Sonntag, 1. November 2026

Re: Novembergeist

 R)


Lieber ...,
Wenn ein Mann in deinem ehrwürdigen Alter einen Sprung über die Schwelle macht dann ist das wie wenn sich ein jüngerer Mann in den nächsten Baum werfen und wie ein Tarzan durch die Luft schwingen würde. Ich kann durchaus zufrieden sein mit meiner Wirkung. ;-)

Ja, chéri, ich habe mich sehr gefreut, dass ich dir eine kleine Freude machen konnte mit meinem Strauss. Und scheinbar steht mir das Glück bei nicht nur in beruflichen Dingen, denn ich wusste gar nicht an welchem Tag dein Geburtstag ist, nur dass es irgendwann in der ersten Hälfte des November sein müsste. Und du weißt vielleicht schon, dass wir an deinem Geburtstag in ganz Schweden geflaggt haben. Es ist nämlich der Gustav Adolf Tag, den man zur Erinnerung an Gustav II. Adolf  (Vater von Kristina) feiert. Nun ja, es sind die patriotischen Leute, die es tun, indem sie ein Gustav Adolfgebäck essen. So werde ich mich in Zukunft leicht an den Tag erinnern können.

Wie lustig du über die Beobachtungen der älteren Herren erzählst. Auch ich sehe fast immer, wenn ich einkaufen gehe, Leute, die vor zehn Jahren noch jung und rüstig aussahen und die nun alt und grau dahin tappen. Und das macht mich immer ein wenig melancholisch, denn ich kann es nicht lassen zu denken, dass ich wohl auch bald so aussehen werde. Aber eigentlich ist es ja nur, wenn man ihr Äusseres sieht, dass man so reagiert. Denn wenn man mit ihnen spricht, verschwindet meistens dieser Eindruck von Verfall. So z.B. gestern standen ein paar wirklich alte Frauen am Gemüsestand und betrachteten sehnsüchtig die schönen Paprikas, die dort in vielen Farben prunkten. Ich machte die Bemerkung, dass ich über den Preis überrascht sei, da sie meistens um diese Jahreszeit mindestens das doppelte kosten würden. Und eine der Frauen fragte mich, ob man sie auch einfrieren könnte. Und ich habe gesagt, ich bin nicht sicher, ich hätte es zwar mal getan, aber leider nie aufgetaut und so haben wir herzlich gelacht, denn die Situation war auch ihr vertraut. Dabei kam sie mir vor wie ein junges, fröhliches Mädchen. So ist es. Wir tragen einen Körper herum, der immer etwas älter wird, aber er birgt eine Seele, die alle Alter zugleich trägt. Wenn wir glücklich sind, sind wir jung, wenn wir müde sind, fühlen wir uns alt.. Und wenn man einen Mausfreund hat, dessen Worte einen berühren ... vergisst man sein Alter.. So sollte ich dir wohl auch danken.

Heute scheint wieder einmal die Sonne von einem klarblauen Himmel und immer noch trägt die Hängbirke vor dem Fenster hier ihr Laub, das nun wie Gold leuchtet. Es sieht etwas lustig aus, gegen den weissen schneebedeckten Rasen.

Ich habe nur noch eine Unterrichtsstunde, dann werde ich mich ausruhen und kurieren, denn auch ich huste wie ein Dobermann.. sehr guter Vergleich! :-)

Ja, die Wienerschnitzel!! Ich kann sie leider kaum mehr geniessen seit ich mit Kollegen auf einer Studienreise in Estland war. Denn wo immer wir hin kamen, gab es eigentlich nur Schnitzel in den Restaurants. Dabei musste ich ihre Kunst bewundern, wie sie dieses Gericht mit verschiedenen Garnierungen variieren konnten .. Aber darunter fand man eben immer wieder ein Schnitzel, auch wenn die Vorspeise russischer Kaviar und Champagner sein konnte. Ich werde übrigens bald mal die Leute zu einem "Estlandabend" einladen, an dem wir alle unsere Fotos mitbringen werden und was glaubst du, was ich ihnen anbieten werde? Natürlich ein "herrliches Wienerschnitzel", damit sie sich richtig zurückversetzt fühlen.

Nein, bei uns ist es nicht üblich, Kastanien zu essen. Anna hat es neulich in ihrer Italienischstunde gegessen. Sie haben einen Grill mitgebracht und geröstet und es hat spannend geschmeckt..

Ich muss mich nun noch etwas vorbereiten für meine letzte Stunde heute. Du hast wohl auch bald Feierabend und ich wünsche dir ein richtig schönes Wochenende mit vielen Schwellensprüngen.. Ich sehe dich vor mir und bin riesig stolz darauf... fast als wäre es mein Verdienst. :-)

Mit lieben sonnigen Novembergrüssen
Marlena





Novembergeist

Liebe Marlena

Ich habe ihn überlebt!!! Meinen Geburtstag, meine ich. Ich bin froh, dass die Leute nicht allzu viel Aufhebens gemacht haben. Das mag ich nämlich gar nicht besonders. Nun ja, ich habe einige nette Telefonate gehabt. Und abends sind wir - dh unsere Familie - zusammen in der Nähe essen gegangen. Es war klein und bescheiden, wie es sich in meiner Altersklasse gehört.
Deine Glückwünsche haben mich sehr gefreut. Und - um es klar und deutlich zu sagen - sie waren die ersten, die ich am Morgen empfangen hatte. Alle anderen Küsse und Wünsche und Glücksbeteuerungen kamen viel später an. Die roten schwedischen Rosen waren wirklich knallrot, und haben etwas lasziv hin- und hergewackelt. Ich danke Dir, Marlena, und ich bewundere, wie Du daran denken konntest. Ich vergesse leider solche Geburtstage allzu gerne.

Als S mir vor einer Woche sagte, ich solle den Dienstag abend reservieren, wir hätten da etwas vor, da habe ich bei weitem nicht an meinen Geburtstag gedacht.
Und schliesslich habe ich am späteren Morgen im Städtchen noch einen ehemaligen Mitarbeiter angetroffen. Er ist schon über 60 und arbeitet zu 80% oder vielleicht 60%. Auf jeden Fall hat er Zeit, mitten an einem Werktag mit einer grossen Tasche durch die Strassen zu schlendern und seine Kommissionen zu tätigen. Auf seine Einladung sind wir in einem kleinen Café verschwunden (etwas, was ich sonst hier absolut nie tue, weil ich vermeiden muss, dass die Leute reden und behaupten, die Beamten arbeiteten nichts und sässen bloss tageweise in den Restaurants herum), und er hat mir geklagt, wie sehr er unglücklich sei mit seiner heutigen Arbeit und wie gerne er zu uns zurückkommen würde. Nun ja, was soll man dazu sagen? Doch man hat in seinem Gesicht schon von weitem gesehen, dass er nicht glücklich ist. Er schien leidend. Mein erster Gedanke galt seinem Rücken. Ich glaube, bei physischen Schmerzen altert man schnell. Und er hat mir um die 10 Kameraden und Altersgenossen aufgezählt, die an Parkinson, an Prostatakrebs, an schweren Depressionen und leichter Impotenz oder an anderen fürchterlichen Krankheiten leiden. Kurz und gut, ich verliess das Café mit einem übermütigen kleinen Sprung über die Schwelle im himmlischen Gefühl, absolut jung und frisch, spritzig und gesund zu sein. Man fühlt sich selten so gut wie im Altersheim. Und das ist die Moral der trüben Geschichte.
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Und draussen vor dem Fenster hat der November Einzug gehalten. Die Stühle und Tische unten im Cafè sind zusammengestellt. Die Blätter der Bäume bedecken den Boden. Es nieselt und ist kühl. Nicht kalt, aber kühl. Und der Wind bringt eine gewisse Unruhe in die ganze Szenierie. Die Leute eilen vorbei und schauen kaum um. Die schönen, warmen, und wie man sie genannt hat "goldenen" Oktobertage sind endgültig vorbei. Man kann im Städtchen wieder heisse Marroni kaufen. Kennt ihr sowas in Schweden? Es sind diese, auf offener Kohle gegrillten Edelkastanien, die bei diesem Wetter heiss so gut schmecken. Sie sind in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen, während es in meiner Jugend ein Arme-Leute-Geschäft war, sowas zu verkaufen.
*
Ich habe etwas zuviel gegessen gestern. Auf der Karte fand ich viele Dinge, die S zuhause auch kocht. Lammgigot, Lammfilets, Fische in allen Formen. Und so bin ich auf ein absolutes Proletariermenue ausgewichen: Schnipo, sagt man hier. Das meint Wienerschnitzel mit Pommes. Es war kalorienreich, üppig und etwas fettig. Darüber konnte auch der kleine Zitronenschnitz nicht hinwegtäuschen. Aber ich habe es genossen. Und dazu ein Bier getrunken.

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Ich danke Dir für Deine Wünsche. Sie wackeln immer noch knallrot vor meinen Augen. Und ich bin sicher, sie werden mich im kommenden Winter wie ein Antidepressivum begleiten und zu grossen Taten wie die oben erwähnten Schwellensprünge antreiben.
Mit einem Novembergruss
...

Erinnern

 



Vielleicht


Erinnern 
Das ist
 
vielleicht
 
die qualvollste Art

des Vergessens
und vielleicht 
die freundlichste Art

der Linderung
dieser Qual

[Erich Fried]



Dienstag, 27. Oktober 2026

Re: begeistert von ..


Istanbul

Lieber ...

Ja, ich kenne deine Begeisterung über die Türken. Und Istanbul ist eine wunderschöne und interessante Stadt, die sehr wohl eine Reise wert ist. Auch K hat enthusiastisch über die Leute dort gesprochen, doch ich habe mir damals nichts besonderes dabei gedacht, denn sie, d.h. er und seine Gruppe, werden immer sehr gut behandelt auf ihren Reisezielen. Doch wenn ich jetzt zurückdenke, erinnere ich mich, dass er sehr die Bedienung gelobt hat und die Freundlichkeit aller Menschen. die ihnen begegnet sind.  Ich erinnere mich an das Jahr, weil Anna und ich auf Cypern waren und als wir am späten Abend über Istanbul geflogen sind, haben wir hinunter geschaut auf die vielen Lichter und gedacht, dass K nun irgendwo dort unten ist. Damals, glaube ich, hatte man auch die Leute vor Reisen in die Türkei gewarnt (erinnere mich nicht mehr an den Grund) und die Schweden glaubten, dass sie deswegen so geschätzt wurden, weil sie sich nicht um das Verbot gekümmert hatten.

Wie du sagst, der Charme der Südländer, gemischt mit der Ehrlichkeit eines Nordeuropäers (falls es sowas noch gibt), muss doch irgendwie ideal sein. Und du meinst es gefunden zu haben. Ich glaube, ich muss auch einmal dorthin fahren.

...

