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Ämne: Nachtisch
Datum: den 16 juni 12:05
Liebe Malou
Na ja, ich weiss nicht, ob die Leute rund um mich Deine Aussagen bestätigen würden, dass ich solch ein glücklicher Mensch sei. Aber ich versuche mein Bestes. Ich glaube, Glück ist eine Aufgabe, die jeder selbst an die Hand nehmen muss. Man kann nicht darauf warten. Warten macht unglücklich. Die Römer haben das richtig gesehen. Das Glück kommt zum Tüchtigen. Aber heute verstehen die Menschen Glück eher im Sinne des gewünschten Ausganges bei der Lotterie. Das ist es nun ganz und gar nicht, oder? Man könnte sogar - etwas paradox - behaupten: die Unglücklichen sind die Glücklichen, dh. jene, welche das Unglück trifft, werden insgesamt glücklicher sein im Leben. Stell Dir bloss vor, wie unglücklich ein Lottogewinn machen könnte. Du hättest keine ruhige Nacht mehr. Und trotzdem würde keiner dazu nein sagen. Es ist ja wohl ähnlich wie mit den Aktien. Wenn sie tief stehen, ist jede Veränderung meist eine Verbesserung, also positiv. Und wenn sie hochstehen, ist jede Veränderung leicht eine Verschlecherung. So lebt man irgendwie glücklicher mit tiefen als mit hohen Aktien. Ach, ich glaube, ich muss mal eine Lebensphilosophie schreiben, damit die armen Leute endlich lernen, wie sie glücklich werden.
Man weiss ja, dass das Glück im Kopf entsteht. Und das geht einher mit der Produktion von Endomorphinen, also mit der körpereigenen Drogenproduktion. Mit anderen Worten ist das Glücksgefühl ein Pool, der von verschiedensten Kanälen gespiesen werden kann. Man sagt doch auch, Süssigkeiten sei der Sex der alten Leute. Man kann also Süssigkeiten essen, man kann Sex machen, man kann einem beliebten Hobby fröhnen, man kann tolle Bücher lesen, man kann Sport treiben. All das kann den Pool speisen. Man sollte wohl bloss zusehen, dass er nicht allzu leer wird und austrocknet.
Dass ich zu Deinem Glück beitrage, freut mich besonders. Ich mag Deine freundliche (und meine damit eher 'friendly') Art sehr. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Du bald ohne Schüler in Deinem Leben auskommen wirst. Hast Du kein Foto, wo man Dich mit einer Klasse sieht? Wenn nicht, mach noch rasch eines, denn die Chancen sind bald vorbei.
Hier ist der Regen schliesslich eingetroffen. Ich weiss nicht, woher die Wettermacher soviel Wasser haben. Wahrscheinlich von den Regen des Vortages ;--))
Was kochst Du für Deine Gäste? Was trinkt Ihr, wenn keinen Wein? Apfelsaft? Mineralwasser? Cola? Vielleicht einen tüchtigen Schnaps? Ich habe in früheren Jahren immer sehr gerne einen Apero getrunken. Den schätzte ich noch mehr als den Wein während des Essens. Und dabei war ich nicht mal besonders wählerisch. Ich mochte Vermouth mit Soda, Pastis, einen Weisswein, Kir oder was immer. Ich fand, im Apero liege all die Vorfreude auf das Essen, all das sonnige Gefühl der Erwartung auf den süssen Genuss und die Sinnenfreude, nicht nur Essen und Trinken, sondern auch das Gespräch, der Kontakt, die Anekdoten, die kleinen Scherze und der Blick und Anblick aufgeräumter Menschen am Tisch, fein gekleidet und sauber gebürstet. Du weisst ja, mein Ideal ist eine Art Osterlammessen mit etwa 10 Gängen und 11 Reden von geistvollen Leuten.
Ja, es ist merkwürdig, dass die Männer so gerne von ihren alten Lieben und Liebeleien prahlen. Weshalb eigentlich? Natürlich erinnern wir uns gerne zurück. Es ist, als ob man nochmals ein kleines Zipfelchen davon erhaschen möchte. Aber es ist dann auch eine Art Show, oder nicht? Wir Männer brüsten uns gern. Das liegt vielleicht im biologischen Auftrag, die eigenen Gene in der halben Welt zu zerspritzen. Gestern abend habe ich ein bisschen in meinen Tagebuchnotizen aus N.Y. gelesen. Dort hatte ich festgestellt, dass die weissen Männer im öffentlichen Raum deutlich mit gespreizten Beinen herumsitzen. Sie brauchen praktisch Raum für 2 oder gar 3. Etwas moderater mit der Beinhaltung waren die Schwarzen. Und deutlich bescheidener dann die Asiaten. Ich glaube, die Männer bemerken gar nicht, wie sie ihre Beine aufbauen und hochkonstruieren wenn sie sitzen. Ich war in einem Starbucks-Cafè, wo mir der Gegenüber praktisch die Beine auf den Tisch legte. Ich mag diese Posiererei absolut nicht, obwohl ich nicht ausschliessen kann, dass ich nicht auch ein paar solche Ticks habe.
Ach, das Thema rutscht ab.
GuK
...
Mittwoch, 29. Februar 2012
Dienstag, 28. Februar 2012
Morgenprélude..
Ämne: Kleines Morgenprélude..
Datum: den 16 juni 07:44
Lieber ...,
Ich bin gerade erst aufgestanden und meine ersten Schritte gehen sofort zu dir. Ja, W scheint ein richtiger Harro zu sein. Ich meine schon der Namen ist irgendwie brutal und vernaschend.
Er ist nicht allein mit seinem Schwärmen von der Jugendzeit. Auch ich habe Männer um mich herum, die sich gern an früher erinnern und vielleicht fehlendes in der Gegenwart mit Erinnerungen an eine abenteuerliche Vergangenheit ersetzen. Und dann gibt es andere, die ein braves Leben geführt haben und nun bereuen, dass sie die Zeit damals nicht besser ausgenützt haben "à la W", weil sie nicht wussten wie schnell die schönen Zeiten vorüber sind.
Und wir beiden? Ich habe den Eindruck, dass du auch in der Gegenwart ganz zufrieden bist mit dem Leben. Du scheinst mir ein glücklicher Mensch zu sein, voll von Lebenslust und Energie.
Ich fühle mich auch glücklich und ich glaube, dass du stark dazu beiträgst. Nein, ich weiss muss es heissen.
Hier strahlt die Sonne wieder. Ein klein wenig windig, sehe ich an den Ästen des Kirschbaumes. Ich werde hinausgehen und sehen ob wieder was aus der Erde hochgekommen ist.
Dann muss ich noch einiges erledigen bevor ich mich an die Kochtöpfe stelle. Habe mir ein gutes Essen ausgedacht, was nicht zu viel arbeit macht. Ich bedaure nur, dass alle Gäste mit dem Auto kommen, denn
ich hätte doch gern einen guten Rotwein dazu serviert. Aber wir werden es auch ohne schaffen, die Konversation in Gang zu halten. ;-)
Ich komme nochmals vorbei später. Wünsche dir einen schönen Tag mit Freude und Zufriedenheit,
G+K,
Malou
Datum: den 16 juni 07:44
Lieber ...,
Ich bin gerade erst aufgestanden und meine ersten Schritte gehen sofort zu dir. Ja, W scheint ein richtiger Harro zu sein. Ich meine schon der Namen ist irgendwie brutal und vernaschend.
Er ist nicht allein mit seinem Schwärmen von der Jugendzeit. Auch ich habe Männer um mich herum, die sich gern an früher erinnern und vielleicht fehlendes in der Gegenwart mit Erinnerungen an eine abenteuerliche Vergangenheit ersetzen. Und dann gibt es andere, die ein braves Leben geführt haben und nun bereuen, dass sie die Zeit damals nicht besser ausgenützt haben "à la W", weil sie nicht wussten wie schnell die schönen Zeiten vorüber sind.
Und wir beiden? Ich habe den Eindruck, dass du auch in der Gegenwart ganz zufrieden bist mit dem Leben. Du scheinst mir ein glücklicher Mensch zu sein, voll von Lebenslust und Energie.
Ich fühle mich auch glücklich und ich glaube, dass du stark dazu beiträgst. Nein, ich weiss muss es heissen.
Hier strahlt die Sonne wieder. Ein klein wenig windig, sehe ich an den Ästen des Kirschbaumes. Ich werde hinausgehen und sehen ob wieder was aus der Erde hochgekommen ist.
Dann muss ich noch einiges erledigen bevor ich mich an die Kochtöpfe stelle. Habe mir ein gutes Essen ausgedacht, was nicht zu viel arbeit macht. Ich bedaure nur, dass alle Gäste mit dem Auto kommen, denn
ich hätte doch gern einen guten Rotwein dazu serviert. Aber wir werden es auch ohne schaffen, die Konversation in Gang zu halten. ;-)
Ich komme nochmals vorbei später. Wünsche dir einen schönen Tag mit Freude und Zufriedenheit,
G+K,
Malou
Re: www
Ämne: RE: www
Datum: den 16 juni 07:06
Liebe Malou
Wunderbar, ein Brüderchen als Holzfäller zu haben. Sie sind in gewissen Situationen überaus praktisch. Vor allem auch, wenn man Besitzer eines grossen und wilden Gartens ist. Das wird für Dein Brüderchen eine lange Reise machen, bis hinauf nach Norrland.
Aber dass er in dieser Situation am Fernsehen an sein schwedisches Schwesterchen dachte, das macht ihn doch einigermassen sympathisch.
Da kommt mir in den Sinn, dass wir im Militärdienst immer jenes Lied vom Schwedenmädchen gesungen hatten. Du kannst das schwerlich verstehen, Malou, aber wenn man als Rekrut im Militär durch alle Qualen und die schlimmsten Sümpfe geht, dann denkt man gern an ein klares Mädchengesicht mit heller Haut und blauen Augen. Ich hatte zwar damals einen anderen Schwarm. Sie hatte auch sehr helle Haut, aber dunkle, geradezu schwarzes Haar. Ich glaube, sie ist mir jeweils beim Lied durch den Kopf geschwebt und ich hatte mir vorgestellt, wie wunderbar es jetzt wäre, mit ihr zusammen zu sein. Und dabei kannte ich sie gar nicht sonderlich gut. Sie war damals au pair in Paris und wir pflegten Briefe zu schreiben. Ich erinnere mich noch an ihre sorgfältige und gutwillige Mädchenschrift, mit welcher sie ihre kleinen Komplimente machte. Und ihre Briefe waren mir sozusagen Opium im steinigen und männerorientierten Militärleben in der Romandie. Heute ist sie verheiratet mit einem „schwierigen“ Studienrat, habe ich mir von ihrer Kusine erzählen lassen, und hat einen Sohn. Sie lebt an einem Ort, der demjenigen Visps sehr ähnlich ist. Schon wenn ich mir das vorstelle, kann ich mir kaum vorstellen, wie sie das schafft: immer noch in derselben Umgebung leben wie schon immer. Das ist doch sehr monoton.
Na ja, ich will Dich nicht mit meinen verflossenen Freundinnen und Beinahe-Freundinnen langweilen. Das ist ja auch eher ein Thema für den Militärdienst. Oder für W. Er liebt diese Gespräche über seine alten Freundinnen. Ich glaube, es ist für ihn jeweils eine Verjüngungskur. Er ist übrigens und nebenbei gesagt, auch eher ein Holzfäller -Typ, und er hat eine zeitlang Mädchen vernascht so wie wir normalen Männer Erdbeeren kosten. Mindestens hört es sich so an, wenn er davon erzählt.
Hört sich gut an, F.. in Brasilien. Und liegt tief unten, beinahe an der Grenze zu Uruguay, habe ich gesehen. Wollen wir dort auch einen WWW-Stützpunkt organisieren? Wäre nicht schlecht. Ich glaube, die südliche Hemisphäre ist auf unserer Karte noch etwas untervertreten.
Und meine Ängstlichkeit für unsere Mailerei, wenn Du mal in Pension bist, ist doch ziemlich realistisch. Ich glaube nicht, dass Du noch immer diese Regelmässigkeit im Tagesablauf haben wirst. Und die hohe Kunst, jeden Tag ein Mail zu schreiben, ist eine fragile Fertigkeit, das kann ich Dir sagen. Es hat mich ziemlich viel Arbeit gekostet, Dich auf diese Höhe zu bringen. Und es fragt sich, wie schnell Du da wieder herunterkommst. Na ja, wir werden sehen, was auf uns zu kommt. Veränderungen im Leben haben ja immer auch positive Aspekte. Ich werde mich wieder auf meine Tauben konzentrieren, vielleicht eine kleine Taubenzucht beginnen? Sie sitzen gerade wieder auf dem Dachfirst gegenüber. Aber es sind nur deren drei im Moment.
Soll ich noch ein Wort verlieren über den bedeckten Himmel? Das Wetter sieht etwas trübe aus. Es scheint mit dem Gedanken zu spielen, ein paar Tropfen fallen zu lassen. Die Luft ist feucht, man kommt schon morgens um diese Zeit leicht ins Schwitzen, na ja, mindestens feuchte Haut.
So wünsche ich Dir, meine Treue, einen feinen Tag
mit lguk
...
Datum: den 16 juni 07:06
Liebe Malou
Wunderbar, ein Brüderchen als Holzfäller zu haben. Sie sind in gewissen Situationen überaus praktisch. Vor allem auch, wenn man Besitzer eines grossen und wilden Gartens ist. Das wird für Dein Brüderchen eine lange Reise machen, bis hinauf nach Norrland.
Aber dass er in dieser Situation am Fernsehen an sein schwedisches Schwesterchen dachte, das macht ihn doch einigermassen sympathisch.
Da kommt mir in den Sinn, dass wir im Militärdienst immer jenes Lied vom Schwedenmädchen gesungen hatten. Du kannst das schwerlich verstehen, Malou, aber wenn man als Rekrut im Militär durch alle Qualen und die schlimmsten Sümpfe geht, dann denkt man gern an ein klares Mädchengesicht mit heller Haut und blauen Augen. Ich hatte zwar damals einen anderen Schwarm. Sie hatte auch sehr helle Haut, aber dunkle, geradezu schwarzes Haar. Ich glaube, sie ist mir jeweils beim Lied durch den Kopf geschwebt und ich hatte mir vorgestellt, wie wunderbar es jetzt wäre, mit ihr zusammen zu sein. Und dabei kannte ich sie gar nicht sonderlich gut. Sie war damals au pair in Paris und wir pflegten Briefe zu schreiben. Ich erinnere mich noch an ihre sorgfältige und gutwillige Mädchenschrift, mit welcher sie ihre kleinen Komplimente machte. Und ihre Briefe waren mir sozusagen Opium im steinigen und männerorientierten Militärleben in der Romandie. Heute ist sie verheiratet mit einem „schwierigen“ Studienrat, habe ich mir von ihrer Kusine erzählen lassen, und hat einen Sohn. Sie lebt an einem Ort, der demjenigen Visps sehr ähnlich ist. Schon wenn ich mir das vorstelle, kann ich mir kaum vorstellen, wie sie das schafft: immer noch in derselben Umgebung leben wie schon immer. Das ist doch sehr monoton.
Na ja, ich will Dich nicht mit meinen verflossenen Freundinnen und Beinahe-Freundinnen langweilen. Das ist ja auch eher ein Thema für den Militärdienst. Oder für W. Er liebt diese Gespräche über seine alten Freundinnen. Ich glaube, es ist für ihn jeweils eine Verjüngungskur. Er ist übrigens und nebenbei gesagt, auch eher ein Holzfäller -Typ, und er hat eine zeitlang Mädchen vernascht so wie wir normalen Männer Erdbeeren kosten. Mindestens hört es sich so an, wenn er davon erzählt.
Hört sich gut an, F.. in Brasilien. Und liegt tief unten, beinahe an der Grenze zu Uruguay, habe ich gesehen. Wollen wir dort auch einen WWW-Stützpunkt organisieren? Wäre nicht schlecht. Ich glaube, die südliche Hemisphäre ist auf unserer Karte noch etwas untervertreten.
Und meine Ängstlichkeit für unsere Mailerei, wenn Du mal in Pension bist, ist doch ziemlich realistisch. Ich glaube nicht, dass Du noch immer diese Regelmässigkeit im Tagesablauf haben wirst. Und die hohe Kunst, jeden Tag ein Mail zu schreiben, ist eine fragile Fertigkeit, das kann ich Dir sagen. Es hat mich ziemlich viel Arbeit gekostet, Dich auf diese Höhe zu bringen. Und es fragt sich, wie schnell Du da wieder herunterkommst. Na ja, wir werden sehen, was auf uns zu kommt. Veränderungen im Leben haben ja immer auch positive Aspekte. Ich werde mich wieder auf meine Tauben konzentrieren, vielleicht eine kleine Taubenzucht beginnen? Sie sitzen gerade wieder auf dem Dachfirst gegenüber. Aber es sind nur deren drei im Moment.
Soll ich noch ein Wort verlieren über den bedeckten Himmel? Das Wetter sieht etwas trübe aus. Es scheint mit dem Gedanken zu spielen, ein paar Tropfen fallen zu lassen. Die Luft ist feucht, man kommt schon morgens um diese Zeit leicht ins Schwitzen, na ja, mindestens feuchte Haut.
So wünsche ich Dir, meine Treue, einen feinen Tag
mit lguk
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Re: Tour de Suisse
Ämne: RE: tour de suisse..
Datum: den 15 juni 08:21
Lieber ...,
Deine Mails sind ein richtiges Aufputschmittel. Sie steigern meine Lebensgeister bis in den Himmel hinein. Deine lustige Beschreibung über den Tour de Suisse im Wallis ist so, dass ich sie an die ganze Welt versenden möchte. So was Perfektes kann man doch nicht als sein Eigentum verstecken. Aber ich weiss, wenn ich es nach Brasilien schicken würde, dann würde der alte Walliser verrückt werden, denn sicher hat auch er dort gestanden und dasselbe erlebt wie du.
Ja, wir haben noch Kontakt miteinander. Aber nicht täglich und auch nicht Wöchentlich. Er hat sich nun auch eine Digitalkamera gekauft und schickt wunderschöne Bilder von seiner Umgebung. Ich glaube wirklich, dass F.. das Paradis von Brasilien ist. Weil die Kriminalität dort im Verhältnis zum übrigen Land sehr gering ist möchten Leute, die Geld haben, gern dort wohnen. Und das Wetter soll auch idealisch sein. Vielleicht kommst du mal dorthin mit deiner www-gruppe. Klingt schön ein solches Projekt.
*
Ja, offen gesagt bin ich auch etwas ängstlich, was unsere Zukunft betrifft. Nicht vielleicht für das kommende Jahr, wenn ich noch allein hier wohne in den Wochen. Aber dann später wenn ich immerzu jemanden um mich herum habe. Das ist wohl ungefähr so, als ob du mir nur von zu Hause aus schreiben könntest. Aber wir werden es überleben. Was mich besonders freut in deinem Mail ist deine Aussage:
"Ich war oft erstaunt, wie knapp Deine Mails ausgefallen waren immer dann, wenn ich mir ein besonders ausführliches gewünscht und ausgerechnet hatte, weil ich dachte, Du hättest viel Zeit."
