Montag, 28. November 2016

Re: Advent



Ämne: Re: Ja, der Advent des Advents
Datum: den 27 november


Liebe Marlena
Nein, niemals langweilst Du mich. Du schreibst so plastisch, mit einer feinen Ironie! Und aus einer femininen Position. So wie ich es nie könnte. Ich bewundere es. Ich höre und sehe, wie gescheit Du bist. (Du kennst das Wort "gescheit", nicht wahr?) Es ist wirklich ein Vergnügen, Dir zuzuhören. Auch wenn Du über Deine Arbeit und Deinen Direktor sprichst.
Aber dass Du einfach so geschriebene Mails in den Abwässern des Internet verschwinden lässt, das kann ich weniger gut verstehen. Ist mir zwar anfangs auch ein oder zwei Mal passiert. Aber seither gebe ich ziemlich acht!
*
Ja, wie ein König in der Runde seiner Leibärzte. Diese Fantasie hatte ich auch einen Moment lang, bevor die Gäste ankamen. Und ich habe mir gedacht, sie beobachteten mich jetzt sehr genau, wieviel ich esse und wieviel - vor allem - ich trinke.
Der Abend war eigentlich ganz gut. Wir hatten ja ein kleines Ungleichgewicht. Es waren 4 Männer und nur 2 Frauen. Und vor dem Essen hatte mich S. gefragt, wie sie die Gäste denn platzieren sollte. Mehr im Spass als wirklich ernsthaft hatte ich gesagt, wir setzten die beiden Frauen neben mich, und die Männer oben neben S. Und so hat sie es dann auch getan. Ach, ich war der Hahn im Korb. A. ..weiss viel über Filme. Das ist ihr Job. Sie hat tatsächlich auch sehr viel gesprochen. Und O. ist Japanerin und sehr künstlerisch begabt. Ich war also wirklich verwöhnt an meinem Platz. Mein Problem war, dass ich auf dem rechten Ohr noch nicht so gut höre. Es ist noch verstopft. Und weil O. rechts von mir sass, und weil sie ausserdem noch nicht so gut deutsch spricht, hatte ich etwas Mühe, sie zu verstehen. Ich hätte gerne mit ihr etwas geflirtet. Aber es war echt hart, weil ich ein bisschen um den Brei herumreden musste, weil ich sie manchmal nur ungefähr verstanden hatte. Ach, ich kam mir ein bisschen vor wie ein alter, schwerhöriger Mann. Nichts isoliert ja so sehr wie Schwerhörigkeit. Blindheit ist nur halb so schlimm. So habe ich den Abend eisern durchgekämpft und versucht, mich als Mundschenk geschäftig zu machen. Der Flirt war ein sehr mageres Gewächs, um das Kind beim Namen zu nennen. Und A. und P. waren sehr unkompliziert und haben zum Schluss noch mitgeholfen, die Gläser und handgemalten Teller zu waschen, die man ja nicht einfach in die Maschine stellen sollte. So dauerte der Abend doch noch bis 2300h, obwohl wir schon um 1800h angefangen hatten.
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Ach Marlena, ich glaube, es wäre schön, Dich mal an unserem Tisch zu haben. Oder EUCH müsste ich doch eigentlich besser sagen. Ja, und dann kommt wieder die Römergeschichte hoch. Du hast jetzt die Hoffnung völlig aufgegeben. Nun ja, es ist auch ziemlich kompliziert geworden. Oder immer schon gewesen? Ich weiss schon gar nicht mehr, wie ich darüber reden soll. Vielleicht doch besser schweigen?
*
Ich war den ganzen Tag unterwegs und deshalb jetzt ein bisschen in Eile. Ich hoffe, Du hast einen schönen Abend. Und mein Schatz, Du solltest mich nicht für zu sehr oberflächlich und dandyhaft nehmen. Das bin ich nämlich nicht.
Ich küsse Dich
..
Danke Dir für das hübsche Bild. Es ist schön arrangiert und zeigt die Stimmung gut. Man möchte am liebsten bei Dir zuhause sein.

An der Spüle.. ...