Montag, 26. Oktober 2026

.. begeistert von den Türken


Liebe Marlena

(---)

Gestern war ich kurz bei Walter am Weekly. Ich dachte, ich könne ihn nicht nochmals sitzen lassen, nachdem ich schon die letzte Woche verschlafen habe. Aber es war wirklich kurz, eine gute Stunden sassen wir in seiner Bibliothek und diskutierten die türkische Kultur. Habe ich Dir schon erzählt, wie begeistert ich von den Türken bin. Sie sind wirklich tüchtig, wohlerzogen, speditiv, praktisch und haben Charme. Echt toll! In NY war eine Türkin im Kurs, die in NY lebt. Auch sie hat mir echt imponiert, eine hübsche Frau, gut gekleidet mit wunderbar balancierten Umgangsformen. Fast schon wie eine Perserin. Aber - wie sie mir erzählt hat - ist oder war ihr Vater Chirurg. Sie kommt also von einer gutsituierten Familie. Und ich hätte nie gedacht, dass mich auch die einfachen Leute in der Türkei beeindrucken würden. Aber sie haben mich wirklich. Und nicht nur die Frauen, sehr wohl auch die Männer. Ich glaube, ich muss mal Instabul besuchen. Das scheint eine wundervolle Stadt zu sein. Und weisst Du was, sie passen zu den Deutschen, die Türken. Sie passen wundervoll zusammen. Beide sind pflichtbewusst, exakt. Die Deutschen sind gleichzeitig etwas nüchtern und kühl, manchmal protzig. Die Türken sind fein, elastisch und können sich gut einschmeicheln. Aber das Grundgerüst ist ziemlich ähnlich, wie mir scheint.
*
Und so mache ich mich langsam dran, mich auf die Sitzung vorzubereiten. Während andere ihre Aktenmappen füllen, fülle ich meine Hosensäcke. Mit Papiernastüchern natürlich.
Mit lieben Grüssen ..,

A propos: Deine Schläfen-Küsse lassen mich wirklich alt ausschauen, schon fast ein bisschen tatterig. Du weisst doch, was tatterig ist? Kleine Schritte, wackeliger Gang, zitterige Hand, Spuke, die aus den Mundecken quellt, kleiner Tropf an der Nasenspitze ... na ja, und so weiter. Eben tatterig!

...und echten saftigen Küssen

...



Freitag, 23. Oktober 2026

Warum nicht?

 (R)

 


Lieber ,,,

(---) 

Was ich eigentlich sagen wollte: Ich habe eine wunderschöne persönliche Reiseschilderung über Rom gefunden mit dem Titel "Du und ich in Rom", von Sigge Hommerberg geschrieben. Es ist ein Buch für Leute, die eine Romreise planen, die gerade dort gewesen sind, oder die sich dorthin sehnen. Vielleicht gehöre ich in alle drei Kategorien. Einmal möchte ich dorthin fahren, mit dir bin ich (leider nur in Gedanken) dort gewesen, und schliesslich meine lebenslängliche Sehnsucht nach dieser Stadt.
Sigge Holmberg besitzt gute kunsthistorische und auch archeologische Kenntnisse. Ausserdem ist er sehr gastronomisch interessiert. Das Buch gibt praktische Tips nicht zuletzt über Essen und Wein. Zwanzig Spaziergänge unter Führung mit Kartenskizzen zu jedem Kapitel. Und schliesslich ein kleines Nachschlagewerk über andere Sehenswürdigkeiten und die Adressen zu den beliebtesten Restaurants und Trattorien des Schriftstellers.

Was sagst du dazu? Ich wünsche das Buch wäre in andere Sprachen übersetzt. Muss mal bei google nachsehen, ob es so ist. Und weisst du, das "DU" in dem Titel des Buches bist immer noch du, chéri. Klar musst du nochmals dorthin. Hast doch den Vatikan verpasst. Ich würde so gern auf Entdeckungsfahrt gehen mit dir in dieser romantischen Stadt. Deine vorige Reise war doch nur eine Rekognozierungsreise, um die Zeit dann später besser ausnützen zu können. ;-)

Ich schicke dir ein kleines Bild mit aus dem Buch, ein Aquarell von Franz Roesler, vor mehr als hundert Jahren gemalt. Es zeigt die Via dei Cappelari (Strasse der Hutmacher). Und es sagt, so ungefähr sieht es heute noch aus. Sogar die Wäsche hängt noch dort. ;-)

Ich sehe gerade, dass du mir einen Artikel geschickt hast. Bin neugierig darauf. Ja, Gunnar Ekelöf ist einer unserer grossen Dichter.
So lasse dich einen Moment.
Wünsche dir einen schönen Tag noch,
MlGuK

Malou



 

Der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf

 

 



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Diesen Artikel aus NZZ Online, der Website der Neuen Zürcher Zeitung,
sendet Ihnen ...er.priv@gmail.com
mit der Mitteilung:
schönen Gruss
...
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Die Leere zwischen den Dingen

Strahlend und strömend - der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf


Die letzten Fotografien zeigen ihn meist im Schlafrock. Ein schmaler Herr mit schwarzer Mütze, der sich in seinem Sessel durch einen Bildband blättert. Zwischen all den Decken und Kissen ist das hagere Gesicht kaum zu sehen, nur das Licht gibt Nase und Stirn ein wenig Kontur. Ein Schmerzensmann, ein Asket, so scheint es, der erlebt, von was die Gedichte sprechen: «Viel ist nicht / von mir übrig . . . / Ich habe kein Gefühl mehr für mein Ich, mein Gewicht / Ich verliere den Halt, ich schwebe hinaus / Ich werde allmählich unsichtbar.»
Auch wenn er über die Kunst des Verschwindens schrieb, hielt sich der schwedische Dichter Gunnar Ekelöf stets an die Wahrnehmung und an das Körperliche des Lebens, an jenen «Sinnengenuss», der für ihn zu jeder echten Literatur gehörte. Die Fülle der «Farben und Formen» war ihm Fluchtpunkt seines Schreibens, sie machte es ihm erst möglich, das Gedicht als «Magie und Beschwörung» zu verstehen, als einen Weg, das Sichtbare nach und nach zu übersteigen. «Du siehst, und sehend spürst du / wie sich alles zu Asche verwandelt / wie der Blick sich verwandelt / und aufhört zu sein / gleichwohl aber bleibt -», heisst es in einem der späten Werke.


DIE ERFAHRUNG DER SCHWEBE
Die Texte dieses grossen Dichters, die Gedichte ebenso wie die Essays, die Briefe oder die schmalen Prosastücke, entwickeln sich allesamt jenseits eines Denkens in blossen Gegensätzen. Dem «sterilen Reich» aus Licht und Schatten, Gut und Böse, Wirklichkeit und Traum hält Gunnar Ekelöf die Erfahrung der Schwebe vor, tastet sich vorwärts an Fluchtlinien und Konturen oder gibt sich in den Zwischenräumen der Wörter zu erkennen. Hier entpuppt sich das feste Ich als Chimäre und die Wirklichkeit als etwas durchweg Flüssiges. Diese «dritte Seite des Lebens» ist keineswegs mit naivem Einheitsdenken oder einer Art Natürlichkeit zu verwechseln. Vielmehr hat der ungerade, «einsame Mensch» die dualistische Welt des Rationalismus bereits durchwandert und setzt bewusst auf das Unbestimmte, Unvermessene, «jenseits aller Wahrheiten und Lügen».
So anspruchsvoll diese philosophischen Überlegungen auch klingen mögen - Gunnar Ekelöfs Gedichte sind doch angenehm frei von allen überdehnten Begriffen. In seinen leicht gebauten Versen versetzt er die Sprache in jene Schwingung, die er selbst einmal als «Radioaktivität» bezeichnet hat, als eine Strahlung, die sich erst nach Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden abschwächt: «Diese Radiowellen hat das Gedicht weniger durch den Inhalt erhalten als durch das Spannungsverhältnis zwischen den Wörtern, die den Inhalt ausmachen, durch die Fähigkeit des Dichters, die Wörter und Bedeutungen in ein solches Reibungs- und Nuancierungsverhältnis zueinander zu setzen, dass die Leere weiter nachbebt, lebt, ausschlägt, ‹sendet›, eine Art von magnetischem Gewebe aus unsichtbaren Fäden, Kraftlinien, die sich gegenseitig anziehen oder abstossen.»
Die Leere zwischen den Dingen, seinen «Singsang vom anderen» hat Gunnar Ekelöf immer wieder in grossen Meeresbildern oder Ausflügen in karge Landschaften ausgebreitet. Am Grunde vieler Gedichte wird die schwedische Natur mit ihrer stets gleichen Folge von Hochwäldern und Tundra erahnbar. Und so wie dort die monotone Dünung der Telegrafenmasten im Vorbeifahren sinkt und steigt, sinkt und steigt, so schneiden auch die Verse den Strom des Lebens immer wieder in handliche Augenblicksbilder. Doch nicht nur in seiner Heimat konnte der 1907 geborene Ekelöf die Bekanntschaft mit den elementaren Formen der Landschaft machen. Schon in jungen Jahren nimmt ihn die Mutter mit auf Reisen, wie überhaupt das Leben jener Zeit einer unruhigen Wanderschaft gleicht: 1911 geht es nach Deutschland und in die Schweiz, einige Jahre später sind die beiden in Frankreich unterwegs.


IM KINDERHEIM
Dazwischen liegt der Tod des Vaters, der seinen Beruf als Bankier wegen einer «geheimen Krankheit» vorzeitig aufgeben musste. In der äusserst detailgenauen Prosaskizze «Eine Photographie» beschreibt ihn Ekelöf als «lebenden Leichnam», der in seinem Sessel zwischen Stapeln von Polstern und Decken vegetiert. Ebenso prägend für Ekelöf dürften die Aufenthalte in Heimen gewesen sein, auch wenn sie im Rückblick zunächst ihre hellen Seiten offenbaren: «Ich meinerseits wurde häufig in Kinderheime verschickt, wo es mir rein materiell nie schlecht erging. Im übrigen ist es durchaus so, dass die Kindheit, selbst die schutzloseste und schmerzlichste, stets genügend lichte Erinnerungen aufweist, denn man braucht ja so wenig: eine sonnige Lichtung, unbekannte Blumen und Tiere, das Land, das Vergnügen am Badestrand können die Fremdheit rasch überdecken.» Die nächtliche Einsamkeit mit mancherlei angsteinflössenden Bildern lässt sich gleichwohl nicht verleugnen, ebenso wenig die bohrende Seh!
nsucht nach Briefen oder einem Lebenszeichen.
Trotz diesem «Kindheitstrauma», wie Ekelöf es in einer autobiografischen Notiz nicht ohne Koketterie nennt, findet er seinen eigenen Weg, der ihn zunächst nach London und Uppsala führt. Die Studien in Orientalistik und Persisch bricht er bald schon wieder ab, beschäftigt sich aber weiterhin mit östlichen Weisheitslehren und islamischer Dichtung. Überhaupt sind es die Erfahrungsweisen der Mystik, die ihn nachhaltig beeindrucken. Dazu kommen die somnambulen Nachtbilder der Romantik und jener Surrealismus, den er während seiner Zeit in Paris Ende der zwanziger Jahre kennen lernt. Mit dem geplanten Musikstudium will es nicht recht klappen - «ich hatte das Pech, in eine Wohnung mit papierenen Wänden zu geraten, in der ich der Nachbarn wegen nicht wagte, ein Instrument zu spielen». Auch verliert er seinen Anteil des familiären Vermögens im Wirrwarr der Weltwirtschaftskrise. Unterkriegen lässt sich Ekelöf freilich nicht. Zurück in Schweden, gründet er eine avantgardistische Zeitsch!
rift und arbeitet an den eigenen Gedichten. Sein lyrischer Erstling «spät auf erden» erscheint 1932.
Als Dichter ist Gunnar Ekelöf erst recht spät bei uns angekommen. Hans Magnus Enzensberger hatte einige Gedichte in sein «Museum der modernen Poesie» aufgenommen, ehe Nelly Sachs 1962 unter dem schlichten Titel «Poesie» eine kleine Auswahl bei Suhrkamp herausbrachte. Seit 1991 arbeitet man beim Kleinheinrich-Verlag in Münster an einer bibliophilen Werkausgabe, deren Übertragungen von Klaus-Jürgen Liedtke besorgt werden, einige wenige auch in Zusammenarbeit mit Manfred Peter Hein. Bisweilen hat Liedtke die Ruppigkeit der Verse im Deutschen allzu sehr abgemildert, seine Übersetzungen überzeugen aber dank der grossen rhythmischen Kraft. Mit dem Erscheinen der letzten beiden Bände ist die Edition nun vollständig.
Von Beginn an als zweisprachige Leseausgabe konzipiert, lässt sich über Auswahl und Anordnung naturgemäss streiten. Vielleicht hätte man auf das eine oder andere von Ekelöfs Nonsens- Gedichten verzichten können, vielleicht der berühmten «Mölna-Elegie» mit ihren vielen Flüsterstimmen ein wenig mehr Platz einräumen müssen. Auf jeden Fall hätte eine Ausweitung des Kommentarteils nicht geschadet. Die bei aller Kürze doch kundigen Nachworte des Ekelöf-Forschers Anders Olsson sind einzig um eine Handvoll Anmerkungen ergänzt, die meist noch vom Dichter selbst stammen. Bei einem derart belesenen Autor wie Gunnar Ekelöf, der sich auch in den Sprachwelten von Comics bestens auskannte, reicht das nicht immer aus.
Umso raffinierter scheint die Gesamtstruktur der sieben Bände, die sich vom grossen Spätwerk, der mystisch durchströmten «Akrit»-Trilogie, hin zu den ersten Lyrikbüchern zieht. Dazu gibt es einen eigenen Band mit Essays, Skizzen und Briefen, der zeigt, wie genau Gunnar Ekelöf auch das Prosafach beherrschte, die Kunst vor allem, Gedanken über das eigene Schreiben in kleine Szenen und Schilderungen einzulagern. So kann man sich als Leser zurückarbeiten zu den Anfängen des Werks - dem Spiegelpoeten Ekelöf hätte diese Verkehrung der gewohnten Ordnung gewiss gefallen. Am Ende der Ausgabe stehen die Texte aus dem Nachlass und jene Gelegenheitsgedichte, die Ekelöf in Zeitschriften oder Tageszeitungen veröffentlichte; sie sicherten ihm lange Zeit gemeinsam mit Rezensionen und Stipendien ein Auskommen.
Es ist ein weiter Weg, der nach mehr als einem Dutzend Gedichtbänden im reifen Triptychon des Akrit-Zyklus mündet. Gleichwohl werden schon früh einige bleibende Motive in den Windungen der Ekelöfschen Verse erkennbar. In seinem Début «spät auf erden» versucht sich der Dichter noch als lyrischer Wanderer, der die «buchstabennissen zwischen den zähnen knackt». Fast im gleichen Atemzug sieht er sich aber als «blinder Sänger», der zwischen allerlei Erinnerungen jene «grosse Gebärerin Nacht» erwähnt, die im Spätwerk so strahlende Bedeutung gewinnen wird. Hier entwirft Ekelöf das Bild einer gütigen, allmächtigen weiblichen Gestalt, die einmal als Jungfrau, einmal als Mutter erscheint. Ihre Anrufung verspricht die ersehnte Einheit der «dritten Seite des Lebens», eine mystische unio. Die Suche nach «Nicht-Begierde», nach einem «anderen Licht» ist nicht in einem weltfremden Jenseits angesiedelt. Mit Paradoxien, Fragen und überaus sinnlichen Bildern beschwören Ekelöfs Gedichte ein ums!
andere Mal das, was er «Lebensekstase» nennt: «In meine Seele / grubst Du die Spuren / kleiner Füsse, kleiner Zehen / wie in den feuchten Sand / eines Strands.»


