3 Oktober 2006
Wir leben in einer spannenden Zeit. Heute wird das Parlament nach
dem Sommeraufenthalt wieder geöffnet. Das Ereignis wird auch immer
im Fernsehen gezeigt, und gerade habe ich die Parlamentsmitglieder
die Treppe hinauf in den Saal schreiten sehen. Sah fast aus wie bei einer
Filmgala. Die jungen Leute, wahrscheinlich neue Abgeordnete, aber
auch einige von den älteren sahen ziemlich nervös und etwas
beschwert aus. Ich habe sie genau studiert. Welche Kleider, welche
Frisuren sie gewählt haben für diesen grossen Augenblick, wenn sie
im Blitzlicht stehen. Und bei einigen dachte ich, oh du Schreck!
Und zuletzt kommen dann noch die Königlichen. Diesmal in einer
offenen Kalesche.. wie im Märchen. Eine Weile hat man die
Kameras auf die früheren Regierungmitgliedergerichtet. Sie fühlen
sich sicher nicht sehr wohl in ihrer Rolle als Opposition. Haben doch
schon ewig am Ruder des Landes gesessen. Erst am Freitag wird
der neue Staatschef, Fredrik Reinfeldt, seinen Posten antreten und
dann werden wir auch sehen aus welchen Personen die neue
Regierung bestehen wird. Es ist interessant, denn in einem so
kleinen Land, wie wir es sind, hat man das Gefühl viele von diesen
Leute gutzu kennen. Ich hoffe dass intelligente und kompetente
Menschen regieren werden.
Diese Woche haben auch die Ernennungen der Nobelpreisträger
dieses Jahres begonnen. Am spannendsten ist natürlich immer zu
sehen wer den Literaturpreis bekommt. Das ist meistens eine grosse
Überraschung. Jedenfalls sieht man dem Tag immer mit gemischten
Gefühlen entgegen. Ich hoffe diesmal auf Adonis. Weisst du wer
das ist?
3 Oktober 2006
Sonntag, 29. November 2009
zu persönlich?
date 2 October 2006 09:08
Siehst du, mein lieber Mausfreund,
ich bin schon wieder da. War gerade zwei Lampen am Auto
austauschen und einen Scheibenwischer. Das machen sie mir
gern an der Tankstelle und man sieht wie stolz und männlich
sie sich dabei fühlen, wenn sie einer "hilflosen" Frau helfen
können. ;-)) Es hätte nicht gut ausgesehen, wenn ich sogar
mit kaputten Lampen zum TÜv gekommen wäre. Man weiss
nicht welche Morgenlaune die Kontrollanten dort haben.
Ja, das schöne Gefühl von gestern hält an. Aber es gibt ein wenig
"smolk i glädjebägaren" (Schmutz im Freudenbecher). Seit ein paar
Tagen habe ich Probleme mit dem linken Auge. Vor Jahren schon,
hatte ich etwas ähnliches und wurde sofortzu einem Spezialisten
geschickt. Dann nach einiger Zeit ist es wiedervon selbst
verschwunden. Doch diesmal ist es etwas lästiger. Wenn
sich die undurchsichtige Stelle vor die Pupille schiebt habe ich
ziemliche Probleme. Doch ich hoffe es wird wieder von selbst
vorübergehen.. wie voriges Mal. Will jetzt nicht vor Paris zum
Arzt gehen.
Du siehst, es gibt alles Mögliche auf der Welt..
Liebe macht blind.. sagt man..
Zur Hölle mit der Liebe, sage ich.
Doch meine schönen Gefühle für dich bestehen. Die möchte ich
für immer behalten, du mein lieber Mausfreund.
...
Siehst du, mein lieber Mausfreund,
ich bin schon wieder da. War gerade zwei Lampen am Auto
austauschen und einen Scheibenwischer. Das machen sie mir
gern an der Tankstelle und man sieht wie stolz und männlich
sie sich dabei fühlen, wenn sie einer "hilflosen" Frau helfen
können. ;-)) Es hätte nicht gut ausgesehen, wenn ich sogar
mit kaputten Lampen zum TÜv gekommen wäre. Man weiss
nicht welche Morgenlaune die Kontrollanten dort haben.