Ämne: An der Spüle..
Datum: den 26 november 21:20

Lieber ...,
Ach das Glück steht nicht auf meiner Seite im Moment. Ich hatte dir ein Mail geschrieben und nun ist es verschwunden und ich muss von vorne anfangen.
Ja,  mit dem Artikel hast du mich fast erschlagen obwohl mir der Titel "Bildung als Stellvertreterin Gottes" (und einiges mehr) sehr gut gefällt. Wir werden sicher mal darauf zurückkommen.
Heute Abend hast du, wie einst die Könige, die ganze ärztliche Expertise an deinen Hof gerufen um dich beraten zu lassen. Es freut mich, dass du in guten Händen bist. Und heute verbringst du einen wunderschönen Abend in dieser netten Gesellschaft. Und verliebt bist du auch. Das war eine kleine Überraschung aber die Welt ist voll davon.
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Hier ist nun die allerdunkelste Zeit des Jahres und ich warte schon sehr auf 1. Advent, wenn alle Schweden leuchtende Sterne in ihre Fenster hängen und überall Adventsleuchter aufstellen. Auch die typischen Weihnachtsblumen dürfen nicht fehlen. Die schönen Amaryllis von denen man nie weiss wieviel Blüten sie tragen werden, die stark duftenden Hyazinthen und vor allem die s.g. Weinachtssterne.




Und natürlich hängt eine "gute Hausfrau" auch Weihnachtsgardinen in alle Fenster. Vielleicht kommst du mal bei Ikea vorbei. Dort kannst du bestimmt sehen wie das aussieht. Später dann kommt noch das Luciafest am 13. Dezember, das hier von allen sehr gross gefeiert wird und vorher auch noch das Nobelfest um das uns so viele beneiden :-) Vielleicht schaust du es dir auch ein wenig an? Es wäre schön etwas mit dir zusammen zu tun. Sonst bleibt uns ja immer noch die Spüle ;-)
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Morgen habe ich ein langes "Entwicklungsgespräch" mit dem neuen Direktor. Sowas müssen wir alle der Reihe nach durchmachen Er hat natürlich keine Ahnung von Sprachunterricht. Möglicherweise war er mal ein unbegabter Schüler und so weiss er dass Sprachlehrer alles falsch machen weil er nichts gelernt hat. Er hat in letzter Zeit Ideen geäussert die uns allen ein bisschen den Atem verschlagen. Nun wir sind ein abgehärtetes Geschlecht und leider auch ein sehr gefügiges und wie gewöhnlich werden wir versuchen alle Dummheiten bestens zu verwirklichen bis dann plötzlich wieder das Gegenteil gilt. Und alles das darf ich natürlich nicht sagen. Ich habe ein ganzes Kompendium mit Fragen die ich beantworten muss.
Ach, das langweilt dich sicher. Aber es ist schön dass ich mit jemanden darüber sprechen kann.
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Ich glaube ihr sitzt jetzt zu Tisch und ich weiss eigentlich nicht ob ich heute zusehen will.. :-)
Du hast mir wieder ein so schönes liebes Mail geschrieben und so legst du immer wieder neue Holzscheiter ins Feuer. Du scheinst ein glücklicher Mensch zu sein. Hast eigentlich nie Sorgen und vielleicht ist es der Verdienst von S., die dir ein so angenehmes Leben macht. Und nun träumst du wieder von Rom. Du wirst es sicher machen (und sicher nicht allein) aber ich werde noch eine Zeit warten müssen bevor ich den Traum meines Lebens verwirklichen kann.
Ich grüsse dich, chéri. Und wie immer.. aber das sag ich dir heute nicht weil du sicher gerade am flirten bist..
Bye, love
Marlena

Samstag, 26. November 2016

Dienstag, 22. November 2016

Blick durchs Fenster



trüber Tag - heute

Sufismus


Liebe Marlena

Sufismus ist sozusagen die innere Dimension des Islam, eine - oder besser - viele mystische Strömungen, wie sie sie auch im Christentum gibt. Der Sufismus hat viele Fazetten und stellt sich poetischdar in Hafis Versen als blühender Garten, duftende Rosen, klagende Nachtigallen, Symbole der göttlichen Schönheit und Sehnsucht der Seele, die sich in trunkender Gottesliebe wiegt. Europa hat die Sufis, oder Derwische, wie die Perser sie gerne nennen, um 1800 entdeckt. Damals sind sie ihnen vor allem aufgefallen als seltsame Gestalten, oft unter Drogen und im Herzensgebet. Sie schienen in Opposition zum Scharia-gebundenen Islam. Aber im Grunde kommt der Sufismus aus dem Islam und ist an ihn gebunden. Ein Sufi ist der einsame Meister ebenso wie der begnadete Lehrer, die simple Seele, der geschulte Denker oder gottestrunkene Sänger. Jeder kann ein Sufi sein.

