Date : Sat, 30 Sep
Lieber,,,
Ich war gerade dabei deinen gestrigen Brief noch einmal durchzulesen als dein neuer eintraf. Ich weiss nicht wie es kommt, aber nichts könnte mich eigentlich mehr freuen als von dir zu hören.
Ja, kannst du dir denken, in einem "mutigen" Augenblick habe ich dir nun doch eine Adresse geschickt. Ich werde deine Post spätestens einen Tag später erhalten als sonst.
Es hat mich ein bisschen überrascht, dass du nun meine Karten doch als etwas "gewagt" betrachtest. Ich werde versuchen deinen Ruf zu verbessern, indem ich dir eine Karte schicke, die von mir und K unterschrieben ist. OK?
Das Buch, von dem du sprichst (siehe unten), werde ich mir besorgen. Es interessiert mich sehr, denn dieses neue Medium ist eine wirkliche Revolution aller Verbindungen und die Welt wird nie mehr dieselbe sein. Nun, bei euch auf dem Kontinent ist es noch nicht so schlimm. Aber bei uns, wo nun bald jeder Mensch einen Internetanschluss hat, merkt man schon die Folgen.
Jetzt kannst du mir ja auch ein neues Bild von dir senden, ohne vorher Walter bitten zu müssen, es zu scannen. Schicke mir doch auch welche von deiner Umgebung. Du kannst sie mir nur zum Ansehen senden und ich schicke sie dann wieder zurück.
Ach, Chéri, du verstehst sicher, was ich meine. Über mich selbst darfst du alles wissen. Aber ich kann dir nicht Dinge erzählen, wo ich die ganz private Sphäre anderer Leute beeinträchtige. Die anderen müssen anonym bleiben. Nicht ich.
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GuK
Marlena
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Liebe M..
Ich habe gerade ein interessantes Buch gefunden, das zu lesen ich angefangen habe. Es heisst "Die Himmelstür zum Cyberspace" von einer amerikanischen Wissenschaftsjournalistin namens Margaret Wertheim. Ich bin noch nicht so weit in der Lektüre, aber man kann alles nachlesen, was wir beide schon diskutiert haben über Platonismus, den klassischen Dualismus von Körper und Geist, den Cyberspace als die RES COGITANS Descartes' und viele ähnliche Dinge, inklusive alles, was mit dem Symbol eines Turmes assoziiert sein könnte. Ich glaube, Marlena, wir haben unsere imaginären Bedingungen gar nicht so schlecht durchschaut. Und darüber können wir doch ein wenig stolz sein.
Solche Fragen der modernen Medien, und wie sie unser Weltbild verändern können, das interessiert mich mehr als die technischen Fragen des EDV-Systems. Doch natürlich muss ich zugeben, dass ich oft bei Diskussionen schweigen muss, und dass ich in vielen kleinen Situationen des Alltages ein wenig hilflos sein kann.
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