Dienstag, 28. Februar 2012

Re: www

Ämne: RE: www
Datum: den 16 juni  07:06

Liebe Malou
Wunderbar, ein Brüderchen als Holzfäller zu haben. Sie sind in gewissen Situationen überaus praktisch. Vor allem auch, wenn man Besitzer eines grossen und wilden Gartens ist. Das wird für Dein Brüderchen eine lange Reise machen,  bis hinauf nach Norrland.
Aber dass er in dieser Situation am Fernsehen an sein schwedisches Schwesterchen dachte, das macht ihn doch einigermassen sympathisch.

Da kommt mir in den Sinn, dass wir im Militärdienst immer jenes Lied vom Schwedenmädchen gesungen hatten. Du kannst das schwerlich verstehen, Malou, aber wenn man als Rekrut im Militär durch alle Qualen und die schlimmsten Sümpfe geht, dann denkt man gern an ein klares Mädchengesicht mit heller Haut und blauen Augen. Ich hatte zwar damals einen anderen Schwarm. Sie hatte auch sehr helle Haut, aber dunkle, geradezu schwarzes Haar. Ich glaube, sie ist mir jeweils beim Lied durch den Kopf geschwebt und ich hatte mir vorgestellt, wie wunderbar es jetzt wäre, mit ihr zusammen zu sein. Und dabei kannte ich sie gar nicht sonderlich gut. Sie war damals au pair in Paris und wir pflegten Briefe zu schreiben. Ich erinnere mich noch an ihre sorgfältige und gutwillige Mädchenschrift, mit welcher sie ihre kleinen Komplimente machte. Und ihre Briefe waren mir sozusagen Opium im steinigen und männerorientierten Militärleben in der Romandie. Heute ist sie verheiratet mit einem „schwierigen“ Studienrat, habe ich mir von ihrer Kusine erzählen lassen, und hat einen Sohn. Sie lebt an einem Ort, der demjenigen Visps sehr ähnlich ist. Schon wenn ich mir das vorstelle, kann ich mir kaum vorstellen, wie sie das schafft: immer noch in derselben Umgebung leben wie schon immer. Das ist doch sehr monoton.

Na ja, ich will Dich nicht mit meinen verflossenen Freundinnen und Beinahe-Freundinnen langweilen. Das ist ja auch eher ein Thema für den Militärdienst. Oder für W. Er liebt diese Gespräche über seine alten Freundinnen. Ich glaube, es ist für ihn jeweils eine Verjüngungskur. Er ist übrigens und nebenbei gesagt, auch eher ein Holzfäller -Typ, und er hat eine zeitlang Mädchen vernascht so wie wir normalen Männer Erdbeeren kosten. Mindestens hört es sich so an, wenn er davon erzählt.

Hört sich gut an, F.. in Brasilien. Und liegt tief unten, beinahe an der Grenze zu Uruguay, habe ich gesehen. Wollen wir dort auch einen WWW-Stützpunkt organisieren? Wäre nicht schlecht. Ich glaube, die südliche Hemisphäre ist auf unserer Karte noch etwas untervertreten.

Und meine Ängstlichkeit für unsere Mailerei, wenn Du mal in Pension bist, ist doch ziemlich realistisch. Ich glaube nicht, dass Du noch immer diese Regelmässigkeit im Tagesablauf haben wirst. Und die hohe Kunst, jeden Tag ein Mail zu schreiben, ist eine fragile Fertigkeit, das kann ich Dir sagen. Es hat mich ziemlich viel Arbeit gekostet, Dich auf diese Höhe zu bringen. Und es fragt sich, wie schnell Du da wieder herunterkommst. Na ja, wir werden sehen, was auf uns zu kommt. Veränderungen im Leben haben ja immer auch positive Aspekte. Ich werde mich wieder auf meine Tauben konzentrieren, vielleicht eine kleine Taubenzucht beginnen? Sie sitzen gerade wieder auf dem Dachfirst gegenüber. Aber es sind nur deren drei im Moment.

Soll ich noch ein Wort verlieren über den bedeckten Himmel? Das Wetter sieht etwas trübe aus. Es scheint mit dem Gedanken zu spielen, ein paar Tropfen fallen zu lassen. Die Luft ist feucht, man kommt schon morgens um diese Zeit leicht ins Schwitzen, na ja, mindestens feuchte Haut.

So wünsche ich Dir, meine Treue, einen feinen Tag
mit lguk
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