Ich meine die Tatsache, dass du dir lange mails gewünscht hast. Ich glaube es ist auch so bei mir. Manchmal, wenn ich ganz sicher war, dass du mir sofort mit einem langen Mail antworten würdest, hast du ganz geschwiegen und meine Mailbox konnte sogar mehrere Tage leer sein.
*
Ja, du hast recht. Ich verlasse diese Stelle nun ganz. Denn wenn ich noch halbzeit weiterarbeiten würde, bekäme ich, wie ich dir sagte, "halben Lohn" und würde mich doch voll beschäftigen. Als ich den Beschluss fasste, wusste ich noch nicht, wie richtig es war dies zu tun. Ich dachte ich würde mit einem neuen Angestellten, von dem wir wissen, dass er für Qualität und Ordnung sorgt, zusammenarbeiten. Aber ich glaube unser Direktor hat diesen Mann als eine Gefahr gesehen und hat stattdessen einen "nicht-Sprachlehrer", für den es nicht genug Stunden gab in seinen eigenen Fächern, als Deutschlehrer eingestellt.
...
So werde ich in Zukunft das Gras wachsen sehen und Kartoffeln ernten, wie du so lustig sagst. Und ich werde vor allem aufräumen. Stell dir vor, hier liegen Dinge in den Schränken und Schubladen, die bis zu 30 Jahre alt sind. Ich muss Platz schaffen für Ks Sachen, wenn er nächstes Jahr hier einzieht. Ach, das wird eine grosse Umstellung werden. Aber ich hoffe dass wir eine "friedliche Koexistens" haben können.
Eigentlich beginne ich mich erst jetzt richtig zu freuen auf mein neues Dasein. Ich kann es noch nicht richtig fassen... aber langsam gewöhne ich mich an den Gedanken. Und irgendeine Beschäftigung werde ich schon finden, die mich auf Trab hält.. wie du es ausdrückst.
Ich muss bald zur Schule. Ich habe schon eine grosse grüne Mülltonne dort stehen, die ich füllen werde. Ich muss meinen Platz räumen, weil ihn vielleicht jemand schon im August braucht. Sonst arbeite ich ja noch bis zum 1. September. Auch meine beiden nächsten Kollegen werden das tun.
*
Weisst du eigentlich wie sehr ich an dir hänge??? Du brauchst dich nicht zu ängstigen wegen der zukünftigen Mailerei. Ich bin ein treues Geschöpf, "till death do us part". :-) Und wenn die Gegenwart zu öde ist, so werde ich aus meinen Erinnerungen schöpfen und über meine alternative Leben erzählen, so wie du es letzthin getan hast. Reden mit dir werde ich immer wieder, die Frage ist nur ob du mir aufmerksam zuhören wirst. Männer werden mit dem Alter etwas taub. ;-)
Ich muss jetzt los. Sende dir liebe grüsse und wünsche dir einen schönen angenehmen Tag,
Mit S und K,
Malou
Datum: den 15 juni 08:21
Lieber ...,
Deine Mails sind ein richtiges Aufputschmittel. Sie steigern meine Lebensgeister bis in den Himmel hinein. Deine lustige Beschreibung über den Tour de Suisse im Wallis ist so, dass ich sie an die ganze Welt versenden möchte. So was Perfektes kann man doch nicht als sein Eigentum verstecken. Aber ich weiss, wenn ich es nach Brasilien schicken würde, dann würde der alte Walliser verrückt werden, denn sicher hat auch er dort gestanden und dasselbe erlebt wie du.
Ja, wir haben noch Kontakt miteinander. Aber nicht täglich und auch nicht Wöchentlich. Er hat sich nun auch eine Digitalkamera gekauft und schickt wunderschöne Bilder von seiner Umgebung. Ich glaube wirklich, dass F.. das Paradis von Brasilien ist. Weil die Kriminalität dort im Verhältnis zum übrigen Land sehr gering ist möchten Leute, die Geld haben, gern dort wohnen. Und das Wetter soll auch idealisch sein. Vielleicht kommst du mal dorthin mit deiner www-gruppe. Klingt schön ein solches Projekt.
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Ja, offen gesagt bin ich auch etwas ängstlich, was unsere Zukunft betrifft. Nicht vielleicht für das kommende Jahr, wenn ich noch allein hier wohne in den Wochen. Aber dann später wenn ich immerzu jemanden um mich herum habe. Das ist wohl ungefähr so, als ob du mir nur von zu Hause aus schreiben könntest. Aber wir werden es überleben. Was mich besonders freut in deinem Mail ist deine Aussage:
"Ich war oft erstaunt, wie knapp Deine Mails ausgefallen waren immer dann, wenn ich mir ein besonders ausführliches gewünscht und ausgerechnet hatte, weil ich dachte, Du hättest viel Zeit."
Ich meine die Tatsache, dass du dir lange mails gewünscht hast. Ich glaube es ist auch so bei mir. Manchmal, wenn ich ganz sicher war, dass du mir sofort mit einem langen Mail antworten würdest, hast du ganz geschwiegen und meine Mailbox konnte sogar mehrere Tage leer sein.
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Ja, du hast recht. Ich verlasse diese Stelle nun ganz. Denn wenn ich noch halbzeit weiterarbeiten würde, bekäme ich, wie ich dir sagte, "halben Lohn" und würde mich doch voll beschäftigen. Als ich den Beschluss fasste, wusste ich noch nicht, wie richtig es war dies zu tun. Ich dachte ich würde mit einem neuen Angestellten, von dem wir wissen, dass er für Qualität und Ordnung sorgt, zusammenarbeiten. Aber ich glaube unser Direktor hat diesen Mann als eine Gefahr gesehen und hat stattdessen einen "nicht-Sprachlehrer", für den es nicht genug Stunden gab in seinen eigenen Fächern, als Deutschlehrer eingestellt.
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So werde ich in Zukunft das Gras wachsen sehen und Kartoffeln ernten, wie du so lustig sagst. Und ich werde vor allem aufräumen. Stell dir vor, hier liegen Dinge in den Schränken und Schubladen, die bis zu 30 Jahre alt sind. Ich muss Platz schaffen für Ks Sachen, wenn er nächstes Jahr hier einzieht. Ach, das wird eine grosse Umstellung werden. Aber ich hoffe dass wir eine "friedliche Koexistens" haben können.
Eigentlich beginne ich mich erst jetzt richtig zu freuen auf mein neues Dasein. Ich kann es noch nicht richtig fassen... aber langsam gewöhne ich mich an den Gedanken. Und irgendeine Beschäftigung werde ich schon finden, die mich auf Trab hält.. wie du es ausdrückst.
Ich muss bald zur Schule. Ich habe schon eine grosse grüne Mülltonne dort stehen, die ich füllen werde. Ich muss meinen Platz räumen, weil ihn vielleicht jemand schon im August braucht. Sonst arbeite ich ja noch bis zum 1. September. Auch meine beiden nächsten Kollegen werden das tun.
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Weisst du eigentlich wie sehr ich an dir hänge??? Du brauchst dich nicht zu ängstigen wegen der zukünftigen Mailerei. Ich bin ein treues Geschöpf, "till death do us part". :-) Und wenn die Gegenwart zu öde ist, so werde ich aus meinen Erinnerungen schöpfen und über meine alternative Leben erzählen, so wie du es letzthin getan hast. Reden mit dir werde ich immer wieder, die Frage ist nur ob du mir aufmerksam zuhören wirst. Männer werden mit dem Alter etwas taub. ;-)
Ich muss jetzt los. Sende dir liebe grüsse und wünsche dir einen schönen angenehmen Tag,
Mit S und K,
Malou
Sonntag, 26. Februar 2012
Tour de Suisse .. im Wallis
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Ämne: RE: tour de suisse
Datum: den 15 juni 07:07
...
Ich erinnere mich an Tour de Suisse Durchfahrten im Wallis. Im beschaulichen Tal war ja eigentlich nicht viel los. Und wenn schon mal ein nationales Ereignis von dieser Grössenordnung angesagt war, waren alle, und besonders wir Kinder aus dem Häuschen. Und so standen wir dann stundenlang an der Kantonsstrasse, schauten staunend den plärrenden Lautsprecherfahrzeugen nach, die vorbei glitten, und warteten auf die Fahrer, die noch kommen sollten. Immer hiess es, dass sie gleich kämen. Und jedes neue Lautsprecherfahrzeug jagte uns den Puls wieder in die Höhe, nachdem man die Hoffnung schon ein wenig aufgegeben hatte. Und dann, nach vielleicht 2 Stunden, als man wirklich nichts mehr erwartete und nur noch herumstand, weil alle anderen Leute auch herumstanden, als man sich schon wieder auf den Rest des Tages zu konzentrieren begann, erst dann kam mäuschenstill und in Windeseile ein Schwarm von Velofahrern. Die älteren Leute, die wussten, worum es sich hier handelte, klatschten, riefen vielleicht hopp schwiiz, hopp schwiiz, und in aller Stille war dieser farbige strampelnde Schwarm vorbei. Man konnte es nicht glauben, dass das jetzt die Tour de Suisse gewesen sein sollte. Ich meine, hör Dir doch mal diesen Namen an: TOUR DE SUISSE. Ich meine, das klingt doch nach etwas. Aber es war das absolute Nicht-Ereignis, ‚much ado about nothing’ würde der olle Shakespeare sagen. Ich habe das als Junge vielleicht zwei- oder dreimal erlebt. Und ich war jedes Mal bis über die Ohren frustriert und habe schwer an der Vernunft der Erwachsenen zu zweifeln begonnen. So bestand keine Gefahr, dass ich gestern hier in L an die Strasse stehen würde, um auf die Tour de Suisse zu warten. Wirklich keine Gefahr.
---
Jetzt sag mal, habe ich Dich richtig verstanden? Du gibst also Deinen Job gänzlich auf? Du wirst Dich völlig auf den Haushalt zurückziehen? Du willst sagen, dass Du dann nur noch Wäsche machst und Plätzchen kochst und im Garten Kartoffeln erntest????? Wenn das so ist, dann wird mir echt ein bisschen Angst um die Mails, die ich von Dir erwarte. Ja, das hört sich echt nicht sehr zukunftsträchtig an! Ich bin gespannt, was da auf uns zukommen wird.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
mlguk
...
Ämne: RE: tour de suisse
Datum: den 15 juni 07:07
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Ich erinnere mich an Tour de Suisse Durchfahrten im Wallis. Im beschaulichen Tal war ja eigentlich nicht viel los. Und wenn schon mal ein nationales Ereignis von dieser Grössenordnung angesagt war, waren alle, und besonders wir Kinder aus dem Häuschen. Und so standen wir dann stundenlang an der Kantonsstrasse, schauten staunend den plärrenden Lautsprecherfahrzeugen nach, die vorbei glitten, und warteten auf die Fahrer, die noch kommen sollten. Immer hiess es, dass sie gleich kämen. Und jedes neue Lautsprecherfahrzeug jagte uns den Puls wieder in die Höhe, nachdem man die Hoffnung schon ein wenig aufgegeben hatte. Und dann, nach vielleicht 2 Stunden, als man wirklich nichts mehr erwartete und nur noch herumstand, weil alle anderen Leute auch herumstanden, als man sich schon wieder auf den Rest des Tages zu konzentrieren begann, erst dann kam mäuschenstill und in Windeseile ein Schwarm von Velofahrern. Die älteren Leute, die wussten, worum es sich hier handelte, klatschten, riefen vielleicht hopp schwiiz, hopp schwiiz, und in aller Stille war dieser farbige strampelnde Schwarm vorbei. Man konnte es nicht glauben, dass das jetzt die Tour de Suisse gewesen sein sollte. Ich meine, hör Dir doch mal diesen Namen an: TOUR DE SUISSE. Ich meine, das klingt doch nach etwas. Aber es war das absolute Nicht-Ereignis, ‚much ado about nothing’ würde der olle Shakespeare sagen. Ich habe das als Junge vielleicht zwei- oder dreimal erlebt. Und ich war jedes Mal bis über die Ohren frustriert und habe schwer an der Vernunft der Erwachsenen zu zweifeln begonnen. So bestand keine Gefahr, dass ich gestern hier in L an die Strasse stehen würde, um auf die Tour de Suisse zu warten. Wirklich keine Gefahr.
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Jetzt sag mal, habe ich Dich richtig verstanden? Du gibst also Deinen Job gänzlich auf? Du wirst Dich völlig auf den Haushalt zurückziehen? Du willst sagen, dass Du dann nur noch Wäsche machst und Plätzchen kochst und im Garten Kartoffeln erntest????? Wenn das so ist, dann wird mir echt ein bisschen Angst um die Mails, die ich von Dir erwarte. Ja, das hört sich echt nicht sehr zukunftsträchtig an! Ich bin gespannt, was da auf uns zukommen wird.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
mlguk
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Freitag, 24. Februar 2012
Basler Fasnacht
subject Re: :-)
Liebe Malou
Wir haben hier zur Zeit Fasnachtsferien. Diese Woche ist noch ruhig. Nächste Woche beginnt die Basler Fasnacht. Die ist ziemlich laut und umtriebig, nicht chaotisch oder unorganisiert, aber doch ein bisschen unrhig. Ich bin in letzter Zeit gelegentlich auf deutsche Fernsehsender gestossen, die deutsche Fasnacht übertragen haben: Mainz, Kölln etc. Manchmal war es ziemlich lustig. Aber ich bin doch erstaunt, wieviel Militärisches die Deutschen da zelebrieren. Es ist eine feste Organisation mit einem Vorstand, mit einem passiven Publikum, und mit verschiedenen Darbietungen. Da gibt es die berühmte Büttenrede. Aber es gibt auch viele Präsentationen von einer sog. Tanzmarie. Manchmal sind es ganze Gruppen von Mädchen, die ähnlich tanzen wie damals im Moulin Rouge, manchmal ziemlich artistisch, und dann wieder bloss dekorativ, ähnlich wie Cheerleaders in den USA. Ich denke, aus solchen Anlässen, die offenbar vor allem im Rheinland stattfinden, müsste man doch etwas über den Volkscharakter der Deutschen aussagen können. Und ein bisschen haben die Basler auch etwas davon.
Du siehst, ich meide solch grosse Anlässe und halte mich dabei gerne zurück. Ich war vor vielen vielen Jahren einmal mit meinem Vater an der Basler Fasnacht. Sie beginnt ja bekanntlich montags um 4 Uhr mit dem sog. Zapfenstreich. Alle Lichter werden gelöscht, und dann ziehen sie los mit ihren grossen und prächtig bemahlten Laternen. Damals standen wir um diese Zeit ziemlich genau zwischen Barfüsser- und Marktplatz. Und es gab so viele Leute und ein Gedränge, dass irgendwo ein Schaufensterglas einbrach. Und ich konnte als kleiner Knirps fast gar nichts sehen, denn ich war tief unten zwischen diesen Leuten eingesperrt, hatte eher Platzangst als Fasnachtsgefühle.
Dann fuhr ich - einige Jahre später - nach Basel, um mir den Zapfenstreich anzusehen. Es gibt dafür jedes Jahr Extrazüge, die mitten in der Nacht losfahren. Aber auch bei dieser Gelegenheit war ich von dieser berühmten Fasnacht nicht wirklich begeistert. Und als dann einige Jahre später F mit ihrem Sohn von Genf zu Besuch kam, um sich diese Folklore anzuschauen, bin ich nicht mal mitgegangen. Ich weiss, dass richtige Basler das kaum verstehen können, wenn es Leute gibt, die sich durch das bunte Treiben nicht ansprechen lassen. Sie sind absolut verständnislos, wenn nicht gar feindlich gestimmt. Aber ich kenne auch andere Menschen, die jedes Jahr von Basel wegfahren, wenn es soweit ist. Und das hatte es immer gegeben. Unter der Jugend gab es offenbar zwei Fraktionen: die einen machten Fasnacht, die anderen fuhren mit ihren Eltern in die Skiferien. Heute hat man die Ferien sogar um eine zweite Woche erweitert, damit die Leute, die das wünschen, sowohl Skiferien wie auch Fasnacht machen könnten.
Habe ich dir schon erzählt, dass meine Mitarbeiter mir zu meinem letztjährigen Geburtstag ein Zeichnungsprogramm geschenkt haben. Jetzt bin ich daran, es auszuprobieren. Es ist eine Zeichnungsfläche und ein Stift, mit dem man arbeiten kann. Und schliesslich kann man das Bild auf vielfältige Art bearbeiten. Vielleicht schicke ich dir mal ein Muster, wenn ich soweit fortgeschritten bin. Nach meiner ersten Begeisterung bin ich jetzt etwas nüchterner geworden. Man kann nicht wirklich gut zeichnen damit. Aber handgemachte Zeichnungen schliesslich kolorieren, das geht nicht schlecht. Na ja, es braucht Geduld, bis ich die letzten kleinen Tricks und Möglichkeiten herausgefunden habe.
Und bei euch oben? Immer noch tiefer Winter? Gehst du auch in die Sauna? Letzthin habe ich einen kurzen TV-Film über die skandinavische Sauna, das Dampfbad und die sog. Bio-Sauna gesehen. War ganz interessant und informativ. Es sei gut für die Gesundheit und sehr entspannend. Die Russen machen auch Sauna, aber offenbar ist sie nicht so heiss und so trücken wie die skandinavische, und dies nicht nur wegen des Vodkas, der ja dort drüben weit entfernt von absolut sei.
MLG
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Liebe Malou
Wir haben hier zur Zeit Fasnachtsferien. Diese Woche ist noch ruhig. Nächste Woche beginnt die Basler Fasnacht. Die ist ziemlich laut und umtriebig, nicht chaotisch oder unorganisiert, aber doch ein bisschen unrhig. Ich bin in letzter Zeit gelegentlich auf deutsche Fernsehsender gestossen, die deutsche Fasnacht übertragen haben: Mainz, Kölln etc. Manchmal war es ziemlich lustig. Aber ich bin doch erstaunt, wieviel Militärisches die Deutschen da zelebrieren. Es ist eine feste Organisation mit einem Vorstand, mit einem passiven Publikum, und mit verschiedenen Darbietungen. Da gibt es die berühmte Büttenrede. Aber es gibt auch viele Präsentationen von einer sog. Tanzmarie. Manchmal sind es ganze Gruppen von Mädchen, die ähnlich tanzen wie damals im Moulin Rouge, manchmal ziemlich artistisch, und dann wieder bloss dekorativ, ähnlich wie Cheerleaders in den USA. Ich denke, aus solchen Anlässen, die offenbar vor allem im Rheinland stattfinden, müsste man doch etwas über den Volkscharakter der Deutschen aussagen können. Und ein bisschen haben die Basler auch etwas davon.
Du siehst, ich meide solch grosse Anlässe und halte mich dabei gerne zurück. Ich war vor vielen vielen Jahren einmal mit meinem Vater an der Basler Fasnacht. Sie beginnt ja bekanntlich montags um 4 Uhr mit dem sog. Zapfenstreich. Alle Lichter werden gelöscht, und dann ziehen sie los mit ihren grossen und prächtig bemahlten Laternen. Damals standen wir um diese Zeit ziemlich genau zwischen Barfüsser- und Marktplatz. Und es gab so viele Leute und ein Gedränge, dass irgendwo ein Schaufensterglas einbrach. Und ich konnte als kleiner Knirps fast gar nichts sehen, denn ich war tief unten zwischen diesen Leuten eingesperrt, hatte eher Platzangst als Fasnachtsgefühle.