HÖLLENBILDER UND MEERESSTÜCKE
Zu den motivischen Spuren, die sich schon in den frühen Gedichtsammlungen entdecken lassen, gehören neben zahllosen Höllenbildern vor allem die Augen, das genaue Sehen, das nach und nach in den gnostischen Blick übergeht. «Gib mir die Augen der Sepien / die sanften nach innen blickenden / als hörten sie Musik», heisst es 1941 in einem der vielen Meeresstücke dieser Zeit, die einen schön schwingenden Freivers kultivieren. So ist der Lyrikband «Fährgesang» tatsächlich die Überfahrt in die Welt einer anderen poetischen Wahrnehmung, in die des «einsamen Menschen». Dort angekommen, versucht sich Ekelöf auch in der leichteren Kunst von Unfug-Gedichten, wobei er seine poetische Linie nie aus den Augen verliert: «Wenn man es soweit gebracht hat wie ich in der Sinnlosigkeit / wird jedes Wort erneut interessant: / Fundstücke im Erdreich / die man mit archäologischem Spaten wendet.»
Als man Gunnar Ekelöf 1966, zwei Jahre vor seinem Tod, den Literaturpreis des Nordischen Rates verlieh, konnte er wegen Krankheit schon nicht mehr anreisen. In einer verlesenen Dankesrede lässt er seine späten Werke vor den Augen und Ohren der Zuhörer noch einmal aufleben - doch der resignative Grundton dieser Zeilen ist überdeutlich. Die Strahlung seiner Verse indes wird noch lange spürbar sein, sie mag nun Radiowellen gleichen oder der Strömung eines Ozeanriesen, der weit draussen vorüberzieht: «Und wir wissen nichts von ihm / ehe die Bugwelle uns am Ufer erreicht, / erst die eine, und noch eine und immer mehr / die anbranden, sich brechen, bis alles geglättet ist / wieder wie vorher. - Und doch ist alles verändert.»


Gunnar Ekelöf: Färjesng/Fährgesang. Gedichte 1932 bis 1951. Schwedisch - deutsch. Ausgewählt und übersetzt von Klaus-Jürgen Liedtke. Kleinheinrich-Verlag, Münster 2004. 317 S., Fr. 54.25.
Gunnar Ekelöf: En trasig liten ask av trä / Ein zerbrochenes Kästchen aus Holz. Gedichte aus dem Nachlass. Verstreute Gedichte. Schwedisch - deutsch. Ausgewählt, übersetzt und mit einem Nachwort von Klaus-Jürgen Liedtke. Kleinheinrich-Verlag, Münster 2004. 293 S., Fr. 54.25.

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Mittwoch, 21. Oktober 2026

Re: Schneeeee!!!! immer noch

 

den 22 oktober  09:09
Re: Schneeeee!!!! immer noch

Liebe Marlena

Ich nehme mir die Freiheit, ein kurzes Mail zu schreiben. Das kann ich, weil ich heute morgen den Kurs schwänze. Du weisst sicherlich, was "schwänzen" heisst. Die Schüler verstehen sich darauf vortrefflich. Ich muss meine Sparübung noch zu Papier bringen, und dazu brauche ich etwas Zeit. So kommst Du in Genuss eines Mails, das Du eigentlich nicht bekommen kannst, weil ich heute gar nicht im Büro bin. Siehst Du, so virtuell ist auch das RL geworden. Es gibt Dinge, die gibt es gar nicht.

Schnee. Ich kann ihn mir noch nicht vorstellen. Es ist wirklich noch etwas früh, sich mit einem Buch in die warme Stube zurückzuziehen und der Welt den Rücken zu kehren. Aber das ist auch sehr schön. Es ist eigentlich wunderbar. In unserer alten Wohnung hatten wir einen uralten grossen Holzofen. Darauf konnte man sitzen und sich den Hintern versengen, wenn man gerade dran war, Brot zu backen. Wunderbar! Heute ziehe ich mich wirklich in meinen Sessel zurück, einen Ohrensessel aus Leder, englisches Modell, musst Du wissen. Sehr chique (schreibt sich das so?) und sehr introvertiert. Eigentlich fehlte nur noch ein Jagdhund, der einem zu Füssen liegt, um die englische Atmosphäre voll zu machen.

Na ja, was ist der Mensch? In meinem Studium war ich ganz wild darauf, das herauszubekommen. Deshalb behaupte ich auch, ich hätte eine der interessantesten Studienrichtungen gewählt. Als Job ist es dann nicht mehr immer so spannend.

Der Mensch ist eine merkwürdige Affenart, der seine ganze darwinistische Vergangenheit in sich trägt und im Wesentlich aus Sternenstaub zusammengeklebt ist. Ein Prototyp! Eine Wundermischung! Eine Fehlkonstruktion? Und es gibt darunter ein paar ganz wunderbare Exemplare, wie Dich zum Beispiel, oder wie ein paar andere Bekannte. Den Rest könnte man getrost zurück in die afrikanische Savanne schicken. Man muss ja annehmen, dass der Mensch ursprünglich dunkelhäutig gewesen sein muss. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, wie sie bei Dir die Vollbleichung angestellt haben. Aber auf jeden Fall haben sie es hingekriegt. Man könnte dann ja fast sagen, die Blonden dieser Welt seien evolutionsmässig weiter als die schwarzhaarigen, und noch weiter als die wirklich Schwarzen. Na ja, wir wollen kein Wettrennen veranstalten.

Der Mensch ist nur so wunderbar, weil wir, die wir ihn beurteilen, auch Menschen sind. Wir sind sozusagen von derselben Partei. Ich kann mir eine Konferenz der Tiere vorstellen, die heftigst gegen diese menschlichen Ungeheuer höhnt und sie zum Erbfeind erklärt. Aber wir Menschen sind naiv, wir merken das alles nicht, sitzen gemütlich in einem englischen Ohrensessel und lesen Zeitung, während Armeen von Tieren sich aufrüsten, um sich für den Endkampf vorzubereiten.

Ich habe in den Ferien am Strand von Side ein Buch von Tom Wolfe gelesen. Vielleicht kennst Du dieses amerikanische Grossmaul? Er hat zwei Bestseller geschrieben: "Im Fegfeuer der Eitelkeiten" sowie "Ein ganzer Kerl". Ich habe nur das erste gelesen. Und jetzt eben dieses neue Büchlein, das eine Sammlung von kleineren Texten zusammenfasst. Der Kerl findet, dass mit der Computerisierung und mit dem Internet ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte begonnen habe. Er zitiert sogar Teilhard de Chardin, was mich sehr erstaunt hat, und meint, der hätte mit seinem Begriff der Noosphäre die Verkabelung und Vernetzung, die Globalisierung mittels Elektronik vorausgesagt. Solch ein Unsinn. Meines Erachtens meinte Teilhard mit Noosphäre die Spiritualität des Menschen als eine neue Qualität der Schöpfung. Eine solche Behauptung über Teilhard ist echter Unsinn und mehr oder weniger Wortakrobatik. Wolfe meint auch, die Amerikaner seien an der Spitze der Entwicklung und die Herren der Welt, sozusagen. Ist doch alles dummes Geschwätz, wirklich dumm und einfältig, effekthascherisch und auf Verkaufszahlen aus, aber - leider - ziemlich gut geschrieben. Es ist unterhaltsam zu lesen, besonders an einem heissen Strand im Süden der Türkei, wo einem die fettleibigen .. Elefantinnen und Elefanten vor der Nase tanzen und sich im Sonnenlicht aufblasen, um ihre hemmungslosen Dimensionen zu rösten.

Was ist der Mensch?

Das ist wirklich eine gute Frage. Mit 20 hätte ich Dir eine Antwort geben können.

Vielleicht nächstes Mal.

Mit lieben grüssen
...

Dienstag, 20. Oktober 2026

Oktober


Ämne:  Schneeeee!!!!
Datum: den 21 oktober 

Lieber ..,
Ich merke, dass du dich geärgert hast und glaub mir, ich verstehe dich. Eine Menge Psychologen auf einmal muss eine Prüfung sein, schon diese 13 Lehrer gestern Abend waren ein Grenzfall für was man ertragen kann. Und wenn jeder dann seinen klugen Mund öffnet, und man dabei die Absicht merkt.. na ja, dann wird man verstimmt.

Aber natürlich müssen deine jüngeren Kollegen Ausschau halten nach Katastrophen. Sie leben ja davon. Und gäbe es keine, so würden sie glatt welche erfinden. ;-) Ich denke dabei an den Zahnarzt einer meiner Bekannten, den wir stark verdächtigt haben, Löcher zu bohren, wenn er keine gefunden hat.

