Freitag, 30. Dezember 2016

Re: Nochmals


Liebe Malou
Ja, du lobst deinen Shredder. Und du weisst vielleicht nicht, dass ich
in einem ähnlichen Fahrwasser treibe. Ich muss ja doch zuhause
aufräumen. Und ich muss im Büro aufräumen. Und damit meine ich jetzt
nicht bloss, die Dinge in Ordnung bringen, sondern recht eigentlich
sichten und nur die wichtigsten Dinge behalten. Wirklich nur die
allerwichtigsten. Und welche sind die Wichtigsten?
Es ist einfach enorm, wie man mit der Zeit an diesen Dingen hält und
immer das Gefühl hat, man könne dieses oder jenes noch brauchen. Nein,
ich muss wirklich radikale Häutungen vornehmen. Ich brauche eine neue
Haut. Es geht nicht anders. All das Zeug wiegt so schwer. Ein leeres
Büro wäre eine Wohltat. Ich kann mir schon gar nicht mehr vorstellen,
wie das aussehen würde.

Deshalb beneide ich dich ein bisschen um deinen "Zerstörer", auch wenn
das Wort ganz kriegerisch und eben zerstörerisch klingt. Es klingt
unheilvoll. Desktruktiv. Shredder ist doch besser als Wort.

Heute haben wir hier nahezu Frühlingswetter. Es riecht so wie rund um
die Fasnachtszeit. Aber es ist warm, um die 15° habe ich gehört.
Irgendwie ist es schade, dass es keinen richtigen Winter mehr gibt.
Und das nicht wegen des Winters, sondern wegen des Sommers. Man
schätzt doch den Frühling ganz anders, wenn man lange auf ihn gewartet
hat. Nein, es ist ganz unheilvoll mit diesen neuen Temperaturen.

Und jetzt willst du mir Standard-Tagebuch schicken. Ein Communiquée??

Mit lieben Gs und Ks und im Qs Umfang
...

Nochmals


Lieber ...,

Du kannst dir garnicht vorstellen welch merkwürdiges und genussvolles
Gefühl es ist diesen Dokumentzerstörer zu betätigen. Dabei wünsche ich
man könnte dasselbe mit einigen Erinnerungen tun. Und so ist es ja
fast auch. Einiges, was ich nun auf Papier wiederfinde und ins
Gedächtnis zurückhole, wird dann für immer ausgelöscht sein. Und es
rasselt so herrlich... :-) Habe den Eindruck, dass ich ein wildes Tier
füttere.

Dabei hatte ich den Fernseher angestellt. "Animal Planet", ein
herrliches Programm, wo man gerade zeigte, wie man Affen, hier ging es
vor allem um Gorillas, die lange in Gefangenschaft gelebt hatten, in
die Natur zurück gebärdet. Ich wünsche sehr ich hätte dir dieses
wunderbare Programm auch zeigen können.

Heute, so sagen die Medien, sind endlich die Bären in unseren
Tierparks, zwei Monate verspätet, in ihre Höhle gezogen um den
Winterschlaf zu beginnen. Aber immer noch verspricht man uns hohe
Temperaturen für die Jahreszeit  und in Süd-und Mittelschweden ist
Sturmwarnung angesagt.

Schade, dass ich unser Gespräch abrupt beenden musste. Telefon und Tür
zugleich haben mich weggerufen.  ...

Bist du nun schon in deine neue Wohnung eingezogen? Schreib mir doch
ein wenig über deinen Alltag. Wie geht es mit der Arbeit? Hast du dich
schon wieder gut eingewöhnt? Und deine Mitarbeiter, vor allem deine
Sekretärin.. sind sie froh dich wiederzuhaben? Es gibt so viel was ich
von dir wissen möchte. Aber vielleicht gehen alle deine Berichte in
andere Mailboxen. Dann kann ich deine Stille besser verstehen. Wer
will sich schon wiederholen?

Manchmal spiele ich mit dem Gedanken meine "Tagebücher" falls sie
nicht allzu persönlich sind, an mehrere zu senden. Auch ich finde es
langweilig dasselbe mehrmals zu erzählen.  Ich habe viel Post von
Lo aus Rom bekommen mit wunderschönen Bildern. Ich mag diese
Frau sehr, denn sie ist interessant und begabt und auch immer sehr
lieb. Komplimente machen ist etwas, was die Italiener beherrschen. Ich
glaube ihr Mann ist etwas eifersüchtig auf den Kontakt zwischen L und
mir. Und immer noch sieht er in mir das kleine Mädchen von damals, als
ich als kaum 15-jährige meine Sommerferien in Saalbach verbrachte.
Wenn ich will, kann auch ich ihn noch deutlich vor mir sehen, so wie
er damals vor mir stand. Und seine Augen, die mir sagten, dass auch er
verliebt war. Doch er war schon 25 und in dem Alter lässt man sich
nicht mit einem Mädchen ein, das noch ein Kind ist. Klingt alles ein
wenig verrückt, oder?

So, ich lasse dich wieder. Vielleicht kannst du mir in einem Mail
antworten, da du nicht im Chat auftauchst. Jetzt werde ich meinen
schwedischen Bekannten mitteilen, dass ich wieder online bin.

Übrigens, habe ich dir erzählt, dass sich Anna zu ihrem "Skype" (diese
kostenlose Telefoni via Computer) jetzt eine webcam gekauft hat? So
kann sie sich besser mit ihrem boyfriend, der in Göteborg wohnt,
unterhalten. K will morgen auch eine kaufen. Ich kann ja bereits Anna
sehen, aber sie sieht mich noch nicht.

Nochmals, bye bye mein lieber Mausfreund.
MlGuK

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Endlich...


Lieber ...,
Es war ein schönes Wiedersehen gestern. Eigentlich ist es das erste
Mal, dass ich gezwungen bin mich mit dem IRL zu begnügen. Ein Bisschen
schwierig ist es schon, denn wir sind gewohnt viel Information aus dem
Internet zu holen. Tageszeitungen lesen, Rechnungen bezahlen u.s.w.
Auch meine virtuellen Kontakte müssen sich an diese kleine (?) Pause
gewöhnen. Ich habe ihnen via sms mitgeteilt worauf meine Stille
beruht.

Ich finde es etwas lustig, wenn wir religiöse Fragen im Chat
diskutieren. Es ist doch ein Gebiet, das sehr viel Überlegung braucht
und nicht so im Telegrammstil abgehandelt werden kann. Ich glaube in
einem netten Café wäre es schon um einiges leichter. Oder vielleicht
noch besser in einem Mail, wo man nicht von den Reaktionen des
Gegenübers abgelenkt wird. Es ist ein interessantes Gesprächsthema
doch und ich glaube, dass wir sehr ähnlich denken, jedenfalls meine
ich das schon öfters bemerkt zu haben.
Eine Jüdin möchtest du kennen lernen? Woher kommt dieser aparte
Wunsch? Ich habe mal im Fernsehen eine Jüdin ihre Küche demonstrieren
sehen. Das war alles sehr kompliziert und verlangt viel Ordnunggeist.
Gewisse Lebensmittel durften absolut nicht mit einander in Kontakt
kommen.

Na ja, du gehst von Äußerlichkeit zu Äußerlichkeit. Nach einer Muslime
also nun eine Jüdin. Und dabei hoffe ich doch sehr, dass du weiterhin
an deiner Katholikin festhalten wirst. Zwar bin ich wohl kein idealer
Repräsentant für diese Religion.. oder doch? Ich meine, moderne
Menschen versuchen eben neue Wege zu finden. Doch staune ich immer
wieder über Leute, die sich ihr Leben stark begrenzen lassen durch
religiöse Verbote und Vorstellungen. Aber vielleicht ist es so dass
auch wir Erwachsenen Grenzen brauchen, Richtpunkte.. §§§, die unsere
Handlungsfreiheit einschränken.

***
Soweit war ich gekommen..
und heute Abend endlich funktioniert es wieder.
Ich Grüße dich lieb und schreibe dir mehr nächstes Mal.
Kuss
Malou

Wieder da ..



Liebe Malou

Halo meine Liebe, da bin ich wieder. Die Zeiten sind stürmisch bei
uns. Ich habe heute morgen wieder etwas gearbeitet. Die letzten zwei
Tage war ich bei Bekannten und habe Weihnachten gefeiert. Na ja, es
war hauptsächlich essen und trinken. Und vielleicht noch fernsehen, so
könnte man zusammenfassen. Aber das ist ja auch nicht zu
verachten.Mindestens war es ruhig und voller Kalorien.
Und heute also wieder erster Arbeitstag, wie er einen immer einholt,
nach ein paar Feiertagen.

S ist bis 2. Januar weg. Ich weiss nicht wohin. Sie nimmt das Auto und
ist weg. Und ich darf hier arbeiten und das Geld verdienen. Die Welt
ist nicht sehr gerecht. Aber das wirft uns nicht um.

Herzlichen Dank für die Karte Malou, und die persönlichen Wünsche. Du
hast immer noch eine schöne Lehrerinnenschrift. Ich ärgere mich oft
über meine Schrift, die sehr ungehobelt geworden ist, seit ich kaum
mehr von Hand schreibe. Früher hatten wir doch die Ehre drauf gesetzt,
schön und prägnant zu schreiben. Aber die Zeiten sind dahin. Nicht
einmal der Inhalt ist mehr sonderlich wichtig.

Und bei euch oben, wie habt ihr gefeiert? Hast du fein gekocht? Oder
vielleicht doch eher K? Wir hatten am 24. wirklich diesen Schinken auf
Bohnen, sehr gut gekocht. Dazu einen badischen Wein. Und zum Dessert
Panna cotta mit Orangenschnitzen, erfrischend und gut. Das Christkind
hätte bestimmt gerne mitgegessen.

Wir haben jetzt bis ins neue Jahr eine ruhige Zeit. Es ist ja noch
Schulferien. Aber dan fängt das Jahr ernsthaft wieder an.
Halt dich fest Malou, es kommt bestimmt.
Liebe Grüsse und Küsse Qs
...

Samstag, 24. Dezember 2016

Donnerstag, 22. Dezember 2016

22. Dezember





Danföredanföredopparedan

Ja, so heisst er dieser Tag.:          
Der-Tag-vor-dem-Tag-vor-dem- Eintunktag...   

Es hat mit dem Weihnachtsschinken und der
Brühe zu tun, in die man Fladenbrot (?) eintunkt.
Ich bin froh, dass ich alles, oder fast alles, was mich aus dem
Haus treibt, hinter mir habe. So spät wie gestern Abend haben
Anna und ich noch an mehreren Tankstellen in der Region
nach einem Baum gesucht. Und schliesslich haben wir zum
Glück einen akzeptablen gefunden. Es gab sonst nur noch
schreckliche Monster.
Heute werden wir Weihnachtsgebäck machen. Ein Stollen,
ein Rosinenpfefferkuchen und Vanillekipferl (altes
österreichisches Rezept) gehören dazu. Das Saffronsgebäck
habe ich ja schon zu Lucia gebacken. Und morgen wird dann
der Baum geschmückt. Wir setzen immer eine Ehre darin
den "Allerschönsten" zu haben.. *s*
Ich schicke dir ein paar Bilder mit von aktuellen Dingen.
Der Baum (von vorigem Jahr),





das Schneebild, weil es  wahrscheinlich am "julafton" (Weihnachtsabend) so hier
aussehen wird.. *hoffentlich*




und dann der Schinken, ein absolutes "muss" auf jedem schwedischen "julbord".
....


(R) Dezember 2004

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Meinst du wirklich ...?


Date:  21 December  15:47

Lieber Mausfreund,
Meinst du wirklich, dass ich dir nicht genügend schreibe? Zwar kommt es vor, dass ich dir manchmal etwas aus der Konserve serviere, aber dann immer nur Dinge, die ich auch jetzt noch sagen könnte. Und die Zeilen, die von dir stammen sind doch jederzeit lesenswert. Auch für dich. Ich kann garnicht deine Mails von damals lesen ohne sofort harroinsüchtig zu werden.

Ich war also den Wagen parken aber habe vorher auch noch etwas eingekauft. Der Kühlschrank hier war absolut leer. So habe ich für mich etwas zum Lunch gekauft und für Anna und mich zum Mittagessen heute Abend, wenn sie mit der Arbeit fertig ist. Wir nennen die große Mahlzeit am Abend "middag" und sie wird so zwischen 5 und 6 gegessen.

Interessant von deinen Aktivitäten in der Küche zu lesen. Du könntest ein richtig guter Koch werden, falls du es nicht schon bist.
Leber schmeckt mir am besten so:
Du brätst Zwiebeln in Butter und legst dann in kleine Stücke geschnittene Leber hinein und lässt sie schnell anbraten bis du nichts Rohes mehr siehst (also ab und zu umrühren). Erst dann salzen etwas Wasser dazu geben mit ein wenig Essig und dünsten lassen. Schließlich  etwas Sahne hineinrühren und aufkochen. Mit Reis servieren und einem frischen Salat dazu. Einfacher geht es nicht und mit dem Essig drin schmeckt es fabelhaft.

Ja, das finde ich schön. Einen Stammtisch musst du haben, mit deinem eigenen Platz, wenn du mal in Pension gehst. Onkel Einar in Uppsala hatte das und man hat ihn behandelt wie einen König. Auf diese Weise kam er auch täglich unter die Leute. Ich glaube viele alte Menschen vernachlässigen ihre Mahlzeiten. Ist ja auch langweilig nur für sich selbst zu kochen. Sag mir nur dann in welchem Restaurant ich dich finden kann, wenn ich nach Basel fahre. Ach, ich glaube ich würde dich sofort erkennen.. du mich wahrscheinlich kaum. :-)

Den Film, den du genannt hast, habe ich neulich gesehen. Es ist dieser, oder?


Warum muss Nicholson immer verrückte Männer spielen? Nein,... , so wie er darfst du es nicht treiben. Aber der Film war lustig.

In einer Stunde hole ich Anna von der Uni ab, und nach dem Abendessen geht's dann heimwärts. Morgen werde ich wieder backen. Ich hatte zwar schon damit begonnen, aber das ist schon alles aufgegessen.. nein, nicht von mir. Vielleicht haben wir Mäuse im Haus. ;-)



Ich denke auch du wirst nun ein paar freie Tage haben über Weihnachten. Hast du schon Geschenke für A. und B. gekauft? Wirst du auch mit ihnen feiern? Bestimmt hast du in den kommenden Tagen doppelte Sorgen. Armer ...!
Jedenfalls wünsche ich dir alles Gute für diese Zeit.

Lass es dir gut gehn, mein lieber Mausfreund.
Mit Gs und Ks in Qs
Malou

Ein Mail?


Date: 21 December  10:26

Liebe Malou
Wahrscheinlich denkst du immer noch, ich würde deine Mails nicht lesen. So schickst du mir Kopien und Kopien von Kopien. Was ist denn los Malou? Das ist doch kein Mauserei mehr. Ja, das ist eher eine Überlebensübung mit Notproviant !!! 
Und dabei esse ich gar nichts aus der Büchse. Ich habe - seit ich allein wohne - Tiefgefrorenes entdeckt. Stell dir vor! Früher, als Student, war mein Lieblingsmenue Leber mit grünen Erbsen aus der Büchse. Einfach so, sonst nichts. Und jetzt, in meinen alten Jahren, bin ich wieder auf diese Urmahlzeit zurückgekommen. Natürlich sagen alle, man solle nicht zuviel Leber essen. Mach ich eigentlich auch nicht. Nur so ab und zu. Und die grünen Erbsen dabei. Allerdings, muss ich zugeben, sind diejenigen aus der Gefriertruhe nicht so trocken und mehlig wie jene aus der Büchse. Und ich liebe eigentlich die mehling-trockenen. Ist das nicht merkwürdig?  Auch die Leber, wenn man sie durchbratet, wird irgendwie trocken. Ich scheine sehr am Trockenen zu hängen. Daher vielleicht mein trockener Humor! ;-)
In nächster Zeit werde ich mal versuchen, eine Pizza zu backen. Du weisst, es gibt diese vorbereiteten grossen Bretter im Laden zu kaufen. Und genau sowas will ich versuchen, Margherita oder Quatro Stagioni oder was weiss ich, Bologna oder Napoli.... Ich liebe Pizza, ich meine die trockene Pizza. So werde ich mal meinen Backofen austesten. Und wenn das gelingt, kann ich vielleicht später eigene Gemüsekuchen backen. Die liebe ich besonders, solche mit Spinat, Broccoli, auch mit Kohl zum Beispiel, mit Käse oder Schinken, vielleicht ein gequirltes Ei darüber?  Wichtig ist bloss, dass der Teig gut gebacken ist. Er sollte knusprig und kann sogar etwas schwarz angebraten sein. So liebe ich ihn besonders. Und dazu einen Salat.
Ja, ich kriege gleich Hunger, wenn ich davon erzähle. Dabei lebe ich eigentlich sehr bescheiden. Meine Mahlzeiten sind frugal, wie du zu sagen pflegst. Wenn ich einmal in Pension sein werde, will ich mir ein Lokal aussuchen, wo ich als Stammgast essen kann. Dabei erinnere ich mich an diesen Film mit Nickolson, den man kürzlich sehen konnte. Spielte er nicht diesen paranoiden Schriftsteller, der im Restaurant zu essen pflegte und dabei alle Leute gegen sich aufbrachte? Das wäre doch auch eine Rolle. Du machst die halbe Welt verrückt und ziehst dich dann zurück in deine Schreibstube und schreibst einen schönen, honigsüssen, romantischen, sähmigflüssigen Roman.  Na ja, ich weiss noch nicht, was kommen wird!  ...

Ich wünsche dir einen schönen Tag. Und ich habe eine kleine Bitte: schreib mir wieder mal ein Mail!
Liebe Gs und Ks
...



Dienstag, 20. Dezember 2016

Aus der Konserve ...


Datum: 20 December  07:34


Liebe Malou
Der Begriff 'Gnadenbild' erscheint mir sehr katholisch. Ich kann deine damaligen Aussagen nicht mehr genau lokalisieren, dh. vielleicht auch nicht mehr ganz verstehen. Aber natürlich weiss ich, dass in unserem Wissen viel Glauben enthalten ist. Und dass letztlich alles auf einer Art Glauben ruht. Denn in den letzten Bedingungen ist es nicht mehr Wissen, sondern Glauben. Sagen wir in den Grundprinzipien. An die Liebe zu glauben, wie es die christlichen Religionen empfehlen, ist bestimmt wegleitend für Vieles, auch für viel Wissen auf dieser Welt.
Du flüchtest dich in Zitate Malou. Es scheint, du hast keinen Zugang zum PC mehr? Dabei hast du doch einen eigenen bei dir?
MlGuK
Malou  
 ---



Datum: 20 December 14:12
 
Lieber ...,
Ich wollte wissen woher mir der Gedanken an ein Gnadenbild gekommen war. Es ist eigentlich ein Wort, das kaum in meinem Vokabular existierte.
Und voilà die Erklärung. Ich konnte es nicht seinlassen dir noch ein paar Zeilen "aus der Dose" zu senden.
Ja, mein lieber Mausfreund, ich füttere dich im Moment aus Konserven, aber bald hoffe ich dir wieder ganz frische köstliche Speisen zu senden.
MlGuK
Malou 



aus der Dose: (4 Jahre früher)

Liebe Marlena
Soeben bin ich von Basel zurückgekommen. Jeweils dienstags findet im Kunstmuseum über Mittag eine Führung statt. Und ich wollte sie mal austesten. War prima.
Ich muss noch herausfinden, wer dieser Typ war. Er hat über Bildtypen
gesprochen und anhand von 4 oder 5 verschiedenen Bildern gezeigt, was er
damit meint. Es gibt ja doch Historienbild, Gnadenbild, Votivbild, Kultbild etc. Davon am interessantesten finde ich das Gnadenbild. Es wird in seiner Bedeutung ähnlich aufgefasst wie eine Reliquie. Es lebt von der Aura seiner Herkunft, seiner Hand, seiner Darstellung. Doch die Darstellung ist
vielleicht am wenigsten wichtig dabei.
Es ist schon merkwürdig, wie sich die katholische Kirche noch nicht von den
Wundern distanziert hat. Wunder sind immer noch zu erwarten und zu haben.
Aber sie müssen offiziell im Vatikan approbiert werden. Es kann nicht jeder
daherkommen und sich auf ein Wunder berufen. Und je weiter die Wissenschft
voranschreitet, desto weniger bestehen die Möglichkeiten, dass man Wunder
erleben kann.
Ja, diese Stunde über Mittag war wirklich sehr interessant. Ich frage mich bloss, wieviel davon ich behalten kann. Man sollte diese Art von Gedankenirgendwie ins Langzeitgedächtnis überführen. Aber das geschieht nicht.
Du wirst lachen, einige der vielen älteren Leute habe ich früher auch in der Vorlesung gesehen, die ich mit A. zusammen besucht hatte. Es scheint,
dass ich hier in eine Gesellschaft gerate, die sich bloss in Museen und
unter Kunstexperten herumtreibt.
Ich bin noch ganz voll davon.
Wünsche Dir einen schönen Nachmittag.
Mit einem lieben Gruss
...

