Mittwoch, 8. August 2012

Comics, Haushaltspflichten, Sophistereien ...

den 25 september 2003 07:25
Re: So ist es.

Liebe Marlena

Ja, das gäbe einen guten Comic ab, beim Koffer zu stehen und sich mit dem Beamten über das neue Pyjama zu wundern. Aber Comics sind ein wenig abhängig von Action. Wenn die Leute nur dastehen und innere Erlebnisse haben, so kann man das schlecht zeichnen. Ich mag am liebsten die Zeichnungen, die keine Worte mehr brauchen. Oder aber bloss eine kurze, lakonische Wortblase, aber nicht mehr.

In letzter Zeit habe ich eine Idee für ein Comic über den Papst im Kopf. Ich sehe, wie man den armen Mann vor einer jubilierenden Menge durch die Strassen führt. Es kann ja auch das Papamobil sein. Und gleich dahinter stösst ein tüchtiger Trupp von Kardinälen einen fahrbaren Spital, angeschrieben in grossen Lettern 'Ospedale', eine riesige Anlage auf kleinen Rädern. Und ein paar Ärzte und Krankenschwestern eilen mit den Transfusionen und den Fiebermessern hinterher. Na ja, ist ein bisschen hart für den alten Mann. Aber ein fahrbares Ospedale zu zeichnen, das reizte mich ein bisschen. Aber ich weiss noch nicht so genau, wie sowas aussieht.

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Schön, mitte Woche hast du Deinen strengsten Tag, dann ist die Woche so gut wie vorbei, nicht wahr? Ist ein feines Gefühl, sich ab Mittwoch abend nur noch auf Zwetschgen, Garten und die schönen Dinge des Lebens konzentrieren zu können. Ja, vielleicht habe ich es gut, keine solche Haushaltpflichten zu haben. Aber ich glaube, es ist auch eine gute Sache, Dinge zu tun, bei denen man den Kopf frei hat für die stillen Gedanken. Das vermisse ich. Respektive ich weiss, dass ich bei solchen Tätigkeiten viele Gedanken haben könnte un dass sich dabei viele offene Fragen lösen könnten. Und zum Schluss hat man zwei Dinge auf einen Schlag: einerseits hat man die Arbeit beendet, und auf der anderen Seite hat man ein paar Ideen im Kopf oder einige Fragepunkte haben sich wie im Nichts gelöst. Im Militärdienst hatte ich oft ein solches Gefühl. Oder Spaziergänge haben oft diesen Effekt. Ich versuche, mich mit dieser Motivation ab und zu zu überzeugen, das Geschirr zu waschen oder kleine Dinge zu tun. Ich sage mir, sie sind ein Geschenk, ein Angebot des Lebens, mir ein paar Gedanken machen zu können. Wenn man bloss bequem herumsitzt, hat man keine neuen Ideen.

(..)
Meine Kaffeetasse ist halb leer, dh. noch halb voll! Du kennst diese metaphorische Redeweise über Optimisten oder Pessimisten. Das Glas ist für einen Optimisten halb voll, für einen Pessimisten halb leer. Und weisst Du, was ich sage? Kommt drauf an, was im Glas ist. Ist es ein Schierlingsbecher oder ein Glass goldgelben Malvoisiers. Das ist die grosse Frage. Das meint doch, es gibt rund um jede Frage Fragen höherer Ordnung. Wenn man Richtung Basel vorwärts geht, sich dabei aber im Eisenbahnzug nach Olten befindet, wird man eben doch nicht in Basel, sondern hinten im Perron von Olten ankommen. Die höhere Frage schlägt die untere. Ist eine Frage der Mächtigkeit. Oder andersherum gesagt: wenn man auf dem falschen Weg geht, ist es besser, man ist nicht zu wirksam und nicht zu schnell im Schritt. Aber das sind vielleicht doch bloss kleine Sophistereien, nicht wahr?

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Zu meinem letzten Schluck wünsche ich Dir einen schönen Tag. Es it jetzt ziemlich hell geworden, auf jeden Tag sieht man schon den Taubenschwarm, der um den Kirchturm kreist. Nein, es ist nicht richtig, sie kreisen vor dem Turm. Woran sie sich bloss halten? Manchmal machen sie auch eine liegende Acht. Die Natur ist eine wunderbare Angelegenheit!

Mit lieben Grüssen
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