Freitag, 31. August 2012

Verschiedene Welten


Ämne:  Mittwochs

Liebe Malou

Ja, die Feststellung, die Du erwähnst, habe ich auch schon gemacht. Wenn man etwas liest, das man vor Jahren geschrieben hat, ist man ganz erstaunt und ein wenig verblüfft, dass der Text von einem selbst stammt. Es ist ganz wunderbar, eine solche Erfahrung zu machen. Und mit den Bildern ist es auch so.
Schwierig ist es, solange man mit den eigenen Produkten verhängt ist, solange sie noch als Teil von einem selbst daher kommen. Dann sind sie der ganzen Kritik ausgesetzt, die man für sich und seinesgleichen hat. Ich habe in diesem Punkt immer behauptet, dass die Zeit heilt. Sie heilt hier ganz besonders. Und man sollte diese Tatsache weiter psychologisch analysieren, weshalb das so ist und wie man diesen Effekt nutzen könnte.
Es gibt ja doch Schriftsteller mit einer Schreibblockade. Sie schaffen es nicht, noch eine weitere Zeile zu schreiben. Hemingway war einer. Aber es gab und gibt noch viele andere. Ich glaube, dass sie mit diesem Phänomen zu tun haben. Und natürlich hat auch das Publikum noch damit zu tun. Die Berühmtheit eines Dichters kann eine schwere Hypothek sein, denn wer unbekannt ist, darf jeden Mist schreiben, hingegen der Bekannte steht sozusagen unter absolutem Erfolgsdruck.

Na ja, die Passage, die ich geschrieben haben soll, die Du zurückschickst, weil Du den Sinn nicht ganz erfasst, diese Passage verstehe ich auch nicht ganz ;--))
Ich wollte damit sagen, dass man für Rilke in sozusagen einer Stimmung eines Sufi sein muss. Er ist so kontemplativ und in allgemeinen Bezügen aufgehoben, dass nicht versteht, wer hart in den Interessenkonflikten des Lebens eingespannt ist. Ich glaube, ich kann ihm nur in sehr kontemplativen Momenten richtig folgen. Und wie Du sagst, er wohnt in einer ziemlich sublimierten Welt, weit enthoben von den praktischen Dingen des Lebens. Das kann wohl nur, wer von allen praktischen Nöten der Existenz erlöst ist. So gibt es eben verschiedene Welten, in denen man Leben kann. Und der Bewohner der einen versteht nur schlecht jenen der anderen Welt. Das ist schon alles.

---

Donnerstag, 30. August 2012

Etwas zum lachen




The lucky frog

A man takes the day off work and decides to go out golfing.
He is on the second hole when he notices a frog sitting next to the green.
He thinks nothing of it and is about to shoot when he hears,
"Ribbit.9 Iron."
The man looks around and doesn't see anyone.
"Ribbit.9 Iron."
He looks at the frog and decides to prove the frog wrong,
Puts his other club away, and grabs a 9 iron.
Boom!
He hits in 10 inches from the cup.
He is shocked.
He says to the frog, "Wow that's amazing. You must be a lucky frog, eh?"
The frog reply's "Ribbit. Lucky frog."
The man decides to take the frog with him to the next hole.
"What do you think frog?" the man asks.
"Ribbit. 3 wood."
The guy takes out a 3 wood and Boom! Hole in one.
The man is befuddled and doesn't know what to say.
By the end of the day, the man golfed the best game of golf in his life and asks the frog,
"OK where to next?"
The frog replys,
"Ribbit. Las Vegas."
They go to Las Vegas and the guy says,
"OK frog, now what?"
The frog says "Ribbit. Roulette."
Upon approaching the roulette table, the man asks,
"What do you think I should bet?"
The frog replies, "Ribbit. $3000, black 6."
Now, this is a million-to-one shot to win, but after the golf game,
the man figures what the heck.
Boom!
Tons of cash comes sliding back across the table.
The man takes his winnings and buys the best room in the hotel.
Hi sits the frog down and says,
"Frog, I don't know how to repay you.
You've won me all this money and I am forever grateful."
The frog replies, "Ribbit, Kiss Me."
He figures why not, since after all the frog did for him he deserves it.
With a kiss, the frog turns into a gorgeous 15-year-old girl.

"And that, Your honour, is how this girl ended up in my room."




Mittwoch, 29. August 2012

Mittwochs


.
Sonnenanbeter  -   Uppsala August 2012



Ämne: RE: mittwochs...

Lieber ...,
Ja, das mag ich. Wenn du zugibst, dass du deine eigenen Worte nicht verstehst.. ;-))) Aber, weisst du, intuitiv glaube ich sie doch zu verstehen. Du bist eben ein wenig ausgewandert aus diesen höheren Sfären. Vielleicht nimmt dein RL im Moment die Überhand. So ist es zeitweise und man kann nichts dagegen haben. Du bist übrigens der einzige mit dem ich bisher über die Genialität von Rilke sprechen konnte ohne enttäuscht zu werden. Vielleicht ist es unser katholischer Hintergrund.. :-)

*
Ich glaube, du versuchst mich abzuprogrammieren.. verstehst du wie ich das meine? Diese verzehrende (;-))) platonische Liebe, die ich für meinen Mausfreund habe, kann man schwerlich für ein altes Opachen aufbringen, das laut im Zug schnarcht..
oder vielleicht doch???

Ach, ..., lass mich so sagen: ich bin verhext von deinen Mails, von deiner Art die Welt zu betrachten und zu beschreiben. Es ist gut, dass du mir ab und zu klarmachst, dass du ein Mensch bist mit menschlichen Eigenschaften.

Hier strahlt die Sonne zum Fenster herein. Ich habe Lunchpause und bin nach Hause gefahren. Draussen war es heute überraschend kalt. Man merkt es sofort, wenn man vor die Tür tritt, dass die Luft eisig ist.. und dann natürlich auch am Benehmen meines Golfes. Er startet brav wie immer aber er murrt ein bisschen über die Kälte.
Sollte ich mich vielleicht doch eine Weile in die Sonne setzen? Aber es ist wirklich nicht gut für die Haut. Ich sehe es an meiner Nachbarin. Sie ist eine wahre Sonnenanbeterin und verpasst keine Gelegenheit "schön braun zu werden". So sieht ihr Gesicht auch älter aus als meines obwohl sie 15 Jahre jünger ist. Na ja, sie raucht auch. Das kann dazu beitragen.

Wir hatten wieder unsere kleine informelle "Kaffee-konferenz" heute. Das ist immer eine nette Gelegenheit sich gemütlich mit den Kollegen zu unterhalten. Å und G, die beide diesen Herbst ihren Beruf verlassen wollen, geniessen schon die erwartete Freiheit. Fast täglich teilt mir Å mit "heute habe ich zum letzten mal.." und man sieht dass er glücklich ist darüber. Wenn ich bedenke, wie sehr er früher an diesem Beruf hing und sich darüber freute.. Er hat wirklich immer sein Ganzes gegeben. Aber die Schule ist eben in den letzten Jahren etwas geworden, was fast ein jeder gerne hinter sich zurücklassen würde. G geht ja früher und er zeigt mir immerzu, dass man dabei nicht besonders viel an Einkommen verliert.. er versucht mich zu überreden auch zu gehen. Und diejenigen, die noch viele Jahre zu tun haben, beneiden die älteren um ihr Alter..
Ist es nicht schrecklich? Da ist doch irgendetwas nicht in Ordnung.
*
So, nun werde ich mir was zu essen machen..
Ich grüsse dich lieb, mit Hs und Ks wie immer,
Malou
Schick mir doch noch ein paar Zeilen, falls du nun voll erwacht bist.

Montag, 27. August 2012

ein Tea Room im alten Visp



den 22 juli 2003 09:58
Re: Blütenfrische :-)

Liebe Marlena
Die Blütenfrische hält an. Sie hält schon deshalb an, weil ich, ohne ein kleines Mail zu schreiben, gar nicht richtig in den Tag hineinkomme. Es ist wie ein dicker Vorhang, der da hängt. Und er ist schwer und träge und gibt kein Zeichen, was sich dahinter alles verbergen könnte. Es braucht in der Tat ein kleines Ritual, um um diesen schweren Vorhang herumzukommen.
Das erinnert mich an ein Tea Room im alten Visp. Tea Rooms waren zu meiner Jugendzeit im Wallis nocht nicht entdeckt. Es gab jede Menge Wirtschaften, die Wein und Bier ausschenkten. Und es war üblich, dass jeder mündige Bürger mindestens einmal im Tag dort vorbeiging. Besser nocht mehrere Male. Aber das war nichts für Frauen, vor allem nicht für Frauen, die allein ein Lokal aufsuchen wollten.
Aber in Visp gab es ein Tea Room. Es hiess Jäger, was ein häufiger Name war. Ursprünglich eigentlich aus Turtmann. An das Tea Room Jäger kam man geradewegs heran, wenn man vom Bahnhof an der Post vorbei herunterkam. Es lag an prominenter Stelle. Aber es war nur eine Fensterreihe. Man konnte nichts sehen. Und hinter der Eingangstüre hing ein schwerer Vorhang, so dass man nicht einfach hineinschauen konnte.
Für mich als Junge war das ein sehr geheimnisvolles Lokal, und wohl auch etwas anrüchig. Ich konnte mir nicht vorstellen, wer dort drinnen sass. Etwa zwei oder drei mal stand ich an diesem Vorhang, aber ich konnte nichts sehen und wagte nicht, den dicken schweren Stoff - es muss ein lederartiger Filz gewesen sein - zurückzuschieben. Ich machte mir einfach bloss hocherotische Vorstellungen. Ich wusste, das hat etwas mit Erotik zu tun, etwas, wo sich die Frauen eher verstecken als zeigen, und wo die Männer unerkannt bleiben wollen. Das war bestimmt sehr übertrieben. Aber das Café Jäger sah ich als so eine Art Venus-Falle.

Erst viele Jahre später wurden zwei oder drei andere Tea Rooms eröffnet. Sie kamen richtig in Mode, nicht nur in Visp, überall. Und sie sahen alle ziemlich ähnlich aus und waren abends soviel wie leer, denn die Männer gingen weiterhin in die Wirtschaften. Und nur ab und zu sassen zwei oder drei Frauen, die nach dem Vereinsabend noch einen Schwatz wollten, nur dnn gingen sie in solch ein Tea Room.
*
Immer noch ...

Sonntag, 26. August 2012

Herbstlied

.

 
Blick durch's Fenster 
 
 
Liebe Marlena 
 
...
 
Du kennst das schöne Herbstlied oder Herbstgebet von Rilke.

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr gross.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Es ist so schön und bekannt, dass man es kaum mehr zitieren darf. Ich habe mir dazu immer die Landschft Rarons vorgestellt, obwohl das Gedicht eigentlich 1902 in Paris entstanden ist. Aber es gibt in Raron und Umgebung alles, was hier beschrieben wird: die Fluren mit dem Wind, die Rebberge mit dem Wein (der zwar im Wallis nicht allzu schwer ist) und vor allem die Allee. Die Alleen sind eine kleine Spezialität im Wallis. Es gibt sie sonst nicht mehr oft in der Schweiz. Hier stammen sie noch aus der Zeit Napoleons, als das Tal als Département Simplon für kurze Zeit zu Frankreich gehörte.
Und wenn Du Marlena einmal einen Herbst im Wallis erleben wirst, dann weißt Du schnell, was es ist, das mich sosehr an diese Landschaft bindet. Man kann es nicht mit Worten beschreiben, aber ich habe all diese Sensationen noch in meinem Körper, zusammen mit der Erinnerung an jene Sehnsüchte, unter denen man als junger Mensch zu schmachten pflegt. Das Wallis ist die Provence der Schweiz. Und eigentlich müsste ich Dir dieses Goldgelb der Lärchen beschreiben, das um diese Zeit unter der warmen Herbstsonne langsam an den Berghängen heranreift. Es ist die Zeit, da man an den Wochenenden unter blauem Himmel an irgend ein hübsches Plätzchen fährt, um eine Raclette zu geniessen. Hat Dir der Visper erklärt, was eine Raclette ist? Du würdest sein Heimweh enorm schüren, wenn Du ihm davon erzählst. Raclette ist eine Käsespeise. Man lässt einen halben Käse am Stück an der Glut eines Holzfeuers schmelzen und streicht nach und nach mit einem grossen Messer die Portionen direkt auf den Teller. Dazu gibt es Pellkartoffeln, Cornichons und natürlich jede Menge weissen Weines. Weil man immer wieder warten muss, bis man die nächste Portion Käse bekommt, gibt es genug Zeit zu plaudern oder die Ameisen, die einen in den Hintern beissen, zu vertreiben.
*
Du schreibst so schön und Deine Übersetzung des poetischen Textes ist gekonnt. Sowas ist wirklich sehr schwer zu übersetzen. Und es gefällt mir sehr, wie Du Deine Ferien und Deine Erinnerungen auskostet, indem Du dieses Buch noch- und nochmal liest und anschaust. Ich würde das ganz ähnlich machen. Nein, dass Kaiser Tiberius von dort aus regiert hat, das wusste ich nicht, vielleicht nicht mehr. Es ist mir wirklich sehr sympathisch, wie Du das machst. Es ist das Bemühen, sozusagen eine Art Zärtlichkeit zum Ferienort zu gewinnen. Das ist schön. Ich finde die moderne Art, Ferien zu machen, absolut barbarisch, wenn man einen Ort überfällt und besetzt und dann wieder geht, ohne ihn wirklich kennengelernt zu haben. Die Deutschen sind ein bisschen so, denn sie wollen überall ihre Würstchen essen und fühlen sich dann sehr deutsch. Ich meine nicht, dass man unbedingt Bücher lesen muss. Das tun ja die wenigsten. Aber dass man das Andere und das Eigene des Ortes, seinen fremden Reiz wirklich erkundet. Und wenn Du mir davon erzählst, kommt bei mir auch die Lust, mich damit zu beschäftigen. Aber ich kann mich nicht mit allem beschäftigen. Ich geniesse es, von Dir zu hören und Deine Begeisterung herauszuspüren.
*
Und dann das schöne Bild von Pissarro ...

...

Donnerstag, 23. August 2012

Orphei Drängar

O Djuret på OD:s plats i Uppsala
  


 
 
 
 
 

Montag, 20. August 2012

Freitagabend


Ämne : Freitag
Datum : Fri, 23 Nov 2001 22:23:07 +0000

Lieber ...,
Ja, ich stimme dir zu. Der Freitagabend ist wirklich der schönste Moment der Woche. Endlich kann man sich entspannen und der Montag scheint noch ziemlich entfernt. Alles was darauf wartet getan zu werden kann man zumindest bis morgen aufschieben und ich fühle mich herrlich frei. Das in den Wochen ziemlich stille Haus ist von lauter Musik erfüllt und es duftet herrlich nach guten Speisen. Das tut es ja auch öfters während der Woche, aber jetzt stehe nicht ich am Ofen sondern ich lasse mich überraschen. Ich habe immer den Eindruck dass K wie ein Wirbelwind ins Haus fährt, der alles aufstöbert. Er sorgt wirklich für Abwechslung in unserem Leben aber zum Glück doch nur bis Sonntag Abend. :-) Dann sind wir alle froh wieder unsere Ruhe zu haben. Natürlich auch er. Wenigstens vermute ich dass es so ist.
*
Jetzt haben sie sich für ihr Reiseziel entschieden. Es soll eine superinteressante Reise durch Bulgarien werden. Und Plovdiv steht auch auf der Tagesordnung. Von dort kommen gute bulgarische Weine. T ist nach ihrer Fussoperation wieder zurückgekehrt. Schon fast fünf Wochen lang hat K einen Teil ihrer Arbeit gemacht. Eigentlich sollte sie erst Mitte Dezember wieder anfangen zu arbeiten aber sie hält es einfach nicht mehr aus zu Hause. Und auch ihr Mann freut sich darüber, denn er hat keine ruhige Minute wenn sie zu Hause ist und ihn dauernd herumkommandiert. Jetzt sitzt sie im Rollstuhl, hat aber herausgefunden dass man sich vortrefflich mit einem gewöhnlichen Bürostuhl zwischen den Klassenzimmern bewegen kann. Und das tut sie.. :-)
*
Wir haben uns endlich von unseren Erkältungen erholt. Wenigstens das.. Übrigens muss ich dir sagen, bevor ich es vergesse, dass auch Anna gerade das Buch von Hamsun liest. Die ganze Klasse muss es lesen. Ich habe den Film gesehen und kann mich nur noch schwach erinnern dass er mich etwas angeekelt hat. Vielleicht war es nur der Schauspieler der die Hauptrolle hatte. Die Handlung spielt in Kristiania, ein älterer Namen für Oslo. Wie bist du auf den Gedanken gekommen gerade dieses Buch zu lesen wo es doch so viele zu wählen gibt?

Ich liebe wirklich das Buch von Naipaul "A house for Mr. Biswas". Es ist schön geschrieben und manchmal denke ich dabei "diese Zeilen könnten von dir sein". Ja, seine Art zu schreiben erinnert mich in der Tat an die deine. Ich finde du solltest es lesen. Und dann solltest du dir zusammen mit mir die Sendung von dem Nobelfest anschauen. Ich habe neulich ein interessantes Programm über die früheren Literaturpreisträger gesehen. In diesem Jubiläumsjahr zeigt man viele verschiedene Dokumentarfilme über die vergangenen 100 Jahre des Nobelpreises.
*
Du schreibst in letzter Zeit ziemlich oft von deiner Heimat, dem Wallis und ich lese viel Sehnsucht aus deinen Worten heraus. Vielleicht wäre es doch eine schöne Gegend für eine Weihnachtsfeier. Gerade Südafrika zieht mich eigentlich auch nicht besonders an. Und so wie du es in deinem heutigen Mail beschreibst klingt es eher abschreckend. Aber Island? Zu dieser Jahreszeit??? Sogar oben in Norrland werden viele Leute im Winter "lappenkrank" wie wir sagen. Der ständige Mangel an Licht macht sie deprimiert. Ich bin neugierig für was du dich schliesslich entscheiden wirst. Warum nicht ganz einfach zu Hause bleiben in deinem schönen Heim und nur einen kurzen Ausflug zu deinem Bruder ins Wallis machen?
*
Und morgen Abend triffst du also auch Leute aus dem Wallis. Schade dass ich euch nicht zuhören kann. Und schon wieder eine neue Liebe verrätst du mir. Ja. man vergisst sie nicht, die Leute die man in seinem Leben geliebt hat. Manchmal glaube ich du hättest gar nichts dagegen dass wir uns auch von solchen Dingen erzählen würden (wie Sartre und Simone).
*
Ich sitze in Annas Zimmer und schaue auf die grosse Birke hinaus die nur noch etwas Laub trägt und sparsam von einer Strassenlaterne beleuchtet ist. Die Nachbarn gegenüber (beide Studienräte) sind verreist und in den anderen Häusern scheint auch Stille zu herrschen. Die Nachbarin links gegenüber hat schon ihre Weihnachtsgardinen aufgehängt. Das ist am ersten Advent ein "muss" für alle Hausfrauen mit ein wenig Selbstachtung. Aber sie beginnt immer etwas früher und gibt somit den Startschuss zu den "Weihnachtsaktivitäten". Man sagt dass man bei uns vom 1. Dezember bis zum 6. Januar feiert.
Es ist schön dass bald Dezember ist. Denn dann leuchten in allen Fenstern Sterne und Kerzenleuchter und die grosse Finsternis wird auf einmal durch ein schönes warmes Licht verjagt. Nikolaus feiern wir ja nicht aber dafür wird der Luciatag am 13. Dezember ganz gross gefeiert und in allen Zeitungen sieht man im Moment Bilder von schönen jungen Mädchen die zur Lucia gewählt werden möchten.
*
Ich werde jetzt zu Bett gehen mit einem guten Buch.
Wünsche dir einen schönen Samstag. Ich weiss, dass auch du sie liebst, die ungestörten freien Stunden. In Gedanken setze ich mich hinten in den Sessel, dort vor dem Bücherschrank (oder hast du ihn woandershin gestellt?) und beobachte dich still ohne dass du es merkst.
Ja, das würde ich gern tun.
Mit einem lieben Freitagabendgruss,
Marlena

Sonntag, 19. August 2012

V.S. Naipaul


Ämne: SaNa
Datum: den 17 augusti 2002 15:44

Ein Kosmopolit zwischen allen Stühlen

V.S.Naipaul/ Der Literatur-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres feiert
morgen seinen 70. Geburtstag. Der in Trinidad geborene Schriftsteller lebt
seit 1953 in England. Seine weiten Reisen liefern ihm Material für seine
Bücher.

Von Hana Goodhart

London. Der britische Schriftsteller V.S. Naipaul wird von Literaturkennern
und Millionen Lesern hoch geschätzt, aber von kaum jemandem wirklich
geliebt. Morgen wird der Nobelbreisträger 70 Jahre alt.
Ob mit Frauen oder Schwulen, mit Moslems oder der britischen
labour-Regierung und gar mit anderen Schriftstellern - der Nobelpreisträger
des vergangenen Jahres hat es sich in seinem Leben schon ziemlich mit allen
verdorben. Er wird schnell verletzend, ist unbeherrscht und duldet keinen
Widerspruch. Viel Feind, viel Ehr, scheint sein Motto zu sein.
Viele Schriftsteller bezeichnen sich als kosmopolitisch, Naipaul ist es
wirklich. Geboren wurde er auf Trinidad als Nachfahre indischer Einwanderer
in einer multikulturellen Umgebung. Mit 18 Jahren erhielt er ein Stipendium
für Oxford, wo er 1953 sein Examen ablegte. Seitdem lebt er in England,
verbringt aber einen grossen Teil seiner Zeit mit Reisen in Asien, Afrika
und Amerika. Aus diesen Reisen sind die meisten seiner Werke hervorgegangen.

In der Nachfolge seines Debütswerks "Der mystische Masseur" (1957) wurde
"Ein Haus für Mr. Biswas" (1961) der erste grosse Bucherfolg des Autors.
Darin mischt er in einer für ihn typischen Weise Autobiografisches und
Dokumentarisches mit Fiktionalem, gestaltete die Hauptfigur nach seinem
Vater.

Einer der schärfsten Kritiker des heutigen Islams
In seinen zahlreichen Büchern befasst sich Naipaul immer wieder mit der
zerstörerischen Wirkung des Kolonialismus, so in "Gueruillas" (1975) und "An
der Biegung des grossen Flusses" (1979). Als er in diesem Jahr allerdings in
Neu Delhi an einer Podiumsdiskussion teilnahm und dort indische Autoren die
Folgen des Kolonialismus beklagten, fuhr der Autor aus der Haut. "Das ist
alles 50 Jahre her. Ueber welchen Kolonialismus reden Sie?", fragte er
erregt. Schriftstellerinnen, die über die Unterdrückung von Frauen
gesprochen hatten, herrschte er an: "Wenn ich das Wort Unterdrückung schon
höre! Banalität irritiert mich."
Naipaul ist auch einer der schärfsten Kritiker des Islams, den er oft mit
dem Kolonialismus vergleicht. Heute seien es die Moslems, die versuchten,
andere Kulturen zu versklaven und auszulöschen.
"Um zum Islam konvertieren zu können, muss man seine Vergangenheit, seine
Geschichte zerstören. Diese Abschaffung des Ich, die die Moslems verlangen,
ist schlimmer als die Vernichtung der kulturellen Identität durch den
Kolonialismus - viel, viel schlimmer ", meint der Schriftsteller.
Trotz der stark gesellschaftskritischen Ausrichtung seiner Bücher sagt
Naipaul von sich, es gebe keinen politischen Leitgedanken, an dem er sich
orientiere. Er habe sich immer allein von der Intuition lenken lassen. Er
beobachte und registriere, versuche aber nie, seine Erfahrungen in ein
vorgefasstes Weltbild einzuordnen.
"Sie dürfen nicht versuchen, einen Sinn zu erfinden", betont er, "wenn Sie
es hrausputzen, entstellen Sie es." Als ihn ein Leser einmal fragte, was er
mit seiner Schriftstellerei bezwecke, antwortete er: "Meine Absicht ist es,
Bücher zu schreiben".


Liebe Marlena

Das also ist jener Typ, den Du mir wiederholt so warm empfohlen hast! Und
dazu gab es hier in der Regionalzeitung auch noch ein Bild von diesem Typen.
Er sieht auch nicht besonders appetittlich aus. So, wie sein Charakter oben
beschrieben worden ist, so sieht er aus. Ich würde mit ihm als Clochard nur
sehr ungerne den Brückenbogen teilen. Ich würde ihm kaum mein Sackmesser
leihen. Ich würde ihn nicht aus meiner Flasche trinken lassen. Gut,
vielleicht würde ich angesichts eines Hungers mein Brötchen halbieren. Aber
wohl eher, um ihn zu besänftigen denn aus Sympathie zu diesem Typen. Das
einzige, was mich an seiner Biographie imponiert ist die Tatsache, dass er
in Oxford studiert hat. Mit einem Stipendium, wohlgemerkt. Also muss er
mindestens in jungen Jahren ziemlich begabt gewesen sein. Heute brilliert er
mit ausgesuchter Arroganz. Und das ist doch keine britische Eigenart!
Aber vielleicht hast Du trotzdem recht, Marlena, wenn Du seine Bücher lobst.
Man soll ja die Person des Autors nicht mit dem Buch vermischen. Auch wenn
es realiter ein solches Gemisch darstellt. Ich werde also Deinen Tipp
nochmals überschlafen, wie ich doch so vieles in meinem Leben über- manchmal
sogar verschlafe.
*
Ich habe in meiner Bibliothek eine Biographie über Stendhal gefunden. Das
ist ein unbekannter Autor. Und dass ich auf Stendhal komme, hängt mit der
Biographie über Nietzsche zusammen, die ich soeben gelesen habe. Offenbar
war Nietzsche ein begeisterter Stendhal-Leser und lobte ihn über Massen. Und
wenn ich Nietzsche lese, muss ich doch sehr annehmen, dass er einen Sinn für
Qualitäten hat. Also Stendhal. Im Grunde genommen hatte ich allerdings in
meinen Bücherschränken in der kleinen Wohnung nebenan nach einem kleinen
Taschenbuch von Annemarie Schwarzenbach gesucht. Sie ist gerade daran, in
der Schweiz entdeckt zu werden. Schwarzenbach war eine Journalistin und
Schriftstellerin aus reichem Hause, war eng befreundet mit den Mann
Geschwistern, in Erika sogar verliebt, und reiste anfang letzten
Jahrhunderts mit einer Genfer Journalistin in den Iran und nach Afghanistan.
Sie hat - hör mal an - in Teheran geheiratet. Allerdings tat sie es mit
einem Diplomaten aus der französischen Botschaft, der offenbar schwul war.
Doch bei den Manns lernte sie vor allem die Heroinsucht und war Zeit ihres
Lebens nicht mehr davon gekommen. Sie hatte sich längst mit ihrer Familie
überworfen, nun war sie abgeschrieben. Aber sie hatte natürlich noch Geld
von ihnen und fuhr mit einem riesigen Cabriolet auf schütteren Schweizer und
europäischen Strassen herum. Sie starb an einem Sturz vom Velo in Sils. Das
ist akkurat jenes Sils, in dem Nietzsche mit seinem Zarathustra rechtete und
die Welt auf die Rundbahn der ewigen Wiederkehr schickte und über dessen
Licht ich eine Kurzgeschichte zu schreiben versprochen habe. Vor einigen
Jahren hatte ich ein Büchlein von Schwarzenbach zufällig in einer
Buchhandlung gefunden und gekauft. Und jetzt, so dachte ich mir, könnte ich
es endlich lesen. Aber ich finde es bei Gott nicht mehr.
Du musst wissen, dass ich bei meinen Dingen immer wieder in dasselbe Dilemma
gerate. Ich suche zuhause, nestle ein wenig in meinen Dingen herum, um
schnell zur Ueberzeugung zu kommen, dass ich das Ding (meist sind es Bücher)
wohl im Büro auf dem grossen Gestell habe. Also suche ich am nächsten Tag im
Büro, um wiederum in Relativ grosser Eile zum Schluss komme, dass ich
vielleicht doch besser zuhause etwas genauer suchen sollte. Wie muss man
sich ein solch unökonomisches Verhalten erklären? Ich glaube, ich suche so,
wie man suchen würde, wenn man nur einen Raum absuchte. Erst sucht man
oberflächlich, weil man denkt, man fände das Gesuchte schon irgendwie. Erst
wenn das nicht gelingt, schaltet man sozusagen einen Gang höher und sucht
intensiver, öffnet jetzt schon Truhen, schaut bei Büchern, die in der
zweiten Reihe stehen und so fort. Und dann gibt es wohl bei den meisten
Menschen noch einen dritten Gang, wenn sie schimpfend und säufzend alles
ausräumen, um es dreimal zu drehen und wieder hineinzustellen. Ökonomisch
wäre in meiner Situation also, wenn ich bei der Suche gleich mit dem zweiten
Gang anfangen würde, Oder ich sollte am 2. Ort nach einiger Zeit gleich in
den 2. Gang schalten. Ach, Du weißt bestimmt, was ich meine. Aber ich finde
das Buch trotz meiner 6 Gänge einfach nicht und nirgendwo!

Aber Bücher zu suchen hat auch seinen Reiz. Meist findet man alte Bekannte,
treue Seelen und da und dort leicht vergilbte Unbekannte, die man dann
schnell wieder identifiziert und vielleicht dieses Mal Feuer fängt. Bei der
Suche habe ich auch einige kleine Bände von Sempé wiedergefunden. Du kennst
doch Sempé. Er ist mein Lieblingszeichner lange gewesen. Ich glaube, wenn
ich mir nicht sehr Mühe gebe, ähneln sich meine Figuren, die ich zeichne,
allzu sehr den Sempé Figuren, all den kleinen Figuren, die vor den
Pariserkulissen dahineilen und ihr Glück suchen. Ich habe soeben eine kleine
Würdigung in der NZZ gelesen. Ich schick sie Dir. Sempé darf man nicht
verpassen. Er ist ein Philosoph des Alltags und vor allem des französischen
Alltags.

Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende
Mit einem lieben Gruss

Freitag, 17. August 2012

Feste und Festkomitees


Lieber ...!
...

Je mehr du mir schreibst um so mehr wundere ich mich dass es überhaupt Menschen wie du auf der Welt gibt. ....

Leider gehöre ich nicht mehr zu der Generation die viel klassische Bildung besitzt. Meine älteren Kollegen (die jetzt schon in Rente sind) besassen sie noch und wir erfreuten uns immer sehr an ihren Reden bei den grossen Festen die wir öfters zusammen arrangierten.