Ja, das schöne Gefühl von gestern hält an. Aber es gibt ein wenig
"smolk i glädjebägaren" (Schmutz im Freudenbecher). Seit ein paar
Tagen habe ich Probleme mit dem linken Auge. Vor Jahren schon,
hatte ich etwas ähnliches und wurde sofortzu einem Spezialisten
geschickt. Dann nach einiger Zeit ist es wiedervon selbst
verschwunden. Doch diesmal ist es etwas lästiger. Wenn
sich die undurchsichtige Stelle vor die Pupille schiebt habe ich
ziemliche Probleme. Doch ich hoffe es wird wieder von selbst
vorübergehen.. wie voriges Mal. Will jetzt nicht vor Paris zum
Arzt gehen.
Du siehst, es gibt alles Mögliche auf der Welt..
Liebe macht blind.. sagt man..
Zur Hölle mit der Liebe, sage ich.
Doch meine schönen Gefühle für dich bestehen. Die möchte ich
für immer behalten, du mein lieber Mausfreund.
...
Freitag, 27. November 2009
Åke
Was den surströmming betrifft so habe ich einen vortrefflichen Artikel
gefunden, der dir das alles genau erklärt. Schau ihn dir an und
geniesse ;-)
http://www.allscandinavia.com/surstromming.htm
*
Und dann habe ich auch eine schöne Erklärung für Aperitif gesehen,
wo ich zum ersten Mal gelernt habe, dass dies gerade in der Schweiz
sich von anderen Aperitifs etwas unterscheidet.
Du hast in den vergangenen Jahren oft einen Apéro gehabt.. und so viel
ich mich erinnere hast du ihn auch genossen. :-)
http://de.wikipedia.org/wiki/Aperitif
*
Jetzt weisst du, was es mit diesem Surströmming auf sich hat. Aber es ist nicht so dass alle Schweden für diese Delikatesse (?)begeistert sind. Im Gegenteil, er teilt die Nation. Eigentlich ist es eine Spezialität aus Norrland aber mit der Zeit hat sie sich übers ganze Land verbreitet. Früher konnte man um diese Jahreszeit leicht riechen wo ein ausgewanderter "norrlänning" wohnte.
Ich muss immer noch schmunzeln wenn ich an das Fest zurückdenke. Stell dir vor dass du fast drei Stunden lang lachen musst. Ich hatte mir auch den richtigen Tischherrn ausgesucht. Nicholson hat gleich um den Platz gebeten aber ich möchte ihn nicht so nahe haben und so schlug ich ihm vor es wäre besser mir gegenüber zu sitzen. Und so hatte ich Lennart neben mir. Die beiden komplettieren sich vortrefflich und versuchen sich in Lustigkeiten zu übertreffen. Auch zeigten sie sich als stolze Väter. Der eine ist stolz über den Professorstitel seines Sohnes und der andere über das neulich erschienene Buch seines Sohnes. Lennart ist schon pensioniert und hört sehr schlecht sodass man ihm ins Ohr schreien muss. Aber er ist lustig und eine grosse Persönlichkeit. Und wenn er sich über etwas unterhält, was immer es ist, hast du stets den Eindruck dass er dir hinter der Hand etwas ganz schockierendes verrät. Er liebt es seine Äusserungen mit pikanten Details zu versehen und die Art wie er dabei guckt.. "wie er seine Wallonenkugeln rollen lässt" wie es mal ein Kollege ausdrückte.. ist so komisch dass du nicht aus dem Lachen kommst. Als ich hinkam war das Zimmer, wo Drinks und Snacks serviert werden schon ziemlich voll. Auch ein paar neue, ganz junge Lehrer waren dabei. Und um ihnen gleich zu zeigen dass sie kein langweiliger Abend unter alten Stofilen erwartete habe ich Lennart dazu angestiftet von seiner Arbeit als Kollektaufnehmer in der Kirche zu erzählen. Ich habe es schon oft gehört aber nie hat er es mit solch grossem Schauspielertalent vorgeführt. Wie er das Geld auf ein Tablett schüttet dann hinausgeht vor die Kirche, zum Himmel aufschaut .. (gerade hier war er unbeschreiblich gut) und wie er sagt: "Herr, nimm was du haben willst.." wobei er das Geld in die Luft hinauf wirft. Und was der Herr nicht behält bleibt für ihn übrig. ;-) Kein Wunder dass er Millionär geworden ist..