Ach, du beneidest uns Lehrer wegen der Arbeitszeiten? Das solltest du nicht tun. Jedenfalls nicht mit den Schwedischen. Wir sind wirklich vollzeitbeschäftigt. In Deutschland arbeiten sie ja nur den halben Tag und in Frankreich fast nur das halbe Jahr. Aber ich glaube nicht die Zeit, sondern die Tatsache, dass wir fast alle Schüler auf dem Gymnasium haben, macht die Arbeit so schwer. Man muss immerzu Arbeitsmaterial konstruieren, weil die Lehrbücher immer noch für homogene Gruppen geschrieben sind.
Ach, ich langweile dich und auch mich selbst mit diesen Dingen.

Gestern habe ich dir (in dem verlorenen Mail) erzählt, dass ich einen Film über den Meisterfotografen Lennart Nilsson gesehen habe. Du weisst sicher wen ich meine, denn er ist weltberühmt. Diesmal ging es nicht um die Entstehung des Lebens sondern um verschiedene Krankheitskeime u.a. Poliovirus, Aids- und Sarsvirus, die er mit mehreren millionen Vergrösserung fotografiert hat. Er hilft damit den Forschern sehr.

Ab und zu sehe ich mir eine Serie an mit dem Titel "Was ist ein Mensch?" Jedesmal wird ein Wissenschaftler oder eine ähnliche Person eine Stunde lang interviewt. Einmal ein Biologe, das nächste Mal ein Theologe.. Es ist sehr interessant zu hören, was uns ihrer Ansicht nach so speziell macht und von den anderen Lebewesen unterscheidet. Was würdest du wohl sagen?
*
Ja, es war wirklich weiss draussen heute morgen. Ganz entgeistert habe ich das durchs Fenster entdeckt. Sogar die Birken, die noch grünes Laub tragen, waren ganz weiss. Und der Schnee ist  an vielen Stellen den ganzen Tag liegen geblieben. Ich meine, der erste schmilzt ja meistens schnell wieder dahin. So muss ich mir meine Spikesreifen anmontieren lassen, sonst wage ich nicht Anna am Wochenende mit dem Auto heimzubringen.

Morgen kommt meine Kleine und ich freue mich schon. Ich werde jetzt noch ein wenig aufräumen, damit sie sich wohl fühlt. Sie hat heute von 8.00 bis 18.00 Uhr Prüfungen geschrieben mit nur einer Stunde Lunchpause. Verstehe nicht, wie sie das aushält. Na ja, die jungen Leute haben viel Ausdauer. Hatte ich auch in jungen Jahren, wenn ich zurückdenke.

Und du? Musst du dich nochmals einen Tag mit der jungen Garde abgeben? Mach es wie ich. Studiere sie. Es ist oft eine Show von menschlichen Schwächen, die da über die Bühne geht. Etwas deprimierend anzusehen, aber der schlechte Nachgeschmack ist meistens gemischt mit einem Gefühl von der eigenen Vortrefflichkeit... ;-)))
*
Was tust du nun? Sitzt du in deinem Lieblingsfauteuil und schlummerst vor einem Fernsehprogramm oder liegst du sogar und schläfst? Ich werde das RL anfassen. Es wartet schon auf mich.

So grüsse ich dich lieb.
À bientôt j'espère. Je t'embrasse, mon chéri,
Marlena

Samstag, 17. Oktober 2026

Dampfbügeleisen und Paris

 

date   27 September  21:06
subject  Nostalgieabend


Lieber Mausfreund,
Ich habe dein Bügelmail nochmals gelesen.. wollte ein Bisschen lachen.. ;-) Und nun habe ich ein paar Kommentare dazu. 10 Hemden in 90 Minuten, das ist wirklich nicht schlecht. D.h. wenn es so richtige Hemden sind, wie sie die Herren hier auch früher trugen. Aber sag, warum musst du sie vorher feucht machen? Hast du denn kein Dampfbügeleisen? Und dann nachher faltest du sie zusammen. Ist es weil du sie einpacken willst? Ich hänge K's Hemden immer auf einen Kleiderbügel. Dann bleiben sie garantiert knitterfrei. Übrigens tragen die Männer hier kaum mehr diese eleganten Hemden zu denen ein Schlips gehört. K trägt fast immer weiche Hemden z.B. aus Piké. Die sind auch ganz einfach zu bügeln und außerdem mit kurzem Ärmel. Also keine Manschetten. Er ist sehr für Bequemlichkeit und auch als er noch im Beruf war eine Art Trendsetter. ;-) D.h. wenn er sich traute gegen Regel zu vestossen und zu tragen was er wollte so machten es ihm die anderen auch bald nach.
Nein, so ein Riese wie du glaubst ist K nicht. Etwas über 1.80 glaube ich. Er sieht auf dem Bild nur gross aus neben G, der eher klein ist. Doch G kompensiert seine geringe Körpergröße mit einem starken Ego. *smile*

Morgen wird sich S nach den Flugkarten erkundigen. Es wird langsam spannend. Ich habe Paris so lange nicht mehr besucht.Habe doch nicht einmal die modernen Viertel auf der anderen Seite des Arc de Triomphe gesehen. Doch ich werde an dich denken. Denn sogar Paris ist mit dir verbunden. Erinnerst du dich an deinen Aprilscherz von Anno dazumal?
So werde ich, wenn ich die Champs-Elysées hinunterschreite wahrscheinlich zu meinen Knien hinunter gucken um zu sehen ob du an meiner Seite gehst.
Lieb von dir, wenn du sagst "du entgehst mir nicht". Nein, du weisst es sehr wohl, du wirst mich immer haben.. so lange du willst. Aber ich weiss nicht ob ich so grosse Treue von dir erhoffen kann.
Morgen fahre ich zu Anna mit Äpfeln, Brot und ein paar eingefrorenen Speisen. Es ist schön, diese Möglichkeit zu haben dem Alltag zu entfliehen und ein wenig Abwechslung zu finden.

Nun lasse ich dich für heute.
Wünsche dir alles Gute.
MlGuK
Malou

Grösse X Länge = Volumen




Freitag, 16. Oktober 2026

Worauf wartest du?

  

 John William Waterhouse - Ulysses and the Sirens


Lieber ...,
Danke für deine lieben Mails und die schönen Bilder. Sie haben mich sehr gefreut.  
Aber schau hier was du mir geschrieben hast, und was mich immer noch warten lässt:

"Ich werde jetzt langsam und mit der zeit wieder ruhiger werden. Und dann werde ich dir meine turbulente Geschichte erzählen Malou. Du wirst dich nicht bloss am Stuhl festhalten müssen, sondern wie Odysseus vielleicht sogar mit dicken Stricken festbinden. Es ist wirklich wild, wenn man das Leben laufen lässt. Und es hat schon seinen Grund, dass das Bürgertum diese gute Ordnung mit Familie und Einfamilienhaus und Job von 8-12 und 14-18h erfunden hat. Das macht alles ruhig und monoton wie ein Luxusmotor."

Ich habe  also schon einen dicken Strick besorgt womit ich mich anbinden kann, wenn dein versprochenes Mail eintrifft.
Worauf wartest du?

Mit lieben Gs und Ks
Marlena

Dienstag, 13. Oktober 2026

Stendhal

Liebe Marlena

(---) 

Stendhals Figuren seien passionierte Epikuräer! Dein Zitat ist m.E. wohl nicht ganz vollständig. Du schreibst: ... ses héros les plus typiques unissent deux traits de caractère souvent jugés inconciliables: ce sont des épicuriens passionés ...    Und was soll denn der zweite Zug, inkonziliable (kein deutsches Wort eigentlich) sein? Was dieser eine Zug betrifft, so kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass Stendhals Figuren ihn tragen, denn es ist ein ureigener Zug des Autors selbst. Er war ja ein sehr unruhiger und ambivalenter Charakter. Wenn man die Biographie liest, kann man sich kaum vorstellen, wie aus ihm ein bedeutender Schriftsteller der Weltliteratur werden konnte. Wohl hat er sein Leben der Liebe und dem Schreiben gewidmet. Aber er war offenbar ein sehr scheuer Mensch, hat tausendfach gezögert, eine Frau zu erobern, um sich im Nachhinein darüber Vorwürfe zu machen. Aber er hat in seinem Tagebuch solche Situationen in allen Details analysiert und seine eigene Rolle reflektiert. Stendhal wollte dichten und hat sich unzählige und riesige Projekte vorgenommen, die er nie ausführen konnte. Er wollte in Versen schreiben, wollte Stücke schreiben, obwohl seine Leidenschaft und sein Geschick eigentlich in der Prosa gelegen hat. Das hat dieser rührige Stendhal erst spät in seiem Leben bemerkt. Schon in seinem privaten Leben gab es eine grosse Ambivalenz. Seine Familie hatte durchaus aristokratische Ansprüche. Sein Vater sorgte für einen Privatlehrer, hielt den kleinen Sohn von der Strasse zurück. Und der begeisterte sich natürlich im Jugendalter für die Revolution und für die Jakobiner. Aber ein Teil seiner Person blieb irgendwie eltitär. Er diente in der napoleonischen Armee, kam nach Italien, nach Deutschland, ja bis nach Moskau. Von seinem Republika-nismus war schliesslich nicht sehr viel übrig. Irgendwo sagte Stendhal offenbar, das beste im Leben sei das eigene Selbst: le Moi. Darum drehe sich eigentlich alles. Und damit hat er doch wohl einen modernen Nerv der Zeit getroffen.

In der Liebe suchte er sich die unmöglichsten Arrangements heraus, zum Beispiel die glücklich verheiratete und sittsame Frau seines Vetters, und fantasierte sich in eine Liebschaft hinein, sah bei ihr dauernd diskrete Gesten ihrer Zuneigung, unterdrückten Schmerz geheimer iebe, gerötete Augen, kleine Signale etc. etc., die ihn in ständiger Aufregung hielten, die aber im RL absolut keine Entsprechung hatten. Er lebte sozusagen von fiktiven Liebesverhältnissen. Dazu hatte er natürlich unzähliche Affairen, die er in seinem Tagebuch getreulich notierte und aus denen er sich auch - wie man es von Nietzsche sagt - die Geschlechtskrankheit holte. Man spricht vom Tripper. Lues ist nicht sehr wahrscheinlich, den man N. nachsagt. Aber seine leidenschaftlichsten Lieben waren wohl - wie gesagt - die unerreichbaren.

Aber er lebte gut, war sehr wohl ein Geniesser, hatte durch seine Familien Beziehungen zur höheren Verwaltung und konnte so seine Stellungen bekommen. Er wäre zwar sehr gerne Konsul in Rom geworden, was ihm nicht gelang. Das war hart, denn er träumte vom Süden und hatte ganze Theorien entwickelt, wie sich die natürlichen und der Kunst aufgeschlossenen Italiener von den schwachen Franzosen unterschieden. Sein ganzes Leben ist aufgespannt zwischen solchen und ähnlichen Gegensätzen. Und diese Dichotomien sind ja doch typisch für das Bürgertum und heute noch in unserem Denken sehr virulent. Nietzsche war einer der ersten, der sie demaskiert hatte.
*
Ich habe in 10 Minuten eine Sitzung und muss los. Geniesse die Hitze, solange sie da ist. Bald wird es wieder Herbst und wir werden die wollenen Pullover hervorholen.
Mit einem süssen Kuss

...



RE: Stendhal

Lieber ...

(---) 

Es war wieder ein ganz heisser Tag und ältere Herren laufen in kurzen Hosen herum. Das habe ich wirklich noch nie erlebt zu dieser Jahreszeit. Sogar oben in Kalix wo 12 Grad um diese Zeit wohl normal wäre, haben sie bis zu 25 Grad warm. Schade dass ich das nicht erleben kann.

