Freitag, 11. Dezember 2009

Fliegen

...

Und vielleicht noch mehr als Wolfowitz ärgert mich hier in meinem
Büro die Fliege, die herumfliegt, ohne mich vorher gefragt zu haben.
Ich hasse das. Vielleicht deuten Fliegen den kommenden Frühling an.
Tut nichts, ich hasse sie. Vielleicht gehören sie zur Natur und zu ihrer
erstaunlichen Überlebenskunst. Tut nichts, ich hasse sie. Früher war
ich niemal so empfindlich. Visp war bekannt für die Fliegen.
Eigentlich war unter Wallisern Fliege der Nickname für einen Visper.
Und es gab einen kleinen Witz, den wir als Kinder gerne und lachend
erzählt hatten. Es gab damals in Visp an der Bahnhofstrasse die
Bäckerei Abegg. Jedermann holte dort sein Brot. Und natürlich
kauften wir Kinder beim Abegg unsere Süssigkeiten. Abegg hatte
diese wunderbaren, riesigen Moorenköpfe, wie wir sie nannten,
supersüss und superklebrig. Sie kosteten damals eine Kleinigkeit
von 20 Rappen, was natürlich für unser Budget keine Bagatelle
war. Aber sie schmeckten wirklich wunderbar, diese schneeweisse
Eiweiss-Zucker-Masse, und rundum der knackige Schokoladenmantel.
Ich habe den Gechmack noch heute auf der Zunge. Aus diesen
Gründen war Abegg für uns Kinder ein bemerkenswerter Ort.

Doch der kleine Witz: Da soll eines Tages ein bessere Frau in die
Bäckerei Abegg gekommen sein, eine Doktorsfrau von einem dieser
Chemikern der Lonza. Sie schaute sich kritisch um und fragte dann
die rundliche Frau Abegg, wieviel denn dieser Heidelbeerkuchen
koste. Frau Abegg wedelte und bliess die vielen Fliegen vom Kuchen
weg und stellte fest, dass dies ein ganz normaler und kostengünstiger
Apfelkuchen sei.

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