Mittwoch, 25. November 2009
Lucian Freuds Bilder
Ich habe kürzlich ein Bildband gekauft über Lucian Freud. Vielleicht
hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des berühmten Sigmund Freud,
lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht.
Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine
Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt
einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund
aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas
Schockierendes an sich. Sie versetzenden Zuschauer in die Rolle des
vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren
und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen
hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind
wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition
fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen, das ist unerhört,oder
besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit
hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen
Moment lang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu
fliegen, um das anzuschauen. Vielleicht findest Du im Internet ein
oder zwei Beispiele von diesem Maler.
Ist er nicht gerade 80 geworden?
*
Oktober 2002
hast du von ihm gehört. Er ist ein Enkel des berühmten Sigmund Freud,
lebt in England, und hat sich einen Namen als Porträtmaler gemacht.
Und dabei macht er seinem Grossväterchen grosse Ehre. Er malt seine
Figuren so nackt, wie man sie kaum je gesehen hat. Das Fleisch springt
einem aus den Bildern derart entgegen, wie es bloss noch bei Sigmund
aus seiner Psychoanalyse geschehen ist. Die Gemälde haben etwas
Schockierendes an sich. Sie versetzenden Zuschauer in die Rolle des
vorwitzigen Voyeuristen, weil die Modelle derart offen daliegen.
Vielleicht ist es das erste Mal, dass auch Männer sich derart exponieren
und ihre Dinger zeigen, wie man das noch niemals auf Bildern gesehen
hat. Im ersten Moment wirkt es widerlich. Bei weiblichen Figuren sind
wir das mehr gewohnt, denn da führt die Malerei eine lange Tradition
fort. Aber das Männer derart die Beine spreizen, das ist unerhört,oder
besser unersehen (kein gängiges deutsches Wort). Ich glaube, zur Zeit
hat Freud eine grosse Ausstellung in der Tate in London. Und einen
Moment lang hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nach London zu
fliegen, um das anzuschauen. Vielleicht findest Du im Internet ein
oder zwei Beispiele von diesem Maler.
Ist er nicht gerade 80 geworden?
*
Oktober 2002
Dienstag, 24. November 2009
wie Männer kochen
...
Nebenbei gesagt weiss ich, liebe Marlena, wie Männer kochen. Ich mach das heute eigentlich kaum mehr. Aber früher habe ich auch ab und zu gekocht, so, wie Männer eben kochen. In der einen das Weinglas, in der anderen den Kochlöffel, dass ist die klassische Pose. So was gehört sich. Ohne das wäre Kochen Galeerenarbeit und die Küche die wahre Hölle. Mit dem Wein aber schon ein bisschen anzufangen, das gibt der Küche jenen Glanz, die sie überhaupt erträglich, ja vielleicht gar wohnlich macht. Man muss aber auch wissen, dass das nicht freiwillig ist. Es herrschen hier ziemlich verbindliche Regeln und Gesetze: Es geht darum, dass man den Wein rechtzeitig zu öffnen hat. Es geht darum, dass man zu prüfen hat, ob denn der Zapfen nicht riecht. Es geht nicht zuletzt darum, dass man sich für ein Vorhaben solcher Grössenordnung – nämlich ein Essen auf den Tisch zu bringen – dass man sich für ein solches Wagnis etwas Mut antrinken muss. Denn wenn man daran denkt, was dabei alles schief gehen könnte! Also, meine Liebe, alle Männer der Welt kochen auf diese Art und Weise. Nicht alle kochen sie vielleicht eine Bouillabaisse, aber alle fuchteln sie mit Weinglas und Kochlöffel herum. Das ist – darwinistisch gesprochen - das Resultat stammesgeschichtlicher Evolution. Soweit die Summe soziobiologischer Erkenntnis! Und was auch erkannt ist: Männer kochen mit doppelt bis dreifachem Budget als ihre Frauen. Und sie waschen nicht ab post festum und überlassen die schmutzige Küche dem Personal. Wer auch immer dieses Personal sein mag. Gott möge sie segnen und behüten, diese Männer der Welt!!!