Das Unvereinbare sind "épicurien" und gleichzeitig "passionné". Beide suchen Genuss, aber der frühere hat als Ziel stille Zufriedenheit, der andere zermürbende Leidenschaft. Was denkst du davon? Aber ich glaube du kennst dich auf diesem Gebiet besser aus als ich ;-)
Er hat auch ein Buch über die Liebe geschrieben wo er sie wissenschaftlich untersucht fast wie ein Mathematiker. Vier Sorten von Liebe unterscheidet er. Und die Geburt der Liebe umfasst sieben Phasen: die wichtigste ist die "cristallisation", ein wahres psychologisches Gesetz von S. entdeckt. "on pare l'objet aimé de mille perfections.." Hat nicht Schwanitz genau das beschrieben? Vielleicht ist sein Buch sogar von Stendahls "De l´Amour" (1822) beeinflusst. Und ich denke ich bin in dieser ersten Phase hängengeblieben.. ;-)

Stendhal

Ich habe auch nachgeschaut was in unserem alten Lexikon (vom Beginn des vorigen Jahrhunderts) über Stendhal geschrieben steht und dort wird er als einer der bedeutendsten Psychologen seiner Zeit bezeichnet. Nein, nach Rom ist er nicht gekommen, aber wohl in die Nähe von Rom. Und er hat auch ein Buch über Rom geschrieben. Glaubst du man kann diese alten Bücher in der Bibliothek aufstöbern? Er schreibt keine leichte Sprache, aber sehr intelligent kommt er mir vor. Wenn du hier wärst würde ich dir vorlesen was über ihn steht. Ich danke dir, dass du mich wieder auf ihn aufmerksam gemacht hast.

(---)

Oh, so spät schon! Ich muss ins Bett. Sende dir noch einen lieben Gruss ..
Marlena

Montag, 12. Oktober 2026

Besuch im Wallis - ein kompliziertes Unternehmen

 



                 Brig       Foto Chris

Liebe Malou
Nein, ich bin noch nicht im Wallis und ich habe die kleine Ausfahrt auch noch nicht geplant. Wenn ich schon fahre, möchte ich schönes Wetter. Ich finde, das Wallis ist bei schlechtem Wetter wie eine Dampfkammer. Ich glaube nicht, dass ich diese Enge, die durch eine tiefe und dichte Bewölkung entsteht, noch lange aushalten würde. Es gibt zwar im Sommer schöne Situationen, wenn die Nebelschwaden bis tief herunter hängen.. Das kann sehr malerisch sein. Aber natürlich nicht für einen Touristen wie mich, der einmal im Jahr daherkommt und alles von der Sonnenseite her sehen möchte.

Nein, das Wallis ist eine Sonnenregion, und so sollte man sie auch sehen und fotographieren. Was mich noch zögern lässt ist die Frage, ob ich mit dem Auto oder mit der Eisenbahn losfahren soll. Mit dem Auto ist es aufwendig. Es ist eine gute 3-Stunden-Fahrt via Bern und Lausanne. Aber mit dem Auto hätte ich im Wallis die Möglichkeit, in die Seitentäler hinein zu gehen, kleine Dörfer zu besuchen und die besten Photo-Punkte aufzusuchen. In der Eisenbahn fährt man ja eigentlich nur im Eiltempo durch.




Und so würde ich wohl oder übel schliesslich in Brig landen, die Bahnhofstrasse hinauf schlendern, vielleicht auch noch die Burgschaft, dieses alte Pflaster unter die Füsse nehmen, auf dem wir so viele male auf und heruntergerannt waren, und ein paar Blicke vom alten Kollegium und vom Pensionat, der damaligen Mädchenschule, nehmen. Ach, ich weiss schon heute, wie sich das im Herzen anfühlt. Es ist so ähnlich, wie wenn du dich an einer alten Wunde kratzest. Irgendwie tut es wohl, aber die Wunde schmerzt auch wieder. Und wenn du dann abends wieder abreist, hängst du irgendwie in der Luft und bist mehr oder weniger enttäuscht über all die Dinge und Menschen, die nicht mehr sind. Ich weiss nicht, ob ich mir soviel Melancholie leisten kann? Mit dem Auto wäre ich natürlich freier und würde vielleicht eine kleine Fahrt bis hinauf ins schöne Goms machen. Das ist ein einmalig schönes Hochtal mit wunderbaren kleinen Dörfern, die noch das alte Bild erhalten haben mit den Holzbauten. Ich würde vielleicht in der Nähe Visps hinüber gehen nach Baltschieder, wo am warmen Sonnenhang praktisch eine neue Ortschaft entstanden ist. Oder ich würde in Raron aussteigen und hinauf zur Kirche wandern, wo ich schon in jungen Jahren gerne war, um über das Tal hinweg zu blicken bis hinunter zum Pfinwald.

Es wäre alles ein bisschen so, wie wenn Du nach vielen Jahren das Elternhaus wieder besuchst. Du kommst in die alte Stube, alles steht da wie in einem Traum, du siehst, dass in der Küche noch dieselbe Ordnung mit denselben Küchengeräten herrscht, und auch in Deinem Zimmer ist das meiste so geblieben, wie es war. Es ist alles noch so, wie es damals war, und trotzdem ist es nicht mehr so. Die Bedeutungen haben sich verändert. Es ist nicht mehr deine Umwelt. Aber sie hat immer noch deinen Geruch. Mindestens glaubst du, ihn zu riechen. Ach, es ist wirklich ein merkwürdig melancholisches Gefühl. Und vor allem denkst du ständig, du würdest irgendwelche bekannte Menschen treffen. In Brig auf der Strasse, die alten Figuren, die damals das Zentrum bevölkert haben. Aber nein, keinen einzigen kennst du. Das macht so ein Gefühl der Irrealität. Du fühlst dich wie in einem Film, der dir vorspiegelt, du wärst zuhause. Aber all die Leute, die herumgehen, sind bloss Statisten für deine alte Heimat. Dabei sind viele von jenen Menschen, die damals bedeutsam waren, gestorben. Und die Kollegen aus der Schule sind beschäftigt und kommen nicht auf die Idee, an einem gewöhnlichen Nachmittag die Bahnhofstrasse auf und ab zu flanieren, um sich alles ganz genau anzugucken.

Und dann kommen all die Häuser dazu, die neu gebaut worden sind. Du vermisst die alten Bauten, mit denen du immer noch gerechnet hast. Und du kannst das alles einfach nicht in solch kurzer Zeit nachvollziehen, all diese Aenderungen, die gemacht worden sind, ohne dich (!) anzufragen, ob es auch recht sei. Dies ist die Verletzung, glaube ich, die man erlebt. Es ist vieles in d e i n e r Landschaft verändert worden, ohne dass man dich vorher gefragt hätte.

Ach Du siehst, Malou, ein Besuch im Wallis ist ein kompliziertes Unternehmen. Es ist ähnlich wie die Renovation eines alten Hauses. Eine solche geht selten ohne Komplikationen ab. Und auch wenn man sanft renovieren möchte, kommt man oft nicht drum herum, das eine oder andere herauszureissen und völlig zu ersetzen. Und das Haus ist nachher nicht mehr, wie es vorher war. Vielleicht ist das die Anstrengung, die mich erwartet, wenn ich ins Wallis reise. Alle denken, er macht sich einen schönen, sonnigen Tag. Und dabei habe ich einen harten Arbeitstag mit Entbehrungen und Schmerzen und Renovationsarbeiten, so dass der Staub nur so quillt. Da könnte ich doch hier in der Region Basel bleiben und gemütlich über die Jurahöhen wandern und in irgend einem Landgasthof einen kalten Teller essen und ein Bier trinken. Etwa auf der Obetsmatt, wo ich als Kind in den Ferien hier noch den bekannten Maler Fritz Pümpin des Baselbietes gesehen hatte.
---
Ach Malou, vielleicht merkst Du, dass ich eigentlich Selbstgespräche führe. Und es ist dabei schon eine kleine Not, das muss ich zugeben. Es ist das Gefühl der Not, dass man all diese Gefühle und Situationen nicht ausdrücken kann. Man kann ihnen keine Form geben. Es schwebt alles in der eigenen Seele, ungesagt, unbearbeitet.


Freitag, 9. Oktober 2026

Re: Altweibersommer

date 29 September 17:47

Lieber ...,
Ich liebe es dich in der Welt herumfahren zu sehen, wie ein Odysseus moderner Zeit. Und wie schön und genau du diesen Herbsttag beschreibst. Auch hier hatten wir einen für die Jahreszeit unglaublich warmen Tag.. ganz sommerlich. Am Vormittag habe ich Anna zur Uni gebracht... im letzten Moment erinnerten wir uns daran, dass heute die Studenten fotografiert werden sollten. Und während sie damit beschäftigt war, habe ich mich in dem Buchhandel der Studenten aufgehalten. Ein bisschen die Literatur angeschaut, die man jetzt im Sprachunterricht verwendet. Leider etwas ärmlich. Und dann habe ich auch in Büchern von anderen Fächern etwas herumgeblättert und sie schnell wieder aus der Hand gelegt.. ;-)

In der Pause zwischen zwei Aufnahmen bin ich mit Anna und zwei ihrer Freundinnen ins Studentencafé hinuntergegangen, wo wir uns eine Weile nett unterhalten haben. Sie sind beide sehr hübsch. Sara sieht aus wie ein Bild von Tizian und Vic wie ein super Mannequin. Vics Traum ist schon immer gewesen, in einem speziellen Atomlabor in der CH zu arbeiten. ;-) Anna betrachtet sie ein wenig wie eine ältere Schwester. Vic hat ihre Mutter vor zwei Jahren verloren. und so fühle ich mich fast wie eine Art Ersatzmutter. 

Danach sind Anna und ich in die Stadt hinunter gefahren und haben zuerst einmal Lunch gegessen. Im Zentrum herrschte genau wie bei dir ein reges Leben. Diesmal kam mir nicht einmal der Gedanke, dass die Leute doch eigentlich arbeiten sollten, denn es schien irgendwie legitim an einem solchen Tag nur das Leben zu geniessen. So wie es du und ich auch getan haben heute.

Neulich hörte ich im Radio einen prominenten älteren Herrn sagen, dass er in seinem Alter keine Zeit mehr habe für Umgang mit Menschen, weil er die Zeit zum Lesen brauchte. Und manchmal denke ich so ähnlich. Man muss etwas priorisieren lernen.

Ich muss mich langsam auf den Heimweg machen. Es wird jetzt früher dunkel als man gewohnt ist. Das ist wohl das einzige, was diesen September von einem normalen Juli bei uns unterscheidet.