Dann fuhr ich - einige Jahre später - nach Basel, um mir den Zapfenstreich anzusehen. Es gibt dafür jedes Jahr Extrazüge, die mitten in der Nacht losfahren. Aber auch bei dieser Gelegenheit war ich von dieser berühmten Fasnacht nicht wirklich begeistert. Und als dann einige Jahre später F mit ihrem Sohn von Genf zu Besuch kam, um sich diese Folklore anzuschauen, bin ich nicht mal mitgegangen. Ich weiss, dass richtige Basler das kaum verstehen können, wenn es Leute gibt, die sich durch das bunte Treiben nicht ansprechen lassen. Sie sind absolut verständnislos, wenn nicht gar feindlich gestimmt. Aber ich kenne auch andere Menschen, die jedes Jahr von Basel wegfahren, wenn es soweit ist. Und das hatte es immer gegeben. Unter der Jugend gab es offenbar zwei Fraktionen: die einen machten Fasnacht, die anderen fuhren mit ihren Eltern in die Skiferien. Heute hat man die Ferien sogar um eine zweite Woche erweitert, damit die Leute, die das wünschen, sowohl Skiferien wie auch Fasnacht machen könnten.
Habe ich dir schon erzählt, dass meine Mitarbeiter mir zu meinem letztjährigen Geburtstag ein Zeichnungsprogramm geschenkt haben. Jetzt bin ich daran, es auszuprobieren. Es ist eine Zeichnungsfläche und ein Stift, mit dem man arbeiten kann. Und schliesslich kann man das Bild auf vielfältige Art bearbeiten. Vielleicht schicke ich dir mal ein Muster, wenn ich soweit fortgeschritten bin. Nach meiner ersten Begeisterung bin ich jetzt etwas nüchterner geworden. Man kann nicht wirklich gut zeichnen damit. Aber handgemachte Zeichnungen schliesslich kolorieren, das geht nicht schlecht. Na ja, es braucht Geduld, bis ich die letzten kleinen Tricks und Möglichkeiten herausgefunden habe.
Und bei euch oben? Immer noch tiefer Winter? Gehst du auch in die Sauna? Letzthin habe ich einen kurzen TV-Film über die skandinavische Sauna, das Dampfbad und die sog. Bio-Sauna gesehen. War ganz interessant und informativ. Es sei gut für die Gesundheit und sehr entspannend. Die Russen machen auch Sauna, aber offenbar ist sie nicht so heiss und so trücken wie die skandinavische, und dies nicht nur wegen des Vodkas, der ja dort drüben weit entfernt von absolut sei.
MLG
...
Donnerstag, 23. Februar 2012
Noch ein Ägypten-Bild
.
date9 February 2005 13:56
subject Re: :-)
und noch ein Aegypten-Bild.
Sieht sehr authentisch aus, nicht wahr?
Sind aber wohl bloss Statisten, die vom Trinkgeld der Touristen leben.
date9 February 2005 13:56
subject Re: :-)
und noch ein Aegypten-Bild.
Sieht sehr authentisch aus, nicht wahr?
Sind aber wohl bloss Statisten, die vom Trinkgeld der Touristen leben.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Semmeln, Fasnachtszeit und Ägypten
date 9 February 2005 08:21
subject Re: Morgen erst..
Liebe Malou
Das ist unfair, mir diese semlor vor die Nase zu halten (es gibt dafür
ein hübsches schweizerisces Wort, ein deutsches kommt mir im Moment
nicht in den Sinn: ködern oder so ähnlich), ohne mich wirklich
zubeissen zu lassen. Sie sehen köstlich aus. Und dass man sich dabei
die italienischen Vokabeln besser memorieren kann, das leuchtet jedem
ein. ...
Ich habe wirklich kein Foto von mir,ehrlich Malou, und mich selbst im
Spiegel abzulichten, das mache ich sehr ungern. Es ist eben keine
Ausrede, sondern eine Lebenseinstellung. Ich will Dir also in dieser
Beziehung keine Versprechungen machen. Ich sehe aus wie eh und je und
schön wie immer ;--))).
Wir haben hier immer noch allerschönstes Winterwetter. Tagsüber, wenn
die Sonne scheint, wird es ganz mild. Gestern bin ich schon eher ins
Schwitzen gekommen. Aber nächste Woche soll es bewölkt werden und
offenbar ist Regen zu erwarten. Das ist ein bisschen schade für die
Basler Fasnacht. Sie ist am farbigsten, wenn die Sonne scheint. Es
gibt am Mittwochnachmittag den grossen Cortège, wie sie in Basel
sagen. Und natürlich wäre die Sonne dort ein gern gesehener Gast.
Aber, wie Du weisst, schert mich das wenig. Ich lasse die Basler
allein mit ihrer Fasnacht. Es ist ja eine Art Massenhysterie. Aber das
darf man hier nicht laut sagen, ohne gleich gesteinigt zu werden. Die
Walliser haben allerdings heute ihren Aschermittwoch. Sie werden
bestimmt versuchen, ihren mit Wein übersäuerten Magen ein wenig zu
pflegen. Wenn ich zurückdenke, kommt mir in den Sinn, wie die vielen
Wirtschaften in der Fasnachtszeit ihre Theken und Räume dekoriert
hatten. Und sie hatten zusätzliches Personal angestellt, das auch ein
bisschen dekoriert war. Man konnte sehen, wie wenig all das mit der
gewachsenen Kultur verwachsen war. Es war alles etwas aufgesetzt und
'gemacht', bloss um ein bisschen mehr Umsatz zu machen. Aber ich
erinnere mich sehr wohl daran, wie die Männer darauf angesprochen
hatten. 'Die Fantasie der Männer ist die stärkste Waffe der Frauen',
dies habe ich kürzlich gehört und es stimmt natürlich auf
erschreckende Weise.
Im Büro habe ich zur Zeit eine ruhigere Zeit. Na ja, ich muss
aufpassen, dass ich nicht zu sehr ins Trödeln komme. Es gibt schon
noch einige ichtige Dinge zu tun. Aber ich hoffe, dass ich durchkomme
bis Ende nächster Woche.
Das Paar, welches wir in Sharm el Sheikh kennen gelernt haben, hat uns
ihre Bilder geschickt. Es ist lustig zu sehen, wie andere Leute
dieselben Dinge und Umstände anders sehen, die auch wir selbst gesehen
haben. In den Bildern kommt immer wieder eine verschiedene Perspektive
zum Ausdruck. Ich versuche auf meinen Bildern immer, die Touristen
auszuschliessen. Ich möchte vor allem die Einheimischen auf dem Bild.
Das wirkt für mich natürlicher (ist natürlich eine Illusion, aber eine
schöne). Ich habe beispielsweise bei den Pyramiden versucht,
Gesichtspunkte zu wählen, wo man die vielen Touristen nicht sieht.
Aber irgendwie braucht es das menschliche Mass auf dem Foto, damit die
Monumentalität der Pyramiden zum Ausdruck kommt. Deshalb habe ich
immer wieder versucht, diese Kamelreiter zu erwischen. Aber unter
ihnen gab es solche, die mit westlicher Kleidung, Windjacke und Jeans
daherkamen. Die wollte ich nicht. Ich habe jene bevorzugt, die mit dem
langen Hemd und womöglich mit Kopftuch bekleidet waren. Kurz und gut:
ich war in meinen Fotos viel wählerischer als Werner. Und so behaupten
meine Fotos, das authentische Aegypten darzustellen.
Auf der anderen Seite haben sie einige Ausflüge gemacht, bei denen wir
nicht dabei waren. Die Fotos geben uns einen Eindruck von dem, was wir
dabei verpasst haben. Und ich kann mit Erleichterung sagen, dass ich
nicht neidisch geworden bin.
Hast Du gehört in den Medien: Israel und Palestina haben sich in Sharm
el Sheikh getroffen. Schon als wir dort unten waren, soll eines Tages
Mubarak aufgetaucht sein. Ich hatte es nicht beobachtet. Aber S hatte
erzählt, dass der halbe Ort gesperrt war. Sharm el Sheikh ist für
Ägypten, wie Zermatt oder St. Moritz für die Schweiz. Es ist die reine
Ferienmaschine.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
..
subject Re: Morgen erst..
Liebe Malou
Das ist unfair, mir diese semlor vor die Nase zu halten (es gibt dafür
ein hübsches schweizerisces Wort, ein deutsches kommt mir im Moment
nicht in den Sinn: ködern oder so ähnlich), ohne mich wirklich
zubeissen zu lassen. Sie sehen köstlich aus. Und dass man sich dabei
die italienischen Vokabeln besser memorieren kann, das leuchtet jedem
ein. ...
Ich habe wirklich kein Foto von mir,ehrlich Malou, und mich selbst im
Spiegel abzulichten, das mache ich sehr ungern. Es ist eben keine
Ausrede, sondern eine Lebenseinstellung. Ich will Dir also in dieser
Beziehung keine Versprechungen machen. Ich sehe aus wie eh und je und
schön wie immer ;--))).
Wir haben hier immer noch allerschönstes Winterwetter. Tagsüber, wenn
die Sonne scheint, wird es ganz mild. Gestern bin ich schon eher ins
Schwitzen gekommen. Aber nächste Woche soll es bewölkt werden und
offenbar ist Regen zu erwarten. Das ist ein bisschen schade für die
Basler Fasnacht. Sie ist am farbigsten, wenn die Sonne scheint. Es
gibt am Mittwochnachmittag den grossen Cortège, wie sie in Basel
sagen. Und natürlich wäre die Sonne dort ein gern gesehener Gast.
Aber, wie Du weisst, schert mich das wenig. Ich lasse die Basler
allein mit ihrer Fasnacht. Es ist ja eine Art Massenhysterie. Aber das
darf man hier nicht laut sagen, ohne gleich gesteinigt zu werden. Die
Walliser haben allerdings heute ihren Aschermittwoch. Sie werden
bestimmt versuchen, ihren mit Wein übersäuerten Magen ein wenig zu
pflegen. Wenn ich zurückdenke, kommt mir in den Sinn, wie die vielen
Wirtschaften in der Fasnachtszeit ihre Theken und Räume dekoriert
hatten. Und sie hatten zusätzliches Personal angestellt, das auch ein
bisschen dekoriert war. Man konnte sehen, wie wenig all das mit der
gewachsenen Kultur verwachsen war. Es war alles etwas aufgesetzt und
'gemacht', bloss um ein bisschen mehr Umsatz zu machen. Aber ich
erinnere mich sehr wohl daran, wie die Männer darauf angesprochen
hatten. 'Die Fantasie der Männer ist die stärkste Waffe der Frauen',
dies habe ich kürzlich gehört und es stimmt natürlich auf
erschreckende Weise.
Im Büro habe ich zur Zeit eine ruhigere Zeit. Na ja, ich muss
aufpassen, dass ich nicht zu sehr ins Trödeln komme. Es gibt schon
noch einige ichtige Dinge zu tun. Aber ich hoffe, dass ich durchkomme
bis Ende nächster Woche.
Das Paar, welches wir in Sharm el Sheikh kennen gelernt haben, hat uns
ihre Bilder geschickt. Es ist lustig zu sehen, wie andere Leute
dieselben Dinge und Umstände anders sehen, die auch wir selbst gesehen
haben. In den Bildern kommt immer wieder eine verschiedene Perspektive
zum Ausdruck. Ich versuche auf meinen Bildern immer, die Touristen
auszuschliessen. Ich möchte vor allem die Einheimischen auf dem Bild.
Das wirkt für mich natürlicher (ist natürlich eine Illusion, aber eine
schöne). Ich habe beispielsweise bei den Pyramiden versucht,
Gesichtspunkte zu wählen, wo man die vielen Touristen nicht sieht.
Aber irgendwie braucht es das menschliche Mass auf dem Foto, damit die
Monumentalität der Pyramiden zum Ausdruck kommt. Deshalb habe ich
immer wieder versucht, diese Kamelreiter zu erwischen. Aber unter
ihnen gab es solche, die mit westlicher Kleidung, Windjacke und Jeans
daherkamen. Die wollte ich nicht. Ich habe jene bevorzugt, die mit dem
langen Hemd und womöglich mit Kopftuch bekleidet waren. Kurz und gut:
ich war in meinen Fotos viel wählerischer als Werner. Und so behaupten
meine Fotos, das authentische Aegypten darzustellen.
Auf der anderen Seite haben sie einige Ausflüge gemacht, bei denen wir
nicht dabei waren. Die Fotos geben uns einen Eindruck von dem, was wir
dabei verpasst haben. Und ich kann mit Erleichterung sagen, dass ich
nicht neidisch geworden bin.
Hast Du gehört in den Medien: Israel und Palestina haben sich in Sharm
el Sheikh getroffen. Schon als wir dort unten waren, soll eines Tages
Mubarak aufgetaucht sein. Ich hatte es nicht beobachtet. Aber S hatte
erzählt, dass der halbe Ort gesperrt war. Sharm el Sheikh ist für
Ägypten, wie Zermatt oder St. Moritz für die Schweiz. Es ist die reine
Ferienmaschine.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit lieben Grüssen
..
Morgen erst..
date 8 February 2005 22:56
subject Morgen erst..
Lieber ...,
Eigentlich habe ich den ganzen Tag auf den Moment gewartet, wo ich
dein schönes langes Mail beantworten kann. Aber ich war voll
beschäftigt und deinen Brief möchte ich in Ruhe beantworten.
Ich schicke dir derweilen 2 Bilder von heute. Es war doch unser
italienischer Nachmittag und wie du siehst haben wir auch semlor
gegessen. Mmmm .. wie herrlich die schmecken.
Kein Foto mit dir drauf? Ach, .., das ist doch nur eine Ausrede..
Richte die Kamera gegen einen Spiegel und du hast eins. Bitte, bitte..
Mit einem lieben Gruss,
bis morgen
Malou
subject Morgen erst..
Lieber ...,
Eigentlich habe ich den ganzen Tag auf den Moment gewartet, wo ich
dein schönes langes Mail beantworten kann. Aber ich war voll
beschäftigt und deinen Brief möchte ich in Ruhe beantworten.
Ich schicke dir derweilen 2 Bilder von heute. Es war doch unser
italienischer Nachmittag und wie du siehst haben wir auch semlor
gegessen. Mmmm .. wie herrlich die schmecken.
Kein Foto mit dir drauf? Ach, .., das ist doch nur eine Ausrede..
Richte die Kamera gegen einen Spiegel und du hast eins. Bitte, bitte..
Mit einem lieben Gruss,
bis morgen
Malou
Ägypten (5)
.
date 9 February 2005 08:26
subject Re: Morgen erst..
Und hier noch eine kleine Impression.
Die Händler haben jede Menge von Tüchern mit diesen Mustern.
date 9 February 2005 08:26
subject Re: Morgen erst..
Und hier noch eine kleine Impression.
Die Händler haben jede Menge von Tüchern mit diesen Mustern.
Ägypten (4)
.
date 8 February 2005 08:39
Und damit Du glaubst, dass das alles in Ägypten war, hier der Beweis!
Die Pyramiden sind - unter uns gesagt - sehr steinig ...
date 8 February 2005 08:39
Und damit Du glaubst, dass das alles in Ägypten war, hier der Beweis!
Die Pyramiden sind - unter uns gesagt - sehr steinig ...
Ferien in Ägypten (3)
.
date 8 February 2005 08:35
subject Re: PS ... Semla
Händler in Sharm-el-Sheikh.
Der Laden wirkt sehr sauber und aufgeräumt.
Und das eben in grossem Kontrast zur Strasse davor.
Aber hier: ein kleines Paradies, nicht wahr.
date 8 February 2005 08:35
subject Re: PS ... Semla
Händler in Sharm-el-Sheikh.
Der Laden wirkt sehr sauber und aufgeräumt.
Und das eben in grossem Kontrast zur Strasse davor.
Aber hier: ein kleines Paradies, nicht wahr.
Ferien in Ägypten (2)
...
Ich schicke Dir zwei Bilder vom kleinen Ort Sharm-el-Sheikh, den wir
mit dem Schweizerischen Ehepaar besucht haben. Und wenn Du meine
hübschen Bilder siehst, wirst Du nie glauben, wie schmutzig der Ort in
Wirklichkeit war. Ich habe sogar mit den Ägyptern geschimpft, dass sie
einen Fremdenort so schmutzig sein lassen. Aber natürlich hat sich der
Typ mit hundert Entschuldigungen herausgeredet. Ich habe meine eigene
Erklärung gefunden. Die Situation im Ort ist sehr windig. Und wenn ein
Geschäftsbesitzer vor seinem Laden die Strasse reinigt, so hat er 10
Minuten später den Schmutz der Nachbarn wieder vor seinem Haus. Es
müssten also alle gleichzeitig und penibel sorgfältig wischen, dann
hätten sie vielleicht Erfolg. Aber man kennt ja doch die Orientalen.
Meine Fotos beschönigen also die Situation. Aber das machen ja doch Fotos meist.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Ich schicke Dir zwei Bilder vom kleinen Ort Sharm-el-Sheikh, den wir
mit dem Schweizerischen Ehepaar besucht haben. Und wenn Du meine
hübschen Bilder siehst, wirst Du nie glauben, wie schmutzig der Ort in
Wirklichkeit war. Ich habe sogar mit den Ägyptern geschimpft, dass sie
einen Fremdenort so schmutzig sein lassen. Aber natürlich hat sich der
Typ mit hundert Entschuldigungen herausgeredet. Ich habe meine eigene
Erklärung gefunden. Die Situation im Ort ist sehr windig. Und wenn ein
Geschäftsbesitzer vor seinem Laden die Strasse reinigt, so hat er 10
Minuten später den Schmutz der Nachbarn wieder vor seinem Haus. Es
müssten also alle gleichzeitig und penibel sorgfältig wischen, dann
hätten sie vielleicht Erfolg. Aber man kennt ja doch die Orientalen.
Meine Fotos beschönigen also die Situation. Aber das machen ja doch Fotos meist.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Mit lieben Grüssen
...
Dienstag, 21. Februar 2012
Ferien in Ägypten
date 8 February 2005 08:11
subject Re: PS ... Semla
...