Ich selbst bin heute soweit, dass ich mir erlaube, mit dem Weinglas in der Luft herum zu fahren, ohne dabei gleich kochen zu müssen. Das mag jetzt etwas überheblich klingen, Marlena, ist es ja vielleicht auch. Aber es braucht doch viel Arbeit an sich selbst, zu trinken, ohne zu kochen. Das ist sozusagen eine Trapeznummer ohne Netz. ...
Nebenbei gesagt weiss ich, liebe Marlena, wie Männer kochen. Ich mach das heute eigentlich kaum mehr. Aber früher habe ich auch ab und zu gekocht, so, wie Männer eben kochen. In der einen das Weinglas, in der anderen den Kochlöffel, dass ist die klassische Pose. So was gehört sich. Ohne das wäre Kochen Galeerenarbeit und die Küche die wahre Hölle. Mit dem Wein aber schon ein bisschen anzufangen, das gibt der Küche jenen Glanz, die sie überhaupt erträglich, ja vielleicht gar wohnlich macht. Man muss aber auch wissen, dass das nicht freiwillig ist. Es herrschen hier ziemlich verbindliche Regeln und Gesetze: Es geht darum, dass man den Wein rechtzeitig zu öffnen hat. Es geht darum, dass man zu prüfen hat, ob denn der Zapfen nicht riecht. Es geht nicht zuletzt darum, dass man sich für ein Vorhaben solcher Grössenordnung – nämlich ein Essen auf den Tisch zu bringen – dass man sich für ein solches Wagnis etwas Mut antrinken muss. Denn wenn man daran denkt, was dabei alles schief gehen könnte! Also, meine Liebe, alle Männer der Welt kochen auf diese Art und Weise. Nicht alle kochen sie vielleicht eine Bouillabaisse, aber alle fuchteln sie mit Weinglas und Kochlöffel herum. Das ist – darwinistisch gesprochen - das Resultat stammesgeschichtlicher Evolution. Soweit die Summe soziobiologischer Erkenntnis! Und was auch erkannt ist: Männer kochen mit doppelt bis dreifachem Budget als ihre Frauen. Und sie waschen nicht ab post festum und überlassen die schmutzige Küche dem Personal. Wer auch immer dieses Personal sein mag. Gott möge sie segnen und behüten, diese Männer der Welt!!!
Ich selbst bin heute soweit, dass ich mir erlaube, mit dem Weinglas in der Luft herum zu fahren, ohne dabei gleich kochen zu müssen. Das mag jetzt etwas überheblich klingen, Marlena, ist es ja vielleicht auch. Aber es braucht doch viel Arbeit an sich selbst, zu trinken, ohne zu kochen. Das ist sozusagen eine Trapeznummer ohne Netz. ...
Montag, 23. November 2009
Nobel Prize 2008

On Monday we had our wonderful Nobel Prize festivities in the Town
Hall of Stockholm. On one of our TV channels we could follow what was
happening all day long, also behind the exterior facade, as for
example have a look in the kitchen where 20 cooks were preparing the
Nobel menu, see how all the flowers were put in place. Maybe you know
that they are a gift from San Remo each year. You could also see the
french Nobel Prize winner in physics be measured by a tailor for his
dress suit and his wife visiting a fashion house in Paris to choose a
dress for the great event, which by the way is not at all a snobbish
etiquette exercise but a generous party where the good mood and the
witty conversation reign.