Noch länger zurück sass ich in einer Festkomitee (so 10 Personen)
die die Aufgabe hatte grössere Feste (für bis zu 100 Personen) zu
arrangieren. Wir trafen uns ab und zu um das nächste Fest zu
besprechen. Erst assen wir gut zusammen (und tranken ;-) und
vergassen dabei schnell warum wir uns eigentlich versammelt hatten.
Erst spät in der Nacht (kurz vor dem Nachhausegehen) erinnerten
wir uns an unsere Aufgabe und so "ajournierten" wir uns bis zum
nächsten "Festkomitee-fest". .


Weder früher noch später haben wir uns so oft und gründlich
amüsiert wie in den Jahren. Und ein richtiges Fest fragst du
vielleicht? Ja, ich glaube mit der Zeit hat auch ein solches
stattgefunden ;-)

Verstehlicherweise sind diese Feste bei der erhöhten Arbeitsbelastung ins Grab gegangen und heutzutage feiern wir eigentlich nur noch grosse Geburtstage. Es hat natürlich auch mit dem Alter zu tun. Damals gab es noch viele Junggesellen unter uns und da ist es ja leichter etwas rauszukommen.
....

Liebe Marlena
Ich kann mir Dein Festkomitee, von dem du sprichst, sehr gut
vorstellen. Es ist wie eine Karikatur. Ein Festkomitee, das nur für
sich selbst Feste organisiert, wie ein Arzt, der sich selber pflegt,
ein Opernsänger, der für sich selber singt, ein Hochspringer, der
über den eigenen Schatten springt. Das ist eigentlich eine geniale
Erfindung. Ich denke, das sollte man an schweizerischen Schulen
auch einführen. Das ist gut für Leib und Seele. Das hilft den Lehrern,
ihre alltäglichen Sorgen zu vergessen. Und dabei ohne Gewissensbisse,
denn diese Feste sind im Grunde harte und anstrengende Arbeit, sie
sind lange und intensive Vorbereitungen auf das eine grosse und
gloriose Fest, sie sind alle ernste Hauptproben für diesen einen
historischen Höhepunkt, der allerdings nie stattfinden wird. Das
ist geradezu kafkaesk. Oder ein Theatergedanke von Friedrich
Dürrenmatt! (Kennst Du diesen Schweizer Schriftsteller ?) Wenn
Ihr noch ein Mitglied für dieses Festkomitee sucht, falls noch ein
Sitz frei ist, ich melde mich sofort! Schicke mir das Anmeldeformular,
ich bitte Dich. Oder muss man dazu Lehrer sein. Das bin ich nun
leider nicht!

---------

Donnerstag, 16. August 2012

Beispiel einer Rede

bei einem Fest für einen Kollegen


Omfale

Epithalamium

En brandman genom taket föll
men hjärtat slog och bena höll.

Från detta fall vår brandman bars
mot värre fall, som vederfars

de flesta män. Det fallet är
att vurte velig och bli kär.

I detta fall finns tvenne val.
Ett är att fly ur Fröjas sal

och tänka så att hellre snöpe
man någonting hos Långe Löpe

än att han stannar och blir kvar
likt Herakles i strängt förvar

som sländans trissa snor, tvi vale,
i bojor tvingad av Omfale,

och Hermes lik, men vingen bräckt
och snabba hälens framfärd stäckt.

Det andra valet är ett fall
där hjärtats sång och fröjdetrall

bevekar manlig frihetsdröm,
gör pulsen snabb och tanken öm

och lockar med en hymens krans
att speglas uti phallisk glans.

Nu valet gjorts, och sitter här
gör velig brandman som blitt kär.

Hör här den fröjd som förestår
den Långskånk som i äktsäng går.

Du får gå armkrok med ditt viv
som tuppen stolt med långa kliv.

Du äger, enligt gotländsk sed,
en hälft att spänna rövkrok med.

Du vaknar, morgonpigg och rask,
med annan håg än biskop Brask.

Du får en kocka, som förstår
den väg som snabbt till hjärtat går

och du får äran lära hur
en skåning visslar uti dur,

ty vet att stadens  egen skåning
har slagit världen med förvåning

och den ädla konsten röjt
att bruka udda lem som flöjt.

Av honom lär du att briljera
och sotto voce kvintilera.

(inlagt som en bonus till ev. svenska läsare, som kämpar tappert med tyska språket)

Vielleicht zu gewagt...

Lieber ...

Am Mittwoch geben unsere Kollegen ein grosses Fest für uns drei...
Es wird in einem der Gebäuden des Freilichtsmuseums stattfinden.
Das ist ein schönes gemütliches Lokal, wo wir schon mehrere Feste
gefeiert haben.
Der Kulturjournalist, (ein ehemaliger Kollege und Freund von mir) hat
mich in einem Mail gefragt, ob ich es wage, ihn eine Rede für mich
halten zu lassen. Na ja, vielleicht ist es wirklich gewagt, denn P,
der früher immer die Zensurmühle gedreht hat, ist nicht mehr dabei.
Aber der Mann hält wunderbare Reden, und er wird sicher auch für uns
drei ein paar unvergessliche Worte finden.

---

Nun lasse ich dich wieder und wünsche dir alles Gute für den Rest des Tages,
Gruss und Kuss,
Malou

Mittwoch, 15. August 2012

Kästner und Rinser

Lieber ...
Ich war eigentlich etwas erstaunt als ich sah dass Erich Kästner die Geschichte von dem schweigsamen Fräulein geschrieben hatte. (Sie steht in einer kleinen schon veralterten Anthologie, zusammengestellt für das Gymnasium). Eine andere kleine Geschichte aus demselben Buch ist "Ein alter Mann stirbt" von Luise Rinser. Sie ist traurig und schön und zeigt wie kompliziert das Verhältnis zwischen Eheleuten sein kann. Sie endet mit den Worten:
"Altersschwäche", schrieb der Arzt auf den Totenschein. Ich aber begriff, woran sie gestorben war, und mich schauderte davor, zu sehen, was für unheimliche Formen die Liebe annehmen kann."
Damit wäre ich wieder ganz unwillkürlich bei meinem Lieblingsthema gelandet ;-)
---
Heute werde ich einen stillen Abend im Kreis der Familie verbringen. Das wäre fast unmöglich gewesen bei meinen Eltern... Immer war etwas los und das Haus voller Gäste wenn wir nicht selbst wo eingeladen waren. Mein Onkel liebte es Menschen um sich zu haben, je origineller desto besser. Schauspieler, Sänger, Künstler und Weltenbummler ohne eigentlichen Beruf mengten sich zu unseren nahen Freunden. Es wurde gelacht, getanzt und gesungen bis in die späte Nacht. Ich hatte an solchen Abenden oft eine Kusine in meinem alter zu Besuch und wir schlichen leise die Treppe hinunter um einen flüchtigen Blick (?) von diesem heimlichen Leben der Erwachsenen zu bekommen.