"Der Sufi ist jemand, der nicht ist", ist offenbar ein altes Zitat. Es spielt an auf die totale Hingabe an Gott. Meister Eckhart, der europäische Mystiker hat auch von "entwerden" gesprochen, vom aufgehen im göttlichen Wesen wie der Tropfen im Ozean. Die Sufis wollen nicht intellektuelles Wissen, sie warnen immer wieder vom Buchwissen, sondern sie streben nach existenzieller Erfahrung. In den Büchern suchen sie "das Weisse zwischen den Zeilen" zu lesen (was wir eigentlich alle tun; heisst ja 'intellegere'). Russi sagt: Sufi ist "Freude finden im Herzen, wenn die Zeit des Kummers kommt".

Na ja, in Europa sagt man, Philosophie sei, sterben zu lernen. Das ist ja wohl nicht so weit davon entfernt.

Gruss an meine Sufia

....

Sonntag, 20. November 2016

Wer ich bin? - mein Idealbild



Liebe Marlena

Ach meine Liebe, ich glaube, Du möchtest wirklich wissen, wer ich bin. Willst Du das wirklich, Marlena? Ich meine, all die Typen neben dem stillen und kontemplativen Kerl hinter dem Ofen, die ich auch noch bin oder sein könnte.
Ach, wie soll ich über mich schreiben?

Ich glaube, ich habe Dir davon erzählt, dass wir am Ende eines Führungsseminars eine Auswertung gemacht haben. Der Leiter des Kurses gab jedem und jeder Teilnehmerin eine persönliche Qualifikation. Mir hat er gesagt, er hätte den Eindruck, ich schwanke zwischen weiser Gelassenheit und dem Drang, etwas tun zu müssen. Und er gab mir den Rat, die beiden Tendenzen nicht als Gegensätze, sondern als Ergänzung aufzufassen. Das fand ich ziemlich gut, wie er mich charakterisiert hat. Ich glaube wirklich, dass ich von Natur aus ein ziemlich kontemplativer Typ bin. Ich liebe die ruhigen Betrachtungen. Aber andererseits fühle ich ständig die Verpflichtung, aktiv zu sein, etwas zu tun. Das tue ich aber eher aus einem Pflichtgefühl denn aus wirklicher Begeisterung. Im Grunde wäre ich am liebsten ein Philosoph, oder ein Sufi, oder eben, wie schon oft gesagt, ein Clochard. Das ist ja alles ungefähr dasselbe, nur ein bisschen in unterschiedlichen oekonomischen Verhältnissen.
Und im Kurs selbst war ich erstaunt, wie mich viele der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer als "gelassen, weise, ausgeglichen, mit guten Ideen" beschrieben haben. Ich kam mir fast ein wenig vor wie der Medizinmann. Nun ja, sie wussten alle, dass ich Psychologe bin, und viele Leute haben ja einen gewissen Respekt vor diesen merkwürdigen Fachleuten. Und ich war natürlich tendenziell auch etwas älter als die meisten von ihnen. So gerät man mehr und mehr in die Rolle des Grossvaters, oder besser in die Rolle des Supervisors. Was ja mehr oder weniger dasselbe ist.

