Du siehst, ich sitze schon wieder vor dem PC. Und du könntest denken, dass ich hier übernachtet habe. Das habe ich nicht, meine Liebe, aber viel hat nicht gefehlt.
Ich bin heute in der Früh rasch aus dem Haus, denn ich wollte dir schnell was schreiben an diesem etwas kühlen und feuchten Morgen. Gestern am Chat hast du gesagt, dass du traurig wirst. Das hat mich beunruhigt. Ich selbst habe den Chat sehr gut gefunden und war ziemlich vergnügt nachher. Ich hatte den Eindruck, ich habe dich richtig gefühlt in diesem Chat, vielleicht mehr als ich dich je gefühlt habe. Wir haben uns fast ein bisschen gestritten, oder sagen wir, wir haben hart argumentiert. Und ich fand es grandios wie du gekämpft hast, meine Liebe. Du hast gekämpft für die lange Mausfreundschaft und gegen das kurze Abenteuer, sozusagen. Es gäbe dazu viel zu sagen. Aber im Moment ist es nicht mein Thema.
Also, ich habe dich gefühlt, habe deinen Widerstand bemerkt und deine Argumentationen wirken lassen. Es war sehr gut, und dazwischen sind wir in der kühlen Abendluft Arm in Arm gewandert und haben die Situation genossen.
Wenn ich den §xy attackiere, weil ich dich in WIRKLICHKEIT sehen und sprechen möchte, musst du nicht glauben, ich sei unzufrieden mit der heutigen Situation. Ich bin sehr zufrieden und sie hält mich wirklich in Atem und ich finde sie sensationell aufregend. Ich habe so etwas im Leben nie erwartet. Es hat mich gepackt wie ein kleiner Sturm, ein Sturm und ein Drang. Und ich hätte mir im Leben nicht geträumt, dass es eine Person wie Marlena gibt, mit der eine solche maladi möglich ist. Nun ja, ich hatte damals natürlich absolut keine Vorstellung, was eine maladi sein könnte.
Es war also ein guter Chat für mich, und ich hoffe, er war für dich zum Schluss auch gut. Sonst hätte ich dich nur zu gerne getröstet und dich gepflegt, so wie du es neulich mit mir getan hast. Ich möchte nicht, dass du aus unserer maladi unglücklich wirst. Ein bisschen Schmerz lässt sich ja noch ertragen, aber doch nicht Unglück. Das würde sich nicht bezahlen. Das Leben ist zu kurz und zu klein, um unglücklich zu sein. Das bezahlt sich nicht aus. Leiden kann man meinetwegen später im Fegefeuer, wie die Katholiken sagen, aber doch nicht im Leben.
Du weißt, dass ich manchmal ein bisschen grüblerisch bin. Ich benenne das natürlich mit dem schönen Wort philosophisch. Aber für meine Mitmenschen ist es vielleicht manchmal ein bisschen verbohrte Denkerei, ein bisschen egozentrisch oder weiss der Kuckuck was. Ich bin wirklich daran, wie du sagst, irgendwie die Abhandlung zu schreiben.
Wir haben nun ja schon verschiedene Begriffe über unsere Mailerei im Gespräch. Du sprichst oft von real-life und von Mausfreundschaft. Letztere ist dann also virtual-life, wenn man den Gegensatz benennen will. Ich habe gesprochen von Spiel und Geschichten. Und schliesslich ist mir noch meine etwas sophistische Unterscheidung zwischen Roman und Fabel in den Sinn gekommen. Lass mich mit diesen Begriffen etwas nachdenken über unsere Mausfreundschaft, wie ich es heute nacht im Bett gemacht habe.
Unsere maladi ist also virtual-life. Sie ist ein konstruktivistisches Unternehmen, wo viele unserer Vorstellungen und Fantasien mitspielen, die vielleicht mit der Realität nicht immer viel zu tun haben. Das eben ist platonisch. Das ist schön, das ist ideal, das ist überweltlich, das ist ewig. Und ich glaube wirklich, dass in der platonischen Welt die Sehnsüchte so heiss werden können wie nie anderswo. Du hast es selbst gesagt. Meine platonische Marlena ist die allerbeste und die allerschönste und die allerintelligenteste Frau der Welt. Das ist einfach so, da gibt es nichts zu rütteln. Sie hat absolut keine Konkurrenz. Und das treibt dann auch die Sehnsucht in die Höhe.