Dienstag, 14. August 2012

Re: mimo


Subject: 2
Date: Wed, 9 Apr

Liebe Marlena
Glückspilz Du, kannst zuhause herumsitzen und den Tag vor Dich herschieben.
Eigentlich sollten dann Deine Mails gegen 10 Seiten erreichen. Oder seien
wir gnädig, sagen wir 8.
*
Ach, Du meinst unsere §§ seien die Tabuzone. Na ja, das sind eigentlich keine
Tabus, das sind Verbote. Es scheint mir, Du wolltest rasch aufräumen mit der
Tabuliste. Ich akzeptiere aber, dass es persönliche oder intime Dinge gibt,
über die man nicht per 'Postkarten' - wie es das Mail eigentlich ist -
palavern sollte. Die totale Transparenz bringt mehr oder weniger Unglück.
Das sollte man sich nicht antun. Es ist eine enorme menschliche Fähigkeit,
von sich selbst Abstand nehmen zu können. Das Ekzentrische beim Menschen,
das ist das Menschliche. Es wird sichtbar beim Lachen und beim Weinen, wie
Plessner behauptet. Nur die Jungverliebten wollen die Grenze zwischen sich
und dem anderen total aufheben, wollen einen freien Grenzverkehr ohne Wenn
und Aber. Doch die Jungverliebten haben auch noch nichts zu verbergen. Sie
sind -sozusagen- eben erst auf die Welt gekommen. Auch die Babies ermahnen
wir nicht, sie sollen nicht lügen. Sie können es gar nicht. Dieses Mimikry
haben sie noch nicht entdeckt.
*
Und gleich noch zweite Glückssträhne: beim Zahnarzt ohne Loch. Dieses
Ereignis würde ich auch mit einer Schokoladen-Orgie feiern. Kein Zweifel.
Ich habe, um meine Ehrlichkeit auf die Spitze zu treiben, heute morgen auch
Schokolade gegessen. Das spricht für eine Phase des frustrierten
Ungücklichseins.
*
Überigens bin ich weder Katholik noch eingefleischter Protestant, schon gar
nicht Muslim. Ich bin Darwinist, praktizierend um genau zu sein. So
wenigstens pflege ich mich in diesen und ähnlichen Diskussionen aus der
Affäre zu ziehen.
*
Zur Zeit lese ich gerade ein Jugendbuch über Gentechnologie. Es ist
anspruchsvoll und nicht unkompliziert. Eigentlich bin ich daran, das Buch zu
rezensieren. Die meisten Bücher, die ich rezensiere, lese ich nicht von
vorne bis hinten. Das erforderte viel zuviel Zeit. Aber dieses ist wieder
mal ein Büchlein, dessen Lektüre sich auszahlt. Ich finde es fantastisch,
welch gute Bücher für junge Leute heute bestehen. Und eigentlich sind sie
auch für uns Erwachsene. Denn wo sonst sollte man sich über eine solche
Frage informieren? Die meisten Leute fühlen sich rasch überfordert. Aber in
einem Jugendbuch, da geht alles sehr bequem.
Ich wünsche Dir einen schönen Nachmittag
Gruss
...

Mittwochmorgen

Subject: Re: mimo 

Lieber ...,

Prélude:
Die Sonne scheint von einem fast ganz blauen Himmel aber die Luft ist noch kühl. Ich habe heute keine Stunden, und werde mich hier zu Hause beschäftigen. Das Haus ein bisschen österlich (?) machen. Dann später, wenn es etwas wärmer geworden ist, werde ich mich eine Weile, gut emballiert, auf die Terrasse setzen. Lichttherapie, wenn du es so nennen willst.

Todernster Hauptakt:
Eine Tabuliste möchtest du? Die hast du doch schon. Du warst doch sogar derjenige, der am eifrigsten darauf bestanden hat, wenn ich mich richtig erinnere. Unsere §§§ ! Das ist unsere Tabuliste. Was man darf und nicht darf. Du meinst es gibt Dinge, villeicht gar schreckliche Dinge von mir, die ich dir verheimlichen muss. Eine schlechte Eigenschaft, die K wenigstens irritiert, ist dass ich immer einen Schluck von meinem Getränk, was immer es ist, zurücklasse. Sonst kann ich nichts finden, was du als negativ betrachten könntest. Also, nahezu perfekt! ;-)) Und auch ich führe ein sehr anständiges, sogar "klösterliches" Leben, wie du es nennst. Es fällt mir auch gar nicht schwer, so zu leben. Früher war das anders. D.h. ein unanständiges Leben habe ich nie geführt, aber zeitweise ein Doppelleben. Man wählt nicht immer selbst. Aber wenn ich dir davon erzählen würde, dann müsste ich über meine Ehe sprechen. Das möchte ich nicht. Du auch nicht. Also Schwamm drüber.  (... )

Nachspiel:
Ich war beim Zahnarzt gestern. Hatte schon gefürchtet, dass der gute Mann sich eine Behandlung ausdenken würde, die mich ruiniert hätte, so wie es meinem Kollegen kürzlich passiert ist. Aber nicht ein einziges Loch hat er gefunden und ich kam aus seiner Praxis mit einem strahlend weissem Lächeln. Der Zahnarzt kommt aus dem Iran oder sogar Irak (habe vergessen) und immer wieder fragt er nach K und ob er wirklich nicht hier wohnt sondern nur am Wochenende zu Hause ist. Er kann das irgendwie nicht schmelzen.Aber was ich sagen wollte: mein erster Schritt nach dem Zahnarztbesuch ging ins Kaufhaus, wo ich mir u.a. drei Tafeln dunkle Schokolade gekauft habe. Ich meine, so ein Glück muss man doch feiern. :-)
Möchtest du auch ein Stück davon? Ein kleines Liebessubstitut?Ach, mein lieber Mausfreund, es ist so schön mit dir plaudern zu können. Wenn du Zeit findest, schreib mir noch ein paar Zeilen. Ich habe Zeit heute, dir gleich zu antworten.
Alles Liebe,
Marlena

Montag, 13. August 2012

Re: O wie doch alles ...


18 February 2007 10:34
subject Re: O wie doch alles, eh ich es berührte,

Liebe Malou

.....

Ja, dieses Rilke Gedicht hat eine Wahrheit in sich. Es ist doch
irgendwie verwandt mit der Aussage, das Schöne sei der Anfang des
Schrecklichen. Das ist so einfach gesagt mit ein paar Worten. Und im
Grunde genommen findest du es auf dieser Welt immer wieder und
überall. Es ist in der Liebe so. Es ist im Leben so. Es ist mit den
Dingen so. Es ist wirklich überall irgendwie so. Darin liegt diese
Melancholie, die man auch bei Rimbaud wieder findet.

Und du, Malou, wann unternimmst du wieder mal eine Reise nach
Stockholm? Wohin gehst du, wenn du Luft brauchst? Dein Leben scheint
mir so ruhig und geregelt. Und dazu bist du mit Dokumentationsfragen
beschäftigt. Das ist Ordnungsmache im Quadrat. In letzter Zeit denke
ich immer wieder, wie häuslich und gemütlich du es zuhause hast. Das
wird bei mir umso stärker, je mehr ich mich heimatlos fühle.

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
Liebe Grüsse und Küsse
...

Zueignung


Liebster Mausfreund,
Schau was ich gefunden (und für dich ausgewählt habe):

Mit einem lieben Wochenendgruss,
Malou


Zueignung

O wie doch alles, eh ich es berührte,
so rein und leicht in meinem Anschaun lag.