Leider habe ich kein Bild mit meinem südlichen Teint. Ich habe nur
Bilder von der Umgebung gemacht. Ich schicke Dir mal eins oder zwei,
aber separat von diesem Mail, wie ich jetzt weiss. Bestimmt kannst Du
Dir vorstellen, dass die Ferien im Hotel Radisson nicht sehr ägyptisch
geprägt waren. Ich will damit sagen, dass man in einer solchen
Hotelanlage nicht viel vom Gastland bemerkt. Und das finde ich - unter
uns gesagt - eine etwas pervertierte Art, Ferien zu machen. Aber ich
suche trotzdem jede Gelegenheit, mit Einheimischen zu plaudern, oder
aber auch, Einheimische Gerichte oder Getränke zu versuchen. Ägypten
ist ideal in dieser Hinsicht, weil die meisten Leute, mit denen man in
Kontakt kommt, Fremdsprachen können. Die ganze Nation scheint auf
Tourismus geprägt. Alle sprechen eine oder meist mehrere Sprachen. Und
meist sprechen sie beispielsweise Deutsch recht gut. Es sind
ausschliesslich Männer. Und sie sind charmante und gekonnte
Kommunikatoren. Sie sind nicht hübsch, wie zB. die Italiener, sie sind
meist ein bisschen rundlich. Aber sie haben Charme. Sie können gut
plaudern, haben höfliche Umgangsformen und können so auch gut
Geschäfte machen. In gewisser Weise erinnern sie an die Perser. Also,
wie gesagt, das Hotel RAdisson war eine grosse Anlage für 700 Gäste.
Aber als wir uns dort aufhielten, waren es nur etwa 200. Ich war froh
darüber. Ich mag es nicht, wenn es zu eng wird. Die Gartenanlage
zwischen den Hotelbauten ist ungeheuer abwechslungsreich gestaltet mit
verschiedenen Weglein, Bächlein, Brücken, Pools und hübschen Pflanzen.
Es ist geradezu orientalisch-barock. Diese Vielfalt der Gestaltung
macht vielleicht, dass alles noch grösser erscheint, als es wirklich
ist. Ungefähr in der Mitte der Anlage gibt es ein Café, wo wir einmal
am Nachmittag einen Kaffee tranken. Aber ich fand ihn nur sehr
mittelmässig und habe später darauf verzichtet. Über dem Cafè gibt es
einen grossen Pool. An den Ufern und auf der kleinen Insel in der
mitte stehen hohe Palmen. Zu unserer Zeit hat aber kaum jemand im Pool
gebadet. Er wurde nur dzu benutzt, um an dessen Rand in den Liegen zu
sonnen. Neben dem Cafè haben sie eine Grotte gebaut, eine Art
Felsenhalle mit einem kleinen Bad. Dort habe ich oft Kinder baden
sehen. Vielleicht ist die Grotte ideal für Leute, die keinen Wind
mögen, oder die im Sommer nicht gerne an der Sonne liegen. Zuhinterst
in der Grotte findet sich ein kleines Fitness Center. S hat mich
überredet, mindestens einmal täglich ein paar Übungen dort zu machen
und mich nacher in der Sauna aufzuwärmen. Das habe ich dann auch
regelmässig versucht zu tun. Und ich habe mit Russen, Briten und
Deutschen in der Sauna gesessen und ab und zu auch kleine
internationalistische Gesprächlein geführt. Die Russen sind
rücksichtslos und unverständig, die Briten hochnäsig und wortkarg,
die Italiener laut und lamentierend, die Deutschen aber verständig und
ordentlich, so ungefähr hatte es der ägyptische Typ zusammengefasst,
mit dem ich spätabends mal eine kleine Diskussion in der Hotelhalle
gehabt habe. Und die Schweizer ideal und vorbildlich, hatte ich
lachend ergänzt. Und er hatte mir zugestimmt. Aber ich glaube, wir
Schweizer laufen bei den Ägyptern unter Deutsche. Wir sind sozusagen
Musterdeutsche. Na ja, sind wir eigentlich auch!
Ich schicke Dir zwei ...
subject Re: PS ... Semla
...
Leider habe ich kein Bild mit meinem südlichen Teint. Ich habe nur
Bilder von der Umgebung gemacht. Ich schicke Dir mal eins oder zwei,
aber separat von diesem Mail, wie ich jetzt weiss. Bestimmt kannst Du
Dir vorstellen, dass die Ferien im Hotel Radisson nicht sehr ägyptisch
geprägt waren. Ich will damit sagen, dass man in einer solchen
Hotelanlage nicht viel vom Gastland bemerkt. Und das finde ich - unter
uns gesagt - eine etwas pervertierte Art, Ferien zu machen. Aber ich
suche trotzdem jede Gelegenheit, mit Einheimischen zu plaudern, oder
aber auch, Einheimische Gerichte oder Getränke zu versuchen. Ägypten
ist ideal in dieser Hinsicht, weil die meisten Leute, mit denen man in
Kontakt kommt, Fremdsprachen können. Die ganze Nation scheint auf
Tourismus geprägt. Alle sprechen eine oder meist mehrere Sprachen. Und
meist sprechen sie beispielsweise Deutsch recht gut. Es sind
ausschliesslich Männer. Und sie sind charmante und gekonnte
Kommunikatoren. Sie sind nicht hübsch, wie zB. die Italiener, sie sind
meist ein bisschen rundlich. Aber sie haben Charme. Sie können gut
plaudern, haben höfliche Umgangsformen und können so auch gut
Geschäfte machen. In gewisser Weise erinnern sie an die Perser. Also,
wie gesagt, das Hotel RAdisson war eine grosse Anlage für 700 Gäste.
Aber als wir uns dort aufhielten, waren es nur etwa 200. Ich war froh
darüber. Ich mag es nicht, wenn es zu eng wird. Die Gartenanlage
zwischen den Hotelbauten ist ungeheuer abwechslungsreich gestaltet mit
verschiedenen Weglein, Bächlein, Brücken, Pools und hübschen Pflanzen.
Es ist geradezu orientalisch-barock. Diese Vielfalt der Gestaltung
macht vielleicht, dass alles noch grösser erscheint, als es wirklich
ist. Ungefähr in der Mitte der Anlage gibt es ein Café, wo wir einmal
am Nachmittag einen Kaffee tranken. Aber ich fand ihn nur sehr
mittelmässig und habe später darauf verzichtet. Über dem Cafè gibt es
einen grossen Pool. An den Ufern und auf der kleinen Insel in der
mitte stehen hohe Palmen. Zu unserer Zeit hat aber kaum jemand im Pool
gebadet. Er wurde nur dzu benutzt, um an dessen Rand in den Liegen zu
sonnen. Neben dem Cafè haben sie eine Grotte gebaut, eine Art
Felsenhalle mit einem kleinen Bad. Dort habe ich oft Kinder baden
sehen. Vielleicht ist die Grotte ideal für Leute, die keinen Wind
mögen, oder die im Sommer nicht gerne an der Sonne liegen. Zuhinterst
in der Grotte findet sich ein kleines Fitness Center. S hat mich
überredet, mindestens einmal täglich ein paar Übungen dort zu machen
und mich nacher in der Sauna aufzuwärmen. Das habe ich dann auch
regelmässig versucht zu tun. Und ich habe mit Russen, Briten und
Deutschen in der Sauna gesessen und ab und zu auch kleine
internationalistische Gesprächlein geführt. Die Russen sind
rücksichtslos und unverständig, die Briten hochnäsig und wortkarg,
die Italiener laut und lamentierend, die Deutschen aber verständig und
ordentlich, so ungefähr hatte es der ägyptische Typ zusammengefasst,
mit dem ich spätabends mal eine kleine Diskussion in der Hotelhalle
gehabt habe. Und die Schweizer ideal und vorbildlich, hatte ich
lachend ergänzt. Und er hatte mir zugestimmt. Aber ich glaube, wir
Schweizer laufen bei den Ägyptern unter Deutsche. Wir sind sozusagen
Musterdeutsche. Na ja, sind wir eigentlich auch!
Ich schicke Dir zwei ...
Samstag, 18. Februar 2012
Re: PS .. Semla
date 8 February 2005 08:11
subject Re: PS ... Semla
Liebe Malou,
...
Ja, die Gebäcke schauen gut aus, und irgendwie erinnern sie mich an
Ste Honorèe, diese Torte mit viel Rahm und Blätterteig (so glaube ich
wenigstens). Aber in meinem Alter und bei meiner Bewegungssparsamkeit
kann ich mir nicht allzuviel dieser sinnlichen Schmeicheleien
erlauben. Ich halte mich ziemlich zurück, natürlich um dann und wann
in einen schweren und überbordenden Rückfall zu geraten. Beim Alkohol
nennt sich dies Dipsomanie, Quartalsäuferei. Fand ich seit je eine
sympathisches Laster. Na ja, sympathisch ist vielleicht das falsche
Wort. Man weiss, dass Alkohol viel Sorgen unter die Menschen bringt.
Aber sagen wir so: in Walliser Verhältnissen war die Quartalsäuferei
eine vergleichsweise milde Sünde. Daneben gab es bedeutend schwerere,
ja sogar Todsünden. Und so leide ich eben an einer Art
Quartalsfresserei. Dann brauche ich irgend was Süsses, was so süss
ist, dass mir die Zunge am Gaumen kleben bleibt. Und dabei kommen mir
manchmal Jugenderinnerungen, die mir erzählen, wie wir uns als Schüler
an Süssigkeiten gütlich getan haben. Eiscrème, Mohrenköpfe, später
Schnecken oder Crèmeschnitten, ach, was haben wir dieses süsse Zeug
genossen und damit unser Taschengeld vertrödelt. Habe ich Dir diese
Geschichte nicht erzählt. Im Gymnasium hatte ich anfangs einen
ziemlich unternehmerischen Freund, der immer wieder zu allerlei Unsinn
aufgelegt war. Und schon ziemlich anfangs meiner Zeit im Gymnasium,
als ich mich noch neu und ziemlich unglücklich fühlte, überredete er
mich, in der grossen Morgenpause hinunter zur Reznan zu gehen, um
Schnecken für die Pause zu kaufen. Reznan war eine alte, etwas
merkwürdige Frau. Man sagte, sie sei Dichterin. Und oft machte sie
wirklich kurze Reime aus der Situation heraus. Sie organisierte sich
eine Kiste von Schnecken und Crèmeschnitten, um sie an die Studenten
zu verkaufen. Und das Ding war, dass man anschreiben konnte. Das
heisst, wir holten uns täglich unser Gebäck und dachten eigentlich
kaum daran, dass man dieses Vergnügen auch bezahlen sollte. Vielleicht
hatten wir auch anfangs bezahlt, später dann aber eher aufschreiben
lassen. Es gab auch immer soviel Andrang vor ihrer Tür, die sie mit
einem Tisch versperrt hatte, dass ich nicht daran dachte, mein
Vergnügen auch zu bezahlen. Eines Tages telefonierte sie offenbar bei
uns zuhause an und klagte darüber, dass ich bei ihr Schulden hätte.
Mein Vater knöpfte mich vor, konfrontierte mich mit dieser unschönen
Situation und gab mir die Fr. 14.-, um schnellestens die Schulden zu
bezahlen. Dann verlor er nie wieder ein Wort darüber. Und ich hielt
mich fortan mit meinem Konsum zurück.
Leider habe ich kein Bild ...
subject Re: PS ... Semla
Liebe Malou,
...
Ja, die Gebäcke schauen gut aus, und irgendwie erinnern sie mich an
Ste Honorèe, diese Torte mit viel Rahm und Blätterteig (so glaube ich
wenigstens). Aber in meinem Alter und bei meiner Bewegungssparsamkeit
kann ich mir nicht allzuviel dieser sinnlichen Schmeicheleien
erlauben. Ich halte mich ziemlich zurück, natürlich um dann und wann
in einen schweren und überbordenden Rückfall zu geraten. Beim Alkohol
nennt sich dies Dipsomanie, Quartalsäuferei. Fand ich seit je eine
sympathisches Laster. Na ja, sympathisch ist vielleicht das falsche
Wort. Man weiss, dass Alkohol viel Sorgen unter die Menschen bringt.
Aber sagen wir so: in Walliser Verhältnissen war die Quartalsäuferei
eine vergleichsweise milde Sünde. Daneben gab es bedeutend schwerere,
ja sogar Todsünden. Und so leide ich eben an einer Art
Quartalsfresserei. Dann brauche ich irgend was Süsses, was so süss
ist, dass mir die Zunge am Gaumen kleben bleibt. Und dabei kommen mir
manchmal Jugenderinnerungen, die mir erzählen, wie wir uns als Schüler
an Süssigkeiten gütlich getan haben. Eiscrème, Mohrenköpfe, später
Schnecken oder Crèmeschnitten, ach, was haben wir dieses süsse Zeug
genossen und damit unser Taschengeld vertrödelt. Habe ich Dir diese
Geschichte nicht erzählt. Im Gymnasium hatte ich anfangs einen
ziemlich unternehmerischen Freund, der immer wieder zu allerlei Unsinn
aufgelegt war. Und schon ziemlich anfangs meiner Zeit im Gymnasium,
als ich mich noch neu und ziemlich unglücklich fühlte, überredete er
mich, in der grossen Morgenpause hinunter zur Reznan zu gehen, um
Schnecken für die Pause zu kaufen. Reznan war eine alte, etwas
merkwürdige Frau. Man sagte, sie sei Dichterin. Und oft machte sie
wirklich kurze Reime aus der Situation heraus. Sie organisierte sich
eine Kiste von Schnecken und Crèmeschnitten, um sie an die Studenten
zu verkaufen. Und das Ding war, dass man anschreiben konnte. Das
heisst, wir holten uns täglich unser Gebäck und dachten eigentlich
kaum daran, dass man dieses Vergnügen auch bezahlen sollte. Vielleicht
hatten wir auch anfangs bezahlt, später dann aber eher aufschreiben
lassen. Es gab auch immer soviel Andrang vor ihrer Tür, die sie mit
einem Tisch versperrt hatte, dass ich nicht daran dachte, mein
Vergnügen auch zu bezahlen. Eines Tages telefonierte sie offenbar bei
uns zuhause an und klagte darüber, dass ich bei ihr Schulden hätte.
Mein Vater knöpfte mich vor, konfrontierte mich mit dieser unschönen
Situation und gab mir die Fr. 14.-, um schnellestens die Schulden zu
bezahlen. Dann verlor er nie wieder ein Wort darüber. Und ich hielt
mich fortan mit meinem Konsum zurück.
Leider habe ich kein Bild ...
Freitag, 17. Februar 2012
PS
.
date 7 February 2005 18:17
subject PS ... Semla
Lieber ...,
Schau dir mal das an:
http://www.aftonbladet.se/vss/matovin/story/0,2789,595328,00.html
du musst runterscrollen, und du wirst sehen, dass man sogar die
verschiedenen "Semmeln" benotet hat. Verrückt, wie?
Sicher verstehst du einiges von dem Artikel, obwohl er auf Schwedisch
geschrieben ist.
Hol dir eine (in Jalles Bäckerei sollen sie besonders gut sein) und
lass dir gut schmecken, morgen.
Ach, erst jetzt sehe ich die Preise.. (2½ Euro) Es lohnt sich, die
Dinger selbst zu backen.. Also, komm lieber zu mir und lass dich
verwöhnen. :-)
Mit lieben Grüssen,
Malou
date 7 February 2005 18:17
subject PS ... Semla
Lieber ...,
Schau dir mal das an:
http://www.aftonbladet.se/vss/matovin/story/0,2789,595328,00.html
du musst runterscrollen, und du wirst sehen, dass man sogar die
verschiedenen "Semmeln" benotet hat. Verrückt, wie?
Sicher verstehst du einiges von dem Artikel, obwohl er auf Schwedisch
geschrieben ist.
Hol dir eine (in Jalles Bäckerei sollen sie besonders gut sein) und
lass dir gut schmecken, morgen.
Ach, erst jetzt sehe ich die Preise.. (2½ Euro) Es lohnt sich, die
Dinger selbst zu backen.. Also, komm lieber zu mir und lass dich
verwöhnen. :-)
Mit lieben Grüssen,
Malou
Kommst du?
Ämne: Kommst du?
Datum: den 4 februari 2003 16:26
Lieber ...,
Nun habe ich ihn hinter mir, den strengsten Tag der Woche und ich kann mich entspannen und ein bisschen von der Arbeit loslassen.
---
Auf dem Heimweg habe ich etwas eingekauft und ich konnte nicht widerstehen, als ich sah dass man ganz frische "semlor" verkaufte, du weisst diese Semmeln mit Schlagsahne und Marzipan gefüllt, die man eigentlich erst am Fastnachtsdienstag essen sollte. Und sogar zwei habe ich gekauft, weil sie eben so verpackt waren. So möchte ich dich nun mit der einen verführen. :-) Viele legen sie in einen Teller mit warmer Milch drum aber mir schmecken sie am besten so wie sie sind. Herrlich!!
Dazu nehmen wir uns eine Tasse Kaffee. Kommst du?
*
Ich schicke dir dieses kleine Mail nun ab damit du es noch heute bekommst und schreibe dir später noch ein paar Zeilen.
Ich grüsse dich lieb,
Marlena
Datum: den 4 februari 2003 16:26
Lieber ...,
Nun habe ich ihn hinter mir, den strengsten Tag der Woche und ich kann mich entspannen und ein bisschen von der Arbeit loslassen.
---
Auf dem Heimweg habe ich etwas eingekauft und ich konnte nicht widerstehen, als ich sah dass man ganz frische "semlor" verkaufte, du weisst diese Semmeln mit Schlagsahne und Marzipan gefüllt, die man eigentlich erst am Fastnachtsdienstag essen sollte. Und sogar zwei habe ich gekauft, weil sie eben so verpackt waren. So möchte ich dich nun mit der einen verführen. :-) Viele legen sie in einen Teller mit warmer Milch drum aber mir schmecken sie am besten so wie sie sind. Herrlich!!
Dazu nehmen wir uns eine Tasse Kaffee. Kommst du?
*
Ich schicke dir dieses kleine Mail nun ab damit du es noch heute bekommst und schreibe dir später noch ein paar Zeilen.
Ich grüsse dich lieb,
Marlena
Mittwoch, 15. Februar 2012
Schöner Wintertag
.
Ämne: Schöner Wintertag
Datum: den 25 februari 2004 09:32
Liebe Malou
Heute war ich früh im Büro. Es muss 6.30h gewesen sein. Ich hoffe, sie wählen mich bald einmal zum „Helden der Arbeit“, wie das die Sowjets in alten Zeiten getan haben. Und als Gegenleistung und schönes Privileg sollten sie mich dann für 2 Wochen an irgend ein kaltes Ostbad schicken, wo ich mir eine tüchtige Erkältung holen kann. Ach, die Zeiten sind nicht mehr, wie sie mal waren.
Aber das Wetter zeigt sich von der schönen Seite. Es ist ziemlich kalt geworden, und der Schnee, der übers Wochenende gefallen ist, ist sogar an den Bäumen hängen geblieben. Das ist bei uns selten geworden. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Jugend im Wallis manchmal noch echt geschneit war. Wenn das an einem Wochenende geschehen ist, pflegten wir abends lange Spaziergänge zu machen. Anfangs mit der ganzen Familie, später traf man sich mit Schulkollegen und ging hinaus durch die verschneiten Strassen zur Kunsteisbahn. Das war eine wunderbare Stimmung und die ganze Welt war verzaubert. Und viele andere Leute taten dasselbe, so dass man unterwegs diese oder jene angetroffen hat und sich fröhlich begrüssen konnte. Ich habe eine Postkarte gefunden, die Brig nachts im Schnee zeigt. Wenn ich das sehe, macht es mir noch heute das Herz warm. Ich versuche, das Foto in den fotofolder zu schieben. Es sind die Lichtverhältnisse, die mich so elektrisieren.