Ich glaube übrigens, dass Rilkes Gedichte auch in solchen Arten von maladis entstanden sind. Solche Sehnsucht und solche Liebesgedichte, formal so hochgeschraubt und veredelt, das kann man nicht in einer normalen alltäglichen Liebe machen, die abends miteinander ins Bett geht. Wenn man miteinander ins Bett geht, ist die Spannung morgens nicht mehr so hoch. Man fühlt vielleicht Glück, Zufriedenheit, Harmonie, aber diese Spannung, dieser Dorn im Fleisch, der ist nicht mehr da, der den Geist so in die Atmosphäre treibt.
Ich hatte noch einen komischen Gedanken, vor dem ich etwas zögere, ihn dir mitzuteilen. Aber wir haben doch versprochen, sehr offen miteinander zu sein. Darum will ich dir ihn sagen. Ich habe gedacht, ST ist für uns ein bisschen wie der Sex in der Beziehung. Da ist mehr Körperlichkeit drin, da ist mehr Dialog, da muss man direkt miteinander kommunizieren, wie bei der Sexualität, wo man sich gegenseitig körperlich bewundert und verehrt und in Liebe einlullt und mit Küssen erforscht. Und manchmal läuft es auch nicht so gut im Sex, wie im ST auch.
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Aber dann sind wir auf der anderen Seite weltliche Geschöpfe, also Wesen aus dem real-life. Und alle unsere Fantasien und Vorstellungen sind gesättigt mit real-life. Meine Vorstellungen von Liebe kommen aus dieser Welt. Und sie sind verknüpft mit körperlichem Kontakt, mit Berührung, mit Worten und mit Gesten. Ich bin ja doch schliesslich nicht im Kloster aufgewachsen. Und so treibt es mich dazu, meine maladi nach diesen alten Mustern zu machen und ich möchte küssen und umarmen und Arm in Arm gehen und die hören und sehen und du weißt schon, wie ich das meine.
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Das ist also ungefähr diese Unterscheidung nach Descartes in res cogitans und res extensa. Und eine Analogie finde ich in der Unterscheidung zwischen Fabel und Roman. Die Fabel ist Idealität, sie ist im ewigen Präsens geschrieben und je mehr man sie liest, desto wahrer wird sie. Sie hat Anspruch auf Ewigkeit. Und der Roman hat eine Zeit, hat eine Entwicklung, ist im Imperfekt geschrieben, zieht sich im Konkreten dahin, und ermüdet sich, nutzt sich ab. Man kann Romane nicht immer wieder lesen. Einmal sind sie ausgeschöpft. Die Fabeln sind kaum je ausgeschöpft.
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So haben wir uns für die Fabel entschieden. Nun, vielleicht müssen wir sagen, wir hatten keine andere Wahl. Es blieb für uns nur noch die Fabel übrig. Und wenn man eine Fabel hat, soll man nicht ständig zum Roman hinüberschielen und denken, der Roman wäre doch besser gewesen. Eine gute Fabel ist fantastisch, und es gibt nichts besseres also so eine ewige Fabel.
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Und dann bleibt noch die Unterscheidung von Geschichten und Spiel. Ich habe sie in meiner Diss nicht als Gegensatz gesehen, sondern als Ergänzung. Aber sie laufen nach einem ähnlichen Schema wie virtual- und real-life.
Geschichten sind verbale Gebilde. Mit Geschichten meine ich auch Erzählungen, Gesagtes allgemein. Wir erzählen uns gegenseitig unsere Geschichten, aus dem Leben, aus unserer Vergangenheit und unserer Gegenwart. Unsere maladi läuft nur im Medium von Geschichten. Es gibt nichts ausserhalb. Alles, was wir tun, sind Wörter hin und her schicken. Und alles, was wir sagen wollen, müssen wir mit Worten sagen. Und alles, was wir tun wollten, müssen wir ersatzweise mit Worten ausdrücken. Es gibt nichts ausserhalb dieses Textes. Er ist das ganze Kunstwerk. Es ist wie wenn ein Bildhauer eine Skulptur macht. Es nützt nichts, wenn er behauptet, die Skulptur sei absolut wundervoll und preisverdächtig. Die Skulptur muss für sich allein sprechen mit ihren eigenen Qualitäten. Man kann sie nicht durch zusätzliches darüber Sprechen verändern oder verbessern oder so.
