailand ist eines der grossen Reiseziele der Schweden um diese
Jahreszeit und immer noch vermisst man über tausend Leute. Es ist
ganz einfach schrecklich.


Liebe Malou
...
Ja, die Katastrophe in Südostasien ist unbeschreiblich. Anfangs wurde
von 'gegen 10'000 Toten' gesprochen. Heute sieht man mehr. Was mir
besonders aufgefallen ist, war die Meldung, dass es in Indien
Aufstände unter den Einheimischen gibt, die sich bei den
Hilfeleistungen gegenüber den Touristen benachteiligt fühlen. Man
sieht daran deutlich, dass ein Menschenleben nicht überall auf der
Welt gleichviel wiegt. Nun, das haben wir schon vorher gewusst. Und
wer beispielsweise im Iran lebt, ist sich dieser Tatsache ganz und gar
bewusst. Er lebt sozusagen auf dem Fundament dieser Tatsache.
Hingegen ist es für uns Schweizer schon ziemlich schockierend. Und
für Euch Schweden bestimmt ebenso.

Und man merkt weiter, dass in unserer Welt das Ausland plötzlich
Inland geworden ist. Jedermann fragt sich nun, weshalb in Südostasien
kein Warnsystem besteht, wie es eines offenbar auf Haiti gibt, wo doch
soviele unserer Leute aus Europa und Amerika in diesen Regionen in
den Ferien weilen.

Vielleicht bringt der Schmerz dieser Katastrophe neue Einsichten?

Samstag, 26. Dezember 2009

Türme

Der Turm, an dem wir bauen, wie du mit Rilke sagst, ist nun auch wieder ein Symbol für dieses Versagen. Der Turm ist ein Symbol für die Vergänglichkeit und die Tatsache, dass unsere Absichten nicht verwirklicht werden können. In der Malerei gibt es im Mittelalter den Turm. Dort ist er aber noch klein und bescheiden, eben mittelalterlich. Und dann in der Renaissance kommen die monströsen und grossen Türme, wie ihn Bruegel (ich glaube, es war Pieter, nicht Jan) gemalt hat, diesen fantastischen Turm, dem man einfach ansieht, dass er nie fertig werden kann. Ein Jahrhundertwerk, eine riesige Absicht einer Generation, und die nächste wird noch weiterbauen und die übernächste vielleicht auch noch, aber nicht mehr allzu zielbewusst, und schliesslich wird die Idee sich verlieren, sie wird aufgegeben und nur noch ein paar komische Spinner werden versuchen, weiter zu bauen, bis schliesslich keiner mehr hinaufsteigt und die ganze Pracht zu verfallen beginnt. Das ist das Schicksal der Türme! Sie werden nie ihre Vollendung erreichen. Sie werden immer Ruinen sein, die Türme!

Und bei Rilke. Ist bei ihm der Turm nicht Symbol für das Göttliche? Da muss ich dich fragen, die Germanistin. Er hat selbst in einem Turm gewohnt. Das Haus in Muzot ist ein alter Wohnturm, sieht ganz einfach und kompakt aus, mit einer kleinen Terrasse auf der Ostseite. Es gibt ein Foto, die Rilke auf diesem angeklebten Balkon zeigt, herausgeputzt und elegant gekleidet, wie er das immer war.

Turm zu Babylon


Ach, Marlena, du machst mir Komplimente, dass ich in den Himmel
wachse wie der Turm zu Babylon und mit der Nase an den Wolken
anstosse. Kennst du das Bild von Bruegel mit dem schönen Turm?
Ungefähr so, die Spitze über den Wolken, aber nicht ganz fertig gebaut,
eigentlich eine Baustelle noch, wenn nicht Ruine gar. Es ist nicht ganz
klar letztlich. Aber du weißt ja auch, was aus dem Turm geworden ist.

Deine schönen Worte sind platonische Zärtlichkeiten, wenn du weißt,
was ich meine. Darum sage ich doch wieder und wieder: von den
Betörungen sind die platonischen die schönsten! So wachse ich denn in
den Himmel, und die Luft wird dünner und dünner hier oben. Schön,
dass du mich begleitest. Hoffentlich kommen wir heil wieder herunter.
Aber ich glaube, wir schaffen das schon.
...

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Montag, 21. Dezember 2009

Samstag, 19. Dezember 2009

Americanized country

Lieber Mausfreund,
Heute Morgen habe ich mich mit der Englischen Sprache
herumgeplagt. Die Grammatik beherrsche ich so eingermassen
aber diese Sprache ist ja viel mehr als so. Es war mein Lieblingsfach
im Gymnasium und eigentlich hätte ich es dann an der Uni studieren
wollen.. aber Frankreich kam dazwischen. :-)
Ich schicke dir eine Kopie von meinen Bemühungen, damit dir nichts
von meinem "inhaltreichen" Alltag entgeht. ;-))
.....
Sweden really is a very Americanized country. (The most
Americanized country in the world. On the second place
comes the USA ;-)
...
Bis später
MlGuK
Malou
*
Halo liebe Malou
ich staune, welch lange, detaillierte und hübsche Briefe du nach
Rom schickst. Diejenigen, die in B.. anflattern, sind bloss halb
so lang. Nicht einmal!
Ja, dein Englisch ist sorgfältig und schön Malou. Und deine
kleinen sprachlichen Bilder, die du brauchst, gefallen mir.
Ich weiss, was du meinst, wenn du sagst, du möchtest mir
manchmal gewisse Dinge in Schwedisch beschreiben. Vielleicht
wäre es für dich einfacher auch bei mir, in Englisch zu brauchen?
Aber du hast jetzt dein Deutsch in den letzten 7 Jahren so sehr
poliert und gepflegt, dass das auch so sehr ok ist.
Ja, die 'amerikanisierten' Schweden. Und USA auf Platz zwei.
Das ist eine gute Pointe, und ich musste laut lachen am Morgen
früh schon. Ich erinnere mich dabei an ein Cartoon von Sempé.
Da sieht man einen typischen Pariser: rundlich, mit einer kleinen
französischen Dogge, hässlich, wie man sie wirklich nur in Paris
sieht, eine typische französische Zeitung unter dem Arm, vor
einem typischen französischen Lokal, wo er gleich seinen Apéritiv
trinken geht, mit der typisch französischen Atmosphäre in den
Strassen rundum. Plaudernd klagt er seinem Kollegen, der
dabeisteht: "wir veramerikanisieren uns zusehends!"
Und für unsere Augen ist es absolut typisch Paris, oder sagen
wir französisch. ...

December 2007

Freitag, 18. Dezember 2009

Tagebuch-Schreiben

Du siehst, meine liebe Marlena, ich schreibe einfach so vor mich hin. Es ist wie ein Tagebuch, der „freie Bewusstseinsstrom" wie in einem modernen Roman. Alles mögliche geht mir durch den Kopf und ich kann ziemlich schnell schreiben. Allerdings passieren mir auch etliche Fehler, die Du mir hoffentlich entschuldigst. Die meisten kommen aus reiner Unachtsamkeit und infolge des Tempos zusammen.

Du weißt, dass Tagebuch-Schreiben eine gute Therapie ist? Man hat festgestellt, dass Leute, die regelmässig Tagebuch schreiben, seelisch gesünder sind. Und so was kann ich mir gut vorstellen. Es ist wie für die Katholiken eine gute Beichte. Man schreibt sich frei von Sorgen, man überlegt sich diese oder jene Absicht, man versucht, etwas für eine andere Person darzustellen und gewinnt Klarheit und Distanz. Das ist es doch, was man braucht im Leben. Manchmal ist es fast einfacher zu schreiben als
zu reden.

Rubens?



Donnerstag, 17. Dezember 2009

Meine Familie

Liebe Marlena
Gerne möchte ich dir meine Familie vorstellen. Wir sitzen hier
im Foto auf unserem Chesterfield, einem schönen englischen
Ledersofa, auf das wir stolz sind, weil wir es während der
Studentenzeit mit unserem wenigen Geld gekauft hatten. Es ist
klassisch, gut zum Sitzen, noch besser zum Schlafen vor dem
Fernsehen (behauptet NN), man kann darauf Liebe machen
oder streiten, es ist wirklich wunderbar und klassisch-englisch
und wird mit seinem Leder jedes Jahr schöner. Es haben schon
kleine Kinder drauf gepinkelt und ältere Herren ihren Bordeaux
verschüttet. Es gibt nichts, was unser Chesterflied nicht schon
gesehen hätte. Und es wird wirklich mit dem Alter schöner und
schöner, so wie es die Heiterkeit mit uns Menschen macht.
Und im Hintergrund hängt eben dieses berühmte Bild von diesem
berühmten Rubens kopiert von diesem berühmten Kopisten (wie
hiess er doch nur?) mit dem pazifistischen Titel (wie hiess der
schon wieder?). Durch die Reflexion des Blitzes sieht man nicht
so viel von der berühmten Minerva, welche den Kriegsgott Ares
vertreibt. Aber, soviel kann ich sagen, es ist ein grandios
konstruiertes Bild. Ich habe es von einem Foto vielleicht 10x15chm
kopiert. Es müssen also unendlich viele Fehler und Veränderungen
drin sein. Es ist eigentlich - streng genommen - kein Rubens mehr,
sondern von diesem Kopisten eben. Ich habe etwa eine Woche daran
gearbeitet, in den Ferien, also fast von morgens bis abends. Dazu
sage ich den Gästen in unserem Haus gewöhnlich und zum Spass,
wenn sie Lust hätten, dann könnten sie es ohne weiteres klauen.
Wir haben es hoch versichert und würden viel verdienen dabei erstens,
und der Kopist würde endlich berühmt zweitens. Kurz und gut, ein
spektakulärer Bilderraub wäre das beste, was uns passieren könnte.
Aber bisher wollte leider keiner. Sind alles Angsthasen hier in der
Schweiz, wollen keine Rubens klauen. Tant pis.

awdw

Liebe Malou
„…awiw“ sollst Du haben.