Montag, 19. Dezember 2016

Starker Glauben


19 December 19:56

Lieber ...,
Beim suchen nach alten Mailadressen habe ich ein lustiges Mail gefunden. Und weil ich im Moment sehr beschäftigt bin schicke ich dir diese Worte.
Sie gelten auch heute noch. :-)

Ich wünsche dir einen schönen Tag
mit lieben Gs und Ks wie es sich gehört,
Malou


Subject: Heureka!
Date: Thu, 06 Mar 2003 16:47:23 +0100


Lieber Mausfreund,
Hast du möglicherweise irgendwo unter deinen Papierhaufen eine Flasche
mit leichtflüchtigem Inhalt versteckt? Die Flecken auf den Papieren
könnten mögleicherweise dorther stammen. ;-)

Aber du hast etwas entdeckt was mich fast stumm macht. So ist es
doch! Endlich habe ich die Erklärung zu allem nenn- und unennbarem.
Ein Gnadenbild! Ja, so sehe ich dich. Und von diesem Bild strahlt eine
unendliche Wärme und Güte. Es ist das Sinnbild von allem was man
ständig sucht und nie findet. Das perfekte, fehlerlose..
Und es ändert nichts, dass ich in diesen Jahren entdeckt habe, dass du
ein Mensch bist mit vielen menschlichen Eigenschaften. Das Gnadenbild
strahlt weiter.. vielleicht auch nur weil ich es will. Es gehört auch
Glauben dazu.. :-)


Claro que si



19 December  07:46


Liebe Malou

(---)

Weihnachten rückt näher Malou. Ich werde am 25. meinen Vater betreuen. S hat mich instruiert, wie man das tun sollte. Offenbar schläft er viel tagsüber, bleibt aber bis spät in die Nacht vor dem Fernseher. Das heisst doch eigentlich, dass sein Tag-Nacht-Rhythmus gestört sei, nicht wahr? Man sollte ihn morgens ins Licht bringen, habe ich mal gehört. Mittags erhält er sein Essen von Spitex. Das ist ein Mittagessendienst für die Alten. Und für den Abend stellt S etwas hin. So werde ich vielleicht um 20h wieder zuhause sein. Das ist nicht schlecht.
Wie meinst du 'hier ist nicht viel passiert'? Aber Malou, es passiert doch immer etwas, entweder draussen in der Welt, im Quartier, im Haus, oder aber im eigenen Kopf. Das gibt es doch nicht, dass 'nichts passiert'. Das muss eine optisch-akustisch-taktile Täuschung sein.
Jedenfalls wünsche ich dir eine gute Zeit, in der was läuft.
Liebe Gs und Ks
...

Sonntag, 18. Dezember 2016

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Re: difficile


Ämne: einen schönen Morgen wünscht Dir Dein Fanclub

Ja, meine Liebste, das wäre wunderbar, im Turm, oder im Atelier, zusammen plaudern und Musik hören und regenerieren. Dazu brauchen wir keine Bücher. Wir haben uns doch viel zu erzählen. Aber Deine CDs sind gut. Die machen eine feine Atmosphäre. Das würde ich sehr geniessen und ich würde mich dir anschliessen. Und all das in einer warmen, heimeligen Bärenhöhle. Wäre es nicht wunderbar.
Marlena, es ist so schön, wie Du jeden Tag ein bisschen Zeit findest, mir zu schreiben. Das finde ich wirklich sehr bewundernswert. Früher war das nicht so. Ich habe das Gefühl, ich habe Dich irgendwie gewonnen. Und ich weiss, dass Du nicht eine Frau bist, die leicht zu gewinnen ist. So bin ich ein bisschen stolz. Und so wird unsere Bindung immer stärker. Das ist sehr schön. Ich kann es nicht anders sagen als mit diesem Allerweltswort "schön". Nach Platon sind das Schöne und das Gute und das Wahre ja identisch. Und ich glaube, dass es auch wirklich so ist, letztlich. Es ist das, wozu man JA sagen kann. Es ist in der Tat schön, Dich zu kennen.

Du bist vom Glück gesegnet, in Anna ein ambulantes Manual zu haben. Das habe ich leider nicht. Und ich ärgere mich manchmal ziemlich heftig, wenn die Zeit knapp wird und nichts klappt. Es ist gelegentlich zum Heulen. Gestern war so ein Tag. Ich war von 14h bis 1730h im Büro, und ich konnte praktisch nichts arbeiten, weil das ganze System nicht korrekt funktionierte. Es ist zum Ausrasten. Man würde lieber Mäuse melken.

Ja, es ist der alte Trick. Ich schreibe ein Mail abends, und Du wirst es morgens finden, so als ob ich ein Frühaufsteher wäre und Dir bereits den Kaffee und die Croissons auf den Tisch gestellt hätte. Aber ich habe alles schon in den frühen Morgenstunden hingestellt. Und ich habe es ein wenig zugedeckt, damit es warm bleibt.
Ich wünsche Dir einen schönen Tag, meine Liebe.
Bleib meine Ferngeliebte

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Difficile ...



Ämne: Difficile..

Ach, ...,
Es ist schon wieder spät geworden. Ich hatte heute so viel zu tun dass ich garnicht zum schreiben kam. Dein Mail ist so schön und lustig. Diese kleinen Episoden, die mir den Eindruck geben ich wäre dabei gewesen, und so lebe ich eben ein wenig doppelt :-)

Ich kann schon dein Verhältnis zu deinem PC verstehen. Anfangs war ich auch ziemlich ratlos und man will sich ja dann auch nicht all zu dumm stellen und Leute um alles fragen. Aber da ich ja Anna habe beherrsche ich dieses Monstrum jetzt schon ziemlich gut. Ich wünsche nur, dass ich mehr Zeit dafür hätte denn man kann sich wirklich viel schönes ansehen und holen.

Sonst ist hier alles beim alten. Dunkel, Regen, viel Arbeit, Ärger, Müdigkeit.. Ich habe mich noch nie so sehr in eine Bärenhöhle gesehnt wie jetzt. Aber du musst mit, ... :-) Machen wir's doch, oder gehen wir eine zeitlang in unseren Turm. Dort ruhen wir uns aus auf der Pritsche und erzählen einander unsere Geheimnisse.. die innersten :-) Nimm auch ein paar schöne Bücher mit und ich bringe ein paar CDs.
Ach, das wäre schön und nachher würden wir uns wie Neugebore fühlen und wieder voller Energie in unser "real-life" zurückgehen und Freude verbreiten.

Ich schreibe dir morgen ein längeres Mail
Wünsche dir einen schönen friedlichen Tag mit deinem PC :-)

SSSSS und viel M
Marlena

Dienstag, 6. Dezember 2016

Schrecklicher Montag



Ämne: Schrecklicher Montag.. 

Lieber ...,
Ich habe soeben deinen wunderschönen Brief gefunden. Ach, wie lieb du bist. Machst mir damit wieder ein wenig Mut in diesem Elend hier.
Und abgewaschen hast du mit mir zusammen. Das finde ich so rührend. Bei mir geht ja auch alles viel besser wenn ich dabei an dich denke.
Und dieses wunderbare Essen beim Onkel. Ich gönne es dir mein Schatz und wenn du es so schön erzählst dann habe ich fast den Eindruck ich hätte es ein wenig miterlebt. So machst du mir diese grauen Tage erträglicher bis sie wieder vorbei sind.
Es freut mich dass du mit deiner Arbeit vorankommst. K meint immer bei solchen schreiben soll man nicht zu untertänig (nachgiebig?) sein und nicht zu gefühlvoll schreiben. Korrekt und kühl imponiert meistens mehr. Nun er ist ja auch stahlblau ;-) Aber du weisst es am besten wie man jemanden mit Worten für sich gewinnen kann. Darin bist du doch ein Meister. Ich hoffe, dass es dir gelingen wird auch diesmal dein Ziel zu erreichen.

So, ich schick das nun mal schnell ab und vielleicht bekommst du es noch bevor du nach Hause gehst. Werde dir noch ein wenig schreiben, später heute.
Mit meinen allerliebsten Gedanken
Marlena

PS Hast du gemerkt dass ich nun etwas fliessender schreibe? Von dir gelernt, chéri. :-)

Montag, 5. Dezember 2016

kleine Episode


zwei Computermäuse

Lieber ...,

(---)

Wir haben uns gut amüsiert am Wochenende. Wenn A uns besucht,
gibt es immer lustige Gespräche. So erzählte sie u.a. von einer
kleinen Episode in L. Sie hat dort eine kleine Nebenbeschäftigung
als Guide in dem neuen IT-museum bekommen,  und nun sollte




sie bei einem Treffen mit alten Herren, die ganz am Anfang dabei
waren, über die Zeit damals informiert werden. Der jüngste von den
Herren war wohl 70, von dem wusste sie wer er war. Meist waren es alte
Professoren. Und Anna merkte, dass sie eigentlich garnicht von ihnen
gesehen wurde. Aber sie hörte ihnen gut zu während sie sich in
Erinnerungen vertieften und sich alle möglichen lustige und
interessante Ereignisse aus der Gründerzeit der IT erzählten. (ist
das grammatisch richtig?)