Übrigens sind die Flugkarten nach Paris nun bestellt. Ich kann es kaum glauben. :-)

Und nun sende ich dir liebe Grüsse und Küsse und wünsche dir einen schönen Abend.
Malou

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Altweibersommer

Liebe Malou

Heute haben wir herrliches Herbstwetter. Ich war in Bern. Im Mittelland sind wir zwar durch den Nebel gefahren. Aber in Bern selbst war es dann wieder wunderschön sonnig. Das ist der Altweibersommer! Die Stadt ist voller Leute. Wie läuft so eigentlich die Wirtschaft, wenn alle Menschen in den Strassencafés sitzen, Zeitung lesen oder einander das Fernsehprogramm vom Vorabend nochmals nacherzählen? Klar, es sind viele ältere Menschen, die so herumflanieren. Aber es gibt auch viele Junge, die herumhängen und nicht wirklich viel tun. Nu ja, jedenfalls habe ich das auch gemacht und so die Wirtschaft ebenso boykottiert. Ich war, du darfst dreimal raten, beim Staufacher. Das ist der grösste Buchladen Berns. Sehr hübsch gemacht in verschiedenen Altstadthäusern. Wenn man so, wie ich daherkam, d.h. Sozusagen als Ausländer, wenn man also ohne Ortskenntnisse hineinwagt, dann kann man sich verlieren. Es gibt so viele Stockwerke und Räume und wieder Gänge in neue Räume und dann noch ein verglaster Übergang zwischen zwei Häusern, um schliesslich auch noch in ein Café zu gelangen. Man kann sich nicht vorstellen, dass diese Bücher alle gelesen werden. Wirklich nicht. Wir sind doch in einer Zeit des Aussterbens der Bücher. Na ja, es wird immer Bücher geben, aber später vielleicht nur noch für Wissenschaftler und Bibliophile. Alle übrigen Bücher werden liquidiert, weil die Menschen ohnehin am PC sitzen und fernsehen, chatten, seriös e-banking oder intensiv flirting machen. Kurz und gut, ich bin in diesem grossen Gebäude über alle drei Stockwerke und kreuz und quer geirrt. Irgendwo habe ich sogar eine Verkäuferin gehört, die noch echtes Walliserdeutsch gesprochen hat. Ich hatte gerade keine Frage auf der Zunge, sonst hätte ich wohl. Ich würde sagen, sie ist von Brig, oder Glis oder Naters. Das ist ja eigentlich alles ein und dasselbe. Und natürlich bin ich mit einem Sack voller Bücher hinausgegangen. Ein dickes Geschichtsbuch über die Antike, zwei Porträts über Christo und über Schiele aus dem Taschen-Verlag, ein wissenschaftliches Buch über den Darwinismus und eine kleine Biographie über Hobbes. A. hat nächste Woche Prüfung und muss sich mit Hobbes auseinandersetzen. Von ihm stammt ja die Idee des ‚Gesellschaftsvertrages'. Das heisst jeder Einzelne kommt mit jedem Anderen darin überein, dass sie die Macht an einen Souverän abtreten. Das kann ein König sein oder eine Versammlung. Das ist eine geniale Art, die Dinge anzuschauen. Hätte dafür bestimmt einen Nobelpreis verdient. Rousseau und Locke haben diesen ‚Unterwerfungsvertrag' dann ja auch übernommen.
Ich habe gestern Abend mit A diskutiert und argumentiert, dass gerade in einem Land wie Iran diese Idee nicht verwirklicht worden ist. Dort verstehen sich die Regierenden nicht als beauftragt durch das Volk, sondern sie fühlen sich bloss als die durch das Volk Privilegierten. Sie haben sozusagen noch einen gesellschaftlichen Naturzustand, in dem jeder gegen jeden kämpft und der Stärkste natürlich dann einfach den Löwenanteil davonträgt. Ich finde diese Fragen interessant. Und ich stelle fest, dass man solche Dinge in einem katholischen Kollegium einfach kaum gehört hat. Wir sind in der Geschichte auch nicht soweit gekommen. Die Aufklärung mit der französischen Revolution, für die bestand dort absolut kein Interesse. Und von Darwin wurde kein Wort gesprochen. Siehst du, welch rückständige Bildung ich mit mir herumschleppe, Malou? Die Katholiken haben mich wirklich ein bisschen handicapiert in meinem Leben, und die Muslime wohl auch! Du hörst richtig, im Moment bin ich ein Protestant mit einer Neigung zum Liberalismus.

Na ja, daneben lese ich gerade ein Büchlein über die Globalisierung. Und dort werden auch Fragen der Demokratie diskutiert. Du siehst, ich bin mittendrin in der Weltrevolution. Und ich schwimme nach Kräften und japse zwischendurch nach Luft. Es ist wunderbar, wenn man lesen kann, wozu man gerade Lust hat. Das ist das wirkliche Paradies. Unser Lehrer am Gym hatte uns immer geraten, viel zu lesen, weil wir später, wenn wir mal erwachsen wären, keine Zeit mehr dazu hätten. Aber leider haben wir ihm das nicht geglaubt. Was wir nicht geglaubt haben, ist nicht ganz klar. Vielleicht, dass wir nie erwachsen würden? Vielleicht dass es unmöglich sei, ein ganzes Leben zu leben und keine Zeit zu haben, wo doch das Leben aus nichts anderem als aus Zeit besteht? Na also, wir haben uns jedenfalls mehr auf den Strassen herumgetrieben anstatt zu lesen. Heute wäre das ok. Heute lernt man auf der Strasse mehr als in der Schule. Aber damals war die Welt noch umgekehrt. Damals hat die Schule noch Alltagserfahrungen geordnet und zu kompakten Wissensblöcken gepresst.

Und jetzt gehe ich meine kleine Siesta machen. Das ist unbedingt nötig, schliesslich bin ich sozusagen Patient.

Mit lieben Grüssen und Küssen
...


Montag, 5. Oktober 2026

Ungerer ganz kurz


Subject: Ungerer ganz kurz..
Date: Thu, 19 Feb  

Lieber ...,
Es freut mich sehr, dass du das Bild genau so magst wie ich. Und du hast es wirklich gut beschrieben. Die Harmonie und Lebensfreude, die es zeigt, gehen direkt ins Herz. Ich glaube sie müssen dort eine herrliche Zeit zusammen verbracht haben.. und sicher hat die Freude in flüssiger Form auch dazu beigetragen.

Hier noch ein Bild bei aus der Künstlerkolonie. Links Kröyer mit seiner hübschen Frau und rechts der Schriftsteller Otto Benzon.



Ich möchte dir auch danken, dass du mich auf Ungerer aufmerksam gemacht hast. Habe eine wunderbare Site gefunden, http://www.arte-tv.com/thema/19971125/dtext/home.html wo man über ihn und sein Werk lesen kann. Du musst dir auch die französische Variante ansehen. Dort gibt es ganz herrliche Aphorismen von Ungerer.
Ich bin etwas in Eile, komme aber später wieder. Bis dahin liebe Grüsse,
Malou

PS:    https://www.tomiungerer.com/drawings

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RE: Skagen - Rilke und Ungerer


Liebe Malou
Ja, das Bild ist sehr schön. Ich mag solche Bilder, wenn ich auch weiss, dass der Stil längst vorbei ist. Er ist wohl postimpressionistisch, ungefähr so wie Bonnard und andere. Alles schaut so sinnlich und lebensfreundlich aus. Das gute Licht, der volle Tisch, die plastisch gemalten Gesichter. Es ist eine durch und durch bürgerliche Malerei, die das bürgerliche Leben geniesst. Und vielleicht sieht man auch ein bisschen von dem speziellen Licht in Skagen, wie Du darauf hinweist. Man hat ja wohl den Eindruck, das sei alles sehr realistisch gemalt, inklusive die Jungendstil Lampe, die oben hängt. Aber ist im Gegenteil sehr gut durchkomponiert. Wenn man sich die Wandaufteilung im Hintergrund anschaut, muss man feststellen, dass sich der Maler viel dabei überlegt hat. Es gibt einen guten Rhythmus quer durch das Bild hindurch. Und die schöne Rückensicht des Typen links im Vordergrund. Das schafft den Eindruck der Tiefe ins Bild hinein. Ja, man hat den Eindruck, dass man selbst auf einem Stuhl in der Runde dieser Geniesser sitzen würde. Und das Glas Rotwein im Vordergrund ist zum Greifen nahe. Daneben die dunkle Person im Gegenlicht. Schön, wie der Bart scheint. Ja, gefällt mir sehr gut. Man möchte doch dabei sein, nicht wahr. Und man fühlt etwas von der Lebendigkeit einer vergnügten Diskussion in freundschaftlichem Kreis. Muss ich mir merken, die Skagen Maler, auch wenn Du sie schon in historischer Zeit mal erwähnt hattest.

Nein, von einem Taric Ramadan habe ich nie gehört. Und er soll ein Imam sein? Das klingt doch alles eher merkwürdig. Aber so ist das in diesen multikulturellen Zeiten. Wenn man sich in fremden Kulturen aufhält, ist man vor Überraschungen nie gefeit. Ein Imam ist einer der höchsten kirchlichen Positionen in der Schia, und ich kann mir nicht vorstellen, dass einer in die USA gehen würde, um im Land des Teufels mit den Leuten des Teufels zu leben. Das muss ein echter Irrgänger sein. Oder eine Zeitungsente?

Ja, genau der Anfang des Artikels hat mir auch gefallen. Deshalb wollte ich ihn gerne zu Ende lesen. Man hört daraus, dass Rilke doch auch ein sehr merkwürdiger Kerl war, einer, mit dem man wohl nicht hätte zusammenleben können. Und auch ich habe mir vorgestellt, wie rege sein Briefverkehr kreuz und quer durch Europa gewesen sein muss. Da gab es keine Zeit zum Herumhängen. Er hat wohl wie in einer Tretmühle seine Briefe abgearbeitet. Aber ich glaube, dass die Briefe ihm ein gutes Medium waren, seine Lyrik zu entwickeln. Und sie waren ihm wohl auch so etwas wie sein Tagebuch. Na ja, vielleicht hat er daneben noch ein Büchlein geführt, wo er seine kleinen Tagesereignisse festgehalten hat. Aber ich denke, die Briefe waren ihm schon Hilfe genug, was immer er tagsüber gesehen und erlebt hat, in Schriftlichkeit zu überführen, in dieses Medium, womit er dann auch gearbeitet hat. Er war wirklich ein sublimer Typ. Und ein paar Tage glückliche Verliebtheit mit einer echten Frau aus Fleisch und Blut hätten ihn doch wohl aus der Balance gekippt.
Ich habe noch den Garten von Muzot in Erinnerung. Muss ein Märztag gewesen sein, kein Schnee mehr, aber noch immer dieser Duft in der Luft. Mein Bruder hatte noch die Wohnung oberhalb Sierre, und ich war am Nachmittag hinaufgewandert, zum Schluss über die halbtrockenen, vom Schnee plattgedrückten Wiesen. Es ist dieser Duft, der nach Frühling riecht. Aber der Frühling ist noch weit entfernt. Diese astmosphärische Situation dauert im Wallis ziemlich lange an. Und ich bin dann am Gartenzaun von Muzot gestanden und habe mir dieses kleine Gärtchen angeschaut. Es war so ruhig und friedlich und unberührt, dass die Zeit still zu stehen schien. Nur ab und zu ein Knacken. Ich glaube, es war die warme Sonne, die dies bewirkte, und die Natur schien sich im Erwachen zu räkeln. Das Haus selbst, der Turm, schien noch winterlich und kalt.
Es muss ein sehr einsames Leben gewesen sein, das Rilke hier geführt hatte. Die nächsten Häuser waren vielleicht einen knappen Kilometer weit. Dort, in der Kurve der Strasse nach Montana gab es einige Häuser, aber damals wohl nicht viele. Von Sierre musste der Fussmarsch bis hier hinauf eine gute Stunde gedauert haben. Na ja, vielleicht waren die Menschen damals noch etwas besser zu Fuss als wir heute.

Kurz und gut: dort oben zu wohnen und zu arbeiten, das konnte man nur einem sehr merkwürdigen, mehr oder weniger irren Menschen zutrauen. Ich frage mich, wie die Einheimischen damals über Rilke gesprochen hatten. Aber vielleicht waren die Menschen damals noch toleranter angesichts solch fremder und schillernder Vögel.

Ich lese gerade ein kleines Tagebuch von Ungerer, dem Elsässer Zeichner. Er hat es vor ein paar Jahren geschrieben und zusammen gestellt. Dabei konnte er viele Zeichnungen und kleine Texte aus seiner Kinderzeit verwenden. Es ist interessant, weil es die Zeit des Nationalsozialismus schildert. Und die Elsässer hatten damals eine schwere Zeit, gehörten einst zu Frankreich, dann wieder zu den Deutschen. Jedenfalls habe Petain sie den Deutschen verschenkt, so dass dann um die 100'000 Elsässer als Kanonenfutter im Russlandfeldzug der Deutschen mitgemacht hätten. Offenbar war Ungerers Mutter eine sehr hübsche Frau. Sie war früh verwitwet und musste ihre vier Kinder allein durchbringen. Und das hat sie sehr gut gemacht mit einer genialen Mischung von Rafinesse und fast aristokratischer Gesinnung. Sie konnte offenbar sehr gut schauspielern und hat damit erreicht, was immer sie wollte.
Ich mag Ungerer vor allem als Zeichner. Er hat viele gute und schöne Dinge gemacht. Daneben hat er aber auch eine mehr oder weniger perverse, sagen wir pornographische Seite. Er lebt heute in Irland, wenn ich mich nicht irre. Er schaut immer noch ziemlich jung aus, manchmal bubenhaft. Aber ich glaube, er ist um die 70. Und wenn ich seine Erinnerungen richtig lese, hatte er als Bube doch ziemliche Komplexe. Zumindest deutet er in seinen Schilderungen so was an.
Aber er ist ein lustiger Typ und er war als Grafiker in den USA sehr erfolgreich. Und er hat einen Teil seines Elsässer Charmes behalten.

Ich muss Dich lassen.
Mit lieben Ges und Kas
...

Skagen

 

(ungekürzt)

Subject: Kunterbunt.. unter grauem Himmel..

Lieber ...,
Skagen ist ein Ort in Dänemark. Es liegt am Meer und hat ein ganz besonderes nordisches Licht. Deswegen hat es auch viele Maler angezogen, die dort eine Künstlerkolonie gebildet haben. Der wohl bekannteste von ihnen ist Peter Kröyer, von dem ich dir vor langer Zeit mal geschrieben habe, weil ich damals ein Buch gelesen habe über seine schöne Frau Marie, die auch Künstlerin war.
Die "Skagenmaler" sind also ein Begriff für uns hier im Norden. Ich schicke dir ein Bild mit, wo sie sich selbst abgebildet haben.



Du brauchst nicht neidisch zu sein auf meine Freiheit. Nur noch zwei Tage - dann ist das ganze vorüber. Es wundert mich immer wie schnell die Zeit vergeht, wenn man frei ist. Eben vielleicht, weil man hofft dass die Tage richtig lang sein sollen.
Auch heute war ein grauer Tag und ich habe nur das Haus verlassen um einzukaufen. Hier sah es schon aus wie bei einer Kirchenmaus und ich musste mit Lebensmitteln nachfüllen.

Gestern abend habe ich "Les 400 coups" von Truffaut gesehen. Ein bisschen lustig, dass man diesen Film gerade jetzt zeigt, denn vorige Woche habe ich meine Schüler die ersten zehn Minuten dieses Films sehen lassen. Ich hatte mir diese 10 Minuten vor langer Zeit einmal als Kostprobe auf Video aufgenommen. Es passte gut zu unserem Text über die Geschichte des Films, wo gerade dieser Film als einer der wichtigsten der französischen "nouvelle vague" bezeichnet wurde.

Hoffentlich geht es deinem W bald wieder gut. So musst du wohl diese Woche auf seine Gesellschaft verzichten. Ich bin auch nicht so besonders begeistert von solchen Festen, wie die Fasnacht. 1:10.000 klingt gut. Aber ich denke es gibt mehrere, die dieselbe Einstellung haben wie du. Nur dass sich eben auch die irgendwo hinter ihren Gardinen verstecken. Hast du übrigens nun Gardinen in deinem Büro?

Ich weiss, dass du viel zu tun hast jetzt. Ich kenne schon ein wenig deinen Jahresrythmus und ich glaube um diese Zeit bist du immer ziemlich mit Arbeit überhäuft. Du bist lieb, dass du dir trotzdem Zeit nimmst mir meine tägliche Ration zu senden. "On devient responsable de ce qu'on apprivoise". :-)

Ich habe heute von einem sehr karismatischem Imam gehört, der zukünftig an einer katholischen Universität in den USA unterrichten wird. Taric Ramadan heisst er und er ist in der Schweiz aufgewachsen. Es gab einen Artikel über ihn vor kurzem in "Le Nouvel Observateur". Hast du je von dem Mann gehört?

Der Artikel über Rilke und seine zwei "Lieben" war ganz gut, aber doch auch etwas komisch. Ich weiss nicht ob es die Sprache war.. Aber die erste Passage war recht interessant. Ich dachte, vielleicht ist es auch so mit meinem Mausfreund. Korrespondenzen, die sich überlappen.. Im VL ist das ja durchaus möglich.
Siehst du, was mich gewundert hat ist, dass man auf dem Buch, das die zwei Freundinnen von Rilke, Clara und Paula schildert, das bekannte Bild von Kröyer sieht, wo er seine Frau Marie und ihre Künstlerfreundin abgebildet hat.



K hat gerade angerufen und mir mitgeteilt, falls ich es noch nicht wüsste, dass ich nun nur noch zwei Tage frei habe.. während er seine freie Woche ungraviert vor sich hat. Er ist ein richtiger Sadist, der es liebt solche Botschaften zu überbringen. Aber ich gönne es ihm, dass er eine zeitlang schöne faule Tage in seinem Heim geniessen kann. Wahrscheinlich wird er dann auch sein kleines Treibhaus einweihen. Nicht Mohrrüben, aber Tagetes wird er züchten. Du weisst, dass Rosen besonders schön blühen, wenn man Tagetes in ihrer unmittelbaren Nähe pflanzt. Sie bekämpfen die für die Rosen schädlichen Nematoden. Oder so ähnlich... ;-)))

"Il faut cultiver notre jardin"! Vielleicht hat er Recht, der alte Voltaire.
Weisst du, dass Voltaire auch Poet war? Hier ein paar Zeilen aus einem seiner Gedichte:

"On meurt deux fois, je le vois bien:
Cesser d'aimer et d'être aimable,
C'est une mort insupportable;
Cesser de vivre, ce n'est rien."

Was denkst du über das Bild mit den Skagenmalern? Impressionistisch, oder?

Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen angenehmen Tag,
H+K,
Malou


Samstag, 26. September 2026

Petrarca

 

Ämne: Herbstlich
Datum: den 21 september  23:16

Lieber ...

Danke für das leckere Dessert, mit dem du mich am Wochenende verwöhnt hast. Wie hast du gewusst, dass ich mich nach einer süssen Nachspeise gesehnt habe?

Ach nein, du langweilst mich doch nicht. Im Gegenteil. Ich finde es interessant, was du mir von Petrarca erzählst. Ich bin dann auch zu unserem alten Lexikon gegangen und habe nachgesehen, was sie über P schreiben. Und wenn ich dieses alte Buch konsultiere dann glaube ich zu verstehen was du meinst. Denn obwohl das Buch so spät wie 1915 geschrieben ist, so überrascht es mich immer, wie anders man damals mit den Worten umging. Alles scheint so ganz konkret und ohne Verstellung geschrieben. Man nennt Dinge bei ihrem richtigen Namen. Heutzutage muss man den geheimen Code kennen um die wirkliche Bedeutung eines Textes verstehen zu können.
Ich lese u.a. ”Nach dem Vorbild von Cicero und Seneca hob er das Briefschreiben zu einer wirklichen Kunst; man schätzte sich glücklich Briefe von ihm zu erhalten ...” Ich glaube du bist ein moderner Petrarca. Weisst du übrigens, dass P. und sein Bruder beide geistliche waren. Aber das war zu einer Zeit, wo man als Geistlicher keineswegs auf weltlichen Genuss verzichten musste.
Nein, mein lieber Maufreund, ich habe nichts dagegen, dass du mich ins späte Mittelalter zurückführst und mit P bekannt machst. Ich verstehe deine Begeisterung.

--------

...

Re: Herbstlich

den 22 september 06:58

Petrarca

Liebe Marlena

Ja, diese Biographie über Petrarca ist interessant. Ich hatte wirklich nicht allzu viel über ihn gehört bisher. Ps Bruder war Geistlicher. Petrarca selbst war eigentlich Jurist, hat aber sein Studium, das er in Monpellier angefangen und in Bologna fortgesetzt hat, nicht beendet. Durch den frühen Tod seines Vaters sind die beiden Brüder dann reich geworden. Und so konnte Petrarca sich dieser Briefschreiberei widmen. Er war oft Berater von hohen geistlichen Würdenträgern und hatte freundschaftliche Beziehungen zu vielen grossen Leuten in Europa. Und Cicero ist wirklich eines seiner grossen Vorbilder.

Am interessantesten finde ich die Änderungen seines Weltbildes vor dem Hintergrund jenes Dantes, wie er es in der Divina Commedia dargestellt hat. Beide, Petrarca und Dante, waren von ihrer Abstammung her Florentiner. Und beide lebten im Exil sozusagen. P hat immer wieder gegen dieses Avignon gewettert und alle seine Bemühungen in den Versuch gesteckt, einflussreiche Männer zu gewinnen, damit die Kurie der katholischen Kirche zurück nach Rom gehe.In seinem Herzen lebte er für Rom. Gegenüber Dantes vertikalem Weltbild, das durch die Perspektive der göttlichen Allmacht gesehen ist, gibt sich Petrarcas Weltbild horizontal. Es ist wie eine Landschaft, in der man dahinpilgert, und immer neue und verschiedene Erfahrungen macht. Das Wesentliche ist in Petrarcas Welt die Vielheit, gegenüber jener der Einheit bei Dante. Die vielen neuen Erfahrungen, die neuen Dinge, die im Horizont auftauchen, zeigen eine Art Unübersichtlichkeit, wie wir sie heute wieder konstatieren. Individuelle Perspektivität ist das neue Charakteristikum der Weltsicht. Und das ist nun wirklich sehr modern.

...
 

Mittwoch, 23. September 2026

Eine lustige Übung im Kurs in NY

 

date 9 November 8:10
subject Re: Und heute?



Liebe Malou

Weisst du was mir ab und zu durch den Kopf geht. 'Malou' ist doch nicht die Kürzung von Marlena, sondern von Marielouise allenfalls. Dem würdest du doch, aus Laiensicht gesehen, zustimmen, nicht wahr?
Aber das sind nicht die grössten Steine, die ich wälze.

Es ist hier doch auch ziemlich kühl geworden. Ich glaube, das macht der klare Himmel. Sobald die Wolken kommen, wird es milder. Wir haben bald unser Bürofest und ich muss mir noch ein paar Worte dazu einfallen lassen. Ich glaube, es wird ein arges Gedränge geben in unseren Räumen. Und ich hoffe, die Tragkraft der Konstruktion hält den Belastungen stand.

Gestern habe ich undendlich viel geschlafen. Ich bin immer noch etwas mitgenommen von meinem Giftunfall. Nu ja, es ist auch schön, wenn man wirklich gut und tief schlafen kann. Ich habe gestern abend eigentlich gar nichts anderes gemacht. Wenig gegessen, ein bisschen gelesen, ein bisschen ferngesehen und dann, wie gesagt, geschlafen.

A propos Erotik. Du befürwortest eine grosse Liebe und lässt die Erotik links liegen? Nun, das sind zwei verschiedene Dinge. Man kann nicht das eine gegen das andere ausspielen. Erotik ist doch prima, insofern sie gar nicht allzuviel mit Sex und Geschlecht zu tun hat. Sie ist sehr vielgestaltig und zeigt sich in einer gepflegten Sensibilität und einem sensiblen Charme ... oder wie könnte man das anders umschreiben? Leider gibt es hier in der Schweiz nicht allzu viele Vorbilder, denen man nacheifern könnte.