Vielleicht habe ich Dir einmal beschrieben, welche Arbeitssituation ich mir am meisten wünschte. Ich würde am liebsten im Atelier malen, Porträt malen, und dabei gleich noch psychologische Beratung machen. Das heisst, die Leute kommen eigentlich wegen eines Porträts, oder vielleicht einfach, weil sie sich unterhalten, weil sie plaudern möchten. Aber so beiläufig, wie durch Zufall, vielleicht mit einem Glas Wein, würden wir auf diese oder jene Fragen zu sprechen kommen, auf dieses oder jenes Problem. Ich denke, das wäre eine ideale Situation, um Leute zu beraten. Man sollte sie beraten, während sie es gar nicht merken, dass sie beraten werden. Das ist die Kunst. Und daneben liegt mein dicker gescheckter Spaniel auf dem roten Sofa und öffnet ab und zu das Auge, um nachzusehen, ob die Welt noch in Ordnung ist.
Das wäre schön, glaub mir Marlena. In dieser Situation wäre ich selig. Und wenn gerade kein Kunde im Atelier ist, würde ich lesen, oder meine Palette putzen. Es riecht immer nach Terpentin, im Atelier. Und das finde ich fein. Und im Hintergrund würde eine leise Musik laufen, die das Herz beschwingt. Französische Chansons, das wäre schon ok, vielleicht nicht immer, aber doch oft.
*
Das heisst doch eigentlich, dass mein Idealbild das des Künstlers ist, und sicherlich nicht das des Beamten, des Verwaltungsmenschen, der jeden Tag hinter seinem Pult sitzt und nach §§§§ arbeitet. Ach, ich hasse diese Typen, die so pingelig und exakt sind und bloss an §§§ oder an Formeln denken. Das hört sich alles ein wenig chaotisch an, vielleicht. Aber es hält sich in Grenzen. Total chaotisch bin ich nun auch wieder nicht.Ich kann beispielsweise nicht den ganzen Tag weg sein. Ich brauche mindestens ein paar Stunden pro Tag zuhause, um wieder zu mir und zur Ruhe zu finden. Es gibt doch leute, die ständig unterwegs sind und sich überall gleich zuhause fühlen. So bin ich nicht. Ich brauche, auch wenn ich spät nach Hause komme, eine oder zwei Stunden, bis ich schlafen kann.
*
Und jetzt, Marlena, wirst Du aus mir klug? Habe ich irgend eine Frage beantwortet, die vorher noch unklar war, und jetzt klar? Ach, ich glaube es nicht. Ich bin vielleicht einwenig undurchsichtig. Und ich bin, wie du sagst, geräumig. Man könnte einige Kommoden bei mir einstellen. Und ein paar alte Kisten dazu.
*
Mein Schatz, ich muss jetzt an eine Sitzung. Ich komme dann zurück und schicke dieses Mail ab. Ich bin unter Zeitdruck. Verzeih mir. Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen schönen Abend. Ich küsse Dich in der Dämmerung.
...
Und jetzt bin ich zurück und küsse Dich ein zweites mal. Jetzt verwegener, wo es dunkel geworden ist.
MMM 


Sonntag, 13. November 2016

Sonntagabend - Gastronomie


12 November 2007 08:35
...

Und am Sonntagabend haben wir gekocht: Reis, Lammfilet, Morchelnsauce, Randensalat. Ich weiss jetzt, wie man eine Morchelsauce anpacken muss. Das ist gar nicht so schwierig. Und ich habe schon ein bisschen Erfahrung mit dem Trockenreis. Weisst du, wie ich ihn mache. Es ist natürlich nach persischem Rezept. Ich koche den Reis an, doppelt soviele Tassen Wasser wie Reis, vielleicht mit Bouillon, oder mit Salz gewürzt. Und wenn das Wasser einigermassen verkocht ist, fülle ich die Masse in eine neue Pfanne, deren Boden ich mit wenig Öl und mit Karottenstreifen (man könnte dazu auch Kartoffel nehmen) bedeckt habe. Darauf fülle ich den Reis und forme ihn zu einem spitzen Berg. So lasse ich ihn gute 30 Minuten zugedeckt dampfen. Die Karotten, vielleicht mit etwas Zucker ergänzt, braten unten in der Pfanne an. Das schmeckt sehr gut, leicht karamelisiert,  und verhindert, dass der Reis schwarz anbrennt. Ecco.
Kurz und gut, das hat alles gut geschmeckt zu einem prima Walliser Dôle und Mozart Serenaden. Und zum Schluss gab es noch ein Stücklein Pariserring von Beschle. Beschle ist eine Konditorei ganz in meiner Nähe. Sogar mein Onkelchen hatte sie gekannt und hatte dieses Rezept für Pariserring in seinem Geschäft auch benutzt. Am allerbesten sind aber die Ste Honorée - Kuchen von Beschle. Aber als ich am Sonntagmorgen (in Trainer, Mantel drüber) dort aufgetaucht war, hatten sie schon keine mehr, wie mir die hübsche Verkäuferin lächelnd zu verstehen gab. Sie meinte, ich solle ihr nächstes Mal frühmorgens ein Telefon geben. Sie hat gesprochen, als ob sie selbst das Geschäft - also die Direktion - wäre.  Na ja, sie hatten noch SH-Torten für 8 oder 10 Personen. Aber das wäre dann doch ein bisschen zu gross gewesen.
So ist das Wochenende schnell vorbei gegangen. Und jetzt sitze ich hier und nippe an meinem ersten Kaffee.
Bald beginnt die Sitzung.
Ich wünsche dir einen prima Wochenanfang.
Liebe Gs und Ks
...