Und dann plötzlich meinte einer von ihnen, man sollte wohl auch eine
Person herbeirufen, die über all das Neue auf dem Gebiet informieren
könnte. "Ja, vielleicht könnten wir jemanden von Lysator bitten",
meinte ein anderer. (Du weisst, Lysator ist ein hoch angesehener
Verein. Dort wurden vor -zig Jahren, die ersten Computer konstruiert.)
Und da sagte Anna: "Das kann ich erledigen. Ich bin Vorsitzende bei
Lysator". Na, du kannst dir vorstellen, wie die alten Herren
aussahen.. Und einer sagte: "Wir hätten uns vielleicht vorstellen
sollen."  ...

Bald Weihnachten ...



Liebe Marlena
Na ja, ich bin eigentlich nicht so unter Stress. Den meisten Stress verursache ich mir selber. Ich habe am Wochenende immer noch an meinem Bericht gearbeitet. Du denkst vielleicht, das sei ein 100 Seiten Ding. Ist es aber nicht. Es sind blosse 10 Seiten, ungefähr. Aber ich muss der Regierung und den Parlamentariern beweisen, dass wir hier zuviel Arbeit und zuwenig Mitarbeiter haben. Und diese Diskussion ist eben heikel, weil unsere Konsequenzen sehr teuer sind. Und sie sind auch deshalb ziemlich schwierig, weil man die psychologische Arbeit so schlecht quantifizieren kann. So möchte ich eben einen Bericht schreiben, der gleich alle auf den ersten Anhieb überzeugt. Und ein solch hoher Anspruch ist ein wenig stressig.
So ungefähr schaue ich meinen Stress an. Und Du hilfst mir schon dabei. Deine Mails lösen mir meine Verkrampfung und lassen mich noch ein paar andere hübsche Dinge denken. Ach, das ist mehr Unterstützung, als Du glaubst. Es ist wie eine feine Massage der Hirnwindungen. Ganz exzellent.
So habe ich eben übers Wochenende gearbeitet, als ob ich wie K den amerikanischen Wahlkampf berüchsichtigen müsste. Und heute denke ich, ich hätte eine brauchbare Form des Berichtes. Er ist vielleicht noch nicht in allen Teilen sehr perfekt. Aber die Form stimmt. Mit meinem ersten Entwurf war ich damit sehr unzufrieden.
*
Genug über Arbeit. Schön, dass bei Euch bald Weihnachten beginnt. Bei uns haben wir auch am 6. Dezember St. Nikolaus. Aber dann ist es mehr oder weniger still bis Weihnachten. Die Schulen klagen jeweils, dass alle Kinder aus dem Häuschen seien. Aber sonst ist nichts Spezielles los. Natürlich gibt es Hausfrauen, die Süssigkeiten backen. Es gibt dieses Durcheinander in den Läden und Kaufhäusern, weil alle ihre Geschenke einkaufen. Und alle warten ein wenig auf Schnee. Aber es ist nicht mehr wie früher. Früher war die Adventzeit wirklich noch stimmungsvoll. Und die paar wenigen Lichter und Bäume, die man sehen konnte, haben einen das Herz erwärmt. Heute sieht man in jedem Schaufenster einen Weihnachtsbaum und es ist alles ziemlich oberflächlich geworden und die Kinder wünschen sich auf ihren endlos langen Wunschlisten Elektronik und Barbys und Plastik-Zeug. Nun ja, vielleicht hat es sich vor allem geändert, weil wir selbst älter geworden sind.

Gestern abend waren wir wieder bei Onkelchen. S hat Fisch gebacken, den feinen rosa Salm. Er war sehr geschmackvoll. Aussen etwas knusprig und innen noch feucht saftig. Prima. Das mag er am liebsten. Das erinnert ihn an alte Zeiten. Scheinbar hat seine Frau früher immer Salm bestellt, wenn sie zusammen im Bahnhofbuffet Zürich gegessen haben. Er hat das schon zwei oder dreimal erzählt. Und dazu gab es Reis und etwa drei Sorten Gemüse. Und er hat einen feinen Mont sur Rolle spendiert, einen Weisswein vom Genfersee, vom La Côte, wie wir sagen. Das ist das Seeufer nach Lutry, Richtung Genf. Das hat alles sehr gut geschmeckt. Und zum Dessert gab es dann noch einen Irish Coffee und ein Japonais mit kleinen Fruchtstücklein. Wenn es kühl ist mag er einen Irish Coffee, und ich mag ihn auch. Er bringt das Blut wieder in Bewegung, wenn man nach dem Essen etwas faul und schläfrig werden sollte.
Aber es war eigentlich was anderes, was ich Dir erzählen wollte. Nach dem Essen, so hat sich die Gewohnheit herausgebildet, ging ich in die Küche, um das Geschirr zu waschen. Na ja, weil S alles kocht, muss ich ja auch was dazutun. Und so wasche ich und räume die Küche auf, mehr oder weniger, wie das Männer manchmal sehr halbherzig tun. Und als ich so vor mich hin gewaschen habe, kam mir Deine Situation in den Sinn, als Du kürzlich Geschirr waschen musstest. Deiner Maschine zuliebe. Und so war ich nicht allein in der Küche. Und alles ging ganz schnell und munter. Und ich fühlte, welch lieber Mensch Du bist. Du bist wirklich ein sehr exquisiter Mensch. Du hast eine Unmenge Geduld. Du hast soooviel Einfühlungsvermögen. Soviel Freundlichkeit und guten Willen. Ich war ganz voll von Gedanken an Dich. Ach, es ist wirklich wunderbar, eine Frau wie Dich zu kennen. Und ich dachte, dass sicherlich manche Deiner Sorgen bloss zustande kommen, weil Du so lieb bist. Siehst Du meine Liebe, so habe ich vor mich hinträumend Geschirr gewaschen und getrocknet und dazu noch aufgeräumt, ohne auch nur einen einzigen Teller fallen zu lassen. Ist doch fantastisch, nicht??
*
Kommt mir in den Sinn, dass ich Dir ein paar Fotos schicken soll. Ach, Marlena, ich will nicht kneifen. Aber ich habe noch keine gesucht. Es wird ziemlich zeitaufwendig werden, ein paar Fotos zu suchen. Und auf jenen, die noch in der Nähe herumliegen, bin ich überhaupt nicht zu sehen. ...
*
So wollte ich Dir jetzt eine schöne Woche wünschen. Aber dann denkst Du gleich, ich würde bis Samstag nicht mehr schreiben. Also wünsch ich Dir einen wunderschönen, wenngleich vielleicht verregneten Montag. Der Montag ist ja doch immer der schwierigste Tag der Woche, nicht wahr? Und wenn wir ihn hinter uns haben, ist alles nur noch halb so schlimm. So wünsche ich Dir einen leichten und fröhlichen Montag.
Mit lieben Küssen
...


Freitag, 2. Dezember 2016

Blick durch ...



... ein anderes Fenster

Montag, 28. November 2016

Re: Advent



Ämne: Re: Ja, der Advent des Advents
Datum: den 27 november


Liebe Marlena
Nein, niemals langweilst Du mich. Du schreibst so plastisch, mit einer feinen Ironie! Und aus einer femininen Position. So wie ich es nie könnte. Ich bewundere es. Ich höre und sehe, wie gescheit Du bist. (Du kennst das Wort "gescheit", nicht wahr?) Es ist wirklich ein Vergnügen, Dir zuzuhören. Auch wenn Du über Deine Arbeit und Deinen Direktor sprichst.
Aber dass Du einfach so geschriebene Mails in den Abwässern des Internet verschwinden lässt, das kann ich weniger gut verstehen. Ist mir zwar anfangs auch ein oder zwei Mal passiert. Aber seither gebe ich ziemlich acht!
*
Ja, wie ein König in der Runde seiner Leibärzte. Diese Fantasie hatte ich auch einen Moment lang, bevor die Gäste ankamen. Und ich habe mir gedacht, sie beobachteten mich jetzt sehr genau, wieviel ich esse und wieviel - vor allem - ich trinke.
Der Abend war eigentlich ganz gut. Wir hatten ja ein kleines Ungleichgewicht. Es waren 4 Männer und nur 2 Frauen. Und vor dem Essen hatte mich S. gefragt, wie sie die Gäste denn platzieren sollte. Mehr im Spass als wirklich ernsthaft hatte ich gesagt, wir setzten die beiden Frauen neben mich, und die Männer oben neben S. Und so hat sie es dann auch getan. Ach, ich war der Hahn im Korb. A. ..weiss viel über Filme. Das ist ihr Job. Sie hat tatsächlich auch sehr viel gesprochen. Und O. ist Japanerin und sehr künstlerisch begabt. Ich war also wirklich verwöhnt an meinem Platz. Mein Problem war, dass ich auf dem rechten Ohr noch nicht so gut höre. Es ist noch verstopft. Und weil O. rechts von mir sass, und weil sie ausserdem noch nicht so gut deutsch spricht, hatte ich etwas Mühe, sie zu verstehen. Ich hätte gerne mit ihr etwas geflirtet. Aber es war echt hart, weil ich ein bisschen um den Brei herumreden musste, weil ich sie manchmal nur ungefähr verstanden hatte. Ach, ich kam mir ein bisschen vor wie ein alter, schwerhöriger Mann. Nichts isoliert ja so sehr wie Schwerhörigkeit. Blindheit ist nur halb so schlimm. So habe ich den Abend eisern durchgekämpft und versucht, mich als Mundschenk geschäftig zu machen. Der Flirt war ein sehr mageres Gewächs, um das Kind beim Namen zu nennen. Und A. und P. waren sehr unkompliziert und haben zum Schluss noch mitgeholfen, die Gläser und handgemalten Teller zu waschen, die man ja nicht einfach in die Maschine stellen sollte. So dauerte der Abend doch noch bis 2300h, obwohl wir schon um 1800h angefangen hatten.
*
Ach Marlena, ich glaube, es wäre schön, Dich mal an unserem Tisch zu haben. Oder EUCH müsste ich doch eigentlich besser sagen. Ja, und dann kommt wieder die Römergeschichte hoch. Du hast jetzt die Hoffnung völlig aufgegeben. Nun ja, es ist auch ziemlich kompliziert geworden. Oder immer schon gewesen? Ich weiss schon gar nicht mehr, wie ich darüber reden soll. Vielleicht doch besser schweigen?
*
Ich war den ganzen Tag unterwegs und deshalb jetzt ein bisschen in Eile. Ich hoffe, Du hast einen schönen Abend. Und mein Schatz, Du solltest mich nicht für zu sehr oberflächlich und dandyhaft nehmen. Das bin ich nämlich nicht.
Ich küsse Dich
..
Danke Dir für das hübsche Bild. Es ist schön arrangiert und zeigt die Stimmung gut. Man möchte am liebsten bei Dir zuhause sein.

An der Spüle.. ...




Ämne: An der Spüle..
Datum: den 26 november 21:20

Lieber ...,
Ach das Glück steht nicht auf meiner Seite im Moment. Ich hatte dir ein Mail geschrieben und nun ist es verschwunden und ich muss von vorne anfangen.
Ja,  mit dem Artikel hast du mich fast erschlagen obwohl mir der Titel "Bildung als Stellvertreterin Gottes" (und einiges mehr) sehr gut gefällt. Wir werden sicher mal darauf zurückkommen.
Heute Abend hast du, wie einst die Könige, die ganze ärztliche Expertise an deinen Hof gerufen um dich beraten zu lassen. Es freut mich, dass du in guten Händen bist. Und heute verbringst du einen wunderschönen Abend in dieser netten Gesellschaft. Und verliebt bist du auch. Das war eine kleine Überraschung aber die Welt ist voll davon.
*
Hier ist nun die allerdunkelste Zeit des Jahres und ich warte schon sehr auf 1. Advent, wenn alle Schweden leuchtende Sterne in ihre Fenster hängen und überall Adventsleuchter aufstellen. Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne.




Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun. Sonst bleibt uns ja immer noch die Spüle ;-)
*
Morgen habe ich ein langes "Entwicklungsgespräch" mit dem neuen Direktor. Sowas müssen wir alle der Reihe nach durchmachen Er hat natürlich keine Ahnung von Sprachunterricht. Möglicherweise war er mal ein unbegabter Schüler und so weiss er dass Sprachlehrer alles falsch machen weil er nichts gelernt hat. Er hat in letzter Zeit Ideen geäussert die uns allen ein bisschen den Atem verschlagen. Nun wir sind ein abgehärtetes Geschlecht und leider auch ein sehr gefügiges und wie gewöhnlich werden wir versuchen alle Dummheiten bestens zu verwirklichen bis dann plötzlich wieder das Gegenteil gilt. Und alles das darf ich natürlich nicht sagen. Ich habe ein ganzes Kompendium mit Fragen die ich beantworten muss.
Ach, das langweilt dich sicher. Aber es ist schön dass ich mit jemanden darüber sprechen kann.
*
Ich glaube ihr sitzt jetzt zu Tisch und ich weiss eigentlich nicht ob ich heute zusehen will.. :-)
Du hast mir wieder ein so schönes liebes Mail geschrieben und so legst du immer wieder neue Holzscheiter ins Feuer. Du scheinst ein glücklicher Mensch zu sein. Hast eigentlich nie Sorgen und vielleicht ist es der Verdienst von S., die dir ein so angenehmes Leben macht. Und nun träumst du wieder von Rom. Du wirst es sicher machen (und sicher nicht allein) aber ich werde noch eine Zeit warten müssen bevor ich den Traum meines Lebens verwirklichen kann.
Ich grüsse dich, chéri. Und wie immer.. aber das sag ich dir heute nicht weil du sicher gerade am flirten bist..
Bye, love
Marlena

Samstag, 26. November 2016

Dienstag, 22. November 2016

Blick durchs Fenster



trüber Tag - heute

Sufismus


Liebe Marlena

Sufismus ist sozusagen die innere Dimension des Islam, eine - oder besser - viele mystische Strömungen, wie sie sie auch im Christentum gibt. Der Sufismus hat viele Fazetten und stellt sich poetischdar in Hafis Versen als blühender Garten, duftende Rosen, klagende Nachtigallen, Symbole der göttlichen Schönheit und Sehnsucht der Seele, die sich in trunkender Gottesliebe wiegt. Europa hat die Sufis, oder Derwische, wie die Perser sie gerne nennen, um 1800 entdeckt. Damals sind sie ihnen vor allem aufgefallen als seltsame Gestalten, oft unter Drogen und im Herzensgebet. Sie schienen in Opposition zum Scharia-gebundenen Islam. Aber im Grunde kommt der Sufismus aus dem Islam und ist an ihn gebunden. Ein Sufi ist der einsame Meister ebenso wie der begnadete Lehrer, die simple Seele, der geschulte Denker oder gottestrunkene Sänger. Jeder kann ein Sufi sein.

"Der Sufi ist jemand, der nicht ist", ist offenbar ein altes Zitat. Es spielt an auf die totale Hingabe an Gott. Meister Eckhart, der europäische Mystiker hat auch von "entwerden" gesprochen, vom aufgehen im göttlichen Wesen wie der Tropfen im Ozean. Die Sufis wollen nicht intellektuelles Wissen, sie warnen immer wieder vom Buchwissen, sondern sie streben nach existenzieller Erfahrung. In den Büchern suchen sie "das Weisse zwischen den Zeilen" zu lesen (was wir eigentlich alle tun; heisst ja 'intellegere'). Russi sagt: Sufi ist "Freude finden im Herzen, wenn die Zeit des Kummers kommt".

Na ja, in Europa sagt man, Philosophie sei, sterben zu lernen. Das ist ja wohl nicht so weit davon entfernt.

Gruss an meine Sufia

....

Sonntag, 20. November 2016

Wer ich bin? - mein Idealbild



Liebe Marlena

Ach meine Liebe, ich glaube, Du möchtest wirklich wissen, wer ich bin. Willst Du das wirklich, Marlena? Ich meine, all die Typen neben dem stillen und kontemplativen Kerl hinter dem Ofen, die ich auch noch bin oder sein könnte.
Ach, wie soll ich über mich schreiben?

Ich glaube, ich habe Dir davon erzählt, dass wir am Ende eines Führungsseminars eine Auswertung gemacht haben. Der Leiter des Kurses gab jedem und jeder Teilnehmerin eine persönliche Qualifikation. Mir hat er gesagt, er hätte den Eindruck, ich schwanke zwischen weiser Gelassenheit und dem Drang, etwas tun zu müssen. Und er gab mir den Rat, die beiden Tendenzen nicht als Gegensätze, sondern als Ergänzung aufzufassen. Das fand ich ziemlich gut, wie er mich charakterisiert hat. Ich glaube wirklich, dass ich von Natur aus ein ziemlich kontemplativer Typ bin. Ich liebe die ruhigen Betrachtungen. Aber andererseits fühle ich ständig die Verpflichtung, aktiv zu sein, etwas zu tun. Das tue ich aber eher aus einem Pflichtgefühl denn aus wirklicher Begeisterung. Im Grunde wäre ich am liebsten ein Philosoph, oder ein Sufi, oder eben, wie schon oft gesagt, ein Clochard. Das ist ja alles ungefähr dasselbe, nur ein bisschen in unterschiedlichen oekonomischen Verhältnissen.
Und im Kurs selbst war ich erstaunt, wie mich viele der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer als "gelassen, weise, ausgeglichen, mit guten Ideen" beschrieben haben. Ich kam mir fast ein wenig vor wie der Medizinmann. Nun ja, sie wussten alle, dass ich Psychologe bin, und viele Leute haben ja einen gewissen Respekt vor diesen merkwürdigen Fachleuten. Und ich war natürlich tendenziell auch etwas älter als die meisten von ihnen. So gerät man mehr und mehr in die Rolle des Grossvaters, oder besser in die Rolle des Supervisors. Was ja mehr oder weniger dasselbe ist.