Ja, die Gréco ist ein Grossmütterchen geworden. Aber in dieser Sendung auf einem französischen Sender hat sie auch gesungen. Und ihre Stimme ist immer noch sehr fest und rhythmisch aufregend und jung. Die Juliette hat in ihren Erzählungen viel Luft genommen. Sie hat erzählt, dass sie sozusagen wie ein Mann gelebt habe. Das heisst, sie konnte bei den Männern mit den Fingern schnippen, und sie sind ihr gefolgt (bis ins Bett, so muss man wohl annehmen). Sie hat sehr positiv geredet über ihr Alter und geschildert, wie sie ihren Ruhm immer noch geniesst.

Was Du über die Erlebnistiefe des Alters sagst, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber ich ertappe mich bei solchen Gelegenheiten oft, wie ich mich frage, dass ich in meiner Jugend gewisse Dinge viel grösser und viel schöner erleben konnte. Ich glaube, damals gab es einen weiten Horizont der Erwartungen. Alle diese Ereignisse hatten eine Bedeutungsdimension in die Zukunft. Und die war gross und weit und wichtig. Heute denke ich oft: und das war alles? Die Menschen sind doch - alles in allem - sehr menschlich! Na ja, sie sind alle sehr mittelmässig, mich selbst eingeschlossen! Du siehst, ich habe das Gefühl, am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein. Na ja, nicht ganz, aber immerhin. Wenn man das Leben als einen Tag nimmt, ist es ungefähr 18.00h heute. Was Wunder, wenn man sich vornimmt, an diesem milden Abend bis 22.00h noch ein bisschen auf die Pauke zu schlagen?
....
So, ich schicke dieses Ding ab. Sonst hängt es hier bloss herum.
MlGukuawdw
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den 4 juli 2004

Ach, du mein lieber Mausfreund, du versprichst mir awiw - aber über dieses awiw hast du keine Macht. Wenn der liebe Gott will, oder alle anderen guten Mächte.. und auch dann glaube ich nicht an ein "awiw". Es ist zwar mein innerster Wunsch. Oder lass mich sagen der innerste Wunsch meiner Gefühle. Aber mein Verstand sagt mir, dass "awiw" nur ein "vl-awiw" sein kann. Und in diesem VL bin ich eigentlich ganz zufrieden mit dem Dasein. Könnte es eigentlich besser sein?
...

Jammerschade..

Lieber ...,
Ja, es ist wirklich jammerschade das mit dem verlorenen Sonntags-mail. Und noch dazu ein so einmaliges.. von dir selbst bezeichnet als dein "wunderschönes, allerblumigstes und wohlformuliertes und mit Poesie über und über besprühtes Sonntags-Mail!!"
Wie kannst du mich nur so foltern? Wo du doch weisst wie sehr ich sogar um verlorene "Alltagsmails" von dir traure.

Aber vielleicht hat es mit einem meiner Gedankenmails irgendwo auf der Ostsee Schiffbruch erlitten.. oder auch schweben sie zusammen glücklich vereint über den Wolken .. ja das gefällt mir besser..
Ich schreibe in der Tat meine schönsten Mails an dich wenn ich mitten in der Nacht aufwache und nicht sofort wieder einschlafen kann. Leider aber nur in Gedanken.
...
Datum: den 14 mars 2002 23:43

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Ein Turm

"Wir bauen an dir mit zitternden Händen
und wir türmen Atom auf Atom.
Aber wer kann dich vollenden,
du Dom."

Ja, wir bauen ihn wieder, den Turm. Es ist schön etwas zu bauen. All die schönen Gefühle und Gedanken die man dabei hegt ..die Träume von der Vollendung ... was macht es wenn der Turm nie fertig wird. Der Weg ist die Reise wert. Und warum sollten wir nicht wieder heil herunterkommen? Glaubst du nicht auch dass wir immer wieder eine neue Sprache finden werden in der wir uns verständigen können ;-) Aber du, mit ein paar Jahren Architektstudien hinter dir, wirst mir schon ein wenig dabei helfen müssen damit ich nicht unnötig das Gebäude in Gefahr bringe.

...

Dienstag, 15. Dezember 2009

Nur so

Annas Artikel ist nun in der Zeitung erschienen und die Leute sind erstaunt und fragen sich wie sie zu dieser Ehre gekommen ist. Dass sie schon eigene Pc-programme macht imponiert sehr aber sie lacht nur darüber denn sie weiss dass es nicht so avanciert ist Sie hat auch diese Netzzeitung genannt wo sie Artikel schreibt. Es sind drei Mädchen die eine Alternative zu allen den Mädchenzeitungen schaffen wollten, die nur von Mode, Schönheit und Sex schreiben. Sie hat u.a. einen Artikel über unsere Reise nach Sorrento geschrieben, sehr lustig und spirituell. Er heisst "Die Eidechsen von Sorrento" und mit diesen Eidechsen sind alle die alten Frauen gemeint, die den grössten Teil der Touristen dort ausmachten. ;-)
*
Liebe Marlena,
Allzu gerne würde ich Annas Artikel "Die Eidechsen von Sorrento" lesen. Schon aus dem Titelwahl sieht man, dass sie schreiben kann. Und sie ist ja auch sehr nachsichtig. Stell Dir vor, sie hätte "Die Echsen von Sorrento" gewählt! Das klingt ein wenig nach Saurier. Und dieses Wort nehme ich auch, wenn ich eine Person als sehr alt, oder doch mindestens altmodisch bezeichnen will. Nun ja, ich zähle mich ja praktisch auch schon zu den Sauriern dieser Welt.

Montag, 14. Dezember 2009

Anacapri

Lieber ...
Ich merke dass du noch immer die Sonne des Sommers in dir trägst, und auch bei mir ist es so. Und vielleicht ist es auch dieses einmalige Buch von dem ich mich nicht trennen kann und das ich nun schon zum dritten Mal geliehen habe. Das Buch über Axel Munthe und Capri/Anacapri. Es enthält ausser dem wunderschönen Text auch viele alte Fotos und Bilder die verschiedene Künstler von dieser schönen Insel gemalt haben. Auch viel Antike Skulpturen sind abgebildet. Du weisst Kaiser Tiberius hat doch das Römerreich von dort aus regiert.
Ich werde dir hier eine kleine Kostprobe aus dem Buch geben. Musst mir verzeihen wenn ich es nicht immer so gut übersetzen kann. Es ist etwas poetisch geschrieben und da geht leicht etwas verloren wenn man es wörtlich übersetzt:
26. August 2000

Telelove

Liebe Marlena,
...
Wer in aller Welt hätte gedacht, dass wir uns heutzutage mit verschiedenen Leben auseinandersetzen müssen, mit real-life und mit virtual-life, mit dem ewigen Leben und dem Höllenleben und der kleinen Kur im Fegfeuer. Es ist doch alles sehr kompliziert geworden. Die Villa des Lebens scheint immer grösser zu werden, immer mehr neue Zimmer und Korridore werden angebaut, so dass man sich kaum mehr zurecht findet.

2. Juni 2000

Proust und Rilke

Liebe Marlena
Gut gesagt, das "Elend auf s Brot streichen". Ist wahr, es gibt Leute,
die das richtig geniessen. Proust scheint mir so ein Typ gewesen zu
sein. Ich habe immer gedacht, er wäre bloss ein bisschen esoterisch
und vergeistigt, doch er war in der Tat richtig lebensuntüchtig und
pervers. Doch auch in der Perversion kann man einige gute
Erkenntnisse machen. Er ist vielleicht Rilke etwas verwandt, ist ja
doch auch eine ähnliche Zeit. Und beide zeichnen sich darin aus, dass
sie eine klare Trennlinie zwischen Bewunderern und Verachtern haben
ziehen können. Es gibt doch wirklich wilde Proustianer, und dann
andere wieder, die damit nichts anfangen können, ja vielleicht davon
ziemlich abestossen werden. Ich hatte mal die Absicht, die Bände der
Suche nach der verlorenen Zeit zu kaufen und zu lesen. Ich bin froh,
dass ich es nicht getan habe. Sie waren auch sündhaft teuer. Und ich
hätte die Lektüre wohl nicht überlebt. Es ist einfach zu dick und zu
endlos.
De Botton ist ein bischen ein Blender. Ich meine, den Anfang seines
Buches hat er sehr gekonnt und attraktiv gemacht. Jetzt, in der Mitte,
ist er noch guter Durchschnitt. Er stellt Proust dar anhand von
Zitaten und mit seinen Interpretationen. Ich nehme an, der Schluss
wird dann wieder besser. Wenn er nämlich ein echter Blender ist, dann
weiss er, dass der Anfang und der Schluss gut sein müssen, und in der
Mitte kann man sich alles übrige leisten. Wir werden sehen, wie er das
macht. Warte noch zu, bis du ihn kaufst. Aber wenn ja, dann wirst du
ihn wohl in Englisch nehmen, denn das ist seine Originalsprache. Das
Deutsche ist eine Übersetzung.