Sonntag - Busch und Bosc

12 November 2007 08:35

Der Sonntag war ruhig, und wie gesagt, kühl.

Ich habe kürzlich ein Buch überr Willhelm Busch rezensiert. Du weisst vielleicht, dass man im Januar seinen 100. Todestag feiert. Zu diesem Anlass ist ein Buch mit Gedichten und schönen Bildern, die sich an Fotos aus dem Leben Buschs anlehnen, herausgekommen.  Und dann am Nachmittag sind wir durch Regen und Wind hinüber zum Cartoon-Museum spaziert, um die Ausstellung von Bosc zu sehen. Er war ein französischer Cartoonist, in Nîmes geboren als Sohn eines Weinproduzenten, war als Soldat im Indochinakrieg und ist gebrochen zurückgekommen. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen den Betrieb seines Vaters nicht übernehmen, hat dann als Autodidakt begonnen zu zeichnen und ist schnell bekannt geworden. Aber seine Zeichnungen haben alle irgendwie etwas Trauriges in sich. Er hat einen schönen, klaren  Strich. Und er kann wunderbar Strassensituationen und Hauspartien darstellen. Natürlich beschäftigen sich viele seiner Zeichnungen mit dem Militär. Und einmal soll er in seinem Leben wegen seiner antimilitaristischen Cartoons verurteilt worden sein. Er ist mit ungefähr 50 gestorben: Suizid.
Diesen Bosc also haben wir angeschaut. Das ist ein kleines Museum in der St. Alban-Vorstadt, wo ich gerrrne hingehe. Früher hatten sie gar einen Bibliothekenraum voller Bücher mit Cartoons, wo man sich einen lieben langen regnerischen Sonntagmorgen vertreiben konnte. Ich hatte das mal gemacht. Und es war köstlich. Verschiedene Menschen sassen da herum, auch Jugendliche und Kinder. Einige am Tisch, andere im Sofa, wieder andere auf Stühlen. Es war still. Aber perjodisch hatte man von da oder dort immer wieder ein Kichern oder ein diskretes Lachen gehört. Eine sehr vergnügliche Stimmung. 
Und am Sonntagabend ...

Kühles Wochenende - Penthesilea







12 November 2007 08:35

Liebe Malou
Ach, das war ein nasses und kühles Wochenende. Erstmals habe ich richtig geheizt in meiner kleinen Wohnung. Ich hatte die Kälte nie so gespürt bisher, weil ich nie einen ganzen Tag lang zuhause gewesen war.
Am Samstag waren wir in dieser Vorstellung Penthesilea. Das Theater war gut besetzt, obwohl diese Art von Musik ja nicht jedermanns Sache ist. Meine auch nicht besonders. Es gab da keine echten Melodien, sondern eine Art Sprechgesang, bei dem einem manchmal die Frage aufkam: warum drücken sie sich nicht knapper und klarer aus? ;-)  Die Musik hatte eher die Funktion,  Stimmungen darzustellen. Und die Geschichte war ja mehr als tragisch und endete in einer blutigen Schlussszene, in der Penthesilea auf einem alten Rollstuhl blutige Koffern mit den Gebeinen Achilles' hereinfährt und sie sozusagen umarmt und küsst, so dass sie schlussendlich so blutig wie ein mit Ketchup vollgespritzter Hamburger dasteht.
B hat das alles gut gefallen. Und sicherlich war die klare Bühne sehr gut gemacht. Die Amazonen, allesammt tüchtige Frauen in langen dunkelblauen Mänteln haben einen guten und kompakten Chor abgegeben. Wenn sie mit Pfeil und Bogen erschienen sind, konnte man fast ein bisschen zusammenzucken. Und am lustigsten war das Männerheer, eine Gruppe von vielleicht 20 Männern, echte Pistoleros, Cowboys, Sheriffs, ein englischer Soldat im Kolonialstil etc. etc., also ein lustiges und buntes Gemisch von verschiedensten Machotypen. Achilles hatte eine gute Stimme. Und zum Schluss ist er in weissem Anzug und Borsalino wie ein echter Geck dahergekommen.
Der Sonntag war ruhig, und ...

