Donnerstag, 30. Dezember 2010

Escapism

Liebe Malou

Hast du sicherlich schon gehört. Und ich habe es heute morgen beim
Kaffee in der NZZ gelesen. Finde ich eine wunderbare Geschichte.
Geradezu benutzbar als Plot für einen exquisiten Roman.
Kennst du sie nicht, die Geschichte von jenem Schweden, der vor 2
Jahren verschwunden ist. Er hatte seinen Tod vorgetäuscht, indem er
ein Boot gemietet und auf dem Wasser hatte schwimmen lassen, während
er sich selbst auf den Socken davonmachte. Er sei dann, so die kurze
Notiz, in Südeuropa während 2 Jahren umhergetrampt, ohne von seinem
Konto Geld abzuheben, um nicht entdeckt zu werden. Jetzt aber war er
aus Heimweh wieder zurückgekehrt und habe sich zuhause gemeldet. Weil
die Familie ihn vermisst habe, wollte er nach Hause zurück. Und jetzt
wurde er in einer Verkehrskontrolle offiziell entdeckt.

Ist die Geschichte nicht herrlich? Ich glaube, Updike hat in seinen
jungen Jahren einen Roman geschrieben, der ungefähr diesem Plot folgt.
Davon hatte mir damals vor vielleicht 40 Jahren A erzählt, als er noch
in Zürich Germanitik studiert hatte. Ich war beeindruckt von dieser
Idee und sie ist mir mein Leben lang nie mehr aus dem  Kopf
gegangen. Escapism hatte A das damals genannt, sozusagen als
Lebensidee. Und ich glaube, es liegt darin eine spezielle Idee des
Masochismus.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen