Mittwoch, 31. März 2021

Re: Ostern in Sicht


Lieber ...,
Ja, Ostern ist tatsächlich in Sicht... oder fast hier. Die Sonne lässt sich nicht erblicken, aber trotzdem ist irgendwie schönes Osterwetter. 4 Grad, sehe ich hier gerade. Klingt nicht besonders warm aber wenn es nicht stürmt ist es doch angenehm draussen zu sein.
Unter dem Kirschbaum leuchten die ersten Frühlingsblümlein - blau und gelb.



Ich liebe diese Jahreszeit. Sie ist wie eine neue Liebe, voll von Hoffnungen und noch ohne Enttäuschungen.. ;-)

Gut, dass du ausgeschlafen hast. Man braucht diesen letzten Schlaf am morgen besonders glaube ich. Es ist die Traumphase, in der man seine Seele reinigt oder zumindest etwas aufräumt. So sagt
man jedenfalls.

Ich werde in ein paar Stunden zu Anna runter fahren und sie abholen. Wir werden ihre Blumen mit nach Hause nehmen und ich will dort auch ein wenig saubermachen. Gehört sich ja für eine Mutter, oder? K wird mir sein Auto leihen, weil mein Golf scheinbar bald einen kaputten Auspuff hat. Man hört es schon, dass da bald was passieren wird. Sein Auto ist angenehmer zu fahren. Er wird derweilen ein gutes Essen für uns machen und uns damit empfangen, wenn wir hier so gegen 18.00 Uhr aufkreuzen werden.

Ich habe bei mir oben endlich wieder mal meine Papiere angegriffen. Du weisst wie es ist, wenn sich ein paar halbmeterhohe Stapel in -zig kleine aufteilen und jede Fläche im Raum damit bedeckt ist. Und endlich habe ich es etwas leichter mich von alten Dingen zu befreien. Brauch nicht mehr zu denken "das kann ich sicher später mal brauchen". Ich glaube an Feng Shui. Zwar macht man in letzter Zeit Geschäfte mit diesen Ideen, aber ich habe immer schon gewusst, dass Ordnung um mich herum auch Ordnung und Zufriedenheit in meinem Inneren erzeugt.

Ach, ..., ich hab doch garkeine Osterhasen aus Schokolade. Bei uns gibt es nicht den Osterhasen. D.h. man kann schon solche Dinge in Geschäften finden aber wir haben Eier, und Bonbons in Eierform und dann haben wir die Hexen, die nach Blåkulla reiten auf einem Besenstiel.



Ich habe einen Lammbraten und K hat Lachs und einen grossen Osterschinken gekauft. Es wird gutes Osteressen geben und A wird sicher gleich wieder ihre verlorenen Kilos zunehmen.

Nun muss ich hier weitermachen. Noch staubsaugen bevor ich dann nach Lunch zu A runterfahre. Wenn ich dazu komme kriegst du noch ein kleines Mail aus Linköping.

Ich grüsse dich lieb
mit einem zärtlichen Kuss,
Malou

 

Ostern in Sicht


Ämne: osterninsicht

Liebe Malou
Ach, es ist kalt und unfreundlich, wie man es dem April nachsagt. Die ganze Stadt wirkt ziemlich trüb. Und nur die Bäume mit ihrem vorsichtig keimenden Grün deuten an, dass wir andere Zeiten erwarten können. Und von den Tauben ist nichts zu sehen, weit und breit. Wahrscheinlich liegen sie im Gartenhäuschen und drehen sich auf die andere Seite.

Heute habe ich erst um 8.00h angefangen. Ich weiss nicht weshalb, aber irgendwie hatte mein Wecker Mitleid mit mir und liess mich liegen. Vielleicht habe ich ihn ja auch kurz nach 6 wieder abgestellt, um mir zu überlegen, wie man das eigentlich schafft, um diese Zeit aus den warmen Federn zu steigen. Ich meine, da ist wirklich etwas mentale Kraft erforderlich, nicht wahr? Automatisch geht so was nicht. Ausgenommen vielleicht, du erwartest heute dein erstes Rendez-wous oder die Verleihung des Nobelpreises. Und das ist, wir wissen es, nicht jeden Tag zu erwarten. So bin ich erst durch die Helligkeit um halb Acht aufgewacht und habe mit Chronos, dem Gott der Zeit, gefeilscht, ob jetzt vielleicht 6.30h oder vielleicht gar schon 7.00h sein könnte. Unten hörte ich S, die sich in der Küche zu schaffen machte. Und da wusste ich, dass es kaum 6.30h sein konnte.

---

Magst Du bei den Schokoladenosterhasen auch am liebsten die Ohren? Da ist am meisten Material dran, nicht wahr? Und bei den Eiern das Gelb, natürlich!

Ich wünsche Dir einen feinen Tag.
Mit lGuK
...