Freitag, 11. November 2016

Leonard Cohen R.I.P


Ämne : Whatever..
Datum : Thu, 03 Jan 2002 




Lieber ...,

Heute habe ich ein stundenlanges Interview mit Leonard Cohen gesehen. Ich liebe seine Musik, aber ich wusste nicht was für ein fantastischer Mensch sich hinter diesem Namen verbirgt. So wie er über sich selbst und das Leben spricht.. ach, es war wunderschön und ich wünsche du hättest es sehen können.

ein Kübelchen Wasser


Subject: freitagwiedereinmal

Liebe Marlena
Ach nein, das kann ich fast nicht glauben, dass meine süssen Mails wie Kübel
kalten Wassers wirken. Was denn war es? Wenn ich richtig interpretiere, dann
meinst Du die Tatsache, dass ich nicht sage, ich würde aus reiner Lust
schreiben.
Schau mal, ich habe mich so eingerichtet, dass ich morgens früh mein Box
öffne und dann ein Mailchen, dh. ein Kübelchen Wasser fülle. Das ist
sozusagen eine Regel, unabhängig von meiner Lust. Oft gibt es Tage, an
welchen ich mich morgens bei Dunkelheit aus dem Bett hieve mit dem Gedanken,
rasch zu sehen, was denn Neues von Marlena im Box liegt. Und manchmal bin
ich schon am Morgen mit irgendwelchen Dingen beschäftigt, die am Tag auf
mich warten werden. Dann habe ich nicht sonderlich Lust, weil ich mich
zwingen muss. Trotzdem schreibe ich zu meinem ersten Kaffee ein Mail. Du
kannst darauf gehen, wenn Du kein Mail hast, dann hatte ich auch keinen
Kaffee. So einfach ist die Welt.
Aber ich kann nicht ...