Vielleicht habe ich Dir einmal beschrieben, welche Arbeitssituation ich mir am meisten wünschte. Ich würde am liebsten im Atelier malen, Porträt malen, und dabei gleich noch psychologische Beratung machen. Das heisst, die Leute kommen eigentlich wegen eines Porträts, oder vielleicht einfach, weil sie sich unterhalten, weil sie plaudern möchten. Aber so beiläufig, wie durch Zufall, vielleicht mit einem Glas Wein, würden wir auf diese oder jene Fragen zu sprechen kommen, auf dieses oder jenes Problem. Ich denke, das wäre eine ideale Situation, um Leute zu beraten. Man sollte sie beraten, während sie es gar nicht merken, dass sie beraten werden. Das ist die Kunst. Und daneben liegt mein dicker gescheckter Spaniel auf dem roten Sofa und öffnet ab und zu das Auge, um nachzusehen, ob die Welt noch in Ordnung ist.
Das wäre schön, glaub mir Marlena. In dieser Situation wäre ich selig. Und wenn gerade kein Kunde im Atelier ist, würde ich lesen, oder meine Palette putzen. Es riecht immer nach Terpentin, im Atelier. Und das finde ich fein. Und im Hintergrund würde eine leise Musik laufen, die das Herz beschwingt. Französische Chansons, das wäre schon ok, vielleicht nicht immer, aber doch oft.
*
Das heisst doch eigentlich, dass mein Idealbild das des Künstlers ist, und sicherlich nicht das des Beamten, des Verwaltungsmenschen, der jeden Tag hinter seinem Pult sitzt und nach §§§§ arbeitet. Ach, ich hasse diese Typen, die so pingelig und exakt sind und bloss an §§§ oder an Formeln denken. Das hört sich alles ein wenig chaotisch an, vielleicht. Aber es hält sich in Grenzen. Total chaotisch bin ich nun auch wieder nicht.Ich kann beispielsweise nicht den ganzen Tag weg sein. Ich brauche mindestens ein paar Stunden pro Tag zuhause, um wieder zu mir und zur Ruhe zu finden. Es gibt doch leute, die ständig unterwegs sind und sich überall gleich zuhause fühlen. So bin ich nicht. Ich brauche, auch wenn ich spät nach Hause komme, eine oder zwei Stunden, bis ich schlafen kann.
*
Und jetzt, Marlena, wirst Du aus mir klug? Habe ich irgend eine Frage beantwortet, die vorher noch unklar war, und jetzt klar? Ach, ich glaube es nicht. Ich bin vielleicht einwenig undurchsichtig. Und ich bin, wie du sagst, geräumig. Man könnte einige Kommoden bei mir einstellen. Und ein paar alte Kisten dazu.
*
Mein Schatz, ich muss jetzt an eine Sitzung. Ich komme dann zurück und schicke dieses Mail ab. Ich bin unter Zeitdruck. Verzeih mir. Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen schönen Abend. Ich küsse Dich in der Dämmerung.
...
Und jetzt bin ich zurück und küsse Dich ein zweites mal. Jetzt verwegener, wo es dunkel geworden ist.
MMM 


Sonntag, 13. November 2016

Sonntagabend - Gastronomie


12 November 2007 08:35
...

Und am Sonntagabend haben wir gekocht: Reis, Lammfilet, Morchelnsauce, Randensalat. Ich weiss jetzt, wie man eine Morchelsauce anpacken muss. Das ist gar nicht so schwierig. Und ich habe schon ein bisschen Erfahrung mit dem Trockenreis. Weisst du, wie ich ihn mache. Es ist natürlich nach persischem Rezept. Ich koche den Reis an, doppelt soviele Tassen Wasser wie Reis, vielleicht mit Bouillon, oder mit Salz gewürzt. Und wenn das Wasser einigermassen verkocht ist, fülle ich die Masse in eine neue Pfanne, deren Boden ich mit wenig Öl und mit Karottenstreifen (man könnte dazu auch Kartoffel nehmen) bedeckt habe. Darauf fülle ich den Reis und forme ihn zu einem spitzen Berg. So lasse ich ihn gute 30 Minuten zugedeckt dampfen. Die Karotten, vielleicht mit etwas Zucker ergänzt, braten unten in der Pfanne an. Das schmeckt sehr gut, leicht karamelisiert,  und verhindert, dass der Reis schwarz anbrennt. Ecco.
Kurz und gut, das hat alles gut geschmeckt zu einem prima Walliser Dôle und Mozart Serenaden. Und zum Schluss gab es noch ein Stücklein Pariserring von Beschle. Beschle ist eine Konditorei ganz in meiner Nähe. Sogar mein Onkelchen hatte sie gekannt und hatte dieses Rezept für Pariserring in seinem Geschäft auch benutzt. Am allerbesten sind aber die Ste Honorée - Kuchen von Beschle. Aber als ich am Sonntagmorgen (in Trainer, Mantel drüber) dort aufgetaucht war, hatten sie schon keine mehr, wie mir die hübsche Verkäuferin lächelnd zu verstehen gab. Sie meinte, ich solle ihr nächstes Mal frühmorgens ein Telefon geben. Sie hat gesprochen, als ob sie selbst das Geschäft - also die Direktion - wäre.  Na ja, sie hatten noch SH-Torten für 8 oder 10 Personen. Aber das wäre dann doch ein bisschen zu gross gewesen.
So ist das Wochenende schnell vorbei gegangen. Und jetzt sitze ich hier und nippe an meinem ersten Kaffee.
Bald beginnt die Sitzung.
Ich wünsche dir einen prima Wochenanfang.
Liebe Gs und Ks
...

Sonntag - Busch und Bosc

12 November 2007 08:35

Der Sonntag war ruhig, und wie gesagt, kühl.

Ich habe kürzlich ein Buch überr Willhelm Busch rezensiert. Du weisst vielleicht, dass man im Januar seinen 100. Todestag feiert. Zu diesem Anlass ist ein Buch mit Gedichten und schönen Bildern, die sich an Fotos aus dem Leben Buschs anlehnen, herausgekommen.  Und dann am Nachmittag sind wir durch Regen und Wind hinüber zum Cartoon-Museum spaziert, um die Ausstellung von Bosc zu sehen. Er war ein französischer Cartoonist, in Nîmes geboren als Sohn eines Weinproduzenten, war als Soldat im Indochinakrieg und ist gebrochen zurückgekommen. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen den Betrieb seines Vaters nicht übernehmen, hat dann als Autodidakt begonnen zu zeichnen und ist schnell bekannt geworden. Aber seine Zeichnungen haben alle irgendwie etwas Trauriges in sich. Er hat einen schönen, klaren  Strich. Und er kann wunderbar Strassensituationen und Hauspartien darstellen. Natürlich beschäftigen sich viele seiner Zeichnungen mit dem Militär. Und einmal soll er in seinem Leben wegen seiner antimilitaristischen Cartoons verurteilt worden sein. Er ist mit ungefähr 50 gestorben: Suizid.
Diesen Bosc also haben wir angeschaut. Das ist ein kleines Museum in der St. Alban-Vorstadt, wo ich gerrrne hingehe. Früher hatten sie gar einen Bibliothekenraum voller Bücher mit Cartoons, wo man sich einen lieben langen regnerischen Sonntagmorgen vertreiben konnte. Ich hatte das mal gemacht. Und es war köstlich. Verschiedene Menschen sassen da herum, auch Jugendliche und Kinder. Einige am Tisch, andere im Sofa, wieder andere auf Stühlen. Es war still. Aber perjodisch hatte man von da oder dort immer wieder ein Kichern oder ein diskretes Lachen gehört. Eine sehr vergnügliche Stimmung. 
Und am Sonntagabend ...

Kühles Wochenende - Penthesilea







12 November 2007 08:35

Liebe Malou
Ach, das war ein nasses und kühles Wochenende. Erstmals habe ich richtig geheizt in meiner kleinen Wohnung. Ich hatte die Kälte nie so gespürt bisher, weil ich nie einen ganzen Tag lang zuhause gewesen war.
Am Samstag waren wir in dieser Vorstellung Penthesilea. Das Theater war gut besetzt, obwohl diese Art von Musik ja nicht jedermanns Sache ist. Meine auch nicht besonders. Es gab da keine echten Melodien, sondern eine Art Sprechgesang, bei dem einem manchmal die Frage aufkam: warum drücken sie sich nicht knapper und klarer aus? ;-)  Die Musik hatte eher die Funktion,  Stimmungen darzustellen. Und die Geschichte war ja mehr als tragisch und endete in einer blutigen Schlussszene, in der Penthesilea auf einem alten Rollstuhl blutige Koffern mit den Gebeinen Achilles' hereinfährt und sie sozusagen umarmt und küsst, so dass sie schlussendlich so blutig wie ein mit Ketchup vollgespritzter Hamburger dasteht.
B hat das alles gut gefallen. Und sicherlich war die klare Bühne sehr gut gemacht. Die Amazonen, allesammt tüchtige Frauen in langen dunkelblauen Mänteln haben einen guten und kompakten Chor abgegeben. Wenn sie mit Pfeil und Bogen erschienen sind, konnte man fast ein bisschen zusammenzucken. Und am lustigsten war das Männerheer, eine Gruppe von vielleicht 20 Männern, echte Pistoleros, Cowboys, Sheriffs, ein englischer Soldat im Kolonialstil etc. etc., also ein lustiges und buntes Gemisch von verschiedensten Machotypen. Achilles hatte eine gute Stimme. Und zum Schluss ist er in weissem Anzug und Borsalino wie ein echter Geck dahergekommen.
Der Sonntag war ruhig, und ...

Freitag, 11. November 2016

Leonard Cohen R.I.P


Ämne : Whatever..
Datum : Thu, 03 Jan 2002 




Lieber ...,

Heute habe ich ein stundenlanges Interview mit Leonard Cohen gesehen. Ich liebe seine Musik, aber ich wusste nicht was für ein fantastischer Mensch sich hinter diesem Namen verbirgt. So wie er über sich selbst und das Leben spricht.. ach, es war wunderschön und ich wünsche du hättest es sehen können.

ein Kübelchen Wasser


Subject: freitagwiedereinmal

Liebe Marlena
Ach nein, das kann ich fast nicht glauben, dass meine süssen Mails wie Kübel
kalten Wassers wirken. Was denn war es? Wenn ich richtig interpretiere, dann
meinst Du die Tatsache, dass ich nicht sage, ich würde aus reiner Lust
schreiben.
Schau mal, ich habe mich so eingerichtet, dass ich morgens früh mein Box
öffne und dann ein Mailchen, dh. ein Kübelchen Wasser fülle. Das ist
sozusagen eine Regel, unabhängig von meiner Lust. Oft gibt es Tage, an
welchen ich mich morgens bei Dunkelheit aus dem Bett hieve mit dem Gedanken,
rasch zu sehen, was denn Neues von Marlena im Box liegt. Und manchmal bin
ich schon am Morgen mit irgendwelchen Dingen beschäftigt, die am Tag auf
mich warten werden. Dann habe ich nicht sonderlich Lust, weil ich mich
zwingen muss. Trotzdem schreibe ich zu meinem ersten Kaffee ein Mail. Du
kannst darauf gehen, wenn Du kein Mail hast, dann hatte ich auch keinen
Kaffee. So einfach ist die Welt.
Aber ich kann nicht ...