Geschichten erzählen

Wir haben heute im Club unseren NN aus Rom gehört. Er war früher
mal Radiokorrespondent in Rom. Und er will, wie er zugibt, seine
Pension aufbessern, indem er jetzt jährlich einmal in die Schweiz
kommt, und in den Kiwanis, Lyons und Rotary-Clubs Vorträge hält.
Er war schon zum dritten mal bei uns, und ich muss sagen, er wird
langsam alt. Aber die Geschichten, jährlich etwa dieselben, aber
anders, werden immer wahrer! ;-) Ich finde ihn gut, zwar nicht mehr
so wie zum ersten mal, aber gut. Er weiss, wie man eine Geschichte
erzählen soll. Und das ist ja heute leider selten geworden. Aber die
Geschichten sind gleich, und doch ein bisschen anders. Und man
findet sich in der Rolle des kleinen Kindes wieder, welches reklamiert,
wenn die Geschichte sich von mal zu mal nicht dieselbe bleibt. Ich
glaube, er kommt vor allem wegen der warmen Mahlzeit. Und natürlich
kriegt er seinen kleinen Vortrag bezahlt. Wenn ich mir überlege, wie
teuer in Rom ein Kaffee ist, so kann ich verstehen, dass er knapp
bei Kasse ist.

Sonntag, 13. Dezember 2009



Regel für ein Mausleben

...
Und für unsere Maus-Freundschaft habe ich schon 3 §§§ zu offerieren:


§1 ...dass unser Kontakt uns beide von innen erleuchtet, so dass wir für unsere Lieben der Familie und unsere Leute der Umgebung eine geheinmisvolle Serenität ausstrahlen können.
§2 Es darf nie etwas Negatives für unsere Nahstehenden bedeuten.
§3 En cas de guerre
sonnez deux fois.


Ist doch fantastisch, ein echter bilateraler Vertrag! Wir können mit einem Glas Champagner darauf anstossen!
§3 kommt überigens aus einer Anekdote, die man sich vom provinziellen Bern, der Bundeshauptstadt der Schweiz vor dem ersten oder aber auch dem zweiten Krieg erzählt. Offenbar hatte man im Aussenministerium im kleinen Bern nur eine Hausglocke. Und weil die Zeiten schwierig und die internationalen Spannungen gross waren, so hatte man unter die Drucktaste der Glocke eben diese Anweisung hingeschrieben: En cas de guerre sonnez deux fois. Damit wussten sie im Aussenministerium, dass sie etwas rascher erwachen sollten. So ungefähr die Andekdote. Und so schlage ich als §3 vor: wenn zwischen uns ein Missverständnis, ein Problem, ein Streit entsteht, dann müssen wir uns das gegenseitig signalisieren. Dann müssen wir vielleicht für einen Moment und etwas deutlicher auf die Metaebene. Und zum Schluss dann die Friedenspfeife, wie du vorschlägst, können wir geradezu als §4 nehmen. Bist du damit einverstanden? Verstehtst du, was ich damit meine? Das ist alles Prophylaxe, wie man so schön sagt.

Mehr spassig als feierlich


Lieber Mausfreund,
Heute ist Lucia. Ich bin früh aufgestanden und habe mir im Fernsehen
die Luciafeier angesehen. Es ist immer sehr feierlich.
Dann habe ich mir einen guten Kaffee gemacht und schliesslich
nachgeschaut (im Netz) ob Anna schon aufgestanden war.

Ja doch, sie wurde schon um 5 Uhr morgens geweckt von ein paar
Freunden mit Luciagesang und Saffransgebäck, Lussekatter,
(Luciakatzen) wie wir sie nennen. Und nun ist schon der dritte
Advent. Fast nicht zu glauben. Draussen sieht es aus wie im Frühling.
...
13. Dezember 2005

Samstag, 12. Dezember 2009

Lucia 13. Dezember


"Semblable à une apparition céleste, Sainte Lucie vient illuminer les
ténèbres des nuits de décembre. À travers tout le pays, aux premières
heures du jour, les écoles, les hôpitaux, les maisons de retraite et
les lieux de travail reçoivent, dans une atmosphère baignée de magie,
la visite d'une Sainte Lucie et de son cortège. Vêtues de longue robe
blanche, précédées de la Sainte coiffée d'une couronne de bougies, les
jeunes filles s'avancent solennellement, chacune portant une bougie à
la main et chantant des refrains traditionnels. "

Lussekatter



Liebster Mausfreund,

Nun ist auch mein Haus für Advent geschmückt. Die Weihnachtsgardinen sind aufgehängt und in den Fenstern stehen Leuchter (mit sieben Kerzen) Auch habe ich ein paar Adventssterne aufgehängt. Zwei sind aus Holz und verbreiten einen warmen gelblichen Schein, aber mein Lieblingsstern hängt oben im "allrum". Er ist aus Papier und leuchtet am allerschönsten von allen. Genau solche gab es schon in meiner Kindheit und ich kann mich nicht davon trennen.
...........
Und morgen feiern wir Lucia. Ich bin gerade am Backen. Lussekatter ist ein Muss am Luciatag.

Liebe Grüsse und
KKK
Malou

7 Buchstaben

...
Vor drei Monaten war MARLENA für mich ein blosser Name,
7 Buchstaben, weiter nichts. Eigentlich habe ich nichts gesucht,
nur ein bisschen Zerstreuung und vielleicht etwas Anderes, etwas
Entferntes, weit weg vom schweizerischen Granit des grauen
Alltages.
Und heute ist diese Marlena mein Fyrklöver, was ich - ich darf
niemandem erzählen WO - gefunden habe. Und gestern abend
ist mir ein bisschen klarer geworden, wie du für mich in so
kurzer Zeit so wichtig werden konntest.
...
2. April 2000

Nobelfest und Elfriede Jelinek

Dezember 2004
Lieber ...
Ich bin sicher, dass du die Tafel nicht hungrig verlassen hättest.
Die Bilder waren von der Vorspeise und dem Dessert. Dazwischen
gab es noch ein reichliches Hauptgericht. Das Nobelfest ist keine
langweilige
Geschichte. Die Leute haben wirklich Spass und
amüsieren sich
köstlich. Ich schicke dir ein Bild davon. Und du
hättest dich nicht gelangweilt... auch nicht in der Gesellschaft von
Elfriede. Sie ist "ganz anders" als man sie sich vorstellt, wenn man
über sie liest. Ich glaube es wäre sehr leicht sich mit ihr zu unterhalten.
Aber natürlich ist sie eigen. Sie führt ein komisches zurückgezogenes
Leben und sieht die Welt durch die Medien. Zeitungen, Fernsehen
u.s.w. Und natürlich hat sie ihre eigenen persönlichen Erfahrungen
aus ihrem Leben mit einer Mutter, die sie nicht losliess.
.....
Hast du übrigens die Nobelrede von der Jelinek gehört? Sie bezeichnet
darin ihre Sprache als "einen Hund, der ihr davonläuft und sich von
anderen Leuten "kraulen" lässt".

Nun wünsche ich dir einen schönen Tag
mit lieben Grüssen,
Malou
Bildtext: Chemiepreisträger Aaron C. weinte vor Lachen

Freitag, 11. Dezember 2009

Fliegen

...

Und vielleicht noch mehr als Wolfowitz ärgert mich hier in meinem
Büro die Fliege, die herumfliegt, ohne mich vorher gefragt zu haben.
Ich hasse das. Vielleicht deuten Fliegen den kommenden Frühling an.
Tut nichts, ich hasse sie. Vielleicht gehören sie zur Natur und zu ihrer
erstaunlichen Überlebenskunst. Tut nichts, ich hasse sie. Früher war
ich niemal so empfindlich. Visp war bekannt für die Fliegen.
Eigentlich war unter Wallisern Fliege der Nickname für einen Visper.
Und es gab einen kleinen Witz, den wir als Kinder gerne und lachend
erzählt hatten. Es gab damals in Visp an der Bahnhofstrasse die
Bäckerei Abegg. Jedermann holte dort sein Brot. Und natürlich
kauften wir Kinder beim Abegg unsere Süssigkeiten. Abegg hatte
diese wunderbaren, riesigen Moorenköpfe, wie wir sie nannten,
supersüss und superklebrig. Sie kosteten damals eine Kleinigkeit
von 20 Rappen, was natürlich für unser Budget keine Bagatelle
war. Aber sie schmeckten wirklich wunderbar, diese schneeweisse
Eiweiss-Zucker-Masse, und rundum der knackige Schokoladenmantel.
Ich habe den Gechmack noch heute auf der Zunge. Aus diesen
Gründen war Abegg für uns Kinder ein bemerkenswerter Ort.

Doch der kleine Witz: Da soll eines Tages ein bessere Frau in die
Bäckerei Abegg gekommen sein, eine Doktorsfrau von einem dieser
Chemikern der Lonza. Sie schaute sich kritisch um und fragte dann
die rundliche Frau Abegg, wieviel denn dieser Heidelbeerkuchen
koste. Frau Abegg wedelte und bliess die vielen Fliegen vom Kuchen
weg und stellte fest, dass dies ein ganz normaler und kostengünstiger
Apfelkuchen sei.