Freitag, 26. März 2021

Donnerstag, 18. März 2021

Samstag, 6. März 2021

Missgeschick

Liebe Marlena

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Ich erzähle Dir einen Witz:
Ein Mann stirbt und kommt ans Tor des Himmels. Dort steht Petrus und ist einigermassen erstaunt, dass dieser arme Kerl schon das Zeitliche gesegnet hat. Petrus blättert in seinem dicken Buch und sieht sofort, dass hier ein kleines Missgeschick geschehen ist, ein Betriebsunfall wie er in jeder Werkstatt vorkommt. 

Petrus entschuldigt sich beim vorzeitig Verstorbenen. "Es soll nie wieder vorkommen. Und auf Rechnung des Hauses hast Du einen Wunsch frei"

Der Tote überlegt lange und meint dann, eine direkte Strassenverbindung zwischen Europa und Amerika wäre natürlich schon schön, so eine interkontinentale Autobahn. Petrus hebt die Augenbrauen und gibt zu bedenken, dass das eine ziemlich unmögliche Vorstellung sei, es gibt keine Möglichkeit, die Strasse zu verankern, keine Fundamente. Und bei einem Sturm, wie er sich denn das vorstelle? Dieser Wunsch sei leider nicht zu erfüllen. Ob er denn nicht einen anderen Wunsch hätte?  

Der Tote kratzt sich die Glatze und denkt doppelt so lange nach. Schliesslich, nach einem langen Seufzer, gibt er zu, dass er sich nach seinem Leben auf Erden eigentlich eigentlich nur eines wünschte, nämlich die Frau in ihrem Wesen zu verstehen.
Petrus, mit einer kleinen, fast unwirschen Bewegung: "Wie willst du sie, 6- oder 8spurig, deine Autobahn?".
*****
Willst Du meine Küsse in 6- oder in 8facher Ausführung? Im Doppelpack sozusagen.

Donnerstag, 4. März 2021

Re: Vorbild

Lieber ...,

(---)

Ja, ich habe geahnt, dass du nach einem Vorbild suchst. Deswegen habe ich dir ja auch die Portraits von Vollard * geschickt. Dort konntest du gut sehen, wie verschieden ihn die Künstler gemalt haben. 

Manet oder Monet. Ja, vielleicht haben sie sich einen Spass erlaubt. Ich hatte immer Probleme die Namen auseinanderzuhalten. Siehst du, nun hast du mich verleitet in Mark Harden's Archive zu gehen um mir nochmals die schönen impressionistischen Bilder anzusehen.
http://www.artchive.com/ftp_site.htm
Und du magst Soutine? Ich habe ihn nicht gekannt aber jetzt habe ich mir einige Bilder von ihm angesehen. Ich lege sie dir in Fotofolder. Na ja, schön???

Ich muss mich an die Arbeit machen. Es verlangt ein bisschen Selbstdisziplin um nicht einen solchen Tag in Freizeit zu verwandeln.

Ich grüsse dich lieb,
Mit G's und K's 

 Malou

*

Vollard  gemalt von  Bonnard, Picasso, Renoir und Cezanne

bonnard.jpg

picasso.jpg

Renoir.jpg

Cezanne.jpg

 

Montag, 1. März 2021

Gedanken über Maler


Ämne:  montagmorgenistdieweltnochinordnung
Datum: den 15 mars 08:10

Liebe Malou
(---)
Nächsten Montag werde ich meinen Vortrag im Club haben. Ich darf heute nicht vergessen, einige kleine Dinge zu organisieren: ein Gestell für den Projektor, Abstellfläche für den Computer, Verlängerungskabel, ein Glas Wasser ;--)) Ich habe gestern nochmals ein bisschen reduziert. Im Moment bin ich bei ca. 100 Bildern. Das ist immer noch enorm viel für 30 Minuten. Ich werde zusehen, dass ich noch bis ca. 60 bis 80 herunterkomme. Aber jedes Bild, das ich rausnehmen muss, tut mir leid. Aber ich darf die alten Herren nicht bombardieren mit Bildern. Sie brauchen Zeit und Führung. Nicht alle, aber viele von ihnen.