Montag, 7. November 2016

Sonntag, 6. November 2016

6. November


Gustav-Adolfs-Gebäck


Subject: 6. November
Date: Thu, 06 Nov 19:30:15

Lieber ...,
Ich trinke meinen Tee hier vor dem PC und eigentlich müsste ich ein Gustaf Adolf-gebäck dazu essen. Denn heute feiern wir diesen alten König, der 1632 in der Schlacht bei Lützen im Nebel gefallen ist.
Na ja, wir feiern nicht allzu gross - ich glaube auch weil man in Schweden immer etwas Angst hat sich zu patriotisch zu zeigen. Aber es ist gut, dass es gerade am 6. November stattfindet, denn so vergesse ich nicht so leicht das wichtige Datum an dem mein lieber Mausfreund geboren ist. Und natürlich hissen wir die Fahnen.
*
Aus dem Internet:
6 november is Gustav Adolf Day. Gustav II Adolf was king of Sweden from 1611 to 1632 and died on this day. There is a special pastry called a 'Gustav Adolf-bakelse' which people eat to celebrate the occasion. King Gustav II Adolf founded Gothenburg, and the pastry is especially popular there.
*
Ich denke du hast dann vielleicht doch nicht meine kleine Karte gesehen, die ich so lustig finde. Muss lachen wenn ich sie ansehe. Und dann hab ich dir auch Marlena vor dem Rathaus geschickt. Im Abendrot noch dazu. :-)
*
Ich war heute in der Kantine. Wollte eigentlich zu Hause nur etwas leichtes essen, aber Gudrun (schwedisch und Geschichte) hat mich mit hingelockt. Und es war wieder eine herrliche Stunde mit lauter sympathischen Leuten, die alles taten um die Stimmung bis zur Decke zu heben. Dann haben sie sich auch etwas über meinen Appetit amüsiert. Es gab zwei Gerichte. Das eine war Erbsensuppe nach der man Pfannkuchen mit Sylt (eingemachte Beeren) und Schlagsahne ist. Das ist ein typisches Donnerstagsgericht in Schweden aber in der Kantine serviert man es eher selten. Das andere war ein Wurstgericht mit einem herrlichen Salatbüffé. Und was glaubst du habe ich gewählt? Zuerst die Erbsensuppe mit Speck drin, dann das Wurstgericht mit dem herrlichen Salat dazu und als Nachspeise den Pfannkuchen mit Zutaten. Dazu ein Bier (Pripps =eine gute Sorte). Und dann begann natürlich ein Gespräch über Kalorien und was man man tun muss um ein einziges Stück Torte loszuwerden. Der Trainer der Schwimmer (solche die sich für kommende Weltrekorde ausbilden) meinte 2½ Stunden intensiven Sex brauchte man dazu. Wir waren alle etwas verstummt eine Weile.. aber natürlich haben wir losgelacht und alle unsere eigenen Kenntnisse zu diesem Thema bekanntgegeben. Kalorien also.
Mir kam heute der Gedanken, dass man unser Essen in der Kantine gut mit eurem Club-essen vergleichen könnte. Aber wir sind immer zufrieden mit dem was man uns bietet. Es ist wirklich sehr köstlich und unsere Schule ist dafür bekannt. Auch die Schüler sind sehr zufrieden. Sie bekommen es frei.
*
Ich habe gerade eine kleine Reportage über Coco Chanel gesehen. Sie war eine Meisterin in der Kunst elegante und stilreine Kleider zu schaffen. Übrigens, M und ich haben uns in Stockholm in einem eleganten Parfümgeschäft mit Chanel 5 besprüht. In Stockholm braucht man absolut nicht Parfüm zu kaufen. Man kann sich täglich ein neues Auswählen. ;-)) Und als ich jung war (13) gingen wir Mädchen oft auf den nahen Zentralbahnhof, wo es einen Automaten gab, wo man sich für ein paar Öre in diesen Luxuriösen Duft einhüllen konnte. *s* Oft tauchten dort Mitglieder der Familie Taikon auf, die uns mit ihren rauhen verrauchten Stimmen unsere Zukunft verraten wollten. Natürlich nicht ohne Bezahlung. Jetzt sind sie ziemlich assimiliert in der schwedischen Gesellschaft und einige sind berühmt für ihr Kunsthandwerk. Schönem Schmuck z.B.
*
Morgen Abend kommt Anna nach Hause. Habe es K gerade am Telefon mitgeteilt. Er war freudig überrascht. Na ja, es ist ja auch Vatertag am Sonntag.

Ach, ich schiebe meine Arbeit vor mir hin. Muss aber doch jetzt drangehen. Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Freitag.
Je t'embrasse,
Marlena

Sende dir ein Bild mit von dem Gebäck. Das Portrait des Königs in Marzipan obendrauf.

Samstag, 5. November 2016

Re: Mitarbeiter


Subject: Hahnenkampf - Gardell und Bocuse

Lieber ...
---
Leider habe ich den ganzen Tag in der Schule verbracht. Es war nicht ganz uninteressant. Vor allem das Verhältnis zwischen den drei Männern in unserer Arbeitsgemeinschaft (wir sind 5 Personen) ist interessant zu beobachten. L..  fühlt sich nicht wohl, hat er mir anvertraut. Und ich sehe, dass er es schwer hat zur Zeit. Der Bodybilder ist das grosse Idol unseres neuen Direktors geworden, was nicht für den letzteren spricht. Er ist ziemlich einfältig und lässt sich leicht dupieren. Der Bodybilder schlägt hart nach allen Seiten um seine Konkurrenz loszuwerden. Es ist wie ein richtiger Hahnenkampf! Und ich sitze da und gratuliere mir zu meinem Schauspielertalent, scherze, lache, lächle und mache Komplimente. Oh Gott, was muss man nicht alles tun. Zum Glück ist die Frau des Bodybilders, die auch dabei ist, eine ziemlich sympatische Person, obwohl sie von ihrem Mann hart an der Leine geführt wird.
Na ja, jedenfalls haben wir am Ende des Tages ein zusammengestelltes Dokument abgeliefert, das in seiner Eloquenz und unübertroffenen Art mit schönen Formulierungen Luft zu erzeugen, alles andere übertroffen hat. Natürlich müssen die anderen Gruppen eingesehen haben, dass das alles nur schöne Worte sind, aber wer wagt schon gegen solche einzuwenden, in dieser Zeit wo Worte viel wichtiger sind als Handlungen und selten zu solchen führen.

*
Ach so, du bist dabei dir eine Assistentin anzuschaffen? Und wie du sie beschreibst so hat sie vielleicht sogar ähnliche Qualitäten wie Clintons M. Lewinsky. Vielleicht brauchst du sie. Warum nicht, wenn man bereit ist für eine Assistentin zu bezahlen. Sicher jubelt deine Sekretärin schon.
Lass mich wissen, wenn es soweit ist.

*

Ich werde mir nun zwei kleine (nur 10 minuten lange) Reportagen ansehen, die ich auf Video aufgenommen habe. Das eine ist von unserem Superschwulen Schriftsteller Jonas Gardell. Er ist auch ein bekannter Stand-upkomiker und mit einem ebenso berühmten Kulturmenschen (Mann natürlich) "verheiratet". Er schreibt gute Romane. Den einen davon würde ich dir gern empfehlen, weil er ein wirklich realistisches Bild von schwedischem Alltag gibt. Doch nun geht es um seinen neuen Roman "Über Gott". Das Buch soll ganz einmalig sein und ein Thema was man nicht von ihm erwartet hat. Bin schon neugierig was er selbst darüber sagen wird.

Die andere Reportage ist von dem französichen Meisterkoch Paul Bocuse, der sich über das schwedische Essen äussert. Das habe ich für meine Schüler aufgenommen, weil wir gerade bei dem Thema Gastronomie sind und sogar einen Text über diesen berühmten Koch und die gastronomische Hauptstadt Lyon vor uns haben.
...

Wünsche dir einen schönen Tag
und grüsse dich lieb,
Marlena

Neue/r Mitarbeiter?


Liebe Marlena

Die Sekretärinnen kennen mich kaum mehr. In den letzten zwei Tagen war ich
kaum im Büro. Das ist im Moment ein Leben in fliegenden Wechseln. Du kennst
den Ausdruck als Mitglied einer Nation mit exzellenten Eishockey-Teams. Dort
bedeutet es den Wechsel der Spieler im laufenden Spiel, also ohne
abzuwarten, bis der Schiedsrichter aus irgend einem Grund das Spiel
unterbrochen hat. Gestern war ich in Olten und Basel. Vorgestern zur
Hauptsache in Basel. Und ich könnte Dich jetzt wieder um Rat fragen, wen von
all den Männern und Frauen wir als Mitarbeiter anstellen sollten. Die eine
ist sehr geschwätzig. Die zweite ist hübsch und vielversprechend, aber noch
reichlich jung. Die dritte ist ebenso jung, aber vielleicht etwas unberechenbar.

Und die vierte haben wir schon vor einem Jahr gesehen. Sie ist kognitiv gut
organisiert, ärgert sich aber viel, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sich
das vorgestellt hat. Oder sie setzt sich durch eigene Gedankenkonstrukte
unter Druck.
Es ist wirklich nicht leicht, und man kann ja keinen Test veranstalten. Man
kann die Leute nicht im Quervergleich sehen, sondern muss sich für eine
Person entscheiden und dann mehr oder weniger annehmen, dass dies die beste
Wahl gewesen sei. Vielleicht kann ich noch jemanden, eine jüngere Person
vielleicht, in einem Praktikum anstellen. Ich erinnere mich daran, wie
glücklich und selig Clinton war mit der Möglichkeit, Praktikantinnen
anstellen zu können.


....

Freitag, 4. November 2016

Samstag, 29. Oktober 2016

... und ein kleines Gedicht







...von Lars Gustafsson

Dieses Glas ist bald leer
Es enthielt nicht
Wie man glauben könnte
Wein oder Wasser
Aber Zeit
   


Freitag, 28. Oktober 2016

Voilà! Ein Gespräch mit ...