Wir, liebe Marlena, wir lieben uns mit Worten, wir küssen uns mit Worten (nein, ich glaube, du hast noch nicht geküsst, du bist sehr zurückhaltend in diesen Dingen), wir berühren uns mit Worten. Worte sind alles was wir haben. Unsere maladi geht nicht über Worte hinaus.
Und Worte sind eben immer auch unzuverlässig. Worte können Irrtümer mit sich herumtragen und Worte können lügen und Worte können einen falschen Eindruck erwecken. Die blossen Wörter machen eben dieses virtual-life möglich. Sie können reine Fiktion sein. Du könntest dich sehr täuschen in mir. Ich könnte dir Dinge erzählen, die nicht von mir sind, sondern von einem Bekannten. Ich könnte dir sein Familienfoto geschickt haben. Ich könnte dir die schönsten Liebesgeschichten aus Büchern abgschrieben haben, weil ich möchte, dass wir uns lieben. Aber in Wirklichkeit bin ich vielleicht ein Clochard unter der mittleren Brücke Basels und habe jeden Tag meinen Stress, bis ich meine Flasche Rotwein habe. Das alles, um nicht zu sagen ich sei eigentlich ein Junky, ein fantasievoller, zugegeben.
Im virtual-life könnte immer alles auch anders sein. Virtual-life ist gemacht, ist ein Kunstprodukt. Und die Realität ist ohnehin sekundär. Die interessiert eigentlich nicht sonderlich. Ich glaube, die Jugend kann mit diesen fliessenden Grenzen zwischen real- und virtual-life besser umgehen. Für sie ist real nicht von so hoher Priorität wie für uns ältere Semester.
Und um zu verifizieren, wie weit Geschichten wahr oder real sind, brauche ich das Spiel. Das Spiel ist die Lebenspraxis, also im Gegensatz zu den Worten die Taten, das was man tut, ein geregeltes Vorgehen.
Ein Beispiel: wenn jemand nichts sagt, dann kann ich auf der Ebene der Worte nicht wissen, will er nichts sagen oder kann er nichts sagen. Wenn ich ihn aber sehe, im Spiel der jetzigen Situation, dann weiss ich sofort, wo er steht, ob er nicht will oder ob er nicht kann. Mit der Lebenspraxis kann man verifizieren, ob das, was Menschen mit Worten sagen, auch wirklich zutrifft, oder ob sie nur flunkern und bluffen. Das heisst, ich brauche das Wort "Spiel" in einer umfassenderen Bedeutung. Ich meine nicht Spiel als blosses Spiel, dh. kein Ernst. Spiele haben einen eigenen Ernst. Es gibt die Theorie von Wittgenstein über das Sprachspiel, das in der neueren Philosophie eine grosse Bedeutung erworben hat. Das Sprachspiel war einmal Ausgangspunkt meiner Dissertation.
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So siehst du, meine Mausgeliebte. Wenn ich die Idee hatte, mit dir nach Rom zu reisen, dann habe ich nicht an eine kurze Liebesgeschichte gedacht. Ich bin ja auch nicht einfach ein durchschnittlicher Mensch mit gewöhnlichen Absichten und Ideen. Ich möchte schon etwas Besonderes im Leben. Und meine Vorstellung war, dich einmal zu sehen, deine Stimme zu hören, deine Gesten einzuatmen, deine Mienen zu entschlüsseln, dein Ja-Sagen Ja sein zu lassen. Eigentlich, um dich in deinen Briefen besser zu verstehen und um meine Vorstellungen zu verbessern und zu vervollständigen. Dahinter ist eben mein Wahn, real sei besser als virtual. Ich bin eben so konservativ.