Horoskop

Lieber ...

Schau mal was man über die Kombination von unseren
beiden Sternzeichen sagt:

Abwechslung, Abenteuer, das Spiel mit den Worten ist ihr
gemeinsames Interesse und unter Gleichgesinnten macht es
am meisten Spaß. Menschen dieses Typus lieben intellektuelle
Gespräche, Ästhetik, einen kleinen unverbindlichen Flirt, neue
Menschen und Bekanntschaften. Spontan versteht man sich
und solange das gemeinsame Leben immer wieder die
Abwechslung bietet, die beide Partner brauchen, werden
keine Probleme entstehen.
Insgesamt eine der besten Kombinationen, da das Leben von
beiden Partnern durch die gleiche Brille gesehen wird.
--------
Schöne Worte...:-) Auf dich passen sie sehr gut.
...

März 2005

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Mummy, mummy! I've got a prize!


Dezember 2003

Was kann ich dir noch berichten? Vielleicht, dass wir täglich von neuen Nobelpreisträgern erfahren. Hast du gesehen, wer den Literaturpreis bekommen hat dieses Jahr?
Ein äusserst scheuer Südafrikaner, von dem man kaum gedacht hätte, dass er zu dem Nobelfest auftauchen wird. Er geht nie selbst seine Preise abholen und lässt sich auch nicht interviewen. Aber er hat schon gesagt, dass er "most likely" kommen wird. Sicher hast du schon über ihn gelesen. 

Lieber ...,

Jetzt habe ich mir die Rede von Cotzee angehört. Man spürte richtig die Spannung, die in der Luft lag, als dieser ungwöhnliche Mann zum Podium vorschritt um seine Rede zu halten. Und er stand dort auch still eine ganze Weile und wechselte zuerst mal seine Brille. Fast hatte man ein wenig Angst, dass ihn vielleicht der Mut verlassen würde und er stumm wieder an seinen Platz zurückgehen würde.
Aber dann begann er.. Er hat eine schöne klangvolle Stimme, so wie deine... eine ruhige Stimme. Und seine Rede war kurz und originell.. und mittendrin sah man wie seine Verlegerin anfing zu weinen und auch vielen anderen kamen die Tränen. Und dann auch plötzlich, mittendrin in dieser kurzen Rede ein spontaner Applaus von allen Gästen..
Ja, er hat es gut getan, der liebe Coetzee.Und zuguterletzt ist er wieder würdig und wie eine starre Mumie an seinen Platz zurückgegangen.. während die Leute immer noch applaudierten.

Dezember 2003

Nobelbankett anno dazumal

Der Duft von Rahmspinat, der den Gästen in die Nase steigt, führt dazu, dass der eine oder andere Nobelpreisträger seine Aufmerksamkeit nicht dem Redner auf dem Podium schenkt, sondern dem duftenden Teller, der vor ihm steht. Man schreibt das Jahr 1954 und Ernest Hemingway wurde gerade der Nobelpreis in Literatur verliehen. Einen noch größeren Erinnerungswert als die Rede an diesem Abend hat die herrliche geräucherte Lachsforelle, die Artischocken mit Trüffel und als krönender Abschluss - die berühmte Eisbombe. Auch heute spricht man enthusiastisch vom Essen am Nobelbankett, dessen Menüfolge bis zum letzten Tag geheim gehalten wird.

Um sich ein richtiges Nobelmenü schmecken zu lassen, muss man jedoch weder in Physik noch in Literatur einen Nobelpreis gewinnen. Im Stadshuskällaren in Stockholm, der unter dem Blauen Saal (Blå Hallen) liegt, in dem das Nobelbankett stattfindet, werden auch Normalsterblichen das ganze Jahr über Nobelmenüs serviert. Für 1285 Kronen können Sie sich eines der Gerichte bestellen, die der königlichen Familie im Laufe der nunmehr hundert Jahre zurückgehenden Nobelpreisverleihung serviert wurden. Meist bestellt man sich das neuste Menü. Wenn man Geburtstag hat, isst man gern die Menüfolge, die in dem Jahr serviert wurde, an dem man zur Welt kam. Firmen bestellen häufig das Menü, das in ihrem Gründungsjahr serviert wurde. Viele ausländische Besucher wählen das Gericht, das ein Nobelpreisträger aus deren Land gegessen hat. Am beliebtesten ist das Menü aus dem Jahr
1994, in dem Kenzaburo Oe aus Japan der Nobelpreis in Literatur verliehen wurde. Das Menü, das unter anderem eine würzige Roulade aus Entenbrust, Mango und Mangold sowie Kalbsfilet mit Salbei und Pilzen enthält, wurde bereits mehr als 25000 Mal serviert. Und seine Beliebtheit hat dazu geführt, dass der Stadshuskällaren das Menü auf Japanisch drucken ließ. Außer drei Gängen gehören zum Nobelmenü Champagner, Rotwein, Dessertwein, Kaffee und Mineralwasser. Als I-Tüpfelchen werden die Gerichte auf dem schönen Nobelservice serviert. Leider kann das Lokal jedoch nicht alle Nobelmenüs anbieten. Trotz umfangreicher Forschungsarbeit konnte nicht ermittelt werden, was in den Jahren 1905, 1906, 1908, 1923 und 1924 serviert wurde.

Nobelpreis Stockholm 2009



Nobels Friedenspreis

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Hotel Sacher

Liebe Malou,
Ich muss dir ein kleines Erlebnis aus Wien erzählen. Vor vielen Jahren
fuhren S und ich um Ostern nach Wien. Es war eine unendlich lange
Autoreise und es fing sogar an zu schneien. Ich war noch Student und
wir wollten billig reisen. Deshalb klingelte ich an etlichen Türen, um
ein Privatzimmer für eine Nacht zu mieten. Aber kein Mensch öffnete
die Türe. So gingen wir schliesslich doch ins Hotel.
Wir waren dann in Wien im Hotel Berger, etwas ausserhalb, ganz ok.
Und eines abends wollten wir Wien by night geniessen und spazierten
die Ringstrasse entlang zum Hotel Sacher. Im Café Sacher, so hatten
wir beschlossen, eine Sachertorte zu essen. Das war auch alles sehr
schön und schick und k&k, du weißt ja schon. Im Sacher sassen wenige
Gäste, lasen Zeitung, tratschten und genossen die Zeit. Gegenüber
setzte sich ein rundlicher Herr. Er wünschte zu Essen und studierte
fachmännisch und in Windeseile die Karte. Und nach einiger Zeit
kam auch schon der Kellner mit einer riesigen Suppenschüssel,
zugedeckt, elegant auf einem Tablett. Und er arrangierte eine grosse
Zeremonie und legte das Gedeck bereit und das Glas an die richtige
Stelle und scharwänzelte um diesen dicklichen Gast herum, dass es
eine Freude und ein Vergnügen war. Und zum Schluss hob der eifrige
Kellner mit abgespreizten Finger, also mit gekonnter Preziosität und
einem kleinen Bückling den Deckel von diesem grossen Topf. Und
natürlich sassen wir armes Studentenehepaar gegenüber, sahen eine
kleine Duftwolke entweichen, schluckten leer und trocken und waren
hungriger Neugierde, welches schöne Menue der kleine Herr nun auf
seinen Teller garniert erhalten würde. Und schliesslich hievte der Ober,
die Umständlichkeit in Person, hievte der Ober mit der langen weissen
Schürze feierlich und überaus vorsichtig ein Paar Wienerwürstchen
aus dem Topf und legte sie mit einer gewissen Zärtlichkeit und
Ehrfurcht auf den Teller, so wie man ein zartes Stück Wild auf den
Teller platzieren würde. Dazu gabs Brot und Senf, na ja, so, wie man
Wienerli eben zu essen pflegt.

Eingeladen


Ich liebe dieses kleine Gedicht, das ich in einem Buch von Annas Lyrikkurs gefunden habe. Bruno K. Öjer heisst der Dichter. Einer unserer Bekanntesten von den Jüngeren.
Gefällt es dir auch?