Earlier that day we could see a wonderful American documentary
about Doris Lessing the Nobel prize winner in literature. Despite her
advanced age (88 years) she is still a strong personality who can take
an annoying reporter down. Above all she refuses to be regarded as an
feminist icon. I just like that woman and I wish she was my
grandmother .. *smile* .. sorry, I forgot my own age... I mean
mother.:-)
Kirchenbesuch u.a.


Hier noch zwei Bilder. Sie kommen, wie Du sicherlich annehmen wirst, aus der Umgebung des Vatikans. Die Medaille für Christina von Schweden befindet sich, wie Du bestimmt weisst, in S Pietro. Ziemlich nahe beim Eingang auf der rechten seite findet man die riesige Medaille. Sie hängt allerdings ziemlich hoch, so dass man die Inschrift kaum lesen kann. Nicht weit davon steht die Pietà von Michelangelo. Davon schicke ich Dir später ein Bild. Natürlich hätte ich diese katholische Christina niemals gesehen ohne unsere Mailerei. Und das andere Bild stammt von der Piazza Santa. Es war ziemlich warm, und die drei Patres haben sich irgendwo ein Wässerchen organisiert. Ich glaube, sie kommen alle drei von sehr verschiedenen Ethnien. Na ja, zwei Asiaten und ein Westler. Der liebe Gott muss in der Tat mehrsprachig sein. Die Moslems denken, er spreche arabisch, die Katholiken vielleicht immer noch, lateinisch. Aber er kann bestimmt auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch! Wenn man von der Piazza Santa durch die Kolonnaden in den Dom will, muss man einen gründlichen Check über sich ergehen lassen. Manchmal gibt es dort lange Warteschlangen. Sie durchleuchten alles: Taschen, Körbe, Mappen etc. Nur die Priester lassen sie ungeschoren durch, wie ich meine. Und dann geht es wieder mehr oder weniger in Kolonne hinauf zum Eingang. Man muss also, wenn man auf den Petersplatz kommt, auf der rechten Seite hinauf. Links lassen sie einen nicht eintreten. Die Piazza Santa ist einfach eindrücklich. Einen solchen Platz gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Das hängt an seiner genialen Gestaltung, aber natürlich auch an den vielen Menschen, die ihn beleben. Man hat irgendwie den Eindruck, hier sei so etwas wie das Zentrum der Welt. Das würden natürlich viele bestreiten, aber eine solche Konzention habe ich sonst nirgendwo gesehen. Na ja, ich habe auch nicht alle Plätze gesehen. Ich würde behaupten, S Marco in Venedig mache einen ähnlich grossen Eindruck auf unsere Seelen. Aber daran sieht man vielleicht nur meinen Eurozentrismus. Der grosse Platz in Isfahan ist jedenfalls von völlig anderer Qualität. Und Times-Square ist kein Platz, sondern eine blosse Strassenkreuzung. Na ja, vielleicht wäre da noch der Wasserturmplatz in Liestal zu erwähnen. Er ist natürlich auch eindrücklich im Sinne der Redensweise: Steter Tropfen höhlt den Stein (meiner Seele). Es ist merkwürdig, wie ich mich in katholischen Kirchen wohl fühle. Ich fühle dort immer einen Frieden und finde mich gut aufgehoben. Das hängt vielleicht schon damit zusammen, dass ich solche Kirchenbesuche mit Ferien assoziiere. In eine Kirche zu treten, bedeutet für mich sozusagen Ferien. Und natürlich sind solche Kirchen immer auch angenehm kühl und ein bisschen dunkel, in Kontrast zur Hitze und Helligkeit der Strasse. Ich kann die Römer verstehen, dass sie ihre schönen Kirchen wie Ruhe- und Meditationsräume nutzen. Und wenn man dann eintritt, zum Beispiel morgens um neun, dann denkt man, man sei allein in diesem grossen Raum. Es sind keine Menschen zu sehen. Man ist beeindruckt vom Raum, von