Vollard


Gestern Abend im Bett habe ich nochmals versucht, Vollard eine Chance zu geben. Er ist eine wirkliche Händlernatur, hat eine gute Empathie mit den Leuten und versteht, mit ihnen umzugehen. Auf der anderen Seite hat man den Eindruck, dass er sich über die Malerei kein Urteil erlaubt. Weil er bloss kleine Erlebnisse und Begebenheiten aneinanderreiht, macht mir das Büchlein nicht den Spass, den ich erwartet habe. Ausgenommen vielleicht Degas Bemerkung über Manet, seine Bilder hätten die Farbe von Backpflaumen. Das ist gut bemerkt, wenn man die ältesten Bilder Manets im Auge hat. Später ist er dann ja ziemlich impressionistisch und luftig geworden. Er ist ein gewandter Maler, Manet, und neben Monet einer der grössten. Ich hatte mich früher immer gewundert, weshalb zwei so sehr berühmte Menschen, die in einem ähnlichen Gebiet ausserordentliche Dinge geleistet haben, auch gleich noch sosehr ähnliche Namen tragen mussten. Und meine Antwort war: sie wollten uns ärgern! Die Namen hat sie gezwungen, noch besser zu werden, damit man sie wirklich nicht zu verwechseln droht. Es ist ungefähr dasselbe wie mit unseren Töchtern: ... und ... ;--)

Ich kannte mich schon im Gymnasium ein bisschen unter Malern aus. Ich erinnere mich, wie unser Lehrer für Kunstgeschichte, der ein sehr spielerischer und intelligenter Geistlicher war, manchmal irgendwelche Reproduktionen von Bildern mitbrachte. Damit wollte er von seinem ordentlichen Programm ablenken. Und sein Programm war die Architektur v.a. seit der Griechischen Antike. Die meisten Klassen sind mit ihm nicht über die griechische Antike herausgekommen. Er war zugleich Rektor, kam immer zu spät in die Stunden, oder suspendierte sie manchmal ganz, weil er offenbar wichtigere Geschäfte ob hatte.
So hielt er uns also gelegentlich einfach diese Reproduktionen in Postkartengrösse unter die Nase und sah zu, wer sich darin auskennt. Wir Buben hatten damals im Wallis natürlich - weiss Gott - wichtigere Dinge im Kopf als irgendwelche Ölgemälde vergangener Maler. Es war auch keine besonders gescheite Idee, so zu tun, als ob es wichtig wäre, zu wissen, von wem ein Bild stammt. Wichtiger wäre gewesen, es anzuschauen, zu beschreiben, zu interpretieren, vielleicht daraus abzuleiten, aus welcher Zeit es stammen könnte, was der Maler damit gemeint haben könnte usw. . Na ja, Du siehst darin die Qualität des Unterrichtes, den wir hatten. Aber die ganze Welt lief zu jenen Zeiten noch nicht so wild, wie sie es heute zu tun scheint.

Und so ist mir gestern abend im Bett, um 22.30h oder später, wieder in den Sinn gekommen, dass Du auch eine Varlinistin bist. Irgendwie suche ich ein Vorbild für meine Porträtmalerei. Im Moment habe ich dafür Varlin, Bacon und Soutine vor Augen. Soutine finde ich am schönsten. Varlin war von ihm beeinflusst. Soutine hat eine wunderbare, tiefe Farbpalette und seine Bilder geben den Eindruck einer reichen Beständigkeit, auch wenn die Figuren ziemlich verzerrt sind. Ich glaube, er war Jude in Paris und ein extrem armer Schlucker. Bacon wirst Du kennen. Er war Autodidakt, Ire und Alkoholiker. Bei seinen Bildern fallen grässliche Grundtöne auf: ein scharfes Orange, ein nervenzersägendes Lila und so fort. Darin winden sich seine Figuren in imaginären Vitrinen in einem grellen Scheinwerferlicht. Man hat gesagt, er zeige damit die Abgründigkeit des modernen Menschen. Bacon war mit Luzian Freud befreundet, einem Enkel des grossen Psychoanalytikers. Dieser aber malte seine Porträts ziemlich naturalistisch und fleischig, mit einer Offenherzigkeit, die etwas schockt und die vielleicht vor allem Metzger und Fleischergesellen fasziniert. Und daneben ist noch unser Varlin, dessen Porträts interessant sind, weil wir die Menschen auch kennen oder kannten, die er gemalt hat.

Heute denke ich, ich müsse mir ungefähr schon eine Vorstellung eines Bildes machen können, noch bevor ich mit Malen beginne. Früher hatte ich jeweils einfach begonnen und zugesehen, was dabei herauskommt. Man kann bei Porträts auch nicht zu sehr subjektiv vorgehen, denn die Menschen wünschen, doch mindestens auf dem Bild einigermassen wieder erkannt zu werden. Und Frauen wünschen, noch ein bisschen schöner dargestellt zu werden, als sie schon im RL sind. Als Maler kann man sie eigentlich nur beleidigen, es geht fast kein Weg daran vorbei.

„Mildes Frühlingswetter“ meldet das Radio soeben. Das ist gut. Vielleicht hilft es mir, gerade noch an der Klippe der Grippe vorbei zu kommen.

Ich wünsche Dir einen feinen Wochenanfang. Das habe ich zwar schon mal getan, aber trotzdem.
MlKuG

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  Foto: Chris
 
 
Der Fischmarkt ist dort drüben ...!
 
 
 
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