Inbjuden

inbjuden
dök jag aldrig upp
och det måste ha sårat dom in i märgen
men jag var bara trött

så trött på all falskhet omkring mej
att jag istället vände mej till dom döda
som ivrigt ställde fram sin mat
och ville få mej att äta och dricka
ville att jag skulle stanna kvar
och bli en av dom
deras ögon spann sin dimma
vävde redan i mej
och jag tog ett steg tillbaka
jag vägde för och emot
försökte tänka
vinna tid


Eingeladen

Eingeladen
tauchte ich nicht auf
und es muss sie verletzt haben bis ins Mark
aber ich war nur müde
so müde von aller Falschheit um mich herum
dass ich mich statt dessen an die Toten wandte
die eifrig ihr Essen vorsetzten
und wollten dass ich essen und trinken sollte
wollten dass ich bleiben sollte
und einer von ihnen werden
Ihre Augen spannen ihren Nebel
webten schon in mir
und ich machte einen Schritt zurück
und wog dafür und dagegen
versuchte zu denken
Zeit zu gewinnen

*


Weihnachtsgeschichte

Stell Dir vor, Malou, da kommt mir eine barbarische Weihnachts-
Geschichte in den Sinn. Es war in der 4. Primarklasse, würde ich sagen.
Ich hatte eben die Rolle als Joseph im Weihnachtsspiel erhalten und
wusste noch nicht recht, ob das eine Auszeichnung oder eine Strafe
sein sollte. So nebenbei hatte ich mitbekommen, dass ein dünnes und
langes blondes Mädchen Maria spielen sollte. Aber ich habe nicht
erkannt, was das wirklich bedeuten sollte. Erst um 12 Uhr, als wir über
den Schulhof nach Hause zum Mittagessen schlenderten, versuchten
andere Schüler mich (oder vielleicht uns) zu necken, weil wir doch nun
Maria und Joseph, also ein Paar wären. Das war mir nun aber absolut
peinlich, gegen meinen Willen verheiratet zu sein. Und demonstrativ
stiess ich die arme Maria von mir, so dass sie gegen einen Zaun
taumelte. Sie war sehr betrübt, weinte, wenn ich mich recht erinnere.
Doch ich erinnere mich ebenso, dass sie nicht aus körperlichem
Schmerz weinte,sondern wegen des Unrechts, das ihr geschehen war.
ich glaube, sie war sehr verwirrt, dass ich so reagiert hatte. In meinem
Kopf wollte ich keine Maria an meiner Seite und ich hatte sie nicht
gewählt. Aber ebenso war es auch nicht sie gewesen, die diese
Konstellation geschaffen hatte. Das empfand sie wohl als brutale
Ungerechtigkeit. Und recht hatte sie damit.
Wir haben dann, so muss ich annehmen, unseren Part im
Weihnachtsspiel sehr unterkühlt und distanziert gespielt. Ich weiss
noch, wie ich in der Kirche mit dem langen Bart in der Gegend
herumgestanden habe, und wie der Lehrer der Oberstufenschüler
mir deswegen zugezwinkert hatte. Aber ich war mir dessen kaum
bewusst, dass ich einen solchen langen weissen Bart trug, und
ich hatte wohl auch keinen Gedanken an meine Maria verschwendet.
Ich glaube, sie musste eine Gummipuppe im Arm wiegen, eine Puppe,
wie sie auch meine Schwester besass, mit einem kleinen Mundloch,
so dass man ihr erst die Flasche geben konnte, um ihr nachher die
nassen Windeln zu wechseln zu können. Mädchen fanden das
damals herrlich. Mit einem solchen kleinen Ding und einem blauen
Überwurf musste Maria mitten in der Kirche sitzen und mit langsamen
Bewegungen zeigen, dass diese Guppipuppe sozusagen heilig war.
Nicht alles, aber diese kleine Drink- und Piss-Puppe fand ich echt
dämlich. Ich konnte mir schlichtweg nicht vorstellen, dass das
Jesuskind das Getrunkene ohne irgend eine Zutat in die Hosen
laufen liess. Ich meine, wie kann man sich bei einem heiligen
Menschen so was Tierisches vorstellen? Das war doch irgendwie
widerlich. Auch bei einem Jesus.
Aber ich glaube, wir haben die Szene dann irgendwie hinter uns
gebracht. Ich hatte nicht viel zu sagen, ein oder zwei Sätze,
entäuschend wenig, angesichts des langen Bartes, der mir beinahe
bis zu den Schuhen reichte. So kam es, dass die Gruppe mit den
Blockflöten anfing, Stille Nacht zu pipsen. Und so konnte ich
wenigstens diesen pissenden Jesus etwas vergessen.
Soweit meine Joseph-Rolle. Überigens hatte ich immer gewusst,
dass dieses Jesus- Puppen- Kind nicht von mir stammen konnte.
Damit hatte ich einfach nichts gemein. Und dass der liebe Gott
seine Hand im Spiel gehabt hatte, das wollte mir weder die Maria
noch meine Lehrerin sagen. Sie haben mir das Wichtigste einfach
verschwiegen, Malou! Ich bin praktisch hintergangen worden! Man
hat mir ein pissendes Kind untergeschoben. Wenn Du weißt, was
ich meine.
*
Nun bin ich etwas vom Thema abgekommen. Das Thema war
Gewalt unter Jugendlichen. ...
...

Dienstag, 8. Dezember 2009

Bald Lucia

december 2004

Lieber ...
Am Montag feiern wir Lucia. Ich habe eine schöne Beschreibung im
Internet gefunden.

"Semblable à une apparition céleste, Sainte Lucie vient illuminer les
ténèbres des nuits de décembre. À travers tout le pays, aux premières
heures du jour, les écoles, les hôpitaux, les maisons de retraite et
les lieux de travail reçoivent, dans une atmosphère baignée de magie,
la visite d'une Sainte Lucie et de son cortège. Vêtues de longue robe
blanche, précédées de la Sainte coiffée d'une couronne de bougies, les
jeunes filles s'avancent solennellement, chacune portant une bougie à
la main et chantant des refrains traditionnels. La Sainte Lucie est
célébrée le 13 décembre."

Besonders die Worte ".. dans une atmosphère baignée de magie.."
gefallen mir daran, denn diese Feier hat etwas magisches an sich.


...

Das Buch von Alain de Botton, hast du es fertig gelesen? Ich werde
versuchen es hier zu finden denn die Zeilen, die du mir zitiert hast,
haben mich ein wenig neugierig gemacht. Hast du vielleicht sogar ein
wenig aus dem „A la recherche du temps perdu“ gelesen? Es soll
sprachlich sehr schwer sein und Gunnel Wallquist, die das Buch ins
Schwedische übersetzt hat, musste viele Jahre damit kämpfen. Sie
bekam aber auch dann grosse Anerkennung.
...

12 Juni 2000

Proust - de Botton

Ich habe für mich - du wirst schmunzeln Malou - ein kleines
Taschenbuch für die nächte Zeit gefunden. Es heisst "Wie Proust Ihr
Leben verändern kann", von einem Schweizer namens Alain de Botton.
Du weißt ja sicher, wie Proust in der Vergangenheit gerührt hat.
Nichts anderes hat er gemacht. Noch seine Madelaine hat er in der
Vergangenheit gegessen. De Botton hat in Cambridge studiert und lebt
in London. Er schreibt ein bisschen maniriert und intellektuell. Das
mag ich. Das Buch fängt so an: 1. Wie man das Leben heute liebt
"Es gbit wenig, dem sich der Mensch mit grösserer Hingabe widmet als
mit dem Unglücklichsein. Hätte ein böser Schöfper uns nur in die Welt
gesetzt, damit wir leiden, dürften wir uns zu Recht damit brüsten,
diese Aufgbabe mit Begeisterung erfüllt zu haben. Dabei gibt es
wahrhaftig genug Gründe, untröstlich zu sein: die Vergänglichkeit des
Fleisches, die Unbeständigkeit der Liebe, die Verlogenheit im Alltag,
die Kompromisse zwischen Freunden, die lähmende Wirkung der
Gewohnheit. Angesichts derartiger Misstände sollte man meinen, dass
wir nichts sehnlicher herbeiwünschen müssten als unsere eigene
Auslöschung."
Du siehst, ich bin auf dem Weg der Besserung.

7 Juni 2000

Grösse X Länge = Volumen

....
Du fragst nach meiner Grösse. Also gut: wenn wir die Champs-Elysées
hinuntergehen dann ist es bequem für dich deinen Arm um meine
Schulter zu legen. Du musst ihn nicht hinaufstrecken. Ich finde es
schön bei solchen Gelegenheiten dass du etwas grösser bist als ich.
Dass die Schwedinnen 1.80 wären stimmt wirklich nicht, eher
zwischen 1.65 - 1.75
....

Re:

Liebe Malou

Nein, eigentlich wollte ich so genau von dir wissen, wie gross du
bist, nun ja, wie soll ich dir das sagen, weil ich selbst eher klein
bin. Ich habe vielleicht mal eine Grösse gesagt, aber ich muss dich
enttäuschen, ich kann wohl nicht auf deine 175 oder so hinaufreichen.
Meine kleine Statur hat es eben gemacht, dass ich gelernt habe, mich
schriftlich auszudrücken. Mündlich komme ich bei den Leuten schlecht
an. Sie nehmen mich nicht ernst. Verstehtst du, Malou, mit 135
spricht man aus der Froschperspektive. Da muss jedes Argument
doppelt genäht sein, da sollte jeder Satz sitzen. Also, höchstens beim
Sitzen könnte ich Dir meinen Arm um die Schulter legen. Denn was
mir an Länge fehlt, fehlt vor allem an den Beinen. Das ist ein bisschen
wie bei Toulouse-Lautrec, oder bei diesem kleinen Kerl da in Grass'
Blechtrommel, wie hiess er schon. Allerdings trage ich keine Trommel
herum, da kann ich dich beruhigen, meine liebe Malou, und ich
zersinge auch nur in Ausnahmefällen Gläser.. Du musst dir auch
vorstellen, welches Bild wir auf der Champs Elysees abgeben würden!!
Du in deiner ganzen wunderschönen Statur und ich daneben wie
ein Mickey Mouse, in kleinen rasanten Schrittchen. Die Passanten
würden sich doch nach uns umdrehen. Manchmal wollen si sogar
Autogramme von mir. Da gehen wir doch lieber gleich in eines dieser
Nobelrestaurants und ich lass mir einen Hochstuhl kommen. Meist
haben sie ja diese Stühle für die Kinder. Die sind zwar etwas eng, aber
meist komme ich ganz gut hin. Und wenn meine Beine erst einmal
unter dem Tisch sind, dann sieht man mir das kaum mehr an. Dann
müsstest du dich nicht mehr genieren.
Das meine liebe Malou, wollte ich dir heute, speziell heute, noch kurz
sagen.
Ich hoffe, du magst mich trotzdem als Mausfreund??
Mit einem schönen Gruss
xxx