den Säulen, vielleicht von den Malereien oder vom Altar. Man geht herum. Und plötzlich sieht man da und dort Menschen. Die einen sitzen still und scheinen zu beten, oder doch zumindest sich selbst zu suchen und zu finden. Andere gehen herum und schauen sich auch die Kirche an. Vielleicht ist noch irgendwo ein Sakristan unterwegs, der mit irgendwelchen Dingen hantiert. Einziger Nachteil der Kirchen: man kriegt leicht Nackenstarre! Ich hatte in Il Gesû ein lustiges Erlebnis. Ich war so müde und hatte mich auf einen Bank mitten in der Kirche gesetzt. Es gibt dort ein schönes, barockes trompe d'oeuil Deckengemälde, so dass man denkt, man würde geradewegs in den Himmel hinauf sehen. Aber eben der Nacken. Ich sass also ziemlich erschöpft dort und bemerkte, dass ungefähr 4 m vor mier ein Bild aufgestellt war. Es war so schief an einen Stuhl gelehnt. Und wenn immer Menschen vorbeikamen und das Bild betrachteten, hellte sich ihr Gesicht auf. Sie waren ganz begeistert von diesem Bild, vielleicht 50x100cm gross. Und je mehr Leute ich passieren und leuhten sah desto neugieriger wurde ich, was es wohl auf diesem Bild zu sehen gäbe. Ich dachte an einen Grundriss, irgend eine Darstellung, die den Menschen eine Übersicht und eine Einsicht gaben. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen als eine erläuternde Darstellung. Und als ich dann meine Kräfte wieder gesammelt hatte und bereit war, mich hin zu diesem Bild zu bewegen, da fand ich ... einen Spiegel. Er war schief gestellt, so dass man, ohne den Kopf in den Nacken zu werfen, die Decke betrachten konnte. Das war ein lustiger Moment. Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Sonntag, 22. November 2009
Lucian Freud u.a.
Ich war vorgestern im Beyeler Museum. Das ist jenes Privatmuseum in der Nähe Basels, ein wunderschöner Bau mit meist ausgezeichneten Ausstellungen. Doch es hat nur so gewimmelt von Leuten. Das mag ich nicht. Wenn man sich schon in der Garderobe gegenseitig in die Quere kommt, och, das mag ich überhaupt nicht. Aber schliesslich haben sich die vielen Leute in den grossen Räumen verteilt. Und es war eigentlich nichts Aussergewöhnliches zu sehen. Die Standardausstellung Beyelers mit einigen Giacomettis, ein paar Impressionisten, Picassos, Klees etc. Aber dann gab es da noch eine Ausstellung der Kunstsammlung der UBS. Die hatte ich noch nie gesehen. Es gab ein grosses Bild von Lucian Freud, du kennst ihn. Ich mag ihn eigentlich nur wegen seiner Technik. Die Bilder könnte ich zuhause nicht aufhängen, obwohl seine Porträts sicherlich nicht schlecht sind. Aber diese Nackporträts mag ich nur, weil ich sein Können und vielleicht noch ein bisschen seinen Mut bewundere. Er hat einen guten Dreh gefunden, Fleisch darzustellen. Und das ist bestimmt nicht allzu leicht. Stell dir vor: Fleisch, das bloss so rosa aussieht. Wie kann man es plastisch darstellen, so dass das Knochengerüst durchscheint, und dass man neben den Licht und Schatteneffekten auch noch die Adern darunter sieht. Das macht er nicht schlecht. Und die Leute, die er malt, sind auch keine schönen Menschen. Und dann liegen sie so ausgebreitet da wie die Tiere. Da steht er vielleicht in der Tradition seines grossen Onkels?
Kurz und gut, ich habe diesen Lucian Freud mehr oder weniger übergangen und habe mir die anderen Stücke der UBS angeschaut.
30 December 2005
Kurz und gut, ich habe diesen Lucian Freud mehr oder weniger übergangen und habe mir die anderen Stücke der UBS angeschaut.
30 December 2005
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