Ich habe ja auch einen anderen Weg versucht. Ich habe gedacht, wenn wir uns nicht allein sehen können, so können wir vielleicht unsere Familien in Kontakt bringen, eine Freundschaft zwischen den beiden Familien arrangieren. Aber da bin ich bei dir gar nicht auf offene Ohren gestossen. Vielleicht wäre es auch nicht so leicht, das gebe ich gerne zu. Vielleicht sind wir wirklich im Stadium 2 der maladi schon zu weit, um so etwas noch wagen zu können.
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Ich sitze hier schon bei meinem vierten Kaffee. Nur um dir zu zeigen, wie ernst ich hier arbeite. Sigmund Freud spricht doch von Trauerarbeit. Ich glaube, dass es auch die Liebesarbeit gibt. Ich glaube, dass Liebe eine Anstrengung ist. Sie ist nicht einfach da und verzaubert alles. Man muss manchmal ziemlich hart für sie arbeiten, das glaube ich. Und ich kann sehen, dass du das ganz ähnlich siehst. Wie du dich kümmerst, wie du dich um mich sorgst, wie du kleine Mitteilungen hinterlässt, wie du dich zeitlich anpasst, damit ich vielleicht noch vor Arbeitsende ein Mail habe, ich sehe doch, wie du dich hingibst und wie du lange Mails schreibst als an sich "schreibfauler" Mensch. Und all das neben deinen anderen vielen Pflichten, die du "um die Ohren hast", wie wir hier sagen. Du bist eine Frau, die sich kümmert um die Mitmenschen, um die Pflichten, um die ganze Situation. Ich muss dir sagen, ich bin sehr berührt, das alles zu sehen. Und wenn ich nicht davon spreche, heisst es nicht, dass ich es nicht merke. Es berührt mich immer wieder und ich bin stets von Neuem hingerissen von deiner zarten und feinen Art, wie du die Dinge in Ordnung hältst. Und du hältst deinen Kopf aufrecht. Das mag ich ganz besonders.
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Das ist mein Mail von heute morgen. Vielleicht ist es ein bisschen schwer verdaulich für ein gewöhnliches Frühstück. Aber das wird sich geben Marlena. Ich wollte dir einfach sagen, dass ich dich liebe, so wie man eben in einer Mausfreundschaft lieben kann. Mehr kann man es wahrscheinlich nicht. Und ich wollte dir sagen, dass ich deinen Charakter schätze, die Art, wie du aufrecht bist. Das ist wunderschön, ich sage es dir. Ich hoffe, dass der Chat von Gestern eine ähnlich frohe Stimmung bei dir gemacht hat. Es war ja das erste mal, dass das System einigermassen vorwärts gelaufen ist. Es war nicht schlecht, und ich habe es genossen, mit dir zu argumentieren und zu reden und zu plaudern. Ich hoffe, meine Art strengt dich nicht zu sehr an. Ich weiss, dass du geduldig bist. Aber es könnte ja auch zuviel sein. Manchmal denke ich, vielleicht belaste ich dich mehr als dass ich dir Energien schenken kann. Das möchte ich wirklich nicht. Ich möchte, dass wir beide Gewinner sind. Ich möchte, dass wir beide soviel Freude haben wie ich sie habe und fühle. Ich möchte, dass du dir deinen Teil nimmst, der dir zusteht, oder dass du ihn geschenkt bekommst oder ich ihn dir geben kann, wie auch immer. Ich kann nicht ausstehen, wenn die Freuden einseitig sind. Ich bin eigentlich sehr süchtig nach Harmonie und Übereinstimmung. Und vergiss nicht, Marlena, wir sind erst am Anfang. Wir haben noch viel Zeit. Wir werden Jubiläen feiern und auf Dezennien anstossen, vielleicht auf ein oder zwei Jahrhunderte wenn es hochkommt ;-))
Kannst du dir das wirklich vorstellen, dass hier in der Schweiz einer sitzt, dem deine Worte tief gehen, dass er ein bisschen aus dem alltäglichen Geleise geraten ist, dass er plötzlich von anderen Dingen denkt, dass er bis abends 21h im Büro sitzen bleibt und alle denken, er spinnt, soviel zu arbeiten, und dass er ganz vergnügt herumgeht und die Leute sich kopfschüttelnd fragen, woher er denn sein Glück schöpft? Kannst du dir das vorstellen?
