
Gestern war ich den ganzen Tag unterwegs. Es war ein schöner
Wintertag, wie man ihn hier, in diesen tiefen Regionen lange, dh.
Jahre nicht mehr erlebt hat. Es war wie früher im Wallis, wo man
monatelang in diesem hellen strahlenden Licht gelebt hat. Aber wir
wussten damals nicht, was wir hatten, mindestens nicht wir
Jugendlichen. Wir nahmen den Winter hin wie wir den Sommer
hinnahmen. Aber am hellsten und sonnigsten waren jene Mittwoch
Nachmittage, wenn wir oberhalb Brig skifahren gingen. Die Seilbahn
war nicht gerade leicht zu erreichen, so dass unser Vater uns mit dem
Auto an die Talstation bringen musste. Oben in der Sonne und im
Schnee waren wir dann unter uns. Das heisst, es gab kaum fremde
Touristen. Die meisten Leute waren Schüler des Gymnasiums oder
des Mädchenpensionats gleich nebenan. Und natürlich gab der Skilift
mit seinen alten Bügeln gelegenheit, zufällig neben einem Mädchen
den Hang hoch zu fahren.
Herrliche Zeiten waren das, kann ich dir sagen. Ich habe ein hübsches
Foto von dort oben gefunden. Allerdings ist es eigentlich eine
Reklame. Und ich muss die Schrift übersprayen, damit du den reinen
Naturgenuss hast, den wir auch hatten. Besonders schön war der Blick
hinunter ins Tal, wo die Häuser von Naters und Visp so klein
erschienen, wie die Alltagssorgen und die Hausaufgaben für die Schule.
Rosswald heisst diese Alpe.
Und SM, mein Schulkamerad, der oft gleich in der Pultreihe vor mir
sass im Schulzimmer, war ein absoluter Skifan. Du konntest schon am
Mittwoch Morgen in im Unterricht bemerken, wie unruhig und
aufgekratzt er war, weil er sich darauf freute, am Nachmittag auf dem
Rosswald skifahren zu können. Seine Familie hatte ein Chalet dort
oben. Er war ein ziemlich mittelmässiger Schüler, aber ein absolut
erstklassiger Skifahrer und ein guter, fairer und sportlicher Charakter.
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