Montag, 7. November 2016

Sonntag, 6. November 2016

6. November


Gustav-Adolfs-Gebäck


Subject: 6. November
Date: Thu, 06 Nov 19:30:15

Lieber ...,
Ich trinke meinen Tee hier vor dem PC und eigentlich müsste ich ein Gustaf Adolf-gebäck dazu essen. Denn heute feiern wir diesen alten König, der 1632 in der Schlacht bei Lützen im Nebel gefallen ist.
Na ja, wir feiern nicht allzu gross - ich glaube auch weil man in Schweden immer etwas Angst hat sich zu patriotisch zu zeigen. Aber es ist gut, dass es gerade am 6. November stattfindet, denn so vergesse ich nicht so leicht das wichtige Datum an dem mein lieber Mausfreund geboren ist. Und natürlich hissen wir die Fahnen.
*
Aus dem Internet:
6 november is Gustav Adolf Day. Gustav II Adolf was king of Sweden from 1611 to 1632 and died on this day. There is a special pastry called a 'Gustav Adolf-bakelse' which people eat to celebrate the occasion. King Gustav II Adolf founded Gothenburg, and the pastry is especially popular there.
*
Ich denke du hast dann vielleicht doch nicht meine kleine Karte gesehen, die ich so lustig finde. Muss lachen wenn ich sie ansehe. Und dann hab ich dir auch Marlena vor dem Rathaus geschickt. Im Abendrot noch dazu. :-)
*
Ich war heute in der Kantine. Wollte eigentlich zu Hause nur etwas leichtes essen, aber Gudrun (schwedisch und Geschichte) hat mich mit hingelockt. Und es war wieder eine herrliche Stunde mit lauter sympathischen Leuten, die alles taten um die Stimmung bis zur Decke zu heben. Dann haben sie sich auch etwas über meinen Appetit amüsiert. Es gab zwei Gerichte. Das eine war Erbsensuppe nach der man Pfannkuchen mit Sylt (eingemachte Beeren) und Schlagsahne ist. Das ist ein typisches Donnerstagsgericht in Schweden aber in der Kantine serviert man es eher selten. Das andere war ein Wurstgericht mit einem herrlichen Salatbüffé. Und was glaubst du habe ich gewählt? Zuerst die Erbsensuppe mit Speck drin, dann das Wurstgericht mit dem herrlichen Salat dazu und als Nachspeise den Pfannkuchen mit Zutaten. Dazu ein Bier (Pripps =eine gute Sorte). Und dann begann natürlich ein Gespräch über Kalorien und was man man tun muss um ein einziges Stück Torte loszuwerden. Der Trainer der Schwimmer (solche die sich für kommende Weltrekorde ausbilden) meinte 2½ Stunden intensiven Sex brauchte man dazu. Wir waren alle etwas verstummt eine Weile.. aber natürlich haben wir losgelacht und alle unsere eigenen Kenntnisse zu diesem Thema bekanntgegeben. Kalorien also.
Mir kam heute der Gedanken, dass man unser Essen in der Kantine gut mit eurem Club-essen vergleichen könnte. Aber wir sind immer zufrieden mit dem was man uns bietet. Es ist wirklich sehr köstlich und unsere Schule ist dafür bekannt. Auch die Schüler sind sehr zufrieden. Sie bekommen es frei.
*
Ich habe gerade eine kleine Reportage über Coco Chanel gesehen. Sie war eine Meisterin in der Kunst elegante und stilreine Kleider zu schaffen. Übrigens, M und ich haben uns in Stockholm in einem eleganten Parfümgeschäft mit Chanel 5 besprüht. In Stockholm braucht man absolut nicht Parfüm zu kaufen. Man kann sich täglich ein neues Auswählen. ;-)) Und als ich jung war (13) gingen wir Mädchen oft auf den nahen Zentralbahnhof, wo es einen Automaten gab, wo man sich für ein paar Öre in diesen Luxuriösen Duft einhüllen konnte. *s* Oft tauchten dort Mitglieder der Familie Taikon auf, die uns mit ihren rauhen verrauchten Stimmen unsere Zukunft verraten wollten. Natürlich nicht ohne Bezahlung. Jetzt sind sie ziemlich assimiliert in der schwedischen Gesellschaft und einige sind berühmt für ihr Kunsthandwerk. Schönem Schmuck z.B.
*
Morgen Abend kommt Anna nach Hause. Habe es K gerade am Telefon mitgeteilt. Er war freudig überrascht. Na ja, es ist ja auch Vatertag am Sonntag.

Ach, ich schiebe meine Arbeit vor mir hin. Muss aber doch jetzt drangehen. Ich grüsse dich lieb und wünsche dir einen schönen Freitag.
Je t'embrasse,
Marlena

Sende dir ein Bild mit von dem Gebäck. Das Portrait des Königs in Marzipan obendrauf.