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Diesen Artikel aus NZZ Online, sendet Ihnen  ...
mit der Mitteilung:
voilà !
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«Es gibt das Böse um des Bösen willen»

Ein Gespräch mit Lars Gustafsson in Zürich


Als der wohl wichtigste Vertreter der zeitgenössischen
schwedischen Literatur ergründet Lars Gustafsson
seit 50 Jahren schreibend das Dasein. Auf
seiner Suche nach dem Menschen hat der Poet
und Philosoph diese Woche in Zürich Halt
gemacht und der NZZ seinen neuen Roman «Der
Dekan» entschlüsselt.

cav. Lars Gustafsson schafft ein Lebenswerk
in den verschiedensten Bedeutungen des Wortes.
Seine Gedichte, Essays und mittlerweile 17
Romane drehen sich um das Mysterium menschlicher
Existenz im Allgemeinen, den Umgang mit der
eigenen Fragwürdigkeit im Besonderen. Literatur
ist für den 1936 in Mittelschweden geborenen
promovierten Philosophen ein Experimentierfeld
zur Ich-Erkundung. Den Satz: «Ich probiere
Geschichten an wie Kleider» könnten wir uns
aber auch aus einem weiteren Grund als Motto
über Gustafssons Œuvre denken: Für den poeta
doctus, der seit zwei Dezennien an der University
of Texas in Austin Philosophie lehrt, sind
Reminiszenzen an Dante bis Nabokov und eben
Max Frisch Teil seines Spiels mit Biografie.
Tatsächlich lässt Gustafsson den Ich-Erzähler
Spencer Spencer am Schluss seines neusten
Romans, «Der Dekan», sagen: «Ich bin nicht
Spencer Spencer.»

Essen mit Frisch und Dürrenmatt

Mit Max Frisch übrigens hat Gustafsson zumal
während seines Aufenthaltes in Berlin in
den Jahren 1973 und 1974 oft und gerne verkehrt.
Bekanntschaft geschlossen hatten die beiden
im Frühjahr 1970, als Gustafssons Dreiakter
«Die nächtliche Huldigung» am Zürcher Schauspielhaus
in deutscher Übersetzung uraufgeführt wurde
und der anwesende Autor «mit Interesse verfolgte,
wie mein nicht-marxistisches Stück einer
marxistischen Interpretation unterzogen»
wurde. Im Interview mit der NZZ erinnert
sich Gustafsson überdies an ein gemeinsames
Nachtessen mit Frisch und Friedrich Dürrenmatt
im Restaurant Florhof. «Dieses Treffen ist
literaturhistorisch gewiss interessant. Ich
glaube, wir sprachen über Fischsaucen.»
Für Gustafssons poetisches Zeichensystem
ebenso wichtig wie der Anklang an andere
ist die Selbstreferenz. Jedes Buch erscheint
ein Stück weit als Kommentar eines Vorgängertextes.
Bei aller Originalität hat sich der Philosophendichter
aber lange mit dem literarischen Zeitgeist
bewegt. Seine frühen Arbeiten orientieren
sich am «nouveau roman», der in den 1970er
Jahren geschaffene Romanzyklus «Die Risse
in der Mauer», der den Autor in Schweden
lagerübergreifend in Misskredit gebracht,
in Deutschland dagegen zum geschätzten Intellektuellen
gemacht hat, steht zumindest vordergründig
im Zeichen der Bekenntnisliteratur. Seit
seiner Übersiedlung in die USA beschreibt
Gustafsson das Rätselwesen Mensch in immer
neuen verschachtelten Realitäten und Fiktionen.
Dabei eröffnet sich gerade in den jüngeren
Texten eine metaphysisch-religionstheoretische
Dimension. Nicht umsonst widmet der Zürcher
Theologiedozent Jan Bauke-Rüegg dem zum Judentum
konvertierten Schriftsteller in einer unlängst
erschienenen Studie ein ausführliches Kapitel.
Grossen Raum nimmt darin Gustafssons Behandlung
des moralisch Bösen im Roman «Die Sache mit
dem Hund» (1994) ein.

Saddam Hussein - personifiziertes Böses

Auch «Der Dekan» handelt vom Bösen: Der Philosophieprofessor
Spencer gerät in den Dunstkreis des Fakultätsvorstehers,
des Vietnamveteranen Paul Chapman, und wird
von diesem ins Unglück geritten (NZZ 24. 8. 04).
Im Gespräch entdeckt uns Lars Gustafsson
die Story als eine Paraphrase auf den «Faust»:
Spencer stehe für den Famulus Wagner, Chapman
sei Faustus. «Ein handfester Mephisto fehlt.
Teuflisch ist dafür die gedankliche Versuchung,
das Leben sei sinnlos. Der Teufel ist die
Nichtigkeit, von der im Roman die Rede ist.»
So handelt es sich beim «Dekan» um eine Kritik
an seiner eigenen, in den 1960er Jahren vertretenen
nihilistischen Tendenz? Gustafsson schmunzelt:
«Ich versuche einige Ideen und Begriffe so
weit in eine Richtung zu drängen, bis man
sieht, woraus sie bestehen.» Im Übrigen ist
er der Überzeugung, dass es «das Böse um
des Bösen willen» gibt. Gustafsson empfindet
es denn als «sehr befriedigend», wenn Präsident
Bush «hemmungslos vom Bösen spricht. Der
Anschlag auf das World Trade Center war das
reine Böse. Ebenso war Saddam Hussein einfach
nur böse.»
Gustafsson betont jedoch, er habe den «Dekan»
vor dem 11. September 2001 geschrieben. Mit
den «modernen arabischen Mördern», die im
Roman erwähnt werden, seien palästinensische
Selbstmordattentäter gemeint, nicht die Hijacker
der Kaida. Folglich lasse sich auch die verurteilende
Schilderung des Vietnam-Krieges im «Dekan»
nicht als ein Kommentar auf den zweiten Irak-Krieg
lesen. Gustafsson räumt freilich ein, dass
der Roman die Realität in einem gewissen
Sinne vorweggenommen habe. «Die Dichter haben
nun einmal etwas von einer Pythia.»
Apropos Blick in die Zukunft: Zurzeit arbeitet
die Pythia an einem Versroman, «der hoffentlich
weniger langweilig ist als Goethes ‹Hermann
und Dorothea›». Dessen Inhalt behält Lars
Gustafsson zwar noch für sich. Sicher indes
dürfte jetzt schon sein: Uns erwartet eine
mysteriöse Lektüre.

Montag, 24. Oktober 2016

Samstag, 22. Oktober 2016

Pausenbild


Foto: Chris

Tessin, die Sonnenstube der Schweiz





Mittwoch, 19. Oktober 2016

Die Amazonen




Liebe Malou
Ja ja ich weiss, ich kenne deine Situation schon einigermassen. Aber ich glaube, du musst doch einfach einen Weg finden, ...
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Am Samstag werden wir die Oper Penthesilea besuchen. Sie hat sehr gute Kritiken
" Penthesilea, Tochter des Ares, Königin der Amazonen, kam mit ihrem Heer dem Priamos zu Hilfe und fiel durch die Hand des Achilleus."

Das steht in meinem kleinen Mythologischen Lexikon, welches ich hier im Büro zwischen den Germanischen Sagen und den Grimmschen Märchen gefunden habe. Es ist sozusagen die Gymnasiasten-Ausgabe und schwer zensuriert. Ich werde dann zuhause noch die Variante sabbernder Gelehrter nachlesen.
 
Die Amazonen waren dieses Weiber-Volk mit eigenem Staat irgendwo drüben in der Nähe des Schwarzen Meeres. Penthesilea, eine Alpha-Dame mit diesem wunderschönem Namen, der die letzten 200 Jahre die erotischen Träume aller pubertierenden Gymnasiasten angefeuert hat, war deren Königin. Das Gerücht ging  um, die Amazonen hätten sich jeweils die rechte Brust wegschneiden lassen, um im Kampf mit Pfeil und Bogen nicht behindert zu sein. Das haben uns gar die prüden katholischen Geistlichen erzählt - ohne freilich genauer zu wissen, wovon sie redeten.. Perjodisch musste sich also dieser antike Frauenverein überlegen, wie sie es mit ihrer Nachkommenschaft anpacken sollten. Schon damals war offenbar  Nachhaltigkeit ein Punkt der Traktandenliste! Und so haben die Amazonen alle paar Jahre blutige Raubzüge unternommen, um ein oder zwei Dutzend tüchtige fortpflanzungsfähige Mannsbilder zu klauen und heimzuschaffen. Den Fakten ins Auge schauend: wir haben es hier geschichtlich mit den ersten  'Samenraub' zu tun.
Die Amazonen sollen also dort unten am Eingang zum Bosporus irgendwie auch auf dem Schlachtfeld des Trojanischen Krieges aufgetaucht sein, um sich - auf beiden Seiten der Front notabene - die prachtvollsten Kerle herauszupicken. Gerade das vertuscht die Gymnasiasten-Variante. Man stelle sich das vor. Der Kampf zwischen Griechen und Trojanern tobt fürchterlich. Das Blut spritzt in respektablen Fontänen. Und dann kommt da  ein Heer von adretten einbusigen Damen herangaloppiert und mischt sich zielbewusst in die tobende und brodelnde Schlacht.
Als die Damen ihre Herren schon gebunden und für die Heimreise gestapelt  hatten, da erspäht Penthesileas Auge noch den absoluten Superstar .Achilles. Sie kann es natürlich nicht lassen. Und es entwickelt sich zwischen den beiden antiken Promis ein merkwürdiges und einzigartiges Liebes- und Kampfspiel, welches der gute Schoeck dann mit besonderem Vergnügen vertont haben soll. Er - Schoek - meint, "Küssen" und "Beissen" reimten sich auf sonderbare Weise.
Ja, klingt alles ein bisschen verwegen. Wir werden sehen, ob wir schweissgebadet wieder aus dem Theater herauskommen?
Liebe Gs und Ks
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