1. April 2000

Fortsetzung..Grösse und Länge

Liebe Malou
Se non é vero, e ben trovato!
Bevor dein Schock total wird, möchte ich dich vorsichtig darauf hinweisen, dass das dieses erste Mail von heute ein Aprilscherz (APRIL-SCHERZ) ist. Habe ich heute morgen gerade noch rechtzeitig bemerkt, dass 1. April ist. Und so habe ich mir gedacht, ich könne dich etwas aufheitern. Hast du was bemerkt? Hast du geglaubt? Stell dir vor 135cm, das wäre ja grässlich. Ich würde bei der Eisenbahn glatt mit einer Kinderfahrkarte durchgehen! Und ich würde im Alkohol enden, wie Toulous.Lautrec. Und der bei Grass hiess Oskar Mazareth (weiss nicht, wie sich das schreibt?), jetzt fällt es mir gerade wieder ein. Der war ja auch nicht gerade der glücklichste. Also, liebe Malou, ich dreh mich jetzt von 75 wieder auf 100%, wenn du erlaubst.
*

Sonntag, 6. Dezember 2009

Mausfreundschaft

Es ist schön manchmal mit dem Auto unterwegs zu sein. Es gibt so viel Zeit zum denken weil man am Steuer ja wirklich nichts anderes tun kann. Ich liebe es, so durch die Landschaft zu fahren. Dann fühle ich wie es ganz still in mir wird. Ich geniesse die schöne Natur und die Einsamkeit. Und oft denke ich auch, wie schön die Welt wäre ohne Menschen. Dazu bekomme ich öfters eine unbändige Lust nur immer weiter zu fahren und alles hinter mir zurückzulassen. Aber es ist nicht so schlimm wie es klingt. Es ist vielleicht mehr Abenteuerslust als Flucht.. und vielleicht werde ich es einmal tun...
*
Gestern Abend hatte ich keine solche Gedanken. Ich war ganz zufrieden mit meinem ruhigen Leben und während ich die Gardinen bügelte (ach, du wirst glauben dass ich nichts anderes tue in meinem Leben :-) dachte ich an dich und an dein liebes Mail. Ja, ich liebe sie auch, unsere "stille Mausfreundschaft" obwohl sie bei mir noch nicht so ganz still und vielleicht auch nicht nur Freundschaft ist. Aber es ist gut so wie es ist. Und es gibt uns die Möglichkeit unsere §§§ zu respektieren, wie wir es einander einmal versprochen hatten.

Hjortron - Multbeeren


So um den 20 Juli herum ist es so weit. Schon lange haben wir an diesen Tag gedacht. Mit Freude und mit Angst. Es ist Zeit für die Multbeeren. Wir haben bereits eine Tour in den nahen Wald gemacht und vom Auto nachgesehen ob sie reif sind. Hier und da leuchtet es ein wenig rot und an manchen Stellen sogar gelb, ein Zeichen dass man sie nun pflücken kann. Morgen geht es los. Wir hoffen auf einen frischen Tag mit Wind, damit die Mückenplage nicht zu gross wird und die Kriebelmücken: so ganz kleine Fliegen, die einen ganz schrecklich beissen und die sich mit Vorliebe in die Augen begeben wo man sich nicht mit Mückenöl einreiben kann.

Am Morgen müssen wir feststellen dass es zwar schön sonnig ist aber leider ganz windstill. Wir kleiden uns wie üblich für diese Aufgabe. Jeans, Gummistiefel, ein leichtes T-shirt und darüber etwas langärmeliges. Ich nehme immer ein altes Hemd aus Baumwolle das meinem Schwiegervater gehört hat. Um diese Zeit denke ich besonders viel an ihn. Als er noch lebte war das ganze mit einem Zeremoniell umgeben, das fast ein bisschen magisch wirkte. Bevor man endlich startete wurde mindestens eine Stunde lang diskutiert auf welchem Moor man am sichersten eine gute, ungerührte Stelle finden könnte. Namen wurden genannt die für mich einen exotischen Klang hatten. Manchmal wurde ich ungeduldig und versuchte sie zu beschleunigen. Nun denke ich mit Wehmut zurück an diese Zeit.

Genau wie damals trage ich auch heute einen gelben Stoffhut um mich gegen Bremsen zu schützen, vor denen ich mich am meisten fürchte. Man hört sie und weiss dass sie einen nicht verlassen bevor sie Blut getrunken haben und man weiss auch wie weh sie tun, die schmerzenden Beulen, die sie auf der Haut hinterlassen.

Nun, noch schnell diskret alle Eimer ins Auto und den Picknickkorb und dann geht's los. Eine Fahrt zu einer Multbeerenstelle ist immer ”secret mission”.

Seit einigen Jahren haben wir eine Lieblingsstelle wo wir diese Beeren pflücken. Ein richtiger Tresor! Zwar liegt es ein paar Meilen entfernt, aber was macht das schon. Die Natur ist so schön! Die Fahrt geht durch Wald und Felder, durch eine sehr dünn besiedelte Gegend. Immer wieder fragen wir uns was für Leute es aushalten so isoliert zu leben, besonders im Winter.

Nach ungefähr 40 Minuten sind wir am Ziel. Nun rasch aus dem Auto, die Eimer heraus und über den Graben in den Wald. Es muss alles sehr schnell gehen. Denn eine gute Multbeerenstelle ist wie eine Goldader die man gefunden hat. Man will nicht dass alle davon wissen.

Hier hat schon jemand gepflückt, können wir sofort feststellen. Ist aber nicht schlimm.. An dieser Stelle sind schon nach einem Tag so viele nachgereift dass man mehr als genug findet. Ausserdem gibt es immer Teile die noch ungerührt sind.

Es ist ein zeitweise strüppiges Gelände. Aber ich wage mich auch auf die offenen Stellen. Ich bin es gewöhnt. Ich weiss wohin man treten darf. Und doch passiert es mir plötzlich. Blitzschnell, bevor ich weiss was passiert, ist mein linkes Bein bis zum Knie im Moor versunken und als ich es rausziehe ist der ganze Stiefel voll Wasser.

Doch ich muss es leiden. Und was macht es schon. Ich freue mich über die Beeren die überall so schön leuchten. Wie Honig sind sie. ”Das Gold des Waldes” nennt man sie und sie lassen mich die Strapazen vergessen. Aber dann brennt wieder die Sonne. Es ist es ganz windstill. Auch nähert sich die Zeit wo die Blutsauger besonders aktiv werden. Es surrt und brummt um mich herum.

Ich bewege mich gebeugt über das Moor. Wie warme Wellen steigt die Luft empor in mein schon vorher erhitztes Gesicht. Ich habe das Gefühl dass mein Körper zu kochen beginnt. ”Wenn es eine Hölle gibt” denke ich, ”dann muss es so sein”. Und es gibt keinen Ausweg. Du musst es ertragen. Nur der Gedanken, dass es zeitbegrenzt ist, schenkt mir ein wenig Trost. Bald werden wir an einer offenen Stelle wo der Wind weht, unseren mitgebrachten Kaffee trinken und dann werden wir im Auto sicher unterwegs sein zu unserem kühlen Fluss wo wir uns erfrischen können.

Zufrieden, wie wenn man Schwerarbeit geleistet hat, kommen wir zu Hause an. Mindestens 15 Liter haben wir in zwei Stunden gepflückt. Bis spät in die Nacht koche ich den köstlichen ”Hjortronsylt” (=eingemachte Multbeeren laut Lexikon :-)

*

Das war ein typisches, ständig wiederkommendes Ereignis in unserem Sommeraufenthalt oben in Nordschweden. Wenn man dann Besuch bekommt ist immer eine Frage: Habt ihr schon Multbeeren gepflückt? Dieses Jahr hatten alle den Eindruck, dass es sehr viele Stellen gab, die noch ziemlich ungerührt waren.. Wir glauben dass viele Leute, die es gewöhnt sind diese Beeren zu pflücken, nun schon zu alt geworden sind für diese Strapazen und die junge neue Generation ist zu bequem für solche anstrengende Aktivitäten.

*

Als ich meinen Nachbarn ein paar Liter als Dank überreichte sagte ich etwas von der Hölle auf dem Moor. Der Biologe lachte und meinte, ich sei nicht der erste der diesen Vergleich gemacht hätte und zeigte mir ein Buch mit dem Titel: Lapplandsreise im Jahr 1732 von Carl Linnaeus. Darin schreibt er von dem Moor: ” Hinc vocavi Styx. Aldrig kan prästen så beskriva helvete, som detta ej är värre” ( ..... Nie kann der Priester so die Hölle beschreiben, dass dies nicht schlimmer wäre).