[...]
Um jeden Gegenstand
nach dem ich griff, war Schein von deinem Scheine,
doch plötzlich ward aus ihm und meiner Hand
ein neues Ding, das bange, fast gemeine
Ding, das besitzen heißt. Und ich erschrak.
O wie doch alles, eh ich es berührte,
so rein und leicht in meinem Anschaun lag.
Und wenn es auch zum Eigentum verführte,
noch war es keins. Noch haftete ihm nicht
mein Handeln an. Mein Mißverstehn. Mein Wollen
es solle etwas sein, was es nicht war.
Noch war es klar
und klärte mein Gesicht.
Noch fiel es nicht, noch kam es nicht ins Rollen,
noch war es nicht das Ding, das widerspricht.
Da stand ich zögernd vor dem wundervollen
Uneigentum.
[...]
Aus: Weihnachten 1914 (ein Fragment)
(1914)

Sonntag, 12. August 2012

Du, mein Uneigentum



Ämne: Du, mein Uneigentum.. :-)
Datum: den 8 februari 2004 21:22

Lieber ..,
Wieder ist ein Weekend vorbei. Bei dir war es sicher anregend und abwechslungsreich. Hier war es still aber doch angenehm und erholsam.
...
Ich habe im Internet nach Gedichten von Rilke gesucht, die ich für G haben wollte. Sie gibt nämlich einen Poesikurs und da meine ich, sollte Rilke nicht fehlen. Und dabei habe ich neue Dinge von Rilke gefunden, die mir sehr gefallen haben. Ich habe dir diejenigen geschickt, die ich besonders mit dir (oder mit uns) verknüpfe. Du musst sie langsam lesen und jede Zeile begründen und du wirst verstehen was ich meine. Ich glaube Rilke hätte gern ein Mausleben gelebt. Er weiss von ihren Gefahren und ihrer Schönheit. Er kennt unser Turmzimmer. Kein Gestern und kein Morgen, nur Gegenwart. Ich habe schon oft gedacht, dass du für mich eine Tür bist zu anderen Welten. Und du bist für mich auch derjenige, dem ich, obwohl ich dir fast täglich schreibe, am öftesten nicht geschrieben habe. Welch lustiger Einfall, es so zu formulieren. Ich liebe Rilke.
Und die Beschreibung des Kleinstädtchen, das nur einen Tag auswendig kann u.s.w. Rilke kennt die schreiende Monotonie eines Kleinstädchens..
Ich habe mich wirklich gefreut über diesen Fund. Hoffentlich wird es dir auch gefallen.

Kleinstädte und Ausflüchte

Donnerstag, 9. August 2012

Wien?

.
Liebe Marlena

...

Hast Du Deine Wien-Reise schon näher geplant. Ich wette, Du hast es nicht getan. Aber vielleicht hast Du schon mal Deine Bekannten dort drüben vorgewarnt, dass Du mal anreisen könntest. Du musst mich früh genug informieren, damit ich Dich einhole. Dann werden wir im Prater auf dem Riesenrad in den Himmel steigen (und natürlich auf der anderen Seite wieder runter), und wir werden uns 'fesch' finden und Kaffee mit Schlagobers geniessen über der Kronenzeitung. Und im Sacher würden wir Torte schlecken. Ach ja, ich glaube, die Wiener wären schon in Ordnung. Sie haben von allen Europäern am meisten orientalischen Einschlag. Vielleicht ein bisschen ähnlich wie die Ungarn. Und sie haben - nicht zu vergessen - ein solides jahrhundertealtes Unbewusstes, mit dem man ausgesuchte Sprachspiele spielen kann. Am Institut in Zürich, wo ich Familien- und Ehetherapie Ausbildung gemacht hatte, gab es einen Arzt aus Wien. Er war sehr gemütlich. Und er hiess Hofmann, wenn ich mich nicht täusche. Ich kann mich noch an die Situation erinnern, als er erzählt hatte, weshalb und wie er Therapeut geworden sei. Er sei mal an einem Sonntag im Prater gewesen. Dort hätte es aus dem Krieg viele Bombentrichter gehabt, die mit Regenwasser gefüllt waren. Plötzlich sei jemand in ein solches Loch gefallen. Und er sei am Rand gestanden und habe hilflos zugeschaut, Mut zugerufen und gute Ratschläge gegeben. Auf jeden Fall habe sich die Person retten können. Und er hätte da ja wohl eine therapeutische Rolle gespielt: am Rand hilflos fuchtelnd und selbst nicht wissend, was eigentlich das Richtige zu tun sei.
Das hat mir einigermassen eingeleuchtet.
*
Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
Mit lieben Grüssen

Mittwoch, 8. August 2012

Münsterengel in Basel von Tazro Niscino

.




Als ich über die mittlere Brücke ging, begrüsste mich ein frischer Windstoss. Es ist immer wieder so. Auf der Brücke fühlt man die Weite der Welt. Und wenn vielleicht gerade eines dieser grossen Güterschiffe unter der Brücke hindurch tuckert, dann denkt man, man rieche das Meer. Und man fühlt sich mit der grossen weiten Welt verbunden, die doch sonst in der Schweiz, hinter den sieben Bergen, so weit entfernt scheint. Und in diesem Moment weiss man auch, dass der Engel vom Münster, den Nazro Niscino 2002 für ein paar Wochen domestiziert hatte, herunterschaut und uns mit neugierigem Interesse beobachtet wie vielleicht weiter unten am Rhein die Loreley. Allerdings ist dieser Engel ein steifes gotisches Ding und keine mächtige Wallküre wie die Loreley, und wie sie Kokoschka meines Wissens gemalt hat. Vielleicht muss ich dir Malou erzählen, was es mit dieser Domestizierung auf sich hat. Damals im Jahr 2002 gab es eine künstlerische Installation in Basel, die mich einigermassen beeindruckt hat. Ihre Wirkung beruhte auf einer Verschiebung der Verhältnisse. Auf dem Dach des Münsters, das ja hoch über dem Rhein auf einem Felsvorsprung steht, ist ein kleiner metallener Engel befestigt. Er ist vielleicht 50cm hoch und kein Basler hatte ihn je bemerkt, weil er sich ja dort oben viel zu klein und zu unscheinbar ausnimmt. Da kam also dieser Künstler, ich glaube er ist ein Japaner. Er baute einen Zimmergrossen Kasten auf das Dach des Münsters. Er möblierte ihn im Stil des frühen 20. Jahrhunderts mit Sofa, Sesseln, Stehlampe, Büchergestell und ein paar Blumentöpfen. Und auf dem kleinen Klubtisch stand dann dieser besagte Engel, 50 cm hoch, vom täglichen Wetter und ein wenig von Grünspan zerfressen. Man konnte ihn in aller Ruhe anschauen und ich glaube, man konnte ihn sogar drehen. Allerdings sah man, wenn man dann zum grossen Fenster aus diesem Kasten hinausschaute, tief hinunter zum Rhein und über die Stadt hinweg. Man hatte über viele Treppen ein hohes Gerüst zu dieser kleinen Stube mit dem Engel hinaufsteigen müssen. Kurz und gut: man fühlte sich für ein paar Minuten den Engeln und dem Himmel näher und hatte einen lebendigen Eindruck, welches Bild die Welt vom Himmel gesehen wirklich abgibt. Alles in allem: ein göttliches Gefühl.

Und so weiss heute jeder Basler, dass dort oben ein Engel in betender Stellung auf die Menschen herunterschaut, um wohl in der himmlischen Konversation für sie ein gutes Wort einzulegen.

An diesen Engel dachte ich, als ich die Brücke überquerte. Und ich stellte ihn wirklich in die Verwandtsdchaft der Loreley, von der bekanntlich Heine erschütterndes gesagt hatte.

Comics, Haushaltspflichten, Sophistereien ...

den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.

Liebe Marlena

Ja, das gäbe einen guten Comic ab, beim Koffer zu stehen und sich mit dem Beamten über das neue Pyjama zu wundern. Aber Comics sind ein wenig abhängig von Action. Wenn die Leute nur dastehen und innere Erlebnisse haben, so kann man das schlecht zeichnen. Ich mag am liebsten die Zeichnungen, die keine Worte mehr brauchen. Oder aber bloss eine kurze, lakonische Wortblase, aber nicht mehr.

In letzter Zeit habe ich eine Idee für ein Comic über den Papst im Kopf. Ich sehe, wie man den armen Mann vor einer jubilierenden Menge durch die Strassen führt. Es kann ja auch das Papamobil sein. Und gleich dahinter stösst ein tüchtiger Trupp von Kardinälen einen fahrbaren Spital, angeschrieben in grossen Lettern 'Ospedale', eine riesige Anlage auf kleinen Rädern. Und ein paar Ärzte und Krankenschwestern eilen mit den Transfusionen und den Fiebermessern hinterher. Na ja, ist ein bisschen hart für den alten Mann. Aber ein fahrbares Ospedale zu zeichnen, das reizte mich ein bisschen. Aber ich weiss noch nicht so genau, wie sowas aussieht.