Ich habe das Bild schlussendlich gefunden, aber noch zwei andere dazugelegt. Das erste ist ein Gemälde über den Orient. Bestimmt stammt es aus dem 19. Jahrhundert, als sich Europa für den Orient zu interessieren begann. Ich glaube, die Darstellung zeigt einen Bazar-Raum in Kairo. Aber auch in Teheran könnte man das sehen. Es ist eine schöne Darstellung, die natürlich auch ein bisschen mit europäischen Vorurteilen und Schemata spielt. Das zweite Bild zeigt das Stockalperschloss (die Karawanserei im Wallis) an einem Winterabend. Du musst wissen, dass ich während 8 Jahren an diesem Schloss vorbei zur Schule gegangen und abends heimgekehrt bin. Diese Stimmung ist besonders lebendig in meiner Erinnerung. Unten im Tal und in den Häusern ist es schon ziemlich dunkel und kalt, und in der Höhe scheinen immer noch die Schneeberge im Abendlicht. Da hat man das schöne Gefühl, dass es mehr gibt als nur den Menschen mit seinen alltäglichen Geschäften. Und zuletzt das dritte Bild, das ich eigentlich gesucht hatte. Es zeigt Brig in winterlichen Abendstunden. Unten links der Bahnhof, der ein bisschen stärker beleuchtet ist. Rechts die helle Strasse ist eigentlich eine Seitenstrasse, die wir selten passiert haben. Die wichtige Bahnhofstrasse sieht man auf dem Bild kaum. Aber oben sieht man die Kirche, und gleich dahinter sind die grossen Gebäude des Jesuiten Kollegs. Man hat von der kleinen Terrasse vor der Kirche einen wunderbaren Blick über Brig und ins Tal hinunter bis Visp. Ich muss zugeben, dass das Bild ein bisschen Apres-Ski suggeriert. Mag sein, mag auch sein, dass auch dies die süsse Situation sei, die in meiner Seele lagert. Wir haben wirklich einige und sehr schöne Apres-Ski-Stunden und Abende verlebt, nicht nur in Brig, sondern auch in Zermatt, Saas Fee, Montana und an anderen, unbekannteren Orten.
Ach Malou, ich schwärme wieder mal vom Wallis, verzeih mir. Ich glaube manchmal, dass dies mein Heroin sei. Es ist mein Paradies, denn das Paradies ist immer der Ort, von dem man vertrieben worden ist. Eine zeitlang konnte ich meine Erinnrungen auffrischen bei meinem Bruder in Darnona. Er hatte in diesem prächtigen kleinen Winzerdorf am Sonnenhang über Sierre eine hübsche Wohnung mit einer herrlichen Aussicht ins Tal hinunter. Leider wohnen sie jetzt unten in S., denn Darnona war nur mit dem Auto oder mit dem kleinen Bähnchen nach Montana zu erreichen. Und das war natürlich ein täglicher Zeitaufwand. Andererseits muss man auch betonen, dass die Zeit im Wallis noch nicht so rasch läuft wie bei uns. Und eine solche Drahtseilbahn ist der ideale Ort für ein kleines Schwätzchen. Es ist die reine Lebensqualität, die mit der Langsamkeit einhergeht.
Jetzt will ich Dir diese Schwärmerei schicken. Bestimmt kannst Du sie mir ein bisschen nachfühlen, denn ihr habt doch bei Euch auch jede Menge Schnee und warme Lichter in den Häusern.
Mit lieben GS und KS
...
Ämne: Schöner Wintertag
Datum: den 25 februari 2004 09:32
Liebe Malou
Heute war ich früh im Büro. Es muss 6.30h gewesen sein. Ich hoffe, sie wählen mich bald einmal zum „Helden der Arbeit“, wie das die Sowjets in alten Zeiten getan haben. Und als Gegenleistung und schönes Privileg sollten sie mich dann für 2 Wochen an irgend ein kaltes Ostbad schicken, wo ich mir eine tüchtige Erkältung holen kann. Ach, die Zeiten sind nicht mehr, wie sie mal waren.
Aber das Wetter zeigt sich von der schönen Seite. Es ist ziemlich kalt geworden, und der Schnee, der übers Wochenende gefallen ist, ist sogar an den Bäumen hängen geblieben. Das ist bei uns selten geworden. Ich kann mich erinnern, dass es in meiner Jugend im Wallis manchmal noch echt geschneit war. Wenn das an einem Wochenende geschehen ist, pflegten wir abends lange Spaziergänge zu machen. Anfangs mit der ganzen Familie, später traf man sich mit Schulkollegen und ging hinaus durch die verschneiten Strassen zur Kunsteisbahn. Das war eine wunderbare Stimmung und die ganze Welt war verzaubert. Und viele andere Leute taten dasselbe, so dass man unterwegs diese oder jene angetroffen hat und sich fröhlich begrüssen konnte. Ich habe eine Postkarte gefunden, die Brig nachts im Schnee zeigt. Wenn ich das sehe, macht es mir noch heute das Herz warm. Ich versuche, das Foto in den fotofolder zu schieben. Es sind die Lichtverhältnisse, die mich so elektrisieren.
Ich habe das Bild schlussendlich gefunden, aber noch zwei andere dazugelegt. Das erste ist ein Gemälde über den Orient. Bestimmt stammt es aus dem 19. Jahrhundert, als sich Europa für den Orient zu interessieren begann. Ich glaube, die Darstellung zeigt einen Bazar-Raum in Kairo. Aber auch in Teheran könnte man das sehen. Es ist eine schöne Darstellung, die natürlich auch ein bisschen mit europäischen Vorurteilen und Schemata spielt. Das zweite Bild zeigt das Stockalperschloss (die Karawanserei im Wallis) an einem Winterabend. Du musst wissen, dass ich während 8 Jahren an diesem Schloss vorbei zur Schule gegangen und abends heimgekehrt bin. Diese Stimmung ist besonders lebendig in meiner Erinnerung. Unten im Tal und in den Häusern ist es schon ziemlich dunkel und kalt, und in der Höhe scheinen immer noch die Schneeberge im Abendlicht. Da hat man das schöne Gefühl, dass es mehr gibt als nur den Menschen mit seinen alltäglichen Geschäften. Und zuletzt das dritte Bild, das ich eigentlich gesucht hatte. Es zeigt Brig in winterlichen Abendstunden. Unten links der Bahnhof, der ein bisschen stärker beleuchtet ist. Rechts die helle Strasse ist eigentlich eine Seitenstrasse, die wir selten passiert haben. Die wichtige Bahnhofstrasse sieht man auf dem Bild kaum. Aber oben sieht man die Kirche, und gleich dahinter sind die grossen Gebäude des Jesuiten Kollegs. Man hat von der kleinen Terrasse vor der Kirche einen wunderbaren Blick über Brig und ins Tal hinunter bis Visp. Ich muss zugeben, dass das Bild ein bisschen Apres-Ski suggeriert. Mag sein, mag auch sein, dass auch dies die süsse Situation sei, die in meiner Seele lagert. Wir haben wirklich einige und sehr schöne Apres-Ski-Stunden und Abende verlebt, nicht nur in Brig, sondern auch in Zermatt, Saas Fee, Montana und an anderen, unbekannteren Orten.
Ach Malou, ich schwärme wieder mal vom Wallis, verzeih mir. Ich glaube manchmal, dass dies mein Heroin sei. Es ist mein Paradies, denn das Paradies ist immer der Ort, von dem man vertrieben worden ist. Eine zeitlang konnte ich meine Erinnrungen auffrischen bei meinem Bruder in Darnona. Er hatte in diesem prächtigen kleinen Winzerdorf am Sonnenhang über Sierre eine hübsche Wohnung mit einer herrlichen Aussicht ins Tal hinunter. Leider wohnen sie jetzt unten in S., denn Darnona war nur mit dem Auto oder mit dem kleinen Bähnchen nach Montana zu erreichen. Und das war natürlich ein täglicher Zeitaufwand. Andererseits muss man auch betonen, dass die Zeit im Wallis noch nicht so rasch läuft wie bei uns. Und eine solche Drahtseilbahn ist der ideale Ort für ein kleines Schwätzchen. Es ist die reine Lebensqualität, die mit der Langsamkeit einhergeht.
Jetzt will ich Dir diese Schwärmerei schicken. Bestimmt kannst Du sie mir ein bisschen nachfühlen, denn ihr habt doch bei Euch auch jede Menge Schnee und warme Lichter in den Häusern.
Mit lieben GS und KS
...
Dienstag, 14. Februar 2012
Teatime..
Ämne: Teatime..
Datum: den 15 mars 2004 16:36
Liebster Mausfreund,
Wie steht es mit deiner Erkältung? Soll ich dir einen warmen Tee machen statt Kaffee?
Hier ein kleines Rilkezitat... hilft vielleicht auch.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
...
So grüsse ich dich nochmals lieb und hoffe, dass du bald wieder ganz froh und munter in die Welt schaust.
Mit einem zärtlichen Kuss,
Malou
Datum: den 15 mars 2004 16:36
Liebster Mausfreund,
Wie steht es mit deiner Erkältung? Soll ich dir einen warmen Tee machen statt Kaffee?
Hier ein kleines Rilkezitat... hilft vielleicht auch.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
...
So grüsse ich dich nochmals lieb und hoffe, dass du bald wieder ganz froh und munter in die Welt schaust.
Mit einem zärtlichen Kuss,
Malou
Sonntag, 12. Februar 2012
Regen, Ameisen und Kunst..
Ämne: Regen, Ameisen und Kunst..
Datum: den 15 mars 2004 12:01
Lieber ...,
Ach, wie sehr du mich im Moment verwöhnst. Ich traue kaum meinen Augen, wenn ich sehe, dass wieder dein Namen in meiner Inbox steht. Soviel Glück auf einmal.. das habe ich doch garnicht verdient.
Ich arbeite heute die meiste Zeit zu Hause mit Korrekturen, Vorbereitungen und anderen Dingen, die man genau so gut zu Hause erledigen kann. Draussen regnet es. Die Fensterscheiben sind ganz nass. Gleichzeitig fühle ich mich ein wenig wie ein "Grenzsoldat", der die Grenze zwischen drinnen und draussen zu bewachen hat. Als ich voriges Mal von einem Besuch bei Anna nach Hause kam, war K schon losgefahren und in der Diele hing ein Zettel: "Ameisen!" Plötzlich hatte er eine ganze Armee von der kleinen Sorte in der Diele entdeckt und er hatte "Myrr" an der Tür gestreut. Myrr ist ein Gift in Pulverform gegen Ameisen. Dann waren sie zwei Wochen lang weg und nun plötzlich sieht man wieder vereinzelte herumlaufen. Ich habe erneut einen Strang (?) von dem Pulver hingestreut und wenn ich es unter Aufsicht habe, passiert nichts. Aber wenn ich eine Weile weggehe und später zurückkomme laufen wieder ein paar herum. Es ist das reinste Mysterium..;-)
Ich hoffe, dass du die Grippe zurückhalten konntest. Trinke viel warme Getränke und es ist nicht falsch mit ein paar Tabletten vorzubeugen.
"- Ich bin bereits 18.
- Ja, und noch weisst du nicht, dass du den Rest deines Lebens 18 sein wirst."
Erinnerst du dich noch, was für eine Auffassung man von den Erwachsenen hatte, als man jung war? Nie hätte man sich vorstellen können, dass sich in ihrem Inneren dieselben Gedanken rühren könnten wie in unseren jungen Köpfen. Ich glaube ich war schon über 20 als ich es zum ersten Mal einsah. Du machst mich doch nicht alt - warum glaubst du das? Wir haben beide das Alter erreicht in dem sich das Leben schneller ändert. Eigentlich ist es nicht die Frage ob alt oder jung, sondern mehr ob krank oder gesund, die unser Leben bestimmt. Meinst du nicht auch?
*
Ja, ich habe geahnt, dass du nach einem Vorbild suchst. Deswegen habe ich dir ja auch die Portraits von Vollard geschickt. Dort konntest du gut sehen, wie verschieden ihn die Künstler gemalt haben.
Manet oder Monet. Ja, vielleicht haben sie sich einen Spass erlaubt. Ich hatte immer Probleme die Namen auseinanderzuhalten. Siehst du, nun hast du mich verleitet in Mark Harden's Archive zu gehen um mir nochmals die schönen impressionistischen Bilder anzusehen.
http://www.artchive.com/ftp_site.htm
Und du magst Soutine? Ich habe ihn nicht gekannt aber jetzt habe ich mir einige Bilder von ihm angesehen. Ich lege sie dir in Fotofolder. Na ja, schön???
Ich muss mich an die Arbeit machen. Es verlangt ein bisschen Selbstdisziplin um nicht einen solchen Tag in Freizeit zu verwandeln.
Ich grüsse dich lieb,
Mit G's und K's (so viele du willst),
Malou
PS Am Nachmittag komme ich eine Tasse Kaffee mit dir trinken. OK?
Datum: den 15 mars 2004 12:01
Lieber ...,
Ach, wie sehr du mich im Moment verwöhnst. Ich traue kaum meinen Augen, wenn ich sehe, dass wieder dein Namen in meiner Inbox steht. Soviel Glück auf einmal.. das habe ich doch garnicht verdient.
Ich arbeite heute die meiste Zeit zu Hause mit Korrekturen, Vorbereitungen und anderen Dingen, die man genau so gut zu Hause erledigen kann. Draussen regnet es. Die Fensterscheiben sind ganz nass. Gleichzeitig fühle ich mich ein wenig wie ein "Grenzsoldat", der die Grenze zwischen drinnen und draussen zu bewachen hat. Als ich voriges Mal von einem Besuch bei Anna nach Hause kam, war K schon losgefahren und in der Diele hing ein Zettel: "Ameisen!" Plötzlich hatte er eine ganze Armee von der kleinen Sorte in der Diele entdeckt und er hatte "Myrr" an der Tür gestreut. Myrr ist ein Gift in Pulverform gegen Ameisen. Dann waren sie zwei Wochen lang weg und nun plötzlich sieht man wieder vereinzelte herumlaufen. Ich habe erneut einen Strang (?) von dem Pulver hingestreut und wenn ich es unter Aufsicht habe, passiert nichts. Aber wenn ich eine Weile weggehe und später zurückkomme laufen wieder ein paar herum. Es ist das reinste Mysterium..;-)
Ich hoffe, dass du die Grippe zurückhalten konntest. Trinke viel warme Getränke und es ist nicht falsch mit ein paar Tabletten vorzubeugen.
"- Ich bin bereits 18.
- Ja, und noch weisst du nicht, dass du den Rest deines Lebens 18 sein wirst."
Erinnerst du dich noch, was für eine Auffassung man von den Erwachsenen hatte, als man jung war? Nie hätte man sich vorstellen können, dass sich in ihrem Inneren dieselben Gedanken rühren könnten wie in unseren jungen Köpfen. Ich glaube ich war schon über 20 als ich es zum ersten Mal einsah. Du machst mich doch nicht alt - warum glaubst du das? Wir haben beide das Alter erreicht in dem sich das Leben schneller ändert. Eigentlich ist es nicht die Frage ob alt oder jung, sondern mehr ob krank oder gesund, die unser Leben bestimmt. Meinst du nicht auch?
*
Ja, ich habe geahnt, dass du nach einem Vorbild suchst. Deswegen habe ich dir ja auch die Portraits von Vollard geschickt. Dort konntest du gut sehen, wie verschieden ihn die Künstler gemalt haben.
Manet oder Monet. Ja, vielleicht haben sie sich einen Spass erlaubt. Ich hatte immer Probleme die Namen auseinanderzuhalten. Siehst du, nun hast du mich verleitet in Mark Harden's Archive zu gehen um mir nochmals die schönen impressionistischen Bilder anzusehen.
http://www.artchive.com/ftp_site.htm
Und du magst Soutine? Ich habe ihn nicht gekannt aber jetzt habe ich mir einige Bilder von ihm angesehen. Ich lege sie dir in Fotofolder. Na ja, schön???
Ich muss mich an die Arbeit machen. Es verlangt ein bisschen Selbstdisziplin um nicht einen solchen Tag in Freizeit zu verwandeln.
Ich grüsse dich lieb,
Mit G's und K's (so viele du willst),
Malou
PS Am Nachmittag komme ich eine Tasse Kaffee mit dir trinken. OK?
Samstag, 11. Februar 2012
Auf der Suche nach..
Ämne: montagmorgenistdieweltnochinordnung
Datum: den 15 mars 2004 08:10
Liebe Malou
Wie geht es Dir, mein junges Ding? Heute morgen, am Montag einige Minuten nach 7 Uhr fühle ich mich nun aber wirklich ziemlich alt. Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl, es sei eine Grippe im Anzug. Der Himmel schmeichelt uns zwar mit einem hellen Blau. Ich hatte irgendwo rosa Wolken gesehen. Das bedeutet doch Regen bis zum Abend, oder etwa nicht? Auf jeden Fall sehe ich auch kleine Schwärme von Vögeln in der Luft. Sind das Tauben? Ja, ich glaube, es sind Tauben. Und sie umkreisen den Kirchturm (in wachsenden Ringen). Es ist hübsch anzuschauen. Wenn sie sich in der Sonne drehen, wirken sie gänzlich weiss vor dem blauen Himmel. Dann wieder dunkel. Und sie haben einen etwas flatternden, unruhigen Flug. Man würde ihnen nicht zutrauen, dass sie von Venedig bis Schweden fliegen. Aber vielleicht nehmen sie die Eisenbahn?
Nächsten Montag werde ich meinen Vortrag im Club haben. Ich darf heute nicht vergessen, einige kleine Dinge zu organisieren: ein Gestell für den Projektor, Abstellfläche für den Computer, Verlängerungskabel, ein Glas Wasser ;--)) Ich habe gestern nochmals ein bisschen reduziert. Im Moment bin ich bei ca. 100 Bildern. Das ist immer noch enorm viel für 30 Minuten. Ich werde zusehen, dass ich noch bis ca. 60 bis 80 herunterkomme. Aber jedes Bild, das ich rausnehmen muss, tut mir leid. Aber ich darf die alten Herren nicht bombardieren mit Bildern. Sie brauchen Zeit und Führung. Nicht alle, aber viele von ihnen.
