Montag, 5. Dezember 2016

Bald Weihnachten ...



Liebe Marlena
Na ja, ich bin eigentlich nicht so unter Stress. Den meisten Stress verursache ich mir selber. Ich habe am Wochenende immer noch an meinem Bericht gearbeitet. Du denkst vielleicht, das sei ein 100 Seiten Ding. Ist es aber nicht. Es sind blosse 10 Seiten, ungefähr. Aber ich muss der Regierung und den Parlamentariern beweisen, dass wir hier zuviel Arbeit und zuwenig Mitarbeiter haben. Und diese Diskussion ist eben heikel, weil unsere Konsequenzen sehr teuer sind. Und sie sind auch deshalb ziemlich schwierig, weil man die psychologische Arbeit so schlecht quantifizieren kann. So möchte ich eben einen Bericht schreiben, der gleich alle auf den ersten Anhieb überzeugt. Und ein solch hoher Anspruch ist ein wenig stressig.
So ungefähr schaue ich meinen Stress an. Und Du hilfst mir schon dabei. Deine Mails lösen mir meine Verkrampfung und lassen mich noch ein paar andere hübsche Dinge denken. Ach, das ist mehr Unterstützung, als Du glaubst. Es ist wie eine feine Massage der Hirnwindungen. Ganz exzellent.
So habe ich eben übers Wochenende gearbeitet, als ob ich wie K den amerikanischen Wahlkampf berüchsichtigen müsste. Und heute denke ich, ich hätte eine brauchbare Form des Berichtes. Er ist vielleicht noch nicht in allen Teilen sehr perfekt. Aber die Form stimmt. Mit meinem ersten Entwurf war ich damit sehr unzufrieden.
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Genug über Arbeit. Schön, dass bei Euch bald Weihnachten beginnt. Bei uns haben wir auch am 6. Dezember St. Nikolaus. Aber dann ist es mehr oder weniger still bis Weihnachten. Die Schulen klagen jeweils, dass alle Kinder aus dem Häuschen seien. Aber sonst ist nichts Spezielles los. Natürlich gibt es Hausfrauen, die Süssigkeiten backen. Es gibt dieses Durcheinander in den Läden und Kaufhäusern, weil alle ihre Geschenke einkaufen. Und alle warten ein wenig auf Schnee. Aber es ist nicht mehr wie früher. Früher war die Adventzeit wirklich noch stimmungsvoll. Und die paar wenigen Lichter und Bäume, die man sehen konnte, haben einen das Herz erwärmt. Heute sieht man in jedem Schaufenster einen Weihnachtsbaum und es ist alles ziemlich oberflächlich geworden und die Kinder wünschen sich auf ihren endlos langen Wunschlisten Elektronik und Barbys und Plastik-Zeug. Nun ja, vielleicht hat es sich vor allem geändert, weil wir selbst älter geworden sind.

Gestern abend waren wir wieder bei Onkelchen. S hat Fisch gebacken, den feinen rosa Salm. Er war sehr geschmackvoll. Aussen etwas knusprig und innen noch feucht saftig. Prima. Das mag er am liebsten. Das erinnert ihn an alte Zeiten. Scheinbar hat seine Frau früher immer Salm bestellt, wenn sie zusammen im Bahnhofbuffet Zürich gegessen haben. Er hat das schon zwei oder dreimal erzählt. Und dazu gab es Reis und etwa drei Sorten Gemüse. Und er hat einen feinen Mont sur Rolle spendiert, einen Weisswein vom Genfersee, vom La Côte, wie wir sagen. Das ist das Seeufer nach Lutry, Richtung Genf. Das hat alles sehr gut geschmeckt. Und zum Dessert gab es dann noch einen Irish Coffee und ein Japonais mit kleinen Fruchtstücklein. Wenn es kühl ist mag er einen Irish Coffee, und ich mag ihn auch. Er bringt das Blut wieder in Bewegung, wenn man nach dem Essen etwas faul und schläfrig werden sollte.
Aber es war eigentlich was anderes, was ich Dir erzählen wollte. Nach dem Essen, so hat sich die Gewohnheit herausgebildet, ging ich in die Küche, um das Geschirr zu waschen. Na ja, weil S alles kocht, muss ich ja auch was dazutun. Und so wasche ich und räume die Küche auf, mehr oder weniger, wie das Männer manchmal sehr halbherzig tun. Und als ich so vor mich hin gewaschen habe, kam mir Deine Situation in den Sinn, als Du kürzlich Geschirr waschen musstest. Deiner Maschine zuliebe. Und so war ich nicht allein in der Küche. Und alles ging ganz schnell und munter. Und ich fühlte, welch lieber Mensch Du bist. Du bist wirklich ein sehr exquisiter Mensch. Du hast eine Unmenge Geduld. Du hast soooviel Einfühlungsvermögen. Soviel Freundlichkeit und guten Willen. Ich war ganz voll von Gedanken an Dich. Ach, es ist wirklich wunderbar, eine Frau wie Dich zu kennen. Und ich dachte, dass sicherlich manche Deiner Sorgen bloss zustande kommen, weil Du so lieb bist. Siehst Du meine Liebe, so habe ich vor mich hinträumend Geschirr gewaschen und getrocknet und dazu noch aufgeräumt, ohne auch nur einen einzigen Teller fallen zu lassen. Ist doch fantastisch, nicht??
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Kommt mir in den Sinn, dass ich Dir ein paar Fotos schicken soll. Ach, Marlena, ich will nicht kneifen. Aber ich habe noch keine gesucht. Es wird ziemlich zeitaufwendig werden, ein paar Fotos zu suchen. Und auf jenen, die noch in der Nähe herumliegen, bin ich überhaupt nicht zu sehen. ...
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So wollte ich Dir jetzt eine schöne Woche wünschen. Aber dann denkst Du gleich, ich würde bis Samstag nicht mehr schreiben. Also wünsch ich Dir einen wunderschönen, wenngleich vielleicht verregneten Montag. Der Montag ist ja doch immer der schwierigste Tag der Woche, nicht wahr? Und wenn wir ihn hinter uns haben, ist alles nur noch halb so schlimm. So wünsche ich Dir einen leichten und fröhlichen Montag.
Mit lieben Küssen
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