*

Keine Angst, es gibt Grenzen dafür was ich dir zutrauen würde. Du brauchst nicht mitzukommen aufs Moor ;-)

Samstag, 5. Dezember 2009

Beichte

Oh, du mein lieber Mausfreund!
Was habe ich nur angestellt!? Deine wunderschönen Briefe, die ich über alles schätze .. und du glaubst dass sie mir nicht gefallen? Eigentlich fühle ich mich im Moment sehr eingeengt. Weiss nicht richtig wie ich mich aus dieser verstrickten Situation retten soll.

Soll ich es mit Spass versuchen?

Also, ich bin sehr monogam. Aber du hast es etwas falsch verstanden. Monogam für mich bedeutet: nur ein Ehemann, ein Geliebter und ein Mausfreund. Gern würde ich natürlich diese drei in einer Person sehen - und vielleicht wäre es sogar möglich in einer "Internet-Ehe" wie du sie nennst. Du wirst vielleicht protestieren und sagen dass es bei 3000 Km eine Unmöglichkeit ist. Nun, ich weiss nicht..

Ich kann natürlich die "Lady-rolle" wählen.
Die Rolle der Hohen Fraue oder wie es hiess. Mich von dir besingen lassen (beschreiben in diesem Fall) und immer in meinem Turm bleiben. (Schon wieder einer!!! ;-))
Kennst du übrigens das schöne mittelalterliche Gedicht:

Du bist min
Ich bin din
Des sollt du gewiss sin
Du bist beslozzen in minen Herzen
Verloren ist das Slüzzelin
Du musst immer drin sin

Ich weiss nicht mehr ob es so geschrieben wird. Es hat mir schon immer gefallen.


Oder soll ich ernst sein und dir verraten was du vielleicht (als guter Psychologe) schon lange weißt? Auch ich habe angefangen, dich zu lieben.
Hörst du die Sirenen?


Es gibt noch die vierte Möglichkeit: Die seriöse Studienrätin zu spielen die an eurem Schulsystem und vielleicht etwas an Rilke interessiert ist.

Aber weißt du, mein lieber Mausfreund. Eigentlich kannst du alle vier zusammensetzen und du bekommst vielleicht das wahrste Bild von mir.

Es gibt so viel was ich dir noch erzählen möchte. Z.B. von dem schwedischen Sommer oben im Norden wo es nie Nacht wird, von den Wolken am Rande meines Lebens und von allen alltäglichen Dingen die mir so in den Sinn kommen..

Ich habe heute etwas mehr Zeit denn eine meiner Klassen ist diese Woche in Belgien. Würde dir gern mehr schreiben (vielleicht heute Abend) aber schicke dir nun zuerst dieses kleine Mail was vielleicht mehr sagt als alle vorherigen..

Hast du deinen Nachmittagskaffe mit mir getrunken?
Schreib mir ein paar Zeilen bitte
Malou

Lebensweisheit

Ein chinesischer Bauer lebte in einem Dorf am Fusse des grossen Berges. Eines Tages war sein Pferd aus dem Stall verschwunden. Der Bauer war sehr verwundert, konnte sich die Sache aber nicht erklären. Und die Leute des Dorfes sind zu ihm gekommen und haben ihr Mitleid ausgesprochen für den schweren Verlust dieses schönen Pferdes. Der Bauer aber liess ich nicht betrüben und sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Zwei Wochen später stand sein Pferd wieder im Stall. Aber es war begleitet von einem Wildpferd, das sich ihm angeschlossen hatte. Und wieder kamen die Leute des Dorfes, diesmal, um den Bauer zu beglückwünschen. Hatte er nicht soeben ein Pferd gewonnen. Doch der Bauer sagte bloss: Na ja, wir werden sehen. Es verging nicht viel Zeit, und der Sohn des Bauern stürzte vom wilden Pferd und brach sich ein Bein, als er versucht hatte, es zu reiten. Die Leute des Dorfes kamen wiederum zum Bauern, um ihm ihr Beileid auszudrücken. Doch der Bauer sprach bloss: Na ja, wir werden sehen. Keine Woche später erschienen staatliche Beamte im Dorf, um Soldaten für die Armee auszuheben. Und sie nahmen alle jungen Männer, die im besten Mannesalter waren und in der Arbeit dringend benötigt wurden, mit, damit sie in der Armee ihr Leben riskieren würden. Nur den Sohn unseres Bauern konnten sie nicht mitnehmen, denn er hatte sein Bein gebrochen. Und wiederum kamen die Leute des Dorfes, um den Bauern zu beglückwünschen. Und wiederum antwortete er ihnen: Na ja, wir werden sehen.

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist ein positives und was ist ein negatives Ereignis im leben. Das kann man im Grunde erst am Ende des Lebens sagen. Aber die meisten Menschen können nicht so lange warten und geben den Ereignissen sofort einen Sinn. Es gibt da natürlich Pessimisten und es gibt Optimisten. Die Optimisten, die die Kraft haben, ihr Leben positiv zu sehen, die auch in widerlichen Ereignissen noch positive Möglichkeiten sehen, sie bauen ihr Leben wie ein Turm. Die alten Steine sind stabile Grundlagen für die nächsten Steine. Sie geben dem Turm einen guten Halt. Die Pessimisten werfen jede Menge guter Steine weg, weil sie sie für schlecht befinden. Und so kommen sie nicht richtig vorwärts mit dem Bau.

Skifahren im Wallis


Gestern war ich den ganzen Tag unterwegs. Es war ein schöner
Wintertag, wie man ihn hier, in diesen tiefen Regionen lange, dh.
Jahre nicht mehr erlebt hat. Es war wie früher im Wallis, wo man
monatelang in diesem hellen strahlenden Licht gelebt hat. Aber wir
wussten damals nicht, was wir hatten, mindestens nicht wir
Jugendlichen. Wir nahmen den Winter hin wie wir den Sommer
hinnahmen. Aber am hellsten und sonnigsten waren jene Mittwoch
Nachmittage, wenn wir oberhalb Brig skifahren gingen. Die Seilbahn
war nicht gerade leicht zu erreichen, so dass unser Vater uns mit dem
Auto an die Talstation bringen musste. Oben in der Sonne und im
Schnee waren wir dann unter uns. Das heisst, es gab kaum fremde
Touristen. Die meisten Leute waren Schüler des Gymnasiums oder
des Mädchenpensionats gleich nebenan. Und natürlich gab der Skilift
mit seinen alten Bügeln gelegenheit, zufällig neben einem Mädchen
den Hang hoch zu fahren.
Herrliche Zeiten waren das, kann ich dir sagen. Ich habe ein hübsches
Foto von dort oben gefunden. Allerdings ist es eigentlich eine
Reklame. Und ich muss die Schrift übersprayen, damit du den reinen
Naturgenuss hast, den wir auch hatten. Besonders schön war der Blick
hinunter ins Tal, wo die Häuser von Naters und Visp so klein
erschienen, wie die Alltagssorgen und die Hausaufgaben für die Schule.
Rosswald heisst diese Alpe.
Und SM, mein Schulkamerad, der oft gleich in der Pultreihe vor mir
sass im Schulzimmer, war ein absoluter Skifan. Du konntest schon am
Mittwoch Morgen in im Unterricht bemerken, wie unruhig und
aufgekratzt er war, weil er sich darauf freute, am Nachmittag auf dem
Rosswald skifahren zu können. Seine Familie hatte ein Chalet dort
oben. Er war ein ziemlich mittelmässiger Schüler, aber ein absolut
erstklassiger Skifahrer und ein guter, fairer und sportlicher Charakter.

Freitag, 4. Dezember 2009

Schnee und Pensionisten

Doch wir waren beim Schnee. Es gibt nichts Schöneres, als eine tief verschneite Landschaft, sagen wir z.B. im Goms, dem höchsten Teil des Wallis. Und wenn dann noch die Sonne dazu kommt, und eine gute Perspektive in der Luft liegt, etwa ein Käsefondue in einer einfachen Wirtschaft am Rande eines jener wunderschönen Dörfer aus dunkelbraunen Holzhäusern, dann ist das Paradies auf Erden perfekt. Das Goms ist in dieser Hinsicht wirklich eine sehr gute und schöne Gegend. Ich habe mir immer wieder überlegt, ob ich dort nicht ein Chalet kaufen sollte. Oder sogar einmal meine Zeit als Pensionist verbringen. Aber ich denke, als Pensionist ist man lieber in der Nähe eines Zentrums. Und da liegen wir hier besser.
Übrigens sagen wir in der Schweiz nicht Pensionist, sondern Pensionierter. Die Oesterreicher sagen Pensionist. Der Unterschied? Pensioniert klingt ein bisschen passiv, er ist sozusagen Opfer seiner Pension. Pensionist hört sich dagegen aktiv an, er hat die Pension mit eigener Anstrengung erreicht. So könnte man annehmen, die Schweizer würden unter ihrer Pension leiden, während die Oesterreicher sie wie ein Geschenk entgegennehmen.