Gestern Abend im Bett habe ich nochmals versucht, Vollard eine Chance zu geben. Er ist eine wirkliche Händlernatur, hat eine gute Empathie mit den Leuten und versteht, mit ihnen umzugehen. Auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass er sich über die Malerei kein Urteil erlaubt. Weil er bloss kleine Erlebnisse und Begebenheiten aneinanderreiht, macht mir das Büchlein nicht den Spass, den ich erwartet habe. Ausgenommen vielleicht Degas Bemerkung über Manet, seine Bilder hätten die Farbe von Backpflaumen. Das ist gut bemerkt, wenn man die ältesten Bilder Manets im Auge hat. Später ist er dann ja ziemlich impressionistisch und luftig geworden. Er ist ein gewandter Maler, Manet, und neben Monet einer der grössten. Ich hatte mich früher immer gewundert, weshalb zwei so sehr berühmte Menschen, die in einem ähnlichen Gebiet ausserordentliche Dinge geleistet haben, auch gleich noch sosehr ähnliche Namen tragen mussten. Und meine Antwort war: sie wollten uns ärgern! Die Namen hat sie gezwungen, noch besser zu werden, damit man sie wirklich nicht zu verwechseln droht. Es ist ungefähr dasselbe wie mit unseren Töchtern: ... und ... ;--)
Ich kannte mich schon im Gymnasium ein bisschen unter Malern aus. Ich erinnere mich, wie unser Lehrer für Kunstgeschichte, der ein sehr spielerischer und intelligenter Geistlicher war, manchmal irgendwelche Reproduktionen von Bildern mitbrachte. Damit wollte er von seinem ordentlichen Programm ablenken. Und sein Programm war die Architektur v.a. seit der Griechischen Antike. Die meisten Klassen sind mit ihm nicht über die griechische Antike herausgekommen. Er war zugleich Rektor, kam immer zu spät in die Stunden, oder suspendierte sie manchmal ganz, weil er offenbar wichtigere Geschäfte ob hatte.
So hielt er uns also gelegentlich einfach diese Reproduktionen in Postkartengrösse unter die Nase und sah zu, wer sich darin auskennt. Wir Buben hatten damals im Wallis natürlich - weiss Gott - wichtigere Dinge im Kopf als irgendwelche Ölgemälde vergangener Maler. Es war auch keine besonders gescheite Idee, so zu tun, als ob es wichtig wäre, zu wissen, von wem ein Bild stammt. Wichtiger wäre gewesen, es anzuschauen, zu beschreiben, zu interpretieren, vielleicht daraus abzuleiten, aus welcher Zeit es stammen könnte, was der Maler damit gemeint haben könnte usw. . Na ja, Du siehst darin die Qualität des Unterrichtes, den wir hatten. Aber die ganze Welt lief zu jenen Zeiten noch nicht so wild, wie sie es heute zu tun scheint.
Und so ist mir gestern abend im Bett, um 22.30h oder später, wieder in den Sinn gekommen, dass Du auch eine Varlinistin bist. Irgendwie suche ich ein Vorbild für meine Porträtmalerei. Im Moment habe ich dafür Varlin, Bacon und Soutine vor Augen. Soutine finde ich am schönsten. Varlin war von ihm beeinflusst. Soutine hat eine wunderbare, tiefe Farbpalette und seine Bilder geben den Eindruck einer reichen Beständigkeit, auch wenn die Figuren ziemlich verzerrt sind. Ich glaube, er war Jude in Paris und ein extrem armer Schlucker. Bacon wirst Du kennen. Er war Autodidakt, Ire und Alkoholiker. Bei seinen Bildern fallen grässliche Grundtöne auf: ein scharfes Orange, ein nervenzersägendes Lila und so fort. Darin winden sich seine Figuren in imaginären Vitrinen in einem grellen Scheinwerferlicht. Man hat gesagt, er zeige damit die Abgründigkeit des modernen Menschen. Bacon war mit Luzian Freud befreundet, einem Enkel des grossen Psychoanalytikers. Dieser aber malte seine Porträts ziemlich naturalistisch und fleischig, mit einer Offenherzigkeit, die etwas schockt und die vielleicht vor allem Metzger und Fleischergesellen fasziniert. Und daneben ist noch unser Varlin, dessen Porträts interessant sind, weil wir die Menschen auch kennen oder kannten, die er gemalt hat.
Heute denke ich, ich müsse mir ungefähr schon eine Vorstellung eines Bildes machen können, noch bevor ich mit Malen beginne. Früher hatte ich jeweils einfach begonnen und zugesehen, was dabei herauskommt. Man kann bei Porträts auch nicht zu sehr subjektiv vorgehen, denn die Menschen wünschen, doch mindestens auf dem Bild einigermassen wieder erkannt zu werden. Und Frauen wünschen, noch ein bisschen schöner dargestellt zu werden, als sie schon im RL sind. Als Maler kann man sie eigentlich nur beleidigen, es geht fast kein Weg daran vorbei.
„Mildes Frühlingswetter“ meldet das Radio soeben. Das ist gut. Vielleicht hilft es mir, gerade noch an der Klippe der Grippe vorbei zu kommen.
Ich wünsche Dir einen feinen Wochenanfang. Das habe ich zwar schon mal getan, aber trotzdem.
MlKuG
...
Datum: den 15 mars 2004 08:10
Liebe Malou
Wie geht es Dir, mein junges Ding? Heute morgen, am Montag einige Minuten nach 7 Uhr fühle ich mich nun aber wirklich ziemlich alt. Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl, es sei eine Grippe im Anzug. Der Himmel schmeichelt uns zwar mit einem hellen Blau. Ich hatte irgendwo rosa Wolken gesehen. Das bedeutet doch Regen bis zum Abend, oder etwa nicht? Auf jeden Fall sehe ich auch kleine Schwärme von Vögeln in der Luft. Sind das Tauben? Ja, ich glaube, es sind Tauben. Und sie umkreisen den Kirchturm (in wachsenden Ringen). Es ist hübsch anzuschauen. Wenn sie sich in der Sonne drehen, wirken sie gänzlich weiss vor dem blauen Himmel. Dann wieder dunkel. Und sie haben einen etwas flatternden, unruhigen Flug. Man würde ihnen nicht zutrauen, dass sie von Venedig bis Schweden fliegen. Aber vielleicht nehmen sie die Eisenbahn?
Nächsten Montag werde ich meinen Vortrag im Club haben. Ich darf heute nicht vergessen, einige kleine Dinge zu organisieren: ein Gestell für den Projektor, Abstellfläche für den Computer, Verlängerungskabel, ein Glas Wasser ;--)) Ich habe gestern nochmals ein bisschen reduziert. Im Moment bin ich bei ca. 100 Bildern. Das ist immer noch enorm viel für 30 Minuten. Ich werde zusehen, dass ich noch bis ca. 60 bis 80 herunterkomme. Aber jedes Bild, das ich rausnehmen muss, tut mir leid. Aber ich darf die alten Herren nicht bombardieren mit Bildern. Sie brauchen Zeit und Führung. Nicht alle, aber viele von ihnen.
Gestern Abend im Bett habe ich nochmals versucht, Vollard eine Chance zu geben. Er ist eine wirkliche Händlernatur, hat eine gute Empathie mit den Leuten und versteht, mit ihnen umzugehen. Auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass er sich über die Malerei kein Urteil erlaubt. Weil er bloss kleine Erlebnisse und Begebenheiten aneinanderreiht, macht mir das Büchlein nicht den Spass, den ich erwartet habe. Ausgenommen vielleicht Degas Bemerkung über Manet, seine Bilder hätten die Farbe von Backpflaumen. Das ist gut bemerkt, wenn man die ältesten Bilder Manets im Auge hat. Später ist er dann ja ziemlich impressionistisch und luftig geworden. Er ist ein gewandter Maler, Manet, und neben Monet einer der grössten. Ich hatte mich früher immer gewundert, weshalb zwei so sehr berühmte Menschen, die in einem ähnlichen Gebiet ausserordentliche Dinge geleistet haben, auch gleich noch sosehr ähnliche Namen tragen mussten. Und meine Antwort war: sie wollten uns ärgern! Die Namen hat sie gezwungen, noch besser zu werden, damit man sie wirklich nicht zu verwechseln droht. Es ist ungefähr dasselbe wie mit unseren Töchtern: ... und ... ;--)
Ich kannte mich schon im Gymnasium ein bisschen unter Malern aus. Ich erinnere mich, wie unser Lehrer für Kunstgeschichte, der ein sehr spielerischer und intelligenter Geistlicher war, manchmal irgendwelche Reproduktionen von Bildern mitbrachte. Damit wollte er von seinem ordentlichen Programm ablenken. Und sein Programm war die Architektur v.a. seit der Griechischen Antike. Die meisten Klassen sind mit ihm nicht über die griechische Antike herausgekommen. Er war zugleich Rektor, kam immer zu spät in die Stunden, oder suspendierte sie manchmal ganz, weil er offenbar wichtigere Geschäfte ob hatte.
So hielt er uns also gelegentlich einfach diese Reproduktionen in Postkartengrösse unter die Nase und sah zu, wer sich darin auskennt. Wir Buben hatten damals im Wallis natürlich - weiss Gott - wichtigere Dinge im Kopf als irgendwelche Ölgemälde vergangener Maler. Es war auch keine besonders gescheite Idee, so zu tun, als ob es wichtig wäre, zu wissen, von wem ein Bild stammt. Wichtiger wäre gewesen, es anzuschauen, zu beschreiben, zu interpretieren, vielleicht daraus abzuleiten, aus welcher Zeit es stammen könnte, was der Maler damit gemeint haben könnte usw. . Na ja, Du siehst darin die Qualität des Unterrichtes, den wir hatten. Aber die ganze Welt lief zu jenen Zeiten noch nicht so wild, wie sie es heute zu tun scheint.
Und so ist mir gestern abend im Bett, um 22.30h oder später, wieder in den Sinn gekommen, dass Du auch eine Varlinistin bist. Irgendwie suche ich ein Vorbild für meine Porträtmalerei. Im Moment habe ich dafür Varlin, Bacon und Soutine vor Augen. Soutine finde ich am schönsten. Varlin war von ihm beeinflusst. Soutine hat eine wunderbare, tiefe Farbpalette und seine Bilder geben den Eindruck einer reichen Beständigkeit, auch wenn die Figuren ziemlich verzerrt sind. Ich glaube, er war Jude in Paris und ein extrem armer Schlucker. Bacon wirst Du kennen. Er war Autodidakt, Ire und Alkoholiker. Bei seinen Bildern fallen grässliche Grundtöne auf: ein scharfes Orange, ein nervenzersägendes Lila und so fort. Darin winden sich seine Figuren in imaginären Vitrinen in einem grellen Scheinwerferlicht. Man hat gesagt, er zeige damit die Abgründigkeit des modernen Menschen. Bacon war mit Luzian Freud befreundet, einem Enkel des grossen Psychoanalytikers. Dieser aber malte seine Porträts ziemlich naturalistisch und fleischig, mit einer Offenherzigkeit, die etwas schockt und die vielleicht vor allem Metzger und Fleischergesellen fasziniert. Und daneben ist noch unser Varlin, dessen Porträts interessant sind, weil wir die Menschen auch kennen oder kannten, die er gemalt hat.
Heute denke ich, ich müsse mir ungefähr schon eine Vorstellung eines Bildes machen können, noch bevor ich mit Malen beginne. Früher hatte ich jeweils einfach begonnen und zugesehen, was dabei herauskommt. Man kann bei Porträts auch nicht zu sehr subjektiv vorgehen, denn die Menschen wünschen, doch mindestens auf dem Bild einigermassen wieder erkannt zu werden. Und Frauen wünschen, noch ein bisschen schöner dargestellt zu werden, als sie schon im RL sind. Als Maler kann man sie eigentlich nur beleidigen, es geht fast kein Weg daran vorbei.
„Mildes Frühlingswetter“ meldet das Radio soeben. Das ist gut. Vielleicht hilft es mir, gerade noch an der Klippe der Grippe vorbei zu kommen.
Ich wünsche Dir einen feinen Wochenanfang. Das habe ich zwar schon mal getan, aber trotzdem.
MlKuG
...
Freitag, 10. Februar 2012
neuer Chef
den 7 juli 2003 07:26
Re: Aufgeräumtheiten
Liebe Marlena
Ja, Du hörst Dich zufrieden und entspannt an. Und wenn man während der Arbeit mitten im Druck und in den Dingen drin ist, sieht doch das Leben völlig anders aus. Es ist merkwürdig, wie die momentanen Drucksituationen auch die Perspektiven über weitere Sicht verändern. Aber ich bin froh für Dich, dass Du die Zeit sosehr geniessen kannst. Das ist doch die richtige Art, wieder Energien zu schöpfen für den nächsten Kampf. Nicht das 'grosse Glück', sondern bloss Zufriedenheit, das ist doch, wonach wir alle lechzen. Und Du hast sie!
*
Ja, der Besuch des Chefs ist vorbei, und ich frage mich auch, weshalb ich mir eigentlich soviel Gedanken gemacht habe. Ich hatte mich das schon vorher gefragt. Und die einzige Antwort, die ich finden konnte, bestand darin, dass er eben neu ist. Man muss sich wieder neu orientieren, muss zusehen, was ihm wichtig ist, worin er seine Prioritäten sieht ... und so fort. Es gibt ja doch in der Direktion, und das spürt man zumindest an seinen direkten Mitarbeitern, ein Gerangel, eine Art Ellbogenkampf um den privilegierten Platz in seiner Nähe. Auf jeden Fall reden seine Sekretäre wieder in grossen und wichtigen Worten und lassen ihre Kompetenz und ihre Muskeln spielen. Ich mag das nicht, und meine Schwäche hat vielleicht immer darin bestanden, bei solchen Spielchen nicht mitgespielt zu haben. Man kommt damit schon ein bisschen ins Hintertreffen, das muss ich sagen. Einzige Ausnahme ist, wenn der Chef dies bewusst auch nicht mag, und dagegen reagiert. Ich glaube, mein alter Chef hat ein bisschen so gehandelt. Und beim Neuen müssen wir sehen.
Auf jeden Fall ist mein Büro nicht wirklich aufgeräumt. Ich konnte nicht übers Herz bringen, alles wegzutun, notfalls zu wegzuwerfen. Aber es sieht doch schon etwas zivilisierter aus als noch vor zwei oder drei Wochen. Es sieht jetzt aus, wie es aussehen würde im Büro eines Typen, der sich mit seiner Arbeit identifiziert und der viele Interessen hat. Ich meine, wie das Büro bei jemandem, der neben der Arbeit viele Dinge tut und der vielleicht sogar ein Campingbett aus einem Schrank hervorholen könnte, für alle Fälle. So sieht es aus. Und das ist - meines Erachtens - nicht wirklich schlecht.
*
Und heute begehen wir in der Schweiz einen neuen Nationalfeiertag. Eigentlich ...
Re: Aufgeräumtheiten
Liebe Marlena
Ja, Du hörst Dich zufrieden und entspannt an. Und wenn man während der Arbeit mitten im Druck und in den Dingen drin ist, sieht doch das Leben völlig anders aus. Es ist merkwürdig, wie die momentanen Drucksituationen auch die Perspektiven über weitere Sicht verändern. Aber ich bin froh für Dich, dass Du die Zeit sosehr geniessen kannst. Das ist doch die richtige Art, wieder Energien zu schöpfen für den nächsten Kampf. Nicht das 'grosse Glück', sondern bloss Zufriedenheit, das ist doch, wonach wir alle lechzen. Und Du hast sie!
*
Ja, der Besuch des Chefs ist vorbei, und ich frage mich auch, weshalb ich mir eigentlich soviel Gedanken gemacht habe. Ich hatte mich das schon vorher gefragt. Und die einzige Antwort, die ich finden konnte, bestand darin, dass er eben neu ist. Man muss sich wieder neu orientieren, muss zusehen, was ihm wichtig ist, worin er seine Prioritäten sieht ... und so fort. Es gibt ja doch in der Direktion, und das spürt man zumindest an seinen direkten Mitarbeitern, ein Gerangel, eine Art Ellbogenkampf um den privilegierten Platz in seiner Nähe. Auf jeden Fall reden seine Sekretäre wieder in grossen und wichtigen Worten und lassen ihre Kompetenz und ihre Muskeln spielen. Ich mag das nicht, und meine Schwäche hat vielleicht immer darin bestanden, bei solchen Spielchen nicht mitgespielt zu haben. Man kommt damit schon ein bisschen ins Hintertreffen, das muss ich sagen. Einzige Ausnahme ist, wenn der Chef dies bewusst auch nicht mag, und dagegen reagiert. Ich glaube, mein alter Chef hat ein bisschen so gehandelt. Und beim Neuen müssen wir sehen.
Auf jeden Fall ist mein Büro nicht wirklich aufgeräumt. Ich konnte nicht übers Herz bringen, alles wegzutun, notfalls zu wegzuwerfen. Aber es sieht doch schon etwas zivilisierter aus als noch vor zwei oder drei Wochen. Es sieht jetzt aus, wie es aussehen würde im Büro eines Typen, der sich mit seiner Arbeit identifiziert und der viele Interessen hat. Ich meine, wie das Büro bei jemandem, der neben der Arbeit viele Dinge tut und der vielleicht sogar ein Campingbett aus einem Schrank hervorholen könnte, für alle Fälle. So sieht es aus. Und das ist - meines Erachtens - nicht wirklich schlecht.
*
Und heute begehen wir in der Schweiz einen neuen Nationalfeiertag. Eigentlich ...
Donnerstag, 9. Februar 2012
ein "Sonntagsmaler"
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Wenn ich Zeit habe, male ich in Öl. Ich bin ein Hobby-Maler, ein Sonntagsmaler, wie die Deutschsprachler sagen. Vor Jahren habe ich mir ein Bild von Rubens kopiert. Das war vor ziemlich genau 20 Jahren. Damals habe ich diese, meine jetztige Stelle angetreten und vorher eine Woche frei genommen. In dieser Woche habe ich das Bild „Krieg und Frieden" von Rubens kopiert. Ich glaube, das Original hängt in London. Ich muss es mir mal anschauen, um zu sehen, welches von beiden besser ist ;-) Diese dunkle Tafel hängt jetzt in unserer guten Stube. Fast ein echter Rubens und wenn der Versicherungsmann kommt, will er immer unsere Versicherungssumme erhöhen ;-), stell dir vor.
Diese barocke Malerei ist sehr raffiniert aufgebaut. Es schaut alles lebendig und sinnlich, fast spontan, aus, doch dahinter ist sehr viel Planung und Berechnung. Ist im Grunde alles Reklame für die Kirche. Barock, das ist als Gegenreformation die grosse Zeit der Propaganda in der Kunst. Und dabei ist nun nicht allzu viel Askese und Autarkie, als wählerischer Gebrauch der Lust. Barock ist der reine Überfluss, das Füllhorn, die erotische Szene u.s.w. Übrigens könnte man auch von dem Haus, in dem wir wohnen, sagen, es stamme aus dem Barock. Es sieht zwar nicht aus wie Versailles oder Schönbrunn, ein bisschen bescheidener, aber auf jeden Fall stammt es aus der Zeit vor der französischen Revolution, also aus dem ancien régime.
(R)
....
Wenn ich Zeit habe, male ich in Öl. Ich bin ein Hobby-Maler, ein Sonntagsmaler, wie die Deutschsprachler sagen. Vor Jahren habe ich mir ein Bild von Rubens kopiert. Das war vor ziemlich genau 20 Jahren. Damals habe ich diese, meine jetztige Stelle angetreten und vorher eine Woche frei genommen. In dieser Woche habe ich das Bild „Krieg und Frieden" von Rubens kopiert. Ich glaube, das Original hängt in London. Ich muss es mir mal anschauen, um zu sehen, welches von beiden besser ist ;-) Diese dunkle Tafel hängt jetzt in unserer guten Stube. Fast ein echter Rubens und wenn der Versicherungsmann kommt, will er immer unsere Versicherungssumme erhöhen ;-), stell dir vor.