Samstag, 5. November 2016

Re: Mitarbeiter


Subject: Hahnenkampf - Gardell und Bocuse

Lieber ...
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Leider habe ich den ganzen Tag in der Schule verbracht. Es war nicht ganz uninteressant. Vor allem das Verhältnis zwischen den drei Männern in unserer Arbeitsgemeinschaft (wir sind 5 Personen) ist interessant zu beobachten. L..  fühlt sich nicht wohl, hat er mir anvertraut. Und ich sehe, dass er es schwer hat zur Zeit. Der Bodybilder ist das grosse Idol unseres neuen Direktors geworden, was nicht für den letzteren spricht. Er ist ziemlich einfältig und lässt sich leicht dupieren. Der Bodybilder schlägt hart nach allen Seiten um seine Konkurrenz loszuwerden. Es ist wie ein richtiger Hahnenkampf! Und ich sitze da und gratuliere mir zu meinem Schauspielertalent, scherze, lache, lächle und mache Komplimente. Oh Gott, was muss man nicht alles tun. Zum Glück ist die Frau des Bodybilders, die auch dabei ist, eine ziemlich sympatische Person, obwohl sie von ihrem Mann hart an der Leine geführt wird.
Na ja, jedenfalls haben wir am Ende des Tages ein zusammengestelltes Dokument abgeliefert, das in seiner Eloquenz und unübertroffenen Art mit schönen Formulierungen Luft zu erzeugen, alles andere übertroffen hat. Natürlich müssen die anderen Gruppen eingesehen haben, dass das alles nur schöne Worte sind, aber wer wagt schon gegen solche einzuwenden, in dieser Zeit wo Worte viel wichtiger sind als Handlungen und selten zu solchen führen.

*
Ach so, du bist dabei dir eine Assistentin anzuschaffen? Und wie du sie beschreibst so hat sie vielleicht sogar ähnliche Qualitäten wie Clintons M. Lewinsky. Vielleicht brauchst du sie. Warum nicht, wenn man bereit ist für eine Assistentin zu bezahlen. Sicher jubelt deine Sekretärin schon.
Lass mich wissen, wenn es soweit ist.

*

Ich werde mir nun zwei kleine (nur 10 minuten lange) Reportagen ansehen, die ich auf Video aufgenommen habe. Das eine ist von unserem Superschwulen Schriftsteller Jonas Gardell. Er ist auch ein bekannter Stand-upkomiker und mit einem ebenso berühmten Kulturmenschen (Mann natürlich) "verheiratet". Er schreibt gute Romane. Den einen davon würde ich dir gern empfehlen, weil er ein wirklich realistisches Bild von schwedischem Alltag gibt. Doch nun geht es um seinen neuen Roman "Über Gott". Das Buch soll ganz einmalig sein und ein Thema was man nicht von ihm erwartet hat. Bin schon neugierig was er selbst darüber sagen wird.

Die andere Reportage ist von dem französichen Meisterkoch Paul Bocuse, der sich über das schwedische Essen äussert. Das habe ich für meine Schüler aufgenommen, weil wir gerade bei dem Thema Gastronomie sind und sogar einen Text über diesen berühmten Koch und die gastronomische Hauptstadt Lyon vor uns haben.
...

Wünsche dir einen schönen Tag
und grüsse dich lieb,
Marlena

Neue/r Mitarbeiter?


Liebe Marlena

Die Sekretärinnen kennen mich kaum mehr. In den letzten zwei Tagen war ich
kaum im Büro. Das ist im Moment ein Leben in fliegenden Wechseln. Du kennst
den Ausdruck als Mitglied einer Nation mit exzellenten Eishockey-Teams. Dort
bedeutet es den Wechsel der Spieler im laufenden Spiel, also ohne
abzuwarten, bis der Schiedsrichter aus irgend einem Grund das Spiel
unterbrochen hat. Gestern war ich in Olten und Basel. Vorgestern zur
Hauptsache in Basel. Und ich könnte Dich jetzt wieder um Rat fragen, wen von
all den Männern und Frauen wir als Mitarbeiter anstellen sollten. Die eine
ist sehr geschwätzig. Die zweite ist hübsch und vielversprechend, aber noch
reichlich jung. Die dritte ist ebenso jung, aber vielleicht etwas unberechenbar.

Und die vierte haben wir schon vor einem Jahr gesehen. Sie ist kognitiv gut
organisiert, ärgert sich aber viel, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sich
das vorgestellt hat. Oder sie setzt sich durch eigene Gedankenkonstrukte
unter Druck.
Es ist wirklich nicht leicht, und man kann ja keinen Test veranstalten. Man
kann die Leute nicht im Quervergleich sehen, sondern muss sich für eine
Person entscheiden und dann mehr oder weniger annehmen, dass dies die beste
Wahl gewesen sei. Vielleicht kann ich noch jemanden, eine jüngere Person
vielleicht, in einem Praktikum anstellen. Ich erinnere mich daran, wie
glücklich und selig Clinton war mit der Möglichkeit, Praktikantinnen
anstellen zu können.


....

Freitag, 4. November 2016