ältere Kollegen

Zuerst muss ich doch protestieren gegen das "junge Ding". So nennt man doch nicht eine Frau am Rande ihres "besten Alters".. ;-) Aber ich glaube ich kenne mich ziemlich gut aus was "Lehrkräfte in fortgeschrittenem Alter" betrifft. Als ich nämlich an diese Schule kam, war ich noch sehr jung. Ich denke die meisten von den Kollegen, die hier arbeiteten waren so 15 Jahre älter als wir jungen Eindringlinge. Zuerst standen sie wohl (so wie wir sie sahen) unserer Elterngeneration näher. Aber dann mit der Zeit wurden wir alle immer mehr gleichaltrig. Man vergass den Altersunterschied. Und dann sah man sie langsam alt werden. Man sah wie sie langsamer wurden, vergesslicher und etwas rigider. Es gab Leute, die nicht mehr gut hörten und deswegen von Schülern und sogar von neuen jungen Kollegen, die nicht besser wussten, als etwas "dumm" betrachtet wurden, obwohl sie Giganten waren im vergleich zu diesen, ich meine was ihr Können (ihr Niveau) betraf. Und die Aufgaben, vor die man sie stellte, wurden immer schwieriger. Das ganze begann damals, als man die etwas weniger theoretischen zweijährigen Linien des Gymnasiums zu dreijährigen machte und ganz einfach mit den anderen zusammenschlug. Besonders für Lehrer in Mathematik und Sprachen bedeutete das eine grosse Umstellung.
Ach, ich langweile dich schon. Sorry!
*

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Fenyletylamin

...
Übrigens scheint nun das Geheimnis der Liebe bald gelöst zu sein. Die neueste Forschung auf dem Gebiet sagt: eine Verliebtheit (Passion) hält 18 Monate bis zu 4 Jahren an. Wenn wir uns verlieben, bildet der Körper Fenyletylamin (nicht zu verwechseln mit Testosteron). Hier gilt es nämlich wirklicher Liebe. Fenyletylamin hat ähnliche Eigenschaften wie cannabis und amfetamin. Man wird „hoch“ davon.
Leider hat diese körpereigene Passionsdroge noch mehr Ähnlichkeiten mit Narkotika. U.a. bildet der Körper allmählich eine Toleranz dagegen. Der Effekt verschwindet und damit auch die Passion. Und höchstens vier Jahre lang hält die Verliebtheit an. Aber das Ende der Passion braucht nicht das Ende einer Beziehung zu bedeuten. Die Molekylärbiologie hat gefunden, dass Paarbeziehungen auch das morfinähnliche, beruhigende Oxytocin bilden, das nicht so stark ist wie die Passionsdrogen, aber das „habit-forming“ (weiss nicht auf deutsch) ist und auch nach der Verliebheit anhält. Für denjenigen, der nicht ohne Passion leben kann gibt es nur einen Ausweg: einen neuen Partner zu finden in den man sich verlieben kann. Mit einem neuen Objekt für die Verliebheit beginnt die Fenyletynamilproduktion und die Passion von neuem.

Schnee


Wie schön du über die Schneelandschaft aus deiner Jugendzeit
schreibst. Auch ich erinnere mich sehr gut an die Winter in meiner
Kindheit. Sie waren wirklich Winter mit strahlend weissem Schnee.
Und im Winter nahm man nicht das Fahrrad, wenn man wohin
wollte, sondern diese typisch schwedischen Schlitten. Er wurde von
alt und jung benutzt. Damals streute man weder Salz noch Sand auf
den Strassen und man konnte gut und schnell vorwärts kommen
mit diesen Dingern. Heute sieht man sie garnicht mehr in unserer
Region. Vielleicht gibt es sie noch oben im Norden.
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Mittwoch, 2. Dezember 2009

Vatikan und Schweizergardisten

Es ist natürlich eine merkwürdige Berufung, Gardist zu werden. Und ich glaube, sie haben heute Mühe, noch genügend Rekruten zu finden. Es gibt viele Studenten, die einfach während der Ferien nach Rom reisen, um dort ein bisschen als Gardist in der Hitze herumzustehen und um nach den Mädchen und dem Papa zu schauen ;--).
Der Stato della Città del Vaticano ist der kleinste Staat der Welt. Er ist sogar noch kleiner als die Schweiz. Und die Schweiz ist schon sehr eng, so dass jeder dem anderen ins Gärtchen sehen und auf die Zehen stehen kann. Ich glaube, der Vatikan ist die letzte absolute Monarchie, ein totaler Anachronismus auf dieser Welt. Ein Relikt aus der Zeit des Absolutismus, als es noch Sonnenkönige und solch gloriose Häupter gegeben hatte. Der Papst ist der Souverän und das Oberhaupt der Weltkirche. Er ist Bischof von Rom und oberster Priester, dh Summus Pontifex der universalen Kirche. Er ist im Grunde genommen ein Nachfolger der römischen Kaiser. Und die waren bekanntlich nicht sonderlich geistliche Einrichtungen. Einmal habe ich von einem katholischen Geistlichen eine hübsche Definition des Vatikans respektive der katholischen Kirche gehört. Er hat gesagt, die katholische Kirche sei eine absolute Diktatur gemildert durch die Unfolgsamkeit der kleinen Priester.
Es ist schon sonderbar, dass es heute noch so etwas gibt wie den Vatikan. Ich behaupte immer, es sei die älteste Firma der Welt. Es ist eine riesige und absolut superreiche Organisation, und sie wird von ein paar überalterten, greisen bis senilen Männern geleitet, die zudem oft noch etwas homophil sind. Er ist wirklich komisch, dieser Vatikan, und wenn es ihn nicht gäbe, dann müsste man ihn schnellstens erfinden.
Ich freue mich darauf, ihn wieder zu besuchen. Es gibt soviele schöne Bilder und Dinge zu sehen. Und es wirkt alles so enorm katholisch. Es ist der intimste Punkt dieser grossen Weltkirche. Es ist sozusagen das Schlafzimmer der katholischen Kirche. Es ist das, woher alles kommt, im Guten wie im Schlechten.
Und vor den Eingängen stehen die farbigen Svizzeri, die Gardisten, mit ihren malerischen Uniformen und stehen da so treu und ruhig, wie nur Schweizer dastehen können. Wir werden einen lustigen Witz machen und ihnen zuzwinkern, wenn wir an ihnen vorbeigehen.
Ach, es ist, als wäre ich schon dort.
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Dienstag, 1. Dezember 2009

Santi Luca e Martina

Ich glaube, ich schicke Dir wieder mal ein Römerbild. Hast Du den
Stadtplan dabei, damit Du dann auch genauestens orientiert bist. Ich
behaupte, in einer halben Stunde kann man das Zentrum Roms auf
einem Plan kennenlernen, dass man sich dann schon ziemlich gut
auskennt, sodass man kaum mehr verloren gehen kann. Und ich
muss gestehen, dass ich mich nach einigen Tagen dort nach meinem
Bild Zürichs orientiert habe. Ich würde sagen, dass Zürichs Zentrum
ungefähr gleich gross sein muss. Die Via del Corso ist die
Bahnhofstrasse. Die Universität liegtungefähr im Raum der Stazione
Termini, wo dahinter ja wirklich auch die Uni liegt. Der Vatikan wäre
ungefähr der Uetliberg. Und das Forum Romanum stellt als eine Art
Steinwüste den Zürichsee dar.
Aber ich habe diese Vorlage nicht bewusst genommen, sondern habe
erst im Nachhinein bemerkt, dass es in meinem Kopf so abläuft.
Schau mal dieses hübsche Foto. Ich glaube, es war eines der ersten,
die ich knipste. Es war gegen Abend und ich kam von Termini herunter.
Und da fand ich diese Gruppe Jugendlicher vor der Kirche S Martina e
Luca. So glaube ich zumindest, dass sie heisst. Sie liegt gleich neben
dem Forum Romanum. Diese Kuppelkirchen, typische Barockgebilde,
haben es mir einfach angetan. Ich habe sie von allen Seiten
fotographiert. Sie prägen ja auch die Sky-Line Roms. Und sie sehen
aus allen Seiten gleich aus ;--).
Ich habe übrigens die Erkenntnis gemacht, wie sich diese Kirchen
architektonisch entwickelt haben. Das wusste ich vorher nicht, oder
nicht so bewusst. Der Anfang war die alte Basilika, also ein Langraum.
Dann kamen die Seitenschiffe hinzu. Ich glaube, der alte St. Peter war
so eine alte Basilika. Dann kam das Querschiff, das den Grundriss
eines lateinischen Kreuzes machte. Und damit ergab sicch die Vierung,
jenes Quadrat, über dem sich Hauptschiff und Querschiff kreuzten.
Darüber entstand oft der Kirchturm. Und im Barock dann eben die
Kuppel, wie man in der Kirche Il Gesù sehen kann. Und schlisslich hat
man die Schiffe beiseite gelassen und nur diesen Rundbau mit der
Kuppel gebaut. Ich finde, das ergibt einen wirklich schönen, geradezu
idealen Innenraum. Es gibt noch andere solche Kuppelkirchen in der
Nähe des Forums. Diese hier ist lange nicht renoviert worden und sieht
ein bisschen vergammelt aus. Die eine Seite, nämlich jene, die
Richtung Forum geht, ist eine Präsentationsfassade mit Eingang. Ich
glaube, ich habe sie auf einem anderen Foto mindestens teilweise
erwischt.
Schön ist die Abendsonne auf dem Bild und der Kontrast der doch
überaus vergänglichen und volatilen Ballone vor dem Hintergrund der
Kirche, die ja schon fast sowas wie die Ewigkeit repräsentiert.