Diese barocke Malerei ist sehr raffiniert aufgebaut. Es schaut alles lebendig und sinnlich, fast spontan, aus, doch dahinter ist sehr viel Planung und Berechnung. Ist im Grunde alles Reklame für die Kirche. Barock, das ist als Gegenreformation die grosse Zeit der Propaganda in der Kunst. Und dabei ist nun nicht allzu viel Askese und Autarkie, als wählerischer Gebrauch der Lust. Barock ist der reine Überfluss, das Füllhorn, die erotische Szene u.s.w. Übrigens könnte man auch von dem Haus, in dem wir wohnen, sagen, es stamme aus dem Barock. Es sieht zwar nicht aus wie Versailles oder Schönbrunn, ein bisschen bescheidener, aber auf jeden Fall stammt es aus der Zeit vor der französischen Revolution, also aus dem ancien régime.
(R)
Dienstag, 7. Februar 2012
Tall talk
winterliche Landschaft - Januar 2008
date: 29 January 2008 07:38
subject: tall talk
Liebe Malou
Lass mich dir wieder einmal ein ausgewachsenes Mail schreiben. Ich
glaube, heute morgen habe ich Lust und ein bisschen Zeit dazu.
Immer, wenn ich mir dich vorstelle, sehe ich dich still in einem
warmen Häuschen in winterlicher Landschaft. Du bist am Fersehen, am
Bügeln, Telefonieren oder Lesen vielleicht. Du bist still und
zufrieden in deiner gemütlichen Situation. Und K stelle ich mir vor
irgendwo in einem anderen Raum, mit irgendwas wie PC, TV oder einem
anderen Projekt beschäftigt. Aber es ist alles ruhig und friedlich und
geht seinen gewohnten Gang, ohne Aufregung, ohne zu grosse
Überraschungen. Du hast es doch gut Malou, nicht wahr?
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach
sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult
voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das
Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch
überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach
Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so
schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man
darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts
bringen.
Und so versuche ich einfach, die Dinge, die anstehen, zu erledigen.
Vielleicht haben wir Männer die dumme Angewohnheit, dass sie bei all
ihren Dingen, die sie zu tun haben, den Eindruck geben wollen, es sei
etwas Grosses, Wichtiges, Dringliches und Einzigartiges. Ja, das
glaube ich irgendwie nach all den Jahren, dass wir Männer uns mit
diesen Tätigkeiten und Pflichten selbst beschweren und selbst erhöhen
wollen. Deshalb machen wir sie schwierig und wichtig und dringlich und
weiss was alles. Unsere Gefühle dienen dazu, die Geschäfte
aufzublasen, mit denen wir zu tun haben. Ich sehe das bei meinem
Mitarbeiter. Bei ihm ist es überdeutlich. Jedes Mail, das er schreibt,
versieht er mit dem Zeichen "besonders wichtig". Jedes! Ich bin nicht
so. Aber ich bin eben auch ein Mann, also werde ich diese Angewohnheit
auch ein bisschen mit mir tragen.
Was wäre wenn es anders wäre. Wir Männer würden uns unwichtig,
leichtgewichtig, unbedeutend, unwürdig vorkommen. Es würde uns die
Bedeutung fehlen, die wir uns im Kontakt mit anderen Leuten wünschen.
Wir könnten ja dabei nicht über schwierige, dringliche, wichtige und
bedeutende Dinge erzählen, womit wir gerade beschäftigt seien. Ja, wir
wären so leicht und unbedeutend, dass jeder Windstoss uns dahinblasen
könnte.
Ich habe in den paar Tagen, da ich zuhause lag und meine
Lungenentzündung auskuriert habe, gezeichnet. Die Zeichnungen sind
klein. Aber ich habe sie mit Stiften koloriert. Vielleicht kann ich
ein paar davon scannen, dann werde ich sie dir zeigen? Sie sind so wie
damals die Zeichnung mit der Dame, die bügelt, und mit den armen
Seelen an der Wäscheleine. Erinnerst du dich? Anna hatte dich gefragt,
ob du das seist, diese Dame, die da einigermassen elegant auf Stand-
und Spielbein die verknitterten Sprechblasen bügelt. Ja, das ist nun
auch schon wieder einige Jahre her. Ach, wie die Zeit vergeht. Und auf
gar keine Weise lässt sie sich stoppen oder auch nur bremsen!!
Nächste Woche habe ich Ferien. Hier in der Gegend wird Fastnacht sein.
In Basel selbst kommt sie dann eine Woche später. Ich selbst will in
diesen Ferientagen noch meinen Keller durchsehen.
Ich habe dort noch einige Kisten mit Büchern und Dingen, die ich
vielleicht auspacken sollte. Du siehst Malou, ich bin auch nach einem
Jahr noch nicht 100% eingerichtet. Aber ich muss auch dafür sorgen,
dass ich nicht zuviele Dinge in meine engen vier Wände stelle. Ich bin
schon heute an der obersten Grenze. Ich mag das eigentlich. Aber es
wird alles ein wenig eng. Das schlägt sich mit der Zeit auf die Seele
nieder. Wahrscheinlich sollte ich einige Bücher weggeben. Aber ich
habe ungeheure Schwierigkeiten damit. Es gibt viele Bücher, von denen
ich weiss, dass ich sie niemals mehr in meinem Leben werde lesen
können oder wollen. Und dennoch macht es mir Mühe, sie einfach so
wegzugeben. Ich habe sogar etliche, um nicht zu sagen viele, die ich
noch nicht gelesen habe. Darunter sind zahlreiche Bildbände über Maler
aus den verschiedensten Stilepochen. Ach, es ist verrückt, wenn man
Bücher auf Vorrat kauft. Es ist wirklich verrückt. Ein Freund von mir
hat das Prinzip, dass er alle Bücher, die er gelesen hat, schliesslich
weitergibt. Er schenkt sie Bekannten und Freunden in der Hoffnung,
dass auch sie sie lesen würden. Er hatte mir vor einigen Jahren auch
eins gegeben. Aber ich habe es nocht nicht gelesen. Vorne drin steht
geschrieben "Kreta" und eine Jahrzahl. Wahrscheinlich hatte er den
Band in den Ferien am Meer gelesen. Und natürlich findet man ein Buch,
welches man am schönen Meeresstrand in wundervollem Sonnenschein
lesen kann, ein besonders gutes Buch. Eigentlich sollte man diesen ersten
Eindruck durch eine zweite Lektüre an schweizerischen Regentagen
nochmals testen. Bestimmt wirkt die Geschichte dann ganz anders. Aber
er hatte es gut gemeint mit mir. Vielleicht werde ich es mir ja noch
vornehmen. Es ist ein italienischer Autor und heisst irgendwie "die
Entstehung der Welt von Gott geschrieben" oder so ähnlich. Ist das für
eine Katholikin nicht ein bisschen blasphemisch?
Jetzt will ich langsam zu einem Ende kommen, sonst wird das Mail zu
schwer und gewichtig und bedeutsam.
Ich wünsche dir einen feinen Tag Malou
date: 29 January 2008 07:38
subject: tall talk
Liebe Malou
Lass mich dir wieder einmal ein ausgewachsenes Mail schreiben. Ich
glaube, heute morgen habe ich Lust und ein bisschen Zeit dazu.
Immer, wenn ich mir dich vorstelle, sehe ich dich still in einem
warmen Häuschen in winterlicher Landschaft. Du bist am Fersehen, am
Bügeln, Telefonieren oder Lesen vielleicht. Du bist still und
zufrieden in deiner gemütlichen Situation. Und K stelle ich mir vor
irgendwo in einem anderen Raum, mit irgendwas wie PC, TV oder einem
anderen Projekt beschäftigt. Aber es ist alles ruhig und friedlich und
geht seinen gewohnten Gang, ohne Aufregung, ohne zu grosse
Überraschungen. Du hast es doch gut Malou, nicht wahr?
Und ich bin beschäftigt durch und durch. Gestern, als ich nach
sovielen Krankheitstagen wieder zurück im Büro sass, war mein Pult
voll von Papieren und laufenden Projekten und Dingen. Das ist das
Schlimmste an Krankheiten, auch an Ferien, dass man in solch
überhängende Situationen zurückkehren muss, wo alles schreit nach
Erledigung und Erledigt-sein. Aber ich glaube, es ist nicht so
schlimm. Man darf auf dieses Schreien nicht allzu genau hinhören. Man
darf sich davon nicht nervös machen lassen. Das würde rein gar nichts
bringen.
Und so versuche ich einfach, die Dinge, die anstehen, zu erledigen.
Vielleicht haben wir Männer die dumme Angewohnheit, dass sie bei all
ihren Dingen, die sie zu tun haben, den Eindruck geben wollen, es sei
etwas Grosses, Wichtiges, Dringliches und Einzigartiges. Ja, das
glaube ich irgendwie nach all den Jahren, dass wir Männer uns mit
diesen Tätigkeiten und Pflichten selbst beschweren und selbst erhöhen
wollen. Deshalb machen wir sie schwierig und wichtig und dringlich und
weiss was alles. Unsere Gefühle dienen dazu, die Geschäfte
aufzublasen, mit denen wir zu tun haben. Ich sehe das bei meinem
Mitarbeiter. Bei ihm ist es überdeutlich. Jedes Mail, das er schreibt,
versieht er mit dem Zeichen "besonders wichtig". Jedes! Ich bin nicht
so. Aber ich bin eben auch ein Mann, also werde ich diese Angewohnheit
auch ein bisschen mit mir tragen.
Was wäre wenn es anders wäre. Wir Männer würden uns unwichtig,
leichtgewichtig, unbedeutend, unwürdig vorkommen. Es würde uns die
Bedeutung fehlen, die wir uns im Kontakt mit anderen Leuten wünschen.
Wir könnten ja dabei nicht über schwierige, dringliche, wichtige und
bedeutende Dinge erzählen, womit wir gerade beschäftigt seien. Ja, wir
wären so leicht und unbedeutend, dass jeder Windstoss uns dahinblasen
könnte.
Ich habe in den paar Tagen, da ich zuhause lag und meine
Lungenentzündung auskuriert habe, gezeichnet. Die Zeichnungen sind
klein. Aber ich habe sie mit Stiften koloriert. Vielleicht kann ich
ein paar davon scannen, dann werde ich sie dir zeigen? Sie sind so wie
damals die Zeichnung mit der Dame, die bügelt, und mit den armen
Seelen an der Wäscheleine. Erinnerst du dich? Anna hatte dich gefragt,
ob du das seist, diese Dame, die da einigermassen elegant auf Stand-
und Spielbein die verknitterten Sprechblasen bügelt. Ja, das ist nun
auch schon wieder einige Jahre her. Ach, wie die Zeit vergeht. Und auf
gar keine Weise lässt sie sich stoppen oder auch nur bremsen!!
Nächste Woche habe ich Ferien. Hier in der Gegend wird Fastnacht sein.
In Basel selbst kommt sie dann eine Woche später. Ich selbst will in
diesen Ferientagen noch meinen Keller durchsehen.
Ich habe dort noch einige Kisten mit Büchern und Dingen, die ich
vielleicht auspacken sollte. Du siehst Malou, ich bin auch nach einem
Jahr noch nicht 100% eingerichtet. Aber ich muss auch dafür sorgen,
dass ich nicht zuviele Dinge in meine engen vier Wände stelle. Ich bin
schon heute an der obersten Grenze. Ich mag das eigentlich. Aber es
wird alles ein wenig eng. Das schlägt sich mit der Zeit auf die Seele
nieder. Wahrscheinlich sollte ich einige Bücher weggeben. Aber ich
habe ungeheure Schwierigkeiten damit. Es gibt viele Bücher, von denen
ich weiss, dass ich sie niemals mehr in meinem Leben werde lesen
können oder wollen. Und dennoch macht es mir Mühe, sie einfach so
wegzugeben. Ich habe sogar etliche, um nicht zu sagen viele, die ich
noch nicht gelesen habe. Darunter sind zahlreiche Bildbände über Maler
aus den verschiedensten Stilepochen. Ach, es ist verrückt, wenn man
Bücher auf Vorrat kauft. Es ist wirklich verrückt. Ein Freund von mir
hat das Prinzip, dass er alle Bücher, die er gelesen hat, schliesslich
weitergibt. Er schenkt sie Bekannten und Freunden in der Hoffnung,
dass auch sie sie lesen würden. Er hatte mir vor einigen Jahren auch
eins gegeben. Aber ich habe es nocht nicht gelesen. Vorne drin steht
geschrieben "Kreta" und eine Jahrzahl. Wahrscheinlich hatte er den
Band in den Ferien am Meer gelesen. Und natürlich findet man ein Buch,
welches man am schönen Meeresstrand in wundervollem Sonnenschein
lesen kann, ein besonders gutes Buch. Eigentlich sollte man diesen ersten
Eindruck durch eine zweite Lektüre an schweizerischen Regentagen
nochmals testen. Bestimmt wirkt die Geschichte dann ganz anders. Aber
er hatte es gut gemeint mit mir. Vielleicht werde ich es mir ja noch
vornehmen. Es ist ein italienischer Autor und heisst irgendwie "die
Entstehung der Welt von Gott geschrieben" oder so ähnlich. Ist das für
eine Katholikin nicht ein bisschen blasphemisch?
Jetzt will ich langsam zu einem Ende kommen, sonst wird das Mail zu
schwer und gewichtig und bedeutsam.
Ich wünsche dir einen feinen Tag Malou
Mit lieben Gs und Ks
...
Samstag, 4. Februar 2012
Immer noch ritterlich
Königin Kristina
Ämne: Immer noch ritterlich
Datum: den 19 juni 2001 07:48
Liebe Marlena
Gestern war Montag. Morgens haben wir unsere Sitzung. Mittags habe ich Club. Und Nachmittags war ich mit einigen dringenden Geschäften unterwegs.
So bin ich heute Dienstag etwas früher ins Büro gefahren.
Nun ja, die gute "Identität". Wie gesagt, ich bin im Moment mit Schwanitz' Buch beschäftigt und denke versuchsweise seine Thesen und Gedanken weiter. Ich kämpfe also nicht nur in einer Rüstung, sondern mit einem etwas verlängerten Spiess. Nicht, dass ich damit allzu sehr in der Welt herumwütete. Nein, ich brauche ihn sozusagen als Brücke für meine Ameisen ;--).
Schwanitz sagt, wenn du das wirkliche Ich eines Mannes kennenlernen willst, dann beobachte seine Hobbies. Im Gegensatz zur Frau verdrängt der Mann seine eigenen Gefühle, projiziert sie aber in seine Leidenschften ausserhalb. Wenn Du also mit dem Mann über Gefühle reden willst, dann stösst Du auf Granit. Er kennt sie selbst nicht. Wenn Du ihn aber über seine Hobbies erzählen lassen kannst, wirst du reichlich belohnt werden.
Das ist, unter uns gesagt, keine schlechte Faustregel. Schwanitz sagt, dass ein Mann, der über seine Gefühle redet, kein Mann ist. Das heisst, er fühlt sich in diesem Moment nicht wirklich als Mann. Und das hält er nicht besonders lange aus. Es gibt kurze Momente, wo es gelingen mag. Aber im wesentlichen mag der Mann, der etwas auf sich hält, das nicht.
Sie Dich vor, Marlena, die Männer sind ganz anders, als Du es Dir immer gedacht hast. Und mein "wirkliches Ich" ist wohl diese komplizierte Kombination von Rüstung und Gefühlschaos, wie es der Autor etwas pointiert beschreibt.
*
Ich beneide Dich um Deine Situation in Schweden, da Du das Meer gleich vor der Türe hast. Es mag etwas kühl sein bei Euch, aber es ist wunderbar, so nahe beim Wasser zu leben. Das bringt eine Weite in die Gefühle und in die Mentalitäten, die uns Schweizern wohl eher fehlt.
Ich habe gestern Abend einen Artikel gefunden, den ich vor einiger Zeit beiseite gelegt hatte. Es war ein Text von einer gewissen Laure Wyss über die schwedische Barockkönigin Christina. Und ich erinnerte mich natürlich der paar Dinge, die Du mir über sie erzählt hattest. Sie war die Tochter des Königs Gustav Adolf II, und eigentlich fing alles mit einer Falschmeldung an, weil die Hebamme glaubte, sie wäre ein Prinz und keine Prinzessin. Ihre Tante hatte dann den Mut, den König über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Sie muss eine echt burschikose Prinzessin gewesen sein. Und besonders intelligent und unabhängig und mutig. Und sie war nicht hübsch, soll sogar eine schiefe Schulter getragen haben. Das erklärte sie damit, dass man es verschwörerisch auf sie als Thronfolgerin abgesehen hätte. Andere behaupten, ein herunterfallender Balken hätte sie noch in der Wiege getroffen. Auf jeden Fall gab sie sich rundum ziemlich männlich. Sie soll von Prag eine ansehnliche Ladung an Raubkunst heimtransportiert haben. Und sie hat, wie Du ja weißt, schliesslich auf den Thron verzichtet, in Rom gelebt und ist zum Katholizismus übergetreten und auch in Rom gestorben. Das würde ja - in die Zeit des kalten Krieges übersetzt - heissen, dass einer von Amerika nach Russland übersiedelt wäre. Das kann man sich wirklich bloss als "von Liebe motiviert" vorstellen. Von einer Liebe in den Vatikan hinein war aber hier nirgendwo die Rede. Doch schon möglich, dass sie im schönen und warmen Rom einen süssen femininen Priester gefunden hat.
*
Heute fahre ich nach L. Ich habe dort noch eine Beratung. Schade, dass das Wetter noch ziemlich trüb und kühl geblieben ist. Es soll sich erst in den nächsten Tagen bessern.
Und gerade höre ich im Radio, dass nach einer OECD-Studie die Bildung einer der wichtigsten Faktoren im oekonomischen Wachstum eines Staates darstellt. Höre mal an. Das wird den Druck in Richtung erhöhte Effizienz und Effektivität erhöhen. Es ist, wie wir alle wissen, das Ende der Jugend.
*
Geniesse Deine Ferien auch für mich bisschen.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag
Mit einem lieben Gruss
Ohne Rüstung?
Ämne: Ohne Rüstung?
Datum: den 16 juni 2001
Lieber ...,
Immer noch muss ich schmunzeln wenn ich an deine tollen Fantasien denke. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es so schrecklich ist ein Mann zu sein. Und wie wäre es, wenn du deine Rüstung für einen Augenblick ausziehen würdest. Ich könnte dir helfen diese Armee von Ameisen von dir wegzulocken damit du einmal fühlen kannst wie schön es ist ohne sie zu sein. :-)
---
Es ist schön um mich herum. Man kann wieder durch die Fensterscheiben sehen und die Fussböden in der Diele und Küche glänzen. Ich habe mich auf den unteren Stock konzentriert.. oben kann ich Ordnung schaffen wenn K wieder hier ist. Er kommt Anfang nächste Woche aus dem Baltikum zurück (hoffe ich). Ich wage niemandem ausser dir zu sagen dass ich nicht weiss an welchem Tag.
