date 8 February 2005 08:11
subject Re: PS ... Semla
...
Leider habe ich kein Bild mit meinem südlichen Teint. Ich habe nur
Bilder von der Umgebung gemacht. Ich schicke Dir mal eins oder zwei,
aber separat von diesem Mail, wie ich jetzt weiss. Bestimmt kannst Du
Dir vorstellen, dass die Ferien im Hotel Radisson nicht sehr ägyptisch
geprägt waren. Ich will damit sagen, dass man in einer solchen
Hotelanlage nicht viel vom Gastland bemerkt. Und das finde ich - unter
uns gesagt - eine etwas pervertierte Art, Ferien zu machen. Aber ich
suche trotzdem jede Gelegenheit, mit Einheimischen zu plaudern, oder
aber auch, Einheimische Gerichte oder Getränke zu versuchen. Ägypten
ist ideal in dieser Hinsicht, weil die meisten Leute, mit denen man in
Kontakt kommt, Fremdsprachen können. Die ganze Nation scheint auf
Tourismus geprägt. Alle sprechen eine oder meist mehrere Sprachen. Und
meist sprechen sie beispielsweise Deutsch recht gut. Es sind
ausschliesslich Männer. Und sie sind charmante und gekonnte
Kommunikatoren. Sie sind nicht hübsch, wie zB. die Italiener, sie sind
meist ein bisschen rundlich. Aber sie haben Charme. Sie können gut
plaudern, haben höfliche Umgangsformen und können so auch gut
Geschäfte machen. In gewisser Weise erinnern sie an die Perser. Also,
wie gesagt, das Hotel RAdisson war eine grosse Anlage für 700 Gäste.
Aber als wir uns dort aufhielten, waren es nur etwa 200. Ich war froh
darüber. Ich mag es nicht, wenn es zu eng wird. Die Gartenanlage
zwischen den Hotelbauten ist ungeheuer abwechslungsreich gestaltet mit
verschiedenen Weglein, Bächlein, Brücken, Pools und hübschen Pflanzen.
Es ist geradezu orientalisch-barock. Diese Vielfalt der Gestaltung
macht vielleicht, dass alles noch grösser erscheint, als es wirklich
ist. Ungefähr in der Mitte der Anlage gibt es ein Café, wo wir einmal
am Nachmittag einen Kaffee tranken. Aber ich fand ihn nur sehr
mittelmässig und habe später darauf verzichtet. Über dem Cafè gibt es
einen grossen Pool. An den Ufern und auf der kleinen Insel in der
mitte stehen hohe Palmen. Zu unserer Zeit hat aber kaum jemand im Pool
gebadet. Er wurde nur dzu benutzt, um an dessen Rand in den Liegen zu
sonnen. Neben dem Cafè haben sie eine Grotte gebaut, eine Art
Felsenhalle mit einem kleinen Bad. Dort habe ich oft Kinder baden
sehen. Vielleicht ist die Grotte ideal für Leute, die keinen Wind
mögen, oder die im Sommer nicht gerne an der Sonne liegen. Zuhinterst
in der Grotte findet sich ein kleines Fitness Center. S hat mich
überredet, mindestens einmal täglich ein paar Übungen dort zu machen
und mich nacher in der Sauna aufzuwärmen. Das habe ich dann auch
regelmässig versucht zu tun. Und ich habe mit Russen, Briten und
Deutschen in der Sauna gesessen und ab und zu auch kleine
internationalistische Gesprächlein geführt. Die Russen sind
rücksichtslos und unverständig, die Briten hochnäsig und wortkarg,
die Italiener laut und lamentierend, die Deutschen aber verständig und
ordentlich, so ungefähr hatte es der ägyptische Typ zusammengefasst,
mit dem ich spätabends mal eine kleine Diskussion in der Hotelhalle
gehabt habe. Und die Schweizer ideal und vorbildlich, hatte ich
lachend ergänzt. Und er hatte mir zugestimmt. Aber ich glaube, wir
Schweizer laufen bei den Ägyptern unter Deutsche. Wir sind sozusagen
Musterdeutsche. Na ja, sind wir eigentlich auch!
Ich schicke Dir zwei ...
Dienstag, 21. Februar 2012
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