Da erinnere ich mich an eine lustige Übung, die wir damals im Kurs in NY gemacht hatten. Es galt, sich gedanklich eine Person aus dem Leben, die man kennt, vorzunehmen, um sie sich in gewissen Aspekten als Vorbild zu nehmen. Ich hatte die Aufgabe, die übung mit einem jungen Inder durchzuführen. Er war mit seinen grossen Augen und dem ständigen Lächeln im Gesicht einer der jüngsten Kursteilnehmer, und er hatte mir erzählt, dass er in London Wirtschaft studiere, wo auch sein Vater als Wirtschaftsberater tätig sei. Und so versuchte ich, so gut es ging, ihn durch diese Vorstellungen und Erlebnisse hindurch zu führen. Ich war erstaunt, wie lebhaft er reagierte. Seine Augen flackerten, wie das in der Trance oft geschieht. Aber sie flackerten so wild, dass ich den Eindruck bekam, er würde bald abheben und vom Stuhl mir gegenüber davonfliegen. Er war wirklich sehr durchwühlt und ich, wie das in diesen Tranceübungen auch üblich ist, hatte kaum Ahnung, worand er inhaltlich gerade dachte. So liess ich ihn also zum Abschluss der Übung vorsichtig wieder in unserem Raum auf diesem Stuhl landen und zu sich zurückkommen. Als er die Augen öffnete und wieder präsent war, erzählte er mir ganz begeistert, dass er die Gottheit Shiva zu sich eingeladen hatte. Donnerwetter, dachte ich mir, wenn ich gewusst hätte, welche Person er sich hier ausgewählt hat, dann wäre von meiner Seite wohl etwas mehr Respekt angebracht gewesen. Kurz und gut, ich war bloss erstaunt, dass ein Inder, auf die Aufforderung, sich eine Person vorzustellen, sich gleich eine Gottheit vornimmt. Offenbar leben sie dort mit ihren Göttern selbstverständlicher von du zu du als es hier in Europa die Christen tun.
Überigens hatte er ein andermal auch etwas Interessantes gesagt, was mir aufgefallen ist. Er meinte, dass er in diesem Kurs viel lerne. Aber er habe nicht den Eindruck, dass es neu sei. Vielmehr meinte er, er hätte dies alles schon gewusst, und der Kurs sei vloss dazu da, dies alles bei ihm wieder zu wecken. Fand ich sehr bemerkenswert, dass man Lernen so verstehen kann. Und ich glaube, dass man leichter lernt, wenn man so denkt. Es erinnert ja ein bisschen an Platons Theorie der ewigen Ideen. Auf jeden Fall hatte ich mir überlegt, dass wir Europäer für das Lernen hohe Mauern aufbauen, indem wir immer wieder betonen, wie neu das Neue sei, das wir lernen. Es gibt ja - andererseits - nichts neues unter der Sonne. Und wer in dieser Welt lebt und mit ihr verbunden ist, der ist mit allem schon irgendwie verwandt. Es ist sozusagen eine Betonung der allgemeinen Verwandtschaftlichkeit in dieser Welt. Und sie reicht bis hinauf zu den Göttern, und bestimmt auch hinunter zu den Tieren, wie wir dies von den Indern auch wissen.

Als ich zum ersten Mal im Iran war, da war die UNO noch voll funktionstüchtig. Ich glaube, S hatte einen Vorgesetzten, der Inder war. Dr. Singh, wie hätte er auch anders heissen können. Er war mit einer Perserin verheiratet, und an einem Wochenende hatten sie uns in ihr schönes Haus oben in Shemiran eingeladen. Sie lebten sehr schick und sehr auf Repräsentation. Ein andermal waren wir mit anderen Indern in ein indisches Restaurant eingeladen. Ich erinnere mich bloss noch an die scharfen Saucen und an die hübsche, aber ziemlich resolute Inderin, die mir gegenüber gesessen hatte. Ich glaube, die Inder sind ein ziemlich potenter Volksschlag. Sie sind ethnisch überigens mit den Persern verwandt.

Ich muss zur Arbeit.
MLG

Samstag, 19. September 2026

Wie schade ...


Datum: den 4 november 22:57

Lieber ...,
Es ist schade, dass du nicht diese Site mit den kleinen Sprüchen von Andy Rooney öffnen konntest. Hier eine kleine Kostprobe. Alle beginnen mit den Worten "I've learned.. "

I've learned.... that being kind is
more important than being right.


Findest du das nicht auch klug und schön gesagt. So ist es doch. Es erzeugt ein bisschen mehr Harmonie auf Erden. Manche Menschen sind auch so klug. Mein K zum Beispiel. Ich konnte das anfangs schwer verstehen. Dachte immer, wieso sagt er nicht wie es sich wirklich verhält, wo er es doch weiss. Aber immer mehr sehe ich ein, dass es im Leben nicht darum geht Recht zu haben. Man muss es jedenfalls nicht immer den anderen wissen lassen.

(---)

Auf der Wetterkarte kann ich sehen, dass du dich im Moment in einer "jungen Periode" befindest. Es ist lustig, dass wir uns nun ab und zu über das Altern unterhalten. Und hinter deinen spassigen Bemerkungen über dein Aussehen und Alter, steckt doch viel Wahrheit. Manchmal sieht man unverschämt jung aus. Fast wie ein Teenager und dann gibt es müde Tage, an denen man am liebsten schnell an den Spiegeln vorbei geht. Bei einer grossen Geburtstagsfeier einer Kollegin wurde mal ein schönes Gedicht über das Alter der Menschen vorgeführt. Das muss ich wiederfinden. Vielleicht gibt es auch eine Übersetzung davon. Wir sind wohl die einzigen Lebewesen, die sich ihres Verfalles bewusst sind.
Ich erinnere mich an einen meiner besten Freunde. Er war ein Kollege von mir und ich ging ab und zu nach der Schule mit ihm Tischtennis spielen in der nahen Sporthalle. Er war ein äusserst sympathischer Mensch und sehr beliebt von allen Frauen, sowohl von den ledigen wie von den verheirateten. Als er kaum 45 war beklagte er sich einmal über das alt werden. U.a. meinte er, er könnte kaum mehr eine Frau lieben und dabei über ihr sein, weil dann sein Gesicht sehr unschön wäre, wenn alles so herunterhängt. Ich fand diese Äusserung sehr komisch damals, aber ich habe begriffen, dass ihm das Altern wirklich Kummer machte... in so frühen Jahren sogar. Dabei war er ein schöner jugendlicher Mann. Wir hatten eine tiefe Freundschaft und er war eine Mischung von Bruder, Vater, und Freund zugleich. Mehrere Jahre, nachdem er hier weggezogen war, trafen wir uns immer noch Anfang Juni und gingen zusammen aus essen um einander das vergangene Jahr zu erzählen. Ab und zu kamen Ansichtskarten aus allen Teilen der Welt. Als ich letzthin von ihm hörte hatte er ein Haus in Spanien und wohnte nur während der schönen Sommermonate in Schweden. Und jetzt weiss ich nicht einmal ob es ihn noch gibt. Wenn ja, dann hat er sich vielleicht künstlich verjüngern lassen. Er sprach manchmal davon und Geld hatte er ja genügend. In seinem letzten Brief schrieb er, dass er sich an mich erinnerte als "das Mädchen mit den strahlenden Augen, dem herrlichen Lachen und dem Schütteln der Mähne".
Ich wünsche, dass er noch am Leben wäre, denn er liebte das Leben.
Ach, verzeih mir, .... Aber man hat nicht allzuviele richtige Freunde, die auch am anderen Ende der Welt einem ein Gefühl von Geborgenheit schenken durch ihre blosse Existens.
*
Am Wochenende ist Vatertag. Ich hoffe, dass Anna kurz nach Hause kommen kann.

Issi - 13 Jahre alt

Wir müssen auch Issi begraben, die immer noch in der Tiefkühltruhe draussen im Lagerraum (heisst es so?) liegt. Wohl emballiert natürlich. Wir müssen sie begraben, während die Erde noch nicht gefroren ist. Ich vermisse sie immer noch. Es ist leer hier wenn ich nach Hause komme. Gern würde ich mir auch eine Katze anschaffen. Aber wegen des Nachbars Katzen wäre das wohl unklug... und auch beim reisen ist es etwas schwierig. Vielleicht doch wieder ein kleines Vöglein oder zwei. Ich werde sehen.

...
So grüsse ich dich lieb und hoffe bald von dir zu hören.

Marlena

Mixed triple ..

 

Ämne: Mixed triple
Datum: den 3 november  21:50

Lieber ...,

Ich werde K vorschlagen, auch Moslem zu werden. Zwar kann er ja dann auch mehrere Frauen haben (oder?), aber das wäre sein Problem und nicht meines. ;-)

Na ja, ich lasse dich frei wählen, wie du meine Fragen verstehen willst. Es ist am besten so. Vielleicht halten wir uns somit leichter in anständigen Grenzen. *s*
Die Frage, ob du etwas von einem schwedischen Schriftsteller gelesen hast, hast du nun zum dritten Mal übersprungen. Aber vielleicht bedeutet "keine Antwort" so viel wie "nein". Das ist ja auch zeitsparend und ganz OK.

Um nochmals zu den Löwen zu kommen, so ist es wirklich so dass, immer wenn man eine Löwenfamilie auf der Savanne zeigt, im Schatten unter einem Baum, es schliesslich zu einer Paarungszene kommt. Scheinbar haben sie nicht wie andere Tiere besondere Brunstzeiten sondern sind immer bereit (wie die Menschen). Oder auch hat das Filmteam ein besonderes Interesse gerade an solchen Szenen.
*
Ach, du bist lieb. Ich kann zu dir kommen mit meinen kleinen Sorgen und wenn ich mich gestresst fühle. Das ist ein schönes gutes Gefühl. Du musst dich auch garnicht darin vertiefen, sondern nur "schäumen",  wie wir es nennen.

Heute wünsche ich, du wärst hier. Das kommt nicht so oft vor, denn ich sehe dich meist als ein abstraktes Wesen irgendwo in der Ferne, das zwar seine Gedanken vermittelt, aber doch selten einen Körper hat. Doch manchmal hast du plötzlich einen und dann möchte ich, dass du mir zeigst wie es ist mit dieser Vorspeise vor den Mahlzeiten. Sorry... war wieder gegen alle §. Ich werde mich verbessern müssen. :-)

Ja doch, 3.000 Mails sind es bestimmt schon, wenn nicht sogar 4.000 und nimmt man dann auch meine dazu, so müssten es wohl bald an die 10.000 sein. Dazu kommen ein paar Chats, die ich auch besitze. Weiss wirklich niemand von deiner Korrespondenz mit mir? Ach ja, du hast mehrere und dann ist es wohl nicht so aufsehenerregend mich darunter zu haben. Ich finde es schön, dass ich ab und zu mit Anna über dich sprechen kann. Manchmal lasse ich sie auch Passagen aus deinen Mails lesen. Es ist gute Literatur für sie und ich freue mich, dass sie es unbehindert lesen kann und fast alles versteht. Auch sie freut sich über deine schönen Formulierungen. Und natürlich weiss sie auch, was ich von dir halte. D.h. wie sehr ich an dir hänge und wie ich deine Mails liebe. H weiss dass ich mit jemandem im Ausland mein deutsch übe und dass ich das Glück gehabt habe, einen fantastischen Schriftsteller zu finden. Sie fragt nur, worüber ich schreibe und auch mich wundert es sehr, wie ich in diesem karierten Dasein immer wieder etwas finde, das ich dir gerne schreiben möchte.
*
Ich hab übrigens Anna das letzte Bild von dir gezeigt und ihre Reaktion war: Oh, sieht er so jung aus? Auch ich selbst war etwas erstaunt, denn ich hatte mir dich mehr wie Andy Rooney vorgestellt. Der soll immerhin schon über 80 sein.. *s*  Aber er ist doch einer meiner Favoriten, wenn er sich am Ende jeder Sendung von CBS über irgendetwas Dummes beschwert. "...wacky TV commentaries on life's little annoyances" wie da steht. Man könnte sich glatt in ihn verlieben.

Hier kannst du ihn sehen, und sicher wirst auch du zugeben, dass es gewisse Ähnlichkeiten gibt zwischen euch, sowohl im Aussehen wie im Charakter.



http://www.chickenhead.com/features/rooney/

Schau dir auch diese kleinen Sprüche an von ihm: http://www.quotemeonit.com/rooney.html
Die musst du dir wirklich Zeit nehmen zum lesen. Sind sie nicht gut?

So mein lieber Mausfreund. Dieses Mail ist zustande gekommen, weil ich mich allzu gern mit dir unterhalte, aber natürlich auch, weil ich will, dass du ein Morgenmail von mir findest zu deinem Kaffee, worauf du antworten kannst.

Alles Liebe
Marlena