Und nun noch ein paar Worte zu dem Thema Identität. Ich habe doch neulich alle deine Ameisen damit mobilisiert. Und dann schreibst du mir einen Brief um alles zurechtzulegen, aber wenn ich ihn genau lese, muss ich doch zu dem Ergebnis kommen dass du eine neue Identität suchst. Du wirfst altes hinaus und möblierst neu... Darf ich dich fragen in welchem Stil du möblierst??
Ach, weißt du .., wir spielen mit Worten (und natürlich macht es Spass so etwas zu tun) aber ich möchte auch dass wir ernst sein können zu einander. Dass du nicht immer in deiner Rüstung auftrittst.. ich möchte dich sehen so wie du bist. Ich möchte deine heimlichen Gedanken, Träume und Ängste kennen.. ich möchte so viel. Und eigentlich reicht es, dass du mein lieber lustiger Mailpartner bist, der mir so viel Freude schenkt, die ich dann an meine Umgebung weiterleiten kann, und der meine Sprache mit neuen Wörtern bereichert wie Stresstauglichkeit und Entscheidungsfähigkeit.
Es ist Mitternacht geworden und vielleicht schläfst du schon.. und am liebsten möchte ich nun
".. jemanden einsingen, bei jemandem sitzen und sein.."
Ich wünsche dir einen schönen Tag
Marlena
Datum: den 16 juni 2001
Lieber ...,
Immer noch muss ich schmunzeln wenn ich an deine tollen Fantasien denke. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es so schrecklich ist ein Mann zu sein. Und wie wäre es, wenn du deine Rüstung für einen Augenblick ausziehen würdest. Ich könnte dir helfen diese Armee von Ameisen von dir wegzulocken damit du einmal fühlen kannst wie schön es ist ohne sie zu sein. :-)
---
Es ist schön um mich herum. Man kann wieder durch die Fensterscheiben sehen und die Fussböden in der Diele und Küche glänzen. Ich habe mich auf den unteren Stock konzentriert.. oben kann ich Ordnung schaffen wenn K wieder hier ist. Er kommt Anfang nächste Woche aus dem Baltikum zurück (hoffe ich). Ich wage niemandem ausser dir zu sagen dass ich nicht weiss an welchem Tag.
Und nun noch ein paar Worte zu dem Thema Identität. Ich habe doch neulich alle deine Ameisen damit mobilisiert. Und dann schreibst du mir einen Brief um alles zurechtzulegen, aber wenn ich ihn genau lese, muss ich doch zu dem Ergebnis kommen dass du eine neue Identität suchst. Du wirfst altes hinaus und möblierst neu... Darf ich dich fragen in welchem Stil du möblierst??
Ach, weißt du .., wir spielen mit Worten (und natürlich macht es Spass so etwas zu tun) aber ich möchte auch dass wir ernst sein können zu einander. Dass du nicht immer in deiner Rüstung auftrittst.. ich möchte dich sehen so wie du bist. Ich möchte deine heimlichen Gedanken, Träume und Ängste kennen.. ich möchte so viel. Und eigentlich reicht es, dass du mein lieber lustiger Mailpartner bist, der mir so viel Freude schenkt, die ich dann an meine Umgebung weiterleiten kann, und der meine Sprache mit neuen Wörtern bereichert wie Stresstauglichkeit und Entscheidungsfähigkeit.
Es ist Mitternacht geworden und vielleicht schläfst du schon.. und am liebsten möchte ich nun
".. jemanden einsingen, bei jemandem sitzen und sein.."
Ich wünsche dir einen schönen Tag
Marlena
Donnerstag, 2. Februar 2012
Für und gegen Ameisen
.
Ämne: Für und gegen Ameisen
Datum: den 15 juni 2001 08:49
Liebe Marlena
Ja, ich glaube, ich weiss doch einigermassen, was Du mit dieser Attacke der Ameisen meinst. Und ich glaube auch, dass Du recht hast. Ich merke das zwar meist nicht bei mir selbst, sondern bei meinen Mitarbeitern.Die Männer haben eine Tendenz, aus jeder kleinen Frage gleich ein Indizienprozess mit grossen Worten zu machen. Dazu kommt mir jenes Bild von Rubens in den Sinn, welches ich vor 20 Jahren einmal kopiert habe. Du hast mir davon mal ein Bild geschickt. Dort sind die Männer mit schimmernden Rüstungen und Helmen bekleidet, während die Frauen und Kinder mehr oder weniger nackt in der Natur herumstehen und agieren. Ich glaube, die Barockmalerei - und nicht nur sie - übt eine raffinierte Faszination durch diesen Kontrast zwischen kaltem Metall und warmem Fleisch. Und das ist es doch, was Du in der Diskussion beobachtest.
Nun ja, wenn ich das sehe, dann bin ich sozusagen in der neutralen und distanzierten Position des Zwitters. Als Mann unterliege ich diesen kulturellen Schemata natürlich jederzeit. Das weiss ich auch. Ich kenne die geheime Lust, eine solche Diskussion vom Zaune zu reissen. Und wenn immer es geschieht, dann erinnere ich mich im Stillen an die Zeit des Gymnasiums und der Universität, wo man diese Art des Kampfes gelernt und eingeübt und immer wieder durchgespielt hat.
Um das hübsche Bild mit den Ameisen aufzunehmen, liebe Marlena, so muss man sich die Sache doch so vorstellen: Die Ameisen, die daherkommen, und vor denen Du fliehen möchtest, um nicht gebissen zu werden, diese Ameisen kommen aus einem dunkeln Versteck. Und wenn Du genau beobachtest, siehst Du, dass sie aus der Rüstung des Mannes krabbeln. Aus allen Ritzen und Öffnungen klettern sie heraus und suchen sich ihren Weg. Und wenn Du Dich dann von Deinem Schock etwas erholt hast, dann wirst Du Dir vorstellen können, wie es sich innerhalb einer solchen Rüstung anfühlen muss. Das ist ein veritables Ameisennest dort drinnen. Das ist der Horror per se. Und trotzdem singt Prefessor Higgins in "My fair lady" "weshalb können Frauen nicht mehr sein wie Männer?".
*
Interessant, welche Eigenschaften Anna für die Zukunft empfiehlt. Das eine kann man überigens ungefähr mit "Stresstauglichkeit" übersetzen. Finde ich in der Tat eine wichtige Eigenschaft. Am meisten hat mit "Quellenkritik" verblüfft. Ich halte das zwar eher für eine Fähigkeit denn eine menschliche Eigenschft. Aber es ist richtig und von einem jungen Menschen gedacht, der sich im Internet auskennt. Ich pflege statt dessen die Eigenschaft der Entscheidungsfähigkeit in den Vordergrund. Ich glaube in unserer Welt der zahllosen Möglichkeiten ist es eine wichtige Überlebensstrategie, rasch und instinktsicher zwischen Ja und Nein entscheiden zu können. Und ich würde jetzt - zu meiner Ehrenrettung - die Quellenkritik unter die Entscheidungsfähigkeit nehmen.
(Da siehst Du Marlena, ich brauche das Wort "Ehrenrettung". Ich habe das Wort an sich zwar spielerisch gemeint, so als eine Art zu reden, aber genau genommen kommt es aus jenem gesellschaftlichen Spiel der gerüsteten Männer und der nackten Frauen. Doch jetzt genug der Selbstbezichtigung!!!)
Im Übrigen möchte ich Anna 100% zustimmen. Und gerade die Eigenschften und Kompetenzen, der Kreativität, der Offenheit, der sozialen Fähigkeiten und der Flexibilität verlangen ein Selbst, das kohärent, aber doch nicht statuesk mit sich selbst identisch ist. Das moderne Subjekt braucht eine lockere Oberflächenstruktur, um sich in dieser verrückten Welt leicht ein- und ausklinken zu können. Die Rüstung ist dafür absolut ungeeignet. Mit einer Rüstung steht man ziemlich steiff und den unüberblickbaren Kräften hilflos ausgeliefert in der lebendigen Landschaft.
*
Ach, und was Du über die Jesuiten sagst, und über die Frage des glücklichen Lebens, womit wir wieder bei Epikur wären, das kann ich im Moment einfach nicht beantworten.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. Du bist glücklich und geniesst die schöne Zeit, das merkt man durch Deine Zeilen.
Mit G+K...
Ämne: Für und gegen Ameisen
Datum: den 15 juni 2001 08:49
Liebe Marlena
Ja, ich glaube, ich weiss doch einigermassen, was Du mit dieser Attacke der Ameisen meinst. Und ich glaube auch, dass Du recht hast. Ich merke das zwar meist nicht bei mir selbst, sondern bei meinen Mitarbeitern.Die Männer haben eine Tendenz, aus jeder kleinen Frage gleich ein Indizienprozess mit grossen Worten zu machen. Dazu kommt mir jenes Bild von Rubens in den Sinn, welches ich vor 20 Jahren einmal kopiert habe. Du hast mir davon mal ein Bild geschickt. Dort sind die Männer mit schimmernden Rüstungen und Helmen bekleidet, während die Frauen und Kinder mehr oder weniger nackt in der Natur herumstehen und agieren. Ich glaube, die Barockmalerei - und nicht nur sie - übt eine raffinierte Faszination durch diesen Kontrast zwischen kaltem Metall und warmem Fleisch. Und das ist es doch, was Du in der Diskussion beobachtest.
Nun ja, wenn ich das sehe, dann bin ich sozusagen in der neutralen und distanzierten Position des Zwitters. Als Mann unterliege ich diesen kulturellen Schemata natürlich jederzeit. Das weiss ich auch. Ich kenne die geheime Lust, eine solche Diskussion vom Zaune zu reissen. Und wenn immer es geschieht, dann erinnere ich mich im Stillen an die Zeit des Gymnasiums und der Universität, wo man diese Art des Kampfes gelernt und eingeübt und immer wieder durchgespielt hat.
Um das hübsche Bild mit den Ameisen aufzunehmen, liebe Marlena, so muss man sich die Sache doch so vorstellen: Die Ameisen, die daherkommen, und vor denen Du fliehen möchtest, um nicht gebissen zu werden, diese Ameisen kommen aus einem dunkeln Versteck. Und wenn Du genau beobachtest, siehst Du, dass sie aus der Rüstung des Mannes krabbeln. Aus allen Ritzen und Öffnungen klettern sie heraus und suchen sich ihren Weg. Und wenn Du Dich dann von Deinem Schock etwas erholt hast, dann wirst Du Dir vorstellen können, wie es sich innerhalb einer solchen Rüstung anfühlen muss. Das ist ein veritables Ameisennest dort drinnen. Das ist der Horror per se. Und trotzdem singt Prefessor Higgins in "My fair lady" "weshalb können Frauen nicht mehr sein wie Männer?".
*
Interessant, welche Eigenschaften Anna für die Zukunft empfiehlt. Das eine kann man überigens ungefähr mit "Stresstauglichkeit" übersetzen. Finde ich in der Tat eine wichtige Eigenschaft. Am meisten hat mit "Quellenkritik" verblüfft. Ich halte das zwar eher für eine Fähigkeit denn eine menschliche Eigenschft. Aber es ist richtig und von einem jungen Menschen gedacht, der sich im Internet auskennt. Ich pflege statt dessen die Eigenschaft der Entscheidungsfähigkeit in den Vordergrund. Ich glaube in unserer Welt der zahllosen Möglichkeiten ist es eine wichtige Überlebensstrategie, rasch und instinktsicher zwischen Ja und Nein entscheiden zu können. Und ich würde jetzt - zu meiner Ehrenrettung - die Quellenkritik unter die Entscheidungsfähigkeit nehmen.
(Da siehst Du Marlena, ich brauche das Wort "Ehrenrettung". Ich habe das Wort an sich zwar spielerisch gemeint, so als eine Art zu reden, aber genau genommen kommt es aus jenem gesellschaftlichen Spiel der gerüsteten Männer und der nackten Frauen. Doch jetzt genug der Selbstbezichtigung!!!)
Im Übrigen möchte ich Anna 100% zustimmen. Und gerade die Eigenschften und Kompetenzen, der Kreativität, der Offenheit, der sozialen Fähigkeiten und der Flexibilität verlangen ein Selbst, das kohärent, aber doch nicht statuesk mit sich selbst identisch ist. Das moderne Subjekt braucht eine lockere Oberflächenstruktur, um sich in dieser verrückten Welt leicht ein- und ausklinken zu können. Die Rüstung ist dafür absolut ungeeignet. Mit einer Rüstung steht man ziemlich steiff und den unüberblickbaren Kräften hilflos ausgeliefert in der lebendigen Landschaft.
*
Ach, und was Du über die Jesuiten sagst, und über die Frage des glücklichen Lebens, womit wir wieder bei Epikur wären, das kann ich im Moment einfach nicht beantworten.
Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende. Du bist glücklich und geniesst die schöne Zeit, das merkt man durch Deine Zeilen.
Mit G+K...
Mittwoch, 1. Februar 2012
Re: Veränderte Welt

Ämne: Bättre fly än illa fäkta..
Datum: den 14 juni 2001 09:23
(ungekürzt)
Lieber ...,
So ist es falls du es nicht kennst:
Du sitzt so in aller Ruhe am Flussufer und geniesst das Leben und dann siehst du wie sich eine Ameise deinem Fuss nähert. Du willst nur verhindern dass sie darüber kriecht und versuchst ihr den Weg zu versperren. Und plötzlich hat sie (es ist mir immer ein Rätsel wie sie das tut) eine ganze Armee von Ameisen mobilisiert, die dich angreifen bis du für gut findest zu fliehen.
Und so ist es hier auch passiert. Ich war vielleicht etwas unvorsichtig mit meinen Worten und schon hast du ein ganzes Heer von Argumenten gegen mich mobilisiert. Und wie sollte ich mich verteidigen können? Ich kenne meinen Gegner. Ich habe nicht seine scharfen Waffen. ;-)
Manchmal denke ich wirklich dass es einen fundamentalen Unterschied gibt zwischen männlich und weiblich. Wir Frauen begnügen uns oft damit etwas intuitiv zu erkennen während ihr Männer alles auseinandernehmen müsst um es in ihren Details analysieren zu können und zu verbalisieren. Nun, das gehört ja auch zu deinem Beruf. Du musst mit der neuen Welt vertraut sein um den Menschen helfen zu können einen Weg darin zu finden. Denn ein Chaos ist es was die modernen Menschen überflutet.
Meine Meinung ist noch immer (bin ich da sehr altmodisch?) dass die Familie die grösste Bedeutung hat um harmonische, in sich sichere Menschen zu schaffen, die diesem Chaos mit Ruhe begegnen können. Wenn sie in ihren frühen Jahren dieses Gefühl von Geborgenheit bekommen glaube ich dass sie sich leichter zurechtfinden können auch in Zeiten starker Veränderung.
Wir haben da einen Text in unserem Französischbuch über eine solche moderne Familie, von der du sprichst, und bevor wir den Text lesen, machen die Schüler immer ein Interview was ihrer Ansicht nach das wichtigste ist für eine glückliche Familie. Und alle haben an erster Stelle "Eltern die sich lieben". Und du als Psychologe weißt, dass es Menschen gibt die ohne diese warme Atmosphäre aufwachsen müssen. Sicher sind es diejenigen die euch am meisten brauchen. Und ich glaube man soll neben der Familie auch nicht die Religion vergessen. Denn in unserer (zumindest in Schweden) ziemlich atheistischen Welt gibt es doch junge Leute die dort einen Halt für ihr Leben finden.
Ich habe übrigens Anna gefragt welche menschlichen Eigenschaften für die Zukunft besonders wichtig sein werden. Und hier ihre Antwort:
Flexibilität, Offenheit (Neugier), soziale Kompetenz, Kreativität, "stresstålighet" (weiss nicht auf Deutsch, aber die Fähigkeit Stress zu ertragen), Stärke und schliesslich in dieser neuen IT-Welt : Quellenkritik, Information sieben können. Voilà!
*
Ach weißt du .., eigentlich kümmert mich diese neue Welt nur wegen Anna (also die neue Generation) und wie du sagst finden sich die jungen Leute irgendwie intuitiv damit zurecht. Was uns kümmert, dich und mich, ist wohl mehr die Frage wie wir den Rest unseres Lebens gestalten sollen. Wir sind uns bewusst dass es nicht ewig ist und wir ängstigen uns vor der Frage: Was habe ich daraus gemacht? Weißt du, ich finde dass ich ein ziemlich glückliches Leben habe und trotzdem kann ich diese Frage nicht sehen ohne zutiefst zu erschrecken. Und in zehn Jahren (falls ich noch lebe) werde ich mir die Frage stellen: Warum hast du dein Leben nicht geändert? Ich weiss dass ich sie stellen werde ...
*
Lass uns ruhig weiterlesen .., es ist doch schön Ideen (auch seine eigenen) von anderen gut ausgedrückt wiederzufinden, vielleicht neue Anregungen zu bekommen. Ich bin doch schliesslich kein katholischer Priester, der etwas gegen deine Wahl von "Vorbildern" (sorry, war nur ein Scherz) einzuwenden hätte. Übrigens gibt es meiner Meinung nach keine mehr nachsichtigen Leute als Jesuiten. ;-)
Ja, ich lese "Das Parfum" und auch ich kann nicht richtig die etwas übertriebenen Worte meiner Kollegen verstehen. Zeitweise langweilt es mich ein wenig, aber ich warte noch immer... Es ist aber ein Genuss etwas in deutscher Sprache zu lesen und du musst zugeben dass er sich gut ausdrücken kann. Kannst du mir etwas besseres empfehlen? Gern etwas gutes von schweizerischen Schriftstellern. Aber es muss etwas sein das dir besonders gefallen hat.
Nun würde ich gern dieses pretenziöse Ding von einem Mail nochmals durchkontrollieren.. aber dann delete ich es sicher..und ich möchte doch bald wieder ein Mail von dir..
Hier ist immer noch ganz wunderbares Sommerwetter.. aber ich werde mich nun etwas nützlich machen und die Fenster putzen..
Lass mich bald wieder von dir hören.
Mit einem lieben warmen Sommergruss und einem Bild von Anna,
Marlena
Re: Identität????
Ämne: Re: Identität ????
Datum: den 14 juni 2001
Lieber ...,
Ich habe gerade dein Mail gelesen und jetzt muss ich erst mal fest nach Luft schnappen... Weisst du wie ich mich fühle? Als ob ich am Flussufer im Sand eine Ameise verärgert hätte .. oder nach einer Mücke geschlagen..
Kennst du diese Situation?
Ich werde dein Mail sobald wie möglich beantworten. Bis dahin alles Gute und einen schönen Tag.
Hier ist es unbeschreiblich schön im Augenblick..
G+K
Marlena
Datum: den 14 juni 2001
Lieber ...,
Ich habe gerade dein Mail gelesen und jetzt muss ich erst mal fest nach Luft schnappen... Weisst du wie ich mich fühle? Als ob ich am Flussufer im Sand eine Ameise verärgert hätte .. oder nach einer Mücke geschlagen..
Kennst du diese Situation?
Ich werde dein Mail sobald wie möglich beantworten. Bis dahin alles Gute und einen schönen Tag.
Hier ist es unbeschreiblich schön im Augenblick..
G+K
Marlena
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