Und du, meine liebste Mausgeliebte, erzähle mir endlich von Verlaine und von deiner Zeit in Uppsala. Ich warte mit Sehnsucht darauf. Und erzähl mir nicht soviel von der Liebe, die macht mich nur zu verrückt!
i.M. ...
(beim 5. Kaffee jetzt angelangt! Bald beginnt das Herz zu flattern. Es ist gut, wenn man den Kaffe die Schuld geben kann. Obwohl es da noch ein paar andere durchaus valable Optionen gäbe.)
PS: Es war ja gestern aufregend. Ich habe mich schon geärgert, dass wir uns verpasst hätten. Und dann ist es doch noch geglückt. Es war sehr schön und es war lange, bis sie dich zuhause aus dem PC-Raum gezerrt haben.
Montag, 27. März 2023
Vom verlorenen slûzzelin
Dienstag, 14. März 2023
Mein Höllensturz
Liebe Marlena
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Habe ich Dir erzählt von meinem grossen Bild 'Höllensturz'? Na ja, es ist eine Nachempfindung - so würden die Leute heute sagen - eine Nachempfindung von Rubens' Höllensturz. Auf dem Bild stürzen Hunderte von nackten Menschen und unglücklichen, wohl irgendwie schuldigen Kreaturen durch graue Wolkengebilde und blaue Wolkenfenster hindurch in die Tiefe. Es ist eine bodenlose Situation. Man weiss wirklich nicht, wo sie schliesslich landen werden. Und dabei versuchen einige dieser Sünder, sich an sehr weltlichen Dingen festzuklammern, an einem Lampenschirm, an Tüchtern, an Papieren usw. Sie schaffen neben soviel Fleisch einige Farbtupfer im Bild. Und durch das ganze Bild weht ein steifer Wind. Man sieht das an den Körpern, deren Dynamik sich als grosse Bewegung durchs Gewölk zieht. Die menschlichen Leiber wirken wie abgefallene Blätter im Herbstwind.
Die Komposition hat mir damals sehr gefallen. Und ich habe tagelang an der Komposition der Wolken gearbeitet. Das war vielleicht das schwierigste. Es sieht auf dem Bild eher wie zufällig aus, aber es ist sehr viel Kalkulation dahinter.
Solche oder ähnliche Bilder würde ich gerne malen. Aber es fehlt mir ein bisschen die Zeit. Man muss da wochenlang dahinter sein, damit es vorwärts geht und damit man den Anschluss nicht verpasst. Denn wenn das Zeug mal trocken ist, ist es sehr schwer, wieder anzufangen. Die Farbpalette stimmt nicht mehr, und auch die Striche im Bild wirken plötzlich wie Fremdkörper. Es ist, wie wenn man eine alte Liebe wieder aufwärmen wollte. Das geht selten gut.
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Das wäre ein Traum: selbstvergessen in irgend einem atelier-ähnlichen Raum tagelang zu werken, bei Musik, bei ab und zu einem Espresso. Früher hätte ich gesagt, bei einer Gauloise ab und an. Aber heute würde ich den Tabak mit einem kleinen Besuch einer Person eintauschen. Aber es wäre schön, wenn die Situation offen wäre, wenn also Leute zufällig oder gewollt vorbeikommen zu einem kleinen Schwatz oder zu einer längeren Unterhaltung. Das wäre schön.
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Ach, Marlena, wie gerne würde ich Dir mal meine Dinge zeigen, an denen ich hänge: Bilder, Bücher, Ideen, Zeichnungen, Projekte, kleine und grössere Träumchen. Weshalb können wir das nie in jener sinnlichen und RL Form, in der es so schön und einsichtig wäre? Wir bewegen uns - notgedrungen - immer auf dem abstrakten VL-Niveau von Ronda.
Ich wünsche Dir einen wundervollen Tag.
Mit lieben Grüssen
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