*

Schön, mitte Woche hast du Deinen strengsten Tag, dann ist die Woche so gut wie vorbei, nicht wahr? Ist ein feines Gefühl, sich ab Mittwoch abend nur noch auf Zwetschgen, Garten und die schönen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Ja, vielleicht habe ich es gut, keine solche Haushaltpflichten zu haben. Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, Dinge zu tun, bei denen man den Kopf frei hat für die stillen Gedanken. Das vermisse ich. Respektive ich weiss, dass ich bei solchen Tätigkeiten viele Gedanken haben könnte un dass sich dabei viele offene Fragen lösen könnten. Und zum Schluss hat man zwei Dinge auf einen Schlag: einerseits hat man die Arbeit beendet, und auf der anderen Seite hat man ein paar Ideen im Kopf oder einige Fragepunkte haben sich wie im Nichts gelöst. Im Militärdienst hatte ich oft ein solches Gefühl. Oder Spaziergänge haben oft diesen Effekt. Ich versuche, mich mit dieser Motivation ab und zu zu überzeugen, das Geschirr zu waschen oder kleine Dinge zu tun. Ich sage mir, sie sind ein Geschenk, ein Angebot des Lebens, mir ein paar Gedanken machen zu können. Wenn man bloss bequem herumsitzt, hat man keine neuen Ideen.

(..)
Meine Kaffeetasse ist halb leer, dh. noch halb voll! Du kennst diese metaphorische Redeweise über Optimisten oder Pessimisten. Das Glas ist für einen Optimisten halb voll, für einen Pessimisten halb leer. Und weisst Du, was ich sage? Kommt drauf an, was im Glas ist. Ist es ein Schierlingsbecher oder ein Glass goldgelben Malvoisiers. Das ist die grosse Frage. Das meint doch, es gibt rund um jede Frage Fragen höherer Ordnung. Wenn man Richtung Basel vorwärts geht, sich dabei aber im Eisenbahnzug nach Olten befindet, wird man eben doch nicht in Basel, sondern hinten im Perron von Olten ankommen. Die höhere Frage schlägt die untere. Ist eine Frage der Mächtigkeit. Oder andersherum gesagt: wenn man auf dem falschen Weg geht, ist es besser, man ist nicht zu wirksam und nicht zu schnell im Schritt. Aber das sind vielleicht doch bloss kleine Sophistereien, nicht wahr?

*

Zu meinem letzten Schluck wünsche ich Dir einen schönen Tag. Es it jetzt ziemlich hell geworden, auf jeden Tag sieht man schon den Taubenschwarm, der um den Kirchturm kreist. Nein, es ist nicht richtig, sie kreisen vor dem Turm. Woran sie sich bloss halten? Manchmal machen sie auch eine liegende Acht. Die Natur ist eine wunderbare Angelegenheit!

Mit lieben Grüssen
...

Pater Lars Rooth




Ämne: Papst, Vögel und Liebe u.a.
Datum: den 25 september 2003 08:46

Lieber ...,
Danke für dein frühes schönes Kaffee-mail. Hat prima geschmeckt. Auch hier sieht es aus ein ziemlich schöner Herbsttag zu werden. Draussen leuchtet alles noch ganz grün und das Thermometer zeigt 12 grad. Gestern früh war es nur 2.
Es ist lustig dass du gerade jetzt vom Papst schreibst. Ich habe nämlich heute morgen im Bett ein langes Interview gehört mit meinem damaligen Studentenpater Lars Rooth, SJ. Er sprach über die Gesundheit (oder sollte man sagen die Krankheit) des Papstes, der es jetzt, neben allen schon bekannten Leiden, auch mit dem Magen zu tun hat. Ich glaube er ist dem Ende Nahe. Aber nach Pater R. hat er einen starken Willen und ein ungebrochenes Intellekt. Nur sein Körper will nicht mehr. Und da er sich nicht nur von Kardinälen, sondern von Gott selbst ausgewählt meint, will er eben nicht dieses Vertrauen brechen.

Pater Rooth, der viele Jahre im Vatinkanradio gearbeitet hat war sich sehr ähnlich. Seine Stimme klang etwas älter aber seine Art zu sprechen war dieselbe. Du erinnerst dich vielleicht, dass er der Sohn eines früheren Reichsbankschefs ist und der erste schwedische Jesuit seit der Reformation. Damals sah ich ihn als einen unbeschwerten jungen Mann mit viel Humor. Und ich werde nie vergessen, die Rauchringe, die während eines seriösen Vortrages, plötzlich über den Tisch schwebten.  ...
...

http://signum.se/jesuitpater-lars-rooth-avliden/

Dienstag, 7. August 2012

Surströmming - en läckerhet ;-)

...in der "Backstube". Heisst es so? (Juli 2011)

Praktisch, ein extra Haus für den surströmming -
unsere "bagarstuga".

Ämne: Surströmming!!!!

Lieber ...,

Hier etwas (aus dem Netz) über das Surströmmingsessen (und ein wenig über Krebse, was wir auch noch ab und zu essen, weil es so gut schmeckt :-)

Ebenso wie die großen Feste sind auch die kulinarischen Höhepunkte in Schweden stark saisonbedingt. Im August wird der Startschuß gegeben für Kräftskivan, die Krebspremiere: Ab dem zweiten Donnerstag des Monats gelten die beliebten Schalentiere als ausgewachsen und appetitlich genug, um auf einem der allerorts gefeierten Krebsfeste als Mittelpunkt des Interesses zu landen. (Daß die meisten Krebse heute aus der Türkei oder den USA importiert werden, sei zumindest am Rande vermerkt.) Ganz Schweden nimmt an der alten Tradition der Krebsgelage teil, man lädt liebe Gäste auf die Veranda oder in den Garten - oder wird geladen -, schmückt das halbe Land mit Laternchen und Girlanden und serviert ein köstliches Abendessen: die Krebse in Dill mit Brot und Sauce, Kartoffeln und Knäckebrot.

Was bei keinem Fest in Schweden fehlen darf, besonders dann, wenn es etwas Gutes zu essen gibt, sind selbstverständlich ausreichend Bier und Schnaps, damit Krebsfleisch und Knäckebrot auch rutschen; und getrunken werden darf in Schweden niemals, ohne das passende Trinklied absolviert zu haben. "Ein Krebs, ein Lied, ein Schnaps!" heißt es dann auch.

Dies gilt auch für die etwa zeitgleiche Premiere des berüchtigten Surströmming, der vorzugsweise in Nordschweden unter freiem Himmel gegessen wird. Hierbei handelt es sich um vergorenen Hering, dessen Gase seine Blechdose zu allen Seiten ausbeulen und somit beinahe kugelrund werden läßt. Das Land teilt sich bei der "Surströmming-Frage" in zwei unvereinbare Lager. Böse Zungen behaupten, der Geruch des Herings würde ausreichen, eine Horde Wikinger in die Flucht zu schlagen. Aber alle sind sich einig, daß die beste Methode, Surströmming zu überstehen, ein ordentlicher Zug Aquavit nach jedem Bissen sei.

*
Surströmming: Die nordschwedische Spezialität ist nichts für empfindliche Nasen. Der Hering (Strömming) wird in Dosen eingemacht, in denen er zu gären beginnt. Anfang August werden die dann kugelrunden Dosen vorsichtig geöffnet und der Surströmming mit Tunnbröd und Kartoffeln verzehrt. Wirklich Eingeweihte trinken Milch dazu!

PS

Mein Kommentar: Die Dosen sind überhaupt nicht Kugelrund. Nur wenn man sie ein paar Jahre liegen lässt bevor man sie öffnet können sie es werden.

...

Mit lieben Grüssen
Marlena